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Best of Science Fiction 2

Quelle: Amazon

Science Fiction Hall of Fame 2 (1948-1963)
Herausgegeben von Robert Silverberg

Im vergangenen Jahr las ich mit großer Begeisterung den ersten Band der Science Fiction Hall of Fame. Die zwölf großartigen Kurzgeschichten bekannter Science Fiction-Autoren begeisterten mich so sehr, dass ich mich auf den zweiten Band freute. Dieser Tage habe ich das Buch mit den 14 Kurzgeschichten beendet und bin wieder völlig hingerissen.

Dabei lasen sich die ersten vier Geschichten eher zäh. Sowohl Cordwainer Smith als auch Ray Bradbury konnten mich mit ihren Storys nicht wirklich überzeugen.

Ersterer erzählt von Scannern, Menschen, die mit technologischen Implantaten ausgestattet wurden (heute würde man sie Cyborgs nennen), um lange Weltraumreisen psychisch zu überstehen. Als ein Wissenschaftler herausfindet, wie auch normale Menschen Monate und Jahre lang durch das All reisen können, ohne durchzudrehen, fürchten die Scanner um ihre Daseinsberechtigung und rebellieren. Ray Bradbury zeigt die Landung des ersten irdischen Raumschiffes auf dem Mars. Die Begegnung mit den Marsianern ist zwar ungewöhnlich, aber auch vorhersehbar und konnte mich deswegen nicht überzeugen.

Spannender war dagegen die »Die kleine schwarze Tasche« von Cyril M. Kornbluth. Darin geht es um einen heruntergekommenen Arzt, der eine Arzttasche aus der Zukunft findet und wieder zu praktizieren beginnt, bis er der Gier seiner Assistentin erliegt.

Die Kürzestgeschichte von Richard Matheson berichtet von einer geknechteten Kreatur in einem Keller, von der man bis zum Ende nicht erfährt, ob es ein Mensch oder etwas Fremdes ist.

Besser gefiel mir »Schöne Aussichten« von Fritz Leiber. Ein Engländer rettet im radioaktiv verseuchten New York eine junge Frau, die eigentlich nicht gerettet werden will. An dieser Geschichte fesselt vor allem die Darstellung einer postatomaren Gesellschaft in der es für Frauen als unschicklich gilt, sich ohne Maske in der Öffentlichkeit zu zeigen. Der Widerspruch der Gesellschaft liegt darin, dass Frauen auf der einen Seite als das starkes Geschlecht präsentiert werden, indem sie in Showkämpfen gegen Männer antreten, auf der anderen Seite jedoch unterdrückt und missbraucht werden.

Um Unterdrückung geht es auch in der Geschichte von Anthony Boucher. Sie spielt im Kalifornien der Zukunft, in der jegliche Ausübung von Religion verboten ist. Zu dieser Zeit wird ein Priester heimlich vom Papst mit einem Robot-Esel losgeschickt, um das Grab des heiligen Aquin zu finden. Die Frage, mit der sich die Geschichte auseinandersetzt, ist: wieviel Wahrheit und wieviel Lüge braucht es, um zu glauben. Die Diskussionen des Priesters mit seinem Esel und die Pointe am Schluss sind ein großartiges Stück Literatur.

In meinen Augen die beeindruckendste Geschichte in Band 2 der Hall of Fame stammt aber von James Blish, besser bekannt durch seine Beiträge zur klassischen Star Trek-Serie. Mit »Oberflächenspannung« schuf er eine phantastische Geschichte, die nicht nur mit dem Schicksal einer ganzen Spezies, sondern auch mit Evolution und physikalischen Phänomenen spielt. Der Autor zeigt den Aufbruch einer außerirdischen Zivilisation in eindringlichen Bildern und mit großer Tragik. Die Besonderheit liegt darin, dass die Zivilisation einst von Menschen erschaffen wurde, die auf dem Planeten gestrandet waren.

Von da ab ebbt der Strom an spannenden Geschichten nicht ab. Der große Arthur C. Clark lässt das Ende der Welt von ein paar buddhistischen Mönchen mit einem Supercomputer herbeirechnen. Jerome Bixby erzählt die Geschichte eines Mutantenkindes, das eine ganze Stadt terrorisiert und Tom Godwin brilliert mit einem anrührenden Kammerspiel. Die klassische Raumschiff-Story erzählt von einem Piloten, der das Leben eines blinden Passagiers (einem unschuldigen jungen Mädchen) beenden muss. Hier geht es um die moralische Frage, was wichtiger ist: das Wohl vieler oder eines einzelnen. Das ist klassische SF, die bis zum Ende hin berührend erzählt wird.

