Jonas‘ Run

Quelle: Amazon

»Flucht ins 23. Jahrhundert« gehört von klein auf zu meinen Lieblings-SF-Filmen. Es war der erste Science-Fiction-Film, den ich gesehen habe. Dieser Tage lief ein Streifen, der eine ganz ähnliche Geschichte erzählt. Ich kenne den Film von 2015 schon länger. Wir haben ihn im DVD-Regal stehen und ihn gestern Abend kurzerhand eingelegt. Der Film basiert auf dem Roman »The Giver« von Lois Lowry aus dem Jahr 1993. Also lange Zeit nach der Erstausstrahlung von »Flucht ins 23. Jahrhundert«. Vielleicht hat sich die Autorin damals von dem Film inspirieren lassen.

Es geht um den Jugendlichen Jonas, der in einer Gemeinschaft in einer weit entfernten Zukunft lebt. In der Siedlung auf einem Felsplateau gibt es keine Armut, keine Gewalt und kein Leid. Alles wird genauestens überwacht und es herrscht durch die Wetterkontrolle immer schönes Wetter. Jeder trägt die gleiche Kleidung, wohnt in den gleichen Häusern und bekommt einmal am Tag eine Zwangsinjektion verabreicht, die Gefühle und das Farbensehen unterdrückt.
Alles ist vorbestimmt, jeder ist gleich und es gibt keine Emotionen. Mit der Geschlechtsreife bekommt jeder seine Aufgabe anhand seiner Fähigkeiten zugeteilt. Kinder werden von Gebährerinnen geboren und anschließend von ausgewählten Paaren aufgezogen. Die Alten und die überzähligen Säuglinge werden nach einer Gedenkfeier »freigegeben«, was nichts anderes bedeutet, als das sie mittels Giftspritze hingerichtet werden. Doch ohne Emotionen, begreift keiner in der Gemeinschaft, was das bedeutet.
Als Jonas zum Nachfolger des Hüters der Erinnerungen bestimmt wird und bei dem alten Mann in die Lehre geht, verändert sich alles. Er erkennt die Wahrheit hinter dem System. Er fängt an seine Welt farbig zu sehen und lässt irgendwann die Injektionen weg. Er möchte seine Erfahrungen mit seinen Freunden teilen, doch die verstehen ihn nicht, weil ihnen die Wahrnehmung fehlt.
Der Vorsitzenden der Gemeinschaft gefällt das gar nicht und sie versucht Jonas‘ Aktivitäten Einhalt zu gebieten. Doch der hat zusammen mit dem Geber, dem ehemaligen Hüter, einen Plan ausgetüftelt, wie sie den Menschen die Emotionen und Erinnerungen wiedergeben können. Dazu flüchtet er aus der Gemeinschaft und macht sich auf den Weg, die Grenze der Erinnerungen zu überschreiten. 

Man könnte den Film bzw. die Romanvorlage als Sozialdystopie bezeichnen. Das Gesellschaftssystem der Gemeinschaft feiert zwar den Erfolg, dass es Armut und Gewalt abgeschafft hat, aber zu welchem Preis. Keine Individualität und keine Emotionen machen die Menschen zu Sklaven ihrer Selbst. Das System betrügt sich und die Menschen, da es sehr wohl den Tod gibt. Um die Überbevölkerung auf dem relativ kleinen Areal zu kontrollieren, werden Säuglinge und alte Menschen getötet. Nebst solchen, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben. Doch weil keiner weiß, was der Tod bedeutet, nimmt es jeder einzelne hin.

Der Roman ist in vielen Schulen in den USA Unterrichtsmittel. Jeff Bridges, der nicht nur die Rolle des Gebers spielt, sondern den Film auch produziert hat, brauchte 18 Jahre, um aus der Buchvorlage einen Film zu machen. Erst nachdem die Studios mit »Harry Potter« und »Die Tribute von Panem« erfolgreich Jugendbücher verfilmten, war der Weg für »The Giver« geebnet.

Bemerkenswert an dem Film ist, wie er mit Farben umgeht. Schwarz-Weiß-Szenen und farbige Aufnahmen wechseln einander ab. Sie zeigen wie Jonas nach und nach die Welt buchstäblich mit anderen Augen sieht. Zusammen mit großartigen Darstellern wie Meryl Streep und Jeff Bridges wird daraus ein sehenswerter Film nicht nur für jugendliches Publikum.

