Kulinarisches vom Wochenende

Wir haben mal wieder gekocht und gebacken. Und weil ich Freude daran habe, Bilder davon hier zu teilen, mache euch heute wieder den Mund wässrig. Jawoll!

Spargel-Quiche wollte ich schon lange mal wieder machen. Ich hab ewig nach dem Rezept gesucht und es in unserer Ordnung dann doch nicht gefunden, aber wozu gibt es das Internet.
Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man die Quiche mit Blätterteig macht statt mit Mürbeteig. Es geht auch schneller. Nur Eier, Sahne und Gewürze verquirlen, zu dem gekochten Spargel geben und backen. In dieser Version habe ich noch geräucherten Lachs hinzugefügt, den kann man aber auch weglassen, dann ist es völlig vegetarisch.

Vegetarisch ist auch die Pasta mit Spinat und Weißwein-Gorgonzola-Soße. Von mir noch verfeinert mit frischen Kirschtomaten.
Wenn man frischen Spinat verwendet, sollte das unbedingt Babyspinat sein. Meiner war schon etwas größer. Der wird dann nicht richtig weich, weil man ihn frisch in die fertige Soße gibt und nur mal kurz mit aufkocht. Geschmeckt hat es trotzdem.

Zum Kaffee gab es Mohn-Rührkuchen mit Buttercreme und gerösteten Haferflocken. Dazu habe ich dieses mal das Müsli von meinem Mann verwendet. Die Rosinen habe ich aber vorher rausgelesen, die wären beim Karamellisieren der Haferflocken verbrannt. Dafür habe ich im Teig Mandarinenstückchen versteckt, hat man aber kaum gemerkt. Da hätte ich doch die ganze Dose reingeben können.

Ach, ja und weil die Frage kam: was wir mit der Hefe machen? So ein schönes Kastenbrot gibt es bei uns jede Woche. Leinsamen und Sesam sind immer drin und jede Woche kommt eine Extra-Zutat wie Sonnenblumen- oder Kürbiskerne oder Hanfsamen hinzu. Nein, von Letzterem wird man nicht berauscht.

Wie konnten wir nur erwachsen werden?

Verkehrstote in Deutschland Quelle: »Früher war alles schlechter« Autor: Guido Mingels

… Diese Frage stellte unlängst mein Mann. Ausgangspunkt war ein Foto in der Auto-Bild. Es zeigte eine Familie in einem PKW Ende der Siebziger: Keine Knautschzone, keine Airbags, nicht einmal Gurte.

Wenn ich meine Kindheit mit der der heuten Kinder vergleiche, stelle ich fest, dass es damals viele potentielle Gefahren gab, die ich nicht wahrgenommen habe. Die niemand so richtig wahrgenommen hat und die auch keinen interessierten.

Angefangen beim Verkehr. Selbst als 1984 die Gurtpflicht eingeführt wurde, galt die nur für Fahrer und Beifahrer. Trabbis hatten auf der Rückbank keine Gurte und die wenigsten PKWs in Westdeutschland ebenfalls. Ich schlief und spielte auf der Rückbank, ohne Gurt und ohne Kindersitz. Wir sind so bis an die Ostsee gefahren und zurück. Manche sogar bis an den Balaton. Wir haben es überlebt.

Fahrradhelm? Das trugen doch nur Radprofis. Wir Kinder radelten in der Gasse auf und ab und wenn wir hinfielen, hatten manche eben ein Loch im Kopf. Das wurde geflickt und weiter ging’s. Heute würde man unsere Eltern leichtsinnig nennen, damals war das völlig normal. Tödliche Radunfälle gab es häufig, nur hat man das hingenommen.

Auch wenn viele es bestreiten, die Luftverschmutzung war damals deutlich schlimmer als heute, nicht nur im Osten. Ich erinnere mich gut an den Smok im Winter, wenn die Abgase der Kohleheizungen wie rötlicher Nebel über der Stadt lagen und man kaum atmen konnte. Oder ich die Farbdämpfe aus der Druckerei auf der anderen Straßenseite schon auf dem Nachhauseweg von der Schule riechen konnte. Dass war für uns Kinder sicher nicht gesund. Und dann die Raucher. Überall wurde geraucht. Da gab es keine Frage, ob Kinder in der Nähe waren oder nicht. Die Leute steckten sich einfach ihre Zigaretten an und pafften ohne Rücksicht. Sogar die Lehrer auf dem Schulhof. Und … keinen hat es gestört.

Menge der radioaktiven Partikel in der Atmosphäre Quelle: bsf.de

Selbst mit Radioaktivität ging man damals sorgloser um, nicht nur in der DDR. Als 1986 der Reaktor in Tschernobyl explodierte, bekamen wir das nur über die Nachrichten im Westfernsehen mit. Hinterher gab es plötzlich viel mehr Gemüse in den Geschäften. Warum? Weil die westdeutschen Händler ihr belastetes Gemüse nicht losbrachten, verkauften sie es an den Osten. Hat es uns geschadet? Ich hoffe nicht. Verglichen mit dem, was in den Sechzigerjahren an radioaktiven Stoffen in der Atmosphäre herumschwirrte war Fukushima ein Klacks. Würde heute etwas Vergleichbares passieren, dürften Kinder wahrscheinlich nicht mal mehr vor die Tür und wenn, dann nur im Schutzanzug.

