Zeitfressender NEO

Quelle:Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 313 – »Zeitfraß« von Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm

Die Mitglieder der Organisation Guter Nachbar (OGN) suchen nach der Möglichkeit den Hyperperforator nach den Plänen NATHANs bauen zu lassen. Dazu begibt sich Reginald Bull zunächst in einer getarnten Space-Disk zusammen mit Leibnitz zum Titan um dort ein privates Konsortium zum Bau anzuheuern. Doch der Firma ist nicht zu trauen, auch weil sie versuchen Monade positronisch zu infiltrieren.
Erfolglos fliegen sie weiter zum Kupiergürtel, dort haben die Posbis auf dem Planetoiden Ixion eine uralte Werft der Liduuri instandgesetzt und bereiten verborgen vor den Aphilikern bereits die Teile für den Hyperperforator vor. Als Bull ihnen die Pläne NATHANs überreicht, kann die Produktion sofort beginnen. Es fehlen nur noch Hyperkristalle, über die jedoch nur die Aphiliker verfügen und die sie wie einen Schatz hüten. Nun dreht Monade den Spieß um und erzeugt großes Chaos in den Positroniken der Aphiliker-Werft. In dem Durcheinander können Bull und Leibnitz zusammen mit einem Einsatzteam die Hyperkristalle aus dem geheimnisvollen Topf entwenden und sich mittels eines Posbiraumers unbemerkt zum Kuipergürtel absetzen. Auf Ixion kann der Hyperperforator zusammengesetzt und in Betrieb genommen werden. Er reißt tatsächlich kurzzeitig ein Loch in den Sperrschirm und hält es zumindest so lange offen, bis die PERLENTAUCHER ins Solsystem eingeflogen ist. Danach schließt sich der Schirm wieder. Das Vorhaben, die komplette Hilfsflotte ins Solsystem zu holen, ist jedoch gescheitert. Außerdem bleibt die Aktion nicht unbemerkt. Die Flotte der Aphiliker eilt herbei und attackiert die PERLENTAUCHER. Reginald Bull muss zähneknirschend die OGN-Flotte enttarnen, um das Beiboot der SOL mit Thora an Bord zu schützen. Die OGN ist damit bloßgestellt, der offenen Kampf gegen die Aphiliker hat begonnen.
Perry Rhodan, Sylvia Demmister, Sergio Percellar und Roi Danton versuchen derweil in einer Positronikstation auf dem Mars an Daten zu kommen, die ein Geheimnis der Aphiliker lüften. Eines, das die Wut der Immunen entzürnen wird und zu einem Bürgerkrieg führen könnte. Denn unterhalb der Positronikstation sind die Gehirne ehemaliger Widerständler zur gesonderten Verwendung aufbewahrt. Auf dem Rückweg zur Erde werden Perry Rhodan und Roi Danton jedoch geschnappt und verhaftet.

Es passiert viel in diesem Roman und dennoch habe ich fast zehn Tage gebraucht, bis ich ihn durchlesen hatte. Ich kämpfte mich von Kapitel zu Kapitel und wenn ich ihn nicht hätte rezensieren müssen, hätte ich wahrscheinlich aufgegeben. Die Geschichte macht ihrem Namen alle Ehre und frisst einem die Zeit. So hart muss ich das hier sagen. Ich habe lange überlegt, woran es liegt, denn die beiden Autoren haben mich doch sonst meist überzeugen können. Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass die Geschichte im Grunde mehr eine Handlungszusammenfassung ist als ein Roman. Die Charaktere haben mich zu keiner Zeit wirklich überzeugen können. Der einzige mit dem ich mitgelitten habe, war Reginald Bull. Alle anderen scheinen austauschbar. Dazu ist der Plot nicht immer glücklich ausgearbeitet. Einerseits gibt es bei dem Handlungsteil um Reginald Bull zu wenig Hindernisse und andererseits scheint es bei Perry Rhodan genau umgekehrt zu sein.

Geschadet hat wahrscheinlich auch, dass das Timing der beiden Handlungsstränge weit auseinander klaffte. Obwohl sich die Kapitel abwechseln, vergeht bei Reginald Bull die Zeit viel schneller (da liegen mitunter Wochen zwischen den einzelnen Aktionen) als bei Perry Rhodan. Sein Datenklau aus der Positronikstation auf dem Mars passiert innerhalb von Stunden und die Flucht davor zog sich sicher auch nicht über Wochen hin. Das kann man dramaturgisch so machen, auf mich wirkt es aber irritierend. Besonders schlimm fand ich aber, dass der Geschichte am Ende offensichtlich der Platz ausgegangen ist, denn die letzten vier Seiten waren eine Zusammenfassung von Ereignissen, die ich gern miterlebt hätte. Sie wurden mir aber lieblos im Rückblick präsentiert und klangen wie der Inhalt eines frühen Silberbandes.

Allein durch die Fülle an Handlung wäre es in diesem Fall notwenig gewesen die Handlung auf mindestens zwei Romane aufzuteilen. Dann hätte jeder der Autoren auch Zeit gehabt, sich um die Charakterisierung der Figuren zu kümmern, die hier gänzlich vernachlässigt wurde. Und man hätte die Chance bekommen, Rhodans Rückkehr und seine Verhaftung zu zeigen und nicht nur darüber zu reden.

Was die Fehlentscheidungen angeht, die die Charaktere teils unüberlegt treffen, nehme ich nur mal ein Beispiel heraus. Als Monade das Aphilikerschiff HADRIAN infiltriert, um Daten über die Zeiteffekte des Schirms aus deren Datenbanken zu ziehen, warum hat sie dann nicht gleichzeitig dafür gesorgt, die Kommunikationskanäle der HADRIAN zu blockieren? Damit hätte das Schiff nicht so schnell um Hilfe rufen können und die Enttarnung der OGN-Flotte wäre vermieden worden. Wobei ich mir ohnehin nicht vorstellen kann, wie die OGN es geschafft hat, ganze Raumschiffe inklusive der Besatzung vor den Aphilikern zu verbergen.

Die Nummer dreizehn hat den beiden Autoren kein Glück gebracht. »Zeitfraß« ist wahrlich ein zeitverzehrender Roman, bei dem es kaum etwas gibt, was mich begeistert hat. Nicht mal die Rückkehr Roi Dantons löste bei mir so etwas wie Freude am Lesen aus. Ich bin mir sicher, hätte man beide Handlungsstränge in getrennten Romanen veröffentlicht und den Autoren mehr Platz eingeräumt, wären zwei solide NEOs dabei herausgekommen. So vermute ich mal, dass hier das Exposé kurz vor knapp eintraf und den Autoren gar nichts anderes übrig blieb. Schade für die Autoren und die Leser, die damit einen echten Tiefschlag in dieser Staffel hinnehmen müssen.

Zum Titelbild: Warum sind da eigentlich Sterne zu sehen? Ich denke durch den Sperrschirm sieht man keinen Sternenhimmel mehr?

