Das Ende der Dunkelheit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 249 – »Blackout Terrania« von Rüdiger Schäfer

Ein vom Mond ausgehender weltweiter Blackout stellt die Terraner vor ungeahnte Herausforderungen. Alle elektronischen Systeme versagen und stürzen die Menschen in die Katastrophe, vor allen in Terrania.
Perry Rhodan muss auf den Mond, um den Urheber des Blackouts, Iratio Hondro, das Handwerk zu legen. Mit Hilfe eines alten chinesischen Jets fliegt er mit Ronald Tekener nach Südamerika und gelangt mittels des dortigen Zeitbrunnens zum Mond. Unterstützung erhält er dabei unter anderem von SENECA, der Bordpositronik der CREST II.
Auf dem Mond trifft Rhodan neben Gucky, Sofgart und Omar Hawk auch auf seine beiden Söhne. Gemeinsam dringen sie in NATHANS Herz vor. Dort hat Iratio Hondro bereits das Nonagon gestartet, um Tihit ins Einsteinuniversum zu holen. Die Terraner greifen den allmächtigen Plophoser an, doch seine Technosporen schützen ihn. Bei dem Angriff wird Farouq Rhodan da Zoltral von Hondro erschossen. Die Situation wendet sich erst, als Sofgart in den Kampf eingreift. Sein Flakon und die drei Tropfen zerstören die Technosporen, nehmen damit Hondro die Macht und beenden den Blackout.
Während Rhodan zögert, den wehrlosen Hondro zu töten, übernimmt das Ronald Tekener für ihn und erschießt den Mann, der seine Schwester und ihn missbraucht hat. NATHAN nutzt das aktivierte Nonagon, um das Dunkelleben endgültig aus der lokalen Blase zu entfernen.
Tage später findet auf dem Mars die Trauerfeier für Rhodans Sohn Farouq statt.

Endlich, so möchte man hinausschreien, hat der Spuk um das Dunkelleben und um Iratio Hondro ein Ende. Der Handlungsbogen erschien mir extrem langgezogen. Das Perry Rhodan den Plophoser nicht töten würde, war zu erwarten. Wie gut, dass man für diesen Fall eine Figur wie Ronald Tekener aufgebaut hat. In dieser Hinsicht hat mich das Staffelfinale nicht verblüfft.

Überraschend dagegen ist der Tod von Rhodans Adoptivsohn Farouq. Natürlich ist sein Tod ein zusätzliches Mittel, um Rhodans Wut gegenüber seinem Gegner zu schüren. Dennoch war eigentlich klar, dass er Hondro kein Haar krümmen würde. Farouqs Tod dient vermutlich auch der Vorbereitung der nächsten Staffel, wenn es um die Unabhängigkeit der Kolonien und des Mars gehen wird. Da stünde der Marsgeborene wohl im Weg. Obwohl er gleichzeitig Konfliktpotenzial geboten hätte. Ich hätte eher Thomas Rhodan geopfert.

Sehr schön erzählt ist die Nebenhandlung über die junge Ärztin Nelly Parks, die zusammen mit einem Patienten durch das stromlose Terrania irrt und zur Helferin für viele Menschen wird. Mit solchen Geschichten kann mich Rüdiger Schäfer regelmäßig begeistern. Auch in diesem Fall ist dieser Handlungsbogen mein Favorit. Allerdings hätte ich mir gewünscht, wenn sie am Ende des Romans ein abschließendes Kapitel bekommen hätte (vielleicht als Prolog). Denn so wird die Handlungsebene mit ihr mittendrin abgewürgt.

Wie bei anderen Staffelenden werden, in mehr oder weniger geglückter Form, einige Charaktere aus der Handlung genommen. Das schlimmste Schicksal ereilt dabei neben Farouq Rhodan Jessica Tekener, der Hondro alle Mentalenenergie entzieht und ihr damit jegliche Erinnerungen und ihre Seele raubt. Sie ist nur noch ein menschliches Wrack, lebendig aber ohne Bewusstsein. Sofgart verliert durch sein Eingreifen das Augenlicht. Der Kreellblock mit dem Leyden-Team ist schwer beschädigt und wird genauso wie Leibnitz und Monade von NATHAN unter Verschluss gestellt.

Ein bisschen hadere ich nach wie vor mit der technischen Erklärung des Blackouts. Die lieferte bereits Rainer Schorm im vergangenen Band. Die These über die Aushebelung des Welle-Teilchen-Dualismus überzeugt mich nicht ganz. Warum sind dann nur die elektrischen Systeme betroffen? Wenn, müsste eigentlich alle Materie auseinanderfallen und jegliche chemische Reaktion betroffen sein. Alle Lebewesen auf der Erde und Mond könnten nicht mehr existieren. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Informationen gewünscht. So habe ich es als gegeben hingenommen, befriedigt hat es mich allerdings nicht. Ebenso wenig wie Perry Rhodans Flug mit dem chinesischen Jet. Dabei war arg viel Zufall im Spiel.

»Blackout Terrania« bringt den langen Handlungsbogen um das Dunkelleben endlich zu Ende. Trotz der unvorhergesehenen Überraschung ist es für mich nicht das beste Staffelfinale, da konnte man in der Vergangenheit schon Bessere lesen. Dennoch haben die Exposé-Autoren die meisten offenen Fäden zusammengeführt und zu einem befriedigenden Abschluss gebracht. Jetzt geht es hoffentlich mit neuen Ideen ins zweiundzwanzigste Jahrhundert.

