Christinas Multiversum

Ansichten, Rezensionen, Kommentare

rainbow

Posts Tagged ‘Bücher’



Im Reich der Chemie – Elemente und Moleküle

Quelle: Amazon

Warum Chemie zu meinem absoluten Lieblingsfach in der Schule avancierte, weiß ich nicht mehr. Mathematik lag mir wegen der Zahlen nicht, in Physik mochte ich nur den Teil, der mit Atomen und Elektronen zu tun hatte, also keine klassische Mechanik und bei Biologie fand ich vor allem die Vorgänge in den Zellen faszinierend.

Dabei hat mir als Kind Chemie immer Angst gemacht. Wenn im Fernsehen irgendetwas mit qualmenden Reagenzgläser gezeigt wurde, habe ich umgeschaltet oder bin davon gelaufen. Ich erinnere mich da an die Folge »Clown Ferdinand und die Chemie«, bei der ich zu meiner Oma geflüchtet bin, weil meine Eltern den Fernseher nicht ausmachen wollten. Ich war auch ziemlich feige, wenn es darum ging, ein Streichholz anzuzünden (beim Ersten war ich etwa 12 Jahre) vom Anmachen des Gasherds ganz zu schweigen (weshalb ich immer den Elektro-Herd von meiner Oma erben wollte).

In der Schule aber war ich fasziniert von den Möglichkeiten der Chemie. Von den Eigenschaften der Elemente, die sich durch Verbrennung, oder dem Mischen mit Säuren oder Basen komplett verändern ließen. Dabei gefiel mir eher das theoretische Prozedere, als die praktischen Versuche. Wie gesagt, in der Hinsicht war ich eher feige. Von den abstrakten Gleichungen wurde ich geradezu angezogen. Ich konnte das damals ziemlich gut durchexerzieren und hatte keine Mühe, mir die vielen Elemente und ihre Eigenschaften zu merken. Kovalente-Bindung, Pauli-Prinzip, Komplex-Verbindungen, Valenzbindung das waren Themen, bei denen ich mich wohlfühlte. Ich hätte Chemie studieren können, wollte aber nicht, weil mich die Versuche abgeschreckt haben. Nach dem Grundstudium dachte ich kurzzeitig darüber nach Werkstoffwissenschaften im Hauptstudium zu wählen, habe mich dann aber doch für Medientechnik entschieden. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn ich zu den Werkstoffen gegangen wäre?

Quelle: Amazon

Für Bücher, die sich mit Chemie befassen, bin ich noch heute zu haben. Und wenn sie dann so toll und informativ aufgemacht sind, wie die von Theodore Gray, erst recht. Sein erstes Buch »Die Elemente« steht schon seit längerem in meinem Bücherregal. Jetzt habe ich mir auch den Nachfolger »Moleküle« zugelegt. Den finde ich fast noch informativer, weil man sehr viel über Stoffe erfährt, die einem im täglichen Leben begegnen. So weiß ich jetzt, warum mehrere Zuckeraustauschstoffe zusammen gemixt werden, oder welcher Stoff Propangas beigefügt wird, damit wir es rechtzeitig riechen. Diese Informationen werden nicht nur mit schönen Bildern begleitet, sondern sind auch witzig geschrieben. So wird unterhalten und informiert.

Beide Bildbände kosten mit 17 Euro nicht viel Geld und sind überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Ich habe »Moleküle« zum Beispiel in der Bahnhofsbuchhandlung gekauft. Eine Anschaffung die sich lohnt, nicht nur für Leute mit schulpflichtigen Kindern. Die beiden Bände machen im Bücherschrank auch richtig was her.

Psychoanalysen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 196 – »Entscheidung auf Kahalo« von Susan Schwartz

Das Situativ mit Perry Rhodan erreicht den letzten Planeten in der Transmitter-Kette. Der Protektor hat große Gedächtnislücken und ist körperlich ziemlich mitgenommen. Dennoch steigt er aus, um den Transmitter zu aktivieren. Draußen erwartet ihn neben einer aggressiven Flora eine Bestie, die vor sehr langer Zeit von der Allianz als Wächter zurückgelassen worden war. Und dann ist da auch noch Hak Gekkoor der dem Terraner auf den Fersen ist und Rhodan an seinem Vorhaben hindern möchte.
Auf der MAGELLAN versuchen Tifflor, Sud und Bell McGraw noch immer John Marshall aus dem Koma zu erwecken. Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von Nathalie. John erwacht und berichtet von seinem Ausflug ins Creaversum, kann sich aber nicht mehr an Details erinnern. Er weiß nur, dass die MAGELLAN nach Kahalo aufbrechen muss, um Perry Rhodan wieder an Bord zu nehmen.

