Christinas Multiversum

Ansichten, Rezensionen, Kommentare

rainbow

Eine tierisch gute Komödie

Quelle: Amazon.de

In der vergangenen Woche und am Wochenende haben wir einige unterhaltsame Filme angesehen. Einer davon war ein Spontankauf im Kaufland.

Mich hatte das Cover der Blu-ray mit der Katze angelockt. »Voll verkatert« ist eine Hollywood-Komödie mit Starbesetzung. Kevin Spacey als ekelhafter Unternehmer und Multimillionär Tom Brand, für den seine Lieben weniger zählen als seine Firma. Als sich seine Tochter Rebecca zum Geburtstag eine Katze wünscht, geht er in die Tierhandlung von Felix Perkins (grandios gespielt von Christopher Walken) und kauft Kater Mr. Kuschelpuschel, obwohl Brand Katzen hasst wie die Pest. Auf dem Rückweg hat er einen Unfall und findet sich von da ab im Körper von Mr. Kuschelpuschel wieder. Wenn er in sein altes Leben zurück will, muss er sich opfern …

Zugegeben, der Plot ist nicht superoriginell, aber seine Umsetzung finde ich durchaus gelungen. Jennifer Garner spielt Brands zweite Ehefrau mit großer Hingabe und auch Malina Weissman (die Garner enorm ähnelt) überzeugt als Brands Tochter Rebecca. Die Katzenstunts, teilweise mit richtigen Katzen gedreht, teils aus dem Computer, sind ausgesprochen witzig.

»Voll verkatert« ist der passende Film für einen entspannten Fernsehabend. Viel Humor mit einer Prise Kritik am egoistischen Unternehmertum. Regisseur war übrigens Barry Sonnenfeld, der auch die »Man in Black«-Reihe gemacht hat.

Klima außer Kontrolle

Wenn man die letzten Tage an den Kalender geblickt hat, musste man schon genau hinsehen, dass wir erst Ende April haben und nicht bereits Ende Juni. 29 Grad im Schatten und seit Tagen nur Sonne und blauer Himmel, das kann nicht normal sein. Vor drei Wochen waren noch Minusgrade und jetzt ist Hochsommer. Noch nie habe ich so früh im Jahr Sonnencreme aufgetragen und bin in Sommerklamotten unterwegs gewesen.

Die Natur ist innerhalb von Tagen von Null auf Hundert gefahren. Im Garten meiner Schwiegereltern blühen neben der Forsythie bereits Kirschbaum und Flieder. Heute haben wir auf dem Weg nach Herrsching sogar schon blühenden Akazien und Kastanienbäume gesehen. Dabei sind die Insekten noch gar nicht so weit, um das alles zu betäuben. Unglaublich. Dabei ist es extrem trocken, weil es seit Wochen nicht richtig geregnet hat. Gut ist diese frühe Hitze bestimmt nicht.

Ich kann mich an Jahre aus meiner Kindheit erinnern, als es nicht mal Birkengrün für die Maidemo gab, und zu meinem Geburtstag Ende Mai noch die Tulpen blühten. Jedes Jahr bekam ich von der Nachbarin einen Strauß Flieder geschenkt. Im vergangenen Jahrzehnt war er zu diesem Zeitpunkt fast immer verblüht. Am besten erinnere ich mich an meinen ersten Winter in Ilmenau. 1995/96 lag von Anfang November bis Ende April ununterbrochen Schnee. Abends freute man sich noch, dass er wegtaut war. Aber, wenn man morgens die Vorhänge aufgezogen hat, war es draußen wieder weiß. Das war ähnlich frustrierend, wie die Sommerhitze, unter der wir jetzt leiden. Für pollengeplagte Menschen muss solches Wetter im Frühjahr die Hölle sein.

2007 war es im April auch schon mal so heiß. Da saßen wir beim Trekdinner draußen im Biergarten. Auch damals hat es den ganzen April nicht geregnet, erst der Mai brachte ein bisschen Feuchtigkeit. Ich hoffe nur, dass es jetzt nicht wieder (wie im vergangenen Jahr) so kalt wird, dass dann alles erfriert. Denn das wäre verheerend.

