Lebensgeschichte eines Gläsernen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 239 – »Merkosh« von Rüdiger Schäfer

Merkosh, der mit Nathalie zu Perry Rhodan in die Neunturmanlage gekommen ist, erzählt Rhodan seine Lebensgeschichte. Wie er als Weisenjunge von einer Gruppe Halbwüchsiger drangsaliert wird, weil er intelligenter ist als andere Oproner. Und wie er schließlich eine Ausbildung zum Mediker macht.
Nachdem er seine Frau/Freundin und sein ungeborenes Kind an das Dunkelleben verliert, widmet er sich Jahrzehntelang dem Kampf gegen das Dunkelleben. Bis er zu Versuchen an gesunden Opronern gezwungen werden soll. Es sind ausgerechnet diejenigen, die ihn als Kind gequält und seinen besten Freund erschlagen haben. Merkosh widersetzt sich dem Befehl und kehrt lieber der Forschungseinrichtung den Rücken, als seinen Eid zu verraten.
Doch außerhalb tut er sich schwer, seine Studien erfolgreich fortzusetzen. Bis ihn eines Tages Bingdu besucht und mit in den Gadenhimmel nimmt. Dort erfährt Merkosh, dass er Bingdus Sohn und der einer Opronerin ist. Um im Gadenhimmel bleiben zu dürfen und weiter am Dunkelleben zu forschen, wird er zum Omniten transformiert.
Jahrzehnte später bricht er auf, um die Menschen zu besuchen, deren Gene eine Besonderheit aufweisen, die dem Dunkelleben die Stirn bieten könnte. Doch bei seiner Reise verliert er das Gedächtnis und seine Transformation kehrt sich um.

Nachdem Mekosh die Erzählung beendet hat, verhilft Nathalie ihrem Vater dazu, die Neunturmanlage in einer anderen Chronophase so zu manipulieren, dass sie alles Dunkelleben in den Schlund von Sagittarius A* schleust. Die dunkle Entität Tihit wird damit übersättigt und schläft wieder ein. Die Gefahr durch das Dunkelleben im Zentrum der Milchstraße ist vorerst gebannt.

Nie hatten es Science-Fiction-Autoren so einfach wie heute. Vor allem wenn sie über die Bedrohung durch eine Seuche schreiben. Nun muss man sagen, dass Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm die Idee vom Dunkelleben schon vor über einem Jahr hatten. Doch die Corona-Pandemie verleiht den Gedanken und Handlungen von Perry Rhodan, seinen Begleitern und den Omniten sehr viel mehr Glaubwürdigkeit. Es sind Fragen, die wir uns alle in unserer Realität stellen und stellen müssen. So sind die Diskussionen darüber, wie viele geopfert werden sollen, um die Mehrheit zu retten, viel überzeugender. Rüdiger Schäfer hat seinem Merkosh kluge Gedanken in den Kopf gelegt. Aber auch die Argumente von ES und Ernst Ellert, mit denen sich Rhodan auseinandersetzen muss, sollten beachtet werden. Denn es ist nach wie vor nicht klar, ob Nathalies Idee das Problem längerfristig lösen kann. Doch dazu werden wir sicher in der nächsten Staffel noch genug erfahren.

Die Lösung ist übrigens überaus knifflig und hat Rüdiger Schäfer sicher mehr als eine Nacht wachgehalten. Denn letztendlich gelingt es Rhodan über die Manipulation einer Chronophase, durch Quantenverschränkung seine bereits vollendete Tat zu negieren und eine neue Zukunft zu generieren. Da muss ich dem Autor Respekt zollen, das war sicher nicht einfach.

Andererseits stört mich bei dem Roman etwas, was mir bereits am Anfang der Staffel aufgefallen ist. Die Strukturen in der Handlung sind zu vorhersehbar geworden. Jeweils die ersten Bände der letzten Staffeln fallen durch eine große Ähnlichkeit auf und auch die Abschlussbände gleichen sich. Bei »Merkosh« ist es besonders die Ähnlichkeit zu Band 219 »Callibsos Weg«, die ins Auge sticht. Ich wünsche mir da in Zukunft etwas mehr Überraschung. Schließlich esse ich auch nicht jede Woche das gleiche. So ist die Handlung der Staffeln doch ziemlich vorhersehbar geworden.

Die Geschichten der Charaktere Merkosh und Callibso ähneln sich sehr stark. Beide werden als Kinder von größeren Jugendlichen gehänselt und verprügelt. Ich weiß nicht, ob der Autor damit Erinnerungen aus seiner eigenen Kindheit verarbeitet, aber ich finde das schon bemerkenswert. Mich stört an diesen Geschichten leider, das hier zu viele menschliche Verhaltensweisen und Denkmuster einfließen. Sowohl Callibsos Volk als auch die Oproner sind völlig fremde Lebensformen. Warum sollten sie ein so niederes Verhalten an den Tag legen, wie die Menschen? Sicher bekommen sie damit einen menschlichen Zug, aber muss das wirklich immer sein. So fällt mir im Laufe von Band 239 noch ein paar weitere Male auf, dass Merkosh zu »menschlich« denkt, zum Beispiel wenn er Entfernungen in Stunden oder Temperaturen in Grad Celsius angibt. Das verstehen zwar die Leser, aber bei den Arkoniden verwendete der Autor bisher auch spezielle Begriffe für Zeit oder für Entfernungen, warum nicht auch bei den Opronern.

»Merkosh« ist ein guter Abschlussroman, der die Figur des Gläsernen schön charakterisiert. Auch der Twist, wie Rhodan letztendlich das Ruder noch herumreißen kann, findet meine Zustimmung. Dadurch aber, dass Rüdiger Schäfer bereits ähnliche Abschlussbände geliefert hat, ist die Geschichte zu vorhersehbar. Da wünsche ich mir für die nächste Staffel ein wenig mehr Abwechslung. Vielleicht überraschen uns die Exposéautoren auch mal wieder mit einen fiesen Cliffhanger. Der hätte bei diesem Band übrigens viel besser gepasst, als das scheinbare Happy End. Denn wenn man die Leseprobe von Band 240 liest, ist das Dunkelleben noch lange nicht besiegt.

Chronophasisches Quantenabenteuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 238 – »Die neun Türme« von Rainer Schorm

