Der Traum vom eigenen Buch

Vor gut dreißig Jahren habe ich mit dem Schreiben angefangen. Es sollte mir helfen die Rechtschreibnote im Abitur zu verbessern. So verrückt es klingen mag, aber ich leide an einer Rechtschreibschwäche. Ich tat mich bereits in der Grundschule schwer. Lesen war kein Problem, aber schreiben.

So hat es zum Beispiel eine ganze Weile gedauert, bis ich das kleine K schreiben konnte. Ich weiß noch, dass, wenn ich ein Wort mit k schreiben sollte, meine Lehrerin zu mir kam und mir helfen musste. Später waren es vor allem die Kommas, die mir jedes Mal schlechte Noten im Aufsatz eingebracht haben. Zum Glück wurden auch Grammatik und Ausdruck benotet, sonst wäre alles noch schlimmer gewesen. An dem »das« und »dass« scheitere ich bis heute.

Ich fing also mit dem Schreiben an, um zu üben. Weil ich kurz zuvor dem Star Trek-Virus verfallen war, erdachte ich mir eine Geschichte, die im Universum von Spock und Co spielte. Ich schlug die Wörter nach und versuchte, die Kommas richtig zu setzen. Eine Freundin las die geschriebenen Texte gegen und korrigierte. Es half, meine Abiturnote in Deutsch von einer Vier auf eine Zwei zu verbessern.

Das Schreiben machte mir Spaß. Während der Ausbildung hatte ich genug Freizeit. Einhundert Kilometer von daheim entfernt, lebte ich in einem winzigen Zimmer auf einem Dorf, in dem eine Telefonzelle meinen einzigen Kontakt zur Außenwelt darstellte. Hier schrieb ich vor allem, um mir die Zeit zu vertreiben und um gegen die Einsamkeit anzukämpfen. Achtzehnjährige sollten definitiv nicht so oft so lange alleine sein.

Auf diese Weise entstand mein erster Roman, den ich bei einem Star-Trek-Fanclub unterbrachte. Eine Fortsetzung begann ich während meines Praktikums in New York City und vollendete den Roman zusammen mit meinem Ingenieur-Studium. Bis 2006 schrieb ich zwei weitere Teile, die wie die Bände zuvor im Shop des Star-Trek-Forums erschienen. Zwischendurch verfasste ich regelmäßig Kurzgeschichten für Star-Trek-Fanzine.

Danach folgte eine längere Pause. Ich hatte die darauffolgende Geschichte bereits im Kopf. Die Charaktere waren mir ans Herz gewachsen und mit mir gealtert. Wie ein Biograph wollte ich ihren Lebensweg in einem Epos aufschreiben, doch mein Beruf und die dadurch erzwungene Selbständigkeit wurden immer mehr zur Last. Die Probleme mit Kunden und Arbeitgebern raubten mir jeden kreativen Gedanken.

Ich hörte auf zu schreiben, ohne zu ahnen, dass dies alles noch schlimmer machte. Nicht umsonst heißt es: »Schreiben erspart den Gang zum Psychiater«. Ende 2012 hatte ich den Tiefpunkt erreicht. Nicht nur, dass der Stress mit meinem inzwischen einzigen Kunden eskalierte, die Endometriose hatte sich wieder in mir breit gemacht und erzwang eine erneute schwere Operation.

Wieder genesen, kaufte ich 2013 meinem Mann die ersten zehn PERRY RHODAN-Silberbände, weil ich sie selbst gern lesen wollte. Durch die Lektüre bekam ich einen neuen Motivationsschub. Ich fing wieder mit dem Schreiben an. Heraus kam nicht nur eine Fortsetzung für mein Star-Trek-Epos, sondern auch ein Roman für die FanEdition der PRFZ, der 2014 veröffentlicht wurde.

2014 war das Jahr, das alles veränderte. Ich beschloss, mich dem Schreiben professionell zu nähern. Unteranderem durch die Teilnahme an einem Schreibseminar und meinem eigenen Blog, mit dem ich seit vielen Jahren liebäugelt, aber nie den Mut gefunden hatte.

Wie gesagt, PERRY RHODAN und die Schreibseminare in Wolfenbüttel veränderten alles. Mir wurde der Newsletter der PRFZ übertragen, zwei Jahre später übernahm ich als Redakteurin die PRFZ-Mitgliederzeitschrift »SOL«. Ich gewann den Exposé-Wettbewerb des AustriaCon mit der Option zu einer zweiten FanEdition, und ich begann, mich professionell mit dem Schreiben auseinanderzusetzen.

