Christinas Multiversum

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Bewegte Männer

Quelle: rowohlt.de

»Auf deinem Wohnzimmertisch hockt ein nackter Hetero und grunzt.« Diesen Satz habe ich noch heute im Kopf, wenn ich an den Film Der bewegte Mann denke. Das Bild dazu übrigens auch – Til Schweiger im Adamskostüm auf einem Glastisch.

Im Herbst 1994 kam man um den Filmerfolg aus Deutschland nicht Drumherum. Es ist der erste zeitgenössische deutsche Film, den ich in einem Kino gesehen habe. (Die Karl-May-Filme die im Ferienprogramm in den Achtzigern in den DDR-Kinos liefen, stammten aus den Sechzigern.) 1994 steckte ich mitten in der Ausbildung in Oberfranken und weiß noch genau, dass der Film in einem Bayreuther Kino über 29 Wochen lief. Das ist mehr als ein halbes Jahr. Mein Mann hat ähnliche, wenn auch nicht so positive Erinnerungen an den Streifen. Er wartete auf Star Trek – Generations, das im November in die deutschen Kinos kam. Weil aber Der bewegte Mann so erfolgreich war, verschob das Kino in Traunstein Generations um Wochen nach hinten. Schlecht für die Star-Trek-Fans gut für das Publikum von Der bewegte Mann.

Allerdings möchte ich heute nicht über den Film schreiben, sondern über den Comic, der die Vorlage dazu lieferte. Den bekam ich am Freitag in die Hände, als mir die Deutsche Bahn mal wieder eine Stunde extra Zeit am Bahnhof in Bamberg »gönnte«. Aus lauter Verzweiflung, weil sich mein Lesestoff bereits erschöpft hatte, kaufte ich mir kurzerhand die Jubiläumsausgabe von Der bewegte Mann von Ralf König. Ich habe hier bereits über seine Comics Barry Hoden und Raumstation Sehnsucht geschrieben.

Beim Lesen des Jubiläumsbands (1987 war der Comic erschienen) war ich überrascht, wieviel von der Comicvorlage letztendlich im Film landete. Normalerweise lassen sich die Macher von Filmadaptionen mehr Spielraum, hier wurde die Vorlage so gut wie eins zu eins umgesetzt. Zu den Bildern im Comic hatte ich immer die Bilder aus dem Film im Kopf inklusive der Stimmen und Gesichter der Schauspieler. Verrückt!

Der Comic besteht aus zwei Geschichten, die zusammen in den Film eingeflossen sind. Der bewegte Mann und Pretty Baby sind in der Originalfassung abgedruckt. Zusätzlich enthält der Jubiläumsband einige Extras. Unteranderem einen kurzen Comic, der 29 Jahre später spielt und in dem sich die Protagonisten von einst als gealterte Persönlichkeiten wiederbegegnen. Des Weiteren ein Gespräch zwischen Ralf König und Joachim Król, der damals in die Rolle des schwulen Protagonisten Norbert Brommers geschlüpft war. Weiterhin einen Rückblick von Ralf König und einen Artikel von Michael Töteberg über dazu Zustandekommen des Films.

Allein die Extras finde ich ausgesprochen spannend. Aber auch die Geschichte hat nach wie ihren Reiz, obwohl heutzutage der Umgang mit Schwulen und Lesben viel selbstverständlicher ist, als noch in den Achtzigern. Allein daran merkt man dem Comic sein Alter an.

Der mit 270 Seiten umfangreiche Comicband erschien bei rororo und ist überall dort erhältlich, wo es Comics gibt und natürlich auch im Onlinehandel. Was mich angeht sind die 15 EUR jeden Cent wert.

Von 100 auf 182

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 182 – »Festung der Allianz« von Kai Hirdt

Die DOLAN verfolgt die Laurins, die aus dem Sonnensystem geflohen sind. Perry Rhodan, Icho Tolot, Reginald Bull und Autum Legacy fliegen die Festung der Allianz auf dem Planeten Torran-Gar an. Dort experimentiert immer noch der Goldene Pranav Ketar mit den Duplikaten der arkonidischen Imperatoren, um für die Allianz treue und fähige Anführer zu erschaffen. Doch da tauchen seine unsichtbaren Meister (Laurins) auf und verbieten ihm das Experiment fortzusetzen.
Rhodan hadert derweil mit den Erinnerungen, die das Enteron einst von seinem Duplikat an ihn weitergegeben hat. Er möchte die Duplikate der Imperatoren, vor allem aber das von Theta befreien, die noch immer in dem Dorf neben der Festung leben. Mit der plötzlichen Ankunft von mehreren Ringschiffen der Goldenen können sie unbemerkt den Schutzschirm um Torran-Gar durchdringen.
Während sich Rhodan im Dorf erkundigen will, was in den vergangenen zwanzig Jahren geschehen ist, dringen Tolot, Bull und Legacy in die Festung ein. Sie entdecken, dass die Goldenen von den Laurins hierherbestellt wurden, um sie zu töten, weil ihre Körper beginnen zu zerfallen.
Rhodan dagegen wird von den Duplikaten wenig freudig empfangen. Theta wirft ihm Verrat vor, weil er nicht zurückgekehrt ist, um sie zu befreien. Er verspricht ihr, dass er sie jetzt befreien wird, wenn sie ihn informiert, was passiert ist und warum die Goldenen und die Laurins hier sind. Sie geht auf sein Versprechen ein und Rhodan trifft sich mit den Bull, Legacy und Tolot in der Festung, um herauszufinden, wie sie der Allianz schaden können, ohne dass es auf die Menschen zurückfällt.
Pranav Ketar entdeckt Tolot, und versucht ihn daran zu hindern die Schablonen zu zerstören. Doch der Haluter ist cleverer, er verwüstet die Festung, zerstört den Duplikator und die Schablonen. Rhodan befreit mit Bull und Legacy die Duplikate im Dorf, doch die DOLAN weigert sich die Flüchtigen an Bord zu nehmen. Die befreiten Imperatoren nutzen die Ringraumer der Goldenen, um zu fliehen, werden aber zum größten Teil von der Festung abgeschossen.
Die Laurins sprengen die Festung und hüllen sie in ein Feld, dass sie aus der Raumzeit verschwinden lässt. Rhodan und die anderen können gerade noch Tolot an Bord holen und rechtzeitig verschwinden.
An Bord der MAGELLAN macht Eric Leyden das Suprahet für die Degeneration der Goldenen verantwortlich und schlägt vor einen Transfernexus in der Nähe zu untersuchen. Bevor die MAGELLAN das System jedoch verlassen kann, bricht eine große Flotte Laurinschiffe aus dem Hyperraum.

