Mondlandung in Salzburg

Salzburg von oben

Den Feiertag, so dachten wir, besuchen wir endlich die Ausstellung »Fly Me to the Moon« zu 50 Jahre Mondlandung in Salzburg.

Das Wetter passte, es war zwar frisch, aber die Sonne schien hin und wieder. So fuhren wir nach Freilassing, stellten das Auto auf den P+R-Parkplatz, um mit der S-Bahn nach Salzburg hereinzufahren. Dass wir ein halbe Stunden brauchen würden, um am Bahnhof herauszufinden, mit welchem Zug von welchem Bahnsteig wir abfahren müssen, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet. Wir waren übrigens nicht die einzigen, die dort hilflos umhergeirrt sind und Gleis 96 gesucht haben, bzw. die nicht wussten, welcher Zug an der Haltestelle Mülln/Altstadt hält.

Liebe Deutsche Bahn, nehmt euch ein Beispiel an den Österreichern und hängt bitte so einen Fahrplan der S-Bahn auf, wie er an den Haltestellen in Salzburg hängt. Da erkennt man nämlich auf den ersten Blick, mit welchem Zug man fahren kann.

In Salzburg angekommen wanderten wir auf den Mönchsberg. Eine schöner Weg mit einem grandiosen Ausblick auf die Stadt an der Salzach. Die Ausstellung war im Museum der Moderne untergebracht, was mich eigentlich hätte stutzig machen müssen. Denn es entpuppte sich als reine Kunstausstellung. Also keine Raumfahrtoriginale, sondern Gemälde und schräge Kunstinstallationen (eine weiße Plüschrakete oder das Video einer Frau, die wie ein Mann pinkelt). Das meiste hatte nur am Rande mit Raumfahrt oder dem Mond zu tun. In einer Vitrine waren Romane, Schallplatten und Kassetten mit Science Fiction-Inhalten und Spielzeug ausgestellt. Star Trek war mit einer Hörspielkassette vertreten, aber ein PERRY RHODAN-Heft habe ich vergeblich gesucht. Skandal!

Blick über den Dom zur Festung

Der Museumsbesuch war ganz nett, aber nicht das, was wir erwartet hatten. Dafür ist das Museum – ein über mehrere Etagen in den Berg reichender Betonbau – imposant anzusehen. Leider durfte man nicht fotografieren. Wir tranken noch einen sündhaft teuren Cappuccino im Museumscafé »m32«, bei dem man die Aussicht mitbezahlt und spazierten in Richtung Innenstadt. Ich habe die Treppenstufen nicht gezählt, die wir zum Festspielhaus heruntergestiegen sind, aber es waren einige. Hoch möchte ich da nicht unbedingt gehen.

Von oben konnte man bereits die Touristenmassen sehen, die sich in der Altstadt drängten. Viele waren aus Deutschland gekommen, um in Salzburg shoppen zu gehen. Dementsprechend voll war es überall. Wir statteten dem Geburtshaus von Mozart einen Besuch ab. Das eigentlich nur ein normales Stadthaus ist, in dem ein Spar-Supermarkt untergebracht ist. In einer kleinen Bäckerei holten wir uns eine Leberkässemmel und schlenderten anschließend am Salzachufer zurück zur S-Bahn. Inzwischen war die Sonne weg und der Wind hatte aufgefrischt. Es war entsprechend kalt und ich froh, als wir wieder am Auto waren.

Unterwegs entdeckte ich an einem Fenster einen tollen Spruch für Autoren. Den musste ich unbedingt fotografisch festhalten. Ich denke, da steckt viel Wahres drin.

 

Das andere Star Trek 2

Quelle: Serienjunkies.de

Eigentlich wollte ich schon die ganze Zeit etwas über »The Orville« schreiben, aber dann dachte ich mir, ich schaue mir erst alle Folgen an. Am vergangenen Montag lief nun die letzte Folge auf ProSieben. Ich versuche, möglichst nichts zu Spoilern, weshalb die Besprechung hier auch eher allgemein ausfällt. Ich möchte den Leuten, die die zweite Staffel der Serie noch nicht kennen, die Chance geben, sie in vollen Zügen zu genießen.