Eskalierendes Todespektakel

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 245 – »Saturn in Flammen« von Ben Calvin Hary

Am Rande des Solsystems fällt ein gigantisches Raumschiff aus der Transition. Reginald Bull fliegt mit der TERRANIA und weiteren Raumschiffen der Flotte den Unbekannten entgegen. Sie finden heraus, dass es sich bei dem Raumschiff um PE-Hilfreich, eine Plattform der Paddler handelt, die aus der Andromedagalaxie kommt. Einst hatten die Terraner die Dienste dieser Werft in Anspruch genommen. Die Paddler bitten die Terranische Union um Asyl. Darüber entspinnt sich ein Streit zwischen Erde und Mars, denn keine der beiden Regierungen möchte die Paddler aufnehmen. Zu tief sitzen die Ängste nach den vielen Invasionen der letzten Jahrzehnte. NATHAN nimmt sich der Paddler an und bietet ihnen auf dem Mond ein neues Zuhause, was die Politiker der Terranischen Union in helle Panik versetzt. Doch kaum sind die Paddler auf dem Mond, geschieht beim Saturn eine Katastrophe.
Ronald Tekener will seine Schwester aus der Klinik auf dem Saturnmond Mimas holen, in der sie seit ihrer Befreiung aus Iratio Hondros Knechtschaft festgehalten wird. Da explodieren die Raumstationen im Saturnorbit, die den Situationstransmitter nach Olymp mit Energie versorgen. Alle Einrichtungen auf Mimas und den anderen Saturnmonden werden evakuiert. In den Wirren findet Tekener seine Schwester, doch die ist von seiner Hilfe wenig begeistert. Im Gegenteil, sie weist das Sicherheitspersonal an, ihren Bruder kaltzustellen.
Jessica ist nach wie vor Hondros Marionette. Er hat sie mit Dunkelleben infiziert, damit sie im Solsystem seinen Auftrag ausführt. Hondros Ziel ist das Mondgehirn NATHAN. Jessica und weitere Links von Hondro fliegen mit der Space-Disk eines privaten Rettungsdienstes in Richtung Erde. Über dem Mond führt ein von Hondro ausgetüfteltes Programm dazu, dass die Space-Disk im Asmodeuskrater auf dem Mond abstürzt. Jessica und ihre Mitstreiter verlassen unbemerkt das Schiff und dringen ins Innere von NATHAN ein. Hilfe erhalten sie dabei von einem von Hondros Links auf dem Mond. Jessica soll ins Herz von NATHAN vordringen und dort Hondros Technosporen freisetzen, koste es was es wolle. Mit ihrer Hilfe will Hondro die Mondintelligenz übernehmen, um das Nonagon zu steuern, das für Tihits Manifestation im Einsteinraum sorgen wird.

Bei Band 244 »Iratio« von Rüdiger Schäfer hatte die Redaktion daran gedacht, eine Triggerwarnung zu veröffentlichen, wegen übermäßiger Gewaltdarstellung. Das ist umso unverständlicher, wenn man »Saturn in Flammen« gelesen hat. Vergleicht man die beiden Romane miteinander, stellt man schnell fest, das Rüdiger Schäfer mit »Iratio« eine fast harmlose Geschichte geliefert hat, während Ben Calvin Hary richtig reinhaut. Über den Daumen gepeilt, kommen in Bens Roman fast einhundert Menschen und ein Ferrone ums Leben und das auf mitunter bizarre Art und Weise. Der Autor lässt seine Figuren mal von Nanitenschwärmen auflösen, mal von organischen Tentakeln zerquetschen. Einer wird durch eine Art Schott in zwei Hälften geteilt. Am Ende fällt noch jemand in einen Zeitbrunnen. Von den Menschen, die erschossen werden oder bei Explosionen umkommen, rede ich gar nicht. Das ist schon ein ziemliches Gemetzel. Wenn bei NEO je eine Triggerwarnung nötig gewesen wäre, dann hier.

Klar ist das spannend geschrieben. Aber ich frage mich dann immer: Warum müssen Leute sterben, damit eine Geschichte spannend ist? Warum geht es nicht mal ohne Tote und ohne Gewalt? Wobei es zum Antagonisten passt, dass er über Leichen geht, um sein Ziel zu verfolgen. In diesem Fall ist es nochmal eine Nummer perfider, denn Hondros Links wie Jessica handeln gegen ihren Willen und das bei vollem Bewusstsein. Das ist nochmal eine Ebene tiefer, als ohnehin schon. Da leidet man mit den Tätern, die im Grunde Opfer sind. Das macht der Autor anhand von Jessica Tekener auch sehr schön deutlich.

Der Roman enthält aber noch mehr als nur Hondros Rache. Es geht endlich mal wieder um Politik. »Der Mars macht mobil«, möchte man schon fast sagen. Denn mit dem Auftauchen der Paddler eskaliert ein Konflikt, der wohl schon seit geraumer Weile rumort. Dass nicht einmal der Protektor davon eine Ahnung hat, bedeutet nichts Gutes, vor allem nicht für den terranischen Geheimdienst GHOST, denn der sollte eigentlich davon wissen. Das die, von der Terranischen Union nach den Anschlägen auf dem Saturn und die Geschehnissen auf dem Mond verhängte Nachrichtensperre, vom Chinesischen Block für Propaganda genutzt wird, finde ich sehr realistisch. Andererseits frage ich mich, wo überall noch sich Hondros Links verbergen. Wie kann der die alle kontrollieren? Und warum bekommt das keiner mit? Entweder hat Hondro unwahrscheinliches Glück, oder die Mitarbeiter bei der TU sind so nachlässig. In dem Fall des NATHAN-Mitarbeiters kam erst Geheimdienstchef Nike Quinto höchstpersönlich darauf, dass die Überwachungskameras in einem Sektor von NATHAN ausgefallen waren.

Stilistisch fiel mir erst im Nachhinein auf, dass in dem Roman zweimal die Perspektive wechselt. Er beginnt mit Reginald Bull und Ronald Tekener und er endet mit Nike Quinto und Jessica Tekener. Das ist umso ungewöhnlicher, als dass Tekener nach nur zwei Kapiteln einfach aus dem Roman verschwindet, ohne das man erfährt, ob er den Schlag auf dem Kopf überstanden und von Mimas gerettet wurde. Nike Quinto übernimmt kurz vor Ende des Romans die Rolle von Bull. Der bleibt wohl auf der TERRANIA, während sich der Geheimdienstchef persönlich vor Ort auf den Mond begibt. Das empfand ich beim zweiten Lesen irgendwie als störend. Quintos Rolle hätte auch von Bull gespielt werden können. Es hätte den Roman runder gemacht. So frage ich mich am Ende, ob Bull (der am Anfang aus dem Schlaf geholt wird und die ganze Zeit mit der Müdigkeit kämpft) zu müde war und seinen Job Quinto überlassen hat.

