Text im Kopf

Quelle: Jimmy Beaulieu »Ein pornographischer Sommer«

Unlängst entdeckte ich mich in einer Graphic Novel von Jimmy Beaulieu wieder. Auf der Zeichnung ist ein Autor zu sehen, der nachts durch eine Stadt geht und dabei einen Roman schreibt. Und zwar in seinen Gedanken.

Auch ich sehe Worte, füge sie gedanklich zu Sätzen zusammen, ob beim Spaziergang oder beim Fahrradfahren. Da ist stets ein Text, der in meinen Gedanken Gestalt annimmt und raus möchte. Oft passiert mir das nachts und sorgt dafür, dass ich nicht schlafen kann. Wenn ich aufstünde, würde ich meinen Mann aufwecken, das will ich nicht. Also liege ich da und formuliere im Kopf Geschichten oder Blogtexte.

Wenn ich es am nächsten Tag schaffe, bringe ich die Sätze zu Papier oder in den Computer. Meistens aber verwehen sie, bevor ich sie aufschreiben kann. Aber selbst wenn, ist der Text nicht so perfekt, wie ich ihn mir in Gedanken abgelegt habe.

Gut ist aber, dass ich diesen Zustand des »Wörtersehens«, wie ich es nenne, erzwingen kann, wenn ich einen Text schreiben muss. Es dauert zwar manchmal bis ich richtig drin bin. Meist kann ich dann den ersten Teil des Textes nochmal schreiben, weil er nichts taugt. Aber im Grunde funktioniert es. Natürlich wäre es besser, immer gleich loszuschreiben, wenn die Sätze vor meinen Augen entstehen, aber das ist mitunter schwierig. Ich versuche mir einfach die Formulierungen zu merken und das klappt im Grunde ganz gut.

Zurück zu Jimmy Beaulieu. Es freut mich zu sehen, dass es offenbar anderen Menschen ebenso geht wie mir und sie Sätze sehen. Das ihre Texte in Gedanken entstehen, sie daran herumfeilen, korrigieren und verwerfen, als würden sie sie auf ein Stück Papier schreiben. Cool!

Die Graphic Novel »Ein pornographischer Sommer« erzählt von einem bekannten Erotikautor, der ein altes leerstehendes Hotel in einer dünn besiedelten Gegend Kanadas kauft und dort einen Sommer lang mit seiner Freundin die Geheimnisse des Hauses ergründet. Pornographisch ist eher das, was der Autor in seinen Romanen schreibt, als die Zeichnungen des Künstlers, der die Geschichte erzählt. Also alles in allem kein Schweinkram.

Der etwas andere Lucky Luke

Quelle: Egmont-Shop.de

Als Kind war ich schwer begeistert von den Lucky Luke-Trickfilmen, die im Westfernsehen gesendet wurden. Noch heute habe ich die Stimme von Freddy Quinn im Ohr, wie er über den einsamen Cowboy singt, der schneller schießt als sein Schatten. Am liebsten mochte ich Lucky Lukes Pferd Jolly Jumper und habe so lange geübt, bis ich es perfekt zeichnen konnte. Ich erinnere mich, dass ich mal Einladungen zu meiner Geburtstagsfeier mit Jolly, Lucky Luke und Rantanplan gezeichnet habe. Später erbte ich die Lucky Luke-Comics von meiner Cousine aus dem Schwarzwald. Die habe ich irgendwo auch noch in einer Kiste herumliegen. Und unlängst kaufte ich mir die DVDs mit den Filmen, die überraschend gut gealtert sind, und die man sich immer noch anschauen kann.

