Anwaltsserien und der aufgeschlossene Geist

Das es auf viele Fragen unserer Gegenwart keine einfachen Antworten mehr gibt, sollte inzwischen jedem aufgefallen sein. Nichts ist wirklich schwarz oder weiß. Einer wird immer auf der Verliererseite stehen, egal wie wohlwollend oder wie strikt man über etwas entscheidet. Politik und Justiz hat es nicht leicht und dies wird sich in Zukunft noch verstärken. Vieles ist mit vielem verknüpft, die Gesellschaft wird immer komplexer, so wie die Anforderungen an unser Leben. Im Schatten des Klimawandels wird es noch viele weitere solcher Situationen geben, wie wir sie in den vergangenen Monaten erlebt haben. Es wird immer häufiger vorkommen, dass es gilt, ein Leben gegen ein anderes abzuwägen. Das sollten wir uns klar machen.

Wie man in solchen schwierigen Fällen argumentieren kann, lerne ich seit Jahren beim Anschauen von Anwaltsserien. Das hat mir schon oft geholfen, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Anfang der Zweitausender sah ich »Ally McBeal«, später dann »Practice – Die Anwälte« und dessen Spinoff »Boston Legal«. Die Serien von David E. Kelley zeichnen sich nicht nur durch Humor, sondern vor allem durch erstklassische Argumentationen und Wortgefechte aus. Die Fälle sind gesellschaftlich oft hochbrisant und in den meisten Fällen kann es eigentlich kein Richtig oder Falsch geben. Dennoch müssen die Richter immer ein Urteil fällen, das das Leben von Menschen beeinträchtigen wird. Das finde ich immer wieder großartig gemacht. Da stecken viele Überlegungen ethischer und philosophischer Art dahinter. David E. Kelley hat selbst Jura studiert und das merkt man diesen Serien an. Er macht es sich nie leicht. Die Episoden strotzen nur so vor schwierigen, oft auch skurrilen Fällen.

Momentan schauen wir uns »Picket Fences – Tatort Gartenzaun« an. Die erste Serie die David E. Kelley fürs Fernsehen produziert hat. Hier geht es um die Kleinstadt Rome in Wisconsin. Es ist eine Mischung aus Krimi-, Familien- und Anwaltsserie. Immer wieder muss Richter Bone (gespielt von Ray Walston, Darsteller des Gärtners Boothby vom Campus der Sternenflotten-Akademie) Entscheidungen treffen, die extrem knifflig sind. Zum Beispiel möchte ein an Alzheimer erkrankter Mann, der nur noch wenige Jahre zu leben hat, sein Herz seinem Sohn spenden, der sonst innerhalb weniger Tage sterben würde. Der Richter kennt Vater und Sohn. Er weiß, dass dem Vater ein schwerer Lebensabend bevorsteht, und das dessen vierzigjähriger verwitweter Sohn drei kleine Kinder hinterlässt, wenn er stirbt. Letztendlich verbietet er trotzdem dem Vater das Herz zu spenden, weil auch das Leben eines Alzheimer Patienten einen Wert hat. Der Sohn wird schließlich dennoch gerettet, weil es im letzten Augenblick einen Spender gibt. Aber die Plädoyers, ob der Vater dem Sohn das Leben retten darf, und damit sein eigenes opfert, sind brillant geschrieben. Da werden Blickwinkel beleuchtet, die man niemals im Kopf gehabt hätte, die aber dennoch in sich schlüssig sind.

Vielleicht schaue ich mir genau deshalb gern die Anwaltsserien von David E. Kelley an, man lernt dabei, eine Sache von mehr als zwei Seiten zu betrachten. Das finde ich wichtig.

Ich und der Humanismus

»Eines was wir Deutschen besonders gut können, ist Befehle ausführen.« – Diese Aussage las ich vor kurzem bei Twitter. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass da etwas Wahres dran sein könnte.

Ich bin in einem totalitären System aufgewachsen, auch wenn man das als Kind und Jugendlicher nicht so richtig wahrnimmt, eben weil man es nicht anders kennt. Egal ob Elternhaus oder Schule, man machte was angeordnet wurde. Zugegeben bei den Eltern traute man sich hin und wieder aufmüpfig zu sein, aber im Grunde befolgte man die gutgemeinten Anweisungen am Ende doch. In der Schule war das noch ein bisschen ernster. Die wenigsten trauten sich hier aus der Reihe zu tanzen und Regeln oder Vorschriften zu brechen. Man tat, was man zu tun hatte, da wurde selten diskutiert.