Ich gebe zu, dass ich von Alfred Besters Geschichte »Geliebtes Fahrenheit« ein wenig irritiert bin, weil ich bis zum Schluss nicht begriffen habe, wie viele Protagonisten es in der Geschichte tatsächlich gibt. Die Story ist eher ein Fall für Psychoanalytiker.

Auch die nachfolgende Geschichte von Damon Knight geht in die psychologische Richtung und erzählt, was passiert, wenn ein Rebell in einer Gesellschaft von Angepassten leben muss.

Eine besondere Herausforderung stellte für mich die Geschichte »Blumen für Algernon« von Daniel Keyes dar. Die Aneinanderreihung von Berichten eines Legasthenikers ist wegen der unzähligen Grammatik- und Rechtschreibfehler zunächst nur schwer zu lesen. Aber als es mir gelang, den Redakteursmodus auszuschalten und mich auf die Geschichte einzulassen, ging mir das Schicksal des Protagonisten am Ende sehr nahe. Da hatte ich tatsächlich Tränen in den Augenwinkeln. Meine Hochachtung für den Autor (und den Übersetzer), der die Wandlung eines Menschen nur anhand seiner geschriebenen Texte zeigt.

Auch die letzte Geschichte »Dem Prediger die Rose« von Roger Zelazny berührte mich. Ein Autor und Übersetzer von der Erde soll bei einer Expedition auf dem Mars Kontakt zu den, vom Aussterben bedrohten, Marsbewohnern aufnehmen. Dem Sprachexperten mit religiösem Hintergrund gelingt es, mit dem zurückhaltenden Volk zu kommunizieren, das schon seit Jahrtausenden den Mars bewohnt. Bewundernswert an dieser Geschichte finde ich die poetischen Beschreibungen und die vielen Querverweise auf die irdische Literatur. Vom ersten Testament über die alten Griechen, bis hin zu Shakespeare und Rilke zieht Zelazny seine Analogien. Das ist brillante, mit viel Intelligenz verfasste Genre-Literatur.

Auch der zweite Band der Science Fiction Hall of Fame enthält großartige Kurzgeschichten, die das Genre geprägt haben. Viele der Ideen würden sich hervorragend für eine Verfilmung eignen. Für Science Fiction-Fans sind beide Anthologien ein absolutes Muss. Einfach nur, um zu sehen, wo die großen Ideen herstammen, die Jahrzehnte später Serien wie Star Trek prägten und noch heute die Literatur des Genres bestimmen. Wenn ich mir bewusst mache, wie alt diese Geschichten sind, empfinde ich tiefe Ehrfurcht vor den Visionen der damaligen Autoren, die ihrer Gegenwart weit voraus waren, auch wenn den Geschichten immer noch das Flair ihrer Zeit anhängt.

»SF Hall of Fame – die besten Storys 1948-1963« herausgegeben von Robert Silverberg erschien bei Golkonda und ist überall im Buchhandel und online erhältlich.

Von Marsianern, Terranern und Gürtlern

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The Expanse ist eine Serie, von der bereits drei Staffeln existieren, die Vierte ist gerade in Produktion. Warum ich die erste Staffel der Serie erst in den vergangen Wochen gesehen habe, liegt daran, das The Expanse auf dem Bezahlsender Syfy ausgestrahlt wurde und ab der vierten Staffel bei Amazon Prime Video angesehen werden kann. Bei unserem geringen Fernsehkonsum lohnt es sich aber nicht, Geld für zusätzliche Fernsehsender auszugeben. Wir warten meist, bis die Serie auf DVD herauskommt. Und weil für November die zweite Staffel von The Expanse auf DVD angekündigt ist, hielten wir es für eine gute Idee mal in die Serie hineinzuschnuppern.

