Bahnfahren in Corona-Zeiten

Ich hab’s getan. Ich war am Wochenende mit der Deutschen Bahn unterwegs, das erste mal wieder seit dem 13. März. Zwar war ich ein wenig besorgt, vorallem wegen dem Maskenzwang, aber ich musste mal wieder nach Thüringen zu meinen Eltern.

Letztendlich muss ich sagen, dass ich lange nicht so entspannt mit der Bahn gefahren bin, wie jetzt. Der Regionalzug nach München am Freitag viertel vor sechs war sogar nach Rosenheim noch so gut wie leer. Im ICE in Richtung Bremen saßen vielleicht zehn Leute in einem Großraumabteil. Und selbst die Regionalbahn von Nürnberg nach Saalfeld, die sonst bis Erlangen voller Pendler ist … war sehr übersichtlich besetzt. Kaum Leute und ab Bamberg saß ich allein in dem ganzen Wagon. Auf der Rückfahrt hatte ich sogar Polizeischutz. Da stiegen in Saalfeld zwei Polizeibeamte ein. Ich weiß nicht warum: um zu kontrollieren, ob die drei Passagiere an Bord ihre Masken auf hatten? Sie fuhren aber nur bis zur Bayrischen Grenze mit.

Die Maske war weniger lästig, als ich gedacht habe. Sie störte eigentlich nur beim Umsteigen, weil ich in München in wenigen Minuten eine relativ lange Strecke laufen und mich in Nürnberg beim Umsteigen beeilen muss, aber es ging. Ich bin nicht vor lauter Atemnot aus den Schuhen gekippt, nur geschwitzt habe ich. Beim Essen habe ich sie runtergenommen, geht ja sonst gar nicht anders.

Das mit den Fahrkarten hat auch gut geklappt. Meine Fahrkarte hatte ich schon im Februar für das zweite Mai-Wochenende gekauft. Da konnte ich leider nicht fahren, aber die Bahn ist so kulant, dass alle Fahrkarten die vor dem 23. März gekauft wurden (auch mit Zugbindung), bis zum Oktober gültig sind. Die Zugbindung entfällt, man muss bloß das Ticket ausdrucken und mit der BahnCard vorzeigen. Sehr unkompliziert das Ganze.

Das beste war allerdings, dass alle meine Züge pünktlich waren, es keinerlei Störungen gab und man seine Ruhe hatte, weil so wenig Fahrgäste im Zug waren. In der ersten Klasse saßen mehr Leute als in der zweiten Klasse. Der Spruch »genießen Sie die Bahnfahrt in vollen Zügen« stimmt derzeit absolut nicht. Ach ja, so saubere Toiletten hab ich bei der Bahn noch nie gesehen.

Ich denke, ich werde jetzt wieder öfters fahren. Besser als die überfüllten Rast- und Parkplätze an der Autobahn ist das allemal.

Stornierungsversuche

Die Deutsche Bahn hat sich diese Woche mal wieder von ihrer besten Seite gezeigt. Desinformation können sie besonders gut, dass muss man ihnen lassen.

Nach der Absage der Leipziger Buchmesse wollte ich mein Supersparpreis-Ticket von der Bahn stornieren. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man wegen des Coronavirus auch Sparpreis-Tickets stornieren kann, obwohl das normalerweise nicht geht. Die Informationen auf der Bahnseite waren schwer zu finden, aber ich stieß nach längerer Suche dann doch darauf. In der besagten Ankündigung ging es hauptsächlich um Fahrkarten in die vom Coronavirus befallenen Gebiete Italiens. Ganz versteckt fand sich aber auch ein Satz über abgesagte Messen. Man sollte sich wegen der Stornierung an die Reisezentren oder den Servicepoint wenden.

Wir fuhren also nach Traunstein zum Bahnhof, wo mir die Dame am Schalter erklärte, sie könne mein Ticket nicht stornieren, weil ich es online gekauft habe. Sie kann nur Tickets bearbeiten, die am Schalter ausgegeben worden. Ich fragte sie, was ich tun soll. Sie meinte, ich müsse mich einloggen und die Buchungsnummer aufrufen und dort wäre irgendwo ein Button zum stornieren.

