Von wegen alles digital …

Ich hatte mich echt gefreut, als ich unlängst meine Steuererklärung abgeben habe, weil das so schnell und einfach ging. Vergangene Woche holte mich der lange Arm des Finanzamtes wieder ein.

Weil ich im letzten Jahr nebenberufliche Einkünfte hatte, habe ich mir für die Steuererklärung extra eine Software gekauft, die mir helfen sollte. Und weil ich Einkünfte aus selbstständiger Arbeit hatte, durfte ich die Steuererklärung auch nicht in Papierform abgeben sondern mittels ELSTER. Also habe ich mich dort angemeldet und auch meine Zugangsdaten und das Zertifikat erhalten. Damit ging dann die Abgabe der Steuererklärung verblüffend schnell über die Bühne.

Umso verwirrter war ich, als ich vergangenen Woche zwei dicke Umschläge vom Finanzamt bekam. Darin jede Menge Formulare, die ich wegen der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit ausfüllen musste. Ich war ja schon mal 15 Jahre selbstständig, aber da hat das immer ein Steuerberater für mich gemacht. Außerdem teilte man mir zwei Steuernummern zu, weil ich ich zwei verschiedene Tätigkeiten angegeben habe. Ich fragte beim Finanzamt nach, ob ich unbedingt alle beide ausfüllen muss, weil eine Tätigkeit eine einmalige Angelegenheit war. Antwort: »Ja, füllen Sie beides aus und machen Sie eine Notiz dazu, das es nur einmalig war.« Super, damit darf ich vier Formulare jetzt auch noch zweimal verschieden ausfüllen.

Kurzzeitig hatte ich gehofft, dass ich das Formular über mein Steuerprogramm ausfüllen kann … leider sehen die digitalen Formulare aus dem Programm völlig anders aus, als die, die ich vom Finanzamt geschickt bekommen hatte. Also muss ich die nun tatsächlich mit der Hand ausfüllen und mit der Post verschicken, weil das mit ELSTER nicht möglich ist. Da frage ich mich doch, warum die so ein Zinnober mit der Steuererklärung über ELSTER machen. Die Steuererklärung darf ich nicht manuell abgeben, aber den Fragebogen muss ich handschriftlich ausfüllen und mit der Post hinschicken. Das erschließt sich mir irgendwie nicht.

Ich habe meinen heutigen Spätnachmittag damit verbracht den Berg an Formularen auszufüllen. Bei manchen Punkten weiß ich nicht mal, was ich ausfüllen soll. Da muss ich nochmal jemanden fragen, der sich damit auskennt. Ich wünschte, Steuererklärungen wären grundsätzlich einfacher und weniger zeitaufwendig, vor allem sollten sie mehr digital und weniger papierlastig sein. Wo doch heute alles digital geht.

Das Ende einer Ära

Und wieder muss eine Druckerei in Deutschland schließen. Dieses Mal trifft es die VPM-Verlagsdruckerei, in der unteranderem seit den Siebzigern die PERRY RHODAN-Serie gedruckt wird.

Am Montag verkündete Bauer das endgültige Aus des Standorts. Erst im Februar war bekannt geworden, dass Bauer die Redaktionen der Frauenzeitschriften nach Hamburg verlagern will. Die Druckerei bliebe bestehen wurde damals verkündet. Diese Woche dann der Schock für die 163 Beschäftigten. Das Offset-Druckereigeschäft entwickele sich rückläufig, wird als Grund angegeben. Das kann unteranderem daran liegen, dass der Buch- und Zeitschriftenmarkt seit Jahren schrumpft. Der boomende Digitaldruck kann ein weiterer Faktor sein. Allerdings frage ich mich, warum Druckereien in Polen oder Tschechien für die Verlage rentabler scheinen. Ein Grund hierfür kann nur in den niedrigeren Löhnen in den Ländern liegen.

