»Ich habe Bahn«

In diesem Monat war ich vergleichsweise oft mit dem Zug unterwegs und irgendwie hat mal wieder kaum etwas ohne Probleme und Verspätungen geklappt. Entweder habe ich ein schlechtes Karma, das sich immer dann meldet, wenn ich mit der Bahn fahre, oder es wird wirklich immer schlimmer bei der Bahn.

Auffällig war diesmal die Häufung der verspäteten Bereitstellungen. Das ist mir bei vier Fahrten gleich drei Mal passiert. Meist mit der Konsequenz, dass ich rennen musste, um meine Anschlusszüge zu bekommen. Einmal stand ich mit den anderen Fahrgästen bis fünf Minuten nach der eigentlichen Abfahrt des ICE vor verschlossenen Türen. Es hätte noch gefehlt, der Zug wäre ohne uns abgefahren.

In Frankfurt kam der Zug, mit dem ich fahren wollte, verspätet an, blieb dann noch ewig im Bahnhof stehen und wurde schließlich wegen einer Weichenstörung umgeleitet. Er war aber dann erstaunlicherweise schneller in Aschaffenburg, als im Originalfahrplan vorgesehen. Da frage ich mich doch, auf was die Streckenführung optimiert wird. Auf Schnelligkeit wohl kaum.

Auch der Service ließ zu wünschen übrig, fehlendes Zugpersonal, Fahrkarten, die daraufhin nicht entwertet wurden und mangelnde Durchsagen in den Zügen. Einmal war morgens im Zug die Heizung ausgefallen, bei einstelligen Temperaturen. Der Zugführer meinte wohl, dass, wenn er die Lüftung einschaltet, es allein durch die anwesenden Fahrgäste wärmer würde. So war ich durch die kalte Zugluft trotz Jacke fast zum Eisbrocken erstarrt, als ich nach eineinhalb Stunden wieder ausgestiegen bin.

An einem Tag verbrachte ich knapp zwanzig Minuten im Nürnberger Servicecenter, nur weil ich ein Fahrgastrechte-Formular abgeben wollte. Das dortige Nummern-System – jeder Fahrgast muss eine Nummer ziehen und wird einem Schalter zugewiesen – ist meines Erachtens völlig ineffizient. Die Wartezeiten sind doppelt so lang, weil u. a. Nummern aufgerufen werden, von Fahrgästen, die bereits entnervt gegangen sind, oder denen einfach der Anschlusszug davongefahren wäre, hätten sie noch länger gewartet. Zu beobachten war auch, dass sich die Beamten am Schalter enorm viel Zeit ließen, bevor sie eine neue Nummer aufgerufen haben. Manch einer ging sogar in die Pause, obwohl die Wartehalle voller Leute war. Da wünschte ich mir das amerikanische System mit mäanderförmigen Warteschlangen, in dem jeder, der an der Spitze der Schlange steht, sich zum nächsten freien Schalter begibt.

Das es mit der Bahn nicht nur mir so geht, weiß ich aus Erzählungen von Freunden und Bekannten. So sagte unlängst jemand, nachdem er völlig verschwitzt und verspätet zu einem Termin erschienen war: »Ich habe Bahn« als Äquivalent zu »Ich habe Rücken.“

Es gibt aber auch eine schöne Anekdote zu berichten. Auf der Rückfahrt von Frankfurt hatten wir einen ausgesprochen gut gelaunten und sehr redseligen Zugbegleiter, der mit seinen Ansagen die Leute so trefflich unterhielt, dass sie sich bei ihm bedankten, als er zum Kontrollieren der Fahrscheine vorbeikam. Dabei hatte er für jeden Fahrgast noch eine Extra-Bemerkung parat. Den jungen Damen mir gegenüber erklärte er nach der Kontrolle ihrer Handytickets, er habe jetzt einige ihrer Fotos vom Handy geladen und wolle sie mal durchschauen, was sie denn gestern Abend so getrieben hätten. Der Blick der beiden, die nicht sicher waren, ob er das ernst meinte, war Gold wert. Er verabschiedete sich von ihnen mit dem Hinweis, sie könnten ihre Weihnachtsfotos vom letzten Jahr jetzt löschen, es wäre doch bald wieder Weihnachten. Großartig! Da merkt man, dass es doch noch Menschen bei der Deutschen Bahn gibt, die ihren Beruf lieben.

