Zurück im Herzen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 237 – »Das Omnitische Herz« von Kai Hirdt

Die CREST II erreicht Almonidra, das Zentrum des Compariats. Mittels eines wagemutigen Manövers gelangt Perry Rhodan mit einer kleine Gruppe, darunter Gucky und Omar Hawk auf Jad-Kantraja, die Raumstation der Omniten. Diese wird seit Monaten von aufständigen Shafakk belagert, die sich zu den neuen Herrschern im Compariat aufschwingen wollen. Die Lage auf der Station ist entsprechend desolat, vor allem weil sich die Omniten heimlich zurückgezogen und die Situation ihren überforderten Untertanen überlassen haben.
Merkosh braucht aber die Unterstützung der Omniten, um geheilt zu werden. Er muss den Zugang zum Gadenhimmel finden, der sich auf Jad-Kentraja befinden soll. Bingdu und Rhodan setzen alles daran, jemanden von der Stationsführung zu kontaktieren. Doch das erweist sich als schwierig, denn auf der Station ist längst jeder sich selbst der nächste. Sie können weder den Sicherheitskräften, noch den Pilgern, noch den Casino-Betreibern vertrauen. Außerdem plant eine Gruppe hoffnungsloser Pilger den Untergang der Station und platziert Bomben an strategisch wichtigen Orten, die von Rhodan und seinen Begleitern entschärft werden können.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich ein Shafakk auf der Station herumtreibt, um das Herz eines Omniten zu erobern. Bei einem Angriff von ihm wird Bingdu schwerverletzt. Dumm nur, das auch die Stationsärzte Geld für eine Behandlung wollen. So bleibt den Terranern nur die Möglichkeit Geld in den Casinos zu erspielen. Zum Glück haben sie mit Ronald Tekener den gewieftesten Spieler der Solaren Union dabei.
Schließlich schaffen sie es, bis zu den geheimen Räumen der Herrscher vorzudringen, doch die Omniten sind verschwunden und der Zugang zum Gadenhimmel deaktiviert. Nur eine Medokapsel ist übrig geblieben, in die man Merkosh legen kann, um ihn zu stabilisieren. 
Als es den Pilgern gelingt, die Energiequelle der Station abzuschalten, bricht der Schutzschirm zusammen und die Shafakk entern die Station. Die schwarzen Mausbiber hinterlassen ein Blutbad unter Bewohnern und Pilgern.
Rhodan gelingt in letzter Minute die Flucht auf die CREST II. Doch auch das Schiff der Terraner wird von den Shafakk gnadenlos gejagt. Um den Verfolgern zu entkommen, gibt es nur einen Ausweg: sie müssen in eines der Schwarzen Löcher fliegen, die Almonidra umkreisen. Sie sind Transportwege zum Gadenhimmel und die Medokapsel mit Merkosh ist der Schlüssel dazu.

Er ist zurück. Ich hatte kaum noch daran geglaubt, dass der »Überallzugleichschreiber«, Kai Hirdt, noch einmal in der NEO-Serie zum Einsatz kommt. Und ich gebe zu, ich habe das Kopfkino, dass seine Romane immer bei mir auslösen, tatsächlich vermisst. Die Geschichte, die der Autor erzählt, ist nicht nur ungemein komplex – wie man an der Handlungszusammenfassung sehen kann – sie ist auch unheimlich packend. Ich hatte den Roman in wenigen Stunden durch.

Er schafft es seine Charakter auf eine spielerische Weise agieren zu lassen, die völlig natürlich wirkt. So stellt er den getäuschten Stationskommandeur Troduun genauso glaubhaft dar wie den Shafakk Worrik Rhenn, der die Station infiltriert, um Ehre zu gewinnen. Sie wechseln mehrfach die Seiten und kämpfen an verschiedenen Fronten, um am Ende für das Gute zu sterben. Bei beiden Figuren konnte ich als Leser genauso mitfühlen, wie mit Perry Rhodan, Ronald Tekener oder Omar Hawk.

Kai Hirdt vermag inzwischen unheimlich komplexe Plots zu schaffen, bei denen man durch viele Wendungen überrascht wird. Das macht seine Geschichten spannend. Da sieht man über die eine oder andere kleine Unebenheit gern hinweg, weil das große Ganze überzeugt.

Wie schon im vorangegangenen Roman ist auch dieses Mal Gucky wieder im Übermaß im Einsatz. Eigentlich agiert der Kleine mehr als Taxiservice, als dass er seine Fähigkeiten Handlungsbestimmend einsetzen darf. (Er beschwert sich im Roman sogar selbst darüber.) Das hätte man schöner lösen können. Denn es steht eigentlich im Widerspruch zu der Figur, wie sie in NEO aufgebaut worden ist, nämlich das seine Parakräfte eher eingeschränkt verfügbar sind. Ich hätte mir stattdessen gewünscht, den Okrill Watson mehr in Aktion zu sehen.

Worüber ich die Stirn gerunzelt habe, war der Couhl. Da haben Perry Rhodan und die Besatzung der CREST II der Bevölkerung eines ganzen Planeten das stabilisierende Element weggenommen, um die Blockade durch die Shafakk zu durchbrechen, weil es angeblich die einzigste Option war. Und als es dann soweit ist, funktioniert die Mumie nicht mehr, weil man sie dummerweise einer zerstörerischen Hyperstrahlung ausgesetzt hat. Wie jetzt? Sind die Wissenschaftler an Bord der CREST II wirklich so blöd? Und warum ist Rhodan nicht schon zwei Romane zuvor auf die Idee gekommen, den Durchbruch zu Jad-Kentraja mittels eines Kleinstraumschiffes zu wagen?

