Hüllenbruch auf Deck Null

Vergangenen Donnerstag sind wir mal wieder gen Thüringen unterwegs gewesen.

In Garching (an der Alz, nicht in dem bei München) tat es plötzlich einen Knall und in der Frontscheibe unseres ID3 klaffte ein Riss. Wir wissen nicht, wo der Stein hergekommen ist, denn der LKW vor uns war gute einhundert Meter entfernt und das Auto, das an uns vorbeigefahren war, war auch schon mindestens fünfzig Meter weg. Über uns war nur eine Stromleitung. Mein Mann meinte später scherzhaft, dass es ein Mikrometeorit gewesen sein könnte. Ich erwiderte darauf, dass wir nun einen Hüllenbruch erlitten hätten, die Schilde aber gehalten haben. Man erschreckt sich aber trotzdem ganz schön.

Wir haben kurz angehalten und das Autohaus und unseren Versicherungsmakler angerufen, dann sind wir weitergefahren. Man hat schon gesehen, wie sich der Riss an den nächsten Tagen ausgedehnt hat. Vor allem durch die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Morgens war er immer ein paar Zentimeter länger. Seit dem wir zurück sind und das Auto nachts in der Tiefgarage steht, tut sich nichts mehr. Wir haben zunächst einen Termin im Autohaus gemacht, aber viele meinten, wir sollen gleich zu CarGlass gehen, da würde es schneller gehen, als in der Werkstatt von VW.

Wir haben jetzt einen Termin am 24.8. wegen der Urlaubszeit dauert es momentan etwas länger. Dann wird der Schaden an der Außenhülle unseres Raumschiffs repariert und wir können wieder beruhigt in Galaxien aufbrechen, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.

Erneure deinen Haushalt

… das sagt immer meine Mutter, wenn irgendetwas kaputtgegangen ist.

Seit 2018 wohnen wir jetzt schon in unserer neuen Wohnung. Wobei, neu kann man da eigentlich nicht mehr schreiben. Viele Möbel hatten wir uns schon lange vorher gekauft, die meisten so um 2007/2008 herum, nachdem mein Mann und ich zusammengekommen sind. Das wird nächstes Jahr auch schon wieder zwanzig Jahre.

Das neue Bücherregal passt perfekt zu unserer Vitrine.

Sprich, unsere Einrichtung ist in die Jahre gekommen. Manches wird nur noch durch guten Willen zusammengehalten. Besonders die Bänke der Sitzecke. Bei den Fahrten nach Thüringen sind wir in den letzten Monaten immer an der Fabrik eines Möbelherstellers vorbeigefahren. Auf dessen Webseite bot er ganz hübsche Sachen an, weswegen wir extra hingefahren sind, um uns eine neue Wohnwand und neue Bänke zu kaufen. Naja, sagen wir es so, wir haben unseren guten Willen gezeigt, dass wir gern dort etwas gekauft hätten. Aber der Showroom war nur eine große Halle mit irgendwelchen teilzerlegten Restposten. Von der gewünschten Wohnwand hatten sie nur einen Schrank, aber nicht in der Farbe, die wir wollten. Bei meiner Frage nach einem Holzmuster hat mich die junge Frau mit großen Augen angeschaut und ist im Büro ihres Chefs verschwunden. Am Ende sind wir unverrichteter Dinge wieder gefahren, weil sie weder Holzmuster hatten noch wollten sie uns etwas verkaufen, das sollten wir online machen. Motivation schaut anders aus.

Endlich habe ich Platz um mein Bastelmaterial kurzzeitig abzulegen, zum Beispiel wenn wir essen wollen.

Also habe ich nochmal online auf deren Homepage geschaut und festgestellt, dass die von uns gesuchte Wohnwand in Polen hergestellt wird. Das erklärt die polnischen LKWs auf dem Hof. Soviel zum Thema Made in Germany, offenbar fertigen die dort nur Tischplatten. Aus Jux habe ich mal beim Händler mit dem großen A gesucht. Und siehe da, dort gab es die gleichen Möbel nur sehr viel günstiger. Wir haben dann eben dort die Wohnwand bestellt, einen Bücherschrank und zwei Bänke für unsere Sitzecke. Nach vier Wochen hat Amazon dann die Bestellung für die Bänke erst einmal storniert. Aber es gab weitere Anbieter für die Bänke, die ich dann eben dort bestellt habe. Die wurden auch recht schnell geliefert. Qualitativ sind die Möbel nicht schlecht, sie ließen sich auch sehr leicht zusammenschrauben. Das vordere Teil ist sogar aus Massivholz. Die Wohnwand steht noch aus. Bis dahin muss unsere alte noch durchhalten. Auch wenn die Türen schon übers Parkett schleifen.

