Umweltsünden im Büro

Wir haben einen neuen Leitz-Heftklammerer im Büro. Ich war ganz erstaunt, als mir mein Kollege unlängst vorführte, dass man unterschiedliche dicke Stapel Papier damit heften kann. Einfach die Kassetten mit den Heftklammern wechseln und schon gehts los. Heute war eine der Kassetten leer und ich fragte ihn, wo denn die Heftklammern wären, mit denen man das Ding wieder befüllt. Er sah mich an und meinte, die wird nicht nachgefüllt, die leere Kassette schmeißt man weg.

Ich konnte das nicht glauben, nein, ich wollte es nicht glauben. Das Ding musste doch zum Nachfüllen sein. Niemand konstruiert so etwas Verschwenderisches. Mit irgendeinem Trick musste man das doch öffnen können. Zumindest hab ich es nach einigen Minuten geschafft die Kassette mit einem Schraubenzieher zu öffnen. Aber es war schon schwierig und ging nicht ohne Kratzer ab. Aber als ich dann im Netz nach den passenden Heftklammern gesucht habe … nichts … nothing. Leitz bietet diese Heftklammern nur in den Kassetten an und die haben ihren Preis. 10-15 Euro für 5x 210 Heftklammern. Ein Karton mit 1000 normalen Heftklammern kostet 51 Cents!

Für mich ist das eine absolute Umweltsünde. Das geht eigentlich gar nicht. So praktisch die Kassetten sind, so belastend sind sie für die Umwelt. Ich hab daheim einen großen Heftklammerer, den ich mal bei Pearl gekauft habe, dazu gibt es drei unterschiedliche große Heftklammern. Die kauft man zu 5000 Stück im Karton und füllt sie einfach nach – Gänzlich ohne Plastikmüll und ohne Geldschneiderei.

Converse für Babys

Weil in meinem näheren Umfeld zur Zeit viele Babys zur Welt gekommen und weitere unterwegs sind. habe ich mich mal an einer Anleitung für Baby-Turnschuhe versucht. Ich hatte mehrere Vorlagen im Internet gefunden, aber keine war so richtig passend. Ich habe also so lange probiert, bis ich mir die richtige Häkelvorlage selbst erarbeitet hatte. War ein bisschen mühsam, aber jetzt kann ich die Schühchen auch in verschiedenen Größen häkeln. Als Wolle verwende ich die No.2 von My Boshi, man kann aber anderes ähnliches Baumwollgarn nehmen. Es sollte weicher als übliches Schulgarn und nicht allzu fest sein.

Ich habe sogar mit mehrfarbigen Mustern experimentiert, weil ich die Wollreste verarbeiten wollte. Das ist aufwendiger, hat aber auch geklappt. Die schwarz-weiß-karierten Schühchen sind eine Erinnerung an meine Jugend. Ende der Achtziger hatte ich auf einem Bild in der Bravo meinen Lieblingssänger mit solchen karierten Converse Schuhen gesehen. Natürlich war in der DDR nicht daran zu denken, solche Schuhe zu bekommen. Aber es gab für 12,60 M weiße Basketballschuhe aus Stoff, die so ähnlich aussahen, allerdings ohne den Converse Stern. Ich bat meine Mutter mir solche weißen Turnschuhe zu kaufen und dann druckte ich mittels Kartoffeldruck und schwarzer Farbe, Karos auf die Schuhe. Leider gibt es kein Foto von mir mit den Schuhen.

Wer Interesse an der Anleitung hat, kann sich melden.

Sonniges Wochenende im Alpenraum

Nach einer Woche Kälte, Schnee und Eis kam am Wochenende endlich der Frühling zurück. Wir nutzten das, um einen kleinen Ausflug zu machen. Kontaktlos versteht sich.

Es ist schon ein Privileg, dort zu leben, wo andere Urlaub machen. Man setzt sich nur mal fünf Minuten ins Auto und ist in einer anderen Welt. Leider ist es oft so: wenn man irgendwo wohnt, erkundet man oft weniger Orte, als wenn man als Tourist dorthin kommt. Viele schöne Ecken kennt man einfach nicht, oder man hat vergessen, wie schön sie sind. Dieses Mal war es genauso. Wie oft sind wir schon an Anger vorbeigefahren, wenn wir nach Bad Reichenhall wollten. Wie oft habe ich aus dem Autofenster das Panorama bewundert, das man sieht, wenn man auf der Hügelspitze aus dem Wald kommt. Das unterhalb der Straße ein See und ein altes Kloster steht, habe ich nicht gewusst. Das erfuhr ich erst von unserer Azubine, die dort in der Nähe wohnt.