Die Serie spielt im 25. Jahrhundert. Das Sonnensystem wurde von den Menschen besiedelt. Auf dem Mars hat sich eine eigenständige Gesellschaft entwickelt, die sich von der Erde abgewandt hat. Zwischen Mars und Erde herrscht so etwas wie ein Kalter Krieg. Dann sind da noch die Gürtler, Menschen die im Asteroidengürtel auf Ceres, Eros und anderen Planetoiden leben. Sie werden von beiden Parteien ausgenutzt, in dem sie die Rohstoffe abbauen müssen, die der Mars vor allem aber die Erde benötigen. Dabei leben sie unter Menschenunwürdigen Bedingungen. Sie haben mit körperlichen Degenerationen durch die geringe Schwerkraft zu kämpfen und leiden vor allem unter dem Wassermangel. Als ein Raumschiff der Gürtler, das Wassereis nach Ceres transportieren soll, von einem getarnten Raumschiff zerstört wird, bricht eine Rebellion aus. Weil alle glauben, der Mars stecke hinter dem Angriff, greift auch die Vereinten Nationen der Erde ein und setzt die Marsianer unter Druck. Eine Gruppe Überlebender des Gürtlerschiffs wird von einem marsianischen Schiff aufgegriffen und entdeckt, das auch die Marsianer vor dem unsichtbaren Angreifer nicht sicher sind. Am Ende der Staffel kristallisiert sich heraus, dass eine dritte Partei mit einer anscheinend außerirdischen Biowaffe Experimente mit den Gürtlern durchführt und das Gleichgewicht zwischen Mars und Erde kippen will.

Ich bin zwar keine große Freundin von Dystopien, aber die Zukunft, die The Expanse zeigt, ist sehr glaubhaft gestaltet. Auf der eine Seite die Erde mit einer kaputten Umwelt, erkennbar am gestiegenen Meeresspiegel. Daneben die Marsbewohner, die mit Neid und Verachtung auf die Terraner herabsehen, weil sie einst ihren Planeten zerstört haben. Dazwischen die Gürtler, die Arbeiter auf deren Rücken die beiden planetaren Gesellschaften ihren Reichtum und Fortschritt bauen, die aber nichts davon haben. Das Leben in den Asteroiden wird in düsteren, klaustrophobischen Bildern gezeigt.

Besonders gut gefielen mir die Figuren. Die vielfach ambivalenten Charaktere sind tiefgründig und handeln unvorhersehbar. Überraschend ist, dass einige der Charaktere aus den ersten Folgen im Laufe der ersten Staffel den Tod finden, oder einfach von der Bildfläche verschwinden.

Die zehn Folgen der ersten Staffel erzählen eine zusammenhängende Geschichte, von der man bis zur vorletzten Folge glaubt, dass sie auf eine politische und kriegerische Konfrontation zwischen Erde und Mars hinführt. Das Auftauchen eines fremden Organismus gibt der Serie auf der Zielgerade aber eine völlig neue Richtung. Das fand ich ausgesprochen spannend. Es wird nie ganz klar, wer hinter den Vorgängen und den getarnten Schiffen steckt. Der Zuschauer bleibt genauso im Unklaren wie die Protagonisten um den Captain der ROSINANTE. Als ausführender Produzent und Autor einiger Folgen zeichnet Naren Shankar verantwortlich. Aus der Feder des indischstämmige Autor stammen einige wichtige Episoden mehrerer STAR TREK-Serien.

Die Serie kann man als Hard-Science-Fiction im weitesten Sinne bezeichnen. Die Raumschiffe und die Technologie orientieren sich an den physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Was mitunter zu überraschenden Effekten führt. So holt sich die Kommandantin eines marsianischen Schiffs erstmal einen Kaffee, während ihr Schiff mit Torpedos beschossen wird. Es dauert halt eine halbe Stunde, bis die Torpedos einschlagen. Das fand ich gut.

The Expanse ist eine sehenswerte SF-Serie. Da freue ich mich schon auf die zweite Staffel.

Zweites Berliner Sci-fi Filmfest

Sci-fi Filmfest

Nach der sehr erfolgreichen ersten Veranstaltung findet in Berlin das zweite Sci-fi Filmfest vom 16. bis 17. November 2018 statt.

Dieses Jahr werden 144 Filme aus über 30 Ländern in allen 3 Kinosälen im Babylon (Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin) gezeigt. Darunter viele Kurz- und Independence-Filme, sowie die Dokumentation ZERO GRAVITY-MISSION IN SPACE – Das Weltraumabenteuer von Alexander Gerst

Außerdem erwartet die Besucher ein buntes Zusatzprogramm rund um das Thema Science Fiction, z.B: Panels, Workshops, Cosplayer, eine Ausstellung, Games und vieles mehr.

Informationen, Programm und Online Tickets gibt es hier:

https://babylonberlin.eu/programm/festivals/berlin-science-fi-filmfest

Wenn Berlin nicht so weit weg wäre, würde ich glatt mal dorthin gehen.