Anlässlich des 75. Geburtstag der Reihe bringt der Egmont-Verlag Lucky Luke-Comics heraus, die von bekannten Comiczeichern der Gegenwart gestaltet wurden. Wir besitzen bereits einen Band von Mawil. Jetzt erschien eine Hommage von Ralf König. Als Fan des Comicautors musste ich die unbedingt haben. Ich habe es nicht bereut, denn noch nie hat mir Lucky Luke so viel Spaß gemacht, wie in »Zarter Schmelz«. Es geht darin um Schweizer Schokolade, Lila Kühe und natürlich schwule Cowboys. Die Geschichte ist in der gewohnt schnoddrigen Art des Zeichners gestaltet aber gleichzeitig eindeutig als Lucky Luke-Comic zu identifizieren. Die Daltons sind ebenso mit von der Partie wie Jolly Jumper. Es kommen lesbische Indianerinnen vor und Schweizer Chocolatiers. Diverse Anspielungen auf Filme und nerdige Autogrammjäger machen die Geschichte zu einem echten Vergnügen. Nur Rantanplan habe ich vermisst.

Mit »Zarter Schmelz« ist Ralf König eine lustige und gleichzeitig würdevolle Hommage gelungen, die eine sehr moderne und zeitgemäße Darstellung des Wilden Westens liefert. Dieser Band bekommt einen besonderen Platz im Bücherregal.

Die Katze im Homeoffice

Jeder Katzenbesitzer wird das kennen, kaum sitzt man vor dem Computer kommt die Katz und platziert sich wahlweise auf die Tastatur oder so vor den Monitor, dass man weder tippen noch etwas erkennen kann. Gelegentlich wird dann auf dem Schreibtisch oder dem Schrank herumgeturnt und mit Stiften oder der Computermaus gespielt. So, dass man den Gast irgendwann freundlich aber bestimmt hinunter dirigieren muss, um weiterzuarbeiten. Die Ruhe hält aber nicht lange an, spätestens fünf Minuten später liegt sie wieder laut schnurrend auf der Tastatur.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man gerade eine Videokonferenz hat. Simon Tofield weiß es und lässt uns sehr anschaulich daran teilhaben.

Ich wünsche viel Spaß!

Vervirte Zeiten

Quelle: Amazon

Vergangenes Jahr berichtete ich an dieser Stelle über Ralf Königs Twitter-Experiment, jeden Tag einen Comic-Strip zum Thema Corona zu veröffentlichen.

Inzwischen sind die Comics als gesammeltes Werk erhältlich »Vervirte Zeiten« ist eine schöne Dokumentation über die Corona-Krise 2020. Die kurzen Geschichten berichten über das Leben eines Autors, seiner Familie und seines Freundeskreis und sind in eine größere Rahmenhandlung eingebettet. Das die Protagonisten meist schwul sind, ist dabei tatsächlich nebensächlich, die Nöte und Probleme aller sind gleich.

Mit viel Witz und Augenzwinkern verhalf der Autor sich und seinen Lesern über eine schwere Zeit hinweg, die so ungewöhnlich war, das wir darüber in ein paar Jahren wahrscheinlich nur noch ungläubig den Kopf schütteln werden. Ich kann den Comic-Band nur jedem ans Herz legen, der die schnoddrige Art des Künstlers mag. Und vielleicht (Achtung Insidergag!) hält der eine oder andere beim nächsten Besuch im REWE nach dem Filialleiter Ausschau.

Ich erwarte nun sehnsüchtig das nächste Abenteuer von Barry Hoden.

Heimkino-Wochenende

Das Wetter an diesem ersten Mai-Wochenende war nicht so richtig schön. Am Freitagabend gab es ein schweres Gewitter, glücklicherweise ging es ohne Hagel ab. Andere Regionen in Oberbayern hatten da nicht so viel Glück. Den Samstag und Sonntag nutzte ich für einen Testlesejob und die Vorbereitung für meine Steuererklärung. Abends war dann Heimkinoabend angesagt.

Quelle: Amazon

Am Freitag haben wir die »Die Sch’tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen« eingelegt. Wer den ersten Sch’tis-Film gut fand, wird von der Fortsetzung enttäuscht sein, weil die beiden Filme absolut nichts miteinander zu tun haben. Das sind zwei völlig verschiedene Handlungen und Figuren. Leider sind auch Charaktere nicht so sympathisch wie im ersten Film. Wer mir als Schauspieler noch am besten gefallen hat, war Pierre Richard. Filme mit ihm mochte ich schon als Kind gerne. Er spielt den über achtzigjährigen Vater und zwar mit dem gleichen komödiantischen Talent, dass er schon immer hatte. Am Ende singt er sogar noch. Alle Achtung, der Schauspieler ist Mitte Achtzig und macht sowohl körperlich wie geistig einen fitten Eindruck. Nur deswegen sollte man sich den Film vielleicht ansehen.

