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Autorengedanken

In den vergangenen Wochen habe ich mir häufig Gedanken über Autoren im Allgemeinen und meine Schreibversuche im Besonderen gemacht. Dabei stellte ich die These auf, dass es drei Kategorien von Autoren gibt. Je nachdem, welcher Kategorie man angehört, hat man mal mehr und mal weniger Erfolg. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Menschen mit einem prominenten Namen lasse ich mal außen vor, weil deren Bücher so oder so verlegt und gekauft werden, egal wie gut oder wie schlecht sie geschrieben sind.

Nein, ich konzentriere mich auf all die namenlosen Autoren da draußen, die jeden Tag mit eigener Kraft versuchen müssen, ihre Geschichten an den Mann oder die Frau zu bringen.

Kategorie 1: Der Phantast

Diese Autor verfügt über eine ungezügelte Phantasie. Er kann sich Welten und Geschichten ausdenken, auf die kein normaler Mensch gekommen wäre. Seine Geschichten sind »bunt« und strotzen vor überraschender Ideen. Doch er scheitert oftmals an den stilistischen Regeln. Denn so blühend seine Phantasie ist, so sehr hat er Probleme sich an die allgemeinen Regel eines Textes zu halten. Seine Manuskripte werden nicht gelesen, weil sie zu viele stilistische Fehler enthalten und daher kaum lesbar sind. Da kann die Geschichte dahinter noch so genial sein, wenn die Form nicht stimmt, liest kein Lektor mehr als die erste Seite. Solch einem Autor helfen meist gute Testleser oder ein guter Freund, der bereit ist, dass Manuskript stilistisch in die richtige Form zu bringen. Dann klappt es vielleicht auch mit einer Veröffentlichung.

Kategorie 2: Der Stilist

Der Stilist ist ein Meister der Regeln. Er kennt sie alle und er weiß sie anzuwenden. Das Manuskript wird hunderte Male durchsiebt, bis jeder Makel im Text ausgebügelt worden ist. Was ihm aber fehlt, sind die brillanten Ideen. Seine Plots sind eher langweilig, zu strukturiert und wenig wendungsreich. Es fehlt ihm an der nötigen Phantasie. Er beschränkt sich zu sehr auf das »Wie schreibe ich« und weniger auf das »Was schreibe ich«. Der Stilist hat trotz perfektem Manuskriptes kaum Chancen das Wohlwollen eines Lektors oder seiner Leser zu gewinnen, noch weniger als der Phantast. Ihm bleibt die Hoffnung, die Geschichten anderer verbessern zu können.

Kategorie 3: Der Allrounder

Er vereint beide Fähigkeiten in sich und vermag sowohl stilistisch perfekt als auch mit viel Phantasie zu schreiben. Ein solcher Autor hat sich meist eine der Fähigkeiten über Jahre hinweg angeeignet, oder ist ein Naturtalent. Seine Manuskripte haben fast immer eine Chance auf Veröffentlichung, auch wenn er vielleicht ein bisschen suchen muss.

So viel zu meiner Theorie. Vielleicht ist das alles auch ganz anders.

Wer jetzt wissen möchte, zu welcher Kategorie ich mich zähle, darf drei Mal raten.

Die drei Weisen aus dem Leerraum

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 191 – »Pilgerzug der Posbis« von Oliver Plaschka

Reginald Bull geht dem Notruf eines Händlerschiffes nach und entdeckt im Kuipergürtel eine erneute Manifestation von ANDROS.
Einundzwanzig Posbi-Schiffe materialisieren in der Plutobahn und bitten um Einlass ins Sonnensystem. Bei den Verhandlungen mit den Positronisch-biologischen Robotern erfährt Perry Rhodan nicht nur, dass die Posbis im Leerraum durch eine Seuche dezimiert wurden. Sie sind auch auf der Suche nach der Einen, dem ersten Prototyp mit stabilisiertem Kern, von NATHAN ins Solsystem gelockt worden. Das Mondgehirn bittet Rhodan die Posbis gewähren zu lassen, die sich daraufhin bei Sedna, der Sonne und dem Mond sammeln und eine Waffe bauen, mit der ANDROS endgültig vernichtet werden soll.
Tifflor und Sud gelingt es derweil John Marshall aus dem Block zu befreien, in dem er aus dem Creaversum zurückgekehrt ist.