Seth MacFarlane ist es gelungen, Witz, Alltag, Moral und Science Fiction so gekonnt miteinander zu verbinden, dass tatsächlich etwas Eigenständiges dabei herauskommt. »The Orville« bedient sich nicht nur bei Star Trek, sondern auch bei anderen erfolgreichen SF-Serien und Filmen, wie STARGATE oder Star Wars und bleibt dennoch sich selbst treu.

Ich bin völlig begeistert von der Serie. Die zweite Staffel ist noch mehr Star Trek, als es die Folgen der ersten waren. Es gab keine Folge, die Schwächen zeigte. Kein übertriebener Fäkalhumor, kein »Monster of the week« dafür unglaublich komplexe Geschichten, die vor allem im zwischenmenschlichen Bereich rangieren. Manche Folge kam völlig ohne Action-Szenen aus und war dennoch spannend. In anderen wiederum gab es bombastische Raumschlachten und gewagte Verfolgungsjagden. In wieder anderen lernte man exotische Planeten und fremde Völker kennen. Hauptsächlich aber standen die Charaktere an Bord des Schiffs im Mittelpunkt. Es gab einen Abschied von einem Besatzungsmitglied, dessen Ersatz den Verlust aber vollständig aufwiegt. Was vor allem wichtig ist, es wurde eine positive Zukunft gezeigt.

Das große Geheimnis hinter »The Orville« sind nicht unbedingt die vielen bekannten Namen aus dem Star Trek-Umfeld im Abspann oder der eine oder andere bekannte Gaststar. Die Produzenten haben erkannt, was den Erfolg einer guten Serie ausmacht, nämlich die Geschichten. Die sind komplex und ihre Auflösung ist bisweilen verblüffend. Bis auf eine Folge haben sie mich einhundertprozentig überzeugt. Selbst die wissenschaftliche Ungereimtheiten hielten sich in Grenzen. Nicht das es keine gab, aber sie dienten der Geschichte und fielen nicht wirklich auf.

»The Orville« ist mit der zweiten Staffel ernster geworden. Die erzählten Geschichten sind durchdachter und halten zum Nachdenken an. Dennoch stehen nicht die großen kosmischen Probleme im Vordergrund, sondern die Menschen mit all ihren Schwächen. Star Trek-TNG wurde immer Sterilität vorgeworfen, weil die Crew sich stets perfekt und von ihrer besten Seite zeigte, weil es keine Auseinandersetzungen zwischen der Crew gab und kaum Charakterschwächen offenbart wurden. Das ist bei »The Orville« anders. Die Besatzung verhält sich, wie du und ich. Sie haben die gleichen Probleme und die gleichen Sorgen, wie die Menschen von heute, nur das sie auf einem Raumschiff leben. Das macht sie nicht nur glaubhafter, sondern verleiht ihnen einen besonderen Charme. Die Serie erzählt Geschichten, wie sie die PERRY RHODAN-Redaktion gern für die STELLARIS-Kurzgeschichten hätte: Vom Alltag an Bord eines Raumschiffs, dass sich auf friedlicher Forschungsmission befindet.

Warum ProSieben die Serie am Montagabend um 23 Uhr ausgestrahlt hat, weiß ich nicht. Der Sendeplatz war für die Serie äußerst ungünstig, weshalb viele sie gar nicht entdeckt haben dürften. Zum Glück gibt es Mediatheken und Festplatten-Rekorder. Wir haben die Folgen aufgenommen und zu einer vernünftigeren Uhrzeit angesehen. Die zweite Staffel ist auf DVD leider noch nicht angekündigt. Sehr schade!

Animierte Kurzgeschichte

Unlängst berichtete ich hier über eine Kurgeschichte von Science-Fiction-Autor Andy Weir, die mir sehr gut gefallen hat. Es geht darin um … nun, ja … das verrate ich an dieser Stelle nicht.

Jetzt hat eine Animations-Firma aus München die Kurzgeschichte in bewegte Bilder umgesetzt. Und das ziemlich gekonnt. Der Clip ist bei YouTube zu sehen und schon mehr als 7 Millionen mal geklickt worden.

Ich finde das kleine Filmchen so gut, dass ich es hier verlinken möchte. Wer also zu faul ist, die Kurzgeschichte zu lesen, kann sie sich jetzt ansehen.

