Die blödeste Erfindung seit es die Deutsche Bahn gibt Teil 2

Halten wir fest, dass ich nach der Hinfahrt ziemlich genervt von der Idee mit dem Neun-Euro-Ticket war (und noch immer bin). Um Ähnliches zu vermeiden, bin ich am Montag eine halbe Stunde eher zum Bahnhof, um in der Regionalbahn nach Erfurt auch einen Sitzplatz zu bekommen.

Montagvormittag 11:45 Uhr: Nachdem ich morgens beim Zahnarzt schon ziemlich hippelig war, u.a. weil ich 15 Minuten warten musste, steigt die Spannung am Bahnsteig noch. Doch der Zug kommt pünktlich, die Leute steigen aus und es ist so leer, dass zwei Fahrgäste sogar ihre Fahrräder mitnehmen dürfen. Normalerweise ist die Mitnahme von Fahrrädern momentan eingeschränkt worden, wegen der vielen Fahrgäste. Der Zug fährt auch pünktlich los. Es ist auch eine Privatbahn und gehört nicht zur DB-Regio. Es herrscht keine FFP2-Maskenpflicht, ein medizinischer MNS reicht. Die erste Hiobsbotschaft erreicht mich noch während der Fahrt. Der ICE-Sprinter, mit dem ich fahren wollte, fällt aus. Aber es soll einen Ersatzzug geben. Toll! Da hätte ich mir das Geld für die Platzkarte echt sparen können. Warum ich dann dennoch zehn Minuten später in Erfurt ankomme, erschließt sich mir leider nicht. Aber ich hab ja genug Zeit zum Umsteigen und hole mir erst mal was zu Essen aus dem Asia-Imbiss. Das Essen dort wollte ich ohnehin schon lange mal probieren.

Der Ersatzzug lässt auf sich warten. Dafür hat er mehr Wagons, und ich ahne, warum ein Ersatzzug eingesetzt wurde. Der normale Zug war nämlich bis fast auf den letzten Platz ausgebucht. Ich hatte eine der letzten Platzkarten bekommen. Ich stehe also im dünnen Jäckchen am zugigen Bahnhof. Es regnet leicht und der Zug hat wieder mal Verspätung. Erst fünf, dann zehn und schließlich zwölf Minuten als er endlich einfährt. Ich steige ganz vor in den ersten Wagen. Der ist erfahrungsgemäß nicht ganz so voll. Und tatsächlich strahlen mich viele leere Plätze an. Es gibt sogar noch leere Einzelabteile. Die wenigen Fahrgäste verlieren sich im Großraumabteil, aber das ist ganz angenehm. Weniger angenehm ist der lautstark telefonierende Managertyp, der, als wir aus Erfurt rausfahren, aber verstummt, weil das Netz weg ist. Einziger Schwachpunkt im Zug: das WLAN funktioniert irgendwie nicht.

Wenige Kilometer weiter. Irgendwo in der Nähe von Ilmenau, dann ein Ruck. Der Zug bremst abrupt ab und bleibt kurz vor einem Tunnel stehen. Der Zugführer gibt durch, dass wir von der Strecke ausgebremst wurden. Er weiß noch nicht warum, aber sie stehen schon mit der Stellwerks-Zentrale in Verbindung. Ich schaue auf die Uhr und bin noch entspannt. Ich habe in München eine Dreiviertelstunde zum Umsteigen. So eine Störung kann dauern oder schnell vorbei sein. Minuten später hört man wie der Triebwagen angeworfen wird und der Zug versucht loszufahren, aber nicht von der Stelle kommt. Das Spielchen wiederholt sich alle fünf Minuten. Die Fahrgäste hinter mir amüsieren sich, und machen Witze über angezogene Handbremsen. Inzwischen stehen wir schon seit vierzig Minuten. Ich sehe meinen Meridian schon davonfahren. Kurz Zeit später die erlösende Durchsage vom Zugchef. Es geht weiter, die Störung auf der Strecke ist behoben, wir können weiterfahren. Der Zug setzt sich wieder in Bewegung, rein in den ersten der 26 Tunnel, die durch den Thüringer Wald gebohrt wurden.

Nach Nürnberg habe ich Lust auf einen Kaffee und laufe durch den halben Zug bis zum Bistro. Nur um festzustellen, dass es geschlossen ist. Nun es ist kurz nach 16 Uhr. Vielleicht haben die Angestellten schon Feierabend. Ich kehre zurück an meinen Platz und schreibe an meinem Roman. Dabei ignoriere ich die Tatsache, dass ich knapp 50 Minuten Verspätung habe. Vielleicht holt er ja auf der Schnellstrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt noch auf. Die Hoffnung zerschlägt sich kurz vor München, wo der Zug wieder langsamer wird und im Schneckentempo durch die Münchner Vororte schleicht. Mein Zug Richtung Salzburg ist definitiv weg und wegen der aktuellen Baustellen, fahren die Züge der Bayrischen Oberlandbahn momentan nur alle Stunde und nicht alle halbe Stunde. Ich werde also erst nach 19:15 Uhr da sein und nicht wie geplant 18:15 Uhr. Ich hole mir am Hauptbahnhof einen Kaffee, laufe raus bis zum Holzkirchener Bahnhof (ca. 800 m) und rufe meinen Mann an. Am Gleis steht an der Anzeigetafel, dass der Zug ausfällt. Ich checke die Navigator-App, da steht der Zug normal drin. Ich bleibe erstmal stehen und warte. Und tatsächlich kommt er wenig später komplett leer angefahren. Ich steige heute mal weiter hinten ein, denn ich ahne, dass sich die Leute im letzten Waging stapeln werden. Draußen auf dem Bahnhof höre ich die Durchsage, dass die Strecke Richtung Landshut wegen umgefallener Bäume gesperrt ist und momentan keine Züge fahren. Ich habe Mitleid mit den Reisendenden, vor allem den Pendlern.

