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Buchmesse voraus

Die Buchmesse in Leipzig rückte in den vergangenen Tagen immer näher. Seit 2015 fahre ich regelmäßig im März nach Leipzig, um die Buchmesse zu besuchen. Auch wenn ich kein Fan von großen Menschenansammlungen bin. Aber was tut man nicht alles, für sein Hobby.

Auf meiner Liste habe ich mir Termine und die Stand-Koordinaten einiger Verlage vermerkt, die ich besuchen möchte. Ansonsten bummle ich immer gern durch die Hallen, sofern man durchkommt. Auf alle Fälle werde ich dem Stand der PERRY RHODAN-Redaktion einen Besuch abstatten. Dort wird Andreas Eschbach sein neuestes Werk signieren, die Perry Rhodan-Biografie. Und vielleicht bekomme ich dort diesmal auch einen Kaffee.

Da mein Mann die Zeit nicht abwarten konnte, hat er Eschbachs Roman bereits vor Wochen bestellt und auch schon gelesen. Ich wollte ihn erst in Leipzig kaufen, damit ich das dicke Buch nicht durch halb Deutschland schleppen muss. Nun, ja, jetzt muss ich morgen früh doch mit dem Wälzer im Gepäck die Fahrt nach Leipzig antreten. Ich hoffe, dass die Deutsche Bahn mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Und vor allem könnte ich auf solche Wetterkapriolen wie im vergangenen Jahr gern verzichten. Schau’n wir mal, wie der Bayer sagt.

Mein Freund Ben, stellt in seinem neuesten Video Andreas Eschbachs Roman vor. Vielleicht hat ja der eine oder andere Nicht-Perry-Leser hier Lust, sich auf die Geschichte des jungen Perry Rhodan einzulassen. Sie spielt in den 1960er Jahren und verknüpft sehr geschickt geschichtliche Fakten mit den fiktionalen Ereignissen des Perryversums.

Starkes Doppel von MMT

Quelle: Perrypedia

Seit Band 3000 lese ich auch wieder die PERRY RHODAN-Erstauflage, mal schauen wie lange ich das durchhalte. Ich meine, NEO und EA lesen, ist ein bisschen viel, wenn man noch was anderes außer PERRY konsumieren möchte. Nun, der Doppelband von Michael Marcus Thurner hat mir jedenfalls richtig gut gefallen, und das obwohl ich mit dem Stil des Autors sonst meine Probleme habe.

In Band 3002 »Die Kriegsschule« erzählt er die Abenteuer des Siganesen Tenga auf einem Raumschiff der Ladhonischen Piraten. Das auf einem Piratenschiff eine militaristische Hierarchie herrscht, und auf dem die Rekruten (Maate) bis zum Umfallen gedrillt werden, erwartet man nicht. MMT beschreibt den schonungslosen Drill sehr bildhaft, inklusive Tengas ausufernden Pralinenkonsum während des Einsatzes. Ich glaube fast, dass ich allein durchs Lesen ein Kilo zugenommen habe.

Ein Wiedersehen gab es auch mit den Olubfanern aus PR 3001. Sowohl sie, als auch die Ladhonen sind fremdartige Individuen, die vom Autor mit Leben erfüllt werden, ohne sie zu entmenschlichen. Das finde ich eine großartige Leistung.

 

Quelle: Perrypedia

In Band 3003 »Das Triumvirat der Ewigen« setzt der Autor noch einen drauf. Ich habe selten einen Heftroman in einem Rutsch durchgelesen, diesen konnte ich nicht aus der Hand legen. Die Geschichte über 3000 Terraner, die in der Kaverne innerhalb eines Gesteinsplaneten leben, abgeschottet vom Rest der Galaxis, hat mich richtiggehend gepackt. Das war super spannend, nicht nur weil man mehr über Zemina Paath und ihren Paau erfahren hat. (Witzig war die ultimative Antwort des Koffers auf fast jede Frage: »Ich bin der Paau«. Das war wie bei dem Baum aus Guardians of the Galaxy »Ich bin Groot«.) Interessant fand ich vor allem die Gesellschaft, die sich aus den geflüchteten Terranern entwickelt hat, von denen drei einen Zellaktivator besaßen.