Auf jeden Fall sind wir am Samstagvormittag zum Höglwörther See gefahren, weil ich gelesen hatte, das es dort einen Wanderweg rund um die See gibt. Am Samstag deswegen, weil da alle beim Einkaufen sind und wir hofften, das nicht so viele Ausflügler unterwegs wären. Was auch der Fall war. Der Parkplatz war mäßig belegt, ein paar ältere Leute liefen dort rum. Ein paar Jogger überholten uns. Ansonsten waren wir so gut wie allein auf dem Rundweg.

Es war schon sehr schön. Vor allem zu dieser Jahreszeit, wo die ersten Blumen im Wald blühen und die Bäume noch ohne Laub sind. Am manchen Stellen lagen noch Schneereste. Die Sonne schien warm, die umgebenden Bergspitzen glänzten weiß und der Himmel zeigte sich im schönsten Blauweiß. Der See war voller Fische, die sich unter der Fußgängerbrücke sammelten. Wahrscheinlich erhofften sie sich gefüttert zu werden. Die kamen ganz nah ran. An einem Ende des Sees ergießt sich eine Wasserkaskade in den See. Dort stand im vorigen Jahrhundert mal eine Mühle und ein Elektrizitätswerk. Jetzt erzählen nur noch Schilder davon. Auf einem der angrenzenden Hügel steht ein Baum, der aussieht wie ein Pudel.

Das Gebäude des alten Klosters steht zwar leer, ist allerdings schön hergerichtet. Die große Wirtschaft mit riesigem Biergarten hat bis auf weiteres wegen Corona geschlossen. Eine Schande, muss man ehrlich sagen. Mit vernünftigen Hygienekonzept steckt sich im Biergarten ganz sicher keiner an. Die Wirtsleute können einem leid tun, die verbrennen jetzt schon monatelang ihr Geld ohne irgendeine Hoffnung je wieder aufmachen zu dürfen. Traurig.

Den Sonntagfrüh nutzten wir für einen Spaziergang rund um Waging. Auch hier zeigte sich die Landschaft verschwenderisch in ihrer Schönheit. Die Bäume öffneten die ersten Knospen, die Berge waren noch verschneit und der See lag wie ein Spiegel zwischen den Ortschaften. Der Veilchenteppich vor unserem Haus leuchtete hellblau und die letzten Krokusse blühten.







 

Ostern in Thüringen

Wir sind an Ostern nach Thüringen gefahren. Meine Eltern sind ja nun schon zwei Mal geimpft und wenn wir dort sind, treffen wir uns schon unter normalen Umständen mit niemandem, während der Pandemie erst recht nicht.

Wir sind ein bisschen spazieren gegangen und haben geschaut, was es neues gibt. Die Stadt hat wieder einen Baum für Ostereier gepflanzt. Nachdem der in der Fußgängerzone radikal beschnitten wurde. Außerdem haben dort irgendwelche Chaoten immer die Eier zerstört. Jetzt wächst ein neuer Obstbaum im Schlossgarten. Noch ist er nicht so groß, das alle 10.000 Eier dran passen, aber mit der Zeit. wird das schon. Am Sonntag habe ich im Garten Himbeeren ausgegraben und umgepflanzt, was mir eine Woche lang Muskelkater beschert hat. Mein Mann hat den Wein und den Schmetterlingsflieder beschnitten.

Die Autofahrt war übrigens wieder super entspannt. Man merkt schon, das es immer mehr E-Autos gibt. Am Freitag in Plech waren die Ladesäulen alle belegt. Als wir kurz vor Mittag ankamen, waren wir zunächst die einzigen. Innerhalb kürzester Zeit kamen immer mehr Autos zum Laden. Unteranderem ein Porsche Taycan, das einzige Auto, das die 350 kW Ladesäule nutzen konnte. Nach einer halben Stunde konnten wir weiterfahren. Wir haben ausgerechnet, dass zu dem Zeitpunkt etwa 700 kW durch die Leitungen gingen.

Rückwärts ging es ohne Probleme. Da war auch weniger Verkehr als am Karfreitag. Es waren überraschend viele Wohnwägen und Wohnmobile unterwegs, obwohl nach wie vor Camping nicht erlaubt ist.

