Christinas Multiversum

Ansichten, Rezensionen, Kommentare

rainbow

Posts Tagged ‘Bücher’



Geräusche und Literatur

Quelle: www.unsichtbar-verlag.de

So richtig einordnen lässt sich das aktuelle Buch von Dirk Bernemann nicht. Es ist kein Roman, es sind keine Kurzgeschichten und es ist keine richtige Autobiografie. Und irgendwie ist es Letzteres doch.

Dirk Bernemann schreibt über sich und über Musik – unteranderem. Denn es steckt wieder mal mehr hinter den Zeilen, als offensichtlich ist. Kapitel für Kapitel gewährt der Autor dem Leser einen Blick in seine Seele. Er erzählt, wie durch Musik aus ihm der Mensch wurde, der er ist. Es geht um Inspiration und Politik, um Emotionen und Worte. Wie immer balanciert er zwischen Verzweiflung und Euphorie, Düsternis und Licht. Dabei vollführt Bernemann keinen Seelenstripteese, der auf die Zurschaustellung seines Egos abzielt. Vielmehr lässt er erahnen, dass sich in dem Autor ein verletzter und zutiefst verunsicherter Mensch verbirgt. Ich bewundere ihn für den Mut, so offen sein zu können. Andererseits ist dies kein Tagebuch und Bernemann ein überaus geschickter Autor, der mit den Emotionen seiner Leser zu spielen weiß.

Ich kann nicht sagen, welche der Geschichten wahr sind oder welche nur ausgedacht. Es kann auch alles ganz anders sein, aber selbst das würde mich nicht stören. Es ist wie immer die Sprache, mit der er mich abholt. Diese eigentlich unmöglichen Vergleiche, der Satzbau, der so typisch ist und der jeden Satz zu einem Gedicht macht. Ich glaube, er könnte eine Bedienungsanleitung so schreiben, dass sie wie Poesie klänge.

»Gesten & Geräusche« ist ein Buch, das den Zeitgeist aufgreift. Man entdeckt sich in den Gedanken des Autors wieder, erkennt das Chaos der gegenwärtigen Realität und versteht. Genau das machen die Bücher von Dirk Bernemann. Er hält uns einen Spiegel vor, erinnert uns an das eigene Versagen und manchmal rüttelt er uns auf, sich gegen das Außen zu wehren. Er erzählt von Inspiration und inspiriert dadurch andere.

Das Buch hat übrigens einen eigenen Soundtrack verdient. Wer möchte, darf sich die passenden Songs der Bands und Interpreten beim Lesen anhören, die jedes Kapitel mal mehr, mal weniger thematisieren. Oder man stellt sie sich einfach nur vor. Dirk Bernemanns Texte sind so intensiv, dass man Geräusche tatsächlich lesen kann.

»Gesten & Geräusche« erschien im Dezember 2018 und ist überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Ich habe mein Exemplar direkt beim Verleger am Stand auf der Buchmesse erworben.

Vom Lesen und Schreiben

Aufmerksame Leser meines Blogs werden festgestellt haben, dass ich in der letzten Zeit nicht mehr täglich blogge. Das liegt schlicht daran, dass ich neben der SOL jetzt auch für meine eigene Kolumne in der PERRY RHODAN Erstauflage schreibe. Textlich sind das zwar nur vier Seiten, die ich meist an einem Vormittag zusammenschreibe. Davor aber steht die Lektüre der Fanzines an, die ich von der Redaktion zugeschickt bekomme. Und das sind nicht wenige. Irgendwann muss ich die ja lesen, wenn ich darüber schreiben will. Also sitze ich meist abends da und schmökere in Fanzines, statt zu bloggen. Das ist okay, denn dafür werde ich bezahlt. Wer kann schon von sich behaupten, fürs Lesen bezahlt zu werden.

Es sind immer wieder richtig tolle Magazine dabei. Heute habe ich beispielsweise das EXODUS gelesen, das ist ein regelmäßig erscheinendes Heft mit Kurzgeschichten. Allesamt von professionellen Autoren geschrieben und von Künstlern illustriert, sehr hochwertig gefertigt, nicht nur inhaltlich. Ich bin begeistert.