Bis zur Hälfte des Romans, dachte ich: Was für eine sensationell gut geschriebene Geschichte. Spätestens im letzten Drittel, war die Spannung raus. Der Autorin gelingt es zwar sehr gut, nicht nur Rhodans schwindendes Bewusstsein, sondern auch John Marshalls Gemütszustand und Nathalie Rhodans kindliches Gemüt glaubhaft darzustellen. Das ist stellenweise richtig anrührend und ergreifend. Ich war ein paarmal ersucht, nach dem Taschentuchspender zu greifen. Doch je länger sich die Handlung zieht, desto mehr geht dieser Zauber verloren. Rhodans Kampf auf Kahalo zuerst mit den Pflanzen, dann mit der Bestie und später mit Hak Gekkoor, war gut erzählt, zog sich für meinen Geschmack aber zu lange hin. Als Rhodan schließlich sein Ziel die Pyramiden erreicht, ging alles viel zu schnell, ohne das man eine befriedigende Antwort bekommen hätte, was da gerade mit Rhodan passiert. Das klang ein bisschen zu sehr nach Fantasy und Hokuspokus als nach Science Fiction.

Ohnehin, fragte ich mich gleich zu Beginn, wieso Rhodan plötzlich schon am Ende seiner Reise ist. Wie viele Transmitter hat er aktiviert? Warum hat man mir das nicht gezeigt, sondern nur erzählt? Und wieso kommt er am Ende beim Sechseck-Transmitter und dem falschen Kahalo heraus, wenn sich doch das echte Kahalo, auf dem er agiert, in der Nähe der Erde befindet? Und hätte er nicht in Andromeda herauskommen müssen? Schließlich zieht sich der Aufriss zwischen beiden Galaxien entlang. Außerdem warte ich immer noch auf Tuire Sitareh. Nachdem seine Geschichte in Band 195 im Mittelpunkt gestanden hatte, dachte ich, dass er nun endlich zurückkehren und Rhodan beistehen würde.

Auffällig waren die vielen nachträglichen Erläuterungen, z. B. warum das Situativ nicht direkt an den Pyramiden gelandet ist, oder warum es nicht in der Luft blieb. Fragte sich da die Autorin selbst, warum das nicht im Exposé gestanden hatte, oder wurde sie erst darauf aufmerksam gemacht? Solche Fragen wurden erst im letzten Drittel thematisiert, dabei hätte man das schon bei der Landung erklären können.

Der zweite Handlungsstrang mit John Marshall hatte eine ähnlich psychologische Ausrichtung. Man bekam viele Innenansichten geboten. John, dessen Besuch im Creaversum seine Psyche massiv angegriffen hat. Nathalie, die mit ihrer Andersartigkeit besser klar kommt, als die Erwachsenen um sie herum und Belle, die vor Sorge um John nur noch ein seelisches Wrack ist. Nicht jedem Leser wird soviel geballte Psychoanalyse gefallen. Susan Schwartz gab sich sichtlich Mühe die Emotionen der Figuren an den Leser weiterzugeben. Bei mir ist ihr das auch gelungen.

Jetzt zu einer Sache, die mich inzwischen massiv nervt und an der die Autorin keine Schuld trägt, sondern die den Exposéautoren anzulasten ist. Ich meine, die fragwürdige Beziehungskiste zwischen John Marshall und Belle McGraw. Ich habe Belle als Charakter immer gern gemocht. Meines Erachtens schadet diese fast schon krankhafte Fokussierung auf John Marshall der Figur sehr. Belle benimmt sich nicht mehr wie die professionelle, intelligente Frau, als die sie einst dargestellt wurde. Seit Wochen sitzt sie tatenlos an John Marshalls Krankenbett. Sie hat doch Aufgaben auf der MAGELLAN zu erledigen, warum geht sie diesen Aufgaben nicht nach? Warum ruft sie nicht mal jemand zur Ordnung, sondern lässt sie gewähren? Das halte ich für unglaubwürdig. Klar sie sorgt sich um John, aber warum vernachlässigt sie darüber ihre Pflichten? Das klingt nicht nach der Bell McGraw, die ich kennengelernt habe. Hier fehlt einfach ein Eric Leyden, der sie mal so richtig zusammenstaucht. Den scheinen die Expokraten, aber leider fürs Erste geparkt zu haben.