Der Bop-Saga zweiter Teil

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Da der nette Autor mich freundlicherweise daran erinnerte, dass es da noch einen zweiten Teil seines Science-Fiction-Werkes gibt, welches ich unlängst hier wohlwollend besprochen habe, gab ich diese Woche seinem Bitten nach und las den humoristischen Roman im Zug nach München und zurück. … Wahnsinn, was für ein Schachtelsatz!

Solche oder ähnliche Bemerkungen finden sich auch in »Selfies vom Mond« dem zweiten Teil der Bop-Saga. Der Autor nimmt Augenzwinkernd seinen eigenen Text auf die Schippe und sich und seine Figuren nicht einmal ansatzweise ernst. Wie zum Weltraumteufel soll man sowas rezensieren? Man könnte meinen, der Autor erkaufe sich damit einen Freifahrtschein in Sachen Stilanalyse. Doch so leicht lasse ich mich nicht hinters Licht führen.

Die Geschichte krankt nämlich an ganz anderen Stellen, als an Schachtelsätzen oder der Synonym-Seuche. Da wird mir zum Einen nur erzählt, was ich doch eigentlich sehen will. Beispiel gefällig? „Seht ihr irgendwo einen freien Tisch?“ fragte Edward angesichts des tumultartigen Tohuwabohus in der alten Nova. Ich bekomme gesagt, dass in der Kneipe ein Durcheinander herrscht, wie genau das aussieht, enthält mir der Autor aber vor. Da hätte ich gern mehr darüber gewusst, um mir ein Bild zu machen. Wie sieht es da aus? Welche schrägen Außerirdischen hängen dort rum? Was für exotische Getränke stehen auf den Tischen? Spielt da irgendwo eine Catina-Band und vor allem, wie riecht es da? All das erfahre ich nicht. Diese Szene ist beispielhaft für viele weitere.

Auch plottechnisch wäre noch so einiges zu verbessern. Am Anfang und im Mittelteil verläuft die Handlung nämlich arg zäh. Ich hatte zunächst damit zu kämpfen, wieder in die Geschichte zu finden. Die beginnt nämlich mit Kapitel 23. Es ist ratsam Teil zwei direkt im Anschluss an Teil eins zu lesen. Bei mir lagen mehrere Wochen dazwischen und ich wusste überhaupt nicht mehr, wer von den Figuren jetzt wer war und vor allem auf welcher Mission sie nochmal unterwegs waren.

Mir hat sich auch der Sinn nicht erschlossen, warum die Reisen der Abenteurer immer so lange dauern. Mal sind es zwei Wochen, dann wieder drei. Das Universum, das André Nagerski geschaffen hat, ist so verrückt, dass er eigentlich nicht auf die Einhaltung irgendwelcher physikalischen Gesetze achten müsste. Die Reise durch ein Wurmschlupfloch sollte innerhalb von Minuten vonstattengehen. Stattdessen lässt er seine Helden wochenlang in ihrem Raumschiff aufeinander hocken, zeigt mir dann aber die Auswirkungen nicht. Die lange Reise hat keinerlei Konsequenzen für die Geschichte und ist meiner Meinung nach somit überflüssig.

Die Stärke des Autors ist gleichzeitig seine größte Schwäche. Die Wortschöpfungen und Sprüche waren im ersten Teil noch originell und witzig, verlieren im zweiten Teil aber schnell ihren Reiz. Man gewöhnt sich daran und lächelt am Ende nur noch müde, wenn die Pointe mal nicht so knackig ausfällt, wie bei den Krachern zuvor. Was mir besonders aufgefallen ist, dass der Autor in »Selfies vom Mond« viele Werbe-Slogans oder bekannte Sprüche aus Funk und Fernsehen verwendet. Das finden Jungs in der Pubertät oft irrsinnig komisch, mir gefiel es nicht, weil es einfach peinlich ist. Bei anderen Passagen wiederum nimmt André Nagerski den Leser zu sehr an die Hand, weshalb der Humor aufgesetzt wirkt. Auch hier wieder ein Beispiel: „Seid gegrüßt in Vogelweide, Fremde!“, begann der Anführer der Gruppe. „Mein Name ist Nisnas – Alter von der Vogelweide. Der Vorsteher des Dorfes …“ Hätte der Autor den Typen Walter genannt, hätte jeder den Gag verstanden, ohne das er noch irgendein Wort hätte hinzufügen müssen. Das wäre subtiler gewesen als die angewandte Holzhammer-Methode.

