Ich und der Blade Runner

Quelle: Amazon

Es ist eine alte Geschichte, wie ich in den Neunzigern beinahe mal »Blade Runner« gesehen hätte. Das war an der Uni, irgendwann im Grundstudium, in den ersten beiden Jahren. Der Filmclub der Universität veranstaltete eine Science-Fiction-Woche und zeigte jeden Abend einen SF-Film im Großen Hörsaal. Am ersten Abend, ich glaube es war ein Montag, sollte »Blade Runner« laufen. Eine Kommilitonin und ich stiefelten also auf den »Berg«, wo das Hörsaalgebäude stand und kauften uns zwei Eintrittskarten für den Film.

Als wir saßen, dann die schlechte Nachricht. Aus technischen Gründen konnte der SF-Klassiker nicht abgespielt werden. Dafür wurde »Eolomea« gezeigt, ein SF-Film aus der DDR. Ich kann mich an den Inhalt des DEFA-Films nicht mehr erinnern. Ich weiß aber, dass wir uns den ganzen Abend über die Requisiten des Films amüsierten. Da waren nämlich die gleichen Schulbänke zu sehen, wie wir sie aus der Schule kannten.

Zu »Blade Runner« ergab sich später nie wieder die Gelegenheit. Bis vor zwei Wochen. Da fischte mein Mann die beiden Filme aus dem Regal und meinte, dass wir uns die endlich mal ansehen sollten.

Sagen wir mal so: Ich weiß jetzt, warum der Originalfilm damals an den Kinokassen floppte. Ich hatte Schwierigkeiten der Handlung zu folgen, vor allem konnte ich das Warum nicht so richtig einordnen. Außerdem ist mir der Streifen viel zu gewalttätig. Dauernd wird gekämpft, geschossen und Leuten der Schädel an Wänden eingeschlagen. Gewaltorgien wie diese stoßen mich grundsätzlich ab. Ich konnten dem Film nichts abgewinnen, da halfen auch die optisch ansprechenden Achtzigerjahre Zukunftsvisionen nicht.

Letztes Wochenende sahen wir uns dann »Blade Runner 2049« an. Die Fortsetzung punktet schon mal damit, dass es eine nachvollziehbare Handlung gibt, die vieles aus dem ersten Film erklärt. Die Personen waren mir irgendwie näher, als im Originalfilm von 1982. Aber auch hier gab es für meinen Geschmack zu viel Gewalt. Vieles davon war Show und eigentlich gar nicht notwendig. Zumindest aber hinterlässt der Film von 2017 einen bleibenderen Eindruck bei mir.

Fazit: Ich habe »Blade Runner« endlich gesehen, kann den Hype, der darum gemacht wird, aber nicht nachvollziehen. Wir werden wohl beide Blu-Rays bei Booklooker reinstellen.

Starke Anthologie zu Künstlicher Intelligenz

Quelle: Plan9-Verlag.de

»Wie künstlich ist Intelligenz« – dieser Frage geht die gleichnamige Anthologie nach, die unlängst bei Plan9 einen Imprint der Bedey Media GmbH veröffentlicht wurde. Neun Science-Fiction-Autoren, darunter so bekannte Namen wie Andreas Eschbach, Judith C. Vogt oder Michael Marrak, nähern sich mit ihren Geschichten dem Thema Künstliche Intelligenz auf verschiedene Weise. Herausgegeben wurde die Anthologie von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick, der ebenfalls mit einer Geschichte beteiligt ist.

Andreas Eschbach blickt aus der Sicht zweier Programmierer auf das, was Künstliche Intelligenz (KI) sein und werden kann. Welche Auswirkungen hat der Einsatz einer KI auf die Gesellschaft, wenn man die Konsequenzen nicht weit genug vorausdenkt?

Judith C. Vogt zeigt eine KI quasi von innen. Sie stellt die Frage: Was wenn eine Simulation für die Insassen eben nicht nur eine Simulation ist?

