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Jademädchen

pascow.de

Bereits im Januar veröffentlichte die Band Pascow ihr neues Album »Jade«. Vor lauter Perrykram hatte ich das doch glatt vergessen. Vergangene Woche habe ich mir endlich das Album zugelegt und bin ganz hingerissen. Tolle, superkritische Texte und starke Musik, die Band ist mit jedem ihrer Alben besser geworden, finde ich.

In den zwölf Titeln geht es neben politischen Themen um Drogen, Liebe und das Leben an sich. Die fast schon poetischen Texte passen hervorragend zum Sound. Der bei einigen Lieder erstaunlich ruhig ist, zum Beispiel bei »Wunderkind«. Andere Titel dagegen hauen richtig rein, das ist Hardcore in Vollendung.

Wie ambivalent die Stücke sind, erkennt man bereits am Intro, in dem ausschließlich ein Klavier zu hören ist. Das ist ruhig, das ist gefällig, man wundert sich fast schon, wo da der Punk ist. Den bekommt man aber spätestens beim nächsten starken Titel »Silberblick und Scherenhände« an den Kopf geknallt. Großartig!

Das Album läuft bei mir jetzt schon die ganze Woche. Ich kann nicht sagen, welches der Lieder mir am besten gefällt, die sind alle so gut. Ebenfalls gelungen finde ich das Cover.

»Jade« erschien beim Label RookieRecords. Das Album kann bei allen großen Onlinehändlern gekauft werden (bitte nicht streamen). Im bandeigenen Shop oder bei RookieRecords gibt’s das Album auch auf Vinyl in einer Special Edition.

Zum Reinhören hier noch eines der excellenten Videos:

Punkgirl auf der Jagd nach verlassenen Orten

Quelle: inexplicable-past.de

Ich möchte heute Julia vorstellen und auf ihre Internetseite verweisen.

Julia lernte ich vor einigen Jahren beim Münchner-Trekdinner kennen. Als Star Trek-Fan und jüngstes Stammtisch-Mitglied wusste sie alles über die Serie und war beim Quiz immer mit vorne dabei. Damals schrieb sie auch SF-Geschichten. In den letzten Jahren hat sie zunehmend den Punkrock für sich entdeckt. In letzter Zeit hört sie verstärkt Heavy Metal. Jede Woche bekomme ich von ihr einen Link zu einem Punksong bei YouTube, damit ich mitkriege, was in der Szene gerade angesagt ist. Manchmal schicke ich auch einen Punksong zurück.

Die Zwanzigjährige hat ein spannendes Hobby. Sie fotografiert gern verlassene Orte. Also Gebäude, die aufgegeben wurden und schon viele Jahre leerstehen. Besonders in den neuen Bundesländern gibt es eine Menge solcher Ruinen zu entdecken, aber auch in den Alpen kann man sie finden. Mit einem Freund fährt sie quer durchs Land auf der Suche nach solchen Häusern und auf der Jagd nach neuen Motiven.

Seit ein paar Monaten präsentiert Julia ihre Fotos auf ihrer Internetseite »inexplicable-past«. Vergangene Woche wurde sie sogar von einem Metal-Magazin im Internet interviewt.

Julia möchte gern als Fotografin arbeiten, aber einen Ausbildungsplatz zu finden, ist schwerer als gedacht. Falls jemand einen Tipp für sie hat, kann er sich gern bei mir melden. Ich leite es dann weiter.

Mir gefällt, wenn junge Menschen versuchen, ihre Träume zu verwirklichen und sich eben nicht den Konventionen der Gesellschaft beugen. Außerdem bin ich froh, dass es heute noch Mädchen gibt, die sich für Punkrock interessieren. Bedeutet es doch, dass Punk nicht tot ist.

Irres Punkspektakel

Quelle: shop-hirnkost.de

Ich möchte an dieser Stelle auf ein Buch hinweisen, von dem ich zumindest einen Teil des Manuskriptes vorab lesen durfte.

Der Meister des Chaos, Mitinitiator der Chaostage von Hannover und Kanzlerkandidat der APPD – Karl Nagel vermischt in seinem Roman »Schlund« Autobiografisches mit einer wahnwitzigen Geschichte über »den täglichen medialen und mentalen Lärm«. Ich fand das groteske Werk unheimlich spannend und bedrückend ehrlich. Der Autor geht sowohl mit sich selbst, als auch mit unserer Gesellschaft gnadenlos zu Gericht. Das ist aufrüttelnd und manchmal auch abstoßend, aber immer faszinierend.