»Entscheidung auf Kahalo« ist ein guter Roman von Susan Schwartz, der brilliant hätte werden können, wenn sie die Handlung etwas gestrafft und ein paar mehr Antworten geliefert hätte.

Fledermäuse in Hannover

Quelle: Amazon

Einer der schönen Nebeneffekte der Schreibseminare an der Bundesakademie Wolfenbüttel ist: man fährt am Ende des Wochenendes meist mit einer langen Liste an Lesetipps nach Hause. Sowohl Dozenten, als auch Seminarteilnehmer befruchten sich gegenseitig mit Tipps zu lesenswerten Romanen, Anthologien und Sachbüchern zum Thema Phantastik oder zum Schreiben.

Ein Titel wurde in den vergangenen Jahren immer wieder genannt. Kathrin Lange hat beim letzten Seminar derart euphorisch den Anfang des Buches gespoilert, dass ich mir den Roman des ehemaligen BA-Seminarteilnehmers gekauft habe. Dieses Mal als E-Book für lange Zugfahrten, falls mir der Lesestoff in Papierform ausgehen sollte.

»Fledermausland« wurde geschrieben von Oliver Dierssen einem Arzt aus Hannover. Sein Roman erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Sebastian Schätz, der eines Tages feststellen muss, dass sich in seiner stinknormalen Realität mythische Geschöpfe (Anthropomorphe) tummeln. Bei den Begegnungen mit Ogern, Vampiren, Zwergen und Untoten erfährt er, dass es eine lichte und eine dunkle Seite gibt, denen die Kreaturen angehören, die allesamt zwanglos und unerkannt unter den Bewohnern Hannovers leben. Als er nach einem schief gegangenen Koppulationsakt mit seiner Freundin Kim überall herumerzählt, dass sie Sex hatten, fängt der Ärger erst richtig an. Denn was Sebastian nicht weiß, Kim ist eine Nymphe und der Kontakt zwischen Menschen und Anthropomorphen ist streng verboten und wird von der GEZ geahndet. Für Sebastian beginnt eine irrwitzige Jagd quer durch die mythische Parallelgesellschaft Hannovers.

Ich kann Kathrin Lange nur zustimmen, der Roman ist so schräg und abgefahren, dass man ihn unbedingt gelesen haben muss. Allein der Auftakt mit der Fledermaus im Schlafzimmer ist der absolute Brüller. Da hängt ein Mann mit der Hand im Jalousiekasten seines Schlafzimmerfensters fest, nur mit einem Handtuch bekleidet. Und das ist nur eines der vielen skurrilen Bilder, die der Autor innerhalb der Geschichte liefert. Von Kapitel zu Kapitel wird die Gegenwart des Protagonisten immer schräger, bis sich am Ende alles im Showroom eines Bordells mit einem großen Knall auflöst.

Ich hatte sehr viel Spaß mit diesem ungewöhnlichen Roman. Mir gefiel vor allem, wie langsam sich alles entwickelt. Aus den Augen des Ich-Erzählers heraus durfte ich miterleben, wie sich sein normales Leben als Studienanwärter wandelt. Wie er die verborgene Gesellschaft entdeckt, die sein Leben umkrempelt und er sich plötzlich von Vampiren und Untoten sowie anderen Figuren umgeben sieht.

Die lockere Sprache und die irrwitzigen Einfälle von Oliver Dierssen heben die Geschichte erfrischend aus dem Genre der Phantastik heraus. Nebenbei erfährt man einiges über die Stadt Hannover, ein wahrlich ungewöhnlicher Ort für einen solchen Roman. Absolut lesenswert für Fans von ungewöhnlichen und vor allem humorigen Geschichten.

Der Roman erschien 2009 bei Heyne. 2015 folgte ein E-Book-Release bei Fischer-Digital. »Fledermausland« ist überall dort erhältlich, wo es Bücher und E-Books gibt.

Buchmesse Blitzbesuch 2

Redakteure beim Plausch

Und hier die Fortsetzung …

In Halle 5 kaufte ich unter anderem das neueste Werk von Dirk Bernemann. Leider war der Autor dieses Mal nicht vor Ort, aber ich hielt ein Schwätzchen mit seinem Verleger. Bei einem anderen Verlag ergatterte ich die Visitenkarte eines Lektors. (Mal sehen, ob sich da was ergibt.) und beim Stand von Papyrus-Autor erfreute ich mich an der Bücherwand. Die Software-Schmiede hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Bücher, die mit Papyrus-Autor geschrieben wurden, am Stand auszustellen. Eine nette Idee, wie ich finde.