 

82 Bände hat es gebraucht, um die Geschichte um das Rhodan-Duplikat aus Band 100 abzuschließen. Was lange währt, wird endlich gut, heißt es und in der Tat hat die Handlung nicht nur einen Abschluss gefunden, sondern es wurden auch neue Gedankengänge eröffnet, welche die Zukunft der NEO Serie sichern.

Der spannende Auftaktroman der Allianzstaffel findet mit »Festung der Allianz« eine ebenso spannende Fortsetzung. Man spürt das Kai Hirdt in der Materie drin ist. Beinahe spielerisch verknüpft er Geschehnisse aus Band 100 mit Ereignissen aus den nachfolgenden Staffeln. Die Figuren sind wie gewohnt ausdrucksstark und lebhaft. Was mir stets als Leser das Gefühl gibt, mitten im Geschehen zu sein.

Zwar helfen ein paar Zufälle den Protagonisten um Rhodan, den Planeten anzufliegen und auch in die Festung einzudringen. Sie sind jedoch so erklärt, dass sie nicht zu konstruiert wirken. Einzig die Übernahme der Ringschiffe durch die arkonidischen Duplikate nehme ich dem Autor nicht ab. In einer Minute vom Entern bis zum Start in einem Schiff von fünf Kilometer Durchmesser, ist dann doch ein wenig knapp. Da hätte ich den Arkoniden wenigstens fünf Minuten gegönnt.

Der Roman schließt viele Enden die in Band 100 offen geblieben sind, und die mich damals recht unbefriedigt zurückließen. Schön das einiges jetzt beantwortet wurde und die Antworten sogar logisch erscheinen. Zum Beispiel die Supernova, sie wurde verhindert, in dem die Lazan geopfert werden. Diese Lebensformen hatten das Ringschiff Pranav Ketars jahrhundertelang mit Energie versorgt. Zeigt es doch, wie skrupellos die Allianz ihr Ziel verfolgt, was auch immer das sein mag.

Mit »Festung der Allianz« entledigten sich die Expokraten wieder einiger lästiger Überbleibsel aus der Bosch-Ära. Das finde ich gut, verschafft es doch der Serie mehr Freiraum. Ich fürchte nur, dass viele Leser, die erst nach Band 100 eingestiegen sind, sich mit der Handlung schwertun könnten, weil ihnen die notwendigen Zusammenhänge fehlen. Im Großen und Ganzen jedoch hat der Autor die Aufgabe souverän gemeistert. Es gab sogar Stimmen, die vorgeschlagen haben, Kai Hirdt hätte die komplette Staffel schreiben sollen. Bei der Qualität hätte ich auch nichts dagegen, seine Partnerin und die Expokraten vielleicht schon.

Eine Frage schwirrte mir aber die ganze Zeit über im Kopf herum. Hatten Bull und Legacy nicht ein Kind? (Zumindest war sie schwanger.) Was ist daraus geworden und wo ist es jetzt? Keiner der beiden hat während der Mission ein einziges Mal daran gedacht. Das fand ich seltsam.

Der verschollene Mauseschatz

Quelle: Amazon

Torben Kuhlmann hat ein neues Kinderbuch veröffentlicht. Nach »Lindbergh« und »Armstrong« kommt nun »Edison«. Ich habe das Buch am Wochenende in einer Buchhandlung ins Karlsruhe entdeckt und sofort gekauft.

Dabei ist der Titel zunächst verwirrend, denn es geht am Beginn des Buches nicht um den großen Erfinder, sondern um einen Mausejungen, der den geheimen Schatz seines Ururur…großvaters finden möchte, und sich dazu an den Mauseprofessor wendet, der einst zum Mond geflogen ist. Die beiden finden heraus, dass der Schatz auf dem Meeresgrund des Atlantik liegen muss. Um dahin zu kommen, müssen sie einiges an Erfindungsgeist investieren. Aber letztendlich klappt es und sie finden den Schatz, der eine große Überraschung ist.

Die Geschichte ist für kleine und große Kinder gedacht. Sogar Erwachsene wie mich sind bei den wunderschönen Zeichnungen hin und weg. Das Bilderbuch möchte man gar nicht mehr aus der Hand legen. Die vielen lebensechten Zeichnung enthalten viele Details, die man nach und nach entdecken kann. Aber auch die Geschichte ist schön geschrieben und im Gegensatz zu anderen Bilderbüchern werden eben nicht die Bilder erklärt, sondern die Illustrationen sind Teil der Geschichte und vervollständigen den Text.

Ich bin inzwischen großer Fan des Künstlers und habe alle seine Werke im Bücherregal stehen.

»Edison« ist im NordSüd Verlag erschienen und seit 31. August im Buchhandel oder Online erhältlich. Das Buch kostet 22 Euro, von denen sich jeder Cent lohnt.