Literaturbetrieb zwischen Handwerk und Wirklichkeit

Mit BuCon feiert sich hierzulande jedes Jahr die Szene der phantastischen Literatur. Verglichen mit dem großen Literaturgeschäft in Deutschland, das sich zur gleichen Zeit auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert, ist die Gemeinschaft der Phantastikfreunde eher klein. Neben den obligatorischen Messeständen der Kleinverlage finden auf dem BuCon Lesungen und Workshops statt. Hier haben Debüt-Autoren und Autoren von Kleinverlagen sowie Selfpublisher die Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren. Was ich wichtig finde, nicht nur aus persönlichen Sicht, sondern auch weil hier fernab des Mainstream eine bunte Vielfalt an Genres und Sub-Genres etabliert und am Leben erhalten wird. Unverzichtbar für eine vielfältige Literaturlandschaft in Deutschland.

Was mir aber hier immer wieder auffällt, ist, wie viele gute bis sehr gute Autoren sich innerhalb des Literaturbetriebs seit Jahren abmühen und nur die wenigsten die Chance bekommen, ihre Romane bei Verlagen zu veröffentlichen. Während Promis und Menschen, die es irgendwie schaffen, medial präsent zu sein, veröffentlicht werden, meist ohne dass sie das Rüstzeug zum Schreiben haben. Heute, so scheint es, kann jeder, der mal etwas Ungewöhnliches erlebt hat, oder es in den Medien zur drittklassigen Berühmtheit erlangt hat, ein Buch schreiben, ohne zuvor das Handwerk zu erlernen. Gleiches gilt für etablierte Autoren. Hat man mal den Fuß in der Tür und eine Fanbasis aufgebaut, kann man eigentlich schreiben, wie und was man will – es wird gedruckt werden. Während sich manch Nachwuchsautor noch so sehr abmühen kann, das perfekte Manuskript abzuliefern. Dies wird meistens nicht mal gelesen.

Das Schreiben ein Handwerk ist, das erlernt werden kann, ist in Deutschland nicht so bekannt und anerkannt wie in den USA, wo »Writing Classes« in den Colleges zum Standard gehören. In Deutschland wird, gerade wegen der vielen schreibenden Promis, deren Bücher manchmal kaum lesbar sind, der Eindruck vermittelt, als könne jedermann ein Buch schreiben. Als wäre Literatur etwas, wo keinerlei Regeln gelten und was man mit ein wenig Talent einfach aus dem Ärmel schüttelt.

Ich persönlich finde dies mehr als ungerecht, denn ich kenne ganz viele Leute, die sich seit Jahren intensiv mit dem Schreiben beschäftigen, die Lehrgänge besuchen und Bücher lesen, die an Workshops teilnehmen und Schreibgemeinschaften angehören. Autoren, die mit viel Einsatz richtig gute Geschichten schreiben, aber nicht veröffentlicht werden, weil sie nicht zur rechten Zeit am richtigen Ort sind, oder nicht die richtigen Leute kennen.

Eben weil viele Leute meinen, es könne jeder ein Buch schreiben, der einen Stift halten oder eine Tastatur bedienen kann, werden die Verlage mit schlechten Manuskripten geradezu überhäuft. So wird abgelehnt meist ohne zu sichten, einfach weil es arbeitstechnisch ansonsten kaum zu bewältigen ist. So ist es inzwischen bei den großen (aber auch kleinen) Verlagen Usus, das man einen Fürsprecher braucht, damit die Lektoren überhaupt in ein eingereichtes Exposé oder eine Textprobe hineinschauen. Um bei den ganz großen Verlagen Gehör zu finden, kommt man ohne einen Literaturagenten, der einem die Türen öffnet, nicht mehr hinein. Und selbst die Kleinverlage werden mit teils minderwertigen Manuskripten so zugeschüttet, dass sie verständlicherweise nur mit Leuten arbeiten, die sie kennen.

Vielen bleibt da nur der Ausweg sein Glück als Selfpublisher zu versuchen und sich mit viel medialem Einsatz eine möglichst große Fangemeinde zu erschließen, Aufmerksamkeit zu erzielen und zu hoffen, gehört beziehungsweise gelesen zu werden. Marketing ist alles, denn auch Literatur ist nur ein Geschäft. Wie überall geht es nur ums Geld. Was sich verkauft ist gut und richtig, egal ob es handwerklich gut geschrieben ist.

