Gaumenfossilien 2

Und wieder wurde ein Produkt vom Markt genommen, das ich sehr geschätzt habe. Ich esse gern Spargel und dazu esse ich hin und wieder gern eine gute Sauce Hollandaise. Diese selbst zu machen ist ziemlich aufwendig und gelingt nicht immer, weshalb ich in dem Fall gern auf Fertigsauce zurückgegriffen habe, auch wenn ich das üblicherweise vermeide.

Pünktlich zur Spargelsaison kam immer die Sauce Hollandaise von Knorr in die Regale der Supermärkte. Ursprünglich ist die Soße von Unox (Unilever) produziert worden. Als 2001 Unilever Best-Foods übernommen hat, zu dem auch Knorr gehörte, wurde sie unter der Marke Knorr vertrieben, offenbar weil der Name in Deutschland populärer war. Im Gegensatz zu der Hollandaise von Thomy schmeckte die Soße von Unox/Knorr tatsächlich wie selbstgemachte Hollandaise. Ich nahm sie nicht nur für Spargel her, sondern auch zu Pasta, verfeinert mit Zitronenpfeffer und Kirschtomaten.

In diesem Frühjahr suchte ich die Sauce vergeblich. In keinem Supermarkt war sie zu bekommen. Meine Recherche erbrachte, dass ich nicht die einzige war, die die Soße vermisste. In einer Antwort auf die Nachfrage einer Kundin antwortete man bei Unilever: »Dass Sie unsere Sauce Hollandaise nicht finden konnten, liegt daran, dass Ihr Lieblingsprodukt ausgelistet wurde. Eine Auslistung erfolgt z.B. aufgrund einer veränderten Kundennachfrage oder aufgrund von Änderungen im Produktportfolio.«

So, so veränderte Kundennachfrage also. Man könnte vielleicht denken, dass die nicht ganz kalorienarme Soße von vielen Kunden als zu ungesund angesehen wurde, weshalb viele sie nicht mehr kauften. Das ist Quatsch. Wahrscheinlich ist es vielmehr so, dass es das Produkt noch gibt, es aber unter einem anderen Namen und erheblich teurer verkauft wird. Die Sauce Hollandaise von Lukull (ebenfalls eine Marke von Unilever) schmeckt identisch, steckt in einer ähnlichen Verpackung, kostet aber erheblich mehr. (1,29 EUR zu 2,49 EUR) Die Soße gibt es schon seit einigen Jahren. Finden kann man sie im höherpreisigen Lebensmittelhandel im Feinschmecker-Regal.

Man kann verstehen, dass es sich ein Konzern nicht leistet, ein gleiches Produkt unter zwei verschiedenen Marken zu vertreiben. Aber das, was Unilever gemacht hat, ist nicht nur eine Form der Marktbereinigung, sondern auch der versteckten Preiserhöhung. Bei Change.org wurde eine Petition gestartet, bei der sich inzwischen über 2600 Leute beteiligt haben. Wem die Sauce Hollandaise von Knorr ebenfalls fehlt, der kann ja dort unterschreiben. Ich habe das jedenfalls getan, auch wenn ich nicht glaube, dass sich etwas ändert. Aber man soll die Hoffnung bekanntlich nicht aufgeben. Bis dahin greife ich eben tiefer in die Geldbörse und kaufe die Sauce Hollandaise von Lukull.

Vielbeschäftigt

Momentan ist einiges los, deshalb ist es hier etwas ruhiger. Es kumuliert mal wieder alles, da durch meinen Urlaub vieles liegengeblieben ist. Die SOL 115 ist in Vorbereitung, die FanEdition 25 muss fertig redigiert werden, dazu kam der Abgabetermin für meine Kolumne in der PERRY RHODAN-Hauptserie (Erstauflage kann man ja nicht mehr sagen, weil es nur noch eine Auflage gibt und diese Tatsache für einige Leser verwirrend wäre.) Und ich muss noch was für das Conbuch schreiben. Da bin ich ziemlich hintendrein. Positiv ist, meine Steuererklärung hatte ich schon im April gemacht, jetzt muss ich aber noch die für meine Eltern machen. Einerseits ist es schön, immer irgendwie beschäftigt zu sein, andererseits ist das schon Freizeitstress.

Dazwischen war ich wieder in Thüringen und habe mich über die Deutsche Bahn geärgert. Beziehungsweise über die knappen Umsteigezeiten, bei denen man von Bahnsteig zu Bahnsteig hetzen muss. Da passierte es dann am Freitagmorgen, dass ich beim Umsteigen in Nürnberg in der Unterführung mal Probe gelegen habe. Und das nur, weil so ein Typ meinte, er müsse in der Unterführung rumstehen, obwohl sich die Leute dort auf die Füße getreten sind. Just in dem Moment, in dem ich an ihm vorbeiging, hat er sich umgedreht und das Bein zur Seite gesetzt. Mir natürlich direkt vor die Füße und patsch lag ich da. Zum Glück bin ich halb auf meinen Koffer gefallen. Aber meine Knie sind nach wie vor gelbgrün. Der Typ hat mir anschließend nicht mal aufgeholfen, auch keiner von den Passanten, die haben nur doof geguckt. So etwas ist auch echt peinlich. Also Vorsicht bei Leuten, die in Unterführungen stehenbleiben.

Die Rückfahrt war wieder chaotisch. Erst bekam ich einen Tag vorher eine E-Mail, dass mein Zug in München ausfällt und der nächste Zug erst eine halbe Stunde später fährt. Daraufhin wollte ich einen Zug früher mit dem IC fahren, bei dem ich nur einmal in Ansbach umsteigen muss. Das Problem war, dass die Zugbindung offensichtlich erst ab einer Stunde Verspätung aufgehoben wird.

Ich bin trotzdem aufs Geratewohl zum Bahnhof aufgebrochen. In dem Moment als ich durch die Haustür trat, fing es an zu regnen. Zum Glück habe ich unseren Nachbarn getroffen, der gerade ins Auto steigen wollte. Der hat mich zum Bahnhof gefahren, wo ich der Bahnbeamtin in die Arme gelaufen bin, die ich dort schon seit vielen Jahren kenne. (Ja, wenn man oft fährt, trifft man immer wieder die gleichen Leute.) Jedenfalls war sie so nett und hat die Zugbindung meiner Fahrkarte aufgehoben. Nur meine Verbindung über Ansbach ist ausgefallen, weil der IC, in den ich umsteigen wollte, defekt war. Dann bin ich halt in Bamberg in den ICE gestiegen und bis München gefahren. Hier hatte ich zwar 50 Minuten Aufenthalt und der Bahnhof war völlig überfüllt, weil an dem Tag das EM-Fußballspiel stattfand. Deshalb habe ich herausgefunden, dass man in dem Yormas am Holzkirchener Bahnhof (außerhalb der Bahnhofshalle) einen vernünftigen Kaffee zu günstigeren Preisen bekommt als in der Halle. Am Ende der Reise kam ich fast zwei Stunden früher an, als vorgesehen. Mit ein bisschen Glück, wie gesagt.