Eine sehr schöne Szene, vielleicht die schönste und friedlichste im ganzen Roman erwartet die Leser am Schluss. Ein gealterter Cel Rainbow besucht das Grab seines besten Freundes Tim Schablonski und begegnet dort Toni Hanafe, die damals auf der Paddlerplattform in Andromeda zurückgeblieben war. Der Ort der Szenerie ist gleichzeitig eine Hommage an einen der bedeutendsten Autoren der PERRY RHODAN-Serie. Kenner der PERRY RHODAN-Erstauflage werden auch bei zwei Namen im Roman aufhorchen. Zum einen erleben wir bei NEO zum ersten Mal den Ertruser Melbar Kasom und zum anderen fällt der Name Tatcher a Hainu. Das verspricht Spannung für die nächsten Romane.

Ich muss zugeben, dass ich bei diesem Roman nicht so ganz parteiisch sein kann, da ich das Manuskript in seiner Rohfassung kenne. Außerdem sind mir beim zweiten Lesen Dinge aufgefallen, die bei der furiosen, aktionsreichen Handlung beim ersten Lesen untergegangen sind. Dennoch ist »Saturn in Flammen« ein echtes Actionfeuerwerk, das mitreisend erzählt wird und bei dem Iratio Hondros perfide Art nochmal richtig kenntlich wird, ohne das er selbst im Roman auftritt.

Biografie des Bösen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 244 – »Iratio« von Rüdiger Schäfer

Die Lebensgeschichte von Iratio Hondro beginnt in Quito Ecuador. Der Sohn eines Trinkers flüchtet mit acht Jahren auf die Straße und gerät an ein Drogenkartell, dem er lange Zeit dient und wo er es bis fast an die Spitze schafft. Doch dann wird er von seinem besten Freund und Adjutanten verraten, an dem er sich bitter rächt.
Er übernimmt für die »Firma« einen Job in Brasilien, dort lernt er Froser Chaselle und dessen Schwester Fee kennen. Iratio verliebt sich in sie schöne junge Frau. Nachdem seine Geschäfte in Brasilien auffliegen und er im Gefängnis landet, folgt er Fees Rat sich für das »Variable Genome Project« der Terranischen Union zu bewerben. Er wird begnadigt und auf Mimas einer genetische Umwandlung unterzogen. Als das zunächst nicht reibungslos funktioniert und dies aufzufliegen droht, tötet er die Ärztin, Frosers Ehefrau, um im Programm bleiben zu dürfen. Iratio will unbedingt Fee heiraten und mit ihr nach Plophos gehen, was ihm auch gelingt.
Auf Plophos steigt er in der Hierarchie schnell auf, bis er herausfindet, dass der Obmann von Plophos ein Verhältnis mit Fee hat. Er inszeniert einen Gleiterunfall bei dem beide sterben. Anschließend gibt er sich als trauernder Witwer aus, damit die Leute ihn zum neuen Obmann wählen. Doch die Kolonie schwächelt wirtschaftlich und gesellschaftlich. Um das drohende Scheitern der Kolonie zu verhindern, geht Hondro eine Verbindung mit dem Geminga-Kartell ein. Nachdem seine Regierungsmitarbeiter das herausbekommen, wird er des Amtes enthoben und verurteilt.
Er flüchtet nach Olymp und schließt sich dem Kartell an. Doch dessen Mitglieder halten Hondro für ein zu heißes Eisen und versuchen ihn auf einem unbewohnten Planeten auszusetzen. Dort wird er mit Dunkelleben infiziert und erlangt die Fähigkeit Menschen mittels seines Willes zu kontrollieren. Er übernimmt die Besatzung eines Raumschiffes und lässt sich auf Olymp nieder.
Doch nach und nach laugen ihn seine Fähigkeiten immer mehr aus. Da erreicht ihn ein innerer Ruf, er möge sich zur chinesischen Kolonie begeben. Auf dem Planeten im Denebsystem trifft er in einer Grotte auf einen Ableger der Wesenheit Tihit, die ihn stärkt und zu ihrem Anker im Einsteinraum macht.

Warum die PERRY RHODAN-Redaktion den Roman mit einem Trigger-Hinweis versehen wollte und hervorhebt, dass der Roman mehr Brutalität und Gewalt enthält als üblich, kann ich nicht nachvollziehen. Es hätte mich aber beinahe dazu gebracht, den Roman nicht zu lesen. Allein als ich zum ersten Mal den Titel las, war ich eigentlich schon bedient. Schon wieder Iratio Hondro! Ich war so froh gewesen, dass er im vorherigen Roman keine Rolle gespielt hatte und jetzt gleich ein ganzer Roman über ihn. Dann noch die Sache mit der Gewalt … Ich hatte ehrlich gesagt keine große Lust auf das Buch, obwohl ich die Romane von Rüdiger Schäfer sehr schätze. Also habe ich den Autor angeschrieben und ihm meine Befürchtungen mitgeteilt. Er schickte mir kurzerhand den Ausschnitt eines Leserbriefs, den er erhalten hatte. Die euphorische Aussage des Fans, stachelte mich an. Sollte der Roman wirklich so gut sein, dass ich eventuell gar etwas verpasse?

Machen wir es kurz. Ja, er ist gut, sehr gut sogar. Die Biografie eines Bösewichts ist spannend und vor allem nachvollziehbar geschrieben. Ich ertappte mich dabei, mit dem Charakter mitzufühlen. Der Autor bemüht sich zu zeigen das auch Mitte des einundzwanzigsten Jahrhundert die Erde noch nicht das Paradis ist, für das wir sie gern halten möchten, da wir sie meist nur durch die Augen von Perry Rhodan und seinen Freunden sehen. Hier eröffnet uns der Autor einen Blick auf die Schattenseiten der jungen vereinten Erde, auf Drogenhandel und Korruption, auf Armut und Diskriminierung. Das ist realitätsnah und bedrückend geschildert. In der ersten Hälfte des Romans glaubt man einen Mafia-Roman zu lesen. Iratios Leben als Kind innerhalb eines Drogenkartells wird sehr plastisch erzählt. Hier und da auch mit Gewaltdarstellungen, aber nie im übertriebenen splatterhaftem Maße. Da gab es schon weitaus schlimmere Romane.