Im Gadenhimmel – acht Sonnen, die ein schwarzes Loch umkreisen – angekommen, werden Perry Rhodan und Ronald Tekener von den Omiten auf die Lichtwelt Drem-Doreus eingeladen. Auf ihr leben die Angehörigen von acht omnitischen Familien, die die Gaden bilden. Eine Vereinigung, die sich schon vor Jahrtausenden dem Kampf gegen das Dunkelleben verschrieben haben. Dieser spezielle Ort ist ihre Schaltzentrale, allein es fehlt ihnen der Schlüssel.
Zur Sicherheit nimmt Rhodan Omar Hawk, den Okrill Watson und die Ärztin Sud mit. Dass dies eine gute Idee ist, stellt sich heraus, als es während eines Konklave zu einem Zwischenfall kommt. Das von den Gaden gefangengehaltene Oberhaupt der Shafakk kann sich befreien und greift die Omniten an. Die Menschen und der Okrill können den aggressiven Shafakk-Aahn stoppen, bevor er die versammelten Anwesenden töten kann. 
Das Oberhaupt der Omniten, Mem Kauperon, sieht in Rhodan den Schlüssel um den Langzeitplan der Gaden zu vollenden und das Dunkelleben endgültig zu besiegen. Als Zeitträger und Unsterblicher weist Rhodan nämlich noch eine Besonderheit auf. Bei dem Biss des Loower Kindes (Band 236) wurden Informationen in seinen Körper übertragen, die zur Bedienung der Anlage der Loower notwendig sind.
Er wird zur Neunturmanlage geschickt. Dieses von den Loowern gebaute Konstrukt soll der Entität Tihit die Nahrung entziehen und sie so am Erwachen hindern. Doch Rhodan wird getäuscht. Ernst Ellert und seinen Verbündeten gelingt es, die Informationen in Rhodan so zu manipulieren, dass der von ihm ausgelöste Impuls einen kollabierenden Hyperstrudel erzeugt, der Sagitarius A* treffen wird. Die Auswirkungen werden einen Großteil der Milchstraße verwüsten und ihn damit zum Massenmörder machen.
Rhodan stellt Ellert zur Rede. Dieser gibt vor, dass es die einzige Möglichkeit wäre, um Tihit zu zerstören und das man dafür Opfer bringen müsse. Viele Billiarden Lebewesen im Universum würden dadurch gerettet. Da taucht Rhodans Tochter Nathalie mit Merkosh auf. Der Omnit behauptet, das Ellert noch nicht alles erzählt hat.

Uff! Das ist harter Stoff, um es vorsichtig zu formulieren. Was sich die Exposéautoren da zusammengereimt haben, ist komplex. In meinen Augen schon zu komplex. Eine Nummer kleiner hätte auch gereicht. Hier wird ganz viel miteinander verwurstelt und am Ende bin ich selbst nicht mehr mitgekommen. Ich wusste nicht mehr, was passiert. Dabei bin ich ein Fan komplexer Zusammenhänge, von Kosmologie und wilden Quantentheorien, aber das war selbst für mich eine Spur »to much«. Da ist eine große Portion Fantasy dabei, verknüpft mit kosmologischen Theorien und schrägen Science-Fiction-Ideen. Hut ab, vor denen, die sich sowas ausdenken können. Dennoch befürchte ich, dass einige Leser davon schier überfordert sein könnten. Die Neuleser, die man vielleicht mit Band 234 zum Einstieg überreden konnte, werden spätestens mit diesem Roman wieder die Segel streichen.

Die Geschichte selbst ist spannend. Figuren wie der Omnitische Sicherheitschef, Kavvam jad Chi, sind gut ausgearbeitet. Wobei ich seine Gedankengänge manchmal als zu menschlich empfand. So sieht er Rhodans Blut, ohne das er sich etwas dabei denkt. Omniten sind unsichtbar, sie bluten wahrscheinlich ganz anders. Allein Farbe des Blutes müsste auf den Omniten befremdlich wirken. Wahrscheinlich ist seine Wahrnehmung auch eine völlig andere. Es kommt mir so vor, als wüsste Kavvam alles über die Menschen, denn er beurteilt sie nach menschlichen Maßstäben. So wundert er sich, das Hawk so widerstandsfähig ist und dem Shafakk ernste Verletzungen zufügen kann. Es ist schon erstaunlich, wie die ach so intelligenten Gadenmitglieder, die Shafakk entwickeln konnten, ohne ihnen eine Sicherung einzubauen, die sie vor deren Aggressionen schützt. Da gehört schon sehr viel Überheblichkeit dazu. Andererseits gibt es toll umgesetzte Ideen, wie die Paternale Koggs.

Rein stilistisch ist es ein ungewöhnlicher Roman des Autors. Rainer Schorm ist für seinen augenzwinkernden Humor bekannt, den er seinen Charakteren in den Mund legt, oder sie in witzige Dialoge verwickelt. Das alles gibt es in dem Roman kaum. Zu sehr wird er von kosmologischen Erläuterungen, von den dunklen Erinnerungen Ronald Tekeners, von den Ausführungen der Omniten oder der Aktion um den Shafakk-Aahn beherrscht. Da bleibt kaum Platz für Humor und er würde auch nicht richtig dazu passen.

Sud kommt ebenfalls nicht ohne einen Eingriff davon. Bei einem Scan der Omniten, verschmelzen die Reste von Quiniu Soptors Stab mit Suds Intarsium. Sie wird kurzzeitig in die Chronophasendimension versetzt und sieht dort Jessica Tekener in einer der Chronophasenspären. Es sieht ganz danach aus, als wäre Tekeners Schwester nicht tot. Dies ist wohl der Hinweis darauf, dass man sie irgendwie in die Handlung zurückbringen will. Ganz ehrlich … meinetwegen könnte sie fortbleiben. Ich konnte mit der Figur nie etwas anfangen. Ich fand sie stets nervig und die Liaison zwischen ihr und Rhodans Sohn Thomas überflüssig. Da kam keine Romantik rüber, zu keiner Zeit, im Gegensatz zu der zarten Bande zwischen Thomas Rhodan und Hannah Stein in Band 234.

»Die neun Türme« ist ein anspruchsvoller Roman, der den Autor mal von einer anderen Seite des Schreibens zeigt. Mit vielen Fakten, Querverweisen und einer aktiongeladenen Handlung, die am Ende allerdings nur noch von den ganz Konzentrierten zu durchschauen ist. Mir schwant Übles, wenn ich an den nächsten, den finalen Roman der Staffel von Rüdiger Schäfer denke.

Zurück im Herzen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 237 – »Das Omnitische Herz« von Kai Hirdt

Die CREST II erreicht Almonidra, das Zentrum des Compariats. Mittels eines wagemutigen Manövers gelangt Perry Rhodan mit einer kleine Gruppe, darunter Gucky und Omar Hawk auf Jad-Kantraja, die Raumstation der Omniten. Diese wird seit Monaten von aufständigen Shafakk belagert, die sich zu den neuen Herrschern im Compariat aufschwingen wollen. Die Lage auf der Station ist entsprechend desolat, vor allem weil sich die Omniten heimlich zurückgezogen und die Situation ihren überforderten Untertanen überlassen haben.
Merkosh braucht aber die Unterstützung der Omniten, um geheilt zu werden. Er muss den Zugang zum Gadenhimmel finden, der sich auf Jad-Kentraja befinden soll. Bingdu und Rhodan setzen alles daran, jemanden von der Stationsführung zu kontaktieren. Doch das erweist sich als schwierig, denn auf der Station ist längst jeder sich selbst der nächste. Sie können weder den Sicherheitskräften, noch den Pilgern, noch den Casino-Betreibern vertrauen. Außerdem plant eine Gruppe hoffnungsloser Pilger den Untergang der Station und platziert Bomben an strategisch wichtigen Orten, die von Rhodan und seinen Begleitern entschärft werden können.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich ein Shafakk auf der Station herumtreibt, um das Herz eines Omniten zu erobern. Bei einem Angriff von ihm wird Bingdu schwerverletzt. Dumm nur, das auch die Stationsärzte Geld für eine Behandlung wollen. So bleibt den Terranern nur die Möglichkeit Geld in den Casinos zu erspielen. Zum Glück haben sie mit Ronald Tekener den gewieftesten Spieler der Solaren Union dabei.
Schließlich schaffen sie es, bis zu den geheimen Räumen der Herrscher vorzudringen, doch die Omniten sind verschwunden und der Zugang zum Gadenhimmel deaktiviert. Nur eine Medokapsel ist übrig geblieben, in die man Merkosh legen kann, um ihn zu stabilisieren. 
Als es den Pilgern gelingt, die Energiequelle der Station abzuschalten, bricht der Schutzschirm zusammen und die Shafakk entern die Station. Die schwarzen Mausbiber hinterlassen ein Blutbad unter Bewohnern und Pilgern.
Rhodan gelingt in letzter Minute die Flucht auf die CREST II. Doch auch das Schiff der Terraner wird von den Shafakk gnadenlos gejagt. Um den Verfolgern zu entkommen, gibt es nur einen Ausweg: sie müssen in eines der Schwarzen Löcher fliegen, die Almonidra umkreisen. Sie sind Transportwege zum Gadenhimmel und die Medokapsel mit Merkosh ist der Schlüssel dazu.

