Die Druuns kommen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 256 – »Die Flüsterfürstin« von Ben Calvin Hary

Etwa einhundert Jahre bevor Erde und Mond nach M 3 versetzt werden, stürzt das Akonenraumschiff TRAVINOL auf einem Planeten innerhalb der Dunkelwolke ab. Die überlebende Crew sieht sich alsbald mit einheimischen Insekten – von den Akonen Druuns genannt – konfrontiert, die nicht nur die Schiffstechnik schädigen, sondern die auch in die Gehirne eines Teils der Besatzung eindringen und sie fremdsteuern. Es beginnt ein Kampf um das Wrack und Möglichkeit für die Druuns, den Planeten zu verlassen.
Die SOL empfängt den Notruf der TRAVINOL. Die FAIRY fliegt mit Gucky, Sam Breiskoll, Omar Hawk sowie dem Okrill Watson den Planeten an. Doch sie finden nur noch das zerstörte Raumschiff vor. Die Crew muss vor fast einhundert Jahren gestorben sein. Watson wird unbemerkt von den Druuns »infiziert« als er ihre Nester zerstört.
Zurück auf der SOL breiten sich die Insekten exponentiell über das ganze Schiff aus und infizieren einen Großteil der Crew. Die befallenen Menschen verhalten sich zunehmend aggressiv, sobald sie auf Nichtinfizierte treffen. Perry Rhodan und die Schiffsführung beschließen, alle Nichtinfizierten in die FAIRY zu evakuieren und das Schiff von der SOL abzukoppeln.
Aus einem Baugefühl heraus fliegen sie erneut den Planeten mit dem abgestürzten Wrack an, um vielleicht mehr über die Hintergründe der Druuns zu erfahren. Und tatsächlich in Kavernen unterhalb der TRAVINOL treffen sie auf Välfouerr dem Mentor von Callibso, der ihnen mitteilt, dass sich mit Hilfe der Druuns ein Quantenschatten auf die SOL gelangt ist und sich nun in der Positronik versteckt.
Die FAIRY kehrt daraufhin zur SOL zurück, auf der alles wieder normal zu sein scheint. Da erwacht Sam Breiskolls Sohn Bjo, der von NATHAN heimlich an Bord gebracht wurde, aus seiner Tiefschlafkapsel.

Freunde des gepflegten Horrors kommen bei dem Roman sicher auf ihre Kosten. Die Situation auf der SOL erinnerte mich stark an den Film »Die Körperfresser kommen«, was vielleicht auch ein bisschen beabsichtigt war. Jedenfalls finden sich Perry Rhodan und seine Frau Thora schnell in einer gefährlichen Situation wieder, aus der sie in letzter Sekunde gerettet werden können.

Der Gruselfaktor ist auch in den Kapiteln um Valkia die Kommandantin der TRAVINOL stets präsent. Deren Aufzeichnungen über den Absturz und das Überleben der akonischen Crew sind spannend geschrieben und man weiß bis zum Schluss nicht, wer eigentlich auf der bösen Seite steht und wer auf der guten.

Sehr schön finde ich die Charakterisierung von Sam Breiskoll, dem Chefmedizinier der SOL, der um seinen in Stasis befindlichen Sohn bangt und in Cole Reeves einen Verbündeten an Bord der SOL findet. Hier nimmt der Autor Bezug zu einer seiner Figuren aus Band 245.

Obwohl ich wie immer ein bisschen befangen bin, weil ich den Roman schon in der Manuskriptfassung gelesen habe, finde ich ihn gut geschrieben. Sehr lebendig und bildhaft gezeichnet, mit viel Gespür für die Charaktere.

Der einzige Punkt, den ich schon am Manuskript bemängelt habe, ist die Präsensform von Valkias Aufzeichnungen. Obwohl sie in diesem Fall sogar gerechtfertigt ist und obwohl ich ein Fan des Erzählens im Präsens bin, hatte ich Probleme, vor allem bei den Übergängen zu den anderen Kapiteln, die klassisch im Präteritum geschrieben sind. Da kam ich regelmäßig ins Straucheln. Da half mitunter nur, eine kurze Lesepause einzulegen.

