Christinas Multiversum

Ansichten, Rezensionen, Kommentare

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Ein Sonntag im Zoo

Wenn wir schon vis-a-vis vom Zoo übernachten, dann müssen wir ihn auch besuchen. So mein Argument.

Um zehn Uhr am Sonntagmorgen war noch wenig los. Doch das änderte sich schnell, und alsbald war der städtische Garten voller Leute. Meist Familien mit Kindern. Die Sonne schien, doch im Schatten war es so kühl, dass ich eine Jacke anziehen musste.

Die weitläufige Anlage ist mehr Park als Zoo, mit uralten Bäumen,  Blumenrabatten und vielen lauschigen Plätzchen zum Verweilen. Die Gehege der Tiere sind nicht so großzügig wie im Leipziger Zoo, aber man spürt die Bemühungen um eine Artgerechte Haltung. Der Zoo in Karlsruhe beherbergt den Altersruhesitz indischer Elefantendamen. Die Älteste, die hier ihr Gnadenbrot bekommt, ist stolze 62 Jahre. Neben Raubkatzen, Menschenaffen, Giraffen und Zebras gibt es sogar Eisbären, Pinguine und kalifornische Seelöwen, die sich in der Sonne aalten. Der Zoo ist stark auf Familien mit Kindern ausgerichtet, denn überall sind Spielplätze und andere Aktivitäten, bei denen sich die Kleinen austoben können. Auf den beiden Teichen schippern überdachte Gondeln dahin, begleitet von Karpfenschwärmen, die bettelnd die Mäuler aus dem Wasser reckten. Das habe ich in der Form auch noch nicht erlebt. Kaum, dass wir auf der Seebühne standen, kamen fünf bis sechs Tiere angeschwommen und streckten das Maul aus dem Wasser. Viele Besucher geben dem nach, weshalb das Wasser des Sees nicht so sauber ist, wie es sein könnte.

Besonders begeistert war ich von einer Attraktion, die von den meisten Zoobesuchern gemieden wurde, obwohl sie eigentlich nicht zu übersehen ist – der Lauterberg. Die Anhöhe wurde im neunzehnten Jahrhundert errichtet, im Inneren befand/befindet sich der Hochspeicher der Stadt. Heute ist der Tank mit Schaumbeton verfüllt. Zwischen den Bäumen schlängelt sich ein steiler Weg nach oben, der in einer Plattform mündet, von der man einen tollen Überblick über die Stadt hat. Außer einer Tai-Chi-Lady, die in Ruhe ihre Übungen ausführte, waren wir über eine halbe Stunde lang die einzigen hier oben. Gedämpft drang das Geschrei der Pinguine und das Lachen von Kindern herauf. Ein frischer Wind brachte den Geruch nach Sommer mit. Wir saßen da und ließen den Anblick auf uns wirken. Ein schöner ruhiger Ort inmitten des Getümmels. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man viele kleine Dinge in der Ferne, ob nun das Atomkraftwerk Phillipsburg im Norden, die Raffinerien vor dem Pfälzerwald im Westen, dem Hauptbahnhof im Süden oder die Ausläufer des Schwarzwald im Osten, man kann ziemlich weit blicken. Besonders abends muss das ein toller Anblick sein, leider schließt der Zoo bereits um 18 Uhr. Abwärts wählten wir den kurzen aber steilen Pfad durch den Wald, als Bergeher sind wir solche Wege gewohnt. Für Familien mit Kinderwagen gibt es einen langen allmählich ansteigenden Weg, aber der scheint kaum genutzt zu werden. Mein Fazit: für mich gehörten die Augenblicke auf dem Lauterberg zu den schönsten in Karlsruhe, von den Schlosslichtspielen mal abgesehen. Allein deswegen würde sich ein zweiter Besuch lohnen.

Übrigens fand ich den Eintrittspreis von zehn Euro ziemlich moderat. Leute, die hier wohnen, können bereits für 40 Euro eine Jahreskarte erwerben, das finde ich so gut wie geschenkt.

Auf dem Rückweg zum Ausgang haben wir uns noch einen Imbiss gegönnt, wenn ich Biertrinker wäre, hätte ich auch mal das legendere Alpirsbacher Klosterbräu probiert, so blieb es bei einem Wasser.

