Verschlammt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 322 – »Der Schlammplanet« von Marie Erikson

Nachdem ein geistig verwirrter Thomas Rhodan da Zoltral in die Antriebssektion der BASIS vordringt und dabei durch die Strahlung fast umkommt, erkennt Rhodan, dass er den Antrieb der BASIS reparieren lassen muss, bevor noch jemand zu Schaden kommt. Der Kartanin Oogh at Tarkan schlägt ihm vor, die drei Musketiere zu bitten, den Kontakt zu den technikaffinen Dumfries herzustellen. Zusammen mit Gucky, Douc Langur brechen sie in einem kleinen Raumschiff auf, um die Musketiere zu suchen. Nachdem Rhodan und Tarkan die Botschaft abgeschickt haben, erhalten sie als Antwort einen Hilferuf. Sie fliegen zum Planeten Duha, dessen Oberfläche vorwiegend aus Schlamm besteht. Rhodan und Gucky mischen sich in Spiegelfelder gehüllt unter die vier Meter großen einheimischen Duhari, die gerade eine Prozess vorbereiten. Drei Fremde haben versucht, ihre heilige Truhe zu öffnen und sollen in einem Schlammloch hingerichtet werden. Rhodan erkennt in den Drei seine Freunde Gayt-Coor, Torytrae und Doynschto aus Naupaum wieder. Gucky kann Gayt-Coor und Torytrae aus dem Schlammloch retten, in das man sie gestoßen hat. Bei Doyntscho versagen seine Kräfte. Es entbrennt ein kurzer Kampf zwischen den Duhari und den Kampfrobotern aus Rhodans Schiff und alle können von Duha fliehen.
Auf der BASIS trifft, dank der Drei Freunde, wenig später ein Team aus Dumfries ein. Doch Rhodans Taktik, den Fremden die Natur der BASIS zu verschleiern, schlägt fehl. Als auch noch Tarkan sich ungefragt dem Tesserakt nähert, kommt es beinahe zur Katastrophe. Teile des Antriebs explodieren. Drei Dumfries sterben und werden zusammen mit den Verbliebenen von ihren Leuten wieder abgeholt, während die BASIS mit einer Nottransition entkommen kann.

Der Roman ist zweigeteilt und ich muss gestehen, dass, wenn die Handlung auf dem Schlammplaneten nicht so unterhaltsam gewesen wäre, mein Urteil hier härter ausfallen würde. Marie Erikson gelingt es durch den ungewöhnlichen Weltenbau, die witzigen Einlagen mit Gucky und Rhodan und die sehr sympathische Beschreibung der drei Freunde aus Naupaum, mich die ersten zwei Drittel des Romans gut zu unterhalten. Man stelle sich vor: eine Echse, ein Yaanztroner und eine Gottesanbeterin in einem Schlammloch. Dazu ein Gucky, der unter eine Schlammdusche gerät und ein Perry Rhodan, der bei der Rettungsmission den Überblick behalten muss. Dieser Teil ist sehr leicht, sehr lustig und sehr gut geschrieben.

Die Handlung auf der BASIS verkommt dagegen zu einem Dilemma. Ich frage mich ja ganz ernsthaft, warum man Thomas Rhodan weiterhin durch die Handlung schleppt. Mir war die Figur nie wirklich sympathisch und ich ertappe mich dabei, dass ich mir wünsche, das Bewusstsein von Roi Danton möge den Körper von Rhodans Sohn komplett übernehmen. Ich fand die Szene am Anfang genauso unnötig wie später bei Oogh at Tarkan. Wenn es einen bestimmten Grund gibt, warum sich beide von der Tesserakt-Strahlung, die ja so gefährlich sein soll, angezogen fühlen, dann möchte ich dafür auch eine Erklärung bekommen.

Das andere ist Rhodans Einstellung den Dumfries gegenüber. Ist er tatsächlich so naiv, dass er glaubt, die besten Techniker von M87 erkennen nicht, was es mit der BASIS auf sich hat? Überhaupt, wie sollen sie etwas reparieren, wenn sie nicht wissen, was es ist? Und sie dann, nachdem alles so unglaublich schief läuft, einfach in Rettungskapseln auszusetzen und zu flüchten, sieht dem verantwortungsvollen Terraner nicht ähnlich. Wer auch immer sich das ausgedacht hat, hat den Charakter Perry Rhodans nicht verstanden.

Ich hatte mich sehr auf M87 gefreut, aber mir missfällt, wie sich die Handlung entwickelt. Wieder haben wir mit einem defekten Raumschiff und Leuten mit Gedächtnisverlust zu tun. Erneut tritt die Handlung auf der Stelle. Wo bleiben die Ideen? Welche Ziele verfolgen die Terraner in M87 und warum lassen sie sich immer wieder in Nebenkonflikte verstricken, anstatt nach Informationen über Catron zu suchen. Und was zur Hölle war in der Truhe?

Allein wegen der Handlung auf Duha ist »Der Schlammplanet« zu empfehlen.

Filmretrospektive Februar

Wir haben in den letzten Wochen ein paar sehr interessante Filme angesehen:

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»Oktober Sky« mit einem ganz jungen Jake Gyllenhaal erinnerte mich an die Star Trek: Enterprise-Folge »Carbon Greek« aus der zweiten Staffel. Auch hier geht es um einen kleinen Ort, der vom Kohlebergbau lebt. In dem ein Junge sich nach dem Sputnik-Schock 1957 für Raketen zu interessieren beginnt. Zusammen mit drei Freunden bauen sie nicht nur Raketen, sondern auch einen richtigen Startplatz. Sehr zum Leidwesen ihrer Eltern und Lehrer, die die Jungs lieber im Bergwerk sehen würden, als auf einer weiterführenden Schule. Nur ihre junge Physiklehrerin glaubt an sie und spornt sie an, mit ihren Raketen bei einem Wissenschaftswettbewerb mitzumachen. Allen vier winkt das Stipendium für ein College, was sich ihre Eltern niemals leisten könnten. Es ist ein wundervoller Film übers Erwachsenwerden, über Träume und Schicksal, der schon 1999 erschienen ist, aber irgendwie an mir vorbeigegangen ist.