Das die Unsterblichkeit nicht nur Positives in Personen hervorbringt, kennen wir ja bereits seit den Meistern der Insel. MMT hat die Veränderungen im Charakter nochmal sehr klar dargestellt und wie schnell daraus eine Diktatur und ein Überwachungsstaat entstehen kann. Exzellent!

Wenn die kommenden Romane alle so gut sind, wie die seit Band 3000, dann muss ich wohl doch weiterhin beide Serie lesen. Seufz! Ich wünsche mir einen 35 Stunden Tag.

Ein Leben im Zeichen des Raben

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 195 – »Tuire« von Rüdiger Schäfer

ES taucht unvermittelt in Terrania auf und erzählt Thora, Bully und Ngata die Lebensgeschichte von Tuire. Am Ende entschuldigt er sich bei Thora dafür, dass Perry und Tuire sterben müssen, um ANDROS zu vernichten.
Sie erfahren, wie er zu seinem zweiten Ich Thayanar kommt, wie er seine Kampfkunst »den Weg der Schwingen« erlernt, wie er von der ALLIANZ und ES gleichermaßen missbraucht wird und wie er sein Gedächtnis verliert. 

Ich behaupte mal das kein anderer Autor diesen Roman so einfühlsam hätte schreiben können wie Rüdiger Schäfer. Er erzählt genau die Art Geschichte, in der er seine Stärken als Autor ausleben kann. Tiefsinnig und mit viel Emotionen bringt er dem Leser seinen Protagonisten nahe. Ich litt mit dem Auloren und brauchte an manchen Stellen mehr als nur ein Taschentuch.

Bisher wurde die Figur des Tuire Sitareh nur Schlaglichthaft beleuchtet. Bis zu diesem Roman kannten die Leser nur einen kleinen Teil seiner Lebensgeschichte. Rüdiger Schäfer zeichnet endlich ein vollständiges Bild. Ich kann nur annähernd erahnen, wie schwierig die Recherchearbeit für den Roman gewesen sein muss. Informationen mussten aus über 90 Bänden zusammengetragen und zu einer Geschichte verknüpft werden. Dies gelingt dem Autor auch über weite Strecken hinweg. Viele Querverbindungen haben mich überrascht, andere wiederum fühlen sich sofort schlüssig an.

Der Aulore (man erfährt auch endlich, was ein Aulore ist) erlebt viele Schicksalsschläge, muss höchste Höhen und tiefste Abgründe überwinden. Er lernt Freunde kennen und verliert sie wieder. Er unterwirft sich, leidet im Verborgenen und triumphiert am Ende doch über seine Gegner. Sein überlegener Intellekt bildet sich erst im Laufe eines langen Zeitraums heraus, ebenso wie seine Kampfkunst. Und dennoch …

Manchmal hätte ich mir mehr Kampfeswillen bei Tuire gewünscht. In meinen Augen lässt er sich zu oft gehen, um sich dann im nächsten Moment wieder dem Leben zu stellen. Das lässt den Charakter ambivalenter erscheinen, als man ihn kennt. Sicher, die Entwicklung Tuires zu der Person, die man kennt und lieb gewonnen hat, dauert Jahrhunderte und das lässt sich nur schwer vermitteln, vor allem in der Kürze eines einzigen Romans. Weshalb ich mich gefragt habe, wozu der Autor die ersten beiden Kapitel für eine Nebenstory verschwendet, die am Ende nicht wieder aufgegriffen wird. Keine Frage, das war toll geschrieben, aber mir fehlte ein bisschen der Bezug zum Rest des Romans.