Das Ende der Dunkelheit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 249 – »Blackout Terrania« von Rüdiger Schäfer

Ein vom Mond ausgehender weltweiter Blackout stellt die Terraner vor ungeahnte Herausforderungen. Alle elektronischen Systeme versagen und stürzen die Menschen in die Katastrophe, vor allen in Terrania.
Perry Rhodan muss auf den Mond, um den Urheber des Blackouts, Iratio Hondro, das Handwerk zu legen. Mit Hilfe eines alten chinesischen Jets fliegt er mit Ronald Tekener nach Südamerika und gelangt mittels des dortigen Zeitbrunnens zum Mond. Unterstützung erhält er dabei unter anderem von SENECA, der Bordpositronik der CREST II.
Auf dem Mond trifft Rhodan neben Gucky, Sofgart und Omar Hawk auch auf seine beiden Söhne. Gemeinsam dringen sie in NATHANS Herz vor. Dort hat Iratio Hondro bereits das Nonagon gestartet, um Tihit ins Einsteinuniversum zu holen. Die Terraner greifen den allmächtigen Plophoser an, doch seine Technosporen schützen ihn. Bei dem Angriff wird Farouq Rhodan da Zoltral von Hondro erschossen. Die Situation wendet sich erst, als Sofgart in den Kampf eingreift. Sein Flakon und die drei Tropfen zerstören die Technosporen, nehmen damit Hondro die Macht und beenden den Blackout.
Während Rhodan zögert, den wehrlosen Hondro zu töten, übernimmt das Ronald Tekener für ihn und erschießt den Mann, der seine Schwester und ihn missbraucht hat. NATHAN nutzt das aktivierte Nonagon, um das Dunkelleben endgültig aus der lokalen Blase zu entfernen.
Tage später findet auf dem Mars die Trauerfeier für Rhodans Sohn Farouq statt.

Endlich, so möchte man hinausschreien, hat der Spuk um das Dunkelleben und um Iratio Hondro ein Ende. Der Handlungsbogen erschien mir extrem langgezogen. Das Perry Rhodan den Plophoser nicht töten würde, war zu erwarten. Wie gut, dass man für diesen Fall eine Figur wie Ronald Tekener aufgebaut hat. In dieser Hinsicht hat mich das Staffelfinale nicht verblüfft.

Überraschend dagegen ist der Tod von Rhodans Adoptivsohn Farouq. Natürlich ist sein Tod ein zusätzliches Mittel, um Rhodans Wut gegenüber seinem Gegner zu schüren. Dennoch war eigentlich klar, dass er Hondro kein Haar krümmen würde. Farouqs Tod dient vermutlich auch der Vorbereitung der nächsten Staffel, wenn es um die Unabhängigkeit der Kolonien und des Mars gehen wird. Da stünde der Marsgeborene wohl im Weg. Obwohl er gleichzeitig Konfliktpotenzial geboten hätte. Ich hätte eher Thomas Rhodan geopfert.

Sehr schön erzählt ist die Nebenhandlung über die junge Ärztin Nelly Parks, die zusammen mit einem Patienten durch das stromlose Terrania irrt und zur Helferin für viele Menschen wird. Mit solchen Geschichten kann mich Rüdiger Schäfer regelmäßig begeistern. Auch in diesem Fall ist dieser Handlungsbogen mein Favorit. Allerdings hätte ich mir gewünscht, wenn sie am Ende des Romans ein abschließendes Kapitel bekommen hätte (vielleicht als Prolog). Denn so wird die Handlungsebene mit ihr mittendrin abgewürgt.

Wie bei anderen Staffelenden werden, in mehr oder weniger geglückter Form, einige Charaktere aus der Handlung genommen. Das schlimmste Schicksal ereilt dabei neben Farouq Rhodan Jessica Tekener, der Hondro alle Mentalenenergie entzieht und ihr damit jegliche Erinnerungen und ihre Seele raubt. Sie ist nur noch ein menschliches Wrack, lebendig aber ohne Bewusstsein. Sofgart verliert durch sein Eingreifen das Augenlicht. Der Kreellblock mit dem Leyden-Team ist schwer beschädigt und wird genauso wie Leibnitz und Monade von NATHAN unter Verschluss gestellt.