Bruchlandung im Dschungel

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 331 – »Gestandet auf Eoptra« von Ruben Wickenhäuser

Ein arkonidischer Frachter kommt einem Schiff mit Plophosern zu Hilfe, die im Gravitationsschatten eines schwarzen Lochs festsitzen. Während der Rettungsmission havarieren der Frachter und das Plophoserschiff und sowohl die Arkoniden als auch die überlebenden Plophoser müssen auf dem nachgelegenen Dschungelplaneten Eoptra notlanden. Die wilde Vegetation fordert viele Opfer, bis sich die beiden Gruppen auf die neue Situation, ohne Technik auszukommen, eingestellt haben.
25 Jahre später taucht ein Junge mit blauen Haaren (Laumae) in der Siedlung der Plophoser auf. Er wird in der Gemeinschaft aufgenommen und mit einem anderen Jungen einem Initiationsritual unterzogen. Auf der Jagd müssen die beiden sich nicht nur mit den misstrauischen Arkoniden und einer jungen Kriegerin auseinandersetzen, sondern auch mit Laumaes Verfolgern von der Erde.
Thomas Rhodan da Zoltral, Eric Weidenburn, Icho Tolot und Douc Langur sind dem Jungen auf der Spur, der drei Anschläge auf Perry Rhodan verübt hat. Auf Eoptra werden sie fündig und geraten zwischen die Fronten der beiden gestrandeten Siedlergruppen. Außerdem kämpfen sie mit der Dschungelvegetation und entdecken eine Anlage der Memeter. Laumae wird zunehmend von Primat, einem zweiten Bewusstsein, gesteuert. Der nimmt über die Hyperstrahlung des schwarzen Lochs Informationen in sich auf und erlangt nach und nach die Kontrolle. Rhodan und Weidenburn heften sich an die Fersen des Jungen, der ihnen aber immer wieder entkommt. Dabei nimmt Primat keinerlei Rücksicht auf die Begleiter des Jungen und auf seine Gegner. Er zwingt Thomas Rhodan und Eric Weideburn ihn an Bord der STAC zu bringen, wo er Tolot in Drangwäsche versetzt. Douc Langur scheint der Einzige zu sein, der Primat aufhalten kann.
Die gestrandeten Arkoniden und Plophoser werden wenige Wochen später von einer Hilfsflotte der Terraner gerettet und von Eoptra evakuiert.

Schon mit der Eingangssequenz, dem missglückten Rettungsversuch, hatte ich meine Problem. Allein die Benutzung von deutschen Marinebegriffen bei einem Arkoniden-Raumschiff mag zweifelhaft erscheinen, da wären arkonidische Begriffe besser gewesen. Obwohl der Autor sehr ins Detail geht, kamen mir diese Kapitel sehr unausgegoren vor. Es war weder spannend zu lesen, noch logisch nachvollziehbar, weshalb ich den Text in großen Teilen nur überflogen habe. Auf Eoptra stabilisiert sich die Handlung etwas, was vor allem an den Tagebucheinträgen der Obfrau lag. Aber auch hier finden sich Unstimmigkeiten und Fehler im Plot, die mir das Lesen nicht zum Vergnügen machten.

Grundsätzlich bin ich kein Fan von Dschungelabenteuern, davon hatten wir bei NEO schon einige. Immer wenn ich von Flora lese, die sofort Menschen angreift, sobald sie einen Fuß auf den Planeten setzen, muss ich mit dem Kopf schütteln. Sofern es keine Fauna bzw. Humanoide auf dem Planeten gibt, von denen sich die Flora dort ernährt, wage ich zu bezweifeln, dass sich Pflanzen egal welcher Größe über Säugetiere hermachen. Die passen nämlich nicht in ihr Beuteschema und sind für die Pflanzen wahrscheinlich nicht mal verdaubar. Das wäre in etwa so, als würden wir beim Waldspaziergang plötzlich von Bäumen oder Schlingpflanzen angegriffen. Anders sähe es aus, wenn der Planet eine Fauna besitzt, die der menschlichen zumindest ähnlich ist und von denen sich die Flora ernährt, oder wenn die Pflanzen im Laufe der Zeit Geschmack an den neuen Bewohnern finden. Das ist laut dem Autor auf Eoptra aber nicht der Fall.

Offensichtlich wird Laumae von Primat beeinflusst, bzw. zeitweise von ihm fremdgesteuert. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei Primat um die Reste von Catrons Bewusstsein handelt. Insofern, weiß ich nicht, ob es eine gute Idee von Perry Rhodan war, das Neuronat »am Leben« zu lassen. Warum aber die Schiffbrüchigen Plophoser so wenig misstrauisch gegenüber dem Jungen sind und ihn gleich mal in ihre Gemeinschaft aufnehmen wollen, ohne zu hinterfragen, woher er kommt, fand ich allerdings wenig realistisch.

Noch weniger realistisch ist die Tatsache, warum in 25 Jahren weder die Arkoniden, noch die Plophoser nachgeforscht haben, woher der Leitstrahl gekommen ist, der ihnen bei der Landung geholfen hat. Zumindest die Arkoniden hätten mit ihrer technischen Ausrüstung leicht die alte Memeteranlage entdecken können. Denn so schwer war es offensichtlich nicht, wenn eine junge Erwachsene, zwei Kinder und schließlich das Außenteam der STAC die Pyramide im Dschungel erreicht haben. In einer Randnotiz wurde erwähnt, dass die Arkoniden von der Strahlung des schwarzen Lochs beeinflusst wurden. Offenbar erst kurzzeitig, denn die Zusammenarbeit hat in den zwanzig Jahren zuvor wohl gut funktioniert. Darauf hätte mehr Augen gelegt werden müssen.

