Christinas Multiversum

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Kontrastprogramm

Stausee in den Bergen

Auch das ist die Algarve: grüne Hügel, bewaldete Berghänge und ausgedehnte Orangenheine. Lavendel und Ginster färben die Straßenränder lila und gelb. Zwischen den Hügeln liegen Stauseen, die entfernt ans Thüringer Meer erinnern, kleine Ortschaften oder weidende Tiere. Die Kühe tragen sogar Glocken um den Hals, so dass man sich, wenn man die Augen schließt, wie auf einer Alm vorkommt. Und dann sind noch die vielen Vögel, in etwa 150 Arten.

All das stand gestern auf unserem Urlaubsprogramm. Wir fuhren mitten hinein ins Hinterland, über schöne und kaputte Straßen, durch Korkeichenwälder und trieben eine Gruppe Rennradfahrer vor uns her.

Wenn man möchte, kann man die Gegend mit allen Sinnen genießen. Neben großartigen Ausblicken, gehört der Duft der Eukalyptus- und Pinienwälder ebenso dazu, wie das Vogelgezwitscher und der Geschmack einer frisch gepflückten Orange. Bauern stehen an der Straße und verkaufen für wenig Geld Säckeweise Orangen oder Zitronen direkt von ihrer Plantage.

Ach ja, allerlei Getier ist uns auch begegnet. Streunende Hunde, die die Straße als Schlafplatz verwenden, eine Kolonie Störche und sogar eine 1,50 Meter lange Schlange, die vorm Auto schnell ins Gebüsch flüchtete.

Wer gern wandern geht oder allgemein Naturliebhaber ist, kann hier so manches Kleinod entdecken. Man braucht aber unbedingt ein Auto.

Im Hotel lösten wir am Nachmittag noch unseren Gutschein für einen Willkommenstrink ein und nach dem Abendessen stand ein Klippenspaziergang auf dem Programm.

Sonnenuntergang auf den Klippen

Störche okkupieren jeden Mast, nisten aber auch in Bäumen

Zitronen wachsen hier wie bei uns die Äpfel

Korkeichenwälder

Lavendel am Straßenrand

Strände, Strände, Strände

Praia do Vau

80 Strände gibt es an der Algarve – in Worten: achtzig! Um an jedem Strand nur einen Tag zu verbringen, braucht man also ziemlich viel Urlaub. Wir haben am Freitag nur wenige besucht, aber die waren richtig cool.

Bevor es los ging, haben wir uns eine Gezeitentabelle an der Rezeption geholt. Diese ist ganz wichtig, weil man wissen muss, wann Ebbe und wann Flut ist. Manche Strände sind nämlich nur bei Ebbe zu erreichen. Die niedrigste Tide war am Freitagvormittag um 11:11 Uhr und wir sind daher kurz nach zehn losgefahren, um gegen elf an der Praia dos Três Irmãos einzutreffen.

Am großen breiten Sandstrand war schon einiges los, aber die Leute verliefen sich in der Weitläufigkeit des Geländes. Die Ebbe hatte neben Felsen auch jede Menge Muscheln freigelegt, darunter handtellergroße Exemplare, die bunt schillerten. Manche sogar in einem dunklen Violett. Nein, ich konnte nicht widerstehen und musste ein paar davon in den Rucksack stecken.

Zwischen den Felsen führte ein schmaler Pfad zum nächsten Strand. Von da aus musste man über einen Felsen klettern und durch eine ausgewaschene Felsengrotte gehen, um zum nächsten Strand zu gelangen und zum übernächsten und zum überübernächsten. Das Spiel hätten wir noch eine Weile fortsetzen können, aber die vielen mit Seegras überwucherten Steine dämpften irgendwann meinen Entdeckerdrang. Auch setzte inzwischen die Flut wieder ein und ich hatte keine Lust an einem der Strände festzusitzen. Sicher, allein wären wir nicht gewesen, weil es viele Touristen dorthin gezogen hatte. Und im Notfall hätte man über eine Steintreppe auch die Felsen hinaufklettern können, aber irgendwann tun einem auch die Füße weh. So gingen wir zurück zum breiten Strand und sahen noch eine Weile dem Spiel der Wellen zu.