Ein bisschen hadere ich nach wie vor mit der technischen Erklärung des Blackouts. Die lieferte bereits Rainer Schorm im vergangenen Band. Die These über die Aushebelung des Welle-Teilchen-Dualismus überzeugt mich nicht ganz. Warum sind dann nur die elektrischen Systeme betroffen? Wenn, müsste eigentlich alle Materie auseinanderfallen und jegliche chemische Reaktion betroffen sein. Alle Lebewesen auf der Erde und Mond könnten nicht mehr existieren. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Informationen gewünscht. So habe ich es als gegeben hingenommen, befriedigt hat es mich allerdings nicht. Ebenso wenig wie Perry Rhodans Flug mit dem chinesischen Jet. Dabei war arg viel Zufall im Spiel.

»Blackout Terrania« bringt den langen Handlungsbogen um das Dunkelleben endlich zu Ende. Trotz der unvorhergesehenen Überraschung ist es für mich nicht das beste Staffelfinale, da konnte man in der Vergangenheit schon Bessere lesen. Dennoch haben die Exposé-Autoren die meisten offenen Fäden zusammengeführt und zu einem befriedigenden Abschluss gebracht. Jetzt geht es hoffentlich mit neuen Ideen ins zweiundzwanzigste Jahrhundert.

Winter im April

Das Wetter schlägt Kapriolen. Morgens ist alles weiß, dann scheint wieder die Sonne, der Schnee schmilzt. Plötzlich wird es dunkel und ein Schneesturm bricht herein, so dass man keine zwanzig Meter weit mehr sehen kann. Minuten später herrscht wieder eitel Sonnenschein und blauer Himmel. Verrückt! Der April macht eben was er will.

Auf der Wiese vorm Haus sind die Veilchen eingeschneit. Die Krokusse, die endlich aufgeblüht sind, liegen schon wieder danieder. Die Forsythien-Büsche sind weiß und nicht mehr gelb. Das ist alles schon sehr nervig. Im Winter hätte ich mich echt gefreut über so viel Schnee. Jetzt, im April, nach Ostern finde ich das nicht mehr schön. Zumal ich endlich wieder mit dem Fahrrad auf Arbeit fahren würde, aber bei den Straßenverhältnissen morgens ist das unmöglich. Die Straßendienste scheinen nämlich auch schon ihre Fahrzeuge eingemottet zu haben, denn am Dienstag früh waren die Wege und Straßen eisig, heute morgen dann voller Schnee.

Wenn ich vergleiche, wie schön das Wetter im vergangenen Jahr um diese Zeit war … jeden Tag saßen wir zum Kaffeetrinken draußen auf dem Balkon. Hoffen wir, dass es zumindest am Wochenende schöner wird. Und wir den Geburtstag meines Mannes mit einem schönen Mittagessen auf dem Balkon begehen können. Was anderes ist ja nicht möglich, so lange die Regierenden in Deutschland die Pandemie nur verwalten und nicht bekämpfen. Aber darüber rege ich mich nicht mehr auf. Bringt ja nichts.

NEO Zusatzmaterial

Gestern flatterte mir diese schöne Broschüre aus dem Briefkasten entgegen. Darin geht es um PERRY RHODAN NEO. Viele Leser wünschen sich seit langem Zusatzinformationen zur Serie, da es in den Taschenheften keine Leserbriefseiten und auch keine zusätzlichen Inhalte wie Risszeichnungen und Reports gibt.

Zum bevorstehenden Jubiläumsband 250 und dem zehnjährigen Bestehen der Serie hat die PERRY RHODAN-Redaktion nun diese schöne Broschüre herausgebracht, die allerlei Wissenswertes über die Erde und ihre Kolonien im NEOversum beinhaltet. Das stellare Kompendium gefällt mir dabei besonders gut. Die Sternenkarten zu allen Systemen und die Infos über die jeweiligen Sonnen und Planeten sind richtig toll aufgemacht.

Einziger Wermutstropfen: Ich habe die Broschüre vor Band 249 gelesen und bin massiv gespoilert worden. Eine kleine Warnung wäre nicht schlecht gewesen. Also, wer den NEO 249 noch nicht kennt und sich überraschen lassen will, sollte erstmal die Finger von den 64 Seiten bzw. dem Text über Oxtorne lassen.

F-Diagnosen

Mein geschätzter Kollege aus der SOL-Redaktion, Michael Tinnefeld, hat zusammen mit Uli Bendick einen Kurzgeschichtenband herausgegeben. In dem geht es weitgehend um Psychologie in der Zukunft. Michael hat seinen Beruf als Psychologe mit seiner Science-Fiction-Leidenschaft verbunden und rief 2019 auf ihm Geschichten zum Thema zu schicken. Nach langer gründlicher Überarbeitung erschien nun endlich die von Uli Bendick reich bebilderte Anthologie. Ich selbst habe sie noch nicht gelesen, möchte aber schon mal hier darauf aufmerksam machen.