Fazit: Wer »Flucht ins 23. Jahrhundert« mochte, wird an dieser modernen Version ebenfalls seine Freude haben.

Kulinarisches vom Wochenende

Wir haben mal wieder gekocht und gebacken. Und weil ich Freude daran habe, Bilder davon hier zu teilen, mache euch heute wieder den Mund wässrig. Jawoll!

Spargel-Quiche wollte ich schon lange mal wieder machen. Ich hab ewig nach dem Rezept gesucht und es in unserer Ordnung dann doch nicht gefunden, aber wozu gibt es das Internet.
Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man die Quiche mit Blätterteig macht statt mit Mürbeteig. Es geht auch schneller. Nur Eier, Sahne und Gewürze verquirlen, zu dem gekochten Spargel geben und backen. In dieser Version habe ich noch geräucherten Lachs hinzugefügt, den kann man aber auch weglassen, dann ist es völlig vegetarisch.

Vegetarisch ist auch die Pasta mit Spinat und Weißwein-Gorgonzola-Soße. Von mir noch verfeinert mit frischen Kirschtomaten.
Wenn man frischen Spinat verwendet, sollte das unbedingt Babyspinat sein. Meiner war schon etwas größer. Der wird dann nicht richtig weich, weil man ihn frisch in die fertige Soße gibt und nur mal kurz mit aufkocht. Geschmeckt hat es trotzdem.

Zum Kaffee gab es Mohn-Rührkuchen mit Buttercreme und gerösteten Haferflocken. Dazu habe ich dieses mal das Müsli von meinem Mann verwendet. Die Rosinen habe ich aber vorher rausgelesen, die wären beim Karamellisieren der Haferflocken verbrannt. Dafür habe ich im Teig Mandarinenstückchen versteckt, hat man aber kaum gemerkt. Da hätte ich doch die ganze Dose reingeben können.

Ach, ja und weil die Frage kam: was wir mit der Hefe machen? So ein schönes Kastenbrot gibt es bei uns jede Woche. Leinsamen und Sesam sind immer drin und jede Woche kommt eine Extra-Zutat wie Sonnenblumen- oder Kürbiskerne oder Hanfsamen hinzu. Nein, von Letzterem wird man nicht berauscht.

Wie konnten wir nur erwachsen werden?

Verkehrstote in Deutschland Quelle: »Früher war alles schlechter« Autor: Guido Mingels

… Diese Frage stellte unlängst mein Mann. Ausgangspunkt war ein Foto in der Auto-Bild. Es zeigte eine Familie in einem PKW Ende der Siebziger: Keine Knautschzone, keine Airbags, nicht einmal Gurte.

Wenn ich meine Kindheit mit der der heuten Kinder vergleiche, stelle ich fest, dass es damals viele potentielle Gefahren gab, die ich nicht wahrgenommen habe. Die niemand so richtig wahrgenommen hat und die auch keinen interessierten.

Angefangen beim Verkehr. Selbst als 1984 die Gurtpflicht eingeführt wurde, galt die nur für Fahrer und Beifahrer. Trabbis hatten auf der Rückbank keine Gurte und die wenigsten PKWs in Westdeutschland ebenfalls. Ich schlief und spielte auf der Rückbank, ohne Gurt und ohne Kindersitz. Wir sind so bis an die Ostsee gefahren und zurück. Manche sogar bis an den Balaton. Wir haben es überlebt.

Fahrradhelm? Das trugen doch nur Radprofis. Wir Kinder radelten in der Gasse auf und ab und wenn wir hinfielen, hatten manche eben ein Loch im Kopf. Das wurde geflickt und weiter ging’s. Heute würde man unsere Eltern leichtsinnig nennen, damals war das völlig normal. Tödliche Radunfälle gab es häufig, nur hat man das hingenommen.

Auch wenn viele es bestreiten, die Luftverschmutzung war damals deutlich schlimmer als heute, nicht nur im Osten. Ich erinnere mich gut an den Smok im Winter, wenn die Abgase der Kohleheizungen wie rötlicher Nebel über der Stadt lagen und man kaum atmen konnte. Oder ich die Farbdämpfe aus der Druckerei auf der anderen Straßenseite schon auf dem Nachhauseweg von der Schule riechen konnte. Dass war für uns Kinder sicher nicht gesund. Und dann die Raucher. Überall wurde geraucht. Da gab es keine Frage, ob Kinder in der Nähe waren oder nicht. Die Leute steckten sich einfach ihre Zigaretten an und pafften ohne Rücksicht. Sogar die Lehrer auf dem Schulhof. Und … keinen hat es gestört.