Klaus N. Frick erzählt von einem Jungen auf dem Mars, dessen Leben von einer KI dominiert wird. Nur das Träumen, das kindliche Vermögen Dinge zu sehen, die kein anderer sieht, kann sie ihm nicht nehmen.

Stefan Lammers zeigt, wie man eine KI in den Selbstmord treibt. Seine Johanna soll einen Menschen vor dem Selbstmord bewahren und gerät selbst in den Strudel von Abhängigkeiten.

Jannis Radleff spielt in Crashtestdummies Menschen und künstliche Intelligenzen gegeneinander aus. Seine Geschichte punktet mit einer unerwarteten Pointe.

Nele Sickel beschreibt das Verhältnis zwischen einem Menschen und einer KI. Sollte es so tief sein, dass der Mensch dafür sogar bereit ist, Gesetze zu brechen?

Carsten Schmidt liefert in meinen Augen die beeindruckendste Geschichte der Anthologie. Kann eine KI demenzkranken Menschen helfen ihren Alltag bis zum Ende allein zu bewältigen? Und was macht es mit der Persönlichkeit der Betroffenen?

Gundel Limberg stellt ein Haus in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Nach dem Tod seiner Bewohner entpuppt sich das »smarte« Home als viel smarter, als es sich sein Programmierer je ausgedacht hat.

Michael Marrak beschließt die Runde mit einer klassischen Science-Fiction-Geschichte aus einer fernen Zukunft. Nanowesen aus der Weite des Alls entdecken das menschliche Unterbewusstsein und nutzen es schamlos für ihre Zwecke aus.

Das Niveau der Texte ist hoch, entgegen ähnlicher Publikationen sind die Geschichten sorgfältig lektoriert und bearbeitet worden. Es gibt keine Geschichte die unfertig wirkt, oder an der man noch etwas hätte verbessern können. Sie sind allesamt unterhaltsam und kurzweilig, bisweilen entlocken sie dem Leser sogar ein Lächeln. Beeindruckend ist die Vielschichtigkeit, mit der die Autoren an das Thema herangehen. Da werden Wege und Möglichkeiten gezeigt, jenseits bekannter Einsatzmöglichkeiten. Das ist frisch und unverbraucht und lohnt sich zu lesen.

In einem Nachwort äußert sich Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zum Thema und wirft nochmal einen ganz anderen Blick darauf, nämlich den eines Wissenschaftlers.

Wer Kurzgeschichten mag, wer sich für Science Fiction begeistert und sich für Künstliche Intelligenz in all ihren Ausprägungen interessiert, dem lege ich das Buch ans Herz. Es ist überall im stationären Buchhandel und bei einschlägigen Onlinebuchhändlern erhältlich. Am besten erwirbt man es direkt beim Verlag.

Ein Jubiläum steht bevor

Die »SOL« wird 100.

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich jetzt schon mit dem Inhalt des Heftes, das im November erscheinen wird. Eigentlich nicht nur mit dem Inhalt, sondern auch mit dem Drumherum. Schließlich soll es etwas ganz besonderes werden.

Heute darf ich schon mal das Cover präsentieren, das Raimund Peter nach meiner Idee gefertigt hat. Ich finde es sieht stark aus. Bisher gab es erst zwei SOL-Ausgaben mit umlaufenden Cover. Für die Leser wird es im Innenteil ein dazu passendes Poster geben.

Inhaltlich geht es bunt zu. Wir haben 32 Seiten mehr als sonst, die mit Artikeln, Interviews und Berichten zur größten Science-Fiction-Serie der Welt gefüllt sind. Im Schwerpunkt geht es um PERRY RHODAN und die Zukunft. Wir zeigen zwei Jugendliche, die PERRY RHODAN lesen. Weiterhin gibt es eine witzige Geschichte über SF im Perryversum und was Perry Rhodan persönlich davon hält. Klaus N. Frick spricht über die Aktivitäten im Jubiläumsjahr 2021. Die NEO-Exposéautoren Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm berichten wie es bis Band 250 weitergeht. Und wir stellen einen PERRY RHODAN-Podcast vor, ein Format, das für die Serie zukunftsweisend sein könnte.

