Lysistrata

Quelle: Ralf-Koenig.de

Und nochmals gehts um Dildos, da wir schon bei dem Thema sind. Die spielen unteranderem eine Rolle in dem Film »Ralf Königs Lysistrata«.

Der griechische Dichter Aristophanes schrieb die Komödie »Lysistrata« im Jahr 411 vor Christus. Darin verweigern die Frauen ihren Ehemännern den Beischlaf, um sie zu zwingen, den Peloponnesischen Krieg zu beenden, der schon zwei Jahrzehnte währt.

Dieser Stoff birgt so viel komödiantisches, das der Comiczeichner Ralf König die Geschichte 1987 in einem Comic verarbeitete. Natürlich nicht ohne die Schwulenszene in den Mittelpunkt zu stellen.

2003 wurde der Comic verfilmt und kam als Realfilm in die Kinos. Ich entdeckte das gute Stück unlängst bei YouTube. Als Fan von Ralf König musste ich mir den einfach gönnen. Am Freitag sahen wir uns den Film an. Was soll ich sagen … wir hatten neunzig Minuten richtig viel Spaß. Ich habe lange nicht so gelacht.

Allein die Darsteller der spanischen Produktion sind zum Schreien komisch, sei es als schwule Athener oder als sexuell unbefriedigte Kämpfer mit ihren langen »Lanzen«. Auch die Frauen werden von mehreren Seiten beleuchtet. Hier wird jedes Klischee gewälzt, aber auch gezeigt, dass Frauen die Macht haben, Kriege zu beenden.

Der pazifistische Hintergedanke des ursprünglichen Stückes bleibt trotz der Umsetzung als Persiflage bestehen. Und das ist doch das Wichtigste.

Wer mal reinschauen möchte, findet den Trailer auf der Seite zum Film bei Ralf König oder bei Kino.de.

Die PERRY RHODAN Verfilmung – Fluch oder Segen

Unlängst fragte ein Fan in einem Artikel:

»Wo bleibt die Verfilmung unserer Serie? … Was fehlt, ist die Initiative der Herausgeber. … Meister der Insel! … Mit dieser Geschichte, runtergebrochen auf einen Film (oder eine Serie …), kann man nichts falsch machen! «

Oh doch, man kann.

Zu allererst sollte klargestellt werden: die Herausgeber haben keinen Einfluss auf eine Verfilmung. Der Verlag hat die Filmrechte verkauft – Ich weiß nicht genau, bei wem sie gerade liegen. Das einzige, was sie sich die Redaktion gesichert hat, ist ein Mitspracherecht bei der Handlung. Ohne das Okay von Chefredakteur Klaus N. Frick, wird das Filmmanuskript nicht freigeben. Das dient dem Schutz der Serie, denn die Filmleute interessiert die Geschichte um Perry Rhodan in ihrer Gesamtheit und in ihrer Bedeutung für die Fans eher weniger. Die sehen nur die Marke. Film ist ein Geschäft, in dem es darum geht, mit wenig Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen und bei dem die Produzenten und Regisseure ihre eigenen künstlerischen Visionen verwirklichen wollen. Die haben eigene Vorstellungen davon, was spannend ist. Und das geht meist nicht mit den Wünschen und Vorstellungen von Fans und Lesern konform. Fragt man Andreas Eschbach, was er von der Verfilmung seines Jesusvideos hält, dann wird er nur mit dem Kopf schütteln. Ihm wurde nicht mal das Script zum Film vorgelegt. Die Geschichte hat bis auf die Figuren kaum noch etwas mit dem Buch und seiner Aussage gemein.

Persönlich bin ich froh, dass es keine neue Verfilmung von PERRY RHODAN gibt und hoffentlich auch nie geben wird, egal ob als Film oder Serie. Wahrscheinlich wäre jeder einzelne Leser auf die eine oder andere Weise enttäuscht, weil jeder seine eigene Vorstellung von der Person Perry Rhodan hat. Ein Film würde diese Vorstellung unwiederbringlich zerstören. So wie es vielen Lesern von Tolkiens »Herr der Ringe« passiert ist. Bei denen haben sich die eigenen Bilder in ihrem Kopf in die aus den Filmen verwandelt. Für sie und alle folgenden Generationen werden die Geschichte und die Figuren beim Lesen ausschließlich von den Filmen geprägt sein, da ist kein Platz mehr für die eigene Fantasie. Außer man hat die Filme zuvor nicht gesehen. Ganz ehrlich, ich fände das für PERRY RHODAN eine schauerliche Vorstellung.