Menge der radioaktiven Partikel in der Atmosphäre Quelle: bsf.de

Selbst mit Radioaktivität ging man damals sorgloser um, nicht nur in der DDR. Als 1986 der Reaktor in Tschernobyl explodierte, bekamen wir das nur über die Nachrichten im Westfernsehen mit. Hinterher gab es plötzlich viel mehr Gemüse in den Geschäften. Warum? Weil die westdeutschen Händler ihr belastetes Gemüse nicht losbrachten, verkauften sie es an den Osten. Hat es uns geschadet? Ich hoffe nicht. Verglichen mit dem, was in den Sechzigerjahren an radioaktiven Stoffen in der Atmosphäre herumschwirrte war Fukushima ein Klacks. Würde heute etwas Vergleichbares passieren, dürften Kinder wahrscheinlich nicht mal mehr vor die Tür und wenn, dann nur im Schutzanzug.

Ähnlich wurde mit Epidemien oder Pandemien umgegangen. Hätte mich vor einem Monat jemand gefragt, ob ich schon mal was von der Hong-Kong-Grippe gehört habe, ich hätte ahnungslos mit den Schultern gezuckt. Die Ende der sechziger Jahre grassierende Grippe-Pandemie führte zu einer Übersterblichkeit in Deutschland von 40.000 Menschen. Gab es damals Maskenpflicht und Ausgangssperren? Nein, und das, obwohl die Krankenhäuser im Westen wie im Osten an ihren Grenzen kamen. Die damalige Regierung nahm es wie eine Naturkatastrophe hin und setzte auf Herdenimunität. Keiner beschwerte sich darüber, nicht mal die Medien berichteten groß davon. Für die waren die Studentenproteste der 68er wichtiger.

Eines steht fest, das Leben war früher viel gefährlicher als heute, vor allem für Kinder. Wir streben nach immer mehr Sicherheit und immer weniger Risiko. Natürlich wollen Eltern für ihre Kinder Sicherheit. Es ist nachvollziehbar. Die Frage ist allerdings, ob jemand der zu behütet aufwächst, später mit gefährlichen Situationen klarkommt oder sie richtig einzuschätzen weiß?

Fazit ist: ich bin trotz aller Gefahren groß geworden und andere auch. Man kann Risiken minimieren, aber niemals völlig eliminieren. Ob man dazu immer strengere Gesetze braucht, sei dahingestellt. Manchmal reicht es vielleicht auch einfach, vorsichtig zu sein. Doch dazu muss man die Gefahren kennen.

Cocooning 2.0

Zum Begriff: »Cocooning« hat nichts mit dem SF-Film »Cocoon« aus den Achtzigern zu tun, in dem ein paar Rentner durch außerirdische Kokons in einem Swimmingpool verjüngt werden. Der Film zählt immer noch zu meinen Lieblings-SF-Klassikern, weil die Aliens den Menschen freundlich gesinnt sind.

Der Begriff »Cocooning« stammt ebenfalls aus den Achtzigern und beschreibt einen Trend zum Rückzug in die eigenen vier Wände. Das Phänomen trat meist nach großen Krisen auf. Zum Beispiel nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 oder der Wirtschaftskrise 2008. Die Menschen besannen sich auf ihr Zuhause und richteten sich dort gemütlich ein. Sie gaben ihr Geld nicht für Reisen in ferne Länder aus, sondern kauften Möbel, Heimtextilien und Haushaltsgeräte. Das machte sich bei den Herstellern sowie den Möbel- und Küchenhäusern überproportional bemerkbar.

In den nächsten Monaten erwarte ich eine ebensolche Welle. Mehr als bei den vergangen Ereignissen haben sich die Menschen während der Corona-Krise daheim eingeigelt. Es wurde verstärkt selbst gekocht und das Home-Cinema genutzt. Der Home-Office-Boom führte bereits dazu, dass bei den Computerherstellern die Laptops knapp wurden. Der Trend wird sich fortsetzen, zumindest so lange wie die Leute noch Geld haben.

