Christinas Multiversum

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Cyber-Thriller auf Rumal

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 204 – »Der Schaltmeister von Rumal«

Ungewöhnliche Dinge geschehen im Materiegürtel des Algolsystems. Auf Rumal erfährt davon nur die Wassermeisterin und verständigt NATHAN. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Schaltmeister und Obmann von Rumal – Krumar Rabkob – sowie der Polizeichef – Shmuel Rodensky – werden in einen Strudel der Ereignisse gezogen, den sie nicht durchschauen und der zum Auslöschen der Kolonie führen könnte.
NATHAN schickt die Zwillinge Laura und Sophie Bull-Legacy zur Aufklärung der Vorfälle. Mit von der Partie sind Leibnitz und Monade. Doch die Positronikspezialisten geraten bei mehreren Anschlägen selbst in Gefahr.
Es gibt nur einen, der hinter all den Geschehnissen stecken kann – Iratio Hondro. Seit der Abschottung von Plophos vor einem halben Jahr scheint seine Macht inzwischen über die Grenzen des Capella-Systems hinauszureichen.

Ich bin kein großer Fan von Krimis oder Thrillern, aber ich weiß welche enorme Arbeit das Schreiben eines Solchen macht. In diesem Fall kommt die technologische Komponente hinzu. Das neuronale Positroniknetz, was die Kolonie organisiert und das von einem Schaltmeister und einem Wassermeister verwaltet wird, hat dem Autor die Arbeit sicher nicht erleichtert. Allein dafür verdient er Bewunderung.

Rainer Schorm verknüpft geschickt die Thriller-Struktur und die Cybertechnologie zu einer spannenden Handlung. Die agierenden Personen verfügen über eigenständige und manchmal kauzige Charaktere. Trotz der tödlichen Geschehnisse, kommt der Humor nicht zu kurz. Nur die Töchter von Reginald Bull bleiben im Laufe der Handlung etwas blass. Dafür freute ich mich, Leibnitz und seine Monade wieder in Aktion zu sehen und mehr über ihre Verbindung zu erfahren.

Natürlich war klar, dass die Katastrophe – die Zerstörung der Kolonie sowie der Tod des Schaltmeisters – abgewendet werden wird, was dem Ende ein wenig die Spannung nimmt. Das eine oder andere Opfer (vielleicht sogar Leibnitz oder der Schaltmeister) hätten mich an dieser Stelle mehr überrascht.

Was inzwischen ein bisschen stört, ist die Übermächtigkeit von Iratio Hondro. Die Exposé-Autoren müssen aufpassen, der Figur nicht zu viele Machtmittel zu verleihen. Sonst besteht die Gefahr, dass Perry Rhodan an seinem persönlichen »Moriaty« scheitert und am Ende der Staffel wieder in die Trickkiste gegriffen werden muss, um die natürliche Ordnung innerhalb der Serie wieder herzustellen. Hondro scheint sich zum »Overhead« der NEO-Serie aufzuschwingen … ach nein, den hatten wir ja schon.

Für Freunde des Thrillers bietet »Der Schaltmeister von Rumal« genügend Spannung, um sich gut zu unterhalten. Alle anderen erfreuen sich an dem großartigen Handlungsort Rumal. Hier gibt der Autor schöne Einblicke in eine wundersame aber glaubhafte Welt, die allein schon die Lektüre lohnen. Prima!

Die Abgründe von Plophos

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 203 – »Tekener« von Oliver Plaschka

Die beiden Rhodansöhne sind mit Jessica Tekener weiterhin auf der Jagd nach Iratio Hondro. Dieser konnte zusammen mit Jessicas Bruder, Ronald, der Feuerhölle auf Olymp entkommen und treibt jetzt auf Plophos sein Unwesen. Während Ronald Tekener noch überlegt, ob er nur Hondros Werkzeug ist, oder ob er dem ehemalige Obmann von Plophos freiwillig folgt, versuchen Tom, Farouq und Jessica an das Oberhaupt des Geminga-Kartells und damit auch an Hondro zu kommen. Der entledigt sich inzwischen einiger seiner ehemaligen politischen Gegner. 
Dann läuft jedoch alles aus dem Ruder. Ronald Tekener versagt bei einem Auftrag für Hondro und wird vor den Augen seiner Schwester von drei Ertrusern halbtot geschlagen. Doch anstatt das Hondro ihn bestraft, lässt er ihn retten und zusammenflicken. Tekener muss zusehen, wie sich Hondros Aufmerksamkeit auf seine Schwester und die beiden terranischen Agenten richtet. Auf seiner Jagd stürzt Hondro mittels seiner manipulativen Fähigkeiten die Hauptstadt von Plophos ins Chaos und sabotiert den Sonnentransmitter, der Plophos mit der Erde und den anderen Kolonien verbindet.

Ich kann die Exposé-Autoren zu ihrer Autorenauswahl nur beglückwünschen. Oliver Plaschka ist einer der wenigen Autoren im Team, der einen solch komplexen Charakterroman, so gekonnt zu schreiben vermag. Sein Tekener hat nicht nur enorme Tiefe, sondern weckt in mir Sympathien, obwohl er ein eher negativer Charakter ist. Seine Spielsucht und die daraus resultierende kriminelle Vergangenheit, wurden von einem ungeklärten Vorfall vor 30 Jahren ausgelöst. Er leidet unter Alpträumen, in denen außerirdische Wesen mit ihm herum experimentieren und eine Infektion auslösen, an der er fast stirbt und die zu seinem Pockennarbigen Äußeren führen. Ich vermute stark, dass Merkosh und seine Spezies dabei ihre Finger im Spiel hatten. Das alles schildert der Autor in sehr eindringlichen Bildern.

Gut eingefangen, hat er meiner Meinung nach auch die Chemie zwischen Tom und Farouq Rhodan, sowie Tekeners Schwester Jessica. Das Agententrio ist keineswegs einer Meinung und harmoniert gerade deswegen so gut. Wobei Jessica hin und wieder dazu neigt, sich nicht ihrem Alter entsprechend zu verhalten. Nach wie vor unklar ist, über welche geistigen Fähigkeiten sie verfügt. Das muss schon ein bisschen mehr als nur Intuition sein.