Diese Woche wurde groß angekündigt, dass man »Raumpatrouille Orion« neu verfilmen möchte. Deutsche Filmproduzenten wagen sich an Science Fiction heran. Das klingt erstmal ganz gut. Die Frage wird sein, ob die Umsetzung so gut ist, dass sie sowohl die Fans, als auch neue Zuschauer überzeugen kann. Bei vielen solcher Reboots in anderen Franchises hat das nicht geklappt, einschließlich Star Trek: Discovery oder den Star Trek-Filmen von J.J. Abrams. Die Star Wars-Serie »The Mandalorien« beweist aber, dass es funktionieren kann. Außerdem war »Raumpatrouille Orion« eine Fernsehserie. Bei einer Literaturverfilmung wie bei PERRY RHODAN sieht das nochmal ganz anders aus.

Nun, schauen wir mal, ob und was daraus wird. Wenn es klappt, könnte es tatsächlich Einfluss auf die Produktion eines Films oder einer Serie über PERRY RHODAN haben. Lassen wir uns überraschen.

Durchmischte 5. Staffel

Quelle: Filmstarts.de

»The Expanse« ist unbestritten eine der besten SF-Serien der letzten zehn Jahre. Keine andere Serie verknüpft spannende Geschichten, starke Charaktere und visuelle Effekte so genial miteinander. Es mag daran liegen, dass die Geschichte auf einer literarische Vorlage basiert. Dabei weicht die Serienhandlung mal mehr oder weniger von den Originalromanen ab. Die Serienproduzenten beweisen ein Gespür für Charaktere und Spannungsbogen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Serie nach ihrer Absetzung auf Syfy bei Amazon Prime ein neues Zuhause gefunden hat. Der Amazongründer Jeff Bezos persönlich hatte sich für die Serie eingesetzt.

In den vergangenen Wochen lief nun die fünfte Staffel. Wir haben uns gestern das Staffelfinale angesehen. Die erste Hälfte der Staffel hatte einige richtig tolle Folgen. Da saß man mitunter nägelkauend vor dem Fernseher und war enttäuscht, als die Folge zu Ende war. Überraschend war, wie viele verschiedenen Handlungsstränge in den Einzelepisoden erzählt wurden, die innerhalb der Folge nicht aufgelöst wurden. In der zweiten Hälfte konzentrierte sich die Handlung dann meiner Meinung nach zu sehr auf eine Hauptfigur. Das hat der Spannung geschadet. Entweder hat die Schauspielerin, Dominique Tipper, Fans in der Produzentenriege, oder sie hat die Produzenten unter Druck gesetzt. Jedenfalls ging es gefühlt fast nur noch um Naomi Nagata. Dabei fiel mir auf, dass die Figur öfter »out of character« agierte, wie man so schön sagt. Normalerweise kennt man Naomi als taff und beherrscht. Sie ist Technikerin und ließ sich bisher kaum von Gefühlen leiten. In dieser Staffel traf sie nicht nur ein paar fragwürdige Entscheidungen, sondern agierte zudem noch weinerlich und schwach. Es sah fast so aus, als wolle sie Michael Burnham aus »Star Trek: Discovery« Konkurrenz machen. Es ist schon sehr offensichtlich, wie ähnlich sich beide Charaktere sehen. Da beugten sich die Verantwortlichen der derzeitigen Diversitätsdebatte. Ich finde, das  »The Expanse« dies eigentlich nicht nötig hatte, weil die Charaktere an sich sehr ausgewogen sind.