Diese waren nicht sehr hoch, dennoch trauten sich nur ganz Mutige ins Wasser. Das war uns schon am Strand vorm Hotel aufgefallen. Als wir die Füße ins Wasser tauchten, wussten wir auch warum. Die Wassertemperatur liegt bei 17 Grad Celsius, nicht gerade die angenehmste Badetemperatur. Selbst im Sommer wird das Meer hier nicht wärmer als 23 Grad. Atlantik eben.

Zurück im brütendheißen Auto fuhren wir ins wenige Kilometer entfernte Zentrum von Portimao, einer großen Stadt mit vielen Hochhäusern. Hier liegen die Praia do Vau und die Praia da Rocha, wobei letztere »nur« ein breiter flacher Sandstrand ist. An der Praia do Vau kann man dagegen jede Menge großer Felsen bewundern, umrunden oder hindurchgehen. Doch Vorsicht! Überall stehen hier Schilder, die vor Felsabbrüchen und Steinschlag warnen. So war ein Teil eines stattlichen Felsmassivs, das wir vor sechs Jahren noch bewundert hatten eingestürzt und es war nur noch ein einzelner Felszahn übrig.

Von der Sonne und vom barfuß durch den Sand laufen, waren wir am Nachmittag so erschöpft, dass wir ins Hotel zurückfuhren und uns im kühlen Hotelzimmer ersteinmal erholen mussten.

Strand eins

Durch diese hohle Gasse …

Vorsicht, Steinschlag möglich.

Strand zwei

Strand drei

Strand, Berge und römische Villen

Ein Yoda aus Sand

Nach unserem Strandspaziergang am Dienstagnachmittag hatte ich am Mittwoch erstmal tierischen Muskelkater in den Waden. Weshalb wir beschlossen, uns das Sandskulpturenfestival anzusehen. Leider hat es in diesem Frühjahr sehr viel geregnet, was viele der eindrucksvollen Gebilde zerstört oder zumindest lädiert hat. Es ist aber dennoch beeindruckend, was man alles aus Sand machen kann.

Danach fuhren wir auf den Foia, mit 902 Metern die höchste Erhebung an der Algarve. Dieses Mal war es deutlich wärmer hier oben und auch voller. Es ist übrigens überall zu spüren, dass deutlich mehr Touristen in der Region unterwegs sind als 2012. Damals befand sich das Land mitten in der Immobilienkrise, wovon es sich gut erholt hat. Denn es gibt nur noch wenige marode Häuser und Bauruinen. Auch die Straßen sind, bis auf wenige Ausnahmen, in besserem Zustand als 2012.

Heute fuhren wir nach Osten an die Sand-Algarve. Die Strände sind hier flach und breit, immer wieder unterbrochen von Flussdeltas, in denen es vor Vögeln, Fischen und anderem Meerestier wimmelt. Dementsprechend streng riecht es überall. Genauso wie in der Markthalle, die wir heute Mittag in Tavira betraten. Die Mischung aus Fisch, Gemüse und Gewürzen hat mich fast erschlagen und schnell wieder ins Freie getrieben.

Auf dem Rückweg haben wir uns noch die ausgegrabenen Reste einer römischen Villa aus dem 1. Jahrhundert angesehen. Besonders beeindruckt haben mich die gut erhaltenen Mosaike. Ihre Pracht ist selbst zweitausend Jahre später noch zu erahnen.

Morgen werden wir ein paar der gut 80 Strände unsicher machen.

Blick vom Foia

An der Ria Formosa

Marktplatz von Tavira

Maritimes Mosaik aus der Römerzeit

Das Ameisenzimmer

Das Porto Bay Falesia

Okay, der Urlaubsbeginn lief nicht so perfekt wie erwartet. Was mich Perfektionistin dann immer ein wenig aus der Bahn wirft.

Erst einmal gab es für unseren Flug kein Vorabend-CheckIn. Was bei einem Flug, der 5:50 Uhr starten soll, irgendwie seltsam ist. Aber okay, dann sind wir eben schon um vier Uhr aufgestanden und haben anschließend noch gefrühstückt. Im Flieger bekommt man heutzutage ohnehin nicht mal mehr ein Wasser.

