Christinas Multiversum

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Verfrühte Abfahrten und andere Unverschämtheiten im Bahnverkehr

Die Deutsche Bahn hat mich an diesem Wochenende wieder geärgert. Eigentlich sollte ich über die neuen Erfahrungen, dankbar sein, die ich gemacht habe. Aber ich bin einfach nur sauer. Die Verbindungen, die ich nutze, sind ohnehin nicht die attraktivsten. Abweichungen durch Störungen und Baustellen sind daher zusätzlich belastend.

Der Freitag begann mit frühem Aufstehen, da ich den IC kurz nach sechs Uhr nehmen musste und nicht wie sonst den MERIDIAN eine Dreiviertelstunde später. Laut Info war die Strecke zwischen München Ost und München Hbf gesperrt. Da ich keine Lust auf S-Bahn-Lotto am Ostbahnhof hatte, nutzte ich den IC, weil er durchfahren würde, dafür allerdings 45 Minuten länger brauchen sollte. Ich war gespannt, ob der Zug über Holzkirchen umgeleitet werden würde oder über Moosach im Norden von München.

Der Zug nahm die nördliche Strecke vorbei am Kraftwerk und den vielen Güterbahnhöfen. Es ist weniger lang, als über Holzkirchen und wir wären auch wesentlich schneller gewesen, wenn der IC nicht dauernd hätte halten müssen. Zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir für die Umleitung eine Dreiviertelstunde brauchen würden, aber es waren am Ende fast 50 Minuten.

Zum Glück wurde mein Anschluss-ICE in München zu spät bereitgestellt, somit habe ich den geradeso geschafft. Der hatte dann allerdings in Nürnberg keine Einfahrt und so schmolz meine Umsteigezeit von neun Minuten auf vier Minuten zusammen. Wenigstens (oder zufälligerweise) fuhr der ICE am gleichen Bahnsteig ein, an dem der RegionalExpress abfährt und so brauchte ich nur aus- und wieder einsteigen und kam trotz Freitag dem 13. heil und pünktlich an.

Die Rückfahrt hielt dagegen neue Überraschungen parat. Durch diverse Zugüberholungen verspätete sich der RegionalExpress auf der Strecke und es blieben mir in Nürnberg zwei Minuten zum Umsteigen. Da ich nicht die einzige war, hoffte ich, dass das Bahnpersonal Erbarmen hatte. Aber denkste!

Der Zug sollte 13:28 Uhr abfahren. Die Anzeige zeigte 13:27 Uhr, als ich atemlos die Treppe zum Bahnsteig hochrannte. Vorm Zug standen zirka 15 Fahrgäste, die noch mit wollten, doch die Türen waren schon geschlossen. Die Zugbegleiterin sah uns winken und gab dennoch dem Zugführer freie Fahrt, bevor sie selbst einstieg.

So fuhr der ICE 13:27 Uhr eine Minute vor der eigentlichen Abfahrzeit los und ließ eine Meute stinksauerer Fahrgäste zurück, die sich auf die nächstbeste Bahnangestellte stürzten, die ihnen zufällig unter die Augen kam. Dass sie vom Restaurant war, interessierte die meisten nicht, die wollten ihren Frust loswerden.

Ich ging in die Haupthalle zum Reisezentrum, um die Zugbindung für mein Ticket aufheben zu lassen. Es waren so viele Leute da, dass man eine Nummer ziehen musste. Dort wartete ich eine Weile, rief meinen Mann an, dass es wohl später werden würde und entdeckte dann einen provisorischen Schalter neben dem Eingang, an dem man offensichtlich ohne Nummer bedient wurde. Der junge Mann stempelte ohne Kommentar meine Fahrkarte ab und meinte ich solle den ICE 14:07 Uhr nehmen. Auf meinem Hinweis, dass der doch 20 Minuten Verspätung hätte, meinte er, der zweite Teil hätte 15 Minuten, der erste wäre pünktlich.

Ich verstand im wahrsten Sinne nur Bahnhof, ging aber zurück zum Bahnsteig. Im Display wurde der Zug mit der gleichen Nummer zweimal angezeigt. Einmal 14:07 Uhr und einmal 15 Minuten später. Außerdem stimmte die Wagenreihung nicht.