Mit meinem Punkroman schrieb ich zum ersten Mal einen Roman, der keine Science Fiction war und auch keine Fan-Fiktion. Das es für den Stoff keine Zielgruppe gibt und das Manuskript aufgrund des Inhalts und der Charaktere niemals einen Verleger finden wird, ist eine andere Geschichte. Ich verbuche das inzwischen als Schreiberfahrung.

Momentan arbeite ich an einer Zeitreise-Idee, die ebenfalls bei einem Seminar in Wolfenbüttel entstanden ist. Das Grundgerüst der Geschichte steht und ein Drittel ist geschrieben. Leider fordern meine Ämter bei der PRFZ verstärkte Aufmerksamkeit, dass für das eigene Schreiben wenig Zeit bleibt. Doch ich bin zuversichtlich, bisher habe ich noch jeden Roman zu Ende gebracht. Es dauert eben länger.

Im Nachhinein bedauere ich, dass ich mich nicht früher ernster mit dem Schreiben beschäftigt habe. Das ich nicht schon in den Neunzigern von den an Schreibseminaren erfahren habe, und das ich nicht eher eigene Geschichten verfasst habe. Wer weiß, was aus mir geworden wäre?

Vielleicht gelingt es mir irgendwann, den einen Roman zu schreiben, und ihn in einem richtigen Verlag zu veröffentlichen, dies wäre dann ein weiteres wichtiges Buch in meinem Leben.

Au revoir, Odo

Durch einen Kommentar eines meiner Blog-Besucher habe ich heue morgen erfahren, dass der Darsteller des Odo, René Auberjonois, verstorben ist.

Er spielte seine Rolle als Gestaltwandler in Deep Space Nine großartig. Ich mochte ihn aber auch als Anwalt in der Serie »Boston Legal«. Sein Witz, gepaart mit einer ihm eigenen Ernsthaftigkeit, werden mir fehlen.

Sein Tod hat mich traurig gemacht, auch weil ich den Schauspieler als einen sehr freundlichen, klugen Mann kennengelernt habe. Ich bin ihm ein paar Mal auf großen Cons begegnet. Aber am besten habe ich ihn vom FKM-Event in Deggendorf in Erinnerung.

2010 trat er dort zusammen mit Nana Visitor vor zirka 50 Fans auf. Bei der kleinen intimen Runde in der Deggendorfer Stadthalle, bekam man die Star Trek-Stars zum Anfassen. René beantwortet jede Frage, ließ sich mit den Fans fotografieren, gab Autogramme und scherzte mit seiner Kollegin Nana Visitor.

Kurz nach Aron Eisenberg ist nun der zweite Darsteller aus dem Cast von Deep Space Nine verstorben. Ein harter Schlag für seine Kollegen, Freunde und die Fans. Odo hatte in der Serie immer ein Auge auf Nog, damit der junge Ferengi nichts anstellen konnte. Wahrscheinlich wollte Odo Nog nicht so lange aus den Augen lassen, wo auch immer die beiden jetzt sind.

Ad Astra, René.

Star Trek und seine Kinder

»Far beyond the stars« von Steve Barnes

Im Herbst 1990 blieb ich beim Zappen – wir hatten nur vier Programme – bei einer amerikanischen Serie hängen, die im ZDF ausgestrahlt wurde. Da war dieser hübsche Junge – Wesley Crusher –, der etwa so alt wie ich war und an Bord eines Raumschiffes lebte. Seine Mutter arbeitete als Schiffsärztin und er ähnelte ein wenig meiner ersten Liebe, die ich ein Jahr zuvor kenngelernt hatte. Ich war begeistert und verpasste von nun an keine Episode der Serie mehr. Was ich in dem Augenblick nicht wusste, es war der Ableger der beliebten Science-Fiction-Serie »Star Trek«, deren Folgen in den frühen Achtzigern mein Cousin im Westfernsehen geguckt hatte und bei dem ich ein paar Mal mitschauen durfte.

Nach und nach kam ich mit dem Star Trek-Universum in Kontakt. Sah die Kinofilme mit der alten Crew später sogar die komplette Classic-Serie. Als ich im Buchladen auch noch entdeckte, dass es zu der Star Trek jede Menge Romane gab, war es endgültig um mich geschehen. Ich wurde ein echter Trekkie.

Als 1994 in Deutschland die erste Episode einer weiteren Star Trek-Spin-Off-Serie ausgestrahlt wurde, die so völlig anders sein sollte, blieb ich skeptisch. Ich war mir sicher, dass mir die TNG-Crew fehlen würde und ich mich niemals an die neuen Charaktere würde gewöhnen können. Außerdem spielte diese Serie auf einer Raumstation – das musste doch auf Dauer langweilig werden …

Heute, kann ich sagen, dass mein Leben sicher anders verlaufen wäre, wenn es diese Serie nicht gegeben hätte. Überflüssig hier zu erwähnen, dass es sich hierbei um »Star Trek – Deep Space Nine«, kurz DS9, handelt.