Der Flug war pünktlich und wir saßen am Notausstieg, was erheblich mehr Beinfreiheit bedeutet. Mein Mann kam sogar an mir vorbei, ohne das ich aufzustehen brauchte. Die knapp drei Stunden verbrachte ich mit der Lektüre eines Katzenromans. Auch gut. In Faro gelandet, bekamen wir auch ziemlich schnell unser Gepäck. Im Herbst hatten wir in Lanzerote mehr als eine Stunde darauf warten müssen.

Der Ärger begann im Bus, weil die Gruppe auf zwei Mitreisende warten musste, die meinten, im Flughafen noch einen Kaffee trinken zu können, oder was auch immer sie in der halben Stunde gemacht haben. Der Bus fuhr also spät los und gondelte dann fast nochmal zwei Stunden in der Gegend rum, weil zwei Leute ein Hotel am Ende der Welt gebucht hatten. Alle anderen waren auf drei Hotels innerhalb von 500 Quadratmetern verteilt. Vielleicht hätte man erst die abladen sollen, bevor man die anderen …

Egal, wir waren da. Einchecken war zehn Uhr morgens natürlich noch nicht möglich. Man versprach uns aber, dass wir unser Zimmer in 20 Minuten beziehen können. Wir bummelten also durch das Hotelgelände und bestaunten den tollen Ausblick über Klippen und Strand. Als wir später dann die Zimmerkarten in der Hand hielten – Ernüchterung! Unser Zimmer lag im ersten Stock hinter einem Baum mit Blick auf den Parkplatz. Beim letzten Mal hatten wir ein schönes Zimmer mit Meerblick bekommen. Unteranderem weil wir Inhaber einer Prestige Card sind, die von der Hotelgruppe an Stammgäste ausgegeben wird. Doch dieses Mal ist das Hotel so gut wie ausgebucht, so dass wir nur das gebuchte Standardzimmer und kein Upgrade bekamen.

Meine Stimmung war erstmal dahin. Sie verschlechterte sich noch mehr, als wir abends völlig übermüdet ins Bett wollten und unter uns plötzlich das Abendprogramm mit lauter Musik losging. Dazu kam, dass sich auf dem Zimmertisch, auf dem das Hotel einen Obstkorb abgestellt hatte, eine Kolonie Ameisen zum Abendessen eingefunden hatte. Als sie dann auch noch auf mir herumkletterten, reichte es und ich ging zur Rezeption. Die junge Frau empfahl uns, den Obstkorb auf die Terrasse zu stellen und versprach uns am nächsten Tag ein neues Zimmer im dritten Stock.

Vor dem Frühstück packten wir unsere Koffer und checkten anschließend aus. Das neue Zimmer sollte frühestens nach dem Mittag verfügbar sein. Das Personal würde die Koffer vom alten Zimmer aufs neue bringen.

Wir kümmerten uns zunächst um unseren Mietwagen. Entgegen dem letzten Mal konnten wir das Auto nicht am Flughafen mitnehmen. Weil die gebuchte Mietwagenstation fünf Kilometer entfernt war, nahmen wir ein Taxi, dass uns zu einem kleinen Laden am »Strip« von Albufeira brachte. Obwohl es gleich zehn war, hatte das Büro geschlossen, eigentlich sollte es seit 8.30 Uhr besetzt sein. Schließlich kamen zwei junge Frauen, die uns unseren Mietwagen übergaben – ein anthrazitfarbener Polo mit einem Kennzeichen, das in Deutschland unzulässig ist. Schweigen wir lieber darüber. Mit dem Gefährt fuhren wir ins nächste Shopping-Center und deckten uns mit Wasser ein.

Als wir am Nachmittag unser Zimmer beziehen konnten, ein Lichtblick. Kein Baum, der die Aussicht versperrt, keine Ameisen, und wir können von hier oben sogar ein bisschen vom Meer sehen. Die Musik hört man Abends zwar noch immer ein wenig, aber es ist ertragbar. So lässt sich das aushalten.

Wie wir den Rest unseres Hochzeitstages verbrachten, erzähle ich später.