Alles in allem ist »Die Flüsterfürstin« ein spannender Roman, der eine neue, dem Erstauflagenleser bekannte, Figur in NEO einführt und mit dem geheimnisvollen Quantenschatten eine neue Bedrohung für Perry Rhodan und die Menschheit heraufbeschwört.

Die SOL gratuliert zum 60. Seriengeburtstag

Die SOL 103 beschäftigt sich umfassend mit dem 60-jährigen Jubiläum der PERRY RHODAN-Serie. Dazu liefert Alexandra Trinley den ersten Teil einer Reihe mit Rückblicken auf die Geburtstage der Heftromanserie. In der ersten Folge deckt sie die ersten 21 Jahre ab und stellt tatsächliche Ereignisse in den Erscheinungsjahren den Romanen gegenüber. Zwei weitere Teile dieser Reihe folgen in den kommenden Ausgaben.

Gerhard Huber und Michael Tinnefeld nähern sich dem Thema auf fannische Weise. Sie erzählen wie eine Begegnung auf einem Con ihre Freundschaft begründete. Wolf Mathis setzt sich mit den Strukturen der Serie auseinander, während Norbert Fiks die anderen Science-Fiction-Heftromanserien in Deutschland unter die Lupe nimmt.

Im Interview beantwortet Peter Dachgruber, wie es sich anfühlt, ein Raumschiffdesigner zu sein und warum er so viel Herzblut in die Technik von PERRY RHODAN NEO und den Miniserien investiert.

Stefan Wepil malte die Welten des Sternenrads und Erich Herbst präsentiert die Ergebnisse einer Umfrage zu den Stammtischen in Corona-Zeiten. Besprechungen der Erstauflage und NEO sind wie selbstverständlich ebenfalls im Heft enthalten.

Mit Ausgabe 103 wird auch die Einladung für die Online-Mitgliederversammlung der PRFZ am 24. September verschickt, bei der ein neuer Vorstand gewählt wird. Es wäre schön, wenn möglichst viele Mitglieder daran teilnehmen könnten.

Das Titelbild ist eine optische Hommage an all die Titelbilder aus 60 Jahren Seriengeschichte. Die SOL wird voraussichtlich Mitte August an die Mitglieder der PRFZ verschickt.

Meine Lieblingsromane zu Star Trek-Classic

Ich hab sie alle. Zumindest die Star Trek-Romane, die bei Heyne und Goldmann erschienen sind. Ich gebe zu, dass ich einige noch nicht gelesen habe. Irgendwann versuche ich das nachzuholen. Aber den Großteil habe ich gelesen und einige sind mir auch nach dreißig Jahren noch gut in Erinnerung geblieben.

Es gibt gute und schlechte Star Trek-Romane. Das ist halt so, wenn man viel Stoff in kurzer Zeit auf den Markt wirft, da kann nicht alles erste Qualität sein. In den Neunzigern erschienen mehrere Romane im Monat, so viel, dass man mit dem Lesen irgendwann nicht mehr hinterher kam. Obwohl ich Fan von Star Trek: The next Generation oder Deep Space Nine war und bin, habe ich dennoch viele Classic-Romane gelesen und einige von denen waren so gut, das ich mich noch heute, Jahrzehnte später, an sie erinnere.

Ich habe mal ein paar Titel zusammengeschrieben, von denen ich finde, das sie besonders gut waren. Die Liste ist aber sehr subjektiv. Es sind viele Vulkanier-Romane dabei, weil ich die vulkanische Kultur so mag. Daher ist es vielleicht eine etwas verzerrte Darstellung.