DS9 hat etwas in mir geweckt, was keine andere Star Trek-Serie geschafft hat – Sie hat mich inspiriert und geprägt, weil sie mir eine glaubhafte und komplexe Welt gezeigt hat. Allein die Fülle an Nebencharakteren und parallelen Handlungssträngen war so umfassend, wie sie nur von einem Autorenteam geschaffen werden konnte, dass jegliche Freiheit genoss.

Einen Blick hinter die Kulissen zeigt, dass DS9 immer das mittlere Kind gewesen ist. Es war die einzige Serie die sieben Staffeln lang, parallel zu weiteren Star Trek-Serien lief. Spätestens nach dem Start von »Star Trek – Voyager« verlor Paramount das Interesse an der Serie und ließ den Autoren freien Raum. Die Quoten waren zu gut, um die Serie abzusetzen, also ließ man sie weiterlaufen.

Warum war DS9 eigentlich so erfolgreich? Vielleicht gerade weil man auf die Station, Bajor und das nähere Umfeld beschränkt war, konnten Charaktere vertieft und ganze Handlungsstränge über mehrere Folgen entwickelt werden. Die Geschichten enthielten neben Spannung und Kontinuität auch Intelligenz und vermittelten meist eine subliminale Botschaft. Es war das, was Gene Roddenberry mit der Classic-Serie ursprünglich bezweckt hatte.

Es gab in den sieben Staffeln keine »Bottle Shows« und keine Anomalie der Woche. Anfangs wurde eine abgeschlossene Geschichte pro Folge erzählt, bis man merkte, dass dies auf Dauer nicht funktionieren würde. Die Charaktere blieben auf der Raumstation und flogen nicht weiter, also begann man offene Handlungsbögen einzuführen und setzte diese über ganze Staffeln hinweg fort.

DS9 hat als erste Serie gezeigt, dass das Star Trek-Universum keine heile Welt ist. Wie gesagt, war es Gene Roddenberrys Idee, Ereignisse aus dem wahren Leben in einer SF-Serie verpackt, zu zeigen, Dinge anzusprechen, die fürs amerikanische Fernsehen in den sechziger Jahren tabu waren.

In den frühen neunziger Jahren gab es genug Brisantes, das aufgegriffen werden musste. Zu diesem Zeitpunkt wagten die Autoren einen mutigen Schritt und zerstörten Roddenberrys Vision einer friedlichen Zukunft. Sie nahmen den Golfkrieg und den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und brachten es als Dominionkrieg in die Serie ein, um auf die Weltgeschehnisse aufmerksam zu machen. Mit diesem Tabubruch entweihten sie die heile Star Trek-Welt und lösten unter den Fans heftige Proteste aus.

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich anfangs unglücklich über diese Idee war, irgendwann aber begriff, dass das Leben in Wirklichkeit nicht so heil ist, wie es uns in »Star Trek – The Next Generation« (TNG) gezeigt wurde.

Serien sind immer ein Spiegel der jeweiligen Zeit. So bequem und sorglos die Achtziger waren, umso unbequemer und beklemmender wurde es in den Neunzigern. Es ist schön zu hoffen, dass uns die Zukunft, wie in TNG, ein friedliches Zusammenleben beschert. Aber dass man etwas dafür tun muss, um den Frieden zu bewahren, hat mir DS9 gezeigt.

Umstritten wie der Dominionkrieg unter den Fans ist – war er ein Novum in der Star Trek-Geschichte und macht DS9 zu etwas Besonderem. Die Serie hat viele begeistert, weil sie uns einen Spiegel vor Augen gehalten hat. Sie hat gezeigt, dass analog zu unserer reale Gesellschaft, auch die Föderation nicht ohne schwarze Flecken auf ihrer weißen Weste ist und das macht ihre Geschichten erst so richtig glaubwürdig.

Wir wachsen an unseren Fehlern und an den Schicksalsschlägen, die wir hinnehmen.Das ist die Grundbotschaft, die ich DS9 entnehme, und ich denke, dass es da nicht nur mir so geht.