Mein neuer Arbeitsplatz.

Mein Chef hat dieser Tage einen höhenverstellbaren Schreibtisch bekommen und seinen rausgeworfen. Weil ich auf der Arbeit den gleichen Eckschreibtisch habe und damit total zufrieden bin, habe ich gefragt, ob ich den Tisch bekommen kann. Mein Chef war froh, dass er ihn nicht entsorgen musste. Einer meiner Kollegen war so nett und hat einen Hänger besorgt und mir das Teil gebracht. Mein Mann und ich mussten zwar etwas umbauen und das Ivar-Regal kürzen, weil der Schreibtisch zwanzig Zentimeter größer ist, aber nun steht er. Unsere beiden Glasschreibtische waren noch nicht so kaputt, die habe ich bei eBay-Kleinanzeigen reingestellt, vielleicht findet sich ein Interessent. Dabei habe ich in unmittelbarer Nachbarschaft gesehen, dass jemand einen Rollcontainer verkauft. Den haben wir abgeholt und unser neues Büro komplettiert. Jetzt habe ich endlich Platz vorm Computer.

Und dann ist gestern noch das Regal für die Disney-Miniatur-Collection gekommen. Das sind kleine Bilderbücher mit Motiven aus berühmten Disneyfilmen. Die sammle ich schon seit vergangenem Jahr. Noch fehlt mir die Hälfte, aber das Regal konnte ich schon mal füllen.

Einseitige Kürzung notwendig.

Das Ganglion

Der Arzt hielt mir mit der Pinzette das Haselnussgroße Stück Gewebe hin und sagte: »Schauen Sie, es ist ein Junge. Wollen Sie ihn mitnehmen?«

Ich musste schmunzeln, obwohl mir momentan nicht danach war. Mein halber Fuß war betäubt. Ich war noch immer aufgeregt. Die OP war notwendig, weil mir seit Monaten der rechte Zeh schmerzte, wenn ich geschlossene Schuhe anhatte. Die Hausärztin hatte mich an den Orthopäden überwiesen und bei dem hatte ich relativ schnell einen Termin bekommen. Sehr zu meiner Überraschung. Nun lag ich da und der Arzt operierte an meiner Zehe herum. Dort hatte sich ein Ganglion gebildet. Das eine deutlich sichtbare Beule an meiner Zehenspitze hinterlassen hatte und empfindlich schmerzte, wenn ich dran kam.

Nun ist es endlich raus. Die Zehe tut noch etwas weh. Morgen muss ich nochmal zum Verbandswechsel und danach habe ich es hoffentlich überstanden. Witzig finde ich den Spruch des Arztes immer noch. Ich ärgere mich, dass ich ihm nicht geantwortet habe, dass ich lieber ein Mädchen gehabt hätte.

Kurioser Wunschzettel

Durch den Tod meines Vaters musste ich in letzter Zeit in alten Unterlagen kramen. Dabei stieß ich auf so manches kuriose Fundstück. Zum Beispiel einen Wunschzettel für den Weihnachtsmann, den ich irgendwann mit sieben oder acht Jahren geschrieben haben muss. Man beachte, dass ich sogar ein Feld für Rückantworten eingefügt habe. Ich kann mich tatsächlich noch erinnern, wie ich ihn im Wohnzimmer von innen an die Scheibe geklebt habe. Mir war aber nicht bewusst, dass meine Eltern ihn über all die Jahrzehnte aufgehoben hat.

Beachtenswert sind weder der Schlafanzug noch die dringend benötigte Federmappe. Nein, spannend finde ich das Gewehr. Ich war damals durch die Karl-May-Verfilmungen besessen von Cowboys und Indianern. Und zur Ausstattung eines Cowboys gehört nun mal ein Gewehr. Ich besaß übrigens auch einen Bogen, mit dem ich im Wochenendhaus immer Schießübungen veranstaltete.

