Barbara Salesch im Jahr 2034

Wir haben gekämpft. Wir wollten dem Film »Ökozid« wirklich eine Chance geben, aber nach einer halben Stunde haben wir dann doch aufgegeben.

Wenn die ARD einen Film sendet, der in der Zukunft spielt und der sich um die Folgen des Klimawandels dreht. In dem die verantwortlichen Politiker vor Gericht gestellt werden, dann finde ich das wichtig und spannend. Leider war der Film gerade das nicht.

Ich schaue mir gern Anwaltsserien an. Zur Zeit gucken wir mal wieder »Boston Legal«. Mit großem Interesse verfolge ich da die Argumentationen der Anwälte, Angeklagten und Richtern. Deshalb war ich gespannt, wie die Filmemacher in Deutschland das umsetzten würden. Doch was in »Ökozid« gezeigt wurde, war … sagen wir mal … es erinnerte an die nachmittäglichen Gerichtsshows im Privatfernsehen. Zwar wurden jede Menge Fakten genannt, viele Aufnahmen von Naturkatastrophen gezeigt, doch in der Verhandlung selbst dominierten zähe, stocknüchterne Aussagen, die klangen, als spielten und sprächen dort Laiendarsteller. Eine achtzigjährige Angela Merkel, die jünger aussah als heute, eine Anwältin der Anklage, der man eine Greta Thunberg Vergangenheit angedichtet hatte und ein dubioser Journalist, der die Schlagzeilen für beide Seiten diktiert.

Wäre der Film ein Dokumentarfilm gewesen, hätte ich ein Auge zugedrückt. Aber als Spielfilm? Nein, das war irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Es war die meiste Zeit typisch deutsches Beamtengerede, teilweise klischeetriefend und pathetisch. Die Zeugen und Opfer blieben farblos und die Anwaltschaft oberlehrerhaft. Warum ausgerechnet Deutschland angeklagt wurde oder sich der Anklage gestellt hat und keines der Länder, die weit mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gepulvert haben, erschließt sich nicht nur mir nicht, sondern auch nicht den Angeklagten.

Fazit: Reingeschaut aber enttäuscht wieder abgeschaltet. So fesselt man keine Zuschauer. Was gerade bei dem Thema extrem schade ist, weil wirklich wichtig. Vielleicht sollte sich der Regisseur mal ein paar Folgen einer Serie von David E. Kelley anschauen, um zu lernen, wie man sowas richtig macht.

Feedback zur SOL 100

Dieser Tage schneien jede Menge Glückwünsche zur aktuellen Jubiläumsausgabe der SOL herein.

Das Heft ist wirklich schön geworden. Das Cover kommt mit der laminierten Veredelung richtig gut zur Geltung. Es ist immer so eine Sache, ob alles im Druck letztendlich so gut aussieht, wie man es erhofft. Da habe ich tatsächlich einen wohligen Schauer verspürt, als ich es am vergangenen Freitag aus dem Umschlag genommen habe. Und es ist schwer geworden, ganze einhundert Seiten schwer.

Es freut mich sehr, dass ich so viel positive Rückmeldung bekomme, ob per E-Mail, in den Sozialen Medien oder bei YouTube. Einige Fans machen sich die Mühe und besprechen die SOL in einem kurzen Video. Das möchte ich natürlich hier teilen.

Zuerst kommt Heftehaufenbesitzer Martin Ingenhoven zu Wort.

Dann plaudert Markus Gersting noch ein wenig aus dem Nähkästchen. (Ab Minute 9:46) Er hat eine zeitlang die Kolumne zur Erstauflage in der SOL betreut.

Danke an die beiden für die positive Besprechung!

Zurück im Schwarzwald

Quelle: mein-schwarzwald-magazin.de

Seit ich das Heft »Mein Schwarzwald« wegen des Artikels über die PERRY RHODAN-Redaktion gelesen habe, bin ich Stammleser der Zeitschrift geworden.