Er ist zurück. Ich hatte kaum noch daran geglaubt, dass der »Überallzugleichschreiber«, Kai Hirdt, noch einmal in der NEO-Serie zum Einsatz kommt. Und ich gebe zu, ich habe das Kopfkino, dass seine Romane immer bei mir auslösen, tatsächlich vermisst. Die Geschichte, die der Autor erzählt, ist nicht nur ungemein komplex – wie man an der Handlungszusammenfassung sehen kann – sie ist auch unheimlich packend. Ich hatte den Roman in wenigen Stunden durch.

Er schafft es seine Charakter auf eine spielerische Weise agieren zu lassen, die völlig natürlich wirkt. So stellt er den getäuschten Stationskommandeur Troduun genauso glaubhaft dar wie den Shafakk Worrik Rhenn, der die Station infiltriert, um Ehre zu gewinnen. Sie wechseln mehrfach die Seiten und kämpfen an verschiedenen Fronten, um am Ende für das Gute zu sterben. Bei beiden Figuren konnte ich als Leser genauso mitfühlen, wie mit Perry Rhodan, Ronald Tekener oder Omar Hawk.

Kai Hirdt vermag inzwischen unheimlich komplexe Plots zu schaffen, bei denen man durch viele Wendungen überrascht wird. Das macht seine Geschichten spannend. Da sieht man über die eine oder andere kleine Unebenheit gern hinweg, weil das große Ganze überzeugt.

Wie schon im vorangegangenen Roman ist auch dieses Mal Gucky wieder im Übermaß im Einsatz. Eigentlich agiert der Kleine mehr als Taxiservice, als dass er seine Fähigkeiten Handlungsbestimmend einsetzen darf. (Er beschwert sich im Roman sogar selbst darüber.) Das hätte man schöner lösen können. Denn es steht eigentlich im Widerspruch zu der Figur, wie sie in NEO aufgebaut worden ist, nämlich das seine Parakräfte eher eingeschränkt verfügbar sind. Ich hätte mir stattdessen gewünscht, den Okrill Watson mehr in Aktion zu sehen.

Worüber ich die Stirn gerunzelt habe, war der Couhl. Da haben Perry Rhodan und die Besatzung der CREST II der Bevölkerung eines ganzen Planeten das stabilisierende Element weggenommen, um die Blockade durch die Shafakk zu durchbrechen, weil es angeblich die einzigste Option war. Und als es dann soweit ist, funktioniert die Mumie nicht mehr, weil man sie dummerweise einer zerstörerischen Hyperstrahlung ausgesetzt hat. Wie jetzt? Sind die Wissenschaftler an Bord der CREST II wirklich so blöd? Und warum ist Rhodan nicht schon zwei Romane zuvor auf die Idee gekommen, den Durchbruch zu Jad-Kentraja mittels eines Kleinstraumschiffes zu wagen?

Mit »Das Omnitische Herz« hat sich Kai Hirdt als NEO-Autor zurück in mein Herz geschrieben. Er erzählt eine lebendige Geschichte mit vielen geschickten Wendungen nicht nur im Plot, sondern auch bei den Charakteren. Sehr schön!

Eine KI und ihr Ei

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 236 – »Das Ei der Loower« von Lucy Guth

Den Shafakk gerade rechtzeitig entkommen, gehen die Menschen auf der CREST II einem Notruf nach. Sie befreien ein fremdes Raumschiff, dass im Sog eines schwarzen Lochs gefangen ist.
Eine Expedition ins Innere der DONDERVAND entdeckt, dass nur noch die KI des Schiffes »am Leben« ist. Die Besatzung der Loower ist schon seit 100.000 Jahren tot. Obwohl die KI die Menschen für Eindringlinge hält, lässt sie sich von ihnen helfen. Auch dann noch, als sie die eigentliche Mission des Schiffes entdecken. Sie braucht ihre Hilfe, um die wertvolle Fracht, ein frisch geschlüpfter Loower, zu »erziehen«.
Gucky scheint dazu der perfekte Lehrer zu sein, auch wenn er nach wie vor unter den Auswirkungen der Psychostrahlung leidet, die man gegen die Shafakk eingesetzt hat. Letztere stöbern die CREST II wieder auf und greifen an. Die CREST II versucht zusammen mit der DONDERVAND den Raumschiffen der Shafakk zu entkommen, während Gucky den kleinen Loower zur Vernunft bringt.
Und dann ist da noch die fremde Lebensform, die bei der Rettung der DONDERVAND aus dem Ereignishorizont des schwarzen Lochs herausgerissen wurde. Das Wesen muss zurückgeschickt werden, bevor es implodiert und beide Schiffe ins Verderben reißt.

Es ist eine spannende Geschichte die Lucy Guth hier erzählt. Viele Dinge passieren gleichzeitig und man bekommt die Ereignisse aus der Perspektive von vier Personen erzählt. Das liest sich schnell und flüssig. Bemerkenswert sind die Diskussionen zwischen SENECA, der Schiffsintelligenz der CREST II, und der KI des Loowerschiffs.

Sehr schön fand ich, dass sich die Autorin viel Zeit genommen hat, um die Untersuchung des unbekannten Schiffes zu beschreiben. Ohnehin wird in diesem Roman wenig gekämpft und stattdessen viel entdeckt, sowohl in der Realität, als auch im Psychischen. Die Raumschlacht mit den Shafakk hätte am Ende nicht sein müssen, dass war definitiv zu viel des Guten. Denn die Skrupellosigkeit, mit der die Menschen unter dem Kommando von Thora gegen die Gegner vorgeht, war für einen NEO-Roman überraschend untypisch. Ich denke, da wird sich Thora von ihrem Mann eine ziemlich Standpauke anhören müssen.

Ich fragte mich nur die ganze Zeit, warum man die CRISTOBAL nicht ausschleust, die Shafakk-Schiffe damit von der CREST II (und damit auch von Gucky) weglockt, um dann die Psychowaffe gegen die Shafakk einzusetzen, so lange wie die Rettungsmission auf der DONDERVAND dauert. So weit kann der Einfluss der Strahlung auf Gucky nicht reichen.

Überhaupt. Guckys Fähigkeiten wurden dieses Mal eindeutig überstrapaziert. Lag der Ilt zu Beginn des Geschehens noch im Sterben, erholt er sich unglaublich schnell und teleportiert später gefühlt hundert Mal die Crew der CREST II zwischen den beiden Schiffen hin und her. Dass er mit seinen telepathischen Fähigkeiten dem Loower-Kind am besten helfen kann, habe ich geschluckt. Es wäre dennoch glaubwürdiger gewesen, wenn er zumindest das eine verletzte Besatzungsmitglied nicht per Teleportation hätte retten können.

