Christinas Multiversum

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Das Kreis-Archiv schließt

In der vergangenen Ausgabe der Fan-Szene habe ich das Kreis-Archiv gefeiert. Am 20.7. ist leider Schluss mit der informativen Internetseite von Johannes Kreis, zu meinem größten Bedauern. Das kommt wahrscheinlich nicht nur für mich völlig unerwartet.

In der Vergangenheit habe ich die umfangreiche Sammlung von Rezensionen oft als Nachschlagewerk genutzt. Nicht nur zur PERRY RHODAN-Serie, sondern auch zu den vielen Romanen und Filmen, die Johannes im Laufe von fast zwanzig Jahren besprochen hat.

Man könnte meinen, dass bei seiner Entscheidung die DSGVO zugrunde gelegen ist, aber nein. Auf Nachfrage erhielt ich von Johannes die Antwort, dass er den Entschluss aus rein persönlichen Gründen traf. Da kann man leider nichts machen. Auch wenn ich es sehr schade finde, dass so viele tolle Inhalte für immer verloren gehen werden, zum Beispiel seine Reiseberichte und seine Artikelreihe »Spaß mit der Deutschen Bahn«.

Die Inhalte zu PERRY RHODAN werden außer seinen persönlichen Kommentaren weiterhin in der Perrypedia zu finden sein, denn Johannes ist einer der Administratoren und hat die Texte dem Wiki der Serie zur Verfügung gestellt.

Also wer jetzt noch ein wenig stöbern möchte, hat noch bis zum 20. Juli Zeit. Allen Fans meiner Bahngeschichten empfehle ich auf jeden Fall die Kommentare von Johannes zum »Spaß mit der Deutschen Bahn«.

http://www.kreis-archiv.de/kommentare/kommentare.html

Tschüss BahnCard 50!

Ich habe es getan. Nach reiflicher Überlegung habe ich diese Woche mein BahnCard 50-Abo gekündigt, nach fast zwanzig Jahren. Wieso?

Es bedeutet nicht, dass ich nicht mehr mit der Bahn fahren werde. So viel wie noch vor zwei Jahren bin ich nicht mehr unterwegs. Die 255 Euro für eine BahnCard 50 wären in meinem Fall rausgeworfenes Geld. Ich werde mich aber weiterhin möglichst ohne Auto durch die Republik bewegen. Grundlage für meine Entscheidung ist nicht nur der Wegfall der ICE-Strecke über Saalfeld. Hauptknackpunkt ist die Umwandlung des Normalpreis zum Flexpreis vor eineinhalb Jahren. Damit hat sich die Bahn einen Bärendienst erwiesen. Denn die angepriesene Flexibilität ist nur vorgetäuscht. Man kann zwar jeden Zug an einem Tag nehmen, aber eben nur an dem Tag für den das Ticket gültig ist. Kommt irgendetwas dazwischen und man muss seine Fahrt verschieben, ist es aus mit der Flexibilität. Ich habe früher immer Normaltickets gekauft, weil wenn ich mal nicht an dem Tag fahren konnte, ich eben einen oder zwei Tage später gefahren bin, manchmal auch eine Woche später. Es gab mir die Sicherheit, immer eine gültige Fahrkarte in der Tasche zu haben.

Doch das ist seit Dezember 2017 vorbei. Selbst mit dem Flexpreis bin ich an einen Tag gebunden und damit an die Züge, die an dem Tag fahren. Außerdem wurde der Preis nochmal um fast fünf Prozent erhöht. Ich zahle also mehr für weniger Service. Da die Verbindungen durch den Wegfall des ICE-Haltes auf meiner bevorzugten Strecke ohnehin nur noch eingeschränkt sind, bin ich sowieso an bestimmte Züge gebunden. Ich muss also genau diese Verbindungen buchen oder keine. Da kann ich auch gleich die Sparangebote nutzen, die meist um mehr als die Hälfte günstiger sind, mit einer BahnCard noch einmal ein paar Euro mehr. Für die vergünstigte Nutzung der Sparangebote reicht auch eine BahnCard 25, die in der Anschaffung mit 62 Euro deutlich weniger kostet, als die BahnCard 50 mit 255 Euro.

Das heißt, ich werde mir im August eine BahnCard 25 zulegen und ab jetzt nur noch mittels Sparangebote reisen, so wie ich das im vergangenen halben Jahr ohnehin schon gemacht habe.