Mit »Das Omnitische Herz« hat sich Kai Hirdt als NEO-Autor zurück in mein Herz geschrieben. Er erzählt eine lebendige Geschichte mit vielen geschickten Wendungen nicht nur im Plot, sondern auch bei den Charakteren. Sehr schön!

Biblischer Antityp

Nach »Prototyp« und »Archetyp« hab ich jetzt auch den »Antityp« gelesen. In der Comicreihe von Ralf König geht es um biblische Typen wie Adam, Noah und im letzten Band um Saulus, der zum Paulus wurde.

Königs Protagonisten sind schwierig, eigentlich sind es böse und durchgeknallte Typen, denen Gott eine Aufgabe aufzwingt, damit sie sich ändern. Bei Paulus ist es die, die Geschichte Jesus in die Welt zu tragen. Dabei muss er sich anfangs gegen seine jüdischen Mitmenschen durchsetzen, was ihm nicht wirklich gelingt. Später sind es die Griechen, die er missionieren möchte. Doch die Lebenslust und der freizügige Lebensstil, sowie die griechische Philosophie machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

In anzüglichen Bildern beschreibt Ralf König die Reise des Apostels nach Athen. Da gibt es nackte Knaben, die es mit athletischen und behaarten Männern treiben, Tunten als Reiseführer und Philosophen, die über den Tod referieren.

Der Comic ist textlastiger als die Vorgängerbände. Aber die Reime und die unzähligen Zitate aus der Bibel und von Philosophen wie Seneca, sind stimmig und treffsicher platziert. Ich hab mich jedenfalls köstlich amüsiert.

Die Trilogie ist hintergründige Unterhaltung nicht nur für Männer, die Männer lieben, sondern für alle, die sich kritisch mit Kirche und Religion auseinandersetzen wollen.

Eine KI und ihr Ei

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 236 – »Das Ei der Loower« von Lucy Guth

Den Shafakk gerade rechtzeitig entkommen, gehen die Menschen auf der CREST II einem Notruf nach. Sie befreien ein fremdes Raumschiff, dass im Sog eines schwarzen Lochs gefangen ist.
Eine Expedition ins Innere der DONDERVAND entdeckt, dass nur noch die KI des Schiffes »am Leben« ist. Die Besatzung der Loower ist schon seit 100.000 Jahren tot. Obwohl die KI die Menschen für Eindringlinge hält, lässt sie sich von ihnen helfen. Auch dann noch, als sie die eigentliche Mission des Schiffes entdecken. Sie braucht ihre Hilfe, um die wertvolle Fracht, ein frisch geschlüpfter Loower, zu »erziehen«.
Gucky scheint dazu der perfekte Lehrer zu sein, auch wenn er nach wie vor unter den Auswirkungen der Psychostrahlung leidet, die man gegen die Shafakk eingesetzt hat. Letztere stöbern die CREST II wieder auf und greifen an. Die CREST II versucht zusammen mit der DONDERVAND den Raumschiffen der Shafakk zu entkommen, während Gucky den kleinen Loower zur Vernunft bringt.
Und dann ist da noch die fremde Lebensform, die bei der Rettung der DONDERVAND aus dem Ereignishorizont des schwarzen Lochs herausgerissen wurde. Das Wesen muss zurückgeschickt werden, bevor es implodiert und beide Schiffe ins Verderben reißt.

Es ist eine spannende Geschichte die Lucy Guth hier erzählt. Viele Dinge passieren gleichzeitig und man bekommt die Ereignisse aus der Perspektive von vier Personen erzählt. Das liest sich schnell und flüssig. Bemerkenswert sind die Diskussionen zwischen SENECA, der Schiffsintelligenz der CREST II, und der KI des Loowerschiffs.

Sehr schön fand ich, dass sich die Autorin viel Zeit genommen hat, um die Untersuchung des unbekannten Schiffes zu beschreiben. Ohnehin wird in diesem Roman wenig gekämpft und stattdessen viel entdeckt, sowohl in der Realität, als auch im Psychischen. Die Raumschlacht mit den Shafakk hätte am Ende nicht sein müssen, dass war definitiv zu viel des Guten. Denn die Skrupellosigkeit, mit der die Menschen unter dem Kommando von Thora gegen die Gegner vorgeht, war für einen NEO-Roman überraschend untypisch. Ich denke, da wird sich Thora von ihrem Mann eine ziemlich Standpauke anhören müssen.

Ich fragte mich nur die ganze Zeit, warum man die CRISTOBAL nicht ausschleust, die Shafakk-Schiffe damit von der CREST II (und damit auch von Gucky) weglockt, um dann die Psychowaffe gegen die Shafakk einzusetzen, so lange wie die Rettungsmission auf der DONDERVAND dauert. So weit kann der Einfluss der Strahlung auf Gucky nicht reichen.

Überhaupt. Guckys Fähigkeiten wurden dieses Mal eindeutig überstrapaziert. Lag der Ilt zu Beginn des Geschehens noch im Sterben, erholt er sich unglaublich schnell und teleportiert später gefühlt hundert Mal die Crew der CREST II zwischen den beiden Schiffen hin und her. Dass er mit seinen telepathischen Fähigkeiten dem Loower-Kind am besten helfen kann, habe ich geschluckt. Es wäre dennoch glaubwürdiger gewesen, wenn er zumindest das eine verletzte Besatzungsmitglied nicht per Teleportation hätte retten können.