Der Entropie-Effekt
Das Klingonen-Gambit
Schwarzes Feuer
Sohn der Vergangenheit
Der letzte Schachzug
Der Feind – Mein Verbündeter
Die Tränen der Sänger
Mord an der Vulkan Akademie
Ishmael
Das Faustpfand der Klingonen
Spocks Welt
Die verlorenen Jahre
Die Romulaner
Was kostet dieser Planet (eine Star Trek-Komödie)
Zeit für Gestern
Vulkans Ruhm
Das Pandora-Prinzip
Das große Raumschiffrennen
Sarek
Star Trek – Die Anfänge: Fremde vom Himmel

Gut fand ich auch die sechs Romane von William Shatner. Klar, die hat er nicht selbst geschrieben, aber die Story-Idee war gut und sehr spannend umgesetzt.

Es ist auffällig, dass gerade unter den frühen Romanen echte Perlen waren, je weiter die Veröffentlichungen sich fortsetzten, desto mehr ließ die Qualität der Geschichten nach. Uwe Anton, der viele der Romane ins Deutsche übersetzt hat, erzählte mir mal, dass er bei manchen Romanen einiges hat umschreiben müssen, weil sie sonst kaum lesbar gewesen wären. Da kann was dran sein, vor allem bei den spätere Sachen.

Was gar nicht geht, sind die Romane von Sandra Marshak & Myrna Culbreath. Ich weiß nicht warum, aber die habe ich in ganz schlechter Erinnerung.

Alle aufgelisteten Romane erschienen im Heyne-Verlag und sind antiquarisch erhältlich. Ich empfehle in solchen Fällen gern die Plattform »Booklooker«.

Flut im Westen und Süden

Der Höllenbach am Sonntagabend Pegelstand ein Meter

»Vor Feuer kann man ausreisen, vor Wasser nicht.« Den Satz pflegte immer meine Großmutter zu sagen, wenn sie mir vom Saale-Hochwasser aus ihrer Kindheit erzählte. Wie folgerichtig die Aussage ist, haben viele Menschen in Westdeutschland und heute auch im Berchtesgadener Land erleben müssen. Das sind schon grausige Bilder. Aus dem PERRY RHODAN-Fandom hat es Menschen getroffen, die ich kenne. So wurde der Arbeitsplatz von Martin Ingenhoven in der Eifel vom Wasser der Ahr weggespült, zum Glück konnten die Tiere des Ponyhofs noch rechtzeitig gerettet werden.

Das der Klimawandel schlimmer ist als die Corona-Pandemie, ist jetzt hoffentlich in den Köpfen der Politiker angekommen, und auch das man Flüssen ihren Raum lassen muss. In den vergangenen Jahrzehnten, besonders Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde so mancher Bach begradigt und in ein Betonbett gezwängt, spätestens jetzt rächt sich das bitter. Denn die hohen Fließgeschwindigkeiten werden zu einer Gefahr für Häuser und Menschen, sollte es doch einmal so ein Extremwetterereignis geben, wie in der vergangenen Woche.

Meteorologin Michaela Koschak, die unteranderem beim MDR für die Wettervorhersage zuständig ist, erklärte sehr gut, wie die Verlangsamung des Jetstream dafür sorgt, dass sich die Wetterlagen so lange an einem Ort halten und entweder für Dürren oder eben für Dauerregen sorgen. Schuld ist die immer weiter fortschreitende Erwärmung der Arktis und Antarktis.

Auch bei uns hat es am Wochenende viel geregnet, wir wurden allerdings nur gestreift. Dennoch, der Höllenbach, der zwanzig Meter von unserem Haus entfernt vorbeifließt, ist ganz schön voll. Bis zum Brückenrand fehlen nur ein Meter. Normalerweise hat der Bach einen Pegel von 15-20 Zentimeter. Auch hier wurde der ursprüngliche Bachlauf verändert, der Bach in Mauern gefasst und Überflutungsflächen zu Ackerflächen. Und zwar schon am oberen Bachlauf mitten im Wald. Dass das nicht ideal ist, wenn es stark regnet, sollte eigentlich allen klar sein. Man hat es dennoch getan, weil die gewonnenen Flächen Geld einbrachten. Und so wurden überallhin Deutschland Flüsse begradigt und Flächen bebaut, die man nicht hätte bebauen dürfen. Das verschärft die Situation bei solchen Wetterextremen um ein Vielfaches.