Klippen aus Sand

Vogelbeobachtungen inklusive

Die Praia do Falesia

Fauler letzter Urlaubstag

Am Donnerstag brachten wir den Mietwagen zurück und spazierten quer durch Playa Blanca zurück ins Hotel. Es war brütend heiß, mehr als dreißig Grad und die Sonne ballerte nur so vom Himmel. Das machte den Abschied einerseits leichter, weil es daheim nicht so heiß sein würde, andererseits aber auch schwerer, weil in Deutschland für die nächsten Tage ziemlich mieses Wetter angesagt war.

Wir erledigten noch schnell die letzten Einkäufe und zogen uns dann auf den Hotelbalkon zurück. Ich nutzte später die Gelegenheit, um ein paar Runden im Pool zu schwimmen. Ansonsten verbrachten wir den Tag mit Erholen, Kofferpacken und gutem Essen.

Der Abreisemorgen begann früh, weil wir schon um 7:40 Uhr abgeholt wurden. Der Flieger sollte zwar erst um 11 Uhr gehen, aber die Reiseunternehmen gehen auf Nummer sicher. Deshalb schwitzten wir am Flughafen nochmal zwei Stunden sinnlos vor uns hin und dann noch mal eine halbe Stunde im Flieger, weil die Flugsicherung keine Starterlaubnis gab. Dafür durften wir in der ersten Reihe sitzen. Da saß ich noch nie. Man hat zwar mehr Beinfreiheit, aber weil die Tische in den Armlehnen verstaut sind, kann man diese nicht hochklappen und fühlt sich etwas eingeengt. Sehr zum Leidwesen eines etwas beleibten Herrn, der in meiner Reihe saß und extra den Platz gebucht hatte und nun im Sitz eingeklemmt ausharren musste. Ich fand den Platz auch nicht so prickelnd, zumal ich schreiben wollte, und der versenkbare Klapptisch ziemlich unhandlich war. Dennoch schaffte ich es in drei Stunden meine Schreibaufgabe für Wolfenbüttel zu erledigen.

In München angekommen, fuhren wir zum Ostbahnhof und gingen gleich zum Trekdinner ins Restaurant-Bar-Portugal, wo wir uns völlig ausgehungert über das leckere portugiesische Essen her machten. Die Runde war für ein Halloween-Trekdinner klein und übersichtlich. Aber es waren Leute da, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Das war sehr schön. Nur waren wir so müde, dass wir uns halb acht schon wieder verabschiedeten. Schließlich stand uns bis nach Hause noch mehr als eine Stunde Zugfahrt bevor. Dafür hatten wir am Bahnsteig dann die Qual der Wahl. Wegen diverser Verspätungen bei der Deutschen Bahn fuhren gleich drei IC/EC-Züge hintereinander. Wir entschieden uns für den, der nicht so voll war.

Mein Fazit als ich später in die Kissen sank: auch wenn der Urlaub noch so toll war, im eigenen Bett schläft es sich doch am besten.

So! Und jetzt gehts wieder an die Arbeit für die SOL.

Im Kaktusgarten

Jardin de Cactus

Mit Kakteen stehe ich eigentlich auf Kriegsfuß, weil ich mich an den Exemplaren, die ich bisher besaß, immer verletzt habe, egal wie vorsichtig ich war. Aber im Kaktusgarten auf Lanzarote, geschaffen von Cesar Manrique, gibt es so außergewöhnliche Exemplare zu bestaunen, daran kommt man eigentlich nicht vorbei. Die Anlage ist wunderschön gestaltet und beherbergt Kakteen aus aller Welt. Es war das letzte touristische Highlight der Insel, das wir besuchten. Und weil das Wetter am Morgen ein wenig trüb, dafür aber umso wärmer war, passte der Besuch perfekt.

Unterwegs holten wir uns wieder eine Leckerei aus dem Café, das wir in Tahiche entdeckt hatten und nahmen auch gleich noch belegte Baguettes für Mittag mit. Die verspeisten wir im Hotel und ließen uns am Nachmittag noch ein wenig von der Sonne bescheinen, die inzwischen hervorgekommen war. Ich bewunderte das Kreuzfahrtschiff (Mein Schiff 4), das vorbei schipperte und kurz vor Sonnenaufgang fuhren wir ein letztes Mal mit unserem Mietwagen los.