Die Nebenhandlung um die Entität aus dem schwarzen Loch hat mir fast besser gefallen, als die um den kleinen Loower. Mit Donna Stetson schaffte die Autorin eine besondere Figur, die es so noch nicht in der Serie gab. Stetson ist als Autistin angelegt und ich finde, das Lucy Guth sie ziemlich glaubhaft agieren lässt. Was Donnas Chef und ihren Kollegen angeht: schön zu lesen, dass es auch im Jahr 2090 noch Arschlöcher gibt. Die einzigen Kritikpunkte, die ich anmerken kann, dass die Nebenhandlung etwas aufgesetzt wirkte. So richtig verzahnt schien sie mit dem Rest der Handlung nicht zu sein. Außerdem haben sich hier einige Anschlussfehler eingeschlichen. Stetson und ihre beiden Kollegen sind im hydropanischen Garten der DONDERVAND eingesperrt. Am Ende des 23. Kapitel bestätigt Stetsons Chef, dass die Quarantäne von der KI aufgehoben wurde und die DONDERVAND in die CREST II eingeschleust wird. In Kapitel 28 weiß er plötzlich nichts mehr davon. Außerdem kommt lange Zeit keiner der Außenstehenden auf die Idee, die drei Vermissten zu suchen. Es stellt sich auch die Frage, warum die KI der DONDERVAND das Wesen nicht selbst aufgehalten hat?

Bemerkenswert an der Handlung des Romans ist, wie hier Details aus der ganz frühen Seriengeschichte verknüpft werden. Ernst Ellert und die STERNENWIND, ebenfalls ein Schiff der Loower, werden erwähnt. Omar Hawk stellt fest, dass er bei seiner Odyssee durch die Zeitbrunnen ebenfalls auf einem solchen Schiff gewesen sein muss. Ich bin mir sicher, dass wir nicht zum letzten Mal von den Loowern gehört haben.

»Das Ei der Loower« bietet eine fesselnde Geschichte, in der fast zu viel passiert. Über viele Ereignisse wird schnell hinweggegangen, obwohl sie einer näheren Betrachtung würdig gewesen wären. Die Schlacht der Shafakk wird mit fragwürdigen Mitteln gewonnen, die die moralische Integrität der Menschen durchaus in Fragen stellen könnte. Gucky agiert zu übermächtig und einige Anschlussfehler trüben den Lesespaß. Ansonsten war das ein solider Roman der Autorin, deren Einzelbeiträge mir inzwischen fast besser gefallen, als ihre Romane in Zusammenarbeit mit Michelle Stern.

Genial finde ich übrigens das Cover von Dirk Schulz. Da hat er sich mal wieder selbst übertroffen.

Von Sleekern und Mausbibern

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 235 – »Das Mausbibergrab« von Ben Calvin Hary

Um an den kriegerischen Shafakk vorbeizukommen, fliegt die CREST II das Heimatsystem der schwarzen Mausbiber an. Auf dem Heimatplaneten sorgt eine psionische Strahlung dafür, dass die Shafakk lethargisch und »zahm« agieren. Der Omnit Bingdu verspricht Perry Rhodan, dass er die Psi-Quelle duplizieren kann, damit die CREST II endlich ins Omnitische Herz vorstoßen kann.
Nach der Landung der des Raumschiffes auf dem Heimatplaneten der Mausbiber, bricht Perry Rhodan mit Omar Hawk, Gucky und Cameron Canary auf, die geheimnisvolle Psi-Quelle zu finden. Unterwegs treffen sie einen jungen Ilt und seine Mutter, die auf der Suche nach dem Ursprung ihres Volkes sind. Es soll sich im geheimnisvollen Tross befinden, einem Turm, der auch das Ziel von Rhodan ist. Doch das Bauwerk wird nicht nur von trägen Shafakk belagert, sondern auch von bewaffneten Drohnen beschützt. Die Mutter des jungen Ilt stirbt bei einem Angriff und wird von Gucky und den Terranern begraben.
Im Tross treffen Rhodan und seine Begleiter einen alten Freund wieder. Woggrill der Sleeker, sorgt im Auftrag des obersten Shafakk dafür, dass die schwarzen Mausbiber die Geschichte ihres Volkes erfahren. Woggrill hilft den Terranern, die Psi-Quelle zu finden und zu stehlen. Da Bingdu die Strahlung nicht kopieren kann, müssen sie den Couhl, eine 300.000 Jahre alte Mausbibermumie mit sich nehmen. Nur mit ihrer Hilfe kann die CREST II der Raumschiffflotte der erwachenden Shafakk entkommen.
In einer Nebengeschichte versucht die terranische Biologin, Danielle Pyme, hinter das Geheimnis des Okrill Watson zu kommen und erlebt dabei mehr als eine Niederlage.

Als ich das Manuskript zu diesem Roman Testgelesen habe, hatte die Sagittarius-Staffel noch nicht einmal begonnen. Ich hatte also einen ziemlichen Wissensvorsprung. Doch im Gegensatz zum letzten Mal, verspürte ich keinerlei Anschlussprobleme. Ich habe lange überlegt, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für die Staffelhandlung ist. Schlecht in dem Sinne, dass der Handlungsfortschritt zu gering ist, gut deshalb, weil die Handlung besser verzahnt ist. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden. Fest steht, dass mich der Roman weit mehr überzeugen konnte, als die ersten Bände der Staffel. Band 234 mal ausgenommen, aber der trägt nicht zur Staffelhandlung bei.