Dass auch mehr selbst gehandwerkelt wird, merkten vor allem die Baumärkte. Zumindest in den Bundesländern, in denen sie im März und April öffnen durften, wie beispielsweise in Baden Württemberg. Der Neffe meines Mannes berichtete, dass der Baumarkt in dem er arbeitet in den paar Wochen mehr Umsatz gemacht hat, als im ganzen Jahr 2019.

Wir haben uns dem Trend angeschlossen und über Ostern unser WC neu gefliest. Eigentlich wollten wir das erst jetzt im Mai machen, aber da mein Mann ohnehin zu Hause bleiben musste, zogen wir es vor. Zum Glück hatten wir Fliesen und Kleber schon im Januar gekauft. Das Fugenweiß kaufte ich dann mit Hilfe meines Chefs beim hiesigen Baumarkt. (Dort durften in den vergangenen Wochen nur Handwerker einkaufen.)

Komplett neu gefliest haben wir nicht. Die Vorbesitzer hatten nur halbhoch fliesen lassen, was uns a nicht gefiel und b Mehrarbeit durch Streichen bedeutete. Außerdem wollte ich schon immer eine Mosaikbordüre haben. Also kauften wir Mosaik und passende Fliesen. Was gar nicht so einfach war, weil es die Größe kaum noch gibt. Wir hatten Glück und ergatterten die letzten fünf Kartons, die bis auf eine Fliese aufgegangen sind.

Nachdem wir schon nach dem Einzug in der Küche drei Fliesen selbst gesetzt hatten, trauten wir es uns zu das selbst zu machen. Mein Vater ist Fliesenleger. Ich war oft genug mit ihm auf der Baustelle und weiß ungefähr auf was es ankommt. Und wir hatten tatkräftige Unterstützung durch meinen Schwager, der eigentlich Heilpraktiker ist, aber viel Erfahrung als Hobbyhandwerker hat.

Es ist echt schön geworden und vor allem das Mosaik aus Mamor mit bunten Glassteinchen macht richtig was her.

Rosenhochzeit

Die Temperaturanzeige im Auto zeigte heute Mittag sieben Grad Celsius an. Damit war es heute genauso kalt wie vor zehn Jahren. Damals hatte wenige Wochen zuvor ein Vulkanausbruch den Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Was sich an klarerer Luft und tieferen Nachttemperaturen bemerkbar machte.

Warum ich dass noch so genau weiß. Wir haben heute vor zehn Jahren geheiratet und zwar unter Tage in den Feengrotten. Da war es mit zehn Grad sogar einen Ticken wärmer als draußen. Dafür regnete es wenigstens nicht, so wie heute.

Eigentlich wollten wir unseren Ehrentag groß begehen, mit einem Ausflug und lecker Essengehen. Das geht ja aus bekannten Gründen nun leider nicht. Also waren wir nur kurz in Traunstein im Biomarkt. (Ich zum ersten Mal mit Maske. Ich will das hier nicht ausweiden, aber es war eine Erfahrung, auf die ich lieber verzichtet hätte.) Anschließend holten wir bei unserem Lieblings-Griechen das bestellte Essen ab und fuhren wieder nach Hause. Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen und heute Abend einen schönen Film.

Von meinem Mann bekam ich einen schönen Blumenstrauß und zwei CDs mit Filmmusik. Ich schenkte ihm ein Raumschiff.

Boomt jetzt die Science Fiction?

Seit Wochen müssen viele Leute mehr Zeit zu Hause verbringen. Eigentlich die Gelegenheit mal wieder zu einem guten Buch zu greifen. Eigentlich!

Wie ich an mir selbst feststelle, ist das nicht so einfach. Irgendwie scheint alles in der Banalität zu versinken. Krimis, Liebesromane oder Gegenwartsliteratur, das alles hat nicht mehr viel mit der Realität um uns herum gemein. Wir leben in einem Science-Fiction-Thriller. Aber genau da könnten die Antworten liegen, auf die Fragen, die wir uns stellen.

Diese Woche erschien in »Die Zeit« ein Artikel über Science Fiction. Der Autor geht zwar hauptsächlich auf Filme ein, SF-Literatur scheint er nicht nicht so richtig viel gelesen zu haben, aber er kommt zu einem interessanten Schluss. Nämlich das die Science Fiction schon immer Wege bzw. Auswege aufgezeigt hat, die uns helfen könnten, die Wirklichkeit zu verändern.

