Chemische Reaktionen in Bildern

Quelle: Amazon.de

Die Chemikerin in mir ist mal wieder höchst erfreut, seit ich vor zwei Wochen in der Bahnhofsbuchhandlung den dritten Teil der Chemiebücher von Theodore Gray entdeckt habe. Nach den »Elementen« und den »Molekülen« kümmert er sich nun um die »Reaktionen« zwischen den beiden.

In gewohnt lockerer Weise stellt er die wichtigsten chemischen Reaktionen im Bild dar. Erklärt anhand von Grafiken wie sie vonstatten gehen und welche Produkte entstehen. Dazu haben er und der Fotograf Nick Mann die Reaktionen im heimischen Labor nachgestellt und eindrucksvoll dokumentiert. Das dies nicht immer unbeachtet blieb, erzählt er in ergänzenden Anekdoten. So kam es vor, dass plötzlich die Polizei vor seinem Anwesen in einer eher dünn besiedelnden Region der USA, auftauchte. Die Nachbarn hatten sich über die Knallgas-Explosionen beschwert. Die gleichen Nachbarn, die regelmäßig Schießübungen mit ihren Waffen veranstalten. Bloß kommt da keine Polizei vorbei.

Es sind vor allem diese kleinen Anekdoten, die das Buch so lesenswert machen. Abgesehen von den tollen Bildern und den sehr guten Erklärungen. Das ist nicht nur für Erwachsene spannend, sondern sollte auch Kinder und Jugendliche faszinieren. Denn Kinder sind von sich aus den Naturwissenschaften aufgeschlossen, wenn man sie früh genug heranführt und ihnen die Faszination von Chemie, Physik und Biologie vermittelt. Das Problem ist, das viele Eltern durch schlechte Erfahrungen in der Schule, ihren Schützlingen schon zeitig eintrichtern, dass Naturwissenschaften wie Chemie, schwierig und langweilig sind.

Theodore Gray beweist mit »Reaktionen« das dies nicht stimmt und die Chemie ein spannendes Feld voller Magie sein kann. Der vorliegende Bildband unterstreicht, dass Chemie Spaß machen und die Welt da draußen erklären kann.

Damit wäre die Trilogie vollständig. Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Denn auch »Reaktionen« wird ein zeitloser Klassiker werden. Schließlich werden sich die Naturgesetze nicht so schnell ändern. Die 17 Euro für jedes der Bücher sind gut investiert.

»Reaktionen« erschien 2020 im Delphin Verlag und ist überall im Buchandel erhältlich.

Aufstand der Maschinen

Quelle: Splitter Verlag

Es klingt ein bisschen wie die aktuelle Handlung von »Star Trek: Picard«, was Gestalter Dustin Nguyen und Autor Jeff Lemire in ihrer Comic-Reihe »DESCENDER« erzählen. Der erste Band der sechsteiligen Serie erschien bereits 2015 im Splitter Verlag, der letzte 2019.

Im Zentrum der Handlung steht Tim21 ein Androidenjunge, der nach zehn Jahren auf einer verlassenen Bergbaukolonie erwacht. Zehn Jahre zuvor waren über jeder Welt des Planetenbunds UGC riesenhafte Roboter, die Harvester, aufgetaucht, hatten die Welten angegriffen und Millionen Menschen getötet. Seit dem wurden auf alle mechanischen Lebewesen Kopfgelder ausgesetzt, und sie werden nun in der ganzen UGC gejagt und vernichtet.

Kaum das der ahnungslose Tim21 einen Hilferuf absetzt, sind ihm mehrere Fraktionen auf den Fersen. Da wären die Schrotter, die mit der Jagd auf jegliche künstliche Lebensform ihr Geld verdienen. Da ist Telsa, die Tochter des Oberhaupts der UGC. Sie möchte ihrem Vater beweisen, dass sie mehr kann, als er ihr zutraut. Ein weiterer ist der König einer abtrünnigen Welt, der nur an Macht und Ressourcen interessiert ist. Und dann sind da noch die Maschinen selbst, die sich vor den Menschen versteckt halten und auf den Erlöser warten. Alle sind hinter Tim21 her, denn der Code seiner KI birgt das Geheimnis um die Harvester.