Ich weiß nicht, ob die Leser heute anspruchsloser geworden sind, oder ob es nur darum geht, möglichst das Buch zu lesen, was gerade »In« ist und wovon alle reden. Gerade in Zeiten sinkender Leserzahlen und hart umkämpfter Märkte finde ich es schade, dass so viele Geschichten unerzählt bleiben, dass spannende Storys auf Festplatten zu Datenmüll werden und dass Menschen, die sich intensiv mit dem Handwerk Schreiben beschäftigen, irgendwann resigniert aufgeben. Dass sie möglichst die Ausnahmen bleiben, dafür sind solche Veranstaltungen wie der BuCon wichtig.

Im Übrigen haben wir am Freitagabend an meinem Zeitreise-Roman geplottet. Esther ist Expertin auf dem Gebiet und gibt sogar Kurse dazu. Zusammen haben wir einige markante Punkte meines Romans präzisiert und verfeinert, die mir bislang noch unklar waren. Ich kann jetzt sogar abschätzen, wie lang er werden wird. Ich werde auf jeden Fall weiter daran arbeiten, damit er wirklich gut wird, auch wenn meine Aussichten eher schlecht sind, dass dieses Buch jemals gedruckt wird. Denn inzwischen weiß ich, dass für einen No-Name-Autor die Veröffentlichung seines Buches mehr vom Glück abhängig ist, als von Können. Das finde ich irgendwie schade.

Jugendstil, Perry und eine Bahnschranke

NEO auf dem BuCon

Das Wochenende verbrachte ich in Frankfurt. Am Samstag fand dort parallel zur Buchmesse der BuchmesseConvent statt. Es war bereits mein dritter BuCon. Inzwischen kenne ich sowohl das Prozedere und auch einige der Leute, die sich dort jährlich treffen. Wobei ich jedes Mal neue Autoren und Fans kennenlerne. In diesem Jahr hatte ich sogar eine Übernachtungsmöglichkeit in Frankfurt, so dass ich nicht völlig gestresst und umweltschädigend mit dem Flieger an- und abreisen musste.

Ich fuhr entspannt mit der Bahn am Freitagmittag nach Frankfurt, stieg dort instinktiv, ohne den Fahrplan näher zu inspizieren in die nächste S-Bahn und an der Hauptwache in die nächste U-Bahn und kam tatsächlich dort an, wo ich hin wollte. Es macht sich bezahlt, wenn man mal in Großstädten gelebt hat. Der städtische Nahverkehr scheint einem ins Blut überzugehen, oder er funktioniert halt überall ähnlich. Außerdem lag mein Ziel ziemlich zentral.

Von meiner Gastgeberin Esther Schmidt wurde ich sehr herzlich empfangen. Wir kennen uns von den Seminaren in Wolfenbüttel, bei denen sie fast schon zum Inventar gehört und gern ihr Wissen übers Schreiben an andere weitergibt. Sie wohnt in einem hundertjährigen Stadthaus im klassischen Jugendstil, mit hohen Räumen, Stuckdecken und passend eingerichtet mit edlen Tapeten und Antiquitäten. (Ich habe das ganze Wochenende nachgerechnet, wie viel es kosten würde, so ein Haus energetisch zu sanieren. Das ist zur Berufskrankheit von mir geworden.) Zwischen all den antiquarischen Schätzen entdeckte ich immer wieder nerdige Dinge, die scheinbar nicht dahin gehören, z. B. eine Tartis oder Star Trek-Postkarten. Wenn man die Bewohnerin kennt, passte dann doch alles sehr schön zusammen. Ich durfte in der Bibliothek übernachten, einem Eckzimmer mit gut gefüllten Bücherschränken bis unter die Decke und einem beeindruckenden Blick auf die Straßenkreuzung vorm Haus.

Am Freitagabend saßen wir bei thailändischen Essen noch lange zusammen und wälzten Autorenprobleme. Nach Mitternacht kam dann auch der zweite Übernachtungsgast (die Autorin Ann-Kathrin Karschnik) vom Galaktischen Forum nach Hause, so dass wir in dieser Nacht und am Morgen als kleine Autorinnen-WG verbrachten und auch gemeinsam zum BuCon fuhren, inklusive eines Zwischenstopps an der Tankstelle, weil Esthers Auto wegen der ungewohnten Beladung – drei Leute plus Gepäck – zu wenig Reifendruck meldete.