Und damit komme ich zu dem Punkt, der meine Freude über den Roman ein wenig trübt. Die Rahmenhandlung mit ES. Gab es keine bessere Möglichkeit, als ES auftauchen zu lassen, der die Geschichte von Tuire erzählt? Mir wäre lieber gewesen, Tuire selbst zu erleben, wie er seine Erinnerungen zurückerlangt und Perry oder jemand anderem seine Geschichte erzählt. Das Auftauchen von ES fand ich an dieser Stelle überflüssig. Bisher hat sich die Superintelligenz nicht gezeigt. Warum jetzt und warum zu einem für sie so banalen Zweck? Da hätte es in der Vergangenheit weit wichtiger Momente gegeben. Außerdem, hieß es nicht, dass ES die Schwester von ANDROS ist? Ich hatte mit einer schönen Frau und nicht mit einem alten Mann gerechnet. Das klang mir zu sehr nach Erstauflage, da hätte ich mir mehr Innovation gewünscht.

»Tuire« ist ein überaus gelungener Roman von Rüdiger Schäfer, der mich mit seinem Erzählstil wieder mal tief berührt hat. Der viele Fakten über Tuire zu einer stimmigen Lebensgeschichte verwebt und dem NEO-Leser einige Zusammenhänge liefert. Allein die Rahmenhandlung vermochte mich nicht zu überzeugen.

Seit Band 101 habe ich die Figur des Tuire sehr lieb gewonnen. Oftmals gefiel er mir besser als Atlan. Ich fürchte jedoch, dass wir uns bis Band 199 von dem Auloren verabschieden müssen. Eine Tatsache, die ich jetzt schon bedauere. Na gut, dafür haben wir jetzt Zemina Paath, den weiblichen »Tuire« in der Erstauflage.

Fabelheft

Quelle: Amazon.de

»Animal Love Train« heißt die Fabelsammlung aus der Feder von Dirk Bernemann.

In dem kleinen silbernen Heft im Format eines Pixisbuchs erzählt der Autor von Tieren, die sich in irgendeiner Weise befreien und am Ende in einer Großstadt als Band zusammenfinden.

Die Charaktere sind dabei so unterschiedlich, jeder hat andere Sorgen und Nöte. Da ist zum Beispiel das Nashorn, das im Vorgarten eines greisen Millionärs angebunden auf seinen Abschuss wartet. Oder der Blindenhund, der seine Aufgabe leid ist und seinen Blinden im Wald aussetzt. Oder das Känguru das sich nicht in Regel pressen lässt.

Am Ende steht zwar kein Happy End, sondern das normale Überleben ganz wie in der Wirklichkeit. Ein besonderes Heft mit besonderen Geschichten, denen tatsächlich etwas Fabelhaftes anhaftet. Sehr schön auch als Geschenk geeignet.

Ausgefeilte Haluterhistorie

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 194 – »Abgründe der Zeit« von Rainer Schorm

Perry Rhodan erreicht mit dem Situativ das Epsilon-Lyrae-System und damit eine weitere Anlage um die Transmitterstraße zu aktivieren. Ihm auf den Fersen ist Hak Gekkoor. Der Entrione will Rhodans Tod, doch er hat nicht mit der Verschlagenheit einiger Bestien gerechnet, deren Bewusstseine innerhalb der Pyramiden auf der Steuerwelt Ka’Gassh gespeichert sind. Rhodan kann den Transmitter aktivieren und Gekkoor entkommen. Nur die Reise mit dem Situativ scheint ihm immer mehr von seinen Erinnerungen zu nehmen. Er fragt sich, was am Ende von seiner Persönlichkeit bleiben wird.
Derweil entführt Tolot im SOL-System Sud und Nathalie in die DOLAN, damit sie ihm beistehen, das Ungleichgewicht innerhalb seiner drei Gehirne, dem Planhirn, dem Ordinärhirn und dem Tertiärknoten wieder ins Lot zu bringen. Er steht neben sich und kurz vor dem Ausbruch einer Drangwäsche. Damit befinden sich Sud und Nathalie in großer Gefahr. Doch sie erfahren durch ihn auch, wie die Haluter entstanden sind und warum auf Tolot eine so schwere Last liegt, die ihn zu zermürben droht.
Thora da Zoltral will ihre Tochter schützen und stellt sich dem Haluter entgegen, als er die Kontrolle verliert.