Es geht mal wieder um Geld. Die Renditen entwickeln sich wohl nicht so, wie sich die Manager wünschen. Die Bauer Media Group ist ein international agierender Konzern. Einer der Riesen in der Verlagsbranche. Im April erregte Bauer Aufsehen, weil sie mitten in der Corona-Krise mehrerer Zeitschriften und die einzige überregionale Tageszeitung in Neuseeland geschlossen haben. Das führte in dem Land zu einer regelrechten Medienkrise. Andererseits kaufte Bauer in Australien für 14 Millionen US-Dollar einen ihrer Konkurrenten auf. Nun, bei den derzeitigen Immobilienpreisen ist das Grundstück in Rastatt sicher auch einiges wert …

Jetzt hat es die Beschäftigten bei VPM in Rastatt also zum zweiten Mal innerhalb weniger Monaten getroffen. Seit 1949 existiert dort der Pabel-Verlag. Moewig wurde 1901 in Dresden gegründet. 1970 wurden beide Verlage vom Heinrich Bauer Verlag gekauft und zu VPM mit Sitz in Rastatt zusammengeschlossen. Die Druckerei bekam 1993 ein neues Gebäude und galt als modernste Druckerei Europas. Und nun bleibt die vor wenigen Tagen zur PERRY RHODAN KG formierte Tochter als einzige in Rastatt zurück. Die Frage ist wie lange.

Ich fürchte, wenn ein Konzern die einzige Tageszeitung eines Landes schließen kann, wird er vermutlich auch nicht vor der größten Science-Fiction-Serie der Welt zurückschrecken. Drücken wir der Redaktion und allen Fans die Daumen, dass die Serie im nächsten Jahr ihren 60. Geburtstag erleben und überleben darf.

Malbücher für Männer

Es gibt echt nichts, was es nicht gibt.

Das Malbücher für Erwachsene schon lange Trend sind, ist nicht neu. Früher hat man, korrigiere: meist Frau, Mandalas gemalt. Inzwischen gibt es wirklich schöne Bücher zum Ausmalen. Als Kind wäre ich höchst verzückt gewesen. Deshalb bin ich vor längerer Zeit schwach geworden und hatte mir auch mal eins gekauft. Ausgemalt habe ich gerade mal eine halbe Seite. Dazu braucht es Zeit, die ich einfach nicht habe. Außerdem muss ich zugeben, dass mich ausmalen nicht so befriedigt, wie ein weißes Blatt Papier mit einem Bild zu füllen, das aus meinem eigenen Kopf stammt.

Gestern habe ich beim Stöbern im Onlinekatalog meines derzeit bevorzugten Buchhändlers zwei Malbücher gefunden, bei deren Titeln mir kurzzeitig der Atem stockte. Ich habe mit dem derzeitigen Feminismus- und Genderwahn eigentlich nichts am Hut, und bin allein durch meine Arbeit in einem Handwerksbetrieb so einiges gewohnt. Aber das hat mich dann doch umgehauen.

Es gibt Malbücher in denen Männer Frauenbrüste ausmalen können. Mal davon abgesehen, dass das schon irgendwie ein bisschen pervers klingt, frage ich mich ehrlich: welcher Mann macht das? Welcher Mann setzt sich hin und malt Bilder von nackten Frauen aus? Und wo? Im heimischen Haushalt bei Frau und Kind sicher nicht. Singlemänner malen höchstens echte Brüste an. Wobei … wenn ich da an die ganzen Nerds denke, kann ich mir das dann doch irgendwie vorstellen.

Also mein Mann würde wahrscheinlich lieber Autos ausmalen oder Raumschiffe.

Zwischen Solidarität und Anfeindung

In den vergangenen Wochen wurde oft und viel über die großartige Solidarität zwischen den Menschen geredet. Das Virus würde die Menschen einen und man rücke näher zueinander.

Irgendwie kann ich das nicht glauben, angesichts von Nachrichten, eigenen Beobachtungen und dem, was man von Bekannten erzählt bekommt. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. In Schleswig-Holstein zum Beispiel, wo ja bekanntlich die Grenzen für Nicht-Anwohner geschlossen wurden, werden reihenweise Autos zerkratzt, wenn sie beispielsweise ein Hamburger Nummernschild haben. Dort wird massiv gegenüber Hamburger mobil gemacht, die in Schleswig-Holstein Ferienhäuser und Ferienwohnungen besitzen. Beschimpfungen sind da noch das harmloseste. Ich befürchte, dass, wenn das länger geht und das ist nicht auszuschließen, viele Hamburger in Zukunft auf ihr Ferienhaus verzichten werden. In Mecklenburg-Vorpommern ist das stellenweise ähnlich schlimm.

