Umzug abgeschlossen

Alt und neu

Zwei Tage hat er gedauert, der Umzug vom alten auf den neuen Computer. So ganz problemlos funktionierte es nicht, aber größere Unwägbarkeiten blieben zum Glück aus.

Seit November hatten wir den Umzug vor uns hergeschoben, denn so eine Hardware-Umstellung ist nicht ohne. Außerdem war ich mitten in der Zusammenstellung der SOL 97, da wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen. Nicht dass sich das Heft wegen mir verzögert.

Nun ist die Migration geglückt. Der neue iMac läuft. Der Alte ersetzt in Zukunft meinen uralten Windows PC. Da ist noch Windows 7 drauf, das bekanntlich ab diesem Monat nicht mehr aktualisiert wird. Außerdem ist die Batterie auf dem Motherboard leer und ich muss nach jedem Einschalten die Uhrzeit einstellen.

Der neue Mac ist ein wenig größer. Das war eigentlich nicht so geplant, aber wir konnten dem Angebot vom Media-Markt einfach nicht widerstehen. Da ich seit einem Jahr auf Arbeit zwei Riesenmonitore habe, bin ich inzwischen verwöhnt. Außerdem komme ich langsam in das Alter in dem man eine Lesebrille braucht. Da ist so ein großer Monitor von Vorteil.

Die denkbar ungünstigste Stelle für den Ladestecker

Das einzige, was mir an dem neuen Mac nicht gefällt: Die Maus. Bei der kann man nicht mehr die Batterien tauschen. Sie muss geladen werden. An sich eine gute Idee. Wenn da nicht die Anschlussbuchse an der Unterseite wäre. Soll heißen, wenn die Maus läd, kann man nicht arbeiten. Ich frage mich ja, was die Entwickler geritten hat. Wahrscheinlich funktioniert das nach dem Prinzip, »Funktion folgt Design« und nicht umgedreht, wie es sein sollte.

Zwischen Friedensbewegung und Punk

Das Bild ist zwar von 1994, aber 1989 sah ich auch schon so ähnlich aus.

Eine Dokumentation über die Jugend der Generation X.

Seit ein paar Jahren bringen die öffentlich-rechtlichen Sender Dokumentationen über die 70er, 80er und 90er Jahre. Dabei ist gerade um die 80er ist ein regelrechter Hype ausgebrochen. Auf Bayern 1 laufen den ganzen Tag über Songs aus den 80ern. In der vergangenen Woche gab es auf dem WDR eine neue Sendung. Unter dem Titel »Jung in den 80ern« kommen Prominente und Zeitzeugen aus dem Ruhrpott zu Wort. Es wird reflektiert über die Jugend, über Mode, Frisuren, Musik und was die Menschen damals bewegte. Vieles davon habe ich selbst erlebt, auch wenn ich auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs aufgewachsen bin. Dennoch, wir haben die gleiche Musik gehört, die gleichen Bands angeschmachtet und ähnliche Klamotten getragen. Vieles war bei uns selbstgeschneidert, aber mindestens genauso verrückt. Ich gestehe, auch ich hatte damals eine Dauerwelle.

Ich finde so ein bisschen Nostalgie schön. Sehe aber die Zeit inzwischen mit anderen Augen. Denn damals war politisch nicht alles so friedlich wie viele Deutsche es in Erinnerung haben. RAF, Atomdemonstrationen und Friedensbewegung dazu AIDS, saurer Regen und Waldsterben. Daran erkennt man, wie sehr sich die Zeiten geändert haben, oder auch nicht. Auch heute gehen wieder junge Menschen auf die Straße, wenn auch aus anderem Anlass. Mit einem Unterschied. Die Jugend von damals war irgendwie mutiger und erwachsener, freiheitsliebender und rebellischer. Damals zog man mit 18 daheim aus, um möglichst schnell auf eigenen Beinen zu stehen. Heute bleiben die Tweens so lange wie möglich daheim wohnen. (Gut, man muss es sich heute auch erstmal leisten können.) Damals wurde man von den Klassenkameraden und Freunden schief angesehen, wenn man weiter bei Mama und Papa wohnte.