Geheimnisse eines Mondgehirns

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 181 – »Der Mond ist erst der Anfang« von Kai Hirdt

Perry Rhodan muss sich mal nicht mit höheren Mächten, sondern mit Politikern der Terranischen Union herumschlagen. Der Belgier Sdelo Willem fordert von Rhodan ein striktes Vorgehen gegen die Mondintelligenz NATHAN. Als Rhodan ihn zu einer Besichtigung in die Lunare Basis einläd, kommt es zu einem Angriff von unsichtbaren Außerirdischen (von Willem kurzerhand als Laurins bezeichnet), die scheinbar auch Rhodans Söhne manipulieren.
Auf der Jagd nach den Laurins durchs Sonnensystem holt sich Rhodan Hilfe vom letzten verbliebenen Orristan. Im Kuipergürtel können die unsichtbaren Feinde aufgespürt werden, doch ein Zugriff der Terranischen Flotte geht schief und die Fremden flüchten nach Sedna, einem Kleinstplaneten in der Ortschen Wolke. Dort verbergen sie sich in ihrer Basis unter einem Schutzschirm. Unter dem Druck der TU stellt Rhodan den Laurins ein Ultimatum, entweder sie geben sich zu erkennen oder sie werden vernichtet. Da entern Rhodans Söhne die Basis der Fremden mit einer Spacejet. Dem Protektor bleiben zwei Stunden, um seine Familie zu retten, bevor das Ultimatum abläuft.

Ich glaube, dass ich inzwischen einen Roman von Kai Hirdt identifizieren kann, nur anhand wie der Autor erzählt. »Der Mond ist erst der Anfang« ist ein typisches Beispiel. Die Szenen erreichen im Hirn des Lesers eine fast filmische Präsenz. Das ist spannend, lustig ohne albern zu sein und vor allem enorm lebensecht. Besonders die Figuren sind es, mit denen der Autor zu überzeugen weiß, ob es Eric Leyden mit seinen Macken ist oder die TU-Politiker Willem und Ngata, die man am liebsten in den Hintern treten möchte. Auch das familiäre Umfeld eines Perry Rhodan hat Kai Hirdt gut geschildert, mit den naseweisen Teenagersöhnen, ihrer leidenschaftlichen arkonidischen Mutter oder dem Protektor selbst, der nach den vielen Erlebnissen viel abgeklärter agiert, als in der Borsch-Ära.

Apropos. Mit viel Geschick entledigen sich die Expokraten in diesem Roman auch einiger Altlasten aus den NEO-Romanen bis Band 100. Wie zum Beispiel der Sternenkinder. Eine Entwicklung die ich gutheiße. Das macht das Ganze in Zukunft weniger kompliziert. Überrascht war ich über das Auftauchen der Skorgonen/Laurins, auf die Atlan bereits in Band 143 trifft. Ebenfalls ein Roman, der von Kai Hirdt verfasst wurde. Die Auflösung am Ende, das NATHAN womöglich alles nur inszeniert hat, um sich der Laurins zu entledigen, war interessant und macht neugierig auf die Absichten des Mondgehirns.

Wissenschaftliche Korrektheit ist dagegen nicht unbedingt die Stärke des Autors. Bei einigen Aktionen im Roman musste ich mehr als einmal tief durchatmen. Da gehen hin und wieder dann doch die Pferde mit ihm durch. Wett macht er das allerdings mit einem rasanten Plot, bei dem einem kaum Zeit zum Überlegen bleibt. Der Roman ist nicht nur vollgepackt mit einer wendungsreichen Handlung, sondern auch mit jeder Menge faszinierender Dialoge. Besonders bemerkenswert das Gespräch zwischen Willem und Rhodan, als der Politiker die Situation mit Rhodans Befehlsverweigerung nach der Entdeckung des Arkonidenschiffes zu Beginn der Serie vergleicht.

Mit »Der Mond ist erst der Anfang« ist Kai Hirdt der ideale Einstieg in die neue Staffel geglückt, was vom genialen Titelbild von Dirk Schulz umrahmt wird. Sehr schön!

Manische Roboter und Humor aus dem Jahr 222.221

Quelle: Amazon

Ich bin skeptisch, wenn ich von Selfpublishern angeschrieben werde, die um eine Rezension ihrer Romane bitten. Oftmals sind die Texte so unterirdisch, dass ich das E-Book schnell zur Seite lege und in den Mantel des Schweigens hülle. Eine Bewertung solcher Texte ist schwierig und man kann als Rezensent eigentlich nur ins Fettnäpfchen treten. Zu viel Kritik und man wird vom Autor oder der Autorin angegangen, zu viel Lobhudelei würde Betrug am Leser bedeuten.

Das es unter Selfpublishern viele herausragende Autoren gibt, hat nicht zuletzt Madeleine Puljic mit ihrem preisgekrönten Roman »Noras Welten« bewiesen. Zudem kenne ich inzwischen mehrere Autoren, die als Selfpublisher nicht nur erfolgreich im Geschäft sind, sondern auch ihr Handwerk verstehen.

André Nagerski ist einer dieser Selfpublisher, der mich mit seinem Roman »Roboter weinen heimlich« überzeugen konnte. Der studierte Kommunikationswissenschaftler hat mit seinem ersten Science-Fiction-Roman eine vergnügliche Variation des Genres geschaffen, das sich durchaus an Douglas Adams messen kann. Dabei ist die Geschichte um vier Freunde vom Planeten Bop, die ihrer trostlosen Welt entfliehen und sich ins Abenteuer Weltall stürzen, eher simpel. Es mangelt dem Roman ein wenig an Wendungen, aber auch an Spannung. Das ziellose Vorgehen der Protagonisten ist nicht jedermanns Sache. Diese Schwäche macht der Autor durch originelle Ideen und viel Humor wett. Die vielen Anspielungen aufzuzählen, die im Text versteckt sind, ist eigentlich unmöglich. Die originellste Idee war für mich die Speisekarte, die aus dem Speichel des Gastes die passenden Speisen errechnete. Aber auch bei den Namen von Erfindungen, Planeten und Begriffen ist die rheinische Frohnatur des Autors zu spüren.