Eine Pistole besaß ich auch. Die kauften mir meine Eltern mal, als wir an der Ostsee auf einem Markt in Polen waren. Damals konnte man noch mit einem Tagesvisum über die Grenze. Wir waren in einem Ferienheim vom Betrieb, in dem mein Vater gearbeitet hat. Und wir waren eine ganze Truppe Kinder, alles Jun, nur ich als einziges Mädchen. Jeder bekam an diesem Tag eine Pistole, die man mit Knallplättchen füllen und mit denen man dann richtig Krach machen konnte.

Kinder und Waffen! Da schlagen Pädagogen heutzutage die Hände über den Kopf zusammen. Ich kann nur von mir sprechen, dass es, obwohl ich so jung war, mir offenbar nicht geschadet hat. Ich habe bisher niemanden erschossen und stehe heute eher auf der Seite der Pazifisten. Ich könnte weder Mensch noch Tier etwas zu leide tun.

Zurück zum Wunschzettel. Die Schlittschuhe habe ich leider nie bekommen, auch wenn ich sie jedes Jahr auf den Wunschzettel geschrieben habe. Die habe ich mir dann erst im Studium selbst gekauft. Bei der Federmappe und dem Schlafanzug bin ich mir nicht sicher, ob ich sie bekommen habe, aber den Springball (aus dem Intershop) und das Spielzeuggewehr besitze ich heute noch.

Ein Tipi hatte ich auch und eine Turnstange aus verzinktem Wasserrohr.

Zurück aus der Kälte

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 384 – »Der Macht zu nah« von Kai Hirdt

Atlan da Gonozal erwacht aus sem Kryotank und greift seine Freunde an Bord der TERRANIA II an. Warum, erfahren sie, als der Arkonide ihnen erzählt, wie es ihm in den vergangenen Jahren ergangen ist. Auf der Suche nach seinem Sohn Eric Weidenburn reiste er bis in den Kugelsternhaufen M 13, wo er jedem Hinweis nachging. Die Spur führte ihn zur Taryshsippe der Mehandor. Diese Sippe arbeitet verdeckt und scheint mit echten Artefakten zu handeln. Im Hintergrund agiert dort der Terraner Lee Norskwod. Der Empfänger der Artefakte ist ein mysteriöser schwarzhaariger Arkonide namens Varek da Sharib, der Experimente mit den hyperphysikalischen Objekten anstellt.
Atlan und die Besatzung der TERRANIA II versuchen das Rätsel zu lüften, wie die Artefakte, die Mehandor, Eric Weidenburn und der entartete Raum zusammenhängen, da erhalten sie die dramatische Nachricht, dass eine Invasionsflotte aus dem Granulon der Laren ausgebrochen ist und die Milchstraße und ihre Völker bedroht.

Man muss es ihm lassen, Kai Hirdt weiß, wie man Dialoge und Geschichten so schreibt, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Und das funktioniert sogar, wenn er seine Figuren nur erzählen lässt, was sie erlebt haben.

In diesem Roman ist das neben Atlan der ehemalige Prospektor Lee Norskwod. Der vom armen Prospektor zum Großindustriellen mutierte Terraner hat durch den Kontakt mit der »Träne der Sterne«, einen großen Plan, den er still und heimlich verfolgt. Jeden von dem er denkt, er könne bei der Verwirklichung seines Plans helfen, macht er zu seinem Verbündeten. Lässt ihn aber auch schnell wieder fallen, wenn es seinem Plan zuwiderläuft.

Sowohl durch Atlan als auch durch Norskwods Erzähliungen fügen sich die Puzzlteile dieser Staffel nach und nach zusammen. Das ist gut gemacht, denn anscheinend unbedeutende Ereignisse aus den ersten vier Romanen werden plötzlich relevant und erscheinen in anderem Licht. Andererseits werden in diesem Roman aber neue Baustellen eröffnet, von denen ich nicht weiß, ob und wie sie die nächsten Romane beherrschen werden. Ich befürchte, dass man sich im zweiten Teil der Staffel mal wieder verzettelt – es wäre nicht das erste Mal – lasse mich aber gern eines Besseren belehren.

Meine Spekulation ist ja, dass die Laren die Artefakte in den Einsteinraum geschickt haben, um die Barriere zwischen ihrem Granulon und dem Universum der Menschen zu überwinden und es gleichzeitig ihren Lebensbedingungen anzugleichen.