Liebe Verantwortlichen bei der Deutsche Bahn, ich kann nur sagen, dass die Einführung des Flexpreis kein cleverer Schachzug von euch war. Ich möchte nicht wissen, wie viele BahnCard-Besitzer inzwischen ebenfalls darauf kommen sind, dass der Flexpreis reine Makulatur ist. Er dient dazu, die Leute zu verwirren, die sich in dem inzwischen höchst undurchsichtigen Tarifsystem nicht mehr auskennen. Denn merke! Auch Sparpreis ist nicht gleich Sparpreis. Es kommt nicht nur auf die Tageszeit an, an der man fahren möchte. Mal ist es günstiger die Fahrkarte mit der Smartphone-App zu buchen und mal mit dem Computer. Und wenn man zu zweit fahren will, ist es immer günstiger getrennt zu buchen. Solche Intransparenz sollte nicht sein.

Da hilft auch die durchaus witzige Werbung nicht.

Bahn aktiv

Für DB Goldkunden

Die vergangenen beiden Wochen war ich viel mit der Deutschen Bahn unterwegs. Es lief nicht immer reibungslos, aber zumindest kam ich mit maximal 10 Minuten Verspätung an. Dafür funktionierte einmal das Bordbistro im ICE 4 nicht. Als Ausgleich gab es Kaffee aus der Thermoskanne (nicht unbedingt eine Geschmackssensation) und Ritter Sport-Schokolade im DB-Look. Heute waren es eine ausgefallene Klimaanlage sowie eine Signal- und eine Türstörung, die für Behinderungen sorgten.

Man bemüht sich jedenfalls bei der Deutschen Bahn. Heute habe ich gleich an zwei Befragungen teilgenommen. Es ging um die Regionalbahn und um den Bahnhof Osnabrück, der leider kein Juwel ist und dringend einer Erneuerung bedarf. Zumindest ist er nicht in einem so schlechten Zustand wie der Traunsteiner Bahnhof noch vor zwei Jahren war.

Allerdings nützt all die Kundenfreundlichkeit nichts, wenn die Verbindungen fehlen und die Umsteigezeiten so knapp bemessen sind, dass man sportliche Höchstleistungen abliefern muss, um seinen Anschlusszug zu bekommen. Wie mir am Freitag mal wieder in München passiert ist.

Wie erwartet ist der IC, der zwischen Leipzig und Karlsruhe auf der Saalebahn unterwegs war, seit dem Fahrplanwechsel aus dem Fahrplan verschwunden. Heimlich still und leise zwar, aber die Argumente kann ich mir denken: »Das Zug-Angebot wurde nicht angenommen.« Klar, wenn man den Zug zu so unmöglichen Zeiten fahren lässt, an denen keiner fährt und den man bei der Online-Buchung nur mit Tricks angezeigt bekommt. Das musste ja so kommen. Manchmal glaube ich wirklich, die Bahnverantwortlichen halten uns Bahnfahrer für blöd. Vielleicht sind wir das auch, wenn wir das alles so protestfrei über uns ergehen lassen.

Langer Confreitag in Osnabrück

Das Con-Hotel

Die Deutsche Bahn brachte uns pünktlich und ohne Probleme nach Osnabrück. Na, ja, ich hatte meinen Mann dabei, der bringt mir bei Bahnreisen meist Glück. Ich genoss es mal wieder lange am Stück in einem Zug zu fahren, ohne nach zwei oder drei Stationen umsteigen zu müssen. Ich schrieb eine Szene für meinen Zeitreise-Roman und schmökerte in einem Buch, in dem es um PERRY RHODAN (zumindest indirekt) und um Pornos geht. Die Mischung ist durchaus skurril und witzig. Ich werde bei Gelegenheit darüber berichten.

Nach der Ankunft in Osnabrück stärkten wir uns in einem Café in der Fußgängerzone. Ein selig lächelnder Chefredakteur eilte an uns vorbei, ohne uns zu bemerken. Ich nahm aber freudig zur Kenntnis, dass Klaus N. Frick tatsächlich sein Versprechen wahr gemacht hatte, den Con in Osnabrück zu besuchen. Wo er doch in der Vergangenheit oft genug hatte verlauten lassen, keinen Perry-Con mehr besuchen zu wollen.