Unschlagbar clever

Quelle: Carlsen Comics

Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich mir die beiden Comic-Bände von »Unschlagbar« zulegen würde. Nachdem ich sie jetzt bereits mehrfach gelesen habe, bereue ich den Kauf überhaupt nicht. Diese ungewöhnlichen Comics sind einfach grandios. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

Ein stinknormaler Superheld aus einem Comic, kann fliegen, ist besonders stark oder ultraschnell, vielleicht kann er sich auch unsichtbar machen oder hat den Röntgenblick. Doch all diese Fähigkeiten verblassen gegenüber dem, was Unschlagbar kann. Er sieht vielleicht nicht aus wie ein Superheld, ist eher klein und dicklich, aber er überwindet die Dimensionen und trägt ein Cape. Er behält den Überblick über den Comicstrip, kann zwischen Bildern und Zeilen wechseln oder mit Dingen werfen, die erst ein paar Strips später ihr Ziel erreichen. Er agiert quasi in einer anderen Dimension. Damit ist er seinen Feinden mehr als nur überlegen.

Pascal Jousselins Superheld bekommt es in den beiden Comic-Bänden mit allerlei merkwürdigen Personen zu tun, die ebenfalls ungewöhnliche Fähigkeiten besitzen und die immer mit Comics zu tun haben. Da wäre sein Praktikant TUDI-Boy, dessen Fähigkeiten 2D-Zeichnungen zu manipulieren oftmals ganz hilfreich sein können, oder Opa Schweinchen, der die Macht der Worte besitzt und sich ebenfalls in den Dienst von Unschlagbar stellt. Ihre Gegner sind der verrückte Professor, dessen hinterhältige Pläne regelmäßig an Unschlagbars Fähigkeiten scheitern, genauso wie die des Bösen Scherzkeks, der durch Seiten gehen kann.

Quelle: Carlsen Comic

Pascal Jousselin spielt mit dem Medium Comic, wie auf einem Instrument. Er reizt den Leser zum Grübeln. Ich habe ein paar mal echt lange überlegen müssen, wie er das jetzt gemacht hat. Außerdem gibt es in jedem Band Gimmicks (eine fehlende Ecke oder eine zusätzliche Seite zum Aufklappen) die sich aus der Comic-Handlung ergeben und ohne die die Handlung nicht funktionieren würde. Man kann das schwer beschreiben, man muss es selbst erleben.

Mich hat jedenfalls noch nie ein Comic gleichzeitig so gefordert und begeistert wie die beiden Comic-Bände über den Superhelden Unschlagbar. Science-Fiction-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, obwohl die Handlung in der Gegenwart Frankreichs spielt. Aber allein die phantastischen Geschichten, die Jousselin erzählt, lassen das Herz eines Nerds höher schlagen.

Der Comic ist für Kinder gedacht, macht aber Erwachsenen sicher noch viel mehr Spaß, wenn sie zu ergründen versuchen, wie Unschlagbar seine Feinde zur Strecke bringt. Kinder lernen hierbei, um die Ecke zu denken und dass es im Comic-Universum auch drei Dimensionen geben kann.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf der Seite von Carlsen Comics die Leseproben ansehen.

Die Natur als Vorbild

Manchmal würde ich gern wissen, woher die Kostüm- und Maskenbildner in den Science-Fiction-Filmen ihre Ideen nehmen. Die oftmals schrägen Kreaturen müssen irgendeiner Vorlage entstammen. Dass sich die Künstler öfters bei Mutter Natur bedienen, ist zu vermuten. Gibt es doch viele ungewöhnlich aussehende Tiere und Pflanzen auf der Welt, von deren Existenz die wenigsten von uns eine Ahnung haben.

Unlängst vertilgte ich einen Pfirsich, einen dieser platten Bergpfirsiche, die es seit einigen Jahren im Handel gibt. Als ich mir den Kern näher betrachtete, entdeckte ich eine verblüffende Ähnlichkeit mit einer Figur aus den neuen Star Trek-Filmen …

Keenser ist der Assistent von Chefingenieur Scotty und gibt sich meist recht schweigsam. Vielleicht ging es dem Maskenbildner ähnlich und er ließ sich von einem Pfirsichkern inspirieren.

Quelle: Memory-Alpha
Das Pfirsich-Alien

Die Despoten der deutschen Wikipedia

Es rumort schon lange. Die Diskussionen zur deutschen Wikipedia und ihrem Verhältnis zu Frauen in der Phantastik gärt schon seit Monaten. Ein erneuter Zwischenfall hat jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht.