Der Aufreger schlechthin ist aber, die Notlandung des arkonidischen Frachters direkt vor der Küste der Gestrandeten. Denken wir mal nach. Ein Schiff von dieser Größe trifft auf die Atmosphäre, wird beschleunigt, und stürzt dann, wegen des Teilausfalls der Antigravfelder ins Meer. Das Ergebnis wäre eine Flutwelle, die den halben Kontinent überschwemmen würde und diejenigen gleich mit, die dort mit den Rettungsbooten gelandet waren. Eine Kommandantin muss sowas wissen und einkalkulieren. Ihr war klar, dass sie das Schiff nicht heil runterbringen kann, dann sollte sie den schon geretteten Teil der Crew nicht auch noch in Gefahr bringen. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, wird das im Meer abgestürzte Schiff von den Arkoniden auch noch als Heiligtum angesehen und darf nicht ausgeschlachtet werden, um den Überlebenden beim Aufbau einer Zivilisation zu dienen. Echt jetzt? Das ist wenig bis gar nicht glaubhaft.

Hinzu kommen Anschlussfehler und Lücken in der Handlung (Befreiung der jungen Kriegerin in der Pyramide), die im Lektorat hätten auffallen müssen. Von Tippfehlern fange ich gar nicht erst an. Die Kombi Thomas Rhodan und Eric Weißenburg war ganz okay, wobei ich nach wie vor mit dem Doppelbewusstsein von Rhodan und Danton so meine Probleme habe.

Ich vermeide es meistens ein hartes Urteil über einen Roman zu fällen, aber bei »Gestrandet auf Eoptra« muss ich sagen, das Lesen lohnt sich nicht. Zumal es auch keinen wirklichen Fortschritt für die Staffelhandlung bringt.

Letzter Tag und Rückflug

An unserem letzten Tag auf Madeira ließen wir das Auto stehen und erkundeten zu Fuß das gewachsene Areal hinter unserem Hotel. Dort sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten etliche Hotels und Appartementhäuser in die Höhe gewachsen. Einige sind in den vergangen Jahren neu dazugekommen.

Brandneu ist eine Luxus-Appartementanlage oberhalb vom Hotel. Dort waren 2015 noch Bananenplantagen und Schrebergärten. Heute steht da ein fast fertiger Komplex mit Wohnungen für Reiche. Die meisten der Wohnungen haben mehr als 150 Quadratmeter. Eines sogar über 1000. Fast alle verfügen über einen persönlichen Infinitipool. Das sieht sehr schick aus, kann sich aber kein normaler Mensch leisten. Dafür wurde die Straße, die bisher Hauptstraße war, zur Einbahnstraße verkleinert und der Verkehr verläuft nun komplett an den Hotelkomplexen unterhalb vorbei.

Gastronomisch ist es auf Madeira noch nicht so schlimm wie bei uns in Deutschland, aber auch hier sieht man, welchen Schaden die Pandemiemaßnahmen angerichtet haben. Es gibt eine Menge Leerstand auch im Einkaufszentrum »Forum Madeira«. Es werden aber weiterhin Hotels und Appartements gebaut, vielleicht etwas gebremst, aber es finden sich sicher reiche Investoren für noch größere Paläste. Platz ist noch vorhanden.

Was uns aufgefallen ist, dass die neuen Häuser meistens einen dunklen Außenanstrich haben. Manche Betonbauten sind komplett schwarz und sehen eher wie Bunker aus. Wahrscheinlich spart man sich damit im Winter die Heizung, denn so richtig kalt wird es auf Madeira nicht. Im Sommer laufen dann dafür die Klimaanlagen auf Hochtouren.

Wobei fast jedes Hotel inzwischen mit Solarkollektoren und PV-Anlagen ausgestattet ist. Auf der Hochebene der Insel stehen eine Vielzahl an Windkraftanlagen und im industriellen Ostteil von Madeira hat man riesige PV-Felder an die kahlen Hügel gebaut. Außerdem gibt es kleinere Wasserkraftwerke. Die erneuerbaren Energien sind ein Segen für Madeira, weil jeder Liter fossilen Kraftstoffs mit Schiffen herangebracht werden muss. Es gibt übrigens auch E-Autos und Ladestationen. Fast jede Tankstelle hat eine Ladestation und auch viele Parkplätze sind mit Ladepunkten ausgestattet und das nicht nur in der Hauptstadt Funchal. Obwohl vielfach die Stromversorgung noch mit überirdischen Leitungen funktioniert.

Den letzten Abend verbrachten wir mit exotischen Früchten auf unserem Balkon mit Meerblick und hofften doch nochmal Wale im Meer zu sehen, wie 2010. Leider taten die uns nicht den Gefallen, dafür wurden wir mit einem tropisch schönen Sonnenuntergang und deutscher Schlagermusik aus dem Nachbarzimmer »belohnt«.

Obwohl unser Flug erst kurz vor 11 Uhr gehen sollte, fuhren wir am Donnerstagmorgen schon vor dem Frühstück zum Flughafen, um unser Auto abzugeben und einzuchecken. Das war eine gute Idee, denn wir mussten sowohl bei der Abgabe des Mietwagens, als auch beim Check-In warten. Ich bekam auch meine 200 Euro Sicherheit von der Mietwagenfirma wieder zurück. Im Abflugbereich drängten sich die Urlauber, weil mehrere Maschinen landeten und wieder abhoben. Das schöne ist, man kann direkt von der Flughafenterrasse die Starts und Landungen sowie das Be- und Entladen der Flugzeuge beobachten.

Unsere Maschine (A321 mit rotem Zebramuster) war vollbesetzt, wir waren mit die letzten, die einstiegen und saßen ziemlich weit vorn. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass in dem Airbus von Condor mehr Platz war, als in der Boeing von TUIfly. Vielleicht lag es auch daran, dass ich einen Gangplatz hatte. Essen und Trinken gab es aber auch hier nur gegen Kartenzahlung. Dafür stehen am Gate in Funchal Wasserautomaten, in denen man seine Trinkflaschen auffüllen kann. In München zahlt man sich im Sicherheitsbereich dumm und dämlich, um ausreichend zu Trinken zu bekommen. Mich wundert, dass die Leute nicht völlig dehydriert sind, wenn sie aus dem Flugzeug steigen.