Hier eine Panoramaaufnahme vom Lauterberg über Karlsruhe.

Open Air-Kino mal anders

Seit ich zum ersten Mal ein Video von den Schlosslichtspielen in Karlsruhe gesehen habe, wollte ich das Ereignis unbedingt live erleben. Deshalb sind wir extra für ein paar Tage nach Karlsruhe gekommen.

Gestern Abend versammelten wir uns dann mit Hunderten von Leuten vor dem Schloss, setzten uns dort auf die Wiese und bewunderten die Show. Los ging es nach Einbruch der Dunkelheit um 21 Uhr.

Es ist beeindruckend, egal ob man es nun aus der Ferne oder direkt vor dem Schloss beobachtet. Es gibt mehrere Shows in Folge, dazwischen wird ein wenig Werbung der Sponsoren gezeigt. Rundum kann man Essen und Trinken erwerben. Man kann als Spende auch ein Armband kaufen, denn für die ganze Veranstaltung ist kein Eintrittsgeld nötig.

Am besten gefielen mir die Stücke von Maxin10sity aus Ungarn. Sie waren es, die 2015 zum ersten Mal mit der Show »300 Fragments« Furore machten. (Ich berichtete darüber.) Ihre diesjährige Show fand ich fast noch beeindruckender.

Ähnlich beeindruckt haben mich die vielen Zuschauer aus allen Schichten der Gesellschaft und allen Altersgruppen. Manche hatten Campingstühle und Tische dabei und ließen sich vor der Show noch das mitgebrachte Abendbrot schmecken. Kinder tollten auf der Wiese herum und junge Leute filmten alles mit ihren Smartphones. Was zur Folge hatte, das gleich nach den ersten Beiträgen das LTE-Netz zusammenbrach, als alle ihre Bilder ins Netz luden.

Die Schlosslichtspiele sind wie ein großes OpenAir-Kino auf einer extrabreiten »Leinwand«, nämlich der Fassade des Schlosses. Die Fassade wird in die Filme integriert, was richtig coole Effekte hervorruft. Wer Interesse an solch außergewöhnlichen Vorführungen hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Die Schlosslichtspiele in Karlsruhe gehen noch bis zum September. Die Vorführungen finden jeden Abend statt. Mehr auf der Homepage der Schlosslichtspiele. Es lohnt sich.

Nur Berlin hat mehr Baustellen

… Diesen Satz bekamen wir vom Hotelportier zu hören, als wir in die Innenstadt von Karlsruhe aufbrachen.

Tatsächlich! Karlsruhe scheint eine einzige Baustelle zu sein: ein Tunnel hier, zwei Baukrähne dort und überall Bauzäune. Dazwischen immer wieder beeindruckende Häuser im klassizistischen Stil und Parks mit vielen alten Bäumen. Wir verbrachten einige Zeit im Schloßpark und beobachteten Enten und Eichhörnchen, sowie ein Pärchen, das sich lautstark zankte. Es ging wohl um ein Foto, das sie machen wollte und er nicht erwarten konnte.

Der Vormittag war kühl, eine willkommene Abwechslung von der gestrigen Hitze. Am Verfassungsgericht vorbei spazierten wir zurück in die Fußgängerzone. Eine Menge Leute tätigten dort ihre Samstagseinkäufe, aber es war nicht halb so überfüllt wie ich das aus München kenne. Wobei mich an der Fußgängerzone störte, dass man entweder von der Stadtbahn oder von fahrenden Autos von der Straße gescheucht wurde. Also eine richtige Fußgängerzone, stelle ich mir anders vor. Dafür stößt man immer wieder auf kleine Parks und Grünflächen, wo man sich hinsetzen oder sich an einem der gut zweihundert Brunnen im Stadtgebiet erfrischen kann.

Das Beste ist jedoch das Hotel. Wir haben vom Zimmer aus einen direkten Blick auf den Zoo. Das ist fast wie eine Safari. Hinter dem Zaun kann man die kleinen Pandas beim Klettern beobachten, links davon springen die Gazellen durchs Gehege, am Hang dahinter schleichen die Leoparden über die Felsen und spielen mit herunterhängenden Ästen. Dazu eine Geräuschkulisse wie im Urwald: Brüllaffen, seltsames Vogelgeschrei und ein röhrendes Karibu. Das hat man definitiv nicht überall.

