Gehirnakrobatik in Naupaum

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 280 – »Fremder als fremd« von Lucy Guth

Perry Rhodan erwacht in völliger Finsternis jeglicher sensorischer Reize beraubt. Er weiß nicht, was passiert ist und wo er sich befindet. Er glaubt schon in dem Nichts seinen Verstand zu verlieren, da spürt er eine Veränderung …
Der Yanztrooner Doynschto arbeitet als Zerebralpfleger auf dem Planeten Nopaloor in einer Gehirnbank. Er versorgt frisch entnommene Ceynachs (Gehirne) und bereitete sie auf die Einlagerung oder die Transplantation in andere Wirtskörper vor. Da bekommt er ein Ceynach auf den Tisch, dass völlig anders ist und sich seinen Behandlungsmethoden entzieht. Um es am Leben zu erhalten, muss er es in einen Wirtskörper transplantieren …
So kommt es, dass Perry Rhodan im Körper eines jungen Yanztrooners aufwacht und von nun an zusammen mit dem Zerebralpfleger von einer insektoiden Verfolgerin durch eine fremde Welt gehetzt wird, die 43 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Sie schlagen sich auf und unter der Oberfläche eines völlig überfüllten Planeten durch Katakomben, Schmutz und billige Unterkünfte, durchstöbern Schwarzmärkte, Casinos und zwielichtige Etablissements um an eine Raumschiffpassage zu kommen.
Perry Rhodan will weg von dieser Welt und herausfinden, was mit ihm und seinem Körper passiert ist. Doch die Ceynach-Jägerin Torytrae bleibt ihnen ständig auf den Fersen und verhindert seine Flucht von Nopaloor.

Wow! Ich habe selten einen unterhaltsameren NEO-Roman gelesen. Da war alles dabei, was eine gute Geschichte ausmacht. Gut ausgearbeitete Charaktere, gelungene Dialoge, ungezwungene Action, perfektes Timing und ganz viel Sense of Wonder. Man lernt die Welt der Yanztrooner mit alles Sinnen kennen, man fühlt die Enge durch die Überbevölkerung förmlich. Ich hatte fast das Gefühl, die Bewohner Nopaloors würden jeden Moment aus den Buchseiten herausquellen.

Die Autorin beweist sehr viel Fantasie. Da bringt einen jede Kleinigkeit zum Staunen oder zum Lachen, vom Bordellbesuch bis zum Jahrmarkt, von der Bank bis zum Casino. Am Ende erlebt man noch einen genialen Twist, der überrascht.

Dabei wirkt die Geschichte nie albern, selbst wenn der Grundtenor so klingt. Ich meine, Perry Rhodans Gehirn geht auf Reisen, das hätte genauso gut schief gehen können. Siehe die Star Trek-Folge »Spocks Brain«, die nicht wirklich zum Besten gehört, was Star Trek hervorgebracht hat. Im Gegenteil vieles was in der Gesellschaft der Yanztrooner passiert, wird kritisch betrachtet und weißt einige Parallelen zur aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung unsere Realität auf.

Vom Schwarm gleich nach Naupaum, dies ist in der Tat eine unerwartete Entwicklung innerhalb der NEO-Serie. Da ich den Naupaum-Zyklus aus der Erstauflage nicht kenne, bin ich ziemlich gespannt, was mich hier im Kugelsternhaufen um die Galaxie M84 alles erwartet.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter spoilern, denn diesen Roman muss man selbst gelesen haben. Und weil man dafür so gut wie keine Vorkenntnisse benötigt, ist er auch für Neueinsteiger geeignet.

»Fremder als fremd« ist ein kleines Meisterwerk. Ich glaube, ich habe noch nie eine so unbedingte Leseempfehlung ausgesprochen wie zu diesem Roman. Danke an die Autorin, für die unterhaltsamsten Stunden mit einem NEO seit langem.

Eine Bestie macht noch keinen Sommer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 278 – »Makkos finsteres Herz« von Rainer Schorm

Icho Tolot, Tro Khon, die Cyboraner Mentro Kosum, Carnacki und Luzifer mit seinem MINSTREL dringen mit der DOLAN nach Makko vor. Das von den Posbis gebaute Konstrukt aus Asteroiden und Planetoiden birgt in seinem Inneren etwas, von dem keiner recht weiß, was es ist, aber auf das es Leticron abgesehen hat. Darum lässt der Überschwere den Raum rund um den Himmelskörper von seiner Flotte abriegeln. Nur durch eine Ablenkung der Vitalier, die die Überschwerenschiffe in einen Kampf verwickeln, kann sich die DOLAN unerkannt bis nach Makko durchschlagen und ins Innere vordringen.
Einzig der Gon-Mekara Sorgator kann ihnen in einem Kleinstraumschiff folgen. Er ist immer noch auf der Jagd nach den beiden Cyboranern, von denen er glaubt, dass sie am Scheitern seiner Ausbildung zum Emotionauten Schuld haben. Doch die Posbis innerhalb von Makko setzen Sorgators Schiff außer Gefecht. Icho Tolot rettet den Überschweren vor dem sicheren Tod. 
Mit Hilfe des CLAVIS ist es der DOLAN und ihrer Besatzung möglich, immer tiefer in das Konglomerat aus Gesteinsbrocken vorzudringen. Die 3-Sphäre, die einen Tesserakt beherbergt, ist nicht für biologisches Leben geeignet, das gilt auch für die halborganische DOLAN. Temporale Effekte und Hyperenergien erschweren zunehmend den Flug. Mentro Kosum wird zum Emotionauten der DOLAN gemacht und Icho Tolot verhärtet die Struktur des organischen Raumschiffes, um überhaupt voranzukommen. Im gleichen Atemzug wird Tro Khon wird vom MINSTREL »vorbereitet«, auf was, wird erst später klar.
Diesen Augenblick der Abgelenktheit nutzt Carnacki, um sich mit dem geretteten Sorgator zu verbünden und den CLAVIS zu stehlen. Carnacki hat eine Amöbophage im Körper, die ihn zu einem Spion Leticrons macht. Er war es auch, der das Lykeion auf Cybora in Leticrons Namen gesprengt hat. Jetzt will er den CLAVIS und den Tesserakt, bei dem es sich um ein riesiges Raumschiff handelt, für den Anführer der Überschweren zu erobern.
Tro Khon, dessen Umwandlung gerade noch rechtzeitig fertiggestellt wird, verfolgt die beiden auf ihrem Weg zum Tesserakt. Mit Sorgator macht die Bestie kurzen Prozess und Carnacki wird nachdem er den Tesserakt erreicht, von der Abwehrreaktion des CLAVIS eingefroren. Tro Khon, bzw. sein Planhirn, wird zum Steuermann des Tesserakt. Er kann aber nicht verhindern, dass der CLAVIS einen Hilferuf ausschickt, der den Schwarm ruft. Der Tesserakt wird dessen Leitschiff sein.