Neu bestuhlt

Das habe ich noch gar nicht erzählt. Wir haben uns zwei neue Stühle für unseren Esstisch gekauft. Die bisherigen Zwei zeigten nach elf Jahren leichte Auflösungserscheinungen. Nicht nur, dass die Drehgelenke quietschten (das wäre noch zu ertragen gewesen), vom Kunstlederbezug lösten sich kleine Bröckchen ab, so dass mein Mann immer weiße Farbpartikel an den Händen hatte, wenn er am Tisch saß. Wir haben lange überlegt, woher die kommen, bis ich beim Abwischen der Stuhlfläche darauf aufmerksam wurde, weil auf dem Lappen plötzlich weiße Punkte zu sehen waren.

Da uns die Stuhlform mit dem Standfuß und dem Drehgestell so gut gefallen und gute Dienste geleistet hat, wollten wir unbedingt wieder so ähnliche Stühle haben. Leider sind die nicht mehr so in Mode und waren nur noch bei einem Online-Outlet-Händler auf eBay erhältlich. Ich kaufe selten etwas bei eBay, aber ich habe mich dann doch dafür entschieden. So richtig rund lief der Kauf nicht. Zum genannten Lieferdatum kamen die Stühle nicht, Nachfragen beim Händler wurden nicht beantwortet, bis ich plötzlich vier Wochen später eine Rechnung bekam. Da war eine Telefonnummer aufgedruckt, bei der ich anrief und nachfragte, wann ich denn endlich mit den Stühlen zu rechnen habe. Ich weiß, dass sich momentan vieles verzögert und es lange Lieferzeiten gibt. Es wäre für uns auch nicht problematisch gewesen, wenn wir noch ein oder zwei Monate länger hätten warten müssen. Aber es wäre nett gewesen, meine Anfrage zu beantworten und ein ungefähres Datum zu nennen. Das kann doch nicht so schwer sein. Jedenfalls sollte ich mich dann an den Service wenden, was ich getan habe. Die reagierten erst nachdem zwei Tage später die Stühle tatsächlich geliefert wurden. Ende gut, alles gut! Der Händler hat von mir dennoch einen Punkt weniger bekommen, wegen der mangelnden Kommunikation.

Ausgepackt und zusammengesetzt waren die Stühle schnell und unkompliziert. Im Unterschied zu den alten Stühlen ist der Bezug sogar abnehmbar, so das man sie vielleicht sogar neu beziehen lassen kann, wenn sich das Kunstleder wieder auflösen sollte. Das einzig »negative« ist, die Stühle sind zirka zwei Zentimeter niedriger als die alten. Daran müssen wir uns erst gewöhnen. Aber schick sehen sie aus.

 

Der etwas andere Lucky Luke

Quelle: Egmont-Shop.de

Als Kind war ich schwer begeistert von den Lucky Luke-Trickfilmen, die im Westfernsehen gesendet wurden. Noch heute habe ich die Stimme von Freddy Quinn im Ohr, wie er über den einsamen Cowboy singt, der schneller schießt als sein Schatten. Am liebsten mochte ich Lucky Lukes Pferd Jolly Jumper und habe so lange geübt, bis ich es perfekt zeichnen konnte. Ich erinnere mich, dass ich mal Einladungen zu meiner Geburtstagsfeier mit Jolly, Lucky Luke und Rantanplan gezeichnet habe. Später erbte ich die Lucky Luke-Comics von meiner Cousine aus dem Schwarzwald. Die habe ich irgendwo auch noch in einer Kiste herumliegen. Und unlängst kaufte ich mir die DVDs mit den Filmen, die überraschend gut gealtert sind, und die man sich immer noch anschauen kann.