Der Autor hat mich gut unterhalten, sowohl mit der Geschichte um die Mausbiber, als auch über die Biologin und ihre Probleme mit dem Okrill. Er hat die Figuren gut getroffen, selbst der so schwierig zu schreibende Sleeker Woggrill konnte mich überzeugen. Das einzige, was ich nicht gut fand (das hatte ich bereits beim Testlesen im Manuskript angemerkt), ist die Tatsache, dass Perry Rhodan den Couhl einfach mitnimmt, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken. Bei »Star Trek« würde man das als schweren Verstoß gegen die Oberste Direktive ahnden. Denn der Eingriff in die Bevölkerungsentwicklung des Planeten ist schwerwiegend. Die Shafakk, die durch die Psi-Strahlung, bisher besänftigt waren, werden den Ilts, die dort leben, wahrscheinlich den Gar ausmachen. Das ist eigentlich unverantwortlich und kann nicht im Sinne eines moralisch handelnden Perry Rhodan sein.

Zwar steht dem die Bedrohung durch das Dunkelleben gegenüber, einer Gefahr, die nicht nur die Völker der Milchstraße auslöschen könnte, sondern das ganze Universum in Gefahr bringt. Aber er denkt noch nicht einmal darüber nach, er hadert nichtmal mit dem Gedanken, dass er damit einen Teil der Planetenzivilisation zum Tode verurteilt. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Widerstand gewünscht, auch von Seiten Guckys. Der hat durch den Besuch auf dem Planeten erfahren, dass seine Parafähigkeiten offensichtlich angeboren sind. Außerdem liegt ihm der junge Ilt am Herzen. Der heißt übrigens Tscham-Pi, wird von Gucky aber »Jumpy« genannt. Leser der Erstauflage wissen, dass Guckys Sohn Jumpy hieß.

Das Abenteuer um »Das Mausbibergrab« ist unterhaltend geschrieben, mit vielen Wendungen, auch der Einsatz des Okrill kommt erfrischend rüber. Nur Perry Rhodans Entscheidung, einem Volk ein lebenswichtiges Artefakt zu stehlen, um die eigenen Interessen durchzusetzen, finde ich moralisch höchst fragwürdig. Denn es kann dazu führen, dass aus dem Planeten bald ein einziges großes Mausbibergrab wird. Wie das grandiose Cover von Dirk Schulz bereits andeutet.

SF-Geschichten zu künstlicher Intelligenz

Quelle: plan9-Verlag.de

Sie liegt schon daheim auf dem Tisch, die Kurzgeschichtensammlung über künstliche Intelligenz. Herausgeber Klaus N. Frick hat hochkarätige Autoren dafür gewinnen können, unteranderem Andreas Eschbach. Ein paar Autoren kenne ich von den Seminaren in Wolfenbüttel. Gelesen habe ich das Buch noch nicht, außer einer Geschichte. Die gibt es bei TOR-Online, quasi als Kostprobe.

Sie stammt von Carsten Schmitt, den ich gut kenne. Wir trafen uns schon bei einigen Seminaren an der BA. Dass seine Geschichte das Aushängeschild für die Anthologie ausgewählt wurde, freut mich. Sie ist allerdings auch großartig geschrieben, sehr berührend und wirft ein völlig neues Licht auf die Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz bietet.

Also, wer mal herein schnuppern möchte, dem empfehle ich die Kurzgeschichte »Wagners Stimme« von Carsten Schmitt. Einfach mal reinlesen.

Die vollständige Sammlung werde ich demnächst hier besprechen, zuerst ist der NEO von Ben Calvin Hary dran.

Die Ältern und andere Erwachsenen

Quelle: Amazon

Mit »Antonio im Wunderland« hat Jan Weiler vor mehr als zehn Jahren meine Aufmerksamkeit gewonnen. Zuvor hatte er mit »Maria ihm schmeckt‘s nicht« den großen Erfolg gelandet. Ich fand beide Romane großartig und besitze zu den Büchern auch die Hörbücher, die von Jan Weiler persönlich höchst unterhaltsam vertont wurden.

Mit »Das Pubertier« legte er einen weiteren Bestseller auf, der wie die Romane zuvor verfilmt wurde. Sogar zweimal als Serie und als Kinofilm. Es folgten weitere Bücher über sein Leben und das seiner Familie, sie kamen aber nicht an seine ersten Werke heran.

Im August erschien mit »Die Ältern« eine Fortsetzung der Pubertierreihe. In den kurzen Geschichten geht es ums loslassen, wenn sich die Sprösslinge so langsam aus dem Leben der Eltern verabschieden. Gewohnt witzig kommentiert der Autor die Lebenssituationen innerhalb der Familie. Man erlebt mit, wie sie vom Land in die Stadt zurückziehen und getrennte WGs bewohnen. Die Mutter mit der Tochter und der Vater mit dem Sohn. Ob da eine familiäre Krise dahintersteckt, darüber kann man nur spekulieren. Das Buch muss ja nicht die wahre Geschichte erzählen, obwohl sich die Begebenheiten echt anfühlen.

Als Gute-Nacht-Lektüre kann ich das Büchlein empfehlen. Es ist nicht groß und auch nicht zu umfangreich. Ob der Preis von fast 15 Euro gerechtfertigt ist … nun, das mag jeder für sich selbst entscheiden.