Zurück zur Staffelhandlung. Durch die Zeit, die man mit Naomi vergeudete, blieben für die letzte Folge so viele Handlungsfäden offen, dass ich mich fragte, wie sie das eigentlich alles auflösen wollen. Es überraschte mich, dass sich auch die letzte Folge fast zur Hälfte um Naomi drehte, während die anderen kaum in Aktion traten, allen voran Alex und Bobby. Die beiden Marsianer bekam am wenigsten Sendezeit. Dabei war ihre Geschichte um die Aufdeckung einer Verschwörung innerhalb der Marsregierung spannend genug, um mehr Raum einzunehmen. Auch James Holden, sowie Amos Burton und Clarissa Mao kamen in der letzten Folge zu wenig zum Zug. Entsprechend hektisch verliefen die letzten Minuten, in denen so viel passiert, dass man es locker in einer weiteren Episode hätte erzählen können. Das fand ich sehr schade.

Noch mehr bedauere ich aber den Serientod von Alex Kamal. Der Schauspieler wurde aus der Serie geschrieben, weil gegen ihn Vorwürfe wegen sexueller Belästigung vorliegen. Die Vorwürfe kamen im Sommer 2020 auf und konnten trotz offizieller Untersuchung bisher nicht nachgewiesen werden. Ich sehe das kritisch, wie leicht kann man heute in den sozialen Medien denunziert werden, obwohl man unschuldig ist. Ich werde den Charakter jedenfalls vermissen.

Meine absolute Lieblingsfigur in der Serie ist allerdings Chrisjen Avasarala. Die Generalsekretärin der Vereinten Nationen hat sich über die ganzen Serie hinweg von der skrupellosen Politikerin zu einer weitsichtigen Anführerin gewandelt. Sie entspricht keinem der sonstigen Klischees, ist unberechenbar und trägt immer so tolle Klamotten.

Eine sechste Staffel ist angekündigt, gleichzeitig soll es die letzte Staffel sein, obwohl es neun Romane gibt. Band 9 ist gerade erschien. Aber bekanntlich soll man aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Auch wenn die Staffel nicht hundertprozentig perfekt war. »The Expanse« beweist, dass man vor allem eine gute Geschichte braucht, um erfolgreich zu sein, dass innere Logik und Glaubwürdigkeit die Erfolgsgaranten für eine Fernsehserie sind. Verglichen mit »The Expanse« ist »Star Trek: Discovery« billiger belangloser Abklatsch. Dies tut um so mehr weh, als das der Executive Producer und Autor mehrerer Folgen von »The Expanse« – Naren Shankar – einst für TNG und DS9 geschrieben hat.

Ich finde übrigens die Veröffentlichungsweise von Amazon Prime gut, nämlich nur eine Folge pro Woche, wie es früher immer war. Da erhält man sich die Spannung und genießt die Serie umso mehr.

Psychogefasel im Weltall

Quelle: Amazon

Es gibt Filme, über die man nicht länger nachdenken sollte. Denn je länger man sich mit ihrem Plot und ihrem Realitätsbezug auseinandersetzt, desto mehr fallen sie auseinander. Einer dieser Filme ist »Ad Astra« mit Brad Pitt. Der Weltraumfilm lief 2019 in den Kinos und erschien vergangenes Jahr auf DVD. Nach dem die BluRay weniger kostet als die Kaufgebühr bei Prime entschieden wir uns den Film zu kaufen. Gestern haben wir ihn uns dann angesehen. Je länger der Film lief, desto tiefer wurde mein Stirnrunzeln.

Nach einem Strahlenausbruch im Sonnensystem und den katastrophalen Folgen (Stromausfälle) für die Erde und die Stützpunkte der Menschen auf Mond und Mars, glaubt man den Schuldigen gefunden zu haben, den Wissenschaftler Clifford McBride. Der war vor zwanzig Jahren aufgebrochen, um außerirdisches Leben zu suchen und auf seiner Reise zum Neptun spurlos verschwunden. Sein Sohn Roy, ein unerschrockener Astronaut wird heimlich auf die Suche nach seinem Vater geschickt, damit die immer wiederkehrenden Strahlungsausbrüche beendet werden können.

Was ein schöner Vater-Sohn-Konflikt hätte werden können, mutiert zu einer Bildgewaltigen Odyssee, bei der weder auf Technik noch auf die Handlungsführung geachtet wird. Stattdessen verliert sich die Handlung in pseudopsychologischem Gefasel, wenn Roy in regelmäßigen Abständen psychologische Tests absolvieren muss, deren Zweck mir bis zum Ende des Films nicht wirklich klar geworden ist.