Quelle: Amazon

Am Samstag war großes Kino mit dem Pixarfilm »Soul«. Der ist so ganz anders, als ich erwartet hatte. Es geht viel um Musik und er ist auch nicht so traurig, wie man angesichts des Themas »Sterben« meinen könnte. Mir gefiel die Katze, die ist echt lustig. Die Animationskünstler von Pixar liefern mit jedem Film etwas Neues ab. Dieses Mal war es eine Quantenwelt, die mit vielen phantastischen Ideen gefüllt ist. Die im Mittelpunkt stehende Musik war auch toll, obwohl ich kein großer Fan von Jazz bin. Auf jeden Fall bekommt der Film einen Platz in unserem Blu-ray-Regal. Den schauen wir uns sicher ein weiteres Mal an.

Quelle: Amazon

Sonntagabend hat mein Mann den Streifen »Late Night – Die Show ihres Lebens« mit Emma Thompson eingelegt. Darin geht es um eine in die Jahre gekommene Talkmasterin, deren Show abgesetzt werden soll. Ihr aus Männern bestehendes Autorenteam fabriziert nur langweilige Gags, weshalb die Einschaltquoten im Keller sind. Sie selbst hält sich von ihrem niederem Fußvolk fern und ruht sich auf ihrem Ruhm aus. Da spricht eine junge Frau aus einer indischen Einwandererfamilie in der Redaktion vor. Und weil gerade eine Quotenfrau gesucht wird, stellt man die junge Frau ein, obwohl sie null Erfahrungen hat. Sie mischt den Laden auf und zeigt ihrer Chefin, was im Leben wichtig sein sollte, dann klappt es auch wieder mit den Einschaltquoten. Im Grunde geht es um das Thema Diversität im Arbeitsleben, um Chancengleichheit und Selbstbewusstsein. Emma Thompson brilliert in der Rolle der eiskalten Chefin, die dann doch einsehen muss, dass sich Zeiten und Publikumsgeschmack geändert haben.
Prädikat: Durchaus sehenswert!

Lysistrata

Quelle: Ralf-Koenig.de

Und nochmals gehts um Dildos, da wir schon bei dem Thema sind. Die spielen unteranderem eine Rolle in dem Film »Ralf Königs Lysistrata«.

Der griechische Dichter Aristophanes schrieb die Komödie »Lysistrata« im Jahr 411 vor Christus. Darin verweigern die Frauen ihren Ehemännern den Beischlaf, um sie zu zwingen, den Peloponnesischen Krieg zu beenden, der schon zwei Jahrzehnte währt.

Dieser Stoff birgt so viel komödiantisches, das der Comiczeichner Ralf König die Geschichte 1987 in einem Comic verarbeitete. Natürlich nicht ohne die Schwulenszene in den Mittelpunkt zu stellen.

2003 wurde der Comic verfilmt und kam als Realfilm in die Kinos. Ich entdeckte das gute Stück unlängst bei YouTube. Als Fan von Ralf König musste ich mir den einfach gönnen. Am Freitag sahen wir uns den Film an. Was soll ich sagen … wir hatten neunzig Minuten richtig viel Spaß. Ich habe lange nicht so gelacht.

Allein die Darsteller der spanischen Produktion sind zum Schreien komisch, sei es als schwule Athener oder als sexuell unbefriedigte Kämpfer mit ihren langen »Lanzen«. Auch die Frauen werden von mehreren Seiten beleuchtet. Hier wird jedes Klischee gewälzt, aber auch gezeigt, dass Frauen die Macht haben, Kriege zu beenden.

Der pazifistische Hintergedanke des ursprünglichen Stückes bleibt trotz der Umsetzung als Persiflage bestehen. Und das ist doch das Wichtigste.