Knapp eine Dreiviertelstunde später fahre ich einem ziemlich vollen Meridian weiter Richtung Salzburg. Am Grafinger Bahnhof halten wir plötzlich an. Eine Durchsage des Zugführers teilt mit, dass wegen eines Gewitters ein paar Bäume im Gleis liegen. Super, das hat mir heute noch gefehlt. Was habe ich getan, dass mich das Karma so bestraft? Zum Glück ist die Strecke nicht voll gesperrt, sondern nur ein Gleis. Wir müssen drei Züge aus der Gegenrichtung durchlassen, dann fahren wir weiter. Zwanzig Minuten Verspätung sind es dann trotzdem. Irgendwann nach halb Acht komme ich dann völlig fertig in Traunstein an. Ich reise mir die FFP2-Maske runter, weil mein Gesicht juckt. Ich werde die nächsten Tage wieder mit Ausschlag zu kämpfen haben. So viel zum Thema, Maskentragen wäre nicht gesundheitsschädlich oder einschränkend. Pah! Ich möchte nicht wissen, wieviel Mikroplastik sich in diesen knapp acht Stunden wieder in meiner Lunge abgelagert hat. Das kostet mich bestimmt ein paar Lebensmonate.

Zumindest habe ich heute ausreichend Zeit gehabt, um an meinem Roman weiter zu schreiben. Man soll ja immer positiv denken. Aber nun habe ich aber erstmal genug vom Zugfahren und bin heilfroh, die nächsten Wochen nicht in einen Zug steigen zu müssen. Für Anfang August habe ich bereits ein Ticket gekauft. Seltsamerweise gibt es kaum noch günstige Spartickets, seit es das Neun-Euro-Ticket gibt. Na ja, irgendwie muss die Bahn das Geld wieder reinholen. Das macht sie dann bei denjenigen, die regelmäßig fahren. Wie ich gehört habe, sind viele Pendler, wegen der vollen Züge und den unmöglichen Zuständen aufs Auto umgestiegen. Dann hat es doch geklappt, auch noch diejenigen vom Zugfahren abzuhalten, die sich das bisher noch freiwillig angetan haben. Ich sehe schon, am Ende fährt die Deutsche Bahn ohne Passagiere. Laut der Statistik aus den letzten beiden Jahren sind die Züge ohne Fahrgäste viel pünktlicher.

Hier noch ein paar Infos zu der Vollbremsung. Der Zugchef aus dem ICE war kurz vor München noch im Abteil und hat sich bei allen Fahrgästen entschuldigt. Das European Train Control System (ETCS) der Hochgeschwindigkeitsstrecke hat eine Zwangsbremsung eingeleitet, weil es die ETCS-Fahrterlaubnis des ICE nicht erkannt hat. Um das zu beheben, müssen mehrere Anfragen an das zentrale Stellwerk geschickt werden und die Erlaubnis zur Weiterfahrt muss schriftlich protokolliert werden. (Wahrscheinlich haben die ein Fax geschickt.) So viel zur modernen Technik. Wegen der Verspätung hatte dann auch das Bistro geschlossen. Die Bistro-Besatzung musste in Nürnberg aussteigen, damit sie mit dem Rückzug überhaupt wieder nach Hause gekommen sind. Kann man irgendwie verstehen.

Zum Neun-Euro-Ticket nur noch so viel. Der Hype wird nachlassen, weil viele Leute inzwischen begreifen, dass Bahnfahren nicht so easy ist, wie es immer propagiert wird. Es erfordert Geduld, Flexibilität und eine gewisse Fitness. Nicht zu vergessen das Wissen über die Abläufe und Informationsbeschaffung. Die Navigator-App ist da inzwischen unerlässlich. Ohne Smartphone würde ich heute keinen Zug mehr betreten. Ich frage mich, wie ich früher ohne ausgekommen bin. Nun, da waren auch die Züge pünktlicher. Im Rahmen des Neun-Euro-Tickets wäre ich auch dafür wieder die dritte Klasse einzuführen. Wer da alles mitfährt und wie sich manche Leute benehmen … Mannomannomann. Ich hätte auch schon einen Vorschlag:

Die blödeste Erfindung seit es die Deutsche Bahn gibt Teil 1

So, nach einem langen und turbulenten Wochenende bin ich wieder einigermaßen daheim angekommen. Zumindest habe ich heute mal wieder Zeit zum Bloggen, denn zu erzählen gibt es genug.

Ich war mal wieder mit der Deutsche Bahn unterwegs. Nichts neues eigentlich, aber an diesem Wochenende hatte ich wieder ein besonders schlechtes Karma, das dann auch noch mit dem Chaos des Neun-Euro-Tickets zusammenfiel. Doch von Anfang an.