»Der Macht zu nah« ist ein ausgesprochen spannender Roman, obwohl er eigentlich nur zwei Geschichten im Zeitraffer erzählt.

Die KI füttern

Ich habe in den letzten Monaten häufig darüber nachgedacht, ob sich mein Blog hier eigentlich noch lohnt. Gibt es noch Leute, die es interessiert, was ich hier schreibe, oder füttere ich nur noch die KI mit kostenlosem Content?

Anfang des Jahres gingen die Zugriffszahlen meines Blogs durch die Decke. Da freut man sich zunächst, doch irgendwann wurde mir das unheimlich und ich habe mal geschaut, wer da wann von wo auf die Seiten zugreift. Schließlich wurde mir schnell klar, dass es keine realen Personen waren, sondern nur irgendwelche KI Crawler, die den Inhalt meines Blogs ausgelesen haben. Ich habe dann ein größeres WordPress-Update gemacht und ein zusätzliches Plug-In installiert. Seitdem halten sich die Zugriffe in Grenzen. Sie sind immer noch hoch, aber vermutlich muss ich damit leben, dass man die KI Schnüffler nicht mehr los wird.

Die Grundsatzfrage jedoch bleibt: Für wen schreibe ich hier?

Nach dem Tod meines Vaters hatte ich schon daran gedacht, ganz mit dem Bloggen aufzuhören. Doch dann hat mir gerade das Schreiben seines Nachrufs geholfen wieder runterzukommen. Es war irgendwie befreiend und beruhigend zugleich. Die Tage zuvor war ich unruhig, aufgekratzt und nervös. Nachts fand ich keinen Schlaf und tagsüber war ich wie aufgedreht. Nachdem ich den Blogeintrag geschrieben hatte, konnte ich das erste mal wieder eine Nacht durchschlafen.

Ich habe das Schreiben schon immer als Therapie gesehen. Es hat mir bereits in jungen Jahren sehr geholfen, es hat mir die Einsamkeit erleichtert und so manchen Liebeskummer geheilt. Wenn mich Dinge beschäftigen, dann hilft es mir, darüber zu schreiben. Das habe ich in den vergangenen Monaten zeitlich einfach nicht mehr geschafft und das merke ich nun. Obwohl ich regelmäßig E-Mails und Artikel für die PRFZ geschrieben habe, oder meine Kolumne für die PERRY RHODAN-Serie, stelle ich fest, ich muss wieder mehr schreiben und zwar für mich selbst. Ob das allerdings für den Blog hier sein wird, oder ob ich mal wieder eine längere Geschichte schreiben werde, weiß ich noch nicht.

Sollen die KIs meinetwegen hier mitlesen. Bei meinen Tippfehlern und der mangelhaften Zeichensetzung lernen sie vielleicht ein paar Fehler mehr zu machen.

Kurztrip in die Walhalla

Um mich nach den anstrengenden Wochen nach dem Tod meines Vaters und der Pflege meiner an Demenz erkrankten Mutter ein wenig zu erholen und mal wieder was anderes zu sehen, fuhren wir über das verlängerte Wochenende an Himmelfahrt nach Kelheim. Ich hatte für uns im Landhotel Schneider in Buch ein Zimmer gebucht. Dort sind wir 2024 schon mal gewesen und es hatte uns sehr gut gefallen. Die Wirtsleute haben uns sogar wiedererkannt und wir haben ein Upgrade aufs Zimmer bekommen. Statt eines normalen Doppelzimmers bekamen wir eine Suite mit Schlaf- und Wohnzimmer sowie einem riesigen Bad mit zwei Eingängen. Sehr nobel.

Auf der Hinfahrt besuchten wir die Walhalla in Donaustauf. Das riesige Monument erinnert ein wenig an den Parthenon-Tempel auf der Akropolis, nur neuer. Innen sind Büsten von den für Deutschland wichtigsten Personen ausgestellt, meistens Könige und Kaiser, aber auch Künstler und Politiker. Es sind sogar ein paar wenige Frauen darunter. Der Ausblick über die Donau von dort oben ist überwältigend, vor allem bei dem schönen Wetter, das ausnahmsweise am Mittag des 14. Mai herrschte. Wenige Minuten später fingen es an zu regnen und wir kehrten in Donaustauf in einer Gaststätte ein. Anschließend besuchten wir noch die Rosenburg in Riedenburg. Sagen wir so, wir wollten sie besuchen, wurden aber von dem horrenden Eintrittspreis (mehr als doppelt so viel wie für die Walhalla) abgeschreckt. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im Hotel und bestaunten die Regenbögen am düsteren Himmel.

