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Von der Schlossruine zu den Schlosslichtspielen

Den sonnigen Vormittag nutzen wir in Heidelberg zu einem Spaziergang durch den Schlossgarten. Der Schlossberg ist zwar steil, aber so kurz, dass wir binnen fünf Minuten oben waren. Die ausgedehnte Parkanlage ist kostenlos, wohingegen man für den Besuch des Schlosses und des Schlosshofs Eintritt zahlen muss. Wir verschoben das auf einen späteren Zeitpunkt und bummelten lieber durch den in Terrassen angelegten Schlossgarten, der eine unglaubliche Aussicht auf Heidelberg bietet. Man versteht, warum die Stadt bei Touristen so beliebt ist. Es ist die Lage im engen Flusstal, das sich zu einer weiten Ebene öffnet, die bemerkenswert anmutet.

Für den Abstieg vom Berg nutzen wir einen verschlungenen Waldweg und standen alsbald in der historischen Altstadt. Hier jedoch dominierten wie scheinbar überall in Deutschland Baustellen das Bild. Am Neckar entlang bummelten wir zurück zum Bismarckplatz, von wo uns die Straßenbahn bis zum Hotel zurückbrachte.

Punkt 12 Uhr Mittags starteten wir zur nächsten Etappe unseres Kurzurlaubs. Es ging nach Karlsruhe. Wie immer um diese Jahreszeit. Die Schlosslichtspiele lockten und auch das Treffen mit dem Autor des Totengräber-Tagebuchs.

Überrascht davon, dass die beiden Städte so nahe beieinander liegen, kamen wir schon 40 Minuten später am Hotel AVISA an. Drehten hier aber drei Ehrenrunden, bis wir einen Parkplatz gefunden hatten. Nett, das uns die Dame an der Rezeption anbot, ihr Fahrzeug umzuparken, damit wir einen Stellplatz bekommen. Zum Glück fuhr aber gerade jemand weg. So nah am Bahnhof ist es nicht leicht einen Parkplatz fürs Auto zu bekommen. Ehrlich gesagt, war dies eine meiner größten Sorgen vor der Reise gewesen. Normalerweise reisen wir immer mit dem Zug an.

Nach einer Stärkung in unserem Lieblingscafé »Tante Emma« und einer längeren Ruhepause war es auch schon soweit, in Richtung Marktplatz aufzubrechen. Dort hatten wir uns u.a. mit Volker Langenbein verabredet, dessen »Totengräbers Tagebuch« ich unlängst hier rezensiert habe. Organisiert hat das Treffen Lektor und Mitautor Klaus N. Frick, der ebenfalls vor Ort war.

Es wurde ein lustiger Abend, mit leckerem Essen und spannenden Geschichten. Volker beantwortete mir noch die eine oder anderer Frage, die nach der Lektüre seines Buchs noch übrig geblieben war. Es blieb Zeit für ein Foto und die Signatur des Romans. Volker hatte sich extra auf einem Zettel notiert, was er mir ins Buch schreiben wollte. Das fand ich sehr nett und ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal für seine lieben Worte.

Die Vorführung hatte längst begonnen, als wir zum Karlsruher Schloss aufbrachen. Wie immer saßen und standen viele Leute auf dem Platz vor dem Schloss. Leider war es schon so dunkel, dass man es nicht genau schätzen konnte, wie viele es wirklich waren. Mir kam es jedoch so vor, als wären es mehr gewesen, als in den Jahren zuvor.

Die ersten drei Präsentationen hatten wir verpasst, gerade aber begann »300 Fragments« von Maxin10sity, das für die ersten Schlosslichtspiele 2015 entworfen wurde. Es ist immer wieder ein Erlebnis die Show live auf der Fassade des Schlosses zu sehen und nicht nur als Clip bei YouTube. Dieses Mal standen wir ziemlich weit vorn im Schlosshof, also ganz nah dran. Die darauffolgende Präsentation »Noise3« hatten wir in den vergangenen Jahren auch schon gesehen, aber das anschließende »Our only blue One« von Maxin10sity war neu. Es ging um nichts Geringeres als die Geschichte des Universums vom Urknall bis heute, mit einem Ausblick auf die Zukunft. Eigentlich zwei Ausblicken: einem der eine vermüllte Erde zeigt und einem, in dem die Menschen in Harmonie mit der Natur leben, ohne das sie auf Wohlstand und Technik verzichten. Die Show entstand in Zusammenarbeit mit dem KIT (Karlsruher Institut für Technologie) und enthält eindrucksvolle Bilder aus unserem Kosmos.

Kurz bevor wir gingen, projizierte man noch eine Aufnahme von Alexander Gerst auf die Schlossfassade. Bei seiner Rede vom November 2018 von der Internationalen Raumstation an die zukünftigen Generationen – bei denen er sich entschuldigt, dass seine Generation, also wir, die Erde in keinem guten Zustand hinterlassen – bekam ich wiederholt Gänsehaut. Den Astro- oder besser Kosmonauten so überlebensgroß zu sehen, war echt beeindruckend und ein würdevoller Abschluss eines wirklich gelungenen Tages. Danke an alle indirekt Beteiligten!

Das Heidelberger Schloss

Hübsche Häuser neben der Baustelle

Am Neckarufer

Mit Volker Langenbein

Eindrucksvolle Show auf der Schlossfassade

Arbeitsplatz Friedhof

Quelle: shop.hirnkost.de

Der einzige Tote, den ich in meinem Leben gesehen habe, war ein Fahrradfahrer, der vor unserem Haus von einem LKW überfahren wurde. Damals war ich etwa 13 oder 14 Jahre alt und beobachtete vom Fenster aus, wie die Notärzte versuchten, den Mann wiederzubeleben und es schließlich aufgaben. Dann holte mich meine Mutter vom Fenster weg. Das letzte, was ich sah, war, wie man die Leiche mit einem Tuch abdeckte. Das Bild werde ich nie wieder vergessen.

