Verärgertes Fandom

Vor wenigen Wochen ging die dritte Staffel von Star Trek: Discovery zu Ende. Ich habe sie nicht gesehen, da wir kein Netflix haben. Aber was man so darüber hört und liest, klingt nicht gerade ermutigend.

Wie schon mehrfach gesagt war ich persönlich schon von der ersten und zweiten Staffel nicht überzeugt, dabei versuchte ich mit niedrigen Erwartungen und möglichst vorurteilsfrei an die Serie heranzugehen. Was allerdings schwerfällt, wenn man die Meinungen der Star-Trek-Fans im Vorfeld wahrgenommen hat. Das veränderte Aussehen der Klingonen, eine Mary Sue als Hauptprotagonistin und der fehlende wissenschaftliche Bezug, waren die Hauptkritikpunkte der Fans. Dem konnte ich nur zustimmen, nachdem ich die ersten Episoden gesehen hatte. Mir fiel vor allem die arg konstruierten Geschichten auf, die erzählt wurden und die vielen Logiklöcher, die von Folge zu Folge und von Staffel zu Staffel mehr wurden.

Nun scheint das in Staffel drei nicht wirklich besser geworden zu sein, zumindest in den letzten Folgen. Es ist wohl dasselbe passiert wie bei Star Trek: Picard, auf einen starken Beginn folgte ein unsägliches Finale, das weder logisch war, noch den »Idealen« von Star Trek entsprach. Anschauen werde ich sie mir irgendwann, wenn sie auf DVD oder Blu-Ray erhältlich sein wird.

Meinen Freund Ben Calvin Hary hat die Staffel so gewurmt, dass er ein Video darüber gemacht hat, in dem er die Frage stellt: Ist die dritte Staffel von Discovery wirklich so schlecht? Offensichtlich ist sie das wohl, wenn man sich die Kommentare der Fans dazu durchliest.

Wen das Video interessiert, ich teile es an dieser Stelle gern.

Dreimal Französisch

Ich weiß nicht, wie die Franzosen es schaffen Filme zu machen, die intelligent sind aber gleichzeitig leicht. Wir Deutschen schaffen das irgendwie nicht. Deutsche Filme sind entweder schwer und trocken oder arten in Klamauk aus.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich drei französische Filme gesehen, die lustig waren, aber gleichzeitig eine Botschaft transportierten.

Quelle: Amazon

In »Die brillante Mademoiselle Neïla« geht es um das Thema Rassismus. Eine Studentin mit arabischen Migrationshintergrund tritt zum Jurastudium an und wird in der allerersten Vorlesung von ihrem Professor aufs übelste runtergemacht. Der bekommt von der Unileitung die Auflage mit der jungen Frau an einem Debattierwettbewerb teilzunehmen oder er fliegt.
Das ist teilweise recht derb, was sich die junge Frau gefallen lassen muss, gleichzeitig ist der Dozent aber gar nicht so rassistisch wie gedacht. Denn er provoziert die junge Frau und verleitet sie damit mehr aus sich herauszugehen, sich dagegen zu wehren und sich nicht nur als Opfer zu sehen.
Das Ende ist ungewöhnlich, aber auch stimmig. Ein schöner Film über Migration und darüber wie man Menschen mit Sprache manipulieren kann.

Quelle: Amazon

»Ein Dorf zieht Blank« verspricht genau das, was der Titel besagt. Die Bewohner eines Dorfes in der Normandie ziehen sich nackt aus, um für ein Foto zu posieren. Wie es dazu kommt und warum sie das tun, erzählt der Film in eindringlichen Bildern und einer Menge Wortwitz. Angesichts des Themas extensive Landwirtschaft und Massentierhaltung bleibt einem das Lachen aber allzuoft im Halse stecken.
Die bekannten Darsteller lassen kein Klischee aus und behandeln das Thema durchaus mit jeder Menge Selbstkritik.

