Langatmige Hollywoodstory

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Er wurde gelobt, wie fast jeder Film von Quentin Tarantino – »Once upon a time in Hollywood«. Weil wir die Blu-ray günstig erstanden haben, schauten wir ihn uns am Wochenende an. Wir haben zwei Abende gebraucht, weil der Streifen eine Lauflänge von 160 Minuten hat und wir ihn in zwei Teilen gesehen haben. Zwei Stunden und vierzig Minuten Handlung, die man locker auf zwei Stunden hätte runterbrechen können, ohne das es dem Film geschadet hätte. Gerade die ersten eineinhalb Stunden zogen sich extrem.

Bevor man sich den Film ansieht, sollte man sich über die Manson-Morde informieren, um die es teilweise im Film geht. Das erhöht die Spannung. Denn es wurde erst so richtig fesselnd, als einer der Protagonisten die Hippie-Kommune betritt, in der die Manson-Family lebt. Wer die Details darum nicht kennt, wird sich mehrfach in diesem Film fragen, um was es eigentlich geht. Hauptfiguren sind der alternde Schauspieler Rick Dalton (gespielt von Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble bzw. Bodygard, Hausmeister und Fahrer Cliff (verkörpert von Brad Pitt). Die Vorgeschichte um die beiden nimmt endlos viel Raum ein, bis beide kurz vor Ende in die Manson-Morde verwickelt werden.

Es endet wie für einen Tarantino-Film typisch in einer Gewaltorgie. Gemetzel, Geschrei und verkohlte Leichen – das ist so übertrieben gezeigt, dass die Szenen fast schon komisch wirken, wie aus einem Comic. Das ist vielleicht ganz gut so, denn es nimmt ihnen die Härte. Für zartbesaitete Zuschauer ist das definitiv nichts, und es erklärt auch, warum der Film ab 16 Jahre ist. Das habe ich mich nämlich über zwei Stunden lang gefragt.

Wer eine historische Aufbereitung des Themas erwartet, liegt falsch. Denn, wenn man es genau nimmt, ist der Film eigentlich ein Science-Fiction-Film, weil er eine parallele Realität zeigt. Ich will nicht zu viel spoilern, aber das Ende ist überraschend und eigentlich auch das einzige Highlight des Films. Ansonsten ist die Dokumentation des Hollywoods Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger ganz gut gelungen. Drogen, Sex und eine Kluft zwischen Arm und Reich, dass ist glaubhaft und mit schönen Bildern unterlegt.

Aber seien wir ehrlich, man muss den Film nicht gesehen haben. Der Film weiß nicht so genau was er eigentlich erzählen will, vom langweiligen Leben eines abgehalfterten Filmstars oder von den Manson-Morden. Es hilft die Starbesetzung aus DiCaprio und Pitt wenig, wenn die Geschichte nicht stimmt. Da gibt es eindeutig bessere Filme von Tarantino, den Klassiker »Pulp Fiction« zum Beispiel, oder »From dusk till dawn« bei dem er zwar nicht Regie geführt hat, aber das Buch geschrieben und mitgespielt hat. Insofern kann man zwei Stunden und vierzig Minuten mit sinnvolleren Tätigkeiten verbringen als sich »Once upon a time in Hollywood« anzusehen.

Upload in die Unsterblichkeit

Da stolperte ich unlängst bei dieZukunft.de über einen Artikel zu einer neuen Serie auf Amazon Prime.

Das Konzept dieser SF-Comedy-Serie ist nicht neu. Man schreibt das Jahr 2033. Menschen können ihr Bewusstsein in ein Computernetzwerk hochladen und leben dort weiter in einer virtuellen Realität. Es muss also keiner mehr Angst vor dem Tod haben. Doch das ist nicht so toll wie es klingt, denn im vorherrschenden Kapitalismus geht nichts ohne Geld. Das zieht sich bis in die virtuelle Realität. Je nach finanzieller Ausstattung erhält man viel oder wenig Speicherplatz. Vieles läuft über inAPP-Käufe, ganz wie im richtigen Leben. Und manche dieser virtuellen Lebensräume entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Alptraum.