»Abgründe der Zeit« ist ein ungewöhnlicher Roman für Rainer Schorm. Seine sonst üblichen ausschweifende Erklärungen zu Technologie finden sich hier kaum, stattdessen erzählt er die faszinierende Geschichte der Haluter, auch wenn ich das Wie als nicht so ganz originell empfinde.

Eine Menge Puzzlestücke fügen sich in diesem Roman endlich zu einem großen Ganzen. Das fühlt sich zu keiner Zeit konstruiert an. Nebenbei enttarnt der Autor auch das »Ringen« als Schwindel, mit dem ANDROS seine Untergebenen an der Nase herumführt.

Besonders gelungen sind die Einblicke in Tolots Vergangenheit. Rainer Schorm verleiht der Figur damit sehr viel Tiefe. Auch Sud und Nathalie erhalten von ihm einen komplexeren Hintergrund.

Der Handlungsstrang um Perry Rhodan nimmt zwar nur einen Bruchteil im Roman ein, man hat aber als Leser nie das Gefühl, sinnlos Zeit zu verlieren.

Zwei kleinere Fehler inhaltlicher Art habe ich dann doch entdeckt, aber darüber sehe ich angesichts der faszinierenden Erzählung hinweg.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass »Abgründe der Zeit« genau das liefert, was ein Roman in der finalen Staffel vor dem Jubiläum liefern sollte: Antworten und Zusammenhänge. Auch wenn Rainer Schorm dies auf einem ungewöhnlichen Weg erreicht, mir hat es gefallen.

PR 3000 – Der Inhalt

Quelle: Perrypedia

Nach dem ganzen Trubel rund um den dreitausendsten Band meiner Lieblingsheftromanserie, kam ich endlich auch dazu, ihn zu lesen.

So ein Band muss natürlich vieles leisten. Er muss die Altleser mitreißen und den Einsteigern genügend Informationen zur Serie zu bieten, ohne sie mit allzu vielen Altlasten zu langweilen. Dennoch muss er genügend Spannung enthalten, um beide Fraktionen zu fesseln. Das ist ein dünner Grat, den die Autoren von »Mythos Erde« aber meistern.

Zwei übersichtliche Handlungsstränge um den Schauplatz des Zyklus und seine Haupt-Protagonisten vorzustellen. Rhodans Verunsicherung und die Verzweiflung seiner Mitstreiter über den vergangenen Zeitraum werden gut dargestellt. Die Erstauflage hat jetzt also auch ihren Tuire Sitareh, nur das Er eine Sie ist und Zamina Paath heißt. Wobei ich von der Figur etwas mehr Widerstand erwartet hätte, als sie sich von Perry Rhodan einfach so unter »Arrest« stellen lässt. Schließlich hat sie die RAS TSCHUBAI und ihre Semitronik ANANSI gerettet. Auffällig ist auch, das von dem Firnis, mit dem sie das Schiff der Terraner umgeben hat, um es vor der Ortung der Cairaner zu schützen, im zweiten Teil des Romans nicht mehr die Rede ist. An dieser Stelle erschien mir der Charakter nicht mehr so stark wie zu Beginn.

Gut gefiel mir auch die Handlungsebene mit der Terranerin Giuna Linh, die alles aufs Spiel setzt, um ihren Partner aus dem Cairanischen Gefängnis zu holen. Der Twist, aus ihrem Schicksal eine Agentengeschichte zu machen, war überraschend. Hier erfährt man einiges über die Cairaner, deren Absichten wohl kaum einem der Galaxis-Bewohner richtig klar sind. Da bleibt bei mir ein kleiner Zweifel. Wenn die Cairaner die Milchstrasse schon so lange dominieren, sollte dem einen oder anderen »Befriedeten« mal der Gedanke gekommen sein, was sie mit dem aufgezwungenen Frieden eigentlich bezwecken.

Schön, war am Ende das Wiedersehen mit Bully und seinem unerwarteten Bündnispartner Vetris-Molaud. Letzteren finde ich nach wie vor einen höchst interessanten Charakter.