Morgen werde ich mir die LARPzeit näher anschauen und die Andromeda-Nachrichten des Science-Fiction-Club-Deutschlands. Die SOL ist heute übrigens auch eingetroffen. Gut, die kann ich natürlich nicht besprechen, aber ich freue mich, denn das Heft ist nicht nur optisch ein Hingucker, auch die Beiträge passen schön zusammen. Es war bis zuletzt eine schwere Geburt, aber es hat sich gelohnt. Ich bin ja gespannt, was die Leser sagen.

Und so werde ich mich auch die nächsten Tage quer durch Fanzines und Magazine lesen. Ach ja … die Comics vom Gratis-Comic-Tag sind ja auch noch da. Da muss ich wohl Prioritäten setzten.

199 mal NEO

NEO-Collection

Der Anblick ist beeindruckend. Zwei Regalböden gefüllt von über einhundert schmalen Buchrücken mit markantem Aufdruck. Hätte ich alle Bände als Taschenhefte, würde nochmal ein Regalboden dazukommen.

Bald sind es zweihundertmal NEO, zweihundert Romane, zweihundert Geschichten, geschrieben von gut einem guten Dutzend Autoren. Der Erfolg der Serie überrascht selbst die Macher, bringt die Kritiker aber nicht zum Schweigen. Dennoch ist und bleibt die Serie ein wichtiger Bestandteil der PERRY RHODAN-Saga.

Mit der letzten Staffel vor dem Jubiläum haben Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm nochmal alle Register gezogen. Endlich erfährt der Leser die Hintergründe des kosmischen Schachspiels und dessen Auflösung. ANDROS die Entität aus Halatium sehnt sich nach Ruhe und Frieden und stürzte deshalb in Millionen von Jahren zwei Galaxien in eine Spirale der Gewalt. Er spielt ein falsches Spiel und verliert am Ende doch. ES befördert ihn mit einem Trick ins sterbende Creaversum. Ihr zur Seite stehen neben Perry Rhodan auch Tuire Sitareh, Ernst Ellert und Huang Wei. Andromeda und die Milchstraße werden befreit und sehen einer hoffentlich friedlichen Zukunft entgegen.

Leider forderte die finale Schlacht auch Opfer. Huang Wei der Helfer von ES opfert sich für die Superintelligenz und Tuire Sitareh bleibt zusammen mit Ernst Ellert im Creaversum gefangen … oder auch nicht. Hier haben sich die Autoren ein Hintertürchen offengelassen.

Die Romane ab Band 196 an sind durchweg spannend erzählt. Hervorzuheben ist dabei die 197 von Ruben Wickenhäuser und die 198 von Kai Hirdt, der mal wieder ein Feuerwerk an Ideen und cleveren Dialogen abbrennt. Dem Abschlussband der Exposéautoren mangelt es ein wenig an Spannung, weil man weiß, dass die Serie fortgesetzt wird und Perry Rhodan eigentlich niemals richtig in Gefahr ist. Der Roman ist jedoch angesichts der Zusammenhänge lesenswert, welche die beiden Autoren ausgeknobelt haben.

Ich gratuliere an dieser Stelle Autoren und Redaktion zum zweihundertsten und wünsche mir und allen NEO-Lesern, dass es so spannend und abwechslungsreich weitergeht.

Abstraktes Endspiel

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 199 – »Am Ende aller Tage« von Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm

Die MAGELLAN hat im Halit-System enorme Problem. Die durch ANDROS verursachten Störungen des Raum-Zeit-Gefüges bringen nicht nur das Schiff, sondern auch die Mannschaft an ihre Grenzen. Mit Mühe und Not können sie die DOLAN mit Icho Tolot an Bord nehmen und sich an den Rand des Systems zurückziehen. Der Haluter ist zudem eine große Hilfe, um die Gefahr durch platzende Halbraumblasen zu eliminieren. Dem im System zurückgebliebenen Perry Rhodan kann die Crew allerdings nicht im Kampf gegen ANDROS beistehen.