Um die 50er Jahre und um Weltraum im weitesten Sinne geht es auch in dem Film »Asteroid City«. Wobei sich die Handlung auf den Schauplatz eines Asteroidenkraters konzentriert. Mitten in einer Wüste irgendwo in den USA treffen verschiedene Personen aufeinander. Eine Gruppe jugendlicher Nerds (Junior Stargazer), ein paar Rancher, eine erfolgreiche Schauspielerin und ein Familienvater. Das Museum in Asteroid City hat einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem die Jugendlichen ihre Forschungsarbeiten vorstellen. Als mitten im Geschehen ein Außerirdischer landet und den Asteroiden mopst, der in dem Freilichtmuseum aufbewahrt wird, werden alle Anwesenden von der Regierung unter Quarantäne gestellt …
Seien wir ehrlich, trotz der hochkarätigen Besetzung (Tom Hanks, Scarlett Johansson, Edward Norton, Tilda Swinton, Steve Carell, Jeff Goldblum u.a.) so richtig warm geworden bin ich mit dem Film von Wes Anderson nicht. Die Optik erinnert an die 50er Jahre, alles ist in einem vergilbten Ton und wirkt wie nachträglich chloriert. Teile des Films sind in schwarzweiß und stellen den Filminhalt als Theaterstück dar. Und das ist das Verwirrende. Im Grunde ist der Zuschauer Zeuge eines Theaterstücks, das gleichzeitig wie ein Film daher kommt. Es geht um die Schauspieler, ihre Probleme und weniger um die Protagonisten des Stücks selbst. Die Handlung wabert ohne Ziel dahin. Wenn einer der Schauspieler aus der Kulisse zum Regisseur geht und sich beschwert, dass er nicht versteht, worum es in dem Stück geht, kann man das als Zuschauer sehr gut nachvollziehen. Ich bin mir sicher, dass der Film von 2023 bei den Oskars einige Auszeichnungen abräumen wird. Aber es ist mehr Kunst als Unterhaltung.

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Roland Emmerich hat den Technomond verfilmt – Das war mein Gedanke, als sich die wahre Natur des auf die Erde stürzenden Mondes im Film offenbart. Vielleicht ein bisschen dramatischer als in dem von Andreas Eschbach geschriebenen PERRY RHODAN-Roman mit der Nummer 2700. Beide sind Schwaben, da könnte die Idee naheliegen, dass sich Emmerich an die Idee eines Technomondes erinnert hat. Natürlich spielt in »Moonfall« kein Gucky und kein Perry Rhodan mit, aber die Idee eines von einer außerirdischen Zivilisation geschaffenen Mondes, der von einer aggressiven Maschinenspezies befallen ist und daher auf die Erde zu stürzen droht, könnte durchaus aus der Heftromanserie stammen. Das die physikalischen Gesetze gedehnt und der Dramaturgie angepasst werden – geschenkt. Ich habe mich zwei Stunden sehr gut unterhalten und das ist bei einem Spielfilm doch das wichtigste, oder?

Quelle: Amazon

Und dann habe ich mir, meines Mannes zuliebe die Fortsetzung von »Manta, Manta« angesehen. Der Film ist gar nicht so schlecht, wie ich gedacht habe, ob wohl ich Till Schweiger noch nie etwas abgewinnen konnte. Aber die Komödie setzt den ersten Teil konsequent fort, dreißig Jahre später aber mit den ursprünglichen Darstellern. Es werden aktuelle Themen eingebaut, es geht unter anderem um Geldmangel, zerrüttete Familien, Ausländer und Transmenschen, aber hauptsächlich geht es um Autos und die Erfüllung eines Traums. Dass die Protagonisten so herrlich politisch unkorrekt sind, ließ mich über den einen oder anderen blöden Gag hinwegsehen.

Maasvoller NEO

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 321 – »Duell der Druisanten« von Ruben Wickenhäuser

Die BASIS wird von den Raumschiffen der Skoar ins Dewellsystem eskortiert. Dort wird Perry Rhodan vom Befehlshabenden Druisanten Kibosh Baiwoff auf den 4. Mond des Planeten Dwellion eingeladen. Auch wenn die Geste zunächst freundlich erscheint, bleibt das Außenteam um Perry Rhodan, John Marshall, Ras Tschubai und Sarah Maas misstrauisch. Aus gutem Grund wie sich herausstellt. Baiwoffs Stellvertreter Agen Thrumb plant eine Verschwörung gegen seinen Vorgesetzten und informiert Perry Rhodan darüber, dass ein Dekonstruktor der Konstrukteure des Zentrums auf den Weg ist, um die BASIS zu zerlegen. Das bekommt Baiwoff mit und macht Jagd auf seinen Stellvertreter.
Ras Tschubai teleportiert Perry Rhodan und das Außenteam in ihre Space-Disk. Mit Hilfe von Thrumb, der inzwischen einen Großteil des Stützpunktes unter seine Kontrolle gebracht hat, können sie von dem Mond zurück zu BASIS fliehen.
Doch da erscheint der Dekonstruktor und umschließt die BASIS für die geplante Zerlegung. Erst als ein Raumschiff mit einem Kartanin in das System einfliegt und in die BASIS einschleust, lassen die Raumschiffe der Skoar und der Dekonstruktor von der BASIS ab. Die BASIS wird beschleunigt und kann trotz Beschuss mit einer Nottransisition flüchten.
Das Waffenfeuer der Gegner hinterlässt allerdings schwere Schäden am Dimetransantrieb.
Damit ist die BASIS erst einmal in M87 gestrandet.