Zwei mal erscheint das Magazin im Jahr und jedes Mal hält es außergewöhnliche Artikel, rund um den Schwarzwald bereit. Diese lese ich immer sehr gern. Durch meine verstorbene Tante, kenne ich den Schwarzwald ein wenig und erfahre so Dinge zu Orten, die schon einmal besucht habe.

In Ausgabe 6 geht es unteranderem um ein leerstehendes Hotel in Freudenstadt, das als spannender Lost Place gilt. Außerdem werden wieder Kunsthandwerker und ihre Arbeiten vorgestellt, Ausflugstipps gegeben und Wanderungen beschrieben. Zum Kochen gibt es in dieser Ausgabe Rezepte aus Wildschweinfleisch, das im übrigen komplett Bio ist, da garantiert unbehandelt. Ach ja, außerdem habe ich gelernt, dass das größte Lawinenunglück in Deutschland im Schwarzwald stattgefunden hat. Am Feldberg gibt es jedes Jahr Lawinenabgänge, bei denen Menschen verunglücken.

Schöne Bilder bekommt man im Magazin inklusive. Ich bin eigentlich kein großer Zeitschriftenleser, aber dieses Heft gönne ich mir, weil es sehr viel Persönlichkeit ausstrahlt. Man merkt, dass sich die Autoren und Autorinnen mit ihren Beiträgen identifizieren. Das ist fast so persönlich wie bei einem Fanzine.

Lebensgeschichte eines Gläsernen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 239 – »Merkosh« von Rüdiger Schäfer

Merkosh, der mit Nathalie zu Perry Rhodan in die Neunturmanlage gekommen ist, erzählt Rhodan seine Lebensgeschichte. Wie er als Weisenjunge von einer Gruppe Halbwüchsiger drangsaliert wird, weil er intelligenter ist als andere Oproner. Und wie er schließlich eine Ausbildung zum Mediker macht.
Nachdem er seine Frau/Freundin und sein ungeborenes Kind an das Dunkelleben verliert, widmet er sich Jahrzehntelang dem Kampf gegen das Dunkelleben. Bis er zu Versuchen an gesunden Opronern gezwungen werden soll. Es sind ausgerechnet diejenigen, die ihn als Kind gequält und seinen besten Freund erschlagen haben. Merkosh widersetzt sich dem Befehl und kehrt lieber der Forschungseinrichtung den Rücken, als seinen Eid zu verraten.
Doch außerhalb tut er sich schwer, seine Studien erfolgreich fortzusetzen. Bis ihn eines Tages Bingdu besucht und mit in den Gadenhimmel nimmt. Dort erfährt Merkosh, dass er Bingdus Sohn und der einer Opronerin ist. Um im Gadenhimmel bleiben zu dürfen und weiter am Dunkelleben zu forschen, wird er zum Omniten transformiert.
Jahrzehnte später bricht er auf, um die Menschen zu besuchen, deren Gene eine Besonderheit aufweisen, die dem Dunkelleben die Stirn bieten könnte. Doch bei seiner Reise verliert er das Gedächtnis und seine Transformation kehrt sich um.

Nachdem Mekosh die Erzählung beendet hat, verhilft Nathalie ihrem Vater dazu, die Neunturmanlage in einer anderen Chronophase so zu manipulieren, dass sie alles Dunkelleben in den Schlund von Sagittarius A* schleust. Die dunkle Entität Tihit wird damit übersättigt und schläft wieder ein. Die Gefahr durch das Dunkelleben im Zentrum der Milchstraße ist vorerst gebannt.

Nie hatten es Science-Fiction-Autoren so einfach wie heute. Vor allem wenn sie über die Bedrohung durch eine Seuche schreiben. Nun muss man sagen, dass Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm die Idee vom Dunkelleben schon vor über einem Jahr hatten. Doch die Corona-Pandemie verleiht den Gedanken und Handlungen von Perry Rhodan, seinen Begleitern und den Omniten sehr viel mehr Glaubwürdigkeit. Es sind Fragen, die wir uns alle in unserer Realität stellen und stellen müssen. So sind die Diskussionen darüber, wie viele geopfert werden sollen, um die Mehrheit zu retten, viel überzeugender. Rüdiger Schäfer hat seinem Merkosh kluge Gedanken in den Kopf gelegt. Aber auch die Argumente von ES und Ernst Ellert, mit denen sich Rhodan auseinandersetzen muss, sollten beachtet werden. Denn es ist nach wie vor nicht klar, ob Nathalies Idee das Problem längerfristig lösen kann. Doch dazu werden wir sicher in der nächsten Staffel noch genug erfahren.

Die Lösung ist übrigens überaus knifflig und hat Rüdiger Schäfer sicher mehr als eine Nacht wachgehalten. Denn letztendlich gelingt es Rhodan über die Manipulation einer Chronophase, durch Quantenverschränkung seine bereits vollendete Tat zu negieren und eine neue Zukunft zu generieren. Da muss ich dem Autor Respekt zollen, das war sicher nicht einfach.

Andererseits stört mich bei dem Roman etwas, was mir bereits am Anfang der Staffel aufgefallen ist. Die Strukturen in der Handlung sind zu vorhersehbar geworden. Jeweils die ersten Bände der letzten Staffeln fallen durch eine große Ähnlichkeit auf und auch die Abschlussbände gleichen sich. Bei »Merkosh« ist es besonders die Ähnlichkeit zu Band 219 »Callibsos Weg«, die ins Auge sticht. Ich wünsche mir da in Zukunft etwas mehr Überraschung. Schließlich esse ich auch nicht jede Woche das gleiche. So ist die Handlung der Staffeln doch ziemlich vorhersehbar geworden.

Die Geschichten der Charaktere Merkosh und Callibso ähneln sich sehr stark. Beide werden als Kinder von größeren Jugendlichen gehänselt und verprügelt. Ich weiß nicht, ob der Autor damit Erinnerungen aus seiner eigenen Kindheit verarbeitet, aber ich finde das schon bemerkenswert. Mich stört an diesen Geschichten leider, das hier zu viele menschliche Verhaltensweisen und Denkmuster einfließen. Sowohl Callibsos Volk als auch die Oproner sind völlig fremde Lebensformen. Warum sollten sie ein so niederes Verhalten an den Tag legen, wie die Menschen? Sicher bekommen sie damit einen menschlichen Zug, aber muss das wirklich immer sein. So fällt mir im Laufe von Band 239 noch ein paar weitere Male auf, dass Merkosh zu »menschlich« denkt, zum Beispiel wenn er Entfernungen in Stunden oder Temperaturen in Grad Celsius angibt. Das verstehen zwar die Leser, aber bei den Arkoniden verwendete der Autor bisher auch spezielle Begriffe für Zeit oder für Entfernungen, warum nicht auch bei den Opronern.

»Merkosh« ist ein guter Abschlussroman, der die Figur des Gläsernen schön charakterisiert. Auch der Twist, wie Rhodan letztendlich das Ruder noch herumreißen kann, findet meine Zustimmung. Dadurch aber, dass Rüdiger Schäfer bereits ähnliche Abschlussbände geliefert hat, ist die Geschichte zu vorhersehbar. Da wünsche ich mir für die nächste Staffel ein wenig mehr Abwechslung. Vielleicht überraschen uns die Exposéautoren auch mal wieder mit einen fiesen Cliffhanger. Der hätte bei diesem Band übrigens viel besser gepasst, als das scheinbare Happy End. Denn wenn man die Leseprobe von Band 240 liest, ist das Dunkelleben noch lange nicht besiegt.

Ich und der Blade Runner

Quelle: Amazon

Es ist eine alte Geschichte, wie ich in den Neunzigern beinahe mal »Blade Runner« gesehen hätte. Das war an der Uni, irgendwann im Grundstudium, in den ersten beiden Jahren. Der Filmclub der Universität veranstaltete eine Science-Fiction-Woche und zeigte jeden Abend einen SF-Film im Großen Hörsaal. Am ersten Abend, ich glaube es war ein Montag, sollte »Blade Runner« laufen. Eine Kommilitonin und ich stiefelten also auf den »Berg«, wo das Hörsaalgebäude stand und kauften uns zwei Eintrittskarten für den Film.