Quelle: Amazon

»Der geheime Roman des Monsieur Pick« ist eigentlich ein Krimi. Allerdings ohne Mordopfer oder Ähnlichem. Eine junge Verlagsmitarbeiterin findet in einer kleinen Bibliothek in der Bretagne das unveröffentlichte Manuskript des Pizzabäckers Henry Pick. Der ist seit Jahren verstorben. Sie verlegt den Roman und es wird ein Bestseller. Ein angesehener Pariser Literaturkritiker glaubt nicht, das Pick den Roman geschrieben hat und setzt alles daran, das zu beweisen.
Es ist nicht nur spannend mitzuraten, wer das Manuskript geschrieben hat, sondern zu erleben, wie das Verlagswesen tickt. Und das manchmal die Geschichte um ein Buch wichtiger ist, als sein Inhalt.

Drei sehr gute französische Filme, die zum Nachdenken anregen und bei denen man dennoch viel Spaß hat, ohne das sie albern wirken. Ich wünschte, die deutschen Filmemacher könnten das auch.

Independent Film – Made in Bavaria

Seit dem Film »Wer früher stirbt ist länger tot« bin ich ein heimlicher Fan von bayrischen Heimatfilmen. Damit meine ich nicht die alten Schnulzen, sondern witzige Independent-Komödien wie zum Beispiel »Eine ganz heiße Nummer«. Die Eberhofer-Krimis sehe ich mir auch gern an, obwohl ich Krimis nicht mag, aber ich finde die Filme lustig. Die Bayern vor allem die Polizei in Bayern werden da regelmäßig auf die Schippe genommen. Nun habe ich als Zugereiste den Vorteil, dass ich seit knapp zwanzig Jahren in Bayern lebe und der Sprache einigermaßen mächtig bin. Zumindest verstehe ich die Leute in den Filmen meistens und brauche keine Untertitel.

Unlängst entdeckte ich wieder einen Film, der aus der Gegend kommt und auf witzige Art und Weise die bayrische Lebensweise karikiert. »Mit dem Rückwärtsgang nach vorn« ist eine ganz besondere Produktion, weil sie ausschließlich von jungen Leuten mit einem minimalen Budget produziert wurde. Das Geld stammt von Sponsoren und die vielen bekannten Darsteller haben alle ohne Gage gespielt. Die jungen Leute haben eine Produktionsgesellschaft gegründet und alle Aufgaben am Set selbst übernommen. Bei der Postproduktion waren ebenfalls ausschließlich junge Filmschaffende am Werk, die teils noch studieren. Dafür ist der Film superprofessionell geworden, finde ich. Dadurch, dass ich mal in einer »Filmfabrik« gearbeitet habe, kann ich ungefähr einschätzen, was es bedeutet, einen Film zu drehen und wie viel Arbeit in einer Postproduktion steckt.

Es ist eine beachtliche Leistung, die die jungen Leute um Autor und Regisseur Sebastian Schindler erbracht haben. Der Wasserburger sieht ein bisschen aus, wie eine junge Ausgabe von Axel Stein. Es war nicht sein erster Film. Er machte bereits mit dem Kurzfilm »Ein Dorf steht Kopf« auf sich aufmerksam. Mit dem aktuellen Streifen erzählt er eine Geschichte über ein kleines Dorf in der Nähe von Wasserburg, in dem der Bürgermeister genervt von den modernen Zeiten irgendwann entscheidet, die Zeit zurückzudrehen.

Besagter Bürgermeister beschließt das Dorf einschließlich seiner Bewohner in die achtziger Jahre zurückzuversetzen, komplett mit D-Mark, alten Autos, Röhrenfernsehern sowie Telefonen mit Wählscheibe. Die Alten machen begeistert mit, nur die Jugendlichen leiden unter den für sie archaischen Zeiten ohne Internet und Smartphone. Als er zur Kontrolle der jungen Menschen eine Mauer um das Dorf bauen lässt, wehrt sich die Jugend. Die Geschichte ist lustig, hat aber gleichzeitig einen ernsten Hintergedanken. Man erlebt mit, wie aus einer gutgemeinten Idee eine totalitäre Situation wird, die am Ende tragisch eskaliert.