Eigentlich passiert in dem Roman sehr wenig, was ihn über weite Strecken sehr langatmig macht. Ruben Wickenhäuser beschreibt jedes Detail komplex und ausführlich, ohne das man tatsächlich eine Vorstellung davon bekommt. Die Beschreibung der Kultur der Druisanten mögen durchaus reizvoll sein, sind aber perspektivisch nicht immer passend. Zu oft verwendet der Autor einen allwissenden Erzähler, um Informationen zum Handlungsablauf zu vermitteln. Das kann man machen, ich ziehe allerdings die personelle Perspektive vor, weil es das Lesen erleichtert, wenn man direkt bei der Figur ist.

Generell hat der Roman das Problem, dass er zu viele Informationen vermitteln muss und das mit viel zu viel Personal. Zwischen den vielen Namen und Begriffen, wie Druis, Druisant oder Druisaton – um nur ein Beispiel zu nennen – verlor ich hin und wieder den Überblick und musste nachschlagen, wer jetzt diese Figur war. Das macht das Lesen nicht einfacher.

Was mich aber absolut irritiert hat, war das Auftreten von Sarah Maas in diesem Roman. Denn das passt irgendwie überhaupt nicht. Zum einen wird man durch ihre Erinnerungsschübe zurück in die Aphiliestaffel versetzt. Es mag zwar glaubhaft sein, wenn jemand ein Trauma wie sie erlebt hat. Andererseits hat so jemand nichts an Bord eines solchen Schiffes und schon gar nichts bei einer Außenmission zu suchen. Die Frau gehört therapeutisch behandelt, das hätte sogar John Marshall erkennen müssen. Andererseits, wenn ich richtig gerechnet habe, ist Sarah Maas inzwischen etwa 145 Jahre alt. Schon während der Aphilie ist sie auf die Behandlung mit Jungbrunnen angewiesen. Da stellen sich mir gleich mehrere Fragen. Wird Jungbrunnen immer noch hergestellt, damit sie es regelmäßig einnehmen kann? Was ich kaum glaube, da das Medikament ja offiziell vernichtet wurde. Wieso ist sie dann nicht längst gestorben wie Stella Michelsen? In dem Fall wäre es besser gewesen, einen unbekannten Charakter für diesen parallelen Handlungsstrang zu nehmen, obgleich ich den Rückblick in die Aphiliestaffel nicht gut finde. Darum gab es ja den Ortswechsel nach M87 und den Aufbruch der BASIS, um sich von der vergangenen Staffel abzugrenzen und ins Unbekannte vorzustoßen. Als Leserin erwarte ich da neue Abenteuer und keine Rückblicke.

Hinzu kommen wieder einige Anschlusslücken aus dem Vorgängerroman. So erfahre ich, dass Roi Danton im Körper von Thomas Rhodan da Zoltral den Namen Rhodanton erhalten hat. Da Thomas in diesem Roman keine Rolle spielt, wäre die Information im Vorgänger- oder Nachfolgeroman besser aufgehoben gewesen.

»Duell der Druisanten« kann man lesen, muss man aber nicht, weil man handlungstechnisch nicht viel verpasst. Wer sich jedoch für fremde Kulturen interessiert wird mit den bildhaften, überbordenden Beschreibung der Druis und ihrer Umwelt gut unterhalten.

Kaleidoskop von Reisenden

PERRY RHODAN NEO Band 320 – »Schwarze Brücke« von Rüdiger Schäfer

Quelle: Perrypedia

Perry Rhodan bricht mit 50.000 Besatzungsmitgliedern der BASIS nach M87 auf. Nach einer wochenlangen Beschleunigungsphase um Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße springt die BASIS mit der Besatzung im Kryoschlaf über 55 Millionen Lichtjahre ins Zentrum von M87. Dort angekommen kollidiert zunächst das Raumschiff eines Fremden mit der BASIS. Nachdem das Problem gelöst ist, wirkt sich die Parastrahlung von Catron negativ auf die Besatzung an Bord aus. Das Problem kann schnell gelöst werden, in dem die BASIS den Abstand zum Zentrum von M87 vergrößert. 
Nächstes Ungemach droht, als sie mit der RAVANA, einem Kreuzer aus der Flotte der BASIS, den havarierten Raumschiffen einiger Fremden zu Hilfe eilen. Diese flüchten ebenfalls vor der Strahlung von ihren Planeten. Doch die Konstrukteure des Zentrums wollen ein »Ausbluten« der Sonnensysteme verhindern und machen Jagd auf die Flüchtlingsflotten, deren Raumschiffe kaum raumtauglich sind. Jeder der ihnen zu Hilfe kommt, wird von den Skoar, einer Art Systempolizei, vernichtet. 
Nur durch durch die Hilfe zweier Teleporter kann Rhodan die Bedrohung durch die Flotte der Skoar gegen die RAVANA verhindern. Gucky und Ras Tschubai springen auf die gegnerischen Schiffe und setzen diese mittels Nanoroboter kurzzeitig außer Gefecht. Letztendlich werden Rhodan und die BASIS von den Stützpunktingenieuren ins Dewellsystem eingeladen.

Er macht das schon geschickt, Exposéautor Rüdiger Schäfer. In vielen kurzen Kapitel beschreibt er aus Perspektive einiger Besatzungsmitglieder den Aufbruch der BASIS nach M87. In Rückblenden werden viel Dinge angerissen, von denen man hofft, sie würden im Laufe des Romans geklärt. Was dazu führt, dass man immer weiterlesen möchte. Doch die Auflösung lässt auf sich warten. Erst im zweiten Teil des Romans wird das eine oder andere erklärt. Es bleiben jedoch Fragen offen.