Alles klar. Wir fuhren wieder nach Hause, ich loggte mich auf Homepage der Bahn ein und suchte nach meiner Buchung, fand sie aber nicht gleich. Erst nach Eingabe der Auftragsnummer bekam ich die Buchung angezeigt. Doch von einem Button, mit dem ich das Ticket stornieren konnte, fehlte jede Spur. Es stand nur der Satz da, dass SuperSparpreis-Tickets vom Umtausch ausgeschlossen sind. Prima! Ich war erstmal sauer. Ich googelte eine Weile herum und fand Einträge im Forum der Bahn, die belegten, dass es möglich sein musste. Bloß wie, das fand ich nicht heraus.

Notgedrungen rief ich die kostenpflichtige Service-Hotline an. Der junge Mann war dann zumindest so freundlich mir die Vorgehensweise zu erklären. Was er wahrscheinlich schon öfter an diesem Tag getan hat. Ich solle eine E-Mail mit dem Betreff »Coronavirus« an den Fahrkartenservice schreiben. Darin soll ich die Auftragsnummer der Buchung angeben und um welche abgesagte Veranstaltung es sich handelt. Außerdem solle ich eine Bestätigung des Veranstalters beilegen, dass die Veranstaltung auch tatsächlich abgesagt wurde. Auf meinen Einwand, dass der Ausfall der Buchmesse doch von den Medien groß verkündet worden war, meinte er ich solle sicherheitshalber einen Screenshot von der Meldung auf der Homepage der Buchmesse machen und anfügen. Er sagte aber auch, dass die Bearbeitung des Vorgangs zirka vier Wochen in Anspruch nehmen wird.

Ich bin gespannt, ob ich meine 40 Euro wiederbekomme. Zum Glück hatte ich nur die Hinfahrt gebucht, weil ich auf dem Rückweg immer in Thüringen halt mache.

Die Leipziger Messe übrigens, schickte mir zwei Tage nach Absage eine E-Mail, dass mir mein Eintrittsgeld auf dem gleichen Weg zurückerstattet wird, wie ich es bezahlt habe, ohne das ich irgendetwas dafür tun muss. Liebe Deutsche Bahn, so funktioniert guter Service.

Stromlos

»Blackout – Morgen ist es zu spät« von Marc Elsberg

Wer in den deutschen Bestsellerlisten landen will, kommt um eine Veröffentlichung in der »mobil« nicht herum. Die kostenlose Zeitschrift der Deutschen Bahn wird von sehr vielen Menschen gelesen und druckt in jeder Ausgabe eine Leseprobe zu einem neu veröffentlichten Roman ab. So erhielt ich schon des Öfteren Leseanregungen. Unteranderem zu den Bestsellern von Jan Weiler. Bei »Blackout« war es sogar eine kleine gebundenen Leseprobe, die meinem Heft beilag. Und weil ich noch ein ganzes Stück Fahrt vor mir, aber nichts mehr zu lesen hatte, nahm ich mich der Beilage an.

Wow! Schon nach wenigen Sätzen habe ich sie regelrecht verschlungen. Gleich nach meiner Ankunft am Zielbahnhof ging ich in die nächste Bahnhofsbuchhandlung und kaufte mir das Taschenbuch. So spontan bin ich bei Büchern sonst nicht.

Wenige Jahre in der Zukunft. Terroristen haben es auf das europäische Stromnetz abgesehen. Mittels der digitalen Stromzähler destabilisieren sie die Netzfrequenz. Das Unheil beginnt in Italien. Nach und nach brechen in jedem Land Europas die Stromnetze zusammen. Weil sich die Terroristen zudem in die Computer der Kraftwerke eingeklinkt haben, gelingt es den Stromerzeugern nicht, die Netzfrequenz zu stabilisieren und die Stromversorgung wieder herzustellen. Wochenlang ist Europa ohne Strom. Das führt zu Chaos und Anarchie. Die von Computern abhängige Menschheit fällt zurück ins frühe Industriezeitalter. Es kommt zu Aufständen und Plünderungen. Für die Beschaffung an Nahrungsmitteln werden schnell mal die Haustiere der Nachbarn oder die Tiere im Zoo geschlachtet.
In diesem Durcheinander muss der italienische Informatiker Manzano seine Erkenntnisse zu den Ursachen des Stromausfalls zu Europol nach Den Haag bringen. Das ist jedoch ein einem Europa, in dem die Infrastruktur zusammengebrochen ist, keine leichte Aufgabe.