Im Saarland werden dort lebende französische Staatsbürger beschimpft, bespuckt und angegriffen. Da macht sogar die Polizei mit. Heute lese ich, dass in China Menschen aus Afrika, aus ihren Wohnungen vertrieben und zwangsweise in Quarantäne gesteckt werden. Menschen, die schon seit Jahren dort wohnen und schon ewig nicht mehr in Afrika waren.

Menschen schwärzen andere Menschen an, die beispielsweise zu fünft auf einer Wiese im Park hocken. Überall lauern inzwischen die Blockwarte und rufen die Polizei, weil sie glauben, in der Nachbarwohnung würde eine Party gefeiert, dem übrigens meist nicht so ist. Ich könnte auch das junge Pärchen anzeigen, die sich fast täglich bei uns vorm Haus heimlich auf dem Parkplatz treffen. Sie kommt mit dem Rad, er mit dem Auto und dann sitzen sie eine Stunde lang zusammen im Auto. Aber ich mache das nicht, weil es mir zuwider ist, jemanden anzuschwärzen. Doch ich weiß, es gibt ganz viele Leute in dieser Republik, die das mit großer Genugtuung tun und sich in ihrer »Macht« sonnen.

Oder, als Anfang Februar die ersten Fälle hier im Landkreis auftraten, wurde die Kinder der betroffenen Familie in der Schule gemoppt und ausgegrenzt, selbst nachdem feststand, dass sie negativ getestet wurden.

Oder, als sich abzeichnete, dass in Italien die Epidemie außer Kontrolle geriet, wurden ganz schnell Stimmen laut, dass Deutsche das Virus ins Land gebracht hätten. Und zwar sollen Mitarbeiter von Webasto in Italien gewesen sein. Was die Firma aber umgehend dementierte.

Ich könnte noch eine Weile so weitermachen. Ich befürchte, je länger die Angst andauert, desto größer wird das Misstrauen untereinander werden. Die vielgerühmte Solidarität wird nur so lange vorhalten, wie das eigenen Leben nicht in Gefahr ist. Nein, ich glaube nicht, dass das Virus die Menschheit einen wird. Eher das Gegenteil wird passieren. Wenn wir es nicht mal in Deutschland, nicht mal innerhalb eines Bundeslands auf die Reihe bekommen, wie soll es dann weltweit funktionieren.

Ach, ja. Meinen alleinlebenden Eltern in Thüringen hat noch keiner Hilfe angeboten, z. B. für sie einkaufen zu gehen. Das müssen sie immer noch selbst erledigen. Und wenn, die Nachbarn sind kaum jünger und gehören ebenfalls zur Risikogruppe. Und junge Leute gibt es kaum, die meisten leben, wie ich, weit weg. Zum Glück ist die Lage in Thüringen entspannter und weniger problematisch.

Hamsterei

Leere Regale, kein Klopapier, keine Nudeln, kein Mehl, kein Zucker, keine Milch, kein abgepacktes Brot und vor allem keine Hefe (weder frisch noch getrocknet). Das sind Bilder, die ich eigentlich nicht erwartet hatte, nochmal zu sehen.

In der DDR waren schwach bestückte Regale ein normaler Anblick für mich. Man kaufte, wenn es etwas gab, lieber eine Packung mehr, denn es konnte sein, dass es die nächsten Monate keinen Nachschub gab. Meist waren das Kaffee oder Tempo-Linsen, Zellstoff-Taschentücher oder Bitter-Lemon-Limonade im Sommer sowie Schokolade und Kakao. Schokoladenhohlkörper zu Weihnachten gab es meist nur aus weißer Schokolade, von Bananen und Orangen ganz zu schweigen. Die Gemüse-Geschäfte waren vor allem im Winter triste Läden in denen in Holzkisten Äpfel, Kraut und schrumplige Möhren lagerten.