Der Protektor befindet sich auf einer Verrytspähre. Zusammen Tuire Sitareh, Ernst Ellert und Huang Wei, soll er das Synchrofark mittels Sprengkapseln zerstören. Dort sieht Perry ES bei einem Angriff durch ANDROS sterben. Doch die Entität hat nur geblufft, es war Huang Wei der sich als ES ausgegeben hat und gestorben ist. Zurück auf der Verrytsphäre erläutert ES ihren Plan und schickt Ellert mit Tuire ins Creaversum, während Perry als Anker im Einsteinuniversum zurückbleibt. Durch die Augen von ES, erkennt Perry, wie das Schließen der Ruptur auch die Erde im Solsystem bedroht. Der Planet kann aber durch NATHAN und die Posbis geschützt werden. Der Plan von ES geht auf. Während die Crea mit einem riesigen Habitat – einer Art Arche – ins Einsteinuniversum überwechseln, wird ANDROS ins Creaversum gesaugt und die Dimension für immer abgeschnitten. Tuire und Ellert können nicht zurückkehren. Rhodan droht in den Gewalten, die im Halit-System nachwirken, getötet zu werden, kann aber in letzter Sekunde von Mirona Thetin und Atlan mittels Halbraumtransport gerettet werden.

Das sich die Prophezeiung von ES – der Tod Perry Rhodans – nicht bewahrheitet, davon war auszugehen, ansonsten wäre die Serie hier zu Ende gewesen. Insofern liefert dieser Aspekt keine so richtige Spannung. Interessant ist allerdings, der Ausgang des kosmischen Schachspiels zwischen ANDROS und ES. Der letzte Bluff, der die Rettung der Spezies des Creaversums und die gleichzeitig Verbannung von ANDROS in seine angestammte Heimat beinhaltet, ist von den Autoren sehr clever durchdacht.

Allerdings blieben mir viele Dinge in diesem Roman zu abstrakt. Abgesehen von den Auswirkungen der zusammenbrechenden Raumzeit, für die es weder Beweis, noch Gegenbeweis gibt, ist mir die Rolle des Protektors nicht so ganz klar geworden. Was genau außer seinem Zellaktivator und der bei der Aktivierung der Transmitterstrecke veränderten Physiologie macht die Person Perry Rhodans so wichtig? Theoretisch hätte das jeder mit Zellaktivator ausgestattete Mensch, also auch Thora oder Atlan tun können. Auch seine Rettung durch Mirona Thetin war mir zu konstruiert und zu simpel. Man hat ihn quasi an Bord gebeamt.

Tuires »Ableben« kam ebenfalls nicht unerwartet. Ich war stets ein großer Fan des rätselhaften Auloren, allerdings hat er in den vergangen Staffeln an Reiz verloren, weil er kaum noch auftauchte. Es tut mir wohl deshalb weniger leid, dass er ab Band 200 nicht mehr dabei sein wird. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber, dass er zusammen mit Ernst Ellert einen Weg zurückfindet.

Das Ende von ANDROS war gut gelöst, gerade weil die Entität nicht getötet wurde, sondern aus dem Einsteinuniversum verbannt. Soviel ich verstanden habe, ist ANDROS das gleiche wie METEORA. Also ein aus Halatium gebildetes Bewusstsein. Während ES aus den Seelen der Memetern hervorgegangen ist. Damit ist ANDROS aber eher der Bruder von METEORA, als der Bruder von ES. 

Die beiden Autoren bemühen sich sichtlich um Spannung. Das gelingt ihnen auch. Man kann außerdem nur schwer feststellen, wer was geschrieben hat. Ich tippe aber, dass Rüdiger Schäfer für die Rhodan Handlungsebene verantwortlich war. Dennoch hat mich der Roman nicht einhundertprozentig überzeugt. Wie gesagt, vieles war mir einfach zu abstrakt. Jemand, wie mich, der genau verstehen möchte, was passiert und der auf innere Logik wert legt, wird sich schwer tun. Irgendwann habe ich aufgegeben, es verstehen zu wollen, und einfach nur noch weitergelesen. Das heißt aber auch, dass ich nur mit halben Herzen dabei war und das wiederum finde ich schade.