Der Flug war angenehm, ich habe einen kompletten NEO gelesen. Die Ankunft in München holte uns dann aber wieder in die deutsche Realität zurück, in der nichts funktioniert. Wir mussten eine Stunde aufs Gepäck warten, obwohl das Flugzeug gleich vor dem Gate stand. Erst dauerte es ewig, bis das Band angelaufen ist und die ersten Koffer kamen, dann blieb es plötzlich stehen und es hieß »beendet«. Obwohl die meisten Passagiere noch auf ihre Koffer warteten. Große Aufregung, kein Ansprechpartner der Fluggesellschaft da, dafür nur ein Plakat mit einen QR-Code, wo man auf eine Internetseite geleitet wird, auf der man sein vermisstes Gepäckstück melden kann. Kurz bevor ich die Meldung abgeschickt hatte, lief das Band wieder an und es kamen wieder Koffer. Unsere waren unter den Letzten. Da war unsere S-Bahn aber schon längst davongefahren und unser Anschlusszug am Ostbahnhof auch. Wir mussten rennen, dass wir noch die nächste S-Bahn bekommen haben. Unterwegs kam eine Durchsage, dass die Passagiere des Condorflugs aus Funchal im Sicherheitsbereich D ihr Gepäck abholen sollen. Typisch deutsch, großartig automatisiertes Gepäcksystem, das nicht funktioniert und ewig braucht, während auf dem Flughafen Madeira die Flugzeuge noch per Hand ausgeladen werden und das Gepäck schneller am Gate war, als wir am Gepäckband.

Am Ostbahnhof haben wir uns dann schnell einen Kaffee geholt, weil unser Zug gleich fahren sollte. Der hatte dann aber mehr als zwanzig Minuten Verspätung und so waren wir erst halb acht Abends zu Hause. Davon mussten wir uns dann erst einmal erholen.

Idyll am Vormittag mit Schrecksekunde

Es gibt sie noch, die ruhigen verlassenen Orte auf Madeira. Man muss nur abseits der Touristenpfade danach suchen und vor allem zu Zeiten dorthin gehen, an denen wenig los ist.

Am Dienstag sind wir früher aufgestanden, waren die Ersten beim Frühstück und wollten schnell loskommen, um vor allen anderen in Ribeiro Frio zu sein. Der Berufsverkehr in Funchal war allerdings höllisch. Auf der Autobahn war Stau, weshalb sich jeder durch die Stadt quälte. Ich befragte Google Maps, dass mir einen Weg vorschlug, dem wir folgten. Immer bergauf durch enge Gassen mit Gegenverkehr. An der steilsten Stelle (Ich hatte erneut Angst, dass wir jeden Augenblick nach hinten umkippen.) kam uns dann ein Auto entgegen. Panik! Anhalten und zurücksetzen bei zirka 25 Prozent Steigung ist nur schwer möglich. Die Handbremse hat erst beim dritten Versuch auf der letzten Rille gehalten. Der Fahrer des anderen Autos fuhr dann zum Glück in eine Seitenstraße, damit wir weiterfahren konnten. Wenn ich katholisch wäre, hätte ich wahrscheinlich drei Ave Maria gebetet. Zumindest waren wir beide vom Angstschweiß durchgeschwitzt.

Außerhalb Funchals war dann kaum noch Verkehr und wir fuhren in vielen Kurven hoch bis zum Poiso-Pass auf 1412 Meter und von da wieder den Berg runter nach Ribeiro Frio. Der Parkplatz oberhalb der Forellenzucht-Anlage war wohltuend leer. Es war mit zwölf Grad Celsius noch recht frisch, aber es war auch erst zehn nach Neun morgens. Wir wanderten die Straße entlang bis zum Beginn des Levadas, der zum Miradouro dos Balcões führt. Wir waren fast allein auf dem idyllischen Wanderweg. Die Hähne krähten und die Bienen summten um den Madeira Natternkopf.

Der Weg führt an einem Levada entlang, weshalb er relativ flach ist. Man kann bequem nebeneinander hergehen, muss aber auf den Boden aufpassen, weil immer wieder Steine oder Wurzeln herausragen. Festes Schuhwerk sollte man schon tragen. Zweimal geht man durch eine enge Felsenschlucht, dann ist man auf der anderen Seite fernab jeder Zivilisation. Das einzige Gebäude ist ein kleines Wasserkraftwerk ganz unten im Tal. Ansonsten sieht man nur grüne bewaldete Berge und die Wolken, die unterhalb der Bergspitzen hängen.

Man hört absolut nichts, kein Verkehr, keine von Menschen gemachten Laute, nichts außer den Vögeln. Die sind übrigens sehr zutraulich und lassen sich von den Menschen nicht stören. Sie würden einem wahrscheinlich sogar auf die Hand hüpfen, wenn man ihnen Futter hinhielte. Es ist aber verboten, die Tiere zu füttern, darauf weisen mehrere Schilder hin. Es gibt aber dennoch Leute, die Vogelfutter verstreuen. Auf dem Rückweg hielten wir an einer kleinen Gaststätte und kauften Honig. Dort kann man auch eine Toilette aufsuchen, wenn man etwas kauft oder 50 Cent bezahlt. Hier begegneten uns dann schon die ersten Bustouristen. Wir hatten also alles richtig gemacht.

Ich hatte mir gewünscht, nochmal auf den Campingplatz im Wald zu fahren, wo wir 2010 gewesen waren. Also fuhren wir wieder hoch zum Poiso-Pass und bogen dann Richtung Santo da Serra ab. Der Ort heißt Terreiros und ist ein Campingplatz mitten im Wald neben einem Gehege für Schafe. Die Schafe laufen tagsüber quer durch die Botanik so wie auch am Dienstag. Man muss höllisch aufpassen, damit man die Tiere nicht überfährt, die plötzlich nach einer Kurve direkt auf der Straße stehen.

Es ist wunderschön ruhig, keine Menschen Seele in der Nähe, selbst auf der Straße fuhr kaum ein Auto vorbei. Die beiden Seen, die da angeblich sind, haben wir zwar nicht gesehen, aber hier könnte sogar ich mir vorstellen zu zelten, obwohl ich normalerweise mit Camping nichts am Hut habe. Wir spazierten eine Weile umher, bewunderten Wolken, die ab und zu als Nebelschwaden über die Baumspitzen zogen und machten Fotos.

Anschließend fuhren wir weiter nach Santo da Serra, an dem Golfressort vorbei, an dem ein Hotel der Hotelgruppe steht, in der wir übernachten. Wir folgten der Straße, die nach Santa Cruz am Flughafen vorbei zur Autobahn führt und fuhren ins Hotel zurück. Wo wir uns mit einem Eis zum Kaffee belohnten.

Katastrophentourismus

Am Montag besuchten wir den westlichen Teil der Insel und sahen die verheerenden Folgen der Waldbrände, die dort im Oktober 2023 gewütet hatten.