In diesem Setting spielt die Liebesgeschichte um Nathan und Nora. Nathan ist ein egozentrischer Juppie, der mit der Programmierung einer eigenen Afterlife-Software Geld machen will. Er verunglückt mit einem autonomen Auto. Seine Juppie-Freundin Ingrid lässt den Schwerverletzten hochladen und inszeniert die Beziehung mit ihm als eine Art Instagram-Story. Um Nathan die Anpassung in die virtuelle Realität zu erleichtern, kümmert sich Servicemitarbeiterin Nora um ihn. Im Laufe der Staffel verlieben sich die beiden ineinander. Nora kommt dahinter, das Erinnerungsdateien von Nathan gelöscht wurden. Nach und nach wird beiden klar, dass Nathan ermordet werden sollte.

Die Serie ist enorm vielschichtig. Zu den diversen Handlungssträngen, kommen witzige Einfälle und eine tiefgründige Kapitalismuskritik. Die zehn Folgen sind mit zirka dreißig Minuten relativ kurz. Da kann man auch mal zwei Folgen hintereinander sehen. Mir gefällt die Figurenentwicklung. Nathan ist am Anfang das totale Arschloch und denkt erst nach seinem Tod darüber nach, was ihm andere Menschen bedeuten.

Unfassbar komisch sind die vielen Einfälle zur Technik der Zukunft, wie Kondomgrößen-Scanner am Supermarktregal, Essen aus dem 3D-Drucker, Kameras, die man während des Sex trägt, um die Einwilligung zu versichern und den Partner hinterher zu bewerten und natürlich autonome Autos und alles überwachende KIs. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man, was den Menschen diese Technik kostet. Sie bezahlen mit ihrer Privatsphäre und der persönlichen Freiheit. Denn das Leben der Meisten ist nämlich nicht so besonders toll. Auf wenige Superreiche kommen sehr viele Arme. Es gibt sogar Mütter, die sich mit ihren Kindern freiwillig hochladen lassen, weil sie sich in der virtuellen Welt ein besseres Leben erhoffen. Auch die beiden Protagonisten sind nicht wohlhabend und das wird am Ende zu einem echten Problem, wenn sich Nathan von seiner reichen Freundin Ingrid trennt.

Ich finde diese SF-Serie richtig gut. Sie vereint Krimielemente, Liebesgeschichte und Comedy zu einer spannenden Geschichte. Der Cliffhanger am Ende ist richtig fies. Zum Glück wurde bereits eine zweite Staffel bestellt. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, kann sich den Zusammenschnitt der ersten Folge ansehen.

Zivilcourage eines Landrates

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Wackersdorf kannte ich nur vom Hörensagen. Wahrscheinlich hatte ich 1986 Aufnahmen von den Protesten im Westfernsehen gesehen, aber ich wusste weder, wo Wackersdorf liegt, noch was sich damals genau zugetragen hat. Ich wusste nur, dass es um atomare Brennstoffe ging.

So richtig bewusst, wurde mir die Geschichte erst, als ich das Kapitel über die Pfingstschlacht von Wackersdorf in Klaus N. Fricks »Vielen Dank, Peter Punk« gelesen habe. Da hat eine Landesregierung mittels eines Großaufgebots an Polizei und Streitkräften friedlich demonstrierende Bürger attackiert. Da wurden Befugnisse überschritten und Gesetze außer Kraft gesetzt.

Wie sich das alles entwickelte und welche perfiden Schachzüge die Regierung Strauß noch alles unternommen hat, um die Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe in Bayern zu bauen, eine Anlage, die keiner brauchte und wollte, das erzählt der Film »Wackersdorf« der 2019 in den Kinos lief. Mit welchen Tricks sich der Bauherr und die Landesregierung der Loyalität der Gemeindevertretung zu versichern versuchte, bzw. wie man einfach gegen bestehendes Recht handelte, das ist schon unglaublich. Da wurde kurzerhand ein Gesetz verabschiedet, das den Landrat entmachtete. Ein Gesetz, das bis heute Bestand hat. Die Vollmachten mit denen die Polizei damals in den Einsatz gegen die Demonstranten ging, wurden mittlerweile durch die Söder-Regierung legitimiert.