Rhodan unter Verdacht

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 312 – »Spiel des Todes« von Ruben Wickenhäuser

Kaum kommt Perry Rhodan im Geheimsitz der Organisation Guter Nachbar (OGN) auf Borneo ein wenig zur Ruhe, trifft eine Botschaft von NATHAN ein, die ihn des Verrats bezichtigt. Er soll das geheimnisvolle Oberhaupt der Aphiliker sein, dass gekommen ist, um die OGN zu infiltrieren. Die Beweislast in Form von Videos wiegt schwer. Sylvia Demmister verhilft Rhodan zur Flucht. Die Doppelagentin gehört neben der OGN auch der Widerstandsgruppe »Regeneration« an. Sie hofft, Rhodan für »Regeneration« zu gewinnen. Ihr Rückzug aus der OGN hat jedoch zur Folge, dass Demmister auch bei der »Regeneration« in Ungnade fällt, und niemanden auf der Erde mehr kontaktieren kann. Beide tauchen unter und fliegen zum Mars, wohin die meisten Immunen geflüchtet sind. Dort stellt Rhodan fest, dass man zwar sehr leicht zum Mars kommt, aber nicht mehr zurück zur Erde. Damit sitzen sie erst einmal fest.
Überraschenderweise entpuppt sich Stella Michelsen als Regierungschefin des Mars. Rhodan nimmt mit ihr Kontakt auf und vereinbart ein Treffen. Michelsen ist misstrauisch und schlägt als Treffpunkt die Pyramide vor, die einst von Eric Leyden entdeckt wurde. Sie sichert sich mit mehreren Sicherheitsteams ab. Darin wiederum wähnt Demmister eine Falle und will Rhodan rausholen. Michelsen sieht sich durch den Angriff Demmisters auf ihre Leute von Rhodans Schuld bestätigt und beendet das Treffen. Von da an sind Rhodan und Demmister auf der Flucht. Sie fliehen nach Vikingby einer Siedlung auf dem Mars.
Hier versucht Demmister Rhodan bei einem Kedälium-Team unterzubringen, dass gleichzeitig eine Zelle von »Regeneration« ist. Rhodan gefällt nicht, dass die Mitglieder von »Regeneration« sehr viel gewalttätiger gegen die Aphiliker vorgehen als OGN und auch den Tod Unschuldiger in Kauf nehmen. Es dauert nicht lange und er wird auf Grund seines Charismas dem Chef von »Regeneration« vorgestellt. Zu Rhodans großer Überraschung ist es jemand, den er niemals auf dem Mars bzw. im Solsystem erwartet hätte – Roi Danton. Durch ihn bekommt er mit, dass die Spieler des Kedälium-Teams einen Anschlag auf Stella Michelsen verüben wollen. Sofort macht er sich auf den Weg, um das zu verhindern. Es gelingt ihm, nicht ohne jedoch den Anführer der Widerstandszelle zu töten. 
Durch die Rettung von Stella Michelsen wird klar, dass die Vorwürfe gegenüber Rhodan unberechtigt sind. Die Regierungschefin des Mars heißt ihn willkommen. Von Roi Danton fordert Perry Rhodan, dass »Regeneration« ab sofort auf das Ermorden von Zivilisten verzichtet.

Der Autor hat mir einen Wunsch erfüllt. Ich hatte ihn beim NEO-Panel in Garching gefragt, ob er seine Lieblingssportart Jugger nicht irgendwann mal bei NEO unterbringen könnte. Dies hat er in diesem Roman getan und das richtig, richtig gut. Denn in einer Nebenhandlung, die fast die Hälfte des Romans ausmacht, erfahren wir durch die Augen eines vierzehnjährigen Jungen nicht nur, wie katastrophal das Leben in den heillos überfüllten Marsstädten ist, sondern auch, was es mit Kedälium auf sich hat und wie man es spielt. Das Schicksal des Jungen ist stellenweise so rührend geschrieben, dass ich Tränen in den Augen hatte. Normalerweise schafft das sonst nur Rüdiger Schäfer. Dazu passt auch das dynamische Titelbild von Dirk Schulz.

Dieser gutgeschriebene Teil der Geschichte kann aber leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rhodan-Handlungsstrang einige Schwächen aufweist. Rhodan fällt es sichtlich schwer in der veränderten Gesellschaft der Terraner zu agieren. Noch immer weiß er zu wenig, um aktiv zu werden und ihm fehlt Unterstützung. Seine einzige Verbündete ist Sylvia Demmister, die wegen Rhodan ihren Agentstatus in beiden Widerstandsorganisatoren verliert. Offensichtlich sieht sie in ihm, was viele Terraner in Rhodan sehen, den Erlöser. Zwar ist er nur ein Mythos, dennoch er wird verehrt wie ein Gott. Das wissen auch die Aphiliker und das wissen auch die OGN und »Regeneration«. Ich finde gut, dass Rhodan, obwohl die Lage für ihn aussichtslos scheint, dennoch an seinen Prinzipien festhält. Das Leben Unschuldiger für seine Sache zu opfern, würde er niemals tun. Die Frage ist, wie realistisch ist so etwas? Kann man eine solche Diktatur wie die der Aphiliker friedlich stürzen? Ich bezweifle es.

Ebensowenig verstehe ich, warum sowohl die OGN als auch »Regeneration« eine so wertvolle Agentin wie Demmister einfach fallen lassen. Haben die so viel Personal, um sich das leisten zu können? Zumindest den Versuch einer Erklärung hätte man ihr einräumen können.

Es gab noch weitere Stellen, an denen ich irritiert war. Stella Michelsen lebt noch? Echt jetzt! Die Frau war schon 2088 Administratorin der TU, da wird sie vielleicht Mitte bis Ende dreißig oder vielleicht noch älter gewesen sein. 2112 erschien der Sperrschirm, von da an vergingen 82 Jahre. Das heißt, die Frau ist jetzt mindestens 140 Jahre alt und sieht noch aus wie eine Sechzigjährige. Laut ihr hat sich die Medizintechnik gegen Alterung weiterentwickelt. Aha, das wurde also weiterentwickelt, während man auf dem Mars nicht mehr in der Lage zu sein scheint, Serviceroboter oder andere Technik zu reparieren oder zu warten. Da müssen Kinder ran, um den Boden eines Stadions zu flicken und die Sitze zu polieren. Die Leute leben in Slums mit einer rudimentären medizinischen Versorgung und einer unzureichenden technischen Ausstattung, aber die Regierungschefin gönnt sich das neueste medizinische Lifting. Nein, das glaube ich nicht. Da möchte ich eine handfestere Erklärung dafür. Und wenn es nur die ist, dass die Altmarsianer irgendein Ritual an ihr zelebriert haben.

Außerdem finde ich die Idee, Rhodan als Spieler in das Untergrundteam aufzunehmen, um ihn dann als sich selbst auszugeben, ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ich verstehe die Intension dahinter. Selbstverständlich hat Rhodan Vorteile, wenn es um Taktik oder das Agieren in der Schwerelosigkeit geht. Aber ist ein potentiell Unsterblicher in Rhodans Alter tatsächlich einem Fünfzehnjährigen gewachsen?

