Von der Schlossruine zu den Schlosslichtspielen

Den sonnigen Vormittag nutzen wir in Heidelberg zu einem Spaziergang durch den Schlossgarten. Der Schlossberg ist zwar steil, aber so kurz, dass wir binnen fünf Minuten oben waren. Die ausgedehnte Parkanlage ist kostenlos, wohingegen man für den Besuch des Schlosses und des Schlosshofs Eintritt zahlen muss. Wir verschoben das auf einen späteren Zeitpunkt und bummelten lieber durch den in Terrassen angelegten Schlossgarten, der eine unglaubliche Aussicht auf Heidelberg bietet. Man versteht, warum die Stadt bei Touristen so beliebt ist. Es ist die Lage im engen Flusstal, das sich zu einer weiten Ebene öffnet, die bemerkenswert anmutet.

Für den Abstieg vom Berg nutzen wir einen verschlungenen Waldweg und standen alsbald in der historischen Altstadt. Hier jedoch dominierten wie scheinbar überall in Deutschland Baustellen das Bild. Am Neckar entlang bummelten wir zurück zum Bismarckplatz, von wo uns die Straßenbahn bis zum Hotel zurückbrachte.

Punkt 12 Uhr Mittags starteten wir zur nächsten Etappe unseres Kurzurlaubs. Es ging nach Karlsruhe. Wie immer um diese Jahreszeit. Die Schlosslichtspiele lockten und auch das Treffen mit dem Autor des Totengräber-Tagebuchs.

Überrascht davon, dass die beiden Städte so nahe beieinander liegen, kamen wir schon 40 Minuten später am Hotel AVISA an. Drehten hier aber drei Ehrenrunden, bis wir einen Parkplatz gefunden hatten. Nett, das uns die Dame an der Rezeption anbot, ihr Fahrzeug umzuparken, damit wir einen Stellplatz bekommen. Zum Glück fuhr aber gerade jemand weg. So nah am Bahnhof ist es nicht leicht einen Parkplatz fürs Auto zu bekommen. Ehrlich gesagt, war dies eine meiner größten Sorgen vor der Reise gewesen. Normalerweise reisen wir immer mit dem Zug an.

Nach einer Stärkung in unserem Lieblingscafé »Tante Emma« und einer längeren Ruhepause war es auch schon soweit, in Richtung Marktplatz aufzubrechen. Dort hatten wir uns u.a. mit Volker Langenbein verabredet, dessen »Totengräbers Tagebuch« ich unlängst hier rezensiert habe. Organisiert hat das Treffen Lektor und Mitautor Klaus N. Frick, der ebenfalls vor Ort war.

Es wurde ein lustiger Abend, mit leckerem Essen und spannenden Geschichten. Volker beantwortete mir noch die eine oder anderer Frage, die nach der Lektüre seines Buchs noch übrig geblieben war. Es blieb Zeit für ein Foto und die Signatur des Romans. Volker hatte sich extra auf einem Zettel notiert, was er mir ins Buch schreiben wollte. Das fand ich sehr nett und ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal für seine lieben Worte.

Die Vorführung hatte längst begonnen, als wir zum Karlsruher Schloss aufbrachen. Wie immer saßen und standen viele Leute auf dem Platz vor dem Schloss. Leider war es schon so dunkel, dass man es nicht genau schätzen konnte, wie viele es wirklich waren. Mir kam es jedoch so vor, als wären es mehr gewesen, als in den Jahren zuvor.

Die ersten drei Präsentationen hatten wir verpasst, gerade aber begann »300 Fragments« von Maxin10sity, das für die ersten Schlosslichtspiele 2015 entworfen wurde. Es ist immer wieder ein Erlebnis die Show live auf der Fassade des Schlosses zu sehen und nicht nur als Clip bei YouTube. Dieses Mal standen wir ziemlich weit vorn im Schlosshof, also ganz nah dran. Die darauffolgende Präsentation »Noise3« hatten wir in den vergangenen Jahren auch schon gesehen, aber das anschließende »Our only blue One« von Maxin10sity war neu. Es ging um nichts Geringeres als die Geschichte des Universums vom Urknall bis heute, mit einem Ausblick auf die Zukunft. Eigentlich zwei Ausblicken: einem der eine vermüllte Erde zeigt und einem, in dem die Menschen in Harmonie mit der Natur leben, ohne das sie auf Wohlstand und Technik verzichten. Die Show entstand in Zusammenarbeit mit dem KIT (Karlsruher Institut für Technologie) und enthält eindrucksvolle Bilder aus unserem Kosmos.

Kurz bevor wir gingen, projizierte man noch eine Aufnahme von Alexander Gerst auf die Schlossfassade. Bei seiner Rede vom November 2018 von der Internationalen Raumstation an die zukünftigen Generationen – bei denen er sich entschuldigt, dass seine Generation, also wir, die Erde in keinem guten Zustand hinterlassen – bekam ich wiederholt Gänsehaut. Den Astro- oder besser Kosmonauten so überlebensgroß zu sehen, war echt beeindruckend und ein würdevoller Abschluss eines wirklich gelungenen Tages. Danke an alle indirekt Beteiligten!