Jetzt muss ich aber auch noch etwas Gutes sagen: Die irrwitzigen Ideen scheinen dem Autoren auch in Teil zwei nicht ausgegangen sein. Mir gefielen am besten die Phillyponys, davon hätte ich mir gern mehr in Aktion gewünscht, ebenso mehr von den tollen Erfindungen wie dem Multifraß 2000 aus dem ersten Teil. Sprachlich ist auch »Selfies vom Mond« einwandfrei geschrieben, wobei nicht jeder Gag bei mir gezündet hat. Lustig ist die Geschichte um die Bewohner des Planeten Bop auf ihrer Odyssee durchs All allemal. Wer Douglas Adams mag, ist hier gut aufgehoben. Großes Lob von mir geht übrigens auch an den Illustrator Stefan Kolmsberger für das sensationelle Cover

Im Epilog ist Band drei angekündigt. Ich hoffe der Autor lässt seine Leser nicht allzu lange warten.

André Nagerskis »Selfies vom Mond« erschien im Selbstverlag und ist bei Amazon als E-Book und gedrucktes Buch erhältlich. Ich empfehle auch die Internetseite des Autors roboter-weinen-heimlich.de. Dort finden sich alle News rund um die Bop-Saga.

Liebe durch alle Zeiten

Quelle: Amazon.de

Nach dem Motto »erst lesen, dann schreiben« recherchiere ich gerade für meinen neuen Roman »Zeit für Henry«. Es geht darin um Zeitreise und um Liebe. Da lag es nahe, dass ich den Liebesroman zum Thema Zeitreise schlechthin lesen musste. »Die Frau des Zeitreisenden« ist das Erstlingswerk von Audrey Niffenegger und erschien 2003 in den USA. Die deutsche Übersetzung folgte 2005.

In der Geschichte um Henry und Clara geht es in erster Linie um die große Liebe, um Bestimmung und Schicksal. Henry hat einen Gendefekt, der ihn unkontrolliert durch die Zeit reisen lässt. Clare lernt ihn als kleines Mädchen kennen, während Henry Clare erst in der Gegenwart begegnet, bevor er sie in der Vergangenheit trifft. Während Clare von Anfang an weiß, dass Henry, der Mann ihres Lebens ist, ist sich Henry alles andere als sicher, ob Clare die Richtige ist. Erst in ihrer Beziehung in der Gegenwart begreift er, welch enge Bindung Clare während seiner Besuche in der Vergangenheit zu ihm aufgebaut hat.
Als beide versuchen ein Kind zu bekommen, stellt das ihre Beziehung auf eine harte Probe. Nach sieben Fehlgeburten lässt sich Henry sterilisieren, doch da bekommt Clare Besuch von einem Henry aus der Vergangenheit.
Die Geburt ihrer Tochter Alba läutet die letzte Phase von Henrys Leben ein. Er weiß von Clare, dass er nicht älter als 43 werden wird. Auch Alba, die er in der Zukunft trifft, erklärt ihm, das er stirbt, wenn sie fünf ist. Vater und Tochter treffen sich häufiger in der Vergangenheit und in der Zukunft, weil sie seine Fähigkeiten geerbt hat.
Je näher er dem Datum seines Todes kommt, desto häufiger sind seine, nicht immer ungefährlichen, Reisen in die Vergangenheit. Clare ahnt, dass Henry etwas Furchtbares widerfahren wird und sie veranstaltet eine Feier für ihn mit all seinen Freunden und Bekannten. Als es dann soweit ist, hat Henry noch eine Botschaft für Clare. Sie werden sich wiedersehen 46 Jahre in der Zukunft.

Ich war überrascht, nicht nur das der Roman im Ich-Präsens abwechselnd aus der Sicht von Henry und Clare geschrieben ist. Die Geschichte entfaltet ihre Faszination auch erst nach und nach. Anfangs folgen Beschreibungen ihrer Begegnungen lose aufeinander, wobei sie linear aus Sicht Clares geordnet sind. Henry erzählt, wie er zum ersten Mal durch die Zeit gereist ist. Das alles plätschert so dahin, dass man sich fragt, wie die Autorin damit einen ganzen Roman füllen will. Denn die meisten Kapitel bestehen aus Beschreibungen in einfachen Sätzen, kurzen Dialogen und wenig Action. Doch das entpuppt sich auf Dauer als spannender als gedacht. Die vielen einzelnen Begebenheiten werden nach und nach miteinander verknüpft, so dass man als Leser ein immer vollständigeres Bild von Henrys Leben erhält. Manches ergibt erst viel später einen Sinn. Der Roman entwickelt so über seine Länge hinweg eine ungeheure Sogwirkung, die im letzten Drittel in einem hochemotionalen Finale gipfelt. Zum Glück hatte ich mehrere Pakete Taschentücher einstecken, als ich es gelesen habe. Das Ende ist aufwühlend, berührend und unendlich traurig.