Ähnlich wurde mit Epidemien oder Pandemien umgegangen. Hätte mich vor einem Monat jemand gefragt, ob ich schon mal was von der Hong-Kong-Grippe gehört habe, ich hätte ahnungslos mit den Schultern gezuckt. Die Ende der sechziger Jahre grassierende Grippe-Pandemie führte zu einer Übersterblichkeit in Deutschland von 40.000 Menschen. Gab es damals Maskenpflicht und Ausgangssperren? Nein, und das, obwohl die Krankenhäuser im Westen wie im Osten an ihren Grenzen kamen. Die damalige Regierung nahm es wie eine Naturkatastrophe hin und setzte auf Herdenimunität. Keiner beschwerte sich darüber, nicht mal die Medien berichteten groß davon. Für die waren die Studentenproteste der 68er wichtiger.

Eines steht fest, das Leben war früher viel gefährlicher als heute, vor allem für Kinder. Wir streben nach immer mehr Sicherheit und immer weniger Risiko. Natürlich wollen Eltern für ihre Kinder Sicherheit. Es ist nachvollziehbar. Die Frage ist allerdings, ob jemand der zu behütet aufwächst, später mit gefährlichen Situationen klarkommt oder sie richtig einzuschätzen weiß?

Fazit ist: ich bin trotz aller Gefahren groß geworden und andere auch. Man kann Risiken minimieren, aber niemals völlig eliminieren. Ob man dazu immer strengere Gesetze braucht, sei dahingestellt. Manchmal reicht es vielleicht auch einfach, vorsichtig zu sein. Doch dazu muss man die Gefahren kennen.

Cocooning 2.0

Zum Begriff: »Cocooning« hat nichts mit dem SF-Film »Cocoon« aus den Achtzigern zu tun, in dem ein paar Rentner durch außerirdische Kokons in einem Swimmingpool verjüngt werden. Der Film zählt immer noch zu meinen Lieblings-SF-Klassikern, weil die Aliens den Menschen freundlich gesinnt sind.

Der Begriff »Cocooning« stammt ebenfalls aus den Achtzigern und beschreibt einen Trend zum Rückzug in die eigenen vier Wände. Das Phänomen trat meist nach großen Krisen auf. Zum Beispiel nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 oder der Wirtschaftskrise 2008. Die Menschen besannen sich auf ihr Zuhause und richteten sich dort gemütlich ein. Sie gaben ihr Geld nicht für Reisen in ferne Länder aus, sondern kauften Möbel, Heimtextilien und Haushaltsgeräte. Das machte sich bei den Herstellern sowie den Möbel- und Küchenhäusern überproportional bemerkbar.

In den nächsten Monaten erwarte ich eine ebensolche Welle. Mehr als bei den vergangen Ereignissen haben sich die Menschen während der Corona-Krise daheim eingeigelt. Es wurde verstärkt selbst gekocht und das Home-Cinema genutzt. Der Home-Office-Boom führte bereits dazu, dass bei den Computerherstellern die Laptops knapp wurden. Der Trend wird sich fortsetzen, zumindest so lange wie die Leute noch Geld haben.

Dass auch mehr selbst gehandwerkelt wird, merkten vor allem die Baumärkte. Zumindest in den Bundesländern, in denen sie im März und April öffnen durften, wie beispielsweise in Baden Württemberg. Der Neffe meines Mannes berichtete, dass der Baumarkt in dem er arbeitet in den paar Wochen mehr Umsatz gemacht hat, als im ganzen Jahr 2019.

Wir haben uns dem Trend angeschlossen und über Ostern unser WC neu gefliest. Eigentlich wollten wir das erst jetzt im Mai machen, aber da mein Mann ohnehin zu Hause bleiben musste, zogen wir es vor. Zum Glück hatten wir Fliesen und Kleber schon im Januar gekauft. Das Fugenweiß kaufte ich dann mit Hilfe meines Chefs beim hiesigen Baumarkt. (Dort durften in den vergangenen Wochen nur Handwerker einkaufen.)

Komplett neu gefliest haben wir nicht. Die Vorbesitzer hatten nur halbhoch fliesen lassen, was uns a nicht gefiel und b Mehrarbeit durch Streichen bedeutete. Außerdem wollte ich schon immer eine Mosaikbordüre haben. Also kauften wir Mosaik und passende Fliesen. Was gar nicht so einfach war, weil es die Größe kaum noch gibt. Wir hatten Glück und ergatterten die letzten fünf Kartons, die bis auf eine Fliese aufgegangen sind.

Nachdem wir schon nach dem Einzug in der Küche drei Fliesen selbst gesetzt hatten, trauten wir es uns zu das selbst zu machen. Mein Vater ist Fliesenleger. Ich war oft genug mit ihm auf der Baustelle und weiß ungefähr auf was es ankommt. Und wir hatten tatkräftige Unterstützung durch meinen Schwager, der eigentlich Heilpraktiker ist, aber viel Erfahrung als Hobbyhandwerker hat.

Es ist echt schön geworden und vor allem das Mosaik aus Mamor mit bunten Glassteinchen macht richtig was her.

Rosenhochzeit

Die Temperaturanzeige im Auto zeigte heute Mittag sieben Grad Celsius an. Damit war es heute genauso kalt wie vor zehn Jahren. Damals hatte wenige Wochen zuvor ein Vulkanausbruch den Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Was sich an klarerer Luft und tieferen Nachttemperaturen bemerkbar machte.

Warum ich dass noch so genau weiß. Wir haben heute vor zehn Jahren geheiratet und zwar unter Tage in den Feengrotten. Da war es mit zehn Grad sogar einen Ticken wärmer als draußen. Dafür regnete es wenigstens nicht, so wie heute.