Nach den ersten paar Zeilen legte ich den Roman erst einmal zur Seite und widmete mich einer erfreulicheren Lektüre. Ich musste mich nach zwei Wochen regelrecht dazu zwingen um weiterzulesen und kämpfte mich von Kapitel zu Kapitel. Ich gebe hier lieber nicht das Seufzen und Stöhnen wieder, dass ich beim Lesen von mir gegeben habe. Ich bin mir sicher, wenn ich den Roman nicht hätte besprechen müssen, wäre er von mir ungelesen geblieben.

Für Freunde der gepflegten Raumschlacht mag das erste Kapitel ein Highlight sein. Ich kann damit nichts anfangen. Weiter geht es mit sehr viel wissenschaftlichen Erklärungen rings um chemische Elemente und hyperphysikalische Effekte. Das Konstrukt Makko mag an sich faszinierend zu sein, es hilft nur nichts, wenn es nicht lebendig präsentiert wird, sondern wie ein trockener Vortrag eines Wissenschaftlers beschrieben wird. Eigentlich freue ich mich immer, wenn technologische oder realwissenschaftliche Dinge in einem Roman erklärt werden, aber das war mir ein bisschen zu viel und stellenweise auch zu wirr. Da wollten sich einfach keine Bilder in meinem Kopf einstellen.

Der Roman scheitert daran, das vieles erzählt und wenig gezeigt wird. »Show don’t tell« ist ein Konzept mit dem ich selbst immer mal wieder beim Schreiben kollidiere. Es ist verlockend, den Leser an die Hand nehmen zu wollen, um ihm genauestens mitzuteilen, was man meint. Das macht eine Geschichte aber sehr langatmig. Zumal ich im Text viele Stellen gefunden habe, an denen Informationen doppelt oder dreifach wiederholt wurden. Ich hätte es schöner gefunden, man hätte mir die Dinge gezeigt und ich hätte die Schlüsse selbst daraus ziehen dürfen.

Über die Geschichte selbst kann man streiten. Das wirkt auf mich alles zu konstruiert und zu wenig harmonisch. Die Handlung entfaltet sich nicht von selbst, sie wird in ein Muster gepresst, genauso wie die handelnden Personen. Es hätte allen Beteiligten klar sein müssen, dass mit Carnacki etwas nicht stimmt. Warum sie den Cyborianer überhaupt mitgenommen haben, erschließt sich mir nicht. Sogar Kosum hatte ein schlechtes Gefühl dabei. Die Erklärung, dass es Carnacki nur gelingt, die Schiffssysteme der DOLAN – einer völlig fremdartigen Technologie – zu kontrollieren, weil er Emotionaut ist, ist mir zu dünn. Mit welcher Leichtigkeit er die Schiffsysteme manipulieren und sogar die Schiffsintelligenz Taravat täuschen kann, wirkt auf mich einfach unglaubwürdig. Er weiß von »Luzifer«, dass der CLAVIS ein für Menschen nicht zu kontrollierendes Artefakt ist, dennoch stiehlt er es und versucht dann auch noch es zu aktivieren. Das zeugt schon von einer gewissen Selbstüberschätzung.

Die Rettung Sorgators von Tolot kann ich noch nachvollziehen, aber warum der Haluter im Anschluss keine speziellen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat, damit der Überschwere handlungsunfähig bliebt, verstehe ich nicht. Zumal die Situation an Bord zu diesem Zeitpunkt kritisch war und keiner von ihnen den Überschweren im Blick behalten konnte. Da fragt man sich, ob der Haluter mit seiner Übermächtigkeit nicht ein bisschen zu sorglos umgeht.

Nun sind wir also beim Schwarm angelangt. Ich bin gespannt, wie die Exposéautoren das Handlungselement aus der Erstauflage neu interpretieren werden. Ich vermute, es wird eine Flotte aus Posbischiffen sein. Am Ende steht wiedermal eine Bedrohung durch eine geheimnisvolle kosmische Macht an. Nun, das kennen wir schon. Ich bin der Meinung, dass NEO dann am besten ist, wenn es nicht um kosmische Bedrohungen von außen geht, sondern die Bedrohungen aus dem Inneren der Gesellschaft kommen.

Die Überraschung in »Makkos finsteres Herz« ist der Aufstieg der Bestie Tro Khon zum Lenker des Tesserakt. Alles andere an dem Roman ist ein wenig enttäuschend und schwer verständlich.

Die Katakomben des Mars

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 277 – »Die schlafende Göttin« von Lucy Guth

Die SOL empfängt eine verschlüsselte Botschaft, die offensichtlich an Atlan gerichtet ist. Der unbekannte Absender deutet an, dass die Imperatrix noch am Leben sei und Atlans Hilfe braucht. Die Koordinaten verweisen auf einen Ort unterhalb von Leticrons Festung auf dem Mars.
Nach einem Streit mit Perry Rhodan, der hinter der Botschaft eine Falle vermutet, brechen Atlan und Mirona Thetin auf, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Allerdings fällt es ihnen schwer auf dem Mars zu agieren, ohne von den Überschweren entdeckt zu werden. Nach mehreren Fehlschlägen und einer Beinaheverhaftung, bietet ihnen die Alt-Marsianerin Toja Hainu ihre Hilfe an, doch zuvor müssen die beiden eine Art Prüfung ablegen. Unter dem kräftezehrenden Marsch über- und unterhalb der marsianischen Wüste leidet vor allem Mirona Thetin, deren Zellaktivator immer häufiger aussetzt. Diese Aussetzer setzen ihr nicht nur körperlich zu, sondern vor allem psychisch.
Am Ende finden sie Atlans Mutter und der Arkonide kann sich von ihr verabschieden, bevor sie stirbt. Nachdem er sie dreimal verloren hat, findet er nun endlich seinen Frieden mit sich. Nur Mirona treiben nach wie vor jene Geheimnisse um, die sie nicht mit Atlan geteilt hat.

Ich hatte mich sehr auf diesen Roman gefreut und darauf, dass die Geschichte um Atlan und seine Mutter endlich aufgeklärt wird. Das Ergebnis hat mich jedoch enttäuscht.

An der Perspektive der Figuren liegt es nicht. Ich finde, dass Mirona Thetin noch nie so »menschlich« auf mich gewirkt hat, wie in diesem Roman. Auch Atlans Beweggründe sind stets nachvollziehbar. Die Streiterei zu Beginn mit Perry Rhodan, der als der große Warner auftritt, gefiel mir nicht so gut. Sie wirkte aufgesetzt. Rhodan hat schon mehrmals in ähnlichen Situationen gesteckt und dann ebenfalls Atlans Warnungen ausgeschlagen. Es ist nur legitim, wenn Atlan den Spieß nun umdreht. Soweit sollte Rhodan den Arkoniden inzwischen kennen.