Mich interessierte an dem Roman vor allem, wie ausführlich die Autorin die Zeitreisefähigkeiten von Henry erklärt hat. Und auch hier war ich überrascht. Ein bisschen Genetik, ein bisschen Quantenphysik, aber nichts Konkretes. Womit auch der Wissenschaftler zu kämpfen hat, der Henrys Phänomen im Buch auf der Spur ist. Die Autorin konzentriert sich voll und ganz auf die Liebesgeschichte und das funktioniert in diesem Fall auch sehr gut. Reine Science-Fiction-Leser werden vielleicht enttäuscht sein. Menschen die Liebesgeschichten oder emotionale Romane mögen, kommen hier umso mehr auf ihre Kosten.

Ein bisschen meckern muss ich bei aller Euphorie trotzdem. Ich weiß nicht, ob es schon im Original so war, oder der Übersetzung zuzuschreiben ist. Stellenweise stimmen die Adressierungen bei den Dialogen nicht. Es fehlen vor allem die Absätze zwischen den Sprechenden. Den Dialogen war deshalb mitunter recht schwierig zu folgen.

»Die Frau des Zeitreisenden« ist ein außergewöhnlicher Roman, nicht nur wegen des Genremix aus SF und Liebesroman, sondern vor allem wegen des Stils. Der sich durch einfache Sätze und kurze Beschreibungen im Ich-Präsens deutlich von der zeitgenössischen Gegenwartsliteratur unterscheidet.

Der Roman wurde mit Eric Bana in der Hauptrolle verfilmt. Der Film steht bei uns im Regal, ich habe ihn auch schon einmal gesehen, werde das aber bei Gelegenheit wiederholen.

Kurze Bemerkung zum Schluss. Es ist schon als kurios zu bezeichnen, dass ich dem Protagonisten in meinem Roman unabhängig und ohne Absicht den gleichen Namen gegeben habe.

SF im Blick

Um Science Fiction drehen sich derzeit die YouTube-Videos meines Autorenkollegen Ben Calvin Hary. Der stellt nämlich das Genre mit seinen Besonderheiten vor. Nach einer allgemeinen Betrachtung im letzten Monat erschien diese Woche ein Video zum Thema Roboter. Selbst ich, die sich schon lange mit SF beschäftigt, hat dabei etwas neues gelernt und zwar, dass der Begriff Roboter auf einen tschechischen Autor zurückgeht. Der Name leitet sich von »Robota« wie arbeiten ab. Im Russischen klingt es ähnlich.

Ich finde es schön, das Ben solche Sachen aufgreift und bei YouTube Jugendtauglich erklärt, sonst stirbt das literarische SF-Fandom noch irgendwann aus.

Aber seht selbst.

Manische Roboter und Humor aus dem Jahr 222.221

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Ich bin skeptisch, wenn ich von Selfpublishern angeschrieben werde, die um eine Rezension ihrer Romane bitten. Oftmals sind die Texte so unterirdisch, dass ich das E-Book schnell zur Seite lege und in den Mantel des Schweigens hülle. Eine Bewertung solcher Texte ist schwierig und man kann als Rezensent eigentlich nur ins Fettnäpfchen treten. Zu viel Kritik und man wird vom Autor oder der Autorin angegangen, zu viel Lobhudelei würde Betrug am Leser bedeuten.

Das es unter Selfpublishern viele herausragende Autoren gibt, hat nicht zuletzt Madeleine Puljic mit ihrem preisgekrönten Roman »Noras Welten« bewiesen. Zudem kenne ich inzwischen mehrere Autoren, die als Selfpublisher nicht nur erfolgreich im Geschäft sind, sondern auch ihr Handwerk verstehen.

André Nagerski ist einer dieser Selfpublisher, der mich mit seinem Roman »Roboter weinen heimlich« überzeugen konnte. Der studierte Kommunikationswissenschaftler hat mit seinem ersten Science-Fiction-Roman eine vergnügliche Variation des Genres geschaffen, das sich durchaus an Douglas Adams messen kann. Dabei ist die Geschichte um vier Freunde vom Planeten Bop, die ihrer trostlosen Welt entfliehen und sich ins Abenteuer Weltall stürzen, eher simpel. Es mangelt dem Roman ein wenig an Wendungen, aber auch an Spannung. Das ziellose Vorgehen der Protagonisten ist nicht jedermanns Sache. Diese Schwäche macht der Autor durch originelle Ideen und viel Humor wett. Die vielen Anspielungen aufzuzählen, die im Text versteckt sind, ist eigentlich unmöglich. Die originellste Idee war für mich die Speisekarte, die aus dem Speichel des Gastes die passenden Speisen errechnete. Aber auch bei den Namen von Erfindungen, Planeten und Begriffen ist die rheinische Frohnatur des Autors zu spüren.