Eigentlich wollten wir unseren Ehrentag groß begehen, mit einem Ausflug und lecker Essengehen. Das geht ja aus bekannten Gründen nun leider nicht. Also waren wir nur kurz in Traunstein im Biomarkt. (Ich zum ersten Mal mit Maske. Ich will das hier nicht ausweiden, aber es war eine Erfahrung, auf die ich lieber verzichtet hätte.) Anschließend holten wir bei unserem Lieblings-Griechen das bestellte Essen ab und fuhren wieder nach Hause. Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen und heute Abend einen schönen Film.

Von meinem Mann bekam ich einen schönen Blumenstrauß und zwei CDs mit Filmmusik. Ich schenkte ihm ein Raumschiff.

Boomt jetzt die Science Fiction?

Seit Wochen müssen viele Leute mehr Zeit zu Hause verbringen. Eigentlich die Gelegenheit mal wieder zu einem guten Buch zu greifen. Eigentlich!

Wie ich an mir selbst feststelle, ist das nicht so einfach. Irgendwie scheint alles in der Banalität zu versinken. Krimis, Liebesromane oder Gegenwartsliteratur, das alles hat nicht mehr viel mit der Realität um uns herum gemein. Wir leben in einem Science-Fiction-Thriller. Aber genau da könnten die Antworten liegen, auf die Fragen, die wir uns stellen.

Diese Woche erschien in »Die Zeit« ein Artikel über Science Fiction. Der Autor geht zwar hauptsächlich auf Filme ein, SF-Literatur scheint er nicht nicht so richtig viel gelesen zu haben, aber er kommt zu einem interessanten Schluss. Nämlich das die Science Fiction schon immer Wege bzw. Auswege aufgezeigt hat, die uns helfen könnten, die Wirklichkeit zu verändern.

Neben dem Artikel finde ich die Diskussion unter den Lesern spannend. Sogar Hartmut Kasper, einer der Exposé-Autoren der PERRY RHODAN Serie kommentiert mit. Klar, gibt es auch hier wieder die obligatorischen Trolle, aber man sieht doch recht deutlich, dass sich sehr viele Menschen für phantastische Literatur interessieren oder früher gelesen haben.

In der Apokalypse so scheint es, finden die Menschen zu einem Genre zurück, das in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Deutschland vom Feuilleton nur müde belächelt wurde. Vielleicht ist vielen einfach bewusst geworden, dass manches Zukunftsszenario doch nicht so weit hergeholt erscheint.

Ich würde mir zumindest wünschen, dass der Science Fiction als Literaturgattung auch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit und Achtung geschenkt würde. Denn dort wurde bereits vieles vorausgedacht, was in naher Zukunft Wirklichkeit werden könnte.

Zwischen Wahrheit und Verschwörung

Obwohl ich es geahnt hatte, überrascht mich dann doch die Intensität, mit der die Leute gegen die Entscheidungen der Regierung aufbegehren. Anfangs habe ich mich gewundert, dass alle so ruhig blieben, sogar oder vor allem die Fronten des rechten Spektrums.

Nicht, dass ich es gut heiße, wenn sich tausende ohne Schutzmasken oder in zu geringem Abstand zu Demonstrationen versammeln. Das ist idiotisch und brandgefährlich. Aber ich habe damit gerechnet. Die Intensität und der krude Mix aus rechten und linken Gruppierungen, die da mitmischen, irritiert mich dann allerdings doch.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und mich über einige der kursierenden Verschwörungstheorien informiert. Das ist ganz schön krudes Zeug, was da verbreitet wird. Bill Gates, der die Weltherrschaft anstrebt, echt jetzt? Achtung! Es folgt eine nicht ernst gemeinte Bemerkung: Im Grunde hat er die doch durch die Dominanz von Windows schon längst.

Ich glaube nicht, dass hinter der Pandemie eine wie auch immer geartete Macht steht, die das minutiös durchgeplant hat, um die Welt ins Verderben zu stürzen. Ich glaube eher, dass es eine Mischung aus Ignoranz, Leichtsinn und Schlamperei war, die zur unkontrollierten Ausbreitung des Virus führte. Kein Mensch und auch keine Institution wäre in der Lage ein so hochkomplexes Szenario zu planen und durchzuführen. Vor allem zu welchem Zweck sollte das jemand tun. Um Geld zu verdienen? Da gibt es einfachere Methoden, die vor allem die Sicherheit bieten, nicht selbst Schaden zu nehmen. Die Anzahl der Bevölkerung zu dezimieren? Da gäbe es viel gefährlicher Viren. Nein, es steckt weder eine Person, noch eine K. I. oder irgendeine Institution dahinter.

Es war vorhersehbar, dass die Angst der Menschen von Verschwörungstheoretikern ausgenutzt werden würde. Dass sich diverse politische Fraktionen dranhängen, um ihre widerliche Hetze zu verbreiten und um auf Wählerfang zu gehen, war eigentlich auch zu erwarten. Warum so viele eigentlich vernünftige Leute dort mitmachen, erklärt sich meiner Meinung nach durch die verwirrende Informationspolitik und die mediale Überflutung.

Wenn jede Woche ein neuer Statistikwert ausgelobt wird, wenn sich Aussagen widersprechen, wenn Zahlen präsentiert werden, deren Herkunft nicht glaubhaft begründet werden kann, dann folgt daraus Verunsicherung. Und wenn sich das über Wochen fortsetzt und die Widersprüche täglich mehr werden, kann man sich bisweilen schon veralbert vorkommen.