Was mich ebenfalls irritiert hat: Warum glaubt man bei der OGN eigentlich dem Hinweis von NATHAN, dass Rhodan ein Verräter ist? Bull war mit Rhodan auf dem Mond, er hat gesehen, dass NATHAN mit den Aphilikern kooperiert. Selbst wenn die Information von seiner Tochter Laura stammt, wäre ich an seiner Stelle misstrauischer gewesen und hätte zumindest eine Überprüfung der Daten gefordert, bevor ich meinen eigenen Freund verleumne, der eine so wichtige Bedeutung für den Kampf gegen die Aphiliker hat. Vielleicht hätte man diesem Teil der Geschichte ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken müssen, um es für die Leser nachvollziehbarer zu machen.

Sehr gespannt bin ich zu erfahren, wie Roi Danton ins Solsystem gekommen ist. Das werden Rüdiger Schäfer und Olaf Brill in einem der kommenden Romane erzählen.

»Spiel des Todes« ist mit Abstand der bisher beste Roman von Ruben Wickenhäuser. Der Handlungsstrang über den Jungen und das Spiel ist rasant und emotional geschrieben. Die Rhodanhandlung fällt dagegen durch einige logische Schwächen ab. Dennoch überwiegt bei mir der positive Eindruck, weil mir die Nebenhandlung so gut gefallen hat.

Von Stummhäusern und Mondintelligenzen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 311 – »Stumm« von Robert Corvus und Marie Erikson

Sylvia Demmister, eine Agentin der Organisation Guter Nachbar (OGN), dringt zusammen mit Sergio Percellar in Terrania in eine Anstalt ein, in der alte und irrelevante, weil unproduktive, Menschen festgehalten werden. Sie dienen den Aphilikern zur Organspende oder als Forschungsobjekte. Demmister und Percellar sind hergekommen um Leibnitz zu befreien. Der Mann der von einer Posbi mit dem Namen Monade Jahrzehnte lang NATHAN gedient hat, soll Perry Rhodan und Reginald Bull helfen, Kontakt zum abgeschirmten Mondgehirn herzustellen. Während Rhodan und Bull sich auf dem Weg zum Mond machen, stoßen Demmister und Percellar in der Anstalt immer wieder auf entsetzliches Leid. Demmister, die in einem Trakt dieser Anstalt aufgewachsen ist, kämpft mit ihren Erinnerungen und will eigentlich nur von da weg. Doch nachdem sie Leibnitz gefunden haben und Percellar die demontierte Monade wieder zusammengesetzt hat, erhält Demmister den geheimen Befehl einer dritten Partei herauszufinden, was die Aphiliker in der Anstalt erforschen. Dabei werden die Drei entdeckt, können letztendlich aber die Wachen und den Anstaltsleiter ausschalten.
Auf dem Mond erweisen sich Leibnitz‘ Hinweise nur bedingt als nützlich. Denn NATHAN scheint sich den Aphilikern gebeugt zu haben. Bull findet seine Tochter Laura und erweckt sie aus der Stasis. Sie berichtet, dass ihre Zwillingsschwester Sophie zur Aphilikerin geworden ist und NATHAN erpresst, damit er den Aphilikern zu Diensten ist. Rhodan kann NATHAN dazu bewegen, sich auf die Seite der OGN zu schlagen. Mittels einer geschickten Täuschung können Rhodan und Bull Sophie gegen ihre Schwester Laura austauschen. Damit hat die OGN nun indirekte Unterstützung von NATHAN.

Ich muss gestehen, dass ich skeptisch war, ob und wie die Aphilie bei NEO dargestellt werden könnte und ob es möglich ist, die Beschreibung aus der Erstauflage in die heutige Zeit und nach NEO zu übertragen. Ich ziehe den Hut vor Kai Hirdt, dass er dies sehr glaubhaft konzipiert hat, und die beiden Autoren es sehr lebensnah umsetzen konnten. Besondern gut gefiel mir der Part mit Sylvia Demmister, der wahrscheinlich von Marie Erikson stammt, und mir den einen oder anderen Gänsehautmoment beschert hat. Das klang alles sehr authentisch. Nur Sergio Percellar hatte ich aus dem vorherigen Roman irgendwie anders in Erinnerung, weniger flapsig und sehr viel ernster, als er hier dargestellt wurde.

Die Geschichte um Reginald Bull und Perry Rhodan auf dem Mond hat mich weniger überzeugt. Bull hatte 82 Jahre Zeit, um das Phänomen des Schirms, der das Solsystem isoliert, zu erforschen bzw. etwas gegen die Allmacht der Aphiliker zu unternehmen. Aber erst jetzt, nachdem Rhodan auftaucht, macht er sich auf den Weg zum Mond, um NATHAN um Hilfe zu bitten. Warum nicht schon früher? Bevor die Aphilie ausbrach, hatte NATHAN Zeit genug, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen. Und als dann die Aphiliker die Macht übernahmen und Reginald Bull in den Untergrund ging, hatte dieser sicher ebenfalls genug Möglichkeiten, zu intervenieren. Der Aufbau eines Widerstands dauert zwar Jahre, aber so ungeduldig wie Bull ist, sollte er schon längst etwas unternommen haben. Dass er so lange »stumm« geblieben ist (um auf den Titel des Romans einzugehen), wirft ein schlechtes Licht auf den ehemaligen Protektor der Terranischen Union.

Klar, Reginald Bull hat viel mitgemacht. Zuerst musste er als »Schoßhund« von Leticron dessen Herrschaft ertragen, bis er schließlich nach der Rückkehr der Erde von den Kritikern zerfetzt wurde. Nun wurde er auch noch von den Aphilikern abgesetzt und in den Untergrund gezwungen. Was macht das aus einem Menschen? Wieso ergibt sich Bull so lange seinem Schicksal? Dass gerade er, so viele Jahre braucht, bis er tätig wird, kann ich kaum glauben. Außerdem, warum muss es immer Rhodan sein, der den großen Helden spielt und das Ruder herumreißt? Waren wir bei NEO nicht schon mal weiter und haben das Augenmerk und die Macht oft genug in andere Hände gelegt? Warum hatte man denn Rhodan den Posten des Protektors entzogen und stattdessen Bull eingesetzt? Eben weil man nicht immer nur Rhodan als den Ritter in weißer Rüstung haben wollte. Ich empfinde das als Rückschritt in der NEO-Serie.

Es gibt noch weitere Dinge, die mir in diesem Zusammenhang negativ aufgefallen sind. Dass die beiden Töchter von Bull noch leben, geht mir noch irgendwie ein. Aber das Reg mit Perry nicht über seine Vergangenheit spricht, weder seine Beziehung zu Stella Michelsen (die inzwischen längst tot sein müsste) erwähnt, noch über seinen Kampf gegen die Aphiliker spricht, das verstehe wer will. Dazu hätte es unbedingt einer Szene bedurft. Der Reginald Bull aus diesem Roman hat wenig mit dem Charakter zu tun, den ich aus den vorangegangenen Romanen bei NEO kenne. Das mag daran liegen, dass Robert Corvus einfach zu wenig Erfahrung mit NEO hat und hier mehr den Bully aus der Erstauflage im Kopf hatte.