Ich hatte zuerst einen charakterbezogenen Thriller im Stile von Ken Follett erwartet. Doch »Blackout« kein richtiger Thriller. Ein Großteil des Romans enthält technische Erklärungen zum europäischen Stromnetz. Das war für mich als Elektroingenieurin ein gefundenes Fressen. Ich hatte die Grundlagen an der Uni gehört. Die Möglichkeiten der Manipulation der Netze, die der Autor hier auslotete, fesselten mich. Die technischen Vorgänge sind bis auf wenige Ausnahmen gut recherchiert.

Die Spannung in »Blackout« entsteht nicht durch die handelnden Figuren, sondern vielmehr durch das Wie und Warum. Die Charaktere empfand ich meist blass, was durch die Fülle der handelnden Personen nicht anders möglich ist. Dafür waren die Hintergründe gut geschildert.

Die vielen Erzählstränge werden zwar konsequent zu Ende geführt, manches aber hätte ich gern ausführlicher gehabt. Zum Beispiel: Wie und mit welchen Mitteln die Kraftwerksbetreiber versuchen, den Fehler zu finden, bzw. im Falle des Atomkraftwerks, den Gau abzuwenden.

Besonders beunruhigend sind die geschilderten Auswirkungen auf die Bevölkerung. Das war realitätsnah, obwohl mir der Zeitraum ein wenig zu kurz erscheint. Mein Mann und ich haben meist für ein bis zwei Wochen Lebensmittel im Haus und müssen einmal im Monat tanken. Das bereits nach zehn Tagen eine Hungersnot ausbricht, so dass Katzen gefangen und Elefanten verspeist werden, halte ich für übertrieben.

Eine Personengruppe auf die in diesem Roman leider nicht eingegangen wird, sind all die Smartphone- und Internetjunkies. Die Leute, für die kein Leben mehr ohne Facebook und Co möglich ist. Ich hätte zu gern gelesen, wie sie die, mit Notstromaggregaten versorgten, öffentlichen Gebäude wegen des W-Lan stürmen. Dabei sei zu bedenken, dass wahrscheinlich alle deutschen Internetseiten inklusive der auf deutschen Servern lagernden Adressen, seit den ersten Stunden des Stromausfalls offline sein müssten.

Innerhalb von drei Tagen hatte ich die 800 Seiten des Romans durchgelesen – ein neuer Rekord. Mein Mann hat es noch schneller geschafft. Danach sind wir losgezogen und haben haltbare Lebensmittel, einen Campingkocher und andere überlebenswichtige Dinge gekauft. Auf das wir von einem längeren Stromausfall verschont bleiben werden.

30 Jahre Mauerfall – Kulmbach Teil 1

Weil die Deutsche Bahn mal wieder baut – das ist inzwischen schon begrüßenswert – war ich auf der Rückfahrt von Thüringen auf einer Umleitungsstrecke unterwegs. Das hieß zwar einmal mehr umsteigen, dafür kam ich seit Langem mal wieder durch Kulmbach und Umgebung.

Die Stadt am weißen Main ist für mich in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Nicht nur, dass sie seit den Achtzigern die Partnerstadt von Saalfeld ist, sondern auch weil ich von 1992 an gute drei Jahre in der Nähe gelebt habe.

Meine erste Begegnung mit Kulmbach war gleichzeitig meine erste Fahrt in den »Westen«. An einem Samstag Ende November 1989, ich musste Samstags nun nicht mehr zur Schule, fuhr ich mit meinen Eltern in den »Westen«. Eigentlich gen Süden, denn die Grenze zu Bayern liegt nur wenige Kilometer südlich meiner Heimatstadt.

Wir waren nicht die einzigen. Ich kann mich an eine scheinbar endlose Autoschlange erinnern, die sich in der Dunkelheit auf den schlechten Straßen Richtung Grenze voranschlängelte. Jede Menge Trabbis und Wartburgs waren am frühen Morgen unterwegs. Die Luft war von blauen Abgaswolken geschwängert.

Weil wir nicht wussten, wie weit es bis Kulmbach ist, fuhren wir schon kurz nach fünf Uhr morgens los. Der Autoatlas der DDR endete an der innerdeutschen Grenze, alles was darüberhinaus ging, war eine grau Fläche. So wussten wir weder wie die Straße verlief, noch wie lange wir unterwegs sein würden. Mein Vater, der die Gegend als junger Mann noch kennengelernt hatte, wusste zumindest noch ein paar Ortsnamen, an denen wir uns orientieren konnten.