In Halle 3 wollte ich mir dann wenigstens den Roman von Bela B kaufen, doch ich fand ihn am Stand von Heyne nicht. Auf meine Nachfrage war der Mitarbeiter selbst verdutzt, dass keine Exemplare mehr im Regal lagen. Ein anderer wusste aber noch eines aus den Tiefen eines Schrankes hervorzuzaubern, so dass ich tatsächlich das letzte Exemplar erwischte.

Mit vollem Beutel eilte ich zurück in Halle 2, wo Andreas Eschbach am Perry-Stand seine Perry Rhodan-Biografie signieren sollte. Ich kam sogar erstaunlich gut durch, weil sich viele der Messebesucher bei der Wärme nach draußen geflüchtet hatten und dort in der Sonne saßen. Im letzten Jahr, sah das anders aus, da lag Schnee auf dem Hallendach.

Am Perry-Stand traf ich auf die umtriebigen Mitglieder des Mannheimer Stammtischs, die bereits in den Startlöchern warteten. Nach und nach kamen andere Besucher hinzu, die bereits den dicken Wälzer von Eschbach bereithielten. Überpünktlich traf dann auch der Autor ein, der gut gelaunt und mit souveräner Ruhe alles unterschrieb, was man ihm entgegenhielt. (Ob Körperteile auch dabei waren, kann ich aber nicht sagen.) Auch ich hatte den Roman durch die halbe Republik nach Leipzig geschleppt. Mein Mann hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn schon im Voraus zu kaufen und auch zu lesen. Obwohl ich das Buch eigentlich erst auf der Messe kaufen wollte. Aber gut das ich es dabei hatte, denn laut einigen Besuchern, war es an diesem Tag bereits ebenfalls ausverkauft.

Ich schwatzte lange mit ein paar Fans über Dies und Das, sah Andreas Eschbach beim Signieren zu und kaufte an den umliegenden Ständen noch ein paar Bücher, meist solche, dessen Autoren ich persönlich kannte.

Weil ich irgendwann nicht mehr stehen konnte, lauschte in der Leseinsel zunächst einer Lesung aus »Warrior-Cats« und später der von STELLARIS-Autor und Wolfenbüttel-Seminarteilnehmer Ulf Fildebrandt. Bei der Gelegenheit muss ich anmerken, dass die Sitzgelegenheiten der Leseinseln, für ein deutlich jüngeres Publikum ausgerichtet sind. Nicht nur ich hatte Mühe, mich wieder vom Boden zu erheben.

17 Uhr! Der letzte Termin an diesem Freitag war ein Treffen mit PR-Chefredakteur Klaus N. Frick. Wir sprachen über die FanSzene und die PRFZ. PR-Mitarbeiterin Madeleine Grobe machte noch ein schönes Foto von uns und dann musste ich auch schon wieder weg.

Denn die Bahnverbindung zwischen Saalfeld und Leipzig, die noch im vergangenen Jahr so passend funktioniert hatte, gibt es nicht mehr. Inzwischen muss ich mehrfach umsteigen und brauche im Durchschnitt zweieinhalb bis drei Stunden. Also entschied ich mich für einen ICE über Erfurt, mit dem ich in knapp zwei Stunden zu Hause sein würde.

Weil ich spät dran war, nahm ich wieder den Bus. Der gleiche Busfahrer vom Mittag war immer noch gut drauf und machte seine Späße mit den Fahrgästen und den Besuchern, die vor dem Bus mitten auf der Straße spazierten, ohne nach rechts, links oder nach hinten zu schauen. Mit viel Humor kam ich am Messebahnhof an, wo auch schon mein ICE wartete. Hier tat ich zum ersten Mal etwas, was ich noch nie gemacht habe. Ich stieg ohne Fahrkarte in den Zug. Die kaufte ich erst an Bord über meine Smartphone-App. Das Internet macht es möglich.

Völlig erschlagen aber hoch zufrieden fiel ich an diesem Tag spät abends ins Bett. Und ich wünschte mir tatsächlich mehr Zeit für den nächsten Messebesuch. Es war heuer wirklich ein bisschen zu hektisch gewesen.

Vielen Dank an Madeleine Grobe aus der PERRY RHODAN-Redaktion für das nette Foto.