Während sich mein kränkelnder Ehemann im Hotelzimmer etwas hinlegte, ging ich ins Jugendhaus um Hallo zu sagen und bei den Vorbereitungen zu helfen. Vor und im Jugendhaus herrschte reges Treiben. Jugendliche aller Alterstufen tummelten sich dort. Schön zu sehen, dass sich die Jugend doch noch für nicht-virtuelle Aktivitäten von ihren Smartphones und Computer weglocken lässt.

Es hatten sich außerdem schon viele aus dem engeren Kreis der PRFZ versammelt und waren dabei, die Con-Räumlichkeiten zu dekorieren und die Händlertische aufzubauen. Die ausgedruckten Poster mit dem Programm wurden mir aus der Hand genommen und strategisch günstig aufgehängt, während ich mich um den Aufbau des Stands und das Anbringen des großen Banners an der Bühnenfront kümmerte. Im Laufe des Nachmittags kamen weitere Fans vorbei und boten ihre Hilfe an. Vielen Dank an dieser Stelle dafür, denn so waren wir schneller fertig als gedacht und setzten uns bei einem Kaffee im großen Kreis zusammen.

Gegen 18 Uhr wechselten wir ins wenige Meter entfernte Kartoffelhaus. Michael Tinnefeld und Gerhard Huber hatten mich schon im Vorfeld zum Essen eingeladen, als Dankeschön, dass ich ihre FanEdition lektoriert hatte. Nach einem sehr guten und vor allem umfangreichen Abendessen schlenderten mein Mann und ich ins Hotel zurück.

Am späteren Freitagabend traf sich dann die PRFZ-Spitze zu einem Vorgespräch im Biergarten vom Romantik-Hotel Walhalla. Mit von der Partie war Klaus Bollhöfener aus der PR-Redaktion. Wir sprachen über Zukünftiges und über die Verbesserung interner Abläufe. Doch je weiter der Abend voranschritt, desto kälter wurde es. Als ich eingewickelt in zwei Decken und mit einer Tasse Tee immer noch fror, zog ich mich dann doch lieber ins Hotelzimmer zurück. Außerdem war es spät und ich wollte am nächsten Morgen ausgeschlafen sein.

Der Saal im Jugenhaus

Bahn im Wind

Für alle Fans meiner Zugreportagen berichte ich heute mal wieder ausführlich über meine Erlebnisse mit der Deutschen Bahn:

Ich ahnte es, noch bevor ich am Montag in den Zug stieg. Stürmische Böen hatten den Händlern auf dem Markt schon in den Morgenstunden zu schaffen gemacht. Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich mit der Bahn fahren wollte. Aber es musste sein. Vielleicht habe ich ja Glück, dachte ich und auch der Zugbegleiter meinte, als er meine Fahrkarte kontrollierte, das Sturmtief beträfe nur den Norden, im Süden sei das kein Problem. Nun, ja, er sollte sich irren.

Nach knapp einer Dreiviertelstunde Fahrt kam er bei mir vorbei und meinte, dass vor uns die Strecke jetzt doch gesperrt sei, wegen Gegenständen in der Oberleitung. Der Zug würde vorzeitig enden und ich müsse aussteigen. Ich solle auf die Durchsagen am Bahnsteig achten. Prima!

So war meine Reise schon nach knapp 100 Kilometern erst eimal beendet. Ich stand mit zirka zwanzig Leuten am Bahnsteig und wartete. Niemand wusste was, es gab keine Durchsagen, die Navigator-App auf dem Handy streikte, weil kein Netz. Ich überlegte tatsächlich einen Augenblick lang, zurückzufahren. Verwarf diese Idee dann wieder. Der Tag war noch lang und irgendwie käme ich hier schon wieder weg. Es ist erstaunlich, wie abgebrüht man im Laufe der Jahre als Pendler wird.

Irgendwann kam auf dem Gleis gegenüber ein weiterer Zug. Leute stiegen aus, einige der Wartenden stiegen ein, nur um dann wieder auszusteigen, weil der Zug ebenfalls nicht weiterfahren würde. Dafür schickte uns der Zugbegleiter zum Bahnhofsvorplatz, weil von dort ein Ersatzbus fahren sollte. Aha, endlich mal jemand, der wusste was los ist. So eilten alle los. Dumm nur, dass auf dem Platz vorm Bahnhof kein Bus zu sehen war. Ich ging ins Gebäude, um mich am Service Point zu informieren, der jedoch fünf Minuten zuvor geschlossen hatte. Klar, es war Mittag.

