Schneckenpost oder die Konfusion des Götterboten

Die Überschrift gerät es, ich hatte mal wieder Ärger mit HERMES. Mein Fazit: lebenswichtige Dinge, wie Medikamente oder verderbliche Waren sollte man nie, nie, niemals mit HERMES versenden. Warum?

Nebenstehendes Bild zeigt den Sendungsverlauf eines Paketes. Ich hatte seit langem mal wieder etwas bei Ebay ersteigert. So lange, dass noch unsere alte Hausnummer in der Adresse stand. Also nicht 33a sondern 33. Nun stehen die Häuser nur ein paar Meter auseinander, aber für einen Paketdienst ist das ein unüberwindliches Hindernis. Zum Glück schickte mir der Verkäufer die Sendungsnummer, damit ich das Paket in den Paketshop umleiten konnte.

Aber selbst die Sache mit dem Paketshop funktionierte nur bedingt. HERMES benötigte nämlich nochmal exakt 6 Tage, um das Paket in den Shop zu liefern. Wo mir dann eine ziemlich patzige Mitarbeiterin erklärte, dass ich mir das Paket gleich an den Shop hätte schicken lassen sollen. Als ob ich dem Verkäufer vorschreiben kann, mit was er die Sachen verschickt.

Na, ja. Jedenfalls hat das Paket zwei Wochen gebraucht, bis es mich erreichte. Der Ebay-Verkäufer war schon ganz nervös, weil ich den Fall nicht geschlossen habe, und er von Ebay dauernd angemahnt wurde.

Ärger mit dem Nachbarn

Warum müssen solche Dinge immer vor Weihnachten passieren? Warum gibt es Menschen, die ausgerechnet zu dieser Zeit andere ärgern müssen?

Diese Fragen stelle ich mir seit ein paar Tagen. Da erzählten mir meine Eltern am Sonntag, dass der Nachbar unseres Wochenendgrundstücks mehrere Bäume in unserem Garten gefällt hat. Unteranderem eine zehn Meter hohe Kastanie, die mein Vater gepflanzt hat, als ich noch ein Kind war.

Gefragt hat der Nachbar natürlich nicht. Dass hat er auch nicht, als er in den vergangen Jahren regelmäßig unsere Hecke, den Haselnussstrauch und die Korkenzieherhasel beschnitten hat. Weil die an der Grundstücksgrenze stehen, haben wir nie etwas gesagt. Das war rückblickend vielleicht ein Fehler. Womöglich hätten wir die Kastanie retten können, wenn wir uns schon früher gewehrt hätten. Aber meine Eltern wollten keinen Streit und keine Aufregung, schließlich sind sie nicht mehr die Jüngsten.

Dieses Mal ist aber ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr geht. Nicht nur das der Nachbar unerlaubt unser Grundstück betreten hat, er hat auch unser Eigentum zerstört. Denn die Kastanie stand schon lange, bevor er das Grundstück neben uns gekauft hat. Die etwa zwei Meter große Eiche, die mein Vater liebevoll aufgepäppelt hat, wuchs mehr als drei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt.

Ich habe meinen Eltern geraten, bei der Polizei Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung zu erstatten, einen Tag vor Weihnachten. Damit bekommt der Nachbar ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art, er hat es schließlich nicht anders gewollt. Wenn er wenigstens mit uns geredet hätte, aber so …

Das Belohnungssystem Sozial Media

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich nicht bei Facebook oder in anderen Sozialen Netzwerken bin. Man findet mich auch nicht bei WhatsApp.

Es gibt dafür viele gute Gründe. Zum einen, möchte ich den Konzernen nicht noch mehr Daten über mich schenken, als ich es ohnehin schon tue. Mit jedem Besuch im Netz hinterlässt man Fußabdrücke, die von Firmen wie Google oder Facebook zur Analyse genutzt bzw. verkauft werden. Das ist ein riesiges Geschäft, von dem wir, die wir die Daten liefern, nicht oder nur bedingt profitieren.