Donnerstagmorgen 5:30 Uhr am Bahnhof Traunstein: Es ist Feiertag und ich muss schmerzlich feststellen, dass an einem Feiertag die Bahnhofshalle erst um 7 Uhr öffnet und beim Bäcker drinnen zwar schon jemand da ist, aber man weder einen Kaffee noch ein Brötchen kaufen kann, weil man nicht hinkommt. Nun gut, ich hatte mir glücklicherweise was eingesteckt. Der erste Zug Richtung München ist ein IC und steht schon mit fünf Minuten Verspätung angeschrieben. Der nachfolgende Meridian mit dem ich fahren will, wird noch pünktlich angezeigt. Eine Viertelstunde später ist die Verspätung auf zehn Minuten angewachsen und nun hat auch der Meridian fünf Minuten. Der Grund Grenzkontrollen. Nochmal eine Viertelstunde später fährt endlich der IC ein, wenig später auch der Meridian, allerdings am anderen Gleis. Weiter geht’s erstmal nicht, wegen einer Stellwerksstörung. Während sich die beiden Zugführer auf dem Bahnsteig unterhalten und eine Zigarette rauchen, steige ich schon mal ein. Irgendwann eine Durchsage des Zugbegleiters des ICs, der Zugführer möge sich doch bitte in seine Lok begeben und losfahren, das Signal stehe auf Grün. Tja, auch Mann kann sich schon mal festquatschen. Der IC fährt los, der Meridian muss noch warten. Mit 25 Minuten Verspätung beginne ich dann endlich meine Fahrt. (Alle Achtung. Das bedeutet 25 Minuten auf 25 Kilometern. Soweit ist es bis Salzburg, wo beide Züge losgefahren sind.) Meinen Anschlusszug in München schreibe ich schon mal ab. Zum Glück fährt eine halbe Stunde später noch einer. Vor Rosenheim machen wir dann nochmal auf freier Strecke eine kleine Pause, weitere Minuten vergehen. Ich beschließe, mich nicht aufzuregen. Der Zug ist außerdem schon recht voll. Ich ahne bereits Schlimmes, wenn ich an die Regionalbahn von Nürnberg nach Saalfeld denke.

Am Münchner Ostbahnhof angekommen, fährt der Zug erstmal nicht mehr weiter. Wegen einer Baustelle ist die Strecke nur eingleisig befahrbar. Ich bleibe sitzen, den alternativen ICE, mit dem ich hätte fahren wollen, schaffe ich sowieso nicht mehr. Mit sage und schreibe 40 Minuten Verspätung treffe ich endlich am Hauptbahnhof München ein. Lasse am ziemlich belagerten Servicepoint meine Zugbindung aufheben. Irgendwie verstehen viele Reisende nicht, wie die Abfertigung am Service Point funktioniert. Dass man zwar in einer Reihe wartet, aber dann an jeden Schalter gehen kann, der frei wird. Nun, ich nutze dieses Wissen und bin gleich dran. Viel Zeit habe ich eh nicht bis zur Weiterfahrt, aber für einen Kaffee ToGo vom »Rischart« reicht es.

8:22 Uhr fahre ich mit zwei Minuten Verspätung mit einem erfreulich leeren ICE weiter nach Nürnberg. In Nürnberg bleiben mir genau vier Minuten zum Umsteigen. Zum Glück gehts hier nur eine Treppe runter, fünf Meter durch die Unterführung und die nächste Treppe wieder hoch. Ich hatte meinen Sitzplatz im ICE schon so gewählt, dass ich genau an der richtige Treppe herauskomme. Am Bahnsteig erwarten mich eine Gruppe Sicherheitsleute (kann auch Polizei gewesen sein), die die geschlossenen Türen der Regionalbahn verbarrikadieren. Ich werde mit einem Kopfschütteln abgewiesen. Daraufhin schnauze ich den Typen an, dass ich seit fünf Uhr unterwegs bin, mehrere Züge verpasst und 80 Euro für mein Ticket bezahlt habe. Es interessiert ihn nicht, er lässt mich nicht einsteigen. Ich renne weiter, die nächste Tür ist unbewacht, weil der Zug gleich abfahren soll. Von drinnen sieht mich ein Mann kommen und macht mir auf. Ich quetsche mich zwischen die stehenden Passagiere und bin drin. Völlig aufgelöst, vom Rennen und der Aufregung.

Kleiner Eindruck vom vollen Regionalzug

Draußen sind 30 Grad, der Wagon ist brechend voll und ich bekomme wegen der FFP2-Maske keine Luft mehr – zumindest kann ich nicht umfallen. Drei Stationen später wird es noch enger und ich quetsche mich auf einen freien Notsitz vor dem Klo. Körper an Körper mit zwei beleibten Männern. Frei nach dem Motto: lieber schlecht gesessen, als gut gestanden. Die Luft ist zum Schneiden und wenn beim Halt an den Bahnhöfen die Türen aufgehen, giert jeder nach Luft. Vor mir packt eine junge Frau einen Fächer aus und wird sofort von allen mit neidischen Blicken bedacht. Sowas sollte ich mir vielleicht auch mal in die Handtasche stecken.

Drei Stunden, so lange dauert die Fahrt von Nürnberg nach Saalfeld mit der Regionalbahn. Dieses Mal ist es noch ein bisschen länger als sonst, weil mehr Leute zusteigen als aussteigen. Die meisten wollen nach Leipzig. Ein Ehepaar im mittleren Alter neben mir will sogar weiter nach Wismar. Sie sind heute morgen aus Stuttgart losgefahren. Der Mann muss stehen, die Frau setzt sich später neben mich, nachdem einer der Männer ausgestiegen ist. Ihr Mann jammert. Sie versucht ihn aufzuheitern, und bietet ihm ihren Sitz an, aber er bleibt genervt. Normalerweise fahren sie nicht mit der Bahn, erzählt sie mir, aber das mit dem Neun-Euro-Ticket war einfach zu verlockend. Aber dass es so voll ist, hätte sie nicht gedacht. Als ich ihr sage, dass die Deutsche Bahn von Reisen an die Ostsee abrät, wegen der vollen Züge, kommt sie ins Grübeln. Sie überlegt, ob sie nicht das Wochenende in Leipzig verbringen sollten.