Wobei die Reise zum Mars nicht einer gewissen Blauäugigkeit entbehrt. Die beiden landen ohne jeglichen Plan auf dem roten Planeten und laufen stets Gefahr, erkannt zu werden. Sowas ist entweder Leichtsinn oder Größenwahn. Dass durch ihre Aktion eine Marsianerin stirbt, nehmen beide billigend in Kauf und schieben es auf die Überschweren. Zumindest macht sich Atlan später nochmal Gedanken darüber. Ich denke, sie hätten sich leichter getan, wenn sie Gucky mitgenommen oder zuvor besser recherchiert hätten. So tappen sie mehr oder weniger blind umher und müssen von Glück reden, dass sich die Alt-Marsianerin, bei der es sich wahrscheinlich um eine Schwester der Tiefe handelt, ihnen hilft.

Und da sind wir auch schon bei den Kapiteln im Roman, die mir so gar nicht gefallen haben. Der ewig lange Marsch durch die Wüste, sowohl oberhalb als auch unterhalb der Oberfläche. Da war nicht viel Neues zu lesen. Leute laufen durch dunkle Höhlen, treffen auf exotische Lebewesen, die sie sofort angreifen und gegen die sie sich verteidigen müssen, bevor sie am Ende ans Ziel kommen. Wie oft habe ich das in der letzten Zeit bei NEO gelesen? Gefühlt jeder zweite Roman enthält solche oder ähnliche Szenen. Diese sind von Lucy Guth zwar spannend geschrieben, logisch sind sie aber nicht. Mal davon abgesehen wie die Würmer und der Krake überhaupt auf den Mars gekommen sind, stellt sich die Frage: warum stürzen sich diese Lebensformen immer gleich auf die Humanoiden? Die Würmer ernähren sich offensichtlich von Gestein, Menschen oder Arkoniden passen also gar nicht in ihr Beuteschema. Außerdem, müssten sie nicht eigentlich inzwischen den ganzen Mars untergraben haben? Der Autorin sei dank, machen sich zumindest die Protagonisten ähnliche Gedanken darüber.

Diese ganze Prüfungsgeschichte fand ich überflüssig. Der Titel des Buches lgeht nahe, dass es um Atlans Mutter geht. Und ich hätte lieber mehr über die Imperatrix erfahren. Zum Beispiel woher sie die Position der SOL kannte? Oder woher sie plötzlich die telepathischen Fähigkeiten hat, um Atlan den Plan der Höhlen ins Gehirn zu transferieren? War es vielleicht gar nicht Atlans Mutter sondern eine Schwester der Tiefe, die in ihren Körper geschlüpft ist? Mir war das jedenfalls alles zu spekulativ, zu wenig greifbar und durchdacht.

Es ist offensichtlich, dass das Thema der Staffel – Leticron – zwar am Rande immer wieder angesprochen wird, letztendlich es aber keine Konfrontation mit dem Überschweren oder gar eine Lösung des Konfliktes gibt.

»Die schlafende Göttin« ist ein gutes Beispiel dafür, das spannendes Erzählen nicht ausreicht, wenn die Handlung nicht bis zum Ende durchdacht ist oder der Romantitel mehr suggeriert, als er halten kann.

Freigesetzt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 276 – »Die Cybora- Etappe« von Rainer Schorm

Der Emotionaut Mentro Kosum, der Haluter Icho Tolot und die Bestie Tro Khon fliegen mit der DOLAN in das von Leticron besetzte Spicasystem. Sie landen unentdeckt auf Cybora, NATHANs Kolonie, auf der von den Posbis Emotionauten ausgebildet werden. Mentro Kosum als eingeborener Cyborianer mischt sich unter die Einheimischen, um Kontakt zu einem Ministrel zu bekommen. Denn nur NATHAN selbst kann ihnen den Weg zu seiner geheimen Enklave Makko weisen, um dort die Informationen aus der Bulle auszulesen.
Bei der Freisetzungszeremonie eines neuen Jahrgangs von Emotionauten, geht etwas mächtig schief. Leticron hat die Posbis gezwungen auch Überschwere zu Emotionauten auszubilden. Der Versuch schlägt fehl und die Männer verlieren den Verstand. Es kommt zu Kämpfen, die in der Zerstörung des Gebäudes gipfeln und einen Konflikt zwischen Posbis und Leticrons Anhänger auslösen.
Mentro Kosums cybernetische Implatate werden beschädigt. Mit Hilfe eines alten Freundes kann er fliehen und zu einem NATHAN-Interpreter gelangen, der nicht nur seine Implantate reparieren kann. Im gleichen Zuge bekommt er endlich Kontakt zu einem Ministrel.
Da werden sie von den Überschweren entdeckt. Einer der gescheiterten Emotionauten hat mit Kosum noch eine Rechnung offen. Zum Glück greift Icho Tolot in den Kampf ein und kann sowohl Mentro Kosum, als auch den Ministrel und seinen Interpreter in Sicherheit bringen.

Der Roman ist sehr technisch und relativ Ereignisarm. Mir fiel das Lesen schwer, denn die komplexen technischen Details taugen definitiv nicht als Gute-Nacht-Geschichte. Ich habe meist nur abends Zeit und Ruhe zum Lesen, deshalb hat es auch so lange gedauert, bis ich den Roman durchhatte.

Inhaltlich bringt Rainer Schorm viele Details zu Cybora, der einzigen Kolonie, die bisher noch nicht im Mittelpunkt eines NEO-Romans stand. Auch die Hintergrundgeschichte von Mentro Kosum wird erstmals in der NEO-Serie aufgegriffen. Das ist umso verwunderlicher, da der Charakter bereits seit Band 210 dabei ist. Dem Autor gelingt es, Mentro Kosums Gefühlsleben und seine Vergangenheit gut zu vermitteln, vor allem dessen Blindheit, mit der er nach dem Ausfall seiner Implantate erneut konfrontiert wird.

Es gibt eine Menge technischer Erklärung, die zwar allesamt logisch klingen, bei denen dennoch ein paar Fragen in mir zurückbleiben. Wer hat den Impuls ausgelöst, der zum Ausfall von Kosums Implantaten führte? Warum lassen die Posbis zu, dass die Überschweren eine Emotionautenausbildung machen, obwohl sie offensichtlich nicht dafür geeignet sind. Posbis sind biomechanische Roboter, die als unbestechlich gelten. Warum rebellieren sie erst jetzt und nicht schon früher? Warum arbeitet NATHAN überhaupt mit Leticron zusammen? Wer hat das Lykeion gesprengt? Leticron selbst? Zur Ablenkung oder aus Frust?