Am nächsten Morgen (unserem Hochzeitstag) überquerten wir den Main-Donau-Kanal auf dem Tatzelwurm. Das ist eine sehr ungewöhnliche Holzbrücke, die sich wie ein Drache über den Kanal windet. Auf der anderes Seite spazierten wir am Fluss entlang und entdeckten eine kleine Höhle. Später konnte ich auch noch ein großes Schiff auf dem Kanal fotografieren. Danach suchten wir den kleinen Blautopf, einen kleinen Teich mit bläulichem Wasser. (Das Original liegt in Blaubeuren, da waren wir auch schon ein paar Mal.) Da der Teich auf einem Privatgrundstück liegt, ist er nur schwer zu erreichen. Offenbar möchten die Eigentümer keinen Massentourismus. Kann man auch irgendwie verstehen. Ausgeschildert ist der Weg zwar, aber nichts für fußkranke Leute oder welche mit Höhenangst.

Im Anschluss besuchten wir das Kristallmuseum in Riedenburg, in dem ein riesiger Bergkristall mit ca. 3 Metern Durchmesser steht und es eine sehr hübsche Ausstellung über Halbedelsteine und Insekten gibt. Danach spazierten wir noch um einen kleinen See in Riedenburg direkt neben dem Kanal, bevor uns der Regen ins Auto zurücktrieb. Wir fuhren ins Hotel zum Mittagessen und speisten wie erhofft sehr gut.

Am Nachmittag wollten wir mit dem Schiff auf der Donau von Kelheim zum Kloster Weltenburg fahren. Leider hatte die Donau momentan sehr wenig Wasser, so das kaum Schiffe fuhren und diese schon ausgebucht waren. Deshalb bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt und fuhren dann mit dem Auto nach Weltenburg. Dieses Mal näherten wir uns von der anderen Seite der Donau. Das ist fast noch schöner, weil man das Kloster in seiner vollen Pracht am Fluss sehen kann, ohne die Menschenmassen. Ich machte ein paar richtig schöne Fotos. Schließlich wurde es kühler und wir kehrten zum Auto zurück. Mein Handy vermeldete an dem Tag mehr als 15.000 Schritte.

Am nächsten Morgen hieß es packen, da wir nur zwei Nächte gebucht hatten. Mein Mann wollte den Sonntag lieber daheim verbringen. Wir frühstückten nochmals ausgiebig (Hatte ich erwähnt, dass das Frühstücksbuffet eine Wucht ist?), dann fuhren wir los. Ich wollte unbedingt noch die Donauschiffahrt machen. Weil bis zur Abfahrt noch etwas Zeit war, schauten wir uns die Schleuse vom Main-Donau-Kanal an. Das ist ein gigantisches Bauwerk und ich hätte gern Zeit gehabt, um zu erleben, wie das Kreuzfahrtschiff, das wir Kanalaufwärts gesehen hatten, durchgeschleust wurde. Leider mussten wir zur Donau, um noch einen Platz auf einem der Schiffe zu bekommen.

Diese fuhren an dem Tag nur bis zur Weltenburger Enge. Der Wasserspiegel war über Nacht noch einmal gefallen, so dass die Schiffe nicht mehr gefahrlos durch den Donaudurchbruch bis nach Weltenburg fahren konnten. Wir buchten also eine Rundfahrt und setzen uns an einen Tisch auf dem überdachten Oberdeck. Ganz so ruhig wie erhofft wurde die Fahrt nicht, denn zwei Busse mit Kindern enterten das Schiff. Es herrschte bald recht viel Trubel. Wir ließen uns aber nicht aus der Ruhe bringen und beobachteten das Ufer vom Schiff aus. Die Felsen rings um den Donaudurchbruch sind schon beeindruckend. Man sieht, wie sich das Wasser in den Jahrmillionen hindurchgegraben hat. An einem Felsen erkennt man noch die Hochwassermarke von 1999 als die ganze Gegend zu Pfingsten überflutet worden war und die Donau das Kloster Weltenburg unter Wasser gesetzt hatte. Nach gut einer Stunde waren wir wieder an Land und setzten unsere Heimreise fort.