Ein österreichischer Journalist hat uns ein Interview mit dem chinesischen Bestseller-Autor Cixin Liu zur Verfügung gestellt. Die ehemaligen Redakteure der SOL und ihr Layouter kommen zu Wort. Es gibt wieder ein Preisrätsel mit verzwickten Fragen und ich habe einige Reaktion zum »Mord« an Mausbiber Gucky zusammengetragen. Ach ja, und wir berichten natürlich von der PROW, der PERRY RHODAN Online-Woche im Juli diesen Jahres.

Ich denke mal, da sollte für jeden etwas dabei sein. Ich freue mich schon, wenn ich das Heft in Händen halten darf.

SF-Geschichten zu künstlicher Intelligenz

Quelle: plan9-Verlag.de

Sie liegt schon daheim auf dem Tisch, die Kurzgeschichtensammlung über künstliche Intelligenz. Herausgeber Klaus N. Frick hat hochkarätige Autoren dafür gewinnen können, unteranderem Andreas Eschbach. Ein paar Autoren kenne ich von den Seminaren in Wolfenbüttel. Gelesen habe ich das Buch noch nicht, außer einer Geschichte. Die gibt es bei TOR-Online, quasi als Kostprobe.

Sie stammt von Carsten Schmitt, den ich gut kenne. Wir trafen uns schon bei einigen Seminaren an der BA. Dass seine Geschichte das Aushängeschild für die Anthologie ausgewählt wurde, freut mich. Sie ist allerdings auch großartig geschrieben, sehr berührend und wirft ein völlig neues Licht auf die Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz bietet.

Also, wer mal herein schnuppern möchte, dem empfehle ich die Kurzgeschichte »Wagners Stimme« von Carsten Schmitt. Einfach mal reinlesen.

Die vollständige Sammlung werde ich demnächst hier besprechen, zuerst ist der NEO von Ben Calvin Hary dran.

Wolfenbüttel 2020

An diesem Wochenende fand das Schreibseminar zum phantastischen Roman an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. Nachdem im Mai das Seminar coronabedingt abgesagt werden musste, war das aktuelle Seminar das erste seit März, das wieder vor Ort an der Bundesakademie stattgefunden hat. Unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen, versteht sich.

In den vergangenen Tagen wurde ich gefragt, warum ich nicht teilnehme, obwohl ich sogar von Literatur-Bereichsleiter Olaf Kutzmutz angeschrieben wurde. Da gibt es gleich mehrere Gründe. Ich hatte in diesem Jahr ohnehin nicht geplant, am Romanseminar teilzunehmen, weil ich meinen Roman noch nicht fertig habe und es unnütz wäre, mitten in der Schreibarbeit an einer neuen Romanidee zu tüfteln. Außerdem wollte ich mir durch das Corona-Prozedere nicht die schönen Erinnerungen an Wolfenbüttel verderben lassen. Außerdem hieße es für mich neun Stunden Zugfahrt mit Maske und vielen Leuten. Nein, da warte ich lieber ab, bis sich die Lage wieder einigermaßen normalisiert hat. Und wenn es nie wieder normal werden sollte … dann war es das für mich und die BA. Dann bleiben mir eben nur die schönen Erinnerungen daran.

Im Juli hatte ich im PERRY RHODAN-Report in Heft 3076 einen Artikel über die Seminare in Wolfenbüttel und ihre Bedeutung für die PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. An diesem Wochenende wurde der Text auf der PERRY RHODAN-Homepage veröffentlicht. Der Länge wegen, wurde er in drei Teile zerlegt.

Teil 1: bit.ly/2QzdiEi
Teil 2: bit.ly/2YFaxFY
Teil 3: bit.ly/2EBCSX1

Der Vanille-Himmel

Quelle: Amazon

Obwohl ich den Schauspieler Tom Cruise eigentlich nicht so mag, haben wir eine Menge Filme mit ihm im Regal. Da sind viele Streifen dabei, die ich richtig gut finde. »Magnolia« zum Beispiel, oder »Eyes wide shut«, dann natürlich sein Durchbruch »Top Gun«. Zwei Science-Fiction-Filme ragen heraus: »Minority Report« und »Vanilla Sky«. Letzteren haben wir uns am Wochenende mal wieder angesehen.