Zurückblickend muss ich zugeben, dass ich es schon erstaunlich finde, mit welcher »Blindheit« man damals Dinge einfach so tat, ohne sie zu hinterfragen. Es wurde einem stets bewusst gemacht, dass man aus Solidarität handelte und das es zum Wohle der Gemeinschaft geschah. Als Kind glaubt man das. Viele Erwachsene glaubten damals auch, dass das, was sie taten, nur zu unser aller besten wäre. Die wenigsten haben die Gesetze und Anordnungen in der DDR tatsächlich hinterfragt. Das kam erst, wenn man in irgendeiner Form damit in Konflikt geriet und feststellen musste, dass manches eben doch nicht zum Wohl vieler war, sondern nur zum Wohl weniger.

Zurückblickend gab es viele Vorurteile, die auch bewusst von den Regierenden geschürt wurden. Es herrschte Kalter Krieg und jeder Andersdenkende war ein Klassenfeind oder zumindest ein Subjekt, dem nicht zu trauen war. Es galt: wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Differenzierungen wurden kaum gemacht. Selbst die viel beschworene Deutsch-Sowjetische-Freundschaft existierte meist nur auf dem Papier. Die wenigsten von uns hatten die Möglichkeit jemanden aus der Sowjetunion kennenzulernen. Ich hatte ein paar Jahre lang eine Brieffreundin aus dem heutigen Lettland. Die sprach genauso wenig Russisch wie ich und nach einer Weile schrieben wir uns auf Deutsch, weil sie einen Deutschkurs besuchte.

Solidarität ist ein hehres Ziel, doch die Frage ist, wie weit sie reichen darf. Wo beginnt die Grenze, an der die Solidarität mehr Menschen schadet als nützt? Der Kommunismus ist die höchste Form der Solidarität. Hier unterwirft sich die Masse zum Wohle der Gesellschaft unter dem Aspekt, das die Individualität verlorengeht. Der Einzelne ordnet sich unter, nimmt Beschränkungen seiner Freiheit in Kauf und folgt vorgeschriebenen Regeln der Gemeinschaft.

In zehn Jahren Schule hatte ich also gelernt, dass es notwendig war, individuelle Freiheiten und Meinungen zu Gunsten des Zusammenhalts zurückzustellen. Als ich im September 1990 meinen Weg zum Abitur nahm, hatte sich die Gesellschaft um mich herum komplett verändert, inklusive der herrschenden Ideologie. So ging ich nicht, wie geplant, an die Erweiterte Oberschule (diese Schulform endete mit dem Schuljahr 1989/90 in der DDR) sondern besuchte nun ein humanistisches Gymnasium. Die dort gelehrten Thesen unterschieden sich völlig von dem Weltbild, was ich kannte. Hier ging es um Offenheit, um Individualität und freie Meinungsäußerung. Regeln waren nun dazu da, gebrochen zu werden, wenn die persönliche Freiheit darunter litt.

Es dauerte, bis ich das Konzept verinnerlicht hatte. Plötzlich zählten die Meinungen der anderen genauso viel wie meine eigene oder die der Regierung. Ich lernte das Toleranz bedeutete, auch unbequeme Argumente anzuhören und im offenen Meinungsaustausch zu diskutieren. Es zählte der Mensch an sich und zwar jeder Mensch, gleich welcher Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Diese zwei Jahre waren prägend, vermittelten sie mir doch eine andere Perspektive.

Nach der Wende begann ich vieles zu hinterfragen, musste mich als junger Mensch mit meiner Vergangenheit beschäftigen und mein bisheriges Denken auf den Prüfstand stellen. Ich lernte, dass Veränderungen gleichsam positiv und negativ sein konnten, dass Gesetze und Meinungen wandelbar und anpassungsfähig sind. Nichts ist festgeschrieben. Was heute richtig ist, kann morgen schon falsch sein. Für einen jungen Menschen, der seinen Weg noch sucht, kann das eine ziemlich verstörende Erfahrung sein. Als Kompass dienten mir damals und heute die humanistischen Ideen, die ich im Deutsch- und Kunstunterricht vermittelt bekam und im Fach Philosophie, das damals statt Sozialkunde unterrichtet wurde. Diese Grundlagen – Zuhören, Tolerieren und Diskutieren – zählen noch heute zum Wichtigsten, was ich neben Lesen und Schreiben in der Schule gelernt habe.