Mir läuft inzwischen der Schweiß in Bächen herunter. Mein Shirt ist durchgeweicht, meine Maske sowieso. Ich trage das Ding seit sechs Stunden und kann nicht mehr. Ich ziehe es von der Nase und atme tief durch. Es interessiert ohnehin keinen mehr. Bei den wenigsten sitzt sie noch richtig. 12:30 Uhr steige ich endlich am Ziel aus dem Zug (knapp zwei Stunden später als geplant), genauso wie das Ehepaar. Sie beschließen mit dem nächsten Zug wieder nach Hause zu fahren. Dem Mann reicht es. Ich sage zu der Bahnbeamtin am Bahnsteig, die ich seit Jahren kenne, wie bescheuert ich die Idee mit dem Neun-Euro-Ticket finde. Sie antwortet mir mit dem Arm über dem Kopf: Ihr steht’s bis dahin.

Als ich mit meinem Koffer die Treppe zur Unterführung runtersteige, denke mit Grauen an die Rückfahrt am Montag.

Gendern ist diskriminierend und sexistisch

Danke, Danke, Danke an Nele Pollatscheck, die übrigens ein richtiger Trekkie ist, für ihren Artikel über das Gendern im Tagesspiegel.

Ich rege mich deswegen so über das Thema auf, weil die Deutsche Bahn gestern wieder den Vogel abgeschossen hat. Da tauchte in einem Tweet tatsächlich das Wort »Reisendenlenker:innen« auf. Liebe Deutsche Bahn, seid ihr jetzt komplett gaga? In der Vergangenheit musste ich denglische Wörter wie »Infopoint« und »Servicepoint« ertragen. Nun sind es Begriffe, die schon ein deutscher Muttersprachler nur schwer erfassen und verstehen kann, wie muss es da jemandem gehen, der Deutsch nur als Fremdsprache erlernt hat? Ja, das ist auch eine Form der Diskriminierung.

Wenn ich als Frau einen gegenderten Text lese, geht mir jedes Mal der Hut hoch. Abgesehen von der sprachlichen Ästhetik fühle ich mich auf mein Geschlecht reduziert. Dabei sollte es um Gleichberechtigung gehen. Jeder soll gleich behandelt werden. Wenn ich aber jedes Mal das Geschlecht eines Menschen hervorhebe, dann bedeutet das eine Sonderbehandlung. Dann erhöhe ich den einen auf Kosten des anderen. Dann bedeutet das, dass der Mensch nur nach seinem Geschlecht beurteilt wird und nicht nachdem, was er ist oder kann. Es spaltet die Gesellschaft, denn jedem der da nicht mitmacht, wird die Moral aberkannt.

Es ist tödlich für eine starke Gemeinschaft, die unter politischem und neoliberalem Druck steht, wenn jeder nur für sich selbst und seinesgleichen kämpft. Ohne einen geschlossenen Widerstand kann sich der Turbokapitalismus immer schneller und weiter ausbreiten, die Ungerechtigkeit weiter fortsetzen und immer mehr Menschen in Armut treiben. Das Einzige was sich dem entgegensetzen kann, ist eine starke Gemeinschaft in der jeder zugunsten der Gemeinschaft seine persönlichen Belange zurückstellt und für die gemeinsame Sache kämpft. Nur so funktioniert Gleichheit. Und nicht in dem man Frauen oder Transsexuelle Personen in Texten sichtbar macht, in dem man sie auf ihr Geschlecht reduziert. Das hat noch keiner Frau geholfen, gleiches Geld für gleiche Arbeit zu bekommen, oder einen Posten im Aufsichtsrat.

Darüber zu reden ist leicht, etwas aktiv dagegen zu tun, ungleich schwieriger. Es kostet Mühe und Zeit, die viele, der sich moralisch überlegen fühlenden, Genderbefürworter nicht aufwenden wollen.

Bürokratismus zum Quadrat

Mich wundert es inzwischen, dass in der Bundesrepublik überhaupt noch irgendetwas funktioniert, von staatlicher Seite gesehen. Wie starr das bürokratische System zuweilen ist, habe ich unlängst mal wieder erlebt.

Ein Kollege von mir sucht für sich, seine Frau und seine drei kleinen Kinder eine andere Wohnung. Das Mehrfamilienhaus, in dem er jetzt wohnt, ist ein Loch, heruntergekommen, dreckig, kaputt und mit zweifelhaften Mitbewohnern. Für Kinder absolut nicht das geeignete Umfeld. Weil er und seine Frau aber aus Albanien bzw. Griechenland stammen, liegen seine Chancen auf dem privaten Wohnungsmarkt etwas zu bekommen bei nahezu Null.