Als wir die Grenze passierten, musste wir auf DDR-Seite unsere Ausweise zeigen. Die Beamten auf Bundesdeutschen Gebiet winkten uns einfach durch. Das man im »Westen« war, merkte man sofort. Die Straßen waren viel besser. Es gab keine Schlaglöcher und die Begrenzungspfähle leuchteten wie Christbaumkerzen. Sogar die Linien auf der Straße leuchteten im Licht der Scheinwerfer. Das war für mich unfassbar. Man konnte sehen, wohin man fuhr, jede Kurve war schon weit im Voraus zu erkennen. Selbst im trüben Scheinwerferlicht unseres Trabbis.

Das Auffälligste war aber die Beschilderung. Überall standen gut lesbare Wegweiser an der Straße, die Ortschilder leuchteten weit. Man konnte sich eigentlich nicht verfahren. Die Autoschlange dünnte sich allmählich aus, je weiter wir nach Bayern hereinfuhren. Viele blieben in den ersten Ortschaften stehen, andere bogen Richtung Coburg ab. Wir fuhren weiter durch Kronach und weitere Ortschaften, mit Häusern, deren Fassaden weiß und nicht grau waren. Alles sah viel bunter und freundlicher aus.

… Mehr von meinem ersten Besuch in Kulmbach gibt es morgen.

»Ich habe Bahn«

In diesem Monat war ich vergleichsweise oft mit dem Zug unterwegs und irgendwie hat mal wieder kaum etwas ohne Probleme und Verspätungen geklappt. Entweder habe ich ein schlechtes Karma, das sich immer dann meldet, wenn ich mit der Bahn fahre, oder es wird wirklich immer schlimmer bei der Bahn.

Auffällig war diesmal die Häufung der verspäteten Bereitstellungen. Das ist mir bei vier Fahrten gleich drei Mal passiert. Meist mit der Konsequenz, dass ich rennen musste, um meine Anschlusszüge zu bekommen. Einmal stand ich mit den anderen Fahrgästen bis fünf Minuten nach der eigentlichen Abfahrt des ICE vor verschlossenen Türen. Es hätte noch gefehlt, der Zug wäre ohne uns abgefahren.

In Frankfurt kam der Zug, mit dem ich fahren wollte, verspätet an, blieb dann noch ewig im Bahnhof stehen und wurde schließlich wegen einer Weichenstörung umgeleitet. Er war aber dann erstaunlicherweise schneller in Aschaffenburg, als im Originalfahrplan vorgesehen. Da frage ich mich doch, auf was die Streckenführung optimiert wird. Auf Schnelligkeit wohl kaum.

Auch der Service ließ zu wünschen übrig, fehlendes Zugpersonal, Fahrkarten, die daraufhin nicht entwertet wurden und mangelnde Durchsagen in den Zügen. Einmal war morgens im Zug die Heizung ausgefallen, bei einstelligen Temperaturen. Der Zugführer meinte wohl, dass, wenn er die Lüftung einschaltet, es allein durch die anwesenden Fahrgäste wärmer würde. So war ich durch die kalte Zugluft trotz Jacke fast zum Eisbrocken erstarrt, als ich nach eineinhalb Stunden wieder ausgestiegen bin.

An einem Tag verbrachte ich knapp zwanzig Minuten im Nürnberger Servicecenter, nur weil ich ein Fahrgastrechte-Formular abgeben wollte. Das dortige Nummern-System – jeder Fahrgast muss eine Nummer ziehen und wird einem Schalter zugewiesen – ist meines Erachtens völlig ineffizient. Die Wartezeiten sind doppelt so lang, weil u. a. Nummern aufgerufen werden, von Fahrgästen, die bereits entnervt gegangen sind, oder denen einfach der Anschlusszug davongefahren wäre, hätten sie noch länger gewartet. Zu beobachten war auch, dass sich die Beamten am Schalter enorm viel Zeit ließen, bevor sie eine neue Nummer aufgerufen haben. Manch einer ging sogar in die Pause, obwohl die Wartehalle voller Leute war. Da wünschte ich mir das amerikanische System mit mäanderförmigen Warteschlangen, in dem jeder, der an der Spitze der Schlange steht, sich zum nächsten freien Schalter begibt.