Buchmesse Blitzbesuch 1

Andreas Eschbach beim Signieren

Damit es nicht zu viel Text wird, veröffentliche ich meinen Buchmessebericht in zwei Teilen.

Obwohl mein Besuch auf der Buchmesse im vergangenen Jahr ähnlich abgelaufen war, fühlte ich mich dieses Jahr etwas gehetzt.

Ich fuhr um 7 Uhr in Traunstein los und kam ohne große Komplikationen um 12:30 Uhr an der Messe an. Ich wäre sogar schon eher dagewesen, wenn der ICE auch am Messebahnhof gehalten hätte, aber man kann nicht alles haben. Dafür zeigte sich das Wetter von seiner besonders schönen Seite. Die Sonne schien vom blauen Himmel und es herrschten milde Frühlingstemperaturen. Leider war es am Morgen in Traunstein noch ziemlich kalt gewesen, so dass ich die dicke Jacke anziehen musste. Die war dann in den Messehallen und vor allem in der großen Glashalle mehr als hinderlich. Ich wäre wie immer am liebsten vom Messebahnhof zum Eingang gelaufen, aber da einer der Programmpunkte, die ich sehen wollte anstand, entschied ich mich zum ersten Mal für den Bus. Viel schneller war ich dadurch zwar nicht, aber es war unterhaltsam, was vor allem am gut aufgelegten Busfahrer lag.

Als ich durch den Ticket-Check-In durch war, lief der erste Programmpunkt, den ich sehen wollte bereits. Rund um die blaue Couch im Foyer hinter dem Eingang, hatte sich eine Traube von Menschen versammelt. Auf der Couch saßen ein Moderator des ZDF und Bela B Felsenheimer von den» Ärzten«. Ich hatte unlängst erfahren, dass er einen Roman geschrieben hatte und diesen auf der Buchmesse präsentieren wollte. Mit einem solchen Andrang hatte ich allerdings nicht gerechnet. Die Verantwortlichen wahrscheinlich auch nicht, denn der Stand, an dem im Anschluss signierte Ausgaben des Romans verkauft wurden, war so umlagert, dass die meisten Kaufwilligen wahrscheinlich leer ausgegangen sind.

Ich zog weiter und hoffte auf die Lesung von Bela B um 14 Uhr in Halle 5. Vor allem hatte ich erst einmal Hunger. Doch auf dem Weg zu den Imbissständen in Halle 2 traf ich so viele bekannte Gesichter, das daraus erst einmal nichts wurde. Ein »Hallo« hier und ein »Hallo« da, gefolgt von der Frage »Wie geht‘s und was macht du gerade?«, das kannte ich in dieser Form noch nicht. Zeigt mir aber, wie tief ich in die Phantastik-Literatur-Szene in den letzten Jahren eingetaucht bin. Einige kannte ich aus Wolfenbüttel, andere aus dem PERRY RHODAN-Fandom.

Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, schnell etwas zu essen, frische Luft zu schnappen und am Perry-Stand noch ein paar Worte mit Christian Montillon zu wechseln, dessen Heftroman 3004 ich auf der Fahrt zu Ende gelesen hatte. Dann war es auch schon zwei Uhr und ich hastete in Halle 5. Wurde von den freundlichen Sicherheitsleuten erstmal nach draußen umgeleitet, weil in den Durchgängen vor Menschenmassen mal wieder nichts mehr ging. Als ich ankam, war die Lesebühne bereits komplett umstellt, es gab kein Durchkommen. Man hatte außen zwar Bildschirme angebracht, aber ohne Lautsprecher. Ich hatte die Wahl entweder was zu sehen, oder zu hören. Aber nur, wenn ich mich irgendwie an einen der seitlichen Eingänge heran drängelte. Dort sah ich aber nichts. Ich blieb eine Weile stehen, gab es dann aber auf, weil der Ton so schlecht und die umstehenden Zuhörer zu laut quasselten – und klapperte die anderen Punkte auf meiner ausgedruckten Liste ab, die ich in Halle 5 erledigen wollte …

Morgen folgt dann der zweite Teil.

Buchmesse voraus

Die Buchmesse in Leipzig rückte in den vergangenen Tagen immer näher. Seit 2015 fahre ich regelmäßig im März nach Leipzig, um die Buchmesse zu besuchen. Auch wenn ich kein Fan von großen Menschenansammlungen bin. Aber was tut man nicht alles, für sein Hobby.