Kurze Zusammenfassung der Ereignisse: Im letzten Jahr stand eine Liste aus deutschen Science-Fiction- und Fantasy-Autorinnen zur Diskussion. Sie sollte gelöscht werden, weil die Bücher der meisten Autorinnen nur bei Kleinverlagen veröffentlicht wurden. Die Frage, ob ein Kleinverlag nicht auch ein Verlag sei, wurde von den Wikipedia-Vertretern nicht beantwortet. Es gab Proteste und eine regelrechte Kampagne für die Liste und gegen die zumeist männlichen Wikipedia-Aktivisten, welche die Löschung initiiert hatten. Namen wurden genannt und die mitunter frauenfeindlichen Kommentare ins Licht der Öffentlichkeit gestellt.

Es wurde ruhiger. Doch jetzt starteten die selbsternannten Herrscher der deutschen Wikipedia ihren Rachefeldzug gegen die Phantastik-Autorinnen, die sich zurecht gewehrt hatten. Und nicht nur das, die ziehen gegen das ganze Genre ins Feld. Die Einträge zweier Vereine, die sich mit phantastischer Literatur beschäftigen, landeten auf der Zu-Löschen-Liste. Unteranderem betroffen ist der PAN e. V., eine sehr junge Vereinigung der Phantastikautoren Deutschlands. Die Gegner dieses Eintrages argumentieren dem PAN mangele es an Relevanz. Weil der Verein nur 200 Mitglieder hat, und bisher nicht in großen Tageszeitungen erwähnt wurde, soll sein Wikipediaeintrag gelöscht werden.

Im Zuge dieses Blogeintrags habe ich mir mal die Diskussion in der Wikipedia zum Vorgang durchgelesen. Sie ist sehr lang und enthüllt einige schlechte Charakterzüge der Wikipedia-Aktivisten. Es wird nicht nur auf unterstem Niveau diskutiert, sondern gehetzt und beleidigt was das Zeug hält. Dabei scheint es, als hätten es die Herren besonders auf Frauen abgesehen. Die verbreitete Meinung lautet, dass eine Autorin, die nur zwei Fantasy-Bücher veröffentlicht hat, keinen Eintrag auf einer Liste wert ist. Sogar gegen Heftroman-Autoren richtet sich der Hass dieser Leute. Nach dem Motto, wer Schundheftchen schreibt, ist kein richtiger Schriftsteller. Achtung jetzt kommt Ironie! Klar doch, und wir alle, die sowas lesen, sind nur Freaks und Eskapisten. Und Frauen die Science Fiction schreiben, sind ohnehin suspekt und gehören eigentlich hinter den Herd. Eine Liste weiblicher Pornodarstellerinnen ist relevant, eine Liste weiblicher Science-Fiction-Autorinnen nicht.

Zurück zum PAN. Die Argumente, die gegen PAN vorgebracht werden, sind an den Haaren herbeigezogen. Dass die Messehalle 2 der Leipziger Buchmesse ohne den PAN nur halb so attraktiv wäre, dass der Verein sich um die Förderung und Anerkennung von Autoren der Phantastik bemüht, spielt in den Augen einiger Wikipedia-Platzhirsche keine Rolle. User, die für einen Erhalt des Eintrages stimmen, werden beschimpft und der Verwendung von Fake-Accounts verdächtigt. Ich habe irgendwann aufgehört, weiterzulesen, weil mir übel wurde von dem Gebaren dieser selbsternannten Hüter der Relevanz.

Was ist relevant und was nicht? Wer bestimmt, welche Information Relevanz hat und welche nicht? Ich denke, dass sollten die Leser selbst entscheiden. Für mich kann etwas anderes relevant sein, als für jemand anderen. Es ist eine Frage des Blickwinkels und dem Zweck der Suche. Die Wikipedia sollte alles Wissen der menschlichen Gemeinschaft abbilden und nicht nur gefiltertes Wissen einiger weniger, die meinen, sich über alle stellen zu müssen, nur weil sie mehr als 100 Artikel in der Wikipedia bearbeitet haben. Grundgedanke ist doch, dass an der Wikipedia jeder gleichberechtigt mitarbeiten darf und nicht nur ein elitärer Kreis selbsternannter Personen. Das, was da gerade in der deutschen Wikipedia abgeht, ist Zensur, es ist zudem Unterdrückung und eine Diktatur der Worte.

