Hoffnungslos frustriert

Kann es sein, dass die Menschheit immer verrückter wird und vor allem immer gewalttätiger? Gestern Nizza, heute Ankara. Was kommt morgen? Berlin oder Hamburg oder München?

Ich habe das sichere Gefühl, dass wir auf den Abgrund unserer Zivilisation zusteuern. Doch statt zurückzurudern, halten wir blind darauf zu. Eingelullt von Pokémon Spielchen und Promi-Hochzeiten. Uns geht’s ja gut! Wir gehen ins Kino, backen Kuchen und schreiben Geschichten. Noch. Doch wie lange noch?

Ich bin verwirrt und frustriert. So habe ich mir die Zukunft nicht vorgestellt. Geschichte wiederholt sich, obwohl ich sicher war, dass wir als Zivilisation daraus gelernt haben. Doch anscheinend ist der Mensch nur eingeschränkt lernfähig – innerhalb der Grenzen seines Egoismus.

Wieder ein Tag an dem ich nicht weiß, was ich denken oder sagen soll. Wann wird das aufhören?

Ich muss nachdenken!

Europa vor dem Abgrund

»Weiß jemand, wann es anfing alles so entsetzlich schiefzulaufen? Wann alles auseinanderzubrechen begann?« Diese Fragen werden wir uns stellen. In zehn vielleicht auch erst in zwanzig Jahren. Dann, wenn wir zwischen den Trümmern unserer ach so hochgelobten Zivilisation stehen, die dann nur noch ein Schatten ihrer Selbst sein wird. Aufgerieben von Auseinandersetzungen, gegenseitigem Neid und einem über alles dominierenden Egoismus. Wir alle werden Opfer eines Systems, das sich ausschließlich dem Gewinn von Reichtum und Macht widmet. In dem kein Platz mehr sein wird für die Bedürfnisse der Menschen, sondern ein System in dem Zahlen regieren. In dem Konzerne diktieren, was wir tun und wann wir es tun, nur weil es die Zahlen so wollen. Gesunder Menschenverstand wird erst ignoriert und später bestraft werden. Primär wird uns der Verlust unserer Arbeit treffen. Anschließend werden wir unsere Mobilität genauso verlieren wie unsere Häuser. Wir werden uns selbst abschaffen, denn damit haben wir schon begonnen. Alte und Kranke werden froh sein, wenn sie vor die Flinte marodierender Jugendbanden geraten, die um Drogen und Macht kämpfen. Während die Ordnungshüter hilflos zusehen müssen, weil ihre Ausrüstung und ihr Wissen hoffnungslos veraltet sind. Die Oberschicht flüchtet sich in virtuelle Tagträume, weil die Welt draußen viel zu häßlich geworden ist, da inzwischen Katastrophen den Lauf der Jahreszeiten bestimmen, in einem steten Wechsel aus Dürre, Überflutungen und Orkanen.

Unsere heile Welt verabschiedet sich dieser Tage mit jeder Schlagzeile ein bisschen mehr. Der letzte Damm ist gebrochen, der Zerfall Europas nicht mehr aufzuhalten. Und wenn am Ende des Jahres Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird, wird das dem Ende der zivilen Welt gleichkommen.

Vielleicht sehe ich die Zukunft auch zu düster. Hoffentlich! Aber angesichts dessen, was um mich herum passiert, habe ich wenig Anlass dazu.

Absichtliche Wohnraumverknappung

Es gibt Dinge, die man zunächst nicht glauben will, wenn man sie hört und dennoch weiß man erfahrungsgemäß, das sie stimmen. Vor allem wenn es den Egoismus einiger Mitmenschen betrifft.