Eigentlich unglaublich! Doch seit Februar wissen wir, dass die Demokratie in diesem Land schneller abgeschafft werden kann, als man Demokratie sagen kann. Zum Glück wachen inzwischen einige Bürger und die Judikative auf, um manche Verordnungen wieder zurückzunehmen. Auch in Wackersdorf haben die Menschen einen langen Atem bewiesen. Das lag unteranderem am Super-Gau in Tschernobyl. Die Normalbürger sind aufgewacht und haben Widerstand geleistet, teils friedlich, teils mit Gewalt. Am Ende hat es sich ausgezahlt, die Anlage ging nie in Betrieb. Heute ist sie ein Industriegebiet, auf dem unteranderem ein Werk von BMW steht.

Ich kann den Film nur empfehlen, muss aber bemerken, dass ich selbst als im Bairischen Geübte manchmal Probleme hatte den Dialekt zu verstehen. Oberpfälzer eben! Zum Glück gibt es Untertitel.

Trailer für PERRY RHODAN-Film

Beim Thema PERRY RHODAN-Film spitzen die Fans die Ohren, zumindest diejenigen, die seit Jahren auf einen neuen Film hoffen. Bisher leider vergeblich. Bisher … wohlgemerkt. Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« eignet sich prima für eine Verfilmung, die auch nicht Perry-Fans in die Kinos locken wird. Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt auch schon einen Trailer.

Na, gut. Bevor jemand zu laut jubelt, muss ich die Euphorie einbremsen. Ein Fan hat sich dem Projekt angenommen und einen fiktiven Trailer produziert. So richtig im Charme der sechziger Jahre, mit Originalaufnahmen der NASA und Ausschnitten aus einem russischen Science-Fiction-Film. Das finde ich richtig toll. Und weil er am Ende auch noch viel Humor beweist, muss ich den YouTube-Clip hier unbedingt teilen.

Bitte beachten:

Kreisch! Großartiges Wortspiel.

Nur nicht darüber nachdenken

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Nach mehr als einem Jahr haben wir uns endlich die zweite Staffel Star Trek: DISCOVERY angesehen. Die Blu-Ray lag seit November im Regal, wir trauten uns nicht sie einzulegen, weil wir schon nach Staffel eins so enttäuscht waren.

Man muss der Serie zu gute halten, dass sie einige sehr gut funktionierende Charaktere hat. Das war schon in der ersten Staffel so. Da mochte ich Saru und Captain Lorca, den ja leider der Serientod ereilte. Auch die zweite Staffel kann mit tollen Figuren aufwarten. Captain Pike zum Beispiel, aber auch die Ingenieurin Reno, deren trockene pragmatische Art mich regelrecht begeistern konnte. Das sind Charaktere mit Kanten, die vielschichtig und tiefsinnig sind. Der Kelbianer Saru hat sich nochmal richtig steigern können, und es war gut von Pike, ihn zum Captain der DISCOVERY zu machen.

Was die Effekte, die Sets und die Kostüme angeht, gibt es ebenfalls wenig zu meckern. Beeindruckend fand ich die Brücke der ENTERPRISE. Da ist den Set-Designern eine harmonische Verbindung zwischen dem Look der Classic-Serie und den modernen Möglichkeiten von heute gelungen. Die DISCOVERY finde ich nach wie vor zu modern. Bei manchen Sets, wie dem abgestürzten Raumschiff auf dem Asteroiden in Folge eins, frage ich mich, in welcher Fabrikruine sie das gedreht haben. Das wirkte alles andere, als wie das Innere eines Raumschiff-Wracks. Aber okay, damit kann ich leben.