In M87 erwarten Rhodan und seine Mitreisenden einige Überraschungen, die ich als Leserin schon aus Band 299 kenne. Darin ging es um die Odyssee der SOL, die ebenfalls in M87 gestrandet war. Allerdings 100 Millionen Jahre in der Vergangenheit. Schon damals waren die Bewohner der zentrumsnahen Systeme bereits auf der Flucht. Warum diese Flucht noch immer andauert und wieso die inneren Sonnensysteme nicht schon längst verlassen sind, darauf hoffe ich zumindest in den nächsten Romanen eine Antwort zu erhalten. Denn in 100 Millionen Jahren sollten sich die Spezies so langsam an die Strahlung angepasst haben oder ausgestorben sein.

Die Überraschung des Romans ist der Charakter von Lia Tifflor, die Tochter von Julian Tifflor und Perry Rhodans Patenkind. Da musste ich zunächst überlegen, was mit ihrem Vater passiert ist, denn der war schon länger nicht mehr in der Handlung unterwegs. Lias Tätigkeit als Bordärztin und ihre Abhängigkeit von Aufputschmitteln wird vom Autor sehr treffend und fachkundig geschildert. Bester Spruch in diesem Zusammenhang kommt von Thora, die sagt, nachdem Lia Perry als Arsch bezeichnet hat: »Sie ist gerade mal dreiundfünfzig … Nimm es ihr nicht übel. Ich finde für ihr Alter ist sie schon ziemlich weit …«

Eingeführt wird der Nachfolger von Leibnitz – Galto Quohlfahrt. Monade hat also ein neues »Herrchen«. Auch er wurde wie Leibnitz von den Posbis auf einem Dunkelplaneten im Leerraum »behandelt«. An die Zeit davor hat er keine Erinnerung. Mich würde freuen, wenn irgendwann mal aufgeklärt wird, wie er dahin gelangt ist und warum. Ich hatte immer auf einen Charakterroman über Leibnitz gehofft, in dem dessen Odyssee erklärt werden würde. Hinweise gab es in den vergangenen Staffeln zuhauf. Leider wurde sie nie zu einem Ganzen zusammengesetzt.

»Schwarze Brücke« ist ein guter Auftaktroman für die neue Staffel. Er macht neugierig und weiß zu unterhalten. Es freut mich, dass Weidenburn und seine STAC wieder mit von der Partie sind.

Treffende Analysen zu Deep Space Nine

Quelle: Amazon

Die letzten Wochen habe ich mit PERRY RHODAN NEO pausiert, damit ich mich einem besonderen Buch widmen konnte. Julian Wandler hatte mir sein Sachbuch »Deep Space Nine – Utopia im Weltenbrand« geschickt. Da mein Mann und ich, uns gerade wieder Star Trek: Deep Space Nine (DS9) ansehen, passte es gut, zusätzlich ein Buch darüber zu lesen. Bei fast 500 Seiten kann man dieses Sachbuch nicht mal so nebenbei lesen. Gelohnt hat es sich aber auf jeden Fall.

Ich gebe dem Autor recht, wenn er schreibt: »… Mit Star Trek: The Next Generation und Captain Jean-Luc Picard bin ich zum Fan geworden, doch Deep Space Nine hat mich mitten ins Herz getroffen.« Das kann ich absolut so unterschreiben. Auch für mich ist die 3. Star Trek-Serie etwas besonderes. Sie wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Nach der Lektüre von »DS9 – Utopia im Weltbrand« erst recht.

Der Autor fasst die politischen und charakterlichen Entwicklungen innerhalb der Serie treffend zusammen. Ich habe selten eine so tief gehende Analyse zu einer Fernsehserie gelesen. Sehr ausführlich widmet er sich den Hintergründen der Handlung, den Intrigen der Geheimdienste, den politischen Ausgangspunkten und den gesellschaftlichen Gegebenheiten der Serie. Es liest sich fast wie ein Geschichtsbuch und man bekommt das Gefühl, man wäre ein Beobachter aus dem späten 24. Jahrhundert, der sich rückblickend mit dem Dominionkonflikt beschäftigt. Das muss man erst einmal hinbekommen.

Entgegen anderer Sachbücher über Fernsehserien enthält dieses keinen Episodenguide, sondern eine umfangreiche Zusammenfassung der Geschehnisse aus den Jahren 2368 bis 2375 und darüber hinaus. Dabei werden viele Dinge, die passiert sind in ein großes Ganzes überführt. Zusammen mit Informationen aus den anderen Star Trek-Serien und den Romanen der 8. Staffel zu DS9 entsteht ein komplexes Stück Geschichtsschreibung. Der Autor zieht Verbindungen, die mir als langjähriger Fan nie aufgefallen, aber in sich verblüffend schlüssig sind. Vor allem wird klar, dass vieles, was in der Serie passiert sehr realistisch ist. Man kann einige Parallelen zu heute ziehen.

Besonderes Augenmerk legt der Autor auf die Charaktere, die bei DS9 nicht nur sehr umfangreich, sondern auch sehr vielfältig waren. Jedem Charakter wird mindestens ein Kapitel gewidmet, manch einem sogar mehrere. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Haupt- oder Nebencharakter handelt, oder um einen Antagonisten. Man erfährt die eine oder andere Neuigkeit. So wusste ich zum Beispiel nicht, das Gul Dukats Vorname Skrain war.

»Deep Space Nine – Utopia im Weltenbrand« ist aus vielen sehr guten Einzel-Essays zusammengesetzt. Und da liegt auch mein einziger Kritikpunkt. Es kommt dadurch oft zu Wiederholungen innerhalb der Texte. Für die Zusammenfassung in einem Buch hätte man hier und da den Rotstift ansetzen müssen (gerade für die 2. Auflage). Dies hätte auch den Umfang des Buches (immerhin 464 Seiten) reduziert. Denn im Mittelteil habe ich mich tatsächlich etwas durchkämpfen müssen. Das tut der Bedeutung des Werkes allerdings keinen Abbruch. Denn es zeigt, wie visionär die Autoren von Deep Space Nine waren. Die Serie ist heute aktueller, als zum Zeitpunkt ihrer Ausstrahlung. Etwas das man von TNG oder Voyager nicht sagen kann.