Im Klappentext heißt es:

Psychische Störungen eröffnen uns einen meist unbekannten, fremden und manchmal bizarren Kosmos.
»Diagnose F« entführt Sie mithilfe von 35 Erzählungen und ebenso vielen Illustrationen in die Welt der seelischen Erkrankungen, deren Symptomen und möglicher Therapien. Die Grafiken stammen von zwei Künstlern, die die Geschichten auf ihre Art grafisch interpretieren. Ein Psychotherapeut diagnostiziert, analysiert und kommentiert jede Erzählung fachlich, sodass eine Verbindung zwischen Science und Fiction hergestellt wird.
Die Kurzgeschichten spielen in naher wie in ferner Zukunft und handeln von einem depressiven Alien, einer paranoiden KI, einem spielsüchtigen Menschen mit Gehirnchip, einem narzisstischen Psychiatrieprofessor, überaus konsequenten Robotern, einem schizophrenen Retter der Welt und vielem mehr.

Das Buch erschien bei AndroSF und ist bei allen Händlern als Paperback, Hardcover und E-Book erhältlich.

Michael Tinnefeld & Uli Bendick (Hrsg.)
DIAGNOSE F
Science-Fiction trifft Psyche
AndroSF 138
p.machinery, Winnert, Februar 2021, 352 Seiten

Nominiert für den KLP

Wow, war das eine Aufregung. Kurz hintereinander bekam ich heute vormittag mehrere E-Mails. Wäre es nur eine E-Mail gewesen, hätte ich den Inhalt für einen vorgezogenen Aprilscherz gehalten, aber so …

… gratulierten mir mehrere Leute zur Nominierung für den Kurd Laßwitz Preis (KLP). Der KLP ist ein Literaturpreis für deutschsprachige Science-Fiction-Literatur, der von SF-Schaffenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben wird. Es gibt 230 Abstimmungsberechtigte, die jedes Jahr die Aufgabe haben, aus einer Liste von Nominierten in verschiedenen Kategorien den Preisträger zu wählen.

Das ich mit der SOL irgendwann mal auf dieser Liste auftauchen würde, hätte ich im Leben nicht gedacht. Zumal PERRY RHODAN in den vergangenen Jahrzehnten immer recht stiefmütterlich behandelt wurde. Aber, es geschehen noch Zeichen und Wunder und ich freue mich riesig über die Nominierung. Das SOL-Redaktionsteam aus Norbert Fiks, Günter Puschmann, René Spreer, Alexandra Trinley und Herbert Keßel übrigens auch.

Ob wir dann den Preis gewinnen oder nicht, ist da fast schon zweitrangig. Allein die Nominierung macht mich schon ein kleines bisschen stolz. Mein Dank gilt denen, die uns vorgeschlagen haben.

Kampf um NATHAN

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 248 – »Kybernetische Brandung« von Rainer Schorm