Die wenigsten von uns haben je eine Vorlesung in Statistik besucht. (Ich hatte leider das zweifelhafte Vergnügen. Zweifelhaft deshalb, weil ich diese Art der Mathematik furchtbar fand, beinahe so schlimm wie Numerische Mathematik.) Die meisten wissen daher nichts über die Tücken, die Statistiken so mit sich bringen und dass an dem Spruch: »Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« durchaus was dran ist. Statistik ist kompliziert und funktioniert nur bei großen Zahlen hinreichend zuverlässig. Aber das wissen viele nicht und kaum einer erklärt es richtig, vielleicht weil man glaubt, das normale Menschen es nicht verstehen würden.

Und genau da liegt das Problem. Viele Menschen fühlen sich in ihrer Angst und Unsicherheit von den Regierenden nicht ernst genommen. Mehr noch, sie fühlen sich getäuscht. Sie wollen an die Hand genommen und nicht in Zahlen erstickt werden. Sie möchten verstehen, warum und weshalb diese Beschränkung notwendig ist und jene nicht. Warum manches erlaubt wird und anderes nicht. Ich glaube es ist gerade der Wirrwarr über die Lockerungen, der die Leute auf die Palme bringt.

Ganz ehrlich, ich blicke momentan auch nicht mehr durch, was erlaubt und was verboten ist, weshalb ich einfach so weitermache wie in den vergangenen Wochen und auf Abstand bleibe. Andere denken, sie können jetzt wieder so leben wie zuvor und das finde ich gefährlich. Lockerungen sind gut, aber sie sollten sinnvoll und durchdacht sein. Nicht, wie zum Beispiel, dass man wieder zum Einzel-Training beim Personal Trainer gehen kann, sich aber nach dem schweißtreibenden Training dort nicht duschen darf. Obwohl keine weiteren Personen anwesend sind. Oder das Fußball gespielt werden darf, Golf aber nicht.

Wie gesagt, es wundert mich nicht, wenn Angst und Unsicherheit der Leute ausgenutzt werden, um Verschwörungstheorien zu verbreiten. Ich glaube jedoch, dass Schlimmste was man tun kann, ist diejenigen, die daran glauben, als Idioten zu beschimpfen. Denn dann fühlen sie sich bestätigt und werden erst recht daran glauben.

Filterblasen, Brandbeschleuniger & Murphys Gesetz

Murphys Gesetz: »Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.« Verallgemeinert gesagt: wenn eine Situation bereits schlimm ist, wird sie sich weiter verschlimmern.

In den Neunzigern glaubte ich an eine positive Zukunft. Das wir es als Menschheit irgendwie hinbekommen würden, friedlich zusammenzuleben. Das wir auf der Erde soetwas erschaffen würden, wie die Föderation bei Star Trek. Doch je älter ich wurde und je mehr Zeit verstrich, desto mehr wurde mir klar, das dies nicht passieren wird. Im Gegenteil, wir werden unseren Planeten und die Menschen, die darauf leben, weiter ausbeuten, ohne dass wir aus der Geschichte lernen. Wir sind Menschen. Und Menschen sind träge. Da braucht es schon einer gewaltigen Katastrophe oder eines ähnlichen Umstands, dass wir in unserem Tun innehalten und aufschauen.

Viele sehen in der aktuellen Pandemie diesen Wendepunkt. Sie glauben, dass es uns als Menschheit näher zusammenbringt und wir verbessert aus der Krise hervorgehen werden. Ohne Zweifel werden uns die Geschehnisse des Jahres 2020 verändern. Doch in welche Richtung werden wir gehen? Angesichts meiner Erfahrungen glaube ich nicht, dass uns das Virus zusammenführen wird. Im Gegenteil es bringt uns weiter auseinander, sowohl körperlich durch das »social distancing« als auch gedanklich.

Wir alle leben in unseren Filterblasen. Keiner kann von sich behaupten, dass er den kompletten objektiven Überblick über die Geschehnisse in der Welt hat. Viele Dinge sind global miteinander verknüpft, ohne, dass wir das als einzelner Mensch in aller Gesamtheit erfassen können. Wir sehen nur einen Teil, und zwar den Teil, der uns in der Realität umgibt und den Teil, den wir mit den Nachrichten in uns aufnehmen. Wir gleichen ab, was wir sehen und hören, mit dem was wir real erleben. Wenn die Wahrnehmungen nicht übereinstimmen, dann versuchen wir es in Übereinstimmung zu bringen, indem wir Meinungen suchen, die mit unserer Realität konform gehen. Das kann die Wahrheit sein, oder auch nicht. Es bedarf eines persönlichen Eindrucks oder eines essentiellen Beweises, um uns vom Gegenteil zu überzeugen.

Wir glauben vieles erst, wenn wir es persönlich sehen und erleben. Und da liegt die Krux. Einer glaubt an Gott, ein anderer nicht. Für einen ist die Wissenschaft festgeschriebenes Gesetz, für einen anderen ist sie eine flexible Größe. Jeder sammelt andere Erfahrungen und jeder zeichnet sich sein eigenes Bild. Das führt im geringsten Fall zu Missverständnissen und schlimmstenfalls zu tätlichen Auseinandersetzungen.