Ich hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass es im Herbst 2023 auf Madeira gebrannt hat. Uns waren jedoch schon auf der Hochebene verbrannte Hänge aufgefallen. Als wir nach Ponta do Pargo fuhren, führten die Straßen dann durch dürre Eukalyptus- und Lorbeerwälder. Der Boden war schon wieder von Farnen bedeckt, aber die Bäume ragten als schwarze Mahnmale daraus hervor. Mich überraschte die Größe des Gebietes in dem nicht nur die Wälder vernichtet worden waren. Hin und wieder kamen wir auch an Häuserruinen vorbei.

In Ponta do Pargo besichtigten wir ein Museum in einem kleinen Leuchturm. Es informiert über die Leuchttürme der Insel und ist sehr nett hergerichtet, leider sind die Beschreibungen nur in portugiesisch. Vor dem Leuchturm hat man einen sensationellen Blick auf die Westküste. Steil abfallende Felsenklippen und türkisfarbenes Wasser beherrschen die Szenerie. Weit ab von den Touristenzentren verirren sich nur wenige Menschen hierher. Wir waren zwar nicht allein, aber es blieb beschaulich.

Beschaulich war auch das nächste Ziel, dass wir eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatten, dass wir aber zufällig während eine Toilettenpause entdeckt hatten. Der Miradouro da Boa Morte liegt auf einer niedrigen Klippe, die man leicht von einer kleinen Kirche aus erreichen kann. Wenige Stufen und ein gut befestigter Betonweg münden in einer Aussichtsplattform, die ebenfalls spektakuläre Blicke über den Atlantik und die Küste erlaubt. Rechts und links weideten Kühe und auf den Wiesen gab es Pflanzen und Gräser, die ich noch nie gesehen habe. Wer möchte, kann eine Wanderung zum nahegelegenen Miradouro Pico Vermelho machen. Da ich an dem Tag aber nicht besonders gut drauf war, sind wir weitergefahren nach Achadas da Cruz.

Die dortige Seilbahn, die hinunter zum Meer führt, war bis vor kurzem noch ein Geheimtipp. Inzwischen haben Blogger und Influencer in den sozialen Medien viel über die spektakuläre Fahrt berichtet. Als wir gegen Mittag ankamen, reichte die Schlange der Mietwägen bereits bis zur zweiten Kehre der Zufahrtsstraße. Wollte ich mit hunderten von Leuten den schmalen Streifen Land unterhalb der Felsen besuchen? Ehrlich gesagt war mir an dem Tag nicht danach, daher sind wir mit schleifender Kupplung auf der engen Straße wieder umgedreht und weitergefahren.

Oben auf der Hochebene schien die Sonne, es war ruhig und es herrschte wenig Verkehr. Der Parkplatz bei Rabaçal war wie erwartet voll. Das war er aber schon  so, als wir 2010 hier waren. Vom Forsthaus bei Rabaçal startet ein sehr schöner Weg an einem Levada entlang. Zuerst zum Risco Wasserfall und anschließend weiter zu den »25 Fontes«. Die Strecke ist nicht ganz ohne, weil man teilweise nur auf der Mauer des Lavadas entlang balancieren muss. Ohne Gegenverkehr ist das kein Problem, aber da der Weg inzwischen so überlaufen ist, wurde er als anspruchsvoll eingestuft. Das war 2010 schon problematisch, ich kann mir gut vorstellen, dass es jetzt noch viel schlimmer ist. Davon abgesehen, waren wir damals echt enttäuscht. Nach drei Stunden Wanderung fanden wir statt »25 Fontes« nur ein paar spärliche Rinnsale vor. Ich verstehe den Hype irgendwie nicht, weil es auf der Insel schönere Levadas gibt. Das Wasserwandl am Hochgern ist ähnlich und da sind weniger Touristen.

Wir fuhren weiter zu einem großen Wasserbecken. Der dortige Aussichtspunkt wurde erst vergangenes Jahr angelegt und bietet einen schönen Rundblick über die Hochebene. Wir ließen das Auto neben der Straße stehen und wanderten die 500 Meter zum Aussichtspunkt, obwohl wir auch direkt hätten hinfahren können.

Eigentlich führt die Straße über Paul da Serra zum Ecumeada-Pass und von dort runter nach Ribeira Brava. Wir sind hier immer gern entlang gefahren, wegen der Aussicht, der vielen Windräder und der Hochgebirgsvegetation – in diesem Jahr blüht der Ginster und färbt die Landschaft gelb. Leider ist die Straße zum Ecumeada-Pass gesperrt. Das trifft übrigens auf mehrere Straßen auf der Insel zu, die wir entlang fahren wollten. Wahrscheinlich müssen sie saniert werden. Das ist in Deutschland im Sommer ja ähnlich.

Wir nahmen eine andere Straße, die von etwa 1400 Metern in vielen Serpentinen und engen Ortsdurchfahrten nach unten zur Autobahn führte. Man braucht auf Madeira für wenige Kilometer immer sehr lange. Und wenn dann auch noch ein mit Holz beladener Laster vor einem fährt, ums so länger. Dafür wird man mit atemberaubenden Ausblicken entschädigt. Manchmal verschlägt es einem auch den Atem, wenn man rechts oder links neben der Straße in die Tiefe blickt. Schneller als 60 km/h kann und sollte man nicht fahren, manchmal sind weniger als 30 km/h die bessere Alternative.

Den Nachmittag gingen wir nochmal zum Hafen in Funchal um ein paar Mitbringsel zu kaufen. Anschließend ließen wir auf dem Hotelbalkon den Tag ausklingen.

Strandpromenade mit Tunnel

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die Strandpromenade von Funchal nach Câmara de Lobos verläuft sogar durch einen Tunnel.

Ich weiß nicht, ob es die Promenade bereits bei unserem ersten Besuch 2010 gab, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Umso schöner, dass wir sie am Sonntag entdecken durften. Weil der Himmel bedeckt war und ich eine Pause von den langen Autofahrten bergauf und bergab brauchte, entschlossen wir uns am Meer entlang zu spazieren. Wer möchte und gut zu Fuß ist, kann bis zum Nachbarort laufen, wir haben etwa zwei Drittel der Strecke geschafft.

Der gut ausgebaute Fußweg führt unterhalb der Hotels an der Küste entlang. Auch hier geht es mal bergauf und mal bergab, an einem öffentlichen Schwimmbad vorbei und vielen blühenden Bäumen und Sträuchern. Unterwegs kann man immer wieder schöne oder spektakuläre Aussichten bewundern. Den Fischern beim Angeln zusehen oder die handtellergroßen Schmetterlinge bewundern, die hier herumflattern. Irgendwann führt dann eine Treppe hinunter zu einem Meeresschwimmbad und einer kleinen Bar.

