Es geht auch ohne

Das Autodromo Internacional do Algarve

»Ich binne nur Fan von die Ferrari«, hätte ich noch vor zwei Jahren Luigi aus dem Pixarfilm »Cars« zitiert. Inzwischen geht mir die gesamte Formel 1 am Hintern vorbei. Das liegt nicht nur daran, dass die Rennen nicht mehr von RTL ausgestrahlt werden, sondern nur noch im Bezahlfernsehen.

Früher habe ich kein Rennen versäumt, kannte die Fahreraufstellung und die Hintergründe. Fast hätte man mich als Experten bezeichnen können. Ich liebte es am Sonntagnachmittag auf der Couch zu sitzen und dem Start entgegenzufiebern und nach ein paar Runden sanft dahinzudämmern (das Geräusch macht müde). Doch in den letzten Jahren ließ mein Interesse an dem »Sport« immer mehr nach. Es waren immer die gleichen Fahrer bzw. der Gleiche, der gewann. Die Überlegenheit eines Rennstalls sorgte dafür, dass die Rennen langweilig wurden, da halfen auch die ständigen Reglement-Änderungen nicht. Coronabedingt begann letztes Jahr die Saison spät und ich sah, glaube ich, nur ein einziges Rennen und zwar das aus Portugal. Und das auch nur, weil wir in unserem Urlaub an der Algarve an der Rennstrecke vorbeigefahren sind.

In diesem Jahr habe ich noch keine Minute von der Formel 1 gesehen und stelle fest: Es fehlt mir nicht. Ich glaube, dass sich das Format überholt hat. Angesichts von Umweltschutz und Klimakrise ist es einfach nicht mehr zeitgemäß, sinnlos Ressourcen zu verpulvern, für eine Technologie wie den Verbrennungsmotor, der im nächsten Jahrzehnt ohnehin eingestampft werden wird. Es gibt die Formel E, die aber lange nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt. Obwohl sie besser dazu geeignet ist, Praxistest für neue Fahrzeug-Technologien für zu sein.

Es ist so wie mit der Tour de France, die ich Ende der Neunziger bis Ende der Zehnerjahre mit großem Interesse verfolgt habe. Nach den ganzen Doping-Skandalen hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Es wurde auch von den öffentlich-rechtlichen Sendern eine zeitlang nicht mehr ausgestrahlt. Das kann ich gut verstehen, denn es gibt sicher genug Leute, die das damals nicht interessiert hat. Wobei ich bei den Übertragungen eigentlich die Landschaften und die Hintergrundinformationen zu den Ortschaften am besten fand. Man lernte Frankreich auf eine schöne Art und Weise kennen. Das Rennen war da fast zweitrangig.

Vierzehn Jahre

Heute vor vierzehn Jahren traf ich mich zum ersten Mal mit meinem Mann. Das erste Date quasi. Vorangegangen waren wochenlange E-Mail-Wechsel und ein Abend beim Trekdinner in München.

Eigentlich kannten wir uns schon seit 2004, sahen uns fast jeden Monat beim Star Trek-Stammtisch, aber irgendwie kamen wir nie richtig ins Gespräch. Im April 2007 war meine Mutter mit beim Trekdinner. Es war ein sehr warmer Abend, wir saßen draußen im Biergarten und ich saß meinem Mann gegenüber. Wir unterhielten uns über Fanfiction zu »Star Trek: Enterprise« und das ich ein tolle Seite mit englischsprachiger Fanfiction entdeckt hatte. Als ich damals sagte: »Ich schick dir mal den Link.«, hatte ich keine Ahnung, dass daraus eine Beziehung werden sollte, vor allem eine, die so lange anhält.

Am 15. Juni 2007 fuhr ich mit dem Zug zum ersten Mal nach Waging. Es war ein sonniger Freitag und wir verbrachten ein schönes Wochenende, bevor ich am Sonntag nach München zurückfuhr.

Unser Jubiläum werden wir heute Abend mit einem Spaziergang im Kurpark begehen, so wie damals vor vierzehn Jahren.

In der grünen Hölle zuhause

Wie jedes Jahr ist unser Balkon inzwischen zur grünen Hölle mutiert. Neben den unzähligen Tomaten,- Kartoffelpflanzen, Paprika, den Him- und Erdbeeren haben wir in diesem Jahr auch eine Gurke. Die hat sogar schon kleine Früchte dran. Der Weinstock rankt inzwischen über dem Fenster entlang und blüht. Wenn nichts dazwischenkommt, erwarten wir auch da wieder eine reiche Ernte.