Als dann kurz nach zwei Uhr der Zug angekündigt wurde, hörte ich nochmal genauer hin. »Dieser Zug verkehrt heute mit zwei getrennten Zugteilen.« Ähm, Zugteile bei ICEs sind doch immer getrennt, warum betonte die Sprecherin das? Dann schwante mir, dass die Züge womöglich einzeln fahren. Einer pünktlich und einer 15 Minuten später.

Tatsächlich! Kaum war der ICE wieder losgefahren, sagte der Zugbegleiter durch, dass der zweite Zugteil nicht angekuppelt werden konnte, weil er Verspätung hatte und der erste Zugteil schon mal vorausgefahren ist. – Das war echt mal was Neues! Das hatte ich im Laufe meiner langen Karriere als Zugpassagier noch nicht erlebt.

Der Umstand rette mich jedoch, denn ich hüpfte am Münchner Hbf in die nächste S-Bahn zum Ostbahnhof und erreichte dort gerade noch den MERIDIAN. Ich hätte allerdings keine fünf Minuten später ankommen dürfen. Ortsunkundige Fahrgäste hätten sicher weniger Glück gehabt. Sie hätten erst einmal die S-Bahn finden, und am Ostbahnhof in den richtigen MERIDIAN einsteigen müssen.

Im Übrigen wurde ich in den sechs Stunden, in denen ich mit vier verschiedenen Zügen gefahren bin, nicht ein einziges Mal kontrolliert. Weder in der Regionalbahn, noch im ICE, in der S-Bahn schon gar nicht und ungewöhnlicherweise auch nicht im MERIDIAN ließen sich Zugbegleiter blicken. Das war wahrscheinlich einer der Gründe für das Chaos beim Umsteigen in Nürnberg.

Improvisation im Zugverkehr

Wagenanzeige anno 2019

Man muss sich nur zu helfen wissen, dachte wahrscheinlich der Zugchef des Ersatz-ICE, mit dem ich unlängst unterwegs war. Weil mal wieder die Anzeigen nicht funktionierten, beschriftete er die Fläche mit einem weißen Filzschreiber.

Ich hatte die Fahrkarte schon vor Monaten gebucht. Etwa vier Wochen vor Reiseantritt bekam ich eine E-Mail mit einem Verspätungsalarm. Es hieß, der ICE würde ausfallen, dafür würde ein Ersatz-ICE eingesetzt. Bei dem funktionierten offensichtlich die Anzeigen nicht. Wenigstens lief die Klimaanlage auch bei Außentemperaturen von mehr als 35 Grad Celsius, und er fuhr. Was man von dem ICE 4, der normalerweise auf der Strecke eingesetzt wird, nicht sagen konnte. Die hatten ein Elektronik-Problem und waren allesamt kurzfristig aus dem Verkehr gezogen worden, bis der Hersteller eine Lösung gefunden hatte.

Früher war vieles einfacher, aber es funktionierte. Ich denke da an die Platzkartenhalter in die kleine Papierkärtchen eingeschoben wurden. Wenn heute die Anzeige ausfällt, fallen gleich die Leute übereinander her. Willkommen im Hightech-Zeitalter des Reisens!

Das Kreis-Archiv schließt

In der vergangenen Ausgabe der Fan-Szene habe ich das Kreis-Archiv gefeiert. Am 20.7. ist leider Schluss mit der informativen Internetseite von Johannes Kreis, zu meinem größten Bedauern. Das kommt wahrscheinlich nicht nur für mich völlig unerwartet.

In der Vergangenheit habe ich die umfangreiche Sammlung von Rezensionen oft als Nachschlagewerk genutzt. Nicht nur zur PERRY RHODAN-Serie, sondern auch zu den vielen Romanen und Filmen, die Johannes im Laufe von fast zwanzig Jahren besprochen hat.

Man könnte meinen, dass bei seiner Entscheidung die DSGVO zugrunde gelegen ist, aber nein. Auf Nachfrage erhielt ich von Johannes die Antwort, dass er den Entschluss aus rein persönlichen Gründen traf. Da kann man leider nichts machen. Auch wenn ich es sehr schade finde, dass so viele tolle Inhalte für immer verloren gehen werden, zum Beispiel seine Reiseberichte und seine Artikelreihe »Spaß mit der Deutschen Bahn«.