Von hier ab verläuft der Weg durch einen mannshohen Tunnel. Wasser tropft von der Decke, man hört das Rauschen der Brandung und kann durch drei Löcher sehen, wie die Wellen gegen die Felsen schlagen. Das ist echt originell. Der Tunnel ist zwar beleuchtet, aber ich mit meiner Nachtblindheit hatte ein paar Problem, weil ich den nassen Untergrund nicht richtig sehen konnte. In weiser Voraussicht hatten wir eine Taschenlampe eingepackt. Die ist auf Madeira oft hilfreich wegen der vielen Tunnel an den Levadas.

Auf der anderen Seite kommt man an einem breiten Strand heraus, der wie die meisten Strände auf Madeira (sofern es sie gibt) aus vielen Steinen besteht. An einigen wenigen Stellen gibt es sogar schwarzen Sand. Die Brandung war nicht allzu stark, aber ich wäre da nicht freiwillig oder unfreiwillig baden gegangen. Schon allein weil das Gehen auf dem Geröll sehr anstrengend ist. Toll war das Rollgeräusch der Steine, die vom Wasser an den Strand gespült und wieder zurück geholt wurden. Deshalb gibt es an diesem Strand auch keinen einzigen spitzen Stein. Ich habe ein Stück Glas gefunden, das ganz rund geschmirgelt ist.

An der Strandpromenade befinden sich zwei Cafés und einen Sportplatz, der hauptsächlich von Einheimischen genutzt wird. Das Hinterland des Strandes ist noch unbebaut, es stehen aber schon die Plakate mit der Info, dass dort ein weiteres Hotel entstehen soll. An einem Felsen, der wie eine Burg ins Wasser ragt und vulkanischen Ursprungs ist, krabbelten Krabben in allen Größen über die Steine. Die erinnerten mich an die Replikatoren von »Stargate«.

Wir hätten weitergehen können, an einer Betonfabrik vorbei zum nächsten Ort, aber wir kehrten um, weil mir so langsam die Füße weh taten. Im Hotel zeigte das Smartphone dann 6,9 Kilometer und 11.100 Schritte an. Zur Auflockerung der müden Glieder gingen wir schwimmen und da merkte ich schon, dass mein Dekolleté ziemlich rot war. Die ganzen Tage über hatten wir uns mit Sonnencreme (LF 50) eingecremt. Aber weil der Himmel bedeckt gewesen war, hatten wir es am Sonntag nicht gemacht. Schwerer Fehler. Wir beide hatten einen richtigen Sonnenbrand, obwohl die Sonne gar nicht geschienen hat.

Rauf und runter und wieder rauf

Autofahren auf Madeira ist nichts für Leute mit schwachen Nerven. Zumal der Verkehr deutlich mehr geworden ist, als in den Jahren 2010 und 2015. Furchtlos und schwindelfrei sollte man als Autofahrer außerdem sein.

Als wir am Samstag durch Funchal den Berg hochfuhren wurde uns das wieder eindrücklich vor Augen geführt. Die Straßen sind steil und winden sich in engen Serpentinen die Berge hoch. Bis zu unserem Ziel dem Pico do Areeiro mussten wir immerhin fast 1800 Höhenmeter überwinden. Man durchquert dabei die verschiedenen Vegetationszonen von der blühenden Küste, über Nadel- und Lorbeerwälder bis zu den niedrigen Wäldern aus Baumheide und blühenden Ginsterbüschen, bis am Ende nur noch der nackte Fels mit wenig Vegatation in den blauen Himmel ragt.

Dort oben hat man im Sommer immer wolkenlosen Himmel und gute Sicht, selbst wenn es unten in Funchal dicht bewölkt ist. So auch am Samstag, wo wir auf ein Meer von Wolken blickten. Weniger schön war das Meer von Touristen, das schon am frühen Morgen die Bergspitze stürmte. Der Wanderparkplatz etwa 1,5 Kilometer unterhalb des Gipfels war schon fast voll. Wir fuhren also bis hoch und ergatterten den letzten freien Platz auf dem Parkplatz am Restaurant, dessen Parkzeit auf eine Stunde begrenzt ist. Länger wollten wir auch nicht bleiben, als wir die Massen sahen, die sich auf dem schmalen steilen Wanderweg zum nächsten Gipfel drängten.

Wir gingen etwas abseits zur anderen Seite und folgten einem Weg, auf dem nur wenige Menschen unterwegs waren. Er führte zu einer Aussichtsplattform, die einen großartigen Blick über den östlichen Teil der Insel gewährte. Auf dem Rückweg kamen wir ins Gespräch mit zwei jungen Frauen aus Deutschland, die sich ebenfalls über den Ansturm am Berg wunderten. Sie glauben, dass es vor allem an Instagram und TikTok liegt, warum so viele vor allem junge Menschen nach Madeira kommen. Sie sehen die Bilder dort und wollen auch gern Bilder von sich an den Orten ins Netz stellen. Ungeachtet, der Gefährlichkeit, die manch ein Weg auf Madeira birgt. Und tatsächlich sind viel mehr junge Leute unterwegs als noch 2015 bzw. 2010 als wir im Hotel noch die Jüngsten waren.

Wir fuhren den Berg wieder runter nach Ribeiro Frio wo man eine nette kleine Levada-Wanderung unternehmen kann, für die man nicht unbedingt schwindelfrei sein muss. Aber hier bekamen wir auch keinen Parkplatz, wir kamen auf der Straße ja kaum noch zwischen den parkenden Autos durch. Außerdem standen noch zwei Reisebusse da, weshalb wir weiterfuhren zum Miradouro do Guindaste, der 2022 erst eröffnet worden ist und direkt am Meer liegt. Also weiter den Berg runter und dann wieder hinauf und durch die Ortschaft wieder hinunter. Der spektakuläre Aussichtspunkt ist noch ein Geheimtipp, daher war auch wenig los und wir konnten uns in Ruhe die Klippen von einer gläsernen Aussichtsplattform ansehen.

Ich schlug vor, dass wir an der Küste entlang nach Ribeira da Janela fahren und dort unser obligatorisches Foto von der bewachsenen Felswand machen. Da sieht man nämlich wie trocken oder wie nass es in den letzten Monaten gewesen ist. auch hier war mehr los als sonst. Der Andrang hielt sich aber in Grenzen. Warum die meisten ihren Mietwagen aber oben an der engen Straße abgestellt haben, anstatt die fünfzig Meter weiter runter zum Campingparkplatz zu fahren, konnten wir allerdings nicht nachvollziehen. Anschließend ging es den Berg wieder hoch ins Naturschutzgebiet Fanal, dem Feenwald.