Machen wir uns nichts vor. Das Klima hat sich in den letzten 30 Jahren definitiv verändert. Der Herbst ist länger geworden, dafür haben wir kaum noch Frühjahr, weil der Winter meistens sofort in den Sommer übergeht. Ich fürchte, dass wir uns daran gewöhnen müssen, und das Extreme wie im April 2018 immer häufiger auftreten werden.

Kaum gegrünt schon weggesäbelt

Heute Nachmittag haben wir Naturschutz betrieben. Es waren nämlich die Männer mit den Rasenmähern angetreten, um die Grünfläche vor unserer Terrasse zu mähen. Aber gerade dort blühen zur Zeit viele Blumen, die nicht nur Bienen sondern auch andere Insekten anlocken. Wir baten die Herren, doch einen Streifen um unsere Terrasse stehenzulassen, auf dem die Blumen besonders dicht wachsen. Sie haben sich dran gehalten. Aber wahrscheinlich nur, weil wir wie Gefängnisaufseher auf der Terrasse standen und zugesehen haben, bis sie fertig waren.

Mal ehrlich, seit nicht einmal drei Wochen ist es warm genug, damit das Gras wachsen kann. Und weil es sehr trocken war, ist es ohnehin nicht besonders hoch gewesen. Warum man das jetzt schon mähen muss, ist mir ein Rätsel. Die Pflanzen haben doch gerade erst angefangen zu wachsen und zu blühen. Als Tochter eines Imkers weiß ich, dass die Bienen gerade jetzt genügend Pollen eintragen müssen, um die Jungbienen großziehen, die dann den Honig sammeln können, wenn Raps, Linden oder Akazien blühen. Je weniger Futter sie also finden, desto weniger Bienen gibt es, die können wiederum weniger Honig eintragen und je weniger Honig es gibt, desto teurer ist er.

Früher mähte man eine Wiese nicht eher, bis alles verblüht war und die Samen ausgefallen sind. Aber heutzutage muss ja alles möglichst gleichmäßig grün aussehen. Bei so einem Rasen haben Insekten null Chancen. Und dann wundern sich alle, warum es immer weniger Insekten und immer weniger Vögel gibt. Den meisten Menschen ist das egal, weil die wenigsten wissen, welche Auswirkungen das auf unser Leben haben wird. Denen ist auch egal, das die Rasenfläche jetzt wie grün angemalte Erde aussieht. Da kann man den Rasen doch gleich weglassen und Kunstrasen verlegen, da spart man sich dann auch das Mähen.

Ich bin jedenfalls froh, das Bienen und Hummeln weiterhin vor unserer Terrasse herumfliegen und die Vergissmeinnicht ihre hellblauen Blüten in die Luft strecken können. Das Leben ist eintönig genug, man muss es nicht noch eintöniger machen. Wenn es mehr Leute gäbe, die auf so etwas achten würden, wäre es um unsere Zukunft auch nicht so düster bestellt. Wir haben jedenfalls heute unseren kleinen Beitrag geleistet.

Terrassengärtnerei

Babychili

Ich habe eigentlich keinen »grünen Daumen«. Im Gegenteil, früher sind mir sogar Kakteen eingegangen, weil ich vergessen habe, sie zu gießen. Dass meine Mini-Orchideen im Fenster so gut gedeihen, liegt einzig und allein an der hohen Luftfeuchtigkeit in unserer Wohnung.

Anfang Februar entdeckte ich im Wartezimmer meiner Hausärztin in einer Gartenzeitschrift eine Methode, wie man aus Sämlingen Pflanzen zieht. Das musste ich gleich mal mit den Mini-Chilis ausprobieren. Der Stock war uns vor zwei Jahren im Winter eingegangen, nachdem er uns den ganzen Sommer über mit vielen scharfen Schoten beliefert hatte. Ich packte also ein paar der Samen in eine Petrischale und siehe da, es wuchsen kleine Pflänzchen. In dieser Woche wurde es nun Zeit sie zu pikieren. Das habe ich heute Nachmittag gemacht, während mein Mann sich um die groben Arbeiten gekümmert hat.