Sonnenuntergang bei El Golfo, dass hatte ich mir schon zu Beginn des Urlaubs gewünscht. Und weil der Himmel im Gegensatz zum Vormittag wolkenlos war, bot sich am gestrigen Abend die Gelegenheit. Die Bucht sieht im Abendlicht noch viel romantischer aus, als am Tag. Und auch die Berge in der Vulkanlandschaft hatte einen besonderen Reiz. Wir machten ein paar Fotos bevor uns die Hitze zurück ins klimatisierte Auto trieb. Es war nach 18 Uhr und immer noch über 30° C warm, so heiß, wie an keinem der Tage zuvor.

Auf dem Weg zurück ins Hotel bewunderte ich ein letztes Mal, wie große Wellen gegen die Felsen der Küste schlugen, den Kontrast zwischen dem Schwarzgrau der Felsen, der weißen Gischt und dem tiefblauen Wasser. Das wirkt auf einem Foto bei Weiten nicht so beeindruckend, wie mit eigenen Augen beobachtet.

Was für eine Aussicht.

Beim Abendessen tobte die übliche Schlacht ums Buffet. Weil wir später dran waren, waren die Plätze draußen auf der Terrasse bereits besetzt und wir mussten uns drinnen in dem großen Saal mit Kantinencharakter platzieren. Es macht echt keinen Spaß zwischen Hunderten von Leuten, mit quiekenden Kleinkindern und maulenden Pubertieren zu speisen. Zumal die Engländer ohnehin einen etwas seltsamen Geschmack haben, was Essen betrifft. (Ich sage nur frittierte Marshmallows.) Zumindest die Pizza und die Tomatensuppe schmeckten, und das Geschirr war einigermaßen sauber, was an den letzten Tagen nicht immer so war. Sauberes Geschirr sollte man in einem Sterne-Hotel eigentlich erwarten können.

Den Abend verbrachten wir am Strand. Es war ungewöhnlich warm. Die Sterne und der Mond funkelten und die Lichter von Corralejo schienen über das Wasser zu uns herüber. Von fern erklang Musik aus einem der Hotels. Wir spazierten durch die Wellen, die sich am Strand brachen und nahmen später jede Menge Sand an den Füßen mit ins Hotelzimmer. Ein gelungener Tagesabschluss.

Mit dem Boot zum Strand

Caleton Blanco

Die ausgefallene Bootsfahrt von Montag holten wir gestern nach. Aber nicht nach Fuerteventura, sondern nach La Graciosa. Die Insel fehlte mir noch auf meiner Liste der besuchten Kanarischen Inseln.

Wir standen dafür ein bisschen früher auf als sonst und fuhren bis zum nördlichsten Ort Lanzarotes nach Orzola, wo wir genau zur Abfahrt des Bootes eintrafen. Ein paar Minuten später und die Fähre wäre weg gewesen. So setzten wir bei trüben Wetter und stürmischer See über. Ein paar Mal schwankte das Boot bedrohlich nach rechts und links und ich hatte echt Bedenken, dass ich bei dem Auf und Ab Seekrank werden würde. Doch der Skipper fuhr langsam und sehr vorsichtig, so dass es kein Problem war.

Auf der kleinen Insel nördlich von Lanzarote scheint die Zeit stehengeblieben. Es gibt keine asphaltierten Straßen, sondern nur Sandpisten und ein kleines Fischerdorf mit einem Hafen. In wenigen Minuten ist man aus dem Dorf heraus und kann entweder zur anderen Seite der Insel laufen oder am Wasser entlang. Die Strände sind naturbelassen. Sand wechselt sich mit blank geschliffenen Vulkangestein ab, in dem bei Ebbe kleine Wasserpfützen stehen. Dort kann man wunderbar Fischschwärme und kleine Krebse beobachten. Ich frönte meiner Sammelleidenschaft und tütete Muscheln und kleine Steine ein. Eine Hand voll grobkörniger Sand landete in einer Kaugummiverpackung. Den muss ich daheim mal mit der Lupe betrachten, da er nur aus den Resten von Meerestieren besteht. Fast zwei Stunden verbrachten wir auf diese Weise am Strand, bevor wir mit dem Boot nach Lanzarote zurückfuhren.