Ich möchte an dieser Stelle ein bisschen Werbung für diesen schönen Film machen. Der erschien im April und fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Er konnte leider nur bei wenigen Veranstaltungen im Sommer gezeigt werden. Seit ein paar Tagen ist die DVD erhältlich und kann direkt bei den Produzenten auf der Internetseite mitdemrueckwaertsgangnachvorn.de bestellt werden. Bei Amazon und Co gibt es den Film nicht zu kaufen.

Ich habe mir die DVD bestellt und kann den Streifen nur wärmstens empfehlen. Zumindest denjenigen, die keine Probleme mit dem Bairischen haben. Wer möchte, kann mal in den Trailer reinschauen.

Barbara Salesch im Jahr 2034

Wir haben gekämpft. Wir wollten dem Film »Ökozid« wirklich eine Chance geben, aber nach einer halben Stunde haben wir dann doch aufgegeben.

Wenn die ARD einen Film sendet, der in der Zukunft spielt und der sich um die Folgen des Klimawandels dreht. In dem die verantwortlichen Politiker vor Gericht gestellt werden, dann finde ich das wichtig und spannend. Leider war der Film gerade das nicht.

Ich schaue mir gern Anwaltsserien an. Zur Zeit gucken wir mal wieder »Boston Legal«. Mit großem Interesse verfolge ich da die Argumentationen der Anwälte, Angeklagten und Richtern. Deshalb war ich gespannt, wie die Filmemacher in Deutschland das umsetzten würden. Doch was in »Ökozid« gezeigt wurde, war … sagen wir mal … es erinnerte an die nachmittäglichen Gerichtsshows im Privatfernsehen. Zwar wurden jede Menge Fakten genannt, viele Aufnahmen von Naturkatastrophen gezeigt, doch in der Verhandlung selbst dominierten zähe, stocknüchterne Aussagen, die klangen, als spielten und sprächen dort Laiendarsteller. Eine achtzigjährige Angela Merkel, die jünger aussah als heute, eine Anwältin der Anklage, der man eine Greta Thunberg Vergangenheit angedichtet hatte und ein dubioser Journalist, der die Schlagzeilen für beide Seiten diktiert.

Wäre der Film ein Dokumentarfilm gewesen, hätte ich ein Auge zugedrückt. Aber als Spielfilm? Nein, das war irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Es war die meiste Zeit typisch deutsches Beamtengerede, teilweise klischeetriefend und pathetisch. Die Zeugen und Opfer blieben farblos und die Anwaltschaft oberlehrerhaft. Warum ausgerechnet Deutschland angeklagt wurde oder sich der Anklage gestellt hat und keines der Länder, die weit mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gepulvert haben, erschließt sich nicht nur mir nicht, sondern auch nicht den Angeklagten.

Fazit: Reingeschaut aber enttäuscht wieder abgeschaltet. So fesselt man keine Zuschauer. Was gerade bei dem Thema extrem schade ist, weil wirklich wichtig. Vielleicht sollte sich der Regisseur mal ein paar Folgen einer Serie von David E. Kelley anschauen, um zu lernen, wie man sowas richtig macht.

Ich und der Blade Runner

Quelle: Amazon

Es ist eine alte Geschichte, wie ich in den Neunzigern beinahe mal »Blade Runner« gesehen hätte. Das war an der Uni, irgendwann im Grundstudium, in den ersten beiden Jahren. Der Filmclub der Universität veranstaltete eine Science-Fiction-Woche und zeigte jeden Abend einen SF-Film im Großen Hörsaal. Am ersten Abend, ich glaube es war ein Montag, sollte »Blade Runner« laufen. Eine Kommilitonin und ich stiefelten also auf den »Berg«, wo das Hörsaalgebäude stand und kauften uns zwei Eintrittskarten für den Film.