Das es mit der Bahn nicht nur mir so geht, weiß ich aus Erzählungen von Freunden und Bekannten. So sagte unlängst jemand, nachdem er völlig verschwitzt und verspätet zu einem Termin erschienen war: »Ich habe Bahn« als Äquivalent zu »Ich habe Rücken.“

Es gibt aber auch eine schöne Anekdote zu berichten. Auf der Rückfahrt von Frankfurt hatten wir einen ausgesprochen gut gelaunten und sehr redseligen Zugbegleiter, der mit seinen Ansagen die Leute so trefflich unterhielt, dass sie sich bei ihm bedankten, als er zum Kontrollieren der Fahrscheine vorbeikam. Dabei hatte er für jeden Fahrgast noch eine Extra-Bemerkung parat. Den jungen Damen mir gegenüber erklärte er nach der Kontrolle ihrer Handytickets, er habe jetzt einige ihrer Fotos vom Handy geladen und wolle sie mal durchschauen, was sie denn gestern Abend so getrieben hätten. Der Blick der beiden, die nicht sicher waren, ob er das ernst meinte, war Gold wert. Er verabschiedete sich von ihnen mit dem Hinweis, sie könnten ihre Weihnachtsfotos vom letzten Jahr jetzt löschen, es wäre doch bald wieder Weihnachten. Großartig! Da merkt man, dass es doch noch Menschen bei der Deutschen Bahn gibt, die ihren Beruf lieben.

Mondlandung in Salzburg

Salzburg von oben

Den Feiertag, so dachten wir, besuchen wir endlich die Ausstellung »Fly Me to the Moon« zu 50 Jahre Mondlandung in Salzburg.

Das Wetter passte, es war zwar frisch, aber die Sonne schien hin und wieder. So fuhren wir nach Freilassing, stellten das Auto auf den P+R-Parkplatz, um mit der S-Bahn nach Salzburg hereinzufahren. Dass wir ein halbe Stunden brauchen würden, um am Bahnhof herauszufinden, mit welchem Zug von welchem Bahnsteig wir abfahren müssen, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet. Wir waren übrigens nicht die einzigen, die dort hilflos umhergeirrt sind und Gleis 96 gesucht haben, bzw. die nicht wussten, welcher Zug an der Haltestelle Mülln/Altstadt hält.

Liebe Deutsche Bahn, nehmt euch ein Beispiel an den Österreichern und hängt bitte so einen Fahrplan der S-Bahn auf, wie er an den Haltestellen in Salzburg hängt. Da erkennt man nämlich auf den ersten Blick, mit welchem Zug man fahren kann.

In Salzburg angekommen wanderten wir auf den Mönchsberg. Eine schöner Weg mit einem grandiosen Ausblick auf die Stadt an der Salzach. Die Ausstellung war im Museum der Moderne untergebracht, was mich eigentlich hätte stutzig machen müssen. Denn es entpuppte sich als reine Kunstausstellung. Also keine Raumfahrtoriginale, sondern Gemälde und schräge Kunstinstallationen (eine weiße Plüschrakete oder das Video einer Frau, die wie ein Mann pinkelt). Das meiste hatte nur am Rande mit Raumfahrt oder dem Mond zu tun. In einer Vitrine waren Romane, Schallplatten und Kassetten mit Science Fiction-Inhalten und Spielzeug ausgestellt. Star Trek war mit einer Hörspielkassette vertreten, aber ein PERRY RHODAN-Heft habe ich vergeblich gesucht. Skandal!

Blick über den Dom zur Festung

Der Museumsbesuch war ganz nett, aber nicht das, was wir erwartet hatten. Dafür ist das Museum – ein über mehrere Etagen in den Berg reichender Betonbau – imposant anzusehen. Leider durfte man nicht fotografieren. Wir tranken noch einen sündhaft teuren Cappuccino im Museumscafé »m32«, bei dem man die Aussicht mitbezahlt und spazierten in Richtung Innenstadt. Ich habe die Treppenstufen nicht gezählt, die wir zum Festspielhaus heruntergestiegen sind, aber es waren einige. Hoch möchte ich da nicht unbedingt gehen.

Von oben konnte man bereits die Touristenmassen sehen, die sich in der Altstadt drängten. Viele waren aus Deutschland gekommen, um in Salzburg shoppen zu gehen. Dementsprechend voll war es überall. Wir statteten dem Geburtshaus von Mozart einen Besuch ab. Das eigentlich nur ein normales Stadthaus ist, in dem ein Spar-Supermarkt untergebracht ist. In einer kleinen Bäckerei holten wir uns eine Leberkässemmel und schlenderten anschließend am Salzachufer zurück zur S-Bahn. Inzwischen war die Sonne weg und der Wind hatte aufgefrischt. Es war entsprechend kalt und ich froh, als wir wieder am Auto waren.