Ein weiterer Aspekt, den ich vermisst habe, war das Leyden-Team. Die Truppe um den exzentrischen Hyperphysiker hat in den vergangenen knapp 100 Romanen einen großen Teil der Handlung dominiert. Das sie innerhalb der Staffel so plötzlich ins Aus befördert und ihnen nicht mal im großen Finale eine Rückkehr gestattet wurde, ist mehr als ärgerlich. Selbst Belle McGraw, die ja an Bord der MAGELLAN ist, taucht nicht mehr auf. Selbst dann nicht, als ihr »Geliebter« John Marshall bewusstlos in der Krankenstation materialisiert. Stattdessen etablieren die Autoren – ich tippe mal, es war Rainer Schorm – den bislang unbekannte Charakter Alfred Parlinger. Durch die Augen, des in der Astrometrie tätigen, Wissenschaftlers erleben wir die Auswirkungen der Raumzeitstörungen. Diese Rolle hätte gut auf die Astronomin Belle McGraw gepasst, die dann sogar ihrem Schwarm Marshall hätte zu Hilfe eilen können. Leyden hätte mit Tolot die MAGELLAN gerettet, während Luna Perparim ihre Verbindung zu Huang Wei offenbart worden wäre. Leider scheinen die Expokraten mehr auf ein paar nörgelnde Fans gehört zu haben, als sich und den Leyden-Fans diesen Knalleffekt zu gönnen. Damit verzichten sie leider auch auf einen richtig runden Abschluss.

Abgesehen, von den erwähnten Punkten ist »Am Ende aller Tage« ein überdurchschnittlich guter NEO, der die offenen Fäden von 199 Romanen glaubhaft abschließt. Ich hätte mir allerdings weniger abstrakte physikalische Details und mehr Gewicht auf die finale Charakterentwicklung gewünscht, denn angesichts des angekündigten Zeitsprungs, werden wir einige der Figuren nicht wiedersehen.

Noch eine Bemerkung zum Cover von Dirk Schulz: war es zuletzt Ricardo Montalban, der für Tuire Modell gestanden ist, dann war es bei Band 199 Gojko Mitic.

Liebesfilm mit phantastischem Plot

Quelle: Amazon

»Every Day«, so heißt der Originaltitel des Films, benannt nach dem gleichnamigen Roman von David Levithan. Warum man Buch und Film in Deutschland »Letztendlich sind wir dem Universum egal« betitelte, wissen wohl nur die Marketingstrategen im Fischer Verlag oder die Übersetzerin.

Der umständliche Titel ist auf das Zielpublikum ausgerichtet – die »Young Adults«, also Jugendliche ab 17 Jahren. Dabei funktioniert die Geschichte auch für andere Altersgruppen. Es geht darin um eine Seele, die jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht und diesen für einen Tag bewohnt. Sie nennt sich A. und wacht stets in gleichaltrigen Personen (Junge wie Mädchen) auf, die nie weit voneinander entfernt leben. Als A. im Körper von Justin steckt, lernt sie dessen Freundin Rhiannon kennen. Ab dem Tag fühlt A. eine Verbindung zwischen sich und dem Mädchen, die beider Leben von da ab bestimmt. Rhiannon lernt A. in unterschiedlichen Körpern kennen und lieben. Doch irgendwann müssen beide feststellen, dass dies auf Dauer nicht funktionieren wird und sie eine Entscheidung treffen müssen.