Ach ja, und das Frühstücksbüffet ist echt lecker, bis auf den Kaffee (da reden wir lieber nicht drüber). Dafür gibt es gleich nebenan das Café  »Tante Emma«. Geführt von einer jungen Frau, die in Südafrika geboren wurde und im Schwarzwald aufwuchs. Da gibt es nicht nur leckeren Kaffee, sondern auch Kuchen und Quiches wie von Oma, serviert auf altem Porzellangeschirr, alles biologisch und regional. Sehr schön!

Besuch in der PR-Redaktion

Eigentlich sollte es so eine Art Geheimmission werden, ganz unspektakulär und ohne viel Wirbel drumrum. Leider hatte ich das im Vorfeld nicht erwähnt und auch nicht heute Mittag und so landete die Information wenige Stunden später hier im Internet.

Deshalb kann ich jetzt auch etwas über die eineinhalb Stunden verraten, die ich in der PERRY RHODAN-Redaktion in Rastatt verbrachte. Nach kurzer Begrüßung ging es in die Kantine zum Mittagessen, anschließend diskutierten Klaus Bollhöfener, Klaus N. Frick und meine Wenigkeit diverse Wünsche und Ideen, die ich von Seiten der SOL-Redaktion habe, um die SOL als Magazin noch attraktiver zu machen und um damit mehr Mitglieder für die PRFZ zu gewinnen.

Ein paar Wünsche wurden erfüllt, davon können die Leser, dann schon in der nächsten Ausgabe profitieren. Bei meiner Idee mehr Serieninhalte in der SOL zu verankern, ist man sich noch nicht sicher, was machbar ist und was nicht. Ich werde aber dranbleiben. Vielleicht ergibt sich da in Zukunft etwas.

Ansonsten war das Treffen eher unspektakulär, genauso wie die »heiligen Hallen« auch nur normale Büroräume sind. Also keine Raumschiff-Zentrale von der aus mit Schaltern und Hebeln die größte Science-Fiction-Serie der Welt gesteuert wird, wie man sich das als gemeiner Fan insgeheim vorstellt.

Spannend war es trotzdem.

Bilderbuch zum phantasieren

Quelle: Amazon

Zwei Werke von Torben Kuhlmann stehen bereits bei mir im Bücherregal, jetzt ist auch noch das Dritte dazugekommen.

»Maulwurfstadt« ist deutlich dünner als die beiden Mäuse-Bände (Armstrong und Lindbergh) und es gibt noch einen Unterschied, das Buch enthält so gut wie keinen Text. Dafür ist es mit großformatigen detailreichen Zeichnungen illustriert, welche nicht nur die Geschichte einer Maulwurfstadt erzählen. Im Grunde ist es die Geschichte unserer Welt, kritisch übertragen auf die Mauswurfsgesellschaft. Zuerst waren ein paar Maulwürfe auf einer Wiese. Es kommen neue hinzu, die Stadt wächst und mit ihr der Dreck, Lärm und die Tristesse. Am Ende ist von der Wiese nur ein winziges Stück eingezäuntes Gras übrig. Es beginnt ein Umdenken und auf der letzten Seite, sieht man Windräder statt rauchender Schornsteine.

Einige könnten einwenden, dass dies nicht das richtige Thema für ein Bilderbuch für Kinder ist. Doch ich finde, es ist dem Autor und Illustrator gut gelungen, die Entwicklungen in verständlichen Bildern zu zeigen. Zum Vorlesen eignet sich die Geschichte nicht, aber das ist gar nicht wichtig. Die Zeichnungen regen die Phantasie an. Kinder können hier ihre eigene Geschichten zu den Bildern erfinden und das halte ich fast noch für wichtiger.

Wir Erwachsenen bewundern die kleinen Kunstwerke und entdecken auch nach dem dritten und vierten Durchblättern noch unbeachtete Details. Das finde ich schön.