NATHAN lässt sich erpressen! Echt jetzt? Die übermächtige Hyperinpotronik, die bisher im Geheimen alle Strippen gezogen hat, wird von ein paar gefühllosen Individuen mittels eines Asteroiden erpresst. Wo kommt der her und warum konnte NATHAN die Positionierung des Geschosses nicht verhindern? Weil Sophie Bull-Legacy zur Aphilikerin wurde und ihn manipuliert hat? Schwer zu glauben, dass sich NATHAN überhaupt darum schert, was die Menschen auf der Erde machen. Der Handlungsplot war mir dann doch etwas zu dünn. Ich hatte eher damit gerechnet, dass NATHAN von den Auswirkungen des Schirms beeinflusst wird und nur durch einen Zeitträger wie Rhodan befreit werden kann. Das hätte ich irgendwie glaubhafter gefunden.

Ohne Zweifel, der Roman war sehr spannend geschrieben, vor allem als am Ende beide Handlungsstränge parallel in kurzen Abschnitten nebeneinanderher erzählt werden. Da hat die Abstimmung zwischen den Autoren sehr gut funktioniert. Das hat mir beim Lesen viel Vergnügen bereitet. Was ich mich noch frage: Was ist eigentlich aus Weidenburn geworden? Und wieso glaubt Rhodan, dass hinter dem Schirm eine Raumschiffflotte auf die Befreiung der Erde wartet? Wo soll die herkommen? Da ist doch nur die PERLENTAUCHER.

»Stumm« ist ein packender Roman, in dem die Auswirkungen der Aphilie sehr drastisch dargestellt werden und der stellenweise echt ans Herz geht. Ein Roman, der aber auch einen Reginald Bull zeigt, der wenig mit dem beliebten Charakter aus NEO gemein hat. Während Perry Rhodan sehr viel blasser erscheint als in dem furiosen Auftaktroman von Kai Hirdt.

Rhodan und die Aphiliker

Quelle:Perrypedia PERRY RHODAN NEO Band 310 – »Welt ohne Liebe« von Kai Hirdt

Das Solsystem ist von einem Schirm umgeben, der nicht mal das Licht durchlässt. Zudem verhindern temporale Effekte jeglichen Versuch Normalsterblicher die Barriere zu überwinden. Mit einer Dragonfly durchbricht der Zeitträger Perry Rhodan den Schirm. Er verliert Zeit, aber er befindet sich im Solsystem und fliegt die Erde an. Relativ schnell wird er von einem Raumschiff an Bord geholt und nach Terrania gebracht. Keiner scheint ihn zu kennen und die Menschen verhalten sich merkwürdig.
Eine Erklärung, was passiert ist und wieviel Zeit vergangen ist, bekommt er nicht. Er fühlt sich wie ein Gefangener. Bei einem Gleiterflug kann er einer Arkonidin und einem Wachkommando entkommen. Doch der Gleiter wird von Dritten abgeschossen und verletzt viele Menschen am Boden. Rhodan begegnet einer Gruppe, die sich OGA (Organisation Guter Nachbar) nennt und sich der Verletzen annimmt.
Dem Rest der Passanten sind die Opfer aber egal. Im Gegenteil, die Helfer werden ihrerseits attackiert, ebenso wie Perry Rhodan.
Er wird angegriffen und irrt verletzt durch die Stadt, aber niemand will ihm helfen oder seine Fragen beantworten. Ein Franziskanermönch bringt ihn schließlich in ein Kloster und behandelt seine Verletzungen. Von ihm erfährt Rhodan, dass 82 Jahre seit seinem Aufbruch mit der SOL vergangen sind. Für ihn waren es nur 6 Monate. Alle die er kannte, selbst sein Sohn Thomas, sind längst tot. Das macht ihm zu schaffen. Warum
der Schirm erschienen ist und wer das Solsystem abgeriegelt hat, konnte nie geklärt werden. Nur eines ist sicher, niemand vermag die Barriere zu durchqueren. Wie durch eine Krankheit sind im Laufe der Jahre die Menschen abgestumpft und haben jedes Mitgefühl verloren. Die wenigen Immunen leben auf dem Mars oder werden verfolgt. Seit der Abwahl Reginald Bulls als Protektor, einem darauffolgenden Militärputsch und vielen kriegerischen Auseinandersetzungen wird die Erde nun von einer Schattenregierung geführt, die das »System der reinen Vernunft« installiert hat. Jeder wird nach seinem Nutzen bewertet und entsprechend gut oder schlecht behandelt, jeder der sich gegen das System wendet, wird verfolgt und seiner Rechte beraubt.
Der Franziskaner hilft Rhodan Kontakt zur OGA herzustellen. Hier trifft er auf deren Leiter und damit endlich auf jemandem, den er kennt – Reginald Bull.
Eine Nebengeschichte erzählt vom Leben des behinderten Sergio Percellar, die Machenschaften korrupter Pharmafirmen und wie die Aphiliker auch wirtschaftlich die Weltherrschaft an sich gerissen haben.

Wow! Die Zusammenfassung des Romans lässt es erahnen. Das ist nicht nur ein äußerst dichtgepackter komplexer Roman, sondern er berührt auf vielen Ebenen. Seien es die Leiden von Sergio Percellar, dessen vermögende Familie von den Aphilikern zu Fall gebracht wird und der mit seiner Liebe zu einem Arbeitermädchen hadert. Oder sei es Rhodans verzweifelte Suche nach Information. Seine Konfrontationen mit der herzlosen Bevölkerung Terranias, die Erkenntnisse, die er nach und nach über die neue Gesellschaftsordnung gewinnt, sind wie viele kleine Nadelstiche. Man leidet mit ihm und fühlt sich gleichermaßen hilflos.

Die Erde der Aphilie ist eine kalte Welt, in der ich nicht leben möchte. Den Dingen die der Autor beschreibt, werden in den folgenden Romanen sicher noch Schlimmere folgen. Und dennoch ist manches davon brandaktuell. Es fühlt sich vertraut an und man spürt, dass, wenn wir nicht aufpassen, wir von dieser Welt nicht mehr sehr weit entfernt sind.

Dem Roman merkt es man es deutlich an. Kai Hirdt schreibt in einer anderen Liga. Das sage ich nicht mit der Absicht, die anderen NEO-Autorinnen und -Autoren schlecht zu reden, keineswegs. Die Geschichte von Kai fühlt sich sehr viel authentischer an, als die letzten Romane aus den vergangenen Staffeln. Der Plot ist hochkomplex mit allerlei Wendungen, die aber nie konstruiert wirken, sondern ganz natürlich passieren. Dazu kommt eine ausgesprochen gute Charakterisierung der Figuren und lebhafte Dialoge. Man glaubt sich beim Lesen immer wie in einem Film.