Wir wohnen in einem Kurort und wie ich bereits hinreichend erwähnte, sind hier die Immobilienpreise nicht gerade niedrig. Aber weil die Gegend attraktiv ist (Berge, See und Vollbeschäftigung) möchten viele Menschen hier leben. Der Zuzug ist seit Jahren ungebremst. Die wenigsten jedoch können sich das leisten. Meist sind es vermögende Rentner aus München oder anderen Großstädten, die hier ihren Lebensabend verbringen wollen und die darum auch bereit sind, die hohen Preise für Häuser und Grundstücke zu zahlen. Problematisch ist es für junge Familien oder Menschen, die nicht so viel Geld auf der hohen Kante haben, die aber hier wohnen möchten, weil sie hier arbeiten. Zum Beispiel im Tourismus, der Gastronomie oder im Käsewerk. Für die bleibt der Wohnraum begrenzt, weil es viel zu wenig Mietwohnungen und zu wenig bezahlbaren Grund gibt.

Es gibt aber eine Kehrseite der Medaille. Ich kenne mindestens fünf Häuser in der näheren Umgebung die leer stehen. Neue Häuser, teils noch nicht einmal innen ausgebaut und sogar ein Haus, in dem sechs Familien unterkommen könnten. Doch die Häuser stehen leer. Und ich fragte mich schon lange, warum das so ist. Gestern erfuhr ich den Grund. Es ist der pure Egoismus einiger Menschen:

Ein Waginger Unternehmer baute vor fünf Jahren eine Villa, mit bester Aussicht und großer Tiefgarage, keine 50 Meter von uns entfernt. Er hatte nie vor, dort einzuziehen, geschweige denn die Villa zu vermieten oder zu verkaufen. Er baute das Haus nur dorthin, weil mal sein Elternhaus dort stand und niemand anderer auf dem Grundstück bauen sollte. Und weil Bauzwang bestand, hat er eben gebaut. Und jetzt stehen die mehr als 200 qm einfach leer, während Familien händeringend eine Wohnung suchen. Unglaublich!

Aber es geht noch schlimmer. In das, seit Jahren leerstehende sechs Familienhaus wollte die Gemeinde anerkannte Asylbewerber einquartieren. Der Besitzer ein sehr bekannter Waginger, ließ daraufhin die Bäder herausreißen und einen hohen Zaun um das Grundstück errichten. In der Diskussion mit den Bürgern drohte er an, wenn nötig auch das Dach abdecken zu lassen, nur damit dort keine Flüchtlinge einziehen können!!!

Für mich ist es absolut unverständlich, dass solche Menschen nicht juristisch belangt werden können. Ein solches Gebaren ist schon beinahe kriminell. Sie könnten wenigsten die Wohnungen und Häuser vermieten, aber selbst das tun sie nicht. Was nur bedeuten kann, dass sie kein Herz dafür aber eindeutig zu viel Geld haben.

Der einzige Trost für mich ist in solchen Momenten, dass auch das Totenhemd solcher Leute keine Taschen hat.

Schwellenlos

Beim Aufreger der Woche geht es mal wieder um die Deutsche Bahn. Dieses Mal hat es aber nichts mit Verspätungen und sonstigen Behinderungen im Zugverkehr zu tun, sondern mit einem eklatanten Fall von Missmanagement.

Zunächst eine kurze Einführung worum es geht: So lange wie die Strecke zwischen Berlin und München bei Bamberg gesperrt ist, saniert die Bahn die Gleise zwischen Kronach und Saalfeld. Das ist eine super Idee, gegen die nichts einzuwenden ist. Zeugt es doch davon, dass sich hier tatsächlich jemand Gedanken gemacht hat.

Eine Seite der zweigleisigen Strecke ist auch bereits fertig, doch jetzt ruhen die Arbeiten. Erstaunlich, denn der Zeitplan ist eng. Bis September müssen die Gleiserneuerungen fertig sein.

Die Gründe für den Stillstand sind banal und werden von der Bahn offiziell totgeschwiegen. Nur durch die Bauarbeiter war zu erfahren, dass die Verantwortlichen für den zweiten Bauabschnitt vergaßen, die Schwellen zu bestellen. Ja richtig gehört, die können nicht weiterarbeiten, weil die Schwellen fehlen. Dabei musste man sich jetzt europaweit nach Ersatz bemühen, doch die neuen Schwellen werden nicht vor Mitte Juni geliefert. So lange steht alles still, Maschinen, Arbeiter und teilweise auch der Verkehr. Unglaublich aber wahr!