Zum Mittagessen hielten wir wieder in Landshut bei Ruffs Burger. Normalerweise laden wir hier das Auto beim ALDI gegenüber auf. Aber auf der kurzen Strecke von Kelheim bis Waging brauchten wir das nicht.

Wenn auch nur kurz, war es dennoch ein sehr schöner Urlaub. Wir überlegen, ob wir im Herbst wieder hierher fahren. Zu entdecken gibt es noch genug in der Gegend.


Trauriges Wochenende

Mein Vater ist am Sonntag verstorben.

Nach drei Tagen im Krankenhaus hat er für immer die Augen geschlossen. Am Mittwochabend hatten wir noch miteinander telefoniert und er war wie immer. Donnerstagabend hatte ich dann den Rettungsdienst am Telefon mit einer sehr schlechten Prognose, die der Arzt von der Notaufnahme spät Abends noch mal bestätigte.

Zu aller Überraschung hat er die Nacht und den Freitag überlebt, und ich konnte mich am Samstag noch von ihm verabschieden, auch wenn er nicht bei Bewusstsein war.

Er wurde 89 Jahre alt. Im August hätte er seinen Neunzigsten Geburtstag gefeiert. Auch wenn er in der letzten Zeit nur noch mit Stock durch die Wohnung geschlichen ist und kaum noch das Haus verlassen hat. Er hat ein langes erfülltes Leben zusammen mit meiner Mutter gehabt. Sie sind viel gereist, haben alles mitgenommen was ging. Mein Vater hat im Laufe seines Lebens viel gearbeitet, hat viele Bäder gefliest und kannte daher viele Leute. Mit ihm durch die Stadt zu gehen, war mühsam, weil er alle paar Meter jemanden getroffen hat, der ihn kannte und er immer zu einem Schwätzchen bereit war. Zuletzt hat ihm das gefehlt, weil viele seiner Freunde und Bekannten vor ihm gestorben waren. Ich habe da erst begriffen, was es wirklich bedeutet »älter« zu werden.

Er war bis ins hohe Alter an vielen Dingen interessiert, hat mir immer erzählt, was er in der Zeitung gelesen oder im Fernsehen gesehen hat. Das wichtigste hat er immer in seinen kleinen Kalender geschrieben, auch wenn man die Worte nur schwer entziffern konnte. Das Schreiben lag ihm nicht so. Er war im Imkerverein, im Kegelklub und hat im Männerchor mitgesungen. Bei Festen und Feiern waren wir meistens die Letzten, weil er immer bis zum Schluss bleiben wolle. Die Familie stand für ihn an erster Stelle, egal ob seine Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen, meine Mutter oder ich, jeder war ihm gleich wichtig. Er hatte eine starke soziale Ader, war immer für andere da. Die Großzügigkeit und Einsatzbereitschaft habe ich von ihm geerbt. Bei den Menschen, die ihn kannten, war er sehr beliebt, wegen seiner offenen natürlichen Art. Er hat sich nie verstellt und sich nie verbiegen lassen. Er war immer auf Harmonie bedacht und wenn er sich mit meiner Mutter gestritten hat (was in den letzten Jahren häufiger vorkam), dann war es schnell wieder vergessen.

Bis zuletzt hat er jeden Tag sein Saalfelder Premium Pils getrunken und gern mal Kartoffelchips genascht. Obwohl er einen angeborenen Herzklappen-Fehler hatte (das wurde erst nach seinem Achzigsten Geburtstag diagnostiziert) war er nie ernsthaft krank. Die Tage, die er in seinem Leben im Krankenhaus gelegen hat, kann man an zehn Fingern abzählen.

Nun ist er weg und mir bleiben nur die tausenden Fotos, die er im Laufe seines Lebens geschossen hat. Das Leben verweht, aber die Erinnerungen sind unsterblich.

Das obere Bild stammt aus den späten 1950er Jahren, als meine Eltern an der Ostsee Urlaub gemacht haben. Dort waren sie bekannt als Herr und Frau Kennedy. Das volle Haar hat mein Vater bis zu Letzt gehabt, siehe das untere Bild von ihrem 63. Hochzeitstag 2025.

Ein Original ist gegangen

Tante Eva mit der kleinen Christina (Ende der 70er Jahre). Ich glaube, ich lecke da gerade ein Glas mit Eierlikör aus.