Was dem Roman leider fehlt, ist der Feinschliff durch einen Lektor. Denn da wechseln die Erzählperspektiven mitten im Kapitel. Hin und wieder stimmen die sprachlichen Details nicht (Fäuste kann man nicht ballen, höchstens Hände. Eine Faust ist quasi schon geballt.) Auch die zusammenbrechenden Spannungsbögen und die manchmal nicht korrekte Verwendung der Zeitformen, sind in diesem Fall aber nur kosmetische Schönheitsfehler, die mein Lesevergnügen nicht schmälerten. (Nun, je nachdem wie pingelig man als Leser ist.) Auch das der Autor die Geschichte oftmals auktorial erzählt, störte mich am Roman nicht, weil er den Leser direkt anspricht.

Mein Fazit: Humor ist schwierig zu schreiben und Humor in der Science Fiction fast noch schwieriger. Allein das nötigt mir vollen Respekt ab. Das André Nagerski die Herausforderung angepackt hat und mit viel Witz und Leichtigkeit zu Papier bringt, sollte honoriert werden. »Roboter weinen heimlich« ist der erste Band einer Trilogie. Band zwei ist bereits erschienen und wird von mir sicher auch gelesen werden. Toll finde ich auch das kunterbunte Cover, das die Geschichte gut illustriert.

»Roboter weinen heimlich« ist als E-Book und Taschenbuch auf Amazon erhältlich. 115 Seiten die sich lohnen.

Irreführende Titelgebung

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 180 – »Das Suprahet erwacht« von Rüdiger Schäfer

In Zusammenarbeit mit den Blues gelingt es der Beibootflotte der MAGELLAN die AVENDANA-NAU vom Kreell zu befreien. Die erweckten Memeter steuern das Schiff in den Orbit um Impos. Doch dann lässt eine Energielanze das Schiff mit den 11 Milliarden Menschen wie einen Ballon bersten. Während Perry Rhodan wie gelähmt zusieht, beordert Conrad Deringhouse alle fliegenden Einheiten los, um abgesprengte Schlafzapfen mit Überlebenden zu bergen. Plötzlich taucht Tuire Sitareh in der Zentrale auf und fordert Rhodan auf mit ihm zu kommen. Es werden zwei »Zeitträger« benötigt, um die Anlage auf Impos zu reparieren.
Sie materialisieren gemeinsam im Uterus, der Schaltzentrale, in der sich auch Tolot, Leyden und Tim Schablonski aufhalten. Sitareh erklärt, dass die Zerstörung der Arche, wie Rhodan sie gerade erlebt hat, nur eine Möglichkeit von vielen ist. Die Raumzeit im Ovi-System ist zersplittert und nichts verläuft mehr linear. Ehe sie loslegen können, hat Rhodan eine Vision. Er befindet sich plötzlich in jenem Terrania ohne Himmel, in dem er vor Jahren mit Agaior Thoton gekämpft hat. Dort trifft er auf ein Mädchen mit dem Namen Nathalie. Noch während er sich fragt, ob ES ihm eine Reinkarnation seiner Tochter geschickt hat, wird das Mädchen schwächer und stirbt.
Anschließend wird er von dem Ort wieder fortgerissen und erleidet Höllenqualen. Da endlich erklärt ihm ES, dass ANDROS ist ein Wesen aus Crea- und Einsteinuniversum ist. Beide Entitäten leiden ständig unter jenen Qualen, die Rhodan zuvor erlebt hat. ANDROS versucht schon seit Jahrmillionen mittels der Allianz jede Zivilisation daran zu hindern, den Riss zu schließen. Denn er glaubt, dass mit dem Suprahet eine Umgebung geschaffen werden kann, in der er ohne Schmerzen existieren kann. ES denkt aber, dass sich ANDROS irrt und das Suprahet eine Gefahr für das Leben an sich ist, welches sie unbedingt schützen will. ES schickt Rhodan zurück, mit dem Wissen, wie er die Maschine auf Impos aktivieren kann. Tatsächlich sind im Uterus nur wenigen Sekunden vergangen, als er zurückkehrt und er schnappt sich Tuire und fliegt mit ihm in den Strudel, der sich oberhalb des Uterus bewegt. Dort tauchen sie buchstäblich in eine Steuereinheit ein, innerhalb derer Rhodan und Sitareh rapide altern. Bevor er zu sterben glaubt, begreift Rhodan, dass ihre Zellaktivatoren dazu dienen, die Maschine zu synchronisieren.
Perry Rhodan erwacht an Bord der DOLAN. Das Suprahet wurde schlafen gelegt, die hyperphysikalischen Auswirkungen im System sind verschwunden und die AVENDANA-NAU ist wohlbehalten im Weltraum angekommen. Die Memeter erklären sich bereit, die Arche ins Sol-System zurückzubringen und auch die schädliche Sonnenstrahlung zu beseitigen, damit die Menschen die Erde wieder besiedeln können.
Im Sonnensystem angekommen wird Rhodan von NATHAN kontaktiert. Die Mondintelligenz beteuert, dass sie das Wohl der Menschen im Sinn hat. Rhodan bleibt skeptisch, ebenso wie Administrator Ngata. Die Memeter halten ihr Versprechen und »heilen« die Sonne, die Menschen werden nach und nach aufgeweckt und die Erde wieder besiedelt. Kurz vor dem Ende der Aktion kontaktiert NATHAN Rhodan erneut. Er sagt, dass die Memeter ein falsches Spiel spielen und 100.000 Menschen zurückhalten. Rhodan spricht die Memeter darauf an, und fordert die Menschen zurück. Da versuchen sie zu fliehen, obwohl noch fünf Millionen Menschen an Bord sind. NATHAN bietet Rhodan an, er könne das Schiff zurückholen, wenn er es ihm befielt. Ngata ist dagegen und wirft dem Protektor Insubordination vor, als der auf NATHANS Angebot eingeht. Nur mittels Erpressung geben die Memeter die letzten Menschen heraus und verschwinden dann mitsamt der AVENDANA-NAU.
Zurück am Goshun-See bei seiner Familie, fragt Rhodan die Mondintelligenz, woher sie kommt. NATHAN antwortet ausweichend und meint, dass ES vielleicht dafür verantwortlich ist. 