Das Bilderbuch kostet 14,99 EUR und ist im Buchhandel sowie bei den einschlägigen Online-Portalen erhältlich.

Seit 1000 Bänden im Perryversum

Uwe Anton auf dem AustriaCon 2016 in Wien

Uwe Anton – der Autor feiert dieser Tage ein besonderes Jubiläum. Vor genau 1000 Bänden stieg er in die PERRY RHODAN-Serie ein. Mit Band 1922 »Die Solmothen« erschien am 23. Juni 1998 sein erster Heftroman. Davor hatte er bereits mehrere Taschenbücher für PERRY RHODAN verfasst. Jahre später war er lange Zeit sogar als alleiniger Exposéautor für die Serie tätig.

Bereits auf dem AustriaCon kündigte er an, dass er unbedingt den Heftroman mit der Nummer 2922 schreiben möchte. Sein Wunsch fiel bei der PR-Redaktion auf fruchtbaren Boden und so erscheint in dieser Woche »Die Nacht der 1000« (Band 2922). Sogar im Titel taucht die 1000 auf und deutet auf die Besonderheit des Romanes hin.

Uwe Anton gehört zu den langjährigen Stammautoren im Team. Der Autor, der schon seit frühester Jugend vorwiegend Science Fiction und Horror schreibt, arbeitet neben seinem Job bei PERRY RHODAN vor allem als Übersetzer. Sehr viele Disney-Comics aus Entenhausen tragen seine Handschrift, außerdem gehen viele Star Trek-Romane aus dem Heyne-Verlag auf sein Konto. Er verriet einmal, dass er viele der Romane so massiv bearbeiten musste, dass die Übersetzung am Ende besser war, als das Original.

Durch sein umfangreiches literarisches Fachwissen verfasste er viele Sachbücher, unteranderem zu Stephen King und Philip K. Dick aber auch eine Star Trek-Enzyklopädie vom Heyne-Verlag (welche bei mir im Regal steht).

Uwe Anton ist nicht nur ein vielbeschäftigter Autor, sondern auch einer der Dozenten an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Weil ihm der Autoren-Nachwuchs am Herzen liegt, ist er dort mit großer Begeisterung und viel Herzblut dabei.

Ich möchte Uwe an dieser Stelle für sein Durchhaltevermögen gratulieren und Danke sagen, für die vielen Romane und Ideen, die er in den 1000 Bänden zum Perryversum beigesteuert hat.

Resonanzlos unglücklich

Jeder der etwas für andere schafft, kennt sicher dieses Gefühl. Man stellt etwas hin, in das viel Herzblut geflossen ist, das vielen Menschen dienen oder ihnen Freude bereiten soll, doch man bekommt nichts zurück, kein Danke, kein Lob, noch nicht mal Kritik. Dabei wäre mir Letzteres sogar lieber als diese frustrierende Leere. Für uns Schaffende aus dem Fandom ist es inzwischen Alltag geworden, man müht sich mit einem Fanzine ab, einem Fan-Roman oder einem Magazin. Doch die Reaktion der Leser bleibt aus. Dabei wäre es so einfach. Eine E-Mail ist schnell geschrieben, ein Eintrag in einem Forum oder bei Facebook noch viel schneller. Doch stattdessen … Schweigen.

Auch Heftroman-Serien wie PERRY RHODAN leben unteranderem von der Reaktion der Leser. Vielleicht sind sie nicht ganz so abhängig, solange die Hefte noch gekauft werden. Schließlich geht es auch in einem Verlag am Ende nur um schwarze und rote Zahlen. Aber wenn es keine Leser mehr gibt, die an die Redaktion schreiben, die ihre Meinung und Kritik zu den Romanen äußern, kann es auf kurz oder lang keine LKS (Leserkontaktseite) mehr geben. Manchmal hilft da oft nur ein Skandal, um die Massen zu einem Feedback zu bewegen. Zum Beispiel indem man die LKS einfach mal weglässt. Zuletzt geschehen in drei Heftromanen der vergangenen Wochen (eigentlicher Grund war die Überlänge der Romane). Plötzlich kamen sie aus den Löchern gekrochen. Ein Aufschrei ging durchs Fandom: »Wieso gibt es keine LKS mehr und überhaupt, das geht doch nicht … der böse Verlag will doch nur sparen.« Tja, hat vielleicht einer Derjenigen, die dort besonders laut gerufen haben, einmal darüber nachgedacht, dass es auch an der mangelnden Resonanz liegen könnte. Das vielleicht immer weniger Briefe oder E-Mails die PERRY RHODAN-Redaktion erreichen, dass man schlicht keine Leserbriefe mehr abdrucken kann, weil es keine mehr gibt.

Über die Jahrzehnte hinweg scheinen die Fans träge geworden. Das war schon im STAR TREK-Fandom vor fünfzehn Jahren so, damals starben die gedruckten Fanzines, um eine kurze Blüte im Internet zu erleben, bevor auch diese Internetseiten im Sumpf der Sozialen Netzwerke versackten. Wir sind zu einem Volk von Medienkonsumenten verkommen. Wir verschlingen alles, ohne etwas zurückzugeben.

Aus diesem Grund sind solche Institutionen wie die LKS oder die Clubnachrichten in den PERRY RHODAN-Heftromanen so wichtig für uns Macher. Vor allem bezüglich der Clubnachrichten meinen viele Fans, dass man darauf verzichten sollte. Ich sage: Nein, dass sollte man nicht! In Zeiten in denen Aktive keinerlei Rückmeldung zur eigenen Arbeit bekommen, sind die Clubnachrichten die letzte Bastion. Hermann Ritter widmet sich dort der Arbeit der Fans, indem er ihre Magazine, Fanzines und Newsletter bespricht. Für manchen von uns ist es inzwischen die einzige Bestätigung, die wir für unsere Arbeit bekommen. Aber jemand der nur konsumiert, kann das natürlich nicht nachvollziehen.

Angesichts dieser Situation wundere ich mich, dass es doch noch so viele von uns gibt, die für das Fandom arbeiten. Die ihre Kreativität nutzen, um anderen Freude zu bereiten, ohne selbst dafür entlohnt und gewürdigt zu werden.

Es scheint ein grundsätzliches Problem unserer Gesellschaft zu sein: Wenn etwas nichts kostet, dann ist es nichts wert.

Verkehrsinfarkt

Seit Freitagabend frage ich mich, ob es eigentlich noch sinnvoll ist, längere Strecken mit dem Auto zu fahren und wie lange es noch dauert  bis auf unseren Straßen nichts mehr voran geht.

Normalerweise nehmen wir immer den Zug, wenn wir meine Eltern in Thüringen besuchen. Am Freitag fuhren wir mit dem Auto, weil mein Mann sich mit dem neuen Wagen vertraut machen und eine längere Strecke fahren wollte.

Wir haben die Entscheidung bitter bereut. Es war die schlimmste Autofahrt seit Jahren, weil wir kaum vorankamen. Das erste Mal standen wir bereits zwanzig Minuten nach dem wir losgefahren sind, auf der Bundesstraße innerhalb einer Ortschaft. 50 Kilometer weiter in Ebersberg das gleiche Spiel. Stau und Schrittgeschwindigkeit durch den Ort wegen einer Baustelle auf der B304. Weil auf der A99 mehrere Kilometer Stau durchgesagt wurden, gondelten wir zwischen Markt Schwaben bis Garching durch die Pampa und brauchten von zuhause bis zur A9 hinter München volle drei Stunden, statt eineinhalb. Auf der Autobahn ging es dann einigermaßen vorwärts, obwohl es proppenvoll war. Ständig gab es Geschwindigkeitsbeschränkungen wegen Staugefahr. Ab Greding standen wir dann zuerst in einem selbstproduzierten Stau, durch diejenigen, die wegen der Stauwarnung abfahren wollten und dann in der Ausfahrt standen. Später dann der Stau wegen einer Baustelle, bei der nicht ein einziges Baufahrzeug zu sehen war. Hier verloren wir mehr als eine Stunde. In Feucht hielten wir kurz an einer völlig überfüllten Raststätte um zur Toilette zu gehen, dann ging es weiter zum nächsten Stau an der Überleitung von der A3 zur A9. Und wieder eine Viertelstunde weg. Der Verkehr nahm kein Ende, obwohl es immer später wurde. In Plech machten wir eine kurze Rast und glaubten das Schlimmste überstanden zu haben. Denkste, denn vor Bayreuth wartete die nächste Baustelle und der nächste Stau. Dazwischen immer wieder dichter Regen, null Sicht und weitere Baustellen.