Die Nebenhandlung um die Entität aus dem schwarzen Loch hat mir fast besser gefallen, als die um den kleinen Loower. Mit Donna Stetson schaffte die Autorin eine besondere Figur, die es so noch nicht in der Serie gab. Stetson ist als Autistin angelegt und ich finde, das Lucy Guth sie ziemlich glaubhaft agieren lässt. Was Donnas Chef und ihren Kollegen angeht: schön zu lesen, dass es auch im Jahr 2090 noch Arschlöcher gibt. Die einzigen Kritikpunkte, die ich anmerken kann, dass die Nebenhandlung etwas aufgesetzt wirkte. So richtig verzahnt schien sie mit dem Rest der Handlung nicht zu sein. Außerdem haben sich hier einige Anschlussfehler eingeschlichen. Stetson und ihre beiden Kollegen sind im hydropanischen Garten der DONDERVAND eingesperrt. Am Ende des 23. Kapitel bestätigt Stetsons Chef, dass die Quarantäne von der KI aufgehoben wurde und die DONDERVAND in die CREST II eingeschleust wird. In Kapitel 28 weiß er plötzlich nichts mehr davon. Außerdem kommt lange Zeit keiner der Außenstehenden auf die Idee, die drei Vermissten zu suchen. Es stellt sich auch die Frage, warum die KI der DONDERVAND das Wesen nicht selbst aufgehalten hat?

Bemerkenswert an der Handlung des Romans ist, wie hier Details aus der ganz frühen Seriengeschichte verknüpft werden. Ernst Ellert und die STERNENWIND, ebenfalls ein Schiff der Loower, werden erwähnt. Omar Hawk stellt fest, dass er bei seiner Odyssee durch die Zeitbrunnen ebenfalls auf einem solchen Schiff gewesen sein muss. Ich bin mir sicher, dass wir nicht zum letzten Mal von den Loowern gehört haben.

»Das Ei der Loower« bietet eine fesselnde Geschichte, in der fast zu viel passiert. Über viele Ereignisse wird schnell hinweggegangen, obwohl sie einer näheren Betrachtung würdig gewesen wären. Die Schlacht der Shafakk wird mit fragwürdigen Mitteln gewonnen, die die moralische Integrität der Menschen durchaus in Fragen stellen könnte. Gucky agiert zu übermächtig und einige Anschlussfehler trüben den Lesespaß. Ansonsten war das ein solider Roman der Autorin, deren Einzelbeiträge mir inzwischen fast besser gefallen, als ihre Romane in Zusammenarbeit mit Michelle Stern.

Genial finde ich übrigens das Cover von Dirk Schulz. Da hat er sich mal wieder selbst übertroffen.

Von Sleekern und Mausbibern

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 235 – »Das Mausbibergrab« von Ben Calvin Hary

Um an den kriegerischen Shafakk vorbeizukommen, fliegt die CREST II das Heimatsystem der schwarzen Mausbiber an. Auf dem Heimatplaneten sorgt eine psionische Strahlung dafür, dass die Shafakk lethargisch und »zahm« agieren. Der Omnit Bingdu verspricht Perry Rhodan, dass er die Psi-Quelle duplizieren kann, damit die CREST II endlich ins Omnitische Herz vorstoßen kann.
Nach der Landung der des Raumschiffes auf dem Heimatplaneten der Mausbiber, bricht Perry Rhodan mit Omar Hawk, Gucky und Cameron Canary auf, die geheimnisvolle Psi-Quelle zu finden. Unterwegs treffen sie einen jungen Ilt und seine Mutter, die auf der Suche nach dem Ursprung ihres Volkes sind. Es soll sich im geheimnisvollen Tross befinden, einem Turm, der auch das Ziel von Rhodan ist. Doch das Bauwerk wird nicht nur von trägen Shafakk belagert, sondern auch von bewaffneten Drohnen beschützt. Die Mutter des jungen Ilt stirbt bei einem Angriff und wird von Gucky und den Terranern begraben.
Im Tross treffen Rhodan und seine Begleiter einen alten Freund wieder. Woggrill der Sleeker, sorgt im Auftrag des obersten Shafakk dafür, dass die schwarzen Mausbiber die Geschichte ihres Volkes erfahren. Woggrill hilft den Terranern, die Psi-Quelle zu finden und zu stehlen. Da Bingdu die Strahlung nicht kopieren kann, müssen sie den Couhl, eine 300.000 Jahre alte Mausbibermumie mit sich nehmen. Nur mit ihrer Hilfe kann die CREST II der Raumschiffflotte der erwachenden Shafakk entkommen.
In einer Nebengeschichte versucht die terranische Biologin, Danielle Pyme, hinter das Geheimnis des Okrill Watson zu kommen und erlebt dabei mehr als eine Niederlage.

Als ich das Manuskript zu diesem Roman Testgelesen habe, hatte die Sagittarius-Staffel noch nicht einmal begonnen. Ich hatte also einen ziemlichen Wissensvorsprung. Doch im Gegensatz zum letzten Mal, verspürte ich keinerlei Anschlussprobleme. Ich habe lange überlegt, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für die Staffelhandlung ist. Schlecht in dem Sinne, dass der Handlungsfortschritt zu gering ist, gut deshalb, weil die Handlung besser verzahnt ist. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden. Fest steht, dass mich der Roman weit mehr überzeugen konnte, als die ersten Bände der Staffel. Band 234 mal ausgenommen, aber der trägt nicht zur Staffelhandlung bei.

Der Autor hat mich gut unterhalten, sowohl mit der Geschichte um die Mausbiber, als auch über die Biologin und ihre Probleme mit dem Okrill. Er hat die Figuren gut getroffen, selbst der so schwierig zu schreibende Sleeker Woggrill konnte mich überzeugen. Das einzige, was ich nicht gut fand (das hatte ich bereits beim Testlesen im Manuskript angemerkt), ist die Tatsache, dass Perry Rhodan den Couhl einfach mitnimmt, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken. Bei »Star Trek« würde man das als schweren Verstoß gegen die Oberste Direktive ahnden. Denn der Eingriff in die Bevölkerungsentwicklung des Planeten ist schwerwiegend. Die Shafakk, die durch die Psi-Strahlung, bisher besänftigt waren, werden den Ilts, die dort leben, wahrscheinlich den Gar ausmachen. Das ist eigentlich unverantwortlich und kann nicht im Sinne eines moralisch handelnden Perry Rhodan sein.

Zwar steht dem die Bedrohung durch das Dunkelleben gegenüber, einer Gefahr, die nicht nur die Völker der Milchstraße auslöschen könnte, sondern das ganze Universum in Gefahr bringt. Aber er denkt noch nicht einmal darüber nach, er hadert nichtmal mit dem Gedanken, dass er damit einen Teil der Planetenzivilisation zum Tode verurteilt. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Widerstand gewünscht, auch von Seiten Guckys. Der hat durch den Besuch auf dem Planeten erfahren, dass seine Parafähigkeiten offensichtlich angeboren sind. Außerdem liegt ihm der junge Ilt am Herzen. Der heißt übrigens Tscham-Pi, wird von Gucky aber »Jumpy« genannt. Leser der Erstauflage wissen, dass Guckys Sohn Jumpy hieß.

Das Abenteuer um »Das Mausbibergrab« ist unterhaltend geschrieben, mit vielen Wendungen, auch der Einsatz des Okrill kommt erfrischend rüber. Nur Perry Rhodans Entscheidung, einem Volk ein lebenswichtiges Artefakt zu stehlen, um die eigenen Interessen durchzusetzen, finde ich moralisch höchst fragwürdig. Denn es kann dazu führen, dass aus dem Planeten bald ein einziges großes Mausbibergrab wird. Wie das grandiose Cover von Dirk Schulz bereits andeutet.

