Christinas Multiversum

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Last der Unsterblichkeit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 162 – »Allein zwischen den Sternen« von Kai Hirdt

Wie fühlt sich ein Mensch der schon mehr als tausend Jahre lebt? Gibt es für ihn noch Inspiration? Fühlt er noch, oder ist ihm alles gleichgültig? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich Kai Hirdt in diesem Roman. Er schafft damit etwas, das seinen Vorgängerinnen in Band 161 nicht gelungen ist, nämlich mir die Gefühlswelt eines MdI zu vermitteln.

Trinar Molat – Faktor II –  ist ein einsamer Mann. Durch das lange Leben abgestumpft, gibt es kaum noch etwas, dass ihn berührt. Allein sein Hass auf Perry Rhodan und die Jagd auf den Terraner scheint in ihm etwas zum Schwingen zu bringen. Dabei hat seine ehemalige Partnerin Mirona Thetin – Faktor I – verboten der MAGELLAN und Rhodan nachzustellen. Molat spielt sein eigenes Spiel, als er sieht, dass Mirona von ANDROS Auftrag abzuweichen scheint. Durch seine Gedanken versteht man sein Handeln, das von Brutalität und Gleichgültigkeit geprägt ist. Sein Versuch die Welt seiner Untergebenen zu verstehen, scheitert an seiner Gefühllosigkeit. Ist er noch ein Mensch? Führt Unsterblichkeit zum Verlust der Menschlichkeit? Es sind genau die Ängste mit denen Perry Rhodan bei der Übernahme seines Zellaktivators haderte, die sich als Eigenschaften in den MdI manifestieren. Allein für diese Charakterstudie lohnt sich die Lektüre des Romans.

Spannend und actionreich geht es dagegen auf der MAGELLAN zu. Atlans Botschaft enthielt einen Schadcode, der die Positronik übernimmt und das Schiff zu einem Rendezvous mit einer Plattform der Paddler zwingt. Lange ist nicht klar, ob die Paddler den Terranern wirklich wohl gesonnen sind. Als die Vorurteile überwunden scheinen, wird die MAGELLAN von den Schergen Trinar Monats angegriffen. Auch in diesem Handlungsstrang spielt Kai Hirdt seine Stärken aus. Mit lebhaften Dialogen und witzigen Szenen legt er den Schwerpunkt auf die Interaktion der Figuren. Bei den Raumschlachten dagegen hatte ich oft ungenaue Bilder im Kopf und konnte den Manövern nicht so recht folgen.

»Allein zwischen den Sternen« ist ein kurzweiliger Roman, der einen Blick in die Seele eines Meisters wirft und den Terranern in Andromeda zum ersten Mal echte Vertraute verschafft. Spannung und die vielen netten Details machen diesen NEO zu einem echtes Erlebnis und entschädigen mich für den schlechten, letzten Roman.

Morgen der sich sonnenden Katzen

Es war ein kalter Wintermorgen. Die Sonne stand tief über den Bergen. Wind fegte in großen Wolken den Schnee von den Gipfeln. Hier im Tal schien die Landschaft mit einer Schicht aus Puderzucker bestäubt. Der See lag ruhig wie ein Spiegel aus Blei. Eiskristalle an den Straßenrändern glitzerten in der Sonne.

Wir stiegen seit langem mal wieder zum Wasserspeicher hinauf – unserem Lieblingsplatz. Auf den umgebenden Bauernhöfen entdeckten wir sie dann … Die Katzen saßen zu Dutzenden draußen vor den Ställen oder im Gras und nahmen ein Sonnenbad. Ich habe auf einem Spaziergang noch nie so viele Katzen auf einmal gesehen. Vor einem Haus zählten wir neun Stück. Weiter oben begegneten wir einem »Löwen« und weiteren Mäusejägern. Den Katzen schien das kalte sonnige Wetter zu gefallen. Im dicken Winterpelz strotzten sie der morgendlichen Kühle und blickten mit großen Augen in die Welt.

Ich kam aus dem fotografieren gar nicht mehr heraus. So viele Miezen …

Der letzte Zug

Der Zug ist abgefahren … im wahrsten Sinn des Wortes. Für die Region Ostthüringen wird es ab morgen düster aussehen, denn sie wurde vom Fernbahnnetz der Deutschen Bahn abgekoppelt – zugunsten der Landeshauptstadt Erfurt und dem Ego einiger Politiker. Sie sonnen sich nun im Glanz eines Milliardenprojekts, bei dem die Umwelt und viele Menschen in Thüringen zu den Verlieren gehören.