Anlässlich des 75. Geburtstag der Reihe bringt der Egmont-Verlag Lucky Luke-Comics heraus, die von bekannten Comiczeichern der Gegenwart gestaltet wurden. Wir besitzen bereits einen Band von Mawil. Jetzt erschien eine Hommage von Ralf König. Als Fan des Comicautors musste ich die unbedingt haben. Ich habe es nicht bereut, denn noch nie hat mir Lucky Luke so viel Spaß gemacht, wie in »Zarter Schmelz«. Es geht darin um Schweizer Schokolade, Lila Kühe und natürlich schwule Cowboys. Die Geschichte ist in der gewohnt schnoddrigen Art des Zeichners gestaltet aber gleichzeitig eindeutig als Lucky Luke-Comic zu identifizieren. Die Daltons sind ebenso mit von der Partie wie Jolly Jumper. Es kommen lesbische Indianerinnen vor und Schweizer Chocolatiers. Diverse Anspielungen auf Filme und nerdige Autogrammjäger machen die Geschichte zu einem echten Vergnügen. Nur Rantanplan habe ich vermisst.

Mit »Zarter Schmelz« ist Ralf König eine lustige und gleichzeitig würdevolle Hommage gelungen, die eine sehr moderne und zeitgemäße Darstellung des Wilden Westens liefert. Dieser Band bekommt einen besonderen Platz im Bücherregal.

Stimmgewaltig

Quelle: Amazon

Ein Traum wird wahr. Meine beiden Lieblingstenöre in einem Duett – Andrea Bocelli und Josh Groban!

Ich hab seit langem mal wieder Musik gekauft. Seit ich meinen PC nicht mehr habe, ist das etwas schwierig, weil ich die Musik von meinem iPhone bzw. iPad nicht auf den Computer bekomme. An unseren Macs ist mein Mann angemeldet und das mit der Familienfreigabe funktioniert nur, wenn man eine Kreditkarte angibt, das will ich aber nicht. Egal.

Jedenfalls hab ich gesehen, dass es eine neue CD von Andrea Bocelli gibt und das er dort zusammen mit Josh Groban »We will meet once again« singt. Die musste ich haben. Musik-Streaming lehne ich ab, weil da die Künstler kaum etwas verdienen. Normalerweise kaufe ich meist die digitalen Versionen bei Apple, Amazon oder Bandcamp. Beim Blick in diverse Musik-Stores fiel mir dann auf, dass die digitalen Versionen fast doppelt so teuer sind, als wenn man eine »haptische« CD kauft. Fragt mich nicht wieso, ist aber so. Wahrscheinlich kaufen die Leute keine CDs mehr. Also habe ich mir die CD zugelegt. Vorteil, außer das ich nicht online sein muss, um sie zu hören: ich kann sie in unserem Radioplayer im Wohnzimmer abspielen und mir ins Regal stellen.

Ich habe schon mehrere Alben von Bocelli, aber »Si« überzeugt mich zu einhundert Prozent. Darauf sind sehr viele schöne Duette unteranderem auch mit seinem Sohn oder mit Ed Sheeran. Klar ist die Musik nicht jedermanns Geschmack, ständig kann ich die auch nicht hören. Aber zum Schreiben mag ich klassische Musik oder Soundtracks, da werde ich weniger von den Songtexten abgelenkt. Wer auf klassische Tenöre steht, macht jedenfalls keinen Fehler wenn er sich das Album zulegt. Egal ob digital oder auf CD.

Der Fremde in meinem Bett

Mir ist aufgefallen, dass ich diese schier unglaubliche Geschichte noch gar nicht erzählt habe. Ich erinnerte mich gerade jetzt daran. Denn in diesem Monat sind es zwanzig Jahre her, dass ich in meine Münchner Wohnung gezogen bin, in der ich anschließend zwölf Jahre gewohnt habe.