Das Werk kann derzeit schon im Shop des Hirnkost-Verlags vorbestellt werden. Wer bis zum 20. November seine Vorbestellung tätigt, bekommt das Buch sogar von Karl Nagel signiert.

Zusätzlich zum Roman ist eine Art Making-of erschienen. In »Reflux« veröffentlicht der Autor, Ideen und Texte, die es nicht in den Roman geschafft haben. Außerdem beschreibt er den Entstehungsprozess des Buches und seine Schwierigkeiten damit. Und um den medialen Rundumschlag zu vollenden, liefert Karl Nagel auch gleich noch den Soundtrack zum Buch dazu. Höchstselbst performt natürlich. Die LP »Karl Nagels Hymnen aus dem Schlund« enthält 16 Coverversionen von deutschen Punk-Klassikern. Auf Vinyl wie es sich für einen echten Punk gehört.

Also, wer sich schon immer mal dafür interessiert hat, wie es im Kopf eines echten Punks aussieht, dem sei das Werk von Karl Nagel empfohlen. Was mir ein bisschen im Buch gefehlt hat, war der Alkohol. Das fand ich ziemlich untypisch für einen Punk. Da muss sich der Leser wohl oder übel selber betrinken.

Hörprobe vom Buch gefällig:

Hardcore-Idylle

Quelle: heisskaltmusik.de

»Idylle« so heißt das aktuelle Album von Heisskalt. Die Band hat im Gegensatz zu ihren beiden letzten Alben dieses Mal alles selbst in die Hand genommen und das Album eigenproduziert.

Im ersten Augenblick wirken die Stücke auch weniger kraftvoll, als zum Beispiel »Gipfelkreuz« aus dem Album »Vom Stehen und Fallen«. Auch die Reime klingen schlichter. Nach dem ersten Anhören könnte man daher in Versuchung geraten, dass Album als weniger gelungen abzustempeln. Allerdings entfalten die Songs nach mehrfachen Hören eine unerwartete Tiefe. Die Beats knallen und auch die ruhigen Passagen wirken durch die schlichte Abmischung. Bei einigen Songs ist nur die Stimme des Sängers zu hören, bei anderen nur die Gitarre und bei einigen haut das Schlagzeug so rein, dass man durch die Wohnung hüpfen möchte.

Die deutschen Texte sind wie gewohnt kritisch, authentisch und bestechen durch ihren hohem Wiedererkennungswert. Die Band würde ich gern mal Live sehen. Vergangenes Jahr traten sie sogar am Chiemsee auf, aber leider war ich verhindert. Außerdem müsste ich da alleine hingehen, dass traue ich mir dann doch nicht.

Interessant finde ich, dass die Truppe ihr neues Album auf der eigenen Homepage kostenlos anbietet. Dort kann man übrigens auch die Vinyl und die CD kaufen. Ich hoffe, dass sich das für die Musiker aus Sindelfingen/Böblingen ausgeht. Ihre letzten beiden Alben »Vom Stehen und Fallen« und »Vom Wissen und Wollen« habe ich bei iTunes gekauft, und höre sie regelmäßig beim Schreiben. Auch »Idylle« habe ich in meine Punkrock Playlist aufgenommen.

Und hier noch eine Kostprobe vom Album aus dem bandeigenen YouTube-Kanal:

Pop, Punk und Chanson

Man kann mir vorwerfen, das ich einen ungewöhnlichen, wenn nicht gar unmöglichen Musikgeschmack hätte. Deutlich wird das daran, was ich in den vergangenen Monaten so gehört habe, während ich vor dem Computer hockte.

Da wäre zum einen »Grau« das neue Album von Illegale Farben, das ich nicht schlecht finde, was aber nicht an ihr letztes Album »Staub« herankommt. Die Songs von »Grau« klingen ähnlich, aber sie reißen mich nicht so vom Hocker. Dafür begeisterte mich das Album »Gut und Dir« von Keele, deutscher Post-Punk mit klasse Texten und schöner ruppiger Musik. In die gleiche Kerbe schlägt das Album »Sturm & Dreck« von Feine Sahne Fischfilet. Die Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern haben wieder starke Titel aufgenommen. Diese Art Musik höre ich, wenn ich meinen Punkroman überarbeite, das verleiht mir die notwendige Aggressivität um die »Darlings zu killen«.