Die Inhalte zu PERRY RHODAN werden außer seinen persönlichen Kommentaren weiterhin in der Perrypedia zu finden sein, denn Johannes ist einer der Administratoren und hat die Texte dem Wiki der Serie zur Verfügung gestellt.

Also wer jetzt noch ein wenig stöbern möchte, hat noch bis zum 20. Juli Zeit. Allen Fans meiner Bahngeschichten empfehle ich auf jeden Fall die Kommentare von Johannes zum »Spaß mit der Deutschen Bahn«.

http://www.kreis-archiv.de/kommentare/kommentare.html

Tschüss BahnCard 50!

Ich habe es getan. Nach reiflicher Überlegung habe ich diese Woche mein BahnCard 50-Abo gekündigt, nach fast zwanzig Jahren. Wieso?

Es bedeutet nicht, dass ich nicht mehr mit der Bahn fahren werde. So viel wie noch vor zwei Jahren bin ich nicht mehr unterwegs. Die 255 Euro für eine BahnCard 50 wären in meinem Fall rausgeworfenes Geld. Ich werde mich aber weiterhin möglichst ohne Auto durch die Republik bewegen. Grundlage für meine Entscheidung ist nicht nur der Wegfall der ICE-Strecke über Saalfeld. Hauptknackpunkt ist die Umwandlung des Normalpreis zum Flexpreis vor eineinhalb Jahren. Damit hat sich die Bahn einen Bärendienst erwiesen. Denn die angepriesene Flexibilität ist nur vorgetäuscht. Man kann zwar jeden Zug an einem Tag nehmen, aber eben nur an dem Tag für den das Ticket gültig ist. Kommt irgendetwas dazwischen und man muss seine Fahrt verschieben, ist es aus mit der Flexibilität. Ich habe früher immer Normaltickets gekauft, weil wenn ich mal nicht an dem Tag fahren konnte, ich eben einen oder zwei Tage später gefahren bin, manchmal auch eine Woche später. Es gab mir die Sicherheit, immer eine gültige Fahrkarte in der Tasche zu haben.

Doch das ist seit Dezember 2017 vorbei. Selbst mit dem Flexpreis bin ich an einen Tag gebunden und damit an die Züge, die an dem Tag fahren. Außerdem wurde der Preis nochmal um fast fünf Prozent erhöht. Ich zahle also mehr für weniger Service. Da die Verbindungen durch den Wegfall des ICE-Haltes auf meiner bevorzugten Strecke ohnehin nur noch eingeschränkt sind, bin ich sowieso an bestimmte Züge gebunden. Ich muss also genau diese Verbindungen buchen oder keine. Da kann ich auch gleich die Sparangebote nutzen, die meist um mehr als die Hälfte günstiger sind, mit einer BahnCard noch einmal ein paar Euro mehr. Für die vergünstigte Nutzung der Sparangebote reicht auch eine BahnCard 25, die in der Anschaffung mit 62 Euro deutlich weniger kostet, als die BahnCard 50 mit 255 Euro.

Das heißt, ich werde mir im August eine BahnCard 25 zulegen und ab jetzt nur noch mittels Sparangebote reisen, so wie ich das im vergangenen halben Jahr ohnehin schon gemacht habe.

Liebe Verantwortlichen bei der Deutsche Bahn, ich kann nur sagen, dass die Einführung des Flexpreis kein cleverer Schachzug von euch war. Ich möchte nicht wissen, wie viele BahnCard-Besitzer inzwischen ebenfalls darauf kommen sind, dass der Flexpreis reine Makulatur ist. Er dient dazu, die Leute zu verwirren, die sich in dem inzwischen höchst undurchsichtigen Tarifsystem nicht mehr auskennen. Denn merke! Auch Sparpreis ist nicht gleich Sparpreis. Es kommt nicht nur auf die Tageszeit an, an der man fahren möchte. Mal ist es günstiger die Fahrkarte mit der Smartphone-App zu buchen und mal mit dem Computer. Und wenn man zu zweit fahren will, ist es immer günstiger getrennt zu buchen. Solche Intransparenz sollte nicht sein.