Auf der anderen Seite möchte ich die wenige Freizeit, die mir bleibt, sinnvoll nutzen und nicht in irgendwelchen digitalen Welten verbringen. Mit digitalen »Freunden«, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen und die ich im richtigen Leben vielleicht gar nicht mögen würde. Das ist mir zu oberflächlich.

Ein weiterer Punkt, weswegen ich mich so vehement dagegenstemme, ist die Tatsache, dass ich die Sozialen Medien für ein gigantisches Psycho-Experiment halte. Hier werden Menschen mit perfiden Methoden manipuliert und zu Dingen getrieben, die sie sonst nie getan hätten. Ich wundere mich nicht mehr, über den ungezügelten Hass, der in den Foren und auf den Plattformen herrscht. Das ist nur eines der Auswirkungen, die uns Facebook und Co eingebracht haben.

Am schlimmsten finde ich das Belohnungssystem, durch Herzchen und Likes, an dem sich inzwischen sehr viele Leute finanziell bereichern. Damit wird gezielt eine Schwäche des Menschen für Geschäfte ausgenutzt – der Wunsch nach Anerkennung. Jeder freut sich über Lob und Anerkennung, im Internet ist diese Art Belohnung sehr einfach zu bekommen. Man postet ein Bild bei Instagram und bekommt Herzchen, man schreibt einen schlauen Satz bei Facebook und bekommt umgehend eine Reaktion mittels Likes oder vielleicht sogar einen Follower.

Wie sich diese Art der Instant-Belohnung auf Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein auswirkt, kann man sich vorstellen. Unter Umständen posten diese Menschen viel mehr Dinge aus ihrem Privatleben, als gut für sie und ihre Umwelt ist. Sie checken dauernd, ob sie wieder neue Likes oder einen neuen Follower bekommen haben. Dadurch werde sie abgelenkt, abhängig und verbringen somit viel mehr Zeit im Internet.

Noch schlimmer wird es, wenn sie für diese Art Ruhm Geld ausgeben und sich Likes oder Follower kaufen. Denn die Anzahl an Likes und Follower bestimmt den Wert des persönlichen Accounts. Influenzer, also Menschen die von Firmen gesponsert werden, damit sie im Internet Werbung für deren Produkte machen, benötigen möglichst viele Follower, von denen sie viele Likes bekommen. Denen wird es irgendwann nicht mehr ausreichen, von echten Menschen gelobt zu werden und sie werden sich Follower kaufen. Also Fake-Accounts, die durch Botnetze erzeugt werden und die nicht von realen Personen stammen.

Welche Funktionalität dahinter steckt und wer alles daran verdient, las ich unlängst in einem spannenden Artikel auf Vice. Unter der Überschrift »Die Applausfabrik« beschreiben die Autoren der Nachrichtenseite, wie das Belohnungsystem von Facebook und Instagram funktioniert, wer daran beteiligt ist und welche illegalen Wege die Hacker ausnutzen, um Likes und Follower zu »produzieren«.

Übrigens hat Instagram vergangene Woche die Likes für angemeldete Nutzer ausgeblendet. Soll heißen, die Belohnung ist nicht mehr sichtbar, obwohl sie im Hintergrund weiter aufgezeichnet wird. Werden jetzt Millionen von Nutzern die Plattform verlassen? … Willkommen zur nächsten Phase des Psycho-Spiels.

Die Fertighaus-Gauner

Ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich höre mit welcher kriminellen Energie sich manche Menschen an anderen bereichern.