Unterwegs entdeckte ich an einem Fenster einen tollen Spruch für Autoren. Den musste ich unbedingt fotografisch festhalten. Ich denke, da steckt viel Wahres drin.

 

Verfrühte Abfahrten und andere Unverschämtheiten im Bahnverkehr

Die Deutsche Bahn hat mich an diesem Wochenende wieder geärgert. Eigentlich sollte ich über die neuen Erfahrungen, dankbar sein, die ich gemacht habe. Aber ich bin einfach nur sauer. Die Verbindungen, die ich nutze, sind ohnehin nicht die attraktivsten. Abweichungen durch Störungen und Baustellen sind daher zusätzlich belastend.

Der Freitag begann mit frühem Aufstehen, da ich den IC kurz nach sechs Uhr nehmen musste und nicht wie sonst den MERIDIAN eine Dreiviertelstunde später. Laut Info war die Strecke zwischen München Ost und München Hbf gesperrt. Da ich keine Lust auf S-Bahn-Lotto am Ostbahnhof hatte, nutzte ich den IC, weil er durchfahren würde, dafür allerdings 45 Minuten länger brauchen sollte. Ich war gespannt, ob der Zug über Holzkirchen umgeleitet werden würde oder über Moosach im Norden von München.

Der Zug nahm die nördliche Strecke vorbei am Kraftwerk und den vielen Güterbahnhöfen. Es ist weniger lang, als über Holzkirchen und wir wären auch wesentlich schneller gewesen, wenn der IC nicht dauernd hätte halten müssen. Zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir für die Umleitung eine Dreiviertelstunde brauchen würden, aber es waren am Ende fast 50 Minuten.

Zum Glück wurde mein Anschluss-ICE in München zu spät bereitgestellt, somit habe ich den geradeso geschafft. Der hatte dann allerdings in Nürnberg keine Einfahrt und so schmolz meine Umsteigezeit von neun Minuten auf vier Minuten zusammen. Wenigstens (oder zufälligerweise) fuhr der ICE am gleichen Bahnsteig ein, an dem der RegionalExpress abfährt und so brauchte ich nur aus- und wieder einsteigen und kam trotz Freitag dem 13. heil und pünktlich an.

Die Rückfahrt hielt dagegen neue Überraschungen parat. Durch diverse Zugüberholungen verspätete sich der RegionalExpress auf der Strecke und es blieben mir in Nürnberg zwei Minuten zum Umsteigen. Da ich nicht die einzige war, hoffte ich, dass das Bahnpersonal Erbarmen hatte. Aber denkste!

Der Zug sollte 13:28 Uhr abfahren. Die Anzeige zeigte 13:27 Uhr, als ich atemlos die Treppe zum Bahnsteig hochrannte. Vorm Zug standen zirka 15 Fahrgäste, die noch mit wollten, doch die Türen waren schon geschlossen. Die Zugbegleiterin sah uns winken und gab dennoch dem Zugführer freie Fahrt, bevor sie selbst einstieg.

So fuhr der ICE 13:27 Uhr eine Minute vor der eigentlichen Abfahrzeit los und ließ eine Meute stinksauerer Fahrgäste zurück, die sich auf die nächstbeste Bahnangestellte stürzten, die ihnen zufällig unter die Augen kam. Dass sie vom Restaurant war, interessierte die meisten nicht, die wollten ihren Frust loswerden.

Ich ging in die Haupthalle zum Reisezentrum, um die Zugbindung für mein Ticket aufheben zu lassen. Es waren so viele Leute da, dass man eine Nummer ziehen musste. Dort wartete ich eine Weile, rief meinen Mann an, dass es wohl später werden würde und entdeckte dann einen provisorischen Schalter neben dem Eingang, an dem man offensichtlich ohne Nummer bedient wurde. Der junge Mann stempelte ohne Kommentar meine Fahrkarte ab und meinte ich solle den ICE 14:07 Uhr nehmen. Auf meinem Hinweis, dass der doch 20 Minuten Verspätung hätte, meinte er, der zweite Teil hätte 15 Minuten, der erste wäre pünktlich.