Der Roman hat in meinen Augen alle Bedingungen für einen Jubiläumsband erfüllt und doch wünschte ich mir, die Exposé-Autoren hätten eine etwas andere Richtung eingeschlagen. Wieder kommt die Bedrohung von außen, wieder gibt es Unterdrücker und Unterdrückte, wieder muss Perry Rhodan den Helden spielen, um das angerichtete Chaos zu beseitigen. Das hatten wir in den vielen Jahrzehnten der Seriengeschichte schon zu oft.

Ich hätte gern einmal etwas völlig anderes gelesen. Zum Beispiel über eine Milchstrasse in der seit 500 Jahren ein Frieden herrscht, der von selbst gewachsen ist. Und dann kommt Perry Rhodan als Störfaktor zurück (Das wäre übrigens ein cooler Titel: »Störfaktor Rhodan«). Die eine Hälfte der Völker der Galaxis lehnen ihn ab, weil er dem Mythos nach, der Milchstraße in der der Vergangenheit nur Unbill gebracht und den Weltenbrand ausgelöst hat. Andere wiederum feiern ihn als Heiland, als Erlöser, der endlich zurück gekehrt ist. Es kommt zu Unruhen und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern und Gegnern. Rhodan muss zusehen, wie der Frieden wegen seiner Person zu bröckeln beginnt. Er muss sich entscheiden, die Galaxis für immer zu verlassen oder nach Terra zu suchen, um dem »Mythos Erde« mit Fakten zu begegnen. Auf der anderen Seite Bully als sein Gegenspieler, dessen chaotarchisch geprägter Zellaktivator ihn zum Despoten gemacht hat, und der Rhodan die Schuld am Verschwinden seiner Frau und Tochter gibt. Das hätte ich faszinierend gefunden. Aber wahrscheinlich ist das für die meisten Leser der EA zu simpel und nicht kosmisch genug.

PERRY RHODAN – Bis zur Unsterblichkeit und darüber hinaus

Heute feiert ein Phänomen Jubiläum, das in Deutschland und auf dem Globus seines Gleichen sucht. Am 15. Februar 2019 erscheint Band 3000 der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Die Rede ist weder von »Star Wars« noch von »Star Trek« sondern von PERRY RHODAN. Die deutsche Heftromanserie aus dem Verlag Pabel-Moewig ist gleichzeitig die längste Fortsetzungsgeschichte der Welt.

Seit dem 8. September 1961 können sich Leser jede Woche am Kiosk ihren Heftroman aus dem Perryversum holen. Kein Ereignis, ob Mauerfall oder 11. September, hat bisher eine Veröffentlichung verhindert. Und so ist PERRY RHODAN ein mediales Phänomen, das inzwischen mehr als fünf Jahrzehnte andauert.

In der DDR verboten

In Ostdeutschland ist die PERRY RHODAN so gut wie unbekannt. Was vor allem daran liegt, dass »Schundliteratur« aus dem Westen in der DDR verboten war. Dabei ist die Serie keineswegs ein blendendes Beispiel für den Kapitalismus, im Gegenteil … Ihr Held der ersten Stunde Perry Rhodan ist Amerikaner und landet 1971 auf dem Mond, wo er ein außerirdisches Raumschiff entdeckt.

Im Laufe der Handlung kehrt er mit Hilfe der Außerirdischen zur Erde zurück und gründet die »Dritte Macht«. Er reißt sich Rangabzeichen und Insignien von der Uniform und bezeichnet sich fortan als Terraner. Mitten im Kalten Krieg setzt er sich für Frieden und Verständigung zwischen den Nationen ein, befriedet die Supermächte und eint die Völker der Welt.

Nachdem unter seiner Ägide Hunger und Not auf der Erde beseitig wurden, führt er die Menschheit hinaus ins All. Aus der »Dritten Macht« wächst zunächst das Solare Imperium, später das Vereinte Imperium, noch später die Liga Freier Terraner bis hin zur Liga Freier Galaktiker. Der Botschaft von Toleranz und Frieden ist er in all der Zeit treu geblieben.