Die 80ern waren die Geburtsstunde der Subkulturen. Popper, Punks, Skins, Gruftis – es gab einen bunten Strauß solcher Gruppierungen auf den Straßen und Plätzen. Heute sind sie nicht mehr so auffällig. Was die Punks angeht, gibt es in der Reportage ein besonderen Auftritt. Dort ist nämlich Karl Nagel zu sehen. Der ehemalige Kanzlerkandidat der APPD, Verleger, Buchautor und Perry-Fan kehrt zurück in seine Heimatstadt Wuppertal und erinnert sich, wie und warum er zum Punk wurde und wie er diese Lebenseinstellung bis heute lebt.

Zu Wort kommt auch der ehemalige Chefredakteur der Bravo, der von seinen Begegnungen mit den Stars und Sternchen der 80er erzählt. Angefangen von Michael Jackson bis zu Madonna, von NENA bis zu Modern Talking. Wenn ich an die BRAVO denke, kommen Erinnerungen hoch, da muss ich glatt mal einen eigenen Beitrag darüber schreiben.

Wer nochmal in die damalige Zeit eintauchen möchte: bis Mittwoch ist der Clip »Jung in den 80ern« in der WDR-Mediathek zu sehen.

Frohes Neues 2020!

2020!

Die Zukunft hat begonnen.

Eigentlich sind wir schon mittendrin. Leider ist es keine Utopie wie in Star Trek, aber vielleicht schafft es die Menschheit doch noch das Ruder herumzureißen.

Ich wünsche meinen Lesern ein Jahr voller Freude und Zufriedenheit, voll Gesundheit und Glück und dass wir alle am Ende des Jahres mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen können.

Schlittschuhe zu Weihnachten

Es ist Anfang Dezember 2019. Stauend stehe ich auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt neben der Eisfläche. Wie schon in den vergangenen Jahren, haben die Händler und die Stadt zusammengelegt und eine Eisfläche neben dem Weihnachtsmarkt aufbauen lassen. Es ist voll. Die Kinder jagen über das Eis. Die ganz Kleinen halten sich an den Eltern oder an großen Plastikpinguinen fest und jauchzen vor Freude. Musik dröhnt aus den Lautsprechern und die Erwachsenen stehen an den Glühweinständen ringsum und sehen dem Spektakel zu.

Ich seufze und sage zu meinem Mann: »Wenn es eine solche Eisbahn in meiner Kindheit gegeben hätte, meine Eltern hätte mich nicht mehr von hier fortgebracht. Wahrscheinlich hätten sie mich ›loseisen‹ müssen.« Ich lache über das Wortspiel und denke zurück.

Anfang der Achtziger Jahre: Jedes Jahr malte ich einen Wunschzettel und klebte ihn ins Wohnzimmerfenster und jedes Jahr waren darauf ein paar Schlittschuhe zu sehen. Weiße Stiefel mit Kufen dran, wie sie die Eiskunstläuferinnen trugen, die ich so bewunderte. Jedes Weihnachten habe ich mir solche Schuhe gewünscht und war enttäuscht, als ich sie nicht bekommen habe. Nicht das meine Mutter als ehemalige Chefin des ansässigen Sportartikelgeschäfts keine bekommen hätte. Es gab einfach keine Möglichkeit in der Gegend zum Eislaufen. Da hätte man in die Bezirksstädte fahren müssen, vielleicht nach Erfurt oder Gera oder gleich nach Berlin, wo es Eislaufhallen gab. Bei uns in der Gegend war es zu mild und die Saale fror seit dem Bau der Talsperren nicht mehr zu. In ganz kalten Jahren froren zwar die Talsperren zu, aber dort ist es viel zu gefährlich zum Eislaufen. Es fehlte schlicht die Möglichkeit, die Schlittschuhe zu benutzen.