In einer schönen Chronik hat Werner Drescher die Geschichte der Saalebahn zwischen Jena und Saalfeld aufgezeichnet (die OTZ berichtet). Diese Chronik reicht 117 Jahre in die Vergangenheit. So lange fahren nämlich schon Züge von Berlin nach München durch das Saaletal. In den dreißiger Jahren sogar mit einer rekordverdächtigen Durchschnittsgeschwindigkeit von 95 km/h. Ab 1941 sogar zweigleisig und elektrifiziert. Bis die Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg das zweite Gleis und die Elektrifizierung als Reparationsleistungen wieder abbauen ließ. Die DDR hatte in 40 Jahren nicht die Möglichkeiten die Lücke zwischen Camburg und Probstzella wieder zu schließen und so rollten sowohl die Interzonenzüge mit westdeutschen Reisenden, als auch die Regionalzüge der Deutschen Reichsbahn mittels Dieselloks durch die Gegend. Bis nach der Wende die Strecke bis 1995 ausgebaut und elektrifiziert wurde und die ersten Inter-Regios zwischen Leipzig und München hier entlangfuhren.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Thüringer Wald und nach Erfurt beschlossene Sache und die Bahn versprach den Städten entlang der Saalebahn, dass sie eine Verbindung ans Fernstreckenetz behalten würden. Im Jahr 2000 fuhren dann die ersten Intercitys auf der Strecke zwischen Jena und Saalfeld nach München. Die Bahnhöfe wurden extra mit viel Geld dazu ausgebaut. Die Haltestelle Jena-Paradies bekam nach jahrelangem Provisorium endlich einen echten Bahnsteig und keinen Bretterbehelf mehr. Ab 2006 fuhren sogar ICEs mit Neigetechnik. Die Fahrzeit verkürzte sich auf zwei Stunden und fünfzig Minuten von Saalfeld nach München. Doch schon da wurden Stimmen laut, dass ab 2018 keine Fernzüge mehr auf dieser Strecken fahren, sondern diese über Erfurt und die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke geleitet würden. Die Politiker in den Städten und Landkreisen interessierte das nicht, weil bis dahin ihre Legislaturperioden längst vorbei wäre. Sie schoben den Schwarzen Peter ihren Nachfolgern zu.

Ab 2011 wurde die Verbindung zwischen München und Saalfeld wieder schlechter. Die ICEs, die in Saalfeld hielten und die sonst über die Schnellstrecke Ingolstadt fuhren, fahren nun über Augsburg. Das bedeutete für mich entweder in Nürnberg umsteigen oder eine fünfzig Minuten längere Fahrzeit in Kauf zu nehmen. Noch schlimmer war es 2016 als die Strecke für ganze neun Monate voll gesperrt wurde und man nur mittels Schienenersatzverkehr in Bussen vorankam. Es schien als wollte die Deutsche Bahn das sich die Anwohner und Fahrgäste schon mal an die Zuglose Zeit gewöhnen sollen.

Nicht nur die Städte in Thüringen leiden, auch Lichtenfels in Bayern ist vom Ausschluss betroffen. Hier treffen sich Strecken aus ganz Oberfranken. Leidtragende sind auch die Menschen in beiden Ländern, die direkt an der neuen Strecke wohnen, welche den Thüringer Wald wie ein Messer durchschneidet. Auch sie haben den versprochenen Bahnhof bei Ilmenau nicht bekommen. Sondern müssen jahrelangen Baulärm und nun das Rauschen der ICEs ertragen, die durch das 11 Milliarden teuere Tunnel- und Brückensystem rollen. Nur 20 Prozent der Summe hätte der Ausbau der Saalebahn gekostet und es wären mehr Menschen bei weniger Umweltzerstörung angeschlossen worden. Es ist kaum vorstellbar, wie man ein solches Projekt durchsetzen konnte, das nur Wenigen nutzt, dafür aber Vielen schadet. Da war der Politik das Wohl Weniger wieder mal wichtiger als das Wohl Vieler.

Heute Abend nun fährt der letzte Zug. Die Stadt Saalfeld und ihre Einwohner haben sich dazu entschlossen mit einer Veranstaltung am Bahnhof gegen die Entscheidung der Deutschen Bahn zu protestieren. Es ist ein spätes Aufbäumen einer Region, die schon viel früher etwas hätte unternehmen müssen.