Immer noch ungeklärt ist, was es mit der Bulle auf sich hat. Das von den Posbis als CLAVIS bezeichnete Artefakt, scheint etwas Wichtiges zu beherbergen, das Leticron am besten nicht in die Hände bekommt. Dieses Rätselraten zieht sich für meinen Geschmack schon etwas zu lange hin. Rainer Schorm gibt zwar ein paar Hinweise, aber den wirklichen Sinn und Zweck der ganzen Geschichte rund um die Posbi-Bulle habe ich noch nicht erfasst. Das wirkt mir alles irgendwie zu konstruiert.

Die Staffel hat toll und ereignisreich begonnen, aber nach mehr als der Hälfte der Romane scheint inzwischen die Luft raus zu sein. Alles dient nicht der Auflösung des Konflikts um Leticron, sondern eher der Vorbereitung der nächsten Staffel. Ich vermisse die innenpolitische Auseinandersetzung mit den Überschweren, die in diesem Roman nur am Rande passiert. Und ich vermisse Perry Rhodan, der jetzt im vierten Band in Folge keine Rolle spielt.

»Die Cybora-Etappe« ist ein schwierig zu lesender Roman, der zwar einiges über die Kolonie NATHANS zu erzählen weiß, aber wenig zum Handlungsfortschritt der Staffel beiträgt.

Eisige Zeiten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 275 – »Kriechende Kälte« von Ruben Wickenhäuser

Thomas Rhodan da Zoltral gelingt es mit Hilfe der Vitalier aus einem havarierten Raumschiff der Gon-Mekara eine Datenbulle zu bergen. Dem Artefakt hängt allerdings eine ansteckende Kälte an, die alles erstarren lässt, was ihr zu nahe kommt und die sich wie ein Organismus ausbreitet. Selbst im SPEICHER, der geheimen Raumstation der Vitalier im Solsystem, können die Daten der Bulle nicht ausgelesen werden. Nur die Überschweren auf dem Mars haben die Technologie, mit der die Botschaft aus der Bulle extrahiert werden kann.
Thomas bricht mit Jessica Tekener zu einer Undercover-Mission auf den Mars auf. Dort treffen sie auf einen Posbi, der sie zu einem geheimen Stützpunkt der Überschweren führt. Nur hier im Aerarium kann die Bulle ausgelesen werden. Sie können erfolgreich ins Aerarium eindringen, werden dann aber kurze Zeit später von den Überschweren entdeckt. Der Posbi opfert sich und zerstört das Aerarium, damit die beiden mit der Bulle und den entschlüsselten Daten entkommen können.
Die Vitalier besitzen nun geheime Informationen über die von NATHAN gegründetes Kolonie Cybora und machen sich auf den Weg dorthin.

Das ist jetzt schon der dritte Roman in Folge, ohne Perry Rhodan. Nicht das ich ihn vermissen würde, aber es ist schon auffällig, dass der Namensgeber der Serie so lange aus der Handlung verschwindet.

Ruben Wickenhäuser beleuchtet in diesem Roman die Gesellschaft der Vitalier. Was er sehr ordentlich macht. Dennoch frage ich mich ernsthaft, warum die Überschweren, die Vitalier noch nicht entdeckt haben, so fahrlässig, wie sich die Piraten verhalten. Thomas Rhodan da Zoltral bildet da keine Ausnahme, auch er geht sehr blauäugig mit der Gefahr um, die von der Bulle ausgeht. Er hat gesehen, was die kriechende Kälte mit der Besatzung des Schiffs der Überschweren angerichtet hat, dennoch riskiert er es, das Ding in den SPEICHER zu bringen, wo er doch weiß, dass die technischen Einrichtungen der Vitalier nicht optimal funktionieren. Letztendlich wird es für ihn und andere beinahe zur tödlichen Gefahr. Anschließend schleppt er sie auch noch in einem Rucksack auf dem Mars mit sich herum.

Wobei ich nicht ganz verstanden habe, woher die Überschweren dieses Artefakt haben. Haben sie es den Posbis geklaut? Arbeiten die Posbis mit den Überschweren zusammen? Ist es etwas, dass die Schwestern der Tiefe Leticron in die Finger gespielt haben? Wie kommen die Überschweren sonst zu solcher exotischer Technologie, wie sie im Aerarium steckt. Das alles hat sich mir im Roman nicht erklärt. Im Gegenteil, einerseits scheinen die Überschweren und Leticron viel zu übermächtig und an anderer Stelle lassen sie sich einfach überlisten. Da fragt man sich, ob das tatsächlich ein und der gleiche Gegner ist.

Apropos Gegner. Zuerst dachte ich der Posbi steht auf der Seite der Überschweren, weil er mit großer Leichtigkeit an Informationen über das eigentlich geheime Aerarium kommt. Seinem Ende geht eine Infektion mit dem Posbivirus voraus, gegen das er eigentlich immun sein sollte, das aber offensichtlich in die Systeme der Überschweren und des Mars übergreifen kann. Anders kann ich mir das Chaos, das am Ende auf dem roten Planeten ausbricht, nicht erklären. Da fehlen meiner Meinung nach ein paar Details. Vielleicht erpressen die Überschweren die Posbis mit dem Virus, damit sie ihnen die Transformkanonen bauen. Wir werden es erfahren.

Die Nebenhandlung des Romans ist das eigentliche Highlight. Hier geht es um den »Bastler« Sec Tinker, einem Menschen, der von den Überschweren einer Gehirnwäsche unterzogen wurde und der sich nun unter die Vitalier gemischt hat, um sie auszuspionieren. Was in seinem Kopf vorgeht, und wie die beiden Meinungen, seine ursprüngliche und die konditionierte, immer wieder in Konflikt geraten, ist großartig erzählt. Die Nebenhandlung endet leider mitten im Roman auf sehr abrupte Weise und ohne Konsequenzen für die Haupthandlung. Das hat mich etwas enttäuscht. Ich hätte mir gewünscht, dass Sec Tinker als Bösewicht Widerwillen, Thomas Rhodan und Jessica Tekener aufzuhalten versucht. So bleibt ein fader Beigeschmack und viel verschwendetes Potenzial.

»Kriechende Kälte« – der Titel verspricht mehr, als er halten kann. Denn über das Phänomen, welches sehr spannend beschrieben wird, erfährt man letztendlich nichts und ab einem bestimmten Punkt spielt es auch keine Rolle mehr. Das fand ich schade. Ansonsten ist es ein lesbarer Roman, bei dem zu oft der Zufall den Protagonisten zu Hilfe kommt.