Als wir saßen, dann die schlechte Nachricht. Aus technischen Gründen konnte der SF-Klassiker nicht abgespielt werden. Dafür wurde »Eolomea« gezeigt, ein SF-Film aus der DDR. Ich kann mich an den Inhalt des DEFA-Films nicht mehr erinnern. Ich weiß aber, dass wir uns den ganzen Abend über die Requisiten des Films amüsierten. Da waren nämlich die gleichen Schulbänke zu sehen, wie wir sie aus der Schule kannten.

Zu »Blade Runner« ergab sich später nie wieder die Gelegenheit. Bis vor zwei Wochen. Da fischte mein Mann die beiden Filme aus dem Regal und meinte, dass wir uns die endlich mal ansehen sollten.

Sagen wir mal so: Ich weiß jetzt, warum der Originalfilm damals an den Kinokassen floppte. Ich hatte Schwierigkeiten der Handlung zu folgen, vor allem konnte ich das Warum nicht so richtig einordnen. Außerdem ist mir der Streifen viel zu gewalttätig. Dauernd wird gekämpft, geschossen und Leuten der Schädel an Wänden eingeschlagen. Gewaltorgien wie diese stoßen mich grundsätzlich ab. Ich konnten dem Film nichts abgewinnen, da halfen auch die optisch ansprechenden Achtzigerjahre Zukunftsvisionen nicht.

Letztes Wochenende sahen wir uns dann »Blade Runner 2049« an. Die Fortsetzung punktet schon mal damit, dass es eine nachvollziehbare Handlung gibt, die vieles aus dem ersten Film erklärt. Die Personen waren mir irgendwie näher, als im Originalfilm von 1982. Aber auch hier gab es für meinen Geschmack zu viel Gewalt. Vieles davon war Show und eigentlich gar nicht notwendig. Zumindest aber hinterlässt der Film von 2017 einen bleibenderen Eindruck bei mir.

Fazit: Ich habe »Blade Runner« endlich gesehen, kann den Hype, der darum gemacht wird, aber nicht nachvollziehen. Wir werden wohl beide Blu-Rays bei Booklooker reinstellen.

Starke Anthologie zu Künstlicher Intelligenz

Quelle: Plan9-Verlag.de

»Wie künstlich ist Intelligenz« – dieser Frage geht die gleichnamige Anthologie nach, die unlängst bei Plan9 einen Imprint der Bedey Media GmbH veröffentlicht wurde. Neun Science-Fiction-Autoren, darunter so bekannte Namen wie Andreas Eschbach, Judith C. Vogt oder Michael Marrak, nähern sich mit ihren Geschichten dem Thema Künstliche Intelligenz auf verschiedene Weise. Herausgegeben wurde die Anthologie von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick, der ebenfalls mit einer Geschichte beteiligt ist.

Andreas Eschbach blickt aus der Sicht zweier Programmierer auf das, was Künstliche Intelligenz (KI) sein und werden kann. Welche Auswirkungen hat der Einsatz einer KI auf die Gesellschaft, wenn man die Konsequenzen nicht weit genug vorausdenkt?

Judith C. Vogt zeigt eine KI quasi von innen. Sie stellt die Frage: Was wenn eine Simulation für die Insassen eben nicht nur eine Simulation ist?

Klaus N. Frick erzählt von einem Jungen auf dem Mars, dessen Leben von einer KI dominiert wird. Nur das Träumen, das kindliche Vermögen Dinge zu sehen, die kein anderer sieht, kann sie ihm nicht nehmen.

Stefan Lammers zeigt, wie man eine KI in den Selbstmord treibt. Seine Johanna soll einen Menschen vor dem Selbstmord bewahren und gerät selbst in den Strudel von Abhängigkeiten.

Jannis Radleff spielt in Crashtestdummies Menschen und künstliche Intelligenzen gegeneinander aus. Seine Geschichte punktet mit einer unerwarteten Pointe.

Nele Sickel beschreibt das Verhältnis zwischen einem Menschen und einer KI. Sollte es so tief sein, dass der Mensch dafür sogar bereit ist, Gesetze zu brechen?

Carsten Schmidt liefert in meinen Augen die beeindruckendste Geschichte der Anthologie. Kann eine KI demenzkranken Menschen helfen ihren Alltag bis zum Ende allein zu bewältigen? Und was macht es mit der Persönlichkeit der Betroffenen?

Gundel Limberg stellt ein Haus in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Nach dem Tod seiner Bewohner entpuppt sich das »smarte« Home als viel smarter, als es sich sein Programmierer je ausgedacht hat.

Michael Marrak beschließt die Runde mit einer klassischen Science-Fiction-Geschichte aus einer fernen Zukunft. Nanowesen aus der Weite des Alls entdecken das menschliche Unterbewusstsein und nutzen es schamlos für ihre Zwecke aus.

Das Niveau der Texte ist hoch, entgegen ähnlicher Publikationen sind die Geschichten sorgfältig lektoriert und bearbeitet worden. Es gibt keine Geschichte die unfertig wirkt, oder an der man noch etwas hätte verbessern können. Sie sind allesamt unterhaltsam und kurzweilig, bisweilen entlocken sie dem Leser sogar ein Lächeln. Beeindruckend ist die Vielschichtigkeit, mit der die Autoren an das Thema herangehen. Da werden Wege und Möglichkeiten gezeigt, jenseits bekannter Einsatzmöglichkeiten. Das ist frisch und unverbraucht und lohnt sich zu lesen.

In einem Nachwort äußert sich Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zum Thema und wirft nochmal einen ganz anderen Blick darauf, nämlich den eines Wissenschaftlers.

Wer Kurzgeschichten mag, wer sich für Science Fiction begeistert und sich für Künstliche Intelligenz in all ihren Ausprägungen interessiert, dem lege ich das Buch ans Herz. Es ist überall im stationären Buchhandel und bei einschlägigen Onlinebuchhändlern erhältlich. Am besten erwirbt man es direkt beim Verlag.

Altersspießigkeit

Entweder liegt es an den Corona-Beschränkungen oder ich werde alt. Denn ich verspüre zunehmend seltsame Anwandlungen. Vorletztes Wochenende beispielsweise … Dazu muss ich jedoch etwas weiter ausholen.

Rund um unser Haus gibt es eine Rasenfläche, die im Sommer von der Hausverwaltung gemäht wird. Sie grenzt an den Parkplatz der Gemeinde. Dort stehen mehrere Ahornbäume, die in diesem Herbst wieder viel buntes Laub haben fallen lassen. Das Laub vom Parkplatz hat die Gemeinde am Freitag vor Allerheiligen räumen lassen. Da wurde ich morgens kurz vor sieben von zwei Laubbläsern und der Kehrmaschine unsanft geweckt.

Das Laub auf dem Rasen vorm Haus blieb liegen. Die Katzen der Nachbarin kratzten schon kleine Häufchen zusammen, um ihr Geschäft zu verstecken. Ich blickte jeden Tag auf die von Laub bedeckte Wiese und es störte mich. Die letzten beiden Jahre hatte es mich nicht gestört. Im Gegenteil, ich hatte es gar nicht wahrgenommen. Ich fragte unsere ehemalige Hausmeisterin, wer das Laub immer beseitigt hat. Die sagte mir, dass sie das Laub immer zusammen gerecht hat, es beim neuen Hausmeister aber nicht mehr im Vertrag steht.

Kurzentschlossen bat ich meinen Schwiegervater mir seinen Rechen zu leihen. Am Samstag stellte ich mich dann hin und rechte das Laub rund ums Haus zusammen. Mein Mann stopfte es in Säcke und fuhr es weg.