Ich habe lange überlegt, für wen sich dieses Buch eignet. Für jemanden der DS9 noch nicht kennt, ist es zwar interessant und gibt sicher den einen oder anderen Anreiz, sich die Serie anzusehen. Aber man wird schon ziemlich gespoilert. Fans, die die Serie sehr gut kennen, werden vieles bereits wissen und könnten gelangweilt sein. Ich denke, am sinnvollsten ist es für solche Leute wie mich, die DS9 in den Neunzigern gern gesehen haben und die Serie gerade wieder neu für sich entdecken. Dabei ist »Utopia im Weltenbrand« extrem hilfreich, weil es viele Bezüge herstellt und das Gesehene durch Hintergrundwissen erweitert.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.

Oppenheimer und die A-Bombe

Quelle: Amazon

Biopics finde ich inzwischen fast spannender als fiktive Filme. Klar ist, das auch bei diesen Filmen einiges fiktional ist, dennoch finde ich es interessant etwas über Menschen zu erfahren, die wirklich gelebt haben. Einer dieser Filme hat jetzt einen Golden Globe gewonnen und wird sicher auch bei den Oscars abräumen – »Oppenheimer«. Wir haben uns den Film unlängst angesehen.

Den Titel »Vater der Atombombe« hat er immer zurückgewiesen, aber so ganz konnte Robert Oppenheimer ihn nicht ablegen, selbst wenn er im Nachhinein seine Arbeit am Manhattan-Projekt kritisch gesehen hat. Das ist aber nur ein Punkt, den dieser Film beleuchtet. Ein Mann dem seine Erfindung über den Kopf wächst, bzw. von Fremden für deren Zwecke missbraucht wird. Zum Schaden von tausenden Menschen. Dabei sah sich Oppenheimer immer nur als Wissenschaftler. Das dem nicht so ist, zeigt ein weiterer Teil des Films.

Es geht zudem um Politik, um die Angst vor den Nazis und dem Kommunismus, um Kriege (den heißen und den kalten) sowie um sich profilierende Wissenschaftler und Politiker. In drei Handlungsebenen erzählt der Film aus dem Leben von Robert Oppenheimer. Die Handlung wechselt zwischen diesen Ebenen hin und her, was sehr viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer erfordert. Ein Teil der Handlung wird zur besseren Abgrenzung in Schwarz-Weiß-Bildern erzählt. Das alles ist zwar lang und komplex, aber auch ausgesprochen spannend inszeniert. Regisseur Christopher Nolan nimmt sich viel Zeit, um die Geschichte zu erzählen.

Die Schauspieler – allesamt Superstars – sind in ihren Rollen teils kaum wieder zu erkennen. Also ich habe ein paar Minuten gebraucht, bis ich Robert Downey Jr. in der Rolle als Politiker Lewis Strauss erkannt habe. (Gary Oldman als Harry Truman habe ich gar nicht erkannt.) Cillian Murphy sieht nicht nur wie der richtige Oppenheimer aus, er spielt den ehrgeizigen, arroganten und leicht spleenigen Wissenschaftler sehr überzeugend. Selbst in den Nebenrollen geben sich die Stars wie Matt Damon, Emily Blunt, Josh Hartnett oder Matthias Schweighöfer (als Werner Heisenberg) die Klinke in die Hand.

Selten hat mich ein Film so gepackt und im Nachhinein beschäftigt wie dieser. Mit welchen Mitteln und mit wie viel Risiko, die Menschen damals an die Erforschung und die Konstruktion einer so gefährlichen Technologie herangegangen sind, hat mich schwer beeindruckt. Die haben Sicherheitsabstände und Gefahren völlig falsch eingeschätzt aber auch die Sprengkraft und den Schaden, den die Atombombe anrichten kann. Das ist vielen erst nach den Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki klar geworden. Andererseits hat mich erschreckt, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und mit wie viel Kalkül die Politiker die Erfindung ausgenutzt haben. Beispielhaft wird das an der Szene, in der die potenziellen Ziele in Japan festgelegt wurden. Da spielten teils persönliche Abneigungen bzw. Erfahrungen mit herein. Und natürlich ist es erschreckend, wie in der McCarthy-Ära in den USA mit Menschen umgegangen wurde, denen man Verbindungen zum Kommunismus nachsagte.

»Einer der besten Filme des Jahrhunderts« heißt es auf dem BluRay-Cover. Nun, das wird sich herausstellen, wenn das Jahrhundert um ist, aber der Film kommt dem sicher sehr nahe. Von mir gibt es die Empfehlung, ihn sich unbedingt anzuschauen.

Quietschbuntes Filmvergnügen mit Tiefgang

Quelle: Amazon

Ich hatte nie eine Barbie. Als Ersatz musste eine Wassernixe herhalten, die mein Vater sich für die Hutablage seines Trabbi gekauft hatte. Die Puppe hatte zwar keine Beine aber lange Haare zum kämmen und flechten. Wobei ich ohnehin nicht lange damit gespielt habe, nachdem ich den ersten Metallbaukasten geschenkt bekam. Insofern war Barbie immer etwas, dass ich nur aus der Werbung oder von Freundinnen mit Westverwandtschaft kannte. Ich wusste, dass alles rosa war und es alles mögliche Zubehör für die Puppen gab.

Weil der Barbie-Film im Sommer immer mal wieder Gesprächsthema in den Nachrichten war und offensichtlich besser sein soll, als man gemeinhin vermutet, haben wir ihn uns über die Feiertag mal angesehen. Tatsächlich ist der Film nicht schlecht. Auch wenn alles in Barbie-Rosa ist und mit allerlei Klischees gespielt wird, hat er doch immer mal wieder Szenen, die sich kritisch mit den »Werten« von Barbie auseinandersetzen. Und spätestens als Barbie auf die reale Welt trifft, wird es tragisch-komisch.