Ich verstand im wahrsten Sinne nur Bahnhof, ging aber zurück zum Bahnsteig. Im Display wurde der Zug mit der gleichen Nummer zweimal angezeigt. Einmal 14:07 Uhr und einmal 15 Minuten später. Außerdem stimmte die Wagenreihung nicht.

Als dann kurz nach zwei Uhr der Zug angekündigt wurde, hörte ich nochmal genauer hin. »Dieser Zug verkehrt heute mit zwei getrennten Zugteilen.« Ähm, Zugteile bei ICEs sind doch immer getrennt, warum betonte die Sprecherin das? Dann schwante mir, dass die Züge womöglich einzeln fahren. Einer pünktlich und einer 15 Minuten später.

Tatsächlich! Kaum war der ICE wieder losgefahren, sagte der Zugbegleiter durch, dass der zweite Zugteil nicht angekuppelt werden konnte, weil er Verspätung hatte und der erste Zugteil schon mal vorausgefahren ist. – Das war echt mal was Neues! Das hatte ich im Laufe meiner langen Karriere als Zugpassagier noch nicht erlebt.

Der Umstand rette mich jedoch, denn ich hüpfte am Münchner Hbf in die nächste S-Bahn zum Ostbahnhof und erreichte dort gerade noch den MERIDIAN. Ich hätte allerdings keine fünf Minuten später ankommen dürfen. Ortsunkundige Fahrgäste hätten sicher weniger Glück gehabt. Sie hätten erst einmal die S-Bahn finden, und am Ostbahnhof in den richtigen MERIDIAN einsteigen müssen.

Im Übrigen wurde ich in den sechs Stunden, in denen ich mit vier verschiedenen Zügen gefahren bin, nicht ein einziges Mal kontrolliert. Weder in der Regionalbahn, noch im ICE, in der S-Bahn schon gar nicht und ungewöhnlicherweise auch nicht im MERIDIAN ließen sich Zugbegleiter blicken. Das war wahrscheinlich einer der Gründe für das Chaos beim Umsteigen in Nürnberg.

Improvisation im Zugverkehr

Wagenanzeige anno 2019

Man muss sich nur zu helfen wissen, dachte wahrscheinlich der Zugchef des Ersatz-ICE, mit dem ich unlängst unterwegs war. Weil mal wieder die Anzeigen nicht funktionierten, beschriftete er die Fläche mit einem weißen Filzschreiber.

Ich hatte die Fahrkarte schon vor Monaten gebucht. Etwa vier Wochen vor Reiseantritt bekam ich eine E-Mail mit einem Verspätungsalarm. Es hieß, der ICE würde ausfallen, dafür würde ein Ersatz-ICE eingesetzt. Bei dem funktionierten offensichtlich die Anzeigen nicht. Wenigstens lief die Klimaanlage auch bei Außentemperaturen von mehr als 35 Grad Celsius, und er fuhr. Was man von dem ICE 4, der normalerweise auf der Strecke eingesetzt wird, nicht sagen konnte. Die hatten ein Elektronik-Problem und waren allesamt kurzfristig aus dem Verkehr gezogen worden, bis der Hersteller eine Lösung gefunden hatte.

Früher war vieles einfacher, aber es funktionierte. Ich denke da an die Platzkartenhalter in die kleine Papierkärtchen eingeschoben wurden. Wenn heute die Anzeige ausfällt, fallen gleich die Leute übereinander her. Willkommen im Hightech-Zeitalter des Reisens!

Das Kreis-Archiv schließt

In der vergangenen Ausgabe der Fan-Szene habe ich das Kreis-Archiv gefeiert. Am 20.7. ist leider Schluss mit der informativen Internetseite von Johannes Kreis, zu meinem größten Bedauern. Das kommt wahrscheinlich nicht nur für mich völlig unerwartet.

In der Vergangenheit habe ich die umfangreiche Sammlung von Rezensionen oft als Nachschlagewerk genutzt. Nicht nur zur PERRY RHODAN-Serie, sondern auch zu den vielen Romanen und Filmen, die Johannes im Laufe von fast zwanzig Jahren besprochen hat.

Man könnte meinen, dass bei seiner Entscheidung die DSGVO zugrunde gelegen ist, aber nein. Auf Nachfrage erhielt ich von Johannes die Antwort, dass er den Entschluss aus rein persönlichen Gründen traf. Da kann man leider nichts machen. Auch wenn ich es sehr schade finde, dass so viele tolle Inhalte für immer verloren gehen werden, zum Beispiel seine Reiseberichte und seine Artikelreihe »Spaß mit der Deutschen Bahn«.