Volker Langenbein sieht so etwas täglich und oft noch viel schlimmere Dinge, denn der Mann ist Totengräber. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben, wie er zu dem Beruf gekommen ist, und was er bei seiner täglichen Arbeit auf dem Friedhof alles erlebt. Und das ist ausgesprochen interessant.

Seien wir ehrlich, wer von uns weiß schon, wie die Arbeit eines Totengräbers aussieht. Die meisten haben keine Ahnung und wollen es auch nicht wissen. Wir sind Meister im Verdrängen, wenn es ums Sterben und den Tod geht. Und wir schauen vielleicht auch auf Menschen herunter, die solche »Drecksarbeit« für uns erledigen. Warum das so ist, ist eine der Fragen, die der Autor in seinem Buch zu beantworten versucht.

Er nennt sich Rusty und hat eine schwere Kindheit hinter sich. Der gewaltsame Tod des Vaters, das tägliche Überleben auf den Straßen der Vorstadt prägen ihn und bringen ihn bis ins Gefängnis. Als er 1993 eine befristete Stelle als Friedhofsgärtner angeboten bekommt, packt er sein Schicksal am Schopf. Er arbeitet sich hoch bis zum Leiter eines Stadtteilfriedhofs. Doch der Beruf zehrt, nicht nur an seinem Körper, sondern auch an seiner Seele. Die Rufbereitschaften, in denen er nachts Selbstmörder und Unfallopfer buchstäblich von der Straße kratzen muss, lasten zunehmend auf ihm. Am Ende steht er kurz vorm Scheitern.

Geradlinig erzählt Volker Langenbein seine Geschichte. Die Kapitel bauen in den ersten zwei Dritteln aufeinander auf und liefern dem Leser einen intimen Einblick in die Arbeit eines Friedhofs. Eine Menge Arbeitsschritte sind notwendig, um einen Toten zu bestatten. Die Leiche muss abgeholt, gewaschen, umgezogen und für die Aufbahrung geschminkt werden. Bei Unfallopfern müssen Wunden vernäht und Körperöffnungen verschlossen werden. Gräber müssen ausgehoben, Blumen für die Trauerfeier arrangiert und die Zeremonie vorbereitet werden. Und am Ende müssen Sarg oder Urne beigesetzt werden. Doch das ist längst nicht alles. Ein Totengräber muss auch Grabstätten verkaufen und Hinterbliebene trösten. Er steht an vorderster Front, wenn es darum geht, mit trauernden Angehörigen zu kommunizieren. Und das alles mit einem Hauptschulabschluss und zu einem mickrigen Arbeitslohn. Erst seit 2003 gibt es die offizielle Berufsbezeichnung »Bestattungsfachkraft« und erst seit 2007 hat man sich in Deutschland auf eine einheitliche 3-jährige Berufsausbildung geeinigt. Allein daran erkennt man, welchen Stellenwert der Tod in unserer Gesellschaft hat.

»Totengräbers Tagebuch« ist kein Roman. Es ist, wie schon gesagt, ein Tagebuch. Die Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten und echten Personen. Und hier liegt auch das Kernproblem. Es fehlen die Plotpoints, die Konflikte für die Hauptfigur und ein geschlossener Spannungsbogen. Auch wenn im Buch viele menschliche Schicksale angesprochen werden, für Rusty geht im Grunde alles gut aus. Er hat Erfolg, er arbeitet sich schnell hoch, wird von den Kollegen und Vorgesetzten anerkannt. Man sieht ihn nicht scheitern und wenn, liefert der Autor dies in einer Zusammenfassung nach. Das macht das Buch leider, ich will nicht sagen langweilig, aber vorhersehbar.

Ein guter Vergleich an dieser Stelle ist »Bob, der Streuner« von James Bowen. Das Buch des ehemaligen Junkies entstand auf ähnliche Weise. Auch er erzählt seine Lebensgeschichte und wie die Begegnung mit einem streunenden Kater sein Leben veränderte. Doch James Bowens Geschichte ist deshalb so erfolgreich, weil er auf dem Weg zum »Ruhm« immer wieder vom Schicksal gebeutelt wird oder an sich selbst scheitert.

Das Leben ist nicht gnädig, mit keinem von uns. Jeder stößt irgendwann an Grenzen, an denen er aufgibt oder sie überwindet. Keine Frage, es gehört Mut dazu, darüber zu sprechen. So gesehen hätte ich mir gewünscht, dass Volker Langenbein ein wenig mehr aus den dunklen Kapiteln seines Lebens erzählt hätte. Von den Momenten an denen er kurz davor stand aufzugeben, oder mehr über die Konflikte, in die er durch seine Arbeit getrieben wurde, zum Beispiel über die Trennung von seiner Frau. Ich hätte den Menschen hinter dem Totengräber gern noch ein bisschen näher kennengelernt.

Doch das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Denn wie der Titel schon sagt, ist »Totengräbers Tagebuch« kein Roman, sondern ein Tagebuch und so sollte man es auch lesen. Es ist informativ und erweitert den Blickwinkel auf jene Menschen, die uns irgendwann einmal zu Grabe tragen. Es fördert die Wertschätzung für einen Beruf, der sowohl körperlich als auch psychisch unglaublich belastend ist und zudem schlecht bezahlt wird. Allein das zählt.

Ko-Autor des Buches ist Klaus N. Frick, der als Punk im Anzug Erwähnung findet. Das Buch erschien im Juni 2019 im Hirnkost-Verlag und ist als Hardcover-Ausgabe und E-Book im Buchhandel erhältlich.

Conblues am Sonntag

Programmpunkt zur EA

Ein wenig später als am Vortag fielen wir morgens im Haus der Jugend Osnabrück ein. Dort war schon einiges los. Nicht nur die PRFZ hatte an diesem Tag ihre Zelte dort aufgeschlagen. Nein, in einem Teil des Jugendhaus war auch das Wahlbüro eingerichtet, was am Tag der Europawahl öfters für Verwirrung sorgen sollte.

Der Stand war schnell eröffnet und die ersten Fans trudelten ein. Das Programm war ursprünglich bis zum Nachmittag geplant gewesen, dann hatten aber einige Ehrengäste angekündigt, bereits am Sonntagmorgen abzureisen, unteranderem die NEO-Autoren Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm.

Ein Highlight gab es jedoch, ich meine damit die beiden Programmpunkte mit Wim Vandemaan, der in diesem Jahr von Klaus N. Frick unterstützt wurde. Leider kann ich nicht viel darüber berichten, weil ich draußen saß und mit Fans und Autoren plauderte, sowie mir von Robert Corvus eine Strafpredigt anhören musste. Falls Du das liest Robert: ich werde Deinen Rat beherzigen – mehr Schreiben und weniger PRFZ.

Abgerechnet wird zum Schluss

In der Mittagspause packte ich schon mal die Publikationen zusammen und machte gemeinsam mit Uwe die Kasse. Später tummelten sich alle im großen Saal und warteten auf die Abschiedsworte von Herbert Keßel, der den Con fast im Alleingang organisiert hatte. Von der Bühne gab es ein Dankeschön an das Orga-Team sowie an Fans und Ehrengäste, dann war der Con auch schon Geschichte. Leider waren da bereits viele schon unterwegs. Persönlich gefreut hat mich, das Chefredakteur Klaus N. Frick bis zur letzten Minute geblieben ist, obwohl ihm eine längere Heimreise bevorstand.

Im Namen des Orga-Teams bedanke ich mich herzlich beim Con-Team, bei allen Ehrengästen und selbstverständlich bei allen Fans und Besuchern: Ihr habt die 3. PERRY RHODAN-Tage in Osnabrück erst möglich gemacht. Ich hoffe, wir sehen uns alle im Jahr 2021 gesund und munter in Osnabrück wieder. Dann feiern wir 60 Jahre PERRY RHODAN-Serie. Der Termin ist schon reserviert.

Im Anschluss kehrte ein Teil des Orga-Teams im Ratskeller zum Mittagessen ein, wo wir in kleiner Runde das Wochenende Revue passieren ließen. Am späten Nachmittag spazierte ich mit meinem Mann noch durch die ausgestorben wirkende Osnabrücker Innenstadt, wobei ich einige Fotos machte. Am Ende des Tages war ich traurig, dass die beiden Tage so schnell vorbeigegangen waren.

Wie im Rausch … der Con-Samstag

Beim PRFZ-Panel

Der Samstag war tatsächlich schneller rum, als man bis Drei zählen konnte. So kam es mir jedenfalls vor.

Morgens ging es gleich nach dem Frühstück los. Im Jugendhaus bestückte ich zunächst den Stand. Am Tag zuvor hatten wir nur die Kartons unter den Tisch gestellt, jetzt musste ich die FanEditionen, Dorgon-Romane und PerryPaper-Bastelbögen noch hübsch auslegen. Enttäuschung macht sich breit, nachdem ich feststellte, dass die aktuelle SOL-Ausgabe 94 fehlte. Noch enttäuschter war ich aber, dass meine STELLARIS-Geschichte im Conbuch durch das Layout derart verhunzt wurde, dass sie eigentlich nicht mehr verständlich ist. Ich entschuldige mich also schon mal im Voraus bei denjenigen, die sich beim Lesen durch die nicht mehr vorhandenen Kapiteltrennungen verlieren. Mir bleibt nur ein seufzendes Kopfschütteln.

Kaum aufgebaut, ging es schon los mit dem Verkauf. Eine neue FanEdition und ein neuer DORGON ziehen immer Käufer an. Noch schöner wäre es aber gewesen, wir hätten mal wieder ein neues Papiermodell anbieten können. Kurz nach 10 Uhr stand plötzlich Con-Moderator Markus Gersting neben mir, um mich zum PRFZ-Programmpunkt abzuholen. Inzwischen hatten sich zum Glück mit Michael Tinnefeld und Gerhard Huber zwei Helfer gefunden, die mich an Stand vertreten konnten. Danke an die beiden Fan-Autoren.

Zusammen mit Nils Hirseland wurde ich dann auf der Bühne im großen Saal von Roman Schleifer über die SOL, die PRFZ und die FanSzene ausgequetscht. Roman ist der geborenen Entertainer und moderierte auch all die anderen Programmpunkte mit Witz und viel Wiener Schmäh. Nach dem Programmpunkt blieb ich im Saal, weil ich das, was da kommen sollte, um nichts in der Welt verpassen wollte. Unter dem langen Titel »Die Vorsitzenden der PRFZ – im Gespräch über gestern, heute und morgen« mit Klaus Bollhöfener, Nils Hirseland und Rüdiger Schäfer verbarg sich nämlich etwas anderes. Es sollte eine Überraschung werden und zwar für die Zuschauer und für einen der Beteiligten auf der Bühne. Der hatte keine Ahnung und war zunächst entspannt, blickte dann aber zunehmend ungläubiger, je länger Klaus Bollhöfener redete. Der PERRY RHODAN-Marketingchef spielte großartig mit und verlieh am Ende einem völlig verdutzten und sichtlich gerührten Rüdiger Schäfer die Ehrenmitgliedschaft der PRFZ. Überraschung gelungen, würde ich sagen.

Auch beim nächsten Programmpunkt blieb ich im Saal, weil es einer der wenigen Punkte war, die ich mir fest vorgenommen hatte anzusehen. PR-Chefredakteur Klaus N. Frick stand Rede und Antwort zu Fragen, die Roman Schleifer ihm stellte. Es waren auch einige dabei, die Fans in den Sozialen Medien gestellt hatten. Eine Stunde lang wurde über die Produktion der PERRY RHODAN-Serie geredet. Unteranderem wurden Schreibblockaden von Autoren angesprochen und der dann in Kraft tretende Plan B verraten. (Wenn es hart auf hart kommt schreibt der Chefredakteur auch mal höchstselbst den Roman übers Wochenende fertig.) Sowie allerlei weitere interessante Fakten über die Hintergründe der Serie offenbart. Ich war überrascht mit welcher Offenheit Klaus N. Frick den durchaus kritischen Fragen begegnete und sichtlich Spaß an der Unterhaltung hatte.

In der darauffolgenden Mittagspause blieb keine Zeit zum Luft holen, denn es war die Mitgliederversammlung der PRFZ ausgerufen. Hermann Ritter übernahm die Leitung und zog die Versammlung straff wie am Schnürchen durch. Immerhin 20 Mitglieder hatten sich eingefunden, beim letzten Mal in Osnabrück waren es noch 25 gewesen. Vor allem waren viele Vorstandsmitglieder nicht anwesend, was kein gutes Licht auf die innere Struktur der PRFZ warf. Da ist fürs nächste Mal definitiv noch Luft nach oben.

Mir blieb nicht mal eine Stunde am Stand, bevor ich erneut auf die Bühne klettern durfte. Roman Schleifer hatte mich gebeten, ihm beim NEO Programmpunkt zu unterstützen, um gezielt inhaltliche Fragen stellen zu können. Es war mir eine Ehre Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm ein paar Informationen zu entlocken und Rainer eine Dr. Brömmers-Frosch-KI zu überreichen. Ob die Zuschauer Spaß an dieser Unterhaltung hatten und ob sie mit den Fragen und Antworten zufrieden waren, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Ich hoffe es wenigstens.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich am Stand, um Publikationen zu verkaufen und mit Leuten zu plaudern. Besonders gern erinnere ich mich dabei an die Unterhaltung mit Karl Nagel, dessen Lesung ich wegen NEO leider verpasst hatte. Es war aber sehr nett, den Autor, Punk und ehemaligen Kanzlerkandidaten der APPD persönlich zu treffen. Dazwischen holte ich mir noch die eine oder andere Unterschrift in der Autogrammstunde.

Die zwei Stunden vor dem Abendprogramm nutzten mein Mann und ich, mit den beiden NEO-Exposéautoren und NEO-Lektor, Dieter Schmidt, zu einem Abendessen im Kartoffelhaus, um anschließend gestärkt dem großen Finale des Con-Samstags beizuwohnen.

Rüdiger Schäfer hatte zur Saturday Night Live-Talkshow geladen und begrüßte unteranderem Wolfgang Kehl (Arndt Elmer), Andreas Brandhorst, Klaus N. Frick, Hermann Ritter und Robert Corvus auf der Bühne. Klaus Bollhöfener wurde von Klaus N. Frick gedoubelt (leider ohne fränkischen Dialekt). Dazwischen gab es Quizfragen fürs Publikum, bei dem Raritäten und Sammlerstücke gewonnen werden konnten. Ich hätte gerne die NEO-Sternenkarte ergattert, wusste aber nur den Vornamen des Pseudonyms von Rainer Schorm – Regina Shadow. Dabei stand er in der letzten Ausgabe der SOL auf Seite 43. Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Nun ja, Namen sind eben nicht meine große Stärke.

Völlig erschöpft fiel ich kurz vor Mitternacht in Bett. Es war ein toller Tag, wie immer bei solchen Ereignissen nur leider zu kurz.

Langer Confreitag in Osnabrück

Das Con-Hotel

Die Deutsche Bahn brachte uns pünktlich und ohne Probleme nach Osnabrück. Na, ja, ich hatte meinen Mann dabei, der bringt mir bei Bahnreisen meist Glück. Ich genoss es mal wieder lange am Stück in einem Zug zu fahren, ohne nach zwei oder drei Stationen umsteigen zu müssen. Ich schrieb eine Szene für meinen Zeitreise-Roman und schmökerte in einem Buch, in dem es um PERRY RHODAN (zumindest indirekt) und um Pornos geht. Die Mischung ist durchaus skurril und witzig. Ich werde bei Gelegenheit darüber berichten.

Nach der Ankunft in Osnabrück stärkten wir uns in einem Café in der Fußgängerzone. Ein selig lächelnder Chefredakteur eilte an uns vorbei, ohne uns zu bemerken. Ich nahm aber freudig zur Kenntnis, dass Klaus N. Frick tatsächlich sein Versprechen wahr gemacht hatte, den Con in Osnabrück zu besuchen. Wo er doch in der Vergangenheit oft genug hatte verlauten lassen, keinen Perry-Con mehr besuchen zu wollen.

Während sich mein kränkelnder Ehemann im Hotelzimmer etwas hinlegte, ging ich ins Jugendhaus um Hallo zu sagen und bei den Vorbereitungen zu helfen. Vor und im Jugendhaus herrschte reges Treiben. Jugendliche aller Alterstufen tummelten sich dort. Schön zu sehen, dass sich die Jugend doch noch für nicht-virtuelle Aktivitäten von ihren Smartphones und Computer weglocken lässt.

Es hatten sich außerdem schon viele aus dem engeren Kreis der PRFZ versammelt und waren dabei, die Con-Räumlichkeiten zu dekorieren und die Händlertische aufzubauen. Die ausgedruckten Poster mit dem Programm wurden mir aus der Hand genommen und strategisch günstig aufgehängt, während ich mich um den Aufbau des Stands und das Anbringen des großen Banners an der Bühnenfront kümmerte. Im Laufe des Nachmittags kamen weitere Fans vorbei und boten ihre Hilfe an. Vielen Dank an dieser Stelle dafür, denn so waren wir schneller fertig als gedacht und setzten uns bei einem Kaffee im großen Kreis zusammen.

Gegen 18 Uhr wechselten wir ins wenige Meter entfernte Kartoffelhaus. Michael Tinnefeld und Gerhard Huber hatten mich schon im Vorfeld zum Essen eingeladen, als Dankeschön, dass ich ihre FanEdition lektoriert hatte. Nach einem sehr guten und vor allem umfangreichen Abendessen schlenderten mein Mann und ich ins Hotel zurück.

Am späteren Freitagabend traf sich dann die PRFZ-Spitze zu einem Vorgespräch im Biergarten vom Romantik-Hotel Walhalla. Mit von der Partie war Klaus Bollhöfener aus der PR-Redaktion. Wir sprachen über Zukünftiges und über die Verbesserung interner Abläufe. Doch je weiter der Abend voranschritt, desto kälter wurde es. Als ich eingewickelt in zwei Decken und mit einer Tasse Tee immer noch fror, zog ich mich dann doch lieber ins Hotelzimmer zurück. Außerdem war es spät und ich wollte am nächsten Morgen ausgeschlafen sein.

Der Saal im Jugenhaus

Interview auf Russisch

Ich betreibe heute mal Metablogging. Das heißt, ich berichte über einen Blogeintrag eines Perryfans aus Russland, mit dem ich für die SOL ein Interview geführt habe. Das Interview hat der Fan nun auf Russisch auf seinem Blog veröffentlicht. Wer Lust hat mal meinen Namen auf Russisch zu lesen, darf gern dort vorbei schauen. Mit dem Google-Übersetzer kann man dem Text sogar ziemlich gut folgen.

Fast dreißig Jahre nach meiner letzten Russischstunde habe ich die Interviewfragen in Russisch verfasst und anschließend die Antworten zurück ins Deutsche übersetzt. Es ist erstaunlich, wie viel von den acht Jahren Russischunterricht hängen geblieben ist. Zum Lesen, bzw. zum Erfassen der Zusammenhänge reicht es allemal. Übersetzen konnte ich damals schon ziemlich gut. Die Sprache gehörte auch zu meinen Lieblingsfächern, gerade wegen ihrer grammatikalischen Komplexität – mit sechs Fällen, drei Geschlechtern und dem kyrillischen Alphabet.

Aber seien wir ehrlich, ich könnte in einem Moskauer Restaurant zwar die Speisekarte lesen, aber weder Essen noch Trinken bestellen. Im Sprechen bin ich eine absolute Null. Da bekomme ich höchstens ein paar Begriffe und wenige Verben zusammen, geschweige denn richtige Sätze. Verbale Kommunikation haben wir leider nicht wirklich im Unterricht gelernt. Wie auch, wir haben ja nie einen Russen getroffen, obwohl es bei uns in der Stadt eine ganze Kaserne voll gab. Doch die armen Soldaten durften da nicht raus – die sind höchstens in der Nacht über den Zaun geklettert und haben im Garten meiner Oma Obst und Gemüse geklaut, weil sie so wenig zu essen bekommen haben. Und die Offiziere mit ihren Frauen und Kindern haben sich mit den DDR-Bürgern nicht abgegeben. So kommt es, dass ich zwar Russisch lesen, und zumindest ein paar Worte sowie meinen Namen schreiben, aber nicht wirklich kommunizieren kann.

Was ich besonders lustig finde, sind die Namen der PERRY RHODAN-Mitarbeiter Philine-Marie Rühmann und Klaus N. Frick in kyrillischen Buchstaben. Da auch Eigennamen im Russischen gebeugt werden, bekommen sie je nach Fall unterschiedliche Endungen angehängt, was mitunter echt witzig klingt.

Beispiel?

Филене-Мари Рюманн (Philine-Marie Rühmann)

Клаусу Н. Фрику bzw. Клауса Н. Фрика (Klausu N. Fricku bzw. Klausa N. Fricka)

Buchmesse Blitzbesuch 2

Redakteure beim Plausch

Und hier die Fortsetzung …

In Halle 5 kaufte ich unter anderem das neueste Werk von Dirk Bernemann. Leider war der Autor dieses Mal nicht vor Ort, aber ich hielt ein Schwätzchen mit seinem Verleger. Bei einem anderen Verlag ergatterte ich die Visitenkarte eines Lektors. (Mal sehen, ob sich da was ergibt.) und beim Stand von Papyrus-Autor erfreute ich mich an der Bücherwand. Die Software-Schmiede hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Bücher, die mit Papyrus-Autor geschrieben wurden, am Stand auszustellen. Eine nette Idee, wie ich finde.

In Halle 3 wollte ich mir dann wenigstens den Roman von Bela B kaufen, doch ich fand ihn am Stand von Heyne nicht. Auf meine Nachfrage war der Mitarbeiter selbst verdutzt, dass keine Exemplare mehr im Regal lagen. Ein anderer wusste aber noch eines aus den Tiefen eines Schrankes hervorzuzaubern, so dass ich tatsächlich das letzte Exemplar erwischte.

Mit vollem Beutel eilte ich zurück in Halle 2, wo Andreas Eschbach am Perry-Stand seine Perry Rhodan-Biografie signieren sollte. Ich kam sogar erstaunlich gut durch, weil sich viele der Messebesucher bei der Wärme nach draußen geflüchtet hatten und dort in der Sonne saßen. Im letzten Jahr, sah das anders aus, da lag Schnee auf dem Hallendach.

Am Perry-Stand traf ich auf die umtriebigen Mitglieder des Mannheimer Stammtischs, die bereits in den Startlöchern warteten. Nach und nach kamen andere Besucher hinzu, die bereits den dicken Wälzer von Eschbach bereithielten. Überpünktlich traf dann auch der Autor ein, der gut gelaunt und mit souveräner Ruhe alles unterschrieb, was man ihm entgegenhielt. (Ob Körperteile auch dabei waren, kann ich aber nicht sagen.) Auch ich hatte den Roman durch die halbe Republik nach Leipzig geschleppt. Mein Mann hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn schon im Voraus zu kaufen und auch zu lesen. Obwohl ich das Buch eigentlich erst auf der Messe kaufen wollte. Aber gut das ich es dabei hatte, denn laut einigen Besuchern, war es an diesem Tag bereits ebenfalls ausverkauft.

Ich schwatzte lange mit ein paar Fans über Dies und Das, sah Andreas Eschbach beim Signieren zu und kaufte an den umliegenden Ständen noch ein paar Bücher, meist solche, dessen Autoren ich persönlich kannte.

Weil ich irgendwann nicht mehr stehen konnte, lauschte in der Leseinsel zunächst einer Lesung aus »Warrior-Cats« und später der von STELLARIS-Autor und Wolfenbüttel-Seminarteilnehmer Ulf Fildebrandt. Bei der Gelegenheit muss ich anmerken, dass die Sitzgelegenheiten der Leseinseln, für ein deutlich jüngeres Publikum ausgerichtet sind. Nicht nur ich hatte Mühe, mich wieder vom Boden zu erheben.

17 Uhr! Der letzte Termin an diesem Freitag war ein Treffen mit PR-Chefredakteur Klaus N. Frick. Wir sprachen über die FanSzene und die PRFZ. PR-Mitarbeiterin Madeleine Grobe machte noch ein schönes Foto von uns und dann musste ich auch schon wieder weg.

Denn die Bahnverbindung zwischen Saalfeld und Leipzig, die noch im vergangenen Jahr so passend funktioniert hatte, gibt es nicht mehr. Inzwischen muss ich mehrfach umsteigen und brauche im Durchschnitt zweieinhalb bis drei Stunden. Also entschied ich mich für einen ICE über Erfurt, mit dem ich in knapp zwei Stunden zu Hause sein würde.

Weil ich spät dran war, nahm ich wieder den Bus. Der gleiche Busfahrer vom Mittag war immer noch gut drauf und machte seine Späße mit den Fahrgästen und den Besuchern, die vor dem Bus mitten auf der Straße spazierten, ohne nach rechts, links oder nach hinten zu schauen. Mit viel Humor kam ich am Messebahnhof an, wo auch schon mein ICE wartete. Hier tat ich zum ersten Mal etwas, was ich noch nie gemacht habe. Ich stieg ohne Fahrkarte in den Zug. Die kaufte ich erst an Bord über meine Smartphone-App. Das Internet macht es möglich.

Völlig erschlagen aber hoch zufrieden fiel ich an diesem Tag spät abends ins Bett. Und ich wünschte mir tatsächlich mehr Zeit für den nächsten Messebesuch. Es war heuer wirklich ein bisschen zu hektisch gewesen.

Vielen Dank an Madeleine Grobe aus der PERRY RHODAN-Redaktion für das nette Foto.

PR 3000 Nachlese

Ich teile heute mal zwei Audio-Interviews vom österreichischen Journalisten Christian Wehrschütz. Der auch auf der Veranstaltung im Münchner Literaturhaus war und viele Beiträge zu PERRY RHODAN für den ORF gedreht hat. Einige sind heute bei ORF2 zu sehen. Zumindest für diejenigen, die in Österreich wohnen oder die Sender über das Kabelfernsehen bekommen (wie wir).

Christian Wehrschütz ist selbst Fan und hat neben Interviews mit den beiden Wiener PR-Autoren Michael Marcus Thurner und Leo Lukas, auch mit Andreas Eschbach und Klaus N. Frick gesprochen. Letztere verlinke ich hier mal, weil ich sie auch für Nicht-Perryfans ausgesprochen interessant finde.

Viel Spaß!

#PerryRhodan Band 3000 Interview mit #AndreasEschbach

Eschbach hat eine fiktive Biographie der Jugend von PR geschrieben, bis zum Mondflug. Lesenswert.Perry Rhodan Sendetermine im ORF am 18.2.2019Die Sendungen können über Livestream aber auch danach über die sogenannte TVThek des ORF gehört und gesehen werden. Die TV-Beiträge stelle ich dann auch noch auf meine offizielle Facebook-Seite. Radio:Kulturjournal um 17.09 Ö1 Fernsehen:ORF2, „Mittag in Österreich“ ab 13.15 nach der Zeit im Bild um 13 UhrORF2, „Studio2“ Beginn der Sendung um 17.30 Kultur Montag, ORF2, Beginn um 22.30

Gepostet von Christian Ferdinand Wehrschütz am Mittwoch, 13. Februar 2019

 

#PerryRhodan Band 3000 Interview mit CHefredakteur #KlausFrick

Die Sendetermine für Montag habe ich auf FB bereits angekündigt. Ad astra. CW

Gepostet von Christian Ferdinand Wehrschütz am Freitag, 15. Februar 2019

PERRY RHODAN – Bis zur Unsterblichkeit und darüber hinaus

Heute feiert ein Phänomen Jubiläum, das in Deutschland und auf dem Globus seines Gleichen sucht. Am 15. Februar 2019 erscheint Band 3000 der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Die Rede ist weder von »Star Wars« noch von »Star Trek« sondern von PERRY RHODAN. Die deutsche Heftromanserie aus dem Verlag Pabel-Moewig ist gleichzeitig die längste Fortsetzungsgeschichte der Welt.

Seit dem 8. September 1961 können sich Leser jede Woche am Kiosk ihren Heftroman aus dem Perryversum holen. Kein Ereignis, ob Mauerfall oder 11. September, hat bisher eine Veröffentlichung verhindert. Und so ist PERRY RHODAN ein mediales Phänomen, das inzwischen mehr als fünf Jahrzehnte andauert.

In der DDR verboten

In Ostdeutschland ist die PERRY RHODAN so gut wie unbekannt. Was vor allem daran liegt, dass »Schundliteratur« aus dem Westen in der DDR verboten war. Dabei ist die Serie keineswegs ein blendendes Beispiel für den Kapitalismus, im Gegenteil … Ihr Held der ersten Stunde Perry Rhodan ist Amerikaner und landet 1971 auf dem Mond, wo er ein außerirdisches Raumschiff entdeckt.

Im Laufe der Handlung kehrt er mit Hilfe der Außerirdischen zur Erde zurück und gründet die »Dritte Macht«. Er reißt sich Rangabzeichen und Insignien von der Uniform und bezeichnet sich fortan als Terraner. Mitten im Kalten Krieg setzt er sich für Frieden und Verständigung zwischen den Nationen ein, befriedet die Supermächte und eint die Völker der Welt.

Nachdem unter seiner Ägide Hunger und Not auf der Erde beseitig wurden, führt er die Menschheit hinaus ins All. Aus der »Dritten Macht« wächst zunächst das Solare Imperium, später das Vereinte Imperium, noch später die Liga Freier Terraner bis hin zur Liga Freier Galaktiker. Der Botschaft von Toleranz und Frieden ist er in all der Zeit treu geblieben.

Über 3000 Jahre erstreckt sich inzwischen die Geschichte des Raumfahrers Perry Rhodan. Überleben konnte er den langen Zeitraum – ebenso wie einige seiner engsten Mitstreiter – nur, weil ihnen mittels Zellaktivator die relative Unsterblichkeit verliehen wurde.

Lesestoff für Jahrzehnte

Außer den 3000 Heftromanen vervollständigen unzählige Taschenbücher, das Spinoff PERRY RHODAN NEO und mehrere Nebenserien das umfangreiche Universum, das aus Millionen gedruckter Seiten besteht. Wenn man jeden Tag nur ein Romanheft (65 Seiten) lesen wollte, benötigt man dafür über acht Jahre. Zuzüglich der Romane, die in dieser Zeitspanne noch erscheinen, kommt man auf neuneinhalb Jahre.

Als Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting 1961 die Serie starteten, planten sie dreißig Folgen. Doch die Geschichten um den Raumfahrer Perry Rhodan fielen im Nachkriegsdeutschland auf fruchtbaren Boden. Abenteuer, fremde Welten und exotische Außerirdische zogen in erster Linie ein junges Publikum an. Jungs zwischen 14 und 18 Jahren, die bisher vor allem Karl May gelesen hatten, verschlungen die Hefte, tauschten sie untereinander und mussten sie oft genug vor Lehrern und Eltern verstecken. Denn damals galt die Serie im Westen genauso als Schund wie Liebes-, Arzt- und Westernromane.

Gebrauchsliteratur ist der Fachbegriff für ein Format, das bis in die Neuzeit überdauert hat. Heute sind die Verkaufszahlen von PERRY RHODAN zwar nicht mehr so hoch wie in den siebziger und achtziger Jahren, dennoch konnte sich die Serie eine treue Stammleserschaft bewahren.

Arbeiten im Team

Wie hält man eine solche Serie am Leben? Und wie schafft man es, jede Woche einen Roman herauszubringen? Die PERRY RHODAN-Redaktion kennt die Antworten. Unter der Leitung von Chefredakteur Klaus N. Frick sorgt sie im baden-württembergischen Rastatt für regelmäßigen Nachschub an Lesestoff.

Geschrieben wird die Geschichte von einem derzeit zwölfköpfigen Autorenteam, das im Übrigen schon aus der dritten und vierten Autorengeneration seit Beginn der Serie besteht. Zwei Autoren geben mit Exposés die Handlung jedes Romans vor. Der wiederum von einem Teamautor verfasst wird. Nur wenn ein Heft auf dem anderen aufbaut, ist es möglich, die Kontinuität innerhalb der Serie zu bewahren.

Um Lesern den Einstieg zu erleichtern, unterteilt man die PERRY RHODAN-Serie in Zyklen. Zirka alle einhundert Bände beginnt eine neue Rahmenhandlung.

Vom Fan zum Macher

PERRY RHODAN ist ein Mammutprojekt, denn es muss nicht nur jede Woche pünktlich ein Heftroman, sondern auch alle zwei Wochen ein NEO-Taschenheft herausgegeben werden. Ganz zu schweigen von den parallel erscheinenden Formaten E-Book und Hörbuch.

Das erfordert nicht nur eine ausgeklügelte Koordination und ein gut geöltes Marketing, sondern auch enormen Einsatz für Lektorat und Bearbeitung. Denn die hohen Qualitätsansprüche der Fans wollen befriedigt werden.

Dafür sorgt vor allem Klaus N. Frick, der mit Argusaugen über die Manuskripte wacht und jedes geschriebene Wort liest, bevor es veröffentlicht wird. Keiner kennt die Serie besser als ein Fan wie er.

So wie viele der heutigen Autoren als Fans begonnen haben, las auch Frick bereits als Teenager in den Siebzigern die Abenteuer von Perry Rhodan. In der Schule verfasste er Kurzgeschichten und schrieb Artikel für die Tageszeitung seiner Heimatstadt im Schwarzwald.

Später arbeitete er freiberuflich für Pabel-Moewig in Rastatt, bis er Anfang der Neunziger als Redakteur in die Serie einstieg und 1999 den Posten des Chefredakteurs übernahm.

Umtriebige Fan-Szene

Kaum eine andere Heftromanserie hat eine so enge Beziehung zu ihren Fans. In Leserbriefen, Internet-Foren und den sozialen Medien tauschen sich die Fans über die Romane und Titelbilder aus, äußern Kritik und Lob gleichermaßen.

Bei Stammtischen und auf Veranstaltungen, sogenannten Convents (Cons), treffen sie sich, diskutieren oder erweitern das PERRY RHODAN-Universum auf ihre Weise, mittels Fan-Romanen, animierten Filmen, Hörspielen oder Fanzines (selbst publizierten Magazinen).

Unter anderem entstand aus der Fan-Szene heraus die Perrypedia, eine Online-Enzyklopädie in der Begriffe, Raumschiffe und Charaktere aller bisher veröffentlichten Publikationen beschrieben werden. Mit mehr 43.000 Einträgen ist die sie inzwischen nicht nur für die Fans und Leser zu einem unersetzlichen Wissens-Pool geworden, sondern vor allem auch für die Autoren. Sie haben dieses Geschenk der Fans für ihre Arbeit zu schätzen gelernt.

Blick in die Zukunft

In unserer digitalen Welt hat es der Heftroman jedoch schwer. Vieles funktioniert inzwischen über E-Books, während die gedruckten Romane nur im Abo oder an wenigen Kiosken erhältlich sind. Dass es PERRY RHODAN immer noch gibt, verdankt die Serie der Voraussicht der Redaktionsmitarbeiter, die bereits Anfang der 2000er Jahre ins E-Book-Geschäft eingestiegen sind.

Im Unterschied zu früher sind die Leser jedoch keine Jugendlichen mehr, sondern meist Männer über 50 aus allen Bevölkerungsschichten – vom Arzt, über den Bauarbeiter bis hin zum Bordellbesitzer. Und darin liegt auch das Problem. Die Serie benötigt dringend junges Blut unter den Lesern. Viele der Autoren sind inzwischen jünger als die Leser. YouTube-Videos, vermehrte Präsenz in den sozialen Medien und Publikationen außerhalb des Heftromans sollen helfen, die Serie in die Zukunft zu führen.

Zu diesem Zweck erscheint unteranderem eine Woche nach dem Jubiläum ein Buch von Bestsellerautor Andreas Eschbach. Mit »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« möchte man den Normalleser auf die größte Science-Fiction-Serie der Welt aufmerksam machen. Der Roman erzählt die Geschichte Perry Rhodans bis zu seinem Flug zum Mond und ist für alle Leser und Leserinnen von Spannungsliteratur geeignet.

So viel zu lesen und so wenig Zeit

Irgendwie geht mir zunehmend die Zeit ab. Vor allem fürs Lesen fehlt sie mir. Inzwischen stapeln sich die Comics, Magazine, Romane, Romanhefte und Leseproben auf meinem Schreibtisch. Ich kam am Wochenende nicht mal dazu, die zwei Leseproben zu begutachten, die ich vom Münchner Perry-Event mitgebracht habe.

Zumindest habe ich inzwischen mit dem Band 193 von NEO begonnen, das hatte ich wegen des Autors bisher vor mir hergeschoben, aber ich bin positiv überrascht. Es ist nicht so schlimm, wie befürchtet.

Dafür war ich selbst recht fleißig in den letzten Tagen und habe Texte für die Kolumne, die »SOL« und sogar vier Seiten für meinen Roman geschrieben. Das verschafft mir zumindest ein nicht ganz so schlechtes Gewissen.

Momentan beschäftigen mich in all die Berichte und Videos zur Veranstaltung in München. Ganz viel wurde inzwischen darüber geschrieben, vorwiegend positiv. Und Ben Calvin Hary, mit dem ich am Samstag leider nur kurz plaudern konnte, hat das erste offizielle Video hochgeladen.

Das teile ich an dieser Stelle sehr gern. Vor allem wegen des witzigen Beitrags von Chefredakteur Klaus N. Frick.