Womit ich so gar nicht klarkomme, ist der Handlungsaufbau. Freundlich formuliert: es war besser als in der ersten Staffel, aber oft waren die Plotholes so groß, dass das komplette Schiff darin unterging. Die Geschichte um den roten Engel, die Zeitreisen von Burnhams Mutter, die Machtübernahme der KI »Control« alles gut und schön. Es birgt eine Menge Konfliktmaterial, aus dem man eine spannende Geschichte erzählen kann, sofern man die Integrität der Serie im Auge behält. Doch genau hier scheitern die Macher. Die innere Logik wird so oft gebrochen, dass ich mich frage, ob die Autoren wirklich Einfluss auf den Verlauf der Episoden hatten, oder ob Alex Kurtzmann schlicht und einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden hat, das machen wir so, weil es cool klingt oder aussieht. Ich denke nämlich nicht, dass Autoren, die sich so komplexe Figuren ausdenken, nicht in der Lage sein sollen, einen logisch funktionierenden Plot zu schreiben, der ohne Deux ex machina auskommt und bei dem die physikalischen Gegebenheiten des Star-Trek-Universums in jeder Folge so verbogen werden müssen, damit das Ganze funktioniert.

Bei Star Trek: Discovery heißt das Motto: Bitte nicht nachdenken! Denn wenn man die Handlung hinterfragt, kommt man schnell dahinter, wie löchrig das Konstrukt ist. Beispiel Geschwindigkeiten. Da werden große Entfernungen mit Schiffen und Shuttles innerhalb kürzester Zeit zurückgelegt. Mal davon abgesehen, das Shuttleschiffe eine begrenzte Reichweite haben, aber da wird mal schnell vom klingonischen Sektor aus nach Vulkan und zurück geflogen. Taylor fliegt in Folge 13 und 14 innerhalb einer Stunde nach Kronos und holt die Kanzlerin mit ihrem Bird of Prey zur Schlacht ab. Es gab noch weitere solcher Timing-Problematiken. Und die stören mich eben. Klar es ist Science Fiction, da ist viel möglich, aber kann man nicht wenigstens innerhalb der Serie konsistent bleiben? Michael Okuda hat eine Tabelle mit Warpgeschwindigkeiten entwickelt. Warum hält man sich nicht daran, wenn man sich doch angeblich so mit Star Trek verbunden fühlt.

Am unplausibelsten waren die beiden letzten Episoden. Sie wollen die DISCOVERY um 950 Jahre in die Zukunft schicken, um sie vor dem Zugriff von Control zu entziehen. Haben aber den von Control übernommenen Leland an Bord. Der wird von Georgiou mittels Magnetismus erledigt, das Netzwerk bricht zusammen, Control ist damit Geschichte. Bedeutet das aber letztlich nicht, dass die DISCOVERY gar nicht in die Zukunft hätte »fliegen« müssen? Und wenn dann nehmen sie Control mit in die Zukunft? Sie lösen das Problem nicht, sie verlagern es nur.

Überhaupt, der Zeitkristall! Hieß es nicht, dass er nur einen Zeitsprung durchhält? Warum kann Burnham dann fünf mal in die Vergangenheit reisen, um die Signale abzusetzen und hat anschließend noch genug Energie für den Sprung in die Zukunft?

Am Ende werden alle »geblitztdingst«, damit sich ja keiner an die DISCOVERY und Burnham erinnert. Aber warum wurde dann erst erklärt, dass das Schiff zerstört wurde? Was ist mit den Angehörigen der Crew, was ist mit den Abschiedsbriefen, die übrigens mitten in der Schlacht geschrieben wurden? … Nein, nicht nachdenken.

Es gibt auffällig viele weibliche Charaktere. Zu auffällig für meinen Geschmack. Man merkt deutlich, dass da die Genderproblematik das Casting dominiert. Mit der Auswirkung, dass die Männer in der Serie eher schwach wirken. Problematisch ist und bleibt die Protagonistin – Heulsuse – Michael Burnham. Sie wirkt wie der Charakter einer Fan-Fiction-Geschichte. Sie ist eine klassische Mary Sue, sie kann alles, sie weiß alles, sie ist die Retterin des Universums. Dabei heult sie gefühlt drei Mal pro Episode. Echt. Also ich mag ja emotionale Plots, aber das was ich bei Discovery geboten bekomme, ist selbst mir zu viel. Hätte ein Fan diese Geschichte geschrieben, man hätte auf ihn eingehackt. Wobei ich den Fanautoren unrecht tue, denn ich kenne ganz viele Fanromane die hundert mal besser sind, als das was Discovery zeigt.