Da hilft auch die durchaus witzige Werbung nicht.

Bahn aktiv

Für DB Goldkunden

Die vergangenen beiden Wochen war ich viel mit der Deutschen Bahn unterwegs. Es lief nicht immer reibungslos, aber zumindest kam ich mit maximal 10 Minuten Verspätung an. Dafür funktionierte einmal das Bordbistro im ICE 4 nicht. Als Ausgleich gab es Kaffee aus der Thermoskanne (nicht unbedingt eine Geschmackssensation) und Ritter Sport-Schokolade im DB-Look. Heute waren es eine ausgefallene Klimaanlage sowie eine Signal- und eine Türstörung, die für Behinderungen sorgten.

Man bemüht sich jedenfalls bei der Deutschen Bahn. Heute habe ich gleich an zwei Befragungen teilgenommen. Es ging um die Regionalbahn und um den Bahnhof Osnabrück, der leider kein Juwel ist und dringend einer Erneuerung bedarf. Zumindest ist er nicht in einem so schlechten Zustand wie der Traunsteiner Bahnhof noch vor zwei Jahren war.

Allerdings nützt all die Kundenfreundlichkeit nichts, wenn die Verbindungen fehlen und die Umsteigezeiten so knapp bemessen sind, dass man sportliche Höchstleistungen abliefern muss, um seinen Anschlusszug zu bekommen. Wie mir am Freitag mal wieder in München passiert ist.

Wie erwartet ist der IC, der zwischen Leipzig und Karlsruhe auf der Saalebahn unterwegs war, seit dem Fahrplanwechsel aus dem Fahrplan verschwunden. Heimlich still und leise zwar, aber die Argumente kann ich mir denken: »Das Zug-Angebot wurde nicht angenommen.« Klar, wenn man den Zug zu so unmöglichen Zeiten fahren lässt, an denen keiner fährt und den man bei der Online-Buchung nur mit Tricks angezeigt bekommt. Das musste ja so kommen. Manchmal glaube ich wirklich, die Bahnverantwortlichen halten uns Bahnfahrer für blöd. Vielleicht sind wir das auch, wenn wir das alles so protestfrei über uns ergehen lassen.

Langer Confreitag in Osnabrück

Das Con-Hotel

Die Deutsche Bahn brachte uns pünktlich und ohne Probleme nach Osnabrück. Na, ja, ich hatte meinen Mann dabei, der bringt mir bei Bahnreisen meist Glück. Ich genoss es mal wieder lange am Stück in einem Zug zu fahren, ohne nach zwei oder drei Stationen umsteigen zu müssen. Ich schrieb eine Szene für meinen Zeitreise-Roman und schmökerte in einem Buch, in dem es um PERRY RHODAN (zumindest indirekt) und um Pornos geht. Die Mischung ist durchaus skurril und witzig. Ich werde bei Gelegenheit darüber berichten.

Nach der Ankunft in Osnabrück stärkten wir uns in einem Café in der Fußgängerzone. Ein selig lächelnder Chefredakteur eilte an uns vorbei, ohne uns zu bemerken. Ich nahm aber freudig zur Kenntnis, dass Klaus N. Frick tatsächlich sein Versprechen wahr gemacht hatte, den Con in Osnabrück zu besuchen. Wo er doch in der Vergangenheit oft genug hatte verlauten lassen, keinen Perry-Con mehr besuchen zu wollen.

Während sich mein kränkelnder Ehemann im Hotelzimmer etwas hinlegte, ging ich ins Jugendhaus um Hallo zu sagen und bei den Vorbereitungen zu helfen. Vor und im Jugendhaus herrschte reges Treiben. Jugendliche aller Alterstufen tummelten sich dort. Schön zu sehen, dass sich die Jugend doch noch für nicht-virtuelle Aktivitäten von ihren Smartphones und Computer weglocken lässt.

Es hatten sich außerdem schon viele aus dem engeren Kreis der PRFZ versammelt und waren dabei, die Con-Räumlichkeiten zu dekorieren und die Händlertische aufzubauen. Die ausgedruckten Poster mit dem Programm wurden mir aus der Hand genommen und strategisch günstig aufgehängt, während ich mich um den Aufbau des Stands und das Anbringen des großen Banners an der Bühnenfront kümmerte. Im Laufe des Nachmittags kamen weitere Fans vorbei und boten ihre Hilfe an. Vielen Dank an dieser Stelle dafür, denn so waren wir schneller fertig als gedacht und setzten uns bei einem Kaffee im großen Kreis zusammen.