Die Physik, der sich der Film bedient, wirkt auf den ersten Blick glaubhaft extrapoliert. Schaut man aber genauer hin, bemerkt man schnell, dass da keine Experten am Werk waren. Denn wieso starten die Raketen zum Mars von der Rückseite des Mondes und nicht aus seiner Umlaufbahn? Warum stößt das Raumschiff beim Start vom Mond eine Raketenstufe ab, ohne die es bei der Landung auf dem Mars kleiner sein müsste? Wäre es nicht effizienter, wenn das Raumschiff auf Mond und Mars nicht landen würde und stattdessen Shuttles die Leute an Bord bringen? Absolut unglaubwürdig ist die Aktion, in der Roy auf dem Mars sich von unten in die startende Rakete schmuggelt, während die Triebwerke bereits zünden. Von der Erklärung wie es zu dem zerstörerischen Impuls kommt (irgendwas mit Antimaterie) ganz zu schweigen. Auch Roys Durchquerung der Ringe des Neptuns mittels eines Metallblechs als Schild … die Ringe bestehen nur zu 40-50 Prozent aus Staub die Dichte ist marginal. Gipfel war die Sprengung von Clifford McBrides Raumschiff im Orbit vom Neptun, inklusive der Druckwelle, die Roys Raumschiff wieder Richtung Erde beschleunigt. Als ob es im Weltall Druckwellen gäbe.

Vielleicht wäre die mangelnde Physik zu verschmerzen gewesen, wären die Charaktere ausgefeilter und der tiefere Sinn des Films greifbarer gewesen. Die Handlung konzentriert sich ausschließlich auf Roy. Brad Pitt macht das gar nicht schlecht. Doch um die Figur zu charakterisieren, zerfasert man die Handlung. Ob es der Piratenangriff auf dem Mond oder die Rettungsmission auf einem Forschungsschiff mit wildgewordenen Primaten ist, es soll die Figur charakterisieren, lenkt aber vom eigentlichen Ziel des Films ab. Außerdem lässt es alle Figuren neben dem Protagonisten als Idioten erscheinen. Ich denke da an die Raumschiffcrew auf dem Weg zum Mars. Ein Copilot, der sich vor Angst in die Hosen macht, wenn er auf eine Außenmission gehen soll und das Raumschiff im Notfall nicht manuell steuern kann, gehört eher hinter einen Schreibtisch, aber definitiv nicht ins All. Sollten die psychologischen Tests für alle Mitglieder des Space Command gelten, hätte diese Schwäche längst auffallen müssen. Die anderen Crewmitglieder verhalten sich gleichfalls irrational, was ihnen später das Leben kostet. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum die eigentlich zum Mars geflogen sind. Roys Mission war ja geheim, sie musste also irgendeinen Befehl haben.

Das Finale, als Roy seinen totgeglaubten Vater tatsächlich am Neptun findet, offenbart die Schwächen des Plots. Clifford hat seine meuternde Crew auf dem Gewissen. Mal davon abgesehen, wie er zwanzig Jahre allein auf dem Raumschiff beim Neptun überleben konnte. Er läßt sich jedoch von seinem Sohn scheinbar überreden, zur Erde zurückzukehren, obwohl er seine Vision, die Suche nach intelligentem außerirdischem Leben, nicht aufgeben will. Dass sich der Vater als Mörder letztendlich nicht wirklich zur Rückkehr würde bewegen können, war mir gleich klar. Man wirft sich ein paar »Liebenswürdigkeiten« an den Kopf, bereut Fehler und wünscht sich, man hätte vieles anders gemacht. Die Handlung bleibt aber an der Oberfläche, hält sich an Klischees und birgt nichts wirklich Tiefsinniges.

Letztlich frage ich mich: Was soll die Botschaft des Films sein? Dass es keine Außerirdischen gibt, nur weil man in den dreißig Jahren keine gefunden hat? Dass die Erde das einzig Wahre ist und die menschliche Existenz mit dem Glauben an Gott die einzig mögliche Lebensweise? (Es wird oft gebetet in dem Film.)

Wie gesagt, dass alles reißen die tollen Bilder nicht raus. Am Ende ärgert man sich, dass man seine Zeit verschwendet hat. Einziger Lichtblick ist Brad Pitt. Der spielt den verschlossenen unnahbaren Helden mit dem Ruhepuls von 47, den nichts aus der Ruhe bringen kann, glaubwürdig mit wenig Emotionen. Für Mitte fünfzig sieht der Schauspieler immernoch knackig aus.