Jeder Mensch ist ein Individuum mit dem Recht auf Freiheit und eine eigene Meinung. Das sollten wir uns heutzutage wieder ins Gedächtnis rufen, wenn Medien und Politik uns etwas anderes erzählen wollen und die absolute Solidarität beschwören. Mit dem Bewusstsein, dass wir Deutschen gut darin sind Befehle auszuführen.

Im Lesebrillenalter

Ich habe lange versucht mich herumzudrücken, aber jetzt ging es wirklich nicht mehr. Meine Augen sind in den vergangenen Monaten so schlecht geworden, dass ich mit dem Sehen erhebliche Probleme hatte. Ich brauchte nun doch eine Lesebrille. Auch wenn es ganz ohne Brille immer noch geht. Leider muss ich mir dafür die Sachen direkt vor die Nase halten, was sich nicht gut für den Nacken macht.

Weil ich stark kurzsichtig bin, war eine Gleitsichtbrille die beste Wahl. Also war ich vergangenen Monat beim Optiker meines Vertrauens und ließ mir eine neue Brille anpassen. Die Beratung war wie immer top und ich bekam mehrere Optionen zur Auswahl. Weil ich das Ding jeden Tag auf der Nase habe und ohne meine Brille aufgeschmissen wäre, wählte ich nicht die billigste Ausführung. Das habe ich einmal gemacht und bitter bereut. Seit dem gebe ich lieber mehr Geld aus. In dem Fall – Zeiss-Gläser mit DriveSafe, Lotus Effekt, UV Schutz, Dickenoptimierung und Superentspiegelung – summiert sich das relativ schnell. Wegen der Stärke brauche ich Gläser, die nicht zu dick sind. Und natürlich wollte ich auch nicht, dass ich Probleme mit der Gleitsicht bekomme. Daher hat der Optiker mein Gesicht und das neue Gestell in 3D vermessen, um das beste Ergebnis herauszuholen.

Ich hab zwar dreimal geschluckt, als ich den Preis gesehen habe … aber man gibt so viel unnötiges Geld aus … Dieses Mal hat sogar die Krankenkasse 90 Euro pro Auge gesponsert, weil ich inzwischen über -7 Dioptrien habe und die betriebliche Krankenversicherung gibt auch nochmal 100 Euro dazu. Das deckt zwar nur einen Bruchteil der Kosten, aber immerhin.

Allerdings hatte ich Bammel, dass ich mit der Gleitsichtbrille nicht zurechtkommen würde. Man hat schon von Vielen gehört, die damit Probleme haben und sie nicht tragen können. Beim ersten Aufsetzen war es auch ein bisschen komisch, aber spätestens nach ein paar Minuten hat sich das gegeben. Inzwischen trage ich das gute Stück seit einer Woche und komme prima zurecht. Allein dafür hat sich der technische Aufwand gelohnt. Sogar meinen Kollegen ist aufgefallen, dass ich eine neue Brille habe. Die Gläser sind ein bisschen größer als bisher, dafür habe ich wieder ein Titangestell.

Und weil es von Zeiss ein Angebot für eine Zweitbrille zum halben Preis gab, habe ich mir gleich noch eine neue Sonnenbrille machen lassen. Nun muss ich einen Monat arbeiten gehen, um die Kosten wieder hereinzubekommen, aber als Brillenträger ist man das gewohnt. Kontaktlinsen sind auf Dauer auch nicht günstiger und ich vertrage sie leider nicht, weil meine Augen zu trocken sind. Daher beglückwünsche ich jeden, der keine Brille braucht.

Ein Gedanke macht mich dann doch nachdenklich: Ich brauche eine Lesebrille, dass heißt, ich werde alt. Seufz!