»Das Suprahet erwacht« ist eigentlich zwei Romane in einem und hier kommen wir auch gleich zu dem Punkt, der mich massiv stört. Die Fülle an Informationen sorgt dafür, dass Rüdiger Schäfer die Titelgebende Handlung im Schnellverfahren abwickelt. Im Grunde genommen, ist die Überschrift fast schon irreführend. Denn letztendlich erwacht das Suprahet nicht wirklich, im Gegenteil, es wird schlafen gelegt. Eric Leyden spricht von einem Koma. Jedenfalls ist die Handlung rund um das Suprahet in der Mitte des Romans beendet. Was folgt, hätte mindestens einen weiteren Roman füllen können, zu dem vielleicht der Titel »Die Heimkehr« gepasst hätte.

Das soll nicht heißen, dass die Handlung nicht spannend und die philosophischen Auseinandersetzung der Protagonisten nicht berührend gewesen wäre. Rüdiger Schäfer gesteht seinen Helden einen enormen Tiefgang zu. Er lässt Perry Rhodan über Leben und Verantwortung reflektieren wie kein zweiter Autor im Team und dafür zolle ich ihm großen Respekt. Nur hatte er meiner Meinung nach das Timing des Romans beziehungsweise der Staffel nicht so richtig im Griff.

Rhodans Begegnung mit ES und sein aufopfernder Einsatz im Uterus scheitern an der Erzählgeschwindigkeit und dem Zeitmangel. Ich hätte mir als Lösung mehr gewünscht, als nur ein Gespräch mit ES, eine rapide Alterung des Zellaktivatorträgers und dessen Bewusstseinsverlust. Als Rhodan auf der DOLAN erwacht, dachte ich: Wie jetzt, das war’s? Es fühlte sich für mich an, als seien dem Autor am Ende die Ideen ausgegangen oder als habe ihm die Zeit gefehlt, sie ausführlicher darzustellen. Dabei hätte es noch so viel zu erzählen gegeben. Beispielsweise über die Namensgeber der Staffel – die Blues. Sie spielen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. So wäre ein Einsatz des Seuchenschiffes bei der Rettung der Menschen von der AVENDANA-NAU denkbar gewesen. Man hätte die Handlung auf der MAGELLAN parallel bis zum Ende des Romans fortsetzen können, und den Leser bis zum Schluss im Glauben gelassen, dass die Menschheit verloren ist. Dann wäre Rhodans erfolgreiche Mission auf Impos, und das alles nur eine parallele Realität war, einem Hammer gleichgekommen.

Der zweite Teil des Romans leidet zudem darunter, dass Rüdiger Schäfer mehr beschreibt, als zeigt. Den Spruch »Show don’t tell« bekam ich als Hobbyautorin in den vergangenen Jahren so oft um die Ohren gehauen, dass mir das wahrscheinlich eher auffällt, als Lesern die nicht selbst schreiben. Viele der Geschehnisse hätte ich gern miterlebt, als sie mir vom Autor berichten zu lassen. Die mehrwöchige Heimreise der MAGELLAN wird im Schnelldurchlauf abgehandelt. Da kann selbst die rührend inszenierte Gedenkzeremonie und das tiefsinnige Gespräch mit Belle McGraw nicht darüber hinwegtäuschen. Rhodans Ankunft im heimischen Sonnensystem, seine Begegnung mit NATHAN und die Wiederbesiedlung der Erde sind wie im Zeitraffer geschrieben. Die Tatsache, wie viele wunderbare Geschichten man da hätte erzählen können, tut mir fast körperlich weh. Denn normalerweise bin ich ein großer Fan von Rüdiger Schäfers Werken.

Beim Finale der Blues-Staffel zeigt sich, dass die Beschränkung auf zehn Romane pro Staffel der Handlung auch schaden kann. Im Nachhinein wäre es sinnvoller gewesen, die ersten beiden Romane der Staffel zusammenzufassen, oder einen Roman weniger auf Impos spielen zu lassen. Um sich dafür Zeit und Platz genug fürs Finale zu geben. Über das Schicksal vieler Nebenfiguren wie dem Blues Jeppafrom oder dem Memeter Oxford erfährt man zum Beispiel gar nichts.

Zumindest liefert Rüdiger Schäfer mit NEO-Band 180 viele Erklärungen, unteranderem die, warum die Hornschreckwürmer wieder aktiv sind, oder was sich hinter dem kosmischen Schachspiel zwischen ES und ANDROS verbirgt. Das ist lesenswert und reißt so einiges heraus. Auch die Andeutungen zu Rhodans Tochter Nathalie gefielen mir gut. Ich habe eine Vermutung wohin das Ganze führen wird – Nathalie/NATHAN – die Ähnlichkeit kommt sicher nicht von ungefähr.