Die SOL 89 im Blick

Nach der SOL ist bekanntlich vor der SOL.

Während die Mitglieder der PRFZ noch in Ausgabe 88 schmökern, bin ich bereits dabei, das Heft 89 zusammenzustellen. Den ganzen Vormittag habe ich damit zugebracht, eingereichte Artikel und Fotos zu sichten, deren Umfang zu bestimmen und in einer Excelliste zu notieren. Anschließend bin ich die Texte nochmals durchgegangen, habe kleinere Korrekturen ausgeführt, mir Zwischenüberschriften ausgedacht und die Artikel mit Bildern anschließend auf unser Online-Drive hochgeladen. Damit können die Redaktionsmitglieder schon mal mit dem Redigieren der Texte starten. Am Ende stellte ich mal wieder fest, dass ich viel zu viel Material habe. Ich muss meine eigenen NEO-Kolumne massiv kürzen, weil ich im Heft schlicht nicht genügend Platz habe. Man glaubt ja nicht, wie schnell 64 Seiten voll sind.

Wozu ich 2017 wohl nicht mehr kommen werde, ist der Newsletter. Mir fehlte in den letzten Wochen schlichtweg die Zeit, mich auch noch darum zu kümmern. Ich habe mir die Freiheit genommen, an meinen eigenen Projekten zu arbeiten. So ein bisschen Egoismus muss ab und an auch mal sein. Dafür wird es im Januar einen Newsletter geben.

Das Schwerpunkt-Thema der kommenden SOL werden die Jubiläumsstammtische aus den Jahren 2016 und 1017 sein. Wahrscheinlich sind dabei nicht alle Stammtische berücksichtigt, die in diesen Jahren ihr 20-jähriges gefeiert haben, aber zumindest von den großen Stammtischen habe ich Rückmeldungen in Form kleiner Artikel bekommen. Im Hinterkopf arbeite ich aber bereits an der SOL Jubiläumsausgabe 90, die soll international werden. Ich überlege mir gerade was für Beiträge ich dazu brauche und wo ich die her bekomme. Ich hoffe, dass das am Ende alles auch so klappt. Drückt mir die Daumen.

Fangirl on the Road

Was für Star Wars-Fans der Film Fanboys ist, so schient Please Stand By der Ableger für Trekkies zu sein, Verzeihung Trekker (die amerikanischen Fans machen da einen Unterschied). Zumindest hört sich die Geschichte um eine autistische junge Frau ähnlich an, wie seinerzeit der Film über vier Nerds, die in die Skywalker Ranch eindringen, um ihrem todkranken Freund zu ermöglichen Star Wars – Episode I noch vor der Premiere anzuschauen. Besagte junge Frau ist Star Trek-Fan und hat ein Drehbuch für eine Star Trek-Folge geschrieben. Damit möchte sie an einem Wettbewerb teilnehmen, den das Studio ausgerufen hat. Weil die Idee in ihrem privaten Umfeld bei Betreuern und Schwester wenig Anklang findet, macht sie sich kurzerhand selbst auf den Weg, das Manuskript im Studio abzuliefern.

Der Stoff für ein klassisches Roadmovie also. Der Trailer verspricht eine emotional ansprechende Geschichte und ich würde mich freuen, wenn der Streifen es auch in die deutschen Kinos schaffen würde. Drücken wir als schreibende Star Trek-Fans gemeinsam die Daumen, damit das klappt. Bis dahin erfreuen wir uns an den hoffnungsvollen Ausschnitten.

»Me too« und die Folgen

Ansich ist die aktuelle Debatte über sexuelle Belästigung gut gemeint. Viele Frauen trauen sich endlich offen darüber zu reden, dass sie von ihren Arbeitgebern oder anderen Männern belästigt wurden. Aber … Wie immer ufert die Geschichte aus. Jetzt hat sich doch in Großbritannien eine Mutter dafür ausgesprochen, das Märchen von Dornröschen vom Lehrplan der Grundschule ihres Sohnes zu verbannen. Weil Dornröschen vom Prinzen ja nicht gefragt wurde, ob er sie wachküssen darf …! Als ich das hörte, hielt ich das zunächst für einen Witz. Aber nein, die Realität  ist verrückter, als sich ein Autor je auszumalen vermag.