Engerlinge

Beim Vorbereiten der Pflanztröge für die Kartoffeln, stieß er dann auf das übliche Problem, was wir jedes Jahr haben. Engerlinge! Irgendwie scheint unserer Terrasse der ideale Brutort für Maikäfer zu sein. Leider ernähren sich die Larven von kleinen Wurzeln, weshalb uns vor drei Jahren der Weinstock eingegangen ist. Jedes Jahr im Frühjahr graben wir Dutzende weiße Larven aus der Erde und verfüttern sie anschließend an die Forellen im Bach, der nicht weit von unserem Haus vorbeifließt.

Wie man sieht, waren es heute besonders viele und besonders große Exemplare. Die Forellen zeigten sich auch dementsprechend überfordert, weil die meisten noch klein sind. Da kamen nur die größeren Kaliber in den Genuss des Lebendfutters.

Gestrandet zwischen den Blues

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 171 – »Brennpunkt Eastside« von Arno Endler

Der Transmitter lässt die MAGELLAN nicht wie geplant im Zentrum der Milchstraße materialisieren, sondern in der Eastside. Der Sprung hat große Schäden an Schiff und Mannschaft hinterlassen. Es gibt viele Verletzte, unter denen sich auch die schwangere Autuum Legacy befindet. Besonders schlimm ist der Ausfall der Hauptpositronik, die das Schiff einigermaßen wehrlos macht. Nach und nach bekommen die Techniker das Schiff wieder auf Kurs. Leyden entdeckt Spuren von Kreell in dem System, ohne das er sagen kann, woher es kommt.
Da taucht plötzlich eine Flotte fremder Raumschiffe auf, die eine merkwürdige Panzerung aufweisen. Der Oberbefehlshaber Kerrek fordert die Kapitulation der MAGELLAN, weil sie unerlaubt in ihr Territorium eingedrungen ist. Die Außerirdischen haben Tellerköpfe und blaues Fell, was Reginald Bull veranlasst, sie Blues zu nennen. Als Rhodan der Forderung der Blues nicht nachgibt, entbrennt eine Schlacht, in der sich die beiden gleichstarken Gegner eher »beschnüffeln«, um möglichst viele Informationen über die Kampfstärke herauszufinden. Erst ein Einsatz der Transformkanone beendet die Kampfhandlungen und die Blues bieten Verhandlungen an. Dazu laden sie die Terraner in ihr Heimatsystem ein und versorgen die MAGELLAN mit Kartenmaterial, da die Menschen keine Navigationsdaten über die Eastside besitzen.
Eine Abordnung aus Perry Rhodan, Reginald Bull, Gabrielle Montoya, Luan Perparim, Abha Prajapati, Sicherheitsoffizier Maxwell T. Muller sowie Icho Tolot und Gucky landen auf Gatas, der Welt der Blues, auf der sie den Rat des geheiligten Ovarions, die Regierung der Gataser, treffen sollen. Sie können zwar viele Informationen über das fremde Volk sammeln, doch die Blues verzögern ein Treffen mit dem Rat und veranstalten dafür ein mehrtägiges Fest für die Ankömmlinge.
Während der Feierlichkeiten entdeckt Gucky im Keller eines Gebäudes einen vertrauten Gedankenimpuls. Eine Blueswissenschaftlerin bemerkt ihn, schlägt aber keinen Alarm, sondern zeigt ihm und Rhodan, woran sie forscht. Es ist ein Block aus Kreell in dem ein menschlicher Körper eingeschlossen ist, es handelt sich dabei um Tuire Sitareh. Der Aulore ist noch am Leben, aber die Blues hat bisher keine Möglichkeit gefunden, ihn zu befreien. Rhodan bittet sie, ihm den Block auszuhändigen. Sie willigt ein, weil sie eine Kriegsgefangene der Gataser ist. Es gibt verschiedene Bluesvölker, die sich gegenseitig bekämpfen.
Gerade als sie den Block aufs Dach schaffen, um ihn in die Korvette zu verladen, bekommen die Gataser Wind von der Angelegenheit. Besonders der Flottenchef Kerrek hat es auf die Terraner und im Speziellen auf deren Transformkanone abgesehen und versucht sie mit allen Mitteln aufzuhalten. Die Korvette mit dem Außenteam kann von Gatas fliehen und im letzten Moment in die MAGELLAN einschleusen, bevor diese eine Nottransition macht. Doch die Gatasische Flotte kann das Flaggschiff der Terraner aufspüren und durch ihre schiere Übermacht in die Knie zwingen. Rhodan bleibt kein Ausweg, er befielt die Kapitulation.