Ein NEO außer der Reihe

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 234 – »Die Himalaya-Bombe« von Rüdiger Schäfer

Liduuri-Expertin Hannah Stein wird von ihrer ehemaligen Studienbekanntschaft Thomas Rhodan-da Zoltral aus ihrem beschaulichen Leben gerissen. Die Otto-Normalbürgerin aus Köln soll in geheimer Mission versuchen, eine Bombe der Liduuri zu entschärfen, welche die Chinesen im Himalaya entdeckt und versehentlich aktiviert haben.
Was folgt, ist eine abenteuerliche Expedition in eine Liduuri-Station, die Hannah in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen bringt. Rhodans Söhne, Reginald Bulls Töchter und eine Angehörige des Chinesischen Geheimdienstes versuchen Hannah vor allen Gefahren zu schützen, was ihnen aber nur bedingt gelingt. Denn die Stationspositronik findet Gefallen am Intellekt der Wissenschaftlerin. Die ist jedoch von der Situation völlig überfordert.
Wird es Hannah gelingen, die Positronik zu überreden, die Bombe zu entschärfen und den Tod von 15 Milliarden ahnungslosen Menschen zu verhindern?  Hannahs heimliche Zuneigung zu Thomas Rhodan macht die Sache nicht unbedingt einfacher. 

Einen Roman zu schreiben, den auch jemand lesen kann, der PERRY RHODAN NEO nicht kennt – nichts weniger als das wünschte sich die Redaktion vom Exposéautor. Das dem Autor dies gelungen ist, steht außer Frage. Rüdiger Schäfer kann aus dem Vollen schöpfen und seine Stärken ausspielen. Die liegen in der Charakterisierung und dem Zusammenspiel der Figuren. Kein anderer NEO-Autor – außer vielleicht Oliver Plaschka – bekommt das so gut hin wie Rüdiger Schäfer.

Seine Hannah Stein ist lebensnah beschrieben, voller Schwächen und so wunderbar normal, dass ich mich gut in sie hineinversetzen kann. So manche Szene aus Hannahs Leben hat man selbst schon Mal erlebt, hat die gleichen Gedanken gehegt und ähnlich Empfindungen gefühlt. Die zarte Bindung zwischen ihr und Thomas Rhodan fühlt sich gut und echt an. Manch hartgesottenem Perryfan werden das vielleicht zu viele Emotionen sein. Ich dagegen schwelgte und verheulte eine ganze Packung Taschentücher.

Quelle: Perrypedia

Darüberhinaus ist die Geschichte spannend geschildert und wartet mit einer überraschenden Lösung auf. Eine Positronik mit Bewusstseinsspaltung – auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Das ist zudem sehr logisch und nachvollziehbar erklärt. Fakten aus den vorangegangenen Staffeln werden an dieser Stelle schön zusammengeführt. Dem Gelegenheitsleser wird das nicht auffallen. Den NEO-Fan freut es, mit welchem Engagement der Autor versucht, die Fäden aus mehr als zweihundert Bänden zu verknüpfen.

Es ist genau die Art von Romanen, die ich bei NEO gern lese und für die ich die Serie so schätze. Da werden keine Raumschlachten geführt, keine kosmischen Verwicklungen beschrieben, sondern bodenständig vom Leben auf der Erde einer nahen Zukunft erzählt. Wenn auch das Leben dort nicht so perfekt klingt, wie man das von positiven Utopien, wie zum Beispiel von Star Trek, gewöhnt ist, erscheint es mir realistisch, wie sich der Autor die Zukunft vorgestellt hat. Wobei ich schwer hoffe, dass die männliche Dominanz in Gremien und Unis bis dahin verschwunden sein wird und Gesundheitssysteme nicht mehr nach dem Einkommen von Patienten unterscheiden.

Allerdings hat mich ein Gedanke beim Lesen des Romans nicht losgelassen, nämlich die Frage: Warum kontaktiert Reginald Bull oder die Administratorin nicht Atlan bzw. Mirona Thetin? Gibt es keinen Botschafter mehr in Andromeda? Sind die beiden nicht ohnehin noch in der Milchstrasse unterwegs? Mal davon abgesehen, dass sie für das Problem wahrscheinlich keine Lösung parat gehabt hätten, wäre eine kurze Andeutung, ob oder warum das nicht in Erwägung gezogen wurde, ganz schön gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

»Die Himalaya-Bombe« ist ein lesenswerter Roman und zwar nicht nur für NEO-Leser, sondern auch für jene, die sich nicht mit PERRY RHODAN NEO auskennen. Mir hat er so gut gefallen, dass ich ihn sicher, noch ein zweites Mal lesen werde. Mein Dank richtete sich an den PERRY RHODAN-Redakteur für die Idee und an den Autor für die perfekte Umsetzung.

Der Roman erschien mit zwei unterschiedlichen Covern. Wobei das von Köln nur in einer begrenzten Auflage und zu einem höheren Preis im Online-Shop von PERRY RHODAN zur Verfügung steht.

Odyssee eines Oxtorners

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 233 – »Der Oxtorner« von Rainer Schorm

Auf ihrem Weg ins Ominitische Herz, im Zentrum der Galaxis, wird die CREST II von einem Gammablitz gestreift. Das Schiff bleibt in der sehr aktiven Gegend bei Sagitarius A West, um die Schäden zu beheben. Doch ungewöhnliche Vorgänge in den Bereichen um die Fusionsmeiler deuten darauf hin, dass etwas Fremdes an Bord gekommen ist. Zudem scheint die Schiffspositronik SENECA den Eindringling vor der Besatzung verbergen zu wollen.
Omar Hawk wird von einem Einsatz auf Imart abberufen. Er soll auf Plophos nach Iratio Hondro sehen. Da das System nach wie vor abgeriegelt ist, soll er auf NATHANs Geheiß durch den Zeitbrunnen dorthin gelangen. Eine Passage, die ein normaler Mensch nicht überleben würde. Doch der Oxtorner zeichnet sich durch eine besonders robuste Körperstatur aus, die ihn nicht nur einen, sondern am Ende seiner Odyssee sogar vier Durchgänge überleben lässt.
Unterwegs zum Zeitbrunnen auf Oxtorn im System Cor Caroli, gabelt er einen Okrill auf. Der sieht in Hawk seinen neuen Freund und folgt ihm unerkannt auf seiner Reise. Auf der CREST II richtet der Okrill bei der Futtersuche dann aber erheblichen Schaden an.