Dabei müsste das alles nicht sein, wenn viele Leute das Hamstern lassen würden. Was wollen sie mit so viel Klopapier, erwarten sie den nuklearen Winter? Vor zwei Wochen gab es in der ganzen Stadt keine Kartoffeln mehr. Warum horten Menschen so viele Lebensmittel, die sie in den nächsten Wochen und Monaten, spätestens aber nach dem Ablauf des Verfallsdatums wegwerfen werden? Während es Familien gibt, die die Sachen gerade jetzt dringend brauchen.

Ich stand heute morgen fünf Minuten vorm Drogerie-Markt. Jeder Zweite der rauskam, hatte mehrere Pakete Küchenrollen gekauft. Sind die das neue Klopapier, weil es keines mehr gibt? Was kommt als nächstes … Waschmittel? Begreifen die Leute nicht, dass sie die ohnehin schwierige Situation durch ihre Hamsterei verschlimmern. Fühlen sie sich dabei besser oder anderen überlegen?

Das mit der Hefe macht mich echt sauer. Normalerweise kauft kaum jemand Hefe und plötzlich ist alles weg, egal in welchem Geschäft. Laut den Verkäuferinnen wird auch so schnell nichts nachkommen. Die Nachfrage ist so groß, dass die Hersteller nicht nachkommen und erst einmal die Bäckereien und Brauereien beliefern müssen. Im REWE wurden bereits die Schilder von den Regalen entfernt.

Wieso fangen alle auf einmal an selbst zu backen, wo sie sonst meist fertiges Brot und Kuchen gekauft haben? Wissen die überhaupt noch wie das geht? Wir backen unser Brot seit Jahren selbst. Zum Glück hat mein Mann bei meinen Schwiegereltern noch ein paar Tütchen Trockenhefe gefunden. So kommen wir die nächsten zwei Wochen über die Runden. Ich überlege tatsächlich das Rezept auszuprobieren, wie man Hefe selbst herstellt.

Wir lernen in diesen Tagen, dass nichts selbstverständlich ist, nicht mal Hefe.

Kauft jetzt Bücher! … Aber nicht bei Amazon!

Wer in den vergangenen Wochen Bücher oder DVDs beim Onlineriesen Amazon bestellt hat, wird festgestellt haben, dass die Lieferungen lange auf sich warten lassen. Der Onlinehändler schreibt dazu, dass er momentan Bestellungen mit Hygieneprodukten und Waren des täglichen Bedarfs Vorrang einräumt. An sich ist an dem natürlich nichts auszusetzen und ich schluckte das auch, als ich unlängst ein paar Bücher für unsere Nachbarin bestellte. Heute habe ich allerdings gelesen, dass Amazon die Bestellungen bei den Verlagen komplett eingestellt hat. Man wolle sich jetzt mehr auf Haushaltsprodukte konzentrieren.

»Spinnen die!«, war mein erster Gedanke. Der Verlagsbranche geht es ohnehin nicht gut. Im letzten Jahr ist ein großer Zwischenhändler Pleite gegangen, ein anderer hat viele Publikationen von kleinen Verlagen aus dem Sortiment genommen. Das heißt, wenn man im Buchladen nach den Büchern fragt, existieren die für den Buchhändler nicht.

Nun ist in diesem Monat nicht nur die so wichtige Buchmesse ausgefallen, jetzt mussten auch noch die Buchläden im ganzen Land schließen. Je nachdem wie lange die Krise dauert, werden einige nie wieder öffnen. Und jetzt das. Amazon nimmt den Verlagen ihre Bücher nicht mehr ab. Damit bricht auch noch der Onlinehandel weg. Was das für Verlage, Lektoren und Autoren bedeutet, kann sich eigentlich keiner vorstellen, der nicht direkt betroffen ist. Das ist die ultimative Katastrophe für den Literaturbetrieb. Wohl dem Verlag, der einen eigenen Online-Shop hat und frühzeitig auf E-Books gesetzt hat, wie viele Kleinverlage.

Also Leute, kauft Bücher und zwar direkt bei den Verlagen, oder bei den Buchhandlungen, die einen eigenen Online-Shop haben. Zeigt allen, dass man Amazon nicht braucht, um Bücher zu kaufen.

Fasching ohne Kostüme?