Egal wie viel Mühe sich Arno Endler mit seinen Figuren gibt, es gelingt ihm nicht, mich zu überzeugen. Der Roman ist in seiner Zerrissenheit nicht ganz so schlimm wie sein letzter, dafür erscheint mir diese Mal die erzählte Geschichte zu flach. Rhodan und seine Terraner begegnen den Blues, einer durchaus aggressiven und auf Expansion ausgerichteten Spezies. Im Laufe des Kontaktes begehen die Menschen aber derartig viele taktische Fehler, dass es ein Wunder ist, das Rhodan und das Außenteam wieder heil von dem Planeten herunterkommen. Zum Beispiel teilt Rhodan den einzigen Sicherheitsoffizier im Team ausgerechnet Tolot und Gucky zu, während er allein mit einem potenziell gefährlichen Außerirdischen alleine eine Tempelanlage besichtigt. Derselbe Sicherheitsoffizier versucht später Tolot unter den Tisch zu trinken, während sich Rhodan ungeschützt inmitten tausender feiernder Blues bewegt. Wenn das Autuum Legacy erfährt …

Die vom Autor beschriebene Kultur der Blues ist zwar interessant, doch die Beschreibungen lähmen die Handlung. Lange Zeit passiert überhaupt nichts, selbst die Schlacht zwischen MAGELLAN und Bluesflotte dümpelt so dahin. Erst gegen Ende des Romans kommt mit der Entdeckung von Tuire Sitareh die Geschichte richtig in Gang und ist wenige Seiten später auch schon wieder zu Ende.

Auffällig sind wiederholt die vielen kurzen Kapitel, die mich als Leser verleiten, das Buch öfter als nötig aus der Hand zu legen. In diesem Fall funktionieren die Cliffhanger in den Kapiteln sogar, um der Handlung mehr Spannung zu verleihen, als sie eigentlich hat. Was auf Dauer aber auch keine befriedigende Lösung ist.

Viele Nebenhandlungen erstrecken sich über höchstens ein oder zwei Kapitel und stellen sich als nicht Handlungsrelevant heraus. Dazu sind mir Schwächen in der Erzählperspektive aufgefallen, die oft zwischen auktorial und persönlich wechselt.

Alles in allem ist »Brennpunkt Eastside« ein eher befriedigender Roman, der mir sicher nicht in Erinnerung bleiben wird. An dieser Stelle vermisse ich die exzellenten Romane von Michael H. Buchholz noch schmerzlicher. Der Autor, der vor mehr als einem Jahr gestorben ist, hat eine größere Lücke hinterlassen, als es mir damals bewusst war.

Ein großes Lob richte ich dagegen an Dirk Schulz für das geniale Cover.

Mit la, la, la zum Oscar

Quelle: Amazon.de

Neugierig geworden durch die vielen Oscars, die der Film im vergangenen Jahr bekommen hat, haben wir uns dieser Tage »LA LA LAND« angesehen.

Zunächst einmal, es ist kein schlechter Film … die Geschichte ist nett, die Aufmachung als Musical gelungen und die Kameraeinstellungen und Farben sind ungewöhnlich. Aber, ich frage mich dennoch, wo die Oscar-Jury hier die Besonderheit und Güte des Films sieht. Wenn man genau hinschaut, ist die Story doch ziemlich flach.