Einen Roman von Oliver Plaschka zu lesen, ist immer wieder ein besonderes Vergnügen. Hier stimmen nicht nur die Charakterisierung der Figuren, sondern auch der gesamte Plot. Seine Texte werden aufgelockert durch witzige und gleichzeitig intelligente Bemerkungen und Dialoge, die mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Außerdem gibt er sich sehr viel Mühe, die astronomischen und physikalischen Gegebenheiten im Roman möglichst akkurat zu beschreiben. Das ist es, was ich unter professionellem Erzählen verstehe.

Der Roman erschien wenige Tage nach dem 6. Januar. Ich wurde irgendwie den Gedanken nicht los, dass die pilgernden Posbis eine Anspielung auf die heiligen drei Könige (die eigentlich keine Könige waren, sondern weise Männer) sein sollten. Im Roman heißen sie Hek, Mo und Cal. Konsequenterweise hätte ich sie Cas, Mel und Bal genannt. Aber das wäre wahrscheinlich zu viel des Guten gewesen.

Das Besondere an diesem Roman sind die Briefe, die Rhodans Tochter Nathalie ihrer imaginären Freundin Ansa schreibt. Der Leser erhält einen Blick in die Psyche eine Kindes, dass anders ist als seine Spielkameraden. Außerdem beschert uns der Autor das erste Kochrezept innerhalb eines NEO-Romans. Ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn sich diese Briefe bis zum Ende des Romans durchgezogen hätten, und Nathalie in die Kommunikation mit den Posbis eingespannt worden wäre.

Sehr gut schildert der Autor die Verunsicherung der Menschen mit dem Auftauchen der Posbis, denen die Menschen an Feuerkraft nichts entgegenzusetzen haben. Man spürt wie misstrauisch Perry Rhodan und die Administration geworden sind, angesichts der wiederholten Eroberungen der Erde durch Außerirdische. Wobei nicht ganz richtig ist, wenn es heißt, dass der Absturz des Posbi-Schiffs auf dem Mond ungeklärt ist. Soweit ich mich erinnere, wurde das Schiff damals (in der MEISTER DER SONNE-Staffel) von den Menschen abgeschossen, weil sie einen Angriff vermuteten.

Ein Wermutstropfen ist die angebliche Romanze zwischen Belle McGraw und John Marshall. Die kam quasi aus dem Nichts. In den vergangenen Staffeln wurde nicht mal ansatzweise angedeutet, dass zwischen den beiden etwas läuft oder gelaufen ist. Belles Motivation hätte der Autor näher erklären müssen. Darauf komme ich aber unten nochmal zurück.

Großartig waren wie immer die Szenen zwischen Eric Leyden und seinen menschlichen Kollegen. Fesselnde Dialoge, die witzig aber nicht albern sind. Oliver Plaschka kommt damit dem großen Leyden-Interpreter Kai Hirdt sehr nahe.

Fazit: Oliver Plaschkas erster Staffeleinstieg »Pilgerzug der Posbis« ist ein absolut lesenswerter Roman, der Hoffnung auf eine spannende Abschluss-Staffel schürt.

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Parallelwelten veröffentlicht

Ich hatte es schon schon vor ein paar Tagen angekündigt. Ich habe endlich mein STAR TREK-PERRY RHODAN-Crossover auf meiner E-Book-Seite online gestellt.

Nachdem ich den Roman bereits 2014 fertiggestellt hatte, habe ich sehr lange überlegt, ob ich ihn tatsächlich veröffentlichen soll. Eine Weile spielte ich mit dem Gedanken, ihn in eine Schublade zu stecken und für immer zu vergessen.

Warum, ist nicht so leicht zu erklären.

Während die Star Trek-Fans offensichtlich Gefallen an der Geschichte fanden, war die Resonanz meiner Testleser aus dem PERRY RHODAN-Universum eher durchwachsen. Einige kritisierten die emotionale Komponente und vor allem die Liebesbeziehung. Fans der Serie sind diese Art der Offenheit nicht gewohnt. Sex und Liebe ist bei PR ein heikles Thema. Zumal meine Geschichte in der Frühzeit der Serie angesiedelt ist, in der Frauen nur untergeordnete Rollen spielten und in der mehr Waffentechnik und Taktik zählten.

Nach der Lektüre der ersten Silberbände reizte mich der Gedanke dem armen Administrator ein Gefühlsleben zuzugestehen, welches er in den Heftromanen immer unterdrücken muss.