Also habe ich den Bauträger angesprochen, mit dem ich gerade ein Projekt zum sozialen Wohnungsbau plane. Die gaben mir den Rat, mein Kollege solle sich einen Wohnberechtigungsschein ausstellen lassen. Der Link zum Landratsamt hing gleich an der Mail dran. Dort fand ich auch das Formular, was mein Kollege ausfüllen und unterschreiben musste. Weil er sich damit nicht so gut auskennt, habe ich das Formular ausgefüllt. An einer Stelle war ich mir aber nicht sicher und rief im Landratsamt an. Nach einigen hin und her, fragte mich die Dame, wo der Kollege genau wohnt. Ich antwortet: in Traunstein. Da meinte sie, dass sie in dem Fall nicht zuständig wäre. Ich müsse mich an die Stadt Traunstein wenden. Super, dass hätte man ja auch mal auf der Internetseite schreiben können.

Ich ging also auf die Internetseite der Stadt Traunstein und suchte dort nach dem Ansprechpartner und dem Formular. Fehlanzeige! Ich fand nicht mal heraus, welches Amt dafür zuständig ist und rief den Bürgerservice an. Die nannten mir zumindest eine Telefonnummer, bei der ich anrufen konnte. Als ich dann endlich jemanden erreicht habe und die Frage nach dem Formular stellte, bekam ich zur Antwort, dass es die Unterlagen nur in Papier gäbe und man die im Rathaus abholen müsse. Auf meine Frage, ob sie mir die Sachen nicht per E-Mail schicken könnte, wurde mir gesagt, das ginge nur, wenn ich eine Vollmacht meines Kollegen vorweisen könne. O-Ton: Da könnte ja jeder kommen.

Hä? Ich hab erstmal gestutzt. Beim Landratsamt steht das Formular als Download für jeden zugänglich im Internet. Aber bei der Stadt brauche ich eine Vollmacht, um für den Kollegen per E-Mail ein PDF-Formular anzufordern, mit dem man ohne die dazugehörigen Ausweiskopien und Einbürgerungsurkunden null anfangen kann? Sowas kann man sich nicht ausdenken.

Ich habe dann den Kollegen zum Rathaus geschickt, und ihm erklärt, was er abholen soll. Er brachte mir einen dicken Stapel Papier, weil es nicht nur ein Formular ist, sondern fünf weitere. Das alles muss dann auch wieder in Papierform zurück ins Rathaus. Soviel zum Thema Digitalisierung.

Übrigens! Das eigentliche Formular für die Erteilung eines Wohnberechtigungsscheins von der Stadt Traunstein ist das gleiche wie das vom Landratsamt Traunstein. Nun, wer hätte das gedacht.

Über so viel Bürokratie kann man eigentlich nur den Kopf schütteln.

Die falsche Perspektive

Da wirft die Jugend von Fridays for Future ihren Mitbürgern lieber kulturelle Aneignung vor, als sich mit den wirklich wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Mal davon abgesehen, dass man sowieso nicht sagen kann, wo kulturelle Aneignung anfängt und wo sie aufhört. Dann dürfen nämlich beim nächsten Oktoberfest auch nur diejenigen Dirndl und Lederhosen tragen, die in Bayern geboren wurden, alles andere wäre kulturelle Aneignung.

Anstatt sich mit wirksamen Projekten, wie dem Pflanzen von Bäumen oder dem Sammeln von Müll, direkt bei der Bekämpfung des Klimawandels einzubringen, kleben sich Umweltaktivisten lieber auf Autobahnen fest, und bringen damit andere Menschen in Gefahr.

Ich glaube, dass vielen inzwischen das eigentliche Ziel aus den Augen geraten ist. Denen geht es augenscheinlich nur noch um die Aufmerksamkeit für ihre eigene Person aber nicht mehr ums Klima.

Vielleicht sollten wir alle mal nach Italien schauen. Das, was dort gerade passiert, könnte uns auch bald bevorstehen. Spätestens dann wird kulturelle Aneignung unser geringstes Problem sein.

Moderna Gate und Labortheorie

Moment mal!

Verstehe ich das richtig, dass der CEO von Moderna, Stephane Bancel, es für möglich hält, dass das SarsCov19-Virus in dem Labor in Wuhan erschaffen wurde und zwar womöglich mit einem Bestandteil eines Krebsmittels von Moderna, das Moderna 2016 hat patentieren lassen?

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gensequenz die sowohl im Spikeprotein des Virus‘ gefunden wurde, als auch in dem Patent von Moderna vorkommt? 1:30 Millionen?

Klar das ist FOX, aber wenn der CEO es selbst sagt, das er es für möglich hält … Ich komme mir gerade ziemlich verarscht vor!

Schaut es euch selbst an, ab Minute 7:40.

Woche der Wahrheit

Heute hat unser »Märchenkönig« Markus Söder die »Woche der Wahrheit« angekündigt, nachdem ihm im Freistaat die Inzidenz um die Ohren fliegt.

Na dann reden wir doch endlich mal Tacheles. Das hätte die Politik schon von Anfang an machen müssen, dann wären wir jetzt nicht in dieser Situation. Im Landkreis Traunstein ist die Inzidenz seit Wochen hoch, wir stehen kurz davor die 1000er Marke zu durchbrechen. Also halten wir fest:

1. Eine Pandemie dauert drei Jahre. Ein Jahr kommt sie, ein Jahr bleibt sie und ein Jahr geht sie.

2. Eine Pandemie ist erst zu Ende, wenn alle infiziert waren. Das heißt, wir müssen da durch, auf die eine oder anderen Weise.

3. In einer Pandemie wird es immer viele Tote geben, egal wie vorsichtig man agiert. Es wird immer Menschen geben, die daran sterben. Die Frage ist nur, ob sie jung oder alt sterben.