Eigentlich bin ich kein Fan von Gartenarbeit. Ich mochte es schon als Kind nicht, wenn ich meinen Eltern helfen musste, Unkraut zu jäten oder Rasen zu mähen, vom Zusammenrechen von Laub ganz zu schweigen. Das Schlimme war, dieses Mal machte es mir Spaß. Ich war mit viel Elan und Freude bei der Sache. Wenn ich jetzt vom Balkon herunter auf den laubfreien Rasen blicke, bin ich zufrieden und stolz. Das ist doch nicht normal, oder?

Ich schiebe das mal auf Corona, dass ich mich plötzlich für Gartenarbeit erwärme und nicht nur freiwillig, sondern auch mit Begeisterung einen Rechen zur Hand nehme. Wenn nicht, müsste ich mir eingestehen, dass ich alt und gleichzeitig spießig werde. Wobei …

… ich habe Blumenzwiebeln in der Wiese vergraben und nicht nur in diesem Jahr, sondern schon im letzten Herbst. Auweia!

Kulinarisches von den Wochenenden

An den vergangenen Wochenende haben wir wieder fleißig gekocht und gebacken. Hier eine kleine fotografische Auswahl:

Selbstgebackene Semmeln
Rotes Thai-Curry mit Hähnchen und Rukola-Rote-Beete-Salat
Jägerschnitzel mit Kartoffelpüree und Brokkolipesto
Mit Bergader-Käse überbackener Seehecht und Honig-Paprika-Risotto

Und ich habe mir wieder ein neues Backutensil gekauft. Einen Gitterroller. Damit kann man aus Kuchenteig ein tolles Gitter machen. Das musste natürlich sofort ausprobiert werden. Soweit so gut! Es funktioniert, ist aber nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Da braucht man ein bisschen Übung, bevor es richtig klappt. Ich arbeite dran.

Bätterteig-Apfelmuskuchen mit Gitter
Der dazugehörige Gitterroller

Zum Geleit

Der Vollständigkeithalber und weil so viele meinen Nachruf auf Manuela Farber aufrufen: Hier ist die Karte, die eine Klassenkameradin gekauft hat. Sie bat mich einen Text dafür zu verfassen, der Bitte bin ich selbstverständlich nachgekommen.

Schweren Herzens nehmen wir Abschied von unserer allseits beliebten Schulfreundin Manuela. Sie sorgte auch nach unserer Schulzeit dafür, dass wir in Verbindung blieben. Sie war die Kette, die uns miteinander verband. Es ist bezeichnend, dass sie gerade in der Woche von uns ging, in der wir unser 30-jähriges Klassentreffen feiern wollten. Ihr Tod ist ein schwerer Verlust, hinterlässt er doch eine Lücke, die nicht zu schließen sein wird.
Wir möchten an dieser Stelle unser herzlichstes Beileid ausdrücken und allen Familienangehörigen viel Kraft wünschen für die Zeit der Trauer und danach.

Deine Schulfreunde von der POS III Saalfeld.

Diese Woche bekam ich dann noch ein Foto vom Grabgesteck. Ich denke, es hätte Manuela gut gefallen.

Danke an Claudia und Jaqueline für die Bilder.

Chronophasisches Quantenabenteuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 238 – »Die neun Türme« von Rainer Schorm