Ich wünschte mir, die Verantwortlichen bei CBS bzw. Paramount würde das Geld statt in neue Serien lieber in die digitale Aufbereitung von Deep Space Nine stecken. Da war das wichtigste an einer Serie nicht der Look, sondern die Handlung. Das war kein Fast Food fürs Gehirn, da musste man noch mit- und nachdenken.

Jonas‘ Run

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»Flucht ins 23. Jahrhundert« gehört von klein auf zu meinen Lieblings-SF-Filmen. Es war der erste Science-Fiction-Film, den ich gesehen habe. Dieser Tage lief ein Streifen, der eine ganz ähnliche Geschichte erzählt. Ich kenne den Film von 2015 schon länger. Wir haben ihn im DVD-Regal stehen und ihn gestern Abend kurzerhand eingelegt. Der Film basiert auf dem Roman »The Giver« von Lois Lowry aus dem Jahr 1993. Also lange Zeit nach der Erstausstrahlung von »Flucht ins 23. Jahrhundert«. Vielleicht hat sich die Autorin damals von dem Film inspirieren lassen.

Es geht um den Jugendlichen Jonas, der in einer Gemeinschaft in einer weit entfernten Zukunft lebt. In der Siedlung auf einem Felsplateau gibt es keine Armut, keine Gewalt und kein Leid. Alles wird genauestens überwacht und es herrscht durch die Wetterkontrolle immer schönes Wetter. Jeder trägt die gleiche Kleidung, wohnt in den gleichen Häusern und bekommt einmal am Tag eine Zwangsinjektion verabreicht, die Gefühle und das Farbensehen unterdrückt.
Alles ist vorbestimmt, jeder ist gleich und es gibt keine Emotionen. Mit der Geschlechtsreife bekommt jeder seine Aufgabe anhand seiner Fähigkeiten zugeteilt. Kinder werden von Gebährerinnen geboren und anschließend von ausgewählten Paaren aufgezogen. Die Alten und die überzähligen Säuglinge werden nach einer Gedenkfeier »freigegeben«, was nichts anderes bedeutet, als das sie mittels Giftspritze hingerichtet werden. Doch ohne Emotionen, begreift keiner in der Gemeinschaft, was das bedeutet.
Als Jonas zum Nachfolger des Hüters der Erinnerungen bestimmt wird und bei dem alten Mann in die Lehre geht, verändert sich alles. Er erkennt die Wahrheit hinter dem System. Er fängt an seine Welt farbig zu sehen und lässt irgendwann die Injektionen weg. Er möchte seine Erfahrungen mit seinen Freunden teilen, doch die verstehen ihn nicht, weil ihnen die Wahrnehmung fehlt.
Der Vorsitzenden der Gemeinschaft gefällt das gar nicht und sie versucht Jonas‘ Aktivitäten Einhalt zu gebieten. Doch der hat zusammen mit dem Geber, dem ehemaligen Hüter, einen Plan ausgetüftelt, wie sie den Menschen die Emotionen und Erinnerungen wiedergeben können. Dazu flüchtet er aus der Gemeinschaft und macht sich auf den Weg, die Grenze der Erinnerungen zu überschreiten. 

Man könnte den Film bzw. die Romanvorlage als Sozialdystopie bezeichnen. Das Gesellschaftssystem der Gemeinschaft feiert zwar den Erfolg, dass es Armut und Gewalt abgeschafft hat, aber zu welchem Preis. Keine Individualität und keine Emotionen machen die Menschen zu Sklaven ihrer Selbst. Das System betrügt sich und die Menschen, da es sehr wohl den Tod gibt. Um die Überbevölkerung auf dem relativ kleinen Areal zu kontrollieren, werden Säuglinge und alte Menschen getötet. Nebst solchen, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben. Doch weil keiner weiß, was der Tod bedeutet, nimmt es jeder einzelne hin.