Es ist schon erstaunlich, wie gut die Geschichte funktioniert. Obwohl sie nur mit Zeichnungen und wenigen Dialogen erzählt wird, glaubt man am Ende einen Roman gelesen zu haben. Mittels Erinnerung und Visionen bekommt der Leser gezeigt, was nach dem Auftauchen der Harvester passiert ist. Jede Figur erhält genug Platz, um sich zu entwickeln. Besonders Tim21 hat es mir angetan, der Androide mit dem Gemüt eines Jungen ist auf der Suche nach seinem menschlichen »Bruder« Andy, mit dem er die Zeit vor den Angriffen der Harvester verbracht hat. Außerdem ist da noch der Roboter »Bohrer«, der den Menschen hilft, weil er große Schuld auf sich geladen hat. Es sind diese emotionale Geschichten, die das Buch zu etwas besonderem machen. Weil sich die Roboter mitunter menschlicher verhalten, als die Menschen selbst.

Das alles ist in eine packende Handlung verwoben, die sich von der Science Fiction weg zur Fantasy entwickelt. Und deren Spannung man nicht mehr auskommt, sobald man den ersten Band gelesen hat. Das Ende überrascht und man muss schon ein wenig schlucken. Aber es ist schön zu wissen, dass es eine Fortsetzung unter dem Titel »Ascender« gibt.

Die ausdrucksstarken Aquarellzeichnungen runden die Geschichte ab. Die realistischen Darstellungen sind eindringlich und von emotionaler Schönheit. Das hat mich schwer beeindruckt. Mit schönen Zeichnungen kann man mich immer begeistern. Der einfache und klare Strich macht die Bände zu Kleinoden unter den Graphic-Novels. Science-Fiction-Fans sollten da unbedingt mal einen Blick hineinwerfen.

Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich die Seite zur Serie beim Splitter Verlag. Hier gibt es Leseproben und ein YouTube-Video und dort kann man die Alben auch direkt bestellen. Es lohnt sich.

Auftakt auf Arkon

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 220 – »Imperium am Abgrund« von Oliver Plaschka

Eine auf der Erde eilig einberufene Kommission beschließt die Absetzung Perry Rhodans als Protektor. Bull wird zu seinem Nachfolger ernannt, wenn auch unter heftigen Protest des Systemadmirals. Auch wenn sich Rhodan über das Urteil ärgert, bekommt er somit die Chance als Berater an Bord der MAGELLAN nach Arkon zu fliegen. Denn die CREST II unter dem Kommando seiner Frau Thora und mit seinen Söhnen an Bord ist seit Monaten dort verschollen.
Auf Arkon erwartet die Terraner neues Ungemach. Der arkonidische Hochadel stürzt die Herrscherin Theta, die daraufhin bei den Menschen um Asyl ersucht. Sehr knapp gelingt beiden terranischen Schiffen die Flucht aus dem Arkon-System. Ihr nächstes Ziel ist Aarakh Ranton, denn von dort scheint die Gefahr zu stammen, die nicht nur das Imperium destabilisiert, sondern auch das Sol-System bedrohen könnte.

Ich habe lange überlegt, warum ein NEO, geschrieben von Oliver Plaschka, immer ein besonderer Genuss für mich ist. Inzwischen scheine ich die Antwort zu kennen. Bei seinen Romanen gelingt es mir leicht den Redakteursmodus auszuschalten, in dem ich mich fast immer befinde, wenn ich etwas lese. Seine Texte sind so gut wie makellos. Kein Fehler, keine unrunde Formulierung und kein Handlungsloch reißen mich aus dem Lesefluss und ich kann die Geschichte wirklich genießen. Ich wiederhole mich, wenn ich schreibe, dass er ein Meister der Harmonie ist.

Das beweist er auch im vorliegenden Roman. Es geht los mit Rhodans Rückkehr ins Sol-System, mit seiner Verurteilung, dem Aufbruch nach Arkon, den er aus einer veränderten Sichtweise erleben muss. Und es endet mit der Flucht durch den Kristallpalast, zusammen mit Imperatrice Theta. Da stimmt die Figurencharakterisierung, das Timing und der Spannungsaufbau, von den gut recherchierten Hintergründen ganz abgesehen.