Mia, armes Mädchen vom Land, versucht in Hollywood Kariere zu machen, Sebastian, talentierter Pianist, träumt vom eigenen Jazzclub, muss aber in Bars Weihnachtslieder spielen. Beide verlieben sich ineinander und dann trifft Sebastian der Erfolg, während Mia vermeintlich leer ausgeht. Sie trennen sich und finden wieder zusammen, weil sich der Erfolg dann auch für Mia einstellt. Fünf jähre später ist Mia eine gefeierte Schauspielerin und Sebastian hat seinen eigenen Club, doch zusammen sind sie nicht mehr. Der Erfolg hat ihre Liebe zerstört. Mia ist verheiratet und hat ein Kind mit einem anderen Mann. Als sie durch Zufall in Sebastians Club kommt, sieht sie vor ihrem inneren Auge, was gewesen wäre, wenn sie zusammengeblieben wären.

Die Gesangs- und Tanzeinlagen sind eine Hommage an die Revuefilme der 50er, nur etwas poppiger und moderner gemacht. Am Anfang hatte ich die Befürchtung, das der Film wie eine Bollywood-Romanze werden würde. Das hat sich aber zum Glück nicht bewahrheitet. Dennoch bin ich der Meinung für sechs Oscars war die Geschichte zu flach und die Darstellung der Schauspieler zu schwach. Einzig Optik und Beleuchtung ragen über den Durchschnitt hinaus.

Im Grunde feiert sich Hollywood mit diesem Film selbst und wahrscheinlich gab es deswegen von dort so viel Lob und Preis. Man kann ihn sich ansehen, man muss es aber nicht. Vor allem jene Filmfreunde, die keine Gesangseinlagen in Filmen mögen, sollten den Streifen lieber im Regal lassen.

Eine Geschichte von Wahrheit und Lüge

James Morrow
»Die Stadt der Wahrheit«

Ein Vater würde alles für das Leben seines Sohnes tun, selbst in Veritas, einer Stadt, in der Lügen verboten sind. Durch Gehirnwäsche konditioniert, ist Jack Sperry seit seinem 10. Lebensjahr nicht mehr in der Lage die Unwahrheit zu sagen. Doch als sein siebenjähriger Sohn mit einer unheilbaren Seuche infiziert wird, muss Jack lernen zu lügen, um das Leben seines Sohnes zu retten. Hilfe findet er in Satirev einer geheimen Stadt im Untergrund von Veritas, in welcher die Menschen leben, die sich mit der Diktatur der Wahrheit nicht abfinden wollen.

James Morrows Blick auf eine Gesellschaft, in der absolute Wahrheit herrscht, ist phantastisch und schräg zugleich. Beispielsweise wenn Jack mit seiner Frau in ein Restaurant geht und sie »ermordete Kuh« bestellen. Morrow gelingt es, die gnadenlose Ehrlichkeit der Gesellschaft sowohl in Jacks Gedanken, als auch in der Interaktion mit seiner Umwelt klar und erschreckend nüchtern zu formulieren. Gerade diese Nüchternheit hat mir stellenweise Gänsehaut beschert.

Gefühle sind Lügen, Kunst ist Lüge. Eine »Brutalotruppe« sorgt dafür, dass sich jeder daran hält. Jack arbeitet als Kunstkritiker, der Filme, Bücher und Kunstwerke zerstört, die nicht der absoluten Wahrheit entsprechen. Das Gedankenspiel, wie würde eine Welt aussehen, wenn alle nur die Wahrheit sagen, zeigt wie armselig so ein Leben wäre. Es gäbe keine phantastischen Geschichten, keine Poesie, ja nicht einmal Weihnachten. Die Realität wäre grau und langweilig.