Irrfahrt durch die Vergangenheit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 274 – »Alaskas Odyssee« von Rüdiger Schäfer

Der in der Vergangenheit gestrandete Alaska Saedelaere wird kurz vor seinem Tod von einer Springersippe gerettet. Er bleibt eine Weile bei ihnen, bevor er sich auf die Suche nach der Mehandor Katrinka macht, die er bei seinem Besuch auf Archetz kennengelernt hatte. Die beiden verbindet mehr als die große Liebe, auch sie wurde von Perry Rhodan zurückgelassen, wie Alaska selbst.
Zusammen mit der Wissenschaftlerin verlebt Alaska ein paar schöne Jahre, dann kommt ihnen ein Kopfgeldjäger auf die Spur, der den Auftrag hat, Katrinka zu töten, weil sie zu viel über Patriarch Titon, dem Herrscher von Archetz weiß. Lange Zeit fliehen sie kreuz und quer durch M13, können dem Kopfgeldjäger aber nicht auf Dauer entkommen. Am Ende wird Katrinka auf Arkon I von einem Giftpfeil getroffen und stirbt.
Alaska ist verzweifelt und denkt daran Selbstmord zu begehen. Da taucht Dao-Lin-H’ay auf und verspricht ihm die Rückkehr in seine Zukunft, wenn er ihren Anweisungen Folge leistet. Die Katzenfrau ist Alaska nicht unbekannt. Seit seiner Kindheit ist sie immer wieder in seinem Leben aufgetaucht, doch er hat sie stets für ein Hirngespinst gehalten. Sie schickt Alaska zunächst zu einem abgelegenen Planeten. Auf dem er den neunten Atorakt findet und dieser sich auf sein Gesicht legt. Der sogenannte Imprint, hat die Nebenwirkung, dass nun jeder, der Alaska ansieht, stirbt. Deshalb fertigt er sich eine Maske an.
Dao-Lin-H’ay schickt ihn weiter. An den Koordinaten auf einem Wüstenplaneten trifft er auf den Überschweren Leticron. Auch ihm ist Dao-Lin-H’ay erschienen. Leticron braucht Alaska für seinen großen Plan und bietet ihm eine Zusammenarbeit an. Der Überschwere hat in den vergangenen Jahrzehnten eine riesige Flotte geschaffen und eine Armee aufgestellt, mit der er in der Zukunft ein neues Reich errichten will. Nachdem die Arkoniden dabei sind die Überschweren komplett aus der Gegenwart zu tilgen.
Zusammen mit Leticron, seinen Schiffen und einer Million Kriegern begibt Alaska sich in Tiefschlaf, um die nächsten 10.000 Jahre zu überdauern.

Der Roman hat mir erneut keine Tränen oder auch nur den Hauch von Mitleid für Alaska Saedelaere beschert. Ich werde nach wie vor nicht warm mit dem Charakter. Obwohl er sich in diesem Roman nicht ganz so blauäugig anstellt. Das ist unteranderem das Ergebnis seiner Erlebnisse nach seinem Zurückbleiben in der Vergangenheit, die glaubhaft geschildert werden. Obwohl von dem schüchternen Techniker aus Ben Calvin Harys Roman »Die Imperatrix« (NEO 261) nicht mehr allzu viel übrigen geblieben ist. Im Roman vergehen mehrere Jahrzehnte und die Erfahrung, die den zunächst jungen Alaska prägen, verändern ihn dementsprechend. Rüdiger Schäfer gibt der Figur eine Hintergrundgeschichte und bereitet sie für die Ereignisse in der Gegenwart der SOL vor. Mehr aber auch nicht.

Der für seine Charakterromane bekannte Autor vermag sich eigentlich gut in seine Figuren hineinzuversetzen und auch die Leser mitzureißen. Warum es ihm bei Alaska Saedelaere nicht so richtig gelingen will, weiß ich nicht. Aber »Alaskas Odyssee« kommt nicht an die Vielzahl herausragender Romane des Autors aus der Vergangenheit heran.

Allerdings birgt der Roman ein paar Überraschungen, die ich so nicht erwartet hatte. Eine davon ist das direkte Eingreifen der Schwestern der Tiefe. Dao-Lin-H’ay sagt, dass sie versucht, mit Alaska die veränderte Zeitlinie zu korrigieren. Leider ist nach wie vor nicht klar, wer die Gegner in diesem »temporalen« Krieg sind. Eine weitere Überraschung ist Atlans Mutter – die Imperatrix – die auf Leticrons Schiff im Kälteschlaf liegt.

Auch wenn Rüdiger Schäfer sehr viel für die Glaubwürdigkeit der Handlung tut, bleibt bei mir dann doch ein Stirnrunzeln zurück. Ich rede dabei nicht vom Atorakt, der sich als Imprint auf Alaskas Gesicht legt – im Übrigen eine originelle Idee, die sehr gut mit der Gesamthandlung der Serie verzahnt ist. Mir bereitet etwas anderes Kopfschmerzen: Ich glaube nicht so recht, dass die Walzenschiffe der Überschweren 10.000 Jahre in unterplanetaren Silos überdauern, und anschließend noch funktionieren. Selbst mit Wartung geht die beste Technik über lange Zeiträume kaputt, einfach weil das Material altert. Noch schlimmer ist es, wenn sie nicht benutzt wird. 10.000 Jahre sind eine sehr lange Zeit für Technologie, selbst für arkonidische. Das halte ich für kaum möglich, außer es gibt einen nichtgenannten Faktor, der irgendwann in den kommenden Romanen erwähnt wird.

Literatur ist immer ein Spiegel ihrer Zeit und so finden sich viele Anspielungen auf die derzeitige politische und gesellschaftliche Situation zwischen den Zeilen des Buches wieder. Vermutlich wird das nicht jeden freuen, aber Geschichte wiederholt sich nunmal. Eine Tatsache, die wir gerade wieder einmal lernen müssen. So lange eine positive Zukunftsvision im Vordergrund steht, ist alles gut.