Wenn es je einen perfekteren Staffelstart gegeben hat, dann wüsste ich nicht welchen. Bei »Welt ohne Liebe« kommt alles zusammen, Drama, Sense of Wonder und die geglückte Vereinigung einer Idee aus der Erstauflage mit dem NEO-Universum. Man darf gespannt sein, was uns in der Gaststaffel von Kai Hirdt noch so alles erwartet. Ich hoffe, dass die nachfolgenden Romane, das Niveau halten können. Die Latte hat er jedenfalls ganz schön hoch gehängt.

Das Titelbild ist ebenfalls ein echter Hingucker. Man beachte auch die Layout-Änderung. Nur dass die Bandnummer nicht mehr auf dem Titel steht, finde ich nicht so gut.

NEO im Ausverkauf

Für alle die bei PERRY RHODAN NEO einsteigen wollen, gibt es derzeit ein unwiderstehliches Angebot bei »Zweitausendeins-Merkheft«. Die 18 Bände der Platin Edition der NEO-Serie werden dort zum Sonderpreis verhökert.

Ich habe mir damals die ersten 13 Platinbände gekauft, als sie zum ersten Mal beim »Merkheft« eingestellt worden sind, zu einem deutlich höheren Preis. Jetzt gibt es die restlichen Bände auch noch vergünstigt. Inzwischen sind leider nicht mehr alle Bände erhältlich (Band 1, 5 und 6 fehlen), aber die drei bekommt man sicher noch antiquarisch.

Also diejenigen, die NEO von vorn lesen möchten, können hier eigentlich nichts falsch machen. Für diejenigen, denen das zu viel Papier im Schrank ist: Es gibt die Serie auch als E-Book. Ich lese seit Band 200 nur noch die E-Books und kaufe sie mir im Abo auf der PERRY RHODAN-Homepage. Da spart man sogar etwas und der Download hat bisher fast immer geklappt.

Millionen Mal besser

Quelle: PerrypediaPERRY RHODAN NEO Band 309 – »Hundert Millionen Jahre« von Rüdiger Schäfer

Die SOL wurde von dem Hyperwirbel erfasst, mit dem die Perlians den Chronopulswall zerstören wollten. Das Raumschiff wird durch den Hyperraum geschleudert und landet schließlich in einer fremden Galaxie. Die Wissenschaftler an Bord kommen nach vielen Berechnungen zum Schluss, dass die SOL in M87 gestrandet ist und zwar 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Und nicht nur das … das Generationenraumschiff hat es zudem noch 100 Millionen Jahre in die Vergangenheit verschlagen.
In dem Bewusstsein nie wieder in ihre Zeit und die Milchstraße zurückkehren zu können, kreuzt die SOL durchs Zentrum von M87 und hilft havarierten Raumschiffen und flüchtenden Völkern der Galaxie. Denn das Zentrum gibt seit einem Ereignis vor zweihundert Jahren eine Bewusstseinsveränderten Strahlung ab, die Lebewesen depressiv oder aggressiv werden lässt. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kommt es an Bord deshalb zu Problemen, bis irgendwann die Bordintelligenz SENECA zusammen mit den Posbis das Schiff übernehmen will. Der nach dem Tod von Chart Deccon zum Kommandanten ernannte Breckcrown Hayes schaltet SENECA ab, mit tiefgreifenden Folgen für die Besatzung. Jahrzehntelang werden die Bewohner der SOL nun von einem Diktator versklavt. Die »Großen Alten« – ein Teil der Urspungsbesatzung – versteckt sich für Jahrzehnte immer wieder in Schlafkapseln, so lange bis sie irgendwann SENECAs Funktionalität wieder herstellen und die Diktatur beenden können.
Fortan hilft die Besatzung der SOL den Völkern von M87, die nach wie vor vor der Strahlung flüchten. Die Wissenschaftler an Bord, allen voran Eric Leyden und Geoffry Abel Waringer, finden Jahre später endlich die Quelle der Strahlung. Sie stammt von einem Planeten der Monol genannt wird. Sie können zudem die Koordinaten von Monol herausfinden. Breckcrown Hays beschließt mit der SOL mit ihren inzwischen fast 25 000 Bewohnern nach Monol zu fliegen. Doch der Ort, an dem das Schiff nach der Transition rematerialisiert, ist ein leerer Raum. Die Nonasphäre wurde von den Konstrukteuren des Zentrums geschaffen, die wiederum von den Horden von Garbesch vor 350 Jahren vernichtet wurden. Monol ist das Überbleibsel der Konstrukteure. Es ist eine Lebensform und sie ist verletzt. 
Das Gehirn von Emotionaut Mentro Kosum wird von der Entität aufgenommen, nach dem dieser Monol Hilfe versprochen hat. In einer letzten Nachricht wendet sich Kosum an Breckcrown Hayes und schickt die SOL zurück in Richtung Heimat. Das Schiff materialisiert in der Nähe eines Raumschiffs, das wie Asteroid aussieht.

Wow! Was für eine Geschichte. Rüdiger Schäfer zieht alle Register und widmet jedem bekannten Mitglied der SOL-Besatzung ein extra Kapitel. Die im Zeitraffer erzählte Geschichte des Generationraumschiffs ist spannend und birgt eine Menge Überraschungen. Er hat sich sehr viele Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn Menschen lange Zeit zusammen auf einem Schiff leben müssen. Wachsen sie zusammen, machen sie die SOL zu ihrem zu Hause? Was passiert: wenn einige nicht den Generationenvertrag erfüllen wollen, wenn Kenntnisse über die Zeit verloren gehen, wenn Müßiggang und Desinteresse an der Schiffsführung entstehen und eine K.I. die Macht ergreifen muss, um die Menschen an Bord vor ihrer eigenen Unzulänglichkeit zu schützen. Was passiert, wenn durch eine Revolution Chaos und Gewalt ausbricht? All das zeigt uns der Autor in kurzen Kapiteln, die einen Zeitraum von 160 Jahren abbilden.

Es ist mit Abstand der beste Roman der ganzen Staffel und hier liegt zugleich mein Ärgernis. Warum nicht von Anfang an so? Warum schlägt man sich mehrere langatmige Bände lang mit Perlians und Generälen herum, driftet ziellos mit Perry Rhodan und der PERLENTAUCHER durch die Große Magellansche Wolke um was genau zu finden? Wäre es nicht besser gewesen, in einigen Romanen die Geschichte der SOL zu erzählen, parallel zu den Romanen um die PERLENTAUCHER und Peregrin? Es hätte die Staffel interessanter gemacht und aufgewertet. So bleibt uns nur die Geschichte im Schnelldurchgang zu erleben, wo geniale Ideen nur angerissen aber nicht komplett umgesetzt werden können. Da wurde meiner Meinung nach viel Potenzial verschenkt. Schade!

Etwas unglücklich finde ich auch den Romantitel, da er im Grunde bereits zu viel vom Plot verrät. Man stelle sich vor, der NEO-Band hätte den nichtssagenden Titel »Monol« gehabt, was für ein Schock wäre es für mich als Leserin gewesen, wenn ich erfahren hätte, dass es die SOL nicht nur 55 Millionen Lichtjahre in die Ferne, sondern auch noch absurde 100 Millionen Jahre in die Vergangenheit verschlagen hat. So konnte man sich das schon von vornherein denken.