Ein NEO außer der Reihe

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 234 – »Die Himalaya-Bombe« von Rüdiger Schäfer

Liduuri-Expertin Hannah Stein wird von ihrer ehemaligen Studienbekanntschaft Thomas Rhodan-da Zoltral aus ihrem beschaulichen Leben gerissen. Die Otto-Normalbürgerin aus Köln soll in geheimer Mission versuchen, eine Bombe der Liduuri zu entschärfen, welche die Chinesen im Himalaya entdeckt und versehentlich aktiviert haben.
Was folgt, ist eine abenteuerliche Expedition in eine Liduuri-Station, die Hannah in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen bringt. Rhodans Söhne, Reginald Bulls Töchter und eine Angehörige des Chinesischen Geheimdienstes versuchen Hannah vor allen Gefahren zu schützen, was ihnen aber nur bedingt gelingt. Denn die Stationspositronik findet Gefallen am Intellekt der Wissenschaftlerin. Die ist jedoch von der Situation völlig überfordert.
Wird es Hannah gelingen, die Positronik zu überreden, die Bombe zu entschärfen und den Tod von 15 Milliarden ahnungslosen Menschen zu verhindern?  Hannahs heimliche Zuneigung zu Thomas Rhodan macht die Sache nicht unbedingt einfacher. 

Einen Roman zu schreiben, den auch jemand lesen kann, der PERRY RHODAN NEO nicht kennt – nichts weniger als das wünschte sich die Redaktion vom Exposéautor. Das dem Autor dies gelungen ist, steht außer Frage. Rüdiger Schäfer kann aus dem Vollen schöpfen und seine Stärken ausspielen. Die liegen in der Charakterisierung und dem Zusammenspiel der Figuren. Kein anderer NEO-Autor – außer vielleicht Oliver Plaschka – bekommt das so gut hin wie Rüdiger Schäfer.

Seine Hannah Stein ist lebensnah beschrieben, voller Schwächen und so wunderbar normal, dass ich mich gut in sie hineinversetzen kann. So manche Szene aus Hannahs Leben hat man selbst schon Mal erlebt, hat die gleichen Gedanken gehegt und ähnlich Empfindungen gefühlt. Die zarte Bindung zwischen ihr und Thomas Rhodan fühlt sich gut und echt an. Manch hartgesottenem Perryfan werden das vielleicht zu viele Emotionen sein. Ich dagegen schwelgte und verheulte eine ganze Packung Taschentücher.

Quelle: Perrypedia

Darüberhinaus ist die Geschichte spannend geschildert und wartet mit einer überraschenden Lösung auf. Eine Positronik mit Bewusstseinsspaltung – auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Das ist zudem sehr logisch und nachvollziehbar erklärt. Fakten aus den vorangegangenen Staffeln werden an dieser Stelle schön zusammengeführt. Dem Gelegenheitsleser wird das nicht auffallen. Den NEO-Fan freut es, mit welchem Engagement der Autor versucht, die Fäden aus mehr als zweihundert Bänden zu verknüpfen.

Es ist genau die Art von Romanen, die ich bei NEO gern lese und für die ich die Serie so schätze. Da werden keine Raumschlachten geführt, keine kosmischen Verwicklungen beschrieben, sondern bodenständig vom Leben auf der Erde einer nahen Zukunft erzählt. Wenn auch das Leben dort nicht so perfekt klingt, wie man das von positiven Utopien, wie zum Beispiel von Star Trek, gewöhnt ist, erscheint es mir realistisch, wie sich der Autor die Zukunft vorgestellt hat. Wobei ich schwer hoffe, dass die männliche Dominanz in Gremien und Unis bis dahin verschwunden sein wird und Gesundheitssysteme nicht mehr nach dem Einkommen von Patienten unterscheiden.

Allerdings hat mich ein Gedanke beim Lesen des Romans nicht losgelassen, nämlich die Frage: Warum kontaktiert Reginald Bull oder die Administratorin nicht Atlan bzw. Mirona Thetin? Gibt es keinen Botschafter mehr in Andromeda? Sind die beiden nicht ohnehin noch in der Milchstrasse unterwegs? Mal davon abgesehen, dass sie für das Problem wahrscheinlich keine Lösung parat gehabt hätten, wäre eine kurze Andeutung, ob oder warum das nicht in Erwägung gezogen wurde, ganz schön gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

»Die Himalaya-Bombe« ist ein lesenswerter Roman und zwar nicht nur für NEO-Leser, sondern auch für jene, die sich nicht mit PERRY RHODAN NEO auskennen. Mir hat er so gut gefallen, dass ich ihn sicher, noch ein zweites Mal lesen werde. Mein Dank richtete sich an den PERRY RHODAN-Redakteur für die Idee und an den Autor für die perfekte Umsetzung.

Der Roman erschien mit zwei unterschiedlichen Covern. Wobei das von Köln nur in einer begrenzten Auflage und zu einem höheren Preis im Online-Shop von PERRY RHODAN zur Verfügung steht.

Odyssee eines Oxtorners

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 233 – »Der Oxtorner« von Rainer Schorm

Auf ihrem Weg ins Ominitische Herz, im Zentrum der Galaxis, wird die CREST II von einem Gammablitz gestreift. Das Schiff bleibt in der sehr aktiven Gegend bei Sagitarius A West, um die Schäden zu beheben. Doch ungewöhnliche Vorgänge in den Bereichen um die Fusionsmeiler deuten darauf hin, dass etwas Fremdes an Bord gekommen ist. Zudem scheint die Schiffspositronik SENECA den Eindringling vor der Besatzung verbergen zu wollen.
Omar Hawk wird von einem Einsatz auf Imart abberufen. Er soll auf Plophos nach Iratio Hondro sehen. Da das System nach wie vor abgeriegelt ist, soll er auf NATHANs Geheiß durch den Zeitbrunnen dorthin gelangen. Eine Passage, die ein normaler Mensch nicht überleben würde. Doch der Oxtorner zeichnet sich durch eine besonders robuste Körperstatur aus, die ihn nicht nur einen, sondern am Ende seiner Odyssee sogar vier Durchgänge überleben lässt.
Unterwegs zum Zeitbrunnen auf Oxtorn im System Cor Caroli, gabelt er einen Okrill auf. Der sieht in Hawk seinen neuen Freund und folgt ihm unerkannt auf seiner Reise. Auf der CREST II richtet der Okrill bei der Futtersuche dann aber erheblichen Schaden an.

Dass Rainer Schorm ein guten Händchen für Frösche besitzt, hat er bewiesen. Man denke nur an Dr. Brömmers Frosch-KI. Ein Okrill ist zumindest froschähnlich, da kann quasi nichts schiefgehen. Den Begleiter von Omar Hawk den Namen »Watson« zu geben, war in der PERRY RHODAN-Redaktion umstritten. Die Expokraten setzten sich jedoch durch, wie ich finde, zurecht. Zum einen erkennen die reinen NEO-Leser die Bedeutung des Okrill und langjährige Perryfans haben an dem Namenswechsel eine zusätzliche Freude. Omar Hawk und sein Okrill »Sherlock« waren in der Erstauflage zu ihrer Zeit wichtige Handlungsträger. Es war zu erwarten, dass sie irgendwann in NEO auftauchen würden. Dem Autor gelingt es, die beiden so zu charakterisieren, dass man sie wieder erkennt, sie aber dennoch Alleinstellungsmerkmale für die NEO-Serie erhalten.