Ein weiterer Anreiz war, einmal einen PERRY RHODAN-Roman für Frauen zu schreiben. In etwa so, wie sich die Heftromanserie lesen würde, wenn sie beim Cora-Verlag erscheinen würde. (Cora verlegt unteranderem die Liebesromane der Reihen Julia, Bianca und Tiffany.) Ein PERRY für Frauen, das ist sicher nicht die brillanteste Idee, aber die Meinungen meiner Testleserinnen zeigen, dass es da tatsächlich einen Markt dafür gibt. Wenn er auch nicht sonderlich groß ist.

Und natürlich wollte ich als langjähriger Star Trek-Fan meine Lieblings-Fernsehserie und meine Lieblings-Heftromanserie miteinander verknüpfen. Das ich dazu die Heldin meiner eigenen Romanreihe gewählt habe, lag nahe.

Ich habe den Roman aber auch unter einem anderen Gesichtspunkt geschrieben. Mich ärgerten die vielen wissenschaftlichen Fehler aus der Star Trek-Neuverfilmung von 2011. Besonders die Vorgeschichte, die in dem Comic »Countdown« erzählt wird, wimmelt nur so von Logikbrüchen und Desinformationen.

Es hat mich enorme Denkarbeit gekostet, passende Erklärungen zu finden, welche die Unstimmigkeiten aus dem Film und dem Comic ausbügeln, beziehungsweise erklären sollen. Aber genau das hat großen Spaß gemacht.

Und selbstverständlich diente der Roman auch meiner Weiterentwicklung als Autorin. Ich habe ihn gefühlte hundert Mal überarbeitet, und dabei viel über meine Art zu Schreiben gelernt.

Wer möchte, kann sich das PDF hier herunterladen.

Ach, ja! Wer noch Fehler finden sollte, kann sie mit Seitenangabe an mich weiterleiten oder einfach behalten.

Duden-Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter

Das ich so meine Probleme mit der deutschen Rechtschreibung habe, mag dem einen oder anderen Leser meines Blogs vielleicht aufgefallen sein. Schon in meiner Schulzeit kämpfte ich mit den Buchstaben und Kommas. Grammatik und Ausdruck dagegen fielen mir seltsamerweise leicht, nur die Rechtschreibung machte mir und macht mir noch heute schwer zu schaffen. Woraus folgt, dass ich sehr oft Wörter nachschlagen muss, um zu wissen, wie sie geschrieben werden.

Auf der Seite des Duden gibt es eine Liste mit rechtschreiblich schwierigen Wörtern. Da sind viele Kandidaten dabei, bei denen auch ich immer Schwierigkeiten habe. Das ist durch die Rechtschreibreform nicht einfacher geworden. Im Gegenteil, kaum dass ich mir eine Schreibweise gemerkt hatte, wurde das Wort plötzlich anders geschrieben und hat mich letztendlich gänzlich verwirrt.

Schwer tue ich mir nach wie vor auch in Sachen Getrennt- und Zusammenschreibung. Auch da muss ich häufig den Duden konsultieren. Natürlich hilft bei alledem auch die Rechtschreibprüfung des Browsers und des Schreibprogramms. Aber eben nicht immer.

Viele werden wahrscheinlich den Kopf schütteln und fragen, wie man bei sowas Probleme haben kann. Ich kann es nicht erklären. Ich weiß nur, dass mir das Schreiben von Geschichten geholfen hat, die Schwierigkeiten zu überwinden, vielleicht einfach nur wegen der Routine.

Nur manchmal, wenn es schnell gehen soll und ich mit der Hand schreibe, bricht das alte Muster noch durch. Dann schreibe ich auch Wörter falsch, von denen ich eigentlich genau weiß, wie sie geschrieben werden.

Ich sage mir dann immer: Niemand ist perfekt, egal wie sehr er sich bemüht.

Zurück auf Anfang?

Klaus N. Frick und meine Wenigkeit.

Die Zeit schien an diesem Wochenende beschleunigt. Zwar versprach Olaf Kutzmutz (Bereichsleiter Literatur der BA und Dozent) bei Twitter einen Zeitsprung zurück zum ersten Seminartag am Freitag, doch daraus wurde leider nichts. So kommt es nun, dass ich im Zug nach Hause sitze.