Die Inhalte zu PERRY RHODAN werden außer seinen persönlichen Kommentaren weiterhin in der Perrypedia zu finden sein, denn Johannes ist einer der Administratoren und hat die Texte dem Wiki der Serie zur Verfügung gestellt.

Also wer jetzt noch ein wenig stöbern möchte, hat noch bis zum 20. Juli Zeit. Allen Fans meiner Bahngeschichten empfehle ich auf jeden Fall die Kommentare von Johannes zum »Spaß mit der Deutschen Bahn«.

http://www.kreis-archiv.de/kommentare/kommentare.html

Tschüss BahnCard 50!

Ich habe es getan. Nach reiflicher Überlegung habe ich diese Woche mein BahnCard 50-Abo gekündigt, nach fast zwanzig Jahren. Wieso?

Es bedeutet nicht, dass ich nicht mehr mit der Bahn fahren werde. So viel wie noch vor zwei Jahren bin ich nicht mehr unterwegs. Die 255 Euro für eine BahnCard 50 wären in meinem Fall rausgeworfenes Geld. Ich werde mich aber weiterhin möglichst ohne Auto durch die Republik bewegen. Grundlage für meine Entscheidung ist nicht nur der Wegfall der ICE-Strecke über Saalfeld. Hauptknackpunkt ist die Umwandlung des Normalpreis zum Flexpreis vor eineinhalb Jahren. Damit hat sich die Bahn einen Bärendienst erwiesen. Denn die angepriesene Flexibilität ist nur vorgetäuscht. Man kann zwar jeden Zug an einem Tag nehmen, aber eben nur an dem Tag für den das Ticket gültig ist. Kommt irgendetwas dazwischen und man muss seine Fahrt verschieben, ist es aus mit der Flexibilität. Ich habe früher immer Normaltickets gekauft, weil wenn ich mal nicht an dem Tag fahren konnte, ich eben einen oder zwei Tage später gefahren bin, manchmal auch eine Woche später. Es gab mir die Sicherheit, immer eine gültige Fahrkarte in der Tasche zu haben.

Doch das ist seit Dezember 2017 vorbei. Selbst mit dem Flexpreis bin ich an einen Tag gebunden und damit an die Züge, die an dem Tag fahren. Außerdem wurde der Preis nochmal um fast fünf Prozent erhöht. Ich zahle also mehr für weniger Service. Da die Verbindungen durch den Wegfall des ICE-Haltes auf meiner bevorzugten Strecke ohnehin nur noch eingeschränkt sind, bin ich sowieso an bestimmte Züge gebunden. Ich muss also genau diese Verbindungen buchen oder keine. Da kann ich auch gleich die Sparangebote nutzen, die meist um mehr als die Hälfte günstiger sind, mit einer BahnCard noch einmal ein paar Euro mehr. Für die vergünstigte Nutzung der Sparangebote reicht auch eine BahnCard 25, die in der Anschaffung mit 62 Euro deutlich weniger kostet, als die BahnCard 50 mit 255 Euro.

Das heißt, ich werde mir im August eine BahnCard 25 zulegen und ab jetzt nur noch mittels Sparangebote reisen, so wie ich das im vergangenen halben Jahr ohnehin schon gemacht habe.

Liebe Verantwortlichen bei der Deutsche Bahn, ich kann nur sagen, dass die Einführung des Flexpreis kein cleverer Schachzug von euch war. Ich möchte nicht wissen, wie viele BahnCard-Besitzer inzwischen ebenfalls darauf kommen sind, dass der Flexpreis reine Makulatur ist. Er dient dazu, die Leute zu verwirren, die sich in dem inzwischen höchst undurchsichtigen Tarifsystem nicht mehr auskennen. Denn merke! Auch Sparpreis ist nicht gleich Sparpreis. Es kommt nicht nur auf die Tageszeit an, an der man fahren möchte. Mal ist es günstiger die Fahrkarte mit der Smartphone-App zu buchen und mal mit dem Computer. Und wenn man zu zweit fahren will, ist es immer günstiger getrennt zu buchen. Solche Intransparenz sollte nicht sein.

Da hilft auch die durchaus witzige Werbung nicht.