Und dann brauche ich manchmal irgendwie was anderes und höre das komplette Gegenteil. Da ist das Album »ID« von Patrick Kelly (ja, der von der Kelly-Familie), von dem mir ausnehmend jeder Titel gefällt. Ich gestehe, ich habe mir auch den einen oder anderen Titel von Ed Sheeran gekauft. Ich weiß, das ist Mainstream, gefällt mir aber. Auch Josh Groben hat seit langem mal wieder eine Single veröffentlicht, die seine klassische Tenorstimme gut zur Geltung bringt.

Und dann gibt es Songs, die hört man und die bleiben sofort im Kopf hängen. Da kann man gar nicht aus, sie sich zuzulegen. Da ist der Song »Wicked Game« von Ursine Vulpine aus einem Werbespot. Ein gefährlicher Ohrwurm ist auch »You and Me« von den Wannadies, den ein gewisser Chefredakteur unlängst bei Twitter verlinkte und den ich seit dem nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Der Überflieger in meiner Playlist ist momentan aber »L’envie d’aimer« von Daniel Lévi. Das Lied singt Kad Merad in dem Film »Plötzlich wieder jung – Zurück in die 80er« einem Musikproduzenten vor. Der Song stammt aus dem Musical »Les Dix Commandements«, das es bei YouTube in voller Länge gibt.

Apropos YouTube: Ich verlinke hier keinen der Songs, weil ich nicht weiß, welche Aufnahmen dort legal sind und welche nicht. Wer möchte, kann ja selbst danach suchen.

Ein erstes Testleser-Feedback

Ein bisschen aufgeregt war ich ja, als ich die E-Mail mit dem ersten Feedback zu meinem Punkroman aufgemacht habe. Denn mein Testleser hat einen Namen in der Punk-Szene und nicht nur irgendeinen. Ich sprechen von niemand Geringerem als vom »Meister des Chaos« – Karl Nagel – höchstpersönlich. Keiner kennt die Szene besser als der Initiator der Chaostage. Genau deshalb war es mir wichtig, sein Urteil einzuholen.

Das bekam ich heute in einer umfangreichen E-Mail zu hören. Vieles was er angemerkt hat, konnte ich nachvollziehen. Das Argument »Mein Protagonist sei nicht gestört genug für einen Punk« hatte ich schon fast befürchtet. Der Charakter ist dann doch netter geworden, als ich es wollte. Wobei hier der große Widerspruch im Raum steht. Wie böse darf ein tragender Charakter sein, damit er vom Leser nicht abgelehnt wird? Und wie nett muss er sein, damit sicher der Leser mit der Figur identifizieren kann? Das ist ein schmaler Grad. Der Leser braucht mindestens eine Figur zum Anlehnen. Wenn er die nicht bekommt, könnte er sich vor den Kopf gestoßen fühlen.

Ich muss jedenfalls noch mal darüber nachdenken, was das Punk-Sein meines Helden ausmacht. Was ihn nährt und was ihn antreibt? Darüber werde ich mir in den nächsten Tagen ernsthaft den Kopf zerbrechen.

Das andere, was er bemängelte, waren die vielen Klischees zu Punks. Da bin ich jetzt unsicher. Wenn ich die rausnehme, und durch persönliches ersetze, ist es dann noch als Punk zu erkennen? Weil ich den Roman nicht nur für Punks schreibe, sondern vor allem für Menschen, die sich damit nicht so gut auskennen. Werden sie die Klischees nicht irgendwie vermissen? Auch darüber muss ich nochmal nachdenken.

Ich habe mich auf jedenfalls gefreut, dass sich mein Testleser so viel Mühe gegeben hat, das Manuskript zu lesen und mir seine Sichtweise zu schildern. Das bedeutet mir echt viel.

Der Punk »rockt«

Es ist vollbracht. Heute Nachmittag habe ich das Wörtchen ENDE unter den Roman gesetzt, mit dem ich mich jetzt seit zweieinhalb Jahren beschäftige.

Die letzten Seiten waren ziemlich emotional und ich habe tatsächlich ein paar Tränen vergossen. Ob es den Lesern ähnlich ergehen wird, weiß ich noch nicht. Dazu muss ich das Urteil der Testleser abwarten. Vielleicht finden die das auch ziemlich scheiße, was ich da geschrieben habe. Dann wird dieser Roman den gleichen Weg gehen, den bereits mein »Parallelwelten« gegangen ist, nämlich auf meiner Festplatte in der Versenkung verschwinden.

Doch noch ist es nicht so weit. Die letzten 170 Seiten müssen überarbeitet werden (die ersten 150 Seiten sind es schon). Und dann haben meine kritischen Testleser das Sagen. Von ihrem Urteil hängt es ab, was mit der Geschichte passieren wird. Ich habe ja die große Hoffnung, dass alles nicht so schlimm kommt.

Für mich ist mit dem Projekt etwas Besonderes zu Ende gegangen. Zum ersten Mal habe ich eine Geschichte geschrieben, die weder STAR TREK noch PERRY RHODAN – ja, nicht einmal mal Science Fiction ist. Und das, obwohl sie mich in eine völlig fremde Welt entführt hat. Ein Paralleluniversum, was neben meinem existierte, aber zu dem ich nie Kontakt hatte. Etwas, dass ich im Nachhinein ehrlich bedauere.

Die Aufgabe, die ich mir zu Beginn des Projektes stellte, war: Kann ich etwas schreiben, von dem ich keine Ahnung habe? Wie viel muss ich recherchieren, damit es glaubwürdig ist? Glaubt mir, ich habe viel recherchiert. Ich habe Bücher gelesen und Filme angeschaut, ich habe Internetseiten durchforstet und Interviews gelesen. Vor allem aber habe ich sehr viel Musik gehört und zwar solche, die nicht jedermanns Geschmack ist, und die ich vor Jahren selbst niemals gehört hätte. (Ich denke übrigens darüber nach, dem Roman noch einen Soundtrack zu verpassen, für all die Leser, die von Krachmusik keine Ahnung haben.)

Im Grunde habe ich mich Hals über Kopf in ein Abenteuer gestürzt, von dem ich nicht wusste, wo es mich hinführt. Die Welt, die ich kennenlernen durfte, hat mich verändert. Sie hat meinen Horizont erweitert und mir die Augen geöffnet. Meine Einstellung gegenüber Subkulturen ist heute eine andere, als noch vor zweieinhalb Jahren. Die Geschichte hat mir aber auch viel über mich selbst gelehrt, darüber wer ich bin und warum ich so bin. Und natürlich habe ich in der Zwischenzeit viel übers Schreiben gelernt. Was funktioniert und was nicht. Dinge, die ich in die nächsten Projekte mitnehmen kann.

Es war eine schöne Zeit und ich bedauere fast, dass sie schon zu Ende ist. Aber dank des Plotseminars in Wolfenbüttel falle ich nicht in ein Loch. Denn es wartet bereits das nächste Großprojekt darauf, angepackt zu werden.

Wie es weitergeht mit dem »Geheimprojekt: Punkroman« und was daraus wird, darüber werde ich hier weiter berichten.

Provinzpunks

Quelle: Kino.de

Ich habe mich mal wieder in Sachen Punk weitergebildet und dazu den Film »Dorfpunks« angesehen. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Buch von Rocko Schamoni und zeigt das Leben junger Punks auf dem Land in den Achtzigern.

Der für einen Punk fast schon zu sympathische Protagonist Roddy, muss sich mit allerlei Schwierigkeiten auseinandersetzen. Ob in seiner Lehre als Töpfer, bei den Annäherungsversuchen ans schöne Geschlecht oder gegen die Dorfnazis, meistens zieht Roddy den Kürzeren. Und dennoch bleibt er stets Optimist, lässt sich nicht verbiegen und motiviert durch seinen Optimismus seine Kumpel dazu, eine Punkrock-Band zu gründen. Aber auch das läuft nicht so glatt, wie er sich das wünscht.

Den Streifen macht vor allem die kühle Atmosphäre Norddeutschlands aus – die weiten Landschaften und die verschlossenen Menschen. Der Film vermittelt das Lebensgefühl dieser frühen Punkgeneration in klaren Bildern und ohne viel Worte. Die oftmals komischen Situationen haben immer auch eine tiefere Ebene und sind keineswegs oberflächlich. Ich glaube, dass der Film ein stimmiges Bild der Jugend von damals und ihren Problemen zeichnet. Probleme, die sich wahrscheinlich von der heutigen Dorfjugend nicht so sehr unterscheiden, von der medialen Überflutung mal abgesehen.

»Dorfpunks« ist ein authentischer Film voller Gefühl und einem ausgezeichneten Soundtrack. Die unaufgeregte Geschichte über die Selbstfindung eines Dorfpunks in den Achtzigern ist auch für Nicht-Punks durchaus sehenswert.

Zumindest weiß ich nach diesem Film, dass ich mit meinem Geheimprojekt den richtigen Weg eingeschlagen habe. Jetzt muss ich es nur noch zu Ende schreiben.

Welt im Schmiedefeuer

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 156 – »Die Schmiede des Meisters« von Oliver Plaschka

Das ich ein Fan des Autors bin, habe ich schon mehrfach erwähnt, um so mehr freut es mich, dass er zur aktuellen Staffel einen Roman beisteuern durfte. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn dem »Meister der Harmonie« gelingt es wiedermal eine rundum gelungenen Geschichte zu erzählen. Die Abläufe passen perfekt ineinander, der Plot ist nicht überladen und auch die Charaktere sind überzeugend. Und da sich die Geschichte um die Meister der Insel in Andromeda auch über die nächsten Staffeln hinziehen wird, ist es nicht weiter schlimm, wenn dieser Roman so gut wie keinen Handlungsfortschritt innerhalb des Staffelkorsetts bietet.

Analog zu Band 154 von Susan Schwartz erzählt Oliver Plaschka ebenfalls die Geschichte aus den Augen einer jungen Frau, die auf einem Planeten der Thetiser lebt. Anders als seine Autorenkollegin widmet sich der Autor dabei keinen ungewöhnlichen Umweltbedingungen, sondern den gesellschaftlichen Umständen auf einer Industriewelt. Die Welt Soom im Kur’shsystem ist eine Diktatur der Arbeit. Arbeit ist das höchste Gut der hier lebenden Thetiser. Sie produzieren ohne nachzudenken, gehen in ihrer Arbeitet auf und opfern ihr ganzes Leben um Meister Molat zu dienen. Eine planetenweite Überwachung, mediale Beeinflussung und bedingungslose Treue zum System begleiten die Bewohner des Systems von der Geburt bis zum Tod. Ein System aus Klassen teilt die Thetiser in Sektionale und Sektorale in Arbeiter und Intelligenz. Beherrscht werden sie von einem Kreis aus Transsektionalen, die dem Meister unterstellt sind und in seinem Sinne regieren sollen. Dass dem nicht immer so ist und dass die Meister der Insel noch viel verschlagener sind, bildet die Grundaussage dieses Gesellschaftsromans. Denn eine Gruppe junger Menschen, die sich L’Urka nennt, verweigert sich dem System und zettelt eine Revolution an. Als die Rädelsführerin öffentlich hingerichtet werden soll, kommt es zu einer überraschenden Intervention durch Meister Molat höchstpersönlich.

Perry Rhodan und Co sind nur Beobachter in diesem »Spiel«, eigentlich sind sie nur Bittsteller ohne die Möglichkeit zu intervenieren. Denn Leibnitz hat mit einer Transsektionalen vereinbart, dass die MAGELLAN im Austausch gegen Posbitechnologie die dringend benötigten Ersatzteile bekommt. So sind Perry Rhodan die Hände gebunden, als die wie Punks auftretenden L’Urka ihn um Hilfe bitten. Der Perry Rhodan der EA hätte nicht lange gefackelt und sich auf die Seite der Aufständigen geschlagen, der NEO-Perry, der bereits miterleben musste, wie sein Eingriff in die Belange einer fremden Spezies zur Katastrophe führte, hält sich auffällig zurück. Selbst als die Mitglieder seines Teams, Luan Perparim und Abha Prajapati, an sein Mitgefühl appellieren, bleibt er hart. Rhodan steht zwischen den Stühlen und zum ersten Mal entscheidet er sich bewusst für seine eigenen Leute. Die Darstellung des moralischen Dilemmas ist Oliver Plaschka, wie ich finde, ausgesprochen gut gelungen. Da schimmerte stellenweise so ein bisschen Star Trek hervor. Das ist intelligent und unterhaltsam erzählt.

Das Schicksal der L’Urka, vor allem das der Protagonistin Gor-Amash und ihrer Freundin der Rädelsführerin La-Roulon, berührt. Nicht nur weil ihre Rebellion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, es ist vor allem das Zwischenmenschliche, was mich berührt. Die beiden jungen Frauen sind mehr als nur Freunde, sie sind Liebende. Eine Liebe, die letztendlich am Scheitern der Revolution und der Arglist des Meisters zerbricht. Der Autor beschreibt die Beziehung feinfühlig und zurückhaltend, wodurch sie Glaubwürdigkeit erlangt.

Die bedeutendste Information, die ich als  Leser aus dem Roman mitnehme, ist jene, die auch Perry Rhodan beschäftigt. Denn Meister Molat richtet sich persönlich an ihn. Es sieht so aus, als würde er Rhodan kennen. Die Frage lautet: woher? Und was bedeutet das letztendlich für die MAGELLAN?

Das die Thetiser einst Menschen waren, wird an einem Detail klar. Die Armbänder, mit denen die Bevölkerung kontrolliert wird, dienen auch dazu, sich vor den Auswirkungen des Nervenfeuers zu schützen. Eines Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als sie ihren Heimatplaneten verlassen mussten und unter dem Fehlen der gewohnten Sonnenstrahlung erkrankten. Ähnliche Armbänder tauchten bereits in Band 152 auf.

»Die Schmiede des Meisters« ist ein außergewöhnlicher Roman, in dem Oliver Plaschka mal wieder beweist, dass spannende Science Fiction, emotionale Beziehungsdramen und anspruchsvolle Gesellschaftskritik á la »1984« einander nicht ausschließen. Von mir gibt es daher eine unbedingte Leseempfehlung.

Die Partei und der Pogo

Weil derzeit noch der Wahlkampf tobt und weil die meisten meiner Lesern nichts mit Punk am Hut haben, möchte ich heute eine Partei vorstellen, die vor allem in den Neunzigern und Zweitausendern auf der politischen Bühne in Deutschland mitgemischt hat.

Zugegeben, die »Anarchistische Pogo Partei Deutschlands« – kurz APPD – war nicht wirklich erfolgreich. Sie war vor allem eine Spaßpartei, deren Argumentation zur Arbeit erst auf den zweiten Blick einen tieferen Sinn ergab. Für die meisten Menschen sind die Slogans »Arbeit ist Scheiße« und »Saufen, Saufen, nochmal Saufen« bis heute Sinn befreit. Aber die Partei bot damals Menschen eine Stimme, die bewusst am Rand der Gesellschaft lebten und provozieren wollten. Gegen das System und gegen die Verlogenheit der Politik.

Anlässlich der kommenden Bundestagswahl hat der Spiegel ein Interview mit Karl Nagel geführt, dem ehemaligen Parteivorsitzenden der APPD. 1998 ließ sich der Hamburger sogar als Kanzlerkandidat für die APPD aufstellen. Im Gespräch mit dem Spiegel wird klar, dass es zwar den Punks damals in erster Linie um den Spaß ging, es aber auch einen ernsten politischen Hintergrund gab. Wenn die großen Parteien ihre Wähler an der Nase herumführen können und Dinge versprechen, die sie dann nicht halten, so sollten auch andere das Recht haben, mit Schwachsinn zu werben. Quasi als Protest und Provokation gegenüber den bürgerlichen Parteien.

Ich finde das Interview wirft einen ernsthaften Blick in die Vergangenheit der deutschen Punk-Szene und regt zum Nachdenken an, über Politik, Gesellschaft und wofür Punk wirklich steht.

Ich bin ja erstaunt, dass ausgerechnet der Spiegel dieses Interview abgedruckt hat. Es gibt auf der Seite auch eine Fotostrecke zum Thema APPD und einen Wahlwerbespot, der damals tatsächlich so im Fernsehen gelaufen ist.

Hier der Direktlink auf die Seite vom Spiegel-Interview es lohnt sich.

http://www.spiegel.de/einestages/punk-partei-appd-als-karl-nagel-pogo-kanzler-werden-wollte-a-1168637.html