Warum DS9 gerade in meiner Generation so erfolgreich war, lag zum großen Teil daran, dass wir mit Star Trek aufwuchsen und Star Trek mit uns gewachsen ist. Als Kinder fanden wir die Abenteuer von Captain Kirk gut. Überdimensionale Amöben, Indianer, ein geheimnisvoller Alien mit spitzen Ohren – das war besser als die Märchen der Gebrüder Grimm. Später, bei TNG (man war ungefähr in Wesleys Crushers Alter) war das Raumschiff mit dem kahlköpfigen Captain Picard einfach nur großartig. Als DS9 startete, befanden sich viele von uns bereits in Lehre und Studium. Man interessierte sich zunehmend für die wichtigen Dinge des Lebens, wie Politik und Weltgeschehen und glaubte mit einer Demo den Welthunger bekämpfen zu können. So ist nicht verwunderlich, dass wir mit und durch DS9 gelernt haben, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß auf der Welt gibt, sondern alle Nuancen von Grau.

Den Beweis für die einmalige Inspiration, die DS9 geliefert hat, fand man im Fanzine-Shop des »Star Trek-Forums« – einem inzwischen leider aufgelösten deutschen Fanclub. Zu keiner anderen Serie sind so viele Geschichten, Sammelbände und Romane erschienen, wie zu DS9. Diese Beobachtung geht mit meiner Erfahrung konform. Ich schrieb mehr zu DS9, als zu TNG, Voyager oder Enterprise, auch wenn ich diese Serien genauso gern gesehen habe.

DS9 brachte zudem die, für mich, genialste Star Trek-Folge überhaupt hervor. »Far beyond the stars« wirft einen Blick in die Vergangenheit und ist gleichzeitig eine Vision der Zukunft. Die Charaktere aus der Serie werden zu Figuren in der Vergangenheit. Das Drehbuch der Folge wurde in erweiterter Form als Roman herausgebracht, der bemerkenswert ist:

Von einem Augenblick zum anderen befindet sich Captain Benjamin Sisko in einer anderen Welt. Er lebt als Benny Russel, einem afroamerikanischen Autor von Science-Fiction-Storys, im Jahr 1953 in Harlem, New York.
Benny hat einen Traum. Immer wieder sieht er in Personen, die er trifft, andere ihm vertraute Charaktere aus der Zukunft. Menschen, die er kennt, die jedoch nicht real sind. Nur für Benny sind sie es. Er schreibt über sie und über den Captain einer Raumstation – Benjamin Sisko. Aber die Verleger weigern sich, die Geschichte zu veröffentlichen, denn ein farbiger Held ist in einer Zeit des Rassenhasses und der Diskriminierung undenkbar. Benny gibt nicht auf, er schreibt weiter. Zuviel verbindet ihn mit der Zukunft. Eine Verbindung, die vor vielen Jahren auf geheimnisvolle Weise begann.

Der Roman ist mehr als eine schriftliche Version der Fernsehfolge. Ausführlicher und tiefgründiger als in der Fernsehepisode ist der Blick in die Seele Benny Russels, der versucht in der weißen Welt New Yorks der Fünfziger seinen schwarzen Helden Benjamin Sisko zu etablieren. Der Leser erfährt Hintergründe und Motive der Charaktere und taucht in eine unbekannte Welt voller Hass und Angst ein.

Dass die Geschichte schon in Bennys Kindheit beginnt und sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht, ist eine perfekte Idee des Autors, der damit die Geschehnisse um Benny, Benjamin Sisko und den Propheten geschickt verbindet und fortführt. Der Roman ist eine würdige Ergänzung zur wahrscheinlich besten Folge von Star Trek überhaupt.

Als ich vor Jahren dieses Buch gelesen habe, verfasste ich anschließend eine Geschichte, die an die Geschehnisse im Buch anknüpft. Nachdem ich eine Weile in New York gelebt hatte war mein Gedanke: Wie würde wohl der gealterte Benny Russel das New York der 90er Jahre erleben?

Diese Erzählung und weitere Kurzgeschichten zu meiner Lieblings-Star-Trek-Serie habe ich in dem Kurzgeschichtenband »Am Rande des Wurmlochs« zusammengefasst.

Wie ich den Unsterblichen traf

PERRY RHODAN von K. H. Scheer und Clark Dalton (Walter Ernsting)

1990 begegnete ich Perry Rhodan. Die Geschichte beginnt an einem kalten Tag im Februar 1990 an einem Bahnhof. Es muss früher morgen gewesen sein, vielleicht auch mitten in der Nacht, genau weiß ich das nicht mehr. Mein Vater und ich wollten das erste Mal nach der Grenzöffnung meine Tante im Schwarzwald besuchen. Der Interzonenzug fuhr zwar durch Saalfeld, hielt aber nicht an, sondern erst einige Kilometer weiter an der noch bestehenden innerdeutschen Grenze. Hier wurden Pässe kontrolliert und der Zoll nahm den halben Zug auseinander. Noch wenige Wochen zuvor hatte dort niemand zusteigen dürfen, nun bot sich für uns diese unfassbare Möglichkeit.