Das Heidelberger Schloss
Hübsche Häuser neben der Baustelle
Am Neckarufer
Mit Volker Langenbein
Eindrucksvolle Show auf der Schlossfassade

Stadt am Neckar

Heidelberg von oben

Ich gestehe, wenn mich vor einer Woche jemand gefragt hätte, an welchem Fluss Heidelberg liegt, hätte ich erst überlegen müssen. Gestern Nachmittag und heute Vormittag habe ich es mit eigenen Augen nachprüfen dürfen.

Eigentlich wollten wir auf die schwäbische Alb zum Verwandtenbesuch, doch der musste krankheitsbedingt ausfallen. Wir entschlossen uns zu einer spontanen Planänderung. Da weder mein Mann noch ich je in Heidelberg gewesen sind, buchten wir kurzerhand ein Hotelzimmer und fuhren zum Feiertag (in Bayern zumindest) in die Stadt am Neckar.

Es regnete unterwegs und die A8 war ab Ulm ziemlich bevölkert, also fuhren wir über die Bundesstraße nach Ludwigsburg und anschließend über die A81 und die A6 nach Heidelberg. Wir hatten es nicht eilig und sahen so etwas vom schwäbischen Hinterland. Das kann übrigens idyllisch aussehen oder ziemlich industriell, je nachdem wo man entlangfährt. Blühende Landschaften gibt es dort auch nicht überall, wie man vielleicht glaubt. Manch kleiner Ort sah schon etwas heruntergekommen aus. Das erzähle ich hier nur, weil es im allgemeinen heißt, dass Schwabenländle wäre so reich.

In Heidelberg bezogen wir unser Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs, mit Gleisblick, aber einer unschlagbaren Verkehrsanbindung und Hoteleigenen Parkplätzen. Anschließend fuhren wir mit der Straßenbahn in die Altstadt und bummelten die Hauptstraße entlang. Die ähnelt der Kaufinger Straße in München, die gleichen Geschäfte und genauso viele Touristen. Sie ist nur schmäler und die Häuser älter.

Am Kornmarkt tranken wir einen Kaffee und beobachteten wie sich langsam aber bedrohlich der Himmel zuzog. Wir entdeckten die Bergbahn zum Schloß und beschlossen am nächsten Morgen dort hoch zu laufen, oder zu fahren. Dann fuhren wir mit dem Bus zum S-Bahnhof in der Altstadt, weil die Wolken immer mehr und immer dunkler wurden.

Am S-Bahnhof goss es in Strömen, doch als die S-Bahn kam und wir in der Weststadt ausstiegen, schien schon wieder die Sonne. Wir spazierten durch die ruhige Weststadt, entdeckten einen Fußweg, der auf einer ehemaligen Bahnstrecke angelegt worden war und aßen eine Kleinigkeit, bevor wir wieder ins Hotel gingen. Wieder zogen dichte Wolken auf, aus denen vereinzelt Regen fiel. So musste das Abendprogramm ausfallen.

Buch zum Flug

Das Buch zum Flug

Nebenstehendes Werbeplakat entdeckte ich vor ein paar Wochen auf dem Bahnhof. Da wirbt die Fluggesellschaft Condor mit einem Kilogramm Extra-Gepäck für Bücher.

Ernsthaft? Laufen der Fluggesellschaft jetzt die Kunden weg? Soll es eine Aufforderung des Buchhandels an die Urlauber sein, mehr zu lesen? Oder was soll die Aktion?

Ich bin früher gern mit Condor in den Urlaub geflogen. Früher heißt, vor zehn bis fünfzehn Jahren, als es noch keine Beschränkungen beim Gepäck gab, als noch kostenlose Mahlzeiten im Flieger serviert wurden und als es sogar noch Wein und Bier gab.

Ich erinnere mich an einen Flug auf die Kanaren, als jeder Fluggast eine Gürteltasche mit Zahnbürste und Kopfhörern bekam. Bei dem ich auf dem Rückflug eine Miniflasche Frankenwein getrunken habe und anschließend so beschwipst war, dass ich mir sogar den ersten Harry Potter-Film bis zu Ende angesehen habe. In dem Fall hätte auch das Flugzeug abstürzen können, ich war so blau, es war mir alles egal. Seitdem trinke ich definitiv keinen Alkohol mehr in Flugzeugen.

Was auch immer der Grund für die Werbekampagne ist, bin ich nach wie vor der Meinung, dass Fliegen heutzutage viel zu billig ist. Mir wäre lieber teurer und dafür mit besserem Service für alle Fluggäste. Da könnte man dann vielleicht auch mehr als ein Kilo Bücher mit in den Urlaub nehmen. Wobei die Vielleser wahrscheinlich eh einen E-Book-Reader dabei haben werden.