Unlängst schwatzte ich auf Arbeit mit einem unserer Vertreter. Wir sprachen über Anbieter von Fertighäusern, weil das momentan bei uns aktuell ist. Er erzählte mir, dass viele Verkäufer von Fertighäusern nicht bei den Herstellern angestellt sind, sondern als freiberufliche Verkäufer arbeiten. Die verdienen nur bei einem Verkauf und sind deshalb angehalten auch möglichst viele Häuser zu verkaufen. Das Absurde daran ist, dass manchen von denen, Häuser an Leute verkaufen, die noch nicht mal ein Grundstück haben. Sie versprechen den Käufern zwar Unterstützung bei der Grundstückssuche und reden ihnen ein, dass das alles kein Problem sei, lassen die Menschen aber letztendlich im Stich, wenn es Hart auf Hart kommt. Denn in den meisten Regionen (zumindest in unserer Gegend) sieht es mit Baugrundstücken schlecht aus. Wo nichts ist, ist halt auch nichts zu holen. So einfach ist das. Viele Familien lassen sich dennoch von den Verkäufern beschwatzen. Das Problem ist, das sie nur ein Jahr Zeit haben, um mit dem Bau zu beginnen. Finden die Käufer in der Zeit kein Baugrundstück, gilt das als Vertragsbruch und sie müssen zwanzig Prozent des Hauses als Vertragsstrafe zahlen, ohne irgendwelche Gegenleistungen dafür zu bekommen. So wird aus dem Traum vom Eigenheim schnell mal ein Albtraum.

Und als ob das nicht schon widerlich genug ist, spekulieren einige dieser Hausverkäufer damit, dass die Kunden, die ein Grundstück haben und bauen, das Haus nicht werden abbezahlen können und in einigen Jahren wieder ausziehen müssen, weil sie die Raten für die Kredite nicht begleichen können. Sie quatschen den Käufern Ausstattungen auf, die sie gar nicht brauchen, oder die sie sich eigentlich nicht leisten können, schon mit der Aussicht, dass sie später selbst dort einziehen wollen. Die Verkäufer warten also, bis das Haus zwangsversteigert werden muss und schlagen dann zu.

Ich war schlicht fassungslos, als ich das gehört habe. Das Schlimme ist, dass man durch die eigenen Erfahrungen sehr genau weiß, dass es sowas tatsächlich gibt und es nicht nur eine gruslige Geschichte ist.

Fertighaushersteller sind keine Heiligen. Die wollen in den seltensten Fällen, dass Menschen ein schönes Zuhause bekommen, die wollen wie alle nur Geld verdienen. Und das nicht nur auf dem Rücken der Kunden, sondern vor allem auf dem Rücken der Handwerker. Da werden Preise kalkuliert, die eigentlich gar nicht zu verwirklichen sind, wenn man als Handwerker nicht für umsonst arbeiten will.

Bauen kostet nun mal Geld, da mag so ein Fertighaus vielleicht günstig erscheinen. Man muss sich aber immer bewusst sein, dass in den meisten Fällen die Verlierer immer die Kunden und die Handwerker sind.

Herbstliche Deko-Deko

Quelle: NKD.com

Es gibt Sachen zu kaufen, die glaubt man erst, wenn man sie sieht.

Ging ich doch unlängst beim hiesigen NKD vorbei und warf einen Blick auf die Wühltische vor dem Eingang. Da entdecke ich ein Netz mit Kastanien. »Jetzt verkaufen die schon Kastanien«, dachte ich so bei mir. Tannen und Kiefernzapfen gibt es längst zu kaufen, dabei kann man die leicht selbst sammeln. »Kastanien wachsen doch überall, man muss sich im Herbst bloß bücken und welche auflesen«, führte ich meine Gedanken fort. Doch da merkte ich, dass die Kastanien irgendwie seltsam aussahen. Ein zweiter genauerer Blick offenbarte: Die Kastanien waren künstlich und bestanden aus einem schaumartigen Kunststoff.

Echt jetzt, Kastanien aus Kunststoff als Deko? Kann man da nicht echte Kastanien auslegen? Ich meine, wie lange liegt so eine Herbstdeko? Sechs Wochen mehr oder weniger, da kann man doch echte Kastanien nehmen. Die halten sich doch genauso lange, sogar mit Schalen.

Unglaublich! Ich denke gerade an das Erdöl, was man für die Herstellung der künstlichen Kastanien benötigt hat und an die Energie. Dabei wäre es viel billiger, die Kastanien in freier Natur zu sammeln und umweltfreundlicher sowieso. Dabei frage ich mich, ob es tatsächlich Leute gibt, die sich künstliche Kastanien kaufen und daheim ins Wohnzimmer legen. Kastanien, die nach nichts riechen und vielleicht sogar schädliche Dämpfe und Weichmacher enthalten.

Mein Gott, was sind wir dekadent geworden, dass wir für die Herbst-Dekoration jetzt schon künstliche Kastanien brauchen. Ist das quasi die Deko von der Deko, oder was? Das die künstlichen Kastanien beim Verbraucher nicht wirklich angekommen zu sein scheinen, sieht man daran, das sie letztendlich auf dem Wühltisch gelandet sind. Es gibt also doch noch genügend Leute mit Hirn im Kopf.

Nichts Neues im Autoland

Was dem US-Amerikaner seine Waffen sind, ist dem Deutschen sein Auto. Erneut scheiterte gestern im Bundestag die Abstimmung für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Was von meinen Kollegen und Bekannten mit großer Genugtuung aufgenommen wurde. Ich kann daran leider nichts Positives finden. Und sehe darin einen eklatanten Mangel an Veränderungswille in der Bevölkerung und der Regierung. Klimaschutz bedeutet in erster Linie Verzicht, für jeden von uns. Daran sollten wir uns lieber früher als später gewöhnen. Wenn wir wirklich die Umwelt, wie wir sie kennen, erhalten wollen, müssen wir lernen zu verzichten. Unteranderem auf den Nervenkitzel und den Spaß mit 200 Sachen über die Autobahnen und Landstraßen zu heizen. Eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre da schon mal ein Anfang. Bei 130 km/h bräuchten wir keine benzinschluckenden PS-Boliden mehr, es käme zu weniger Unfällen, es würden weniger Menschen im Straßenverkehr sterben und der Verkehr würde besser fließen.

In der DDR galt Tempo 100 km/h auf Autobahnen und es hat 40 Jahre lang niemandem geschadet. Heute müssen manche unbedingt mit Tempo 200 dahinrasen, während ihnen das Fahrzeug dabei auch noch den Eindruck vermittelt, sie würden es bei der Geschwindigkeit beherrschen. Jedes Mal, wenn wir mit dem Auto längere Strecken auf der Autobahn fahren, fährt bei mir die Angst mit. Die Angst, beim Überholen von so einem Raser erwischt zu werden. In Baustellen und bei Geschwindigkeitsbegrenzungen wird man entweder von hinten bedrängt, oder man kommt sich vor wie der letzte Depp, weil man sich daran hält. Entspannend finde ich das alles nicht.

Wir schimpfen über die Amerikaner und ihre Waffengesetze. Wir Deutsche sind doch nicht besser, wenn es um das Thema Auto geht. Und kommt mir bitte niemand mit dem Argument, dass dadurch Arbeitsplätzen in Gefahr sind. Die wenigsten Autos und Zulieferteile werden noch in Deutschland produziert. Und die dicken PS-Karossen können sich ohnehin nur die Firmen und Selbständigen leisten. Ich bin mir sicher, die Mehrheit der deutschen Autofahrer, die keine PS-starken Autos fahren, wäre für eine Geschwindigkeitsbegrenzung. In den anderen europäischen Staaten funktioniert es doch aus. Nur wir müssen mal wieder aus der Reihe tanzen.

Dabei wird die Geschwindigkeitsbegrenzung unweigerlich kommen. Spätestens wenn es nur noch Elektroautos gibt, oder tatsächlich das autonome Fahren kommen sollte, ist Schluss mit schnell fahren. Weil das System dann nicht mehr funktioniert. Mit einem Elektroauto kann man zwar auch schnell fahren. Aber umso schneller man fährt, umso schneller ist der Akku leer. Wenn wir die Klimakrise verhindern wollen – was ich nicht mehr glaube, dass es möglich ist – sollten wir uns schon mal vorbereiten, in Zukunft vielleicht nicht so mobil oder anders mobil zu sein. Mit 220 km/h auf der Autobahn fahren, wird dann nur noch eine reumütige Erinnerung sein.