Im Gadenhimmel – acht Sonnen, die ein schwarzes Loch umkreisen – angekommen, werden Perry Rhodan und Ronald Tekener von den Omiten auf die Lichtwelt Drem-Doreus eingeladen. Auf ihr leben die Angehörigen von acht omnitischen Familien, die die Gaden bilden. Eine Vereinigung, die sich schon vor Jahrtausenden dem Kampf gegen das Dunkelleben verschrieben haben. Dieser spezielle Ort ist ihre Schaltzentrale, allein es fehlt ihnen der Schlüssel.
Zur Sicherheit nimmt Rhodan Omar Hawk, den Okrill Watson und die Ärztin Sud mit. Dass dies eine gute Idee ist, stellt sich heraus, als es während eines Konklave zu einem Zwischenfall kommt. Das von den Gaden gefangengehaltene Oberhaupt der Shafakk kann sich befreien und greift die Omniten an. Die Menschen und der Okrill können den aggressiven Shafakk-Aahn stoppen, bevor er die versammelten Anwesenden töten kann. 
Das Oberhaupt der Omniten, Mem Kauperon, sieht in Rhodan den Schlüssel um den Langzeitplan der Gaden zu vollenden und das Dunkelleben endgültig zu besiegen. Als Zeitträger und Unsterblicher weist Rhodan nämlich noch eine Besonderheit auf. Bei dem Biss des Loower Kindes (Band 236) wurden Informationen in seinen Körper übertragen, die zur Bedienung der Anlage der Loower notwendig sind.
Er wird zur Neunturmanlage geschickt. Dieses von den Loowern gebaute Konstrukt soll der Entität Tihit die Nahrung entziehen und sie so am Erwachen hindern. Doch Rhodan wird getäuscht. Ernst Ellert und seinen Verbündeten gelingt es, die Informationen in Rhodan so zu manipulieren, dass der von ihm ausgelöste Impuls einen kollabierenden Hyperstrudel erzeugt, der Sagitarius A* treffen wird. Die Auswirkungen werden einen Großteil der Milchstraße verwüsten und ihn damit zum Massenmörder machen.
Rhodan stellt Ellert zur Rede. Dieser gibt vor, dass es die einzige Möglichkeit wäre, um Tihit zu zerstören und das man dafür Opfer bringen müsse. Viele Billiarden Lebewesen im Universum würden dadurch gerettet. Da taucht Rhodans Tochter Nathalie mit Merkosh auf. Der Omnit behauptet, das Ellert noch nicht alles erzählt hat.

Uff! Das ist harter Stoff, um es vorsichtig zu formulieren. Was sich die Exposéautoren da zusammengereimt haben, ist komplex. In meinen Augen schon zu komplex. Eine Nummer kleiner hätte auch gereicht. Hier wird ganz viel miteinander verwurstelt und am Ende bin ich selbst nicht mehr mitgekommen. Ich wusste nicht mehr, was passiert. Dabei bin ich ein Fan komplexer Zusammenhänge, von Kosmologie und wilden Quantentheorien, aber das war selbst für mich eine Spur »to much«. Da ist eine große Portion Fantasy dabei, verknüpft mit kosmologischen Theorien und schrägen Science-Fiction-Ideen. Hut ab, vor denen, die sich sowas ausdenken können. Dennoch befürchte ich, dass einige Leser davon schier überfordert sein könnten. Die Neuleser, die man vielleicht mit Band 234 zum Einstieg überreden konnte, werden spätestens mit diesem Roman wieder die Segel streichen.

Die Geschichte selbst ist spannend. Figuren wie der Omnitische Sicherheitschef, Kavvam jad Chi, sind gut ausgearbeitet. Wobei ich seine Gedankengänge manchmal als zu menschlich empfand. So sieht er Rhodans Blut, ohne das er sich etwas dabei denkt. Omniten sind unsichtbar, sie bluten wahrscheinlich ganz anders. Allein Farbe des Blutes müsste auf den Omniten befremdlich wirken. Wahrscheinlich ist seine Wahrnehmung auch eine völlig andere. Es kommt mir so vor, als wüsste Kavvam alles über die Menschen, denn er beurteilt sie nach menschlichen Maßstäben. So wundert er sich, das Hawk so widerstandsfähig ist und dem Shafakk ernste Verletzungen zufügen kann. Es ist schon erstaunlich, wie die ach so intelligenten Gadenmitglieder, die Shafakk entwickeln konnten, ohne ihnen eine Sicherung einzubauen, die sie vor deren Aggressionen schützt. Da gehört schon sehr viel Überheblichkeit dazu. Andererseits gibt es toll umgesetzte Ideen, wie die Paternale Koggs.