Als wir saßen, dann die schlechte Nachricht. Aus technischen Gründen konnte der SF-Klassiker nicht abgespielt werden. Dafür wurde »Eolomea« gezeigt, ein SF-Film aus der DDR. Ich kann mich an den Inhalt des DEFA-Films nicht mehr erinnern. Ich weiß aber, dass wir uns den ganzen Abend über die Requisiten des Films amüsierten. Da waren nämlich die gleichen Schulbänke zu sehen, wie wir sie aus der Schule kannten.

Zu »Blade Runner« ergab sich später nie wieder die Gelegenheit. Bis vor zwei Wochen. Da fischte mein Mann die beiden Filme aus dem Regal und meinte, dass wir uns die endlich mal ansehen sollten.

Sagen wir mal so: Ich weiß jetzt, warum der Originalfilm damals an den Kinokassen floppte. Ich hatte Schwierigkeiten der Handlung zu folgen, vor allem konnte ich das Warum nicht so richtig einordnen. Außerdem ist mir der Streifen viel zu gewalttätig. Dauernd wird gekämpft, geschossen und Leuten der Schädel an Wänden eingeschlagen. Gewaltorgien wie diese stoßen mich grundsätzlich ab. Ich konnten dem Film nichts abgewinnen, da halfen auch die optisch ansprechenden Achtzigerjahre Zukunftsvisionen nicht.

Letztes Wochenende sahen wir uns dann »Blade Runner 2049« an. Die Fortsetzung punktet schon mal damit, dass es eine nachvollziehbare Handlung gibt, die vieles aus dem ersten Film erklärt. Die Personen waren mir irgendwie näher, als im Originalfilm von 1982. Aber auch hier gab es für meinen Geschmack zu viel Gewalt. Vieles davon war Show und eigentlich gar nicht notwendig. Zumindest aber hinterlässt der Film von 2017 einen bleibenderen Eindruck bei mir.

Fazit: Ich habe »Blade Runner« endlich gesehen, kann den Hype, der darum gemacht wird, aber nicht nachvollziehen. Wir werden wohl beide Blu-Rays bei Booklooker reinstellen.

Der junge Lindenberg

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Spätestens seit dem Erfolg von »Bohemian Rapsody« schießen Künstlerbiografien aus der Musikszene wie Pilze aus dem Boden. Das es da bald einen deutschen Entertainer treffen würde, war voraussagbar.

Es ist Udo Lindenberg geworden. Über den exzentrischen Künstler kann man sich streiten, über seine Musik auch. Beides vermag nicht jedem zu gefallen, aber das ist bei anderen Sängern und Sängerinnen auch der Fall.

Ich mochte Udo Lindenberg schon früh. Hatte ich in den späten Achtzigern doch von meinem Cousin eine Kassette für meinen nagelneuen Kassettenrekorder bekommen. Auf der waren so tolle Songs wie »Alles klar auf der Andrea Doria« und andere Hits von ihm. Es waren vor allem die Texte, die es mir angetan hatten. Und spätestens mit seinem Sonderzug nach Pankow und der Sachen mit der Lederjacke und der Schallmei, die er mit Erich Honecker getauscht hat, war er für uns DDR-Bürger ohnehin ein Held.

Anfang diesen Jahres sah ich einen Trailer zu einer Filmbiografie über ihn und nahm mir fest vor, dafür ins Kino zu gehen. Da dies dann aber leider nicht möglich war, kauften wir uns jetzt die BluRay.

Der Film ist gut gemacht. Im Grunde geht es darum, dass sich ein Junge selbstverwirklicht und seine Träume wahr werden lässt. Das jemand unbeirrbar seinen Weg geht, auch wenn er mal stolpert und hinfällt.