Es war ein schönes Wochenende und auch ein lehrreiches Seminar mit vielen Anregungen und Eindrücken. Und doch war dieses Mal etwas anders. Ich kann nicht sagen, woran es lag. Vielleicht am Thema, dass sich bisweilen als schwer greifbar entpuppte, am Wetter, das nicht nur mir Kopfschmerzen bereitete oder vielleicht auch an mir selbst. Ich vermisste außerhalb der Werkstatt die Dynamik der Gruppe. Einige erzählten mir, dass sie sich zu müde und abgespannt fühlten, um nach dem Seminar im Mühlenfoyer noch lange durchzuhalten. Dabei empfand ich das Plott-Seminar im vergangenen Jahr um ein Vielfaches fordernder. Und so kam es, dass ich mich bei einem Seminar in Wolfenbüttel morgens noch nie so ausgeschlafen gefühlt habe, wie gestern und heute.

Vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Erwartungen, oder vermisste den einen oder anderen Perryfan unter den Teilnehmern. Fans, die Chefredakteur Klaus N. Frick normalerweise am Abend die eine oder andere Anekdote zur PERRY RHODAN-Serie entlocken können. Wobei ich andererseits auch froh darüber war, dass die Heftromanserie so gut wie nicht erwähnt wurde und sich die Diskussionen hauptsächlich um das persönliche Empfinden von Phantastik drehten. Das Themenspektrum im Reader war erstaunlich breit gefächert. Dies begriff ich erst, als uns Kathrin Lange heute morgen eine Zusammenfassung lieferte. Gleichfalls erstaunlich sind die Herangehensweisen der einzelnen Teilnehmer an ihre Texte. Möglicherweise fühlte sich der eine oder andere Neuling etwas überfahren. Ich kann das gut nachvollziehen. In meinen ersten beiden Seminaren fühlte ich mich danach wie die schlechteste Autorin der Welt. Aber ich lernte, wenn man diesen Eindruck überwindet und weitermacht, gewinnt man sehr viel für das eigene Schreiben dazu.

Als Hausaufgabe bekamen wir mit auf den Weg, einmal darüber nachzudenken, wo unsere persönlichen Grenzen beim Schreiben liegen. Über was können wir schreiben und welche Themen kämen für uns nicht in Frage. Da muss ich auch erst darüber nachdenken.

Mein Dank gilt Dozenten und Teilnehmern für Stunden voller Spaß und Spannung. Angesichts meines unsicheren Gefühls am Wochenende überlege ich dennoch, ob ich nicht mal ein Jahr pausieren sollte. Schließlich möchte ich den angefangenen Roman auch beenden.

Ach ja, von den im Blogeintrag von Klaus Frick angesprochenen Leckereien habe ich jetzt ein Stück Stollen im Koffer. Da kann Weihnachten kommen und das ist ja auch ein Anfang.

BA zum Sechsten

Nächtliches Schloss

Sechs Mal, so oft war ich nun schon an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel zu Gast.

In den Jahren seit 2014 hat sich auch in der Stadt einiges verändert. Als ich heute durch die Fußgängerzone schlenderte, entdeckte ich, dass endlich das leerstehende Kaufhaus abgerissen wurde. Der hässliche Betonbau aus den Achtzigern hatte so gar nicht dorthin gepasst. Gerade entsteht dort etwas Neues, leider wird es wieder ein Konsumtempel werden, was ich sehr schade finde. Meine Hoffnung ist, dass das neue Gebäude besser zum Stadtbild passen wird, wie das Alte.

Das Seminar lässt sich gut an, obwohl ich am Nachmittag und Abend mit Kopfschmerzen kämpfte und mich nur schwer konzentrieren konnte. Die Readertexte sind sehr unterschiedlich, wenig Fantasy, viel dystopisches, Flucht, Armut und Tod. Man sieht, was die Menschen beschäftigt. Es macht mir ein wenig Angst, dass uns die Hoffnung auf Dauer verloren gehen könnte. Schließlich sollte die Science Fiction Zukunftsvisionen liefern – Utopien, von denen wir lernen und bei denen wir hoffen können. Ich befürchte, dass wir das in letzter Zeit ein wenig aus den Augen verloren haben.

Doppelte Post aus Wolfenbüttel

Post von der BA

Zweimal bekam ich in dieser Woche Post von der Bundesakademie Wolfenbüttel. Über beides habe ich mich sehr gefreut.