Der für den Staffelfortgang relativ handlungsarme Roman, enthält einige bemerkenswerte Zusammenhänge. Die Kolonie Oxtorn wurde von NATHAN ohne Wissen der Menschheit gegründet. Iratio Hondro ist nach wie vor aktiv und versucht offensichtlich mittels einer Planetenmaschine, die Entität Tahit »aufzuwecken«. Es existieren kleine Zeitbrunnen auf Schiffen. Auf der CREST II konnte NATHAN eine solche »Zeitpfütze« einbauen, ebenfalls ohne dass die Terraner etwas davon mitbekommen haben. Wir besuchen Handlungsorte aus vergangenen Staffeln, wie Kahalo und die SONNENWIND. Aber wir erfahren auch, dass im Compariat so etwas wie ein Wurmloch-Transportsystem existiert, dass mit den Zeitbrunnen gekoppelt ist und ins Omnitische Herz führt. Was auch immer letzteres sein mag.

Es stellen sich mir viele Fragen: Wie kann das Mondgehirn eine Kolonie gründen, ohne dass irgendein Mensch davon erfährt? Woher hat es die Menschen rekrutiert, um sie genetisch zu verändern? Offensichtlich müssen diese Menschen von der Erde oder anderen Kolonien verschwunden sein, wenn sie nach Oxtorn gingen. Warum wurden sie von ihren Angehörigen nicht vermisst? Wie hat NATHAN die Leute nach Cor Caroli geschafft, mit Posbiraumschiffen? Und haben die Posbis die Menschen genetisch verändert, damit sie in den extremen Bedingungen des Planeten überleben können? Schließlich haben sie mit der Besatzung der BRONCO reichlich Erfahrungen sammeln können. Leibnitz, der die Zeitpfütze auf der CREST II installiert, scheint ein ähnliches Schicksal zu teilen. Bei der Größe des Schiffs kann ich mir gut vorstellen, das sie bisher unentdeckt geblieben ist, zumal die Installation von SENECA gedeckt wird. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Besatzung der Positronik wirklich trauen sollte. Außerdem habe ich so meine Probleme damit, dass ich nicht durchschaue, wie diese Zeitbrunnen funktionieren. Wie steuert man, wo man hin will? Und wie verhindert man, dass man in der falschen Zeit landet? Offensichtlich ist es ja möglich, eine Passage zu steuern. Mirona Thetin hat das in Band 116 und 133 schon mal gemacht. Ohne passende Erklärung wirkt es auf mich, als würde alles von einer fremden Macht ferngesteuert. Das allerdings, fände ich als finale Erklärung zu banal. Da hätte ich gern etwas Stichhaltigeres.

Stilistisch fielen mir, besonders zu Anfang, die vielen Fremdwörter und technische Beschreibungen auf. Die Dialoge sind zwar gewohnt witzig, kommen mir aber häufig wie Smalltalk vor. Da ist mitunter wenig Substanz enthalten. Auffällig ist besonders Gucky, der noch frecher wirkt wie sonst, so als hätte die Figur etwas zu kompensieren. Ach ja, in der E-Book-Variante des Romans gibt es zwei Kapitel mit der identischen Überschrift »Die letzte Etappe«, das ist irritierend.

Auf eine physikalische Ungereimtheit bin ich gestoßen. Als Omar Hawk im Vakum landet, schreibt der Autor, das Hawk lange die Luft anhalten kann. Nun ist es so, dass wegen der Druckunterschiede die Lunge platzen würde, hielte man die Luft an. Ausatmen und alle Luft aus dem Körper lassen, wäre an dieser Stelle erstrebenswerter, wenn man keine größeren Schäden davontragen will, als ohnehin schon. Ansonsten hat der Autor das ziemlich stimmig erklärt. Auch die Sache mit dem langsamen Erfrieren, weil kein Medium vorhanden ist, dass die Wärme schnell ableitet.

»Der Oxtorner« ist sicher nicht der stärkste Roman von Rainer Schorm, aber ein guter Charakterroman, der mit viel astronomischen Wissen gespickt ist. Besonders freut mich, dass sich eine meiner Vermutungen bestätigt hat. Das Tier in dem abgestürzten Mehandor-Frachter (Band 215) war ein Okrill. Yep!

Köln im Jahr 2090

Quelle: Perrypedia

… so lautet das Thema des aktuellen NEO-Romans, der heute erschienen ist. Rüdiger Schäfer schrieb den Roman über eine Bewohnerin der Rheinmetropole im Jahr 2090. Die Geschichte richtet sich inhaltlich weniger an die Fans, sondern an Leser, die gern mal in die Serie PERRY RHODAN NEO reinschnuppern möchten.

Das ungewöhnliche, der Roman erscheint mit einer Innenillustration und zwei unterschiedlichen Covern. Die Ausgabe mit dem Variantcover auf dem der Kölner Dom abgebildet ist, gibt es nur in Köln oder im Online-Shop auf der PERRY RHODAN Homepage zukaufen.

Quelle: Perrypedia

Ich muss gestehen, ich habe den Roman noch nicht von meinem Abo-Account heruntergeladen. Ich stecke noch im Vorgängerroman fest. Aber ich freue mich schon darauf, zu lesen, wie sich Rüdiger Schäfer Köln im Jahr 2090 vorstellt.

Ben Calvin Hary hat zusammen mit dem Autor Köln einen Besuch abgestattet und ein Video gedreht. Zu sehen ist es im YouTube Kanal der PERRY RHODAN Redaktion.

Auf dünner Kruste

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 232 – »Labor der Gaden« von Lucy Guth und Michelle Stern

Perry Rhodan verfolgt mit der CRISTOBAL die CREST II zu einer Art Asteroiden-Konglomerat, auf dem sich ein Stützpunkt der Gaden befindet. Nach Betreten von Carxtröll-Fabb scheint die dortige Pilzwelt und das eingelagerte Dunkelleben jedoch in Aufruhr zu geraten und das Außenteam um Perry Rhodan muss zurück aufs Schiff flüchten.
Derweil werden die Terraner auf der CREST II immer noch von den Druuwen mittels eines Gesichts-Pilzes versklavt. Das Schiff landet auf Carxtröll-Fabb, um die Besatzung an die Gaden zu übergeben. Als alle den Hangar verlassen, passiert das Unerwartete. Der Pilz löst sich auf und lässt die Crew realisieren, was ihnen angetan wurde. Thora gelingt es ihre Mannschaft rechtzeitig zur Fasson zu bringen, um eine größere Auseinandersetzung mit den Druuwen zu verhindern. Denn sie stehen vor einem viel größeren Problem, ihnen und dem Schiff droht buchstäblich der Boden unter den Füßen wegzubrechen. 
Ausgerechnet Sud hat die Lösung des Problems. Schiffspositronik SENECA verbindet sich mit Suds Intarsium. Mit dessen Hilfe können Naniten programmiert werden, um die mit Dunkelleben versetzten Sporen in der Felsenhülle zu stabilisieren.
Thora, Sud und der Arzt der CREST II suchen nach dem Labor der Gaden, um die Hintergründe zu ihrer Entführung zu erfahren und um Merkosh zurückzuholen, der von Bord gebracht wurde. Sie entdecken ein Versuchslabor in dem bestialische Experimente an intelligenten Lebewesen verübt werden, um das Dunkelleben zu erforschen. Der leitende Omnit bittet um Hilfe. Thora fordert freies Geleit für die Terraner im Compariat und Unterstützung durch die Gaden bei ihrer Weiterreise. Letztendlich gelingt es Sud – wenn auch nur widerwillig – weitere Naniten zu erschaffen, um den Stützpunkt zu retten.
Perry Rhodan kehrt auf die CREST II zurück, die ihre Reise ins Herz des Compariats, den sogenannten »Gadenhimmel«, fortsetzt.