TAN oder Nicht-TAN

… das ist neuerdings die Frage beim Online-Banking.

Seit September gelten verschärfte Bedingungen beim Bezahlen im Internet und auch beim Online-Banking. Ich begrüße das, macht es doch den Zahlungsverkehr im Netz sicherer. Das es aufwändiger werden würde, damit hatte ich gerechnet. Stand ich doch unlängst beim Fahrkartenkauf im Internet mit Kreditkarte vor einem kaum lösbaren Hindernis. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung funktionierte nicht so richtig. Sprich, ich konnte nicht bezahlen, weil bei der Bank gerade die Server unten waren und die App keine Verbindung herstellen konnte. Zum Glück habe ich noch ein PayPal-Konto. Es hilft also, sich mehrere Bezahlwege offenzuhalten.

Beim Online-Banking benötigt man jetzt eine TAN, um sich seinen Kontoauszug anzeigen zu lassen. Hm! Etwas nervig, aber wenn es sein muss …  Umso überraschter war ich, als ich nach meiner letzten Überweisung folgende Meldung erhielt:

Wie jetzt? Ich kann eine Liste anlegen, auf der ich Kontonummern eintragen kann, für die ich keine TAN brauche, wenn ich dorthin etwas überweisen möchte. Eine Liste, die dann auf einem Computer gespeichert wird und von irgendwelchen Hackern (nein, nicht von mir) beliebig manipuliert werden kann! Äh, da kann ich es doch mit der verschärften Sicherheit gleich sein lassen. Wieso erst etwas sicherer machen, um es dann wieder zu entschärfen? Klar geht es hier um Bequemlichkeit. Wahrscheinlich haben sich nicht wenige Kunden bei den Banken und Sparkassen beschwert, weil das Shoppen und Überweisen ein wenig aufwendiger geworden ist. Und die Banken sind eingeknickt und versuchen auf diesem Weg die neuerrichteten Sicherheitssperren zu umgehen. Da kann man sich eigentlich nur noch an den Kopf greifen.

Brückenschlag

Fußgängerbrücke der Superlative

Ich war am Wochenende mal wieder daheim in Thüringen. In den vergangenen 30 Jahren nach der Wende hat sich vieles in und um die Stadt verändert, das meiste zum Besseren. Es wurde viel Geld in die Hand genommen, um Denkmäler und Straßen zu sanieren oder um neue Gewerbegebiete und Siedlungen zu bauen.

Nicht alles, was dabei entstanden ist, begeistert mich. Vieles hätte man anders und besser machen können. Vor allem hätte man mehr für die Geschäfte in der Innenstadt tun müssen und dafür weniger Flächen an den Stadträndern zubetonieren dürfen. Aber das ist bekanntlich in fast jeder deutschen Stadt ein Problem.

Bei einigen Projekten haben die Stadtoberen aber übers Ziel hinausgeschossen. So bei der zweifelhaften Sanierung des Marktplatzes, bei dem man nicht nur das bestehende antike Kopfsteinpflaster durch Pflaster aus Vietnam ausgetauscht hat, sondern auch gleich mal die alten Linden gefällt und anschließend für teures Geld neue gesetzt hat. Die zweihundertjährige Linde vor der Kirche wurde gefällt, weil sie angeblich morsch war, was aber nicht bewiesen werden konnte, weil der Baum in einer Nacht und Nebelaktion gefällt und weggebracht wurde. Später wurde dann argumentiert, die Linde hätte dem Umbau des Platzes vor der Kirche im Weg gestanden. Der Umbau lässt allerdings seit Jahren auf sich warten.

Auf sich warten lassen hat auch der sogenannte »Zeiss-Steg«. Eine Fußgängerbrücke, die über die Saale führte und die in der frühen DDR errichtet wurde, damit die Leute schneller zur Arbeit ins Zeisswerk kamen, ohne dafür den Umweg über die große Saalebrücke zu nehmen. Die einfache Betonbrücke war über die Jahrzehnte marode geworden und wurde vor ein paar Jahren weggerissen. Seitdem baut die Stadt an einem Ersatzbau. Jahrelang bewegte sich nicht viel. Es hieß, dass die neuen Fundamente nicht passten und wieder abgerissen werden mussten. Wie das eben so ist.