Einfach war es dennoch nicht, da der Zug (ein alter Intercity mit Abteilen) heillos überfüllt war. Die Menschen standen, saßen und lagen in den Gängen und sogar in den Durchgängen zwischen den Wagons. Irgendwie quetschten wir uns mit ein paar weiteren Reisenden noch hinein. Ich fand einen Platz vor der Toilette, den ich jedes Mal räumen musste, wenn einer aufs Klo wollte. So standen wir – ich saß zeitweise auf meinem Koffer – die knapp 400 Kilometer bis Stuttgart. In Nürnberg leerte sich der Zug zwar ein wenig, einen Sitzplatz bekamen wir aber nicht. Zumindest wir erlangten etwas mehr Bewegungsfreiheit.

Von Stuttgart ging die Reise in einem InterRegio weiter nach Karlsruhe. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von dem modernen Zug war, als er durch die vielen Tunnel rauschte. Das Beste von allem war: Wir hatten einen Sitzplatz. In Karlsruhe stiegen wir in einen D-Zug nach Basel. Basel hat mehrere Bahnhöfe, in einem davon hielten und halten die Züge aus Deutschland. Dort stiegen wir in eine Regionalbahn, die uns ans Ziel brachte. Ich habe keine Ahnung, wie viele Stunden wir unterwegs waren, es müssen acht bis zehn gewesen sein.

Meine Tante wohnte in Zell im Wiesental, einem kleinen Ort am Fuße des Hochschwarzwald. Sie hatte ein großes Haus, in dem sie, seit dem Tod ihres Mannes (dem Bruder meines Vaters) und ihrer Tochter, allein lebte. Ich durfte im Zimmer meiner verstorbenen Cousine schlafen, das so aussah, als hätte es die Achtundzwanzigjährige Minuten zuvor verlassen. Von hier aus, gelangte man über eine Terrasse ins Dachgeschoss einer Doppelgarage, das als Speicher genutzt wurde.

Neugierig wie Fünfzehnjährige sind, sah ich mich dort um und machte eine Entdeckung nach der anderen. Denn da lagerten Hunderte von Rätselheften, Comics, Büchern und Heftromanen. Von letzteren waren die meisten Arzt- oder Heimatromane, hin und wieder fanden sich auch Western und Kriegsromane darunter. Ich stöberte, bis ich auf ein paar Hefte stieß, auf denen Raumschiffe und außerirdische Welten abgebildet waren. Irgendwie faszinierten mich die Abbildungen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht viel mit Science-Fiction am Hut hatte. Ich schnappte mir die Hefte und las sie abends im Bett. Sie hatten leider keine zusammenhängende Nummerierung; es waren teilweise zerfledderte Erstausgaben aus den frühen Sechzigern. Ich verstand nicht viel von dem, was ich las, dennoch nahmen mich die Geschichten gefangen.

Es ging um eine Gruppe Raumfahrer, die auf dem Mond das Raumschiff gestrandeter Außerirdischer entdeckt hatten und um Mutanten. In einem Heft kam ein Außerirdischer vor, der wie eine große Maus aussah und immer Mohrrüben futterte, das gefiel mir. Gleich am nächsten Tag durchforstete ich den Speicher fieberhaft nach weiteren solchen Heften, fand aber keine mehr.

Bevor wir wieder nach Hause fuhren, fragte ich meine Tante, ob ich die drei Hefte mitnehmen dürfte. Sie hatte nichts dagegen und so kam ich in den Besitz meiner ersten PERRY RHODAN-Hefte mit den Nummern 10, 56 und 164, die ich bis heute aufgehoben habe.

Der Juli 1990 brachte die Einführung der D-Mark. Von einem Tag auf den anderen verschwanden alle DDR-Artikel aus den Geschäften, dafür gab es alles zu kaufen, was man von den Besuchen aus dem Westen kannte. Populär waren vor allem Zeitschriften und Romane, die in der DDR verboten waren, wie »Der Spiegel«, die »Bravo« sowie die als Schundliteratur verrufenen Heftromane. Es spielte keine Rolle, dass die Ausgaben Jahrzehnte auf dem Buckel hatten. Die Nachfrage nach Publikationen aus Antiquariatsbeständen war ungebrochen und findige Geschäftsleute nutzten jede Gelegenheit, um auf dem Marktplatz auf Tapeziertischen kartonweise Zeitschriften und Heftromane zu verkaufen.