Der Darsteller, Jan Bülow, macht einen großartigen Job. Man nimmt ihm den Udo in jeder Szene ab. Die Handlung erzählt vor allem über Udo Lindenbergs Kindheit und Jugend, bis zu seinem ersten großen Erfolg. Ich erfuhr ein paar Details über den Künsler, die ich noch nicht kannte. Der Soundtrack enthält weniger Songs von Lindenberg als man erwartet, dafür erfährt man, welche Musik den jungen Udo inspiriert hat.

Alles in allem ist es ein schöner Film, der trotz seiner Länge zu unterhalten weiß. So beeindruckend wie »Bohemian Rapsody« ist er aber nicht. Dennoch ist es ein sehr authentisch wirkender Streifen, den man gesehen haben sollte. Ich hätte gern mehr über Udo Lindenbergs spätere Karriere erfahren. Das wird leider komplett ausgeklammert. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal einen weiteren Film über ihn.

Der Film ist ab 12 Jahre, obwohl es ziemlich viele Sexszenen und auch das eine oder andere Genital zu sehen gibt. Das hat mich dann doch überrascht.

Hier ist eine längere Vorschau von KinoCheck:

 

Der Vanille-Himmel

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Obwohl ich den Schauspieler Tom Cruise eigentlich nicht so mag, haben wir eine Menge Filme mit ihm im Regal. Da sind viele Streifen dabei, die ich richtig gut finde. »Magnolia« zum Beispiel, oder »Eyes wide shut«, dann natürlich sein Durchbruch »Top Gun«. Zwei Science-Fiction-Filme ragen heraus: »Minority Report« und »Vanilla Sky«. Letzteren haben wir uns am Wochenende mal wieder angesehen.

Als der Film 2001 in die Kinos kam, war ihm kein großer Erfolg beschieden. Und das obwohl neben Tom Cruise eine Menge Stars mitspielen, wie Cameron Diaz, Penélope Cruz, Kurt Russell und Tilda Swinton. Zugegeben der Film ist nicht einfach. In Rückblenden erzählt der New Yorker Yuppie, David Aames, seinem Psychiater, was ihm passiert ist. Offensichtlich sitzt er im Gefängnis und wartet auf seine Verhandlung. Er ist des Mordes angeklagt, doch er erinnert sich nicht, jemanden ermordet zu haben.

Was wie ein Psycho-Thriller beginnt, geht im Laufe des Films in ein Drama über. Der Knall erwartet den Zuschauer erst am Ende, als sich das Verwirrspiel um David Aames auflöst und der Film zu einem SF-Film mutiert. Die Geschichte ist unglaublich komplex und man muss schon genau zuschauen, um zu begreifen was passiert. Das überraschende Ende wird sehr gut vorbereitet, die Hinweise sind im ganzen Film verstreut und dennoch merkt man nicht, worauf die Handlung hinausläuft. Ich mag solche verzwickten Filme, in denen die Handlung bis zum Ende nicht klar ist.

Der Film hat auch eine romantische Note, was der verwirrenden Handlung entgegensteht. Die Liebesszenen sind ästhetisch gefilmt und wirken natürlich. Dass der Streifen kein großer Erfolg an der Kinokasse war, liegt einfach daran, dass sich im Film reale und imaginäre Welt des Helden miteinander verwischen und der Zuschauer aktiv versuchen muss, die Realwelt zu entschlüsseln, das erfordert nachdenken und dazu waren damals viele Kinozuschauer nicht bereit, und sind es heute noch weniger.

»Vanilla Sky« startete am 14. Dezember 2001 im Kino, drei Monate nach dem 11. September. Im Film sind die Zwillingstürme des World Trade Centers noch zu sehen.

Über das Abhandenkommen der Magie

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Dem Pixar-Film »Onward« bescherte der Lockdown im März ein jähes Ende in den weltweiten Kinos. Disney strahlte ihn zwar in seinem Streamingportal aus, aber nicht jeder möchte für einen einzigen Film ein Abo abschließen. Zum Glück gibt es den Streifen seit Juli auf Blu-Ray und DVD.