Gegen 18 Uhr wechselten wir ins wenige Meter entfernte Kartoffelhaus. Michael Tinnefeld und Gerhard Huber hatten mich schon im Vorfeld zum Essen eingeladen, als Dankeschön, dass ich ihre FanEdition lektoriert hatte. Nach einem sehr guten und vor allem umfangreichen Abendessen schlenderten mein Mann und ich ins Hotel zurück.

Am späteren Freitagabend traf sich dann die PRFZ-Spitze zu einem Vorgespräch im Biergarten vom Romantik-Hotel Walhalla. Mit von der Partie war Klaus Bollhöfener aus der PR-Redaktion. Wir sprachen über Zukünftiges und über die Verbesserung interner Abläufe. Doch je weiter der Abend voranschritt, desto kälter wurde es. Als ich eingewickelt in zwei Decken und mit einer Tasse Tee immer noch fror, zog ich mich dann doch lieber ins Hotelzimmer zurück. Außerdem war es spät und ich wollte am nächsten Morgen ausgeschlafen sein.

Der Saal im Jugenhaus

Bahn im Wind

Für alle Fans meiner Zugreportagen berichte ich heute mal wieder ausführlich über meine Erlebnisse mit der Deutschen Bahn:

Ich ahnte es, noch bevor ich am Montag in den Zug stieg. Stürmische Böen hatten den Händlern auf dem Markt schon in den Morgenstunden zu schaffen gemacht. Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich mit der Bahn fahren wollte. Aber es musste sein. Vielleicht habe ich ja Glück, dachte ich und auch der Zugbegleiter meinte, als er meine Fahrkarte kontrollierte, das Sturmtief beträfe nur den Norden, im Süden sei das kein Problem. Nun, ja, er sollte sich irren.

Nach knapp einer Dreiviertelstunde Fahrt kam er bei mir vorbei und meinte, dass vor uns die Strecke jetzt doch gesperrt sei, wegen Gegenständen in der Oberleitung. Der Zug würde vorzeitig enden und ich müsse aussteigen. Ich solle auf die Durchsagen am Bahnsteig achten. Prima!

So war meine Reise schon nach knapp 100 Kilometern erst eimal beendet. Ich stand mit zirka zwanzig Leuten am Bahnsteig und wartete. Niemand wusste was, es gab keine Durchsagen, die Navigator-App auf dem Handy streikte, weil kein Netz. Ich überlegte tatsächlich einen Augenblick lang, zurückzufahren. Verwarf diese Idee dann wieder. Der Tag war noch lang und irgendwie käme ich hier schon wieder weg. Es ist erstaunlich, wie abgebrüht man im Laufe der Jahre als Pendler wird.

Irgendwann kam auf dem Gleis gegenüber ein weiterer Zug. Leute stiegen aus, einige der Wartenden stiegen ein, nur um dann wieder auszusteigen, weil der Zug ebenfalls nicht weiterfahren würde. Dafür schickte uns der Zugbegleiter zum Bahnhofsvorplatz, weil von dort ein Ersatzbus fahren sollte. Aha, endlich mal jemand, der wusste was los ist. So eilten alle los. Dumm nur, dass auf dem Platz vorm Bahnhof kein Bus zu sehen war. Ich ging ins Gebäude, um mich am Service Point zu informieren, der jedoch fünf Minuten zuvor geschlossen hatte. Klar, es war Mittag.

Ich wollte gerade wieder nach draußen, da verkündete eine Durchsage, dass die Sperrung wieder aufgehoben sei, und der nächste Zug planmäßig in einer Viertelstunde fahren würde. Ich ging also zurück zum Gleis, fragte aber bei einigen herumstehenden Bahnbediensteten nochmal nach, ob die Information auch stimmte. Die einen sagten »Ja«, die anderen »Nein« und die nächste wieder »Ja«. Na, wenn die das schon nicht wissen?! Egal! Ich stieg in den bereitstehenden Zug, während die anderen Mitreisenden noch vor dem Bahnhof warteten. Dort war die Durchsage wohl nicht zu hören gewesen. Zehn Minuten später stiegen auch sie in den Zug, der dann tatsächlich auch losfuhr. Nur um am nächsten Bahnhof wieder stehenzubleiben.