Gegenüber Olymp, das Ruben Wickenhäuser im vergangenen Roman so »farbenfroh« beschrieben hat, wirkt Plophos eher grau und häßlich. Die sparsamen aber treffenden Schilderungen von Oliver Plaschka unterstreichen das und machen damit offensichtlich, warum die beiden Kolonien miteinander konkurrieren. Der Wald, mit der gefährlichen Tierwelt, die Sonnen, die nur wenig Licht spenden und die teils morbide Architektur, fühlen sich schon beim Lesen trostlos an. Wie muss erst für diejenigen sein, die dort leben? Sehr gut gelungen empfand ich die Atmosphäre des »Achantur«-Casinos, man fühlte sich geradezu hineinversetzt in Spielhöllen wie heutzutage in Las Vegas.

Großen Respekt zolle ich an dieser Stelle sowohl dem Autor als auch den Exposé-Autoren für das Spiel »Colonies«. Sie haben sich mit sehr viel Mühe Regeln für ein Spiel ausgedacht, dass ausschließlich in diesem Roman vorkommt. Im Grunde ist dies ein Detail, welches für die Handlung nicht relevant ist, und was man hätte vernachlässigen können. Das haben sie aber nicht getan, sondern lassen Tekener auch noch mehrere Runden spielen. Die Szenen bekommen dadurch einen sehr glaubwürdigen und natürlichen Anschein.

Aber auch spannungstechnisch hat die Handlung einiges zu bieten. Wobei der Autor die Spannung weniger aus Action-Szenen bezieht, sondern mehr aus den Figuren heraus. Bestes Beispiel ist die Szene, in der Tekener zusammengeschlagen wird. Einfach wäre es gewesen, sie aus der Perspektive seiner Schwester oder eines anderen Aussenstehenden zu erzählen. Der Autor nutzt jedoch die Innenperspektive von Ronald Tekener, was enorm schwer ist, weil dessen Sinne spätestens nach dem ersten Schlag schon stark eingeschränkt sind. Er fühlt, hört und riecht also den Kampf mehr, als dass er ihn sieht. Ein Beispiel: »Eine Woge aus Adrenalin schien die Zeit derart auszudehnen, dass in die Spanne zwischen zwei Herzschlägen plötzlich ganze Minuten passten, und in jede dieser Minuten eine gigantische Zahl von Sekunden des Schmerzes – um den Schmerz portionierter, erträglicher zu machen.«

Damit kommen wir zu dem, womit mich der Roman am meisten mitnimmt – seine Sprache. Ich gestehe, ich habe stellenweise geschwelgt und manchen Satz zweimal gelesen, weil er so poetisch klang. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder so empfindet. Aber jeder mit Sinn für Sprachgefühl wird mir zustimmen, dass Oliver Plaschkas Romane sprachlich perfekt ausformuliert sind. Kein anderer bekommt das so harmonisch hin wie er und kein anderer NEO-Autor kann mich auf diese poetische Art fesseln.

Für mich ist »Tekener« ein Edelstein unter den NEO-Romanen. Die Geschichte um Ronald Tekener berührt auf vielfältige Weise. Informationen zur Staffel werden zwischen den Zeilen transportiert, wie es sein sollte. Das erfordert Aufmerksamkeit vom Leser, für die er aber mit ausgefeilten Formulierungen belohnt wird. Ich kann nur sagen: Ganz großes Kino!

Krimi auf Olymp

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 202 – »Die Geminga-Morde« von Ruben Wickenhäuser

Perry Rhodan trifft auf Olymp mit Kaiser Anson Argyris zusammen. Der Obmann empfängt ihn mit Pomp und Ehren. Doch dann ereignet sich eine Explosion in der Nähe eines Situationstransmitter auf dem Handelsplaneten und man vermutet Rhodans Söhne im Zentrum des Geschehens. Perry fliegt los, um seine beiden Jungs dort hoffentlich heil herauszuholen.
Groom ist ein Grunner, ein genetisch Flüchtling, der auf Plophos geboren wurde, dort aber nicht leben möchte. Weil Grooms Gene aber Firmeneigentum eines am Variable Genom Projekt beteiligten Konzerns sind, muss er sich auf Olymp verstecken. Als Multi-Ingenieur hat er das Wissen, seine Identität zu verschleiern. Aber eines Tages wird er in Geschäfte des Geminga-Kartells verwickelt. Schneller als er denken kann, gerät er zwischen die Fronten des Kartells und den Agenten des Terranischen Geheimdienstes. Es droht nicht nur seine Enttarnung, sondern er entgeht nur knapp einem Anschlag durch Handlanger des Kartells. Die Rhodansöhne bieten Groom Schutz durch den terranischen Geheimdienst an, wenn er ihnen dabei Hilft Iratio Hondo und den Kopf des Kartells zu fassen. Doch das Vorhaben geht furchtbar schief.

Mit einem Mix aus Agententhriller und Krimi überrascht Ruben Wickenhäuser die NEO-Leser. Die Geschichte ist nicht nur spannend erzählt und mit jeder Menge Wendungen gestrickt, nein, dem Autor gelingt es zudem, die Welt Olymp sehr plastisch zu beschreiben. Das liest sich atmosphärisch dicht und wirklichkeitsnah. Es ist eine Welt der Zukunft, die dennoch viel von unserer Gegenwart besitzt. Sie ist fast schon als dystopisch zu bezeichnen.

Allein die Tatsache, dass der Protagonist Eigentum einer Firma ist, weil er mit den Genen geboren wurde, die diese Firma irgendwann einmal seinen Eltern eingepflanzt hat, hat mich schockiert. Es scheint nicht alles so perfekt gelaufen zu sein in den vergangenen 30 Jahren. Es scheint, als habe Perry Rhodan wenig Einfluss auf die adminstrative Politik Terras. Da haben andere die Zügel in der Hand und der Protektor wohl zu wenig Macht, solche Menschenverachtenden Praktiken zu verhindern. Da haben mich der Autor und die Expokraten kalt erwischt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber ich finde das genial, weil die NEO-Geschichte somit viel realer erscheint, als wenn nur eitel Sonnenschein herrschte. Das Solare Imperium hatte in seiner Anfangszeit ebenfalls Schattenseiten, nur wurden diese nicht so offensichtlich gezeigt.

Wie der Autor das Szenario umsetzt, hat mir jedenfalls großen Spaß bereitet. Das war komplex und durchdacht und ich bin voll des Lobes. Sogar die technischen Abläufe waren für mich glaubhaft geschildert ohne zu viel phantastischen Firlefanz.