Was wird das Virus aus uns machen? Werden wir näher beisammenstehen oder uns weiter voneinander entfernen? Sigmar Gabriel bezeichnete die Pandemie als Brandbeschleuniger, der Konflikte schneller eskalieren lassen wird, aber auch bereits angestoßene Konzepte beschleunigt. Die Telearbeit zum Beispiel, das bargeldlose Bezahlen, automatische Kassen in Supermärkten, all das wird schneller kommen.

Auf gesellschaftlicher Ebene wird es uns Menschen entzweien, in jene die profitieren und die die Schaden nehmen. Es hat schon begonnen. Und zwar zwischen denen, die die Wirksamkeit der Maßnahmen uneingeschränkt befürworten und jene, die sie hinterfragen. Es wird ein Riss durch die Gesellschaft gehen. Ein Riss, der vielleicht schon zuvor latent vorhanden war. Freundschaften und Allianzen werden zerbrechen, global wie im Privaten.

Die Welt wird 2021 eine andere sein, so viel steht fest. Ich glaube nicht, das es eine bessere Welt sein wird. Viele von uns werden einsamer sein und distanzierter. Manchem wird es elend gehen und manchem nicht. Wir sind zwar vor dem Virus alle gleich, aber es wird uns ungleicher machen. Und wir müssen uns darauf einstellen, die eine oder andere Freundschaft zu verlieren.

Foodblogging

Ich mache heute mal wieder Foodblogging. Wir haben in den vergangenen Wochen viel gekocht und gebacken. Ich war aber zu faul alles zu dokumentieren. Die Ergebnisse waren durchweg positiv, bis auf den »Hackbraten Süßsauer mit Kokos«, den mochte mein Magen nicht sonderlich. Viele der Gerichte machen wir schon seit Jahren. Oft probieren wir aber auch etwas neues aus.

Rhabarber-Sahne-Torte

Etwas, was es bei uns in der Rhabarberzeit immer gibt, ist Rhabarber-Sahne-Torte. Zu empfehlen auch für Leute, die nicht backen möchten. Die nehmen dann einfach einen fertigen Tortenboden.

Fünf klein geschnittene Rhabarberstangen mit Zucker und wenig Wasser kurz aufkochen lassen und abkühlen. Es sollte ungefähr 250 bis 300 ml Flüssigkeit ergeben.

Darunter rührt man eine Tüte Puddingpulver und kocht das Ganze auf. Warm auf den Tortenboden geben und kaltstellen.

Zum Schluss 500 ml Sahne mit zwei Päckchen Sahne-Steif mischen und steifschlagen (süßen nach Geschmack). Auf den abgekühlten Rhabarber geben und mit Schokostreuseln garnieren.

Die Torte schmeckt am zweiten Tag noch besser als am ersten.


Schweizer-Rübli-Kuchen

In den Schweizer-Rübli-Kuchen gehören neben gemahlenen Haselnüssen, Eigelb, Eiweiß, Zucker und ein paar Löffeln Semmelmehl vor allem rohe geriebene Möhren.

Das macht den Teig saftig, schmeckt ein bisschen nach Marzipan und ist nicht so süß. Man kann Schokoladenguss darauf machen oder Zuckerguss, je nach Belieben.

Im Original wird der Kuchen mit kleinen Marzipanmöhren dekoriert. Das habe ich gemacht, ist aber aufwendiger.

Bei uns gibt es den Kuchen immer an Ostern.


Erdbeer-Tiramisu

Sobald es regionale Erdbeeren gibt, mache ich Erdbeeren-Tiramisu aus Mascarpone, Magerquark und Löffelbiskuits und natürlich Erdbeeren.

Den Quark, die Mascarpone und die Erdbeeren mit etwas Zucker pürieren und auf die Löffelbiskuits geben.

Wer Alkohol mag, kann die Löffelbiskuits zuvor mit Kirschwasser beträufeln. Ansonsten geht es auch mit etwas Fruchtsaft. Ich habe dieses Mal Wodka verwendet, der steht schon ewig im Schrank und musste weg.

Die Mitglieder des Münchner Trekdinners waren beim Grillen immer ganz verrückt danach.


Pastei de nata

Das Rezept für Pastei de Nata haben wir aus Portugal mitgebracht. Dort sind die kleinen Kuchen aus Blätterteig mit Puddingfüllung ein Nationalgericht.

Es ist ein wenig aufwendig den Teig auszustechen und in die Muffinsform zu bekommen.

Noch schwieriger ist es, die Füllung richtig hinzubekommen. Mit normalen Pudding schmeckt es nicht wie das Original und den Pudding selbst mit Stärke und Vanilleschote richtig hinzubekommen ist ein Glücksspiel. Inzwischen habe ich ein Fertigpulver entdeckt, dass perfekt ist. Leider gibt es das nicht im normalen Supermarkt zu kaufen. Wir bestellen es im Internet hier.


Toastmuffins

Wer Toast, Speck und Eier mag, kann bei den Toast-Muffins schlemmen.

Toastscheiben in eine Muffinsform pressen. Tipp: vorher ausstechen und in zwei Hälften schneiden, dann geht’s leichter.

Dann ausgelassene Speckscheiben dazu und ein Ei in darüber und anschließend für 20 Minuten in den Ofen.

Schmeckt so lecker wie es aussieht.

Eigentlich ist es ein Gericht, das man zum Frühstück essen sollte. Wir haben es zum Mittag gegessen mit gebratenem Spargel und Salat.


Grießklößchensuppe

Zu meinen Leibspeisen gehört Grießklößchensuppe.