Als der Film 2001 in die Kinos kam, war ihm kein großer Erfolg beschieden. Und das obwohl neben Tom Cruise eine Menge Stars mitspielen, wie Cameron Diaz, Penélope Cruz, Kurt Russell und Tilda Swinton. Zugegeben der Film ist nicht einfach. In Rückblenden erzählt der New Yorker Yuppie, David Aames, seinem Psychiater, was ihm passiert ist. Offensichtlich sitzt er im Gefängnis und wartet auf seine Verhandlung. Er ist des Mordes angeklagt, doch er erinnert sich nicht, jemanden ermordet zu haben.

Was wie ein Psycho-Thriller beginnt, geht im Laufe des Films in ein Drama über. Der Knall erwartet den Zuschauer erst am Ende, als sich das Verwirrspiel um David Aames auflöst und der Film zu einem SF-Film mutiert. Die Geschichte ist unglaublich komplex und man muss schon genau zuschauen, um zu begreifen was passiert. Das überraschende Ende wird sehr gut vorbereitet, die Hinweise sind im ganzen Film verstreut und dennoch merkt man nicht, worauf die Handlung hinausläuft. Ich mag solche verzwickten Filme, in denen die Handlung bis zum Ende nicht klar ist.

Der Film hat auch eine romantische Note, was der verwirrenden Handlung entgegensteht. Die Liebesszenen sind ästhetisch gefilmt und wirken natürlich. Dass der Streifen kein großer Erfolg an der Kinokasse war, liegt einfach daran, dass sich im Film reale und imaginäre Welt des Helden miteinander verwischen und der Zuschauer aktiv versuchen muss, die Realwelt zu entschlüsseln, das erfordert nachdenken und dazu waren damals viele Kinozuschauer nicht bereit, und sind es heute noch weniger.

»Vanilla Sky« startete am 14. Dezember 2001 im Kino, drei Monate nach dem 11. September. Im Film sind die Zwillingstürme des World Trade Centers noch zu sehen.

Upload in die Unsterblichkeit

Da stolperte ich unlängst bei dieZukunft.de über einen Artikel zu einer neuen Serie auf Amazon Prime.

Das Konzept dieser SF-Comedy-Serie ist nicht neu. Man schreibt das Jahr 2033. Menschen können ihr Bewusstsein in ein Computernetzwerk hochladen und leben dort weiter in einer virtuellen Realität. Es muss also keiner mehr Angst vor dem Tod haben. Doch das ist nicht so toll wie es klingt, denn im vorherrschenden Kapitalismus geht nichts ohne Geld. Das zieht sich bis in die virtuelle Realität. Je nach finanzieller Ausstattung erhält man viel oder wenig Speicherplatz. Vieles läuft über inAPP-Käufe, ganz wie im richtigen Leben. Und manche dieser virtuellen Lebensräume entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Alptraum.

In diesem Setting spielt die Liebesgeschichte um Nathan und Nora. Nathan ist ein egozentrischer Juppie, der mit der Programmierung einer eigenen Afterlife-Software Geld machen will. Er verunglückt mit einem autonomen Auto. Seine Juppie-Freundin Ingrid lässt den Schwerverletzten hochladen und inszeniert die Beziehung mit ihm als eine Art Instagram-Story. Um Nathan die Anpassung in die virtuelle Realität zu erleichtern, kümmert sich Servicemitarbeiterin Nora um ihn. Im Laufe der Staffel verlieben sich die beiden ineinander. Nora kommt dahinter, das Erinnerungsdateien von Nathan gelöscht wurden. Nach und nach wird beiden klar, dass Nathan ermordet werden sollte.