Wir sind zwar schon ein paar Mal vorbeigefahren, aber wir waren noch nie im Feenwald. Das wollten wir heute nachholen. In unzähligen Serpentinen schraubten wir uns wieder auf 1100 Meter hinauf. Es standen zwar einige Autos auf dem Parkplatz aber das Gelände ist so groß, dass genug Platz für alle da ist. Sogar für die Kühe, die dort frei herumlaufen und auch mal die Straße blockieren, wenn ihnen danach ist. Die Landschaft im Fanal wirkt schon schon bei schönem Wetter wie verzaubert. Wenn hier die Wolken darüber ziehen und alles neblig ist, sieht das sicher sehr verwunschen aus. Wir hatten viel Sonne und wanderten über die Wiesen.

Über die Hochebene und eine lange und zähe Abfahrt mit vielen Kurven fuhren wir schließlich wieder zurück ins Hotel. Wir waren beide erschöpft, obwohl wir nicht viel gelaufen waren. Aber das Autofahren auf den engen Straßen und dem vielen auf und ab, schlaucht.

Der krönende Abschluss war am Samstag das Feuerwerk im Hafen. Wir sind extra die zwei Kilometer vom Hotel nach Funchal reingelaufen. Es war viel Verkehr und es waren viele Leute unterwegs. Anlässlich des Atlantik-Festivals findet ein Wettbewerb von Feuerwerksfirmen statt. Jeden Samstag darf sich eine Firma mit einem Feuerwerk präsentieren. Der Gewinner darf das Silvesterfeuerwerk ausrichten. Eine sehr schön Idee wie ich finde.

Die Quantentheorie der Aborigines

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 330 – »Die neue Macht« von Olaf Brill

Ein Junge fällt vom Himmel in der australischen Wildnis. Er wird von einem Ehepaar gefunden und aufgenommen. Zwei Jahre später stellt der Junge mit den blauen Haaren fest, dass er über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Ihm suggeriert eine innere Stimme, dass er Perry Rhodan töten muss, damit die Symaios, das Ende von Allem, verhindert wird.
Perry Rhodan ist mit seiner Frau Thora im Sonnensystem unterwegs um repräsentative Termine wahrzunehmen, als mehrere Attentate auf ihn verübt werden. Eines auf dem Mond und ein weiteres auf der 75. Geburtstagsfeier seines Sohnes Thomas. Bei beiden Vorkommnissen lösen sich die Tatwaffen in schwarzem Nebel auf, der bei Berührung üble Visionen bei den Opfern auslöst.
Thomas und seinem geistigen Kompagnon Roi Danton lassen die Geschehnisse keine Ruhe und sie beginnen zusammen mit Eric Weidenburn, Douc Langur und Icho Tolot zu ermitteln. Schnell kommen sie dahinter, dass der Attentäter ein Junge mit blauen Haaren ist, der sich gerade auf der SOL beim Saturn aufhält. Genau dorthin ist Perry Rhodan unterwegs, um den Solanern zuzusichern, dass die Terranische Union die SOL nicht für eigene Zwecke missbrauchen wird. Während des Gesprächs mit den Solanern schlägt der Attentäter zu, scheitert aber, weil ihm die Kraft ausgeht. Als Weidenburn und Thomas Rhodan da Zoltral ihn festsetzen wollen, verschwindet er.
Perry Rhodan entschließt sich, das Solsystem zu verlassen, um seine Mitmenschen zu schützen.

Ich bin bei dem Roman ziemlich zwiegespalten. Einerseits mag ich, wie Olaf Brill die Figuren und ihre Intensionen beschreibt. Andererseits fühlt sich die Geschichte an, als hätte ich das alles schon mal gelesen. Schon wieder taucht jemand auf, dem die Erinnerungen fehlen, und wieder wird er zur Gefahr für Perry Rhodan. Wie oft hatten wir das in der NEO-Serie schon? Tuire Sitareh, Merkosh, Leticron, Peregrin und nun Laumae alias Primat. Und wieder geht es gleich um das Ende des Universums. Nun ja, dass hatte sich ja schon in der vergangenen Staffel angekündigt.

Ich hatte gehofft, dass der Gigantismus der letzten Staffel zurückgenommen wird, noch sieht es nicht danach aus. Beispielhaft dafür ist Laumae. Der Junge der nicht nur Dinge aus reiner Gedankenkraft erschaffen kann, sondern sich offenbar auch noch selbst teleportieren kann und zwar nicht nur räumlich, sondern auch temporal. Tauchte er doch schon in der Aphilie-Staffel und zuletzt in M87 auf, als er Gucky und Nathalie zurückgebracht hatte. Wenn er wirklich das verbliebene Stück Catron ist, dass Perry Rhodan vor der Zersplitterung bewahrt hatte, dann hätte er nicht schon so früh existieren können. Ich bin gespannt, wie die Exposéautoren den Widerspruch auflösen werden.

Persönlich hätte ich gern mehr über den Streit um die SOL erfahren. Denn die Terranische Union befinden sich in einem Dilemma. Die SOL ist ein mächtiges Raumschiff, sie den Solanern zu überlassen, kann sie sich eigentlich nicht leisten. Andererseits leben die Menschen dort schon seit vielen Generationen und sehen das Schiff als ihren angestammten Lebensraum an. Die Ausgangslage ist hochkompliziert, und könnte einen zentralen Konflikt der Staffel darstellen, der glaubhafter wäre, ohne gleich das Ende des Universums zu bedeuten.

Grundsätzlich hat Olaf Brill es geschickt angestellt, Neueinsteiger und »Altleser« gleichermaßen abzuholen. Durch Rhodans Reise durch das Sonnensystem und die Kolonien, sowie Thoras Ausflug nach Arkon werden wir Leser auf den neuesten Stand gebracht und gleichzeitig erfahren NEO-Neulinge oder -Wiedereinsteiger die Zusammenhänge.