Jedenfalls konnte ich am Wochenende, die nun fast fertige Brücke endlich besichtigen. Ganz ehrlich, ich dachte, ich sehe nicht richtig. Statt eines einfachen Fußgängerstegs, den man mit schlichten Betonteilen relativ einfach und unkompliziert hätte setzen können. (Funktioniert bei jeder Eisen- und Autobahnbrücke) starrte mir ein monströses Designobjekt entgegen. Mit Tragseilen und gebogener »Fahrbahn«.

Echt jetzt, musste das sein. Das Ding hat sicher Millionen verschlungen. Millionen, die in sozialen Projekten oder bei der Sanierung einiger Seitenstraßen sicher besser aufgehoben wären, als in einer  Miniausgabe der Golden Gate Bridge. Ich frage mich, was die Mitglieder des Stadtrats geritten hat, so einem Projekt zuzustimmen.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurde jetzt daneben noch das Saalewehr aufgerissen. Dort sieht es aus, als wolle man den halben Fluss ausbaggern. Begründung, die Fische kämen nicht über das Wehr. Dabei wurde dort Ende der Neunziger für viel Geld eine Fischtreppe errichtet.

Als ehemalige Bewohnerin kann ich darüber nur den Kopf schütteln und mich fragen, ob wir momentan keine dringenderen Probleme haben und Steuergelder nicht besser angelegt werden können.

Die »Panzer« und der Umweltschutz

»Jetzt sollen wir nicht mal mehr in die Stadt fahren dürfen«, jammern derzeit viele Autofahrer wegen der Diskussion um Fahrverbote für SUVs in Innenstädten. Das der Aufhänger ausgerechnet ein tödlicher Unfall ist, bei dem vier Menschen von einem SUV überfahren wurden, ist zwar diskussionswürdig.

Andererseits reden alle von Klimaschutz und schreien nach dem Staat, dass er sich doch gefälligst etwas einfallen lassen soll. Aber keiner kommt auf die Idee, dass sein geliebter SUV mehr CO2 ausstößt als ein Kleinwagen, dass er viel mehr Platz wegnimmt und dass er allein schon wegen seines Gewichtes zu einer potentiellen Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer werden kann.

Warum muss es immer dieses Schneller-Höher-Weiter sein? Warum geht es nicht mal eine Nummer kleiner? Auch beim Auto. Nur weil man höher und bequemer sitzt? Ich sitze in unserem Corsa nicht unbequem. Natürlich fühlt man sich in einem SUV sicher. Aber was ist mit den anderen, dürfen die nicht auch Sicherheit für sich beanspruchen?

Vom Umweltgedanken ist ein SUV das genaue Gegenteil dessen, was wir jetzt gerade brauchen. Das Auto verbraucht zu viel Sprit, es stößt zu viel CO2 aus, es nimmt zu viel Platz ein und es gefährdet andere. Warum also fahren inzwischen fast 30 Prozent aller Deutschen einen SUV? Weil sie es können! Weil es für ihr Ego richtig ist! Und weil es den meisten egal ist, welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Frei nach dem Motto: »Hauptsache mir passiert nichts.«

Ich wäre für eine generelle Einschränkung, nicht nur für eine SUV-Maut in Innenstädten, sondern auch für höhere Parkgebühren, eine dreifache höhere Kfz-Steuer, und höhere Versicherungsbeiträge für SUVs. Nur so kann man die Leute zwingen auf kleinere Autos umzusteigen. Von alleine werden sie es nicht tun. Das wäre schon mal der erste Schritt in die richtige Richtung.

Ach ja, SUVs mit Elektroantrieb finde ich noch schwachsinniger. Die braucht kein Mensch. Mit dem was allein der Akku an CO2 verursacht, das erzeugen zwei Diesel-Kleinwagen auf 100 000 Kilometer nicht.