Neben den sympathischen Jungdarstellern ist es vor allem die Idee, die mich an diesem Film so fasziniert. Diese Idee ist größer, als dass sie in einem Film richtig ausgereizt werden kann. In den entfallenen Szenen gibt es Hinweise darauf, die tiefer in die Hintergründe des Seelenreisenden reichen. Da sie aber rausgeschnitten wurden, gehe ich davon aus, das sich die Filmemacher auf die Liebesgeschichte von Rhiannon und A. konzentrieren wollten. Was in dem Fall auch völlig richtig ist und den Film rund macht. Man hätte auch eine zusätzliche Ebene einbringen und die Geschichte aus der Sicht von A. erzählen können. Dann wäre es aber ein reiner Erwachsenen-Film geworden und die Liebesgeschichte wäre dem Hauptplot womöglich zum Opfer gefallen.

Mir gefielen die Gedankenspiele und die moralischen Fragen, die sich A. und später auch Rhiannon stellen müssen. Das ist intelligent und durchdacht, mit einem Hauch Phantastischem. Es erinnert ein wenig an »Die Frau des Zeitreisenden«, nur das es nicht ganz so traurig endet. Ich bin fast schon am überlegen, ob ich mir auch den Roman von David Levithan zulegen sollte.

Hier ist der Originaltrailer zum Reinschnuppern:

Auf der Zielgerade

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 198 – »Duell der Bestien«

Die MAGELLAN gelangt mittels des Sechsecktransmitters nach Andromeda. Der ohnehin angeschlagene Perry Rhodan übersteht den Flug nur durch viel Glück und das Können der Mediziner. In Andromeda beschließt die Crew allen voran Rhodans besorgte Ehefrau Thora, nach Multidon statt ins Halit-System zu fliegen, um Mirona Thetin um medizinische Hilfe für Perry zu bitten.
Icho Tolot bricht derweil mit der DOLAN ins Halit-System auf, um auszukundschaften, wie die Lage dort ist und was ANDROS plant. Er stürzt mehr oder weniger freiwillig auf dem Heimatplaneten der Sitarakh ab und stellt sich dem finalen Kampf gegen die Bestie Masmer Tronkh. Durch einen jungen Sitarakh – oder einer Person, die sich als solcher ausgibt (ES?) – erfährt er, was es mit ANDROS, METEORA und dem kosmischen Schachspiel auf sich hat.

Kai Hirdt liefert mit »Duell der Bestien« erneut einen Roman ab, in dem die Charaktere nicht nur vor Lebendigkeit sprühen, sondern der auch in sich stimmig ist. Das der Autor ein Händchen für Dialoge hat, beweist er in diesem Roman zum wiederholten Mal. Thoras und Thetins Stutenbissigkeit sind einfach grandios geschildert. Überhaupt, lebt Thora zum ersten Mal seit vielen Romanen wieder so richtig auf.

Wobei sich das Hin und Her um Perry Rhodans Gesundheit ein wenig anfühlte, als ob der Autor Zeilen schinden müsse, damit Tolot genügend Zeit für seinen Kampf mit Masmer Tronkh bleibt. Tifflor und Sud sind gegenüber Rhodans Zustand praktisch hilflos. Atlans und Thoras Versuche mit der »Gedankenverschmelzung« bleiben ebenfalls erfolglos. Erst das Auftauchen von Tuire Sitareh holt Rhodan ins Leben zurück.

Schön beschrieben war Icho Tolots Kampf zunächst mit sich selbst und später mit der Bestie. Großartig auch die Idee, den brennenden Schwefel in den See zu leiten, um ein Säurebad herzustellen und damit die Schiffe der Bestien zu zerstören. Solche wissenschaftlichen Gedankenspiele freuen mich mehr, als die ins Phantastische gehenden Heilfähigkeiten von Sud.

Das einzige was mich ein bisschen ernüchtert: Auf sechs Seiten erfährt Icho Tolot und damit auch der Leser, die komplette kosmologische Hintergrundgeschichte der vergangenen knapp 200 Bände. Einfach so! Peng! Hier sind die Zusammenhänge! … Kann man das so machen? Ja! Sollte man es so machen? Vielleicht! Hätte ich es anders gemacht? Ich denke, ja! … Es gab in den vergangenen Staffeln genug Gelegenheit immer mal wieder ein Informationshäppchen einzubauen. Ich hätte es besser gefunden, wenn sich die Leser selbst ein Bild hätten erarbeiten müssen, als ihnen einfach die Lösung vor die Füße zu werfen. Was sprach dagegen, mehr auf die Hintergründe des kosmischen Schachspiels einzugehen? Allein in der laufenden Staffel sind mindestens drei Romane enthalten, die meiner Meinung nach eher Füllstoff waren. Auch auf die Gefahr hin, dass sich die Leser das Ende zusammenreimen können, fand ich den gewählten Weg nicht optimal.