Hörbücher im Stream

Seit ein paar Tagen rumort es unter Deutschlands Hörbuchhörern, die bisher Streamingdienste wie Apple Music oder Spotify zum konsumieren von Hörbüchern genutzt haben. Denn Apple Music und offensichtlich auch Spotify nehmen nach und nach die Hörbücher aus dem Angebot. Apple verschiebt die Hörbücher still und heimlich auf die Bücher App. Und bei Spotify nehmen immer mehr Verlage ihre Hörbücher von sich aus aus dem Angebot.

Darüber kann man meckern, sollte es aber nicht. Denn bei Streamingdiensten verdienen Künstler und Verleger so gut wie nichts, genauso wenig wie Musiker oder Produzenten. Die einzigen Gewinner sind die Dienste selbst. Die verdienen dabei nicht unbedingt an den monatlichen Beiträgen ihrer Nutzer, sondern vor allem an den Daten ihrer Nutzer. Die lassen sich gut analysieren oder meistbietend verkaufen.

Aus diesem Grund lehne ich Streamingdienste grundsätzlich ab. Klar ist es bequem jederzeit auf alle Songs und Hörbücher zugreifen zu können. Doch wenn man sich überlegt, wie wenig man da im Monat zahlt und wie viel man konsumiert bzw. konsumieren könnte, das hängt von jedem selbst ab, dann wird schnell klar, das dies nicht funktionieren kann. Jeder möchte für seine Arbeit angemessen bezahlt werden, dass gilt auch für Autoren und Musiker.

Einige Nutzer sind so außer sich, dass sie nun ankündigen keine Hörbücher mehr zu hören, wenn das so weitergeht. Ich frage mich, was soll diese »Geiz ist geil«-Mentalität, wenn es um Kunst geht. Bei anderen Dingen wie dem neuesten iPhone oder dem Bier in der Kneipe sparen die Leute auch nicht. Warum kauft man sich das Hörbuch oder die Musik nicht einfach als mp3 oder als CD? Oder wenn man wirklich kein Geld hat, leiht es sich in Bibliotheken aus?

Ich finde es gut, dass Verlage inzwischen erkannt haben, das sich Streaming nicht rechnet. Jedenfalls nicht für die Autoren. Das einzige was man an der Situation beklagen könnte ist, dass die Apple-Mitarbeiter im Support offensichtlich nicht darüber informiert wurden und sich zusammen mit den Nutzern über die verschwundenen Hörbücher wundern.

Heute schon die DVDs gelüftet?

Was es nicht alles gibt. Das CDs und DVDs auch nur eine begrenzte Lebenszeit haben, davon können Bibliotheken und Archivare ein Lied singen. Sogenannte »Disc-Fäule« vernichtete bereits so manchen Datenträger.

Das, was mein Mann am Wochenende entdeckt hat, ist ähnlich gelagert, wenn auch zum Glück mit etwas Aufwand wieder zu beheben. Er wollte sich seit langem mal wieder eine »Stargate SG1«-Folge ansehen. Doch als er die DVD aus den Silberboxen holte und sie einlegte, weigerte sich der DVD-Player sie zu erkennen und abzuspielen. Beim näheren Hinschauen und beim Anfassen bemerkte er, dass auf der Disk eine matte klebrige Schicht war. Und nicht nur auf dieser DVD, sondern auf fast allen DVDs in der Box bis auf die DVDs mit der Nummer 5 und 6. Eine Prüfung der restlichen Staffeln ergab, dass dieses Problem bei den Staffeln 1-7 in gleichem Maß auftritt, bei Staffel 8-10 allerdings nicht. Es sind also nur DVDs betroffen, die zwischen 2003 und 2004 hergestellt wurden und die ganz unten in der Box liegen.

Heute Nachmittag habe ich mir das Dilemma mal angesehen. Es ist wirklich eklig. Die DVDs fassen sich an, als seien sie mit Honig bestrichen. Meine Recherche im Internet ergab, dass dies ein Problem der Silberboxen ist. Sprich, offensichtlich erging es nicht nur uns so. Schuld ist der Weichmacher im Kleber, mit dem die Boxen zusammen gehalten werden. Der lagert sich über die Zeit auf den DVDs ab. Da hilft nur regelmäßiges Lüften.