Über 3000 Jahre erstreckt sich inzwischen die Geschichte des Raumfahrers Perry Rhodan. Überleben konnte er den langen Zeitraum – ebenso wie einige seiner engsten Mitstreiter – nur, weil ihnen mittels Zellaktivator die relative Unsterblichkeit verliehen wurde.

Lesestoff für Jahrzehnte

Außer den 3000 Heftromanen vervollständigen unzählige Taschenbücher, das Spinoff PERRY RHODAN NEO und mehrere Nebenserien das umfangreiche Universum, das aus Millionen gedruckter Seiten besteht. Wenn man jeden Tag nur ein Romanheft (65 Seiten) lesen wollte, benötigt man dafür über acht Jahre. Zuzüglich der Romane, die in dieser Zeitspanne noch erscheinen, kommt man auf neuneinhalb Jahre.

Als Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting 1961 die Serie starteten, planten sie dreißig Folgen. Doch die Geschichten um den Raumfahrer Perry Rhodan fielen im Nachkriegsdeutschland auf fruchtbaren Boden. Abenteuer, fremde Welten und exotische Außerirdische zogen in erster Linie ein junges Publikum an. Jungs zwischen 14 und 18 Jahren, die bisher vor allem Karl May gelesen hatten, verschlungen die Hefte, tauschten sie untereinander und mussten sie oft genug vor Lehrern und Eltern verstecken. Denn damals galt die Serie im Westen genauso als Schund wie Liebes-, Arzt- und Westernromane.

Gebrauchsliteratur ist der Fachbegriff für ein Format, das bis in die Neuzeit überdauert hat. Heute sind die Verkaufszahlen von PERRY RHODAN zwar nicht mehr so hoch wie in den siebziger und achtziger Jahren, dennoch konnte sich die Serie eine treue Stammleserschaft bewahren.

Arbeiten im Team

Wie hält man eine solche Serie am Leben? Und wie schafft man es, jede Woche einen Roman herauszubringen? Die PERRY RHODAN-Redaktion kennt die Antworten. Unter der Leitung von Chefredakteur Klaus N. Frick sorgt sie im baden-württembergischen Rastatt für regelmäßigen Nachschub an Lesestoff.

Geschrieben wird die Geschichte von einem derzeit zwölfköpfigen Autorenteam, das im Übrigen schon aus der dritten und vierten Autorengeneration seit Beginn der Serie besteht. Zwei Autoren geben mit Exposés die Handlung jedes Romans vor. Der wiederum von einem Teamautor verfasst wird. Nur wenn ein Heft auf dem anderen aufbaut, ist es möglich, die Kontinuität innerhalb der Serie zu bewahren.

Um Lesern den Einstieg zu erleichtern, unterteilt man die PERRY RHODAN-Serie in Zyklen. Zirka alle einhundert Bände beginnt eine neue Rahmenhandlung.

Vom Fan zum Macher

PERRY RHODAN ist ein Mammutprojekt, denn es muss nicht nur jede Woche pünktlich ein Heftroman, sondern auch alle zwei Wochen ein NEO-Taschenheft herausgegeben werden. Ganz zu schweigen von den parallel erscheinenden Formaten E-Book und Hörbuch.

Das erfordert nicht nur eine ausgeklügelte Koordination und ein gut geöltes Marketing, sondern auch enormen Einsatz für Lektorat und Bearbeitung. Denn die hohen Qualitätsansprüche der Fans wollen befriedigt werden.

Dafür sorgt vor allem Klaus N. Frick, der mit Argusaugen über die Manuskripte wacht und jedes geschriebene Wort liest, bevor es veröffentlicht wird. Keiner kennt die Serie besser als ein Fan wie er.

So wie viele der heutigen Autoren als Fans begonnen haben, las auch Frick bereits als Teenager in den Siebzigern die Abenteuer von Perry Rhodan. In der Schule verfasste er Kurzgeschichten und schrieb Artikel für die Tageszeitung seiner Heimatstadt im Schwarzwald.