»Duell der Bestien« ist eine unterhaltsame Geschichte, deren Charaktere aufs meisterliche ausgearbeitet sind und die durch Cliffhanger in den Kapitelenden ausgesprochen spannend daherkommt. Allein die lieblose Weitergabe der Informationen zum kosmischen Überbau der Serie hat mich geärgert. Ich wollte lieber mitraten und spekulieren und nicht die Geschichte des Ringens auf dem Silbertablett geliefert bekommen. Schade!

Mehr als ein Schnäppchen

Quelle: Amazon

»Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen« ist das sechste Buch aus der »Happy Aua«-Reihe von Bastian Sick. Es erschien bereits 2017 und setzt gekonnt den lustigen Bilderreigen mit Irrungen aus der Deutschen Sprache fort.

Wenn man wirklich mies drauf ist und einem nichts aufzuheitern vermag, ist dieses Buch die Lösung. Ich saß diese Woche kichernd und lachend auf der Couch. Manchmal habe ich Minutenlang gelacht und mich kaum wieder eingekriegt. Dabei sind es meist die pointierten Bildunterschriften des Autors, die mich so sehr amüsierten. Die Fotos der Verfehlungen, seien es Preisschilder, Zeitungsausschnitte oder Speisekarten wären ohne seine Kommentare nur halb so lustig.

Die auf 224 Seiten abgedruckten Fotos stammen vorwiegend von Lesern aus Deutschland aber auch aus dem Ausland. Ich reiche ebenfalls regelmäßig meine Schnappschüsse ein. Inzwischen muss der Autor ein Archiv mit Tausenden von Fotos haben. Einige veröffentlicht er auf seiner Homepage. Dort kann man sich einen kleinen Eindruck verschaffen, was man so alles falsch schreiben kann.

Einige der Verfehlungen versteht man erst beim zweiten Durchlesen. Das sind meist aus Zeitungen stammenden Ausschnitte, bei denen der Sinn doppeldeutig ist. Bei manchen der Abbildungen spielt der Zufall eine tragende Rolle und macht beispielsweise aus einem Straßennamen und einem Wegweiser ein lustiges Duo, wie beim »Finanzamt« in der »Wolfsschlucht«. Diese beiden Schilder stehen allerdings nicht in Kulmbach, wie im Buch angegeben, sondern in Kronach, unterhalb der Feste. Ich habe sie selbst schon mal fotografieren wollen. Da hat der Einsender wohl die beiden Städte in Oberfranken verwechselt.

Wie gesagt: wer gern lachen möchte, bis ihm die Augen tränen, muss sich dieses oder ein anderes Buch aus der Reihe besorgen. Aber Vorsicht, ich würde es nicht in der Öffentlichkeit – zum Beispiel im Zug – lesen, das könnte unter Umständen irritierte Blicke der Mitmenschen nach sich ziehen.

Der Posbi-Diktator

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN Erstauflage Band 3007 – »Zeuge der Jahrhunderte« von Michelle Stern

Nachdem mich die beiden letzten Heftromane von Andreas Brandhorst und Uwe Anton nicht wirklich vom Hocker gehauen haben, gefällt mir der Roman von Michelle Stern umso besser.

Das dynamische Duo Atlan und Gucky gehen mit einer Zivilistin und einer Posmi auf eine Außenmission. An Bord der Raumstation WHEELER müssen sie einen Diktator entmachten, um die dort lebenden Posbis zu befreien, die der RAS TSCHUBAI den Weg nach Culsu weisen sollen.