Der Elf Ian hat seinen Vater nie kennengelernt. Er lebt mit seiner Mutter und seinem Rollenspielverrückten Bruder Barley in einer Kleinstadt. An seinem 16. Geburtstag übergibt die Mutter Ian ein Geschenk – den Zauberstab seines verstorbenen Vaters. Auf einem Zettel steht ein Zauberspruch, der den Vater für einen Tag lang wieder zum Leben erwecken soll. Das gelingt nur zu Hälfte – im wörtlichen Sinne. Um den Zauber zu vollenden und die Gestalt des Vater zu vervollständigen, müssen die Brüder zu einer turbulente Reise durchs ehemals magische Land aufbrechen. Am Ende erkennt Ian, dass er das, was er sich von der Begegnung mit seinem Vater wünscht, schon längst bekommen hat.

Es ist ein typischer Pixar-Film, der viel Wert auf die Entwicklung seiner Figuren legt. Ein Planet voller Elfen, Feen und anderer Fabelwesen, die jedoch zu bequem geworden sind, um die alte Magie zu benutzen. Sie leben in einer industrialisierten Gesellschaft und haben den Bezug zu ihren Wurzeln verloren. Das sorgt für viele witzige Momente. Wenn sich sich zum Beispiel eine Gruppe Feen als Motorrad-Rocker durch die Kneipen schlagen, oder ein Zentaur in Polizeiuniform hinters Steuer eines Autos quetscht, anstatt auf allen vieren auf Streife zu gehen. Es sind diese Kleinigkeiten und die den Film besonders machen. Die liebevolle Charakterisierung der Figuren, die lustigen Ideen, die gleichsam Gesellschaftskritik üben. Das ist es, was einen guten Pixar-Film ausmacht.

Die Handlung ist spannend und voller Wendungen. Allerdings fällt mir auf, seit ich mich mit Dramaturgie und Plott-Techniken beschäftigte, durchschaue ich schnell die Handlung von Filmen und kann ungefähr vorhersagen, was als nächstes passieren wird. Das trübt ein wenig den Filmgenuss. Deshalb beeindrucken mich vor allem Filme, die das klassische Muster durchbrechen. Bei Pixar-Filmen findet man das aber eher selten. Dennoch ist »Onward« ein Film, den man gesehen haben muss. Gerade, wenn man für Phantastik im allgemeinen, sowie Elfen, Drachen, Einhörner und andere Fabelwesen im besonderen schwärmt.

Langatmige Hollywoodstory

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Er wurde gelobt, wie fast jeder Film von Quentin Tarantino – »Once upon a time in Hollywood«. Weil wir die Blu-ray günstig erstanden haben, schauten wir ihn uns am Wochenende an. Wir haben zwei Abende gebraucht, weil der Streifen eine Lauflänge von 160 Minuten hat und wir ihn in zwei Teilen gesehen haben. Zwei Stunden und vierzig Minuten Handlung, die man locker auf zwei Stunden hätte runterbrechen können, ohne das es dem Film geschadet hätte. Gerade die ersten eineinhalb Stunden zogen sich extrem.

Bevor man sich den Film ansieht, sollte man sich über die Manson-Morde informieren, um die es teilweise im Film geht. Das erhöht die Spannung. Denn es wurde erst so richtig fesselnd, als einer der Protagonisten die Hippie-Kommune betritt, in der die Manson-Family lebt. Wer die Details darum nicht kennt, wird sich mehrfach in diesem Film fragen, um was es eigentlich geht. Hauptfiguren sind der alternde Schauspieler Rick Dalton (gespielt von Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble bzw. Bodygard, Hausmeister und Fahrer Cliff (verkörpert von Brad Pitt). Die Vorgeschichte um die beiden nimmt endlos viel Raum ein, bis beide kurz vor Ende in die Manson-Morde verwickelt werden.