Laut der Navigator-App auf meinem Smartphone, war die Sperrung aufgehoben. Die Wirklichkeit sah anders aus. Nach zehn Minuten fuhr der Zug dann doch weiter und ich schaute schon mal, welche Anschlussmöglichkeiten mir in Bamberg blieben. Es war sogar ein verspäteter ICE aufgelistet, der nach München fuhr, allerdings über Augsburg. Aber ich könnte in Nürnberg umsteigen und bekäme noch den Meridian eine Stunde später als geplant.

In Bamberg beschloss ich beim Service Point nachzufragen, was die mir denn anbieten konnten und um meine Zugbinung aufheben zu lassen. Ich bekam eine Verbindung ausgedruckt und wurde auf Gleis 3 geschickt. Dort fuhr wenig später eine Regionalbahn ein, statt des erhofften ICE. Ich betrachtete die ausgedruckte Verbindung genauer. Tatsächlich stand da RE nach Nürnberg statt ICE nach München. Hm! Ich stieg also in den RE und schaute in der App nach, wie viel Zeit ich in Nürnberg zum umsteigen hatte. Es würde knapp werden.

Ich saß noch nicht richtig, als die Durchsage kam, dass sich die Weiterfahrt verzögern würde, weil erst der verspätete ICE durchgelassen werden soll, der gerade auf dem Gleis gegenüber einfuhr. Das war der Moment der Entscheidung. Ich schnappte Jacke und Koffer und wechselte von der Regionalbahn in den ICE, machte es mir in dem mäßig besetzten Wagon bequem und fuhr bis Nürnberg.

Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof informierte eine Durchsage, dass auf dem Nachbargleis ein verspäteter ICE nach München wartet, der über Ingolstadt fuhr. Der sei jedoch bereits stark ausgelastet und man solle lieber auf den darauffolgenden Zug warten. Dieser hatte aber bereits zehn Minuten Verspätung. Damit würde ich in München meinen Anschlusszug nicht bekommen. Also stieg ich entgegen den Anweisungen der Bahnmitarbeiter in den vollbesetzten Zug ein und fand im Abteil hinter dem Fahrer noch einen freien Sitzplatz, sogar mit Aussicht nach vorn.

Leider waren wir dann doch ein paar Minuten zu spät in München, sonst hätte ich noch den Meridian nach Traunstein bekommen und wäre nur eine halbe Stunde später als geplant angekommen. Allerdings hätte ich dafür rennen müssen. Vier Minuten für 900 Meter hätte ich nicht ohne Astma-Anfall geschafft. Da holte ich mir lieber in aller Ruhe einen Kaffee und nahm den nächsten Zug, der nur eine halbe Stunde später fuhr.

Hinter Rosenheim war es allerdings vorbei mit der Gemütlichkeit. Immer wenn der Zug an einem Bahnhof gehalten hatte und wieder anfahren wollte, wurde er unsanft ausgebremst. Es fühlte sich so an, wie ein Auto, das beim Anfahren abgewürgt wird. Das passierte zwei bis dreimal hintereinander, bis es endlich weiterging. Anfangs war das noch spaßig. Die Leute im Zug scherzten darüber, wo der Zugführer eigentlich seinen Führerschein gemacht hätte. Spätestens nach dem dritten Bahnhof nervte es. Es war später Nachmittag. Nach dem Bahnhof-Hopping am Vormittag wollte ich nur noch nach Hause. Aber durch das wiederholte Anfahren und Bremsen hatte der Zug inzwischen eine Verspätung von zehn Minuten angehäuft.

Schließlich schaffte ich das Unerwartete: ich kam tatsächlich an und auch mit NUR einer Stunde Verspätung, allerdings mit viermaligem Umsteigen. Ich war ziemlich kaputt, obwohl ich die meiste Zeit gesessen hatte. Da soll einer mal sagen, Zugfahren entspannt. Bei dem dauernden Umsteigen hatte ich nicht mal richtig schreiben können, das regte mich am meisten auf. Darüber, dass ich ohne die Smartphone-App völlig aufgeschmissen und wahrscheinlich noch viel später angekommen wäre, mag ich angesichts der gewohnt schlechten Informationspolitik der Bahn gar nicht denken.