Das Autorenduo ist immer wieder für eine Überraschung gut. Ihre Romane sind dynamisch und ereignisreich aber dennoch … Wie schon in Band 211 »Der schreiende Stein« schießen sie mitunter übers Ziel hinaus.

Die Menge an Konflikten, die in diesem Roman gewälzt wird, ist schier übermächtig. Das sie fast ausschließlich in den Köpfen zweier Figuren stattfinden, kommt erschwerend hinzu. Thoras permanente Auseinandersetzung mit ihrem Extrasinn, wird so breit ausgewalzt, das der Streit beinahe nicht mehr zu ertragen ist. Die Quintessenz am Ende, dass es sich bei Thoras Extrasinn um ihr inneres Kind handelt … Bitteschön! Wer denkt sich denn sowas aus? Suds Problematik ist tiefsinniger geschildert und bewusst ein wenig verwirrend. Das funktioniert am Anfang auch ganz gut, aber spätestens nach dem Eingreifen SENECAS, bricht dieser Effekt auseinander.

Die gesamte Handlung des Romans gleicht der Situation auf Carxtröll-Fabb. Der Boden ist labil und löchrig und die Protagonisten bewegen sich auf einer ziemlich dünnen Kruste. Ich hatte beim Lesen sehr oft das Gefühl, das die Logik der Handlung jeden Moment in sich zusammenstürzen könnte. Das war teilweise schon ziemlich weit hergeholt. Sporen mit Dunkelleben hatten wir schon auf Ertrus. Soweit gehe ich mit. Aber wie sollen die zusammen mit den Naniten, einen Asteroiden stabilisieren, der auseinanderzubrechen droht? Wie viele solcher Nanoteilchen braucht man eigentlich, um alle Ritzen zu füllen? Wie kommt SENECA auf die Idee aus Suds Intarsium ein Stück herauszulösen, um mit ihr bzw. dem Intarsium zu kommunizieren? Wieso lassen sich die Druuwen so einfach von ihrer Beute abbringen? Hatten die nicht eine ganze Flotte dabei? Und wieso liegt Merkosh plötzlich auf der Krankenstation, hatte man ihn nicht in sein Vitrion gesteckt, damit die Druuwen ihn ja nicht finden? Vieles darf man nicht zu genau hinterfragen. Einiges habe ich auch nach zweimaligem Lesen nicht verstanden.

Die ethische Auseinandersetzung mit dem Omniten wegen der Laborversuche gerät bei all den inneren Konflikten fast schon unter die Räder. Darf man mit intelligenten und nicht intelligenten Lebewesen experimentieren, um das Universum zu retten? Dass der Zweck die Mittel heiligt und dass das Wohl vieler schwerer wiegen kann als das Wohl weniger, ist ein brandaktuelles Thema, das leider viel zu oberflächlich abgehandelt wird. Am Ende drohen Rhodan und Thora doch nur mit dem Finger und geben sich mit dem Versprechen des Omniten zufrieden, in Zukunft nur noch Freiwillige zu benutzen. Wer’s glaubt!

Bei »Labor der Gaden« fehlt mir eindeutig die Bodenständigkeit der bisherigen Romane. Da werden halbdurchdachte Ideen zusammengewürfelt und schnell mal verrührt, auf das eine spannende Handlung herauskommt. Dazu die ständigen inneren Konflikte von Sud und Thora. Das war anstrengend zu lesen und genauer darüber nachdenken, möchte man lieber auch nicht. Wenigstens ist diese Entführungssache endlich aus der Welt und es kann weitergehen.

Unter schwarzer Flagge

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 231 – »Angriff der Druuwen« von Susan Schwartz

Der niedergeschossene Perry Rhodan ist natürlich nicht tot, sondern nur betäubt. Doch die Gefahr für die Besatzung der CREST II ist durchaus ernstzunehmen. Zwar sind die Druuwen nicht besonders gut organisiert, aber sie sind nicht dumm und sie sind in der Überzahl. Außerdem haben sie ein paar Mittelchen auf Lager, die ihnen einen Vorteil verschaffen. Zum Beispiel einen Pilzparasitein, der sich in den Gehirnen der Menschen ausbreitete und sie zu willenlosen Zombies macht. Erschwerend für die Menschen kommt hinzu, dass die Bordpositronik SENECA nicht kooperiert.
So werden die zweitausend Menschen an Bord zu Gefangenen des Clanchefs Zakhaan Breel, der damit den Ruhm seiner Händler-Sippe mehren möchte. Zusammen mit seiner Flotte fliegt die CREST II Sukar Masir, eine Raumstation im Contagiat, an. In dem Raumsektor wütet das Dunkelleben unkontrolliert. Hier will er die nicht mit dem Dunkelleben infizierten Menschen zu Forschungszwecken an einen Vertreter des Compariats verkaufen. Damit drohen die Terraner zu Versuchskaninchen zu werden, wie einst Ronald Tekener.
Rhodan versucht dies zusammen mit Gucky zu verhindern, doch es funktioniert nicht. Am Ende müssen die wenigen Nichtinfizierten, darunter die Zellaktivatorträger, sich aufteilen. Thora bleibt an Bord der CREST II in der Hand der Druuwen, während Rhodan mit der CRISTOBAL fliehen kann.

Das waren mir ehrlich gesagt zu viele Seuchen auf einmal. Gut, die Exposéautoren konnten zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich die Geschichte ausgedacht haben, nichts von Corona wissen. Aber es geht einem schon an die Substanz, wenn man in seiner Lieblingslektüre genauso viel Hoffnungslosigkeit und Siechtum ertragen muss, wie im realen Leben.

Die Autorin erzählt die Geschichte routiniert und spannend. Bei den Beschreibungen der Raumstation, die mich ein wenig an die Station aus dem Film »Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten« erinnerte, spielt sie ihr Können aus, exotische Schauplätze und Figuren phantastisch zu schildern. Es gibt einen Abriss über das Leben im Contagiat und zu den Hintergründen des Compariat. Leider haben ich das nur überflogen, weil es sich wie ein Datenblatt liest. Da ist die Charakterisierung von Gucky schon vielschichtiger. Zum Beispiel wie er mit sich ringt, weil Rhodan ihn auf der fremden Raumstation verbietet, einem Außerirdischen zu helfen, der von anderen gequält wird.

Die Druuwen bekommen einen einigermaßen glaubhaften Hintergrund. Sie sind also nicht von Natur aus böse und sadistisch, wie man zunächst glauben will. Breel ist ein Anführer der klug ist und die Situation für sich zu nutzen weiß. Ansonsten wirken die Druuwen auf mich einerseits zu übermächtig, andererseits zu rückständig, um mich wirklich zu überzeugen. Die Versuche der Besatzung, das Schiff unter Kontrolle zu bringen, sind oftmals nur halb durchdacht und mit logischen Fehlern behaftet. Warum bemerken die Druuwen nicht, das die CRISTOBAL ein Schiff im Schiff ist? Wieso kann sich Gucky dort verstecken andere Besatzungsmitglieder aber nicht? Breel soll allein nach Sukar Masir kommen, aber es gibt offensichtlich niemanden auf der Raumstation, der das überprüft, sonst wären Rhodan und Gucky, die mit in dem Shuttle fliegen, aufgeflogen.