Vor dem Bürgerhaus in Dreieich war schon einiges los. Ich verbrachte ein paar Minuten in der Schlange am Einlass, bis ich meinen Eintritt zahlen konnte und meine Contüte entgegennehmen durfte. Danach ging es auch schon in die »heiligen« Hallen. Entweder waren es mehr Stände als in den vergangenen Jahren, oder sie lagen weiter auseinander, jedenfalls kam es mir voller vor, als beim letzten Mal. Allein den Lärmpegel empfand ich wegen meiner Kopfschmerzen zunächst als unangenehm. Spätestens nach dem ersten Bekannten, der mir in die Arme lief und dem ersten Gespräch waren die jedoch vergessen.

Ich führte viele Gespräche an diesem Tag, hörte mir sogar zwei Lesungen an. In einer erzählte Robert Corvus über seine Erlebnisse in Darjeeling. Ich verquatschte mich aber auch und verpasste leider die Lesung von Oliver Plaschka, die ich eigentlich hören wollte. Nahm aber am PERRY RHODAN NEO Programmpunkt teil, bei dem neben den beiden Exposé-Autoren Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm auch Oliver Plaschka, Michelle Stern und NEO-Neuzugang Lucy Guth angekündigt waren. PR-Chefredakteur Klaus N. Frick war ebenfalls gekommen, ihm versagte aber im entscheidenen Moment die Stimme, so dass Rüdiger gut vorbereitet und souverän durch die Stunde führte.

Nachdem meine Mitfahrgelegenheit schon früher hatte gehen müssen, suchte ich für die Rückfahrt nach Frankfurt eine Alternative. Rüdiger Schäfer war mein Retter, der brachte Rainer Schorm zum Frankfurter Hauptbahnhof und nahm mich kurzerhand mit. Wir warteten in Buchschlag zwar eine gefühlte Ewigkeit an einer Bahnschranke, kamen aber pünktlich an, so dass Rainer seinen Zug noch bekam. Ich fuhr voller Euphorie vom Hbf weiter und als ich aus der U-Bahn ausstieg und am Fahrkartenautomaten vorbeikam, stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich mir gar keine Fahrkarte gekauft hatte. Unfassbar, jetzt war ich auch noch zum Schwarzfahrer geworden. 

Nach einer kurzen erholsamen Nacht, trotz des Verkehrslärms – ich bin das echt nicht mehr gewohnt, seit ich nicht mehr in München wohne  – und einem guten Frühstück fuhr ich am Sonntagmorgen wieder nach Hause. Diesmal nahm ich bis zum Bahnhof den Bus, um noch ein bisschen von der Stadt zu sehen. Der fuhr tatsächlich zwischen den Wolkenkratzern hindurch, was mich ein bisschen an meine Zeit in New York City erinnerte. So ging ein schönes und ereignisreiches Wochenende mit einem Blick auf die Frankfurter Skyline zu Ende.

Nichts Neues im Autoland

Was dem US-Amerikaner seine Waffen sind, ist dem Deutschen sein Auto. Erneut scheiterte gestern im Bundestag die Abstimmung für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Was von meinen Kollegen und Bekannten mit großer Genugtuung aufgenommen wurde. Ich kann daran leider nichts Positives finden. Und sehe darin einen eklatanten Mangel an Veränderungswille in der Bevölkerung und der Regierung. Klimaschutz bedeutet in erster Linie Verzicht, für jeden von uns. Daran sollten wir uns lieber früher als später gewöhnen. Wenn wir wirklich die Umwelt, wie wir sie kennen, erhalten wollen, müssen wir lernen zu verzichten. Unteranderem auf den Nervenkitzel und den Spaß mit 200 Sachen über die Autobahnen und Landstraßen zu heizen. Eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre da schon mal ein Anfang. Bei 130 km/h bräuchten wir keine benzinschluckenden PS-Boliden mehr, es käme zu weniger Unfällen, es würden weniger Menschen im Straßenverkehr sterben und der Verkehr würde besser fließen.