Seit letztem Jahr haben wir auch den Tisch und die Stühle auf diesem Balkon, weil es auf dem anderen immer so zieht und ich dort außerdem die Wäscheleinen gespannt habe. Ein bisschen eng ist es ja, aber man sitzt dadurch mitten im Grünen. In den letzten Tagen haben wir immer, wenn es möglich war, draußen gegessen. An der frischen Luft schmeckt das Essen gleich viel besser und es fühlt sich ein bisschen wir Urlaub an. Auf unserer Terrasse die wir zuvor hatten, saßen wir nicht so oft draußen, weil es im Sommer einfach viel zu heiß war. Aber auch da hatten wir immer viel Grün um uns herum.

Design trifft auf Physik – Update

Nach der Besprechung mit den Architekten.

Ein Hamburger und eine Thüringerin versuchen in einer Zoom-Konferenz zwei Tirolern zu erklären, warum das und das nicht geht. Mit einem einzigen Mikrofon an einem Headset und dem nach hinten ausstrahlenden Lautsprecher des Monitors …

Sagen wir mal so: Der Wille nach Verständigung war da, allein es scheiterte am Dialekt und der geringen Lautstärke. Zumindest optisch konnte ich, durch das Teilen meines Bildschirminhalts, die Problematik vermitteln.

Am Frillensee

Wenn man schon dort wohnt, wo andere Urlaub machen, sollte man auch mal dort hingehen, wo sich sonst die Touristen tummeln.

Den Frillensee hatte ich bei einem meiner Streifzüge auf Google Maps entdeckt. Meine Kollegin, die sich dort auskennt meinte, der Erlebnis Wanderweg zum Frillensee wäre ein schöner Spaziergang. Und weil am Samstagvormittag das Wetter noch schön sein sollte, fuhren wir nach Inzell. Der Wanderparkplatz war noch nicht überfüllt, aber es standen schon viele Autos da, die meisten hatten aber einheimische Nummernschilder.

Mit Bergschuhen, Rucksack und Stöcken ausgestattet, gingen wir los. Der Weg zum See war ausgeschildert und sollte etwa eineinhalb Stunden dauern. Hinter dem Forsthaus dann die Ernüchterung. Der Weg war mit einem Flatterband abgesperrt, wegen Baumfällarbeiten. Die jungen Leute vor uns drehten um, wir stiefelten durch die Wiese, weil mein Mann weiter vorn einen anderen Weg entdeckt hatte. Ich hatte zwar das Schild gesehen, aber nicht den Weg. Wir kamen auf einer Forststraße heraus und folgten ihr.

Es war steil, ich kam schnell ins Schwitzen und keuchte bald wie eine Astmakranke. Außerdem bekam ich Kopfschmerzen, wie immer, wenn mein Blutdruck steigt. Die langen Lockdowns waren definitiv nicht gut für meine Fitness gewesen. Doch der Waldweg führte bald auf einen weniger steilen Weg und je länger wir gingen, desto mehr verschwanden die Kopfschmerzen. Am Wegesrand blühte der wilde Rhabarber, was ich so noch nie gesehen habe und das Heidelbeerkraut war voller Blüten.

Nach einer Stunde erreichten wir den See auf knapp tausend Meter Höhe. Es ist sehr idyllisch, man hat einen Steg gebaut, so das man komplett drumherum gehen kann. Es waren ein paar Familien und Wanderer unterwegs, aber es hielt sich in Grenzen. Im flachen Wasser konnte man Fische sehen und Schwärme von Mücken tanzten über dem Steg. Leider schob sich gerade eine Wolke vor die Sonne, als ich fotografieren wollte. So sind die Bilder etwas dunkel geworden.

Nach einer kurzen Rast, spazierten wir um den See und gingen über die Forststraße zurück zum Auto. Inzwischen war es recht warm geworden und meine Knie schmerzten. Ich hätte keinen Schritt weiter gehen wollen. Aber schön war’s. Es gibt in der Gegend weitere Bergseen, denen werden wir demnächst einen Besuch abstatten.

Geschenke zum Geburtstag

Am Pfingstwochenende hatte ich Geburtstag und wir waren auch deshalb zu der Zeit in Saalfeld. Die Feier war ganz familiär ausschließlich mit Geimpften. Neben meinen Eltern wir nur noch meine 90-jährige Tante da. Ich hatte Rhabarber-Torte gebacken und abends hat mein Mann Bratwürste gebraten.

Meine Mutter hat sich die vergangenen Wochen sehr viel Arbeit gemacht, um mein Geburtstagsgeschenk pünktlich fertigzustellen. Bis auf die letzte Minute hat sie daran gearbeitet. Das möchte ich an dieser Stelle würdigen. Die handgestickte Tischdecke liegt jetzt auf unserem Wohnzimmertisch und erfreut uns jeden Abend, wenn wir auf der Couch sitzen.

Mein Vater war dieses Mal für das Schriftliche zuständig, obwohl ihm das nicht so gut liegt. Er hat mir eine schöne Karte gekauft – eine Ehrenurkunde mit einem passenden Spruch – und etwas dazu geschrieben. Das hat mich gleichzeitig verblüfft und gefreut.

Nochmals vielen Dank!

Design trifft auf Physik

Quelle: Mapio.net

Eigentlich wollte ich diesen Text gestern schon schreiben, aber dann hatte ich gestern Abend einen solchen Knoten im Kopf, dass gar nichts mehr ging. Grund dafür ist ein Mehrfamilienhaus, das wenige Schritte von uns entstehen wird und für das ich mit der Durchbruchsplanung beauftragt wurde.

Die Wohnungen sind inzwischen längst verkauft. Bei den Preisen pro Quadratmeter schätze ich mal, dass die Käufer wieder vorwiegend aus der ganzen Republik kommen und keine Einheimischen sein werden. Vermutlich ältere Leute, die ihr Haus verkauft haben und nun in eine Wohnung ziehen, die genausoviel kostet wie anderswo ein Haus oder eine Villa. Das Architekturbüro aus Österreich hat schicke Exposés erstellt, computeranimierte, realistisch aussehende Fotos zeigen moderne Wohnungen.

Quelle: Mapio.net

Das sieht alles wunderbar aus und wäre auch toll, wenn nicht die Physik wäre. Ich habe nämlich nun die schwierige Aufgabe, die Versorgungs- und Entwässerungsleitungen für das Gebäude festzulegen. Da ist es hinderlich, wenn in einem vierstöckigen Gebäude mit Keller, die Bäder und WCs in jeder Wohnung an einer anderen Stelle sind und sich unter und über den Bädern Wohn- oder Schlafräume befinden. Bei denen das Abwasserrohr dann genau durchs Bett verlaufen würde. Außerdem wird gern vergessen, dass Abwasserrohre oben offen sein müssen, damit das Wasser auch ablaufen kann. Sprich, jedes Abwasserrohr muss auf dem Dach in einer Entlüftung enden. Das Abwasserrohr, das vom Erdgeschoss in den Keller führt, muss also auch durch die Obergeschosse und durchs Dach. Wenn die Bäder also nicht übereinander liegen heißt das: ich brauche für jede Wohnung mindestens einen Strang, der sich durch alle Etagen zieht. Wenn Badewanne, Toilette oder Dusche sich auch noch an verschiedenen Seiten des Bads befinden, brauche ich zwei Abwasserrohre. Diese einfach so über den Boden zu verlegen, geht nur bei kurzen Distanzen, weil die Rohre ein Gefälle haben müssen, damit das Wasser nicht stehenbleibt, sondern abläuft. Und dazu reicht der Fußbodenaufbau in den meisten Fällen nicht.

Quelle: Mapio.net

Man sieht, so eine Abwasserplanung ist hochkomplex. Zusätzlich kommen noch die Versorgungsleitungen mit Trinkwasser, Warmwasser sowie Vor- und Rücklauf für die Heizung hinzu. Auch hier gibt es Mindestlängen, die man einhalten muss, zum Beispiel wegen der Trinkwasserhygiene oder der Vorlaufzeiten fürs Warmwasser. Ich habe mir gestern erstmal den ganzen Tag den Kopf zerbrochen, wie man wo lang fahren könnte, um das Haus zu entwässern, ohne den Grundriss der Wohnungen zu ändern. Ich hatte dann zumindest drei von zehn Strängen die einigermaßen von unten bis oben durchgingen, wenn auch mit kleinem Versatz. Beim Rest scheitert es meist an der Entlüftung übers Dach. Sprich, ich komme mitten in der Terrasse bzw. mitten im Wohnzimmer hoch. Oder ich lande im Kellerflur, der als Brandabschnitt gekennzeichnet ist. In diesen darf man nur Rohre oder Leitungen verlegen, die nicht brennbar oder schwer entflammbar sind, bzw. die speziell abgeschottet werden müssen, damit der Brandschutz eingehalten wird. Was extreme Mehrkosten verursacht.

Quelle: Mapio.net

Die Wohnraumlüftung ist auch noch nicht perfekt. Vor allem im Dachgeschoss schaffen wir die vorgegebenen Maße des Herstellers nicht und müssen die Abluftstränge notfalls über den Boden ziehen. Das geht zwar, kostet aber wieder mehr.

Am Montag kommt der Architekt vorbei. Ich bin gespannt, was er sagt. Beim Hausbau ist der Spruch »form follows function« nämlich zwingend. Wasser richtet sich immer nach der Physik und nie nach dem Design.

Klimatisches Hin und Her

Man weiß dieser Tage nicht, was man anziehen soll und muss sich gefühlt zehnmal am Tag umziehen. Entweder man friert oder es ist einem zu warm.