Es ist ein leichter aber kein seichter Film. Es wird gezeigt, das Diversität nicht zu mehr Rechten für Frauen führt. Dass sich die Ideale der Barbiewelt, obwohl sie gut klingen, sich nicht eins zu eins auf die Wirklichkeit übertragen lassen. Und dass das Canceln von abweichenden Meinungen genauso totalitär ist, wie die Unterdrückung von Minderheiten.

Mir hat der Film überraschend gut gefallen, trotz der vielen Gesangseinlagen.

Kampf um die Wahrheit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 317 – »Wahrheitskrieger« von Lucy Guth und Marie Erikson

Trevor Cassalle wird zur Leitfigur einer Widerstandsbewegung gegen die Führung der Aphilie. Neben Schlichtern schließen sich ihm auch Zivilisten an, die Antworten auf die Fragen rund um die gefundenen Gehirne möchten. Ihm auf der Spur ist Jocelyn Pinatauro. Der wurde vom Licht der Wahrheit beauftragt Cassalle zu töten, um den Widerstand der Wahrheitskrieger zu brechen. Doch seine Anschläge auf Cassalles Leben gehen allesamt schief.
Die Wahrheitskrieger stöbern bei einem Angriff auf das Gebäude von Pharamond in New York Professor Worthing auf. Der kann ihnen weitere Stützpunkte nennen, an denen Gehirne liegen, bevor er auf Befehl von Jocelyn Pinatauro erschossen wird. Einer dieser Stützpunkte befindet sich in Cardiff und wird merkwürdigerweise kaum von den Schlichtern bewacht. Cassalle macht sich auf den Weg dorthin, um herauszufinden was dort los ist. Er und seine Leute werden dort von einer Gruppe Schlichter in die Mangel genommen. Bevor es zu einem blutigen Gemetzel kommen kann, bietet Cassalle der Anführerin der Schlichter einen Deal an. Er zieht ab, wenn sie nichts in dem Gebäude von Pharamond finden. Sehr schnell stoßen sie dort jedoch auf eine unterirdische Anlage, die in keinem offiziellen Plan verzeichnet ist und in der lebendige Gehirne lagern, die miteinander vernetzt sind. In diesem Moment tritt nicht nur Pinatauro auf den Plan, sondern auch Catron. Der Biocomputer dessen Splitter sich in der Stele in Terrania befindet, befiehlt beiden die Zusammenarbeit, um herauszufinden, wer für die Versuche mit den vernetzten Gehirnen verantwortlich ist. Außerdem bekommen sie den Auftrag das Licht der Wahrheit und das Licht der Vernunft, Thomas Rhodan da Zoltral, zu eliminieren, da diese offensichtlich nicht mehr im Interesse Catrons handeln.
Auf der anderen Seite versuchen auch Perry Rhodan, seine Frau Thora und Roi Danton, sowie die beiden Agenten Sylvia Demmister und Sergio Percellar mehr über die Versuche der Aphiliker und das Medikament Jungbrunnen herauszufinden. Sie wollen Rhodan und Thoras Sohn Thomas mittels einer Dosis des Unsterblicheitspräparats von der Aphilie heilen, doch der hat alle Chargen vernichten lassen. Der einzige, der noch eine Dosis besitzt, ist Reginald Bull. Sie ist für Bulls Frau Stella Michelsen gedacht. Er wurde damit von Thomas Rhodan da Zoltral erpresst und hat deshalb behauptet Perry Rhodan sei das Licht der Vernunft. Michelsen gibt Rhodan die Dosis, gegen den Willen ihres Mannes.
Thora und Perry fliegen mit Demmister und Percellar ebenfalls nach Cardiff, wo Thomas ein Haus an der Küste besitzen soll. Zuerst suchen sie ihn aber im Stützupunkt von Pharamond. Mit Spiegelfeldern durchstöbern sie den Stützpunkt parallel zu Cassalles Leuten. Sie werden jedoch von Pinatauro entdeckt und festgesetzt. Mittels einer Ablenkung durch das Herbeirufen von Cassalle kann Rhodan mit der Dosis Jungbrunnen entkommen und ins Haus seines Sohnes eindringen. Perry hat Skrupel seinen Sohn einfach so zu überwältigen und ihm das Mittel zu spritzen und so kann Thomas entkommen. Perry folgt ihm und es kommt zum Kampf zwischen ihm und seinem Sohn. Zuletzt stecken beide in einem Opernhaus fest, das von Cassalles Leuten umstellt wird, der Thomas als Licht der Vernunft absetzt. Rhodans Sohn muss sich entscheiden, will er sich den Wahrheitskriegern ergeben und exekutiert werden oder will er unter der Bedingung, dass er sich das Medikament gegen die Aphilie spritzen lässt, von seinem Vater gerettet werden. Er entscheidet sich für Letzteres und die beiden können gemeinsam entkommen.
Catron ernennt Pinatauro zum neuen Licht der Wahrheit und Trevor Cassalle zum neuen Licht der Vernunft. Sie sollen in seinem Sinne weiterregieren, so wie es schon seit Jahrzehnten der Fall ist.

Ganz schön viel Stoff für einen NEO. Doch die beiden Autorinnen schaffen es mittels kurzer aber spannender Kapitel den Leser atemlos durch die Geschichte zu treiben, ohne dabei die Charakterisierung der Figuren zu vernachlässigen. Reginald Bulls Sorge um seine Ehefrau ist da genauso glaubwürdig dargestellt, wie Thomas Rhodans da Zoltrals Angst kein Aphiliker mehr zu sein, um den Verlust seiner Ehefrau Jessica Tekener verarbeiten zu müssen.