Beim Durchgang durch den Zeitbrunnen erlebt Gucky die Entstehung von NATHAN. Die Vision zeigt, wie die Fremdmaterie aus dem Creaversum das Posbischiff zum Absturz bringt und sich das Bioplasma mit der exotischen Materie zu etwas neuem transformiert.
Leibnitz und Nike Quinto sind die einzigen, die nach der vollständigen Evakuierung NATHANs auf dem Mond zurückgeblieben sind. Auch Iratio Hondro ist inzwischen auf dem Mond eingetroffen. Nachdem Jessica Tekener ihn mit Hilfe der Technosporen den Weg geebnet hatte, versucht er nun ein weiteres Mal an den Kreellblock heranzukommen, in dem Eric Leyden und sein Team stecken. Auf der Suche nach dem Kreell treffen Leibnitz und Quinto auf eine seltsame Erscheinung, die sich kurz darauf als eine Manifestation von Eric Leyden entpuppt. Der Wissenschaftler ist allerdings nur so etwas wie eine Projektion, hat allerdings hilfreiche Ideen. Bei Erreichen des Kreellblocks ist Hondro schon da. Da tauchen auch die Projektionen von Luan Perparim, Abha Prajapati und dem Kater Hermes auf, die versuchen Hondro aufzuhalten. Der Versuch schlägt fehl und sie verschwinden wieder, genauso wie Leyden.
Gucky, Omar Hawk und der Arkonide Sofgart schlagen sich derweil mit der bewusstlosen Jessica Tekener herum. Hondros Sporen versuchen die Frau erneut zu kontrollieren, was ihnen auch gelingt. Sie entkommt. Dafür treffen die drei den Technoläufer Karel Svoboda, der zu NATHANs Eingreiftruppe gehört. Er unterstützt sie auf dem Weg zu NATHANs Herz, wo Hondro versucht, die Mondintelligenz endgültig unter seine Kontrolle zu bekommen. Was ihm kurzzeitig auch gelingt.
Laura und Sophie Bull-Legacy und Rhodans Söhne Thomas und Farouq versuchen derweil auf dem Mond zu landen, doch Hondro hat mittels der Sporen eine Art Störfeld um den Mond gelegt, das die Positronik jedes Raumschiffes lahmlegt, das sich nähert. Mit Hilfe des MINISTREL können die beiden NATHAN-Interpreterinnen das Feld durchdringen und Kontakt zu Monade herstellen und damit NATHAN »neu starten«. Rhodans Söhne setzen zur Landung an, als das Störfeld kurzzeitig ausfällt. Ob sie rechtzeitig landen konnten oder abgestürzt sind, bleibt ungewiss.
Im Herzen NATHANs entbrennt der Kampf gegen Hondro, an dem Omar Hawk und sein Okrill Watson auf verlorenem Posten stehen. Quinto wurde betäubt, Leibnitz und Monade sind so geschwächt, dass sie nicht helfen können und Gucky kämpft immer noch gegen die Auswirkungen des Zeitbrunnentransits. Seine Parakräfte sind begrenzt. Das Hondro auch die Posbis kontrollieren kann, macht den Kampf nicht einfacher. Am Ende sieht es so aus, als würde Iratio Hondro gewinnen und mit der Erweckung der dunklen Entität Tihit das Leben im Sonnensystem, der Galaxis und im Universum auslöschen.

Puh, das war eine Menge Handlung. Ich hatte das Gefühl, dass der Roman länger war, als üblich. Da passieren viel Dinge gleichzeitig und man ist hin und hergerissen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen. Bei allen möchte man wissen, wie es weitergeht. Das macht die Geschichte unheimlich spannend. Auch die Beschreibungen der Verhältnisse innerhalb des Mondgehirns waren sehr treffend. Ich habe beim Lesen gefroren.

Freunde des technischen Hintergrunds kommen gleich mehrfach auf ihre Kosten. Sei es das »EIS«, das NATHAN zu seiner Verteidigung einsetzt, sei es die stehende Welle, die den Mond umgibt und herannahende Schiffe mit positronischen Schadprogrammen bombardiert, oder sei es die Erklärung um die Projektion des Leyden-Teams, hier lässt sich vortrefflich spekulieren. Das hat der Autor ziemlich gut hinbekommen.

Gut hinbekommen hat er auch die Dialoge zwischen den Figuren. Für seinen Wortwitz ist Rainer Schorm inzwischen bekannt. In dieser Geschichte darf er ihn wieder nach Herzenslust ausleben.

Sehen wir mal davon ab, dass mir Iratio Hondro nach wie vor viel zu übermächtig erscheint, und dass nichts weniger als das Ende des Universums auf dem Spiel steht, hat mir die Geschichte gut gefallen. Die Rückkehr des Leyden-Teams inklusive Kater Hermes, erfreute mich sehr, auch wenn die Freude nur kurz währte. Ob sie je wieder ganz zurückkehren werden, liegt in der Hand der Expokraten.

Mir ist allerdings aufgefallen, dass zwischenzeitlich Absätze bzw. Zusammenhänge in der Handlung fehlen. Zum Beispiel weiß Eric Leyden plötzlich, dass 30 Jahre vergangen sind, ohne das zuvor darüber geredet worden wäre. Es scheint mir, dass das Manuskript massiv gekürzt worden wäre. Wozu die Vision von Gucky am Anfang notwendig ist, ist mir ebenfalls nicht ganz klar. Seine Erkenntnisse haben nicht zur Handlung beigetragen, sie wurde nicht einmal erwähnt. Da der Roman mit einem Cliffhanger endet, denke ich, dass man darauf noch zurückkommen wird.

»Kybernetische Brandung« ist zwar ein sehr technischer Roman, aber ein sehr spannender, der das Staffelfinale auf beeindruckende Weise einläutet.