Ich koche dazu entweder eine Suppe aus fertiger Gemüsebrühe oder so wie am Wochenende aus den Resten eines Suppenhuhns. Wir kaufen immer ein ganzes Bio-Huhn, dass ich dann zerlege und Portionsweise einfriere. Das finde ich irgendwie ökologischer, als nur die reinen Brüste oder Schenkel zu kaufen.

Jedenfalls sind Grießklößchen wirklich einfach zuzubereiten. Etwas Milch und Margarine in einem Topf zum Kochen bringen. Ein paar Esslöffel Grieß einrühren bis sich ein Teigklumpen bildet, der sich vom Topfrand löst.

Dann runter vom Herd und ein Eigelb einrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und etwas abkühlen lassen. In der Zwischenzeit das Eiweiß schlagen, manuell oder mit dem Rührgerät, je nach Laune. Ich benutze den Ballonschneebesen, den ich damals aus New York mitgebracht habe.

Das Eiweiß unter den abgekühlten Grießbrei heben und mit dem Löffel kleine oder große (je nach Löffel) Nocken ausstechen und in die heiße Brühe geben.

Kann man als Vorsuppe oder Hauptmahlzeit essen. Durch den Grieß macht es auf jeden Fall schnell satt.

Auf Abstand

Ich habe ein paar Tage über die Reaktionen nachgedacht, die meine Blogeinträge hervorgebracht haben. Und welchen Eindruck meine Worte möglicherweise bei dem einen oder anderen hinterlassen haben, deshalb möchte ich an dieser Stelle etwas klarstellen.

Ich sehe mich keinesfalls als Gegner der Kontaktbeschränkungen. Ich finde viele Schritte, die die Regierung zur Eindämmung der Pandemie getan hat, durchaus richtig. Die Schließung von Schulen und Kitas zum Beispiel und das Verbot von Großveranstaltungen. Ich sehe inzwischen sogar ein, dass die Absage der Buchmesse die richtige Entscheidung war. Außerdem halten mein Mann und ich uns strikt an die Anordnungen. Es geht nur noch einer von uns einkaufen und zwar mein Mann. Ich war also seit Mitte März nicht mehr in einem Supermarkt. Wir gehen normalerweise ohnehin nicht in Kneipen oder auf Großveranstaltungen. Selbst im Kino waren wir schon lange nicht mehr. Wir verzichten momentan darauf zum Wandern irgendwo hinzufahren. Und ich bin seit acht Wochen nicht mehr in Thüringen bei meinen Eltern gewesen. Ich gehe weiterhin zur Arbeit, weil für mich kein Home-Office möglich ist. Insofern haben uns also gar nicht groß einschränken müssen, weil wir normalerweise schon wenig Kontakt zu anderen haben.

Dennoch gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass man mit so mancher Maßnahme übers Ziel hinausschossen ist. Vielleicht muss man an dieser Stelle gesagt werden, dass die Exekutive mitunter übertrieben hat, weil die Vorgaben halt zu streng ausgelegt waren. Die Grenzkontrollen haben unsere Region hart getroffen. Da war anfangs vieles unklar und ist es auch heute noch. In Deutschland lebende Familienmitglieder die nach Österreich einreisen, dürfen dort maximal 48 Stunden bleiben. Als ob man in den 48 Stunden niemanden anstecken kann. In Laufen, wo vielen Leute auf der anderen Seite der Salzach in Oberndorf arbeiten, unteranderem in einem Pflegeheim, wurde unangekündigt die Brücke und damit die Grenze nach Österreich dicht gemacht. Die Menschen waren verzweifelt, weil sie plötzlich nicht mehr zur Arbeit kamen. Man sagte ihnen, sie könnten den Kilometerweiten Umweg über den Grenzübergang Freilassing nehmen. Was nicht nur idotisch ist, sondern einfach nur als Schikane gesehen wurde. Die Bürgermeister beider Orte haben bei ihren Landesregierungen Beschwerde eingelegt und so wurde zumindest der Europasteg (ein Fußgängerweg) wieder geöffnet.

Einen ganz großen Fehler sehe ich in der Stilllegung des Einzelhandels. Ich erinnere mich an die Worte von Virologe Drosten, der noch im März gesagt hat, dass man sich beim Einkaufen nicht anstecken könne, wenn man Abstand hält. Also, wenn in Drogerien und Lebensmittelmärkten Abstandsregelungen durchzusetzen waren, warum dann nicht auch im Einzelhandel, z. B.  in Buchhandlungen oder in Textil- und Schuhgeschäften? Hier wäre nach einer kurzen Umbauphase eine Begrenzung der Kundenzahl und die Absperrungen von Teilen der Geschäfte möglich gewesen. Man hätte eine abgesperrte Theke aufbauen und die Selbstbedienung einschränken können. Früher, in den »Tante Emma-Läden«, funktionierte es gar nicht anders. Selbst in dem Sportgeschäft in dem meine Mutter gearbeitet hat, sagte man an der Theke, was man wollte und bekam es von der Verkäuferin gereicht. Der Reformladen bei uns im Ort hat es genau so gemacht. Vielleicht wäre auch eine Begrenzung oder Erweiterung der Öffnungszeiten sinnvoll gewesen. Dann hätten die Läden vielleicht nicht so viel Umsatz gemacht wie zuvor, aber sie hätten wenigstens Umsatz gemacht.