In der DDR galt Tempo 100 km/h auf Autobahnen und es hat 40 Jahre lang niemandem geschadet. Heute müssen manche unbedingt mit Tempo 200 dahinrasen, während ihnen das Fahrzeug dabei auch noch den Eindruck vermittelt, sie würden es bei der Geschwindigkeit beherrschen. Jedes Mal, wenn wir mit dem Auto längere Strecken auf der Autobahn fahren, fährt bei mir die Angst mit. Die Angst, beim Überholen von so einem Raser erwischt zu werden. In Baustellen und bei Geschwindigkeitsbegrenzungen wird man entweder von hinten bedrängt, oder man kommt sich vor wie der letzte Depp, weil man sich daran hält. Entspannend finde ich das alles nicht.

Wir schimpfen über die Amerikaner und ihre Waffengesetze. Wir Deutsche sind doch nicht besser, wenn es um das Thema Auto geht. Und kommt mir bitte niemand mit dem Argument, dass dadurch Arbeitsplätzen in Gefahr sind. Die wenigsten Autos und Zulieferteile werden noch in Deutschland produziert. Und die dicken PS-Karossen können sich ohnehin nur die Firmen und Selbständigen leisten. Ich bin mir sicher, die Mehrheit der deutschen Autofahrer, die keine PS-starken Autos fahren, wäre für eine Geschwindigkeitsbegrenzung. In den anderen europäischen Staaten funktioniert es doch aus. Nur wir müssen mal wieder aus der Reihe tanzen.

Dabei wird die Geschwindigkeitsbegrenzung unweigerlich kommen. Spätestens wenn es nur noch Elektroautos gibt, oder tatsächlich das autonome Fahren kommen sollte, ist Schluss mit schnell fahren. Weil das System dann nicht mehr funktioniert. Mit einem Elektroauto kann man zwar auch schnell fahren. Aber umso schneller man fährt, umso schneller ist der Akku leer. Wenn wir die Klimakrise verhindern wollen – was ich nicht mehr glaube, dass es möglich ist – sollten wir uns schon mal vorbereiten, in Zukunft vielleicht nicht so mobil oder anders mobil zu sein. Mit 220 km/h auf der Autobahn fahren, wird dann nur noch eine reumütige Erinnerung sein.

Bundesakademie mit neuem Programm

Es gibt sie wieder, die Programmbroschüre der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Nachdem es im vergangenen Jahr hieß, das Programm der BA sei nur mehr online in digitaler Form erhältlich, hat man sich in diesem Jahr anscheinend umentschieden. Das freut mich, denn so bekomme ich viel besser mit, welche Kurse wann angeboten werden, wenn auch nicht alle Seminare aufgelistet sind.

In der Ausgabe fürs erste Halbjahr 2020 kommen neben den verantwortlichen Leitern der Programmbereiche auch Absolventen und Dozenten zu Wort. Unteranderem Kathrin Lange, deren Seminare ich schon öfters besucht habe.

Das ganze ist als Broschüre im A5 Querformat aufgemacht und schön bebildert. Man erfährt zudem einiges über die BA. Das Beste ist jedoch, dass ich das kleine Heft ab sofort zweimal im Jahr erhalte. Quasi alle halbe Jahre eins. Zwei Ausgaben in denen ich nach Herzenslust stöbern kann.

PS: Natürlich finden auch 2020 wieder Seminare zur phantastischen Literatur statt. Einmal im Mai und einmal im August. Ich versuche wieder teilzunehmen. In diesem Jahr hat es zeitlich nicht geklappt.

Oktober auf dem Lömberg

Mein Spielplatz als ich Kind war

An einem Wochenende, das für Mitte Oktober ungewöhnlich warm war, musste man einfach raus in die Natur. Also fuhr ich mit meinen Eltern in unser Wochenendhaus. Wir haben zwar momentan keinen Strom (defekte Zuleitung) aber den brauchten wir an diesem Nachmittag nicht.

Der Bungalow steht am Berg mit einem grandiosem Blick auf die umgebenden Täler. Ich nutzte die Gelegenheit mal wieder die Gegend zu erkunden, in der ich als Kind gespielt habe. Ich habe auf den Wiesen und im angrenzenden Wald meine halbe Kindheit verbracht. Habe Baumhäuser gebaut, einen Apfelbaum als Reitpferd missbraucht und mit dem Schäfer Schafe gehütet. Oft genug mussten meine Eltern nach mir suchen, wenn ich mal wieder nicht zum Essen erschienen bin.