Auf meiner Liste habe ich mir Termine und die Stand-Koordinaten einiger Verlage vermerkt, die ich besuchen möchte. Ansonsten bummle ich immer gern durch die Hallen, sofern man durchkommt. Auf alle Fälle werde ich dem Stand der PERRY RHODAN-Redaktion einen Besuch abstatten. Dort wird Andreas Eschbach sein neuestes Werk signieren, die Perry Rhodan-Biografie. Und vielleicht bekomme ich dort diesmal auch einen Kaffee.

Da mein Mann die Zeit nicht abwarten konnte, hat er Eschbachs Roman bereits vor Wochen bestellt und auch schon gelesen. Ich wollte ihn erst in Leipzig kaufen, damit ich das dicke Buch nicht durch halb Deutschland schleppen muss. Nun, ja, jetzt muss ich morgen früh doch mit dem Wälzer im Gepäck die Fahrt nach Leipzig antreten. Ich hoffe, dass die Deutsche Bahn mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Und vor allem könnte ich auf solche Wetterkapriolen wie im vergangenen Jahr gern verzichten. Schau’n wir mal, wie der Bayer sagt.

Mein Freund Ben, stellt in seinem neuesten Video Andreas Eschbachs Roman vor. Vielleicht hat ja der eine oder andere Nicht-Perry-Leser hier Lust, sich auf die Geschichte des jungen Perry Rhodan einzulassen. Sie spielt in den 1960er Jahren und verknüpft sehr geschickt geschichtliche Fakten mit den fiktionalen Ereignissen des Perryversums.

Starkes Doppel von MMT

Quelle: Perrypedia

Seit Band 3000 lese ich auch wieder die PERRY RHODAN-Erstauflage, mal schauen wie lange ich das durchhalte. Ich meine, NEO und EA lesen, ist ein bisschen viel, wenn man noch was anderes außer PERRY konsumieren möchte. Nun, der Doppelband von Michael Marcus Thurner hat mir jedenfalls richtig gut gefallen, und das obwohl ich mit dem Stil des Autors sonst meine Probleme habe.

In Band 3002 »Die Kriegsschule« erzählt er die Abenteuer des Siganesen Tenga auf einem Raumschiff der Ladhonischen Piraten. Das auf einem Piratenschiff eine militaristische Hierarchie herrscht, und auf dem die Rekruten (Maate) bis zum Umfallen gedrillt werden, erwartet man nicht. MMT beschreibt den schonungslosen Drill sehr bildhaft, inklusive Tengas ausufernden Pralinenkonsum während des Einsatzes. Ich glaube fast, dass ich allein durchs Lesen ein Kilo zugenommen habe.

Ein Wiedersehen gab es auch mit den Olubfanern aus PR 3001. Sowohl sie, als auch die Ladhonen sind fremdartige Individuen, die vom Autor mit Leben erfüllt werden, ohne sie zu entmenschlichen. Das finde ich eine großartige Leistung.

 

Quelle: Perrypedia

In Band 3003 »Das Triumvirat der Ewigen« setzt der Autor noch einen drauf. Ich habe selten einen Heftroman in einem Rutsch durchgelesen, diesen konnte ich nicht aus der Hand legen. Die Geschichte über 3000 Terraner, die in der Kaverne innerhalb eines Gesteinsplaneten leben, abgeschottet vom Rest der Galaxis, hat mich richtiggehend gepackt. Das war super spannend, nicht nur weil man mehr über Zemina Paath und ihren Paau erfahren hat. (Witzig war die ultimative Antwort des Koffers auf fast jede Frage: »Ich bin der Paau«. Das war wie bei dem Baum aus Guardians of the Galaxy »Ich bin Groot«.) Interessant fand ich vor allem die Gesellschaft, die sich aus den geflüchteten Terranern entwickelt hat, von denen drei einen Zellaktivator besaßen.

Das die Unsterblichkeit nicht nur Positives in Personen hervorbringt, kennen wir ja bereits seit den Meistern der Insel. MMT hat die Veränderungen im Charakter nochmal sehr klar dargestellt und wie schnell daraus eine Diktatur und ein Überwachungsstaat entstehen kann. Exzellent!

Wenn die kommenden Romane alle so gut sind, wie die seit Band 3000, dann muss ich wohl doch weiterhin beide Serie lesen. Seufz! Ich wünsche mir einen 35 Stunden Tag.

Ein Leben im Zeichen des Raben

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 195 – »Tuire« von Rüdiger Schäfer

ES taucht unvermittelt in Terrania auf und erzählt Thora, Bully und Ngata die Lebensgeschichte von Tuire. Am Ende entschuldigt er sich bei Thora dafür, dass Perry und Tuire sterben müssen, um ANDROS zu vernichten.
Sie erfahren, wie er zu seinem zweiten Ich Thayanar kommt, wie er seine Kampfkunst »den Weg der Schwingen« erlernt, wie er von der ALLIANZ und ES gleichermaßen missbraucht wird und wie er sein Gedächtnis verliert. 

Ich behaupte mal das kein anderer Autor diesen Roman so einfühlsam hätte schreiben können wie Rüdiger Schäfer. Er erzählt genau die Art Geschichte, in der er seine Stärken als Autor ausleben kann. Tiefsinnig und mit viel Emotionen bringt er dem Leser seinen Protagonisten nahe. Ich litt mit dem Auloren und brauchte an manchen Stellen mehr als nur ein Taschentuch.

Bisher wurde die Figur des Tuire Sitareh nur Schlaglichthaft beleuchtet. Bis zu diesem Roman kannten die Leser nur einen kleinen Teil seiner Lebensgeschichte. Rüdiger Schäfer zeichnet endlich ein vollständiges Bild. Ich kann nur annähernd erahnen, wie schwierig die Recherchearbeit für den Roman gewesen sein muss. Informationen mussten aus über 90 Bänden zusammengetragen und zu einer Geschichte verknüpft werden. Dies gelingt dem Autor auch über weite Strecken hinweg. Viele Querverbindungen haben mich überrascht, andere wiederum fühlen sich sofort schlüssig an.

Der Aulore (man erfährt auch endlich, was ein Aulore ist) erlebt viele Schicksalsschläge, muss höchste Höhen und tiefste Abgründe überwinden. Er lernt Freunde kennen und verliert sie wieder. Er unterwirft sich, leidet im Verborgenen und triumphiert am Ende doch über seine Gegner. Sein überlegener Intellekt bildet sich erst im Laufe eines langen Zeitraums heraus, ebenso wie seine Kampfkunst. Und dennoch …

Manchmal hätte ich mir mehr Kampfeswillen bei Tuire gewünscht. In meinen Augen lässt er sich zu oft gehen, um sich dann im nächsten Moment wieder dem Leben zu stellen. Das lässt den Charakter ambivalenter erscheinen, als man ihn kennt. Sicher, die Entwicklung Tuires zu der Person, die man kennt und lieb gewonnen hat, dauert Jahrhunderte und das lässt sich nur schwer vermitteln, vor allem in der Kürze eines einzigen Romans. Weshalb ich mich gefragt habe, wozu der Autor die ersten beiden Kapitel für eine Nebenstory verschwendet, die am Ende nicht wieder aufgegriffen wird. Keine Frage, das war toll geschrieben, aber mir fehlte ein bisschen der Bezug zum Rest des Romans.

Und damit komme ich zu dem Punkt, der meine Freude über den Roman ein wenig trübt. Die Rahmenhandlung mit ES. Gab es keine bessere Möglichkeit, als ES auftauchen zu lassen, der die Geschichte von Tuire erzählt? Mir wäre lieber gewesen, Tuire selbst zu erleben, wie er seine Erinnerungen zurückerlangt und Perry oder jemand anderem seine Geschichte erzählt. Das Auftauchen von ES fand ich an dieser Stelle überflüssig. Bisher hat sich die Superintelligenz nicht gezeigt. Warum jetzt und warum zu einem für sie so banalen Zweck? Da hätte es in der Vergangenheit weit wichtiger Momente gegeben. Außerdem, hieß es nicht, dass ES die Schwester von ANDROS ist? Ich hatte mit einer schönen Frau und nicht mit einem alten Mann gerechnet. Das klang mir zu sehr nach Erstauflage, da hätte ich mir mehr Innovation gewünscht.

»Tuire« ist ein überaus gelungener Roman von Rüdiger Schäfer, der mich mit seinem Erzählstil wieder mal tief berührt hat. Der viele Fakten über Tuire zu einer stimmigen Lebensgeschichte verwebt und dem NEO-Leser einige Zusammenhänge liefert. Allein die Rahmenhandlung vermochte mich nicht zu überzeugen.