Das in einem so riesigen Unternehmen wie der Deutsche Bahn so was passieren kann, ist mir absolut schleierhaft. Da fragt man sich wirklich, was für Leute da in den Schaltzentralen sitzen. Welche Kosten so ein Versäumnis nach sich zieht, möchte ich gar nicht wissen. Ärgerlich ist es auf alle Fälle und nicht nur für die Arbeiter und die Controller bei der Bahn, sondern auch für die Kunden, die die Zugausfälle und Verspätungen länger als nötig ertragen müssen.

Volkes Stimme

Schon gehört, in Bayern muss die Landesgartenschau für 2022 neu ausgeschrieben werden. Daran Schuld sind mal wieder die Traunsteiner. Die gewannen die letzte Ausschreibung. Die Stadt kaufte schon mal Grundstücke und investierte Geld in die Organisation. Doch dann meldeten plötzlich die Bürger Bedenken an. Dieselben Bürger übrigens, die sich schon gegen die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2022 auflehnten. Die Argumente waren klar, so ein Event kostet Geld und könnte die Stadt in Schulden stürzen. (In einem Landkreis mit Vollbeschäftigung, der zum großen Teil vom Tourismus abhängig ist.) Also wurden fleißig Unterschriften gesammelt und ein Bürgerentscheid einberufen. Dessen Ergebnis war deutlich. Über sechzig Prozent lehnten eine Landesgartenschau in Traunstein ab. (Bei den Olympischen Spielen waren es vor ein paar Jahren vierundsechzig Prozent die ablehnten.)

Die Konsequenz aus der Geschichte: Die Stadt musste die Gartenschau zurückgeben und hockt nun auf einem Schuldenberg von zirka 900.000 Euro. Nur durch einen glücklichen Passus im Vertrag kommt sie an einer deftigen Strafzahlung vorbei.

Ich fragte mich schon bei der Bewerbung, was das sollte. Die Olympiade wollten sie nicht, aber die Landesgartenschau? Für die Olympiade hätte es Geld vom Bund gegeben und vor allem wäre einiges in die marode Infrastruktur geflossen. In den Ausbau der A8, der schon seit Jahrzehnten nicht vorangeht, oder in einen anständigen Bahnhof. Wer einmal in Traunstein aus dem Zug gestiegen (»gefallen«) ist, wird mir das bestätigen. Auch für die Landesgartenschau war einiges in diese Richtung geplant, aber die lieben Bürger haben anders entschieden.

So bleibt alles beim Alten, bis es so marode ist, dass man richtig viel Geld (diesmal aus eigener Tasche) investieren muss. Zuvor jedoch bleiben die Touristen aus und die jungen Leute ziehen weg, weil die Stadt nicht mehr attraktiv ist. Hauptsache man hält sich an Traditionen fest und lehnt jede Neuerung ab, ohne in die Zukunft zu blicken. Aus diesem Grund halte ich Bürgerentscheide nicht für das Maß aller Dinge, weil vielen Menschen die Zusammenhänge und das visionäre Denken fehlt. Die meisten haben nur Angst um ihr Geld. Aber um etwas neues zu schaffen, muss man zwangsläufig Geld in die Hand nehmen. Das mag im Augenblick weh tun, zahlt sich aber in der Zukunft auf irgendeine Art und Weise aus. München wäre heute zum Beispiel nicht die Stadt, die sie ist, wenn es nicht die Olympischen Spiele gegeben hätte.

Übrigens: Wenn ich hätte abstimmen dürfen (es wurden ja nur die Traunsteiner befragt), dann hätte ich mit »Nein« gestimmt. Aber nur aus Trotz, weil die Traunsteiner damals die Olympischen Spiele verhindert haben. Sie wollten Olympia nicht, dann brauchen sie auch keine Gartenschau. Nun ist es tatsächlich so gekommen.