So lange sich das nicht ändert, so lange wird die deutsche Wikipedia viel ärmer an Information sein, als die Plattformen in anderen Ländern. Und deshalb stelle ich mit sofortiger Wirkung meine Unterstützung für die Wikipedia ein und dem sollten viele von euch ebenfalls folgen.

Wer sich genauer darüber informieren möchte, dem empfehle ich den Artikel der PhantaNews. Dort gibt es auch den direkten Link zur Löschdiskussion in der Wikipedia.

Deutsche Wikipedia: Die misogynen Inquisitoren der heiligen Relevanz

 

SF-Klassiker trifft Zeitgeist

Das Cover ist nicht wirklich gelungen.

Heute sind Taschenbücher dicke Wälzer, die nicht mal mehr in eine Handtasche passen, geschweige denn in Jackentaschen. Vom Preis her kosten sie kaum weniger als ein Hardcover. Es gab eine Zeit, in der machten Taschenbücher ihrem Namen alle Ehre. Sie waren schmal und kleinformatig, damit sie in jede Jackentasche passten. Außerdem kosteten sie nicht viel. Aus dieser Zeit habe ich einen phantastischen Roman gelesen. »Die letzte Idylle« von Clifford D. Simak erschien 1973 und ist damit ein Jahr älter als ich. Doch das merkt man der Science-Fiction-Geschichte nicht an. Sie ist heute noch aktueller, als zur Zeit ihrer Entstehung. Worum geht’s:

Anfang des 22. Jahrhunderts. Von einem Tag auf den anderen verschwindet die Menschheit von der Erde, bis auf eine Familie, und die Angehörigen eines Indianerstamms. Zurück bleiben Technik und Roboter, die, von ihrer Aufgabe den Menschen zu dienen befreit, ziellos umherirren. Die wenigen Verbliebenen können das Rätsel nicht lösen, sie können aber auch die Technologie nicht erhalten. Sie sind zu wenige und keine Wissenschaftler. Nach und nach lösen sie sich von der Technikhörigkeit und kehren zur Natur zurück. Aber noch etwas anderes ist mit ihnen geschehen. Ihr Alterungsprozess hat sich stark verlangsamt. Jahrhunderte lang leben sie im Einklang mit der Natur und erfahren eine Wandlung. Sie entwickeln parapsychische Fähigkeiten wie Telepathie und Psychokinese. Mit Letzterem lernen sie durch den Weltraum zu reisen. Sie sind also nicht mehr auf Raumschiffe angewiesen. Während sich die Natur die geschundene Erde zurückerobert, brechen fast alle Menschen (außer den Indianern) zu den Sternen auf. Aber auch die Roboter finden zusammen und bilden eine Zivilisation. Nach etwa 5000 Jahren passieren mehrere ungewöhnliche Dinge. Eine außerirdische Lebensform kommt zur Erde auf der Suche nach einer Seele, die Roboter bauen eine gigantische Maschine und einer der Sternenreisenden kehrt mit einer schlimmen Botschaft zu den letzten beiden Familienmitgliedern zurück. Die verloren geglaubte Menschheit hat überlebt und die Position der Erde wiedergefunden. Leider hat sie sich nicht verändert. Sie ist auf dem Weg zurück, um die inzwischen zur Idylle gewordenen Welt wieder zu besiedeln, mit allem Mitteln. Doch ein im Zentrum der Galaxie hausendes Etwas, auch das »Prinzip« genannt, hat andere Pläne.

Der Roman ist eindeutig ein Kind der Sechziger. Die Hippies und die »Zurück zur Natur«-Bewegung stand eindeutig Pate bei der Geschichte. Angesichts von Klimawandel und zunehmender Technifizierung ist sie aktueller denn je. Der Autor beginnt mit einem Rückblick in Form von Tagebucheintragungen, die immer wieder zwischen den Kapiteln auftauchen. Die Haupthandlung spielt in einer 5000 Jahre entfernten Zukunft. Die beiden letzten auf der Erde verbliebenen Sternenwanderer, die Roboter und die Angehörigen des Indianerstamms müssen zusammenarbeiten, um die Erde vor der Rückkehr der Menschheit zu retten.

Es kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel der Glaube an Gott. Schon vor dem Exodus haben sich die Verbliebenen von der Religion gelöst, während die Indianer zur Naturreligion zurückkehrten. Eine Hand voll Roboter hat es sich zur Aufgabe gemacht die Existenz Gottes und die Macht des Glaubens zu erforschen. Diese Meta-Ebene hält die Geschichte zusammen. Simak macht darüberhinaus so »viele Fässer auf«, dass ich neugierig war, ob es ihm gelingen würde, alle zu »verdeckeln«. Ich verrate so viel: Ja, er schafft es, auf eine befriedigende und überraschende Weise. Dabei kommt er ohne Kampf, ohne Krieg und ohne Gewalt aus.

Was das Buch so spannend macht, ist das Rätsel über das Verschwinden der Menschheit. Man bekommt immer mal wieder ein Häppchen an Informationen hingeworfen, wird aber auch oft in die Irre geführt. Das Rätsel klärt sich erst im Laufe der letzten Kapitel und selbst dann wird es nicht vollständig gelöst. Denn der Autor lässt Spielraum für eigene Interpretationen. Das gefiel mir an der Geschichte besonders gut.

Neben der sehr atmosphärischen Beschreibung sind es die vielschichtigen Charaktere, die zu begeistern wissen. Bis auf ein paar Stellen, mit wechselnder Perspektive merkt man der Geschichte ihr Alter nicht an. Sie vermischt Umweltthematik, die Menschheit als aggressive Zivilisation und die Frage nach Gott zu einem gelungenen Ergebnis.

Das schmale Taschenbuch mit 130 Seiten erschien bei Heyne und ist nur noch antiquarisch erhältlich. Für Freunde der klassischen Science Fiction ist die Geschichte ein Muss, weil sie viele klassische SF-Themen vereinigt, wie die Entstehung einer KI oder den Psi-Fähigkeiten von Menschen.

Lektor der deutschen Übersetzung war übrigens Günter M. Schelwokat, der auch die PERRY RHODAN-Serie tätig war. Von den damaligen Autoren wurde er wegen seiner Strenge als »der Sadist von Straubing« bezeichnet.

NEO schlägt Star Trek

Merkheft

Das ist mal eine interessante Nachricht. Die größte Science-Fiction-Serie der Welt verweist die erfolgreichste Science-Fiction-Serie auf Platz zwei. Wo? Im aktuellen Katalog von »Fröhlich und Kaufmann« steht NEO auf Platz eins und Star Trek auf Platz zwei. Es handelt sich jeweils um die ersten 13 Platinbände und die DVD-Box zur Star Trek-Classic Serie.

Im vergangenen Jahr wurde die Platin-Edition von PERRY RHODAN NEO eingestellt. Das Handelshaus hat die vorhandenen Restbestände der Platin-Edition aufgekauft und gibt diese jetzt sehr preisgünstig ab. Und das scheinen sich viele Fans nicht entgehen zu lassen. Ich übrigens auch nicht.

Aber auch die Star Trek DVD-Boxen sind um ein Vielfaches günstiger zu erwerben. Unteranderem weil sich viele die Blu-Rays zugelegt haben oder die Serie gleich streamen.

Ebenfalls in der Liste, nämlich auf Platz 6, taucht »Raumpatrouille Orion« auf. So viel SF auf einem Haufen. Es scheint, dass das Science-Fiction-Genre viel beliebter ist, als allgemein behauptet wird. Aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger. Für den Buchhändler scheint es sich zu lohnen.

Clevere Idee mit zu viel Gewalt

Quelle: Amazon

Wir haben uns an »Lucy« gewagt. Der SF-Thriller lag schon länger im Regal, aber weil wir gehört hatten, dass er sehr gewalttätig sein soll, hatten wir ihn liegen gelassen. Ursprünglich hatte ich den Film gekauft, weil ich die Idee gut fand. Außerdem stammt er von Luc Besson, dem Macher von »Das fünfte Element«, da kann man eigentlich nichts falsch machen. Dachte ich.

Worum gehts? Studentin Lucy wird in Taiwan in eine Drogensache verwickelt. Ihr Körper soll als Drogenkurier dienen, doch der implantierte Beutel mit der Substanz ist undicht und der Stoff gelangt in ihren Blutkreislauf. Sie stirbt nicht, aber sie erhält nach und nach Zugriff auf ihre volle Hirnkapazität, was sie in eine Kampfmaschine mit ungewöhnlichen Fähigkeiten verwandelt. So ausgestattet, startet sie einen Rachefeldzug gegen den Drogenboss und versucht ihr Schicksal zu erfüllen.

Was passiert, wenn wir mehr als zehn Prozent unserer Hirnkapazität gleichzeitig nutzen könnten? Der Film stellt ein paar sehr gute Fragen, auch die großartigen Effekte und der ungewöhnliche Schnitt machen ihn zu einem besonderen Highlight. Scarlett Johansson stemmt den Film so gut wie allein und lässt selbst Morgan Freeman »alt« aussehen.

Es hätte ein verdammt guter SF-Film werden können, wenn … ja, wenn die Gewalt nicht im Vordergrund stehen würde. Einige Szenen sind richtig brutal und ich kann irgendwie nicht verstehen, wie der Film die Freigabe ab 12 Jahre bekommen konnte. Warum musste man aus einem Film mit einer solch großartigen Idee, einen reinen Actionfilm machen? Hatte man Angst, dass er sonst zu intellektuell würde und die Zuschauer ihn nicht verstehen könnten? …

… Ich weiß es nicht, finde es aber schade, dass das spannende Thema nur Beiwerk zum einem gewalttätigen Actionkracher dient. Leider!

Heise Medien mit neuem Angebot zur Science Fiction

Lesung zum Start der neuen Buchreihen c’t Stories und heise online: Welten

Hannover, 28. Februar 2019 – Aufbruch in neue Welten: Am Donnerstag, den 14. März 2019, stellen Heise Medien und der Hinstorff Verlag ihren neuen Programmbereich Science Fiction vor und laden zur Lesung ein, unter anderem mit SciFi-Autor Dr. Hans-Arthur Marsiske. Die Lesung findet um 18 Uhr im Verlagshaus der Heise Gruppe statt. Der Eintritt kostet 8 Euro, Snacks und Kaltgetränke sind inklusive. Einlass in der Karl-Wiechert-Allee 10 ist um 17:30 Uhr.

In Kooperation mit dem c’t-Magazin und heise online bricht der Hinstorff-Verlag auf in neue Welten. Seinen neuen Programmbereich Science-Fiction startet der Verlag mit den beiden Buchreihen c’t Stories und heise online: Welten. „Die Autorinnen und Autoren der neuen Buch-Reihen denken unsere Welt konsequent weiter und werfen einen visionären Blick auf die Auswirkungen digitaler Techniken und künstlicher Intelligenz. Die bewegenden, fesselnden Erzählungen und Romane sind beste Unterhaltung, die Horizont erweiternd wirkt”, freut sich Eva Maria Buchholz, Leiterin des Hinstorff Verlages. Gerade jetzt, wo es dringend notwendig ist, über gesellschaftliche, philosophische und ethische Folgen der Digitalisierung nachzudenken, kann Science-Fiction Orientierung geben.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Verleger Ansgar Heise stellt Hinstorff-Chefin Eva Maria Buchholz die neue Buchreihe vor. Anschließend erläutern die beiden Herausgeber der Buchreihen, Dr. Jürgen Rink, Chefredakteur c’t, und Jürgen Kuri, Newsroom-Chef und stellvertretender Chefredakteur heise online, wie Science und Fiction bei Heise zusammenpassen. Heise-Pressereferentin und Radiosprecherin Isabel Grünewald liest eine Kurzgeschichte aus den c’t Stories vor und stimmt das Publikum auf das Thema ein.

Anschließend liest Dr. Hans-Arthur Marsiske aus seinem neuen Buch „Die letzte Crew des Wandersterns“ und nimmt die Zuhörer mit auf eine spannende Reise in den Orbit. In seinem Romandebüt fragt der promovierte Philosoph und Wissenschaftsjournalist, ob Menschen im Weltraum leben können.
Ticketvorbestellung (Gästeliste) ist per Mail an presse-hm@heise.de möglich.

Vielen Dank für die Informationen an Heise Medien GmbH & Co. KG, Karl-Wiechert-Allee 10, Hannover, Niedersachsen 30625, Deutschland.