Neben dem Artikel finde ich die Diskussion unter den Lesern spannend. Sogar Hartmut Kasper, einer der Exposé-Autoren der PERRY RHODAN Serie kommentiert mit. Klar, gibt es auch hier wieder die obligatorischen Trolle, aber man sieht doch recht deutlich, dass sich sehr viele Menschen für phantastische Literatur interessieren oder früher gelesen haben.

In der Apokalypse so scheint es, finden die Menschen zu einem Genre zurück, das in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Deutschland vom Feuilleton nur müde belächelt wurde. Vielleicht ist vielen einfach bewusst geworden, dass manches Zukunftsszenario doch nicht so weit hergeholt erscheint.

Ich würde mir zumindest wünschen, dass der Science Fiction als Literaturgattung auch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit und Achtung geschenkt würde. Denn dort wurde bereits vieles vorausgedacht, was in naher Zukunft Wirklichkeit werden könnte.

Zwischen Wahrheit und Verschwörung

Obwohl ich es geahnt hatte, überrascht mich dann doch die Intensität, mit der die Leute gegen die Entscheidungen der Regierung aufbegehren. Anfangs habe ich mich gewundert, dass alle so ruhig blieben, sogar oder vor allem die Fronten des rechten Spektrums.

Nicht, dass ich es gut heiße, wenn sich tausende ohne Schutzmasken oder in zu geringem Abstand zu Demonstrationen versammeln. Das ist idiotisch und brandgefährlich. Aber ich habe damit gerechnet. Die Intensität und der krude Mix aus rechten und linken Gruppierungen, die da mitmischen, irritiert mich dann allerdings doch.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und mich über einige der kursierenden Verschwörungstheorien informiert. Das ist ganz schön krudes Zeug, was da verbreitet wird. Bill Gates, der die Weltherrschaft anstrebt, echt jetzt? Achtung! Es folgt eine nicht ernst gemeinte Bemerkung: Im Grunde hat er die doch durch die Dominanz von Windows schon längst.

Ich glaube nicht, dass hinter der Pandemie eine wie auch immer geartete Macht steht, die das minutiös durchgeplant hat, um die Welt ins Verderben zu stürzen. Ich glaube eher, dass es eine Mischung aus Ignoranz, Leichtsinn und Schlamperei war, die zur unkontrollierten Ausbreitung des Virus führte. Kein Mensch und auch keine Institution wäre in der Lage ein so hochkomplexes Szenario zu planen und durchzuführen. Vor allem zu welchem Zweck sollte das jemand tun. Um Geld zu verdienen? Da gibt es einfachere Methoden, die vor allem die Sicherheit bieten, nicht selbst Schaden zu nehmen. Die Anzahl der Bevölkerung zu dezimieren? Da gäbe es viel gefährlicher Viren. Nein, es steckt weder eine Person, noch eine K. I. oder irgendeine Institution dahinter.

Es war vorhersehbar, dass die Angst der Menschen von Verschwörungstheoretikern ausgenutzt werden würde. Dass sich diverse politische Fraktionen dranhängen, um ihre widerliche Hetze zu verbreiten und um auf Wählerfang zu gehen, war eigentlich auch zu erwarten. Warum so viele eigentlich vernünftige Leute dort mitmachen, erklärt sich meiner Meinung nach durch die verwirrende Informationspolitik und die mediale Überflutung.

Wenn jede Woche ein neuer Statistikwert ausgelobt wird, wenn sich Aussagen widersprechen, wenn Zahlen präsentiert werden, deren Herkunft nicht glaubhaft begründet werden kann, dann folgt daraus Verunsicherung. Und wenn sich das über Wochen fortsetzt und die Widersprüche täglich mehr werden, kann man sich bisweilen schon veralbert vorkommen.

Die wenigsten von uns haben je eine Vorlesung in Statistik besucht. (Ich hatte leider das zweifelhafte Vergnügen. Zweifelhaft deshalb, weil ich diese Art der Mathematik furchtbar fand, beinahe so schlimm wie Numerische Mathematik.) Die meisten wissen daher nichts über die Tücken, die Statistiken so mit sich bringen und dass an dem Spruch: »Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« durchaus was dran ist. Statistik ist kompliziert und funktioniert nur bei großen Zahlen hinreichend zuverlässig. Aber das wissen viele nicht und kaum einer erklärt es richtig, vielleicht weil man glaubt, das normale Menschen es nicht verstehen würden.