Dass Rainer Schorm ein guten Händchen für Frösche besitzt, hat er bewiesen. Man denke nur an Dr. Brömmers Frosch-KI. Ein Okrill ist zumindest froschähnlich, da kann quasi nichts schiefgehen. Den Begleiter von Omar Hawk den Namen »Watson« zu geben, war in der PERRY RHODAN-Redaktion umstritten. Die Expokraten setzten sich jedoch durch, wie ich finde, zurecht. Zum einen erkennen die reinen NEO-Leser die Bedeutung des Okrill und langjährige Perryfans haben an dem Namenswechsel eine zusätzliche Freude. Omar Hawk und sein Okrill »Sherlock« waren in der Erstauflage zu ihrer Zeit wichtige Handlungsträger. Es war zu erwarten, dass sie irgendwann in NEO auftauchen würden. Dem Autor gelingt es, die beiden so zu charakterisieren, dass man sie wieder erkennt, sie aber dennoch Alleinstellungsmerkmale für die NEO-Serie erhalten.

Der für den Staffelfortgang relativ handlungsarme Roman, enthält einige bemerkenswerte Zusammenhänge. Die Kolonie Oxtorn wurde von NATHAN ohne Wissen der Menschheit gegründet. Iratio Hondro ist nach wie vor aktiv und versucht offensichtlich mittels einer Planetenmaschine, die Entität Tahit »aufzuwecken«. Es existieren kleine Zeitbrunnen auf Schiffen. Auf der CREST II konnte NATHAN eine solche »Zeitpfütze« einbauen, ebenfalls ohne dass die Terraner etwas davon mitbekommen haben. Wir besuchen Handlungsorte aus vergangenen Staffeln, wie Kahalo und die SONNENWIND. Aber wir erfahren auch, dass im Compariat so etwas wie ein Wurmloch-Transportsystem existiert, dass mit den Zeitbrunnen gekoppelt ist und ins Omnitische Herz führt. Was auch immer letzteres sein mag.

Es stellen sich mir viele Fragen: Wie kann das Mondgehirn eine Kolonie gründen, ohne dass irgendein Mensch davon erfährt? Woher hat es die Menschen rekrutiert, um sie genetisch zu verändern? Offensichtlich müssen diese Menschen von der Erde oder anderen Kolonien verschwunden sein, wenn sie nach Oxtorn gingen. Warum wurden sie von ihren Angehörigen nicht vermisst? Wie hat NATHAN die Leute nach Cor Caroli geschafft, mit Posbiraumschiffen? Und haben die Posbis die Menschen genetisch verändert, damit sie in den extremen Bedingungen des Planeten überleben können? Schließlich haben sie mit der Besatzung der BRONCO reichlich Erfahrungen sammeln können. Leibnitz, der die Zeitpfütze auf der CREST II installiert, scheint ein ähnliches Schicksal zu teilen. Bei der Größe des Schiffs kann ich mir gut vorstellen, das sie bisher unentdeckt geblieben ist, zumal die Installation von SENECA gedeckt wird. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Besatzung der Positronik wirklich trauen sollte. Außerdem habe ich so meine Probleme damit, dass ich nicht durchschaue, wie diese Zeitbrunnen funktionieren. Wie steuert man, wo man hin will? Und wie verhindert man, dass man in der falschen Zeit landet? Offensichtlich ist es ja möglich, eine Passage zu steuern. Mirona Thetin hat das in Band 116 und 133 schon mal gemacht. Ohne passende Erklärung wirkt es auf mich, als würde alles von einer fremden Macht ferngesteuert. Das allerdings, fände ich als finale Erklärung zu banal. Da hätte ich gern etwas Stichhaltigeres.

Stilistisch fielen mir, besonders zu Anfang, die vielen Fremdwörter und technische Beschreibungen auf. Die Dialoge sind zwar gewohnt witzig, kommen mir aber häufig wie Smalltalk vor. Da ist mitunter wenig Substanz enthalten. Auffällig ist besonders Gucky, der noch frecher wirkt wie sonst, so als hätte die Figur etwas zu kompensieren. Ach ja, in der E-Book-Variante des Romans gibt es zwei Kapitel mit der identischen Überschrift »Die letzte Etappe«, das ist irritierend.

Auf eine physikalische Ungereimtheit bin ich gestoßen. Als Omar Hawk im Vakum landet, schreibt der Autor, das Hawk lange die Luft anhalten kann. Nun ist es so, dass wegen der Druckunterschiede die Lunge platzen würde, hielte man die Luft an. Ausatmen und alle Luft aus dem Körper lassen, wäre an dieser Stelle erstrebenswerter, wenn man keine größeren Schäden davontragen will, als ohnehin schon. Ansonsten hat der Autor das ziemlich stimmig erklärt. Auch die Sache mit dem langsamen Erfrieren, weil kein Medium vorhanden ist, dass die Wärme schnell ableitet.

»Der Oxtorner« ist sicher nicht der stärkste Roman von Rainer Schorm, aber ein guter Charakterroman, der mit viel astronomischen Wissen gespickt ist. Besonders freut mich, dass sich eine meiner Vermutungen bestätigt hat. Das Tier in dem abgestürzten Mehandor-Frachter (Band 215) war ein Okrill. Yep!