Die Begrifflichkeiten, die Morrow in dem Roman verwendet, sind durch ihre Ehrlichkeit ausgesprochen lustig. Restaurants mit dem Namen »Suff am Morgen« oder »Miese Mixgetränke« sind charakteristisch für die Stadt Veritas. Das Lager in dem Jacks Sohn Toby die Ferien verbringt, heißt »Weg mit den Kindern« und deutet an, dass die Gesellschaft durch die erzwungene Wahrheit zwar ehrlich geworden, aber immernoch herzlos ist. Der Leser wohnt in der Perspektive von Jack auch der Konditionierung einer zehnjährigen bei, der mittels Elektroschocks das Lügen ausgetrieben wird.

Anders dagegen ist das Leben in Satirev (Veritas rückwärts gelesen) eine Ansammlung phantastischer Dinge und bildet den exakten Gegensatz zu Veritas. Da wächst das Geld auf den Bäumen, Schweine fliegen durch die Luft, Ratten jagen Katzen über purpurnes Gras und heißer Schnee fällt vom Himmel. Jacks aufopfernder Kampf gegen die Krankheit seines Sohnes wird durch das Mitgefühl der Bewohner Satirevs gestärkt. Doch gerade hier zeigt sich, dass die Wahrheit zu sagen, manchmal die gnädigere Alternative ist.

Der ungewöhnliche Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mir gezeigt, dass phantastische Literatur auch ohne Raumschiffe und Technik in der Lage ist, eine hochemotionale Geschichte zu erzählen und gleichzeitig den Leser zum Staunen zu bringen. Vielen Dank an KNF für die Empfehlung.

»Die Stadt der Wahrheit« erschien bereits 1993 und ist nur noch antiquarisch zu beziehen. Ich habe das schmale Buch bei Booklooker für wenige Euro erstanden.

Der forcierte Zerfall einer Gemeinschaft

Ich möchte heute eine kleine Geschichte erzählen, die sich möglicherweise genauso zugetragen haben könnte.

Es war einmal ein Planet mit vielen Bewohnern. Manche der Bewohner waren überaus intelligent, andere … nun ja … man weiß es nicht genau.

Vor vielen Jahren hatten sich auf dieser Welt zwei Großmächte verbündet, um einen Krieg gegen die Fraktion einer kleineren Macht zu führen, die damals noch keine war. Als der Krieg beendet war, zerfiel der kurzeitige Zusammenschluss der beiden Großen, und sie begannen damit, einen Krieg ohne Waffen gegeneinander zu führen. Die vielen Fraktionen auf dem Territorium zwischen den beiden großen Mächten vereinten sich indes zu einem Bündnis und formten eine dritte, kleinere Macht. Diese wuchs mit der Zeit und wurde immer größer und stärker. Grenzen fielen und alle Fraktionen der Gemeinschaft lebten solidarisch zusammen.

Das war den beiden Großmächten ein Dorn im Auge. Denn die kleinere Macht tat sich an, ihnen den Rang abzulaufen und sie an wirtschaftlicher und politischer Stärke auf dem ganzen Planeten zu übertrumpfen. Es galt also etwas zu unternehmen, um diese Macht zu schwächen. Weil das aber nicht offiziell und auf kriegerischem Weg ging, dachten sich die Hintermänner der Großmächte einen perfiden Plan aus, um die Gemeinschaft der Fraktionen auseinanderfallen zu lassen. Sie nutzten die Tatsache aus, dass das Bündnis sehr liberal und vor allem sehr solidarisch war.

Erst schürten sie Unruhen in den Grenzländern des Bündnisses. Diese gehörten zwar nicht dazu, standen aber an der Schwelle zur Mitgliedschaft. Die eine Großmacht annektierte sogar einen Teil eines solchen Landes, weil sie wusste, dass das Bündnis sich für den Mitgliedskandidaten einsetzen würde. Beide Großmächte verfügten außerdem Embargos und Handelsabkommen, welche das Bündnis schwächen sollten. Doch das alles funktionierte nicht so richtig.