Das Gute ist, der Kleber ist wasserlöslich und lässt sich mit lauwarmem Wasser, etwas Spülmittel und einem weichen Tuch relativ gut von der DVD entfernen. Das etwas aufwendige Prozedere habe ich gestern gleich mal ausprobiert. Es funktioniert, die DVDs lassen sich im Anschluss wieder abspielen. Zum Glück. Es hätte uns echt leid getan, wenn wir die schönen Boxen hätten wegwerfen müssen. Die waren mit ca. 80 Euro nämlich nicht billig.

Nun wissen wir, wir müssen die »Stargate SG1«-DVDs regelmäßig lüften, damit das nicht wieder passiert. Unglaublich!

Ein Ereignis, welches unser Leben veränderte

Januar 1999

Am 11. September 2001 arbeitete ich bereits den sechsten Monat in meinem ersten Job nach dem Studium. Es war zwar nur ein Praktikum, aber ich hatte wenige Tage zuvor meinen Arbeitsvertrag für eine Festanstellung ab Oktober unterschrieben. Es war ein normaler Arbeitstag in einem großen Postproduktionshaus in München. Das hieß, hier mal eine MAZ tauschen, dort einen Bildschirm kalibrieren, oder da ein paar neue Anschlussleitungen crimpen. Als ich von einem der Aufträge zurück in die Messtechnik kam, lief beim Kollegen ein Video auf dem Bildschirm mit einem rauchenden Turm des World-Trade-Centers in New York City.

Weil ich wusste, dass der Kollege immer wieder Videos aus dem Internet fischte und an alle aus dem Team verteilte, scherzte ich mit ihm, aus welchem Katastrophenfilm er denn diesmal das Video geschnitten hatte. Er sagte schlicht: »Kein Katastrophenfilm!« und deutete auf das Senderlogo von CNN, das in der Ecke des Videostreams eingeblendet war. Just in dem Moment krachte die zweite Maschine in den Südturm des World-Trade-Centers. Wir waren wie eingefroren, starrten ungläubig auf das Bild. Ich sagte zu ihm: »Du veräppelst mich doch!«

Er rief ein paar Newsseiten im Internet auf und zeigte sie mir. Auf allen waren die Bilder der brennenden Twintower zu sehen. Das bewegte mich sehr. War ich doch erst zwei Jahre zuvor dort gewesen, hatte an einem kalten Januartag vor den bodentiefen Fenstern des Aussichtsdecks des Südturms gestanden und nach unten geblickt. Ein Anblick, den ich nie wieder vergessen würde.

»Ich glaube, wir sollten das denen da oben sagen«, meinte mein Kollege und deutete mit dem Finger nach oben.

Über uns war die Abteilung für Commercials, die Jungs dort produzierten Werbespots und arbeiteten in ihren Räumen relativ abgeschottet. Ich rannte die Treppe rauf und quatschte jeden an, dem ich begegnete. Ein weiterer Praktikant aus der Messtechnik arbeitete ganz hinten in einem Büro und schrieb dort an seiner Diplomarbeit. Ich rannte fast die Tür zu seinem Büro ein und rief: »Du musst unbedingt kommen, es sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center von New York gekracht.«

Er runzelte die Stirn. »Haben sich da zwei Ultraleichtflieger verflogen?«

Ich schüttelte mit dem Kopf: »Nein, Passagiermaschinen.« Das diese vollbesetzt gewesen waren, wurde mir erst viel später klar. Es verstörte mich damals zutiefst, dass jemand bewusst unschuldige Menschen mit in den Tod gerissen hatte.

Er sprang auf und wir liefen durch den Flur. Vorn im Showroom neben der Teeküche, hatte bereits jemand den Monitor angemacht und ein Fernsehsignal draufgelegt. Davor hatte sich schon eine Traube von Leuten versammelt, die auf die Bilder aus New York starrten.

Wir gingen die Treppe runter in die Messtechnik, wo nun auch die anderen Kollegen ungläubig auf diverse Monitore blickten.

An dem Tag hat von uns keiner mehr gearbeitet. Alle standen nur rum, sahen sich die Nachrichten an und diskutierten. Wir sahen Bilder aus dem zerstörten Pentagon, sahen erst den einen Turm des World-Trade-Centers fallen, dann den zweiten. Es wurde wild spekuliert und manch einer versuchte Freunde oder Bekannte zu erreichen, die gerade in NYC waren.