Verärgertes Fandom

Vor wenigen Wochen ging die dritte Staffel von Star Trek: Discovery zu Ende. Ich habe sie nicht gesehen, da wir kein Netflix haben. Aber was man so darüber hört und liest, klingt nicht gerade ermutigend.

Wie schon mehrfach gesagt war ich persönlich schon von der ersten und zweiten Staffel nicht überzeugt, dabei versuchte ich mit niedrigen Erwartungen und möglichst vorurteilsfrei an die Serie heranzugehen. Was allerdings schwerfällt, wenn man die Meinungen der Star-Trek-Fans im Vorfeld wahrgenommen hat. Das veränderte Aussehen der Klingonen, eine Mary Sue als Hauptprotagonistin und der fehlende wissenschaftliche Bezug, waren die Hauptkritikpunkte der Fans. Dem konnte ich nur zustimmen, nachdem ich die ersten Episoden gesehen hatte. Mir fiel vor allem die arg konstruierten Geschichten auf, die erzählt wurden und die vielen Logiklöcher, die von Folge zu Folge und von Staffel zu Staffel mehr wurden.

Nun scheint das in Staffel drei nicht wirklich besser geworden zu sein, zumindest in den letzten Folgen. Es ist wohl dasselbe passiert wie bei Star Trek: Picard, auf einen starken Beginn folgte ein unsägliches Finale, das weder logisch war, noch den »Idealen« von Star Trek entsprach. Anschauen werde ich sie mir irgendwann, wenn sie auf DVD oder Blu-Ray erhältlich sein wird.

Meinen Freund Ben Calvin Hary hat die Staffel so gewurmt, dass er ein Video darüber gemacht hat, in dem er die Frage stellt: Ist die dritte Staffel von Discovery wirklich so schlecht? Offensichtlich ist sie das wohl, wenn man sich die Kommentare der Fans dazu durchliest.

Wen das Video interessiert, ich teile es an dieser Stelle gern.

Dreimal Französisch

Ich weiß nicht, wie die Franzosen es schaffen Filme zu machen, die intelligent sind aber gleichzeitig leicht. Wir Deutschen schaffen das irgendwie nicht. Deutsche Filme sind entweder schwer und trocken oder arten in Klamauk aus.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich drei französische Filme gesehen, die lustig waren, aber gleichzeitig eine Botschaft transportierten.

Quelle: Amazon

In »Die brillante Mademoiselle Neïla« geht es um das Thema Rassismus. Eine Studentin mit arabischen Migrationshintergrund tritt zum Jurastudium an und wird in der allerersten Vorlesung von ihrem Professor aufs übelste runtergemacht. Der bekommt von der Unileitung die Auflage mit der jungen Frau an einem Debattierwettbewerb teilzunehmen oder er fliegt.
Das ist teilweise recht derb, was sich die junge Frau gefallen lassen muss, gleichzeitig ist der Dozent aber gar nicht so rassistisch wie gedacht. Denn er provoziert die junge Frau und verleitet sie damit mehr aus sich herauszugehen, sich dagegen zu wehren und sich nicht nur als Opfer zu sehen.
Das Ende ist ungewöhnlich, aber auch stimmig. Ein schöner Film über Migration und darüber wie man Menschen mit Sprache manipulieren kann.

Quelle: Amazon

»Ein Dorf zieht Blank« verspricht genau das, was der Titel besagt. Die Bewohner eines Dorfes in der Normandie ziehen sich nackt aus, um für ein Foto zu posieren. Wie es dazu kommt und warum sie das tun, erzählt der Film in eindringlichen Bildern und einer Menge Wortwitz. Angesichts des Themas extensive Landwirtschaft und Massentierhaltung bleibt einem das Lachen aber allzuoft im Halse stecken.
Die bekannten Darsteller lassen kein Klischee aus und behandeln das Thema durchaus mit jeder Menge Selbstkritik.