Später arbeitete er freiberuflich für Pabel-Moewig in Rastatt, bis er Anfang der Neunziger als Redakteur in die Serie einstieg und 1999 den Posten des Chefredakteurs übernahm.

Umtriebige Fan-Szene

Kaum eine andere Heftromanserie hat eine so enge Beziehung zu ihren Fans. In Leserbriefen, Internet-Foren und den sozialen Medien tauschen sich die Fans über die Romane und Titelbilder aus, äußern Kritik und Lob gleichermaßen.

Bei Stammtischen und auf Veranstaltungen, sogenannten Convents (Cons), treffen sie sich, diskutieren oder erweitern das PERRY RHODAN-Universum auf ihre Weise, mittels Fan-Romanen, animierten Filmen, Hörspielen oder Fanzines (selbst publizierten Magazinen).

Unter anderem entstand aus der Fan-Szene heraus die Perrypedia, eine Online-Enzyklopädie in der Begriffe, Raumschiffe und Charaktere aller bisher veröffentlichten Publikationen beschrieben werden. Mit mehr 43.000 Einträgen ist die sie inzwischen nicht nur für die Fans und Leser zu einem unersetzlichen Wissens-Pool geworden, sondern vor allem auch für die Autoren. Sie haben dieses Geschenk der Fans für ihre Arbeit zu schätzen gelernt.

Blick in die Zukunft

In unserer digitalen Welt hat es der Heftroman jedoch schwer. Vieles funktioniert inzwischen über E-Books, während die gedruckten Romane nur im Abo oder an wenigen Kiosken erhältlich sind. Dass es PERRY RHODAN immer noch gibt, verdankt die Serie der Voraussicht der Redaktionsmitarbeiter, die bereits Anfang der 2000er Jahre ins E-Book-Geschäft eingestiegen sind.

Im Unterschied zu früher sind die Leser jedoch keine Jugendlichen mehr, sondern meist Männer über 50 aus allen Bevölkerungsschichten – vom Arzt, über den Bauarbeiter bis hin zum Bordellbesitzer. Und darin liegt auch das Problem. Die Serie benötigt dringend junges Blut unter den Lesern. Viele der Autoren sind inzwischen jünger als die Leser. YouTube-Videos, vermehrte Präsenz in den sozialen Medien und Publikationen außerhalb des Heftromans sollen helfen, die Serie in die Zukunft zu führen.

Zu diesem Zweck erscheint unteranderem eine Woche nach dem Jubiläum ein Buch von Bestsellerautor Andreas Eschbach. Mit »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« möchte man den Normalleser auf die größte Science-Fiction-Serie der Welt aufmerksam machen. Der Roman erzählt die Geschichte Perry Rhodans bis zu seinem Flug zum Mond und ist für alle Leser und Leserinnen von Spannungsliteratur geeignet.

So viel zu lesen und so wenig Zeit

Irgendwie geht mir zunehmend die Zeit ab. Vor allem fürs Lesen fehlt sie mir. Inzwischen stapeln sich die Comics, Magazine, Romane, Romanhefte und Leseproben auf meinem Schreibtisch. Ich kam am Wochenende nicht mal dazu, die zwei Leseproben zu begutachten, die ich vom Münchner Perry-Event mitgebracht habe.

Zumindest habe ich inzwischen mit dem Band 193 von NEO begonnen, das hatte ich wegen des Autors bisher vor mir hergeschoben, aber ich bin positiv überrascht. Es ist nicht so schlimm, wie befürchtet.

Dafür war ich selbst recht fleißig in den letzten Tagen und habe Texte für die Kolumne, die »SOL« und sogar vier Seiten für meinen Roman geschrieben. Das verschafft mir zumindest ein nicht ganz so schlechtes Gewissen.

Momentan beschäftigen mich in all die Berichte und Videos zur Veranstaltung in München. Ganz viel wurde inzwischen darüber geschrieben, vorwiegend positiv. Und Ben Calvin Hary, mit dem ich am Samstag leider nur kurz plaudern konnte, hat das erste offizielle Video hochgeladen.

Das teile ich an dieser Stelle sehr gern. Vor allem wegen des witzigen Beitrags von Chefredakteur Klaus N. Frick.