Ruben Wickenhäuser hat sich bisher von Roman zu Roman gesteigert, dass finde ich gut. Mit »Die Geminga-Morde« setzt er den starken Staffelauftakt fort und macht viel Lust auf die nächsten Romane. Perfekt!

Action auf Mimas

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 201 – »Mission auf Mimas« von Michelle Stern und Lucy Guth

Ras Tschubai befindet sich auf Mimas in jener Regenerationsphase, die der Zellaktivator der Liduuri benötigt um sein Leben zu verlängern. Gewissermaßen im Schlaf übernimmt Iratio Hondo die Kontrolle über Ras Tschubais Geist, lässt ihn erwachen und zwingt ihn mit ihm zu teleportieren. Der ehemalige Obmann wurde von einer dunklen Macht übernommen, die Menschen in seiner Nähe zu willigen Marionetten macht.
Tschubai kann zwar Perry Rhodan und die Mediziner des Instituts warnen, doch Hondo ist verschlagen. Sein Plan ist viel ausgeklügelter als alle denken, ebenso wie seine Fähigkeiten, die stetig zu wachsen scheinen. Auf seiner Flucht mit Tschubai als Geisel, kann er den Sicherheitsteams, den Mutanten Sud und John Marshall sowie Gucky und der halben Terranischen Flotte immer wieder entkommen. Er hinterlässt dabei Chaos und Zerstörung.
Als er durch einen Situationstransmitter nach Olymp entkommt, können ihm nur Thomas und Farouq Rhodan mit der NATHALIE folgen. Mit ihnen unterwegs ist Jessica Tekener, die sich auf der Handelswelt sehr gut auszukennen scheint. Doch auch hier kann Hondo entkommen, zurück lässt er einen schwerverletzten Ras Tschubai, der in letzter Sekunde von Sud gerettet werden kann.

Es ist eine durchaus spannende Geschichte, die die beiden Autorinnen erzählen. Die Verfolgung innerhalb der Klinik auf Mimas zieht sich im Mittelteil zwar etwas, aber mit dem Schauplatzwechsel nach Olymp haben die beiden letztendlich die Kurve bekommen.

Der NEO-Leser erfährt sehr viel über die vergangenen Jahre, über das Genom-Projekt, über den terranischen Geheimdienst und was aus Persönlichkeiten wie Belle McGraw, John Marshall, Julian Tifflor und Ras Tschubai geworden ist. Der geheimnisvolle Merkosh hat einen Kurzauftritt. Hintergründe aus dem Leben Ras Tschubais und Iratio Hondo werden mittels Visionen transportiert. Man bekommt einen guten Eindruck, wie sich die Erde bzw. die Terraner im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entwickelt haben. Olymp wird so beschrieben, wie man sich eine Handelswelt vorstellt, mit Casinos und Bordellen am Raumhafen. Alles ist sehr lebhaft und glaubwürdig geschildert.

Mir war es unmöglich herauszufinden, welche Autorin welchen Handlungsstrang geschrieben hat. Der Roman wirkt sehr homogen. Nur eine Entscheidung der Protagonisten konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Perry Rhodan und Thora, lassen Jessica Tekener mit ihren beiden Söhnen gemeinsam auf die Mission gehen, obwohl die junge Frau eindeutig Informationen geklaut hat und nicht preisgeben will, wie sie die gesicherten Kommunikationskanäle der Crest II abhören konnte. Das fand ich etwas unglaubwürdig. Vor allem Thora hätte Jessica Tekener niemals getraut und schon gar nicht ihre Söhne unter diesen Umständen mit der Frau losziehen lassen. Auch wenn sie inzwischen erwachsene Männer sind.

»Mission auf Mimas« ist ein spannender Actionthriller mit einem Bösewicht, der Perry Rhodan und der Terranischen Union tatsächlich gefährlich werden kann. Lucy Guth hat damit ihren Einstand bei NEO mit Bravour bestanden.

Gelungener Start in eine neue Epoche

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 200 – »Mann aus Glas« von Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm

Das Jahr 2088. 30 Jahre sind seit dem Kampf gegen ANDROS vergangen. Die Menschheit ist ins All aufgebrochen und hat Kolonien in anderen Sonnensystemen gegründet. Die Welten sind durch die Sonnentransmitter der Liduuri und denen der alten Straßen miteinander verbunden. Da taucht in der Nähe der Handelswelt Olymp ein Fremder auf, der sich Merkosh nennt und an einem friedlichen Austausch von Wissen interessiert ist. Perry Rhodan lädt den Fremden auf das nagelneue Flaggschiff ein. Doch seine Ehefrau Thora, die frisch ernannte Kommandantin der CREST II, ist nicht ohne Grund misstrauisch, denn kurz nach Ankunft des Gastes beginnen die Schwierigkeiten.
Derweil befinden sich die beiden erwachsenen Rhodansöhne auf einer Undercovermission für GHOST, den Geheimdienst der Terranischen Union. Sie sind auf der Spur von Schmugglern, die mit illegal abgebauten Drusen mit Hyperkristallen handeln. Dann jedoch werden sie zu einer chinesischen Kolonie geschickt, zu der jeglicher Kontakt abgebrochen ist. Die Brüder finden dort nicht nur die größte Druse, die je entdeckt wurde, sondern auch die meisten Kolonisten tot oder sterbend vor. Sie retten Jessica Tekener, die auf der Suche nach ihrem Bruder Ronald ist und stoßen auf Iratio Hondo. Der ehemalige Obmann von Plophos zeigt übermenschliche Fähigkeiten und versucht die Brüder sowie Jessica gedanklich zu zwingen, ihm ihr Schiff zu überlassen. Doch die beiden von NATHAN ausgebildeten Emotionauten widerstehen dem mentalen Druck, können Hondo überwältigen und die CREST zu Hilfe rufen.

Man spürt die Freiheit in jeder Zeile. Die beiden Exposeautoren dürfen endlich Geschichten erzählen ohne die Zwänge eines kosmischen Überbaus. Dazu erdenken sie sich Schauplätze in real existierenden Sonnensystemen. Trotz des Zeitsprungs von 30 Jahren ist die NEO-Serie noch immer recht nah an unserer Lebenswirklichkeit. Nicht nur Rüdiger Schäfer ist sich sicher, dass dies eines der Erfolgsgeheimnisse von NEO ist.