Ich wollte gerade wieder nach draußen, da verkündete eine Durchsage, dass die Sperrung wieder aufgehoben sei, und der nächste Zug planmäßig in einer Viertelstunde fahren würde. Ich ging also zurück zum Gleis, fragte aber bei einigen herumstehenden Bahnbediensteten nochmal nach, ob die Information auch stimmte. Die einen sagten »Ja«, die anderen »Nein« und die nächste wieder »Ja«. Na, wenn die das schon nicht wissen?! Egal! Ich stieg in den bereitstehenden Zug, während die anderen Mitreisenden noch vor dem Bahnhof warteten. Dort war die Durchsage wohl nicht zu hören gewesen. Zehn Minuten später stiegen auch sie in den Zug, der dann tatsächlich auch losfuhr. Nur um am nächsten Bahnhof wieder stehenzubleiben.

Laut der Navigator-App auf meinem Smartphone, war die Sperrung aufgehoben. Die Wirklichkeit sah anders aus. Nach zehn Minuten fuhr der Zug dann doch weiter und ich schaute schon mal, welche Anschlussmöglichkeiten mir in Bamberg blieben. Es war sogar ein verspäteter ICE aufgelistet, der nach München fuhr, allerdings über Augsburg. Aber ich könnte in Nürnberg umsteigen und bekäme noch den Meridian eine Stunde später als geplant.

In Bamberg beschloss ich beim Service Point nachzufragen, was die mir denn anbieten konnten und um meine Zugbinung aufheben zu lassen. Ich bekam eine Verbindung ausgedruckt und wurde auf Gleis 3 geschickt. Dort fuhr wenig später eine Regionalbahn ein, statt des erhofften ICE. Ich betrachtete die ausgedruckte Verbindung genauer. Tatsächlich stand da RE nach Nürnberg statt ICE nach München. Hm! Ich stieg also in den RE und schaute in der App nach, wie viel Zeit ich in Nürnberg zum umsteigen hatte. Es würde knapp werden.

Ich saß noch nicht richtig, als die Durchsage kam, dass sich die Weiterfahrt verzögern würde, weil erst der verspätete ICE durchgelassen werden soll, der gerade auf dem Gleis gegenüber einfuhr. Das war der Moment der Entscheidung. Ich schnappte Jacke und Koffer und wechselte von der Regionalbahn in den ICE, machte es mir in dem mäßig besetzten Wagon bequem und fuhr bis Nürnberg.

Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof informierte eine Durchsage, dass auf dem Nachbargleis ein verspäteter ICE nach München wartet, der über Ingolstadt fuhr. Der sei jedoch bereits stark ausgelastet und man solle lieber auf den darauffolgenden Zug warten. Dieser hatte aber bereits zehn Minuten Verspätung. Damit würde ich in München meinen Anschlusszug nicht bekommen. Also stieg ich entgegen den Anweisungen der Bahnmitarbeiter in den vollbesetzten Zug ein und fand im Abteil hinter dem Fahrer noch einen freien Sitzplatz, sogar mit Aussicht nach vorn.

Leider waren wir dann doch ein paar Minuten zu spät in München, sonst hätte ich noch den Meridian nach Traunstein bekommen und wäre nur eine halbe Stunde später als geplant angekommen. Allerdings hätte ich dafür rennen müssen. Vier Minuten für 900 Meter hätte ich nicht ohne Astma-Anfall geschafft. Da holte ich mir lieber in aller Ruhe einen Kaffee und nahm den nächsten Zug, der nur eine halbe Stunde später fuhr.

Hinter Rosenheim war es allerdings vorbei mit der Gemütlichkeit. Immer wenn der Zug an einem Bahnhof gehalten hatte und wieder anfahren wollte, wurde er unsanft ausgebremst. Es fühlte sich so an, wie ein Auto, das beim Anfahren abgewürgt wird. Das passierte zwei bis dreimal hintereinander, bis es endlich weiterging. Anfangs war das noch spaßig. Die Leute im Zug scherzten darüber, wo der Zugführer eigentlich seinen Führerschein gemacht hätte. Spätestens nach dem dritten Bahnhof nervte es. Es war später Nachmittag. Nach dem Bahnhof-Hopping am Vormittag wollte ich nur noch nach Hause. Aber durch das wiederholte Anfahren und Bremsen hatte der Zug inzwischen eine Verspätung von zehn Minuten angehäuft.