Versorgungsengpass

Jetzt ist es soweit. Wir bekommen den dörflichen Verfall mit aller Macht zu spüren. Wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte, haben in den vergangenen Jahren erst der Penny, dann der Metzger und letztes Jahr der Bäcker zugemacht. Seit Anfang September bleibt jetzt auch der Edeka in der Ortsmitte und der Bioladen für immer geschlossen. Einen Drogeriemarkt gibt es schon seit Jahren nicht mehr und wenn man sich biologisch ernähren möchte, muss man 12 Kilometer in die nächste Stadt fahren.

Lebensmittel gibt es nur noch beim Lidl oder im völlig überlaufenen Edeka am Kreisverkehr. Obwohl auch in diesem Jahr jede Menge Urlauber den Ort bevölkerten. Aus der Luft betrachtet ist der größte der fünf Campingplätze etwa so groß wie der komplette Ortskern. Zwei Geschäfte für eine Ortschaft, die im Sommer (wegen der Urlauber) über 10 000 Einwohner hat. Im Winter sind es nur 6 000, aber das sind immer noch viel für nur zwei Lebensmittelmärkte. Nachbarn haben mir erzählt, dass der Lidl abends so gut wie ausgekauft ist. Zumindest was Backwaren, Fleisch und Gemüse angeht. Und die Kollegen meiden Mittags den überlaufenen Edeka, weil sie sonst ihre ganze Pause dort verbringen würden, ehe sie an der Kasse durch sind.

Mein Mann trauert am meisten um den kleinen Bioladen, dessen Besitzerin aus gesundheitlichen Gründen schließen musste. Jetzt bestellen wir Biobrot und -semmeln fürs Wochenende im Reformladen. Die Besitzerin hat schon gejammert, dass Freitags eine Schlange von bis zu zwanzig Leute vor ihrem Laden steht und auf die Brotlieferung wartet.

Ich vermisse schmerzlich den Edeka um die Ecke, in den man schnell mal gehen konnte, wenn man was vergessen hatte. Jetzt ist der Weg dreimal so lang und es ist nicht sicher, ob man auch das bekommt, was man möchte. Vor dem geschlossenen Laden steht jetzt übrigens ein Wagen jenes Bäckers, der drinnen eine Filiale hatte. Aber wer dort Brot und Semmeln kaufen will, muss es tagsüber tun, denn der Wagen schließt um 16 Uhr. Leuten, die Arbeiten gehen, bleibt oftmals nur der Lidl.

Der Besitzer vom Edeka, schreibt auf einem Hinweisschild, ihm sei der Vertrag gekündigt worden. Doch so richtig glaube ich das nicht. Denn der NKD, der im gleichen Gebäude seine Filiale betreibt, bleibt drin. Es fragt sich nur wie lange, jetzt wo keine Kunden mehr zum Edeka kommen.

Das Inventar des Ladens landete übrigens im Müll-Container (der steht noch davor). Es ist traurig, dass Dinge, die bis dahin noch völlig in Ordnung waren, plötzlich nichts mehr wert sein sollen und weggeworfen werden.

Ach ja, demnächst schließt noch der Schuhladen und die Gastwirtschaft ums Eck. Das kleine Café in der Straße hat vergangenes Jahr schon dichtgemacht. Die einzigen, die sich noch halten sind die Italiener und der Grieche.

Es ist schon bedauerlich, dass die Versorgung so miserabel geworden ist. Als ich vor zehn Jahren hierher kam, sah es noch ganz anders aus. Jetzt ist es in etwa so wie im Osten in den neunziger Jahren, wo die kleinen Geschäfte schließen mussten, weil an den Ortsrändern die Gewerbegebiete wie Pilze aus dem Boden schossen.

Hier ist es umgekehrt, da schließen die Geschäfte schon lange vorher. Ende Oktober eröffnen endlich ein Rossmann und ein REWE am Ortseingang. Ich hätte mir mal nicht träumen lassen, wie sehr ich das begrüße und die neuen Einkaufsmöglichkeiten herbeisehne.