»Alaskas Odyssee« erzählt die Lebensgeschichte eines Menschen, dessen Rolle in der Serie noch nicht ganz klar zu sein scheint und auch nicht, auf wessen Seite er steht. Bei der Figur ist noch viel Gestaltungspotential offen, bei der Staffelübergreifenden Handlung ohnehin. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Vom Mahlstrom zerrieben

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO – Band 273 – »Der Mahlstrom« von Rainer Schorm

Die SOL schickt den Langstreckenversorger SLITHRUGTANNI nach M 3, um einem Hyperimpuls aus dem Akonsystem auf den Grund zu gehen. Mit an Bord ist der alte Arkonide Sofgart. Doch schon der Ausflug aus dem Wegasystem gestaltet sich schwierig, denn Leticron setzt seinen besten Kommandant auf die SLITHRUGTANNI an. Die Überschweren können das Schiff bis zum Blauen System der Akonen verfolgen. Am stark pulsierenden Blauen Schirm stellen die drei Schiffe das der Menschen. Die SLITHRUGTANNI ruft die terransiche Flotte um Hilfe, doch es scheint sie keiner zu hören.
Hinter dem pulsierenden Blauen Schirm passieren derweil unerwartete Dinge. Zwischen Erde und Mond hat sich ein Raum-Zeit-Strudel manifestiert, der mit den Zeitbrunnen auf Erde und Mond reagiert und droht, das ganze System mit Sonne und Planeten zu verschlingen. NATHAN bittet darum, das die CREST II, das System verlässt, weil er glaubt, dass die Zeitpfütze auf dem Schiff den Mahlstrom hervorruft. Die CREST II fliegt durch den Blauen Schirm direkt in die Schlacht zwischen der SLITHRUGTANNI und den Schiffen der Überschweren hinein. Sie können den Langstreckversorger retten und ziehen sich wieder hinter den Schirm zurück, weil die Zeitpfütze mit zunehmender Entfernung außer Kontrolle gerät. Die drei Schiffe der Überschweren versuchen daraufhin den Schirm zu durchdringen, werden aber einer nach dem anderen zerstört.
Am Ende bricht Sofgart zum Mahlstrom vor. Er kann mittels seines F’Atkor und der plötzlich auftauchenden Dao-Lin-H’ay die Anomalie schließen. Er droht aber in die Anomalie gezogen zu werden. Die SLITHRUGTANNI kann ihn rausholen, wird aber selbst in den Mahlstrom gezogen und verschwindet.

Ich habe außergewöhnlich lange für diesen NEO gebraucht. Und das lag nicht nur daran, dass ich wenig Zeit zum Lesen hatte. Es lag vor allem am ersten Teil des Romans, der sich ewig hinzuziehen schien. Die Handlung mäandert zwischen den Überschweren und der SLITHRUGTANNI, ohne sie entscheidend voranzubringen.

Erst mit dem Auftreten von Auris von Las-Toór kommt Bewegung in den Roman. Die Handlung im Akonsystem riss mich dann endlich mit. Dazwischen haderte ich mit der Besatzung der SLITHRUGTANNI (Wer sucht sich eigentlich solche Namen aus?) und den Überschweren und ihren Taten. Beide handeln oftmals unklug und man fragt sich, wie sie es überhaupt geschafft haben a (die Menschen): erfolgreich Handel zu treiben und b (die Überschweren): ein Imperium aufzubauen. Wenn ich weiß, dass ich verfolgt werde, dann führe ich doch den Feind nicht zum geheimsten Ort der Galaxis. Oder, wenn ich ahne, was sich hinter dem Schirm verbergen könnte, schicke ich doch sofort ein Schiff zurück, um meinem Oberboss davon zu erzählen. Diese Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Parteien ist nicht nur ermüdend, sondern man zweifelt oftmals auch an der Intelligenz aller Beteiligten.

Wie schon häufig erwähnt: Rainer Schorm liebt es technisch, das merkt man dem Roman an. Wobei ich es dieses Mal als nicht so schlimm empfunden habe. Viele Dinge waren für mich nachvollziehbar. Der Stammleser bekommt einige Zusammenhänge präsentiert, die absolut spannend sind und von denen man gern mehr erfahren würde. Das kommt sicher noch.

Gut getroffen fand ich Sofgart, bei dem ich schon fürchtete, er würde den Roman nicht überlegen. Aber er ist weiter mit dabei und ich glaube, dass die Figur noch lange nicht auserzählt ist. Rainer Schorm kann dem alten Arkoniden einfach am besten Leben einhauchen. Aber auch Gabrielle Montoya und Auris von Las-Toór bereichern die Handlung ungemein.

Übrigens hinter der Besatzung der SLITHRUGTANNI verbergen sich bekannte Namen aus der PERRY RHODAN-Serie, wie Gregor Sedlak und Janina Zimmer.

Manche Aussagen in Rainer Schorms Romanen sollte man herausschreiben und in einer Zitatensammlung verewigen. Auch in diesem NEO konnte ich wieder viele schlaue Sätze lesen, wie: »Das politische Establishment musste einfach so tun, als habe es alles unter Kontrolle, auch wenn genau das Gegenteil zutraf.«

»Der Mahlstrom« fängt zäh an, steigert sich aber in der zweiten Hälfte zu einem wahren Feuerwerk an Ideen. Wir erfahren endlich, dass die Versetzung von Erde und Mond ins Akonsystem nicht zufällig passiert ist. Was wir immer noch nicht wissen, wer hinter dem Ganzen steckt.

Turbulente Zeiten

Ich weiß nicht, aber momentan habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Ich komme nicht mal mehr zum bloggen, weil ich abends völlig fertig bin, wenn ich aus der Arbeit komme und froh darüber einfach nur mein Hirn ausschalten zu dürfen. Ich bastle dann irgendwas, das entspannt mich.

Auf Arbeit scheinen alle mal wieder durchzudrehen. Nein, nicht die Kollegen, aber die Bauherren und die Großhändler. Trotz astronomischen Preisen, weggefallener Förderung (für Neubauten) und extrem langen Lieferzeiten wollen alle bauen. Hinzu kommt jetzt noch, das viele aufwachen und eine neue Heizung möchten oder eine PV-Anlage und das alles am liebsten vorgestern. Die Kollegen draußen auf der Baustelle sind fix und fertig, wir im Büro sind fix und fertig. Ich komme nicht mal mehr dazu irgendwelche Projekte ordentlich abzulegen. Ich zeichne Pläne und schreibe Angebote im Accord, unteranderem auch deshalb, weil die Bauherren jeden Tag neue Ideen und Wünsche haben. Dazu kommen die krankheits- oder quarantänebedingten Ausfälle. Tagsüber komme ich mir vor wie ein Jongleur, der versucht mehrere Bälle in der Luft zu halten und alle zehn Minuten kommt einer hinzu. Gleichzeitig telefonieren, E-Mails schreiben und Pläne zeichnen ist inzwischen Normalität. Ich wünsche mir, mal an einem Tag nur an einem einzigen Projekt arbeiten zu können, aber das ist nicht mehr möglich. Und da habe ich nun schon einen Kollegen, der mir einige Arbeiten abnimmt.

Ich merke, dass mir der Stress nicht gut tut und ich Fehler mache oder Dinge vergesse. Diese Woche habe ich mehrmals vergessen an eine E-Mail den Anhang anzuhängen, das passiert mir sonst nie. In einer privaten Mail habe ich den Adressaten mit falschen Namen angesprochen (oberpeinlich) und an meinem freien Tag am Freitag ist mir beim Kochen was Doofes passiert.