Hier traf ich Perry Rhodan wieder. Es gab nur ein Problem: Die Händlerin hatte hunderte, wenn nicht gar tausende Romane von Perry und seinen Mannen. Wo fing ich an? Ich fischte wahllos ein paar zusammenhängende Ausgaben aus den Kartons und kaufte sie für 50 Pfennig das Stück. Wenn ich sie eine Woche später ausgelesen zurückbrachte, bekam ich 20 Pfennig pro Heft wieder heraus und konnte das Geld sofort in neue Romane investieren. So las ich mich durch einen Großteil des Cappin-Zyklus’.

Ab September 1990 sah ich mit Begeisterung »Star Trek – The next Generation« im ZDF. In den neunziger Jahren war Star Trek Kult. Man kam daran nicht vorbei und so geriet der unsterbliche Perry in den Jahren zwischen 1992 und 2013 bei mir in Vergessenheit. Ich wusste, dass das Perryversum weiterhin existierte, aber es war nicht mehr mein Universum.

Ein Mann der von Frauen erzählt

»Die Römerin« von Alberto Moravia

Mein Interesse für Liebesromane und erotische Literatur wuchs spätestens, nachdem ich das Buch »Die Römerin« von Alberto Moravia gelesen hatte. 1988 kam ein Film heraus, in dem an der Seite von Gina Lollobrigida mein damaliger Lieblingsschauspieler Pierre Cosso mitspielte.

Von dem hübschen Franzosen, der mit den Filmen »La Boum 2« und »Cinderella 80« zu dieser Zeit viele weibliche Teenager geradezu in Ekstase versetze, war mein Zimmer mit Postern gepflastert. Es wurde von mir alles konsumiert, wo er mitspielte. Das war 1987/88 in der DDR allerdings etwas schwierig. Weil es den Streifen »Die Römerin« nicht sofort im Kino oder Fernsehen zu sehen gab, blieb mir zunächst nur die literarische Vorlage.

Hier spielt wieder die Stadtbibliothek eine wesentliche Rolle. Denn überraschenderweise gab es dort jede Menge Romane von Alberto Moravia, unteranderem die »Die Römerin«.

Die Protagonistin Adriana ist hübsch und weiß diese Eigenschaft für sich zu nutzen. Sie träumt von einem einfachen Leben, dass sie aus der Enge ihrer ärmlichen Existenz in Rom herausholt, mit Mann, Kind und kleinem Häuschen. Das bleibt Mitte der dreißiger Jahre im faschistischen Italien für viele Frauen ein Traum. Auch Adrianas Leben führt in eine andere Richtung. Sie wird zuerst zum Aktmodell später zur Hure. Sie verliebt sich in den politischen Aktivisten Giacomo und wird von einem gesuchten Mörder geschwängert.

Alberto Moravia zeichnet das Bild einer naiven Frau, der Politik und privater Aufstieg gleichsam egal sind. Sie sucht ein heiles Leben und hängt, anstatt etwas dafür zu tun, Kleinmädchenträumen nach. Sie ist ein Charakter, den man eigentlich hassen müsste, dennoch gelingt es dem Autor, dass man vor lauter Mitleid die Frau zu mögen lernt.

Weil ich einmal angespitzt, möglichst alles von dem Autor lesen wollte, lieh ich mir nacheinander alle vorhandenen Bücher aus. Dabei gefielen mir manche der Werke nicht einmal. Beim Lesen von »Die Gleichgültigen« langweilte ich mich ziemlich. Dennoch blieben mir Alberto Moravias Romane in positiver Erinnerung.

Moravia hatte ein Händchen für Frauenfiguren. Besonders wird das in dem Roman »Cesira« deutlich, einer alleinstehenden Frau, die in den Unbilden des Zweiten Weltkriegs überleben muss. In Schulaufsätzen in der Schule schrieb ich oft ausführlich über Moravias Romane. Meine Lehrerin verriet mir später, dass sie stets Angst hatte, ich würde es nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen. Das ist mir nie passiert, obwohl ich den Text meist ein zweites Mal in Schönschrift aufschrieb, weil ansonsten keiner meine »Sauklaue« lesen konnte.

Spätestens 1990 war Schluss mit Alberto Moravia. Ich lernte zuerst Perry Rhodan kennen und später Star Trek, aber das ist eine andere Geschichte.