Es endet wie für einen Tarantino-Film typisch in einer Gewaltorgie. Gemetzel, Geschrei und verkohlte Leichen – das ist so übertrieben gezeigt, dass die Szenen fast schon komisch wirken, wie aus einem Comic. Das ist vielleicht ganz gut so, denn es nimmt ihnen die Härte. Für zartbesaitete Zuschauer ist das definitiv nichts, und es erklärt auch, warum der Film ab 16 Jahre ist. Das habe ich mich nämlich über zwei Stunden lang gefragt.

Wer eine historische Aufbereitung des Themas erwartet, liegt falsch. Denn, wenn man es genau nimmt, ist der Film eigentlich ein Science-Fiction-Film, weil er eine parallele Realität zeigt. Ich will nicht zu viel spoilern, aber das Ende ist überraschend und eigentlich auch das einzige Highlight des Films. Ansonsten ist die Dokumentation des Hollywoods Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger ganz gut gelungen. Drogen, Sex und eine Kluft zwischen Arm und Reich, dass ist glaubhaft und mit schönen Bildern unterlegt.

Aber seien wir ehrlich, man muss den Film nicht gesehen haben. Der Film weiß nicht so genau was er eigentlich erzählen will, vom langweiligen Leben eines abgehalfterten Filmstars oder von den Manson-Morden. Es hilft die Starbesetzung aus DiCaprio und Pitt wenig, wenn die Geschichte nicht stimmt. Da gibt es eindeutig bessere Filme von Tarantino, den Klassiker »Pulp Fiction« zum Beispiel, oder »From dusk till dawn« bei dem er zwar nicht Regie geführt hat, aber das Buch geschrieben und mitgespielt hat. Insofern kann man zwei Stunden und vierzig Minuten mit sinnvolleren Tätigkeiten verbringen als sich »Once upon a time in Hollywood« anzusehen.

Upload in die Unsterblichkeit

Da stolperte ich unlängst bei dieZukunft.de über einen Artikel zu einer neuen Serie auf Amazon Prime.

Das Konzept dieser SF-Comedy-Serie ist nicht neu. Man schreibt das Jahr 2033. Menschen können ihr Bewusstsein in ein Computernetzwerk hochladen und leben dort weiter in einer virtuellen Realität. Es muss also keiner mehr Angst vor dem Tod haben. Doch das ist nicht so toll wie es klingt, denn im vorherrschenden Kapitalismus geht nichts ohne Geld. Das zieht sich bis in die virtuelle Realität. Je nach finanzieller Ausstattung erhält man viel oder wenig Speicherplatz. Vieles läuft über inAPP-Käufe, ganz wie im richtigen Leben. Und manche dieser virtuellen Lebensräume entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Alptraum.

In diesem Setting spielt die Liebesgeschichte um Nathan und Nora. Nathan ist ein egozentrischer Juppie, der mit der Programmierung einer eigenen Afterlife-Software Geld machen will. Er verunglückt mit einem autonomen Auto. Seine Juppie-Freundin Ingrid lässt den Schwerverletzten hochladen und inszeniert die Beziehung mit ihm als eine Art Instagram-Story. Um Nathan die Anpassung in die virtuelle Realität zu erleichtern, kümmert sich Servicemitarbeiterin Nora um ihn. Im Laufe der Staffel verlieben sich die beiden ineinander. Nora kommt dahinter, das Erinnerungsdateien von Nathan gelöscht wurden. Nach und nach wird beiden klar, dass Nathan ermordet werden sollte.

Die Serie ist enorm vielschichtig. Zu den diversen Handlungssträngen, kommen witzige Einfälle und eine tiefgründige Kapitalismuskritik. Die zehn Folgen sind mit zirka dreißig Minuten relativ kurz. Da kann man auch mal zwei Folgen hintereinander sehen. Mir gefällt die Figurenentwicklung. Nathan ist am Anfang das totale Arschloch und denkt erst nach seinem Tod darüber nach, was ihm andere Menschen bedeuten.