Am Mittwoch erreichte mich ein kleiner Brief mit einem Postkarten-Leporello. Sechs Karten, eines von jedem der angebotenen Programmbereiche. Das ist eine nette Idee und versöhnt mich ein wenig. Denn der Grund hierfür ist, dass es ab diesem Jahr kein gedrucktes Programm der »Bundesakademie für kulturelle Bildung« mehr gibt. Das finde ich zwar ein wenig schade, weil ich sehr gerne in den Heften geblättert habe. Aber ich kann die Gründe dafür gut verstehen. Ein Online-Programm lässt sich natürlich besser aktualisieren und anpassen, außerdem kann man dort schneller etwas finden. Ich bin mir aber sicher, dass ich nicht so intensiv darin stöbern werde, wie in den Heftchen in der Vergangenheit. Vielleicht wäre es schön, wenn man das Programm zusätzlich als E-Book herunterladen könnte, dann könnte man es mit jedem E-Book-Reader lesen. Das Format hat den Vorteil, dass es sich auch jederzeit aktualisieren ließe.

Am Donnerstag fand ich dann auch den Seminar-Reader im Briefkasten. Er erschien mir mit 86 Seiten heuer etwas dünn (im Vergleich zu dem 138 Seiten im letzten Jahr) Das mag am Thema liegen, aber auch daran, dass die Trennblätter mit den Namen der Teilnehmer fehlen. Ich fand diese zur Orientierung immer ganz wichtig und nutzte die leeren Seiten für Notizen und Kommentare. In diesem Jahr muss ich mir da etwas anderes einfallen lassen. Das bedeutet aber auch, dass ich in den nächsten Tagen 14 Texte lesen und kommentieren muss. Ich bin natürlich schon sehr gespannt, was die anderen Teilnehmer so geschrieben haben. Einer ist Star Trek-Fan, dies hab ich schon mitbekommen. Das wird nächste Woche bestimmt wieder ein tolles Wochenende.

Von der Qual nicht schreiben zu können

Mir ist etwas passiert, was mir noch nie passiert ist. Ich habe einen Text nicht pünktlich abgeliefert. Ausgerechnet die Schreibaufgabe für das Seminar in Wolfenbüttel ist bei mir in den Wirren des Umzugs untergegangen. Zum Glück habe ich gestern morgen dran gedacht und mich sogleich an die Arbeit gemacht, nachdem der Schreibtisch wieder aufgebaut war. So konnte ich die Schreibaufgabe und den kurzen Aufsatz noch am Vormittag abschicken. Aber geärgert habe ich mich trotzdem.

Ich habe wenig geschrieben in den vergangenen Wochen. Man kann es an der Timeline des Blogs gut ablesen. Und es hat mich tatsächlich geschmerzt, nicht schreiben zu können. Aber wenn man den ganzen Tag auf Arbeit ist und abends noch bis acht Uhr putzt und räumt, dann ist man hinterher so fertig, dass man fast ohnmächtig ins Bett fällt. Zum Schreiben fehlte mir da einfach die Kraft. Erschwerend kam hinzu, dass der Computer in der alten Wohnung stand (wegen des Internetanschluss). Und wir dort außer einer schwächelnden Schreibtischleuchte kein Licht mehr hatten.

Nächte lang konnte ich nicht schlafen, weil mir dauernd Texte im Kopf herumschwirrten. Wenn ich die nicht aufschreiben kann, werde ich sie tagelang nicht los. Was auf Dauer bei mir zu Frust und Unausgeglichenheit führt. Mein Mann kann das bestätigen.

So langsam normalisiert sich die Lage. Der Schreibtisch nebst Computer hat seinen Platz im Hobbyraum gefunden. Sowohl Drucker als auch Internet funktionieren wieder, die ersten Texte habe ich auch schon geschrieben und vergangene Nacht habe ich endlich mal wieder durchgeschlafen.

Kurzum alles ist wieder gut. Es ist aber auch etwas beängstigend, wie sehr man sich daran gewöhnen kann, jeden Tag zu schreiben und wie sehr es einem fehlt, wenn man es mal nicht kann. Die Wenigsten können das wahrscheinlich nachvollziehen.

Liebe durch alle Zeiten

Quelle: Amazon.de

Nach dem Motto »erst lesen, dann schreiben« recherchiere ich gerade für meinen neuen Roman »Zeit für Henry«. Es geht darin um Zeitreise und um Liebe. Da lag es nahe, dass ich den Liebesroman zum Thema Zeitreise schlechthin lesen musste. »Die Frau des Zeitreisenden« ist das Erstlingswerk von Audrey Niffenegger und erschien 2003 in den USA. Die deutsche Übersetzung folgte 2005.