Quelle: Amazon

»Der geheime Roman des Monsieur Pick« ist eigentlich ein Krimi. Allerdings ohne Mordopfer oder Ähnlichem. Eine junge Verlagsmitarbeiterin findet in einer kleinen Bibliothek in der Bretagne das unveröffentlichte Manuskript des Pizzabäckers Henry Pick. Der ist seit Jahren verstorben. Sie verlegt den Roman und es wird ein Bestseller. Ein angesehener Pariser Literaturkritiker glaubt nicht, das Pick den Roman geschrieben hat und setzt alles daran, das zu beweisen.
Es ist nicht nur spannend mitzuraten, wer das Manuskript geschrieben hat, sondern zu erleben, wie das Verlagswesen tickt. Und das manchmal die Geschichte um ein Buch wichtiger ist, als sein Inhalt.

Drei sehr gute französische Filme, die zum Nachdenken anregen und bei denen man dennoch viel Spaß hat, ohne das sie albern wirken. Ich wünschte, die deutschen Filmemacher könnten das auch.

Independent Film – Made in Bavaria

Seit dem Film »Wer früher stirbt ist länger tot« bin ich ein heimlicher Fan von bayrischen Heimatfilmen. Damit meine ich nicht die alten Schnulzen, sondern witzige Independent-Komödien wie zum Beispiel »Eine ganz heiße Nummer«. Die Eberhofer-Krimis sehe ich mir auch gern an, obwohl ich Krimis nicht mag, aber ich finde die Filme lustig. Die Bayern vor allem die Polizei in Bayern werden da regelmäßig auf die Schippe genommen. Nun habe ich als Zugereiste den Vorteil, dass ich seit knapp zwanzig Jahren in Bayern lebe und der Sprache einigermaßen mächtig bin. Zumindest verstehe ich die Leute in den Filmen meistens und brauche keine Untertitel.

Unlängst entdeckte ich wieder einen Film, der aus der Gegend kommt und auf witzige Art und Weise die bayrische Lebensweise karikiert. »Mit dem Rückwärtsgang nach vorn« ist eine ganz besondere Produktion, weil sie ausschließlich von jungen Leuten mit einem minimalen Budget produziert wurde. Das Geld stammt von Sponsoren und die vielen bekannten Darsteller haben alle ohne Gage gespielt. Die jungen Leute haben eine Produktionsgesellschaft gegründet und alle Aufgaben am Set selbst übernommen. Bei der Postproduktion waren ebenfalls ausschließlich junge Filmschaffende am Werk, die teils noch studieren. Dafür ist der Film superprofessionell geworden, finde ich. Dadurch, dass ich mal in einer »Filmfabrik« gearbeitet habe, kann ich ungefähr einschätzen, was es bedeutet, einen Film zu drehen und wie viel Arbeit in einer Postproduktion steckt.

Es ist eine beachtliche Leistung, die die jungen Leute um Autor und Regisseur Sebastian Schindler erbracht haben. Der Wasserburger sieht ein bisschen aus, wie eine junge Ausgabe von Axel Stein. Es war nicht sein erster Film. Er machte bereits mit dem Kurzfilm »Ein Dorf steht Kopf« auf sich aufmerksam. Mit dem aktuellen Streifen erzählt er eine Geschichte über ein kleines Dorf in der Nähe von Wasserburg, in dem der Bürgermeister genervt von den modernen Zeiten irgendwann entscheidet, die Zeit zurückzudrehen.

Besagter Bürgermeister beschließt das Dorf einschließlich seiner Bewohner in die achtziger Jahre zurückzuversetzen, komplett mit D-Mark, alten Autos, Röhrenfernsehern sowie Telefonen mit Wählscheibe. Die Alten machen begeistert mit, nur die Jugendlichen leiden unter den für sie archaischen Zeiten ohne Internet und Smartphone. Als er zur Kontrolle der jungen Menschen eine Mauer um das Dorf bauen lässt, wehrt sich die Jugend. Die Geschichte ist lustig, hat aber gleichzeitig einen ernsten Hintergedanken. Man erlebt mit, wie aus einer gutgemeinten Idee eine totalitäre Situation wird, die am Ende tragisch eskaliert.