Besonders die Passagen aus der Sicht der Zivilistin Marli sind großartig erzählt. Michelle Stern gelingt es, die Angst und die Vorurteile der Figur glaubhaft mit viel Sympathie zu vermitteln. Ihre Abneigung gegen Gucky und ihre Ehrfurcht vor Atlan sind erfrischend lebensnah.

Auch die Geschichte rund um die Posbis, die unter dem Posizid und der Datensintflut leiden und von einen Shelter-Programm unterdrückt werden, ist bis zur letzten Seite spannend.

Solche Geschichten lese ich gern, wenn eben nicht die großen kosmischen Ereignisse im Mittelpunkt stehen.

Aktuelle Bücherflut

Seit der Buchmesse stecke ich in einer nicht enden wollenden Bücherflut. Stimmt, ich habe sie selbst ausgelöst, merke jedoch inzwischen, dass ich nicht weiß, wann ich das alles lesen soll.

Zu allem Überfluss flatterte mit der letzten ESPost-Info ein Angebot ins Haus, dem ich nicht widerstehen konnte. 13 NEO-Platin-Editionen für 80 Euro! Da ich nur die ersten 11 NEO-Romane gelesen habe und dann erst wieder bei Band 75 eingestiegen bin, war das natürlich verlockend. Noch liegen sie im Karton, ich bin schon auf der Suche nach einem passenden Platz.

Den Einhorn-Comic hat mir mein Mann geschenkt. Es ist bereits Band 5 der Reihe.

Dann ist da noch ein Teil der Ausbeute von der Buchmesse und meiner letzten Bestellung bei Jokers. Das Sachbuch über Fotos auf dem Mac muss ich unbedingt zeitnah lesen, weil ich dem Verlag seit zwei Jahren noch eine Rezension schuldig bin. Bei den Ratgebern von Mandl&Schwarz kann man übrigens nichts falsch machen, die sind alle sehr gut.

Die Graphic Novel über Punks im Osten entdeckte ich durch puren Zufall. Der erste Eindruck ist nicht übel. Zum Glück sind Comics schnell gelesen.

Aktuell arbeite ich den Stapel Bücher von der Buchmesse ab. Das aktuelle Buch von Dirk Bernemann ganz oben auf. Das ist eher was für den Nachtschrank – viele kurze Einzelkapitel, die man schnell vor dem Schlafengehen lesen kann. Den Rest schaffe ich hoffentlich auch irgendwann. Luxusprobleme!

Neues aus der Eastside

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 197 – »Der Dimensionsblock« von Ruben Wickenhäuser

Das Situativ mit Perry Rhodan wird von der MAGELLAN geborgen, leider hat der Protektor keinerlei Erinnerungen mehr daran, wer er ist und wer die Menschen um ihn herum sind.
Derweil ist die AMUNDSEN auf dem Weg zur Eastside. Nach dem letzten Transmitter-Durchgang landet sie schwer beschädigt mitten in einem Trümmerfeld. Ihre ohnehin brenzlige Lage spitzt sich zu, als zwei rivalisierende Verbände der Azaraq (Blues) damit drohen, das Feuer zu eröffnen. Dem Ingenieur Alexander Kaspescu gelingt es die Kommunikation rechtzeitig wieder herzustellen, um ihre Notlage zu signalisieren. Die Azaraq lotsen daraufhin das terranische Schiff aus der Gefahrenzone und setzen ihren Kampf gegeneinander fort.
Mit einem Datenpaket von Faktor I im Gepäck steuert die AMUNDSEN das Ovi-System mit dem Planeten Moloch an. Den Empfänger der Botschaft orten sie auf der GELBSCHLEIER V, einem Seuchenschiff, das die Azaraq vor Jahren leer zurückgelassen haben.
Brent Dargas, Alexander Kapescu und drei Begleiter gehen an Bord. Hier bringt sie eine aggressive Flora in tödliche Gefahr, bevor sie endlich das Datenpaket an Faktor VII und Baar Lun übergeben können, die damit den Dimensionsblock initialisieren können. Er soll das Suprahet hindern auszubrechen, wenn die Transmitterstrecke aktiviert wird.
An Bord der Gelbschleier V befindet sich auch Tharvis Kerrek. Der ehemalige Gatasische Kommandant hat sich hierher zurückgezogen, um seinen Sohn zu betrauern, der einst von Perry Rhodan von der Seuche gerettet worden war. Er wird in die Begegnungen von Menschen und Faktor VII hineingezogen und erfährt nicht nur mehr über die drohende Gefahr für das Universum, sondern auch viel über sich selbst.