»Angriff der Druuwen« zählt sicher nicht zu meinen Lieblingsromanen. Ja, die Geschichte ist spannend erzählt, enthält aber auch ein paar Stellen, über die ich mich ärgere.

Düsternis der Seelen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 230 – »Ruf des Dunkels« von Oliver Plaschka

Die MAGELLAN und die CREST II kehren ins Solsystem zurück. Von hier bricht Perry Rhodan und seine Familie gleich wieder auf, um seine Tochter Nathalie zu besuchen, die sich hinter der Identität des Kaisers von Olymp versteckt.
Auf Terra durchlebt derweil Reginald Bull eine Unsterblichen-Krise. Erst als Rhodan von Olymp zurückkehrt, kann er den Freund daraus befreien. Doch die gemeinsame Zeit ist nicht von Dauer.
Der Oproner Merkosh ist mit dem Dunkelleben infiziert und möchte zurück in seine Heimat. Die CREST II mit Perry Rhodan und Thora bricht zu einer Reise ins Zentrum der Milchstraße auf. Merkoshs Zustand und ein paar Versäumnisse an Bord führen dazu, dass das Raumschiff havariert und auf einem scheinbar unbewohnten Planeten im Compariat notlanden muss.
Zuerst wird die CREST II von den Resten einer Zivilisation bedroht, dann kommen auch noch Piraten um das beschädigte Schiff der Terraner zu entern. Die erste Handlung des aggressiven Anführers der Druuwen ist, Perry Rhodan zu erschießen.

Oliver Plaschkas Romane sind eigentlich immer ein Highlight. Bei diesem kamen einige Dinge zusammen, die mein Lesevergnügen trübten. Der Autor erklärte bei Twitter, dass er Corona bedingt Schwierigkeiten beim Schreiben hatte und das merkt man dem Roman an. Wobei ich ihm da nicht mal die Schuld geben möchte, da lag bereits im Exposé einiges im Argen.

So unbefriedigend wie der Roman endet, so beginnt er bereits mit einem überflüssigen Prolog. Ohne Frage, die Szene aus dem Kontrollraum eines Stützpunktes auf dem Pluto ist lebhaft und humorvoll geschildert. Sie wirkt fast, als würde sie aus einer TV-Serie stammen. Genau das macht sie für Leser kompliziert. Ich bekomme auf den wenigen Seiten kein Bild von den mehr als fünf Personen. Die Namen sagen mir nichts und ich kann sie schlecht den Personen zuordnen. Viel schwerer wiegt, dass der einzige Zweck dieses Prologs darin besteht, dem Leser die Information über die gleichzeitige Änderung der Impulsfrequenz des Geminga- und des Vela-Pulsars zu vermitteln. Die Charaktere aus der Szene tauchen im Laufe des Romans nicht wieder auf und ich frage mich, wie sinnvoll ein solcher Prolog ist. Zur Steigerung der Spannung beim Einstieg eines Romans kann man die Kernszene des Romans als Prolog voranstellen. Das ist ein Stilmittel, das ich auch schon verwendet habe. So aber wirkt der Prolog wie ein loses Anhängsel. Als bezeichnend kann man die Tatsache nennen, dass der Prolog nicht in der Leseprobe der PR-Redaktion enthalten ist.

Die anschließenden Kapitel reißen den unbefriedigenden Beginn aber wieder heraus. Besonders die Schilderung von Bullys Problemen mit seiner Unsterblichkeit und der Doppelbelastung als Protektor und Systemgeneral, trieben mir nicht nur einmal die Tränen in die Augen. Auch der Familienausflug der Rhodans nach Olymp und Thoras offensichtlicher Ärger darüber, dass ihre Söhne Nathalies Tarnidentität die ganze Zeit über kannten und die Eltern in Unwissenheit ließen. Das war großartig geschrieben und ich hätte mir gewünscht, dass man den Protagonisten bis zum Ende des Romans Zeit gegeben hätte, ihre Konflikte zu lösen. Gerade Bully wäre es wert gewesen. Der Charakter wurde in den letzten Staffeln sehr stiefmütterlich behandelt, dabei gehört er zu den wichtigsten Figuren. Er hätte es verdient, dass man ihm einen ganzen Roman gönnt. Gerade die Tatsache, dass er mit seiner Unsterblichkeit hadert, dass er zusehen muss, wie langjährige Freunde altern und sterben, während er jung bleibt, dass er absichtlich den Zellaktivator ablegt, um sich betrinken zu können. Das alles, hätte man über den ganzen Roman in epischer Breite erzählen können. So bleibt es nur eine kurze Episode, die viel zu schnell wieder beendet ist, als die CREST II ins Zentrum der Milchstraße aufbricht.

Da beginnen nämlich die Probleme, nicht nur die für die Besatzung des Flaggschiffs, sondern vor allem für die Leser. Logiklöcher, klischeehafte Figuren, eine holpernde Handlung, die billige Schockeffekte benötigt, um Spannung zu erzeugen. Das kenne ich eigentlich von Oliver Plaschka nicht. Ich behaupte an dieser Stelle, dass dieser Teil auf das Konto der Exposéautoren geht. Da bleibt unentdeckt, dass der Oproner, der auf der Medo-Station unter Beobachtung liegt, stundenlang verschwinden und seiner Kleptomanie frönen kann. Ein Oberleutnant ist so unsympathisch beschrieben, dass man schon im Voraus erahnt, dass er den Einsatz nicht überleben wird.

Das Auftauchen der Druuwen, bei denen ich immer an die Druuf denken musste, ist dann der krönende Abschluss. Weil Rhodan derjenige ist, der mit den Piraten kommuniziert, wird er von deren Anführer erschossen. Jeder Leser weiß, dass Rhodan es überleben wird. Das ist an dieser Stelle weder schockierend noch überraschend. Bei jeder anderen Figur hätte das viel besser funktioniert. Bei Thora zum Beispiel, da wäre den Lesern sicher das Herz in die Hose gerutscht, aber so … Sorry, ich empfinde den Cliffhanger einfach nur als Effekthascherei.

Wieder endet der Flug eines terranischen Raumschiffes in einer Havarie. Das passiert jetzt das dritte Mal hintereinander bei einem Staffelauftakt. Überhaupt gleicht der Plot von Band 230 fast exakt dem von Band 220. Rhodan kehrt ins Solsystem zurück, es gibt ein paar Vorkommnisse auf der Erde. Dann rüstet man sich zur einer neuen Expedition, fliegt weg und landet prompt in Schwierigkeiten. Bitte, liebe Exposéautoren, das Muster möchte ich in Band 240 nicht noch einmal lesen. Besinnt euch mal wieder auf die Erde und auf die politischen Verhältnisse und auf Personen wie Reginald Bull, dass hat in der Vergangenheit doch schon mal gut geklappt.

»Ruf des Dunkels« beinhaltet einige wunderbare Szenen, die den Roman wertvoll machen. Leider wird die Chance zu einem genialen Charakteroman vergeben, weil man in meinen Augen zu sehr auf Action und das Vorantreiben der Staffel drängt. Dazu kommt der ähnliche Plot, wie beim letzten Staffelauftakt. Nein, das hat ein so großartiger Autor wie Oliver Plaschka nicht verdient.