Somit griffen sie zu drastischeren Mitteln und führten einen Stellvertreterkrieg in einem Land ihrer Wahl, das weit genug weg von ihnen lag, aber nah genug, damit eventuelle Kriegsflüchtlinge in das Territorium der Gemeinschaft fliehen konnten. Sie versorgten einfach zwei verfeindeten Parteien mit Waffen und sahen zu, wie diese das Land in Schutt und Asche legten. Wie erwartet flüchteten die Bewohner zunächst in die Nachbarländer. Als der Konflikt aber nicht endete, weil die beiden Großmächte weiterhin mit ihren Waffenlieferungen das Feuer schürten, wanderten die Flüchtigen weiter. Sie wurden mit offenen Armen vom Bündnis empfangen, was aber dazu führte, dass Menschen aus anderen Ländern das sahen und verständlicherweise nun ebenfalls dorthin wollten. Die Schwämme an Flüchtlingen führte tatsächlich zu Streitereien innerhalb der Gemeinschaft. Keiner wollte die vielen Menschen aufnehmen, es wurde gestritten und gefeilscht und die einstigen Grenzen wieder abgeschottet und verteidigt, damit ja keine ungebetenen Gäste mehr herein kamen. Die Lage beruhigte sich etwas, schwelte aber unter der Oberfläche weiter.

Die beiden Großmächte dachten sich daraufhin neue Aktionen aus, um das Bündnis in die Knie zu zwingen. Das Mittel ihrer Wahl war die Manipulation von Daten und Menschen über das weltweite Datennetz. Nutzer wurden getäuscht und Wahlen manipuliert. So kam es, dass die erste Fraktion nach einer beeinflussten Abstimmung aus dem Bündnis austrat. Doch statt die Verbliebenen nun gemeinsam an einem Strang zogen, zerstritten sie sich noch mehr. Politisch hetzte einer gegen den anderen, Misstrauen wurde gesät und Vorurteile gepflegt, die längst überwunden schienen. Damit verschob sich das Gleichgewicht von liberalen zu radikalen Ansichten. Was dazu führte, das immer mehr Populisten an die Spitze der einzelnen Fraktionen gelangten.

Der wichtigste Schachzug aber war, als eine Großmacht der anderen half, einen Präsidenten zu wählen, der so unberechenbar war, dass er die ganze Welt zuerst in Verwirrung und anschließend in einen globalen Konflikt zu stürzen drohte. Das alles geschah nur, um das Bündnis von den eigentlich wichtigen Dingen, nämlich dem Erhalt von Freiheit und wirtschaftlicher Zusammenarbeit abzulenken. Weitere Aktionen halfen dabei: vergiftete Spione, Handelskriege mit der vierten Macht, Skandale um Fahrzeuge mit unzureichenden Verbrennungsmotoren und immer wieder bewaffnete Konflikte und Terroranschläge.

Weil die Fraktionen innerhalb der Gemeinschaft unterschiedlicher Meinung waren, welcher Großmacht ihre Loyalität galt, zerstritten sie sich immer mehr. Sie ließen sich in die Konflikte hineinziehen und gingen geschwächt und mit materiellen sowie finanziellen Verlusten daraus hervor. Das Bündnis zerfiel, weil jede Fraktion glaubte, es allein besser machen zu können. Diejenigen, die dabei auf der Strecke blieben, waren die Bewohner des Planeten. Denn ihre Vision, dass alle friedlich miteinander zusammenleben könnten, starb zusammen mit dem Bündnis.

Die Gemeinschaft der Fraktionen hätte ein Zeichen für die ganze Welt setzen können, doch sie zerbrach an Misstrauen und Egoismus, weil sie die Gefahr, die von den Hintermännern der Großmächte ausging, nicht sahen oder sie ignorierten.

Rutschige Angelegenheit

Im neuesten Video von Simon’s Cat geht es darum, das Katzenbesitzer es nur schwer schaffen, ihr Umfeld schön und vor allem intakt zu halten. Über zerkratzte Möbel, umgeworfene Vasen oder angeknabberte Lebensmittel (falls man diese leichtsinnigerweise unbeaufsichtigt gelassen hat) gewöhnt man sich. Es fehlt einem richtig, wenn irgendwann keine Katze mehr im Haus ist.