Die zweite Hälfte des Romans dient dazu, verschiedene Fäden aus den vorangegangenen Staffeln zusammenzuführen. Das ist eher der schwächere Teil. Denn es wird vieles wiederholt, was man als NEO-Leser schon weiß. Es wird allerdings in den richtigen Zusammenhang gebracht und man versteht Hondros Handeln besser. Der Part, wie er mit dem Dunkelleben infiziert und zum Anker von Tihit wird, wirkt zugegeben etwas konstruiert. Die letzten Kapitel bestehen weniger aus Handlung und mehr aus Erklärungen, dies war sicher der Länge des Romans geschuldet. Ich hätte mir hier weniger Wiederholungen gewünscht und mehr echte Dialoge.

Alles in allem ist der Roman nicht so schlimm, wie ich anhand der Aussagen befürchtet habe. Insofern bin ich froh, dass mich der Autor überzeugen konnte, doch mal einen Blick zu riskieren. Rüdiger Schäfer ist inzwischen bekannt für starke Charakterromane. Mit »Iratio« hat er zum ersten Mal die Biografie eines Bösewichts geliefert. Das ist lesenswert und berührend. Ich bin aber trotzdem froh, wenn das Thema Dunkelleben und Iratio Hondro am Ende der Staffel endlich auserwählt ist.

Lebensgeschichte eines Gläsernen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 239 – »Merkosh« von Rüdiger Schäfer

Merkosh, der mit Nathalie zu Perry Rhodan in die Neunturmanlage gekommen ist, erzählt Rhodan seine Lebensgeschichte. Wie er als Weisenjunge von einer Gruppe Halbwüchsiger drangsaliert wird, weil er intelligenter ist als andere Oproner. Und wie er schließlich eine Ausbildung zum Mediker macht.
Nachdem er seine Frau/Freundin und sein ungeborenes Kind an das Dunkelleben verliert, widmet er sich Jahrzehntelang dem Kampf gegen das Dunkelleben. Bis er zu Versuchen an gesunden Opronern gezwungen werden soll. Es sind ausgerechnet diejenigen, die ihn als Kind gequält und seinen besten Freund erschlagen haben. Merkosh widersetzt sich dem Befehl und kehrt lieber der Forschungseinrichtung den Rücken, als seinen Eid zu verraten.
Doch außerhalb tut er sich schwer, seine Studien erfolgreich fortzusetzen. Bis ihn eines Tages Bingdu besucht und mit in den Gadenhimmel nimmt. Dort erfährt Merkosh, dass er Bingdus Sohn und der einer Opronerin ist. Um im Gadenhimmel bleiben zu dürfen und weiter am Dunkelleben zu forschen, wird er zum Omniten transformiert.
Jahrzehnte später bricht er auf, um die Menschen zu besuchen, deren Gene eine Besonderheit aufweisen, die dem Dunkelleben die Stirn bieten könnte. Doch bei seiner Reise verliert er das Gedächtnis und seine Transformation kehrt sich um.

Nachdem Mekosh die Erzählung beendet hat, verhilft Nathalie ihrem Vater dazu, die Neunturmanlage in einer anderen Chronophase so zu manipulieren, dass sie alles Dunkelleben in den Schlund von Sagittarius A* schleust. Die dunkle Entität Tihit wird damit übersättigt und schläft wieder ein. Die Gefahr durch das Dunkelleben im Zentrum der Milchstraße ist vorerst gebannt.

Nie hatten es Science-Fiction-Autoren so einfach wie heute. Vor allem wenn sie über die Bedrohung durch eine Seuche schreiben. Nun muss man sagen, dass Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm die Idee vom Dunkelleben schon vor über einem Jahr hatten. Doch die Corona-Pandemie verleiht den Gedanken und Handlungen von Perry Rhodan, seinen Begleitern und den Omniten sehr viel mehr Glaubwürdigkeit. Es sind Fragen, die wir uns alle in unserer Realität stellen und stellen müssen. So sind die Diskussionen darüber, wie viele geopfert werden sollen, um die Mehrheit zu retten, viel überzeugender. Rüdiger Schäfer hat seinem Merkosh kluge Gedanken in den Kopf gelegt. Aber auch die Argumente von ES und Ernst Ellert, mit denen sich Rhodan auseinandersetzen muss, sollten beachtet werden. Denn es ist nach wie vor nicht klar, ob Nathalies Idee das Problem längerfristig lösen kann. Doch dazu werden wir sicher in der nächsten Staffel noch genug erfahren.

Die Lösung ist übrigens überaus knifflig und hat Rüdiger Schäfer sicher mehr als eine Nacht wachgehalten. Denn letztendlich gelingt es Rhodan über die Manipulation einer Chronophase, durch Quantenverschränkung seine bereits vollendete Tat zu negieren und eine neue Zukunft zu generieren. Da muss ich dem Autor Respekt zollen, das war sicher nicht einfach.

Andererseits stört mich bei dem Roman etwas, was mir bereits am Anfang der Staffel aufgefallen ist. Die Strukturen in der Handlung sind zu vorhersehbar geworden. Jeweils die ersten Bände der letzten Staffeln fallen durch eine große Ähnlichkeit auf und auch die Abschlussbände gleichen sich. Bei »Merkosh« ist es besonders die Ähnlichkeit zu Band 219 »Callibsos Weg«, die ins Auge sticht. Ich wünsche mir da in Zukunft etwas mehr Überraschung. Schließlich esse ich auch nicht jede Woche das gleiche. So ist die Handlung der Staffeln doch ziemlich vorhersehbar geworden.