In einem besonders kalten Winter – vielleicht war es im Jahr 1979, in dem die ganze Republik bibberte und es teilweise zu Stromausfällen kam – legte mein Vater im Hof eine Eisbahn an. Mit einem Wasserschlauch bespritzte er die drei mal drei Meter große Betonfläche, die sich daraufhin in glattes Eis verwandelte. Dort konnte ich nach Herzenslust zunächst mit Gleitschuhen und später mit den Schlittschuhen meines Vaters herumtollen. Diese Schlittschuhe waren keine Schuhe im eigentlichen Sinn, sondern nur Kufen, die man sich an die Stiefel klemmen konnte. Viel Halt hatte man damit nicht und in den meisten Fällen lösten sich anschließend die Absätze vom Schuh. Nicht für umsonst hießen die Dinger »Absatzreißer«. Mir war das egal, ich stelle mir vor, übers Eis zu schweben wie die Sportler im Fernsehen.

Erst 1995 erfüllte sich mein Traum. Kurz vor Weihnachten kaufte ich mir Schlittschuhe, weiße Lederschuhe mit Kufen, wie ich sie immer haben wollte. Es war mein erster Winter an der TU in Ilmenau. Zusammen mit ein paar Kommilitonen fuhr ich ein paar Mal nach Erfurt in die Eishalle. Leider war die Fahrerei dorthin langwierig (es gab die A71 noch nicht) und somit das Bedürfnis zum Eislaufen weder bei den anderen noch bei mir groß ausgeprägt. Denn inzwischen hatte ich gemerkt, dass Eislaufen keineswegs so leicht ist, wie es aussieht.

Dennoch nahm ich die Schlittschuhe sogar mit nach New York. Dort wollte ich vor dem großen Weihnachtsbaum am Rockefeller Center mit meinen eigenen Schlittschuhen aufs Eis. Nun ja, ich war dort, aber nicht auf dem Eis, weil die Fläche winzig ist. Dafür ging ich ein oder zwei Mal mit unserem spanischen Praktikanten zum Wollman Rink in den Central Park. Wo ich mit Ernüchterung feststellen musste, dass ein Spanier, der noch nie auf Schlittschuhen gestanden hatte, besser Eislaufen konnte als ich.

Seit dem liegen die Schlittschuhe im Schrank. Ilmenau erhielt just dann eine Eishalle, als ich mein Studium beendet hatte. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die A71 nach Erfurt eingeweiht. Und in meiner Heimatstadt kann man seit ein paar Jahren auf dem Marktplatz im Winter eislaufen. Seufz! Ein bisschen zu spät für mich, denn jetzt bin ich einfach zu ängstlich dafür.

Sommerbrise im Dezember

Die ganze Woche haben wir schon Föhn. Bei uns in der Nähe des Sees ist das mal mehr oder mal weniger stark ausgeprägt. Meistens bricht der Föhn schon am letzten Berg vor dem See zusammen oder zieht über uns hinweg. Die kalte Luft bleibt dann unten und man merkt vom Föhn kaum etwas.

Die letzten Tage aber waren anders. Am Dienstagabend gingen wir spazieren. Es fühlte sich an, wie an einem Abend auf den Kanaren. Der Wind blies laue Luft vor sich her. Hin und wieder streiften uns besonders warme Schwaden. Der Mond schien durch die Wolken und es roch nach Frühling. Es fühlte sich definitiv nicht nach Dezember an.

Am Donnerstag war es dann nur noch acht Grad. Heute aber drehte der Föhn nochmal richtig auf. Wir waren am Nachmittag einkaufen. Es war fast unerträglich warm. Ich spazierte mit offener Jacke herum, mein Mann hatte extra die Sommerschuhe wieder aus den Schrank geholt. Ich trug Stiefel und bereute das schon nach wenigen Metern. Als wir nach einer Stunde wieder heim kamen, war ich regelrecht verschwitzt. Von den permanenten Kopfschmerzen die mich seit zwei Tagen plagen, wage ich gar nicht zu reden.