Ein Kindergarten in Erfurt sorgte vor ein paar Wochen für Schlagzeilen. Zur Faschingsfeier durften die Kinder keine Kostüme anziehen. Begründung unteranderem: Die Kinder könnten sich untereinander in den Kostümen nicht erkennen und sich erschrecken bzw. verstört reagieren. Außerdem gehe es darum, zu vermeiden, dass sich Minderheiten und ethnische Gruppen diskriminiert fühlen könnten. Amerikanischer Ureinwohner zum Beispiel, wenn sich die Kinder als Indianer verkleiden.

Anfangs hielt ich das Ganze für einen April-Scherz. Fasching ohne Kostüme? Das ist kein Fasching mehr. Wir haben uns im Kindergarten und im Hort immer verkleidet. Es war das absolute Highlight des Jahres, obwohl meine Heimatstadt nie die große Faschingshochburg war. In meiner Schulzeit lagen die Faschingstage meist in den dreiwöchigen Winterferien. Ich erinnere mich noch, dass ich am Rosenmontag vor dem Fernseher geklebt und im Westfernsehen die Faschingsumzüge aus dem Rheinland und Hessen verfolgt habe. Besonders neidisch war ich auf die Bonbons und Süßigkeiten, die von den Faschingswagen heruntergeworfen wurden. Die hätte ich auch gern mal aufgefangen.

Die Begründung der KITA, dass die Kinder sich nicht untereinander erkennen würden, halte ich jedenfalls für völligen Blödsinn. Die tragen doch keine Horrormasken, wie bei den traditionellen Fasnet-Bräuchen im Schwarzwald oder der Schweiz. Jungs verkleiden sich als Superheld, Feuerwehrmann oder Indianer, die Mädchen vielleicht als Prinzessin. Die Gefahr, dass sie sich untereinander nicht erkennen, ist bei solchen Kostümen eher unwahrscheinlich. Über die Sache mit den ethnischen Minderheiten sage ich nur, man kann es auch übertreiben und denke ich mir meinen Teil.

Die einzige Begründung der Erzieherinnen, der ich zustimme, beruft sich darauf, dass Kinder von ihren Eltern gezwungen werden könnten, ein Kostüm anzuziehen, was sie nicht möchten und in dem sie sich dann unwohl fühlen. Da liegt nämlich das eigentliche Problem. Manche Eltern geben viel Geld für die Kostüme ihrer Sprösslinge aus, die diese vielleicht gar nicht anziehen möchten. Andere Eltern wiederum verfügen nicht über das Geld ihren Kindern Kostüme zu kaufen, sondern basteln diese selbst. Wegen denen diese Kinder von ihren Freunden aufgezogen werden könnten.

In diesem Zuge habe ich einen Vorschlag an die Erzieherinnen der KITA: Bastelt mit den Kindern zusammen die Faschings-Kostüme! Da habt ihr Einfluss auf die Wahl der Kinder und stellt sicher, dass sie tatsächlich das anziehen, was sie möchten. Außerdem lernen die Kinder noch etwas dabei und niemand wird diskriminiert!

Wahlkatastrophe in Thüringen

Nach der heutigen Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen bin ich schlicht fassungslos. Ich weiß eigentlich gar nicht, über was ich mich mehr aufregen soll. Über die Abgeordneten der CDU und der FDP, denen jedes Mittel recht ist, um an die Macht zu kommen. Oder über die Menschen in Thüringen, die eine Partei gewählt haben, deren Parteiprogramm nicht nur Fremdenfeindlich, sondern auch Frauenfeindlich ist. Haben die nach zwei Weltkriegen wirklich nichts gelernt? Viele haben 1989 für ihre Freiheit demonstriert, um sie jetzt einfach wegzuwerfen.

Das was heute in Thüringen passiert ist, kann in jedem Bundesland passieren und auch im Bund selbst. Im Endeffekt ist es Betrug am Wähler. Eine Partei die geradeso die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat, stellt den Ministerpräsidenten! Unterstützt von der Rechten Fraktion. Jeder vernünftige Thüringer wird sich an den Kopf greifen und fragen, warum er eigentlich zur Wahl gegangen ist. Aus lauter Frust wird er das nächsten Mal nicht mehr wählen gehen. Und genau das spielt natürlich den Rechten in die Karten, die bei der nächsten Wahl noch mehr Stimmen für sich gewinnen.