Der Roman basiert auf zwei parallel laufenden Handlungsbögen. Einer erzählt von den Geschehnissen rund um das Erscheinen von Merkosh. Im Zweiten stehen die Söhne des Protektors Farouq und Thomas Rhodan da Zoltral im Mittelpunkt. Jedes der Kapitel endet mit einem Cliffhanger, was die Geschichte ungemein spannend macht. Der Leser wird behutsam in die neue Epoche eingeführt. Er erfährt, wie es der Menschheit nach dem Ende des Ringens ergangen ist, was aus dem einen oder anderen Charakter wurde, wie sich die politische Struktur der Terranischen Union herausgebildet hat. Nicht alle Nationalstaaten haben sich der TU angeschlossen. Die Besiedlung der Kolonien erweist sich als nicht so reibungslos, wie es in der Erstauflage dargestellt wurde. Die Siedler wurden durch genetische Manipulationen an die Extremwelten angepasst. Außerdem liegen die Kolonien innerhalb der Lokalen Blase und nicht Tausende von Lichtjahren entfernt. Das Szenario ist somit sehr viel glaubhafter und durchdachter, als in der Frühzeit der PERRY RHODAN-Serie, profitiert aber auch von dem, was wir heute über die Sterne und die Milchstraße wissen.

Nicht vergessen wurde das Angebot der Liduuri, 15 Menschen die Unsterblichkeit zu verleihen. In dem Fall erhielten sie Zellaktivatoren, die in Abständen jedoch längere Schlafzyklen voraussetzen. Das ist dramaturgisch eine gute Idee, wobei aber dem Leser der Auswahlprozess vorenthalten wird. Das fand ich persönlich schade, denn da gab es sicher einiges an Streitpotenzial. Das Leyden-Team scheint immer noch verschollen, zumindest bis auf Belle McGraw, die inzwischen John Marshall geehelicht hat. Beide tragen einen der Zellaktivatoren (wobei Belle ja eigentlich eine Zelldusche bekommen hatte).

Sehr schön fand ich das Auftauchen bekannter Namen wie Tekener und Iratio Hondo. Was mich als großer Fan des Plophos-Zyklus besonders freut. Der Charakter des Merkosh ist den Autoren ausgesprochen gut gelungen. Fremdartigkeit äußert sich eben nicht nur im Aussehen, sondern auch in banalen Dingen wie essen und trinken, beziehungsweise in Denken und Moral. Das führt unweigerlich zu Missverständnissen. Da freue ich mich schon auf die weitere Entwicklung.

Es gab nur eines, womit mich die beiden Autoren komplett verwirrten. Ich hatte große Schwierigkeiten die Begriffe »Terranische Union« und »Solare Union« zu unterscheiden. Bis zuletzt konnte ich den Unterschied nicht festmachen, weil beide Begriffe im gleichen Kontext gebraucht werden. Auf den PERRY RHODAN-Tagen in Osnabrück konnte ich die Autoren danach fragen und sie hatten eine detaillierte Antwort parat. Anzuschauen in den ersten Minuten des Video-Zusammenschnitts von Volker Hoff auf YouTube.

Mit »Mann aus Glas« ist Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm ein guter Start in die neue Epoche gelungen. Der berühmt-berüchtigte »Sense of wonder« ist zu spüren und NEO-Neuleser sowie Kenner der Erstauflage kommen voll auf ihre Kosten. Sehr schön!

Wie im Rausch … der Con-Samstag

Beim PRFZ-Panel

Der Samstag war tatsächlich schneller rum, als man bis Drei zählen konnte. So kam es mir jedenfalls vor.

Morgens ging es gleich nach dem Frühstück los. Im Jugendhaus bestückte ich zunächst den Stand. Am Tag zuvor hatten wir nur die Kartons unter den Tisch gestellt, jetzt musste ich die FanEditionen, Dorgon-Romane und PerryPaper-Bastelbögen noch hübsch auslegen. Enttäuschung macht sich breit, nachdem ich feststellte, dass die aktuelle SOL-Ausgabe 94 fehlte. Noch enttäuschter war ich aber, dass meine STELLARIS-Geschichte im Conbuch durch das Layout derart verhunzt wurde, dass sie eigentlich nicht mehr verständlich ist. Ich entschuldige mich also schon mal im Voraus bei denjenigen, die sich beim Lesen durch die nicht mehr vorhandenen Kapiteltrennungen verlieren. Mir bleibt nur ein seufzendes Kopfschütteln.

Kaum aufgebaut, ging es schon los mit dem Verkauf. Eine neue FanEdition und ein neuer DORGON ziehen immer Käufer an. Noch schöner wäre es aber gewesen, wir hätten mal wieder ein neues Papiermodell anbieten können. Kurz nach 10 Uhr stand plötzlich Con-Moderator Markus Gersting neben mir, um mich zum PRFZ-Programmpunkt abzuholen. Inzwischen hatten sich zum Glück mit Michael Tinnefeld und Gerhard Huber zwei Helfer gefunden, die mich an Stand vertreten konnten. Danke an die beiden Fan-Autoren.

Zusammen mit Nils Hirseland wurde ich dann auf der Bühne im großen Saal von Roman Schleifer über die SOL, die PRFZ und die FanSzene ausgequetscht. Roman ist der geborenen Entertainer und moderierte auch all die anderen Programmpunkte mit Witz und viel Wiener Schmäh. Nach dem Programmpunkt blieb ich im Saal, weil ich das, was da kommen sollte, um nichts in der Welt verpassen wollte. Unter dem langen Titel »Die Vorsitzenden der PRFZ – im Gespräch über gestern, heute und morgen« mit Klaus Bollhöfener, Nils Hirseland und Rüdiger Schäfer verbarg sich nämlich etwas anderes. Es sollte eine Überraschung werden und zwar für die Zuschauer und für einen der Beteiligten auf der Bühne. Der hatte keine Ahnung und war zunächst entspannt, blickte dann aber zunehmend ungläubiger, je länger Klaus Bollhöfener redete. Der PERRY RHODAN-Marketingchef spielte großartig mit und verlieh am Ende einem völlig verdutzten und sichtlich gerührten Rüdiger Schäfer die Ehrenmitgliedschaft der PRFZ. Überraschung gelungen, würde ich sagen.