Was dem Roman leider fehlt, ist der Feinschliff durch einen Lektor. Denn da wechseln die Erzählperspektiven mitten im Kapitel. Hin und wieder stimmen die sprachlichen Details nicht (Fäuste kann man nicht ballen, höchstens Hände. Eine Faust ist quasi schon geballt.) Auch die zusammenbrechenden Spannungsbögen und die manchmal nicht korrekte Verwendung der Zeitformen, sind in diesem Fall aber nur kosmetische Schönheitsfehler, die mein Lesevergnügen nicht schmälerten. (Nun, je nachdem wie pingelig man als Leser ist.) Auch das der Autor die Geschichte oftmals auktorial erzählt, störte mich am Roman nicht, weil er den Leser direkt anspricht.

Mein Fazit: Humor ist schwierig zu schreiben und Humor in der Science Fiction fast noch schwieriger. Allein das nötigt mir vollen Respekt ab. Das André Nagerski die Herausforderung angepackt hat und mit viel Witz und Leichtigkeit zu Papier bringt, sollte honoriert werden. »Roboter weinen heimlich« ist der erste Band einer Trilogie. Band zwei ist bereits erschienen und wird von mir sicher auch gelesen werden. Toll finde ich auch das kunterbunte Cover, das die Geschichte gut illustriert.

»Roboter weinen heimlich« ist als E-Book und Taschenbuch auf Amazon erhältlich. 115 Seiten die sich lohnen.

Inside MADDRAX

MADDRAX 475

Dieses hübsche Romanheft trudelte dieser Tage bei mir ein. Etwas verspätet zwar, aber ich habe mich trotzdem darüber gefreut.

Der Roman wurde von Ben Calvin Hary verfasst, der inzwischen schon den nächsten Roman abgeliefert hat. Durch Ben bekomme ich hin und wieder die Gelegenheit in die Romanserie MADDRAX hinein zu schnuppern. Die apokalyptische Welt von Matthew Drax ist eigentlich nicht so mein Ding, obwohl es sich um eine Science-Fiction-Serie handelt. Ich bin kein großer Fan von Dystopien, weshalb mich die Handlung von MADDRAX nicht richtig anspricht.

Warum ich die Romane von Ben dennoch lese, liegt schlicht daran, dass ich als Testleserin fungiere. Der Autor bezeichnet mich gern als »Bluthund« oder »Endgegnerin«, weil ich streng und unnachgiebig alles ankreide, was mir am Roman missfällt, oder wo ich ein Plothole vermute. Natürlich ist vieles davon Geschmacksache. Ich vertraue dem Autor dahingehend, dass er nur das übernimmt, was ihn überzeugt. Weshalb ich mich immer freue, wenn ich im Belegexemplar den einen oder anderen Vorschlag von mir umgesetzt wiederfinde.

Ich bin gern Testleser, weil ich dabei viel über mich selbst und für mein eigenes Schreiben lernen kann. Ich wünschte mir nur, dass ich etwas mehr Zeit bekäme. Meist erreicht mich das Manuskript erst kurz vor Abgabetermin und dann ist Schnelligkeit gefragt. In dem Fall kann ich es leider nicht so sorgfältig überarbeiten, wie ich gern möchte. Aber wenn ich das Heft dann in der Hand halte, macht es mich stolz einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben.

Kolumne zur Zukunft

Seit einigen Jahren bin ich treue Leserin der Kolumne »Welche Zukunft?« von Sascha Mamczak. Der Mann ist Chef des Science-Fiction-Programms des Heyne Verlags und Nachfolger von Wolfgang Jeschke – der als Autor sowie als Herausgeber bei Heyne einen wichtigen Beitrag für die deutsche Science Fiction geleistet hat. So verdanken wir ihm die Veröffentlichung der STAR TREK-Romane von Pocket Books in Deutschland.

Ende der Neunziger war Mamczak übrigens Lektor der PERRY RHODAN-Reihe bei Heyne.