Die Geschichten der Charaktere Merkosh und Callibso ähneln sich sehr stark. Beide werden als Kinder von größeren Jugendlichen gehänselt und verprügelt. Ich weiß nicht, ob der Autor damit Erinnerungen aus seiner eigenen Kindheit verarbeitet, aber ich finde das schon bemerkenswert. Mich stört an diesen Geschichten leider, das hier zu viele menschliche Verhaltensweisen und Denkmuster einfließen. Sowohl Callibsos Volk als auch die Oproner sind völlig fremde Lebensformen. Warum sollten sie ein so niederes Verhalten an den Tag legen, wie die Menschen? Sicher bekommen sie damit einen menschlichen Zug, aber muss das wirklich immer sein. So fällt mir im Laufe von Band 239 noch ein paar weitere Male auf, dass Merkosh zu »menschlich« denkt, zum Beispiel wenn er Entfernungen in Stunden oder Temperaturen in Grad Celsius angibt. Das verstehen zwar die Leser, aber bei den Arkoniden verwendete der Autor bisher auch spezielle Begriffe für Zeit oder für Entfernungen, warum nicht auch bei den Opronern.

»Merkosh« ist ein guter Abschlussroman, der die Figur des Gläsernen schön charakterisiert. Auch der Twist, wie Rhodan letztendlich das Ruder noch herumreißen kann, findet meine Zustimmung. Dadurch aber, dass Rüdiger Schäfer bereits ähnliche Abschlussbände geliefert hat, ist die Geschichte zu vorhersehbar. Da wünsche ich mir für die nächste Staffel ein wenig mehr Abwechslung. Vielleicht überraschen uns die Exposéautoren auch mal wieder mit einen fiesen Cliffhanger. Der hätte bei diesem Band übrigens viel besser gepasst, als das scheinbare Happy End. Denn wenn man die Leseprobe von Band 240 liest, ist das Dunkelleben noch lange nicht besiegt.

Chronophasisches Quantenabenteuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 238 – »Die neun Türme« von Rainer Schorm

Im Gadenhimmel – acht Sonnen, die ein schwarzes Loch umkreisen – angekommen, werden Perry Rhodan und Ronald Tekener von den Omiten auf die Lichtwelt Drem-Doreus eingeladen. Auf ihr leben die Angehörigen von acht omnitischen Familien, die die Gaden bilden. Eine Vereinigung, die sich schon vor Jahrtausenden dem Kampf gegen das Dunkelleben verschrieben haben. Dieser spezielle Ort ist ihre Schaltzentrale, allein es fehlt ihnen der Schlüssel.
Zur Sicherheit nimmt Rhodan Omar Hawk, den Okrill Watson und die Ärztin Sud mit. Dass dies eine gute Idee ist, stellt sich heraus, als es während eines Konklave zu einem Zwischenfall kommt. Das von den Gaden gefangengehaltene Oberhaupt der Shafakk kann sich befreien und greift die Omniten an. Die Menschen und der Okrill können den aggressiven Shafakk-Aahn stoppen, bevor er die versammelten Anwesenden töten kann. 
Das Oberhaupt der Omniten, Mem Kauperon, sieht in Rhodan den Schlüssel um den Langzeitplan der Gaden zu vollenden und das Dunkelleben endgültig zu besiegen. Als Zeitträger und Unsterblicher weist Rhodan nämlich noch eine Besonderheit auf. Bei dem Biss des Loower Kindes (Band 236) wurden Informationen in seinen Körper übertragen, die zur Bedienung der Anlage der Loower notwendig sind.
Er wird zur Neunturmanlage geschickt. Dieses von den Loowern gebaute Konstrukt soll der Entität Tihit die Nahrung entziehen und sie so am Erwachen hindern. Doch Rhodan wird getäuscht. Ernst Ellert und seinen Verbündeten gelingt es, die Informationen in Rhodan so zu manipulieren, dass der von ihm ausgelöste Impuls einen kollabierenden Hyperstrudel erzeugt, der Sagitarius A* treffen wird. Die Auswirkungen werden einen Großteil der Milchstraße verwüsten und ihn damit zum Massenmörder machen.
Rhodan stellt Ellert zur Rede. Dieser gibt vor, dass es die einzige Möglichkeit wäre, um Tihit zu zerstören und das man dafür Opfer bringen müsse. Viele Billiarden Lebewesen im Universum würden dadurch gerettet. Da taucht Rhodans Tochter Nathalie mit Merkosh auf. Der Omnit behauptet, das Ellert noch nicht alles erzählt hat.

Uff! Das ist harter Stoff, um es vorsichtig zu formulieren. Was sich die Exposéautoren da zusammengereimt haben, ist komplex. In meinen Augen schon zu komplex. Eine Nummer kleiner hätte auch gereicht. Hier wird ganz viel miteinander verwurstelt und am Ende bin ich selbst nicht mehr mitgekommen. Ich wusste nicht mehr, was passiert. Dabei bin ich ein Fan komplexer Zusammenhänge, von Kosmologie und wilden Quantentheorien, aber das war selbst für mich eine Spur »to much«. Da ist eine große Portion Fantasy dabei, verknüpft mit kosmologischen Theorien und schrägen Science-Fiction-Ideen. Hut ab, vor denen, die sich sowas ausdenken können. Dennoch befürchte ich, dass einige Leser davon schier überfordert sein könnten. Die Neuleser, die man vielleicht mit Band 234 zum Einstieg überreden konnte, werden spätestens mit diesem Roman wieder die Segel streichen.

Die Geschichte selbst ist spannend. Figuren wie der Omnitische Sicherheitschef, Kavvam jad Chi, sind gut ausgearbeitet. Wobei ich seine Gedankengänge manchmal als zu menschlich empfand. So sieht er Rhodans Blut, ohne das er sich etwas dabei denkt. Omniten sind unsichtbar, sie bluten wahrscheinlich ganz anders. Allein Farbe des Blutes müsste auf den Omniten befremdlich wirken. Wahrscheinlich ist seine Wahrnehmung auch eine völlig andere. Es kommt mir so vor, als wüsste Kavvam alles über die Menschen, denn er beurteilt sie nach menschlichen Maßstäben. So wundert er sich, das Hawk so widerstandsfähig ist und dem Shafakk ernste Verletzungen zufügen kann. Es ist schon erstaunlich, wie die ach so intelligenten Gadenmitglieder, die Shafakk entwickeln konnten, ohne ihnen eine Sicherung einzubauen, die sie vor deren Aggressionen schützt. Da gehört schon sehr viel Überheblichkeit dazu. Andererseits gibt es toll umgesetzte Ideen, wie die Paternale Koggs.