Schließlich schaffte ich das Unerwartete: ich kam tatsächlich an und auch mit NUR einer Stunde Verspätung, allerdings mit viermaligem Umsteigen. Ich war ziemlich kaputt, obwohl ich die meiste Zeit gesessen hatte. Da soll einer mal sagen, Zugfahren entspannt. Bei dem dauernden Umsteigen hatte ich nicht mal richtig schreiben können, das regte mich am meisten auf. Darüber, dass ich ohne die Smartphone-App völlig aufgeschmissen und wahrscheinlich noch viel später angekommen wäre, mag ich angesichts der gewohnt schlechten Informationspolitik der Bahn gar nicht denken.

Schnell = Express, Oder?

Ich habe lange nichts über die Deutsche Bahn gebloggt. Was nicht daran liegt, dass ich nichts erlebt hätte. Allerdings ist es inzwischen müßig immer die gleichen Geschichten zu erzählen. Bei meinen Reisen in den vergangenen Wochen und Monaten war ich nämlich nur in Ausnahmefällen pünktlich am Ziel. Verspätungen, ausgefallene Züge, Zwischensprints auf den Bahnhöfen, damit man den Anschlusszug bekommt; das wiederholte sich fast bei jeder Fahrt.

Seit dem Fahrplanwechsel ist es auch noch so, dass eine Verbindung, die eh schon besch… war, weiter verschlechtert wurde. Ich bin jetzt am Freitag erst mittags in Saalfeld. Dafür darf ich montags eine Stunde später fahren. Immerhin wurde die Fahrtzeit auf 5 Stunden und 12 Minuten reduziert. Noch schneller ginge es, wenn der Regionalexpress auch ein richtiger Express wäre.

Unter einem »Express« verstehe ich einen Zug, der nicht an jedem klitzekleinen Bahnhof hält. Zwischen Nürnberg und Bamberg scheint das auch zu funktionieren. Da hält der »Regionalexpress Nürnberg-Leipzig« auch nur in größeren Städten. Ab Bamberg aber hält der Zug an jedem Dorfbahnhof. An den meisten steigt maximal der Zugbegleiter aus und ein, um das Signal zur Weiterfahrt zu geben. Jeder kann sich ausmalen, wie sinnvoll ein solcher Halt ist und wieviel Energie dafür flöten geht. Dabei gibt es durchaus Bahnen mit der Möglichkeit zum Bedarfshalt.

Früher unterschied man bei der Bahn zwischen Regionalbahn und Regionalexpress, die fuhren abwechselnd auf der Strecke. Irgendwann wurden die Regionalbahnen abgeschafft und in den Regionalexpress überführt, was das Kürzel »Express« letztendlich ad Absurdum führt.

Jedenfalls habe ich am Freitag von 8:38 Uhr bis 12:05 Uhr gebraucht, um von Nürnberg nach Saalfeld zu kommen. Dreieinhalb Stunden für eine Strecke, für die ich in besten Zeiten keine zwei Stunden gebraucht habe. Kein Wunder, wenn da alle mit dem Auto fahren.

Eine positive Seite hat diese Entwicklung allerdings. Da die Verbindungen, die ich nehmen kann, immer weiter eingeschränkt werden, verzichte ich inzwischen darauf, den teuren Flexpreis zu buchen. Denn »flexibel« fahren kann ich auf dieser Strecke ohnehin nicht. Ich nutze jetzt immer den Sparpreis oder Supersparpreis zusammen mit Rabattcoupons von Duplo und Hanuta. So kostete mich die Fahrt zu meinen Eltern an diesem Wochenende statt 100 Euro nur 34 Euro. Das sich die Deutsche Bahn damit ins eigene Fleisch schneidet, scheint sie nicht zu begreifen.

Wenn man ehrlich ist, dürfte die Bahn bei dem Qualitätsverlust auch nicht mehr verlangen.

»Kannst du dir das vorstellen?!«

… Diesen Satz habe ich am Freitag gefühlt einhundert mal gehört.

Auf der Zugfahrt nach Wolfenbüttel, stieg in Nürnberg eine ältere Dame zu. Sie platzierte sich in die Sitzreihe schräg hinter mir. Kurz nachdem der Zug losgefahren war, klingelte ihr Handy. Sie nahm ab und stellte es auf Lautsprecher. Was danach kam, kann man eigentlich nicht beschreiben, das muss man erlebt haben. »Waltraud und Mariechen«, von den fränkischen Komödianten Heißmann und Rassau, wären angesichts der Vorstellung, die die beiden Damen im ICE lieferten vor Neid erblasst.

Ob es um das, von der Krankenkasse nicht genehmigte, Hörgerät ging oder um die polnische Putzfrau, die Schmuck klaut und der man nicht trauen kann, bis hin zum Betrug durch RFID-Chips, der Gesprächsstoff ging den beiden nicht aus. Das Faszinierende war, dass man beide perfekt verstehen konnten, weil sie ziemlich laut sprachen. Im fränkischen Dialekt versteht sich. Dabei fiel fast jede Minute einmal der Satz »Kannst du dir das vorstellen?!« Ja, inzwischen kann ich das und das sogar sehr lebhaft. Die unfreiwillige Comedyeinlage hat übrigens nicht nur mich unterhalten, sondern auch das Ehepaar mir gegenüber. Der Mann feixte so sehr, dass seine Frau ihn ständig anrempelte. Aber auch ihr fiel es schwer, ein Lachen zu unterdrücken. Ich nehme mal an, dass sich der Rest des Großraumabteils ebenfalls köstlich amüsiert hat. Zumindest weiß ich jetzt, was ältere Witwen so bewegt.

Schlecht war nur, dass ich eigentlich arbeiten wollte. Aber sowohl schreiben als auch lesen ging gar nicht. Immer wieder riss mich ein: »Kannst du dir das vorstellen?!« aus der Konzentration. Uns so musste ich mir anhören, wie ihr Auto stehen geblieben war, weil die Batterie schwächelte, wie der Werkstattservice Starthilfe gab und wie die Dame dann mit laufenden Motor vor ihrem Haus stand und nicht reinkam, weil der Haustürschlüssel am Autoschlüssel hing. Sie ihn aber nicht abnehmen konnte, weil sie noch weiterfahren wollte, und die Batterie nach den fünf Kilometern noch nicht wieder aufgeladen war. Das war so lebensnah geschildert, dass ich die Situation bildlich vor Auge hatte. Eigentlich hätte man das Gespräch mitschneiden sollen. Das wäre wahrscheinlich ein viraler Hit im Internet geworden.

Ich war dann aber doch froh, dass ein Funkloch das Telefongespräch kurz vor Würzburg nach einer halben Stunde beendete. Sonst wäre ich mit meiner Lektüre des Seminar-Readers wahrscheinlich nie fertig geworden. Aber Live-Comedy im ICE hat man nicht alle Tage, obwohl ich glaube, dass es öfter vorkommt als man denkt. Zumindest ahne ich, woher die Künstler ihr Material haben. Niemand schreibt bessere Geschichten als das Leben selbst.

Fitnessstudio Deutsche Bahn

Wer Bahn fährt, muss fit sein. Das bekam ich heute morgen wieder zu spüren. Vier Minuten sprinten mit Gepäck und in dicken Klamotten. Nur durch einen beherzten Griff in die sich schließende ICE-Tür, bekam ich in München meinen Anschlusszug nach Braunschweig. Zuvor war der MERIDIAN mal wieder auf der Strecke zwischen Rosenheim und München gestrandet. Satte sieben Minuten Verspätung durch »Abweichungen im Betriebsablauf« führten dazu, dass ich bis Nürnberg völlig K.O. war und den restlichen Tag hustend durch die Gegend lief.

Mein schlechtes Karma in der letzten Zeit in Sachen Deutsche Bahn setzte sich nahtlos fort, als auch noch der Anschlusszug in Göttingen ausfiel. Zum Glück hatte der Ersatzzug nur fünf Minuten Verspätung. Ich kam also halbwegs pünktlich in Wolfenbüttel an. War aber den Rest des Tages so erledigt, dass man mich schon fragte, was mit mir los sei.

Vielleicht sollte ich anfangen zu trainieren, damit ich nach dem Umsteigen nicht mehr wie eine Astmatikerin keuchend und hustend im Sitz hänge. Zumindest war das ältere Ehepaar, was mit mir zusammen umgestiegen ist, deutlich schneller unterwegs. Die mussten sich auch nicht die Finger in der Zugtür einklemmen. Im Zug durfte ich dann erstmal Hände waschen, weil die voller schwarzer Schmiere waren. Super!

Mein Fazit: viel Bahnfahren erspart das Fitnessstudio.

Bahn + Information = Null

Mein Wochenende stand mal wieder ganz im Zeichen der Deutschen Bahn. Damit mir das Material für die beliebteste Rubrik in meinem Blog nicht ausgeht, war auch am Freitag und Montag wieder gesorgt.

Irgendwie scheine ich momentan ein schlechtes Karma zu haben, wenn ich mit der Bahn unterwegs bin. Die wenigen Male, die ich zuletzt gefahren bin, passierte immer irgendetwas Ungeplantes. Ich denke fast, dass sich die Bahn für den Zeitungsartikel rächen will, den ich im Juni geschrieben habe. Denn jedes Mal wenn ich in den letzten Wochen eine Fahrkarte gekauft habe, ging etwas schief. Auf dem Weg nach Karlsruhe blieb der ICE kurz vorm Pasinger Bahnhof wegen eines Defektes 30 Minuten stehen. Vergangenen Freitag war es dann ein Stellwerksschaden, der mich mehr als eine Stunde später ankommen ließ und am Montag fiel gar ein ganzer Zug aus.

Dabei ist mir mal wieder aufgefallen wie schlecht die Bahn mit solchen Vorkommnissen umgeht und wie wenig sie ihre Fahrgäste darüber informiert. Oft genug wissen nicht einmal die eigenen Mitarbeiter bescheid. So stand ich am Nürnberger HBF und wartete auf den verspäteten Regionalexpress Richtung Sonneberg. Erst hieß es auf Gleis 4, dann sollte der Zug auf Gleis 5 eintreffen. Schließlich kam der Zug auf Gleis 5 an und alle stiegen ein. Kurze Zeit später fuhr ein weiterer Zug nach Sonneberg auf Gleis 4 ein. Die Verwirrung der Reisenden war somit komplett. Alle fragten sich, welcher Zug zuerst losfahren würde? Der arme Bahnbeamte, der am Bahnsteig nur mal eine Zigarette rauchen wollte, wurde sofort belagert und ausgefragt, zuckte aber nur unwissend mit den Schultern. Irgendwann wurde es ihm zu bunt und er ging zum Lokführer eines Zuges, um sich zu erkundigen. Eine Durchsage, welcher der beiden Züge wann und wohin abfahren würde, die kam nicht. Nur eine Durchsage, dass sich die Abfahrt wegen einer behobenen Stellwerksstörung verzögert.

Aber auch nachdem mein Zug von Gleis 5 abgefahren war, kamen keinerlei Durchsagen. Ich hätte gern mal einen Zugbegleiter gefragt, wie es mit meinem Anschlusszug in Bamberg aussieht, ob die Regionalbahn auf uns wartet. Nö, nix da! Keine Menschenseele in einer Bahnuniform ließ sich blicken. Die Reisenden waren aufgebracht, wollten sie doch wissen, ob der Zug über Coburg fährt oder in Bamberg geteilt wird. Eine Frau meinte belustigt, dass sie zu einer Trauerfeier wolle und wahrscheinlich zu spät kommt. Hauptsache, sagte sie dann, dass sie zu ihrer eigenen Trauerfeier pünktlich ist.

Mein Anschlusszug wartete natürlich nicht. Wegen zehn Minuten musste ich mehr als eine Stunde auf dem Bahnhof in Bamberg verbringen. Wenn also nicht einmal mehr die Regionalbahnen aufeinander warten, dann weiß ich auch nicht mehr. Ich ließ mir am ServicePoint ein Fahrgastrechteformular aushändigen und füllte es auf dem Weg nach Saalfeld aus, wo ich mir am Schalter gleich einen Teil des Fahrgelds zurückzahlen ließ.

Auf der Rückfahrt am Montag gings so los, dass ich am Bahnhof ankam und an der Anzeige hinter meinem Zug lesen musste: Zug fällt heute aus. Als ich am Infopoint fragte, warum der Zug ausfällt, wusste die Dame hinter dem Schalter das noch nicht einmal und musste erst im Computer nachsehen. So viel zur Informationspolitik innerhalb des Unternehmens.