Die Bierdeckel-Affäre um das Traunsteiner Hofbräuhaus ist ähnlich gelagert. Seit sechzehn Jahren gibt es vom Hofbräuhaus Bierdeckel mit einem Foto auf dem zwei Maßkrüge vor einem Dirndel-Dekolleté zu sehen sind. Darüber steht der Spruch: »Was darf’s sein«. Fast ein Jahrzehnt lang hat das niemanden gestört. Bis Oberfeministin Alice Schwarzer darauf aufmerksam wurde. Seitdem ist das Bierdeckelmotiv schwer umstritten.

Mal ehrlich. Ich bin eine Frau und ich habe viele Jahre ausschließlich mit Männern zusammengearbeitet. Das man da den einen oder anderen blöden Spruch oder anzüglichen Witz über sich ergehen lassen muss, ist nichts Ungewöhnliches. Mich hat das nie gestört, weil ich gelernt habe, entsprechend zu kontern. Auch bei Grabschern sollte Frau gleich in die Offensive gehen. Bei mir haben sich diejenigen, das kein zweites Mal erlaubt. Das ist für mich Emanzipation: schlage solche Männer mit ihren eigenen Waffen. Mir ist schon klar, dass sich dies vielleicht nicht jede Frau traut. Deshalb ist es, finde ich, so wichtig, dass man jungen Mädchen Gleichberechtigung vorlebt. Das man nicht versucht, sie einzugrenzen und in eine Richtung zu schubsen, sondern sie ermuntert sich außerhalb des Rollenklischees zu bewegen. Dann haben nämlich solche Idioten erst gar keine Chance, die meinen, Frauen seien nur hübsches Beiwerk, mit dem sich beliebig umspringen lässt.

Neues von Simons Cat

Leider gibt es für 2018 keinen Simons’s Cat Abreißkalender, was ich wirklich bedauere. Wir hatten dieses Jahr jeden Tag viel Spaß mit den lustigen Zeichnungen. Ich hebe die Kalenderblätter immer auf (die sind zum Wegwerfen viel zu schade) und klebe sie in eine Kladde. So hat man mit der Zeit viele schöne Simon’s Cat Comicbücher.

Dafür gibt es gleich drei neue Clips von Simon’s Cat, die in den vergangenen Wochen erschienen sind. Die will ich natürlich niemandem vorenthalten und hier teilen.

1. Advent wie aus dem Bilderbuch

Lichterfest auf dem Markt

Der heutige Adventssonntag machte seinem Namen alle Ehre. Es war kalt und gegen Mittag fing es an zu schneien. Der Schnee blieb sogar mitten in der Stadt liegen. Bei solchem Wetter bekommt man richtig Lust zu einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Nur so macht Weihnachtsmarkt auch Spaß.

Das der Schneefall am späten Nachmittag zunahm und man schon nach wenigen Schritten wie ein Schneemann aussah, hielt mich nicht davon ab. Die Stimmung in der Stadt war wahrhaftig weihnachtlich. Es waren sogar die Geschäfte geöffnet. Aber die Leute hielten sich lieber an den Glühweinständen auf oder tummelten sich auf der Eislauffläche am Marktplatz.

Dazu war die Innenstadt richtig schön geschmückt. Alles glitzerte und funkelte, dazu das passende Wetter, da wurde mir tatsächlich etwas weihnachtlich zumute.

Hier ein paar Impressionen aus dem verschneiten Saalfeld:

Portal der Johanniskirche

Blick über den Kirchplatz

Vorm Blankenburger Tor

Gründe warum ich Autorin bin

Mein guter Freund Ben Calvin Hary hat in seinem YouTube-Kanal wieder einen neuen Clip veröffentlicht. Dieses Mal spricht er über die 5 Gründe aus denen die meisten Menschen Autor werden möchten. Und ja, er hat recht, jeder der 5 genannten Gründe ist falsch.

Das hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, warum ich eigentlich schreibe:

Angefangen hat es damit, dass ich fürs Abitur meine Rechtschreibschwäche bekämpfen wollte. Und das hat auch wirklich etwas gebracht. Meine Abiturnote in Deutsch war nach meinen ersten Schreibversuchen signifikant besser als alle anderen Noten zuvor. Natürlich ist das ein stetiger Prozess, der bis heute anhält, denn so richtig fehlerlos schaffe ich es bis heute nicht. Aber es wird besser.

Ein zweiter Grund ist einfach, dass ich mir beim Schreiben, den Frust von der Seele schreiben kann. Nicht für umsonst gibt es Schreibtherapien. Ich brauche das, um emotional einen klaren Kopf zu bewahren. Wenn es mir schlecht geht, schreibe ich. Danach sieht die Welt schon viel besser aus. Ich bin sicher, das Schreiben hat mir oft genug den Gang zum Psychiater erspart.