Bei »Der Zukunft« dem SF-Portal des Heyne Verlags legt Sascha Mamczak regelmäßig seine Gedanken zur Zukunft dar. Sehr tiefsinnig und berührend spricht er über aktuelle Probleme und extrapoliert sie in die Zukunft. Das ist oft großartig formuliert und ich ertappe mich regelmäßig dabei, wie ich vielen seiner Aussagen nicht nur zustimmen kann, sondern für ihre Genialität auch schlicht bewundere.

In der aktuellen Kolumne spricht er über alte Menschen, die Zukunft und über Wolfgang Jeschke, der dieser Tage vor drei Jahren gestorben ist. Dabei widmet Mamczak seinem ehemaligen Chef einige an Herz gehende Gedanken. Das finde ich so gut, dass ich das hier unbedingt teilen möchte.

Für mich gehört »Welche Zukunft?« zu den gelungensten SF-Kolumnen überhaupt und ich empfehle sie jedem, dem an phantastischer Literatur und unserer Zukunft gelegen ist.

Die 80er in Frankreich

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Auf Servus TV laufen sehr oft ungewöhnliche Filme, so auch an diesem Mittwoch. Plötzlich wieder jung – Zurück in die 80er hieß der Streifen mit Kad Merad und Franck Dubosc in den Hauptrollen.

Zwei Männer, die die Vierzig bereits überschritten haben, sind mit ihren Leben so gar nicht zufrieden. Eric führt ein Sushi-Lokal und hat neben Steuerschulden auch noch ein Problem mit der Monogamie, weshalb sich seine langjährige Partnerin endgültig von ihm trennt. Patrice dagegen ist ein angesehener Frauenarzt und Buchautor. Mit einer wunderschönen intelligenten Frau und Tochter an seiner Seite sollte er eigentlich glücklich sein, doch weit gefehlt. Er hätte gern das abenteuerliche Leben seines Freundes Eric. Als sich die beiden Freunde im Haus von Patrices Eltern in der Normandie treffen und einen zuviel über den Durst trinken, fallen sie auf der Suche nach einer Flasche Rotwein die Kellertreppe hinab. Als sie wieder zu sich kommen, sind sie wieder jung und im Jahr 1986 gelandet. Nach kurzem Schock stellen sie fest, dass sich ihnen die Chance bietet, alle ihre Fehler wieder gut zumachen. Eric möchte wie Patrice ein angesehener Arzt werden und Patrice sich von Leben treiben lassen wie Eric. Doch sie kommen beide dem eigenen Charakter nicht aus. Bald merken sie: was sie für erstrebenswert halten, ist nicht das, was sie glücklich macht. Sie wollen schnellstmöglich in die Zukunft und ihr Leben zurück, doch das ist gar nicht so einfach.

Die intelligente Komödie über Zukunftswünsche und Bestimmung hat uns einen wunderbaren Fernsehabend verschafft. Das Duo Merad und Dubosc brilliert in dem Film durch ihre Unterschiede. Zwei Freunde die als erwachsene Männer in ihren Körpern als Jugendliche aufwachen und mit den schönen und komplizierten Seiten der 80er Jahre zurechtkommen müssen. Wie verabredet man sich, wenn man kein Handy hat? Wie dreht man nochmal die Kassette in einem Walkman um? Und Rollschuhfahren, wie ging das gleich nochmal?

Besonders witzig sind die Szenen als sie versuchen, ihr Wissen über die Zukunft gewinnbringend zu vermarkten, in dem sie der Empfangsdame eines Filmproduzenten die Handlung der erfolgreichsten Streifen des französischen Kinos erzählen, von den Besuchern, über die Sch’tis bis hin zu Ziemlich beste Freunde. Merad präsentiert sogar sein Gesangstalent als er einem Musikproduzenten vorsingt. Eine Hommage an den Film Die Fete ist auch im Film enthalten, dazu wird ein Song von Cook da Books gespielt. Überhaupt gibt es in dem Film eine Menge guter Musik aus den Achtzigern unteranderem auch der Song Voyage, Voyage der Sängerin Desireless.

Wie es bei einem französischen Film sein muss, geht es aber vorwiegend um Frauen und die erste Liebe. Er handelt aber auch über das Leben als Teenager, den Ärger mit den Eltern und wie sich die eigene Sichtweise im Alter verändert. Das ist frisch und im Kontext der achtziger Jahre eingebettet, so richtig schön nostalgisch. Für Fans französischer Komödien und für Menschen, die ihre Jugend in den Achtzigern verbracht haben, ist der Film ein unbedingtes Muss. Selbst SF-Fans könnte es interessieren, zumal es eine fantastische Komponente gibt.

Hier der Trailer: