In Catrons Hirn

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 327 – »Festung der Loower« von Marie Erikson und Michael Tinnefeld

Lia Tifflor leidet nicht nur an den Folgen eines kalten Entzugs, sondern wird zudem in Ereignisse verwickelt, welche die Crew der BASIS vor große Herausforderungen stellt. So bergen sie ein Artefakt, dass mit einer patrouillierenden Dragonfly kollidierte. Aus ihm schält sich ein Labori und greift die Ärztin und Douc Langur an. Das so gut wie unbezwingbare Wesen kann nur durch das Eingreifen einer Schwester der Tiefe gestoppt und vernichtet werden. Die Schwester der Tiefe – Aveen ter Lomaar – ist zu Tifflors Schutz gekommen, da die Ärztin offensichtlich etwas in sich trägt, was für die Schwestern wichtig ist.
Derweil dringt die Gruppe um Perry Rhodan auf Monol in die Festung der Loower ein, um zu den neun Stammzellen von Catron vorzustoßen. Überraschenderweise treffen sie dort auf eine Gruppe Loower, die schon lange versuchen Catron zu zerstören. Sie offenbaren Rhodan ihren Plan das Neuronat zu zersplittern. Doch da greifen die Schwestern der Tiefe ein, um die Stammzellen zu stehlen. Die Loower und die Menschen versuchen es zu verhindern. Es gelingt ihnen mit vereinten Kräften die Schwestern in die Flucht zu schlagen, aber zwei Stammzellen werden beschädigt. Die Loower bitten Pankha-Skrin um Hilfe, doch der Quellmeister verschwindet. Perry Rhodan scheint nun der Einzige zu sein, der das drohende Unheil noch verhindern kann.

Zuerst habe ich gedacht: wie soll ich so viel Handlung sinnvoll zusammenfassen? Weil in dem Roman unheimlich viel passiert. Dann habe ich aber gemerkt, dass es gar nicht so viel Handlung ist, sondern nur sehr viel Umschreibung.

So geraten Perry Rhodan und seine Mitstreiter auf ihrem Weg durch die Festung in allerlei gefährliche Situationen und müssen Rätsel lösen, um letztendlich bis zu Catrons-Stammzellen vorzudringen. Der Loower Pankha-Skrin ist zwar eine Hilfe, aber Rhodan weiß nach wie vor nicht, ob sie dem Quellmeister vertrauen können. Die vielen Horror-Elemente und die Actionszenen sind mir in diesem Fall fast ein wenig zu viel. Vor allem der Mausbiber kann einem leidtun, denn die »quält Gucky«-Momente, nehmen am Anfang des Romans viel Platz ein. Ich hätte mir etwas mehr Ruhe und dafür mehr tiefere Erläuterungen gewünscht.

Nicht weniger actionlastig war der Handlungsstrang um Lia Tifflor. Die Arme ist durch ihre Sucht ohnehin schon gequält genug, da muss sie auch noch an einer Außenmission teilnehmen, auf der sie von einer Art Roboter angegriffen und »ausgelesen« wird. Später auf der Krankenstation wird sie in einen Kampf mit einem Labori verwickelt. Und weil das alles noch nicht reicht, wird sie von einer insektoiden Schwester der Tiefe entführt und verliert dabei beinahe ihr Gehirn. Spätestens an der Stelle war es bei mir mit der Glaubwürdigkeit vorbei. Das liegt in dem Fall aber nicht am Autor, sondern an der schrägen Staffelhandlung, die inzwischen jegliche Bodenhaftung verloren hat. Ich vermute, dass dieser Handlungsstrang von Michael Tinnefeld stammt. Der Psychologe ist geradezu prädestiniert, um einen so zerrissenen Charakter wie Lia Tifflor zu beschreiben. Es gelingt ihm sehr gut, die Ängste und verschiedenen emotionalen Zustände der Ärztin den Lesern näher zu bringen. Sein Stil ist flüssig und man spürt die Mühe, die er in jeden Satz gesteckt hat.

Dennoch leidet der Roman in weiten Teilen daran, dass beide Handlungsebenen zu viel Action und zu viel Personal enthalten. Ich habe beim Lesen mehrfach den Anschluss verloren und musste zurückblättern, weil ich nicht mehr wusste, wer jetzt was wann gemacht hat. Ich denke, dass beide Autoren hochmotiviert waren und möglichst viel in den Roman hineinstecken wollten. Doch manchmal schadet ein Zuviel des Guten, dann ist weniger einfach mehr.

Von den vielen glücklichen Zufällen und Schicksalsfügungen will ich gar nicht anfangen. Mich verwundert, dass die Loower Perry Rhodan so viel Vertrauen entgegenbringen, weil sie ihn sofort und ohne weitere Überprüfung in ihre Pläne einweihen und das nur, weil er ein Quellhäuschen trägt, dass durch einen Loowerbiss entstanden ist. Das Gleiche gilt für Lia Tifflor, die mit Aveen ter Lomaar – einer Schwester der Tiefe – medizinische Forschungsdaten austauscht, obwohl diese kurz zuvor noch Lias Gehirn extrahieren wollte. Bei aller Liebe, aber das ist mir alles ein wenig zu weit hergeholt. Hier konzentrieren sich meiner Meinung nach, die Exposéautoren wieder mal mehr auf die Vorbereitung der kommenden Staffel, anstatt die Handlung um Catron erst einmal sinnvoll aufzulösen. Das mag ja alles miteinander irgendwie zu tun haben, aber bei so viel Komplexität wird es irgendwann unübersichtlich.

»Festung der Loower« ist der solide Debutroman von Michael Tinnefeld und sein Einstieg in die NEO-Serie sowie eine große Spielwiese für Horrorspezialistin Marie Erikson.

Zwei Romane in einem

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 326 – »Expedition Monol« von Ruben Wickenhäuser

Perry Rhodan hat endlich ein Ziel. Nur im Zentrum von M 87 auf Monol können die Menschen dem Neuronat Catron entgegentreten und mit Hilfe einer Catron-Ader in die Milchstraße zurückkehren. Doch von Monol geht eine parapsychische Strahlung aus, die eine Annäherung verhindert.
Eric Leyden und Geoffry Abel Waringer tüfteln an einer Lösung, die sie im Libraschirm der SOL finden. Der könnte mit ein paar Modifikationen die Menschen vor der Strahlung schützen. Aber für die gefährliche Mission nach Monol muss das Raumschiff evakuiert werden. Fünfzehntausend Solaner müssen ihre Heimat verlassen ohne eine Garantie, zurückkehren zu können. Die meisten leben dort seit Generationen und sind nicht willig ihre Heimat so einfach aufzugeben.
Das Unmögliche gelingt, Perry Rhodan und die Schiffsführung der Großen Alten können die Solaner überzeugen. Mit einer Rumpfbesatzung fliegt die SOL nach Monol. Doch die Welt von Catron ist mehrfach gesichert. Spätestens an den Waffenplattformen scheitern die Terraner. Da bekommen sie unerwarteterweise Hilfe von dem Loower Pankha-Skrin. Das Loowerkind hatte Perry Rhodan einst gebissen. Nun erwachsen, revanchiert er sich und bringt Rhodan, zusammen mit Thora, Gucky, Icho Tolot sowie Omar Hawk und seinem Okrill Watson nach Monol. Die SOL bleibt in sicherer Entfernung zurück.
Nach ihrem Absturz auf Monol erleben die sechs gefährliche Situationen, die sich zwar schnell als Simulation entpuppen, aber dennoch tödlich sein könnten. Sie stoßen auf eine Spähre in der Perry und Thoras Tochter Nathalie gefangen gehalten wird. Mit Hilfe von Pankhra-Skrin können sie die altersschwache Schwester der Tiefe befreien und sich ihrem finalen Ziel einer neuneckigen Festung nähern.

Es stecken eigentlich zwei Romane in diesem NEO und die könnten nicht unterschiedlicher sein. Im ersten schildert der Autor die Evakuierung der SOL mit all ihren Schwierigkeiten. Dafür wählt er die Perspektive der Ärztin Lia Tifflor, die sich nur noch mit Aufputschmitteln aufrecht hält. Das ist sehr gefühlsbetont und vor allem nachvollziehbar geschildert. Dass aber letztendlich nur das Charisma von Perry Rhodan, die Aufständigen befriedet, sei dahingestellt. Wie realistisch das ist, vermag ich nicht einschätzen. Die Handlung hat mir aber auf Grund ihrer Bodenständigkeit gut gefallen.

Entgegen dieser eher realistischen Geschichte schwenkt die zweite Hälfte des Roman komplett ins Phantastische ab. Monol ist jene Welt, auf die es Perry Rhodans Gehirn am Ende seiner Odyssee verschlagen hatte und auf der er ein Fantasy-Abenteuer erlebt hatte. Dasselbe passiert nun mit den Teilnehmern des »Außenteams«. Da wird jeder mit Kreaturen aus seiner eigenen Phantasie konfrontiert, inkl. Watson, der ein Okrillweibchen gegen Hawk verteidigt.

Interessant wird es, als man auf Nathalie trifft und so nach und nach die Zusammenhänge erfährt. So waren es die Schwestern der Tiefe, die Rhodans Gehirn entführten, um es in Catron zu implantieren. Sie erhofften sich damit die Kontrolle über das Neuronat. Doch Catron leitete das Gehirn um, weshalb Rhodan in Naupaum landete. Das klingt für mich zumindest einigermaßen nachvollziehbar, wobei mich die Rolle Perry Rhodans – als Übermächtigen – dann doch ein wenig stört. Wieso soll ausgerechnet sein Gehirn Catron schaden? Roi Danton wurde zumindest dafür konditioniert. Rhodan ist doch nur ein Zeitträger.

Nett waren die vielen Bezüge zu vorangegangenen Staffeln, die ich teils nur noch schwach in Erinnerung hatte. Da wird der ein oder andere Neuleser fragend die Stirn gerunzelt haben, aber sie verleihen der Serie einen inneren Zusammenhang.

Nun ist Familie Rhodan da Zoltral wieder vereint. Und jetzt? Da erwarte ich noch ein bisschen mehr, als das, was mir bisher gezeigt wurde. Und kann mir bitte endlich mal jemand erklären, was denn nun eine Dyade ist. Herausheben möchte ich an dieser Stelle das exzellente Titelbild, das Thora mit ihrer Tochter Nathalie zeigt.

Alles in allem ist »Expedition Monol« ein unterhaltsamer und kurzweilig Roman, der neben Science Fiction viel Sozial Fiction enthält und daher verschiedene Leserschichten gleichzeitig anzusprechen vermag.

Interdimensionaler Thriller

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PERRY RHODAN NEO Band 325 – »Die Dimensionsfalle« von Lucy Guth

Der Kartanin Oogh at Tarkan plant zusammen mit Icho Tolot und Weidenburn die Rettung der SOL und der NARGA PUUR aus der Dimensionsfalle im Ardustaar-System. Die dort beheimateten Kartanin sind extrem skeptisch und es dauert bis sie der BASIS die Erlaubnis geben, in ihr System einzufliegen. Voraussetzung, sie dürfen die auf der BASIS stationierte Flotte nicht ausschleusen, was eine Evakuierung des Schiffes im Notfall unmöglich macht. Denn es ist noch nicht sicher, ob die Befreiungsaktion gelingt und welche Gefahren dabei auftreten.
Icho Tolot dringt mit der DOLAN in die dimensionale Verwerfung vor. An Bord sind Perry Rhodan, Oogh at Tarkan, Omar Hawk sein Okrill Watson und Douc Langur. Die letzteren beiden können mittels eines Verbindungstunnels der DOLAN auf die SOL überwechseln, während Tarkan auf die NARGA PUUR zurückkehrt.
Mit Hilfe des Tesserakts der BASIS sollen die Schiffe in den Normalraum zurückgebracht werden. Das gelingt nicht ohne Schwierigkeiten. Unteranderem werden viele Passagiere auf der SOL und der NARGA PUUR verletzt und getötet, unteranderem Oogh at Tarkan. Am Ende geht dem Tesserakt die Energie aus und die BASIS droht von der rematerialisierenden NARGA PUUR zerstört zu werden.
Aber auch die Kartanin im Ardustaar-System beobachten das Geschehen kritisch. Es ist der Weitsicht von Shu-Han H’ay (die im übrigen Dao Lin H’ays Mutter ist) zu verdanken, dass es nicht zu Kampfhandlungen kommt und die Kartanin sich um die Opfer auf der NARGA PUUR kümmern.
Am Ende ist der Tesserakt der BASIS erloschen, der Rückweg in die Milchstraße aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Die SOL und die BASIS scheinen endgültig in M 87 gestrandet, bis Icho Tolot die Idee hat, die von Monol ausgehende Catron-Ader für die Rückreise zu nutzen. 

Ha! Kurz vorm Ende der Geschichte eröffnet Sam Breiskoll seinem Sohn Bjo wer seine Mutter ist – es ist Dao Lin H’ay. Ich hab’s ja gewusst. Den Gedanken hegte ich schon lange. Vielleicht bekommen wir die Geschichte auch irgendwann mal erzählt. Ansonsten war der Roman etwas … nun ja … nichts für technikscheue Leser. Das war zwar spannend aber bisweilen schon grenzwertig und ich bin mir sicher, hätte Rainer Schorm diesen Roman geschrieben, wäre es wahrscheinlich noch komplizierter geworden.

In dieser Hinsicht bin ich froh, das Lucy Guth den Roman verfasst hat, so kam die charakterliche Seite der Figuren nicht zu kurz. Die Geschichten auf der BASIS mit der zweiten Pilotin Tonie Despieux und auf der SOL mit Donna Stetson, Douc Langur und SENECA haben mir gut gefallen, ebenfalls Icho Tolots »Kampf« mit den Energien auf der DOLAN. Am besten gefiel mir aber die Darstellung von Shu-Han H’ay und der Gesellschaft der Kartanin, ihre Skepsis und ihre Bewegründe. Die Katzenvergleiche waren amüsant zu lesen und man konnte sich die Charaktere richtig gut vorstellen.

Es gab aber auch ein paar Handlungsteile, die mir nicht ganz schlüssig erscheinen. Warum stehen die Kartanin nicht unter der Knute der Konstrukteure des Zentrums? Warum scheint sich Catrons Strahlung in diesem System nicht auszuwirken? Die Spezies erscheint mir fast zu friedlich. Außerdem klang die Geschichte rund um die Rettung etwas sehr konstruiert. Da fragt man sich, wenn es so einfach ist, warum hat das bisher noch keiner versucht. Was die zeitlichen Abläufe und Verschiebungen auf den beiden in der Dimensionsfalte gefangenen Schiffen angeht, so hab ich das irgendwann ausgeblendet, weil ich es nicht mehr nachvollziehen konnte.

Zumindest fliegt man jetzt endlich nach Monol (Dank Icho Tolot weiß man ja jetzt wo es ist.) So richtig zielstrebig erscheint mir die Mission der BASIS in M 87 aber von Anfang an nicht. Was hat Perry Rhodan eigentlich in M 87 vor? So richtig klar ist ihm das wohl selbst nicht. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

»Die Dimensionsfalle« ist ein sehr spannender Roman mit einem sehr komplexen technischen Hintergrund den Lucy Guth aber mit viel Humor und Einfühlungsvermögen für ihre Figuren gut zu überspielen weiß.

Der Schäfer und die Sch(l)äferin

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 324 – »Die Schläferin« von Rüdiger Schäfer

Die Labori Imara Tugh erwacht in einer irdischen Höhle in Menschengestalt. Sie wurde auf die Erde geschickt, um im Auftrag der Lordrichter Informationen für einen Hordenzug zu sammeln. Im Laufe ihrer Zeit auf der Erde erfährt sie nicht nur vieles über die Yissan (Menschen), sondern sie fängt an, Sympathie für die Bewohner Terras zu empfinden. Letztendlich verlässt sie sogar ihren Beobachterposten und greift aktiv in die Geschehnisse ein.
Zum Jahreswechsel 2114 wird mit Hilfe der Akonen ein blauer Schirm um das Solsystem aktiviert. Zuerst scheint alles gut zu gehen, doch schon wenig später kommt es systemweit zu Gravitationsstörungen, Sonnenstürmen und Naturkatastrophen auf allen Welten. Die Lage spitzt sich zu, als man versucht, den blauen Schirm wieder abzuschalten. Schließlich wird der Auslöser in den Überresten der Stehle lokalisiert, die Catron in Terrania wachsen ließ. Einhundert Meter unter dem Gebilde entdecken die Forscher Höhlen, von denen ein Hyperpuls auszugehen scheint, der mit dem Schirm wechselwirkt. Reginald Bull und eine Gruppe Wissenschaftler graben sich bis zu den Höhlen vor und stoßen dort auf die noch lebende Hülle von Catrons ehemaligen Bewusstsein, die sich instinktiv gegen den Schirm wehrt. Doch von dem Neurogewebe ausgehende Emanationen versetzen Bull und seine Mitstreiter in Handlungsunfähigkeit. Imara Tugh ergreift die Initiative, zerstört das Zerebrum und rettet damit nicht nur Reginald Bull das Leben.

Exposéautor müsste man sein, dann kann man seine eigenen Ideen fernab der Staffelhandlung verwirklichen. Das soll jetzt keine Kritik sein, aber ich finde es interessant, wie clever sich Rüdiger Schäfer die Sahnehäubchen der Handlung sichert.

Konsequent setzt er in »Die Schläferin« die Handlung von Band 304 fort. Kenner der Erstauflage werden mit den Namen »Horden von Garbesch« und »Lordrichter« etwas anzufangen wissen. Für mich sind sie komplett neu und unbefleckt. Unabhängig davon werden die Puzzleteile aber sehr gut im NEOversum platziert und geben einen kleinen Einblick in das Große und Ganze, völlig ohne Zwiebelschalenmodell. NEO-Leser wird es freuen, mehr über die Hintergründe zu erfahren, mit denen sich Perry Rhodan und seine Freunde seit Beginn der Serie herumschlagen müssen. Ein bisschen Wehmut aber bleibt, denn die Bodenständigkeit von NEO, das was die Serie viele Jahre ausgemacht hat, nämlich der Bezug zur näheren Gegenwart, geht damit leider vollends verloren. Da helfen auch die Versuche nicht, die Geschehnisse wissenschaftlich erklären zu wollen.

Gut gefallen hat mir die Darstellung der Beziehung zwischen Protektor Reginald Bull und der ersten Terranerin Sheela Rogard. Es sind diese Momente, die die Romane von Rüdiger Schäfer so besonders machen. Da liebt und leidet man gern mit. Das ist so lebensnah und weise geschrieben, wie man es in dieser Intensität nur bei sehr wenigen PERRY RHODAN-Autoren findet.

Herausheben möchte ich aber auch die Kapitel aus Sicht von Imara Tugh, die zunächst von den Terranern und ihrer »Weichheit« angewidert ist, sich aber der Faszination der Menschheit im weiteren Verlauf nicht entziehen kann. Was am Ende mit ihr passiert, wird leider nicht komplett aufgelöst, da ist von Tod bis zur Beförderung alles drin. Ich lasse mich überraschen, ob und wann wir die Labori wiedersehen werden.

Rüdiger Schäfer ist immer für einen lesenswerten NEO gut. Mit »Die Schläferin« hat er wieder einen spannenden Beitrag geliefert, der sich vor allem auf den Charakter von Reginald Bull und der Labori Imara Tugh stützt. Vielleicht schreibt er mal einen Roman, der den Titel »Die Schäferin« trägt, das wäre nur folgerichtig.

Schräg gefaltet

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 323 – »Der KLOTZ« von Rainer Schorm

An Bord der BASIS kämpft Lia Tifflor um das Leben des Kartanin Oogh at Tarkan. Dessen Erinnerungsschübe offenbaren seine irrwitzige Flucht als Kommandant der NARGA PUUR von seinem in einer Dimensionsfalte gestrandeten Schiff, dass er fortan als KLOTZ bezeichnet.
Icho Tolot hat an Bord der DOLAN mit ähnliche Problemen zu kämpfen. Ihn verschlägt ein Hilferuf erst nach Amber einer Welt außerhalb des normalen Raum-Zeit-Kontinuums, danach in die Kernzone von M87, auf einen Schiffsfriedhof, eine Kristallwelt, die offenbar die Quelle der Catron Strahlung ist, bis er schließlich mit der NARGA PUUR in der Dimensionsfalte kollidiert und in den freien Weltraum geschleudert wird. Hier entdeckt er die Energiesignatur des Tesserakts der BASIS und folgt dem Schiff.
Perry Rhodan ist höchst erfreut, seinen alten Freund Tolot wiederzusehen. Zumal der Haluter nicht nur eine neue weiterentwickelte DOLAN konstruiert, sondern auf seiner Odyssee nach M87 auch wertvolle Daten gesammelt hat. Als Oogh at Tarkan Perry Rhodan bittet, die NARGA PUUR aus der Dimensionsfalte zu befreien, lehnt dieser zunächst ab. Doch da präsentiert Demokrit, die Bordintelligenz der DOLAN, den Terranern eine Sensoraufzeichnung. Zusammen mit der NARGA PUUR ist ein zweites Schiff seit einer Millionen Jahren in der Verwerfung gefangen – die SOL.

Ohne Übertreibung kann ich behaupten, das dies der schrägste NEO-Roman war, den ich je gelesen habe. Ich verneige mich vor Rainer Schorm, der ein Feuerwerk unglaublicher Ideen abbrennt. Es ist so schräg, dass ich es hier nicht wiedergeben kann. Das muss man lesen, um es zu verstehen oder auch nicht. Denn vieles davon ist sehr komplex, man muss sich schon sehr anstrengen, um den Überblick zu behalten und den wissenschaftlichen Erklärungen zu folgen. Aber es ist unterhaltsam geschrieben und spannend wie ein Thriller.

At Tarkans Flucht aus der NARGA PUUR (oder dem KLOTZ) erinnert etwas an den Film »Cube“. Da wechseln sich nicht nur die Umgebungen mit jedem Schritt durch das nächste Schott, sondern auch die Dimensionen. Die grusligen Ideen, die der Autor hier eingebaut hat, jagen einem beim Lesen regelmäßig die Schauer über den Rücken.

Auch Icho Tolots Odyssee, die zwar nicht gerade zufällig scheint, ist mit brillanten Ideen gespickt. Einiges ist düster und makaber, aber den Ausgleich schafft Rainer Schorm durch witzige Dialoge und seinem Sinn für schwarzen Humor. Allein wegen der vielen flapsigen Kommentare und den tiefsinnigen Erklärungen ist der Roman es wert, gelesen zu werden.

»Der KLOTZ“ ist schräg und das ist nicht nur wörtlich zu nehmen. Er liest sich mitunter etwas anstrengend, aber durch die irrwitzigen Ideen des Autors und seines unverwechselbaren Humors ist es dennoch eine lohnenswerte Lektüre.

Verschlammt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 322 – »Der Schlammplanet« von Marie Erikson

Nachdem ein geistig verwirrter Thomas Rhodan da Zoltral in die Antriebssektion der BASIS vordringt und dabei durch die Strahlung fast umkommt, erkennt Rhodan, dass er den Antrieb der BASIS reparieren lassen muss, bevor noch jemand zu Schaden kommt. Der Kartanin Oogh at Tarkan schlägt ihm vor, die drei Musketiere zu bitten, den Kontakt zu den technikaffinen Dumfries herzustellen. Zusammen mit Gucky, Douc Langur brechen sie in einem kleinen Raumschiff auf, um die Musketiere zu suchen. Nachdem Rhodan und Tarkan die Botschaft abgeschickt haben, erhalten sie als Antwort einen Hilferuf. Sie fliegen zum Planeten Duha, dessen Oberfläche vorwiegend aus Schlamm besteht. Rhodan und Gucky mischen sich in Spiegelfelder gehüllt unter die vier Meter großen einheimischen Duhari, die gerade eine Prozess vorbereiten. Drei Fremde haben versucht, ihre heilige Truhe zu öffnen und sollen in einem Schlammloch hingerichtet werden. Rhodan erkennt in den Drei seine Freunde Gayt-Coor, Torytrae und Doynschto aus Naupaum wieder. Gucky kann Gayt-Coor und Torytrae aus dem Schlammloch retten, in das man sie gestoßen hat. Bei Doyntscho versagen seine Kräfte. Es entbrennt ein kurzer Kampf zwischen den Duhari und den Kampfrobotern aus Rhodans Schiff und alle können von Duha fliehen.
Auf der BASIS trifft, dank der Drei Freunde, wenig später ein Team aus Dumfries ein. Doch Rhodans Taktik, den Fremden die Natur der BASIS zu verschleiern, schlägt fehl. Als auch noch Tarkan sich ungefragt dem Tesserakt nähert, kommt es beinahe zur Katastrophe. Teile des Antriebs explodieren. Drei Dumfries sterben und werden zusammen mit den Verbliebenen von ihren Leuten wieder abgeholt, während die BASIS mit einer Nottransition entkommen kann.

Der Roman ist zweigeteilt und ich muss gestehen, dass, wenn die Handlung auf dem Schlammplaneten nicht so unterhaltsam gewesen wäre, mein Urteil hier härter ausfallen würde. Marie Erikson gelingt es durch den ungewöhnlichen Weltenbau, die witzigen Einlagen mit Gucky und Rhodan und die sehr sympathische Beschreibung der drei Freunde aus Naupaum, mich die ersten zwei Drittel des Romans gut zu unterhalten. Man stelle sich vor: eine Echse, ein Yaanztroner und eine Gottesanbeterin in einem Schlammloch. Dazu ein Gucky, der unter eine Schlammdusche gerät und ein Perry Rhodan, der bei der Rettungsmission den Überblick behalten muss. Dieser Teil ist sehr leicht, sehr lustig und sehr gut geschrieben.

Die Handlung auf der BASIS verkommt dagegen zu einem Dilemma. Ich frage mich ja ganz ernsthaft, warum man Thomas Rhodan weiterhin durch die Handlung schleppt. Mir war die Figur nie wirklich sympathisch und ich ertappe mich dabei, dass ich mir wünsche, das Bewusstsein von Roi Danton möge den Körper von Rhodans Sohn komplett übernehmen. Ich fand die Szene am Anfang genauso unnötig wie später bei Oogh at Tarkan. Wenn es einen bestimmten Grund gibt, warum sich beide von der Tesserakt-Strahlung, die ja so gefährlich sein soll, angezogen fühlen, dann möchte ich dafür auch eine Erklärung bekommen.

Das andere ist Rhodans Einstellung den Dumfries gegenüber. Ist er tatsächlich so naiv, dass er glaubt, die besten Techniker von M87 erkennen nicht, was es mit der BASIS auf sich hat? Überhaupt, wie sollen sie etwas reparieren, wenn sie nicht wissen, was es ist? Und sie dann, nachdem alles so unglaublich schief läuft, einfach in Rettungskapseln auszusetzen und zu flüchten, sieht dem verantwortungsvollen Terraner nicht ähnlich. Wer auch immer sich das ausgedacht hat, hat den Charakter Perry Rhodans nicht verstanden.

Ich hatte mich sehr auf M87 gefreut, aber mir missfällt, wie sich die Handlung entwickelt. Wieder haben wir mit einem defekten Raumschiff und Leuten mit Gedächtnisverlust zu tun. Erneut tritt die Handlung auf der Stelle. Wo bleiben die Ideen? Welche Ziele verfolgen die Terraner in M87 und warum lassen sie sich immer wieder in Nebenkonflikte verstricken, anstatt nach Informationen über Catron zu suchen. Und was zur Hölle war in der Truhe?

Allein wegen der Handlung auf Duha ist »Der Schlammplanet« zu empfehlen.

Maasvoller NEO

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 321 – »Duell der Druisanten« von Ruben Wickenhäuser

Die BASIS wird von den Raumschiffen der Skoar ins Dewellsystem eskortiert. Dort wird Perry Rhodan vom Befehlshabenden Druisanten Kibosh Baiwoff auf den 4. Mond des Planeten Dwellion eingeladen. Auch wenn die Geste zunächst freundlich erscheint, bleibt das Außenteam um Perry Rhodan, John Marshall, Ras Tschubai und Sarah Maas misstrauisch. Aus gutem Grund wie sich herausstellt. Baiwoffs Stellvertreter Agen Thrumb plant eine Verschwörung gegen seinen Vorgesetzten und informiert Perry Rhodan darüber, dass ein Dekonstruktor der Konstrukteure des Zentrums auf den Weg ist, um die BASIS zu zerlegen. Das bekommt Baiwoff mit und macht Jagd auf seinen Stellvertreter.
Ras Tschubai teleportiert Perry Rhodan und das Außenteam in ihre Space-Disk. Mit Hilfe von Thrumb, der inzwischen einen Großteil des Stützpunktes unter seine Kontrolle gebracht hat, können sie von dem Mond zurück zu BASIS fliehen.
Doch da erscheint der Dekonstruktor und umschließt die BASIS für die geplante Zerlegung. Erst als ein Raumschiff mit einem Kartanin in das System einfliegt und in die BASIS einschleust, lassen die Raumschiffe der Skoar und der Dekonstruktor von der BASIS ab. Die BASIS wird beschleunigt und kann trotz Beschuss mit einer Nottransisition flüchten.
Das Waffenfeuer der Gegner hinterlässt allerdings schwere Schäden am Dimetransantrieb.
Damit ist die BASIS erst einmal in M87 gestrandet.

Eigentlich passiert in dem Roman sehr wenig, was ihn über weite Strecken sehr langatmig macht. Ruben Wickenhäuser beschreibt jedes Detail komplex und ausführlich, ohne das man tatsächlich eine Vorstellung davon bekommt. Die Beschreibung der Kultur der Druisanten mögen durchaus reizvoll sein, sind aber perspektivisch nicht immer passend. Zu oft verwendet der Autor einen allwissenden Erzähler, um Informationen zum Handlungsablauf zu vermitteln. Das kann man machen, ich ziehe allerdings die personelle Perspektive vor, weil es das Lesen erleichtert, wenn man direkt bei der Figur ist.

Generell hat der Roman das Problem, dass er zu viele Informationen vermitteln muss und das mit viel zu viel Personal. Zwischen den vielen Namen und Begriffen, wie Druis, Druisant oder Druisaton – um nur ein Beispiel zu nennen – verlor ich hin und wieder den Überblick und musste nachschlagen, wer jetzt diese Figur war. Das macht das Lesen nicht einfacher.

Was mich aber absolut irritiert hat, war das Auftreten von Sarah Maas in diesem Roman. Denn das passt irgendwie überhaupt nicht. Zum einen wird man durch ihre Erinnerungsschübe zurück in die Aphiliestaffel versetzt. Es mag zwar glaubhaft sein, wenn jemand ein Trauma wie sie erlebt hat. Andererseits hat so jemand nichts an Bord eines solchen Schiffes und schon gar nichts bei einer Außenmission zu suchen. Die Frau gehört therapeutisch behandelt, das hätte sogar John Marshall erkennen müssen. Andererseits, wenn ich richtig gerechnet habe, ist Sarah Maas inzwischen etwa 145 Jahre alt. Schon während der Aphilie ist sie auf die Behandlung mit Jungbrunnen angewiesen. Da stellen sich mir gleich mehrere Fragen. Wird Jungbrunnen immer noch hergestellt, damit sie es regelmäßig einnehmen kann? Was ich kaum glaube, da das Medikament ja offiziell vernichtet wurde. Wieso ist sie dann nicht längst gestorben wie Stella Michelsen? In dem Fall wäre es besser gewesen, einen unbekannten Charakter für diesen parallelen Handlungsstrang zu nehmen, obgleich ich den Rückblick in die Aphiliestaffel nicht gut finde. Darum gab es ja den Ortswechsel nach M87 und den Aufbruch der BASIS, um sich von der vergangenen Staffel abzugrenzen und ins Unbekannte vorzustoßen. Als Leserin erwarte ich da neue Abenteuer und keine Rückblicke.

Hinzu kommen wieder einige Anschlusslücken aus dem Vorgängerroman. So erfahre ich, dass Roi Danton im Körper von Thomas Rhodan da Zoltral den Namen Rhodanton erhalten hat. Da Thomas in diesem Roman keine Rolle spielt, wäre die Information im Vorgänger- oder Nachfolgeroman besser aufgehoben gewesen.

»Duell der Druisanten« kann man lesen, muss man aber nicht, weil man handlungstechnisch nicht viel verpasst. Wer sich jedoch für fremde Kulturen interessiert wird mit den bildhaften, überbordenden Beschreibung der Druis und ihrer Umwelt gut unterhalten.

Kaleidoskop von Reisenden

PERRY RHODAN NEO Band 320 – »Schwarze Brücke« von Rüdiger Schäfer

Quelle: Perrypedia

Perry Rhodan bricht mit 50.000 Besatzungsmitgliedern der BASIS nach M87 auf. Nach einer wochenlangen Beschleunigungsphase um Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße springt die BASIS mit der Besatzung im Kryoschlaf über 55 Millionen Lichtjahre ins Zentrum von M87. Dort angekommen kollidiert zunächst das Raumschiff eines Fremden mit der BASIS. Nachdem das Problem gelöst ist, wirkt sich die Parastrahlung von Catron negativ auf die Besatzung an Bord aus. Das Problem kann schnell gelöst werden, in dem die BASIS den Abstand zum Zentrum von M87 vergrößert. 
Nächstes Ungemach droht, als sie mit der RAVANA, einem Kreuzer aus der Flotte der BASIS, den havarierten Raumschiffen einiger Fremden zu Hilfe eilen. Diese flüchten ebenfalls vor der Strahlung von ihren Planeten. Doch die Konstrukteure des Zentrums wollen ein »Ausbluten« der Sonnensysteme verhindern und machen Jagd auf die Flüchtlingsflotten, deren Raumschiffe kaum raumtauglich sind. Jeder der ihnen zu Hilfe kommt, wird von den Skoar, einer Art Systempolizei, vernichtet. 
Nur durch durch die Hilfe zweier Teleporter kann Rhodan die Bedrohung durch die Flotte der Skoar gegen die RAVANA verhindern. Gucky und Ras Tschubai springen auf die gegnerischen Schiffe und setzen diese mittels Nanoroboter kurzzeitig außer Gefecht. Letztendlich werden Rhodan und die BASIS von den Stützpunktingenieuren ins Dewellsystem eingeladen.

Er macht das schon geschickt, Exposéautor Rüdiger Schäfer. In vielen kurzen Kapitel beschreibt er aus Perspektive einiger Besatzungsmitglieder den Aufbruch der BASIS nach M87. In Rückblenden werden viel Dinge angerissen, von denen man hofft, sie würden im Laufe des Romans geklärt. Was dazu führt, dass man immer weiterlesen möchte. Doch die Auflösung lässt auf sich warten. Erst im zweiten Teil des Romans wird das eine oder andere erklärt. Es bleiben jedoch Fragen offen.

In M87 erwarten Rhodan und seine Mitreisenden einige Überraschungen, die ich als Leserin schon aus Band 299 kenne. Darin ging es um die Odyssee der SOL, die ebenfalls in M87 gestrandet war. Allerdings 100 Millionen Jahre in der Vergangenheit. Schon damals waren die Bewohner der zentrumsnahen Systeme bereits auf der Flucht. Warum diese Flucht noch immer andauert und wieso die inneren Sonnensysteme nicht schon längst verlassen sind, darauf hoffe ich zumindest in den nächsten Romanen eine Antwort zu erhalten. Denn in 100 Millionen Jahren sollten sich die Spezies so langsam an die Strahlung angepasst haben oder ausgestorben sein.

Die Überraschung des Romans ist der Charakter von Lia Tifflor, die Tochter von Julian Tifflor und Perry Rhodans Patenkind. Da musste ich zunächst überlegen, was mit ihrem Vater passiert ist, denn der war schon länger nicht mehr in der Handlung unterwegs. Lias Tätigkeit als Bordärztin und ihre Abhängigkeit von Aufputschmitteln wird vom Autor sehr treffend und fachkundig geschildert. Bester Spruch in diesem Zusammenhang kommt von Thora, die sagt, nachdem Lia Perry als Arsch bezeichnet hat: »Sie ist gerade mal dreiundfünfzig … Nimm es ihr nicht übel. Ich finde für ihr Alter ist sie schon ziemlich weit …«

Eingeführt wird der Nachfolger von Leibnitz – Galto Quohlfahrt. Monade hat also ein neues »Herrchen«. Auch er wurde wie Leibnitz von den Posbis auf einem Dunkelplaneten im Leerraum »behandelt«. An die Zeit davor hat er keine Erinnerung. Mich würde freuen, wenn irgendwann mal aufgeklärt wird, wie er dahin gelangt ist und warum. Ich hatte immer auf einen Charakterroman über Leibnitz gehofft, in dem dessen Odyssee erklärt werden würde. Hinweise gab es in den vergangenen Staffeln zuhauf. Leider wurde sie nie zu einem Ganzen zusammengesetzt.

»Schwarze Brücke« ist ein guter Auftaktroman für die neue Staffel. Er macht neugierig und weiß zu unterhalten. Es freut mich, dass Weidenburn und seine STAC wieder mit von der Partie sind.

Der Mars macht mobil

Quelle: Perrypedia PERRY RHODAN NEO Band 319 – »Kollaps« von Rainer Schorm

Auf dem Mars kommt es in mehreren Habitaten zu Knallgasexplosionen. Die Aphiliker haben die Atmosphärenwandler manipuliert. Millionen Menschen zumeist Immune sitzen unter den schützenden Kuppeln in der Falle. Bis Perry Rhodan und Reginald Bull die Altmarsianer um Hilfe bitten. Außerdem werden kurzerhand eine Million Menschen mit Kampferfahrung rekrutiert und auf die BASIS gebracht.
Auf der Erde schmieden Leibnitz, Thomas Rhodan da Zoltral und Roi Danton einen Plan zur Vernichtung von Catron. Sergio Percellar und Sylvia Demmister sollen die Wachmannschaften vor der Stele in Terrania ablenken, während die drei in die Stele vordringen wollen. Das Unternehmen gelingt zwar, aber Leibnitz wird tödlich getroffen und Roi Danton schwer verletzt. Dennoch können sie mittels der Posbi Monade, Dantons Bewusstsein in Catron einschleusen. Das von den Schwestern der Tiefe manipulierte Gehirn agiert wie ein Virus das Catron vernichtet, inklusive der Stele und dem Sperrschirm, der das Solsystem vom Rest der Galaxis isoliert hat.
Die BASIS kommt gerade rechtzeitig im Erdorbit an, als die Aphilische Bevölkerung mangels Catrons Strahlung die Impulskontrolle verliert und aufeinander losgeht. Die Sicherheitskräfte vom Mars können die Massen weltweit befrieden, wenn auch mit Verlusten.
Leibnitz und Danton sterben.Thomas Rhodan überlebt dank Monade schwer angeschlagen. Auch Stella Michelsen stirbt auf dem Mars an Altersschwäche und hinterlässt einen zutiefst verletzten Reginald Bull. Die Aphilie ist beendet, doch der Preis war hoch und die Erde wird noch Jahrzehnte brauchen, bis die Auswirkungen alle eliminiert sind.

Die Kapitel auf dem Mars haben mir hervorragend gefallen. Sie werden aus der Perspektive eines Ehepaars erzählt, dass zusammen mit anderen Menschen eine neue Siedlung auf dem Mars errichten will. Durch die von den Aphilikern ausgelöste Katastrophe stirbt der größte Teil der Bewohner der Siedlung. Besonders gut getroffen, ist die Sorge der Eltern um ihren kranken Sohn, der den Anschlag nur mit viel Glück überlebt. Dass die beiden sich daraufhin Bull und Rhodans Mission anschließen, ist da durchaus glaubwürdig.

Nicht so überzeugt hat mich dagegen der Handlungsteil auf der Erde. Das Himmelfahrtskommando von Leibnitz, Danton und Rhodans Sohn Thomas wirkt plottdriven, und man fragt sich, wieso sie nicht schon vorher darauf gekommen sind, zum Beispiel gleich nachdem Leibnitz befreit worden war. Warum schützt sich Catron nicht besser, und wieso kommen sie überhaupt so nah an die Stele heran? Wieso konnte Thomas glauben, dass die Sicherheitskräfte nach wie vor loyal zu ihm sind? Können die überhaupt loyal sein? Schließlich handelt es sich um Aphiliker.

Witzig finde ich, dass Roi Danton wie in der Erstauflage nun doch irgendwie Rhodans Sohn ist, nachdem sein Bewusstsein sich offenbar als Extrasinn in Thomas manifestiert hat. Zumindest deute ich das so anhand des Ausspruchs von Thomas Rhodan da Zoltral nach seinem Erwachen.

Sergio Percellar und Sylvia Demmister bekommen ihr Happy End, dass ist gut so. Es ist auch glaubhaft und ohne Kitsch erzählt. Reginald Bull vom Schicksal gebeutelt verliert dagegen die zweite Ehefrau in Folge. Die Entscheidung Stella Michelsen sterben zu lassen, finde ich konsequent, da der Charakter einfach auserzählt war. Es wäre nicht gut gewesen, sie noch weiter mitzuziehen, ohne ihr eine angemessene Aufgabe zu geben. Administratorin des Mars war sie ja nun lang genug. Außerdem wird so sehr gut deutlich, was es bedeutet unsterblich zu sein.

»Der Kollaps« ist nicht so schlecht, wie ich nach dem letzten Band befürchtet habe. Vor allem mit der Handlung auf dem Mars hat mich der Autor abholen können. Das große Finale der Aphilie weckt bei mir hingegen keine Euphorie, da es trotz der vielen Opfer nicht originell genug ist. Catron zerfällt und alles inklusive des Sperrschirms löst sich in Luft auf. Die Aphilie-Strahlung erlischt und die Menschen drehen durch. Das war mir dann doch eine Spur zu einfach. Die Auswirkungen des Endes der Aphilie, oder auch die des beschleunigten Zeitablaufs auf der Erde, insbesondere auf die Kolonien wäre durchaus eine weitere Betrachtung wert gewesen.

Mein Fazit zur Staffel fällt gemischt aus. Es gab ein paar ganz herausragende Romane vor allem in der ersten Hälfte. Allerdings gerät das Thema Aphilie im Laufe der Staffel aus dem Fokus und wird der Actionhandlung untergeordnet. Das Potenzial dieses Themas wird meiner Meinung nach nicht voll ausgeschöpft. Hier hätte man ruhig noch tiefer gehen können. Auch war mir der Umgang mit den drei Aphiliker-Typen nicht stringent genug. Jeder Autor schien es so zu handhaben, damit es in seine Geschichte passt. Die Immunen, von denen eigentlich der Widerstand ausgehen sollte, spielen im zweiten Teil der Staffel leider gar keine Rolle mehr.

Ob der Zeitsprung von 85 Jahren eine so gute Idee gewesen ist, bezweifle ich nach wie vor. Einerseits benötigte man die Zeit um die Aphilie entstehen zu lassen, andererseits wirkt es sehr unglaubwürdig, wenn sich erst nach Rhodans Erscheinen etwas bewegt. Gerade die Passivität Reginald Bulls über die Jahrzehnte ist nicht ausreichend beleuchtet worden. Genauso wie sein plötzlich gestörtes Verhältnis zu seinen Töchtern.

Rausgerissen hat es die Idee, die Aphilie mit Catron zu erklären. Das war unerwartet und ein gelungener Twist der Handlung. Auch stilistisch gesehen spielte jeder Roman in der Oberliga. Es gab keinen Ausfall oder gar Schwäche. Besonders positiv überrascht hat mich in dieser Staffel Rainer Schorm, dessen Romane mit ungewohnt viel Emotionen beeindrucken. Das war große Klasse. Marie Erikson hat ihren Einstand bei NEO mit Bravour bestanden. Ich würde mich freuen in Zukunft weitere Romane von ihr bei NEO lesen zu können.

Nach zwei eher mageren Staffeln ist »Aphilie« ein Lichtblick im NEO-Universum, der trotz des schweren Themas für Leselust sorgte. Vielleicht hätte man es noch weiter ausbauen können. Trotzdem bin ich froh, dass es in der nächsten Staffel mit der BASIS nach M87 geht.