Ich möchte an dieser Stelle ein bisschen Werbung für diesen schönen Film machen. Der erschien im April und fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Er konnte leider nur bei wenigen Veranstaltungen im Sommer gezeigt werden. Seit ein paar Tagen ist die DVD erhältlich und kann direkt bei den Produzenten auf der Internetseite mitdemrueckwaertsgangnachvorn.de bestellt werden. Bei Amazon und Co gibt es den Film nicht zu kaufen.

Ich habe mir die DVD bestellt und kann den Streifen nur wärmstens empfehlen. Zumindest denjenigen, die keine Probleme mit dem Bairischen haben. Wer möchte, kann mal in den Trailer reinschauen.

Barbara Salesch im Jahr 2034

Wir haben gekämpft. Wir wollten dem Film »Ökozid« wirklich eine Chance geben, aber nach einer halben Stunde haben wir dann doch aufgegeben.

Wenn die ARD einen Film sendet, der in der Zukunft spielt und der sich um die Folgen des Klimawandels dreht. In dem die verantwortlichen Politiker vor Gericht gestellt werden, dann finde ich das wichtig und spannend. Leider war der Film gerade das nicht.

Ich schaue mir gern Anwaltsserien an. Zur Zeit gucken wir mal wieder »Boston Legal«. Mit großem Interesse verfolge ich da die Argumentationen der Anwälte, Angeklagten und Richtern. Deshalb war ich gespannt, wie die Filmemacher in Deutschland das umsetzten würden. Doch was in »Ökozid« gezeigt wurde, war … sagen wir mal … es erinnerte an die nachmittäglichen Gerichtsshows im Privatfernsehen. Zwar wurden jede Menge Fakten genannt, viele Aufnahmen von Naturkatastrophen gezeigt, doch in der Verhandlung selbst dominierten zähe, stocknüchterne Aussagen, die klangen, als spielten und sprächen dort Laiendarsteller. Eine achtzigjährige Angela Merkel, die jünger aussah als heute, eine Anwältin der Anklage, der man eine Greta Thunberg Vergangenheit angedichtet hatte und ein dubioser Journalist, der die Schlagzeilen für beide Seiten diktiert.

Wäre der Film ein Dokumentarfilm gewesen, hätte ich ein Auge zugedrückt. Aber als Spielfilm? Nein, das war irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Es war die meiste Zeit typisch deutsches Beamtengerede, teilweise klischeetriefend und pathetisch. Die Zeugen und Opfer blieben farblos und die Anwaltschaft oberlehrerhaft. Warum ausgerechnet Deutschland angeklagt wurde oder sich der Anklage gestellt hat und keines der Länder, die weit mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gepulvert haben, erschließt sich nicht nur mir nicht, sondern auch nicht den Angeklagten.

Fazit: Reingeschaut aber enttäuscht wieder abgeschaltet. So fesselt man keine Zuschauer. Was gerade bei dem Thema extrem schade ist, weil wirklich wichtig. Vielleicht sollte sich der Regisseur mal ein paar Folgen einer Serie von David E. Kelley anschauen, um zu lernen, wie man sowas richtig macht.

Ich und der Blade Runner

Quelle: Amazon

Es ist eine alte Geschichte, wie ich in den Neunzigern beinahe mal »Blade Runner« gesehen hätte. Das war an der Uni, irgendwann im Grundstudium, in den ersten beiden Jahren. Der Filmclub der Universität veranstaltete eine Science-Fiction-Woche und zeigte jeden Abend einen SF-Film im Großen Hörsaal. Am ersten Abend, ich glaube es war ein Montag, sollte »Blade Runner« laufen. Eine Kommilitonin und ich stiefelten also auf den »Berg«, wo das Hörsaalgebäude stand und kauften uns zwei Eintrittskarten für den Film.

Als wir saßen, dann die schlechte Nachricht. Aus technischen Gründen konnte der SF-Klassiker nicht abgespielt werden. Dafür wurde »Eolomea« gezeigt, ein SF-Film aus der DDR. Ich kann mich an den Inhalt des DEFA-Films nicht mehr erinnern. Ich weiß aber, dass wir uns den ganzen Abend über die Requisiten des Films amüsierten. Da waren nämlich die gleichen Schulbänke zu sehen, wie wir sie aus der Schule kannten.

Zu »Blade Runner« ergab sich später nie wieder die Gelegenheit. Bis vor zwei Wochen. Da fischte mein Mann die beiden Filme aus dem Regal und meinte, dass wir uns die endlich mal ansehen sollten.