Nach München kam ich im April 2001 und wohnte zuerst eine Woche lang bei einer Kollegin, weil das mit dem von der Firma organisierten Zimmer nicht geklappt hatte. Anschließend zog ich für drei Monate in eine Firmenwohnung auf dem Firmengelände. Von meinem Zimmer aus blickte ich auf meinen Arbeitsplatz im Gebäude gegenüber. Das mag bequem klingen, aber ich empfand das als nicht schön, keinen Weg zur Arbeit zu haben, da fehlt die Distanz und man kann schwerer abschalten. Ich teilte mir die Wohnung mit einem jungen Pärchen mit Kleinkind. Er hatte auch eben erst bei der Firma angefangen, für die ich arbeitete und seine Frau hatte in der Großküche bei BMW eine Anstellung gefunden. Die 3-Zimmer-Wohnung war nicht groß und auch nicht besonders üppig ausgestattet. Die Gastherme im Bad und der Gasofen im Wohnzimmer waren nicht mehr die neuesten und rochen immer etwas nach Gas. In meinem kleinen Zimmer gleich neben der Eingangstür gab es keine Heizung, aber der April war warm und so fror ich nicht. Es gab aber auch kein funktionierendes Schloss, beziehungsweise keinen Schlüssel, um das Zimmer abzuschließen. Was mir aber nichts ausmachte, da ich außer ein paar Klamotten und Büchern keinerlei Wertsachen in meinem Koffer hatte.

Wir hatten wenig Kontakt, sahen uns ab und zu in der Küche oder hin und wieder im Wohnzimmer, wenn ich telefonieren wollte. Ansonsten hielt ich mich meist in dem zirka zwölf Quadratmeter großem Zimmer mit Bett und Schrank auf. An einem Wochenende im Mai hatten die beiden, Freunde von außerhalb eingeladen und waren Sonntagabend zur Maidult gefahren. Das ist ein Volksfest in München, bei dem es meist feuchtfröhlich zugeht. In der Nacht zum Montag hörte ich noch wie alle angetrunken nach Hause kamen und sich im Wohnzimmer zum Schlafen hinlegten. Ich dachte mir nichts dabei und schlief weiter. Früh gegen fünf, draußen war es schon hell, wurde ich durch ein Geräusch wach. Noch verschlafen bekam ich mit, dass plötzlich meine Zimmertür aufging, ein fremder Mann hereinkam und zu mir ins Bett stieg. In dem Moment war ich hellwach und sprang förmlich aus dem Bett. Der Typ jedoch wickelte sich in meine Decke, drehte sich um und schnarchte. Ich verließ einigermaßen aufgeregt und mit klopfendem Herzen das Zimmer, ging auf dem Flur hektisch auf und ab, während ich überlegte, was ich tun sollte. Zurück ins Zimmer traute ich mich nicht, im Wohnzimmer schnarchten vier weitere unbekannte junge Männer vor sich hin. Kurzerhand entschloss ich meine beiden Mitbewohner zu wecken, die im Schlafzimmer schliefen. Auch auf die Gefahr hin, dass das Kleinkind wach wurde und zu quengeln anfing. Ich klopfte erst zaghaft, dann lauter, schließlich öffnete ich die Tür einen Spalt weit. Ich erklärte dem müde und verdutzt aussehenden Pärchen, dass sich einer ihrer Übernachtungsgäste gerade in meinem Bett breit machte. Zunächst hielten die beiden das wohl für einen Scherz, aber ich muss wohl ziemlich aufgeregt geklungen haben, denn er schälte sich aus dem Bett und kam nachsehen. Mit viel Nachdruck und Körpereinsatz konnte er seinen Kumpel davon überzeugen, dass es nicht sein Bett war, in dem er gerade fest schlummerte. Er verfrachtete ihn zu den anderen ins Wohnzimmer und entschuldigte sich. Ich ging wieder zurück in mein Zimmer, saß auf der Bettkante und war viel zu aufgeregt, als das ich wieder hätte einschlafen können. Immer wieder blickte ich kontrollierend zur Tür, ob nicht doch wieder jemand hereinkam.