Köln im Jahr 2090

Quelle: Perrypedia

… so lautet das Thema des aktuellen NEO-Romans, der heute erschienen ist. Rüdiger Schäfer schrieb den Roman über eine Bewohnerin der Rheinmetropole im Jahr 2090. Die Geschichte richtet sich inhaltlich weniger an die Fans, sondern an Leser, die gern mal in die Serie PERRY RHODAN NEO reinschnuppern möchten.

Das ungewöhnliche, der Roman erscheint mit einer Innenillustration und zwei unterschiedlichen Covern. Die Ausgabe mit dem Variantcover auf dem der Kölner Dom abgebildet ist, gibt es nur in Köln oder im Online-Shop auf der PERRY RHODAN Homepage zukaufen.

Quelle: Perrypedia

Ich muss gestehen, ich habe den Roman noch nicht von meinem Abo-Account heruntergeladen. Ich stecke noch im Vorgängerroman fest. Aber ich freue mich schon darauf, zu lesen, wie sich Rüdiger Schäfer Köln im Jahr 2090 vorstellt.

Ben Calvin Hary hat zusammen mit dem Autor Köln einen Besuch abgestattet und ein Video gedreht. Zu sehen ist es im YouTube Kanal der PERRY RHODAN Redaktion.

Bahn und Politik – der Weg in den Untergang

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Am Wochenende zeigte sich die Deutsche Bahn mal wieder von ihrer »besten« Seite. Na, ja, eigentlich eher von ihrer normalen Seite. Am Freitag fehlte in München der zweite Zugteil des ICEs. Sprich, es wurde kuschelig in den Wagons. Wobei es noch ging. Es stand keiner und neben mir war noch ein freier Platz, wie bei den meisten anderen Plätzen auch. Insofern, wäre dass unter normalen Umständen kein Grund zum Nörgeln gewesen. In Zeiten einer Pandemie ist das jedoch nicht so super. Zumindest kam ich pünktlich an und musste nicht länger als nötig mit Maske im Zug sitzen. Nach sechs Stunden tun einem dann doch irgendwie die Ohren weh und die Nase kribbelt.

Am Montag hatte mein ICE in Nürnberg 45 Minuten Verspätung. Das perfide, er wurde anschließend über Treuchtlingen umgeleitet, ohne das dies publik gemacht wurde. Hätte ich kein Smartphone, hätte ich nicht erfahren, dass der Zug mehr als eineinhalb Stunden später in München ist. Erst durch meine Nachfrage beim Zugbegleiter in der Regionalbahn erfuhr ich davon. Selbst die Zugbegleiter des ICEs, die am Bahnsteig in Nürnberg warteten, hatten keine Ahnung. Einer guckte wenigstens nach und siehe da. Wegen einer technischen Störung am Zug, durfte der nicht über die Hochgeschwindigkeitsstrecke fahren. (Warum, kann man gut in dem nachfolgend besprochenen Buch nachlesen.) Ich habe dann in Nürnberg einen anderen ICE genommen, damit ich nur eine halbe und keine ganze Stunde Verspätung an meinem Zielbahnhof hatte.

Dafür hatte ich die passenden Lektüre dabei, die ich auf beiden Fahrten sogar komplett gelesen habe. Der Journalist Arno Luik rechnet in seinem Buch »Schaden in der Oberleitung« mit der Deutschen Bahn ab. Seit mehr als einem Jahrzehnt recherchiert er zu den Vorgängen innerhalb der Bahn AG, zu den Versäumnissen der Politik und den Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Deutschland. Für seine Recherche über Stuttgart 21 wurde er sogar ausgezeichnet. Sein Buch setzt sich aus Interviews mit Beteiligten, Prüfberichten von unabhängigen Instituten und teils geheimen Unterlagen zusammen.

Es ist deprimierend, schockierend und empörend, worüber er schreibt. Vieles ist so unfassbar, dass man das Buch ab und zu mal zuschlagen muss, um die Informationen zu verdauen. Ängstliche Zeitgenossen/innen könnten nach dem Lesen den Wunsch verspüren, nie wieder mit der Bahn zu fahren. Selbst mir als langjährige krisenerprobte Bahnfahrerin ist es zeitweise vergangen. Man möchte sich fast aus dem Zugfenster stürzen, bei so viel krimineller Unvernunft.

Ein großer Teil des Buches ist dem Prestigeprojekt Stuttgart 21 gewidmet. Ich habe davon vieles nur am Rande mitbekommen durch die Medien, bzw. bei einem Blick in die Baugrube vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Die erschreckenden Details des Projektes, die von Arno Luik offenbart werden, haben mir aber die Haare zu Berge stehen lassen: Da soll ein Kopfbahnhof in die Tiefe gelegt und zu einem Durchgangsbahnhof gemacht werden. Soweit so gut, das haben die Wiener auch hinbekommen. Aber das Ganze findet in einer geologisch höchst ungünstigen Region statt. Unterhalb von Stuttgart gibt es große Vorkommen an unter Druck stehendem Mineralwasser, das nur durch eine Schicht aus Mergel und Gips vom Grundwasser getrennt ist. Das Gestein neigt dazu sich in Wasser aufzulösen und Hohlräume zu bilden, wenn Wasser eindringt. Dort einen Tunnel zu bohren ist an sich schon Wahnsinn, einen ganzen Bahnhof unterirdisch anzulegen erst recht, von den Kosten mal ganz zu schweigen. Dann hat dieser Bahnhof eine so starke Neigung, das abgestellte Koffer und Kinderwagen ins Rollen kommen, wenn niemand sie festhält. Die stehenden Züge sollten über gute Feststellbremsen verfügen.
Weiter: 
Die Fluchtwege die nach oben führen, sind nicht behindertengerecht. Es gibt erhebliche Mängel beim Brandschutz, die Tunnel sind viel zu eng, die Feinstaubbelastung liegt weit über den Grenzwerten und so weiter. Das sind aber nur die Nebensächlichkeiten. Das Hauptproblem ist, dass nicht alle Züge den Bahnhof benutzen dürfen, weil herkömmliche Signalanlagen fehlen (kein Platz) und die digitale Technik nicht in jeden Zug eingebaut werden kann bzw. nicht überall zuverlässig funktioniert. Der Bahnhof in Stuttgart wird dadurch 20 Prozent weniger Kapazität haben als jetzt. Es werden also weniger Züge fahren, weniger Pendler umsteigen können und es wird sich dadurch mehr Verkehr auf die Straße verlagern.

Die Kosten des Umbaus waren ursprünglich bei 4,5 Milliarden Euro gedeckelt. Diese Schallmauer wurde längst durchbrochen, inzwischen gehen die Experten von acht bis zehn Milliarden aus. Alles zum Großteil aus Steuergeldern. Man nimmt also sehr viel Geld in die Hand, um etwas Funktionierendes zu verschlechtern. Dieses Muster ist übrigens bei allen Großprojekten der Bahn seit 1994 zu erkennen. Die Projekte haben irrsinnig viel Geld verschlungen, den Bahnkunden aber nichts gebracht. Im Gegenteil, viele Menschen wurden vom Fernbahnnetz abgeschnitten, es wurde Umwelt zerstört und durch die Bauarbeiten das Klima geschädigt.

Wer sich jetzt wundert, warum das passieren konnte, werfe einen Blick in den Vorstand bei der Bahn AG und ihren Töchtern. Die Manager dort haben zuvor bei Banken, im Investment oder bei Bau- und Automobilfirmen gearbeitet, kein einziger war bei der Bahn. Denen geht es gar nicht darum in Deutschland Menschen von A nach B zu bringen. Die investieren im Ausland in dubiose Projekte und Firmen, die ihnen ein Klotz am Bein sind und den Gewinn auffressen.

Wäre die Deutsche Bahn kein staatliches Unternehmen, wäre sie schon längst pleite und zerschlagen. Doch da der Staat jedes Jahr Geld hineinpumpt, geht es immer so weiter, bis auch der letzte Bahnhof abgehängt, die letzte Strecke stillgelegt und der letzte Zug abgefahren ist. Traurig! Besonders perfide, die Bahn verkauft massenhaft ihre Grundstücke. Grundstücke die dem Staat gehören, die sechs Generationen an Steuerzahlern aufgebaut haben.

Unsere lieben Politiker machen da mit, weil ihnen die Autoindustrie am Herzen liegt, weil sie an einer Verkehrswende nicht interessiert sind. Stattdessen lassen sie sich von der vierten Macht im Lande (den Medien) feiern, wenn mal wieder ein neues Großprojekt der Bahn eingeweiht wird. Eines, dass sich Monate später als unwirtschaftlich und unnötig herausstellt.

»Schaden in der Oberleitung« wirft nicht nur einen Blick auf die verqueren Abläufe innerhalb des Bahnkonzerns, sondern auch einen Blick auf die Politik in Deutschland, auf die Mauscheleien in einem Staat, der sich demokratisch nennt, in dem Politiker aber allesamt Marionetten der Industrie sind, in der Neoliberalismus und Turbokapitalismus die Richtung bestimmen, in dem Menschen nur noch Stückgut sind. Man reist nicht mehr mit der Bahn, sondern man wird von ihr transportiert.

Ich empfehle die Lektüre allen Bahnfahrern und all denjenigen, die immer noch daran glauben, dass unsere Regierung nur das Beste für uns will.

»Schaden in der Oberleitung« von Arno Luik erschien 2019 bei Westend.

Wolfenbüttel 2020

An diesem Wochenende fand das Schreibseminar zum phantastischen Roman an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. Nachdem im Mai das Seminar coronabedingt abgesagt werden musste, war das aktuelle Seminar das erste seit März, das wieder vor Ort an der Bundesakademie stattgefunden hat. Unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen, versteht sich.

In den vergangenen Tagen wurde ich gefragt, warum ich nicht teilnehme, obwohl ich sogar von Literatur-Bereichsleiter Olaf Kutzmutz angeschrieben wurde. Da gibt es gleich mehrere Gründe. Ich hatte in diesem Jahr ohnehin nicht geplant, am Romanseminar teilzunehmen, weil ich meinen Roman noch nicht fertig habe und es unnütz wäre, mitten in der Schreibarbeit an einer neuen Romanidee zu tüfteln. Außerdem wollte ich mir durch das Corona-Prozedere nicht die schönen Erinnerungen an Wolfenbüttel verderben lassen. Außerdem hieße es für mich neun Stunden Zugfahrt mit Maske und vielen Leuten. Nein, da warte ich lieber ab, bis sich die Lage wieder einigermaßen normalisiert hat. Und wenn es nie wieder normal werden sollte … dann war es das für mich und die BA. Dann bleiben mir eben nur die schönen Erinnerungen daran.

Im Juli hatte ich im PERRY RHODAN-Report in Heft 3076 einen Artikel über die Seminare in Wolfenbüttel und ihre Bedeutung für die PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. An diesem Wochenende wurde der Text auf der PERRY RHODAN-Homepage veröffentlicht. Der Länge wegen, wurde er in drei Teile zerlegt.

Teil 1: bit.ly/2QzdiEi
Teil 2: bit.ly/2YFaxFY
Teil 3: bit.ly/2EBCSX1