Mein Mann wollte Nudeln mit Tomatensoße und meinte, dass wir noch eine Flasche passierte Tomaten im Schrank hätten. Ich schaue nach und tatsächlich finde ich ein Glas und eine Flasche. Ein Blick aufs Verfallsdatum und nehme das raus, was zuerst abläuft. Dann bereite ich die Soße vor und will die passierten Tomaten in den Topf schütten, aber das geht irgendwie nicht so gut. Das Mark ist so dick, dass ich es nicht rausbekomme, also helfe ich mit dem Löffelstiel nach und fülle etwas Wasser in die Flasche, aber selbst da löst sich das Tomatenmark nicht richtig auf. Als ich endlich alles im Topf habe, koste ich und stelle fest, dass es total süß schmeckt, obwohl ich noch keine Gewürze rangemacht habe. Ich sehe auf die Zutatenliste auf den Flaschenetikett. Da steht Rohrohrzucker. »Jetzt tun die in die passierten Tomaten auch schon Zucker«, denke ich mir und lese noch was von Gewürzen. Da werde ich stutzig und drehe die Flasche rum. Drei mal dürft ihr raten, was da stand. Richtig: Ketschup! Ich war total ärgerlich darüber, wie mir das passieren konnte. Mein Mann hat gelacht und die süßliche Tomatensoße ohne Murren gegessen. Andere hätten es vermutlich gar nicht gemerkt.

Im Moment habe ich neben dem Stress auf Arbeit auch noch jede Menge Freizeitstress. Diese Woche musste ich meine Kolumne für die PERRY RHODAN-Erstauflage abgeben – übrigens schon die 43. – die SOL 106 wollte zusammengestellt werden. Dazu musste ich mir einen Ersatz fürs Lektorat suchen, weil der Lektor kurzfristig ausgefallen ist. Meinen Leitartikel musste ich auch noch finalisieren und die Bilder zusammensuchen. Dann habe ich für das Tibutprojekt der PRFZ grafische Unterstützung geleistet und eigentlich hätte ich noch das Titelbild für das Kinderbuch layouten müssen. Das habe ich aber nicht mehr geschafft. Auch den zweiten Durchgang des Lektorats der FanEdition muss ich vor mir herschieben, denn meine NEO-Kolumne für die SOL 106 harrt noch der Vollendung, aber ich bin zwei NEOs im Rückstand. Zumindest einen habe ich gestern morgen fertig lesen können. Den muss ich jetzt noch besprechen. Vergessen wir nicht die gefühlt hundert E-Mails, die ich diese Woche verschickt habe.

Also zur Zeit kommt mal wieder alles zusammen. Bitte nicht wundern, wenn ich hier momentan nicht so viel blogge. Es geht einfach nicht. Das einzig Gute an der Sache ist, dass ich absolut keine Zeit habe, um mich über Politiker, Krieg und Corona aufzuregen.

Mission im Wegasystem

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 272 – »Die Hölle der Wega« von Ruben Wickenhäuser

Die SOL lädt im System von Rho Geminorum ihre Stützmassespeicher auf, als sie von einer Flotte der Überschweren entdeckt wird. Das Schiff kann durch ein gewagtes Manöver durch die Sternencorona fliehen, muss aber zwei Raumjäger mit Kadetten zurücklassen.
Nach ihrer Flucht findet die Besatzung der SOL das havarierte ferronische Raumschiff PLUMOON im Leerraum. Sie retten die einzige Überlebende und beschließen mit Hilfe des Wracks ins Wegasystem zu fliegen. Dort gibt es auf dem Planeten Capra große Vorkommen von Schwingquarzen, die die SOL nach wie vor für den Betrieb ihrer Systeme benötigt.
Während sich die SOL in der Atmosphäre des Gasriesen Gol verbirgt, fliegen Perry Rhodan, Gucky und die Besatzung zweier Space-Disks nach Capra. Die Space-Disks sind in das Wrack des ferronischen Raumschiffes eingebaut und sollen dem Außenteam den Rückflug ermöglichen.
Nach der Bruchlandung der PLUMOON mitten in einem Flüchtlingslager der Topsider, müssen sich Rhodan und Co nicht nur mit dem Leiter des Lagers, Worrka, und dem Anführer der Topsider, Lark-Kerr, auseinandersetzen, sondern auch mit dem Überschweren, der das Kommando über das Wegasystem hat. Als ein Sandsturm über das Lager fegt, fliegen Rhodan und sein Team zusammen mit dem Lagerleiter und Mineralogen Worrka zu den nahegelegenen Höhlen, in denen sie ein großes Vorkommen von Gemingadrusen orten.
Auf ihrem Weg durch den Fels landen sie in einem Raum, in dem sich eine Menge Schwingquarze und ein Transmitter befinden. Sie registrieren zu spät, dass es sich um ein Falle Leticrons handelt. Der Überschwere ist bereits auf dem Planeten und Rhodan und seiner Crew dicht auf den Fersen. Als er Rhodans Gruppe erreicht, greift er an. Sie haben seiner Kraft nichts entgegenzusetzen, ihre einzige Möglichkeit ist eine Flucht durch den Transmitter, doch der scheint beschädigt.
Die SOL ortet ebenfalls Schwingquarze auf dem Gasriesen. Omar Hawk, sein Okrill Watson und die gerettete Ferronin fliegen auf die Oberfläche des Planeten und kämpfen sich zu einer Transmitterstation durch. Der Transmitter ist mit dem auf Capra verbunden. Er aktiviert sich plötzlich und Gucky bittet den Oxtorner um Hilfe beim Kampf gegen Leticron. Watson kann den Überschweren so lange betäuben, bis sich das Außenteam durch den Transmitter in Sicherheit gebracht hat, inklusive der Gemingadrusen, die aus dem Vorrat der Überschweren stammen. Leticron erleidet nicht nur eine Niederlage, sondern auch einen empfindlichen wirtschaftlichen Verlust.

Anfangs habe ich mich mit dem Roman sehr schwer getan. Erst nach einem Drittel nahm mich die Handlung gefangen. Die ersten Kapitel über die Kadetten, die bei einem Einsatz stranden, finde ich nach der Beendigung der Lektüre noch rätselhafter als zu Beginn. Was sollte das? Die Szenen stehen in keinem Zusammenhang zur nachfolgenden Handlung. Offensichtlich sollte hier etwas vorbereitet werden. Ich bin gespannt, wann und ob das wieder aufgenommen wird.