»Das Suprahet erwacht« ist ein Abschlussband, der ein Feuerwerk an Informationen abbrennt, das aber leider in ebensolcher Geschwindigkeit verpufft und einen, zumindest bei mir, unbefriedigenden Eindruck hinterlässt. Wie viel Potential dabei verloren geht, darüber möchte ich gar nicht nachdenken. Schade!

Kinderbücher damals und heute

Ein Geschichte zwei Fassungen

Zu den Büchern, die mich durch meine Kindheit begleitet haben, gehört die Geschichte vom kleinen Kater Schnurr.

Das kleine Heft war schon ziemlich zerfleddert, als ich es bekommen haben muss. An das wie und wo kann ich mich nicht erinnern. Ich schätze, das es in den späten Fünfzigern oder frühen Sechzigern gedruckt wurde und etwa Ende der Siebzigerjahre in meinen Besitz kam. Es fehlt der Einband und die letzte Seite, außerdem ist von der ursprünglichen Heftbindung nicht mehr viel übrig, weshalb die Seiten durch Tesafilm zusammengehalten werden. Weil ich immer sehr sorgfältig mit meinen Büchern umgegangen bin, können die Schäden nicht von mir sein. Nichtsdestotrotz gehörte das Buch wegen der schönen Zeichnungen und der netten Geschichte zu meinen Lieblingsbüchern. Ich habe sie so oft gelesen oder mir vorlesen lassen, dass ich den Wortlaut noch immer zu großen Teilen im Kopf habe.

Dieser Tage nun entdeckte ich beim Edeka um die Ecke in einer Kiste mit Pixibüchern, jenes Büchlein was mir als Kind so viel Freude bereitet hat. Ich nahm es natürlich sofort mit, wartete ich doch seit Ewigkeiten darauf, wie die Geschichte endet. (Mir fehlte ja eine Seite.)

Dann aber die Ernüchterung. Der Text in dem Buch hatte mit dem Text, den ich in Erinnerung hatte, nicht mehr viel gemein. Die, wie ein Märchen erzählte Geschichte, war ersetzt worden, durch einfache, teils primitive Sätze und banale Dialoge. War die Geschichte in der ursprünglichen Version noch im Präteritum, so ist sie in der modernen Fassung im Präsens verfasst. Auch der Umfang des Textes ist um gut die Hälfte gekürzt worden. Das Vokabular hat so schöne Worte wie Plage, schelten, wonnig oder ungezogen eingebüßt. Dafür tauchten Worte auf, wie Schlot und Galgenstrick.

Für bedenklich halte ich, dass der Text eigentlich nur noch eine Beschreibung der Illustrationen liefert und nicht mehr das erzählt, was zwischen den Bildern geschieht. Die schöne Geschichte um den ungezogenen Kater, der nur Unsinn im Kopf hat und der nicht in die Schule gehen will, hat somit ihren einstigen Zauber verloren.

Sicher gibt es Passagen, die heutzutage Problematisch sein können, nämlich dann, wenn Fräulein Mimi die Lehrerin »böse« wird und sich Schnurr »in die Ecke stellen« muss. Aber das könnte man feinfühliger ändern und nicht schreiben: Schnurr sei zu dumm zum Lernen. Denn das vermittelt Kindern den Eindruck, dass man durch Lernen nicht klug werden kann. Was nicht nur Blödsinn und sondern sogar völlig falsch ist.

Ich weiß nicht, welche pädagogischen Gründe die Verantwortlichen im Carlsen Verlag dazu veranlasste, die Geschichte vom kleinen Kater Schnurr derartig zu verhunzen, dass sie kaum noch wiederzuerkennen ist, sondern auch noch fragwürdige Formulierungen enthält, die ich meinen Kindern (wenn ich welche hätte) nicht vermitteln würde.

Im Reiche des Kublai

Quelle: droemer-knauer.de

Es gibt Bücher, an die wird man sich immer erinnern. Man wird wissen wo und wann man sie gelesen hat. Das Buch, das mich die vergangenen drei Wochen begleitet hat, ist eines dieser Bücher. Ich versank jeden Tag in einer wunderbar erzählten Geschichte. Oliver Plaschka nahm mich nicht nur mit auf eine Reise ans Ende der Welt, sondern auch fast 800 Jahre in die Vergangenheit.

Die Reisen Marco Polos durchs ferne Asien sind ebenso bekannt, wie umstritten. Ist dieser venezianische Kaufmann tatsächlich nach China gereist und diente am Hofe von Kublai Khan, dem Enkel Dschingis Khans? Oder war er nur ein Lügner, ein Geschichtenerzähler, der nach Anerkennung und Geld heischte? Dass ein Mensch zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich von Venedig nach China und zurückgereist sein kann, daran zweifelt inzwischen keiner mehr. Was Marco Polo tatsächlich dort erlebt hat, darüber haben wir nur sein Wort. Es existiert ein Manuskript in französischer Sprache, das sein Mitgefangener Rustichello da Pisa in den Jahren 1298-1299 anfertigte. Genau diese Begebenheit nutzt Oliver Plaschka als Aufhänger für seinen Roman. Das Zusammentreffen Marco Polos mit dem Literaten und Geschichtenerzähler in einem Gefängnis in Genua bildet Grundlage und Rahmen von »Marco Polo – Bis ans Ende der Welt«.

Der Venezianer erzählt Rustichello aus seinem Leben und von seiner Reise. Oliver Plaschka lässt in diesem Handlungsstrang Rustichello bis zum Ende immer wieder zweifeln, ob das, was ihm erzählt wird, auch der Wahrheit entspricht. Das halte ich, gerade wegen den bis heute bestehenden Zweifeln, für eine grandios Idee, er unterstreicht damit gleichzeitig die Glaubwürdigkeit seines Romans. Denn ohne Zweifel hat Oliver Plaschka den Roman auf einem Grundgerüst aus Fakten geschaffen. Es ist erstaunlich wie viel des Inhalts aus tatsächlichen Vorkommnissen bestehen. Seien es die Beschreibungen der Orte und Landschaften auf dem Weg nach Osten, oder die Kultur der Völker, die im Buch beschrieben werden. Mit großer Akribie hat der Autor Informationen zusammengetragen und mit eigenen Interpretationen zu einer spannenden Geschichte verwoben.