In der Geschichte um Henry und Clara geht es in erster Linie um die große Liebe, um Bestimmung und Schicksal. Henry hat einen Gendefekt, der ihn unkontrolliert durch die Zeit reisen lässt. Clare lernt ihn als kleines Mädchen kennen, während Henry Clare erst in der Gegenwart begegnet, bevor er sie in der Vergangenheit trifft. Während Clare von Anfang an weiß, dass Henry, der Mann ihres Lebens ist, ist sich Henry alles andere als sicher, ob Clare die Richtige ist. Erst in ihrer Beziehung in der Gegenwart begreift er, welch enge Bindung Clare während seiner Besuche in der Vergangenheit zu ihm aufgebaut hat.
Als beide versuchen ein Kind zu bekommen, stellt das ihre Beziehung auf eine harte Probe. Nach sieben Fehlgeburten lässt sich Henry sterilisieren, doch da bekommt Clare Besuch von einem Henry aus der Vergangenheit.
Die Geburt ihrer Tochter Alba läutet die letzte Phase von Henrys Leben ein. Er weiß von Clare, dass er nicht älter als 43 werden wird. Auch Alba, die er in der Zukunft trifft, erklärt ihm, das er stirbt, wenn sie fünf ist. Vater und Tochter treffen sich häufiger in der Vergangenheit und in der Zukunft, weil sie seine Fähigkeiten geerbt hat.
Je näher er dem Datum seines Todes kommt, desto häufiger sind seine, nicht immer ungefährlichen, Reisen in die Vergangenheit. Clare ahnt, dass Henry etwas Furchtbares widerfahren wird und sie veranstaltet eine Feier für ihn mit all seinen Freunden und Bekannten. Als es dann soweit ist, hat Henry noch eine Botschaft für Clare. Sie werden sich wiedersehen 46 Jahre in der Zukunft.

Ich war überrascht, nicht nur das der Roman im Ich-Präsens abwechselnd aus der Sicht von Henry und Clare geschrieben ist. Die Geschichte entfaltet ihre Faszination auch erst nach und nach. Anfangs folgen Beschreibungen ihrer Begegnungen lose aufeinander, wobei sie linear aus Sicht Clares geordnet sind. Henry erzählt, wie er zum ersten Mal durch die Zeit gereist ist. Das alles plätschert so dahin, dass man sich fragt, wie die Autorin damit einen ganzen Roman füllen will. Denn die meisten Kapitel bestehen aus Beschreibungen in einfachen Sätzen, kurzen Dialogen und wenig Action. Doch das entpuppt sich auf Dauer als spannender als gedacht. Die vielen einzelnen Begebenheiten werden nach und nach miteinander verknüpft, so dass man als Leser ein immer vollständigeres Bild von Henrys Leben erhält. Manches ergibt erst viel später einen Sinn. Der Roman entwickelt so über seine Länge hinweg eine ungeheure Sogwirkung, die im letzten Drittel in einem hochemotionalen Finale gipfelt. Zum Glück hatte ich mehrere Pakete Taschentücher einstecken, als ich es gelesen habe. Das Ende ist aufwühlend, berührend und unendlich traurig.

Mich interessierte an dem Roman vor allem, wie ausführlich die Autorin die Zeitreisefähigkeiten von Henry erklärt hat. Und auch hier war ich überrascht. Ein bisschen Genetik, ein bisschen Quantenphysik, aber nichts Konkretes. Womit auch der Wissenschaftler zu kämpfen hat, der Henrys Phänomen im Buch auf der Spur ist. Die Autorin konzentriert sich voll und ganz auf die Liebesgeschichte und das funktioniert in diesem Fall auch sehr gut. Reine Science-Fiction-Leser werden vielleicht enttäuscht sein. Menschen die Liebesgeschichten oder emotionale Romane mögen, kommen hier umso mehr auf ihre Kosten.

Ein bisschen meckern muss ich bei aller Euphorie trotzdem. Ich weiß nicht, ob es schon im Original so war, oder der Übersetzung zuzuschreiben ist. Stellenweise stimmen die Adressierungen bei den Dialogen nicht. Es fehlen vor allem die Absätze zwischen den Sprechenden. Den Dialogen war deshalb mitunter recht schwierig zu folgen.