Rein stilistisch ist es ein ungewöhnlicher Roman des Autors. Rainer Schorm ist für seinen augenzwinkernden Humor bekannt, den er seinen Charakteren in den Mund legt, oder sie in witzige Dialoge verwickelt. Das alles gibt es in dem Roman kaum. Zu sehr wird er von kosmologischen Erläuterungen, von den dunklen Erinnerungen Ronald Tekeners, von den Ausführungen der Omniten oder der Aktion um den Shafakk-Aahn beherrscht. Da bleibt kaum Platz für Humor und er würde auch nicht richtig dazu passen.

Sud kommt ebenfalls nicht ohne einen Eingriff davon. Bei einem Scan der Omniten, verschmelzen die Reste von Quiniu Soptors Stab mit Suds Intarsium. Sie wird kurzzeitig in die Chronophasendimension versetzt und sieht dort Jessica Tekener in einer der Chronophasenspären. Es sieht ganz danach aus, als wäre Tekeners Schwester nicht tot. Dies ist wohl der Hinweis darauf, dass man sie irgendwie in die Handlung zurückbringen will. Ganz ehrlich … meinetwegen könnte sie fortbleiben. Ich konnte mit der Figur nie etwas anfangen. Ich fand sie stets nervig und die Liaison zwischen ihr und Rhodans Sohn Thomas überflüssig. Da kam keine Romantik rüber, zu keiner Zeit, im Gegensatz zu der zarten Bande zwischen Thomas Rhodan und Hannah Stein in Band 234.

»Die neun Türme« ist ein anspruchsvoller Roman, der den Autor mal von einer anderen Seite des Schreibens zeigt. Mit vielen Fakten, Querverweisen und einer aktiongeladenen Handlung, die am Ende allerdings nur noch von den ganz Konzentrierten zu durchschauen ist. Mir schwant Übles, wenn ich an den nächsten, den finalen Roman der Staffel von Rüdiger Schäfer denke.

Ein Jubiläum steht bevor

Die »SOL« wird 100.

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich jetzt schon mit dem Inhalt des Heftes, das im November erscheinen wird. Eigentlich nicht nur mit dem Inhalt, sondern auch mit dem Drumherum. Schließlich soll es etwas ganz besonderes werden.

Heute darf ich schon mal das Cover präsentieren, das Raimund Peter nach meiner Idee gefertigt hat. Ich finde es sieht stark aus. Bisher gab es erst zwei SOL-Ausgaben mit umlaufenden Cover. Für die Leser wird es im Innenteil ein dazu passendes Poster geben.

Inhaltlich geht es bunt zu. Wir haben 32 Seiten mehr als sonst, die mit Artikeln, Interviews und Berichten zur größten Science-Fiction-Serie der Welt gefüllt sind. Im Schwerpunkt geht es um PERRY RHODAN und die Zukunft. Wir zeigen zwei Jugendliche, die PERRY RHODAN lesen. Weiterhin gibt es eine witzige Geschichte über SF im Perryversum und was Perry Rhodan persönlich davon hält. Klaus N. Frick spricht über die Aktivitäten im Jubiläumsjahr 2021. Die NEO-Exposéautoren Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm berichten wie es bis Band 250 weitergeht. Und wir stellen einen PERRY RHODAN-Podcast vor, ein Format, das für die Serie zukunftsweisend sein könnte.

Ein österreichischer Journalist hat uns ein Interview mit dem chinesischen Bestseller-Autor Cixin Liu zur Verfügung gestellt. Die ehemaligen Redakteure der SOL und ihr Layouter kommen zu Wort. Es gibt wieder ein Preisrätsel mit verzwickten Fragen und ich habe einige Reaktion zum »Mord« an Mausbiber Gucky zusammengetragen. Ach ja, und wir berichten natürlich von der PROW, der PERRY RHODAN Online-Woche im Juli diesen Jahres.

Ich denke mal, da sollte für jeden etwas dabei sein. Ich freue mich schon, wenn ich das Heft in Händen halten darf.

Ein NEO außer der Reihe

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 234 – »Die Himalaya-Bombe« von Rüdiger Schäfer

Liduuri-Expertin Hannah Stein wird von ihrer ehemaligen Studienbekanntschaft Thomas Rhodan-da Zoltral aus ihrem beschaulichen Leben gerissen. Die Otto-Normalbürgerin aus Köln soll in geheimer Mission versuchen, eine Bombe der Liduuri zu entschärfen, welche die Chinesen im Himalaya entdeckt und versehentlich aktiviert haben.
Was folgt, ist eine abenteuerliche Expedition in eine Liduuri-Station, die Hannah in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen bringt. Rhodans Söhne, Reginald Bulls Töchter und eine Angehörige des Chinesischen Geheimdienstes versuchen Hannah vor allen Gefahren zu schützen, was ihnen aber nur bedingt gelingt. Denn die Stationspositronik findet Gefallen am Intellekt der Wissenschaftlerin. Die ist jedoch von der Situation völlig überfordert.
Wird es Hannah gelingen, die Positronik zu überreden, die Bombe zu entschärfen und den Tod von 15 Milliarden ahnungslosen Menschen zu verhindern?  Hannahs heimliche Zuneigung zu Thomas Rhodan macht die Sache nicht unbedingt einfacher. 

Einen Roman zu schreiben, den auch jemand lesen kann, der PERRY RHODAN NEO nicht kennt – nichts weniger als das wünschte sich die Redaktion vom Exposéautor. Das dem Autor dies gelungen ist, steht außer Frage. Rüdiger Schäfer kann aus dem Vollen schöpfen und seine Stärken ausspielen. Die liegen in der Charakterisierung und dem Zusammenspiel der Figuren. Kein anderer NEO-Autor – außer vielleicht Oliver Plaschka – bekommt das so gut hin wie Rüdiger Schäfer.