Die Serie ist enorm vielschichtig. Zu den diversen Handlungssträngen, kommen witzige Einfälle und eine tiefgründige Kapitalismuskritik. Die zehn Folgen sind mit zirka dreißig Minuten relativ kurz. Da kann man auch mal zwei Folgen hintereinander sehen. Mir gefällt die Figurenentwicklung. Nathan ist am Anfang das totale Arschloch und denkt erst nach seinem Tod darüber nach, was ihm andere Menschen bedeuten.

Unfassbar komisch sind die vielen Einfälle zur Technik der Zukunft, wie Kondomgrößen-Scanner am Supermarktregal, Essen aus dem 3D-Drucker, Kameras, die man während des Sex trägt, um die Einwilligung zu versichern und den Partner hinterher zu bewerten und natürlich autonome Autos und alles überwachende KIs. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man, was den Menschen diese Technik kostet. Sie bezahlen mit ihrer Privatsphäre und der persönlichen Freiheit. Denn das Leben der Meisten ist nämlich nicht so besonders toll. Auf wenige Superreiche kommen sehr viele Arme. Es gibt sogar Mütter, die sich mit ihren Kindern freiwillig hochladen lassen, weil sie sich in der virtuellen Welt ein besseres Leben erhoffen. Auch die beiden Protagonisten sind nicht wohlhabend und das wird am Ende zu einem echten Problem, wenn sich Nathan von seiner reichen Freundin Ingrid trennt.

Ich finde diese SF-Serie richtig gut. Sie vereint Krimielemente, Liebesgeschichte und Comedy zu einer spannenden Geschichte. Der Cliffhanger am Ende ist richtig fies. Zum Glück wurde bereits eine zweite Staffel bestellt. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, kann sich den Zusammenschnitt der ersten Folge ansehen.

Das Ende einer Ära

Und wieder muss eine Druckerei in Deutschland schließen. Dieses Mal trifft es die VPM-Verlagsdruckerei, in der unteranderem seit den Siebzigern die PERRY RHODAN-Serie gedruckt wird.

Am Montag verkündete Bauer das endgültige Aus des Standorts. Erst im Februar war bekannt geworden, dass Bauer die Redaktionen der Frauenzeitschriften nach Hamburg verlagern will. Die Druckerei bliebe bestehen wurde damals verkündet. Diese Woche dann der Schock für die 163 Beschäftigten. Das Offset-Druckereigeschäft entwickele sich rückläufig, wird als Grund angegeben. Das kann unteranderem daran liegen, dass der Buch- und Zeitschriftenmarkt seit Jahren schrumpft. Der boomende Digitaldruck kann ein weiterer Faktor sein. Allerdings frage ich mich, warum Druckereien in Polen oder Tschechien für die Verlage rentabler scheinen. Ein Grund hierfür kann nur in den niedrigeren Löhnen in den Ländern liegen.

Es geht mal wieder um Geld. Die Renditen entwickeln sich wohl nicht so, wie sich die Manager wünschen. Die Bauer Media Group ist ein international agierender Konzern. Einer der Riesen in der Verlagsbranche. Im April erregte Bauer Aufsehen, weil sie mitten in der Corona-Krise mehrerer Zeitschriften und die einzige überregionale Tageszeitung in Neuseeland geschlossen haben. Das führte in dem Land zu einer regelrechten Medienkrise. Andererseits kaufte Bauer in Australien für 14 Millionen US-Dollar einen ihrer Konkurrenten auf. Nun, bei den derzeitigen Immobilienpreisen ist das Grundstück in Rastatt sicher auch einiges wert …

Jetzt hat es die Beschäftigten bei VPM in Rastatt also zum zweiten Mal innerhalb weniger Monaten getroffen. Seit 1949 existiert dort der Pabel-Verlag. Moewig wurde 1901 in Dresden gegründet. 1970 wurden beide Verlage vom Heinrich Bauer Verlag gekauft und zu VPM mit Sitz in Rastatt zusammengeschlossen. Die Druckerei bekam 1993 ein neues Gebäude und galt als modernste Druckerei Europas. Und nun bleibt die vor wenigen Tagen zur PERRY RHODAN KG formierte Tochter als einzige in Rastatt zurück. Die Frage ist wie lange.