Wer mal reinschauen möchte, findet den Trailer auf der Seite zum Film bei Ralf König oder bei Kino.de.

Star Trick: The next Generation

Quelle: Amazon

Ich gebe offen zu, ich war skeptisch, als ich das erste Mal von der geplanten neuen Star Trek-Zeichentrickserie hörte. Ich erinnerte mich an die Zeichentrickserie aus den Siebzigern, die bei uns auf DVD im Schrank steht, und die ich, bis auf wenige Folgen, seltsam albern finde. Das war irgendwie Star Trek, aber irgendwie auch wieder nicht.

»Star Trek: Lower Decks« heißt der aktuelle Versuch einer Star Trek-Zeichentrickserie. Sie spielt auf der der USS Cerritos in der Zeit von »Star Trek: The next Generation« nach dem Kinofilm »Nemesis«. Hauptdarsteller sind junge Offiziere mit niedrigen Rängen, die sich im Alltag auf einem Sternenflottenschiff herumschlagen müssen. Und entgegen von »Star Wars – The Clone Wars« richtet sich die Serie keinesfalls an ein jugendliches Publikum. Die meisten Folgen sind erst ab 16 Jahre freigegeben. Das liegt unteranderem an den teils ausufernden Gewaltdarstellungen aber auch an den Geschichten selbst.

Nach dem Anschauen der ersten Folge sah ich meine Befürchtungen bestätigt. Das war nichts. Mir war die Geschichte zu schnell, zu laut und zu hektisch. Meine Sinne waren komplett überfordert. Die Hauptfiguren waren grässlich überzogen und der Plot bestenfalls mittelmäßig. Das Geplapper von Mariner nervte und die Crew fand ich doof.

Dennoch blieben wir dran. Unteranderem weil Claudia Kern im »Geek-Magazin« geschrieben hatte, dass sich die Serie von Folge zu Folge steigern sollte. Die zweite Folge war okay, aber das schnelle Geplapper der Figuren ging mir trotzdem auf den Keks. Ab Folge drei wurde es interessant. Die Schiffsführung strich der Besatzung die Zeitpuffer in denen sie ihre Arbeiten zu erledigen hatten. Von nun an sollte alles nach Plan abgearbeitet werden und das möglichst zügig. Kurze Zeit später waren alle total fertig und überarbeitet. Sollte sich in der Handlung sowas wie Gesellschaftskritik verstecken? Es fühlte sich so an.

Ab Folge vier wurde die Serie enorm besser. Die Darstellungen waren nach wie vor blutrünstig, Mariner plapperte immer noch viel, aber das, was sie sagte, bekam Inhalt. Hier wurde Dinge, die man bei »Star Trek: The next Generation« einfach hingenommen hat, hinterfragt. Zwar waren die Geschichten ein bisschen verrückt, aber nie ohne Hintergedanken. Das steigerte sich bis zur letzten Folge konsequent.

Die hat es dann in sich. Nicht nur, dass hier ein unerwartet gefährlicher Gegner etabliert wird. Die Fans dürfen sich auch auf ein Wiedersehen mit Commander Riker und Deanna Troi freuen, die mit der USS Titan der USS Cerritos zu Hilfe kommen. Die kleinen Anspielungen, die versteckte Kritik am Vorgehen der Sternenflotte, die sehr spannende Handlung (ich habe sogar aufgehört mit Häkeln) all das macht die Folge für jeden Star Trek-Fan zum Leckerbissen.

Ohne Zweifel, mich haben die zehn Zeichentrickfolgen besser unterhalten als die letzten drei Staffeln von »Star Trek: Discovery«. Die zweite Staffel von »Lower Decks« wurde bereits für Mitte 2021 bei Amazon Prime angekündigt. Ich freue mich schon riesig darauf.

Biblischer Antityp

Nach »Prototyp« und »Archetyp« hab ich jetzt auch den »Antityp« gelesen. In der Comicreihe von Ralf König geht es um biblische Typen wie Adam, Noah und im letzten Band um Saulus, der zum Paulus wurde.