Gut gefallen hat mir der Totengräber-Anwalt Jeremiah Goslin. Leider kommt er durch Rhodans vorzeitiges Geständnis nicht so richtig zum Zuge. Das hat mich in der Tat ein wenig enttäuscht. Vielleicht taucht er mal wieder auf. Reginald Bull hat der Autor ebenfalls bestens charakterisiert und auch der mit sich hadernde Rhodan kommt sehr glaubwürdig rüber. Mit dem Halbarkoniden Torgen Shenn wird eine neue Hauptfigur eingeführt, die sicher in den nächsten Romanen noch für Aussehen sorgen wird. Der Zögling von Ex-Administrator Ngata könnte sich zu einer Reibungsfläche für Rhodan entwickeln, sofern man ihn lässt.

Einen Wermutstropfen bleibt. Zeichnete sich jeder der NEO-Romane des Autors in der Vergangenheit durch eine Besonderheit aus, so fehlte das dieses Mal. Es gab keine epische Völkergeschichte wie in Band 138, keine rückwärtsgerichtete Erzählstruktur wie bei Band 177, keine in Briefform verfassten Kapitel wie in Band 191, kein Charakterroman wie Band 203 und keine Gangsterklamotte wie in Band 210. Vielleicht mag es an den knappen Abgabeterminen vor Weihnachten gelegen haben, vielleicht auch nicht. Das weiß der Autor sicher selbst am besten. Mir ist das nur aufgefallen, weil er bisher jeden Roman mit einer solchen »Nettigkeit« ausgestattet hat. Sicher klappt es beim nächsten Mal wieder.

Mit »Imperium am Abgrund« werden die Figuren für die neue Staffel in Stellung gebracht. Die Zustände im Arkon-System erläutert und einen Blick auf die Bedrohung geworfen, mit der sich die Menschen auseinanderzusetzen haben. Oliver Plaschka schreibt auf hohem sprachlichen Niveau und vermittelt die Handlung stets auf lesenswerte Art und Weise.

Zwei erstaunliche BioPics

Filmbiografien von Musik- und Filmstars scheinen momentan sehr gefragt. Spätestens nach »Bohemian Rhapsody« hat es mich auch gepackt. Weshalb wir in den vergangenen Wochen uns gleich zwei solcher sogenannten BioPics angesehen haben.

Quelle: Amazon

»Rocketman« erzählt von Elton John. Der Film setzt am Tiefpunkt seiner Karriere ein. Im exzentrischen Kostüm hat sich der Künstler von der Bühne weg quasi selbst in eine Nervenheilanstalt eingewiesen und nimmt an einer Sitzung der anonymen Alkoholiker teil. Hier erzählt von seinem Leben und nach und nach fallen Teile seines Kostüms. Er entblättert sich den Mitpatienten und Zuschauern vom bunten Paradiesvogel zum gebrochenen Mann. Während es in seiner Erzählung genau umgekehrt läuft. Man sieht wie der musisch hochbegabe Junge von seinem Vater abgelehnt und von der Mutter vernachlässigt seinen Weg sucht, nur unterstützt von der Großmutter. Wie er sich mit einem talentierten jungen Textschreiber zusammentut, wie sie die ersten Songs an einen Produzenten verkaufen. Das erste Album, die erste Tournee und der erste Auftritt in den USA folgen. Ab hier beginnt alles nach und nach auseinanderzufallen. Immer mehr Konzerte, Alben, Geld und Auftritte folgen. Der Musiker wird von vielen Seiten ausgebeutet und in die Abhängigkeit von Alkohol und Drogen getrieben. Erst Ende der 80er zieht er die Reißleine und besinnt sich zurück auf den Jungen mit dem Gespür für Melodien.

Anders als bei der Biographie von Queen, enthält der Film auch aus den Szenen entspringende Gesangseinlagen und Massenszenen. Er erinnert in seiner Machart ein wenig an »La La Land«. Normalerweise mag ich eigentlich nicht, wenn die Darsteller plötzlich anfangen zu singen. Das erinnert mich zu sehr an einschlägige Disneyfilme. Hier passten die Einlagen einigermaßen und dominierten die Handlung nicht zu sehr. Wer die Musik von Elton John mag und schon immer mal mehr über die Karriere des Künstlers wissen wollte, dem kann ich den Film durchaus empfehlen. Ich warne aber, der Titelsong spukte mir als Ohrwurm mehrere Tage lang im Kopf herum.

Quelle: Amazon

Als »Dick & Doof« kennt man Stan Laurel und Oliver Hardy in Deutschland. Keine Ahnung wer ursprünglich auf diese Titel gekommen ist, aber eigentlich nannten sich die Slapstick-Komiker »Laurel und Hardy«. Das sie ihre eigenen Namen benutzten, hatte einen besonderen Grund, der in den Extras erklärt wird. Die Studios hatten die Rechte an den Namen der Charaktere, die ein Komiker spielte. Wenn der Vertrag auslief, oder der Komiker kündigte, durfte er den Namen nicht mehr verwenden. Damit Laurel und Hardy dies nicht passierte, benutzten sie ihre eigenen Namen, die konnte ihnen niemand streitig machen. Die filmische Biographie wiederum trägt den Titel »Stan & Ollie«.

Der Film beginnt auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Stan versucht Ollie klarzumachen, das sie für ihren Erfolg viel zu wenig verdienten. Sie sollten entweder mit dem Produzenten um mehr Geld verhandeln oder ihre eigenen Filme drehen. Ollie als der zurückhaltendere der beiden versucht jedem Streit aus dem Weg zu gehen, aber Stan legt sich mit dem Studio an. Das Ende vom Lied, er fliegt raus und wird für einen Film von einem anderen Schauspieler ersetzt. Sein Filmprojekt scheitert ebenfalls weil Ollie zögert.
16 Jahre später gehen die gealterten Stars in England nochmals gemeinsam auf eine Tournee. Zum einen, um etwas Geld zu verdienen, das ihre Frauen mit beiden Händen wieder ausgeben können und zum anderen um an einem Drehbuch zu einem Robin-Hood-Film zu arbeiten. Doch Ollies Gesundheit und eine Absage des Geldgebers, bringen sowohl Tournee als auch die Filmpläne ins Wanken. Dann bricht zwischen den beiden auch noch der alte Konflikt auf.

Gesundheit und Wohl von Schauspielern hatte damals weder in Hollywood noch außerhalb der Staaten einen besonders großen Stellenwert. Hat es vermutlich heute auch nicht, wenn man sieht, wie manche Schauspieler sich für ihre Rollen verbiegen müssen. Das schöne an dem Film ist die Chemie zwischen dem Komikerduo. Die beiden sind wie in einer Symbiose miteinander verbunden. Sie spielen ihre Gags auch im normalen Leben spielen. Lassen sich von den Gegebenheiten nicht aus der Ruhe bringen und ordnen alles dem Humor und dem Lachen der Menschen unter. Die Darsteller Steve Coogan und John C. Reilly füllen dabei ihre Rollen so perfekt aus, dass sie kaum vom Original zu unterscheiden sind. Allein diese großartig gespielte Freundschaft ist es wert, den Film gesehen zu haben.

Bei den Extras auf der BluRay findet sich der Original-Sketch mit dem Klaviertransport, auf den im Film Bezug genommen wird. Es ist unglaublich, das dies »olle Kammelle« tatsächlich noch funktioniert. Ich habe ein paar Mal herzhaft lachen müssen. Manches ist eben wirklich zeitlos.

Evolution der Pornos

Quelle: Amazon

An dieser Stelle habe ich bereits hin und wieder auf die Comics von Ralf König hingewiesen. Spätestens seit »Raumstation Sehnsucht« bin ich den schnoddrigen Zeichnungen und dem anzüglichen Geschichten des Autors verfallen. Aus seiner Feder stammt die Comic-Vorlage zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt – »Der bewegte Mann«.

Aktuell las ich »Pornstory«. Wie der Titel schon sagt geht es um Pornos und das konsumieren derjenigen. Bemerkenswert ist, das sich Ralf König in diesem Buch zurückhält und eben keine pornografischen Bilder liefert. Das überlässt er seinem Co-Zeichner Nicolas Mahler. Der Österreicher ist für den Inhalt der wenigen Porno-Ausschnitte zuständig, die im Buch erwähnt werden.

Im Grunde wird die ganze Zeit über nur über Pornos gesprochen. Ralf König zeigt die Evolution eines Porno-Fans. Vom kleinen Jungen, der die Super 8 Filme seines Vaters entdeckt, über den Mittzwanziger der bei einem Videodreh mitmacht, bis hin zum Großvater der sich im Sex-Shop mit DVDs eindeckt. Am Ende steht wieder der Enkel, der die Welten von YouPorn entdeckt. Den Umgang der Generationen mit der Materie stellt Ralf König in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Das ist oftmals sehr witzig, manchmal überraschend und immer nah dran am Otto-Normal-Bürger. Die Schwulen-Fraktion kommt genauso zu Wort, wie das weibliche Geschlecht.

Beginnen lässt Ralf König seine Geschichte mit einem kleinen Gedicht, das von Wilhelm Busch stammen könnte und zeigt zwischendrin Auszüge aus echten Pornofilmen. Eine Dokumentation über das Entstehen des Buches, findet sich am Ende, abgedruckt als Facebook-Dialog mit seinem Kollegen Mahler.

Mir gefiel, wie unbefangen und ehrlich der Autor an das Thema herangegangen ist. Eines ist allerdings klar, man muss diese direkte Anzüglichkeit mögen. Ralf König ist nichts für prüde Gemüter und nichts für Leute die Sex zu ernst nehmen. Wer sich aber an einem Augenzwinkernden Blick auf die schönste »Männerbeschäftigung« erfreuen kann, sollte unbedingt mal in den Comic hineinschauen.

Science Fiction als Jugendbuch

Quelle: Atlantis-Verlag

Heute muss ich einen unbedingten Lesetipp aussprechen.

Mein guter Freund Ben Calvin Hary hat den ersten Band seiner Jugendkrimi-Reihe herausgebracht. Weil ich an dem Projekt nicht ganz unbeteiligt bin und mich die Geschichte echt überzeugt hat, stelle ich den Roman kurz vor.

Leon findet im Park eine gläserne Kugel, durch die man in die Vergangenheit blicken kann. Seine Freunde Danny, Kat und Mira kommen damit einem Verbrechen an einem ihrer Mitschüler auf die Spur, dass sie aufklären wollen. Doch das ist nicht so einfach, denn es tauchen seltsame Fremde auf, die ihnen mit allen Mitteln die Kugel wieder abnehmen wollen. Denn die Kugel umgibt ein Geheimnis, das größer ist, als die Jugendlichen glauben.

Der Krimi spielt in Saarbrücken. Die alltäglichen Probleme mit denen sich die vier jungen Leute herumschlagen, dürften sich nicht sehr von denen andere Jugendlicher in Deutschland unterscheiden. Die Charaktere der ungleichen Freunde sind gut herausgearbeitet und glaubhaft geschildert. Der Autor kann sich gut in Jugendliche hineinversetzen. Das kann nicht jeder. Ich würde mir das nicht zutrauen.

Die Geschichte um die geheimnisvolle Zeitkugel ist ein spannendes und zugleich phantastisches Moment. Es bildet die Grundlage einer größeren Geschichte, die nach und nach enthüllt werden wird. Im ersten Teil erfährt man nur wenig zu den Hintergründen. Hauptsächlich klären die Freunde mit Hilfe der Kugel den Tot eines Mitschülers auf.

Man erlebt die Handlung aus der Sicht eines der Jugendlichen und lernt ihn und seine Familie immer besser kennen. In den nächsten Teilen werden anderen Mitglieder der Gruppe im Fokus stehen.

Das Stärkste an dem Roman war für mich, dass man als Leser, der einer älteren Generation angehört, unglaublich viel über die Gefahren lernt, die jungen Leuten heute im Internet drohen. Da hatte ich einige echte Aha-Momente und musste über manche Praktiken den Kopf schütteln. Dabei ist mir durchaus klar, dass ich, hätte ich damals die Möglichkeiten gehabt, sie wahrscheinlich auch genutzt hätte.

Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß beim Testlesen und bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird. Die Mischung aus Krimi, Jugendbuch und Science Fiction ist Ben mit dem Roman eindeutig geglückt. Ich finde es absolut lesenswert.

Hard SF in Perfektion

Ich bin eigentlich nicht der »Serien am Stück«-Seher aber bei »The Expanse« kommt man eigentlich nicht aus. Zum einen ist die Serie unheimlich spannend – da fiebert man bei jeder Folge mit – andererseits ist die Handlung so komplex, dass, wenn man mal ein oder zwei Wochen nicht geguckt hat, man teilweise vergessen hat, worum es ging.

»The Expanse« ist nicht nur großartige Serienunterhaltung, sondern auch Science Fiction par excellence. Der Sense of Wonder ist zu spüren, obwohl die physikalischen Gesetze befolgt werden. Man erlebt Raumfahrt und Raumschlachten in realistischen Dimensionen und dennoch vermag die Serie mit Visionen zu überraschen.

Machen wir uns nichts vor, wie viele SF-Produktionen ist auch »The Expanse« eine Dystopie. Sie hat sich aber zumindest den Kern einer Utopie bewahrt, obwohl sie stellenweise ziemlich gewalttätig ist. Wenigsten glaubt ein Teil der Protagonisten noch an das Gute im Menschen.

Was mir jedoch am besten an der Serie gefällt, ist ihre Komplexität und die politischen Hintergründe. Die von den Regierungen gesponnenen Intrigen, die Vorurteile und die Kurzsichtigkeit, erinnern sehr stark an unsere heutige Zeit. Somit ist auch »The Expanse« ein Kind seiner Zeit.

Schwarzhumorige Weihnachten

Quelle: droemer-knauer.de

Die Tage vor Weihnachten las ich eine ganz besondere Lektüre. »Tannenbaum des Todes« von Markus Heitz passt wunderbar in die Weihnachtszeit und ist für die Menschen geeignet, die sich Weihnachten ein bisschen gruseln wollen. Die mehr als vierundzwanzig schwarzhumorigen Kurzgeschichten und Gedichte eignen sich gut als Bettlektüre vor dem Schlafengehen, obwohl sie mitunter schon ziemlich böse sind, aber auch ziemlich witzig.

Da wird kurzerhand der Weihnachtsmann von einem ADAC-Mitarbeiter ermordet, um an dessen Replikator-Schlitten zu kommen. Eltern werden vom Nikolaus genötigt, ihren Kindern doch bitte erzieherisch wertvolles Spielzeug zu schenken. Oder eine junge Mutter, die in der Schlange an der Supermarktkasse austickt, weil sich ein Rentner vordrängelt. Die atmosphärisch dicht erzählten Geschichten verblüffen durch unerwartete Wendungen und skurrile Figuren. Wer wissen will, wie eine pointierte Kurzgeschichte geschrieben sein muss, kann sich hier Anregungen holen.

Der Autor Markus Heitz hat unteranderem einen Gastroman zur PERRY RHODAN-Serie beigesteuert und ist vor allem im Fantasy-Genre unterwegs. Die Anthologie »Tannenbaum des Todes« setzt sich aus Weichnachtsgeschichten zusammen, die er jedes Jahr für seine Weihnachts-Live-Events schreibt. Am Ende gibt es noch Rezeptvorschläge fürs Weihnachtsessen.

»Tannenbaum des Todes« erschien 2019 bei Droemer-Knauer und ist überall im Buchhandel erhältlich.

Der Aufstieg von Mary Sue

Quelle: Kino.de

Vor den Feiertagen waren wir im Kino, das zweite Mal erst in diesem Jahr. Aber ein neuer Star-Wars-Film gehört für Nerds wie uns einfach zum Pflichtprogramm. Schon allein um zu sehen, ob Episode IX eine Kopie von Episode VI ist, bzw. was Regisseur J.J. Abrams mit dem Franchise angestellt hat.

Nun, es hat sich herausgestellt, dass der Film nicht so schlimm ist, wie sein Vorgänger. Episode VIII empfanden wir als Fans als so unerträglich, dass wir uns nicht einmal die BluRay gekauft haben. Und das soll schon was heißen. Ein Meisterwerk ist »Der Aufstieg Skywalkers«, wie Episode IX heißt, aber auch nicht. Er hat seine Momente und funktioniert nur auf der emotionalen Ebene. Für die Handlung sollte man im Kino sein Hirn ausschalten, denn wenn man ein wenig darüber nachdenkt, erkennt man die ganzen Logiklöcher.

Der Film ist ein typischer J.J. Abrams-Film. So wie bei Star Trek XI wird die Logik dem coolen Look und den abgefahrenen Ideen geopfert. Was aber mit diesem Film besonders deutlich wird: Star Wars ist keine Science Fiction. Es ist ein Märchen, meinetwegen auch eine Space Opera, denn so viele Fantasy-Elemente wie in Episode IX hat es in keinem der anderen Filme gegeben.

Am problematischsten empfinde ich aber nach wie vor die Protagonistin. Rey ist eine klassische Mary Sue mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, der alles gelingt und die nicht scheitert. Jeden Hobbyautor würde man deswegen verspotten. Disney und die Autoren des Films scheint das nicht zu stören. Sie geben der Figur einen fragwürdigen Hintergrund und schicken die »Multimutantin« in den Krieg zwischen Gut und Böse. Ich als Zuschauer bin über das Ende wenig überrascht und schaute während der zweieinhalb Stunden gelegentlich gelangweilt auf die Uhr.

»Der Aufstieg Skywalkers« besticht durch beeindruckende Bilder, die nett anzusehen sind. Doch zu einem guten Film gehört meiner Meinung nach auch eine gut ausgearbeitete Geschichte und nicht nur eine lückenhaften Storyidee. Ich würde sagen: viel Potential verschenkt.

Wendejugend

»89/90« von Peter Richter

»89/90« ist das Buch, was ich immer schreiben wollte.

Peter Richters autobiographischer Roman dokumentiert die letzten Monate der DDR aus der Sicht eines seiner letzten Generation sehr authentisch. Das Leben eines Jugendlichen ist auch nur Alltag: Da fällt die Mauer und am nächsten Tag erwartet einen in der Schule eine Leistungskontrolle in Mathe. Genauso war es.

Da kommen beim Lesen die vielen großen und kleinen Erinnerungen auf, an eine Zeit die unglaubliche 30 Jahre zurückliegt. Dabei fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen. Als wäre ich noch die Fünfzehnjährige in pinkfarbenen Karottenhosen mit langer blonder Dauerwelle, die Freitagabend mit dem Kassettenrekorder die Songs aus der Hitparade auf Bayern 3 aufnimmt und durch eine »unglückliche« Verletzung um den Zivilverteidigungskurs an der Schule herumkommt. So bescherte mir »89/90« ein ganz besonderes Kopfkino.

Peter Richter vermittelt Geschichte aus einer individuellen aber treffenden Sicht und liefert klar und überzeugend Hinweise auf die Entstehung des Neofaschismus im Osten. Man versteht plötzlich, warum es so kam und kommen musste. Er beschreibt die Anarchie, die nach dem 9. November 1989 in allen Bereichen der Gesellschaft herrschte. Die Machtlosigkeit mit der Behörden und Institutionen agierten, hilflos zusahen, wie Menschenrechte ausgehebelt wurden. Wie Geschäftemacher ihre Chancen ergriffen, wie warnende Stimmen überhört und eine ganze Gesellschaftsordnung von heute auf morgen einfach ersatzlos außer Kraft gesetzt wurde.

Die Darstellung des Autors, wie sich ein Land und seine Menschen innerhalb von Monaten völlig veränderten, ist so unfassbar, dass mir heute davor schaudert.

Dabei bedient er sich der Sprache der Jugend, schlicht und unmissverständlich – mit dem arroganten Beiklang eines jungen Menschen, der glaubt, dass die Welt auf ihn gewartet hat. Genau das macht den Reiz der Geschichte aus.

Selbst wenn am Beginn des Buches geschrieben steht, dass die handelnden Figuren reine Fiktion sind, weiß man aus eigener Erfahrung, dass es den S. oder die L. so oder ähnlich gegeben hat. Es ist gleichermaßen der einzige Punkt, den ich kritisieren muss. Das Stilmittel des Autors, anstatt der Namen nur eine Abkürzung zu verwenden, finde ich störend. Denn ich kam bei der Länge des Romans oftmals ins Schleudern, weil ich mich fragte: Wer war nochmal der K.?

Niemals zuvor habe ich mich einer Zielgruppe so zugehörig gefühlt, wie beim Lesen dieses Romans. Der Autor und ich hätten in eine Klasse gehen können. Vieles, was er beschreibt, habe ich wie die Angehörigen meines Jahrgangs eins zu eins erlebt. Ja, wir waren der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen durfte – damals in der DDR. Wir waren aber auch der erste Jahrgang, dem nach der Wende die Welt offen stand – wenn man es zu nutzen wusste.

»89/90« ist ein lesenswertes Buch nicht nur für »Betroffene« wie mich, sondern für die, die wissen wollen, wie es wirklich war, als Jugendlicher in der dahinscheidenden DDR zu leben. Allein mit den vielen Fußnoten im Roman könnte man ein ganzes Geschichtsbuch füllen, welches alles andere als langweilig wäre.