Wellenbrecher

An der Straße hielten wir noch einmal an der Caleton Blanco und spazierten durch Lavafelder zu einem kleinen Strand mit schneeweißem Sand, an den riesige Wellen brandeten. Das ist echt ein Geheimtipp, denn hier kommen normalerweise keine Touristenbusse vorbei. Ich sah staunend dem Wasser zu, wie es türkisfarben und weiß auf die schwarzen Lavafelsen traf. Mein Mann musste mich regelrecht von dem Anblick losreißen, sonst würde ich wahrscheinlich immer noch dort stehen. Zumindest hatte ich das Handy dabei und konnte ein paar Fotos machen. Denn der Akku unserer Kamera hatte schon auf der Rückfahrt mit dem Boot schlapp gemacht.

Im Hotel stellte ich dann fest, dass ich mir trotz Sonnenschutzcreme auf der Rückfahrt mit dem Boot einen kleinen Sonnenbrand am Arm geholt habe. Da sieht man später zu Hause wenigstens, dass ich im Urlaub war.

In den Feuerbergen

Grüße von Vulkan

Eigentlich wollten wir mit dem Schiff nach Fuerteventura übersetzen, allein der Preis von 112 Euro für die zehn Kilometer Überfahrt schreckte uns ab. Wir blieben also an Land und schlenderten die Strandpromenade entlang bis zum letzten Hotel vor dem Leuchtturm. Wir nutzten die Zimmerkarte aus unserem Hotel, um auf das Gelände des Partnerhotels zu kommen. Dort im Pool schwimmt nämlich ein Segelboot, was ich meinem Mann unbedingt zeigen wollte. Wir spazierten durch die Anlage bis hoch zur Straße, wo wir knapp den Bus verpassten, der in die Stadt zurückfuhr. Weil der nächste erst in einer halben Stunde fahren sollte, gingen wir zu Fuß zurück, bis wir doch ein Taxi heran winkten, das uns die letzten Kilometer bis ins unser Hotel brachte.

Statt der Bootstour beschlossen wir die Hauptattraktion auf Lanzarote anzusteuern – die Montanas del Fuego – die Feuerberge. Die Reiseleiterin hatte uns gewarnt, dass man mit dem Mietwagen ziemlich lange warten muss, bis man in den Timanfaya Nationalpark eingelassen wird, aber wir ließen uns nicht entmutigen. Die Autoschlange reichte noch nicht bis zur Straßen, was schon mal ein gutes Zeichen war. Wir warteten dann doch eine gute Stunde, bis die Autoschlange vor uns abgearbeitet worden war.

Ich nutzte die Zeit dazu, um die menschliche Natur zu studieren. Überall an der Straße stehen Schilder, dass man nicht aussteigen und die Lavafelder betreten soll. Was machen die Leute, kaum dass sie im Stau stehen? Aussteigen und in der Landschaft herumrennen. Wir beobachteten, wie sich ein Kind bei einem Sturz auf die scharfkantigen Felsen eine ziemlich schlimme Verletzung holte. Wie zwei Spanierinnen die eindeutigen Zeichen des Parkwächters ignorierten, und in der Gegend herumspazierten. Und wie drei Grazien in langen Kleidern und Stöckelschuhen die Autoschlange entlang wanderten, um schneller vorwärts zu kommen, und dann schließlich auf dem Parkplatz in der prallen Sonne auf das Auto ihres Begleiters warten mussten.

Ich verstehe jetzt genau, warum man nur mit dem Bus in die Kernzone des Nationalparks gelassen wird. Wir hatten das eigentlich nicht vor, machten es aber dann trotzdem. Wenn wir schon einmal da sind. Die Busfahrt dauerte fast eine Stunde und mir war von dem Auf und Ab und dem Hin und Her am Ende richtig schlecht, dafür habe ich aber ein paar schöne Ausblicke genossen und tolle Fotos von Vulkanschloten gemacht. Oberhalb des Parkplatzes folgten wir vor dem Restaurant noch den Vorführungen der vulkanischen Aktivität. Es ist schon spektakulär, wenn man spürt, wie heiß es dort oben aus Boden kommt. So heiß, dass ein Eimer Wasser zu einem fauchenden Geysir wird.

Den späten Nachmittag verbrachten wir im Hotelzimmer mit Kaffee und dem leckeren Kuchen, den wir aus der Bäckerei mitgenommen hatten.