Ich radelte nach der Arbeit schnell nach Hause, um ja nichts zu verpassen und verbrachte die halbe Nacht vor dem Fernseher. Die nächsten Tagen waren wir alle wie betäubt. So richtig begreifen konnte das keiner von uns. Es war so surreal.

Oktober 1998

Die Realität holte uns sehr schnell ein. Die Aufträge für Werbung gingen in den darauffolgenden Wochen massiv zurück. Bald hatten die Jungs im oberen Stockwerk nichts mehr zu tun. Das Geschäftsklima verschlechterte sich zusehends. Und vor Weihnachten teilte mir mein Abteilungsleiter mit, dass ich ab Ende Januar ohne Job sein würde. Angesichts der schlechten Auftragslage wurde allen, die in den letzten Monaten einen neuen Vertrag bekommen hatten, betriebsbedingt gekündigt. Ich konnte zwar noch aushandeln, dass ich zumindest noch bis Ende März bleiben konnte, damit ich wenigstens Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte, da ich erst im April angefangen hatte. Aber meine Karriere in der Medienbranche war vorbei, noch bevor sie richtig begonnen hatte.

Die Anschläge in New York haben viele Opfer gefordert. Ich wage zu sagen, dass sie viel mehr Menschenleben auf der Welt negativ verändert oder beeinflusst haben, als uns bewusst ist. Ich denke da an die Kriege in Afghanistan oder im Irak, aber auch an die Medienhäuser, die damals in Deutschland von der Krise in die Knie gezwungen wurden. Ich erinnere mich an die vielen Mitarbeiter von Medienunternehmen, die 2002 mit mir auf dem Münchner Arbeitsamt warteten und versuchten einen Job in der Branche zu bekommen. Damals fühlte auch ich mich ein bisschen als Opfer des 11. September. Wären die Anschläge nicht passiert, wer weiß, ob ich nicht heute noch dort arbeiten würde.

Gegrillte Schnecke

Am Freitag riefen mich meine Eltern ganz aufgeregt an. Sie waren in unserem Wochenendhaus auf dem Berg und der Strom war mal wieder ausgefallen. Und dass, obwohl wir im vergangenen Jahr die fünfzig Jahre alte Zuleitung haben tauschen lassen. In die hatte ein Blitz eingeschlagen und sie endgültig erledigt. 100 Meter aufgraben und neues Kabel verlegen lassen, hatte viel Geld und Nerven gekostet. Nun war der Strom schon wieder weg.

Der Elektriker stand am Freitagabend schon unter der Dusche, versprach aber am Samstagvormittag vorbeizukommen und nachzusehen. Ich dachte mir gleich, dass es eigentlich nur am Stromanschlusskasten liegen kann. Ich meine, der steht mitten in der Natur. Vielleicht war Wasser eingedrungen und hatte einen Kurzschluss ausgelöst. Oder eine Maus wollte sich den Stromanschlusskasten als neues Zuhause einrichten und war zwischen die Phasen geraten. Das hab ich alles schon erlebt.

Nur soviel: Eine Maus war es nicht, sondern eine Schnecke. Die war dann auch gut durchgegrillt bei 230 V. Jedenfalls haben wir in unserem Bungalow wieder Strom, der Kühlschrank und die Wasserpumpe laufen wieder bis zur nächsten Aufregung.

Beitrag zum 60 Jahre PERRY RHODAN Tribut_Teil 2

Ich kann nicht kurz. Wenn ich schreibe, werden die Texte immer länger. Das war schon in der Schule so. Da habe ich meine Lehrer immer mit Seitenlangen Aufsätzen gefoltert. Die hatten jedes Mal Angst, dass ich in der Unterrichtsstunde nicht fertig werde. Ich habe es aber immer geschafft.

Jedenfalls beiße ich mir beim Schreiben von Kurzgeschichten immer die Zähne aus. Ich möchte meine Figuren gern ausführlich charakterisieren und das geht bei Kurzgeschichten schlecht. Da geht es mehr darum, eine Idee zu verkaufen, als um die Personen. Deshalb schreibe ich lieber Romane.