Und genau da liegt das Problem. Viele Menschen fühlen sich in ihrer Angst und Unsicherheit von den Regierenden nicht ernst genommen. Mehr noch, sie fühlen sich getäuscht. Sie wollen an die Hand genommen und nicht in Zahlen erstickt werden. Sie möchten verstehen, warum und weshalb diese Beschränkung notwendig ist und jene nicht. Warum manches erlaubt wird und anderes nicht. Ich glaube es ist gerade der Wirrwarr über die Lockerungen, der die Leute auf die Palme bringt.

Ganz ehrlich, ich blicke momentan auch nicht mehr durch, was erlaubt und was verboten ist, weshalb ich einfach so weitermache wie in den vergangenen Wochen und auf Abstand bleibe. Andere denken, sie können jetzt wieder so leben wie zuvor und das finde ich gefährlich. Lockerungen sind gut, aber sie sollten sinnvoll und durchdacht sein. Nicht, wie zum Beispiel, dass man wieder zum Einzel-Training beim Personal Trainer gehen kann, sich aber nach dem schweißtreibenden Training dort nicht duschen darf. Obwohl keine weiteren Personen anwesend sind. Oder das Fußball gespielt werden darf, Golf aber nicht.

Wie gesagt, es wundert mich nicht, wenn Angst und Unsicherheit der Leute ausgenutzt werden, um Verschwörungstheorien zu verbreiten. Ich glaube jedoch, dass Schlimmste was man tun kann, ist diejenigen, die daran glauben, als Idioten zu beschimpfen. Denn dann fühlen sie sich bestätigt und werden erst recht daran glauben.

Adelsroman trifft Formel 1

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 225 – »Der neue Imperator«

Mit der MAGELLAN und einer Flotte aus 200 Raumschiffen trifft Mascudar da Gonozal im Arkon-System ein und beansprucht den Thron des Imperators. Der ist nach dem Putsch auf Emthon V. nach wie vor unbesetzt. Die Imperatrice befindet sich auf der MAGELLAN im Koma und soll nach ihren Aufwachen verurteilt werden.
Mascudars Sohn Atlan verhilft seinem Vater auf dem Thron, unteranderem weil er die Intrigen von Haushofmeister Gemlin da Hozarius zu durchkreuzen weiß. Seiner Partnerin Mirona Thetin gefällt Atlans Wandlung nicht. Sie übt Kritik und wirft ihm vor, mit seinem Vater jenes totalitäre Regime auf Arkon zu errichten, was er ihr zuvor in Andromeda entrissen hat.
Ein Gleiterrennen entscheidet über den Erfolg der beiden da Gonozals.

Wahrscheinlich gibt es niemanden, der diese Geschichte treffender hätte erzählen können als Susan Schwartz. Bereits in Band 117 »Exodus der Liduuri« zeigte sie, wie gut sie Familiengeschichten erzählen kann. Ihre langjährige Erfahrung in der Erstauflage hilft ihr sicher auch, sich in das »Spiel der Kelche« auf Arkon hinzuversetzen. Manch hartgesottener Science-Fiction-Fan wird aber bei dem Roman an seine Grenzen kommen. Denn so gut wie die Intrigen am arkonidischen Hof auch erzählt werden, desto weniger schreitet die kosmische Handlung voran.

Es las sich stellenweise schon ziemlich zäh. Da ich ohnehin nicht so viel mit der arkonidischen Kultur anzufangen weiß, musste ich mich mitunter durch den Text kämpfen. Ohne Frage, das ist alles gut erzählt – stellenweise vielleicht ein bisschen zu detailverliebt – aber es ist nicht das, was ich mir unter einem NEO-Roman vorstelle. Dieses ganze höfische Brimborium, die Intrigen, Affären und Rituale, vor allem aber die vielen Namen … so stellt man sich eher einen Adelsroman vor, als eine SF-Geschichte. Abwechslung verspricht das Gleiterrennen, das in all seinen Klischees zu sehr an ein Formel 1-Rennen erinnert, nur eben in drei Dimensionen.