Besonders gut gefiel mir die Charakterisierung von Trevor Cassalle. Gerade als man denkt, er sei einer der Guten, tut er etwas, dass beweist, dass er nach wie vor wie ein Aphiliker denkt. Und selbst dem unsympathischen Pinatauro nimmt man den Eifer ab, mit dem er Cassalle hinterherjagt, um endlich seinen Auftrag zu erfüllen. Wobei ich immer noch mit dem spontanen Aufbegehren der aphilischen Bevölkerung hadere. Mein Eindruck war bisher, dass die meisten Aphiliker wenig entschlussfreudig und extrem befehlsgehorsam sind. In den ersten Romanen der Staffel hat keiner der Schlichter seine Aufgabe hinterfragt. Warum erst jetzt und nicht schon in den letzten 80 Jahren? Sind die geheimen Aktionen mit den Gehirnen, die Perry Rhodan aufgedeckt hat, wirklich so überraschend? Das hätte doch schon früher Mal jemanden auffallen müssen.

Was mir sehr missfiel, ist Rhodans Zögern seinem Sohn das Mittel zu verabreichen. Auf der einen Seite kommt er fast spielend an ihn heran (eher unglaubwürdig) und andererseits stellt er sich dann so dumm an. Anstatt den Sohn zu betäuben und das Mittel zu injizieren, redet er erst einmal ewig auf ihn ein, damit Thomas Zeit hat ihn zu überwältigen und zu fliehen. Die ganze Kampfszene über Cardiff fand ich eigentlich überflüssig, das war nur eine Show, die der spannende Roman überhaupt nicht nötig hatte. Witzig finde ich das Namedropping zu Thomas und Cardiff. So hieß Rhodans erster Sohn in der Erstauflage.

So langsam schält sich heraus, was im Solsystem passiert ist und wie das alles mit Catron (aus der Odyssee-Staffel) zusammenhängt. Da bin ich auf die nächsten Romane schon sehr gespannt.

»Wahrheitskrieger« ist ein rasant zu lesender Roman, der ein neues »Licht« in die Aphilie und der Familie Rhodan einen Familienzusammenführung bringt.

Auf schmalem Grat zwischen Wahrheit und Gewalt

Quelle: Perrypedia PERRY RHODAN NEO Band 316 – »Jungbrunnen« von Rainer Schorm

Perry Rhodan wendet sich in einer Botschaft an die Bevölkerung und erzählt von den eingelagerten Gehirnen auf dem Mars und in Nairobi. Daraufhin geraten viele Aphiliker in Todesangst und Panik. Alle Dementis der Regierung helfen nicht, die Unruhen unter der Bevölkerung zu befrieden. Als dann noch die Sicherheitskräfte selbst ins Zweifeln kommen, eskaliert die Lage in blutiger Gewalt.
Sylvia Demmister und Sergio Percellar entschlüsseln derweil ein gestohlenes Datenkonglomerat. Die Informationen über das Medikament »Jungbrunnen«, das angeblich bei Aphilikern zu Wahnsinn führt und nur bei Immunen einen verjüngenden Effekt hat, führen sie zurück ins Stummhaus in Terrania, in dass sie vor einigen Wochen eingebrochen waren. Der Mediziner Adrian Skelouth, einstiger Peiniger von Demmister, wird von ihnen aus der Anstalt befreit, in die sie ihn vor Wochen selbst gesteckt haben. Er kann ihnen nicht nur wichtige Hinweise zu den entschlüsselten Daten geben, sondern wurde durch die experimentelle Behandlung mit Jungbrunnen von seiner Aphilie geheilt.
Zusammen mit dem Mediziner brechen Demmister und Percellar zum Herstellungsort des Medikaments auf. In den Arjai-Grotten, einem alten buddistischen Kloster, wird ein Teil der Inhaltsstoffe angebaut. Skelouth ist den dortigen Wissenschaftlern gut bekannt, daher bekommen Demmister und Percellar als Assistenten von Skelouth ungehinderten Zugang. Beide wollen einen Vorrat an Jungbrunnen an sich bringen.
Doch zum einen wird Jungbrunnen seit kurzem nicht mehr in den Arjai-Grotten hergestellt, andererseits wird Percellar auf Grund seines Exoskeletts enttarnt. Skelouth schickt Demmister als Pilotin eines Transporter voll Rohstoffen für Jungbrunnen zurück nach Terrania. Die täuscht ihren Abflug nur vor und dringt erneut in die Arjai-Grotten ein, um Percellar zu befreien. Auf der Suche nach ihrem Partner entdeckt sie das Geheimnis der zweiten Zutat für das Medikament – die Substanz C-XX wird aus menschlichen Gehirnen extrahiert. Deshalb konserviert das System der Aphiliker in geheimen Verstecken tausende menschliche Gehirne.
Als Demmister Percellar findet, soll ihm gerade das Gehirn entnommen werden. Sie kann einen Teil der Mediziner ausschalten, bevor sie selbst vom Sicherheitsdienst überwältigt wird. Adrian Skelouth rettet beide Agenten vor der Prozedur und flieht mit ihnen zurück nach Terrania. Auf dem Weg werden sie von Schlichtern verfolgt, ein Großteil der Fracht des Transporters wird beschädigt und im Stummhaus werden die verbliebenen Reste der Jungbrunnen Ingredienzien von einer geisteskranken Frau zerstört, die auch Adrian Skelouth in ihrem Wahn erschlägt. Demmister und Percellar stehen erneut mit leeren Händen da.

Das war ein sehr untypischer Roman von Rainer Schorm. Normalerweise ist der Autor für seine technischen Beschreibungen und wissenschaftlichen Erläuterungen in den NEO-Romanen bekannt. In diesem NEO überrascht er mit sehr viel Innenansichten von Sylvia Demmister, der ambivalenten Beziehung der beiden Agenten zueinander, einem zurückhaltenden Humor und einer Handlung, die bis zum Ende spannend bleibt.