Halloween-Trek in München

Quelle: www.sandrakoenig.net

Vor einer Woche haben wir es seit Langem mal wieder zum Trekdinner nach München geschafft. Dieses Jahr war irgendwie der Wurm drin. Immer wenn der Star Trek-Stammtisch stattfand (jeden 4. Freitag im Monat) kam irgendwas dazwischen. Unteranderem war mehrere Monate lang die B304 an zwei Stellen gesperrt. So dass wir lange Umwege hätten fahren müssen. Die A8 ist wegen der permanenten Staus am Freitagnachmittag keine Alternative, erst abends geht es wieder. So sind wir tatsächlich seit Januar nicht mehr im Bar-Restaurante Portugal gewesen. Skandalös!

Im Umfeld des Lokals hat sich in der Zeit einiges getan. Die Baugrube ein paar Häuser weiter ist inzwischen ein mehrgeschossiger Rohbau. Auch die Verkehrsführung hat sich geändert. Plötzlich war da eine Einbahnstrasse, wo zuvor keine war. Sehr verwirrend. Wir haben mit Mühe und Not einen Parkplatz gefunden. Das wird auch jedes Mal schwieriger.

Neben den bekannten waren ein paar neue Gesichter da. Dann kam noch Besuch aus Berlin. Es gab zumindest genügend Gesprächsstoff, wenn man so lange nicht da war. Ich hatte den saustarken Artikel aus der »phantastisch!« von Thomas Höhl (ehemaliges Trekdinnermitglied) über »The Orville« mitgebracht. Das Essen war wie immer lecker. Ich war nach meinem Teller vegetarischer Pasta pappsatt. Vielleicht nehme ich beim nächsten Mal doch wieder einen Salat.

Im Oktober steht das Trekdinner unter dem Motto Halloween. Es waren auch ein paar Teilnehmer verkleidet, obwohl es früher schon mal mehr waren. Wir trugen zumindest unser obligatorisches Star Trek-Outfit. Ich hatte kurzzeitig überlegt, meinen neuen Enterprise-Overall anzuziehen. Doch dann zog ich lieber den neuen selbstgeschneiderten Classic-Pullover über. Sandra hat ein paar schöne Fotos gemacht und anscheinend draußen auch unser Auto entdeckt. Alle Fotos und einen kleinen Bericht finden sich in Sandras Blog.

Weitere Informationen zum Trekdinner München finden sich auf der Homepage des Trekdinners: www.trekdinner-muenchen.de.

Im Raumschiffwahn

Quelle: Eaglemoss.com

Seit ein paar Jahren bezieht mein Mann im Abo die »Star Trek-Raumschiffsammlung« von Eaglemoss. Einerseits ist es so für mich sehr einfach, meinem Mann ein geeignetes Geschenk zu kaufen. Andererseits werden die Regale immer voller und ein Ende scheint nicht in Sicht (Die Reihe ist schon bei Ausgabe 161 angelangt!), denn Eaglemoss lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, um die Sammler der Modellschiffe zu ködern. Der letzte Coup aber geht zu weit, oder eben nicht weit genug …

Es gibt jetzt eine »getarnte« Ausgabe der U.S.S. Defiant, siehe Bild.

Das findest sogar mein Mann übertrieben, der sonst jedes Schiff aus der Sammlung plus einiger Bonus- und Sonderausgaben sein eigen nennt. Mit dem »Convention-Exklusive-Modell« bekommt man ein durchsichtiges Plastikschiff, während die anderen Schiffe der Sammlung zumindest zum Teil aus Metall bestehen. Das Ding ist auch noch auf 2500 Stück limitiert. Wahrscheinlich, weil es sonst keiner kaufen würde.

Ich denke, dass es noch nicht weit genug geht, mit dem Kommerz. Ein getarntes Schiff sollte eigentlich komplett unsichtbar sein. Wäre es da nicht viel einfacher für Eaglemoss, sie würden nur den Ständer verkaufen? Das wäre doch mal originell.

Ich bin mir sicher, das es dennoch genügend Fans gibt, die dafür Geld ausgeben. Also wer es kaufen möchte, folge diesem Link zum Eaglemoss-Shop. Dort gibts noch ganz andere skurrile Sachen. Der Einkauf und Versand klappen übrigens hervorragend, das möchte ich an dieser Stelle mal anmerken.

Das andere Star Trek 2

Quelle: Serienjunkies.de

Eigentlich wollte ich schon die ganze Zeit etwas über »The Orville« schreiben, aber dann dachte ich mir, ich schaue mir erst alle Folgen an. Am vergangenen Montag lief nun die letzte Folge auf ProSieben. Ich versuche, möglichst nichts zu Spoilern, weshalb die Besprechung hier auch eher allgemein ausfällt. Ich möchte den Leuten, die die zweite Staffel der Serie noch nicht kennen, die Chance geben, sie in vollen Zügen zu genießen.