Mein größtes Problem ist allerdings ein anderes. Ich begreife nicht, wie Atlan mit seiner zehntausendjährigen Erfahrung das Auftauchen seines Vaters und dessen Beweggründe den Thron zu besteigen, so vorbehaltlos hinnimmt. Ihn dabei sogar aktiv unterstützt. Kann jemand wirklich von seinen Gefühlen so geblendet sein? Das Wiedersehen mit seinem Vater hat den Arkoniden buchstäblich auf links gekehrt. Er denkt zwar hin und wieder darüber nach, was seine terranischen Freunde Perry oder Gucky dazu sagen würden, aber er hinterfragt sein eigenes Tun nicht. Er nimmt sogar den Konflikt mit seiner geliebten Mirona in Kauf. Die Liduuri ist die einzige, die sich Fragen stellt und die nicht gut findet, was Atlans Vater plant. Und das nicht nur, weil Mascudar keine Frauen in Ämtern mag, sondern weil sie auf lange Sicht ihr eigenes Imperium in Andromeda gefährdet sieht. Da fehlt mir einfach ein bisschen mehr Informationen über Atlans Motivation.

Ist es ja nicht so, dass im Roman nicht gefragt wird, woher das Duplikat von Mascudar da Gonozal stammt. Da es zu seiner Inthronisierung weder die Elysische Welt gab und noch wie damals eine Schablone angefertigt worden sein kann. Es muss später geschehen sein, denn Atlans Vater erinnert sich daran bereits viele Jahre Imperator gewesen zu sein. Es stellt sie die Frage, ob da nicht doch die Allianz (oder zumindest das, was davon übrig ist) dahinter steckt, oder ob sich hier ein neuer-alter Feind verbirgt. Obwohl Mascudar alles andere als wie eine Marionette daherkommt. Wir werden sehen, wohin sich das im Laufe der Staffel entwickeln wird.

Überraschend war zumindest das Auftauchen eines weiteren bekannten Arkoniden. Ich bin gespannt, ob wir im jungen und spielsüchtigen Gaumarol da Bostich nicht schon den zukünftigen Herrscher Arkons erleben durften.

»Der neue Imperator« ist der erste Adelsroman innerhalb der NEO-Serie. Wobei das jetzt nicht abwertend gemeint ist. Wen das »Spiel der Kelche« fasziniert, dem wird die Geschichte sicher gut gefallen. Sie bietet mal nicht das gewohnte kosmische Abenteuer.

Malbücher für Männer

Es gibt echt nichts, was es nicht gibt.

Das Malbücher für Erwachsene schon lange Trend sind, ist nicht neu. Früher hat man, korrigiere: meist Frau, Mandalas gemalt. Inzwischen gibt es wirklich schöne Bücher zum Ausmalen. Als Kind wäre ich höchst verzückt gewesen. Deshalb bin ich vor längerer Zeit schwach geworden und hatte mir auch mal eins gekauft. Ausgemalt habe ich gerade mal eine halbe Seite. Dazu braucht es Zeit, die ich einfach nicht habe. Außerdem muss ich zugeben, dass mich ausmalen nicht so befriedigt, wie ein weißes Blatt Papier mit einem Bild zu füllen, das aus meinem eigenen Kopf stammt.

Gestern habe ich beim Stöbern im Onlinekatalog meines derzeit bevorzugten Buchhändlers zwei Malbücher gefunden, bei deren Titeln mir kurzzeitig der Atem stockte. Ich habe mit dem derzeitigen Feminismus- und Genderwahn eigentlich nichts am Hut, und bin allein durch meine Arbeit in einem Handwerksbetrieb so einiges gewohnt. Aber das hat mich dann doch umgehauen.

Es gibt Malbücher in denen Männer Frauenbrüste ausmalen können. Mal davon abgesehen, dass das schon irgendwie ein bisschen pervers klingt, frage ich mich ehrlich: welcher Mann macht das? Welcher Mann setzt sich hin und malt Bilder von nackten Frauen aus? Und wo? Im heimischen Haushalt bei Frau und Kind sicher nicht. Singlemänner malen höchstens echte Brüste an. Wobei … wenn ich da an die ganzen Nerds denke, kann ich mir das dann doch irgendwie vorstellen.

Also mein Mann würde wahrscheinlich lieber Autos ausmalen oder Raumschiffe.