Königs Protagonisten sind schwierig, eigentlich sind es böse und durchgeknallte Typen, denen Gott eine Aufgabe aufzwingt, damit sie sich ändern. Bei Paulus ist es die, die Geschichte Jesus in die Welt zu tragen. Dabei muss er sich anfangs gegen seine jüdischen Mitmenschen durchsetzen, was ihm nicht wirklich gelingt. Später sind es die Griechen, die er missionieren möchte. Doch die Lebenslust und der freizügige Lebensstil, sowie die griechische Philosophie machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

In anzüglichen Bildern beschreibt Ralf König die Reise des Apostels nach Athen. Da gibt es nackte Knaben, die es mit athletischen und behaarten Männern treiben, Tunten als Reiseführer und Philosophen, die über den Tod referieren.

Der Comic ist textlastiger als die Vorgängerbände. Aber die Reime und die unzähligen Zitate aus der Bibel und von Philosophen wie Seneca, sind stimmig und treffsicher platziert. Ich hab mich jedenfalls köstlich amüsiert.

Die Trilogie ist hintergründige Unterhaltung nicht nur für Männer, die Männer lieben, sondern für alle, die sich kritisch mit Kirche und Religion auseinandersetzen wollen.

Über das Abhandenkommen der Magie

Quelle: Amazon

Dem Pixar-Film »Onward« bescherte der Lockdown im März ein jähes Ende in den weltweiten Kinos. Disney strahlte ihn zwar in seinem Streamingportal aus, aber nicht jeder möchte für einen einzigen Film ein Abo abschließen. Zum Glück gibt es den Streifen seit Juli auf Blu-Ray und DVD.

Der Elf Ian hat seinen Vater nie kennengelernt. Er lebt mit seiner Mutter und seinem Rollenspielverrückten Bruder Barley in einer Kleinstadt. An seinem 16. Geburtstag übergibt die Mutter Ian ein Geschenk – den Zauberstab seines verstorbenen Vaters. Auf einem Zettel steht ein Zauberspruch, der den Vater für einen Tag lang wieder zum Leben erwecken soll. Das gelingt nur zu Hälfte – im wörtlichen Sinne. Um den Zauber zu vollenden und die Gestalt des Vater zu vervollständigen, müssen die Brüder zu einer turbulente Reise durchs ehemals magische Land aufbrechen. Am Ende erkennt Ian, dass er das, was er sich von der Begegnung mit seinem Vater wünscht, schon längst bekommen hat.

Es ist ein typischer Pixar-Film, der viel Wert auf die Entwicklung seiner Figuren legt. Ein Planet voller Elfen, Feen und anderer Fabelwesen, die jedoch zu bequem geworden sind, um die alte Magie zu benutzen. Sie leben in einer industrialisierten Gesellschaft und haben den Bezug zu ihren Wurzeln verloren. Das sorgt für viele witzige Momente. Wenn sich sich zum Beispiel eine Gruppe Feen als Motorrad-Rocker durch die Kneipen schlagen, oder ein Zentaur in Polizeiuniform hinters Steuer eines Autos quetscht, anstatt auf allen vieren auf Streife zu gehen. Es sind diese Kleinigkeiten und die den Film besonders machen. Die liebevolle Charakterisierung der Figuren, die lustigen Ideen, die gleichsam Gesellschaftskritik üben. Das ist es, was einen guten Pixar-Film ausmacht.

Die Handlung ist spannend und voller Wendungen. Allerdings fällt mir auf, seit ich mich mit Dramaturgie und Plott-Techniken beschäftigte, durchschaue ich schnell die Handlung von Filmen und kann ungefähr vorhersagen, was als nächstes passieren wird. Das trübt ein wenig den Filmgenuss. Deshalb beeindrucken mich vor allem Filme, die das klassische Muster durchbrechen. Bei Pixar-Filmen findet man das aber eher selten. Dennoch ist »Onward« ein Film, den man gesehen haben muss. Gerade, wenn man für Phantastik im allgemeinen, sowie Elfen, Drachen, Einhörner und andere Fabelwesen im besonderen schwärmt.