Es kann mir keiner erzählen, dass das normal ist. Klar, gab es schon früher mal wärmere Tage im Dezember. Aber in der Häufung wie in den vergangenen Jahren habe ich das nicht in Erinnerung. Ich fürchte jedoch, wir müssen uns daran gewöhnen, ebenso an die fehlenden Niederschläge. Es ist schon wieder alles total trocken.

Der Albtraum eines Planers

Quelle: skyscrapercenter.com

Als Systemplanerin beschäftige ich mich jeden Tag mit der technischen Ausstattung von Häusern. Inzwischen weiß ich nicht nur, wie man Kabelschächte optimal positioniert und wie groß sie sein müssen, sondern auch wie Wasser- und Abwasser-Leitungen zu handhaben sind. Es gibt da eine Menge zu beachten und durch die jährlich neu herauskommenden Regelungen, ändert sich das auch ständig. Dennoch unterliegt so eine Wasser-Abwasser-Versorgung der Physik. Eine Tatsache, die manche Architekten und viele Bauherren nicht so richtig auf dem Schirm haben.

Diese Woche habe ich ein Filmchen zu einem Wohnhauskomplex in Singapur gesehen. Das Video von »The Interlace«, wie der Komplex heißt, ging viral durch alle Netzwerke. Der Gebäudekomplex sieht aus, als habe ein besoffener Architekt mit Legosteinen »Jenga« gespielt, dies Bauklötzchen-Spiel, bei dem man aus einem Turm mit Bauklötzen abwechselnd einen Stein rausziehen muss. Das Ergebnis sieht aus, wie eine gestapelte Plattenbausiedlung. Gebaut wurde von 2007 bis 2013. 2015 gewann der Komplex den Preis »World Building of the Year«.

Die mehr als 1000 Wohnungen in den 31 Blöcken haben eine Größe von 75 bis zu 585 Quadratmeter. Die Penthouses in den oberen Etagen sind mit Swimmingpools ausgestattet. Bemerkenswert ist die technische Machbarkeit eines solchen Projekts. Die Elektroinstallationen sind, obwohl enorm umfangreich, dabei fast schon zu vernachlässigen. Ich versuche mir seit Tagen vorzustellen, wie die Versorgungsleitungen angeordnet sein müssen, damit das Wasser abfließen kann und die Räume ausreichend belüftet werden.

Quelle: skyscrapercenter.com

Außerdem, wie sind die Aufzüge angeordnet? Denn die gehen ja von unten nach oben durch bis zu vier Blöcke hindurch, die in unterschiedlichen Winkeln angeordnet sind. Das heißt, die Türen müssten ein mal gerade und einmal in einem anderen Winkel aufgehen. Ich vermute, dass die Treppenhäuser außen angeordnet sind, weil es anders fast nicht möglich ist.

Wenn in den Wohnungen alles reibungslos funktionieren soll, ist die Planung eines solchen Bauwerks eine Meisterleistung. Da sind die Mehrfamilienhäuser, mit bis zu 15 Wohnungen, die ich auf meinem Desktop habe, Kleinkram dagegen. Jedenfalls würde ich das Ding gern mal in echt und von innen sehen.

Der unsichtbare Wert

Elektromonteur ist ein undankbarer Beruf. Unter den Kollegen kursiert der Spruch, dass man als Elektromonteur mit einem Bein im Grab und mit dem anderen im Gefängnis steht. So ganz verkehrt ist die Aussage nicht. Ein Fehler kann unter Umständen Leben kosten, das eigene oder das von anderen. Schlimm wird es, wenn man sich einerseits an die gültigen Normen und Bestimmungen halten soll, es aber auf der anderen Seite möglichst nichts kosten darf. Diese Diskussionen führe ich regelmäßig mit unseren Kunden.

