Survival-Handbuch für den Mars

Quelle: Amazon

„Der Marsianer“ von Andy Weir

Wow! Als ich heute die Lektüre dieses Romans beendete, musste ich zunächst tief durchatmen. Das war Spannung bis zum letzten Satz.
Die Erzählung aus der Ich-Perspektive ist so direkt geschrieben, dass sich die 512 Seiten fast von allein lesen. Die Handlung ist fesselnd: Der Astronaut Mark Watney wird auf dem Mars zurückgelassen und versucht unter allen Umständen zu überleben.

Der Mars ist ein äußerst lebensfeindlicher Ort, man kann dort viele Tode sterben. Watney kommt mehr als nur einmal haarscharf mit dem Leben davon. Was ihm dabei hilft, ist sein unbändiger Wille zum Überleben, wissenschaftliches Verständnis und ein Improvisationstalent, was nur wenige Menschen besitzen. Weirs als Logbucheinträge verfasste Erzählung ist so lebensnah, dass sie einen sofort mitreisst. Das ist die Stärke des Buchs. Sein Held Watney zaubert eine Idee nach der anderen aus dem Hut, viele funktionieren, manche scheitern meist an leichtsinnigen Fehlern. Man lernt als Leser viel über wissenschaftliche Zusammenhänge, während die Beschreibungen der technischen Vorgänge stets nachvollziehbar bleiben. Watneys Risikobereitschaft ist so erfrischend gegenüber dem Kontrollzwang der NASA, dass dies mehr als amüsant ist.
Unterbrochen wird die Erzählung immer wieder von den Reaktionen der NASA-Verantwortlichen auf der Erde. Diese eingestreuten Szenen schwächeln gegenüber Watneys ausgefallenen Logbuchberichten. Die Handlung auf der Erde besteht mehr oder weniger aus Dialogen. Da hätte ein bisschen mehr Figurenbeschreibung Not getan, denn ich hatte Schwierigkeiten die handelnden Charaktere zu unterscheiden.

Das sich der Autor seit seiner Kindheit mit Raumfahrt beschäftigt, merkt man. Auch seinen eigentlichen Beruf als Softwareentwickler kann er nicht verhehlen. Dabei bot Weir die Geschichte zunächst kostenlos auf seiner Webseite an, weil kein Verlag an dem Manuskript Interesse zeigte. Auf Drängen von Freunden veröffentlichte er „Der Marsianer“ als E-Book für 99 US-Cent im Kindle-Store. Die Kindle-Edition verkaufte sich so gut, dass die Verlage darauf aufmerksam wurden. Das beweist mal wieder, welche Chancen der E-Book Markt einem unbekannten Autor eröffnen kann und mit welcher Ignoranz etablierte Verlage am Leser vorbei wirtschaften. Wenn du keinen bekannten Namen vorweisen kannst, bist du in der Verlagswelt ein Nichts. So gesehen kann man Amazon für den Kindle-Store nur dankbar sein.

Fazit: „Der Marsianer“ ist eines der spannendsten Bücher, die ich je gelesen habe und unbedingt zu empfehlen, nicht nur, wenn man zum Mars fliegen will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.