Nachdem die Handlung nach Capra wechselt, beginnt sie zunehmend Spaß zu machen. Die Nöte von Worrka mit seinem Team und seiner Aufgabe ein Flüchtlingslager aufzubauen, obwohl er Mineraloge ist, erzählt der Autor schön plastisch. Der Gedanke, dass die Ferronen nun für ihre ehemaligen Unterdrücker die Topsider sorgen müssen, ist eine reizvolle Idee, die voller Konflikte steckt. Aber auch die Gedankengänge des Topsiders Lark-Kerr sind gut eingefangen.

Nahezu verrückt ist die Idee, zwei Space-Disks in das Wrack der PLUMOON einzubauen. Wie das funktionieren soll und wie die Space-Disks da wieder rauskommen, ohne Schaden zu nehmen, habe ich nicht ganz verstanden. Auch nicht, warum die Andruckabsorber innerhalb der Space-Disk wirken sollen, wenn sie in einem Schiff stecken, in dem die Absorber kaum funktionieren. Die Vibrationen und Scherkräfte wirken sich durch den Kontakt zum Schiff trotzdem auf die Space-Disks aus. Die schweben da ja nicht frei rum, sondern sind eingebaut. Wahrscheinlich habe ich das nur nicht richtig verstanden.

Sehr fasziniert hat mich die Expedition von Omar Hawk in die Kavernen auf der Oberfläche von Gol. Nachdem ich ausgeblendet habe, dass es realistisch wahrscheinlich unmöglich ist, auf der Oberfläche eines Gasriesen herumzuspazieren, und dabei Sonnenstrahlen zu beobachten, die die Oberfläche erhellen, machte der Ausflug mit Hawk richtig Spaß. Die unterirdischen Kavernen mit den Marienglaskristallen machen die unglaubwürdige Situation durchaus wett. Bei dem Transmitter der sich aktiviert bzw. desaktiviert, war ich zunächst verwirrt. Die Situation erklärt sich aber am Ende. Wobei ich nicht ganz glaube, dass die Gemingadrusen einfach so im Herumliegen transportiert werden können.

Wissenschaftliche Erbsenzählerei ist bei »Die Hölle der Wega« unangebracht, dann würde man vermutlich nicht mehr fertig werden. Wer sich darauf einlässt und die unlogischen Zusammenhänge ausblendet, bekommt einen reizvollen und durchaus spannenden Roman geliefert. Ich freue mich jedenfalls, in Zukunft wieder einmal etwas über die neuen Besatzungsmitglieder der SOL Worrka und Lark-Kerr zu lesen.

Mit Klaus auf Olymp

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 271 — »Undercover auf Olymp« von Lucy Guth

Bei der Flucht aus dem Solsystem stellt die Besatzung der SOL fest, dass die Hyperkristalle ausgebrannt sind. Dem Schiff gelingt es gerade noch zu beschleunigen und den Überschweren zu entkommen. Versteckt in einem unbewohnten Sonnensystem schickt die Besatzung ein Außenteam los, um auf Olymp Hyperkristalle aufzutreiben.
Perry Rhodan, Omar Hawk und Techkommandant Breckcrown Hayes nehmen zunächst Kontakt zu den Vitaliern auf. Anschließend fliegen sie maskiert mit dessen Anführer Klaus Störtebeker nach Olymp.
Dort wollen sie mittels offiziellen Händlern Geminga-Drusen oder raffinierte Hyperkristalle bekommen, stets in der Sorge von Leticrons Männern enttarnt zu werden, die auch Olymp unter Kontrolle halten.
Da die Menge der Hyperkristalle zu groß ist, finden sie niemanden, der über offizielle Kanäle die notwendige Anzahl liefern kann. Zumal die Überschweren um Letricron die meisten Kristalle für sich beanspruchen.
In ihrer Not wendet sich Rhodan an das Geminga-Kartell. Dadurch fliegt seine und Hawks Tarnung auf. Die illegalen Händler sind zudem zerstritten und wollen die Gelegenheit nutzen, das Lösegeld einzustreichen, das Leticron auf Perry Rhodans Kopf ausgesetzt hat. Dies bringt das Außenteam in arge Bedrängnis. Doch der neue Kaiser von Olymp hat noch ein Wörtchen mitzureden.

Einen sehr schönen und stimmigen Roman hat Lucy Guth wieder abgeliefert. Selbst wenn der Handlungssfortschritt der Staffel nur minimal ist, sind es vor allem die Hintergrundgeschichten zu den Figuren, die den Roman lesenswert machen.

Breckcrown Hayes ist schon seit mehreren Staffeln dabei und dennoch weiß man von der Figur nur wenig. Der Mann der Mitte Vierzig ist und wie ein Neunzigjähriger aussieht, ist bisher hauptsächlich in seiner Funktion als Technikchef der SOL aufgetreten. Was mit ihm passiert ist und warum er diese Alterungsschübe hat, weiß man zwar auch nach diesem Roman nicht. Aber man kennt zumindest seine Geschichte.

Ebenfalls aufgehellt wurde die Vergangenheit von Hawk. Von ihm weiß man, das er verheiratet war und seine Frau verloren hat. Als er die Vitalier-Kapitänin und  Oxtornerin Magarete Steinfall trifft, flammt in Hawk die Liebe auf. Nur Watson schein etwas dagegen zu haben. Das ist so wunderbar erzählt. Man leidet mit, wenn sich Hawk sorgt, dass er sich zwischen Watson und der Frau entscheiden muss.

Der Handlungsteil auf Olymp ist exotisch bebildert. Das erinnert mich ein wenig an den virtuellen Basar in »Valerian — Die Stadt der tausend Planeten«. Es ist schön zu sehen, wie sich die Kolonie in den Jahren zu einem Schmelztiegel der Lebensformen entwickelt hat. Die verlorenen Kinder, die Perry helfen, sind gut geschildert und offenbaren, dass keine Zukunft und sei sie noch so utopisch, perfekt ist.

Auch wenn der Charakter des Klaus Störtebeker (das ist der Mann auf dem Cover) eher oberflächlich bleibt, sind die Abenteuer in der Hauptstadt spannend zu lesen. Sehr glaubhaft finde ich, dass Rhodan trotz Maske enttarnt wird. Vielleicht wäre es besser, er würde nicht immer an vorderster Front agieren und auch mal andere für sich arbeiten lassen.

»Undercover auf Olymp« ist ein großes Abenteuer in leisen Tönen, das die Hintergründe der Charaktere in den Fokus rückt, ohne auf Aktion und Spannung zu verzichten. Die Autorin zeichnet gleichermaßen ein Bild der Kolonie Olymp und dem Wandel, der sich in der Gesellschaft nach dem Verschwinden von Erde und Mond und der Machtübernahme der Überschweren vollzogen hat. Perfekt!