Langer Rede kurzer Sinn, anlässlich des 60. Geburtstags der PERRY RHODAN-Serie wollte ich mich natürlich nicht lumpen lassen und beim Tribut-Projekt von Alexander Kaiser auch eine Kurzgeschichte beisteuern. Auf meiner Festplatte schlummerte noch ein Textfragment meiner zweiten FanEdition. Es waren die drei Normseiten, mit denen ich mich beim Exposé-Wettbewerb beworben hatte. Der Anfang des geplanten Romanes quasi. Weil ich damals aber letztendlich das ganze Konzept komplett umgearbeitet habe, war der Text obsolet geworden und ruhte nun seit 2015 auf meinem Computer. Ich fand ihn aber so gut, dass ich ihn nicht wegwerfen wollte.

Für das Tribut-Projekt holte ich ihn also wieder hervor und überlegte mir, wie ich daraus eine abgeschlossene Geschichte machen konnte. Schnell war mir klar, dass ich unbedingt etwas zu NEO schreiben wollte, weil das bei den bereits vorhandenen Geschichten noch nicht thematisiert wurde. Zwei Stunden Grübeln in der Nacht und ich hatte letztendlich die zündende Idee.

Vergangene Woche setzte ich mich also hin und schrieb die Geschichte fertig. Aus drei Normseiten wurden vierzehn. Wie schon gesagt, ich kann nicht kurz. Diese Woche habe ich sie ruhen lassen und am Freitag nochmal gründlich überarbeitet und endlich auch einen passenden Titel gefunden. Auch das ist ein Novum. Normalerweise lege ich den Titel einer Geschichte schon fest, bevor ich den ersten Satz schreibe. Das ist so eine Macke von mir.

Am Freitag habe ich den Text dann eingereicht. Jetzt kann man die Geschichte im gemeinsamen Blog von PROC und PRFZ lesen.

Nun wünsche ich viel Spaß mit »Xenia«.

Eine Woche Ferenginar

Quelle: t-online.de

Seit einer Woche regnet es jetzt bei uns schon. Am vergangenen Sonntag ging es los und es hat tatsächlich diese Woche so gut wie jeden Tag mindestens einmal geregnet, meistens sogar mehrmals am Tag. Man kommt sich vor wie auf Ferenginar, der Heimatwelt der Ferengi, da soll es ja auch ständig regnen. Angeblich gibt es 178 Ferengiausdrücke für atmosphärische Niederschläge, also mehr Begriffe als die Inuit für Schnee haben.

Für einen August ist das Wetter schon ungewöhnlich. Vor allem ist es teilweise recht kühl für die Jahreszeit, bei Tags manchmal nicht mehr als zwölf Grad. Ich musste schon meine dicken Socken aus dem Schrank holen, damit ich in der Wohnung keine kalten Füße bekomme. Meine Eltern haben schon die Heizung eingeschaltet. Bei uns geht es noch, die Wände haben genug Wärme gespeichert. Besonders unangenehm finde ich aber die hohe Luftfeuchtigkeit. Das merke ich sofort an den Schleimhäuten, meine Nase ist dann zu und ich habe dauern einen Kloß im Hals.

Unternehmungen im Freien sind deshalb ebenfalls eingeschränkt möglich. Wir wären gern nochmal in den Bergen wandern gegangen, aber bei der Gefahr, dass jeder kleine Gebirgsbach zu einem reißenden Strom werden kann, ist das zu riskant. So gehen wir immer nur kurz um den Block, sobald sich mal die Sonne für ein paar Minuten blicken lässt.

Der Regen und die feuchte Luft führen noch zu einem ganz anderen Problem. Ich bekomme unsere Wäsche nicht trocken. Normalerweise hänge ich sie im Sommer auf den Westbalkon, da wird sie in der Sonne innerhalb eines Tages trocken. Im Winter hänge ich sie im Trockenraum im Keller auf. Das geht aber gerade nicht, weil der Lüfter im Keller kaputt gegangen ist. Da braucht die Wäsche erstens ewig bis sie trocken ist und zweitens riecht sie dann immer etwas modrig. Jetzt hab ich es mit dem Wäscheständer auf dem Südbalkon ausprobiert, da regnet es nicht hin. Zumindest die Geschirrtücher sind nach zwei Tagen trocken geworden. Aber die Handtücher musste ich dann doch in den Keller hängen.