Ich fürchte, wenn ein Konzern die einzige Tageszeitung eines Landes schließen kann, wird er vermutlich auch nicht vor der größten Science-Fiction-Serie der Welt zurückschrecken. Drücken wir der Redaktion und allen Fans die Daumen, dass die Serie im nächsten Jahr ihren 60. Geburtstag erleben und überleben darf.

Trailer für PERRY RHODAN-Film

Beim Thema PERRY RHODAN-Film spitzen die Fans die Ohren, zumindest diejenigen, die seit Jahren auf einen neuen Film hoffen. Bisher leider vergeblich. Bisher … wohlgemerkt. Andreas Eschbachs Roman »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« eignet sich prima für eine Verfilmung, die auch nicht Perry-Fans in die Kinos locken wird. Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt auch schon einen Trailer.

Na, gut. Bevor jemand zu laut jubelt, muss ich die Euphorie einbremsen. Ein Fan hat sich dem Projekt angenommen und einen fiktiven Trailer produziert. So richtig im Charme der sechziger Jahre, mit Originalaufnahmen der NASA und Ausschnitten aus einem russischen Science-Fiction-Film. Das finde ich richtig toll. Und weil er am Ende auch noch viel Humor beweist, muss ich den YouTube-Clip hier unbedingt teilen.

Bitte beachten:

Kreisch! Großartiges Wortspiel.

Kurze kosmische Comics

Quelle: Atlantis-Verlag

Anthologien zur Science Fiction gibt es viele, aber eine SF-Comic-Anthologie war mir neu. »Cozmic« herausgegeben von René Moreau und Michael Vogt ist eine Sammlung von Kurzcomics die bereits im vergangenen Herbst erschienen ist. René Moreau bekannt als Herausgeber des Magazin »Exodus« hat sich mit Comiczeichner Michael Vogt verbündet, um dieses in Deutschland einzigartige Projekt zu stemmen.

Zwölf deutsche Künstler/innen haben ihre Stifte und Pinsel für diese Ausgabe geschwungen. Die Vielfalt der Geschichten ist beeindruckend, ebenfalls die unterschiedlichen Stilformen, die in diesem Buch zusammentreffen. Da wird einem erst einmal die Spannweite des Genres bewusst. Das sind nicht einfach nur SF-Kurzgeschichten, die Bilder schaffen quasi eine zusätzliche Ebene. Das fand ich gelungen.

Die Auswahl ist kunterbunt, wie die Bilder selbst. Manche folgen den Gesetzen der klassischen Kurzgeschichte, überraschende Pointe eingeschlossen. Andere haben wiederum deutliche politische Anklänge, manches liest sich gar satirisch. Zusammen mit einem Artikel über die Comics des Brasilianers Luiz Eduardo de Oliveira (Léo) verfasst von PERRY RHODAN-Autor Uwe Anton ist das ein schöner Mix für Science-Fiction-Fans und Comicfreunde. Und er zeigt, dass es in Deutschland viele talentierte Comiczeichner und Illustratoren gibt, denen mit diesem Buch eine Bühne geboten wird.

Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird – bei einem solchen Projekt weiß man nie, ob es bei den Lesern ankommt – denn die Sammlung enthält zwei Fortsetzungsgeschichten. Und das ist auch der einzige Punkt, den ich bemängeln muss. Da wird man nämlich mittendrin, an der spannendsten Stelle quasi im Regen stehengelassen.

Der große Hardcover-Band erschien im Atlantis-Verlag und ist überall erhältlich, wo es Bücher und Comics gibt.

Jonas‘ Run

Quelle: Amazon

»Flucht ins 23. Jahrhundert« gehört von klein auf zu meinen Lieblings-SF-Filmen. Es war der erste Science-Fiction-Film, den ich gesehen habe. Dieser Tage lief ein Streifen, der eine ganz ähnliche Geschichte erzählt. Ich kenne den Film von 2015 schon länger. Wir haben ihn im DVD-Regal stehen und ihn gestern Abend kurzerhand eingelegt. Der Film basiert auf dem Roman »The Giver« von Lois Lowry aus dem Jahr 1993. Also lange Zeit nach der Erstausstrahlung von »Flucht ins 23. Jahrhundert«. Vielleicht hat sich die Autorin damals von dem Film inspirieren lassen.