Als wir dann eineinhalb Kilometer vor der Ausfahrt in Lobenstein in einen Stau gerieten, in dem sich dann kaum noch etwas bewegte, verlor ich kurzzeitig die Nerven. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich am liebsten ausgestiegen und auf dem Standstreifen bis zur Ausfahrt gelaufen. Noch lieber aber hätte ich jene Autofahrer aus dem Auto gezerrt und verprügelt, die über die Raststätte abkürzten und dadurch die rechte Spur fast zum Erliegen brachten, weil sie sich vorn wieder rein drängelten. Mein Mann musste beruhigend auf mich einwirken, obwohl er es war, der seit acht Stunden am Steuer saß.

Zumindest die letzten 50 Kilometer Landstraße verliefen ohne größere Vorkommnisse, von den Rasern mal abgesehen, die uns im Dunkeln an den unmöglichsten Stellen überholten.

Nach elf Uhr abends kamen wir nach neun Stunden Fahrt endlich an. Normalerweise brauchen wir fünf maximal sechs Stunden für die 450 Kilometer. Zum Glück waren wir mit einem Hybrid unterwegs, der seine Vorteile im Stau voll ausspielen konnte. So kamen wir nur auf einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern. Mit unserem Corsa hätten wir sicher mehr verbraucht.

Aber mal ehrlich, so macht Autofahren keinen Spaß mehr. Die Straßen waren selbst spät in der Nacht noch brechend voll, die LKWs in den Raststätten standen so dicht, dass man mit dem Auto kaum durch kam und parkten mitunter auf dem Beschleunigungsstreifen. Nervig waren vor allem die vielen Endlosbaustellen, an denen man nicht auf ein einziges Baufahrzeug traf. Muss man während der Ferienzeit, wo ohnehin schon viel Verkehr ist, auch noch eine Baustelle nach der anderen eröffnen? Gibt es da nicht andere Zeiten, an denen weniger los ist? Noch nerviger aber waren jene Autofahrer, die rücksichtslos abkürzten sich reindrängelten, mehrfach die Spur wechselten, in der Hoffnug schneller voranzukommen und damit den Stau eigentlich nur schlimmer machten bzw. an manchen Stellen sogar weitere Staus verursachten.

Uns droht in den nächsten Jahren der Kollaps, wenn das so weitergeht. Unsere Straßen können so viele Autos einfach nicht mehr verkraften. Unsere rollenden Lager in Form von LKWs haben inzwischen eine Dimension angenommen, die untragbar geworden ist. Irgendwann kommt der Punkt, an dem alles steht und keiner mehr vorankommt. Ich glaube, sehr weit sind wir nicht mehr davon entfernt.

EVAU mit Perry

Quelle: evau-mag.de

Diese Woche trudelte es bei mir ein, das neue EVAU-Magazin, das sich mit der Vereinswelt in Deutschland beschäftigt.

Wahrscheinlich hätte ich die Publikation gar nicht wahrgenommen, wenn es im Magazin nicht einen tollen Artikel zu PERRY RHODAN gäbe. Nils Hirseland, mein Stellvertreter in der SOL-Redaktion, erzählte mir schon vor Monaten von einem Interview, das er den Machern des EVAU gegeben habe. Vergangene Woche berichtete dann auch die PERRY RHODAN-Redaktion davon und zeigte die tolle Infografik, die sich die Autoren und Grafiker des Beitrags ausgedacht haben. Auf einem Altarfalz versuchen sie das ganze Perryversum abzubilden. Und ich finde es großartig visualisiert. Natürlich könnte man einwenden, das hier und da etwas fehlt, aber ehrlich, wo soll man bei PERRY RHODAN anfangen und wo aufhören, das Universum ist einfach zu komplex. Der PERRY RHODAN Online Club e.V und die PERRY RHODAN FanZentrale e.V werden erwähnt und auch die SOL findet als Magazin Eingang in die Grafik. Das freut mich als Mitglied der PRFZ und als Chefredakteurin der SOL natürlich. Einige Fans könnte ein Diagramm der Infografik interessieren, da werden die Verkaufszahlen der EA denen von NEO und den Taschenbüchern gegenübergestellt. Auch die E-Book-Verkäufe finden sich dort wieder. Spannend!

Andere Beiträge im Heft beschäftigen sich mit Vereinen für Blasmusik, Rollenspielen, Sport, Natur- und Tierschutz, dem Sammeln von Streichholzschachteln und vielem anderen mehr. Politisch wird es im Beitrag »Rote Socken im Grünen«. Der Autor berichtet aus der Geschichte der NaturFreunde – von Sozialismus bis TTIP. Und es gibt einen interessanten Artikel über eine Sterbebegleiterin.

Alles ist bunt und ansprechend gestaltet und bietet einen guten Querschnitt durch die deutsche Vereinslandschaft. Was mir besonders auffiel: trotz der 90 Seiten und des dicken Papiers ist das Heft unglaublich leicht.

Das EVAU-Magazin kostet 11 Euro und ist im Zeitschriftenhandel erhältlich. Man kann es aber auch auf der Internetseite des Magazins direkt bestellen. Bis zum 13. August bekommt man dort 10% Rabatt, wenn man den Code: »Mausbiber« eingibt.

Das Video der PERRY RHODAN-Redaktion verlinke ich auch gleich, damit man einen Eindruck von der Infografik bekommt.

Mädchensorgen

Quelle: Amazon

Eigentlich gehöre ich nicht zur Zielgruppe des Films »Freche Mädchen«. Zum einen, weil ich gut dreißig Jahre zu alt bin und zum anderen, weil ich in der Schule nie frech war. Aber der Streifen von 2008 hat mir dennoch viel Spaß bereitet.

Es geht um drei beste Freundinnen, die zusammen in eine Klasse gehen. Die drei fünfzehnjährigen haben allerlei Probleme mit der Schule, dem Elternhaus und natürlich mit Jungs. Mila, die Hauptfigur lebt bei ihrer chaotischen Mutter (genial besetzt mit Anke Engelke) und muss mit ansehen, wie sich ihre Freundinnen nacheinander verlieben, während sie mit den pickeligen Jungs von der Schule nichts anfangen kann. Bis plötzlich Pit Winter (David Rott) vor ihr steht, und sie sich unsterblich in diesen Traummann verliebt. Dumm nur, dass er der neue Referendar der Klasse ist und auf einer Elternversammlung mit ihrer Mutter anbändelt …

Der Familienfilm hält neben lustigen Dialogen und einem ins Ohr gehenden Soundtrack viele schöne Szenen bereit. Mit viel Witz und Gefühl schildert er die Sorgen und Nöte von Teenagern in den Zweitausendern. Das ist auch für Menschen jenseits der Dreißig durchaus unterhaltsam, weil man sich an die eigene Jugend zurückerinnert. Eine Augenweide ist David Rott als smarter Referendar, der sich als totaler Langweiler entpuppt und am Ende von Mila bloßgestellt wird. Toll gespielt ist seine Verwandlung in einen kauzigen Greis, der aus den Lehrbüchern diktiert.

Die restliche Besetzung liest sich wie das WhoisWho der deutschen Comedyszene, denn mit von der Partie sind neben Anke Engelke, Piet Klocke, Michael Kessler, Armin Rohde und Christian Tramitz. Überzeugend spielen auch die jungen Darstellerinnen, allen voran Emilia Schüle als Mila.

»Freche Mädchen« basiert auf Romanen von Bianka Minte-König aus der Bücherreihe »Freche Mädchen – freche Bücher« und ist ein schöner Film für einen ruhigen Fernsehabend. Immer möchte ich solche Filme nicht sehen, dafür sind sie mir zu seicht, aber hin und wieder darf man sich das leisten.

Was ich besonders bemerkenswert finde ist, dass die Autorin erst mit 49 Jahren anfing Kinder- und Jugendbücher zu schreiben und erst dann richtig erfolgreich wurde.