Auch beim nächsten Programmpunkt blieb ich im Saal, weil es einer der wenigen Punkte war, die ich mir fest vorgenommen hatte anzusehen. PR-Chefredakteur Klaus N. Frick stand Rede und Antwort zu Fragen, die Roman Schleifer ihm stellte. Es waren auch einige dabei, die Fans in den Sozialen Medien gestellt hatten. Eine Stunde lang wurde über die Produktion der PERRY RHODAN-Serie geredet. Unteranderem wurden Schreibblockaden von Autoren angesprochen und der dann in Kraft tretende Plan B verraten. (Wenn es hart auf hart kommt schreibt der Chefredakteur auch mal höchstselbst den Roman übers Wochenende fertig.) Sowie allerlei weitere interessante Fakten über die Hintergründe der Serie offenbart. Ich war überrascht mit welcher Offenheit Klaus N. Frick den durchaus kritischen Fragen begegnete und sichtlich Spaß an der Unterhaltung hatte.

In der darauffolgenden Mittagspause blieb keine Zeit zum Luft holen, denn es war die Mitgliederversammlung der PRFZ ausgerufen. Hermann Ritter übernahm die Leitung und zog die Versammlung straff wie am Schnürchen durch. Immerhin 20 Mitglieder hatten sich eingefunden, beim letzten Mal in Osnabrück waren es noch 25 gewesen. Vor allem waren viele Vorstandsmitglieder nicht anwesend, was kein gutes Licht auf die innere Struktur der PRFZ warf. Da ist fürs nächste Mal definitiv noch Luft nach oben.

Mir blieb nicht mal eine Stunde am Stand, bevor ich erneut auf die Bühne klettern durfte. Roman Schleifer hatte mich gebeten, ihm beim NEO Programmpunkt zu unterstützen, um gezielt inhaltliche Fragen stellen zu können. Es war mir eine Ehre Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm ein paar Informationen zu entlocken und Rainer eine Dr. Brömmers-Frosch-KI zu überreichen. Ob die Zuschauer Spaß an dieser Unterhaltung hatten und ob sie mit den Fragen und Antworten zufrieden waren, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Ich hoffe es wenigstens.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich am Stand, um Publikationen zu verkaufen und mit Leuten zu plaudern. Besonders gern erinnere ich mich dabei an die Unterhaltung mit Karl Nagel, dessen Lesung ich wegen NEO leider verpasst hatte. Es war aber sehr nett, den Autor, Punk und ehemaligen Kanzlerkandidaten der APPD persönlich zu treffen. Dazwischen holte ich mir noch die eine oder andere Unterschrift in der Autogrammstunde.

Die zwei Stunden vor dem Abendprogramm nutzten mein Mann und ich, mit den beiden NEO-Exposéautoren und NEO-Lektor, Dieter Schmidt, zu einem Abendessen im Kartoffelhaus, um anschließend gestärkt dem großen Finale des Con-Samstags beizuwohnen.

Rüdiger Schäfer hatte zur Saturday Night Live-Talkshow geladen und begrüßte unteranderem Wolfgang Kehl (Arndt Elmer), Andreas Brandhorst, Klaus N. Frick, Hermann Ritter und Robert Corvus auf der Bühne. Klaus Bollhöfener wurde von Klaus N. Frick gedoubelt (leider ohne fränkischen Dialekt). Dazwischen gab es Quizfragen fürs Publikum, bei dem Raritäten und Sammlerstücke gewonnen werden konnten. Ich hätte gerne die NEO-Sternenkarte ergattert, wusste aber nur den Vornamen des Pseudonyms von Rainer Schorm – Regina Shadow. Dabei stand er in der letzten Ausgabe der SOL auf Seite 43. Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Nun ja, Namen sind eben nicht meine große Stärke.

Völlig erschöpft fiel ich kurz vor Mitternacht in Bett. Es war ein toller Tag, wie immer bei solchen Ereignissen nur leider zu kurz.

Abstraktes Endspiel

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 199 – »Am Ende aller Tage« von Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm

Die MAGELLAN hat im Halit-System enorme Problem. Die durch ANDROS verursachten Störungen des Raum-Zeit-Gefüges bringen nicht nur das Schiff, sondern auch die Mannschaft an ihre Grenzen. Mit Mühe und Not können sie die DOLAN mit Icho Tolot an Bord nehmen und sich an den Rand des Systems zurückziehen. Der Haluter ist zudem eine große Hilfe, um die Gefahr durch platzende Halbraumblasen zu eliminieren. Dem im System zurückgebliebenen Perry Rhodan kann die Crew allerdings nicht im Kampf gegen ANDROS beistehen.

Der Protektor befindet sich auf einer Verrytspähre. Zusammen Tuire Sitareh, Ernst Ellert und Huang Wei, soll er das Synchrofark mittels Sprengkapseln zerstören. Dort sieht Perry ES bei einem Angriff durch ANDROS sterben. Doch die Entität hat nur geblufft, es war Huang Wei der sich als ES ausgegeben hat und gestorben ist. Zurück auf der Verrytsphäre erläutert ES ihren Plan und schickt Ellert mit Tuire ins Creaversum, während Perry als Anker im Einsteinuniversum zurückbleibt. Durch die Augen von ES, erkennt Perry, wie das Schließen der Ruptur auch die Erde im Solsystem bedroht. Der Planet kann aber durch NATHAN und die Posbis geschützt werden. Der Plan von ES geht auf. Während die Crea mit einem riesigen Habitat – einer Art Arche – ins Einsteinuniversum überwechseln, wird ANDROS ins Creaversum gesaugt und die Dimension für immer abgeschnitten. Tuire und Ellert können nicht zurückkehren. Rhodan droht in den Gewalten, die im Halit-System nachwirken, getötet zu werden, kann aber in letzter Sekunde von Mirona Thetin und Atlan mittels Halbraumtransport gerettet werden.

Das sich die Prophezeiung von ES – der Tod Perry Rhodans – nicht bewahrheitet, davon war auszugehen, ansonsten wäre die Serie hier zu Ende gewesen. Insofern liefert dieser Aspekt keine so richtige Spannung. Interessant ist allerdings, der Ausgang des kosmischen Schachspiels zwischen ANDROS und ES. Der letzte Bluff, der die Rettung der Spezies des Creaversums und die gleichzeitig Verbannung von ANDROS in seine angestammte Heimat beinhaltet, ist von den Autoren sehr clever durchdacht.