Rein stilistisch ist es ein ungewöhnlicher Roman des Autors. Rainer Schorm ist für seinen augenzwinkernden Humor bekannt, den er seinen Charakteren in den Mund legt, oder sie in witzige Dialoge verwickelt. Das alles gibt es in dem Roman kaum. Zu sehr wird er von kosmologischen Erläuterungen, von den dunklen Erinnerungen Ronald Tekeners, von den Ausführungen der Omniten oder der Aktion um den Shafakk-Aahn beherrscht. Da bleibt kaum Platz für Humor und er würde auch nicht richtig dazu passen.

Sud kommt ebenfalls nicht ohne einen Eingriff davon. Bei einem Scan der Omniten, verschmelzen die Reste von Quiniu Soptors Stab mit Suds Intarsium. Sie wird kurzzeitig in die Chronophasendimension versetzt und sieht dort Jessica Tekener in einer der Chronophasenspären. Es sieht ganz danach aus, als wäre Tekeners Schwester nicht tot. Dies ist wohl der Hinweis darauf, dass man sie irgendwie in die Handlung zurückbringen will. Ganz ehrlich … meinetwegen könnte sie fortbleiben. Ich konnte mit der Figur nie etwas anfangen. Ich fand sie stets nervig und die Liaison zwischen ihr und Rhodans Sohn Thomas überflüssig. Da kam keine Romantik rüber, zu keiner Zeit, im Gegensatz zu der zarten Bande zwischen Thomas Rhodan und Hannah Stein in Band 234.

»Die neun Türme« ist ein anspruchsvoller Roman, der den Autor mal von einer anderen Seite des Schreibens zeigt. Mit vielen Fakten, Querverweisen und einer aktiongeladenen Handlung, die am Ende allerdings nur noch von den ganz Konzentrierten zu durchschauen ist. Mir schwant Übles, wenn ich an den nächsten, den finalen Roman der Staffel von Rüdiger Schäfer denke.

Das besondere Ereignis am 9. November

Quelle: Wikipedia

Der 9. November ist für Deutschland in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Tag. Mehrere Ereignisse in der Geschichte der Deutschen fand an diesem Datum statt. Positives und weniger positives.

Heute las ich in der TAZ das an einem 9. November noch etwas stattgefunden hat, was die meisten von uns nicht wahrgenommen haben dürften. Am 9. November 1978 trat zum ersten Mal öffentlich eine Punkband in Deutschland auf. Wire spielten im »Ratinger Hof«, der legendären Punkkneipe in Düsseldorf. Die Sex Pistols, die »Erfinder« der Punkmusik, hatten sich Anfang 1978 noch vor ihrer Deutschlandtournee aufgelöst. Und so hatte Wire das Vergnügen, den Punk nach Deutschland zu bringen. Einige der Zuschauer von damals wurden von dem Sound inspiriert und haben später selbst Punkbands gegründet. Unteranderem die Gründer von DAF und Fehlfarben.

Das Konzert von Wire hat eine Ära in Deutschland gestartet, die eine ganze Generation von jungen Menschen prägte und bis heute prägt. Aus dem Punkrock von damals gingen die Neue Deutsche Welle und der Hardcore hervor. Daher ist dieses Datum durchaus als ein wichtiger Meilenstein zu sehen.

Wer sich anhören will, wie Wire damals geklungen hat, kann sich auf YouTube eine Aufzeichnung von 1979 aus der Sendung Rockpalast ansehen.

Die englische Band existiert übrigens heute noch, und hat Anfang 2020 ein neues Album veröffentlicht. Ich muss aber zugeben, dass mir ihre Musik von damals besser gefällt, als die heutige.

 

Update vom 14.11.2020:

Man soll nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Ich wurde aufgeklärt, es fanden 1977 schon Punkkonzerte in Deutschland statt. Zum Beispiel war The Clash bereits 1977 auf Tour oder The Vibrators, die am 25.02.1977 in Berlin spielten und nicht zu vergessen, die Punkbands, die sich bereits in Deutschland gegründet hatten, wie PVC.

Nun, die Düsseldorfer hielten sich schon damals für was Besseres. Zwinker!