Föderalismus ist ein gutes Instrument und möglicherweise in einer Pandemie hilfreich, wo Regionen unterschiedlich betroffen sind. Doch ich verstehe nicht, warum Baumärkte in Bayern geschlossen waren und in Baden-Württemberg nicht, wo die Infektionszahlen ähnlich hoch sind. Andererseits wird pauschal ein ganzes Land heruntergefahren, ohne darauf zu achten, wie sich lokal die Zahlen entwickeln. Im Landkreis Saalfeld gab es bis jetzt ganze 63 Fälle, niemand ist gestorben, dennoch war fast alles geschlossen. Ach ja! Jena hat nach Einführung der Maskenpflicht getönt, das sie damit die Infektionszahlen auf Null senken konnten. In Saalfeld gab es keine Maskenpflicht und die Infektionen sind ebenfalls seit Tagen bei null.

Was ich grundsätzlich nicht gut finde, ist die Kommunikation zwischen Regierung und Bevölkerung. Die Kanzlerin mit ihrer unaufgeregten beinahe schon fatalistischen Art vermittelt zumindest Ruhe und Stabilität. Während sich Markus Söder gibt, als wäre er der König von Bayern und jede Lockerung seiner harten Maßnahmen eine gnädige Geste von ihm. Dabei ist Bayern nach wie vor das Bundesland mit dem meisten Infektionen. Er nutzt die Situation aus, um sich als Kanzler ins Gespräch zu bringen und das finde ich widerlich.

In den letzten Wochen sind Gesetze und Verfügungen erlassen worden, die heimlich still und leise, am Parlament und den Menschen vorbeigegangen sind. Die Verschärfung der Busgelder im Straßenverkehr hat zum Beispiel kaum einer mitbekommen. Nicht, dass mich zu hohe Strafen stören würden, aber die Art und Weise finde ich nicht gut. Noch weniger Leute kennen den Inhalt des bayrischen Infektionsschutzgesetzes. Das gibt unteranderem dem Staat die Möglichkeit Menschen und Betriebe zu enteignen, oder jeden Einwohner zur Arbeit in der Pflege zwangszuverpflichten. Wer mag sehe sich den Gesetzestext hier an.

Hat sich eigentlich mal jemand gefragt, warum die Autobauer und die großen Betriebe so schnell die Fabrikation eingestellt haben. In erster Linie geschah dies nicht nur wegen zusammenbrechender Lieferketten. Es ging der Regierung darum, die Konzentration von Menschen auf kleinem Raum zu vermeiden. Viele Großbetriebe haben die Anweisung bekommen: wenn ihr jetzt dicht macht und eure Leute ihre Überstunden abbauen, dürft ihr später Kurzarbeit anmelden. Aus genau diesem Grund musste mein Mann drei Wochen daheim bleiben. Der Gedanke ist sehr vernünftig. Ich meine, allein in seinem Betrieb arbeiten ca. 3000 Menschen, da sind Ansteckungen vorprogrammiert. Aber bitte, warum wird das nicht offen kommuniziert? Warum bekamen das die Leute nur mit, weil sich der Chef verplappert hat?

Auf der anderen Seite steht das Handwerk, für das kaum Beschränkungen bestehen. Im Gegenteil die Betriebe wurden explizit dazu aufgefordert, die Baustellen zu besetzten. Nicht dass ich das nicht gut finde. So verdient mein Chef wenigstens Geld und ich habe zu tun. Aber meine Kollegen sind seit Wochen überall draußen unterwegs, riskieren ihre Gesundheit, um die Baustellen am Laufen zu halten. Was nicht einfach ist, wenn bei den Großhändlern Kurzarbeit angesagt ist. Ich verstehe nicht, warum man eine Branche gewähren und andere den Bach runtergehen lässt.

Was die Alten und Kranken angeht. Ich habe niemals gesagt: »Lasst sie sterben!«. Und das hat der Grünenpolitiker Palmer auch nicht, wenn man das ganze Interview gelesen hat und nicht nur seinen Ausspruch. Der, das muss man zugeben, nicht nur unglücklich war, sondern auch aus dem Zusammenhang gerissen. Allerdings stimme ich ihm nicht zu, wenn er fordert, wir müssen die Alten isolieren. Die sind schon isoliert, auch ohne Corona-Virus. Wichtig ist, dass wir sensibel mit dem Thema umgehen sollten und die Würde des Menschen nicht nur daran festsetzen, ob man ihm vor dem Tod bewahrt.

Ich war in meinem Leben oft genug in Alten- und Pflegeheimen, zuerst bei meiner Großmutter, später bei meiner Tante und in letzter Zeit häufiger bei einer Bekannten meiner Eltern. Solche Einrichtungen sind im besten Fall Krankenhäuser meist aber Aufbewahrungsanstalten. Menschen die dort einziehen, müssen dort in dem Bewusstsein leben, nur noch tot wieder rauszukommen. Während der letzten Wochen sind diese Häuser zu Gefängnissen geworden. Alte Menschen werden dort in Einzelhaft gehalten und wurden noch nicht mal danach gefragt, ob sie das auch wollen. Ich verweise hier gern mal auf ein Interview mit einer alten Dame in einem Pflegeheim in Berlin. Es ist schön, wenn wir es uns als Gesellschaft leisten können, Menschenleben um jeden Preis zu retten. Dagegen spricht auch nichts. Aber wir sollte die Menschen, die wir retten wollen, wenigstens danach fragen, ob sie das auch wollen. Genauso, wie wir in den Krankenhäusern mehr Augenmerk auf Patientenverfügungen legen sollten. Nicht jeder will mit allen Mitteln am Leben erhalten werden, weil es oftmals kein Leben mehr ist. Dazu verweise ich auf ein Interview mit einem Intensivmediziner.