Fast jedes Wochenende verbrachten wir hier. Gleich am Samstag nach der Schule ging’s los (ja, wir mussten am Samstag in die Schule) und am Sonntagabend fuhren wir wieder heim. Es sind nur 18 Kilometer, also nicht so weit. Im Urlaub bin ich mit meinen Eltern über die Berge gewandert. Wir haben Pilze und Beeren gesammelt oder abends mit den Nachbarn gegrillt.

Im Winter konnte man auf dem großen Feld sogar Skifahren, oder mit dem Schlitten den steilen Weg bis in den Ort hinab rodeln. Ich erinnere mich an einem Winter, in dem ich durch Hüfthohen Schnee den Berg hinauf gestapft bin, um eine Katzenmama und ihre Babys zu füttern, die sich unter unserer Terrasse eingerichtet hatten.

Die Jahre sind nicht spurlos an der Landschaft vorbeigegangen. Auf unserem Grundstück stehen inzwischen 10-15 Meter hohe Bäume. Auf den Wiesen weiden Kühe. An unserer Pilzstelle wird gerade ein Wasserspeicher gebaut, daneben steht ein Mobilfunkmast. Der Wald und die Wiesen sind so ausgetrocknet, dass die Bäume eingehen und es kaum noch Pilze gibt. Die einst dicht bewaldeten Berge sind licht geworden und auch die Tierwelt hat sich verändert. Früher fraßen Rehe regelmäßig unsere Rosen und Bäume ab, heute entdeckt man keines dieser Tiere mehr. Auch der Neuntöter und andere seltene Vögel, die in den Hecken genistet haben, sind verschwunden. Die Wühlmäuse und Schlangen sind noch da, auch die großen Greifvögel.

Dennoch sieht es im großen Ganzen hier immer noch so aus, wie vor dreißig Jahren. Mal sehen wie sich die Natur in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verändern wird.

Zahnlose Kassen

Unlängst musste ich wegen Zahnschmerzen zu einem neuen Zahnarzt. (Mein bisheriger musste Krankheitsbedingt leider aufhören.) Es stellte sich heraus, dass ein zwanzig Jahre altes Inlay undicht geworden war. Leider ist der Backenzahn nur mittels einer Wurzelbehandlung zu retten. Der Zahnarzt machte die Notversorgung: also Nerv raus, Medikament rein und provisorische Füllung. Anschließend bekam ich einen Aufklärungsbogen in die Hand gedrückt, auf dem ich informiert wurden, dass ich bei der anstehenden Wurzelbehandlung 260 Euro würde zuzahlen müssen. Ich sollte mir das daheim in Ruhe durchlesen und dann unterschreiben. An der Rezeption machte ich gleich zwei Termine für die Behandlung aus. Einen im November und einen im Dezember.

Wenige Tage später bekam ich einen dicken Brief vom Zahnarzt. Es war ein Kostenvoranschlag für eine Wurzelbehandlung. Wie sich herausgestellt hat, bezahlt die Krankenkasse nur noch unter ganz bestimmten Umständen eine Wurzelbehandlung. Ich fiel durchs Raster, weil mir vor dem zu behandelten Zahn bereits ein Zahn fehlt. Damit habe ich bis zur Mitte des Kiefers keine geschlossene Zahnreihe mehr, deshalb zahlt Kasse nicht. Die Kassenoption wäre, mir den Backenzahn ziehen und eine Brücke anzufertigen zu lassen. (Die dann wahrscheinlich dreimal so teuer, wie die Wurzelbehandlung ist).

Als ob das allein nicht aufregend genug ist, kommt hinzu, dass sich der Kostenvoranschlag des Zahnarztes für die Behandlung auf sage und schreibe 1055 Euro beläuft. Für einen Zahn wohlgemerkt und da ist die Krone, die ich anschließend brauchen werde, noch nicht mal mit dabei. Wahnsinn! Für manch einen ist das ein Monatsgehalt. Ich habe jetzt bei einem anderen Zahnarzt einen weiteren Kostenvoranschlag eingeholt, der deutlich günstiger ist. Den reiche ich bei der Zahnzusatzversicherung ein, die ich habe und dann werden wir sehen, wie sich das finanzieren wird.