Für mich war das heute ganz klar ein abgekartetes Spiel. Eine Stimmenthaltung entscheidet über die Wahl. Schlimm finde ich, dass sich eine Volkspartei wie die CDU auf so etwas einlässt, ja sogar unterstützt. Ob irgendjemand dabei viel gewonnen hat, glaube ich jedoch nicht. Letztendlich kann eine solche Regierung nicht funktionieren. Auf der einen Seite Linke, SPD und Grüne mit der Mehrheit und auf der anderen Seite ein Ministerpräsident gestellt von einer Minderheitenpartei. Da ist Streit und Chaos vorprogrammiert. Ich wette, in einem halben Jahr werden Neuwahlen stattfinden.

Sowas passiert, wenn es keine stabilen Mehrheiten gibt. Der Vertrauensverlust der Volksparteien wird uns in Zukunft noch mehr beschäftigen, als uns lieb sein wird. Es wird den Weg bereiten für Populisten und Rechte. Die Wahl heute in Thüringen war nur der Anfang. Als Thüringerin treibt es mir da die Schamröte ins Gesicht.

Schneckenpost oder die Konfusion des Götterboten

Die Überschrift verrät es, ich hatte mal wieder Ärger mit HERMES. Mein Fazit: lebenswichtige Dinge, wie Medikamente oder verderbliche Waren sollte man nie, nie, niemals mit HERMES versenden. Warum?

Nebenstehendes Bild zeigt den Sendungsverlauf eines Paketes. Ich hatte seit langem mal wieder etwas bei Ebay ersteigert. So lange, dass noch unsere alte Hausnummer in der Adresse stand. Also nicht 33a sondern 33. Nun stehen die Häuser nur ein paar Meter auseinander, aber für einen Paketdienst ist das ein unüberwindliches Hindernis. Zum Glück schickte mir der Verkäufer die Sendungsnummer, damit ich das Paket in den Paketshop umleiten konnte.

Aber selbst die Sache mit dem Paketshop funktionierte nur bedingt. HERMES benötigte nämlich nochmal exakt 6 Tage, um das Paket in den Shop zu liefern. Wo mir dann eine ziemlich patzige Mitarbeiterin erklärte, dass ich mir das Paket gleich an den Shop hätte schicken lassen sollen. Als ob ich dem Verkäufer vorschreiben kann, mit was er die Sachen verschickt.

Na, ja. Jedenfalls hat das Paket zwei Wochen gebraucht, bis es mich erreichte. Der Ebay-Verkäufer war schon ganz nervös, weil ich den Fall nicht geschlossen habe, und er von Ebay dauernd angemahnt wurde.

Ärger mit dem Nachbarn

Warum müssen solche Dinge immer vor Weihnachten passieren? Warum gibt es Menschen, die ausgerechnet zu dieser Zeit andere ärgern müssen?

Diese Fragen stelle ich mir seit ein paar Tagen. Da erzählten mir meine Eltern am Sonntag, dass der Nachbar unseres Wochenendgrundstücks mehrere Bäume in unserem Garten gefällt hat. Unteranderem eine zehn Meter hohe Kastanie, die mein Vater gepflanzt hat, als ich noch ein Kind war.

Gefragt hat der Nachbar natürlich nicht. Dass hat er auch nicht, als er in den vergangen Jahren regelmäßig unsere Hecke, den Haselnussstrauch und die Korkenzieherhasel beschnitten hat. Weil die an der Grundstücksgrenze stehen, haben wir nie etwas gesagt. Das war rückblickend vielleicht ein Fehler. Womöglich hätten wir die Kastanie retten können, wenn wir uns schon früher gewehrt hätten. Aber meine Eltern wollten keinen Streit und keine Aufregung, schließlich sind sie nicht mehr die Jüngsten.

Dieses Mal ist aber ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr geht. Nicht nur das der Nachbar unerlaubt unser Grundstück betreten hat, er hat auch unser Eigentum zerstört. Denn die Kastanie stand schon lange, bevor er das Grundstück neben uns gekauft hat. Die etwa zwei Meter große Eiche, die mein Vater liebevoll aufgepäppelt hat, wuchs mehr als drei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt.