Filterblasen, Brandbeschleuniger & Murphys Gesetz

Murphys Gesetz: »Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.« Verallgemeinert gesagt: wenn eine Situation bereits schlimm ist, wird sie sich weiter verschlimmern.

In den Neunzigern glaubte ich an eine positive Zukunft. Das wir es als Menschheit irgendwie hinbekommen würden, friedlich zusammenzuleben. Das wir auf der Erde soetwas erschaffen würden, wie die Föderation bei Star Trek. Doch je älter ich wurde und je mehr Zeit verstrich, desto mehr wurde mir klar, das dies nicht passieren wird. Im Gegenteil, wir werden unseren Planeten und die Menschen, die darauf leben, weiter ausbeuten, ohne dass wir aus der Geschichte lernen. Wir sind Menschen. Und Menschen sind träge. Da braucht es schon einer gewaltigen Katastrophe oder eines ähnlichen Umstands, dass wir in unserem Tun innehalten und aufschauen.

Viele sehen in der aktuellen Pandemie diesen Wendepunkt. Sie glauben, dass es uns als Menschheit näher zusammenbringt und wir verbessert aus der Krise hervorgehen werden. Ohne Zweifel werden uns die Geschehnisse des Jahres 2020 verändern. Doch in welche Richtung werden wir gehen? Angesichts meiner Erfahrungen glaube ich nicht, dass uns das Virus zusammenführen wird. Im Gegenteil es bringt uns weiter auseinander, sowohl körperlich durch das »social distancing« als auch gedanklich.

Wir alle leben in unseren Filterblasen. Keiner kann von sich behaupten, dass er den kompletten objektiven Überblick über die Geschehnisse in der Welt hat. Viele Dinge sind global miteinander verknüpft, ohne, dass wir das als einzelner Mensch in aller Gesamtheit erfassen können. Wir sehen nur einen Teil, und zwar den Teil, der uns in der Realität umgibt und den Teil, den wir mit den Nachrichten in uns aufnehmen. Wir gleichen ab, was wir sehen und hören, mit dem was wir real erleben. Wenn die Wahrnehmungen nicht übereinstimmen, dann versuchen wir es in Übereinstimmung zu bringen, indem wir Meinungen suchen, die mit unserer Realität konform gehen. Das kann die Wahrheit sein, oder auch nicht. Es bedarf eines persönlichen Eindrucks oder eines essentiellen Beweises, um uns vom Gegenteil zu überzeugen.

Wir glauben vieles erst, wenn wir es persönlich sehen und erleben. Und da liegt die Krux. Einer glaubt an Gott, ein anderer nicht. Für einen ist die Wissenschaft festgeschriebenes Gesetz, für einen anderen ist sie eine flexible Größe. Jeder sammelt andere Erfahrungen und jeder zeichnet sich sein eigenes Bild. Das führt im geringsten Fall zu Missverständnissen und schlimmstenfalls zu tätlichen Auseinandersetzungen.

Was wird das Virus aus uns machen? Werden wir näher beisammenstehen oder uns weiter voneinander entfernen? Sigmar Gabriel bezeichnete die Pandemie als Brandbeschleuniger, der Konflikte schneller eskalieren lassen wird, aber auch bereits angestoßene Konzepte beschleunigt. Die Telearbeit zum Beispiel, das bargeldlose Bezahlen, automatische Kassen in Supermärkten, all das wird schneller kommen.

Auf gesellschaftlicher Ebene wird es uns Menschen entzweien, in jene die profitieren und die die Schaden nehmen. Es hat schon begonnen. Und zwar zwischen denen, die die Wirksamkeit der Maßnahmen uneingeschränkt befürworten und jene, die sie hinterfragen. Es wird ein Riss durch die Gesellschaft gehen. Ein Riss, der vielleicht schon zuvor latent vorhanden war. Freundschaften und Allianzen werden zerbrechen, global wie im Privaten.

Die Welt wird 2021 eine andere sein, so viel steht fest. Ich glaube nicht, das es eine bessere Welt sein wird. Viele von uns werden einsamer sein und distanzierter. Manchem wird es elend gehen und manchem nicht. Wir sind zwar vor dem Virus alle gleich, aber es wird uns ungleicher machen. Und wir müssen uns darauf einstellen, die eine oder andere Freundschaft zu verlieren.