Seine Hannah Stein ist lebensnah beschrieben, voller Schwächen und so wunderbar normal, dass ich mich gut in sie hineinversetzen kann. So manche Szene aus Hannahs Leben hat man selbst schon Mal erlebt, hat die gleichen Gedanken gehegt und ähnlich Empfindungen gefühlt. Die zarte Bindung zwischen ihr und Thomas Rhodan fühlt sich gut und echt an. Manch hartgesottenem Perryfan werden das vielleicht zu viele Emotionen sein. Ich dagegen schwelgte und verheulte eine ganze Packung Taschentücher.

Quelle: Perrypedia

Darüberhinaus ist die Geschichte spannend geschildert und wartet mit einer überraschenden Lösung auf. Eine Positronik mit Bewusstseinsspaltung – auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Das ist zudem sehr logisch und nachvollziehbar erklärt. Fakten aus den vorangegangenen Staffeln werden an dieser Stelle schön zusammengeführt. Dem Gelegenheitsleser wird das nicht auffallen. Den NEO-Fan freut es, mit welchem Engagement der Autor versucht, die Fäden aus mehr als zweihundert Bänden zu verknüpfen.

Es ist genau die Art von Romanen, die ich bei NEO gern lese und für die ich die Serie so schätze. Da werden keine Raumschlachten geführt, keine kosmischen Verwicklungen beschrieben, sondern bodenständig vom Leben auf der Erde einer nahen Zukunft erzählt. Wenn auch das Leben dort nicht so perfekt klingt, wie man das von positiven Utopien, wie zum Beispiel von Star Trek, gewöhnt ist, erscheint es mir realistisch, wie sich der Autor die Zukunft vorgestellt hat. Wobei ich schwer hoffe, dass die männliche Dominanz in Gremien und Unis bis dahin verschwunden sein wird und Gesundheitssysteme nicht mehr nach dem Einkommen von Patienten unterscheiden.

Allerdings hat mich ein Gedanke beim Lesen des Romans nicht losgelassen, nämlich die Frage: Warum kontaktiert Reginald Bull oder die Administratorin nicht Atlan bzw. Mirona Thetin? Gibt es keinen Botschafter mehr in Andromeda? Sind die beiden nicht ohnehin noch in der Milchstrasse unterwegs? Mal davon abgesehen, dass sie für das Problem wahrscheinlich keine Lösung parat gehabt hätten, wäre eine kurze Andeutung, ob oder warum das nicht in Erwägung gezogen wurde, ganz schön gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

»Die Himalaya-Bombe« ist ein lesenswerter Roman und zwar nicht nur für NEO-Leser, sondern auch für jene, die sich nicht mit PERRY RHODAN NEO auskennen. Mir hat er so gut gefallen, dass ich ihn sicher, noch ein zweites Mal lesen werde. Mein Dank richtete sich an den PERRY RHODAN-Redakteur für die Idee und an den Autor für die perfekte Umsetzung.

Der Roman erschien mit zwei unterschiedlichen Covern. Wobei das von Köln nur in einer begrenzten Auflage und zu einem höheren Preis im Online-Shop von PERRY RHODAN zur Verfügung steht.

Köln im Jahr 2090

Quelle: Perrypedia

… so lautet das Thema des aktuellen NEO-Romans, der heute erschienen ist. Rüdiger Schäfer schrieb den Roman über eine Bewohnerin der Rheinmetropole im Jahr 2090. Die Geschichte richtet sich inhaltlich weniger an die Fans, sondern an Leser, die gern mal in die Serie PERRY RHODAN NEO reinschnuppern möchten.

Das ungewöhnliche, der Roman erscheint mit einer Innenillustration und zwei unterschiedlichen Covern. Die Ausgabe mit dem Variantcover auf dem der Kölner Dom abgebildet ist, gibt es nur in Köln oder im Online-Shop auf der PERRY RHODAN Homepage zukaufen.

Quelle: Perrypedia

Ich muss gestehen, ich habe den Roman noch nicht von meinem Abo-Account heruntergeladen. Ich stecke noch im Vorgängerroman fest. Aber ich freue mich schon darauf, zu lesen, wie sich Rüdiger Schäfer Köln im Jahr 2090 vorstellt.

Ben Calvin Hary hat zusammen mit dem Autor Köln einen Besuch abgestattet und ein Video gedreht. Zu sehen ist es im YouTube Kanal der PERRY RHODAN Redaktion.

PROW is running

Warum ich diese Woche recht wenig gebloggt habe, liegt schlicht daran, dass ich beinahe jeden Abend bei der PROW dabei war.

Die PERRY RHODAN Online Woche ist der Ersatz-Con für den ausgefallenen GarchingCon, der Ende Juli stattfinden sollte. Roman Schleifer vom Wiener Stammtisch hat daher die PROW ins Leben gerufen und organisiert. Ein großer Teil der PERRY RHODAN-Autoren ist mit von der Partie und sogar Chefredakteur Klaus N. Frick hat sich zu einem, wenn auch aufgezeichneten, Interview bereit erklärt.

Am Montag hat Exposéautor Wim Vandemaan erklärt, was es wirklich mit Guckys scheinbaren Tod auf sich hat. Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Miniserien. Susan Schwartz, Kai Hirdt und die Miniserienautoren erzählten von den Erfahrungen beim Konzipieren und Schreiben einer Miniserie. Mittwoch berichtete Michael Marcus Thurner von seinem Vorhaben, mit dem Motorrad die Welt zu bereisen. Wie und wann das in Corona-Zeiten möglich ist, werden wir sehen. Außerdem will er allen PERRY RHODAN-Stammtischen einen Besuch abstatten. Gestern Abend standen Uwe Anton, Michelle Stern und Dennis Matthias den Fans Rede und Antwort. Dabei entsponnen sich unterhaltsame Gespräche rund um die PERRY RHODAN-Serie. Es wurden über Konzepte für eine Gucky-Miniserie oder PERRY RHODAN-Romance spekuliert.

Heute Abend stellen sich die NEO-Exposéautoren Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm im Zoom-Meeting den Fragen der Fans. Das darf unsereins natürlich nicht verpassen. Das Programm fürs Wochenende steht auch schon. Am Sonntag beantwortet zum Beispiel Andreas Eschbach Fragen zu seinem Roman »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer«.