Ich kann verstehen, wenn die Leute viel Geld für eine neugebaute Eigentumswohnung ausgeben und dann feststellen, dass sie für Sonderwünsche wie LAN-Verkabelung und Deckenspots nochmal viel Geld in die Hand nehmen müssen. Andererseits jedoch geben sie oft viele Euros für Parkett, Fliesen und Sanitär-Ausstattung aus. Da ist es okay, wenn es Geld kostet, aber bei jeder zusätzlichen Steckdose und besonders bei Deckenauslässen für Spots fangen sie an zu diskutieren. Das bringt mich jedes Mal auf die Palme.

Das zu jeder Steckdose, zu jedem Schalter und zu jeder Lampe auch ein entsprechendes Kabel gehört, das diese Kabel aus Kupfer sind und das zu jedem Schaltkreis auch eine Sicherung im Verteilerkasten vorgesehen werden muss, sehen diese Leute nicht. Die Kabel verbergen sich in der Decke und hinter der Wand, und müssen dort von den Monteuren in schwerer Handarbeit eingelegt werden. Dass die Jungs bei Hitze oder strömenden Regen auf den Decken stehen und Leerrohre verziehen müssen, damit die Bewohner später das Licht einschalten können, scheint keiner im Blick zu haben. Es ist den meisten Leuten auch nicht zu vermitteln.

Noch schwerer ist es aber vermittelbar, dass sie sich möglichst frühzeitig festlegen müssen, wo sie eine Lampe, einen Schalter oder eine Steckdose hinhaben möchten. »Das muss ich erst sehen, sonst kann ich mir das gar nicht vorstellen«, höre ich sehr oft. Leider kann man aber nicht erst das Haus bauen und dann die Stromkabel einziehen. Strom funktioniert nun mal über Kabel und die sollten möglichst in die Wände verlegt werden, bevor der Putz kommt. Manche scheinen zu glauben Schalter und Steckdosen funktionieren wie WLAN. Klar es gibt Funkschalter, aber die Leuchte braucht dennoch Strom aus dem Kabel. Der fließt noch nicht drahtlos, zum Glück.

30 Jahre Mauerfall – Kulmbach Teil 2

Gegen halb sieben kamen wir in Kulmbach an. Es war dunkel, die Stadt schlief noch. Wir suchten einen Parkplatz und warteten bis es hell wurde. Dann erkundeten wir die Stadt. Bei der Kulmbacher Stadtsparkasse nahmen wir mit vielen anderen DDR-Bürgern die 100 DM Begrüßungsgeld in Empfang, die damals alle bekamen. Ein Stempel im Ausweis bezeugte, dass wir das Geld erhalten hatten. Anschließend bummelten wir durch die Fußgängerzone und staunten über das Warenangebot in den Geschäften.

Kulmbach ist bekanntlich die heimliche Hauptstadt des Bieres, weil es dort mehrere Brauereien gibt, damals noch mehr als heute. Daher stand vor der Stadthalle ein großer amerikanischer Truck mit dem Auflieger einer der großen Brauereien. Von dem wurde kostenlos Dosenbier und Gläser an die DDR-Bürger verteilt. In der Stadthalle selbst, fand eine Willkommensveranstaltungen statt, bei der es Essen und Trinken gab.

Als wir völlig überwältig und verwirrt hineingingen, wurden wir sehr herzlich von einem grauhaarigen Mann begrüßt. Der fragte, wo wir herkommen und ob wir schon unser Begrüßungsgeld geholt hätten. Er unterhielt sich eine ganze Weile sehr nett mit uns, und stellte sich schließlich als der Oberbürgermeister von Kulmbach vor. Irgendwie haben wir Eindruck bei ihm hinterlassen, denn er erkannte uns jedes Mal wieder, wenn wir uns Jahre später trafen. Wir pflegten bis zu seinem Tod ein sehr herzliches Verhältnis zueinander.

Vielleicht war er es, der uns den Tipp gab, doch unbedingt mal in den »Meisterkauf«, den größten Supermarkt von Kulmbach zu gehen. Man kann die Eindrücke gar nicht beschreiben, die in einem solchen Markt auf uns DDR-Bürger einprasselten. Das viele bunt, die glänzenden Verpackungen gipfelten in einer totalen Reizüberflutung. Ich bin mir sicher, das viel Leute wieder herauskamen, ohne etwas gekauft zu haben.