Quer durch die bayrische Provinz

Stadtansichten: Wasserburg

Wir haben zwar keinen Urlaub, aber wenn man da wohnt, wo andere Urlaub machen, braucht man nur ein paar Kilometer zu fahren, um sich wie im Urlaub zu fühlen. Manchmal reicht auch schon ein Spaziergang vor der Haustür.

Weil uns das Olivenöl mit Limone ausgegangen ist, fuhren wir am Samstagvormittag nach Wasserburg. In der dortigen Filiale »Vom Fass« hatten wir das gewünschte Spezialöl beim letzten Mal gekauft. Wir fuhren also zeitig los, die Sonne schien, es war nicht allzu heiß und auch der Verkehr war nicht übermäßig. Doch dann, keine zwanzig Minuten später die erste Umleitung. Kilometerweit gondelten wir durch die Gegend, bis wir endlich wieder zur Bundesstrasse geleitet wurden. Dort erwartet uns gleich die zweite Umleitung. Als wir wenige Kilometer später auch noch die dritte Straßensperrung vor uns hatten, wollte ich am liebsten gleich wieder umdrehen. Doch da waren wir schon kurz vorm Ziel. Mein Mann fuhr weiter und so kamen wir etwas gestresst in Wasserburg an. Daher meine Empfehlung: die B304 momentan lieber meiden.

Im Parkhaus direkt am Inn bekamen wir auch einen der kostenlosen 4-Stunden Parkplätze. Es ist ohnehin nicht ratsam, durch die verwinkelte Innenstadt zu fahren. Ich frage mich immer wieder, warum die Leute es trotzdem tun. Parkplätze gibt es dort kaum und die Umfahrung über die Bundesstraße ist auch schneller. Egal! Wir spazierten über den Inn, ich fotografierte die in der Sonne schimmernden Fassanden über dem Fluss und tauchte anschließend in die Atmosphäre der mittelalterliche Innenstadt ein.

Wasserburg zeichnete sich durch eine Architektur aus großen alten Häusern aus, mit Lieden und Kreuzgängen unter denen man wandeln kann und in denen kleine Geschäfte und Boutiquen untergebracht sind. Die Fassaden sind schön hergerichtet, und vor den Cafés und Restaurants saßen die Leute auf der Straße, um zu frühstückten. Weil es vor zehn Uhr war, waren noch nicht alle Geschäfte geöffnet.

Wir suchten eine Weile nach der Filiale »Vom Fass« fanden sie aber nicht. Ein Blick aufs Smartphone genügte, um zu erfahren, dass das Geschäft vor ein paar Monaten geschlossen wurde. Vielleicht hätte ich mich vor der Fahrt informieren sollen. Wir bummelten also ein wenig umher, kauften in bei einer Drogeriemarktkette ein und fanden schließlich doch noch einen Laden, in dem man sich Öl, Wein und Spirituosen abfüllen lassen konnte. Die hatten auch das gesuchte Olivenöl und füllten es in unsere mitgebrachte Flasche.

Im Anschluss steuerten wir die Eisdiele an, in der wir immer einkehren, wenn wir in Wasserburg sind und holten uns ein Eis, das wir uns auf einer Bank vorm Rathaus schmecken ließen. Die Sonne schien inzwischen stärker und so verkrochen wir uns bald in den Schatten. Gegenüber vom Rathaus gab es einen Bio-Laden, in dem man unverpackte Waren in mitgebrachte Gefäße abfüllen konnte. Dort kauften wir Gemüse und Milch ein, weil unser Bio-Laden im Ort seit 1. August geschlossen hat.

Inzwischen war der Verkehr dichter geworden. Autokolonnen schoben sich lärmend durch die Straßen. SUV-Fahrer irrten auf der Suche nach einen Parkplatz umher, so dass man als Fußgänger aufpassen musste, damit man auf den schmalen Gehwegen nicht umgefahren wurde. Ich frage mich echt, warum die Stadt dem Verkehr nicht Einhalt gebietet. Die kostenlosen Parkhäuser sind keine 500 Meter entfernt. Was ist so schwer daran, die paar Schritte zu laufen? Ich würde eine Maut einführen oder den Innenstadtbereich nur für den Lieferverkehr und die Anwohner freigeben. Eine großzügige Fußgängerzone, würde der Stadt noch mehr Charme verleihen.

Wir machten also, dass wir wieder davon kamen. Für die Rückfahrt beschlossen wir nicht über die Bundesstraße mit den ewig langen Umleitungen zu fahren, sondern stattdessen querfeldein über die Dörfer. Das machte richtig Spaß. Es herrschte kaum Verkehr, die Aussichten waren idyllisch und man kam durch Orte mit lustigen Namen. Einer hieß »Bahnhof« und hatte sogar einen Gleisanschluss. Wir fuhren durch Pittenhart. Der eine oder andere wird den Ort aus der Serie »Bauer sucht Frau« kennen. Dort wohnt der Bauer, der die Thailänderin Narumol geheiratet hat.

Eine Dreiviertelstunde später erreichten wir, um viele tolle Ausblicke und neue Eindrücke reicher, unser Zuhause, wo Urlauber auf Fahrrädern den Ort bevölkern und auf dem Marktplatz jeden Montag die Blaskapelle spielt. Bayern pur! Wie im Urlaub eben.

Rückblick: Urlaub auf dem Darß

»Ginko Mare«

Mein Fazit zu unserem Urlaub ist durchweg positiv. Ich wollte schon immer mal auf den Darß, weshalb wir bewußt danach gesucht haben. Das es dann ein Bio-Hotel wurde, war der Wunsch meines Mannes. Außerdem gab es preislich keinen Unterschied zu einem normalen Hotel, vor allem, wenn man die Anwendungen hinzurechnet, die wir bekommen haben.

Grundsätzlich finde ich die Idee mit den Bio-Hotels gut, glaube aber, dass es sinnvoller wäre, wenn sich alle Hotels ein wenig danach richten würden. So ließe sich unteranderem viel Müll vermeiden. Wir hatten beispielsweise beim Frühstück keinerlei Abfall, außer der Serviette. Eier wurden nach Wunsch zubereitet. Das hieß, wer keins wollte, für den wurde auch keins gekocht. Und zweimal in der Woche gab es ausschließlich vegetarisches Frühstück. Die Zimmerreinigung fällt an diesen Tagen ebenfalls weg. Man kann sein Bett auch mal selbst machen. Ob man das mit dem siebenfach-gefilterten, belebten Wasser unbedingt braucht, sei dahingestellt. Aber aufgrund dessen sparten wir uns den Kauf von Wasserflaschen und hatten immer zu trinken.

Sowohl Naturliebhaber, als auch Strandhocker kommen auf dem Darß auf ihre Kosten. Wenn man will, kann man tatsächlich den ganzen Tag am Strand verbringen oder man kann den ganzen Tag mit dem Fahrrad über die Insel fahren. Ich fand es angenehm, dass Auto mal stehenlassen zu können. Teilweise ist ein Auto hier sogar hinderlich. Insofern würde ich es begrüßen, wenn man auch mit der Bahn anreisen könnte. Leider wurde die Bahnstrecke auf der Insel schon vor Jahrzehnten dichtgemacht.

In kultureller Hinsicht gibt es viele Angebote, vom Klavier-Konzert über geführte Wanderungen bis hin zum »Bob Ross«-Malkurs. Aktivitäten für Kinder finden auch statt, zumindest in den Sommerferien.

Wir waren in der Vorsaison dort, weshalb noch einigermaßen wenig Trubel war. Ich möchte allerdings nicht wissen, was hier in der Hauptsaison abgeht.

Machen wir uns nichts vor. Alles vor Ort ist auf den Tourismus ausgerichtet. Die meisten Häuser sind Ferienhäuser, Pensionen oder Hotels. Bei den Immobilienpreisen, die sich etwa auf den Niveau von Waging bewegen, bedeutet das aber auch, dass sich Einheimische hier keinen Wohnraum leisten können. Vergessen wir nicht, der Darß liegt im Osten, in Mecklenburg-Vorpommern, einer ohnehin Strukturschwachen Region, wo Löhne und Gehälter niedrig sind. Das merkt man unteranderem an den niedrigen Preisen in den Restaurants. Wenn ich die beispielsweise mit denen in Osnabrück vergleiche, liegen da Welten dazwischen.

All das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man dort Urlaub macht.

Auf der Rückfahrt haben wir dann noch die Borg besucht. Ja, richtig gelesen die Borg. Für Star Trek-Fans wie uns, gehört das zum absoluten Muss. Beweisfoto gefällig?

Abschluss mit Bernstein

Freche Möwen

In der Nacht auf Donnerstag hatte es sich ein wenig abgekühlt. Schon am frühen Morgen riss ich das Fenster auf. Draußen schien die Sonne, dabei war es noch nichtmal halb sechs. Bis wir zum Frühstück gingen, war die Zimmertemperatur nur minimal gesunken. Beim Kaffee schwatzten wir mit unserer Tischnachbarin aus München, die in einer Zeitschriftenredaktion arbeitet.

Anschließend ging ich aufs Zimmer, um selbst an einem Zeitschriften-Artikel zu arbeiten. Die SOL mit der Nummer 95 steht an. Mein Mann nutzte die Zeit und stieg nochmal aufs Fahrrad, um die Gegend zu erkunden. Als er nach zwei Stunden völlig verschwitzt zurückkam, sah er zufrieden aus.

Zum Mittagessen besuchten wir im Ortskern ein Fischrestaurant. Ich meine, wenn ich schon mal an der Küste bin, sollte ich auch mal Fisch essen. Der Dorsch mit Senfsoße schmeckte jedenfalls hervorragend. Nach einem Eis als Nachtisch fuhren wir wieder ins Hotel, um unsere letzte Rückenmassage in diesem Urlaub zu genießen. Am Nachmittag tranken wir einen Kaffee und fuhren nochmal los.