Der Roman ist in vielen Schulen in den USA Unterrichtsmittel. Jeff Bridges, der nicht nur die Rolle des Gebers spielt, sondern den Film auch produziert hat, brauchte 18 Jahre, um aus der Buchvorlage einen Film zu machen. Erst nachdem die Studios mit »Harry Potter« und »Die Tribute von Panem« erfolgreich Jugendbücher verfilmten, war der Weg für »The Giver« geebnet.

Bemerkenswert an dem Film ist, wie er mit Farben umgeht. Schwarz-Weiß-Szenen und farbige Aufnahmen wechseln einander ab. Sie zeigen wie Jonas nach und nach die Welt buchstäblich mit anderen Augen sieht. Zusammen mit großartigen Darstellern wie Meryl Streep und Jeff Bridges wird daraus ein sehenswerter Film nicht nur für jugendliches Publikum.

Fazit: Wer »Flucht ins 23. Jahrhundert« mochte, wird an dieser modernen Version ebenfalls seine Freude haben.

Yesterday – Eine alternative Realität

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Wie schafft man es einen Film über die Musik der Beatles zu drehen, ohne dass die Band im Film zu sehen ist? …

… ganz einfach, man macht einen Science-Fiction-Film daraus. Wie jetzt? Wird der eine oder andere fragen: die Beatles und Science Fiction? Ja, das geht. Ziemlich gut sogar.

Der Film »Yesterday« erzählt von einem erfolglosen Songschreiber, der mit den Songs der Beatles zum Megastar wird, in dem er vorgibt, die Lieder stammen von ihm.

Jack Malik ist ein junger Engländer mit indischen Wurzeln, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Er arbeitete als Musiklehrer bevor er sich als Songschreiber versuchte. Seine Jugendfreundin Ellie unterstützt ihn bei seinen Bemühungen. Da wird Jack von einem Bus angefahren, just in dem Moment, in dem es einen weltweiten Stromausfall gibt. Als er im Krankenhaus erwacht, ist er der einzige, der sich an die Beatles erinnert. Weil er fast alle ihre Songs im Kopf hat, wittert er seine Chance.
Aber nachdem sich bei Jack mit den Beatles-Songs der Erfolg einstellt und sogar Ed Sheeran auf ihn aufmerksam wird, verwandelt sich die Idee nach und nach in einen Fluch. Denn es scheint noch mehr Leute zu geben, die sich an die Band aus Liverpool erinnern können.

Der Kniff mit dem Stromausfall und der danach nur minimal veränderten Welt ist natürlich großartig. Erst so nach und nach kommt heraus, wen oder was es noch alles nicht gibt. Das führt in der Folge immer wieder zu kleinen Überraschungen. Der Science-Fiction-Fan kann trefflich spekulieren, was da wohl passiert ist. Dem Normalbürger ist es egal, er erfreut sich an der Beziehungskiste, die sich zwischen Jack und Ellie entwickelt. Es ist also für jeden etwas dabei.

Der Regisseur von »Slumdog Millionaire« und der Drehbuchautor von »Tatsächlich Liebe« machen aus der Komödie mit phantastischem Element ein richtiges Feelgood-Movie. Dazu die tolle Musik und die sympathischen unverbrauchten Darsteller …

»Yesterday« haben wir sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

Wer mal reinschauen möchte, hier ist der Trailer.

Starke Hard-SF in Serie

Ich bin noch ganz geflasht. Wir haben uns das Staffelfinale der vierte Staffel von »The Expanse« angesehen. Wer behauptet, es gäbe keine genialen Science-Fiction-Serien mehr, der sollte bitte »The Expanse« ansehen. Hier machen Autoren und Produzenten alles richtig. In Sachen Dramaturgie können sich hier nicht nur die Produzenten von Star Trek einiges abschauen.