4. Mit einer Impfung wurde noch nie eine Pandemie beendet. Schon gar nicht mit Impfstoffen, die nur für einen kurzen Zeitraum (3-4 Monate) Übertragungsschutz bieten, nicht zu verwechseln mit Impfschutz. (Siehe schwedische Impfstoff-Studie.) Es gehören immer mehrere Punkte dazu. Ein wichtiger ist und bleibt nach wie vor die Durchseuchung. Da sollten wir uns nichts vormachen, da kommen auch wir nicht drumrum, egal was wir anstellen.

5. Druck erzeugt Gegendruck. Je mehr Druck man auf Menschen ausübt, dass sie etwas tun sollen, desto weniger werden diese Menschen das auch tun. Es ist wie bei kleinen Kindern, wenn man ihnen etwas verbietet, machen sie es erst recht. Die Corona-Tests kostenpflichtig zu machen, um den Impfdruck zu erhöhen, hat bei uns im Landkreis und überall in Bayern dazu geführt, dass Corona-Partys gefeiert werden. Die Jugend feiert bei dem Kumpel der Corona Positiv ist, um sich anzustecken. Damit sie dann als Genesen gelten und die Test nicht bezahlen müssen.

6. Andauernde Panikmache und Hysterie bewirken irgendwann das Gegenteil. Wer kennt die Geschichte von dem Jungen, der immer rief »Die Wölfe kommen«, obwohl das gar nicht stimmte? Der Junge machte das so oft, dass ihm die Dorfbewohner irgendwann nicht mehr geglaubt haben, wenn er rief. Eines Tages kamen die Wölfe tatsächlich, und der Junge schrie sich die Seele aus dem Leib, doch keiner hörte auf ihn. Sprich, es setzt ein Gewöhnungseffekt ein, und da können die Medien noch so schlimme Bilder von überfüllten Krankenhäusern zeigen, es wird die wenigsten noch interessieren.

Halten wir fest: Die Abschaffung der kostenlosen Tests war der schlimmste Fehler, den man machen konnte. Da war ich sogar mit Herrn Lauterbach mal einer Meinung, obwohl ich ein arg gespaltenes Verhältnis zu dem Politiker habe und ihn für einen der gefährlichsten Menschen in der derzeitigen Politik halte.

Ein weiterer großer Fehler war, sich vollends auf die Impfungen zu verlassen und die Leute glauben zu lassen, dann wäre alles vorbei. Man sieht ja nun, dass der Schutz schnell nachlässt und es weiterhin zu Übertragungen kommt. Auch die Boosterimpfungen werden das nicht ändern. Das ganze führte zu einer trügerischen Sicherheit, vor allem bei den Geimpften, auch weil sie sich nicht mehr testen müssen. Ganz ehrlich, wer testet sich freiwillig, das machen die wenigsten Geimpften. Geimpfte müssen auch nicht mehr in Quarantäne, wenn sie Kontaktperson waren. Das ist auch so eine schwachsinnige Regelung. So dämmt man ganz sicher keine Infektionsketten ein.

Das Gesundheitssystem krankt schon seit Jahren, die zwei Jahre Pandemie haben das nicht nur sichtbar gemacht, sondern auch verschlimmert. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem tatsächlich kaum noch was geht. Vielleicht wäre es besser gewesen in der ersten Welle mehr Infektionen zuzulassen, als die Krankenhäuser personell noch besser dastanden. Durch das immer wieder Verzögern und Eindämmen der Infektionen haben wir uns in eine Situation gebracht, die vielleicht tatsächlich nicht mehr zu handhaben ist. Und je länger wir das Unvermeidliche hinauszögern, desto länger werden wir darunter leiden und desto mehr Menschen werden sterben, ob an Covid 19 oder an den Kollateralschäden. Vielleicht sollte die Politik endlich mit der Wahrheit rausrücken und die Leute vor die Wahl stellen, ob sie ein Ende mit Schrecken wollen oder ein Schrecken ohne Ende. Denn auf eines von beiden wird es herauslaufen, einen dritten Weg aus der Pandemie gibt es nicht.

Ich bin zwei Mal geimpft und werde mir auch den Booster holen, sobald das geht. Das tue ich aber ausschließlich für mich, denn ich weiß, dass das einzige Richtige im Moment die 1G Regel wäre. Sprich, jeder muss sich testen. Das würde endlich auch die Spaltung in der Bevölkerung beenden und wäre nur fair.

Süßes oder Saures

Quelle: Amazon

Nein, das wird kein Beitrag zu Halloween. Mir geht es um etwas völlig anderes, was aber durchaus mit der Jahreszeit zu tun hat. Es geht um Tee.

Ich bin eine leidenschaftliche Teetrinkerin. Schon als ich Kind war, gab es bei uns jeden Abend Tee. Damals mochte ich am liebsten Pfefferminz mit Zitrone oder Mate-Tee. Später als ich zum Star Trek-Fan wurde, war mein Favorit natürlich Earl Grey. Was sonst! Auch heute gibt es jeden Abend bei uns Tee. Selbst auf Arbeit habe ich immer eine Kanne Tee auf meinem Schreibtisch stehen.