Die Länge der Zusammenfassung täuscht. Es scheint in diesem Roman viel zu passieren, doch einen richtigen Handlungsfortschritt enthält er nicht.

Ruben Wickenhäuser gelingt es zwar die handelnden Figuren sehr glaubhaft mit all ihren Sorgen und Nöten darzustellen, dennoch fühlt sich die Geschichte wie eine Wiederholung von Band 196 an. Wieder stehen Kämpfe gegen aggressive Pflanzen im Vordergrund. Warum in dem stillgelegten Schiff sich eine solche Flora überhaupt entwickeln konnte, wird am Ende eher beiläufig erläutert. Ebenso wie und warum Faktor VII und Baar Lun in die Milchstraße gekommen sind. Der Rest ist mit Beschreibungen, Innenansichten und Rückblenden gefüllt. Das liest sich alles etwas mühsam.

Vergebens wartete ich auf das Auftauchen einer Bestie, schließlich geben sie der Staffel ihren Namen. Stattdessen erfahre ich wie es den Azaraq nach der Ausrottung der tödlichen Seuche ergangen ist. Diese Informationen sind durchaus interessant, fühlen sich aber drei Romane vor dem Staffelende irgendwie fehl am Platz an.

Bitte nicht falsch verstehen, Ruben Wickhäuser macht das exzellent. Seine Beschreibungen sind plastisch, die Gedankengänge des Azaraq Kerrek über sein Volk und die Menschen haben viel Tiefgang. Ich halte diesen Roman für den bisher besten Beitrag des Autors für NEO, aber angesichts des bevorstehenden Finales habe ich einfache eine andere Erwartung an die Handlung.

Vieles erschließt sich mir auch auf logischer Ebene nicht. Warum muss das Datenpaket direkt übergeben werden? Hätte es nicht eine Übertragung von Schiff zu Schiff an anderer Stelle auch getan?
Warum betreten Dargas und sein Team das Seuchenschiff in den sichtlich beschädigten unteren Bereichen und nicht gleich auf der Kommandoebene, die unbeschädigt ist? Schließlich sollten sie einen Plan des Schiffes von Perry Rhodans letzten Besuch haben. Warum drehen sie nicht um, als sie die Gefahr erkennen und versuchen woanders anzudocken? In dieser Hinsicht muss ich Kapescu sogar recht geben, der sich genau darüber beschwert.

Überhaupt Kapescu! Der von Madeleine Puljic eingeführte Charakter nervt zwar ein wenig, zeigte aber großes Entwicklungs-Potenzial, dass gerade in einem solchen Roman hätte ausgeschöpft werden können. Stattdessen lässt man ihn einen idiotischen und sinnlosen Tod sterben. Die Anteilnahme und Rührung auf seiner Trauerfeier nehme ich keinem seiner menschlichen Begleiter ab, nicht so, wie sie den Ingenieur erlebt haben.

»Der Dimensionsblock«, so schreiberisch perfekt er auch in seiner Ausführung sein mag, hinterlässt den Eindruck von Bemühtheit. Die Exposé-Autoren versuchen fast schon krampfhaft alle Fäden zusammenzuknüpfen. Die Lockerheit, die die Staffeln in Andromeda und der Eastside ausgezeichnet haben, scheint verloren gegangen. Es bleibt zu hoffen, dass Kai Hirdt und Rüdiger Schäfer in den letzten verbleibenden Romanen vor Band 200 ein wenig mehr Spannung aufkommen lassen.