Arbeitsplatz flexibel plus

Neulich im Zug sitze ich zwischen drei jungen Frauen. Alle Anfang zwanzig, gepflegtes Äußeres, Businesslook. Sie unterhalten sich in perfektem hochdeutsch und sprechen über ihre Arbeit. Alle drei arbeiten für das gleiche Pharmaunternehmen aber in unterschiedlichen Abteilungen. Eine schwärmt von dem neuen Großraumbüro, das sie mit einrichten durfte. Das finden alle cool. Bei dem Gespräch kristallisiert sich heraus, dass die Schreibtische in dem Büro nicht personalisiert sind. Jeder besitzt einen firmeneigenen Laptop und muss sich dorthin setzen, wo gerade Platz ist. Es fällt der Begriff „flexibel plus“.

Ich stelle mir gerade vor, wie das sein muss … Ich gehe morgens zur Arbeit, betrete die Firma und suche mir in einem Großraumbüro einen freien Schreibtisch. An dem arbeite ich für ein paar Stunden, bevor ich in ein Meeting gehe. Wenn ich zurückkomme, ist der Platz besetzt und ich suche mir einen neuen …

Was für mich wie ein Alptraum klingt, ist in vielen Büros in Deutschland bereits Wirklichkeit. Je nachdem, wie oft man den Arbeitsplatz verlässt, wird man klassifiziert. Wer oft weg muss, ist dann „flexibel plus“ und bekommt meist nur die unbeliebten Plätze im Großraumbüro, an denen er weiße Wände anstarrt, anstatt aus dem Fenster zu sehen. Besonders schlimm finde ich die fehlende Personalisierung. Kein Platz für private Dinge: kein Kalender, keine Bilder, keine Pflanzen nichts; nicht mal eine Kaffeetasse.

Wir verbringen die Hälfte unseres Lebens auf Arbeit. Wenn der Arbeitsplatz anonymisiert wird, wer sind wir dann noch? Sind wir dann nicht genauso austauschbar wie unser Schreibtisch? Macht es uns nicht zu Spielfiguren ohne jegliche Individualität?

Ich habe schon mal etwas von der „Clean Desktop Policy“ gehört. Bei der am Feierabend außer dem Telefon und dem Bildschirm nichts mehr auf dem Schreibtisch stehen oder liegen darf. Ich kann zwar nachvollziehen, dass man keine brisanten Unterlagen auf dem Schreibtisch liegen lassen sollte. Aber so völlig leer? Bereits das empfinde ich als Angriff auf meine Persönlichkeitsrechte. Aber einen Bürojob, bei dem ich nicht einmal einen eigenen Schreibtisch hätte, möchte ich nicht haben. Egal, wie gut ich dafür bezahlt würde.

Den jungen Frauen schien das nichts auszumachen, die fanden das völlig normal. Sie lobten sogar das Management, das betriebswirtschaftlich vorrausschauend agiert, weil man somit nicht nur Platz, sondern auch Equipment einspart. Dabei sollten sie aufpassen, dass nicht irgendwann sie selbst eingespart werden. Denn ein anonymer Mitarbeiter ist genauso leicht austauschbar wie ein Schreibtisch.

Freiwild auf der Straße

Über eintausend Kilometer haben wir vergangenes Wochenende auf Deutschlands Straßen und Autobahnen zurückgelegt. Ich fahre ja lieber mit der Bahn, aber manchmal geht es nicht anders.

Was ich in letzter Zeit beim Autofahren häufig feststelle und was sich auch dieses Mal bestätigte, ist das rüpelhafte Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer. Da wird gedrängelt und an den unmöglichsten Stellen überholt; Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen kaum noch jemanden zu interessieren und Blinken ist sowieso Out. Man kommt sich wie ein Idiot vor, weil man sich an die Regeln hält und vorschriftsmäßig fährt. Wenn man mit einem Kleinwagen mit 90-100 km/h auf der Landstraße fährt, wird man grundsätzlich überholt. Meist von dicken SUVs, deren Fahrer oder Fahrerin kaum übers Lenkrad gucken können. Im Stadtverkehr ist Rücksichtnahme zum Fremdwort geworden, man wird geschnitten oder angehubt, wenn es mal nicht gleich vorwärts geht oder das Einparken etwas länger dauert.