Inzwischen bin ich auf Früchtetee umgeschwenkt. Grüntees und Kräutertees sind nicht so mein Fall. Seit vielen Jahren liebe ich die Tees von Goldmännchen. Die stammen nicht nur aus Thüringen, sondern die haben immer tolle Kreationen. Ich erinnere mich an die leckeren Cocktail-Tees, besonders den »Bitter Orange«. Mein absoluter Lieblingstee von Goldmännchen war aber der Tee »Apfelfrucht«. Den hätte ich Tag und Nacht trinken können. Leider gibt es ihn seit gut zwei Jahren nicht mehr. Als Ersatz gibt es dafür nun einen Tee mit der Bezeichnung »Apfelernte« sowie »Apfel Granatapfel«. Und da beginnt mein Problem.

Viele Hersteller auch Goldmännchen verwenden neuerdings in ihren Tees Süßholz oder Stevia bzw. Süßkraut. Das ist zwar besser als Zucker oder künstliche Süßstoffe, aber ich frage mich warum. Warum muss Tee immer süß sein? Bei Kindertees kann ich das vielleicht verstehen. Bei Tees für Erwachsene finde ich das nicht notwendig. Vor der Zulassung von Stevia als Lebensmittel in Deutschland waren die meisten Tees ungesüßt. Warum auch? Wer wollte, konnte selbst nachsüßen. Heute müssen in alle möglichen Früchtetees Süßungsmittel rein. Ich finde das doof. Ich trinke lieber Tee, der säuerlich schmeckt. Und ich möchte meinen Goldmännchen »Apfelfrucht« zurück. Bisher habe ich noch keinen Apfeltee gefunden, der annähernd an den von Goldmännchen heranreicht. Leider!

Die Welt geht den Bach runter …

… Der Gedanke kam mir in dieser extrem stressigen Woche ein paar Mal.

Früher hat man gesagt: »Einmal mit Profis arbeiten«, heute muss man froh sein, einmal nicht mit Idioten zu arbeiten. Seit ein paar Jahren beobachte ich diese Besorgnis erregende Entwicklung. Das Wissen unter den Menschen scheint abzunehmen, der gesunde Menschenverstand wird immer weniger und es macht sich eine Bequemlichkeit breit, die zu Ignoranz führt und nicht selten Schaden anrichtet.

Gerade im Handwerk sind viele Dinge, die noch vor ein paar Jahren selbstverständlich waren, plötzlich scheinbar irrelevant. Entweder die Leute wissen es nicht besser oder es ist ihnen schlicht egal. Ich gehe jetzt nicht ins Detail, aber unter diesen Umständen verliere ich zunehmend die Lust an der Arbeit. Es ist ermüdend immer wieder an Dinge erinnern oder sie einfordern zu müssen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, oder Leute auf die Konsequenzen ihres Handelns aufmerksam zu machen. Umsichtigkeit scheint nicht mehr in Mode zu sein, Dinge zu hinterfragen sowieso nicht.

Am Freitag früh kaufte ich im REWE Gemüse. An der Kasse legte ich meine Ware aufs Band. Bei der Kohlrübe zögerte die junge Verkäuferin, sah mich groß an und fragte, was das sei. Ich sagte, das sei eine Kohlrübe. Doch die Bezeichnung fand sie auf ihrer großen Liste nicht. Also ging ich ans Gemüseregal las den Preis ab und die Bezeichnung, die dort als Steckrübe ausgezeichnet war. Unter dem Begriff Steckrübe fand sie schließlich die Nummer, die sie in die Kasse eintippen musste. Ich sah es positiv. An dem Tag hat die Verkäuferin etwas dazugelernt.

Vor unserem Haus wird seit Mitte September gegraben. Eigentlich ging es ursprünglich darum, ein neues Baugebiet anzuschließen. Erst wurde eine Seite aufgegraben und die Wasserleitung neu verlegt. Dann wurde wieder zugemacht und die Erde festgerüttelt. Zwei Tage später wurde wieder aufgebaggert und ein gelbes Band eingelegt, das auf die Gasleitung hinweist. (Das hatte man wohl in der Eile vergessen.) Wieder wurde zugemacht und gerüttelt, dass die Gläser im Schrank klirrten. Einige Tage später begann das Spiel von vorn. Dieses Mal war es das Telefonkabel. Vorletzte Woche ging es dann wieder los, dieses Mal wurde sogar der Gehweg weggebaggert und so tief aufgegraben, dass wir drei Tage lang nicht in die Tiefgarage fahren konnten. Die oberirdischen Parkplätze sind entweder mit Baumaterialen belegt oder weitläufig abgesperrt. Die Bewohner müssen auf dem öffentlichen Gemeindeparkplatz parken. Einer der Anwohner konnte sein Auto nicht rechtzeitig entfernen. Das steht nun schon seit zwei Wochen auf der Wohnanlage, denn rauskommen tut er nicht. Zumindest kann es nicht geklaut werden. Inzwischen wurden alle Hausanschlüsse erneuert und man kam auf die glorreiche Idee, die noch asphaltierte Straßenhälfte ebenfalls wegzufräsen, um die Straße komplett neu zu machen. Es wurden neue Bordsteine verlegt und es soll neu asphaltiert werden, angeblich in zwei Wochen. Wer es glaubt! Angekündigt wurden diese immer weiter ausufernden Baumaßnahmen übrigens nicht. Die Bewohnerin unter uns, die bis Ende Oktober ausziehen muss, findet das nicht so toll. Die bekommt ihre Möbel nicht weg, weil der Möbelwagen nirgendwo halten kann.