Seit Band 101 habe ich die Figur des Tuire sehr lieb gewonnen. Oftmals gefiel er mir besser als Atlan. Ich fürchte jedoch, dass wir uns bis Band 199 von dem Auloren verabschieden müssen. Eine Tatsache, die ich jetzt schon bedauere. Na gut, dafür haben wir jetzt Zemina Paath, den weiblichen »Tuire« in der Erstauflage.

Fabelheft

Quelle: Amazon.de

»Animal Love Train« heißt die Fabelsammlung aus der Feder von Dirk Bernemann.

In dem kleinen silbernen Heft im Format eines Pixisbuchs erzählt der Autor von Tieren, die sich in irgendeiner Weise befreien und am Ende in einer Großstadt als Band zusammenfinden.

Die Charaktere sind dabei so unterschiedlich, jeder hat andere Sorgen und Nöte. Da ist zum Beispiel das Nashorn, das im Vorgarten eines greisen Millionärs angebunden auf seinen Abschuss wartet. Oder der Blindenhund, der seiner Aufgabe leid ist und seinen Blinden im Wald aussetzt. Oder das Känguru das sich nicht in Regel pressen lässt.

Am Ende steht zwar kein Happy End, sondern das normale Überleben ganz wie in der Wirklichkeit. Ein besonderes Heft mit besonderen Geschichten, denen tatsächlich etwas Fabelhaftes anhaftet. Sehr schön auch als Geschenk geeignet.

Ausgefeilte Haluterhistorie

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 194 – »Abgründe der Zeit« von Rainer Schorm

Perry Rhodan erreicht mit dem Situativ das Epsilon-Lyrae-System und damit eine weitere Anlage um die Transmitterstraße zu aktivieren. Ihm auf den Fersen ist Hak Gekkoor. Der Entrione will Rhodans Tod, doch er hat nicht mit der Verschlagenheit einiger Bestien gerechnet, deren Bewusstseine innerhalb der Pyramiden auf der Steuerwelt Ka’Gassh gespeichert sind. Rhodan kann den Transmitter aktivieren und Gekkoor entkommen. Nur die Reise mit dem Situativ scheint ihm immer mehr von seinen Erinnerungen zu nehmen. Er fragt sich, was am Ende von seiner Persönlichkeit bleiben wird.
Derweil entführt Tolot im SOL-System Sud und Nathalie in die DOLAN, damit sie ihm beistehen, das Ungleichgewicht innerhalb seiner drei Gehirne, dem Planhirn, dem Ordinärhirn und dem Tertiärknoten wieder ins Lot zu bringen. Er steht neben sich und kurz vor dem Ausbruch einer Drangwäsche. Damit befinden sich Sud und Nathalie in großer Gefahr. Doch sie erfahren durch ihn auch, wie die Haluter entstanden sind und warum auf Tolot eine so schwere Last liegt, die ihn zu zermürben droht.
Thora da Zoltral will ihre Tochter schützen und stellt sich dem Haluter entgegen, als er die Kontrolle verliert.

»Abgründe der Zeit« ist ein ungewöhnlicher Roman für Rainer Schorm. Seine sonst üblichen ausschweifende Erklärungen zu Technologie finden sich hier kaum, stattdessen erzählt er die faszinierende Geschichte der Haluter, auch wenn ich das Wie als nicht so ganz originell empfinde.

Eine Menge Puzzlestücke fügen sich in diesem Roman endlich zu einem großen Ganzen. Das fühlt sich zu keiner Zeit konstruiert an. Nebenbei enttarnt der Autor auch das »Ringen« als Schwindel, mit dem ANDROS seine Untergebenen an der Nase herumführt.

Besonders gelungen sind die Einblicke in Tolots Vergangenheit. Rainer Schorm verleiht der Figur damit sehr viel Tiefe. Auch Sud und Nathalie erhalten von ihm einen komplexeren Hintergrund.

Der Handlungsstrang um Perry Rhodan nimmt zwar nur einen Bruchteil im Roman ein, man hat aber als Leser nie das Gefühl, sinnlos Zeit zu verlieren.

Zwei kleinere Fehler inhaltlicher Art habe ich dann doch entdeckt, aber darüber sehe ich angesichts der faszinierenden Erzählung hinweg.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass »Abgründe der Zeit« genau das liefert, was ein Roman in der finalen Staffel vor dem Jubiläum liefern sollte: Antworten und Zusammenhänge. Auch wenn Rainer Schorm dies auf einem ungewöhnlichen Weg erreicht, mir hat es gefallen.