Die Episoden erzählen eine Staffel übergreifende Handlung, dennoch sind auch einzelnen abgeschlossene Handlungsbögen vorhanden, die nach drei oder vier Folgen enden. Die erzählerische Dichte ist sehr hoch und jede Figur erhält eine ausgeprägte Charakterisierung. In den inzwischen vier Staffeln ist dabei eine deutliche Entwicklung der Figuren zu beobachten. Besonders gelungen finde ich die Darstellung starker Frauen. Die fühlen sich nicht nach aufgesetzten Quotenfrauen an, sondern nach echten gleichberechtigten Charakteren.

Die Handlung wechselt zwischen mehreren Schauplätzen. In der letzten Staffel spielte sich das meiste auf einer der Ringwelten ab, die in der Staffel zuvor entdeckt worden waren. Aber auch die Politik der Erde und des Mars spielten wieder eine entscheidende Rolle, ebenso die Gürtler, die sich als dritter Machtfaktor zwischen Erde und Mars etablieren möchten. Das alles ist eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Hard SF und Politik.

Auch die vierte Staffel endet mit einem Cliffhanger. Dafür findet die Handlung um das Proto-Molekül, das seit der ersten Staffel bestimmend war, vorerst ihr Ende. Weiter geht es mit den politischen Wirren um den Mars im Sonnensystem.

Die Serie basiert auf der neunteiligen Roman-Reihe von James Corey. Hinter dem Pseudonym stecken die Autoren Daniel James Abrahams und Ty Corey Franck. Die Romane sind in Deutschland bei Heyne erschienen. Ich habe mir die ersten sechs Bände unlängst gekauft, weil ich wissen will, wie sehr sich Roman und Serie voneinander unterscheiden. Und auch weil ich momentan nicht genug von der Crew der »Rosinante« bekommen kann. Die fünfte Staffel wird ja noch ein wenig auf sich warten lassen.

Also »The Expanse« läuft wie »Star Trek: Picard« bei Amazon Prime und die Romane gibt es im Buchhandel. Ich hab sie bei einem Buchhändler über die Plattform Booklooker gekauft, das kann ich nur empfehlen.

Ende gut, gar nichts gut

»Sie haben es tatsächlich verbockt.« Das sagte ich gestern morgen zu meinem Mann nach dem Aufwachen. Am Abend zuvor hatten wir uns das Finale von »Star Trek: Picard« angesehen. Nach der Folge war ich noch unschlüssig, sie hatte einige schöne Szenen, manches fand ich aber arg schwülstig. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, fielen mir dann auch die vielen Logik-Löcher auf.

So vielversprechend die Serie begonnen hatte, die letzten beiden Folgen machten das alles zunichte. War die Handlung über die ersten Folgen gemächlich dahin geschlichen, fühlte sich das Finale hastig und überstürzt an. Ich hatte mitunter sogar das Gefühl, das gewisse Zusammenhänge fehlten. Kann es sein, dass die Serie ursprünglich auf zwölf Folgen ausgelegt war, sie dann aber auf zehn Folgen herunter gebrochen wurde? Zumindest blieben bei mir einige Fragezeichen, z. B.:

Wie kommt Commodore Oh auf das Romulanerschiff, ohne das die Sterneflotte das merkt? Was ist mit Narek und seiner Schwester, woran starben ihre Eltern und was macht Narek zum schwarzen Schaf der Familie? Was passiert eigentlich mit ihm, nachdem alles vorbei ist. Wieso wurden Soji und Dash losgeschickt, was sollten sie in der Föderation tun? Wofür hat man das Borgschiff gebraucht? Und wozu rekrutierte Picard Elnor? Warum das schwülstige Treffen zwischen Picard und Data? Warum haben Soong und Maddox den Androiden nicht längst wieder zum Leben erweckt? Offensichtlich war es ihnen möglich gewesen sein Bewusstsein wieder herzustellen. Und wieso stellt sich Dr. Jurati nicht den Behörden?