Beeindruckt hat mich der Autor vor allem durch die vielen Details zur Geschichte der australischen Ureinwohner. Da durfte ich mein Wissen erweitern. Die Traumzeit mit dem Quantenuniversum zu vermischen, klingt im ersten Augenblick seltsam, weißt aber tatsächlich viele Parallelen zu den Erklärungen auf, die in der Vergangenheit der Serie über das Quantenuniversum getroffen wurden. Das hat mich sehr verblüfft. Außerdem führt Olaf Brill die Geschichte um Roi Danton fort, den er in der Odyssee-Staffel so treffend eingeführt hat. Das geistige Zusammenleben von ihm und Thomas Rhodan behagt mir zwar nicht so ganz, ich hätte mir mehr Konsequenz, sprich die Übernahme Dantons von Thomas’ Körper gewünscht, aber die Ausführungen und inneren Zwiegespräche unterhalten. Zum Schluss lässt der Cineast Brill noch den Filmklassiker »Casablanca« aufleben. Sehr schön!

»Die neue Macht« ist ein solider Staffeleinstieg, der mich von der Primärhandlung zwar nicht komplett abgeholt hat, aber durch die intensiven Recherchen des Autors zu überzeugen weiß.

Von Nonnen und grünen Tälern

Blick aufs morgendliche Funchal

Am Freitag fuhren wir morgens zu einem Aussichtspunkt oberhalb Funchals. Es herrschte zwar schon reger Betrieb, aber nachdem die Touristenbusse weg waren, waren wir fast alleine. Vom Miradouro Pico do Barcelos hat man einen wunderschönen Blick über Funchal und den Hafen. Die Anlage wurde seit unserem letzten Besuch um ein Café und einen Park erweitert. Beim letzten Mal hatten wir von hier oben beobachtet, wie ein Kreuzfahrtschiff rückwärts im Hafen einparkte. Dieses Mal blieb das Hafenbecken leer.

Im Nonnental

Nach einem kurzen Stop an einer Tankstelle (das Auto hat wieder wegen des Reifendrucks gewarnt) und einem Toilettenbesuch in einem Shopping Center ging’s ins Nonnental. In dem Talkessel, der Jahrhundertelang nur über schmale Wege zugänglich war, lebten und arbeiteten Nonnen, die hier Schutz gesucht hatten. Irgendwann wurde eine Straße an den steilen Felsen hinunter ins Tal gebaut, heute ist der abgeschiedene Ort über einen Autotunnel erreichbar. Die Straße ist wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Wer möchte, kann aber über Wanderwege ins Tal hinunter und auch wieder hinauf wandern, was allerdings Kondition und Schwindelfreiheit erfordert.

Ehemaliges Wohnhaus einer der Nonnen

Wir besuchten ein kleines Museum, das zeigt, wie die Nonnen gelebt haben und spazierten durch den kleinen Ort. Die Berge rundum sind beeindruckend hoch und sie legen Teile des engen Tals je nach Tageszeit in den Schatten. Der Ort ist zumindest nicht so überrannt wie die anderen Sehenswürdigkeiten der Insel.

Blick vom Eira do Serrado ins Nonnental

Nachdem wir im Tal waren, fuhren wir auf einen der Aussichtspunkte oberhalb des Berges. Hier war schon mehr los, aber da es noch früh war, hielt sich der Ansturm in Grenzen. Wir genossen den großartigen und beängstigenden Blick in die Tiefe. (Ich wagte mich nicht bis vor ans Geländer.) Zurück am Auto kamen die ersten Busse über die enge gewundene Straße und entließen die Touristen ins Freie. Dabei stürzte eine Frau auf dem Weg zum Aussichtspunkt und musste medizinisch versorgt werden. Auf Madeira sollte man immer auf den Weg achten, da der Untergrund nicht eben ist und es jede Menge Stufen gibt. Von der Steilheit mancher Straßen und Fußwege ganz zu schweigen. Für Leute mit körperlichen Einschränkungen ist die Insel nur bedingt zu empfehlen, obwohl wir schon einige auf Krücken und mit Rollator gesehen haben. Ich möchte nicht wissen, was hier täglich passiert.

Wir entschlossen uns vom Berg runter in Richtung Westen zu fahren und dabei am Cabo Girão vorbeizusehen. Die höchste Klippe Europas wurde vor ein paar Jahren um eine transparente Aussichtsplattform erweitert und ist seitdem zum Hotspot auf Madeira geworden. Das Areal wurde umgebaut und seitdem gibt es dort nur noch wenige Parkplätze für Autos und fast nur noch Busparkplätze. Dementsprechend groß war das Chaos auf den umliegenden Straßen, bei der Vielzahl an Mietwägen, die parken wollten, während auf dem großen Parkplatz gerade einmal ein Bus stand. Übrigens kostet der Besuch des Cabo Girão Skywalk inzwischen zwei Euro. 2015 war er noch kostenlos gewesen.

Küste von Sao Vicente

Weil wir keinen Parkplatz fanden, fuhren wir weiter über enge kurvenreiche Straßen zurück zur Autobahn in Richtung Ribeira Brava. Die Schlucht ist sehr grün, die steilen bewaldeten Berge rechts und links erinnern ein bisschen an Hawaii. Als wir 2010 hier waren, hatte wenige Wochen zuvor eine Flutkatastrophe das Tal und die Menschen heimgesucht. Damals führte die Straße stellenweise über eine Geröllpiste. Von den Auswirkungen war 2015 schon nichts mehr zu sehen gewesen, jetzt gab es neue Tunnel und ein schickes Stadion zu sehen. Wir fuhren das Tal bis zum Ende und durch den großen Tunnel auf die andere Seite der Insel nach São Vicente. Ganz Madeira ist von Tunneln durchlöchert. Nur auf den engen steilen Bergstraßen käme man einfach nicht vorwärts.

Wanderweg am Fluss

Da wir uns vorgenommen hatten, Dinge anzusehen und Wege zu gehen, die wir noch nicht gegangen sind. Spazierten wir in São Vicente über den Fluss zu einem Weg der in die Felswand geschlagen wurde. Wir waren zwar nicht die einzigen Besucher, aber es verlief sich und wir hatten sogar einen Parkplatz bekommen. Auf der Strandpromenade beobachteten wir die Seeschwalben beim Fischen und sahen den Wellen zu. In einer kleinen Bäckerei kauften wir uns etwas zum Kaffee und machten uns auf den Rückweg.

In São Vicente gibt es ein interessantes Museum über Vulkanismus, was wir 2010 entdeckt hatten und von dem wir schwer begeistert waren. Laut Google ist das Museum aber seit einem Jahr wegen Reparaturen geschlossen. Leider teilen das die Betreiber auf ihrer Internetseite den Besuchern nicht mit, so das viele vergeblich hierher kommen.

Zurück im Hotel genossen wir ein ausgiebiges Bad im Wirlpool.