Gestern stand ich vorm Kleiderschrank und suchte nach einem langärmeligen Schlafanzug … Ende Mai, das muss man sich vorstellen. Heute morgen entschied ich mich für ein langärmeliges Shirt. Wir gingen raus und spazierten durchs Dorf für ein paar Erledigungen. Danach schwitzte ich weil die Sonne schien und zog mir daheim ein T-Shirt an, in dem ich kurze Zeit später wieder fror. Ich zog das Langärmelige wieder an und setzte mich auf den Balkon in die Sonne. Da der Wind ging, war es mir bald zu kühl im Rücken und ich zog eine Weste drüber. Als die Sonne heute Nachmittag weg war, kehrte ich frierend ins Wohnzimmer zurück. Wetten, heute Abend brauche ich auf der Couch wieder eine Strickjacke und im Bett meine warmen Wollstrümpfe. Morgen früh ist es mir dann wieder zu warm.

Mein Mann war heute Nachmittag Fahrradfahren und musste umkehren, weil es anfing zu tröpfeln. Zehn Minuten später schien wieder die Sonne. Ich hab ja nichts gegen schlechtes Wetter, aber das was wir seit zwei Monaten haben, ist lästig. Man kann sich nichts vornehmen, weil es so unbeständig ist und man nie weiß, welche Kleidung angesagt ist. Unlängst sind wir aus heiterem Himmel in ein Gewitter gekommen. Da schien die Sonne noch und es hat schon geregnet. Wir waren patschnass.

So ein bisschen Stabilität wäre wünschenswert, nicht nur beim Wetter.

Wechselhafter Maiurlaub

Es ist aufgefallen, dass ich in den vergangenen Wochen nicht so häufig gebloggt habe. Der Grund: Ich habe mir etwas Urlaub gegönnt. Was auch hieß, dass ich meine Finger stillgehalten und weniger geschrieben habe. Mein Mann war drei Wochen zu Hause, ich nur zwei. Viel konnte man nicht unternehmen, zum einen wegen der anhaltenden Pandemielage und zum anderen wegen des Aprilwetters, das keine halbe Stunde lang stabil war. Dennoch will ich mich nicht beschweren, der Regen ist besonders für die Wälder dringend notwendig. Die letzten beiden Jahre waren einfach zu warm und zu trocken, was man erkennt, wenn man auf der A9 Richtung Norden fährt und im Frankenwald die sterbenden Bäume sieht.

Eine Woche waren wir in Saalfeld und haben dort mehr gearbeitet als uns erholt, aber zumindest waren wir an einem schönen Vormittag auf dem Kulm. Das Top-Ausflugsziel in der Region wird derzeit saniert. Aus dem ehemaligen Restaurant wird ein Hotel mit Restaurant und Außenterrasse. Noch stehen die Baumaschinen und durchwühlen die Bergspitze, zum Aussichtsturm kann man aber hinlaufen. Ich hab mich natürlich nicht bis ganz hoch getraut. Bei der steilen Treppe, dem luftigen Stahlträgergerüst und der Höhe, erschien mir das zu gefährlich. Ich weiß nicht, als Kind hat mir das nichts ausgemacht, da war ich immer die erste, die oben war. Dabei gab es damals keine Edelstahl-Fangnetze und der Rost hatte den 1884 erbauten Turm fest im Griff. Der Ausblick ist aber nach wie vor sensationell und mein Mann war so lieb ein paar Fotos zu machen.

Das frische Grün der Blätter und die Rapsfelder leuchteten in der Sonne und man konnte die Stadt und die sie umgebenden Berge in aller Schönheit bewundern. Der Sendemast ist nach wie vor beeindruckend in seiner Größe, obwohl ein Teil der Spitze zurückgebaut wurde. Ich denke, da fahren wir wieder einmal hoch oder besser laufen. Ich möchte einmal von unten bis hinauf wandern.

Hin- und Rückfahrt liefen wieder völlig unkompliziert und angenehm. Mit dem ID3 fährt es sich einfach entspannter, auch wenn EnBw demnächst massiv die Preise an den Ladesäulen anheben wird. Leider gibt es da keine staatliche Regulierung wie beim Ölpreis, die Anbieter dürfen verlangen, was sie wollen. Bei manchen kostet die Kilowattstunde 1,09 Euro, das Dreifache dessen, was man beim Haushaltsstrom zahlen muss. Ich würde es verstehen, wenn die Anbieter den Aufbau der Infrastruktur komplett selbst bezahlen müssten, aber alle Ladestationen, bei denen wir getankt haben, wurden alle staatlich gefördert von unseren Steuergeldern. Da kleben überall die Aufkleber des Verkehrsministeriums drauf. Wenn das so weitergeht, wird das mit der E-Mobilität nichts werden.

Hier noch ein paar Bilder vom Kulm.