Irgendwann gegen sieben zogen die Truppen ab und es wurde wieder ruhig in der Wohnung. Ich zog mich an, frühstückte und ging um die Ecke auf Arbeit. Ich wollte die peinliche Geschichte für mich behalten, weil ich hier so gut wie niemanden kannte, aber vergeblich. Spätestens nach dem Frühstück war die Geschichte rum. Ich wurde von fast jedem feixend auf meinen nächtlichen Herrenbesuch angesprochen und war das Thema des Tages in der Firma.

Von dem Tag an habe ich dort nicht mehr so ruhig geschlafen und forcierte meine Anstrengungen eine eigene Wohnung zu finden, schaltete Stellenanzeigen und telefonierte mit Wohnungsgenossenschaften. Es war damals schon sehr schwer, bezahlbaren Wohnraum in München zu finden. Mit einer Anzeige klappte es dann, ein Immobilienmakler meldetet sich bei mir, der im Auftrag seines Kunden einen neuen Mieter für dessen Wohnung suchte. Die Wohnung war nur zehn Minuten Fußweg von meiner Arbeitsstelle entfernt, wenn ich wollte, konnte ich auch mit der Trambahn hinfahren. Es war nur ein Zimmer (keine 30 Quadratmeter) mit Küche und Bad und einem einzigen Fenster hinaus auf die vierspurige vielbefahrene Schleißheimer Straße. Gleich gegenüber lag der Karstadt, bei dem ich oft und gern eingekauft habe und unten im Haus gab es einen REWE und eine Bäckerei. Der Vorteil: wenn ich wollte, konnte ich in Hausschuhen einkaufen gehen. Der Nachteil: Morgens um 5 Uhr kam der erste Laster zur Anlieferung und dann wurden bis zur Marktöffnung Paletten rein- und rausgeschoben, dass man dachte, man wohne über einer Bowlingbahn. Aber es war mein eigenes Reich, das ich mit niemandem teilen musste und nachdem ich auf Ratschlag des Hausmeisters auch das Türschloss tauschen ließ, schlief ich meist ruhig und selig und ohne ungebetene Gäste in meinem Bett.

Gedanken zum Brot

Heute ist Brot billig und leicht zu haben. Man geht zum Discounter und kauft sich eines von den vielen Sorten, die es dort gibt. Zumeist schmecken die auch sehr gut. Doch das ist nur eine Seite der Medaille, denn was wirklich drin ist in diesem Discounterbrot, wissen nur diejenigen, die es herstellen. Denn Zusatzstoffe, die sich theoretisch beim Backen auflösen, müssen nicht deklariert werden. Und mal ehrlich, wer liest denn im Supermarkt schon das Kleingedruckte. Dass das Geschäft mit dem Billigbrot noch ganz andere Auswirkungen hat, erfährt man in einer Sendung, die noch bis zum 22. Juli in der ARTE-Mediathek verfügbar ist.

»Schönes neues Brot« zeigt nicht nur, was Tradition bedeutet, sondern auch was die industrielle Herstellung von Brot mit den Böden der Landwirte und den Bäckern selbst macht, oder mit unserer Gesundheit. Das ist schon perfide, da werden von traditionellen Bäckern Sauerteigproben genommen, im Labor nachgebaut und industriell mit billigem Mehl nachgebacken. Die Menschen kaufen dann im Supermarkt ihr Lieblingsbrot und nicht mehr beim Bäcker. Der bleibt auf der Strecke, genauso wie die Landwirte.

Deshalb backen wir selbst oder kaufen unser Brot beim Biobäcker.

Roggenbrot mit Buchweizen – selbstgebacken
Gekauft – ein Essener vom Wolfgruber