Allerdings blieben mir viele Dinge in diesem Roman zu abstrakt. Abgesehen von den Auswirkungen der zusammenbrechenden Raumzeit, für die es weder Beweis, noch Gegenbeweis gibt, ist mir die Rolle des Protektors nicht so ganz klar geworden. Was genau außer seinem Zellaktivator und der bei der Aktivierung der Transmitterstrecke veränderten Physiologie macht die Person Perry Rhodans so wichtig? Theoretisch hätte das jeder mit Zellaktivator ausgestattete Mensch, also auch Thora oder Atlan tun können. Auch seine Rettung durch Mirona Thetin war mir zu konstruiert und zu simpel. Man hat ihn quasi an Bord gebeamt.

Tuires »Ableben« kam ebenfalls nicht unerwartet. Ich war stets ein großer Fan des rätselhaften Auloren, allerdings hat er in den vergangen Staffeln an Reiz verloren, weil er kaum noch auftauchte. Es tut mir wohl deshalb weniger leid, dass er ab Band 200 nicht mehr dabei sein wird. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber, dass er zusammen mit Ernst Ellert einen Weg zurückfindet.

Das Ende von ANDROS war gut gelöst, gerade weil die Entität nicht getötet wurde, sondern aus dem Einsteinuniversum verbannt. Soviel ich verstanden habe, ist ANDROS das gleiche wie METEORA. Also ein aus Halatium gebildetes Bewusstsein. Während ES aus den Seelen der Memetern hervorgegangen ist. Damit ist ANDROS aber eher der Bruder von METEORA, als der Bruder von ES. 

Die beiden Autoren bemühen sich sichtlich um Spannung. Das gelingt ihnen auch. Man kann außerdem nur schwer feststellen, wer was geschrieben hat. Ich tippe aber, dass Rüdiger Schäfer für die Rhodan Handlungsebene verantwortlich war. Dennoch hat mich der Roman nicht einhundertprozentig überzeugt. Wie gesagt, vieles war mir einfach zu abstrakt. Jemand, wie mich, der genau verstehen möchte, was passiert und der auf innere Logik wert legt, wird sich schwer tun. Irgendwann habe ich aufgegeben, es verstehen zu wollen, und einfach nur noch weitergelesen. Das heißt aber auch, dass ich nur mit halben Herzen dabei war und das wiederum finde ich schade.

Ein weiterer Aspekt, den ich vermisst habe, war das Leyden-Team. Die Truppe um den exzentrischen Hyperphysiker hat in den vergangenen knapp 100 Romanen einen großen Teil der Handlung dominiert. Das sie innerhalb der Staffel so plötzlich ins Aus befördert und ihnen nicht mal im großen Finale eine Rückkehr gestattet wurde, ist mehr als ärgerlich. Selbst Belle McGraw, die ja an Bord der MAGELLAN ist, taucht nicht mehr auf. Selbst dann nicht, als ihr »Geliebter« John Marshall bewusstlos in der Krankenstation materialisiert. Stattdessen etablieren die Autoren – ich tippe mal, es war Rainer Schorm – den bislang unbekannte Charakter Alfred Parlinger. Durch die Augen, des in der Astrometrie tätigen, Wissenschaftlers erleben wir die Auswirkungen der Raumzeitstörungen. Diese Rolle hätte gut auf die Astronomin Belle McGraw gepasst, die dann sogar ihrem Schwarm Marshall hätte zu Hilfe eilen können. Leyden hätte mit Tolot die MAGELLAN gerettet, während Luna Perparim ihre Verbindung zu Huang Wei offenbart worden wäre. Leider scheinen die Expokraten mehr auf ein paar nörgelnde Fans gehört zu haben, als sich und den Leyden-Fans diesen Knalleffekt zu gönnen. Damit verzichten sie leider auch auf einen richtig runden Abschluss.

Abgesehen, von den erwähnten Punkten ist »Am Ende aller Tage« ein überdurchschnittlich guter NEO, der die offenen Fäden von 199 Romanen glaubhaft abschließt. Ich hätte mir allerdings weniger abstrakte physikalische Details und mehr Gewicht auf die finale Charakterentwicklung gewünscht, denn angesichts des angekündigten Zeitsprungs, werden wir einige der Figuren nicht wiedersehen.

Noch eine Bemerkung zum Cover von Dirk Schulz: war es zuletzt Ricardo Montalban, der für Tuire Modell gestanden ist, dann war es bei Band 199 Gojko Mitic.

Auf der Zielgerade

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 198 – »Duell der Bestien« von Kai Hirdt

Die MAGELLAN gelangt mittels des Sechsecktransmitters nach Andromeda. Der ohnehin angeschlagene Perry Rhodan übersteht den Flug nur durch viel Glück und das Können der Mediziner. In Andromeda beschließt die Crew allen voran Rhodans besorgte Ehefrau Thora, nach Multidon statt ins Halit-System zu fliegen, um Mirona Thetin um medizinische Hilfe für Perry zu bitten.
Icho Tolot bricht derweil mit der DOLAN ins Halit-System auf, um auszukundschaften, wie die Lage dort ist und was ANDROS plant. Er stürzt mehr oder weniger freiwillig auf dem Heimatplaneten der Sitarakh ab und stellt sich dem finalen Kampf gegen die Bestie Masmer Tronkh. Durch einen jungen Sitarakh – oder einer Person, die sich als solcher ausgibt (ES?) – erfährt er, was es mit ANDROS, METEORA und dem kosmischen Schachspiel auf sich hat.

Kai Hirdt liefert mit »Duell der Bestien« erneut einen Roman ab, in dem die Charaktere nicht nur vor Lebendigkeit sprühen, sondern der auch in sich stimmig ist. Das der Autor ein Händchen für Dialoge hat, beweist er in diesem Roman zum wiederholten Mal. Thoras und Thetins Stutenbissigkeit sind einfach grandios geschildert. Überhaupt, lebt Thora zum ersten Mal seit vielen Romanen wieder so richtig auf.

Wobei sich das Hin und Her um Perry Rhodans Gesundheit ein wenig anfühlte, als ob der Autor Zeilen schinden müsse, damit Tolot genügend Zeit für seinen Kampf mit Masmer Tronkh bleibt. Tifflor und Sud sind gegenüber Rhodans Zustand praktisch hilflos. Atlans und Thoras Versuche mit der »Gedankenverschmelzung« bleiben ebenfalls erfolglos. Erst das Auftauchen von Tuire Sitareh holt Rhodan ins Leben zurück.

Schön beschrieben war Icho Tolots Kampf zunächst mit sich selbst und später mit der Bestie. Großartig auch die Idee, den brennenden Schwefel in den See zu leiten, um ein Säurebad herzustellen und damit die Schiffe der Bestien zu zerstören. Solche wissenschaftlichen Gedankenspiele freuen mich mehr, als die ins Phantastische gehenden Heilfähigkeiten von Sud.