Unfassbar komisch sind die vielen Einfälle zur Technik der Zukunft, wie Kondomgrößen-Scanner am Supermarktregal, Essen aus dem 3D-Drucker, Kameras, die man während des Sex trägt, um die Einwilligung zu versichern und den Partner hinterher zu bewerten und natürlich autonome Autos und alles überwachende KIs. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man, was den Menschen diese Technik kostet. Sie bezahlen mit ihrer Privatsphäre und der persönlichen Freiheit. Denn das Leben der Meisten ist nämlich nicht so besonders toll. Auf wenige Superreiche kommen sehr viele Arme. Es gibt sogar Mütter, die sich mit ihren Kindern freiwillig hochladen lassen, weil sie sich in der virtuellen Welt ein besseres Leben erhoffen. Auch die beiden Protagonisten sind nicht wohlhabend und das wird am Ende zu einem echten Problem, wenn sich Nathan von seiner reichen Freundin Ingrid trennt.

Ich finde diese SF-Serie richtig gut. Sie vereint Krimielemente, Liebesgeschichte und Comedy zu einer spannenden Geschichte. Der Cliffhanger am Ende ist richtig fies. Zum Glück wurde bereits eine zweite Staffel bestellt. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, kann sich den Zusammenschnitt der ersten Folge ansehen.

Zivilcourage eines Landrates

Quelle: Amazon

Wackersdorf kannte ich nur vom Hörensagen. Wahrscheinlich hatte ich 1986 Aufnahmen von den Protesten im Westfernsehen gesehen, aber ich wusste weder, wo Wackersdorf liegt, noch was sich damals genau zugetragen hat. Ich wusste nur, dass es um atomare Brennstoffe ging.

So richtig bewusst, wurde mir die Geschichte erst, als ich das Kapitel über die Pfingstschlacht von Wackersdorf in Klaus N. Fricks »Vielen Dank, Peter Punk« gelesen habe. Da hat eine Landesregierung mittels eines Großaufgebots an Polizei und Streitkräften friedlich demonstrierende Bürger attackiert. Da wurden Befugnisse überschritten und Gesetze außer Kraft gesetzt.

Wie sich das alles entwickelte und welche perfiden Schachzüge die Regierung Strauß noch alles unternommen hat, um die Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe in Bayern zu bauen, eine Anlage, die keiner brauchte und wollte, das erzählt der Film »Wackersdorf« der 2019 in den Kinos lief. Mit welchen Tricks sich der Bauherr und die Landesregierung der Loyalität der Gemeindevertretung zu versichern versuchte, bzw. wie man einfach gegen bestehendes Recht handelte, das ist schon unglaublich. Da wurde kurzerhand ein Gesetz verabschiedet, das den Landrat entmachtete. Ein Gesetz, das bis heute Bestand hat. Die Vollmachten mit denen die Polizei damals in den Einsatz gegen die Demonstranten ging, wurden mittlerweile durch die Söder-Regierung legitimiert.

Eigentlich unglaublich! Doch seit Februar wissen wir, dass die Demokratie in diesem Land schneller abgeschafft werden kann, als man Demokratie sagen kann. Zum Glück wachen inzwischen einige Bürger und die Judikative auf, um manche Verordnungen wieder zurückzunehmen. Auch in Wackersdorf haben die Menschen einen langen Atem bewiesen. Das lag unteranderem am Super-Gau in Tschernobyl. Die Normalbürger sind aufgewacht und haben Widerstand geleistet, teils friedlich, teils mit Gewalt. Am Ende hat es sich ausgezahlt, die Anlage ging nie in Betrieb. Heute ist sie ein Industriegebiet, auf dem unteranderem ein Werk von BMW steht.

Ich kann den Film nur empfehlen, muss aber bemerken, dass ich selbst als im Bairischen Geübte manchmal Probleme hatte den Dialekt zu verstehen. Oberpfälzer eben! Zum Glück gibt es Untertitel.