Wer neugierig geworden ist, schaue sich im Blog des PROC bzw. der PRFZ um. Dort kann man sich zu den einzelnen Programmpunkten anmelden.

Vom hinter dem Horizont des Universums

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 229 – »Die schwarze Flut« von Rüdiger Schäfer

Perry Rhodan, Atlan und Mirona Thetin versuchen unter Einsatz ihres Lebens die Manifestation eines dunklen Intellekts im Arkonsystem zu verhindern. Die Aufgabe ist nicht leicht, denn sie werden immer wieder von Zeitphänomenen getäuscht und landen in einer potenziellen Zukunft von Arkon 1. Auf der völlig kristallisierten Welt suchen sie nach dem Zeitbrunnen und finden ihn nur mit Hilfe von Quiniu Soptor.
Die »Schwester der Tiefe« nimmt Perry Rhodan mit in die Quantenrealität des Zeitbrunnens, um ihm zu zeigen, welche Bedrohung sich dort formiert. Die Wesenheit Tihit stammt aus einem Prä-Universum, also einem Universum was unserem vorangegangen ist. Durch irgendwelche Umstände überlebte die quasivirale Intelligenz das Ende ihres Universums und hat im schwarzen Loch Sagittarius A in der Milchstraße Schutz gefunden. Jetzt nach gut 14 Milliarden Jahren erwacht es und versucht ihre neue Umgebung in Besitz zu nehmen. Da es in ihrem Universum kein biologisches Leben gab, weiß sie nicht, was sie mit ihrer Präsenz anrichtet.
Doch bevor Soptor Perry, Atlan und Mirona helfen kann, die Entität am Erwachen zu hindern, stirbt die Halbarkonindin. Da taucht die junge Mehandor Wini auf. Wie Soptor gehört auch sie zu den »Schwestern der Tiefe«, die Tihit aufhalten wollen. Zu viert schaffen sie es, die Entität vorerst zurückzudrängen und den Untergang von Arkon 1 zu verhindern. Aus lauter Dankbarkeit verzichtet Imperator Gonozal VII. auf eine Invasion der Solaren Union. Im Gegenteil, er lässt zu, dass Terra und Arkon über ein Beistands- und Handelsabkommen verhandeln.
Auf der CREST II geht es Thora nach dem Bad im Zeitbrunnen immer schlechter. Nur eine Aktivierung ihres Extrasinns könnte sie retten. Man bringt sie ins Faehrlinstitut auf Iprasa, doch es bleibt ein Risiko, weil Thora die Ark Summia nicht absolviert hat. Thora steht vor der Entscheidung, ihren Extrasinn zu aktivieren oder an einer Schädigung ihres Frontallappens zu sterben.

In einer wahren Flut an kosmologischen Zusammenhängen schlägt Rüdiger Schäfer einen Bogen über alle Staffeln. Er lässt einen Aha-Effekt nach dem anderen folgen. Vieles, was in der Vergangenheit noch unklar geblieben ist, erklärt sich und dennoch bleibt genug Spielraum für weitere Spekulationen. Das ist großartig gemacht und man kann sich beim Lesen kaum vom Text lösen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich den Roman durch.

Bei der Beschreibung der potenziellen Zukunft, bringt er viele bekannte Elemente zusammen, die man in der einen oder anderen Weise schon mal im Fernsehen oder Kino gesehen hat. Dennoch erschafft er eine eigenständige Geschichte. Geschickt vergleicht er Tihit mit Superintelligenzen wie METEORA, ANDROS und ES. Das klingt alles ziemlich abgedreht und hört sich dennoch logisch an. Mir gefällt die Theorie, dass das Universum »stirbt« und immer wieder neu geboren wird in einem endlosen Ablauf.

Es steckt viel Philosophisches in der Handlungsebene mit Perry Rhodan. Der Gegenpart dazu ist nicht weniger philosophisch. Die Aktivierung von Thoras Extrasinn, ihre Bedenken und die Überlegungen über die archaische Prozedur sind Rüdiger Schäfer ebensogut gelungen. Damit ist die Kommandantin der CREST II jetzt nicht nur unsterblich, sondern hat auch noch einen aktivierten Extrasinn.

Ich war im Vorfeld skeptisch. Nachdem Rüdiger Schäfer sich über die Schwierigkeiten geäußert hat, die ihn beim Schreiben des Romans behindert haben, befürchtete ich, dass man es dem Text anmerken könnte. Zum Höhepunkt der Corona-Krise hatten viele Autoren nicht den Nerv zum Schreiben, viel zu sehr lenkte sie die Wirklichkeit ab. Es war wohl das erste Mal, dass der Autor den Abgabetermin weit überzogen hat. Auch wenn man es der Geschichte nicht angemerkt hat, Auswirkungen hatte die verspätete Abgabe wohl auf die Nachbearbeitung. Denn ich stieß auf einige Patzer, die im Lektorat hätten auffallen müssen. Es scheint als hätte jemand ziemlich unter Zeitdruck gestanden. In Kapitel 17 beispielsweise spricht der Imperator die Kommandantin der CREST II mit Thora Rhodan da Gonozal an. Aber bei den vielen arkonidischen Namen kann man schon mal durcheinander kommen.

»Die schwarze Flut« macht ihrem Namen alle Ehren, denn die Flut an Informationen über den Kosmos und seine Geschichte ist wahrlich beeindruckend. Da haben die Expokraten viel nachgedacht. Gleichzeitig wird mit diesem Roman ein neuer Handlungsstrang eröffnet. Denn die Bedrohung durch die prä-universale Entität Tihit und das sie umgebende Dunkelleben ist noch nicht vorüber. Perry und seine Freunde müssen ins Zentrum der Milchstraße aufbrechen, um eine Lösung der Probleme zu finden.

Das Titelbild von Dirk Schultz zeigt die Schwierigkeiten mit denen Perry, Atlan und Mirona auf der kristallisierten Welt Arkon 1 zu kämpfen haben. Ich finde das großartig visualisiert.