Schnell = Express, Oder?

Ich habe lange nichts über die Deutsche Bahn gebloggt. Was nicht daran liegt, dass ich nichts erlebt hätte. Allerdings ist es inzwischen müßig immer die gleichen Geschichten zu erzählen. Bei meinen Reisen in den vergangenen Wochen und Monaten war ich nämlich nur in Ausnahmefällen pünktlich am Ziel. Verspätungen, ausgefallene Züge, Zwischensprints auf den Bahnhöfen, damit man den Anschlusszug bekommt; das wiederholte sich fast bei jeder Fahrt.

Seit dem Fahrplanwechsel ist es auch noch so, dass eine Verbindung, die eh schon besch… war, weiter verschlechtert wurde. Ich bin jetzt am Freitag erst mittags in Saalfeld. Dafür darf ich montags eine Stunde später fahren. Immerhin wurde die Fahrtzeit auf 5 Stunden und 12 Minuten reduziert. Noch schneller ginge es, wenn der Regionalexpress auch ein richtiger Express wäre.

Unter einem »Express« verstehe ich einen Zug, der nicht an jedem klitzekleinen Bahnhof hält. Zwischen Nürnberg und Bamberg scheint das auch zu funktionieren. Da hält der »Regionalexpress Nürnberg-Leipzig« auch nur in größeren Städten. Ab Bamberg aber hält der Zug an jedem Dorfbahnhof. An den meisten steigt maximal der Zugbegleiter aus und ein, um das Signal zur Weiterfahrt zu geben. Jeder kann sich ausmalen, wie sinnvoll ein solcher Halt ist und wieviel Energie dafür flöten geht. Dabei gibt es durchaus Bahnen mit der Möglichkeit zum Bedarfshalt.

Früher unterschied man bei der Bahn zwischen Regionalbahn und Regionalexpress, die fuhren abwechselnd auf der Strecke. Irgendwann wurden die Regionalbahnen abgeschafft und in den Regionalexpress überführt, was das Kürzel »Express« letztendlich ad Absurdum führt.

Jedenfalls habe ich am Freitag von 8:38 Uhr bis 12:05 Uhr gebraucht, um von Nürnberg nach Saalfeld zu kommen. Dreieinhalb Stunden für eine Strecke, für die ich in besten Zeiten keine zwei Stunden gebraucht habe. Kein Wunder, wenn da alle mit dem Auto fahren.

Eine positive Seite hat diese Entwicklung allerdings. Da die Verbindungen, die ich nehmen kann, immer weiter eingeschränkt werden, verzichte ich inzwischen darauf, den teuren Flexpreis zu buchen. Denn »flexibel« fahren kann ich auf dieser Strecke ohnehin nicht. Ich nutze jetzt immer den Sparpreis oder Supersparpreis zusammen mit Rabattcoupons von Duplo und Hanuta. So kostete mich die Fahrt zu meinen Eltern an diesem Wochenende statt 100 Euro nur 34 Euro. Das sich die Deutsche Bahn damit ins eigene Fleisch schneidet, scheint sie nicht zu begreifen.

Wenn man ehrlich ist, dürfte die Bahn bei dem Qualitätsverlust auch nicht mehr verlangen.

»Kannst du dir das vorstellen?!«

… Diesen Satz habe ich am Freitag gefühlt einhundert mal gehört.

Auf der Zugfahrt nach Wolfenbüttel, stieg in Nürnberg eine ältere Dame zu. Sie platzierte sich in die Sitzreihe schräg hinter mir. Kurz nachdem der Zug losgefahren war, klingelte ihr Handy. Sie nahm ab und stellte es auf Lautsprecher. Was danach kam, kann man eigentlich nicht beschreiben, das muss man erlebt haben. »Waltraud und Mariechen«, von den fränkischen Komödianten Heißmann und Rassau, wären angesichts der Vorstellung, die die beiden Damen im ICE lieferten vor Neid erblasst.