Busch & Bernemann

Quelle: Amazon

Das Dirk Bernemann zu einem der meist unterschätzten Autoren in Deutschland zählt, habe ich an dieser Stelle bereits mehrfach erwähnt. Seine Werke zeichnen sich nicht nur durch einen besonderen Stil aus, sondern vor allem durch bedrückende und extreme Bilder. Damit schafft er es das Leben, als das zu entblößen, was es ist – knallhart und kompromisslos. Dieser Tage las ich zwei seiner früheren Werke, die zwar anders sind als gewohnt, aber nicht weniger genial.

Eines davon ist der Comic »Max & Murat«. Comic ist vielleicht zu viel gesagt, es ist eine Bildergeschichte, die sich an die berühmte Geschichte von »Max & Moritz« von Wilhelm Busch anlehnt.

Dirk Bernemann tut etwas, dass Busch seinerzeit unterschlagen hat, er bindet den Hintergrund der Figuren mit ein. Und versucht auf diesem Weg, dem Leser zu vermitteln, was die beiden Kids zu ihren Taten anstachelt, die vom Anbrennen von Luxusautos, bis hin zum Drogenverkauf an Kinder reichen.

Das Heft mit gerade mal 24 Seiten ist in Versform geschrieben. Wobei die Reime nicht ganz so flüssig klingen, wie die von Busch, was aber oft an den modernen Begrifflichkeiten liegt. Die sind für Reime manchmal einfach zu sperrig.

Illustriert wurde das Heft von Phillip S. Neundorf. Die Bilder wirken wie Graffiti und unterstreichen damit, die modernen sieben Streiche von »Max & Murat«.

Das schöne an der Geschichte ist, dass Bernemann im Gegensatz zu Wilhelm Busch nicht den Finger erhebt, sondern die Lebenssituation der beiden für sich erklären lässt.

»Max & Murat« erschien 2013 im Unsichtbar Verlag und ist im Buchhandel oder bei den gängigen Onlinhändlern erhältlich. Es kostet 5 Euro, die gut investiert sind.

Zurück aus Lemuria

Quelle: Perrypedia

Seit ich 2013 angefangen habe, die Silberbände zu lesen, bin ich leider noch nicht so weit gekommen, wie ich gehofft habe. Gut, ich habe auch die Taschenbücher des Plophos-Zyklus gelesen, der bekanntlich nicht in den Silberbänden enthalten ist, aber durch manchen Silberband habe ich mich regelrecht quälen müssen. Ich denke dabei an die Bände über die Hohlwelt Horror oder über die Mobys.

Diese Woche habe ich Band 30 ausgelesen und das war mal wieder ein Silberband, der mich richtig begeistert hat. In »Bezwinger der Zeit« kehren Perry Rhodan und die Crew der Crest III aus der Vergangenheit zurück. Im Anschluss müssen sie einen geheimen Angriff der Meister der Insel auf die Erde abwehren. Das war sehr spannend.

Was mich an dem Roman aber besonders angesprochen hat, war der innenpolitische Konflikt um Perry Rhodan in seiner Rolle als Administrator. Die Heimtücke der MdI zielt darauf ab, das Solare Imperium zu destabilisieren und Rhodan politisch in Bedrängnis zu bringen. Am Ende steht sogar die Vernichtung der Erde als Ziel. Natürlich kommen Rhodan und die Terraner davon. Was sie nicht nur den Mutanten, sondern auch einigen exzentrischen Mitgliedern der Solaren Abwehr zu verdanken haben.

Amüsant fand ich die Handlungsebene um den Matten-Willy, der nichts unversucht lässt, um Perry Rhodan zu helfen. Auch wenn er dabei mehr Glück als Verstand beweist. Das war für einen Roman der EA aus dieser Zeit eine ungewöhnlich Charakterbezogene Geschichte.

Sehr schön! Wenn der nächste Silberband auch so spannend ist, schaffe ich es vielleicht doch noch meinen Mann einzuholen. Der ist nämlich schon bei Band 41.