Zwischenzeitlich wurde zweimal das Wasser für neun Stunden abgestellt, weil man gemerkt hat, dass man die Hydranten eigentlich auch erneuern müsste. Neun Stunden ohne Wasser ist schon echt lang, wenn man Urlaub hat. Beim zweiten Mal wurde die Absperrung nur angekündigt, fand aber nicht statt. Der Hydrant hing wohl doch an einer anderen Leitung. Jetzt stehen zwei Eimer Wasser bei uns im Bad. Das reicht für die nächsten Wochen zum Blumengießen.

Im Baugebiet zwei Straßen weiter, welches vor einem Jahr erschlossen wurde, hat man jetzt festgestellt, dass man das Telekomkabel bei der Erschließung vergessen hat. Das fiel erst auf, nachdem einer der dortigen Häuslebauer seinen Anschluss bei der Telekom beantragt hat.

Ich könnte noch weiter erzählen von Bauherren und Baufirmen, von Gemeinden und ihren Schildbürger-Streichen, aber ich hör an der Stelle auf. Man mag über die Planwirtschaft der DDR streiten, aber da wurde wirklich erst geplant und dann gearbeitet. Es hat zwar meist länger gedauert, das lag aber an anderen Dingen. Heute scheint alles ohne Plan und vor allem ohne Verstand zu laufen. Hauptsache jeder bekommt Recht und Vorrang, ob es im Sinne der Gemeinschaft ist oder nicht.

Ich sags ja. Die Welt geht den Bach runter!

Das Grüne Herz ist krank

Kulmberg Frühjahr 2021 – Ein paar dürre Fichten sind erkennbar anderenorts sieht es verheerender aus

In den Achtzigern wurde viel über das Waldsterben geredet, über Sauren Regen und den Tod der Bäume. In Thüringen merkte ich davon nicht viel. Waldsterben mit dürren, abgestorbenen Bäumen kannte ich nur aus dem Fernsehen. Ich war damals Kind und die Wälder kamen mir dicht und grün vor. Ich hatte keinen Vergleich.

Wenn ich heute durch Thüringen fahre, dann schmerzt es. Ganze Berghänge sind braun, überall klaffen kahle Stellen, wo die toten Bäume schon gefällt wurden. Es gibt im Grunde kein Waldstück mehr, das intakt ist und in dem keine kranken Bäume stehen. In diesem Herbst ist es besonders sichtbar. Ganze Hänge im Oberland der Saale sind voller brauner Fichten. Wenn man sie sich näher ansieht, hängt nicht eine Nadel mehr an den Zweigen. Es sieht aus wie in einem Endzeitfilm. Grund dafür ist nicht nur der Borkenkäfer, sondern vor allem die Dürre, die in den vergangenen drei Jahren in Ostthüringen herrschte. Da hat es oft monatelang nicht geregnet. Das machen die stärksten Bäume nicht mit, auch die Laubbäume nicht.

Ich glaube, unsere Wälder sind kränker als sie es in den achtziger Jahren je waren. Wenn wir uns heute in den Mittelgebirgen umsehen, sind wir umgeben vom Waldsterben und zwar im fortgeschrittenen Stadium. An der A9 bei Hof ist der Wald rechts und links der Autobahn schon seit Jahren kaputt. Jetzt hat man dort angefangen, die gerodeten Flächen mit Photovoltaikanlagen vollzupflastern. Ob sinnvoll oder nicht, Bäume werden dort ohnehin nicht mehr wachsen. Nicht, wenn es weiterhin so trocken ist. Und es wird durch den Klimawandel immer trockener werden. In diesem Jahr hat es zwar wieder mehr geregnet als in den Jahren zuvor, aber nicht so viel, dass sich die Natur hätte erholen können.

Ein anderes Problem sind die vielen privaten Waldbesitzer, die ein vom Borkenkäfer befallenes Waldstück einfach stehen lassen. Früher hat man die Bäume umgehend gefällt, damit sich die Käfer nicht weiter ausbreiten. Außerdem hat man Fallen aufgestellt, damit werden die männlichen Käfer angelockt und eine weiter Paarung verhindert. Das waren Holzgestelle mit weißen Folien mit Lockstoff und Auffangschalen, in denen die Käfer dann landeten, wenn sie gegen die Folien geflogen waren. Man erwischt dadurch zwar nur einen kleinen Teil der Population aber immerhin einen Teil. Leider sind das Kosten, die die privaten Waldbesitzer heute nicht aufbringen können oder wollen. Also lassen viele alles so wie es ist und die Käfer vermehren sich unkontrolliert.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass das Grüne Herz Deutschlands immer mehr braune Flecken bekommt. Dass von den dichten Nadelwäldern in den nächsten Jahren nur noch wenige stehenbleiben werden. Man versucht zwar die gerodeten Flächen mit Laubbäumen und Temperaturresistenteren Bäumen wie der Douglasie wieder aufzuforsten, aber es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Im Unterschied zum Sauren Regen, den man mit Filteranlagen beenden konnte, ist dem Klimawandel nicht so leicht beizukommen.

Das Schlimme jedoch ist, es scheint niemanden zu interessieren. Kein Fernsehsender, keine Zeitung berichtet groß und medienwirksam vom Sterben der Wälder. Stattdessen diskutieren wir über Gendersternchen und Doppelmoral, während unsere Lebensgrundlage gerade aufgefressen wird oder verdorrt. Denn ohne Wald wird es auf lange Sicht keine saubere Luft und kein sauberes Wasser mehr geben. Vielleicht sollten sich »Die Grünen« wieder auf ihre eigentlichen Werte besinnen, anstatt Rassismus- und Genderdebatten zu führen.

Es kotzt mich so an.