Es brauchte keine hundert Millionen Jahre, aber ganze fünf bis sechs Bände, um der Staffel »Chronopuls« Schwung und Bedeutung zu verleihen. Zu lange um neue und alte Leser nachhaltig an die Serie zu binden. Ansonsten ist »Hundert Millionen Jahre« ein großartiger Roman, der noch einmal viele beliebte Charaktere beleuchtet und einigen einen würdigen Abgang beschert. Den einzigen, den ich im Roman vermisst habe, ist der Katzer Bjo Breiskoll. Oder ist er jetzt an Bord der PERLENTAUCHER?

Eher Zombieapokalypse als Science Fiction

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 308 – »Gegen den Wall« von Rainer Schorm

Der Posbi Gogol bringt die Intima am Rumpf der PERLENTAUCHER an. Mit ihrer Hilfe kann der Kugelraumer ins Innere des Magnetar-Antiprismas vordringen. Hier befindet sich die sogenannte BURG mit der Peregrin den Chronopulswall zerstören will. Perry Rhodan, dringt mit Gucky und Omar Hawk in die BURG ein um Ras Tschubai zu befreien. Der wurde indes von Peregrin auf dem BURG-Friedhof zusammen mit tausenden Perlians »entsorgt«. Im Gegensatz zu den Perlians ist Tschubai noch am Leben und macht sich auf dem Weg zurück zu Peregrin, um ihn aufzuhalten.
Dass die Toten nicht wirklich tot sind, bekommen sowohl die Besatzung der PERLENTAUCHER als auch Rhodan und seine Begleiter zu spüren. Die mit  Hilfe des Siliziumkarbid wiederbelebten Toten sollen die Menschen aufhalten. Nur mit Mühe gelingt es der Besatzung und auch Rhodan und seinen Begleitern die Untoten zurückzuschlagen, Tschubai zu finden und an Bord zu holen.
Mit der PERLENTAUCHER im Windschatten startet Peregrin die BURG, verlässt damit das Magnetar-Antiprisma und fliegt den Chronopulswall an. Er will jene Schwachstelle nutzen, die die SOL bei ihrem Durchbruch im Wall hinterlassen hat, damit sich die Catron-Ader wieder bis ins Solsystem erstreckt. Doch der Posbi Gogol kann mittels der Energie der Intima den Wall rechtzeitig reparieren und die BURG wird zerstört. Peregrin entkommt mit dem Anzug der Vernichtung.
Die PERLENTAUCHER und ihre Besatzung wird durch die sogenannte »Rutsche« dem Überbleibsel einer Kapillare der Catron-Ader durch den Wall geschickt und landet in der Nähe von Rumal, einer terranischen Kolonie. Hier erfährt Rhodan, dass die Kommunikation zur Erde abgebrochen ist.

Auf etwa vier Seiten wird erklärt, um was es in dieser Staffel ging und warum was geschah. Die restlichen Seiten beschäftigen sich mit Kämpfen gegen Zombies oder erklären hyperphysikalische Phänomene. Quasi im Zeitraffer kommt die Handlung in den Magellanischen Wolken zum Schluss. Im Abschlussroman der Staffel erzählt dann Rüder Schäfer mehr über das Schicksal der SOL.

»Das war alles?«, habe ich mich gefragt, als ich den Roman beendet hatte. Nicht dass die Lösung nicht logisch oder uninteressant gewesen wäre. Das passte alles sehr gut zusammen und man begreift, warum was in den vergangenen Romanen passiert ist. Aber wie schnell hier die Fakten zusammengefasst und eine Lösung präsentiert wird, hat mich dann doch überrascht. Hätte man das nicht besser auf die anderen Romane verteilen können? So Häppchen für Häppchen! Damit hätte man sich unzählige Wiederholungen in den Romanen über Posbis, Perlians und Generäle erspart. Grundsätzlich sind diese Geschichten interessant, aber es fehlt ihnen die Verbindung zur Rahmenhandlung.

Rainer Schorm schafft es zwar, mich mit witzigen Dialogen hin und wieder zum Lächeln zu bringen, aber mit dieser Zombie-Sache … damit hat er mich nicht überzeugt. Ich bin kein Fan solcher Geschichten und werde es wahrscheinlich auch nie werden. Dafür mag ich die technische Seite der Science Fiction lieber. Aber selbst hier war mir vieles einfach zu abgefahren. Den von den Magnetaren gebildeten Raum, der als Antiprisma bezeichnet wird, habe ich mir noch vorstellen können, auch den GRABEN, der diesen Raum vom Normalraum trennt. Aber diese ganze Sache mit der Catron-Ader, dem Chronopulswall und der »Rutsche«, die da irgendwie hindurchführt … ich weiß nicht.

Zumindest wissen wir nun, wohin der Abraum geht, den die Rumaler in ihren defekten Transmitter schicken. Ja, es gibt es sehr viele interessante Verbindungen zu den vergangenen Staffeln in diesem Roman. Auch der Begriff Catron ist so eine. Man darf spekulieren, wohin Perry Rhodans nächste Reise gehen wird, wenn Catron im Zentrum von M87 residiert. Was immer auch Catron sein mag? Dennoch halte ich fest, dass mich vieles einfach nicht gepackt hat und ich froh bin, das die Kapitel Magellanische Wolken, Perlians, Generäle und Peregrin erst einmal vorbei sind.

Hervorzuheben ist die Erzählung aus der Sicht von Ras Tschubai, das war sehr glaubhaft und überzeugend. Auch das Schicksal des ausgestoßenen Perlians, der entsorgt wurde weil sein übergroßes Zeitauge verbraucht war, hat mich berührt. Letztendlich wurden diese Individuen (wie auf GORM) zu nichts anderem »herangezüchtet«, um als Positronik zu dienen. Es stellt sich nach wie vor die Frage, welche Macht steckt hinter einem solchen Vorgehen. Die Wallkorr ist es offensichtlich nicht, denn dieser Name wurde hier nicht genannt.

»Gegen den Wall« beantwortet eine Fülle von Fragen und bringt die Auflösung der Staffelhandlung, ist in weitem Strecken aber eher langweilig durch die Wiederholung vieler Kampfhandlungen. Zum Titelbild: Also wenn das eine Burg sein soll … das sieht eher wie eine Hand aus.