In den letzten Jahren ist es vermehrt der Ehrgeiz, der mich beim Schreiben antreibt. Wenn ich Geschichten und Artikel von anderen lese und möchte ich auch so schreiben können. In den meisten Fällen sind es Freunde und Bekannte, aber der eine oder andere große Autorenname ist auch darunter. Und weil ich so perfektionistisch veranlagt bin, quäle ich mich selbst so lange, bis ich mit meinen Texten zufrieden bin. Ich probiere auch immer mal was Neues aus, um mehr über Schreibtechniken zu erfahren.

Der Hauptgrund, jedoch, warum ich schreibe, ist der, weil ich Spaß daran habe. Natürlich würde ich mich über eine Veröffentlichung freuen, das tut jeder Autor, aber das ist der Bonus. Denn ich schreibe, um den Kopf freizubekommen und ich habe Spaß daran meine Figuren auf die Reise zu schicken. Das ist so, als würde man im Kopf seinen eigenen Spielfilm drehen, in dem man auch noch selbst die Hauptrolle spielt.

Also ich schreibe weder um reich und berühmt zu werden. Reichtum wird überbewertet und berühmt sein … nein, das will ich gar nicht. Ich schreibe seit 1991 und habe damit bisher noch nicht einen Cent verdient. Wenn es mir um Geld ginge, hätte ich mir längst etwas anderes gesucht. Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Ich kann einfach nicht anders, die Geschichten wollen aus meinem Kopf und ich habe erst dann Ruhe, wenn sie auf einem Blatt Papier vor mir liegen.

So und jetzt übergebe ich an Ben, was er zu dem Thema zu sagen hat:

Einen zu guten Riecher …

… zu haben, ist Fluch und Segen zugleich.

Gut riechen konnte ich schon immer, das gute »Näschen«, wie mein Mann immer sagt, habe ich von meinem Vater geerbt. Wir riechen Dinge bereits, wenn noch kein anderer vor uns sie wahrnimmt. Mein Mann ist jedes Mal fasziniert. Ich kann Menschen, die ich lange kenne, sogar am Geruch erkennen, wusste früher z. B. schon im Aufzug, ob die Kollegin oder der Kollege im Büro ist.

Schlecht ist ein ausgeprägter Geruchsinn dann, wenn die Bauern in der Gegend mal wieder zu viel Gülle übrig haben, oder das schmutzige Geschirr zu lange im Geschirrspüler stand. Aber auch, wenn der Sitznachbar in der Bahn unangenehme Gerüche verbreitet. So wie am Donnerstag. Das ging schon los, als ich in den EC gestiegen bin und ich mir in dem Wagon wie in einem Raucherabteil vorkam. Erst später registrierte ich, dass der Gestank nach kaltem Rauch von einer Gruppe Männer hinter mir ausging. Es war kaum zu ertragen.

Später platzierte sich noch ein Hühne vor mich. Ich meine, der war nicht nur groß, der war richtig groß und hatte Schultern, die rechts und links über den Sitz hinausragten. Das allein wäre nicht schlimm gewesen, wenn der Typ etwas mehr angehabt hätte, als ein Muskel-Shirt. So hatte ich ständig die unreine Haut seines stark behaarten Rückens vor Auge. Das das nicht appetitlich roch, kann sich jeder vorstellen. Ich habe mich ja die ganze Zeit gefragt, warum der Kerl nicht friert. Denn es war echt kalt draußen, es lag stellenweise sogar Schnee. Nun vielleicht war die Rückenbehaarung dicht genug, das er keine Kleidung gebraucht hat. Wer weiß.

Im ICE setzte sich dann jemand neben mich, der schon eine Bierflasche in den Händen hielt. Dem Geruch nach zu urteilen, war es nicht die erste an diesem Tag. Zwischenzeitlich »duftete« er auch noch nach Zigarettenrauch. Wenn der Zug nicht so voll gewesen wäre, hätte ich mich echt woanders hingesetzt. Aber so … hatte der Mann schließlich ein Einsehen mit mir und ging in den Speisewagen. Dort gab es wahrscheinlich mehr Bier.

Ich sag ja, ein guter Riecher hat Vor- und Nachteile, wie vieles andere im Leben auch. Man muss halt sehen, dass man das beste draus macht.