Aufgrund des Zugausfalls kam ich zu dem »Vergnügen« mit der RB nach Erfurt zu tuckern und von dort über die neue »Vogelfluglinie« nach München zu fahren. Am Erfurter Bahnhof hatte ich zunächst Schwierigkeiten mein Gleis zu finden. Ich kam auf Gleis 8 an und über den Abgängen stand nur: Zu den Gleisen 3-5 und 9-11. Der ICE mit dem ich fahren wollte, sollte aber auf Gleis 1 einfahren. Vom Bahnsteig aus sah ich das Gleis, aber wie sollte ich dorthin kommen? Ich nahm die Treppen ins Untergeschoss und fragte die Verkäuferin bei McDonalds, ob sie mir sagen könne, wo Gleis 1 ist. Die zuckte nur mit den Schultern und meinte, sie wisse es nicht, sie würde mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Ich fand Gleis 1 dann doch noch rechtzeitig. Der Aufgang lag ein paar Meter neben der McDonalds-Filiale. Aber eine bessere Ausschilderung hätte mir das Umsteigen erleichtert. Aber inzwischen erwarte ich das von der Deutschen Bahn schon gar nicht mehr.

Bewegte Männer

Quelle: rowohlt.de

»Auf deinem Wohnzimmertisch hockt ein nackter Hetero und grunzt.« Diesen Satz habe ich noch heute im Kopf, wenn ich an den Film Der bewegte Mann denke. Das Bild dazu übrigens auch – Til Schweiger im Adamskostüm auf einem Glastisch.

Im Herbst 1994 kam man um den Filmerfolg aus Deutschland nicht Drumherum. Es ist der erste zeitgenössische deutsche Film, den ich in einem Kino gesehen habe. (Die Karl-May-Filme die im Ferienprogramm in den Achtzigern in den DDR-Kinos liefen, stammten aus den Sechzigern.) 1994 steckte ich mitten in der Ausbildung in Oberfranken und weiß noch genau, dass der Film in einem Bayreuther Kino über 29 Wochen lief. Das ist mehr als ein halbes Jahr. Mein Mann hat ähnliche, wenn auch nicht so positive Erinnerungen an den Streifen. Er wartete auf Star Trek – Generations, das im November in die deutschen Kinos kam. Weil aber Der bewegte Mann so erfolgreich war, verschob das Kino in Traunstein Generations um Wochen nach hinten. Schlecht für die Star-Trek-Fans gut für das Publikum von Der bewegte Mann.

Allerdings möchte ich heute nicht über den Film schreiben, sondern über den Comic, der die Vorlage dazu lieferte. Den bekam ich am Freitag in die Hände, als mir die Deutsche Bahn mal wieder eine Stunde extra Zeit am Bahnhof in Bamberg »gönnte«. Aus lauter Verzweiflung, weil sich mein Lesestoff bereits erschöpft hatte, kaufte ich mir kurzerhand die Jubiläumsausgabe von Der bewegte Mann von Ralf König. Ich habe hier bereits über seine Comics Barry Hoden und Raumstation Sehnsucht geschrieben.

Beim Lesen des Jubiläumsbands (1987 war der Comic erschienen) war ich überrascht, wieviel von der Comicvorlage letztendlich im Film landete. Normalerweise lassen sich die Macher von Filmadaptionen mehr Spielraum, hier wurde die Vorlage so gut wie eins zu eins umgesetzt. Zu den Bildern im Comic hatte ich immer die Bilder aus dem Film im Kopf inklusive der Stimmen und Gesichter der Schauspieler. Verrückt!

Der Comic besteht aus zwei Geschichten, die zusammen in den Film eingeflossen sind. Der bewegte Mann und Pretty Baby sind in der Originalfassung abgedruckt. Zusätzlich enthält der Jubiläumsband einige Extras. Unteranderem einen kurzen Comic, der 29 Jahre später spielt und in dem sich die Protagonisten von einst als gealterte Persönlichkeiten wiederbegegnen. Des Weiteren ein Gespräch zwischen Ralf König und Joachim Król, der damals in die Rolle des schwulen Protagonisten Norbert Brommers geschlüpft war. Weiterhin einen Rückblick von Ralf König und einen Artikel von Michael Töteberg über dazu Zustandekommen des Films.

Allein die Extras finde ich ausgesprochen spannend. Aber auch die Geschichte hat nach wie ihren Reiz, obwohl heutzutage der Umgang mit Schwulen und Lesben viel selbstverständlicher ist, als noch in den Achtzigern. Allein daran merkt man dem Comic sein Alter an.

Der mit 270 Seiten umfangreiche Comicband erschien bei rororo und ist überall dort erhältlich, wo es Comics gibt und natürlich auch im Onlinehandel. Was mich angeht sind die 15 EUR jeden Cent wert.