Action unter Wasser

Quelle: PerrypediaPERRY RHODAN NEO Band 305 – »Die Wasserwelt« von Marlene von Hagen

Die Perlians geleiten die PERLENTAUCHER auf ihren Heimatplaneten Ednil. Hier werden Perry Rhodan, Gucky, John Marshall, der Powker Hehyk und Thora zur Regierungschefin Flyde Düüm in eine Unterwasserstadt eingeladen. Nach den etwas missglückten ersten Begegnungen sollen diplomatische Beziehungen aufgenommen werden.
Auf der »Kinderinsel« einem Habitat für Perliannachwuchs versucht das in Band 303 gerettete Perliankind, Sün, mit Hilfe seiner Freunde herauszufinden, warum sich alle Kinder und die Erzieher an einem Ort versammeln.
Peregrin ist ungeduldig und will weiterfliegen. Er hält Rhodans Ausflug nach Ednil für überflüssig. Kurzerhand zapft er mit Hilfe seiner Siliziumkarbidfäden Ras Tschubais Mutantenfähigkeiten an und zwingt den Teleporter, beide von der PERLENTAUCHER in die Unterwasserstadt zu bringen. Er will ein Fernflugtauglisches Raumschiff plus Mannschaft stehlen, was ihm jedoch nicht gelingt. Deshalb legt er mehrere Bomben und nimmt den Perliannachwuchs auf der Kinderinsel als Geißeln.
Die Perlians machen für die Vorkommnisse zunächst Perry Rhodan verantwortlich und setzen ihn fest, bis Sün ihnen das Gegenteil beweisen kann. Doch da ist es schon fast zu spät. Peregrin bekommt das gewünschte Schiff und verlässt Ednil, während Gucky und ein Techniker versuchen, die Bomben auf Ednil  zu entschärfen und die Kinder zu retten.
Die PERLENTAUCHER kann Peregrins Schiff mit Hilfe des galaxisweiten Sensornetzes der Perlians folgen. Sie werden unterstützt von einer Flotte der Perlians. Peregrin greift zu drastischen Mitteln um seine Verfolger loszuwerden. Er zwingt Ras Tschubai Bomben an Bord der Schiffe zu schaffen und sie zu zünden. Ein Perlianschiff nach dem anderen explodiert. Ras Tschubai kann seinen Freunden auf der PERLENTAUCHER noch die Nachricht schicken, dass er sich Peregrins Befehlen nicht widersetzen kann.

Was für ein Weltenbau! Die Unterwasserwelt von Ednil wird von der Autorin sehr bildhaft beschrieben. Das Leben der Perlians ist fremdartig, aber dennoch nachvollziehbar. Endlich versucht sich Perry Rhodan mittels Diplomatie den Bewohnern der Großen Magellanschen Wolke zu nähern. Doch die bleiben misstrauisch, nachdem sich Rhodan mehrfach in ihre Angelegenheiten eingemischt hat. Dass Flyde Düüm ausgerechnet auf ein Kind hört, war mir dann aber doch ein wenig zu weit hergeholt.

Die Geschichte um Sün und seine Freunde auf der Kinderinsel bekommt eine zweite Ebene als sich dort Peregrin und die Wallkorr in die Quere kommen. Der Fremde macht mit den Kindesentführern kurzen Prozess. Dennoch wirkt dieser Teil des Romans nicht auserzählt. Im Folgenden empfindet man den Handlungsteil fast schon als störend. Denn für den Showdown zwischen der PERLENTAUCHER und Peregrins Schiff scheint der Autorin ein wenig der Platz ausgegangen zu sein. Wo sich die Handlung anfangs dahinschleppt, zieht sie am Ende so an, dass man kaum noch mitkommt.

In diesem Roman zeigt sich zum ersten Mal, das Peregrin der Antagonist dieser Staffel ist. Er hat ein Ziel, wenn auch niemand weiß, wo es liegt, aber er ist bereit, alles dafür zu tun, um es zu erreichen. Menschen- bzw. Perlianleben sind für ihn zweitrangig. Zumindest wissen nun nicht nur Perry Rhodan und seine Begleiter, sondern auch wir Leser, das Peregrin eine echte Gefahr darstellt. Ras Tschubais Qualen sind stimmig geschildert. Die Kontrolle die Peregrin auf ihn auswirkt, ist mir aber ein bisschen zu universell. Diese Siliziumkarbidfäden scheinen wahre Wunderwaffen  zu sein, wenn sich damit nicht nur Technik steuern lässt, sondern auch biologische Prozesse.

»Die Wasserwelt« lebt vor allem vom großartigen Weltenbau, den vielen ungewöhnlichen Ideen der Autorin und vom sympathischen Perliankind Sün. Leider kommt nicht nur Sün, sondern auch die Handlung um die Wallkorr am Ende des Romans unter die Räder. Da hätte ich gern gewusst, wie es ausgegangen ist.

Technisches Handbuch der PERLENTAUCHER

Quelle: Perrypedia PERRY RHODAN NEO Band 307 – »Tanz der Magnetare« von Ruben Wickenhäuser

Die PERLENTAUCHER mit Perry Rhodan an Bord verfolgt Peregrin, der den Mutanten Ras Tschubai entführt hat. Die Besatzung geht große Risiken ein, um ihren Freund zu befreien. Unteranderem folgt sie Peregrins Schiff in ein System aus zwölf Magnetaren. Die außergewöhnliche Anordung der Himmelskörper scheint nicht natürlich und ist für Raumschiffe ein gefährliches Raumgebiet.
Aber nicht nur das beschäftigt die Besatzung. Eine Flotte der Perlians und Powker verfolgt die PERLENTAUCHER und versucht sie aufzubringen. Rhodan befielt die Flucht und die PERLENTAUCHER dringt tief in das System ein, wo sie in einen riesigen magnetischen Thorus gerät, der das Schiff wie ein Teilchenbeschleuniger immer schneller werden lässt. Fast havariert die PERLENTAUCHER und wird in ein Asteroidenfeld geschleudert. Dort entdeckt die Crew in einem Asteroiden eine Energiesignatur und folgt ihr.
Rhodan, Gucky und Hawk dringen in den Kern des Asteroiden vor und finden dort tote Perlians im Eis. Noch bevor sie herausfinden können, was das für ein Ort ist, werden sie von einem Wächter angegriffen. Der beginnt die Station innerhalb des Asteroiden zu vereisen. Rhodan und Co können sich nur mit Verlusten zurück an Bord retten. Doch auch ihr Raumschiff droht einzufrieren. Die PERLENTAUCHER wird gerade noch rechtzeitig von einem Posbischiff aus dem Asteroiden gezogen, bevor sie und die Besatzung erfriert.
Sofort stürzen sich die Schiffe der Perlians und Powker auf das Schiff. Rhodan bietet sich dem G’Karron, dem Anführer der Powker, für einen Zweikampf an. Körperlich ist der Terraner dem Krieger unterlegen, aber das Duell spielt sich vorwiegend im Geiste ab. Und dennoch droht Rhodan dem G’Karron zu unterliegen. Das Posbischiff mit dem NATHAN-Interpreter Gogol an Bord greift erneut ein, rettet Rhodan, und schleust das Schiff durch den Thorus bzw. den WALL.

Wer jetzt nicht ganz mitgekommen ist, keine Sorge, ich habe auch nicht alles verstanden, was in diesem Roman passiert. Es fällt mir schwer, den Inhalt hier verständlich wiederzugeben. Allein der Geschichte um die Magnetare, um den Konflikt mit dem Perlians und Powkern und um Gogol auf dem Posbischiff war schon schwer zu folgen. Richtig schwierig wurde es, als der Autor auch noch die Basteleien eines Technikers an Bord der PERLENTAUCHER als Nebenhandlung in den Roman integriert hat. Stellenweise hatte man das Gefühl ein technisches Handbuch zu lesen. Zumindest weiß man jetzt, wie die Systeme eines solchen Raumschiffs funktionieren.

Zur Staffelhandlung hat das alles wenig bis gar nicht beigetragen. Etwas, das ich schon bei mehreren Romane beobachtet habe. Was ist das Ziel von Rhodan und Co? Und warum lassen sie sich immer wieder vom Wesentlichen ablenken? Bestes Beispiel: Sie folgen Peregrin in ein gefährliches Raumgebiet um unbedingt Ras Tschubai zu befreien. Aber als sie dann beim Einflug in den Thorus (oder ist es der WALL?) auf Schwierigkeiten stoßen, ist plötzlich keine Rede mehr davon. Stattdessen verstecken sie sich vor der angreifenden Flotte und gehen einem Signal in einem Asteroiden nach. Das wiederum wird offenbar nur von ihnen empfangen, nicht aber von ihren Gegnern. Und als sie dann wirklich tief in Schwierigkeiten stecken, kommt (Simsalabim) ein Posbischiff mit einem NATHAN-Interpreter und hilft ihnen da raus, nur um schnell wieder zu verschwinden und sie der angreifenden Flotte zu überlassen.

Das Schärfste: Thora schlägt tatsächlich ihrem Mann vor, sich mit dem Flottenchef zu duellieren, weil die PERLENTAUCHER den Schiffen der Perlians und Powker nicht nur zahlenmäßig unterlegen ist. Über Sinn und Unsinn eines solchen Zweikampfs ganz zu schweigen … Würde eine Frau ihren Mann gegen einen übermächtigen Gegner in den Kampf schicken? Nicht nur, dass das gar nicht Rhodans Art ist, es entspricht auch nicht Thoras Naturell. Die würde eher selbst kämpfen, bevor sie ihren Mann opfert. Die hochgelobte Diplomatie, die Rhodan immer ausgezeichnet hat, scheint verschwunden, man versucht nicht einmal sich den Powkern zu erklären. Es werden Anrufe und Warnungen ignoriert und einfach weitergeflogen. Das ist völlig untypisch für die Terraner, vor allem für Perry Rhodan.

Ich hatte beim Lesen das starke Gefühl, dass das alles irgendwie keinen Sinn ergibt. Und da spreche ich nicht nur von der Handlung dieses Romans, sondern von der ganzen Staffel. Hinzu kommen noch die inflationär auftauchenden Begriffe wie WALL, BURG und GRABEN, bei denen ich nie genau wusste, für was sie eigentlich stehen.

Positiv fand ich die Nebenfiguren, wie Santo Okal, oder die anderen Techniker an Bord, die das Schiff am Laufen halten müssen, während die Befehlshabenden, die PERLENTAUCHER immer wieder in neue Schwierigkeiten bringen. Da wird die Besatzung mitunter leichtsinnig in Gefahr gebracht, für was eigentlich …? Ras Tschubai und Peregrin sind spätestens nach Kapitel 1 vergessen und die Suche nach dem Ursprung des Signals im Asteroiden endet mit einem toten Techniker, einem seiner Parakräfte beraubten Gucky und einem geschwächten Okrill, aber ohne jegliche Erkenntnisse.

Stilistisch war »Tanz der Magnetare« meiner Meinung nach der bisher beste Roman von Ruben Wickenhäuser. Allein die ganzen technischen Details zu beschreiben, ist eine Meisterleistung. Das hätte man eher von Rainer Schorm erwartet. Inhaltlich fand ich ihn teils verwirrend und inkonsistent. Ich habe wenig Hoffnung, dass es die letzten beiden Bände der Staffel rausreißen werden.

Prequel zu Historiendrama

Quelle: Amazon

Die Kingsbridge-Saga von Ken Follett (»Die Säulen der Erde«, »Die Tore der Welt« und »Das Fundament der Ewigkeit«) sollte jedem ein Begriff sein, der sich für historische Romane interessiert. Obwohl ich lieber Science Fiction lese, genemige ich mir hin und wieder einen Ausflug in die Vergangenheit. Ich würde mich nicht als Mittelalter-Fan bezeichnen, eher im Gegenteil, aber die Romane um die Stadt Kingsbridge haben mich seit dem ersten Roman »Die Säulen der Erde« begeistert. Es ist die schonungslose Realität, die der Autor in seine Geschichte einfließen lässt, nämlich dass das Mittelalter ein dreckiger, stinkender Ort voller Gewalt war und nicht die verklärte Welt von Rittern, Edeldamen und Magiern, denen man häufig in Fantasy-Romanen begegnet.

So tauchte ich unlängst wieder in die Welt von Kingsbridge ein und in das dunkle Zeitalter des Mittelalters. »Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit« erzählt die Geschichte aus den Jahren 997 – 1007 und spielt damit mehr als einhundert Jahre vor »Die Säulen der Erde«. Man erfährt wie der kleine Ort Dreng’s Ferry eine Brücke und eine Kirche bekommt und zur Priorei Kingsbridge heranwächst. Hauptakteure sind Edgar, der Sohn eines von den Wikingern erschlagenen Bootsbauers und die Grafentochter Ragna aus der Normandie, die sich in einen angelsächsischen Adligen verliebt. Die Wege, die diese beiden Menschen am Ende zueinander führen, sind lang und verschlungen. Und wie immer bei Ken Follett ist alles sehr detailliert beschrieben und mit vielen geschichtlichen Fakten gespickt.

Man könnte glauben, dass es die Geschichte um Kingsbridge tatsächlich gegeben hat. Dass dem nicht so ist und es sich hierbei um einen rein fiktiven Ort handelt, tut der Geschichte aber keinen Abbruch. Durch die gewählten Stilmittel lässt der Autor Figuren und Orte im Kopf real werden und bringt einen dazu, den Roman nicht mehr aus der Hand zu legen. Ich habe für die 1024 Seiten nicht ganz eine Woche gebraucht. Wobei ich mich tatsächlich nur schwer losreißen konnte, um den anderen Tätigkeiten des Tages nachzugehen.

Ich will hier gar nicht mehr über den Inhalt verraten, das würde auch zu umfangreich werden. Wer noch nie einen historischen Roman von Ken Follett gelesen hat, der sollte hiermit beginnen. Man kann so wunderbar in die Geschichte eintauchen, mit den Protagonisten mitfiebern, wenn sie den Intrigen ihrer Gegenspieler erliegen, oder sich befriedigt zurücklehnen, wenn die Bösewichte ihre gerechte Strafe ereilt. Wem es gefällt, der kann im Anschluss die folgenden drei erschienenen Romane lesen und sich auf den nächsten freuen, der im September erscheinen wird.

Einen Bezug zu PERRY RHODAN gibt es aber doch. Einer der beiden Übersetzer dieses Buchs ist Dietmar Schmidt. Er hat bereits für verschiedene PERRY RHODAN-Miniserien und für NEO geschrieben.