Sagen wir mal so: Ich weiß jetzt, warum der Originalfilm damals an den Kinokassen floppte. Ich hatte Schwierigkeiten der Handlung zu folgen, vor allem konnte ich das Warum nicht so richtig einordnen. Außerdem ist mir der Streifen viel zu gewalttätig. Dauernd wird gekämpft, geschossen und Leuten der Schädel an Wänden eingeschlagen. Gewaltorgien wie diese stoßen mich grundsätzlich ab. Ich konnten dem Film nichts abgewinnen, da halfen auch die optisch ansprechenden Achtzigerjahre Zukunftsvisionen nicht.

Letztes Wochenende sahen wir uns dann »Blade Runner 2049« an. Die Fortsetzung punktet schon mal damit, dass es eine nachvollziehbare Handlung gibt, die vieles aus dem ersten Film erklärt. Die Personen waren mir irgendwie näher, als im Originalfilm von 1982. Aber auch hier gab es für meinen Geschmack zu viel Gewalt. Vieles davon war Show und eigentlich gar nicht notwendig. Zumindest aber hinterlässt der Film von 2017 einen bleibenderen Eindruck bei mir.

Fazit: Ich habe »Blade Runner« endlich gesehen, kann den Hype, der darum gemacht wird, aber nicht nachvollziehen. Wir werden wohl beide Blu-Rays bei Booklooker reinstellen.

Der junge Lindenberg

Quelle: Amazon

Spätestens seit dem Erfolg von »Bohemian Rapsody« schießen Künstlerbiografien aus der Musikszene wie Pilze aus dem Boden. Das es da bald einen deutschen Entertainer treffen würde, war voraussagbar.

Es ist Udo Lindenberg geworden. Über den exzentrischen Künstler kann man sich streiten, über seine Musik auch. Beides vermag nicht jedem zu gefallen, aber das ist bei anderen Sängern und Sängerinnen auch der Fall.

Ich mochte Udo Lindenberg schon früh. Hatte ich in den späten Achtzigern doch von meinem Cousin eine Kassette für meinen nagelneuen Kassettenrekorder bekommen. Auf der waren so tolle Songs wie »Alles klar auf der Andrea Doria« und andere Hits von ihm. Es waren vor allem die Texte, die es mir angetan hatten. Und spätestens mit seinem Sonderzug nach Pankow und der Sachen mit der Lederjacke und der Schallmei, die er mit Erich Honecker getauscht hat, war er für uns DDR-Bürger ohnehin ein Held.

Anfang diesen Jahres sah ich einen Trailer zu einer Filmbiografie über ihn und nahm mir fest vor, dafür ins Kino zu gehen. Da dies dann aber leider nicht möglich war, kauften wir uns jetzt die BluRay.

Der Film ist gut gemacht. Im Grunde geht es darum, dass sich ein Junge selbstverwirklicht und seine Träume wahr werden lässt. Das jemand unbeirrbar seinen Weg geht, auch wenn er mal stolpert und hinfällt.

Der Darsteller, Jan Bülow, macht einen großartigen Job. Man nimmt ihm den Udo in jeder Szene ab. Die Handlung erzählt vor allem über Udo Lindenbergs Kindheit und Jugend, bis zu seinem ersten großen Erfolg. Ich erfuhr ein paar Details über den Künsler, die ich noch nicht kannte. Der Soundtrack enthält weniger Songs von Lindenberg als man erwartet, dafür erfährt man, welche Musik den jungen Udo inspiriert hat.

Alles in allem ist es ein schöner Film, der trotz seiner Länge zu unterhalten weiß. So beeindruckend wie »Bohemian Rapsody« ist er aber nicht. Dennoch ist es ein sehr authentisch wirkender Streifen, den man gesehen haben sollte. Ich hätte gern mehr über Udo Lindenbergs spätere Karriere erfahren. Das wird leider komplett ausgeklammert. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal einen weiteren Film über ihn.

Der Film ist ab 12 Jahre, obwohl es ziemlich viele Sexszenen und auch das eine oder andere Genital zu sehen gibt. Das hat mich dann doch überrascht.

Hier ist eine längere Vorschau von KinoCheck: