Christinas Multiversum

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Arbeitsplatz Friedhof

Quelle: shop.hirnkost.de

Der einzige Tote, den ich in meinem Leben gesehen habe, war ein Fahrradfahrer, der vor unserem Haus von einem LKW überfahren wurde. Damals war ich etwa 13 oder 14 Jahre alt und beobachtete vom Fenster aus, wie die Notärzte versuchten, den Mann wiederzubeleben und es schließlich aufgaben. Dann holte mich meine Mutter vom Fenster weg. Das letzte, was ich sah, war, wie man die Leiche mit einem Tuch abdeckte. Das Bild werde ich nie wieder vergessen.

Volker Langenbein sieht so etwas täglich und oft noch viel schlimmere Dinge, denn der Mann ist Totengräber. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben, wie er zu dem Beruf gekommen ist, und was er bei seiner täglichen Arbeit auf dem Friedhof alles erlebt. Und das ist ausgesprochen interessant.

Seien wir ehrlich, wer von uns weiß schon, wie die Arbeit eines Totengräbers aussieht. Die meisten haben keine Ahnung und wollen es auch nicht wissen. Wir sind Meister im Verdrängen, wenn es ums Sterben und den Tod geht. Und wir schauen vielleicht auch auf Menschen herunter, die solche »Drecksarbeit« für uns erledigen. Warum das so ist, ist eine der Fragen, die der Autor in seinem Buch zu beantworten versucht.

Er nennt sich Rusty und hat eine schwere Kindheit hinter sich. Der gewaltsame Tod des Vaters, das tägliche Überleben auf den Straßen der Vorstadt prägen ihn und bringen ihn bis ins Gefängnis. Als er 1993 eine befristete Stelle als Friedhofsgärtner angeboten bekommt, packt er sein Schicksal am Schopf. Er arbeitet sich hoch bis zum Leiter eines Stadtteilfriedhofs. Doch der Beruf zehrt, nicht nur an seinem Körper, sondern auch an seiner Seele. Die Rufbereitschaften, in denen er nachts Selbstmörder und Unfallopfer buchstäblich von der Straße kratzen muss, lasten zunehmend auf ihm. Am Ende steht er kurz vorm Scheitern.

Geradlinig erzählt Volker Langenbein seine Geschichte. Die Kapitel bauen in den ersten zwei Dritteln aufeinander auf und liefern dem Leser einen intimen Einblick in die Arbeit eines Friedhofs. Eine Menge Arbeitsschritte sind notwendig, um einen Toten zu bestatten. Die Leiche muss abgeholt, gewaschen, umgezogen und für die Aufbahrung geschminkt werden. Bei Unfallopfern müssen Wunden vernäht und Körperöffnungen verschlossen werden. Gräber müssen ausgehoben, Blumen für die Trauerfeier arrangiert und die Zeremonie vorbereitet werden. Und am Ende müssen Sarg oder Urne beigesetzt werden. Doch das ist längst nicht alles. Ein Totengräber muss auch Grabstätten verkaufen und Hinterbliebene trösten. Er steht an vorderster Front, wenn es darum geht, mit trauernden Angehörigen zu kommunizieren. Und das alles mit einem Hauptschulabschluss und zu einem mickrigen Arbeitslohn. Erst seit 2003 gibt es die offizielle Berufsbezeichnung »Bestattungsfachkraft« und erst seit 2007 hat man sich in Deutschland auf eine einheitliche 3-jährige Berufsausbildung geeinigt. Allein daran erkennt man, welchen Stellenwert der Tod in unserer Gesellschaft hat.

»Totengräbers Tagebuch« ist kein Roman. Es ist, wie schon gesagt, ein Tagebuch. Die Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten und echten Personen. Und hier liegt auch das Kernproblem. Es fehlen die Plotpoints, die Konflikte für die Hauptfigur und ein geschlossener Spannungsbogen. Auch wenn im Buch viele menschliche Schicksale angesprochen werden, für Rusty geht im Grunde alles gut aus. Er hat Erfolg, er arbeitet sich schnell hoch, wird von den Kollegen und Vorgesetzten anerkannt. Man sieht ihn nicht scheitern und wenn, liefert der Autor dies in einer Zusammenfassung nach. Das macht das Buch leider, ich will nicht sagen langweilig, aber vorhersehbar.

Ein guter Vergleich an dieser Stelle ist »Bob, der Streuner« von James Bowen. Das Buch des ehemaligen Junkies entstand auf ähnliche Weise. Auch er erzählt seine Lebensgeschichte und wie die Begegnung mit einem streunenden Kater sein Leben veränderte. Doch James Bowens Geschichte ist deshalb so erfolgreich, weil er auf dem Weg zum »Ruhm« immer wieder vom Schicksal gebeutelt wird oder an sich selbst scheitert.

Das Leben ist nicht gnädig, mit keinem von uns. Jeder stößt irgendwann an Grenzen, an denen er aufgibt oder sie überwindet. Keine Frage, es gehört Mut dazu, darüber zu sprechen. So gesehen hätte ich mir gewünscht, dass Volker Langenbein ein wenig mehr aus den dunklen Kapiteln seines Lebens erzählt hätte. Von den Momenten an denen er kurz davor stand aufzugeben, oder mehr über die Konflikte, in die er durch seine Arbeit getrieben wurde, zum Beispiel über die Trennung von seiner Frau. Ich hätte den Menschen hinter dem Totengräber gern noch ein bisschen näher kennengelernt.

Doch das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Denn wie der Titel schon sagt, ist »Totengräbers Tagebuch« kein Roman, sondern ein Tagebuch und so sollte man es auch lesen. Es ist informativ und erweitert den Blickwinkel auf jene Menschen, die uns irgendwann einmal zu Grabe tragen. Es fördert die Wertschätzung für einen Beruf, der sowohl körperlich als auch psychisch unglaublich belastend ist und zudem schlecht bezahlt wird. Allein das zählt.

Ko-Autor des Buches ist Klaus N. Frick, der als Punk im Anzug Erwähnung findet. Das Buch erschien im Juni 2019 im Hirnkost-Verlag und ist als Hardcover-Ausgabe und E-Book im Buchhandel erhältlich.

Langer Weg in den Norden

Beim Straßenbau scheint die Zeit stillgestanden zu haben

Autofahren ist echt nicht mein Ding.

Nach unserer Fahrt nach Prerow weiß ich auch wieder, warum ich lange Strecken lieber mit dem Zug zurücklege. Wir brauchten glatte sieben Stunden für die Fahrt von Saalfeld auf den Darß. Dabei nervten nicht nur die vier Baustellen auf der A9, sondern vor allem die Endlosbaustellen auf der A24. Mehr als 60-80 km/h durfte man dort nicht fahren, und der Verkehr war trotz Sonntag ziemlich dicht. Erst auf der A19 entspannte sich das Ganze wieder.

Und just als wir in Rostock von der Autobahn abfuhren, steckten wir in einem Stau. Irgendwo hatte es einen Unfall gegeben, der Hubschrauber flog über uns hinweg und von fern hörte man die Rettungsdienste nahen. Glück im Unglück – Wir standen direkt neben einer Abfahrt. Ich zückte mein Handy, ließ mir kurzerhand die Verkehrslage anzeigen und entdeckte, dass es eine Parallelstraße gab. Wir mussten bloß die Abfahrt nehmen, was wir dann auch taten. Und siehe da, wir brauchten nur ein paar Minuten, um an dem Megastau vorbei, am anderen Ende des Staus wieder auf die Hauptstraße zu gelangen. Wahrscheinlich haben wir uns so mehrere Stunden Warterei erspart. Hoch lebe das Smartphone und die NavigationsApp!

Auf der Bundesstraße fuhren wie nochmal 60 Kilometer direkt an der Küste entlang bis nach Prerow. Unteranderem passierten wir jenes Ostseehotel, was Tags zuvor abgebrannt war. Man nahm den Brandgeruch noch durch die geschlossenen Autoscheiben wahr. Die Ortsdurchfahrten waren allgemein ziemlich abenteuerlich. Überall gab es Fahrradfahrer und Fußgänger, die vor dem Auto herfuhren oder einfach über die Straße rannten. Das erforderte meinem Mann erhöhte Konzentration ab und das nach fast sieben Stunden Autofahrt. Mit Verwunderung nahmen wir zur Kenntnis, dass trotz Sonntag die Geschäfte geöffnet hatten, vorallem Diskounter wie Aldi, Lidl und Co. In Bayern eine absolute Unmöglichkeit, hier Normalität.

Für die Anfahrt zum Hotel befragte ich nochmal die NavigationsApp, obwohl ich sonst lieber auf der Karte nachsehe und meinen Mann navigiere. In Prerow ist es aber unabdingbar. Die Seitenstraßen sind nicht nur schmal und in teils miserablem Zustand, sondern es sieht auch noch alles gleich aus. Die Siedlung wurde im Laufe der Jahrzehnte in den Sand zwischen die Bäume gebaut. Nach und nach sind die alten Häuser und Bungalows aus Ostzeiten modernen Einfamilienhäusern gewichen. Alles sehr schick, aber die Straßen dazwischen wurde nur hier und da erneuert. Teilweise sind es nur mit Betonplatten verstärkte Sandwege. Eng, löchrig und verwinkelt, auf denen sich Radfahrer und Fußgänger kreuz und quer bewegen. Mit großen oder tiefergelegten Autos kommt man da nur schwer durch. Mit unserem Corsa fanden wir den Weg jedoch ohne Probleme und waren ziemlich Lendenlahm, als wir vor dem Hotel aus dem Auto stiegen.

Wir checkten in dem gebuchten Bio-Hotel ein. Alles war sehr persönlich, wir bekamen eine kleine Führung, man zeigte uns wo wir uns »belebtes« Wasser zapfen konnten und wo die Behandlungen stattfinden werden. Dem Hotel angeschlossen ist nämlich ein Gesundheitszentrum mit Physiotherapie in ganzheitlicher Ausrichtung. An der Rezeption lagen schon unsere drei Termine zur Rückenmassage für die nächsten Tagen bereit (alles im Hotelpreis inbegriffen). Anschließend ruhten wir uns erstmal ein wenig aus und gingen dann in den Frühstücksraum, wo es gegen eine kleine Spende, jeden Nachmittag Kaffee und Kuchen gibt.

Am Abend wollte ich an den Strand. Von der Karte wusste ich, dass es ein gutes Stück zu laufen ist. Nach dreißig Minuten Fußweg sahen wir endlich das Meer und tauchten unsere Füße in feinen weißen Ostsee-Sand. Nur vom Meer selbst waren wir etwas ernüchtert. Die Ostsee ist nicht der Atlantik und auch nicht mehr das, was sie mal war. Als Kind habe ich darin gebadet. Es gab damals zwar Seetang und hin und wieder eine Qualle, aber die großflächigen braunen Algenteppiche, die jetzt an den Strand geschwemmt werden, gab es definitiv nicht. Es roch dementsprechend streng und man mochte eigentlich nicht barfuß am Wasser entlanglaufen. Wir taten es trotzdem und entdecken immer mal wieder Stellen, an denen weniger Algen waren. Trotzdem ist der Strand vollgeschwemmt. Auffällig auch die vielen schwarzen Miesmuscheln, die in dicken Klumpen am Strand lagen und vor sich hingammelten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es die in den Achtzigern schon hier gab.

Es war Abend, aber die Sonne steht im Juni in diesem Breiten noch hoch am Himmel. Es waren viele Leute unterwegs, einige mit Hund, andere in dicker Winterjacke. Wir liefen im T-Shirt und kurzer Hose herum und froren bei 22 Grad nicht. Wir sind aber auch jünger. Auffällig viele der Touristen waren Rentner. Die Mehrzahl der Leute, denen wir begegnen, gehört der Generation 50-Plus an, mehr oder weniger rüstige Senioren, meist aus Sachsen, Thüringen oder Berlin, aber auch aus Bayern. Wenn nicht auch einige junge Familien mit Babys und Kleinkindern unterwegs gewesen wären, wären wir schon fast aufgefallen.

Nach fast zwei Stunden Abendspaziergang fielen wir todmüde ins Bett. Apropos Todmüde. Vor dem Schlafengehen las ich voller Faszination noch einige Kapitel in einem Totengräberbuch und träumte prompt von Wasserleichen.

Steine & Muscheln, aber kein einziger Bernstein

Der Algenteppich hat schon was von einem Ölteppich

Es gab aber auch Stellen, die relativ sauber waren

 

Urlaub im Norden

Nicht wundern, wenn es hier in den nächsten Tagen etwas stiller sein sollte. Nach zwei anstrengenden Arbeitstagen und einer Autofahrt durch die halbe Republik habe ich ab heute ein paar Tage Urlaub, die ich möglichst nicht im Internet verbringen möchte.

Am Sonntag geht’s mit dem Auto nochmal weiter durch die andere Hälfte der Republik. Womit ich dann Deutschland einmal von unten nach oben durchquert hätte. Übrigens hat das Hotel kein WLAN, aus bewussten Gründen, nicht das es nicht ginge. Man will sich ja entspannen und Dinge tun, für die man sonst wenig bis keine Zeit hat. Lesen zum Beispiel und Schreiben und Wandern und Fahrradfahren und und und …

Keine Sorge ihr hört von mir, wenn ich wieder da bin. Dann liefere ich auch Fotos ab.

 

Ärger mit mit Hermes

Hermes heißen nicht nur der griechische Götterbote und der Kater bei PERRY RHDOAN NEO, nein, Hermes ist den meisten als Lieferdienst bekannt. Um den gehts in meinem Blog heute.

Ich kann nicht sagen, dass ich in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit dem Paketservice gemacht habe. Unzuverlässig und zu spät, oft wird gar nicht geklingelt und gleich ein Zettel eingeworfen, obwohl man daheim ist. Mehrfach sind ganze Lieferungen verschwunden. Einmal hat mein Mann den Hermesboten sogar angehalten und die Herausgabe unserer Lieferung gefordert. Jedes Mal wenn ich sehe, dass eine Lieferung mit Hermes angekündigt ist, bange ich darum, ob sie überhaupt ankommt.

Man kann den Angestellten nicht mal einen Vorwurf machen. Hermesboten sind meist arme Schlucker aus Südosteuropa, mit verbeulten Autos, die kaum der deutschen Sprache mächtig sind. Sie arbeiten in einem schlecht bezahlten Job, den die meisten Deutschen nicht machen würden.

Service wird bei Hermes kleingeschrieben. Das habe ich diese Woche wieder hinlänglich erleben dürfen. Mir wurde eine Lieferung mit Hermes angekündigt. Eine wichtige Lieferung, die dringend war und die relativ zeitnah ankommen sollte. Sie wurde am Freitag vor acht Tagen aufgeben. Der Versender hatte mir noch die Paketnummer gegeben, damit ich die Lieferung verfolgen konnte. Am Montag erhielt ich die Mitteilung, mein Paket sollte am Dienstag zwischen 13 und 17 Uhr zugestellt werden. Zu dieser Zeit würde ich aber noch auf Arbeit sein und nicht zu Hause. Wegen meiner guten Erfahrungen mit DPD, wollte ich den Service auch bei Hermes testen, das Paket in die hiesige Filiale umzuleiten. Bei DPD klappt das richtig gut. Wenn man bei denen noch die Handynummer hinterlässt, bekommt man auch eine SMS, wenn das Paket in der Filiale angekommen ist.

Am Dienstag Mittag schaute ich auf der Internetseite von Hermes nach und tatsächlich, stand dort, mein Paket wäre in der Filiale abgegeben worden. Ich stiefelte also nach der Arbeit in der größten Nachmittagshitze in den hiesigen Zooladen, um mein Paket zu holen. (Der folgende Dialog ist aus meinen Gedächtnis rekonstruiert, hat sich aber so oder so ähnlich abgespielt.)
Der Herr hinter dem Ladentisch schaute nach und kam Schulterzuckend zurück. »Naa, ist noch nicht da!«, erklärte er mir.
»Wie? Aber im Internet steht doch, dass das Paket in der Filiale wäre?«
»Haben Sie es denn hierher liefern lassen?«
»Ja, ich habe es umgeleitet, weil ich nicht zu Hause war.«
»Ach so, dann kommt es erst morgen.«
»Wieso morgen? In der Paketverfolgung im Internet steht doch, dass es schon da ist.«
»Ach, das steht da immer. Aber da es nicht direkt an den Paketshop adressiert war, kommt es einen Tag später. Erfahrungssache!«
Mir blieb kurzzeitig die Luft weg. Ich war schlichtweg fassungslos. »Aber ich habe das doch schon gestern Mittag gemeldet, da hätte der Fahrer das heute wissen müssen und es hier abgeben können.«
»Für den Shop ist ein anderer Fahrer zuständig.«
»Wie! Die Paketshops werden von einem anderen Boten beliefert, als die Haushalte?«
»Ja! Der Bote, der für sie zuständig ist, hat das Paket heute erst ins Depot zurückgebracht und dort wurde es dem Boten für den Shop ins Auto geladen. Deshalb haben Sie auch schon die Bestätigung bekommen.«
»Aber … das Paket ist jetzt im Auto des Paketboten und nicht im Shop. Wie können die dann schreiben …« Ich spürte, wie sich mein Ärger verdichtete.
»Machen Sie sich keinen Kopf«, versuchte er mich zu beruhigen, »Morgen können Sie es ja dann holen.«
»Morgen ist Mittwoch«, erinnerte ich ihn. »Mittwochnachmittag haben Sie geschlossen.« (Wie übrigens fast alle anderen Läden im Ort auch.)
»Dann kommen Sie halt am Vormittag.«
»ICH MUSS ARBEITEN, schon vergessen?« Inzwischen war ich auf hundertachtzig.
»Dann eben am Donnerstag.«
»Aber die Lieferung ist wichtig. Ich benötige sie zeitnah«, argumentierte ich, wusste aber in dem Moment schon, dass ich verloren hatte.
Der Inhaber des PaketShop antwortet darauf mit einem schlichten Schulterzucken.
Ich weiß nicht, was mich in dem Moment mehr aufgeregt hat: die Tatsache, dass ich mein Paket nicht erhalten würde oder die Abgeklärtheit des Ladenbesitzers. Ich schüttelte mit dem Kopf. Ungläubig, über die Szene, die ich da gerade miterlebte. Letztendlich tat ich das einzig Vernünftige in diesem Moment und ging, bevor ich noch jemandem an die Gurgel springen würde.

Am nächsten Tag stellte ich meiner Kollegin eine Vollmacht für das Paket aus. Sie musste Mittags mit dem Auto ohnehin in den Ort, um etwas abzugeben und holte das Paket für mich ab. Sonst hätte es noch einen weiteren Tag sinnlos herumgelegen. Zumindest nahm es der Inhaber des Paketshops ganz genau. Sie musste ihren Ausweis vorzeigen, obwohl sie sich schon lange persönlich kennen.

Die Quintessenz der Geschichte ist, dass ich auch in Zukunft möglichst vermeiden werde, mich mit Hermes beliefern zu lassen. Zumindest so weit ich das beeinflussen kann.

PRMS die Erste!

Das Raumschiffgrab

Schaut mal, was ich heute schon lesen durfte. Jetzt habe ich die knifflige Aufgabe eine Rezension zu schreiben, ohne zu spoilern.

Zunächst. Ich habe noch nie einen Heftroman in so kurzer Zeit gelesen wie »Das Raumschiffgrab« von Kai Hirdt. Was an sich schon ein sehr gutes Zeichen ist. Dass ich mich dabei auch noch gut unterhalten gefühlt habe, kommt steigernd hinzu. Der Autor versteht es den Handlungsbogen in dramaturgischer Perfektion anzulegen. Da passen die Plotpoints, das Tempo und auch die Figuren spielen perfekt zusammen.

Es gehört zu Kai Hirdts großen Stärken, Charaktere bildhaft und lebensecht darzustellen. Das ist ihm in Band 1 der Miniserie MISSION SOL wieder meisterhaft gelungen. Perry Rhodan agiert überlegen, ohne unglaubwürdig zu wirken. Die Bewohner des Tals werden vom Autor mit Stärken und Schwächen ausgestattet, so dass man meinen könnte, sie kämen aus der eigenen Nachbarschaft.

Die Geschichte um das Raumschiff SOL ist interessant und gleichzeitig rätselhaft. Ich denke, da warten auf die Leser noch ein paar echte Überraschungen. Und ja, es fällt der Name Michael Rhodan, aber mehr sage ich jetzt nicht dazu.

Mein Fazit über den Eröffnungsband. Eine spannende Geschichte, viele Rätsel, starke Protagonisten und ein souveräner Perry Rhodan, der dennoch nicht übermenschlich daherkommt. Klasse gemacht!

Jetzt freue ich mich um so mehr auf die folgenden Bände. Wenn die alle so gut sind, wird die Serie ein echter Knaller.

Broceliande beim Gratis Comic Tag 2019

Quelle: gratiscomictag.de

Und noch ein Comic vom Gratis Comic Tag über den ich unbedingt schreiben muss. »Broceliande« ist ein Märchen, das nicht nur sehr aufwendig gezeichnet ist, sondern das auch eine klassische Geschichte auf neue Weise erzählt.

Ein Geschichtenschreiber wird von zwei Trollen dazu genötigt eine Geschichte zu erzählen. Um sich inspirieren zu lassen, geht er hinaus in den Wald. Dort wird er Zeuge wie Merlin eine schöne Edeldame umgarnt, die ihn aber die kalte Schulter zeigt. Doch Merlin wäre nicht Merlin, wenn er nicht einen Zauber hätte, mit dem er die junge Frau zu beeindrucken weiß. Die ist nämlich auf der Suche nach dem sagenhaften weißen Hirsch, doch da ist sie nicht allein. Drei Jäger, die den weißen Hirsch erlegen wollen, streifen ebenfalls durch den Wald, in dem es längst Winter sein müsste und der unter der Hitze leidet. Wie der Geschichtenschreiber aus Merlin, der jungen Frau, den Jägern, Trollen und dem Wald eine Geschichte schreibt, die vor seinen Augen passiert, will ich and er Stelle nicht verraten.

Wie gesagt, es ist ein Märchen, es geht um Magie und Liebe. Eigentlich nicht das, was ich üblicherweise konsumiere. Doch die Handlung ist vielschichtig und mit aussagekräftigen Bildern hinterlegt, das macht den Comic, oder sagen wir lieber Graphic Novel dazu, zu einem echten Augenschmaus.

»Broceliande – Der Wald des kleinen Volkes« von Oliver Peru, Bertrand Benoit und Elodie Jacquemoire erschien bei Splitter und ist Teil einer ganzen Serie.

Auf den letzten Seiten des 66 Seiten starken Heftes ist ein Ausschnitt eines neuen Projektes von Splitter abgedruckt. Es geht um einen jungen Mann der im 18. Jahrhundert von einem Segelschiff in den Atlantik befördert und an einem Strand von einer Gruppe entflohener Sklaven aufgelesen wird. Später sieht man ihn als kranken alten Mann, dem ein Edelmann eine Schatzkarte von El Dorado abnimmt. »Der grosse Indien-Schwindel« wird im Laufe des Jahres bei Splitter erscheinen und sieht recht vielversprechend aus.

Hilda beim Gratis Comic Tag 2019

Quelle: gratiscomictag.de

Der Gratis Comic Tag liegt schon eine Weile zurück. Inzwischen habe ich so gut wie alle Comics gelesen, die mein Mann mitgebracht hat. Wie gesagt, die Mangas haben wir ausgespart, da ich grundsätzlich damit nichts anfangen kann. Es war wie jedes Jahr eine illustre Mischung an Comics. Vom Superhelden-Comic über Disney bis zur aufwendigen Graphic Novel war alles dabei. Einen der Comics habe ich bereits hier besprochen. Auf eine weitere Publikationen möchte ich heute eingehen.

Ich möchte Luke Pearsons Geschichte »Hilda und die Vogelparade« vorstellen. Der Comic richtet sich an Kinder, aber auch Erwachsene werden daran Freude haben, zumindest jene, die sich ein Gespür für Natur und fürs Phantastische bewahrt haben. An dem Heft hat mir vor allem die zu Herzen gehende Geschichte des kleinen Mädchens Hilda gefallen.

Hilda wächst in einem Haus mitten in der Natur auf. Sie kann den ganzen Tag draußen herumtollen und die Natur beobachten. Doch dann zieht ihre Mutter mit ihr in die Stadt Trolberg. Nicht nur, das Hilda hier keine Freunde hat und in eine neue Schule muss, nein, sie darf auch nicht mehr nach draußen, weil ihre Mutter das für gefährlich hält. Als sie dann doch mal ins Freie darf, rettet sie einen sprechenden Raben. Der begleitet sie den ganzen Tag durch die Stadt, auf ihrer Suche nach ihrem Zuhause. So lernt Hilda nicht nur die Stadt Trolberg kennen, sondern entdeckt auf der Vogelparade am Abend, dass ihr Rabenfreund besonders wichtig für die Stadtbewohner ist.

Die Geschichte ist ungewöhnlich gezeichnet und wirkt, obwohl sie sich an Kinder richtet, nicht kindlich sondern transportiert einen ernsten Hintergrund. Mir gefiel das gut. Von den Hilda Comics sind bereits eine ganze Reihe an Bänden bei »Reprodukt« erschienen. Sie können im regulären Buchhandel erworben werden und sind nicht nur für Kinder empfehlenswert.

Action auf Mimas

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 201 – »Mission auf Mimas« von Michelle Stern und Lucy Guth

Ras Tschubai befindet sich auf Mimas in jener Regenerationsphase, die der Zellaktivator der Liduuri benötigt um sein Leben zu verlängern. Gewissermaßen im Schlaf übernimmt Iratio Hondo die Kontrolle über Ras Tschubais Geist, lässt ihn erwachen und zwingt ihn mit ihm zu teleportieren. Der ehemalige Obmann wurde von einer dunklen Macht übernommen, die Menschen in seiner Nähe zu willigen Marionetten macht.
Tschubai kann zwar Perry Rhodan und die Mediziner des Instituts warnen, doch Hondo ist verschlagen. Sein Plan ist viel ausgeklügelter als alle denken, ebenso wie seine Fähigkeiten, die stetig zu wachsen scheinen. Auf seiner Flucht mit Tschubai als Geisel, kann er den Sicherheitsteams, den Mutanten Sud und John Marshall sowie Gucky und der halben Terranischen Flotte immer wieder entkommen. Er hinterlässt dabei Chaos und Zerstörung.
Als er durch einen Situationstransmitter nach Olymp entkommt, können ihm nur Thomas und Farouq Rhodan mit der NATHALIE folgen. Mit ihnen unterwegs ist Jessica Tekener, die sich auf der Handelswelt sehr gut auszukennen scheint. Doch auch hier kann Hondo entkommen, zurück lässt er einen schwerverletzten Ras Tschubai, der in letzter Sekunde von Sud gerettet werden kann.

Es ist eine durchaus spannende Geschichte, die die beiden Autorinnen erzählen. Die Verfolgung innerhalb der Klinik auf Mimas zieht sich im Mittelteil zwar etwas, aber mit dem Schauplatzwechsel nach Olymp haben die beiden letztendlich die Kurve bekommen.

Der NEO-Leser erfährt sehr viel über die vergangenen Jahre, über das Genom-Projekt, über den terranischen Geheimdienst und was aus Persönlichkeiten wie Belle McGraw, John Marshall, Julian Tifflor und Ras Tschubai geworden ist. Der geheimnisvolle Merkosh hat einen Kurzauftritt. Hintergründe aus dem Leben Ras Tschubais und Iratio Hondo werden mittels Visionen transportiert. Man bekommt einen guten Eindruck, wie sich die Erde bzw. die Terraner im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entwickelt haben. Olymp wird so beschrieben, wie man sich eine Handelswelt vorstellt, mit Casinos und Bordellen am Raumhafen. Alles ist sehr lebhaft und glaubwürdig geschildert.

Mir war es unmöglich herauszufinden, welche Autorin welchen Handlungsstrang geschrieben hat. Der Roman wirkt sehr homogen. Nur eine Entscheidung der Protagonisten konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Perry Rhodan und Thora, lassen Jessica Tekener mit ihren beiden Söhnen gemeinsam auf die Mission gehen, obwohl die junge Frau eindeutig Informationen geklaut hat und nicht preisgeben will, wie sie die gesicherten Kommunikationskanäle der Crest II abhören konnte. Das fand ich etwas unglaubwürdig. Vor allem Thora hätte Jessica Tekener niemals getraut und schon gar nicht ihre Söhne unter diesen Umständen mit der Frau losziehen lassen. Auch wenn sie inzwischen erwachsene Männer sind.

»Mission auf Mimas« ist ein spannender Actionthriller mit einem Bösewicht, der Perry Rhodan und der Terranischen Union tatsächlich gefährlich werden kann. Lucy Guth hat damit ihren Einstand bei NEO mit Bravour bestanden.

Bahn aktiv

Für DB Goldkunden

Die vergangenen beiden Wochen war ich viel mit der Deutschen Bahn unterwegs. Es lief nicht immer reibungslos, aber zumindest kam ich mit maximal 10 Minuten Verspätung an. Dafür funktionierte einmal das Bordbistro im ICE 4 nicht. Als Ausgleich gab es Kaffee aus der Thermoskanne (nicht unbedingt eine Geschmackssensation) und Ritter Sport-Schokolade im DB-Look. Heute waren es eine ausgefallene Klimaanlage sowie eine Signal- und eine Türstörung, die für Behinderungen sorgten.

Man bemüht sich jedenfalls bei der Deutschen Bahn. Heute habe ich gleich an zwei Befragungen teilgenommen. Es ging um die Regionalbahn und um den Bahnhof Osnabrück, der leider kein Juwel ist und dringend einer Erneuerung bedarf. Zumindest ist er nicht in einem so schlechten Zustand wie der Traunsteiner Bahnhof noch vor zwei Jahren war.

Allerdings nützt all die Kundenfreundlichkeit nichts, wenn die Verbindungen fehlen und die Umsteigezeiten so knapp bemessen sind, dass man sportliche Höchstleistungen abliefern muss, um seinen Anschlusszug zu bekommen. Wie mir am Freitag mal wieder in München passiert ist.

Wie erwartet ist der IC, der zwischen Leipzig und Karlsruhe auf der Saalebahn unterwegs war, seit dem Fahrplanwechsel aus dem Fahrplan verschwunden. Heimlich still und leise zwar, aber die Argumente kann ich mir denken: »Das Zug-Angebot wurde nicht angenommen.« Klar, wenn man den Zug zu so unmöglichen Zeiten fahren lässt, an denen keiner fährt und den man bei der Online-Buchung nur mit Tricks angezeigt bekommt. Das musste ja so kommen. Manchmal glaube ich wirklich, die Bahnverantwortlichen halten uns Bahnfahrer für blöd. Vielleicht sind wir das auch, wenn wir das alles so protestfrei über uns ergehen lassen.

NEO schlägt Star Trek

Merkheft

Das ist mal eine interessante Nachricht. Die größte Science-Fiction-Serie der Welt verweist die erfolgreichste Science-Fiction-Serie auf Platz zwei. Wo? Im aktuellen Katalog von »Fröhlich und Kaufmann« steht NEO auf Platz eins und Star Trek auf Platz zwei. Es handelt sich jeweils um die ersten 13 Platinbände und die DVD-Box zur Star Trek-Classic Serie.

Im vergangenen Jahr wurde die Platin-Edition von PERRY RHODAN NEO eingestellt. Das Handelshaus hat die vorhandenen Restbestände der Platin-Edition aufgekauft und gibt diese jetzt sehr preisgünstig ab. Und das scheinen sich viele Fans nicht entgehen zu lassen. Ich übrigens auch nicht.

Aber auch die Star Trek DVD-Boxen sind um ein Vielfaches günstiger zu erwerben. Unteranderem weil sich viele die Blu-Rays zugelegt haben oder die Serie gleich streamen.

Ebenfalls in der Liste, nämlich auf Platz 6, taucht »Raumpatrouille Orion« auf. So viel SF auf einem Haufen. Es scheint, dass das Science-Fiction-Genre viel beliebter ist, als allgemein behauptet wird. Aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger. Für den Buchhändler scheint es sich zu lohnen.