Es geht um den Jugendlichen Jonas, der in einer Gemeinschaft in einer weit entfernten Zukunft lebt. In der Siedlung auf einem Felsplateau gibt es keine Armut, keine Gewalt und kein Leid. Alles wird genauestens überwacht und es herrscht durch die Wetterkontrolle immer schönes Wetter. Jeder trägt die gleiche Kleidung, wohnt in den gleichen Häusern und bekommt einmal am Tag eine Zwangsinjektion verabreicht, die Gefühle und das Farbensehen unterdrückt.
Alles ist vorbestimmt, jeder ist gleich und es gibt keine Emotionen. Mit der Geschlechtsreife bekommt jeder seine Aufgabe anhand seiner Fähigkeiten zugeteilt. Kinder werden von Gebährerinnen geboren und anschließend von ausgewählten Paaren aufgezogen. Die Alten und die überzähligen Säuglinge werden nach einer Gedenkfeier »freigegeben«, was nichts anderes bedeutet, als das sie mittels Giftspritze hingerichtet werden. Doch ohne Emotionen, begreift keiner in der Gemeinschaft, was das bedeutet.
Als Jonas zum Nachfolger des Hüters der Erinnerungen bestimmt wird und bei dem alten Mann in die Lehre geht, verändert sich alles. Er erkennt die Wahrheit hinter dem System. Er fängt an seine Welt farbig zu sehen und lässt irgendwann die Injektionen weg. Er möchte seine Erfahrungen mit seinen Freunden teilen, doch die verstehen ihn nicht, weil ihnen die Wahrnehmung fehlt.
Der Vorsitzenden der Gemeinschaft gefällt das gar nicht und sie versucht Jonas‘ Aktivitäten Einhalt zu gebieten. Doch der hat zusammen mit dem Geber, dem ehemaligen Hüter, einen Plan ausgetüftelt, wie sie den Menschen die Emotionen und Erinnerungen wiedergeben können. Dazu flüchtet er aus der Gemeinschaft und macht sich auf den Weg, die Grenze der Erinnerungen zu überschreiten. 

Man könnte den Film bzw. die Romanvorlage als Sozialdystopie bezeichnen. Das Gesellschaftssystem der Gemeinschaft feiert zwar den Erfolg, dass es Armut und Gewalt abgeschafft hat, aber zu welchem Preis. Keine Individualität und keine Emotionen machen die Menschen zu Sklaven ihrer Selbst. Das System betrügt sich und die Menschen, da es sehr wohl den Tod gibt. Um die Überbevölkerung auf dem relativ kleinen Areal zu kontrollieren, werden Säuglinge und alte Menschen getötet. Nebst solchen, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben. Doch weil keiner weiß, was der Tod bedeutet, nimmt es jeder einzelne hin.

Der Roman ist in vielen Schulen in den USA Unterrichtsmittel. Jeff Bridges, der nicht nur die Rolle des Gebers spielt, sondern den Film auch produziert hat, brauchte 18 Jahre, um aus der Buchvorlage einen Film zu machen. Erst nachdem die Studios mit »Harry Potter« und »Die Tribute von Panem« erfolgreich Jugendbücher verfilmten, war der Weg für »The Giver« geebnet.

Bemerkenswert an dem Film ist, wie er mit Farben umgeht. Schwarz-Weiß-Szenen und farbige Aufnahmen wechseln einander ab. Sie zeigen wie Jonas nach und nach die Welt buchstäblich mit anderen Augen sieht. Zusammen mit großartigen Darstellern wie Meryl Streep und Jeff Bridges wird daraus ein sehenswerter Film nicht nur für jugendliches Publikum.

Fazit: Wer »Flucht ins 23. Jahrhundert« mochte, wird an dieser modernen Version ebenfalls seine Freude haben.