Ich wollte unbedingt noch das Bernsteinmuseum besuchen, da ich leider keinen Bernstein am Strand gefunden habe. Das Museum ist ein kleiner Laden, nicht größer als eine Garage, in denen eine Familie ihre beeindruckendsten Fundstücke ausstellt und teilweise auch verkauft. Ich war überwältigt und kaufte ein kleines Säckchen polierte Bernsteine.

Anschließend wollte ich nochmal zu Strand. Wir radelten durch den Ort und das kleine Wäldchen, was ihn vom Strand trennt. Es waren viele Touristen unterwegs, dieses Mal nicht nur Rentner, sondern auch junge Familien mit kleinen Kindern.

Weil die Sonne so schön schien, spazierten wir über die Seebrücke. Es wehte ein steifes Lüftchen vom Meer. Ein paar Mutige badeten in der 17 Grad kalten Ostsee und die Möwen ärgerten die Touristen am Strand. Es war ein schönes Bild, das mir den Abschied schwer machte.

Morgen würden wir wieder stundenlang im Auto unterwegs sein.

Ein letzter Blick aufs Meer

Nochmal Weststrand

Hafenausfahrt am Nordstrand

Eigentlich hatte ich am morgen keine große Lust mich wieder aufs Fahrrad zu schwingen, aber die Wärme im Hotelzimmer und der Lärm, den die Baumaschinen auf der Straße vorm Hotel verbreiteten, forderten mich zum Umdenken auf.

Dieses Mal fuhren wir wieder durch den Wald zum Weststrand. Das große Naturschutzgebiet »Darßer Wald« ist durchzogen von Radwegen. Wenn man wollte, könnte man den ganzen Tag hier entlangfahren, ohne einen Weg zweimal zu benutzen. Kurz nach neun Uhr morgens war auch noch entsprechend wenig los. Wir radelten ungestört durch den Wald. Die Luft kühlte und duftete nach Pilzen und Laub. Streckenweise zeigte sich der Weg sehr uneben. Dort hätte man ein gut gefedertes Mountainbike gebraucht, an anderen Stellen bestand der Untergrund aus festgefahrenem Sand, auf dem es sich leicht dahinrollte.

Wir kamen auf einem anderen Weg als am Montag an den Dünen an, stellten die Räder ab und stapften durch den tiefen Sand zum Strand hinunter.

Die endlos scheinende weiße Küste ist mit knorrigen Resten abgestorbener Bäume gesäumt. Am Ufer lagen wieder Muscheln und die roten Fetzen von Algen. Stellenweise sahen wir große Fischschwärme im flachen Wasser. Durch den Wellengang wurden einige Fischen ans Land gespült, wo sie zappelnd verendeten. Die Möwen freuten sich über das leicht erbeutete Frühstück.

Wir spazierten auf und ab und wären gern länger geblieben. Aber das einzige, was es an diesem Strand nicht gibt, ist Schatten. Die Sonne brutzelte vom Himmel und der weiße Sand reflektierte das Licht. Ich hatte mich zwar dick mit Sonnenmilch eingecremt, wusste aber, das ich mich dennoch nicht lange in der Sonne aufhalten durfte, weil ich schnell einen Sonnenbrand bekomme. Außerdem lockte der kühle Wald und die Naturschönheiten, die wir noch ansehen wollten.

Nachdem ich auf dem Waldweg erst einmal den halben Strand aus meinen Schuhen gekippt hatte, fuhren wir gen Norden. Ich hatte gesehen, dass es dort einen kleinen Hafen gab, von dem man gut das Naturschutzgebiet in den Dünen einsehen konnte. Und tatsächlich, in dem kleinen Nothafen am Nordstrand sind die Rettungsboote des DLRG stationiert. Das Brackwasser roch entsprechend streng und der über einen Holzsteg zu erreichende Nordstrand war dick mit braunen Algen überzogen, dennoch hatte die Landschaft ihren Reiz.

Auf dem Rückweg kamen wir an einem großen Campingplatz vorbei. Die Autos parkten im Schatten des Waldes, während die Campinganhänger zwischen den Dünen in der prallen Sonne standen. Ich weiß nicht, ob mir das gefallen würde. Auf der Straße daneben herrschte viel Trubel. Wohnmobile warteten darauf eingelassen zu werden, andere wiederum bereitete sich auf die Rückfahrt vor, dazwischen kutschierte eine TschuhTschuh-Bahn Touristen herum.

Wir fuhren ins Hotel zurück, und suchten anschließend nach einem Restaurant, in dem man Mittags etwas zu Essen bekam, was sich echt als schwierig herausstellte. Die meisten Gaststätten öffnen tatsächlich erst ab 17 Uhr. In einem der Cafés wurden wir 20 Minuten nach 12 Uhr gebeten, in einer halben Stunde wiederzukommen. Mitten im Ort entdeckten wir dann doch ein Café, welches auch Mittagstisch anbot und holten uns nach dem Essen noch eine Kugel Eis in der Eisdiele gegenüber.

Den Nachmittag vergammelten wir wieder im Hotelgarten, unterbrochen von einer entspannenden Rückenmassage. Das ist Urlaub!