Ich hoffe, ich konnte einige Standpunkte klar machen, und darstellen das ich kein Monster bin, weil ich nicht alles richtig finde, was gerade geschieht. Denn ich erlebe immer häufiger, dass, wenn man der Regierungsmeinung widerspricht, man von vielen zum Buhmann gemacht wird, vor allem in Netz. Ich hatte das Privileg nach der Wende eine humanistische Ausbildung zu genießen. Dort wurde mir unteranderem auch beigebracht, dass die Meinung anderer und weiche sie noch so sehr von der eigenen ab, gehört und toleriert werden muss. Diesen Grundsatz vermisse ich in den Diskussionen der letzten Jahre immer mehr.

Was zählt mehr …

Ich wollte diesen Text eigentlich als Antwort auf die Kommentare zu meinem gestrigen Blogeintrag verfassen. Ich poste das jetzt aber als eigenen Beitrag, einfach weil mir das wichtig ist. Ich füge noch hinzu: Es handelt sich um meine persönliche Meinung. Das mag jeder interpretieren, wie er mag.

Was in den Kommentaren steht, mag stimmen. Ja, wir wissen viel zu wenig über diesen Virus und das worauf wir uns derzeit stützen sind Simulationen, die von bestimmten Voraussetzungen ausgehen. Doch wer sagt uns, dass diese Voraussetzungen richtig sind? Niemand. Zahlen, es geht nur noch um Zahlen und kaum einer hinterfragt die Modelle, die diese Zahlen hervorbringen. Die Anfang März vorhergesagten Zahlen sind in Deutschland zum Glück nicht so eingetroffen. Der Kollaps des Gesundheitssystem ist ausgeblieben. Das mag zum Teil an den getroffenen Maßnahmen gelegen haben oder auch nicht. Beweisen lässt sich das jetzt nicht mehr. Inzwischen sollten wir aber von den absoluten Zahlen weggehen und mehr auf die Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen blicken und diese neu bewerten.

Das Problem momentan ist, dass die Politik ausschließlich auf ein paar Virologen hört. Die Lage sollte aber gesamtgesellschaftlich gesehen werden. Da spielen ganz viele Faktoren eine Rolle, nicht nur epidemische. Stimmen von Psychologen, Sozialwissenschaftlern, Juristen, Wirtschaftlern und Pädagogen sollten ebenfalls gehört und ihre Ratschläge beachtet werden. Das findet jedoch im Moment nicht statt. Es wird nur reagiert, aber nicht mehr diskutiert oder hinterfragt. Jeder übertrumpft sich mit noch schlimmeren Maßnahmen. Das ist nicht gut, weil so auf lange Sicht das Vertrauen in die Regierung verloren gehen wird. (Mein Vertrauen haben sie übrigens schon verspielt.)

Wir bringen uns in eine Lage, aus der wir vielleicht nie wieder rauskommen. Wir setzen unser parlamentarisches System außer Kraft und opfern unsere und die politische und wirtschaftliche Zukunft unserer Kinder. Wir schaffen Präzedenzfälle mit denen später von einem Tag auf den anderen unsere Rechte beschnitten werden können. Die AfD lacht sich doch jetzt schon ins Fäustchen. Unsere Regierung macht ihnen gerade vor, wie leicht man eine Demokratie in eine Diktatur verwandeln kann, bei der die Bevölkerung auch noch begeistert mitmacht. Ich befürchte, dass die Rechten in Deutschland als Sieger aus der Krise hervorgehen werden.

Ich weiß jetzt, wie sich die Menschen in Deutschland 1933 gefühlt haben müssen. Menschen, die Hitlers Machenschaften und den kommenden Krieg vorhergesehen haben. Diese Ohnmacht, zusehen zu müssen, wie die Demokratie zu Grabe getragen wird und zu erleben, wie Freunde und Bekannte dabei auch noch Beifall spenden und mit Enthusiasmus an diesem Strang mitziehen, ängstig mich zutiefst. Ich habe keine Angst vor dem Virus. Ich habe Angst vor dem, was uns in seinem Namen angetan wird.

Ich empfehle dazu das Interview mit Markus Gabriel, einem Philosophie-Professor aus Bonn. Er hat die Situation kritisch analysiert und bringt viele Beispiele, die zeigen, dass wegen den Maßnahmen an anderer Stelle Menschenleben geopfert werden. Seinen Worten ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

www.n-tv.de/politik/Wir-machen-gesamtgesellschaftliche-Triage

Sicher müssen wir die Pandemie ernst nehmen, aber wir sollten es mit Augenmaß tun und nicht blind nur einer einzigen Gruppe an Wissenschaftlern vertrauen. Wenn sich sogar Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble so ähnlich äußert, kann der Gedanke nicht so falsch sein. Ich mochte Schäuble als Politiker zwar nie, aber in dieser Hinsicht sagt er etwas richtiges: »Wir dürfen dem Schutz des Lebens nicht alles unterordnen.«

tagesspiegel.de/politik/bundestagspraesident-zur-corona-krise-schaeuble-will-dem-schutz-des-lebens-nicht-alles-unterordnen/

Momentan gefährden wir nämlich das Leben von vielen, für das Leben weniger. Die Auswirkungen sind nämlich für uns genauso wenig vorstellbar, wie die Logarithmen hinter den Ausbreitungszahlen.