Fabelhafter Erotikcomic

Quelle: Schreiber&Leser

Fabel Definition: »lehrhafte, oft satirische Erzählung in Vers oder Prosa, in der Tiere nach menschlichen Verhaltensweisen handeln und in der eine allgemein anerkannte Wahrheit, eine praktische Lebensweisheit o. Ä. veranschaulicht wird«

Den Begriff Furry-Comic las ich zum ersten Mal in einer Comic-Zeitschrift. Der Begriff bezog sich auf den Comicband »Omaha the cat dancer«. Darin wird die Lebens- und Leidensgeschichte einer Erotiktänzerin geschildert. Das ungewöhnliche: die Figuren im Comic haben zwar menschliche Körper (mit allen intimen Details), die Gesichter sind aber die von Tieren. Protagonistin Omaha ist eine Katze, andere Charaktere sind Hunde, Hasen, Hühner oder sogar ein Rentier. Man erahnt, das die meisten ein Fell besitzen. Deswegen der Begriff »Furry« also pelzartig. Der Begriff steht für eine Subkultur der Comic-Szene, die ein eigenes Fandom besitzt. Manche Menschen verkleiden sich sogar als Pelztiere.

Zurück zu »Omaha«. Die junge katzenhafte gut gebaute Tänzerin ist ein Star unter den Stripperinnen. Männer finden sie begehrenswert, trauen sich aber nicht an sie heran und wenn dann meist nur für einen One-Night-Stand. Das ändert sich, als sie Chuck Katt, einen jungen Zeichner, kennenlernt. Der gut aussehende Kater und Omaha werden ein Paar, doch damit beginnen die Probleme. Denn Chucks Vater ist ein großer Unterweltboss, der sich mit einem prüden Senator anlegt. Omaha und Chuck sowie ihre Freunde drohen zwischen den Fronten zerrieben zu werden.

Warum ich oben mit der Definition einer Fabel begonnen habe, erklärt sich beim Lesen des Comics. Den »Omaha« ist nichts anderes als eine Fabel. Die Geschichte übt Kritik an den Zuständen der amerikanischen Gesellschaft der späten siebziger und frühen achtziger Jahre. Freier Sex, Homosexualität, Emanzipation von Frauen, die Themen sind vielfältig und werden auf eine satirische Art erzählt. Hinzu kommen freizügige Sexszenen und intime Bettgespräche, die so lebensecht wirken, dass sie verblüffen. Man bedient sich der Tierfiguren um Kritik zu üben und eine Geschichte auf eine Weise zu erzählen, die mit Menschen als Charakteren nicht möglich gewesen wäre. Die Comics wären in den USA so schnell auf dem Index gelandet, da wäre die Druckfarbe noch nicht trocken gewesen. Aber auch so hatten es die Comics schwer. Unteranderem wurde ein Comic-Händler verhaftet, weil er sie im Programm hatte. Daraufhin gründete sich der »Comic Book Legal Defence Fund«, der bis heute für die Meinungsfreiheit von Comic-Autoren kämpft.

Gezeichnet hat die Geschichte Reed Walker, die Texte lieferte seine Freundin und spätere Ehefrau Kate Worley. Eigentlich ist es eine tragische Geschichte, denn Omaha und Chuck wird von allen Seiten übel mitgespielt, dabei wollen die beiden eigentlich nur ein ruhiges gemeinsames Leben leben. Die Handlung ist überraschend und sehr komplex. Sie erfordert nicht nur genaues Lesen der Sprechblasen sondern einen scharfen Blick auf die Bilder. Denn die Lösung liegt oftmals genau hier. Die intellektuell ansprechenden Dialoge sind voller Anspielungen und Seitenhiebe auf die amerikanische Gesellschaft.