Was ich mich angesichts des Vorfalls frage: wofür man überhaupt noch in die Krankenkasse einzahlt, wenn die dann die Kosten für eine anständige Zahnbehandlung nicht übernimmt? Da kann man sich doch gleich privat versichern. Wer legt eigentlich fest, was bezahlt wird und was nicht? Wahrscheinlich entscheiden das keine Ärzte, sondern Beamte.

Im Übrigen bekam ich heute vom Zahnarzt eine Rechnung für die Notversorgung. 50 Euro darf ich selber zahlen, weil die Kasse nicht alles übernimmt. Manche Zahnärzte sind schon echt unverschämt.

TAN oder Nicht-TAN

… das ist neuerdings die Frage beim Online-Banking.

Seit September gelten verschärfte Bedingungen beim Bezahlen im Internet und auch beim Online-Banking. Ich begrüße das, macht es doch den Zahlungsverkehr im Netz sicherer. Das es aufwändiger werden würde, damit hatte ich gerechnet. Stand ich doch unlängst beim Fahrkartenkauf im Internet mit Kreditkarte vor einem kaum lösbaren Hindernis. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung funktionierte nicht so richtig. Sprich, ich konnte nicht bezahlen, weil bei der Bank gerade die Server unten waren und die App keine Verbindung herstellen konnte. Zum Glück habe ich noch ein PayPal-Konto. Es hilft also, sich mehrere Bezahlwege offenzuhalten.

Beim Online-Banking benötigt man jetzt eine TAN, um sich seinen Kontoauszug anzeigen zu lassen. Hm! Etwas nervig, aber wenn es sein muss …  Umso überraschter war ich, als ich nach meiner letzten Überweisung folgende Meldung erhielt:

Wie jetzt? Ich kann eine Liste anlegen, auf der ich Kontonummern eintragen kann, für die ich keine TAN brauche, wenn ich dorthin etwas überweisen möchte. Eine Liste, die dann auf einem Computer gespeichert wird und von irgendwelchen Hackern (nein, nicht von mir) beliebig manipuliert werden kann! Äh, da kann ich es doch mit der verschärften Sicherheit gleich sein lassen. Wieso erst etwas sicherer machen, um es dann wieder zu entschärfen? Klar geht es hier um Bequemlichkeit. Wahrscheinlich haben sich nicht wenige Kunden bei den Banken und Sparkassen beschwert, weil das Shoppen und Überweisen ein wenig aufwendiger geworden ist. Und die Banken sind eingeknickt und versuchen auf diesem Weg die neuerrichteten Sicherheitssperren zu umgehen. Da kann man sich eigentlich nur noch an den Kopf greifen.

Das schwarze Entlein

Ein Schwärzling?

Am Sonntag waren wir mal wieder am See. Ab Oktober ist es hier schön ruhig und man kann das bunte Laub und die bleierne Oberfläche des Sees in Ruhe auf sich wirken lassen.

Da ist mir zwischen den Enten und Blesshühnern eine schwarze Ente aufgefallen. Bei näherem Betrachten scheint es sich um eine ganz normale Stockente zu handeln. Nur das sie komplett schwarz ist. Eine Kreuzung mit einem Blesshuhn schließe ich aus. Ich habe aber unlängst von einem schwarzen Zebra mit weißen Tupfen gelesen. Es ist ein sogenannter »Schwärzling«, das Gegenteil eines Albinos. Also einer Mutation, die Melanismus genannt wird. Bei diesen Tieren haben sich zu viele dunkle Pigmente in Haut, Federn oder Schuppen eingelagert.

Ich nehme an, dass die Ente, die ich beobachtet habe, ein solcher »Schwärzling« ist. Beeinträchtigt wird sie davon sicher nicht. Ganz im Gegensatz zu dem Zebra, dem die Forscher keine große Überlebenschancen zusprechen. Weil ein Zebra die Streifen nicht zur Tarnung, sondern zur Abwehr von Insekten benötigt. Die werden nämlich durch den Wechsel der schwarzen und weißen Streifen irritiert und können dort nicht landen.

Das wusste ich auch noch nicht. Es stand in der vorletzten Ausgabe der PM. Da soll noch einer sagen, lesen bildet nicht.