Ich habe meinen Eltern geraten, bei der Polizei Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung zu erstatten, einen Tag vor Weihnachten. Damit bekommt der Nachbar ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art, er hat es schließlich nicht anders gewollt. Wenn er wenigstens mit uns geredet hätte, aber so …

Das Belohnungssystem Sozial Media

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich nicht bei Facebook oder in anderen Sozialen Netzwerken bin. Man findet mich auch nicht bei WhatsApp.

Es gibt dafür viele gute Gründe. Zum einen, möchte ich den Konzernen nicht noch mehr Daten über mich schenken, als ich es ohnehin schon tue. Mit jedem Besuch im Netz hinterlässt man Fußabdrücke, die von Firmen wie Google oder Facebook zur Analyse genutzt bzw. verkauft werden. Das ist ein riesiges Geschäft, von dem wir, die wir die Daten liefern, nicht oder nur bedingt profitieren.

Auf der anderen Seite möchte ich die wenige Freizeit, die mir bleibt, sinnvoll nutzen und nicht in irgendwelchen digitalen Welten verbringen. Mit digitalen »Freunden«, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen und die ich im richtigen Leben vielleicht gar nicht mögen würde. Das ist mir zu oberflächlich.

Ein weiterer Punkt, weswegen ich mich so vehement dagegenstemme, ist die Tatsache, dass ich die Sozialen Medien für ein gigantisches Psycho-Experiment halte. Hier werden Menschen mit perfiden Methoden manipuliert und zu Dingen getrieben, die sie sonst nie getan hätten. Ich wundere mich nicht mehr, über den ungezügelten Hass, der in den Foren und auf den Plattformen herrscht. Das ist nur eines der Auswirkungen, die uns Facebook und Co eingebracht haben.

Am schlimmsten finde ich das Belohnungssystem, durch Herzchen und Likes, an dem sich inzwischen sehr viele Leute finanziell bereichern. Damit wird gezielt eine Schwäche des Menschen für Geschäfte ausgenutzt – der Wunsch nach Anerkennung. Jeder freut sich über Lob und Anerkennung, im Internet ist diese Art Belohnung sehr einfach zu bekommen. Man postet ein Bild bei Instagram und bekommt Herzchen, man schreibt einen schlauen Satz bei Facebook und bekommt umgehend eine Reaktion mittels Likes oder vielleicht sogar einen Follower.

Wie sich diese Art der Instant-Belohnung auf Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein auswirkt, kann man sich vorstellen. Unter Umständen posten diese Menschen viel mehr Dinge aus ihrem Privatleben, als gut für sie und ihre Umwelt ist. Sie checken dauernd, ob sie wieder neue Likes oder einen neuen Follower bekommen haben. Dadurch werde sie abgelenkt, abhängig und verbringen somit viel mehr Zeit im Internet.

Noch schlimmer wird es, wenn sie für diese Art Ruhm Geld ausgeben und sich Likes oder Follower kaufen. Denn die Anzahl an Likes und Follower bestimmt den Wert des persönlichen Accounts. Influenzer, also Menschen die von Firmen gesponsert werden, damit sie im Internet Werbung für deren Produkte machen, benötigen möglichst viele Follower, von denen sie viele Likes bekommen. Denen wird es irgendwann nicht mehr ausreichen, von echten Menschen gelobt zu werden und sie werden sich Follower kaufen. Also Fake-Accounts, die durch Botnetze erzeugt werden und die nicht von realen Personen stammen.

Welche Funktionalität dahinter steckt und wer alles daran verdient, las ich unlängst in einem spannenden Artikel auf Vice. Unter der Überschrift »Die Applausfabrik« beschreiben die Autoren der Nachrichtenseite, wie das Belohnungsystem von Facebook und Instagram funktioniert, wer daran beteiligt ist und welche illegalen Wege die Hacker ausnutzen, um Likes und Follower zu »produzieren«.

Übrigens hat Instagram vergangene Woche die Likes für angemeldete Nutzer ausgeblendet. Soll heißen, die Belohnung ist nicht mehr sichtbar, obwohl sie im Hintergrund weiter aufgezeichnet wird. Werden jetzt Millionen von Nutzern die Plattform verlassen? … Willkommen zur nächsten Phase des Psycho-Spiels.