Der Roman lebt von diesen Beschreibungen und besonders von den Figuren. Jeder Charakter hat einen eigenen Hintergrund und trägt dazu bei, mich als Leser für Stunden zu fesseln. Die Figur des Marco steht dabei im Vordergrund und man erlebt, wie er sich von dem Jungen aus Venedig, zum Stadthalter des Kahn bis hin zu dem gebrochenen Mann im Gefängnis entwickelt. Man leidet mit ihm. Die Verwicklungen und Täuschungen, die der Autor eingebaut hat, machen das Buch spannend wie einen Krimi.

Trotz der 850 Seiten wünscht man sich stellenweise, dass der Roman nie zu Ende ginge. Denn die Wunder die Marco beschreibt und die Leiden, die er und Rustichello erfahren, berührten mich so tief, dass bei mir nicht nur einmal die Tränen kullerten. Obwohl der Roman sehr ruhig und harmonisch geschrieben ist, hält Oliver Plaschka gleichermaßen die Spannung, indem er die Handlung um Marcos Abenteuer pausieren, bzw. Gedanken und Erzählungen anderer Personen einfließen lässt.

Ich habe in der Vergangenheit viele historische Romane gelesen. Die Bestseller von Ken Follett habe ich geradezu verschlungen. »Marco Polo – Bis ans Ende der Welt« steht denen in Nichts nach. Es ist ein historischer Roman, der viel Faktenwissen vermittelt und dazu die wunderbare und glaubhafte Geschichte eines Menschen erzählt, der den Mut hat, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Eine Charaktereigenschaft, die ich heute bei vielen meiner Mitmenschen vermisse. Reiseberichte, selbst historischer Natur, öffnen Augen und Herzen und sollten viel mehr Aufmerksamkeit erfahren. Genauso wie dieser Roman. Ich wünsche mir für den PERRY RHODAN NEO-Autor, dass sein erster historischer Roman viele Leser findet, die dessen Bedeutung erkennen und die Arbeit des Autors zu würdigen wissen. Weil jede Seite dieses Buches es wert ist, gelesen zu werden.

»Marco Polo – Bis ans Ende der Welt« erschien 2017 bei Droemer-Knauer und ist im Buchhandel und bei den einschlägigen Onlinehändlern erhältlich.

Doku zu Liebe im Roman

Quelle: Arte.tv

Eine Dokumentation, die vergangene Woche auf ARTE lief, stellt das Genre Liebesroman vor. Dabei kommen sowohl Autoren und Autorinnen zu Wort, als auch Verleger, Lektoren, Blogger und Fotografen. Es wird gleichermaßen über den Liebesroman im Heftformat und in Buchform berichtet. Dabei beeindrucken nicht nur die schieren Zahlen, sondern vor allem die Details des Geschäfts.

Fünf Tage braucht eine Autorin für einen Heftroman, zzgl. zwei Tage fürs Exposé und Überarbeitung. Eine, zumindest für mich, unvorstellbare kurze Zeitspanne. Die erfolgreiche irische Romanautorin Cecilia Ahern berichtet, wie sie von Januar bis Mai schreibt und anschließend bis September überarbeitet, so dass der Roman im Herbst fertig ist, und das Jahr für Jahr. Beeindruckend ist ebenfalls der Blick ins Archiv von Bastei-Lübbe, in dem Heftromane aus mehr als 50 Jahren lagern.

Die Programmleiterin vom Cora-Verlag erläutert den ungebrochenen Erfolg von Liebesromanen, der von vielen Frauen auch als Flucht aus dem Alltagsleben genutzt wird. Eine Autorin gibt Einblick wie ein Liebesroman funktioniert und liefert mit einem Blick auf die Hamburger Alster aus dem Stegreif einen Romanplot. Auch wenn dem Liebesroman ein negatives Image anhaftet, findet er seit Jahren sein Publikum. Woran man sieht, dass es in der Literatur für jeden Geschmack eine Nische gibt. Die Professionalität mit der die Liebesromane produziert werden, steht der anderer Genreliteratur oder gar der so genannten Hochliteratur in nichts nach. Im Gegenteil, vielleicht ist die Qualität manch eines Trivialromans sogar höher. Die Arbeit und Mühe von Redaktion, Lektorat und Autor sind zumindest gleich aufwändig.

Nach »Perry Rhodan – Unser Mann im All« ist dem Regisseur André Schäfer mit »Herzensbrecher« eine weitere hervorragende Dokumentation zur Genreliteratur gelungen. Zum Erfolg beigetragen hat PERRY RHODAN-Autor Hartmut Kasper – den Perrylesern besser unter dem Namen Wim Vandemaan bekannt. Ich fand die Dokumentation aufschlussreich und unterhaltsam. Sie liefert Einblicke in einen Geschäftsbereich der Literatur, der von vielen belächelt wird, über dem man aber kaum etwas weiß. Es war an der Zeit, dass zu ändern.

Den Trailer zur Dokumentation kann man sich auf ARTE.de ansehen.

Schormscher Smalltalk

Quell: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 179 – »Seuchenschiff der Azaraq« von Rainer Schorm

Rhodan kehrt mit der Flotte der Apasos in das Ovi-System zurück und sieht sich dort mit einer Flotte von Gatasern konfrontiert, sondern auch den drohenden Zusammenbruch der Raumzeit. Zu allem Überfluss holen die Gataser-Blues auch noch ein Seuchenschiff ins System. Als Rhodan erfährt, dass auf dem Schiff der Sohn des gatasischen Flottenchefs an Choroba nemoc erkrankt ist, bricht er mit den Medizinern Tifflor, Sud sowie Gucky und dem Tetra Jeppafrom auf, um den jungen Gataser zu behandeln. Damit kann ein Blutvergießen zwischen den Apasos, den Gatasern und den Menschen verhindert werden.
Tuire Sitareh und Tim Schablonski suchen in den Katakomben von Impos nach der Zentrale der memetischen Maschine, um den drohenden Raumzeit-Zusammenbruch aufzuhalten und das Erwachen der supraheterodynamischen Existenz zu verhindern. Doch dazu benötigen sie den Darojib, den der Aulore an Bord der MAGELLAN zurückgelassen hat.
Derweil versuchen Icho Tolot und Erik Leyden zusammen mit dem Memeter Oxford die memetische Besatzung der AVENDANA-NAU zu wecken. Da taucht erneut der Wächter auf und erklärt ihnen, dass ihnen kaum noch Zeit bleibt, das Schiff zu reaktivieren. Weil die Raumzeitstörungen zu entarten beginnen, fordert er sie auf, den Darojib per memetischen Halbraumtransmitter an Tuire zu schicken.

Nach dem furiosen NEO von Kai Hirdt hatte ich mich sehr auf den Roman von Rainer Schorm gefreut. Auch weil der Autor mich mit seinen Romanen aus diesem und dem letzten Zyklus begeistern konnte. In »Das Seuchenschiff der Azaraq« fällt er aber leider in alte Gewohnheiten zurück. Mal davon abgesehen, das der Roman zu Beginn einen echten Schnitzer beinhaltet, erschlägt er mich durch viel zu viele metaphysische Ausführungen.

Besonders im Handlungsstrang um Sitareh und Schablonski schöpft er aus dem Vollen. Nur um eines klarzustellen: Ich mag physikalischen Exkursionen und ich habe auch kein Problem damit, wenn es technisch wird, so lange es nachvollziehbar bleibt. Aber was Rainer Schorm in diesem Roman versucht, ist einfach zu viel des Guten. Da werden Begriffe und Sachverhalte miteinander vermengt, die … sagen wir mal, nur bedingt verständlich sind. Das hört sich teilweise wie großer Hokuspokus an, aber nicht wie der ernsthafte Versuch einer Erläuterung. Sorry, aber für mich ist das zu weit weg. Das klingt zu sehr nach PERRY RHODAN-Erstauflage. Wenn ich so etwas lesen wollte, würde ich Erstauflage lesen und nicht NEO. Ich mag NEO gerade wegen seiner Bodenständigkeit und dem Versuch echte physikalische Erkenntnisse in den Geschichten zu verarbeiten. Solange eine gewisse Logik dahinter steckt, bin ich gern bereit, mich über die Schwelle der realen Physik hinaustragen zu lassen. In diesem Roman geht der Autor aber meines Erachtens zu weit, vor allem weil er viele Dinge nur anreißt, ohne sie einer intensiveren Betrachtung zu würdigen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Anschlussfehler aus einem der vorangegangenen Romane. Da tauchen plötzlich wieder Hornschreckwürmer auf, obwohl diese Gefahr in Band 177 gebannt worden war. Dabei haben sie keinerlei relevanten Handlungszweck, außer die Macht der Schiffsintelligenz der AVENDANA-NAU zu demonstrieren und durch den Energieverlust des Schiffs auch die Spannung für den Leser zu erhöhen. Ein vermeidbarer Fehler, weil das einfacher hätte gezeigt werden können, zum Beispiel durch die zusammenbrechende Statik des Schiffes.

Dieses Mal stört mich auch das ständige Geplänkel zwischen den Figuren, besonders zwischen Sitareh und Schablonski, bzw. Tolot und Leyden. Die Wortgefechte tragen oft nur wenig zur Handlung bei. Bei manchem fragte ich mich zudem nach dem Sinn. Weshalb ich der Besprechung auch den Titel »Schormscher Smalltalk« gegeben habe. Das hat er in den vergangenen Romanen deutlich besser im Griff gehabt.

Gelungen ist der Handlungsstrang um Rhodan auf dem Seuchenschiff. Das ist in der Tat emotional bewegend geschrieben und der Autor hat sich in dem Fall mit dem Geplänkel zurückgehalten. Mein Highlight sind die kurzen Logbucheinträge des Arztes auf dem Seuchenschiff. Davon hätte ich gern mehr gelesen.

Im vorletzten Roman der Blues-Staffel werden die Figuren vor dem großen Finale in Stellung gebracht. Das ist durchaus spannend, wenn man von den metaphysischen Erklärungsversuchen absieht, mit dem der Autor die Seiten füllt. Mir war klar, dass es schwierig werden wird, eine glaubhafte Auflösung des Konfliktes und der Rettung der Arche zu finden. Meine Befürchtung, dass an dieser Stelle wieder Deus ex machina-Lösungen herhalten müssen, scheint sich zu bestätigen. So sehe ich dem Finale der Staffel eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Zumindest erahne ich, wie Perry Rhodan die elf Milliarden Menschen von Impos wegbringen wird.

»Das Seuchenschiff der Azaraq« ist keineswegs langweilig. Es bringt die Staffelhandlung voran und wirft einen sehr emotionalen Blick auf Krankheit und Leiden. Erkaufen muss sich der Leser die schönen Seiten im zweiten Teil des Buchs mit viel Technobabble und einem ärgerlichen Fehler am Anfang. In diesem Fall leider kein Meisterwerk von Rainer Schorm.