Seth MacFarlane ist es gelungen, Witz, Alltag, Moral und Science Fiction so gekonnt miteinander zu verbinden, dass tatsächlich etwas Eigenständiges dabei herauskommt. »The Orville« bedient sich nicht nur bei Star Trek, sondern auch bei anderen erfolgreichen SF-Serien und Filmen, wie STARGATE oder Star Wars und bleibt dennoch sich selbst treu.

Ich bin völlig begeistert von der Serie. Die zweite Staffel ist noch mehr Star Trek, als es die Folgen der ersten waren. Es gab keine Folge, die Schwächen zeigte. Kein übertriebener Fäkalhumor, kein »Monster of the week« dafür unglaublich komplexe Geschichten, die vor allem im zwischenmenschlichen Bereich rangieren. Manche Folge kam völlig ohne Action-Szenen aus und war dennoch spannend. In anderen wiederum gab es bombastische Raumschlachten und gewagte Verfolgungsjagden. In wieder anderen lernte man exotische Planeten und fremde Völker kennen. Hauptsächlich aber standen die Charaktere an Bord des Schiffs im Mittelpunkt. Es gab einen Abschied von einem Besatzungsmitglied, dessen Ersatz den Verlust aber vollständig aufwiegt. Was vor allem wichtig ist, es wurde eine positive Zukunft gezeigt.

Das große Geheimnis hinter »The Orville« sind nicht unbedingt die vielen bekannten Namen aus dem Star Trek-Umfeld im Abspann oder der eine oder andere bekannte Gaststar. Die Produzenten haben erkannt, was den Erfolg einer guten Serie ausmacht, nämlich die Geschichten. Die sind komplex und ihre Auflösung ist bisweilen verblüffend. Bis auf eine Folge haben sie mich einhundertprozentig überzeugt. Selbst die wissenschaftliche Ungereimtheiten hielten sich in Grenzen. Nicht das es keine gab, aber sie dienten der Geschichte und fielen nicht wirklich auf.

»The Orville« ist mit der zweiten Staffel ernster geworden. Die erzählten Geschichten sind durchdachter und halten zum Nachdenken an. Dennoch stehen nicht die großen kosmischen Probleme im Vordergrund, sondern die Menschen mit all ihren Schwächen. Star Trek-TNG wurde immer Sterilität vorgeworfen, weil die Crew sich stets perfekt und von ihrer besten Seite zeigte, weil es keine Auseinandersetzungen zwischen der Crew gab und kaum Charakterschwächen offenbart wurden. Das ist bei »The Orville« anders. Die Besatzung verhält sich, wie du und ich. Sie haben die gleichen Probleme und die gleichen Sorgen, wie die Menschen von heute, nur das sie auf einem Raumschiff leben. Das macht sie nicht nur glaubhafter, sondern verleiht ihnen einen besonderen Charme. Die Serie erzählt Geschichten, wie sie die PERRY RHODAN-Redaktion gern für die STELLARIS-Kurzgeschichten hätte: Vom Alltag an Bord eines Raumschiffs, dass sich auf friedlicher Forschungsmission befindet.

Warum ProSieben die Serie am Montagabend um 23 Uhr ausgestrahlt hat, weiß ich nicht. Der Sendeplatz war für die Serie äußerst ungünstig, weshalb viele sie gar nicht entdeckt haben dürften. Zum Glück gibt es Mediatheken und Festplatten-Rekorder. Wir haben die Folgen aufgenommen und zu einer vernünftigeren Uhrzeit angesehen. Die zweite Staffel ist auf DVD leider noch nicht angekündigt. Sehr schade!

Die Natur als Vorbild

Manchmal würde ich gern wissen, woher die Kostüm- und Maskenbildner in den Science-Fiction-Filmen ihre Ideen nehmen. Die oftmals schrägen Kreaturen müssen irgendeiner Vorlage entstammen. Dass sich die Künstler öfters bei Mutter Natur bedienen, ist zu vermuten. Gibt es doch viele ungewöhnlich aussehende Tiere und Pflanzen auf der Welt, von deren Existenz die wenigsten von uns eine Ahnung haben.

Unlängst vertilgte ich einen Pfirsich, einen dieser platten Bergpfirsiche, die es seit einigen Jahren im Handel gibt. Als ich mir den Kern näher betrachtete, entdeckte ich eine verblüffende Ähnlichkeit mit einer Figur aus den neuen Star Trek-Filmen …

Keenser ist der Assistent von Chefingenieur Scotty und gibt sich meist recht schweigsam. Vielleicht ging es dem Maskenbildner ähnlich und er ließ sich von einem Pfirsichkern inspirieren.

Quelle: Memory-Alpha
Das Pfirsich-Alien