Ich habe mir eine Milchschnitte gekauft, weil ich die aus dem Werbefernsehen kannte und unbedingt wissen wollte, wie die schmeckt. Die Enttäuschung war groß, der Riegel hatte kaum Ähnlichkeit mit dem aus der Werbung und geschmeckt hat er mir auch nicht.

Gegen Abend fuhren wir wieder zurück. Ich war um eine Jeans, ein paar weiße Turnschuhe und ganz viele Eindrücke reicher. Als ich später im Bett die Augen schloss, sah ich bunte glitzernde Flecken. Es dauerte noch lange bis sich meine Augen davon erholten.

30 Jahre Mauerfall – Kulmbach Teil 1

Weil die Deutsche Bahn mal wieder baut – das ist inzwischen schon begrüßenswert – war ich auf der Rückfahrt von Thüringen auf einer Umleitungsstrecke unterwegs. Das hieß zwar einmal mehr umsteigen, dafür kam ich seit Langem mal wieder durch Kulmbach und Umgebung.

Die Stadt am weißen Main ist für mich in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Nicht nur, dass sie seit den Achtzigern die Partnerstadt von Saalfeld ist, sondern auch weil ich von 1992 an gute drei Jahre in der Nähe gelebt habe.

Meine erste Begegnung mit Kulmbach war gleichzeitig meine erste Fahrt in den »Westen«. An einem Samstag Ende November 1989, ich musste Samstags nun nicht mehr zur Schule, fuhr ich mit meinen Eltern in den »Westen«. Eigentlich gen Süden, denn die Grenze zu Bayern liegt nur wenige Kilometer südlich meiner Heimatstadt.

Wir waren nicht die einzigen. Ich kann mich an eine scheinbar endlose Autoschlange erinnern, die sich in der Dunkelheit auf den schlechten Straßen Richtung Grenze voranschlängelte. Jede Menge Trabbis und Wartburgs waren am frühen Morgen unterwegs. Die Luft war von blauen Abgaswolken geschwängert.

Weil wir nicht wussten, wie weit es bis Kulmbach ist, fuhren wir schon kurz nach fünf Uhr morgens los. Der Autoatlas der DDR endete an der innerdeutschen Grenze, alles was darüberhinaus ging, war eine grau Fläche. So wussten wir weder wie die Straße verlief, noch wie lange wir unterwegs sein würden. Mein Vater, der die Gegend als junger Mann noch kennengelernt hatte, wusste zumindest noch ein paar Ortsnamen, an denen wir uns orientieren konnten.

Als wir die Grenze passierten, musste wir auf DDR-Seite unsere Ausweise zeigen. Die Beamten auf Bundesdeutschen Gebiet winkten uns einfach durch. Das man im »Westen« war, merkte man sofort. Die Straßen waren viel besser. Es gab keine Schlaglöcher und die Begrenzungspfähle leuchteten wie Christbaumkerzen. Sogar die Linien auf der Straße leuchteten im Licht der Scheinwerfer. Das war für mich unfassbar. Man konnte sehen, wohin man fuhr, jede Kurve war schon weit im Voraus zu erkennen. Selbst im trüben Scheinwerferlicht unseres Trabbis.

Das Auffälligste war aber die Beschilderung. Überall standen gut lesbare Wegweiser an der Straße, die Ortschilder leuchteten weit. Man konnte sich eigentlich nicht verfahren. Die Autoschlange dünnte sich allmählich aus, je weiter wir nach Bayern hereinfuhren. Viele blieben in den ersten Ortschaften stehen, andere bogen Richtung Coburg ab. Wir fuhren weiter durch Kronach und weitere Ortschaften, mit Häusern, deren Fassaden weiß und nicht grau waren. Alles sah viel bunter und freundlicher aus.

… Mehr von meinem ersten Besuch in Kulmbach gibt es morgen.