Das einzige was mich ein bisschen ernüchtert: Auf sechs Seiten erfährt Icho Tolot und damit auch der Leser, die komplette kosmologische Hintergrundgeschichte der vergangenen knapp 200 Bände. Einfach so! Peng! Hier sind die Zusammenhänge! … Kann man das so machen? Ja! Sollte man es so machen? Vielleicht! Hätte ich es anders gemacht? Ich denke, ja! … Es gab in den vergangenen Staffeln genug Gelegenheit immer mal wieder ein Informationshäppchen einzubauen. Ich hätte es besser gefunden, wenn sich die Leser selbst ein Bild hätten erarbeiten müssen, als ihnen einfach die Lösung vor die Füße zu werfen. Was sprach dagegen, mehr auf die Hintergründe des kosmischen Schachspiels einzugehen? Allein in der laufenden Staffel sind mindestens drei Romane enthalten, die meiner Meinung nach eher Füllstoff waren. Auch auf die Gefahr hin, dass sich die Leser das Ende zusammenreimen können, fand ich den gewählten Weg nicht optimal.

»Duell der Bestien« ist eine unterhaltsame Geschichte, deren Charaktere aufs meisterliche ausgearbeitet sind und die durch Cliffhanger in den Kapitelenden ausgesprochen spannend daherkommt. Allein die lieblose Weitergabe der Informationen zum kosmischen Überbau der Serie hat mich geärgert. Ich wollte lieber mitraten und spekulieren und nicht die Geschichte des Ringens auf dem Silbertablett geliefert bekommen. Schade!

Neues aus der Eastside

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 197 – »Der Dimensionsblock« von Ruben Wickenhäuser

Das Situativ mit Perry Rhodan wird von der MAGELLAN geborgen, leider hat der Protektor keinerlei Erinnerungen mehr daran, wer er ist und wer die Menschen um ihn herum sind.
Derweil ist die AMUNDSEN auf dem Weg zur Eastside. Nach dem letzten Transmitter-Durchgang landet sie schwer beschädigt mitten in einem Trümmerfeld. Ihre ohnehin brenzlige Lage spitzt sich zu, als zwei rivalisierende Verbände der Azaraq (Blues) damit drohen, das Feuer zu eröffnen. Dem Ingenieur Alexander Kaspescu gelingt es die Kommunikation rechtzeitig wieder herzustellen, um ihre Notlage zu signalisieren. Die Azaraq lotsen daraufhin das terranische Schiff aus der Gefahrenzone und setzen ihren Kampf gegeneinander fort.
Mit einem Datenpaket von Faktor I im Gepäck steuert die AMUNDSEN das Ovi-System mit dem Planeten Moloch an. Den Empfänger der Botschaft orten sie auf der GELBSCHLEIER V, einem Seuchenschiff, das die Azaraq vor Jahren leer zurückgelassen haben.
Brent Dargas, Alexander Kapescu und drei Begleiter gehen an Bord. Hier bringt sie eine aggressive Flora in tödliche Gefahr, bevor sie endlich das Datenpaket an Faktor VII und Baar Lun übergeben können, die damit den Dimensionsblock initialisieren können. Er soll das Suprahet hindern auszubrechen, wenn die Transmitterstrecke aktiviert wird.
An Bord der Gelbschleier V befindet sich auch Tharvis Kerrek. Der ehemalige Gatasische Kommandant hat sich hierher zurückgezogen, um seinen Sohn zu betrauern, der einst von Perry Rhodan von der Seuche gerettet worden war. Er wird in die Begegnungen von Menschen und Faktor VII hineingezogen und erfährt nicht nur mehr über die drohende Gefahr für das Universum, sondern auch viel über sich selbst.

Die Länge der Zusammenfassung täuscht. Es scheint in diesem Roman viel zu passieren, doch einen richtigen Handlungsfortschritt enthält er nicht.

Ruben Wickenhäuser gelingt es zwar die handelnden Figuren sehr glaubhaft mit all ihren Sorgen und Nöten darzustellen, dennoch fühlt sich die Geschichte wie eine Wiederholung von Band 196 an. Wieder stehen Kämpfe gegen aggressive Pflanzen im Vordergrund. Warum in dem stillgelegten Schiff sich eine solche Flora überhaupt entwickeln konnte, wird am Ende eher beiläufig erläutert. Ebenso wie und warum Faktor VII und Baar Lun in die Milchstraße gekommen sind. Der Rest ist mit Beschreibungen, Innenansichten und Rückblenden gefüllt. Das liest sich alles etwas mühsam.

Vergebens wartete ich auf das Auftauchen einer Bestie, schließlich geben sie der Staffel ihren Namen. Stattdessen erfahre ich wie es den Azaraq nach der Ausrottung der tödlichen Seuche ergangen ist. Diese Informationen sind durchaus interessant, fühlen sich aber drei Romane vor dem Staffelende irgendwie fehl am Platz an.

Bitte nicht falsch verstehen, Ruben Wickhäuser macht das exzellent. Seine Beschreibungen sind plastisch, die Gedankengänge des Azaraq Kerrek über sein Volk und die Menschen haben viel Tiefgang. Ich halte diesen Roman für den bisher besten Beitrag des Autors für NEO, aber angesichts des bevorstehenden Finales habe ich einfache eine andere Erwartung an die Handlung.

Vieles erschließt sich mir auch auf logischer Ebene nicht. Warum muss das Datenpaket direkt übergeben werden? Hätte es nicht eine Übertragung von Schiff zu Schiff an anderer Stelle auch getan?
Warum betreten Dargas und sein Team das Seuchenschiff in den sichtlich beschädigten unteren Bereichen und nicht gleich auf der Kommandoebene, die unbeschädigt ist? Schließlich sollten sie einen Plan des Schiffes von Perry Rhodans letzten Besuch haben. Warum drehen sie nicht um, als sie die Gefahr erkennen und versuchen woanders anzudocken? In dieser Hinsicht muss ich Kapescu sogar recht geben, der sich genau darüber beschwert.