»Omaha« ist ein Kind seiner Zeit. Vieles was in den siebziger Jahren an Freizügigkeit möglich war, war spätestens mit dem Aufkommen von AIDS beendet. Hier ist sie noch spürbar die Sorglosigkeit von freiem Sex, über das Geschlecht und in dem Fall auch über die Spezies hinaus. Im Grunde ist es ein Porno-Comic, aber auf so natürliche Art und Weise erzählt, das es sich nicht unangenehm anfühlt. Denn Zeichner und Autorin beschränken sich keineswegs rein auf die Sexszenen, die sind nur Beiwerk. Man spürt wie wichtig den beiden Charaktere und Geschichte sind. Es wird also nicht pausenlos »gerammelt«, sondern lebhaft diskutiert, gegessen und geliebt. Dabei kommt die Handlung ohne jede zur Schaustellung von Gewalt aus. Es gibt keine sadomasochistischen Szenen, kein Gemetzel und keine Toten. Naja, nicht ganz, aber ein bisschen Spannung sollte man der Handlung belassen.

Band 1 von »Omaha« erschien im Frühjahr 2020 bei Schreiber&Leser in einer edlen Schmuckausgabe, schwarzer Einband mit dezentem Spotlack, der den Inhalt des Buches nur erahnen lässt. Da freue ich mich jetzt schon auf Band 2.

Die Djinn-Trilogie

Quelle: Schreiber&Leser

Zu irgendeinem Gratis-Comic-Tag fiel mir der Comic »Djinn« von Jean Dufaux und Ana Miralles in die Hände. Ich war sofort von den Zeichnungen und der spannenden Geschichte einer jungen Frau und ihrer Vorfahrin beeindruckt. So sehr, dass ich mir die Sammelbände der kompletten Trilogie wünschte. Mein Mann war so lieb, mir die drei dicken Bücher nach und nach zu schenken und jetzt habe ich sie endlich auch komplett gelesen.

Ana Miralles Zeichnungen sind jeden Cent wert, den die Bücher gekostet haben. Ihre Figuren wirken lebensecht und realistisch. Egal ob Menschen, Tiere oder Landschaften, die detaillierten Bilder ziehen den Leser allein durch die Zeichnungen in die Geschichte hinein.

Quelle: Schreiber&Leser

Die Handlung selbst ist eine spannende Schnitzeljagd nach einem Schatz und der Suche nach der Identität der Protagonistin Kim Nelson. Die kommt auf ihrer Suche nach ihrer Vergangenheit mit einem Mythos in Berührung. Eine ihrer Vorfahrinnen war eine Djinn.

Jade ist eine Frau der alle Männer zu Füßen liegen und die ihre sexuelle Macht und Verführungskünste ausnutzt, um Dinge zu verändern. Zum Beispiel um Rache zu nehmen, an Menschen die Böses getan haben. Da spielt viel Magie und Manipulation eine große Rolle. Ein großer Teil der Handlung wird aus ihrer Sicht in der Vergangenheit (Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts) erzählt. Es wird aber immer wieder auf Kim Nelson in der Gegenwart geblendet. Das Schicksal der beiden Frauen ist eng miteinander verknüpft und beide gehen ihren Weg. Kim lernt die Geheimnisse von Jade kennen und zu nutzen.

Die Trilogie umfasst drei Zyklen. Der erste spielt in der Türkei, der zweite in Afrika und der dritte in Indien. Wobei der dritte Teil zeitlich zwischen den ersten beiden Zyklen angesiedelt ist. Das hat mich ein bisschen verwirrt, weil zunächst Dinge vorausgenommen wurden, die eigentlich schon passiert waren und die man erst später nachgelesen hat. Wobei ich da schon nicht mehr genau wusste, was im Afrika-Zyklus passiert ist. Ich hätte den Indien-Zyklus zuerst veröffentlicht, dann den Afrika-Zyklus und zuletzt das eine letzte Kapitel, das das Schicksal von Kim Nelson erzählt. So war ich am Ende etwas verwirrt.

Das großartige an den Comics für Erwachsene, die einen Hauch Erotik enthalten, sind aber die exotischen Bilder. Ana Miralles ist eine fantastische Comiczeichnerin von der ich gern mehr sehen würde. Die Comic-Trilogie erschien bei Schreiber&Leser und ist auf der verlagseigenen Seite erhältlich. Dort kann man sich auch Leseproben von den drei Bänden ansehen.