Ich kann mich erinnern, dass dies noch vor zehn bis fünfzehn Jahren nicht so extrem war. Meiner Meinung nach liegt das zum einen daran, dass die Autos sicherer geworden sind und damit auch das Sicherheitsgefühl der Fahrer. Nach dem Motto, mir kann ja nichts passieren. Wozu auch die vielen SUVs beitragen. Zum anderen liegt es am Wandel, den die Gesellschaft in den letzten zwanzig Jahren durchlaufen hat. Heute ist jeder nur noch sich selbst der Nächste. Kaum einen scheint zu interessieren, wenn er mit seinem riesigen Auto einen Kleinwagen oder Fußgänger platt macht. Zumindest legt das der Fahrstil von manchem Verkehrsteilnehmern nahe.

Verkehrsregeln sind nicht für umsonst gemacht worden und sie gelten für alle, auch für die Geländewagen die nur auf Straßen fahren und sich die Reifen nicht schmutzig machen wollen.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Alle haben ein Handy, aber keiner telefoniert. Zumindest erzählt mir das dieser Artikel bei NTV.

So ganz von der Hand weisen, lassen sich die Ausführungen der Journalistin nicht. So richtig viele Anrufe habe ich in letzter Zweit nicht bekommen und wenn, dann waren sie entweder geschäftlicher Natur oder es klingelten irgendwelche Umfrageinstitute. Man redet nicht mehr miteinander, weil man dabei nicht kontrollieren kann, was man sagt, oder weil man sich vom Anrufer gestört fühlt. Mhm! Sind wir jetzt schon so egoistisch, dass wir nicht mal mehr mit anderen sprechen wollen?

Eine bedenkliche Entwicklung wie ich finde. Denn es ist nicht so, dass Sprache einst Grundlage unserer Evolution zum Menschen war. Wenn wir jetzt nicht mal mehr miteinander telefonieren wollen, was kommt dann? Wahrscheinlich hören wir als Nächstes auf, uns zu schreiben. Wenn ich mir manchmal mein E-Mail Postfach betrachte, könnte ich meinen, es wäre schon soweit. Denn ich verschicke mehr E-Mails, als ich beantwortet bekomme. Liegt es an mir oder was sagt das über mich und andere?

Ich besitze kein Smartphone und nutze daher auch kein Whats…(auch immer). SMS schreibe ich nur, wenn es nicht anders geht und ich nicht telefonieren kann. Einfach, weil es zu kompliziert ist, auf einer Nummerntastatur einen ausführlichen Text zu tippen. Denn ich hasse es, eine nur mit ASCII-Zeichen formulierte Nachricht zu versenden. Ein Smiley hier und ein Emoticon dort – das ist so, als würde ich versuchen mit Händen und Füßen zu sprechen. Nennt mich altmodisch, aber das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, eher der Anfang menschlicher Degeneration. Vielleicht haben wir in 50 Jahren alle einen Chip im Kopf, mit dem wir kommunizieren. Und jeder lebt in seinem eigenen abgeschlossenen Tank und führt ein virtuelles Leben in einer geträumten Welt. (Matrix lässt grüßen.)

Ich stehe dazu. Ich telefoniere gern, weil ich gern rede. Und mir ist egal, ob ich dabei von meinem Gegenüber falsch verstanden werden kann. Denn schließlich kann man darüber reden.

Wenn der Topf aber nun ein Loch hat …

Ich komme nach Hause und aus dem Hauseingang ragt ein gelber Schlauch in die Tiefgarage, aus dem Wasser tröpfelt. Der Schlauch zieht sich durch den ganzen Keller bis in den Heizungsraum und endet direkt unter dem riesigen Warmwasserspeicher. An der Wand dahinter prangt ein Wasserfleck. Mein Mann kommt gerade vom Beiratstreffen der Eigentümer und berichtet mir, dass der Wasserspeicher ein Loch hat (Korrosion).