Der Gehirntransporter

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 318 – »Eskalation« von Rüdiger Schäfer

Perry Rhodans Sohn Thomas offenbart nach seiner Heilung von der Aphilie den Plan Catrons. Der Biocomputer will den zwanzig Milliarden Menschen auf der Erde die Gehirne zu entnehmen und diese mittels des gigantischen Raumschiffes BASIS nach M87 zu bringen. Das wollen Rhodan und seine Mitstreiter unbedingt verhindern. Während Sylvia Demmister und Sergio Percellar auf der Erde versuchen, die geplante Aktion der Gehirnentnahme zu verzögern oder zumindest zu stören, beschließt Perry Rhodan die BASIS zu sabotieren. Das im Auftrag Catrons gebaute Schiff, besteht aus einem ausgehöhlten Asteroiden und enthält eine große Flotte an Raumschiffen. Diese Flotte wird Perry Rhodan auch benötigen, denn Catron war in den achtzig Jahren seiner Herrschaft nicht untätig und hat auch die Terranische Flotte aufgerüstet. Die sorgt nun dafür, dass alle Menschen auf der Erde großflächig paralysiert und von einer Armee an Robotern zu den überall auf der Erde gebauten Operationszentren gebracht werden.
Der Avatar der Schiffspositronik der BASIS – Demeter Hamiller – steht auf der Seite von Perry Rhodan und hilft ihm bei der Zerstörung der Frachtzylinder, in die die Gehirne eingelagert werden sollen. Bei dem Sabotageakt opfert sich ein Posbi. Doch dessen Opfer ist umsonst, denn Catron lässt sich davon nicht beeindrucken. Rhodan würde gern den Dimetransantrieb der BASIS zerstören, kommt aber wegen der gefährlichen Strahlung nicht mal in dessen Nähe. Demeter kann die Schlichter auf der BASIS so lange hinhalten, bis Rhodan mit Hilfe der Posbi Monade, eines Ministrels und dem Posbifragmentraumer die Steuerung über die auf der BASIS stationierte Flotte übernehmen kann. Gemeinsam mit der PERLENTAUCHER fliegen sie zur Erde, wo die finale Schlacht zwischen ihnen und der Terranischen Flotte entbrennt. Durch die Zerstörung des Posbiwürfels kann der Asteroid, mit dem NATHAN auf dem Mond bedroht wird, vernichtet werden. Der befreite NATHAN übernimmt die Steuerung aller Schiffe, auch die der Terranischen Flotte und beendet die Auseinandersetzung.
Doch Catron hat noch ein Ass im Ärmel, die Immunen auf dem Mars.

Hm! Das ist eine ganz schöne Materialschlacht, die sich hier vor den Augen der Leser abspielt. Ein riesiges neues Schiff (sechzehn mal acht Kilometer) zwei gewaltige Flotten mit gigantischen Raumschiffen. Dazu unzählige globale Operationszentren mit Millionen von Robotern, um den zwanzig Milliarden Menschen die Gehirne zu entnehmen. Da fragt man sich, wo die Rohstoffe dafür herkommen sollen, wenn doch das Solsystem vom Rest der Galaxis durch den Schirm abgeschnitten ist. Die Frage was Catron mit den Gehirnen in M87 will, spreche ich nicht mal aus. Braucht es die physischen Organe überhaupt, um sich die Bewusstseinsinhalte der Menschen einzuverleiben? Die Frage ob dieses sogenannte Neuronat überhaupt funktioniert, versuchte Thomas Rhodan da Zoltral offenbar selbst herauszufinden. Mit negativen Ergebnissen, die unteranderem Demmister und Percellar nutzen, um die Aphiliker vom Gang zur Gehirnentnahme abzubringen. Obgleich das alles sehr gigantisch und überwältigend klingt, erscheint mir das ganze Konstrukt wenig überzeugend.

Die Sabotage der BASIS wirkt ein bisschen wie ein Himmelfahrtskommando bei dem Perry Rhodan keine gute Figur macht. Mir ist nicht verständlich, warum sich der eine Posbi bei der Zerstörung der Frachtzylinder opfert und der andere aber nicht. Obwohl er leicht in die angeblich verstrahlte Antriebssektion kommen würde, in die kein Mensch vordringen kann. Ein Held, wie Perry eigentlich einer sein sollte, hätte unter Umständen sein Leben geopfert, um das von zwanzig Milliarden Menschen zu retten. Vielleicht hätte ihm die Strahlung durch seine Unsterblichkeit gar nichts anhaben können. Aber dann wäre die Serie zu Ende.

Die Lösung, die letztendlich für den Durchbruch sorgt, geistert mir schon seit Rhodans Besuch auf dem Mond durch den Kopf. Warum zerstört die PERLENTAUCHER oder der Posbiwürfel nicht in einem überraschenden Angriff den Asteroiden in der Mondumlaufbahn? Dann wäre NATHAN frei und das Thema Catron erstmal erledigt. So wird das alles durch die Handlung auf der BASIS und die Kämpfe zwischen den Flotten unnötig verkompliziert.

Spannung kommt bei der Handlung trotzdem wenig auf, da sich Rüdiger Schäfer vor allem im Mittelteil zu einigen langatmigen Innenbetrachtungen hinreißen lässt. Dabei – das ist mir schon in seinen letzten Romanen störend aufgefallen – lässt er immer öfter seine Protagonisten mit erhobenem Zeigefinger predigen, sei es in den Absätzen über die Verbreitung von Fakenews oder Rhodans Ansichten zur Masernimpfung. Überhaupt ist der Anteil medizinischer Erklärungen in diesem Roman besonders hoch. Da der Autor sich beruflich damit auskennt und offensichtlich auch sehr dafür interessiert, haben diese Abschnitte einen großen Anteil an der Handlung. Mir ist das stellenweise zu detailliert. Frei nach dem Motto: »Bringe deine Kenntnisse an den Mann, selbst wenn sie nicht gefragt sind.« Nein, ich will das gar nicht so genau wissen. Es ist für die Handlung auch nicht essentiell, im Gegenteil. Es schafft Probleme, wo sonst keine wären. Wenn schon Thomas Rhodans Körper solche Schwierigkeiten hat, die Auswirkungen von »Jungbrunnen« zu verkraften. Wie Bitteschön sollen das zwanzig Milliarden Menschen heil überstehen? Wobei ich auch nicht weiß, wo man die vielen Dosen des Heilmittels herbekommen will.

Das Demmister und Percellar auf der Erde zurückbleiben, während Perry und Thora zur BASIS aufbrechen, kann ich zumindest in Ansätzen nachvollziehen. Aber warum man Rhodan zusammen mit einem neuen Team aus unbekannten Leuten auf die BASIS schickt, die dann bis auf ihre Aufgabe als Stichwortgeber keine tragende Rolle spielen, ist mir komplett unverständlich. Wenn ich raten dürfte, würde ich sagen, dass es der Vorbereitung auf den kommenden Zyklus dient und uns hier schon mal die neuen Charaktere vorgestellt werden sollen.

»Eskalation« ist einer der wenigen Romane von Rüdiger Schäfer mit dem ich nicht so viel anfangen konnte. Es fehlte einerseits die Spannung während andererseits die für Perry und Co ausweglos scheinende Staffelhandlung mittels ein paar Kniffe im Exposé wieder gerade gerückt wird. Die Stärke des Autors ist und bleibt der Charakterroman, das wird mit dieser Geschichte und nach dem unsäglichen NEO 313 (»Zeitfrass«) wiederholt deutlich.