Ob es um das, von der Krankenkasse nicht genehmigte, Hörgerät ging oder um die polnische Putzfrau, die Schmuck klaut und der man nicht trauen kann, bis hin zum Betrug durch RFID-Chips, der Gesprächsstoff ging den beiden nicht aus. Das Faszinierende war, dass man beide perfekt verstehen konnten, weil sie ziemlich laut sprachen. Im fränkischen Dialekt versteht sich. Dabei fiel fast jede Minute einmal der Satz »Kannst du dir das vorstellen?!« Ja, inzwischen kann ich das und das sogar sehr lebhaft. Die unfreiwillige Comedyeinlage hat übrigens nicht nur mich unterhalten, sondern auch das Ehepaar mir gegenüber. Der Mann feixte so sehr, dass seine Frau ihn ständig anrempelte. Aber auch ihr fiel es schwer, ein Lachen zu unterdrücken. Ich nehme mal an, dass sich der Rest des Großraumabteils ebenfalls köstlich amüsiert hat. Zumindest weiß ich jetzt, was ältere Witwen so bewegt.

Schlecht war nur, dass ich eigentlich arbeiten wollte. Aber sowohl schreiben als auch lesen ging gar nicht. Immer wieder riss mich ein: »Kannst du dir das vorstellen?!« aus der Konzentration. Uns so musste ich mir anhören, wie ihr Auto stehen geblieben war, weil die Batterie schwächelte, wie der Werkstattservice Starthilfe gab und wie die Dame dann mit laufenden Motor vor ihrem Haus stand und nicht reinkam, weil der Haustürschlüssel am Autoschlüssel hing. Sie ihn aber nicht abnehmen konnte, weil sie noch weiterfahren wollte, und die Batterie nach den fünf Kilometern noch nicht wieder aufgeladen war. Das war so lebensnah geschildert, dass ich die Situation bildlich vor Auge hatte. Eigentlich hätte man das Gespräch mitschneiden sollen. Das wäre wahrscheinlich ein viraler Hit im Internet geworden.

Ich war dann aber doch froh, dass ein Funkloch das Telefongespräch kurz vor Würzburg nach einer halben Stunde beendete. Sonst wäre ich mit meiner Lektüre des Seminar-Readers wahrscheinlich nie fertig geworden. Aber Live-Comedy im ICE hat man nicht alle Tage, obwohl ich glaube, dass es öfter vorkommt als man denkt. Zumindest ahne ich, woher die Künstler ihr Material haben. Niemand schreibt bessere Geschichten als das Leben selbst.

Fitnessstudio Deutsche Bahn

Wer Bahn fährt, muss fit sein. Das bekam ich heute morgen wieder zu spüren. Vier Minuten sprinten mit Gepäck und in dicken Klamotten. Nur durch einen beherzten Griff in die sich schließende ICE-Tür, bekam ich in München meinen Anschlusszug nach Braunschweig. Zuvor war der MERIDIAN mal wieder auf der Strecke zwischen Rosenheim und München gestrandet. Satte sieben Minuten Verspätung durch »Abweichungen im Betriebsablauf« führten dazu, dass ich bis Nürnberg völlig K.O. war und den restlichen Tag hustend durch die Gegend lief.

Mein schlechtes Karma in der letzten Zeit in Sachen Deutsche Bahn setzte sich nahtlos fort, als auch noch der Anschlusszug in Göttingen ausfiel. Zum Glück hatte der Ersatzzug nur fünf Minuten Verspätung. Ich kam also halbwegs pünktlich in Wolfenbüttel an. War aber den Rest des Tages so erledigt, dass man mich schon fragte, was mit mir los sei.

Vielleicht sollte ich anfangen zu trainieren, damit ich nach dem Umsteigen nicht mehr wie eine Astmatikerin keuchend und hustend im Sitz hänge. Zumindest war das ältere Ehepaar, was mit mir zusammen umgestiegen ist, deutlich schneller unterwegs. Die mussten sich auch nicht die Finger in der Zugtür einklemmen. Im Zug durfte ich dann erstmal Hände waschen, weil die voller schwarzer Schmiere waren. Super!

Mein Fazit: viel Bahnfahren erspart das Fitnessstudio.