Das ist nur eine kleine Auswahl an Fragen, die sich mir gestellt haben. Mich beschleicht der Eindruck, dass die Autoren etwas ganz anderes geplant hatten, und das Studio oder die Produzenten gesagt haben: Leute, das ist zu kompliziert. Die letzten beiden Folgen tragen ganz eindeutig die Handschrift von Alex Kurtzman, der ja schon andere Star-Trek-Serien auf dem Gewissen hat.

Als jemandem der mehr als zwanzig Jahre Fan-Fiction zu Star Trek geschrieben hat, fallen spontan viele alternative Szenarien für das Ende ein, die logischer und vor allem weniger pathetisch gewesen wären.

1. Picards Tod hätte nicht sein müssen. Das iromodische Symptom, was als solches übrigens nie genannt wurde (aus Faulheit oder Absicht), hätte entweder gar nicht erwähnt, oder über die nächsten Staffeln hinaus mitgenommen werden können. So hätte man Picard am Ende der dritten Staffel einen würdigen Serientod sterben lassen können.

2. Oder nach Picards Tod hätte Q intervenieren und ihn ins Leben zurückschicken können. Die Lösung Picard in den Androidenkörper zu stecken, war nicht nur unglaublich vorhersehbar, sondern auch wenig geistreich. Es widerspricht dem moralischen Code der Föderation, das jedes Lebewesen selbst entscheiden kann. Das wird hier nicht mal ansatzweise diskutiert.

3. Der Borgkubus hätte als Auflösung gegen die fremde künstliche Intelligenz dienen können. Die Borg wären das Argument gewesen, das künstliche und natürliche Wesen gemeinsam existieren können. Hugh, sofern man ihm nicht umgebracht hätte, wäre der ideale Verhandlungspartner gewesen. Er hätte darlegen können, dass die XBs eine Stufe der Evolution zwischen künstlichen und natürlichen Leben sind und damit genauso wichtig und bedeutend wie jedes andere Leben auch. Ein Argument, was die künstliche Intelligenz davon abgebracht hätte, alles natürliche Leben zu vernichten. Die hätten außerdem nicht unbedingt als Weltraumwürmer auftauchen müssen. Wer bitte sollte sie daran hindern, es erneut zu versuchen? Sie wissen ja nun, wo sie suchen müssen?

4. Diese beiden megagroßen Flotten hätte es gar nicht gebraucht. Zwei oder drei Schiffe hätten ausgereicht. Es ist ja ohnehin nicht zur Schlacht gekommen. Außerdem, woher haben die Romulaner die vielen Schiffe, und warum ziehen sie sich einfach so zurück? Die Orchideen sahen toll aus, aber ich hätte es besser gefunden, wenn das eine einheimische Spezies des Planeten gewesen wäre, die die Androiden zu schützen versuchen.

5. A.I. Soong. Sein plötzlicher Sinneswandel und das Abschalten von  Sutra empfand ich als zu einfach und zu unglaubwürdig. Es wäre besser gewesen, wenn er sein Leben hätte opfern müssen, um sie aufzuhalten.

6. Data. Man hätte ihn in den Androidenkörper stecken, ihn künstlich altern und irgendwann sterben lassen können. So wie es mit Picard ja möglich ist. Das wollte aber wohl Brent Spiner nicht.

Alles in allem war mir in den beiden letzten Episoden zu viel Fantasy und zu wenig durchdachter Plot. Das ging von dem seltsamen Gerät, mit dem man mit Gedankenkraft Dinge reparieren kann, bis hin zum Kern um die künstliche Intelligenz, die das Leben auslöschen will. Diese Märchengeschichte die Narek am Lagerfeuer erzählt, passte überhaupt nicht zu Star Trek und den Romulanern. Sie ist auch nicht Kanonkonform.

Nach dem ich gelesen habe, das Michael Chabon die Serie als Autor verlässt, mache ich mir noch mehr Sorgen um die zweite Staffel. Sie hätten Naren Shankar als Autor und Produzent verpflichten sollen. Der hat viele gute Star Trek-Episoden geschrieben und macht bei »The Expanse« einen super Job.

Übrigens, hat noch jemand mitbekommen, dass Seven und Raffi was miteinander haben? Wann ist das denn passiert?