Der Bahnsteig der keiner mehr ist

Wir waren am Wochenende mal wieder mit der Deutschen Bahn unterwegs. Von Südostoberbayern nach Thüringen und wie schon in den vergangenen Monaten fühlt es sich an wie eine Odyssee. Dabei waren die Züge sogar einigermaßen pünktlich. Von den fünf Minuten abgesehen, die wir auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt später ankamen. Einmal war eine Weichenstörung und das andere Mal ein liegengebliebener Güterzug die Ursache.

Fast schon witzig war dagegen der Umstieg in Nürnberg auf der Hinfahrt. Dort wurden wir gebeten auszusteigen, weil der IC enden sollte und wir in den IC aus Karlsruhe umsteigen sollten. Der fuhr an diesem Tag aber nicht, weil der Bahnhof in Ansbach wegen einer Baustelle gesperrt war. Wir waren also gerade ausgestiegen und warteten am Bahnsteig, als die Anzeige wechselte. Sie informierte uns, dass der IC, mit dem wir gerade angekommen waren, als Ersatzzug weiter in Richtung Leipzig fahren würde. Was nichts anderes hieß, als das wir in denselben Zug wieder einsteigen durften. Da hätte man auch schon mal vorher eine Durchsage machen können. Aber wenn selbst das Zugpersonal (auf Anfrage) nicht sicher ist, wohin ihr Zug fährt …

Während wir auf der Hinfahrt Umsteigezeiten von einer halben Stunde hatten und dann auch noch quer durch die halbe Republik gefahren sind, war die Rückreise ziemlich sportlich. Am Münchner Bahnhof hatten wir nämlich nur neun Minuten, um von Gleis 19 auf Gleis 9 zu gelangen. Was an sich schon nicht so einfach zu schaffen ist, da zwischen den Bahnsteigen mehr als 500 Meter Wegstrecke liegen. In unserem Fall verkomplizierte sich das noch, weil der Bahnsteig von Gleis 11 momentan gebaut wird. Dort wo man sonst entlanggeht, klafft nun eine Baugrube auf einhundert Metern Länge. Um zu den Gleisen 5-10 zu kommen, muss man derzeit das Bahnhofsgebäude verlassen, auf dem Fußweg die Bayerstrasse entlanglaufen (sich dabei möglichst nicht von einem Radfahrer über den Haufen fahren lassen), an der Ampel vor der Paul-Heyse-Unterführung warten und anschließend die Treppen an der Unterführung wieder hochsteigen. Von da aus sind es noch 50 Meter bis man endlich am Bahnsteig angelangt ist. Wenn man also das Pech hat, im hinteren Zugteil des ICEs zu sitzen und erst den langen Weg am Zug entlang bis in die Halle laufen muss und dann wieder nach draußen, schafft man den Weg von gut einem Kilometer eigentlich nur im Dauerlauf.

Normalerweise plane ich das beim Fahrkartenkauf auch schon mit ein. Aber als ich die Fahrkarte vor einem Monat gebucht habe, stand da Gleis 11 (das ist noch in der Halle). Von den Bauarbeiten war auch in den aktuellen Daten der App nichts zu lesen. Wenn wir es also nicht schon bei der Hinfahrt gesehen und uns daraufhin auf der Rückreise gleich vorn in den ICE gesetzt hätten, hätten wir wahrscheinlich den Anschlusszug nicht geschafft.

Was dem Münchner Bahnhof fehlt, ist eine Querverbindung zwischen den Gleisen, die das Umsteigen erleichtert. Man muss diese ja nicht unterirdisch machen. Es würde eine einfache Fußgängerbrücke am Ende der Halle reichen. Auf den Umbauplänen, die derzeit in der Bahnhofsvorhalle präsentiert werden, fehlt aber eine solche Brücke. Das heißt, selbst nach dem kostspieligen Umbau, werden die Wege in München von Zug zu Zug nicht kürzer sein. Da frage ich mich ernsthaft, ob diejenigen, die das planen, eigentlich selbst mit dem Zug fahren.