»Die Frau des Zeitreisenden« ist ein außergewöhnlicher Roman, nicht nur wegen des Genremix aus SF und Liebesroman, sondern vor allem wegen des Stils. Der sich durch einfache Sätze und kurze Beschreibungen im Ich-Präsens deutlich von der zeitgenössischen Gegenwartsliteratur unterscheidet.

Der Roman wurde mit Eric Bana in der Hauptrolle verfilmt. Der Film steht bei uns im Regal, ich habe ihn auch schon einmal gesehen, werde das aber bei Gelegenheit wiederholen.

Kurze Bemerkung zum Schluss. Es ist schon als kurios zu bezeichnen, dass ich dem Protagonisten in meinem Roman unabhängig und ohne Absicht den gleichen Namen gegeben habe.

Manische Roboter und Humor aus dem Jahr 222.221

Quelle: Amazon

Ich bin skeptisch, wenn ich von Selfpublishern angeschrieben werde, die um eine Rezension ihrer Romane bitten. Oftmals sind die Texte so unterirdisch, dass ich das E-Book schnell zur Seite lege und in den Mantel des Schweigens hülle. Eine Bewertung solcher Texte ist schwierig und man kann als Rezensent eigentlich nur ins Fettnäpfchen treten. Zu viel Kritik und man wird vom Autor oder der Autorin angegangen, zu viel Lobhudelei würde Betrug am Leser bedeuten.

Das es unter Selfpublishern viele herausragende Autoren gibt, hat nicht zuletzt Madeleine Puljic mit ihrem preisgekrönten Roman »Noras Welten« bewiesen. Zudem kenne ich inzwischen mehrere Autoren, die als Selfpublisher nicht nur erfolgreich im Geschäft sind, sondern auch ihr Handwerk verstehen.

André Nagerski ist einer dieser Selfpublisher, der mich mit seinem Roman »Roboter weinen heimlich« überzeugen konnte. Der studierte Kommunikationswissenschaftler hat mit seinem ersten Science-Fiction-Roman eine vergnügliche Variation des Genres geschaffen, das sich durchaus an Douglas Adams messen kann. Dabei ist die Geschichte um vier Freunde vom Planeten Bop, die ihrer trostlosen Welt entfliehen und sich ins Abenteuer Weltall stürzen, eher simpel. Es mangelt dem Roman ein wenig an Wendungen, aber auch an Spannung. Das ziellose Vorgehen der Protagonisten ist nicht jedermanns Sache. Diese Schwäche macht der Autor durch originelle Ideen und viel Humor wett. Die vielen Anspielungen aufzuzählen, die im Text versteckt sind, ist eigentlich unmöglich. Die originellste Idee war für mich die Speisekarte, die aus dem Speichel des Gastes die passenden Speisen errechnete. Aber auch bei den Namen von Erfindungen, Planeten und Begriffen ist die rheinische Frohnatur des Autors zu spüren.

Was dem Roman leider fehlt, ist der Feinschliff durch einen Lektor. Denn da wechseln die Erzählperspektiven mitten im Kapitel. Hin und wieder stimmen die sprachlichen Details nicht (Fäuste kann man nicht ballen, höchstens Hände. Eine Faust ist quasi schon geballt.) Auch die zusammenbrechenden Spannungsbögen und die manchmal nicht korrekte Verwendung der Zeitformen, sind in diesem Fall aber nur kosmetische Schönheitsfehler, die mein Lesevergnügen nicht schmälerten. (Nun, je nachdem wie pingelig man als Leser ist.) Auch das der Autor die Geschichte oftmals auktorial erzählt, störte mich am Roman nicht, weil er den Leser direkt anspricht.

Mein Fazit: Humor ist schwierig zu schreiben und Humor in der Science Fiction fast noch schwieriger. Allein das nötigt mir vollen Respekt ab. Das André Nagerski die Herausforderung angepackt hat und mit viel Witz und Leichtigkeit zu Papier bringt, sollte honoriert werden. »Roboter weinen heimlich« ist der erste Band einer Trilogie. Band zwei ist bereits erschienen und wird von mir sicher auch gelesen werden. Toll finde ich auch das kunterbunte Cover, das die Geschichte gut illustriert.

»Roboter weinen heimlich« ist als E-Book und Taschenbuch auf Amazon erhältlich. 115 Seiten die sich lohnen.