Wenn man sich das Regenradar anschaut, sieht man sehr schön, wie lange das Tiefdruckgebiet an einer Stelle verharrt und nicht weiterzieht. Das ist eindeutig, dem verlangsamten Jetstream über Europa geschuldet. Ich fürchte wir werden in den nächsten Jahren immer mehr solcher ungewohnter Wetterlagen erleben. Ein Gutes hat das Wetter allerdings: Der Regenreservoirs werden nach zwei Trockenjahren endlich wieder aufgefüllt.

Tierischer PodCast

In letzter Zeit habe ich PodCasts für mich entdeckt. Immer wenn ich auf meinem Rudergerät trainiere höre ich einen PodCast. Meist einen der inzwischen vier Perryversum PodCasts. Hin und wieder aber schweife ich ab und höre den PodCast zu meiner Lieblings-Reality-Serie »Elefant, Tiger und Co« aus dem Leipziger Zoo. Da verpasse ich selten eine der TV-Sendungen am Freitagabend. Und wenn doch, schaue ich sie mir anschließend in der Mediathek an.

Jetzt gibt es die Serie auch im PodCast-Format. Hier wird meist einer der vielen Tierpfleger interviewt. Man erfährt sehr viel Neues über diese Leute. Beispielsweise wie sie zu dem Beruf gekommen sind und was ihnen daran besonders gefällt. Das sind immer interessante 45 Minuten, in denen ich andächtig zuhöre. Da kann es schon mal passieren, dass ich weiter rudere, als ich mir vorgenommen habe.

Also, wer die Sendung kennt und mag, sollte unbedingt mal beim PodCast reinhören.

Zu viel zu tun, zu wenig Zeit

Es ist wie verhext. Es gibt Zeiten, in denen man nicht wirklich etwas zustande bringt. Man nimmt sich das und das vor, aber dann funkt wieder irgendwas dazwischen und man wird davon abgebracht.

Momentan gehts mir mal wieder so. Ich wurschtle den ganzen Tag vor mich hin, auf der Arbeit und daheim, und am Ende des Tages habe ich dennoch das Gefühl, nichts fertigzubekommen zu haben. Eigentlich wollte ich heute über unsere Kartoffelernte bloggen und über das Politnavi, stattdessen kümmere ich mich um die Reklamation der SOL103 (zu wenige Exemplare gedruckt und zu spät geliefert) und schreibe Seitenweise Anträge und Widersprüche wegen unserer Wallbox oder telefoniere mit Anwälten.

Gestern hat es mich dann noch im Flur der Länge lang hingeschmissen. Ich hatte den feuchten Fleck auf den Fliesen nicht gesehen und bin mit Schwung darauf ausgerutscht. Jetzt kühle ich mein blaues Knie (zum Glück das gesunde) und hoffe, dass das angeschlagene zweite Knie keinen allzu großen Schaden genommen hat. Ich war so froh, dass es sich seit einem Jahr einigermaßen ruhig verhält. Dafür ist mein Nacken wieder so verspannt, das ich mich morgens nach dem Aufwachen kaum bewegen kann und mich ständig unterschwelliges Kopfweh plagt.

Auf meiner »to do-Liste« von heute stehen zwei Artikel, die ich noch schreiben muss und eine Kurzgeschichte. Ob ich das hinbekommen weiß ich nicht, vom Schreiben an meinem Roman ganz zu schweigen. Ich hoffe, dass ich zumindest einen Text heute noch fertigbekomme.

Dass ich zwei NEOs im Rückstand bin, ist auch noch nicht vorgekommen. Zumindest einen habe ich heute morgen schon mal angefangen. Aber eigentlich kann ich es mir momentan nicht leisten, zu lesen, weil so viel anderes ansteht. Das ist alles irgendwie deprimierend.

Das Bild von unserer diesjährigen Kartoffelernte vom Balkon, will ich dennoch niemandem vorenthalten. Drei Sorten Kartoffeln von insgesamt drei Pflanzen – kann sich sehen lassen. Mal sehen, wie sie schmecken.