Gestern ist meine Tante Eva gestorben. Sie war meine letzte Tante, die noch gelebt hat, und die Tante, mit der ich am meisten Kontakt hatte. Mit 95 Jahren hat sie ein erfülltes Leben gehabt. Die letzten Wochen musste sie nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim und im Krankenhaus verbringen, etwas, das sie so nie gewollt hat. Insofern bin ich froh, dass sie nicht länger leiden muss.

Meine Tante war ein besonderer Mensch – eine starke Persönlichkeit, die sich von niemandem etwas sagen ließ, die ihren eigenen Kopf hatte und bis ins hohe Alter einen unbeugsamen Willen und große Disziplin besaß. Ihre Kindheit war kurz, nachdem ihre Mutter früh gestorben ist und sie und ihre fünf Geschwister mit dem Vater zurückließ. Der heiratete nochmal und bekam mit seiner neuen Frau nochmal sechs Kinder, die meine Tante quasi mit aufziehen musste. Eigentlich wollte meine Tante zur Polizei und hat dort auch eine Ausbildung angefangen. Dann hat sie aber meinen Onkel, den Bruder meiner Mutter kennengelernt, geheiratet und einen Sohn bekommen. In den Fünfziger Jahren war es selbst in der DDR schwierig, mit Familie als Frau bei der Kriminalpolizei zu arbeiten. So wurde sie Verkäuferin in einem Laden für Sportartikel und bekam noch zwei Kinder.

Meine Tante, war dennoch jemand, der sein Leben fest in der Hand hatte. Sie mochte Kung Fu-Filme und begeisterte sich für echte Kriminalfälle. Mit Mitte Achtzig erfüllte sie sich den Wunsch einmal mit einem Trike mitzufahren. Sie war bis zuletzt geistig fit, was nicht zuletzt an ihrer großen Familie lag. Drei Kinder, fünf Enkel und zwölf Urenkel, die sie oft um sich hatte und die ihre »Oma Eva« immer ins Familienleben eingebunden haben. Und weil meine Tante sehr unternehmungslustig und für jeden Spaß zu haben war, hat sie auch alles mitgemacht. Dazu gehörte mindestens einmal im Jahr ein Besuch im Europapark, weil zwei ihrer Enkelinnen in Rust wohnen. Mit über Neunzig ging sie nochmal mit ihrem Sohn auf Kreuzfahrt und auch sonst nahm sie alles mit, was ging.

Tante Eva im August 2022 im Alter von 92 Jahren.

Das Markanteste an ihr war aber ihr Humor. Zu jeder Gelegenheit hatte sie einen trockenen Spruch auf den Lippen oder brachte einen lustigen Kommentar an. So war sie bei einem Besuch auf dem Friedhof einmal gestürzt. Als der Rettungssanitäter die rhetorische Frage stellte: »Was haben Sie denn gemacht?«, antwortete meine Tante: »Was denken Sie, ich bin hier zum Probeliegen«. Noch im November hat sie bei einem Besuch am Grab ihres Mannes (der schon 2012 an Altersleukämie gestorben ist) gesagt: »Rutsch rüber Helmut, ich komme!«

Wir haben oft telefoniert, sie wollte immer wissen, was ich gerade mache, und war zu jedem meiner Geburtstage. Ich denke, sie hat gewusst, dass das Ende nah ist. Bei einem unserer letzten Telefonate hat sie mir gebeichtet, dass sie auf nichts mehr Lust hat, auch nicht darauf, rauszugehen. Und das obwohl sie jeden Tag spazieren gegangen ist, um sich zu bewegen. Das kannte ich nicht von ihr, weil sie sonst so streng mit sich war und immer zu sich sagte: »Eva, reiß dich zusammen!«, egal wie schlecht es ihr ging. Dabei hatte sie in den letzten Jahren viele gesundheitliche Probleme, ist oft gestürzt und hat sich dabei verletzt. Die Augen wollten auch nicht mehr so und auf einem Ohr hat sie nichts mehr gehört. Sie hat aber nie Schwäche gezeigt oder sich bemitleidet. Das habe ich an ihr am meisten bewundert.

Nun ist sie fort. Ich werde ihre lustigen Kommentare, ihr offenes Interesse an ihrer Umwelt und ihre liebenswürdig pragmatische Art sehr vermissen.