»Wie bitte?!« Haus und Heizung sind gerade mal 15 Jahre alt, wie kann da ein emaillierter Wasserspeicher durchrosten? »Und jetzt?«

Da sich das Loch wegen der Emailierung nicht abdichten lässt, muss der Warmwasserspeicher getauscht werden. Neben den unvermeidlichen Kosten einer Neuanschaffung gibt es ein noch ein weiteres »größeres« Problem. Als der Speicher nämlich eingebaut wurde, war dar Keller noch im Rohbau, dass heißt ohne Decke. Die kam erst später und mauerte den Speicher sozusagen ein. Um ihn rauszubekommen, müsste man entweder drei Türrahmen vergrößern oder den Kessel zersägen. Ein nicht unerheblicher Mehraufwand. Und weil sich schon ziemlich viel Feuchtigkeit im Boden und Mauerwerk gesammelt hat, muss dass ganze auch ziemlich schnell in Angriff genommen werden. Sprich wir und 25 weitere Wohnungen werden in der nächsten Woche für mindestens drei Tage kein warmes Wasser haben und am Ende auch noch die Zeche zahlen.

Wenn ich vergleiche: der Warmwasserspeicher im Haus meiner Eltern ist jetzt 25 Jahre. Inzwischen wurde bereits einmal die Heizung erneuert. Der Kessel wurde nur saubergemacht und anschließend weiterverwendet. Im Grunde kann so ein Ding eigentlich nicht kaputt gehen, vorausgesetzt er wurde vorschriftsmäßig behandelt. Denn bei einem emaillierten Innenleben, reicht ein Stoß von außen und die Emaille innen bekommt einen Riss, an dem sich dann Rost bilden kann. Aber bei dem Pfusch, den der Bauherr an den vier Mehrfamilienhäusern betrieben hat (fehlende Isolierung u.s.w.), wundert mich eigentlich gar nichts mehr.

Ferienzeit = Baustellenzeit

Es sind Osterferien und die Baustellen sprießen wie Unkraut aus dem Boden, besonders die bei der Deutschen Bahn.

Heute morgen im Zug informierte der Zugbegleiter die Reisenden, dass der MERIDIAN nach München ab morgen bis zum Sonntag über die Unfallstrecke durchs Mangfalltal umgeleitet wird, da die Hauptstrecke Rosenheim-München halbseitig gesperrt ist. Die Begeisterung meiner Mitreisenden hielt sich, wie zu erwarten, in Grenzen. Es mault auch kaum noch einer, weil sich die Baustellen auf dieser Strecke schon über Jahre hinwegziehen. Regelmäßig und mindestens zweimal im Jahr kommt es zu Sperrungen. Die aktuelle Baustellenplanung in dieser Woche gipfelt aber in einem sehr seltsamen Ersatzfahrplan. So ist der Regionalzug, mit dem ich morgens um Sechs losfahre meist zehn nach Sieben in München. Ab morgen wird er erst kurz nach Acht in München sein, also fast eine Stunde später. Der Folgezug, der halb Sieben abfährt, ist trotz Baustelle zwei Minuten früher am Hauptbahnhof als der erste, weil er die herkömmliche Strecke nimmt. Das soll einer verstehen. Glauben die tatsächlich, dass noch einer den Zug um Sechs nimmt?

Aber das ist nicht die einzige Baustelle auf meinem Weg zur Arbeit. Die U-Bahn fuhr heute nur im Zehn-Minuten-Takt, statt wie sonst im Fünf-Minuten-Takt, dadurch verpasste ich beinahe noch meinen Bus. Außerdem hält sie in dieser Woche nicht an der Implerstrasse, weil dort die Rolltreppen erneuert werden. Also Baustellen wohin das Auge blickt.

Ich schätze mal, wenn im Mai die Baustelle bei der Bahn abgeschlossen ist, wird an anderer Stelle gleich eine Neue eröffnet. Tja, das kommt davon, wenn man jahrelang nur spart, um einen formvollendeten Börsengang vorzubereiten (der dann Gott sei Dank nicht stattfand), anstatt sich um die Bedürfnisse seiner Fahrgäste zu kümmern. Da kann es schon mal passieren das Gleise und Oberleitungen mit der Zeit marode werden.