Natur und Kunst im Einklang

Der Sonntag begann ähnlich trüb wie der Samstag. Weil wir noch ein Ticket für die Cueva de los Verdes hatten, fuhren wir in den Norden. Die Berge zeigten sich streckenweise Wolken verhangen. Hinter Arrecife regnete es sogar ein wenig, wobei man das nicht wirklich als Regen bezeichnen kann. Es war eher ein Nieseln, das nicht mal den Staub auf dem Auto löschte. Dafür war es aber trotz des bedeckten Himmels nicht kalt, als wir bei den Lavahöhlen ankamen.

Diese sind ziemlich beeindruckend. Leider war die Gruppe, mit der wir die Führung machten, ein wenig zu groß. Viele hatten außerdem kleine Kinder dabei, die dann Untertage laut zu weinen anfingen, so dass man die Erklärungen der Höhlenführerin kaum verstehen konnte. Zu künstlerischen Zwecken ist die Höhle auch nicht besonders gut ausgeleuchtet, was meiner Nachtblindheit nicht gerade förderlich war. Besonders groß sollte man auch nicht sein, wenn man dort hinabsteigt, denn wenn man nicht aufpasst, schlägt man sich leicht den Kopf an. Lohnen tut sich ein Besuch aber allemal. Der riesige Lavatunnel ist in mehrere Ebenen unterteilt, durch die sich ein Fußweg von zirka einem Kilometer Länge windet. Am Ende gibt es ein Auditorium, in dem Konzerte stattfinden, weil hier die Akustik besonders gut ist. Auf dem Rückweg erteilte die Führerin striktes Fotografierverbot, weil der Weg so »gefährlich« ist. Das stellte sich schnell als großer Bluff heraus. Denn das Loch an dem der Weg entlang führte, war schlicht ein unterirdischer See. Deswegen auch das Verbot zu fotografierten, denn spätestens beim ersten Blitzlicht hätte man das durchschaut. Ich fand es aber dennoch beeindruckend, weil sich der See direkt über dem Lavatunnel befindet, in dem das Auditorium liegt.

Nach etwas mehr als einer Stunde tauchten wir aus der Dunkelheit wieder auf und gingen zum Parkplatz. Die Lavafelder im Norden sind schon älter, das merkt man vor allem daran, dass sie bewachsen sind. Überall standen Sukkulenten und Büsche mit kleinen gelben Blüten, der rostrote Lavafelsen war mit grauen Flechten bedeckt. Was mir unheimlich gut gefallen hat.

Auf dem Rückweg entdeckten wir kurz vor Arrecife eine Bäckerei mit Café am Straßenrand. Wir hielten und gingen hinein. Drinnen roch es verführerisch nach gebackenem Brot und die vielen kleinen Torten und Kuchen in der Auslage ließen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wir beschlossen einen Cappuccino zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen, obwohl es kurz nach Mittag war. Und natürlich nahmen wir für die nächsten Tage etwas mit.

Nächstes Ziel war die Fundacion Cesar Manrique – das ehemalige Wohnhaus des Künstlers, das er in mehrere Lavablasen gebaut hat. Zuletzt besuchte ich das Haus 2003. Ich weiß es deshalb so genau, weil mir erst vor kurzem der Kassenbeleg vom Eintritt in die Hände fiel. 4,50 Euro habe ich damals bezahlt. Inzwischen sind es 8 Euro, die man für die Besichtigung des Hauses berappen muss. Ein bisschen viel, wenn man mich fragt, aber weil wir nun schon mal da waren, gingen wir auch rein. Man sollte das architektonische Kunstwerk, das sich fast nahtlos in die Lavalandschaft einfügt, unbedingt gesehen haben. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die dort sofort einziehen würde. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich die entsprechenden Fotos nachreichen.

Gegen halb vier waren wir zurück im Hotel, wo ich mich gleich wieder dem Schreiben widmete, schließlich hatte ich mir vorgenommen jeden Tag etwas zu schreiben.