Überhaupt Kapescu! Der von Madeleine Puljic eingeführte Charakter nervt zwar ein wenig, zeigte aber großes Entwicklungs-Potenzial, dass gerade in einem solchen Roman hätte ausgeschöpft werden können. Stattdessen lässt man ihn einen idiotischen und sinnlosen Tod sterben. Die Anteilnahme und Rührung auf seiner Trauerfeier nehme ich keinem seiner menschlichen Begleiter ab, nicht so, wie sie den Ingenieur erlebt haben.

»Der Dimensionsblock«, so schreiberisch perfekt er auch in seiner Ausführung sein mag, hinterlässt den Eindruck von Bemühtheit. Die Exposé-Autoren versuchen fast schon krampfhaft alle Fäden zusammenzuknüpfen. Die Lockerheit, die die Staffeln in Andromeda und der Eastside ausgezeichnet haben, scheint verloren gegangen. Es bleibt zu hoffen, dass Kai Hirdt und Rüdiger Schäfer in den letzten verbleibenden Romanen vor Band 200 ein wenig mehr Spannung aufkommen lassen.

Psychoanalysen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 196 – »Entscheidung auf Kahalo« von Susan Schwartz

Das Situativ mit Perry Rhodan erreicht den letzten Planeten in der Transmitter-Kette. Der Protektor hat große Gedächtnislücken und ist körperlich ziemlich mitgenommen. Dennoch steigt er aus, um den Transmitter zu aktivieren. Draußen erwartet ihn neben einer aggressiven Flora eine Bestie, die vor sehr langer Zeit von der Allianz als Wächter zurückgelassen worden war. Und dann ist da auch noch Hak Gekkoor der dem Terraner auf den Fersen ist und Rhodan an seinem Vorhaben hindern möchte.
Auf der MAGELLAN versuchen Tifflor, Sud und Bell McGraw noch immer John Marshall aus dem Koma zu erwecken. Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von Nathalie. John erwacht und berichtet von seinem Ausflug ins Creaversum, kann sich aber nicht mehr an Details erinnern. Er weiß nur, dass die MAGELLAN nach Kahalo aufbrechen muss, um Perry Rhodan wieder an Bord zu nehmen.

Bis zur Hälfte des Romans, dachte ich: Was für eine sensationell gut geschriebene Geschichte. Spätestens im letzten Drittel, war die Spannung raus. Der Autorin gelingt es zwar sehr gut, nicht nur Rhodans schwindendes Bewusstsein, sondern auch John Marshalls Gemütszustand und Nathalie Rhodans kindliches Gemüt glaubhaft darzustellen. Das ist stellenweise richtig anrührend und ergreifend. Ich war ein paarmal ersucht, nach dem Taschentuchspender zu greifen. Doch je länger sich die Handlung zieht, desto mehr geht dieser Zauber verloren. Rhodans Kampf auf Kahalo zuerst mit den Pflanzen, dann mit der Bestie und später mit Hak Gekkoor, war gut erzählt, zog sich für meinen Geschmack aber zu lange hin. Als Rhodan schließlich sein Ziel die Pyramiden erreicht, ging alles viel zu schnell, ohne das man eine befriedigende Antwort bekommen hätte, was da gerade mit Rhodan passiert. Das klang ein bisschen zu sehr nach Fantasy und Hokuspokus als nach Science Fiction.

Ohnehin, fragte ich mich gleich zu Beginn, wieso Rhodan plötzlich schon am Ende seiner Reise ist. Wie viele Transmitter hat er aktiviert? Warum hat man mir das nicht gezeigt, sondern nur erzählt? Und wieso kommt er am Ende beim Sechseck-Transmitter und dem falschen Kahalo heraus, wenn sich doch das echte Kahalo, auf dem er agiert, in der Nähe der Erde befindet? Und hätte er nicht in Andromeda herauskommen müssen? Schließlich zieht sich der Aufriss zwischen beiden Galaxien entlang. Außerdem warte ich immer noch auf Tuire Sitareh. Nachdem seine Geschichte in Band 195 im Mittelpunkt gestanden hatte, dachte ich, dass er nun endlich zurückkehren und Rhodan beistehen würde.

Auffällig waren die vielen nachträglichen Erläuterungen, z. B. warum das Situativ nicht direkt an den Pyramiden gelandet ist, oder warum es nicht in der Luft blieb. Fragte sich da die Autorin selbst, warum das nicht im Exposé gestanden hatte, oder wurde sie erst darauf aufmerksam gemacht? Solche Fragen wurden erst im letzten Drittel thematisiert, dabei hätte man das schon bei der Landung erklären können.

Der zweite Handlungsstrang mit John Marshall hatte eine ähnlich psychologische Ausrichtung. Man bekam viele Innenansichten geboten. John, dessen Besuch im Creaversum seine Psyche massiv angegriffen hat. Nathalie, die mit ihrer Andersartigkeit besser klar kommt, als die Erwachsenen um sie herum und Belle, die vor Sorge um John nur noch ein seelisches Wrack ist. Nicht jedem Leser wird soviel geballte Psychoanalyse gefallen. Susan Schwartz gab sich sichtlich Mühe die Emotionen der Figuren an den Leser weiterzugeben. Bei mir ist ihr das auch gelungen.

Jetzt zu einer Sache, die mich inzwischen massiv nervt und an der die Autorin keine Schuld trägt, sondern die den Exposéautoren anzulasten ist. Ich meine, die fragwürdige Beziehungskiste zwischen John Marshall und Belle McGraw. Ich habe Belle als Charakter immer gern gemocht. Meines Erachtens schadet diese fast schon krankhafte Fokussierung auf John Marshall der Figur sehr. Belle benimmt sich nicht mehr wie die professionelle, intelligente Frau, als die sie einst dargestellt wurde. Seit Wochen sitzt sie tatenlos an John Marshalls Krankenbett. Sie hat doch Aufgaben auf der MAGELLAN zu erledigen, warum geht sie diesen Aufgaben nicht nach? Warum ruft sie nicht mal jemand zur Ordnung, sondern lässt sie gewähren? Das halte ich für unglaubwürdig. Klar sie sorgt sich um John, aber warum vernachlässigt sie darüber ihre Pflichten? Das klingt nicht nach der Bell McGraw, die ich kennengelernt habe. Hier fehlt einfach ein Eric Leyden, der sie mal so richtig zusammenstaucht. Den scheinen die Expokraten, aber leider fürs Erste geparkt zu haben.

»Entscheidung auf Kahalo« ist ein guter Roman von Susan Schwartz, der brilliant hätte werden können, wenn sie die Handlung etwas gestrafft und ein paar mehr Antworten geliefert hätte.