Dass die ganze Aktion von Demmister und Percellar letztendlich völlig ergebnislos endet, ist nicht nur für die Betroffenen enttäuschend, sondern auch für mich als Leserin. Was außer der Erkenntnis, dass Jungbrunnen vermutlich die Aphilie heilt, ist denn am Ende geblieben? So viele Tode und Verletzte, so viel Schaden angerichtet … für was eigentlich? Was wollten die beiden Agenten mit dem Diebstahl von Jungbrunnen bezwecken? Zumal sie völlig allein und isoliert agieren. Das hat sich mir nicht so wirklich erschlossen.

Dabei beschreibt der Autor das Agentenduo sehr treffend. Die Unsicherheit über ihre Beziehung und die vielen kleinen Sticheleien, waren vergnüglich zu lesen. Ebenso Demmisters innerer Kampf mit den Rachegelüsten, die sie ihrem Peiniger Skelouth gegenüber verspürt. Das war alles sehr nachvollziehbar und einfühlsam verfasst.

Eine Parallelhandlung erzählt von Trevor Cassalle einem Polizeikommandanten aus Terrania, der im Mittelpunkt der bürgerkriegsähnlichen Ereignisse steht, die Perry Rhodans Rede ausgelöst hat. Er muss sich entscheiden, ob er für oder gegen das System kämpfen soll. Das ging mir dann aber doch ein bisschen zu schnell.

Wenn ich es richtig verstehe, dann wissen die meisten Aphiliker nicht, was sie tun müssen, weil es ihnen schwer fällt Entscheidungen zu treffen. Der verstärkte Lebenserhaltungstrieb gut und schön, aber das da gleich das Chaos ausbricht und vor allem so schnell … glaube ich fast nicht. Ich fand die Idee dennoch gut, dass die Kommandanten noch nachdenken und nicht nur blind Befehle befolgen. Zumal es offensichtlich mehr Untergebene gab, die irgendwann mal Gehirne transportiert haben. Daran erkennt man die Anfälligkeit des aphilischen Systems, dass auf solche Details keinen Wert legt. Die Effizienz verbietet es, Personen, die beim Transport der Gehirne beteiligt sind, anschließend zu eliminieren. Für die Sicherheit der Sache wäre dies aber unabdingbar.

»Jungbrunnen« ist ein ausgezeichneter Roman von Rainer Schorm, der zwar sehr ungewöhnlich für den Autor – bisher waren die Innenansichten eher die Aufgabe von Rüdiger Schäfer – aber bis zum Schluss spannend erzählt ist. Leider enttäuschte mich das Ende, weil es nur in der Nebenhandlung Auswirkungen auf den Fortgang der Staffelhandlung gibt.

Alltägliches aus Afrika

Das Buch lag jahrelang ungelesen in meinem Bücherschrank. Ich hatte mir immer wieder vorgenommen es zu lesen, aber stets war etwas dazwischen gekommen. Vor ein paar Wochen packte es mich dann. Zum einen hatte ich absolut keine Lust auf Science Fiction oder auf längere Romane und zum anderen steht bald der 60. Geburtstag des Autors an. Da lag es nahe, sich einmal mit dem Werk näher zu befassen.

PR-Chefredakteur Klaus N. Frick war mehrmals in Afrika unterwegs. Angefangen von einem Trip mit einem umgestalteten Reisebus von Bayern über Frankreich, Spanien, durch Marokko und Algerien nach Niger im Winter 1987/88. Es folgten weitere Reisen nach Kamerun, Senegal, Togo, Botswana, Malawi, Tansania und Südafrika. Jedes Mal war er nicht als »normaler« Tourist unterwegs, sondern mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Buschtaxis wie die normale Bevölkerung. Er übernachtete in Absteigen, kleinen Hostels und auch mal im Puff. Er traf Menschen auf Augenhöhe freundete sich mit Einheimischen an, die ihn mit seiner Punkfrisur sicher für einen seltsamen Europäer gehalten haben. Er näherte sich ohne Scheu den kulinarischen Herausforderungen der afrikanischen Küche. Und er nahm bewusst die moralischen Unterschiede zwischen den Kulturen wahr. Während seiner Reisen hat er viele Notizen gemacht. Daraus entstanden die Geschichten für den ungewöhnlichen Reiseführer »Das Tier von Garoua«.

Der Autor erhebt keinen Anspruch darauf, dass seine Texte hohe Literatur sind, sondern er möchte das Leben der Menschen in Afrika anhand seiner Begegnungen wirklichkeitsnah schildern. Und das gelingt ihm sehr gut. Man kann sich einfühlen in die Situationen, die hin und wieder brenzlig, manchmal lustig und oft ziemlich eklig sind. Sehr bildlich beschreibt er nicht nur die Menschen, sondern auch deren Umfeld. Man glaubt die Gerüche wahrzunehmen und die Bilder von Märkten voller Leute, vollgestopften und maroden Buschtaxis sowie den Landschaften mit eigenem Auge zu sehen.

Afrika ist eine Herausforderung für Europäer – das nehme ich dem Autor sofort ab, wenn ich lese, was ihm passiert ist. Für mich wäre das nichts, aber Klaus N. Frick gelingt es dennoch mich dafür zu interessieren. Dabei handeln die Geschichten unaufgeregt vor sich hin völlig ohne nägelkauende Spannung. Es ist eine Lektüre, die man abends vor dem Schlafengehen gut lesen kann und bei der man nach jeder Geschichte ein gutes Gefühl hat. Sei es auch nur die Gewissheit ein warmes Bett ohne krabbelnde Insekten sein Eigen zu nennen.

Die letzte Reise des Autors nach Afrika liegt nun schon zwei Jahrzehnte zurück. Mich würde interessieren, wie es an den Orten heute aussieht. Wie sich inzwischen die politische Lage und die Menschen verändert haben und ob man heute noch als weißer Europäer so unbehelligt reisen kann und ebenso freundlich empfangen wird, wie es dem Autor widerfahren ist.