Schwarze Lava und ein Hauch von Abenteuer

Wenn ich die Augen schließe, dann zieht sie an mir vorbei, die zerklüftete schwarze Landschaft neben der Straße. Es sieht aus als hätten LKWs abertausende Ladungen Geröll abgeladen, schwarze Steine mit Durchmessern von einigen Metern bis wenigen Zentimetern. Manche türmen sich zu kleinen Hügeln neben der Straße auf, stechen mit scharfen Kanten in den blauen Himmel. Scheinbar endlos ziehen sich die Lavafelder hin. Am Horizont wachsen rostrote Vulkankegel empor, wirken harmlos und bedrohlich zugleich.

Den gestrigen Vormittag verbrachten wir im Timanfaya Nationalpark, fuhren an einer Saline vorbei die Küste entlang, beobachteten die Wellen, die gegen die Basaltfelsen schlugen und spazierten über einen schwarzen Strand, auf dem ich tatsächlich ein paar Olivinsteine fand. Zurück fuhren wir über enge Straßen und kleine Dörfer, deren strahlend weiße Häuser von Mauern aus Lavasteinen gesäumt sind. Dazwischen immer mal wieder eine Palme oder ein paar niedrige Hecken. Vor allem schwarze Felder mit Trichtern, die von halbkreisförmigen Steinmauern geschützt werden. In den Vertiefungen wachsen Weinstöcke mit gelbbraunen Blättern.

Zurück an der Küste schlage ich vor, zu den Papagayo Stränden zu fahren. Ohne Auto kommt man dort nicht hin, weshalb ich bisher auch noch nie dort war. Wir nehmen im Kreisverkehr die Ausfahrt mit dem Schild Playa de Papagayo, doch nach fünfzig Metern endet die Asphaltstraße und geht in eine holprige Geröllpiste über. Wir werden im Auto wie Cocktails durchgeschüttelt und wären wir das einzige Auto auf der Straße, wären wir auf der Stelle umgekehrt. Doch sowohl vor, als auch hinter uns reiht sich ein Mietwagen an den anderen. Die Idee mit den einsamen Stränden hatten eben auch andere. Fünfzehn Minuten später halten wir an einem Schlagbaum. Der Parkwächter – die Strände gehören zu einem Nationalpark – kassiert drei Euro bevor wir weiterfahren dürfen. Dafür ist die Straße jetzt nicht mehr ganz so schlecht, zumindest besteht diese aus halbwegs festgefahrenen Sand. Durchgeschüttelt wird man trotzdem. Als wir auf dem riesigen Parkplatz ankommen, ist mir entsprechend schlecht. Wir stehen zwischen einhundert bis zweihundert Autos und es kommen immer mehr dazu. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Die Strände sind entsprechend überfüllt. Kaum das man den Sand zwischen den Handtüchern und Sonnenschirmen sieht. Die Sonne versteckt sich gerade hinter einer Wolke und es weht ein frischer Wind vom Meer, ansonsten würde man es bei fast 29 Grad hier nicht aushalten. Wir spazieren über die Klippen und bewundern die Segelboote und das Meeresblau. Ein paar hundert Meter weiter liegt versteckt noch ein Strand. Seltsamerweise ist der nicht so voll wie die anderen. Ein Blick durch den Sucher der Kamera bringt Klarheit, wir haben den FKK-Strand gefunden.

Uns ist gerade nicht nach Baden. Wir gehen zurück zum Auto. Mir ist immer noch schlecht von der Autofahrt und mir graut schon vorm Zurückfahren. Hinter dem Schlagbaum schlage ich meinem Mann vor, links abzubiegen und auf der Staubpiste Richtung Küste zu fahren. Und siehe da, kaum erreichen wir die ersten Häuser gibt es auch wieder asphaltierte Straßen. Von hier aus ist der Weg zum Hotel nur ein Klacks. Wir haben uns und dem Auto mehrere Kilometer Geschüttel erspart.

Den Nachmittag verbringen wir im Pool und auf dem Balkon. Ich schreibe an meinem Roman und lese. Beim Spaziergang nach dem Abendessen wird es nochmal romantisch. Über dem Meer glitzern die Lichter von Fuerteventura und der Strand vorm Hotel ist in grünliches Licht getaucht. Menschen flanieren auf der Strandpromenade, von Fern blitzt und kracht das allabendliche Feuerwerk über dem Ort und vom, wie ein Vulkankegel aussehenden Dach eines Hotels, fließt Lava in Form roter und gelber Lichterketten. Ein sehr reizvoller und spektakulärer Tagesausklang.