Lecker! Geschmacksrichtung »schwarze Vanille«

Immer am Strand lang

Stranderlebnis

Tag 3: Heute war am Frühstücksbuffet weniger los. Gleich als wir fertig waren, stiegen wir auf die Räder und radelten in Richtung Zingst.

Es sollte heiß werden, und wir hatten uns eine weite Strecke vorgenommen. Es war früher Vormittag und schon deutlich wärmer als am Tag davor. Der Radweg lag die meiste Zeit in der Sonne. Er führte auf einem Deich entlang der Küste und zog sich schnurgerade und scheinbar endlos dahin. Überall sah es gleich aus, selbst die regelmäßig abzweigenden Zugänge zum Strand, die im übrigen nummeriert sind (von 1-23). Zirka alle 500-800 Meter öffnete sich ein Weg durch die bewaldeten Dünen zum Strand. Auf den Schildern steht übrigens, um was für einen Strand es sich handelt: Sport-, Hunde- oder FKK-Strand.

Wir machten ein paar mal Halt, um ein Fotos von den Dünen und vom Meer zu machen. In Zingst fotografierten wir die Seebrücke, an deren Ende sich eine futuristisch aussehende Tauchglocke befindet. Irgendwann hinter Zingst, wurde es mir zu langweilig. Wir bogen zum Strand ab und stellten unsere Räder in den Schatten. Eigentlich wollten wir hier rasten, aber die Pferdebremsen hatten es mal wieder auf meinen Mann abgesehen und so mussten wir fluchtartig den Ort wieder verlassen. Dafür hielten wir nochmal auf der Seebrücke in Zingst und schauten uns die Tauchglocke aus der Nähe an.

Die frische Brise auf der Seebrücke kühlte nur wenig, denn die Sonne brannte ziemlich auf uns herunter. Nachdem wir die Tauchglocke beim Auftauchen beobachtet hatten, schwangen wir uns wieder auf die Räder und fuhren heimwärts. Der Radweg glich inzwischen einer Autobahn für Radfahrer. Hunderte von Menschen waren mit den Rädern unterwegs, die meisten mit E-Bikes, einige trugen sogar Helme. Nach acht Kilometern hatten wir es endlich ins Hotel geschafft und wechselten unsere verschwitzen Sachen. Unser Mittagessen nahmen wir wieder im Brauhaus ein, weil die anderen Restaurants Ruhetag hatten oder erst ab 17 Uhr öffneten.

Am Nachmittag saßen wir im Garten des Hotels, tranken Kaffee und beobachteten die vielen Vögel, die sich in der Hecke tummelten. Nach 19 Uhr machten wir noch einen kleinen Abendspaziergang, aber es war immer noch so heiß, dass einem der Schweiß den Rücken herunter ran.

Hier noch ein paar Impressionen von unserer Radltour entlang der Küste.

Am Weststrand

Karibik? Nein, Ostsee.

Beim Frühstück herrschte ziemlicher Trubel. Tags zuvor war eine Reisegruppe angekommen und die nahm den kleinen Frühstücksraum in Beschlag. Fast nur Frauen und durch die Bank weg die typische Bioladen-Klientel. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie sieht man denen das an. Bitte nicht falsch verstehen. Es war zu erwarten, wenn man ein Bio-Hotel bucht, aber diese Fülle am frühsten Morgen, war nicht gerade das, was ich mir an meinem ersten Urlaubsmorgen gewünscht habe. Ich aß meine zwei Brötchen und wollte eigentlich nur noch weg. Übrigens Mittwoch und Samstag ist im Hotel Veggie-Tag, dann gibt es keine Wurst und kein Fleisch zum Frühstück. Womit ich gut leben kann, solange es genug Kaffee gibt, ist alles gut. Übrigens ist der Kaffee im Hotel richtig lecker. Mild, überhaupt nicht sauer und das, obwohl er aus der Thermoskanne kommt.

Anschließend liehen wir uns Fahrräder für eine Radtour zum berühmten Weststrand. Auch das wurde vom Hotel problemlos organisiert. Besagte Reisegruppe brach ebenfalls zu einer Radtour auf. Die meist älteren Damen hatten so ihre Probleme mit den Fahrrädern, weil sie wahrscheinlich seit Jahren nicht gefahren waren. Das Phänomen sollten wir an diesem Tag noch öfter beobachten. Was ich aber besonders besorgniserregend fand: so gut wie keiner der Fahrradfahrer, denen wir an diesem Tag begegneten (und das waren echt viele) trug einen Radhelm. Wir hatten extra unsere Helme mitgenommen. Angesichts der unebenen Wege und der vielen Radfahrer und Fußgänger, die hier unterwegs sind, sicher nicht die schlechteste Idee.

Der Weg führte kilometerlang durch einen Mischwald. Hin und wieder sah man rechts und links vom Weg Tümpel und kleine Wasserflächen zwischen den Bäumen schimmern. Auf dem Radweg aus festgefahrenem Sand ließ es sich leicht dahin rollen. Es war schattig und der Fahrtwind kühlte. Oftmals kreuzten wir andere Wege, doch alles war einigermaßen gut beschildert.

Nach zwanzig Minuten lichtete sich der Wald und wir erreichten das Ende des Weges, der in einen großen Fahrradparkplatz mündetet. Von da ab führte ein schmaler Pfad durch blühende Dornenhecken zu den Dünen. Wie nah wir am Meer waren, erkannte man bereits an dem tiefen Sand, durch den wir wateten. Meine Schuhe waren im Nu voll damit. Schließlich öffnete sich der Weg zwischen den Dünen und man hatte einen irrsinnigen Blick aufs Meer. Rechts und links standen hohe Kiefern, mit vom Wind gebogenen Kronen, die auf dem weißen Sand wie Palmen aussahen.

Wir spazierten eine Weile am Stand entlang, doch auch hier störten braune Algen und dicke Kugeln aus schwarzen Muscheln die perfekte Schönheit. Was wäre das für ein sagenhafter Strand, wenn das Wasser hier so klar wäre, wie am Atlantik.

Nachdem sich meine Schuhe Zentimeterhoch mit Sand gefüllt hatten, kehrten wir zu den Rädern zurück. Ich schüttete den Sand aus und wir fuhren einen Teil des Weges zurück, um dann Richtung Leuchtturm abzubiegen. Man muss schon sagen, dass Radfahren hier richtig Spaß macht, weil alles flach ist und keinerlei Steigungen zu bewältigen sind. So kommt man zügig vorwärts, ohne sich anzustrengen. Außerdem waren am frühen Vormittag noch nicht allzuviele Leute unterwegs. Das sollte sich später ändern.

Am Leuchtturm war schon mehr los. Wir verzichteten auf einen Besuch, sondern gingen zum Strand hinunter und suchten nach Bernstein. Leider vergeblich. Dafür entdeckten wir das Schild »Rundweg« und folgten diesem. Leider stand dort nicht, wie lang dieser Rundweg war und wohin er führte. Irgendwann ging es am Strand nicht mehr weiter. Dort begann die Vogelschutzzone. Dafür führte das Schild hoch in die Dünen, wo der Weg zu einem hölzernen Pfad wurde, der sich quer durch die Dünen schlängelte und zu Beobachtungen einlud. Das war schön, führte aber in die entgegengesetzte Richtung vom Leuchtturm. Uns stellte sich die Frage, wie weit ging dieser Weg und kommen wir wieder zurück zum Leuchtturm? Kein Schild, keine Karte, und auch kein mobiles Netz, was man konsultieren konnte. Wir entschlossen uns weiterzugehen, entdeckten Hirschkühe und jede Menge Vögel und tatsächlich kamen wir nach drei Kilometern wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Am Leuchtturm herrschte inzwischen irrsinnig viel Betrieb. Immer mehr Leute strömten auf Fahrrädern, zu Fuß oder mit der Kutsche herbei. Wir nahmen folgerichtig Reißaus. Im angenehmen Tempo ging es sechs Kilometer zurück durch den Wald ins Hotel, wo wir uns kurz ausruhten und dann ins Ortszentrum fuhren, um etwas zu Essen. Im »Darßer Brauhaus« speisten wir vorzüglich, auch ohne das lokale Bier zu kosten. Mein Nachmittagsprogramm bestand aus Lesen, Schreiben und einer Rückenmassage.

Hier ein paar Impressionen vom Darßer Weststrand.

Langer Weg in den Norden

Beim Straßenbau scheint die Zeit stillgestanden zu haben

Autofahren ist echt nicht mein Ding.

Nach unserer Fahrt nach Prerow weiß ich auch wieder, warum ich lange Strecken lieber mit dem Zug zurücklege. Wir brauchten glatte sieben Stunden für die Fahrt von Saalfeld auf den Darß. Dabei nervten nicht nur die vier Baustellen auf der A9, sondern vor allem die Endlosbaustellen auf der A24. Mehr als 60-80 km/h durfte man dort nicht fahren, und der Verkehr war trotz Sonntag ziemlich dicht. Erst auf der A19 entspannte sich das Ganze wieder.

Und just als wir in Rostock von der Autobahn abfuhren, steckten wir in einem Stau. Irgendwo hatte es einen Unfall gegeben, der Hubschrauber flog über uns hinweg und von fern hörte man die Rettungsdienste nahen. Glück im Unglück – Wir standen direkt neben einer Abfahrt. Ich zückte mein Handy, ließ mir kurzerhand die Verkehrslage anzeigen und entdeckte, dass es eine Parallelstraße gab. Wir mussten bloß die Abfahrt nehmen, was wir dann auch taten. Und siehe da, wir brauchten nur ein paar Minuten, um an dem Megastau vorbei, am anderen Ende des Staus wieder auf die Hauptstraße zu gelangen. Wahrscheinlich haben wir uns so mehrere Stunden Warterei erspart. Hoch lebe das Smartphone und die NavigationsApp!

Auf der Bundesstraße fuhren wie nochmal 60 Kilometer direkt an der Küste entlang bis nach Prerow. Unteranderem passierten wir jenes Ostseehotel, was Tags zuvor abgebrannt war. Man nahm den Brandgeruch noch durch die geschlossenen Autoscheiben wahr. Die Ortsdurchfahrten waren allgemein ziemlich abenteuerlich. Überall gab es Fahrradfahrer und Fußgänger, die vor dem Auto herfuhren oder einfach über die Straße rannten. Das erforderte meinem Mann erhöhte Konzentration ab und das nach fast sieben Stunden Autofahrt. Mit Verwunderung nahmen wir zur Kenntnis, dass trotz Sonntag die Geschäfte geöffnet hatten, vorallem Discounter wie Aldi, Lidl und Co. In Bayern eine absolute Unmöglichkeit, hier Normalität.

Für die Anfahrt zum Hotel befragte ich nochmal die NavigationsApp, obwohl ich sonst lieber auf der Karte nachsehe und meinen Mann navigiere. In Prerow ist es aber unabdingbar. Die Seitenstraßen sind nicht nur schmal und in teils miserablem Zustand, sondern es sieht auch noch alles gleich aus. Die Siedlung wurde im Laufe der Jahrzehnte in den Sand zwischen die Bäume gebaut. Nach und nach sind die alten Häuser und Bungalows aus Ostzeiten modernen Einfamilienhäusern gewichen. Alles sehr schick, aber die Straßen dazwischen wurde nur hier und da erneuert. Teilweise sind es nur mit Betonplatten verstärkte Sandwege. Eng, löchrig und verwinkelt, auf denen sich Radfahrer und Fußgänger kreuz und quer bewegen. Mit großen oder tiefergelegten Autos kommt man da nur schwer durch. Mit unserem Corsa fanden wir den Weg jedoch ohne Probleme und waren ziemlich Lendenlahm, als wir vor dem Hotel aus dem Auto stiegen.

Wir checkten in dem gebuchten Bio-Hotel ein. Alles war sehr persönlich, wir bekamen eine kleine Führung, man zeigte uns wo wir uns »belebtes« Wasser zapfen konnten und wo die Behandlungen stattfinden werden. Dem Hotel angeschlossen ist nämlich ein Gesundheitszentrum mit Physiotherapie in ganzheitlicher Ausrichtung. An der Rezeption lagen schon unsere drei Termine zur Rückenmassage für die nächsten Tagen bereit (alles im Hotelpreis inbegriffen). Anschließend ruhten wir uns erstmal ein wenig aus und gingen dann in den Frühstücksraum, wo es gegen eine kleine Spende, jeden Nachmittag Kaffee und Kuchen gibt.

Am Abend wollte ich an den Strand. Von der Karte wusste ich, dass es ein gutes Stück zu laufen ist. Nach dreißig Minuten Fußweg sahen wir endlich das Meer und tauchten unsere Füße in feinen weißen Ostsee-Sand. Nur vom Meer selbst waren wir etwas ernüchtert. Die Ostsee ist nicht der Atlantik und auch nicht mehr das, was sie mal war. Als Kind habe ich darin gebadet. Es gab damals zwar Seetang und hin und wieder eine Qualle, aber die großflächigen braunen Algenteppiche, die jetzt an den Strand geschwemmt werden, gab es definitiv nicht. Es roch dementsprechend streng und man mochte eigentlich nicht barfuß am Wasser entlanglaufen. Wir taten es trotzdem und entdecken immer mal wieder Stellen, an denen weniger Algen waren. Trotzdem ist der Strand vollgeschwemmt. Auffällig auch die vielen schwarzen Miesmuscheln, die in dicken Klumpen am Strand lagen und vor sich hingammelten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es die in den Achtzigern schon hier gab.

Es war Abend, aber die Sonne steht im Juni in diesem Breiten noch hoch am Himmel. Es waren viele Leute unterwegs, einige mit Hund, andere in dicker Winterjacke. Wir liefen im T-Shirt und kurzer Hose herum und froren bei 22 Grad nicht. Wir sind aber auch jünger. Auffällig viele der Touristen waren Rentner. Die Mehrzahl der Leute, denen wir begegnen, gehört der Generation 50-Plus an, mehr oder weniger rüstige Senioren, meist aus Sachsen, Thüringen oder Berlin, aber auch aus Bayern. Wenn nicht auch einige junge Familien mit Babys und Kleinkindern unterwegs gewesen wären, wären wir schon fast aufgefallen.

Nach fast zwei Stunden Abendspaziergang fielen wir todmüde ins Bett. Apropos Todmüde. Vor dem Schlafengehen las ich voller Faszination noch einige Kapitel in einem Totengräberbuch und träumte prompt von Wasserleichen.

Steine & Muscheln, aber kein einziger Bernstein
Der Algenteppich hat schon was von einem Ölteppich
Es gab aber auch Stellen, die relativ sauber waren