1051 Meter

… so viel misst ist die längste Burganlage der Welt. Die Rede ist von der Burg in Burghausen. Der Platz, hoch oben über der Salzach gelegen, wurde schon im 16. Jahrhundert v. C. besiedelt. Die erste Erwähnung einer Burg stammt allerdings erst aus dem Jahre 1025 n. C.
Was beim Betreten zunächst wie ein Bauernhof anmutet, wird, je weiter man vordringt, nach und nach zu einer richtigen Burg. Fünf Vorburgen muss man durchqueren, um in den eigentlichen Burghof zu gelangen. Überall entdeckt man lauschige Ecken, mittelalterlich anmutende Gebäude, an Bauerndörfer erinnernde Häuschen. Das alles ist verbunden mit einem gepflasterten Weg, dessen rundgewaschene Natursteine das Gehen etwas erschweren. Von einer Seite der Burganlage erstreckt sich der Blick über die Altstadt von Burghausen mit der dominierenden Kirche und der grünlich schimmernden Salzach. Auf der anderen Seite schaut man hinab auf einen kleinen See, in dem sich gestern noch einige hartgesottene Schwimmer tummelten.
Der gepflegte Weg im Burg-Zwinger bietet durch die Schießscharten immer wieder überraschende Ausblicke auf die Gegend, während sich dazwischen blühende Rosenhecken an die steinernen Burgmauern ducken. Alles sieht ein bisschen aus wie im Märchen. Da schlägt das Herz eines jeden Romantikers höher. Nicht für umsonst wurde die Burg schon oft genug zur Filmkulisse.
Faszinierend auch, die überall zu findenden Mamor- oder Granitkugeln, die bestimmt einmal bei einer Auseinandersetzung mit einem Katapult in den Burghof geschossen wurden, und die heute entweder als Wegbegrenzung oder aufgestapelt als Dekoration fungieren. Spannend.

Burghof einer Vorburg
Burghof einer Vorburg
Burghof der Hauptburg
Innenhof der Hauptburg
Blick auf die Altstadt mit der Salzach
Blick auf die Altstadt an der Salzach
Innenhof mit Kugeln
Innenhof mit Kugeln

Urlaub bei uns zuhause

Wenn man schon dort wohnt, wo andere Leute Urlaub machen, dann sollte man das auch nutzen. Was wir in den nächsten zwei Wochen auch ausgiebig vorhaben. Jetzt wo die Touristen weg sind und das Wetter noch gut ist, sind die Ausflugsorte in der Region am schönsten. Grund genug, sich das eine oder andere Ausflugsziel in der Nähe genauer anzusehen.

Gestern waren wir erst am Weitsee und danach im Biathlon-Zentrum in Ruhpolding. Es ist schon eine gewaltige Anlage, die dort anlässlich der Weltmeisterschaften vor ein paar Jahren errichtet wurde. Der VIP-Bereich der riesigen Tribüne dient im Sommer als Café, von wo man einen perfekten Blick auf den Schießstand und die auf Rollen trainierenden Athleten hat. Also ganz entspannt die Sonne genießen, während andere sich abrackern – auch nicht schlecht. Anschließend waren wir beim Griechen lecker Essen. Was will man mehr vom Urlaub.

Dazu gibts noch ein paar schöne Impressionen, zum neidisch werden.

Herbststimmung
Herbststimmung
Weitsee am Vormittag
Weitsee am Vormittag
Vor dem Skistadion
Vor dem Skistadion
Schießstand in Ruhpolding
Schießstand in Ruhpolding

Werkstätten der besonderen Art

Erst wollte ich ja nicht mit, als mich meine Eltern überredeten am Chorausflug teilzunehmen. Doch dann lockten Wildbraten mit Thüringer Klößen und eine Besichtigung. Wovon, das erfuhr ich erst sehr spät und war zunächst alles andere als begeistert. Doch dann war ich ehrlich überrascht.

Wir besichtigten die Christopherus-Werkstätten der Diakonie in Altengesees. Ich hatte zunächst einmal gar keine Ahnung, dass man Behindertenwerkstätten überhaupt besichtigen kann. Und als uns die überaus motivierte junge Frau durch das Objekt geleitete, war nicht nur ich sprachlos. Die modernen Räumlichkeiten waren hell und freundlich, extrem sauber und bestens ausgestattet. Dort werden unteranderem für Stablio Stifte in Packungen sortiert, Schrauben und Dübel für Möbel verpackt und EURO-Paletten gefertigt. Hinzu kommen kreative Bereiche wie Bäckerei, Molkerei, Töpferwerkstatt, Weberei und eine Schreinerei. So finden hier knapp zweihundert behinderte Menschen aus der Umgebung eine sinnvolle und ganz auf ihre Fähigkeiten angepasste Tätigkeit.

Mich hat die Professionalität überrascht, mit der hier gearbeitet wird. Alles wirkt wie ein richtiges kleines Unternehmen und dass ist es auch. Jede Abteilung egal ob Molkerei, Töpferei oder Schreinerei wird von einem Fachmann, sprich Meister, geleitet, der zusätzlich noch eine pädagogische Qualifikation mitbringen muss. Das Wichtigste bei der Arbeit mit Behinderten ist jedoch die Hingabe für die Menschen, das betonte die junge Frau. „Das sei nicht nur ein Job zum Geldverdienen, sondern einer, den man nur aus vollstem Herzen und mit großer Überzeugung verrichten kann.“ Ich glaube ihr das auf’s Wort und gebe offen zu, dass es für mich nicht in Frage käme.

Deswegen gilt meine Bewunderung allen Menschen, die sich in sozialen Berufen engagieren.

Bahnsinn

Als geplagter Pendler hat man es schwer. Allein in den vergangenen Wochen verbrachte ich viele Stunden mehr als nötig auf Bahnhöfen und in Zügen. Die Gründe reichten von spielenden Kindern im Gleis, über ausgefallene Triebwagen bis hin zur Strecksperrung durch Personenschaden. Inzwischen ist man als Pendler einigermaßen abgebrüht und hat schon diverse Anti-Aggressions Strategien entwickelt. Entweder ich schreibe, was am Bahnhof stehend, nicht ganz optimal funktioniert, oder ich versuche mit Leuten ins Gespräch zu kommen, von denen man mitunter sehr spannende Geschichten zu hören bekommt.

Weil heute der 15. des Monats ist und ich immer dann von meinem Mann ein Geschenk bekomme, hat er mich heute mit einem Pendlerkalender überrascht. So darf ich mich ab Januar, jede Woche auf eine nicht ernstgemeinte Karikatur von Miguel Fernandez zum Thema Bahnfahren freuen. Clever ist, dass die Zeichnungen als Postkarten weiterverwendet werden können. Das finde ich toll.

Der Kalender erschien bei Lappan und ist in jeder Buchhandlung sowie im Onlinehandel erhältlich.

Quelle: Lappan
Quelle: Lappan

Europa auf der Kippe

Heute hatte ich mir vorgenommen einen lustigen Beitrag zu bringen, aber gestern Abend holte mich die Wirklichkeit ein und mir ist momentan alles andere als zum Lachen.

Die Flüchtlingskrise nimmt so langsam beängstigende Ausmaße an. Wenn die Bundesregierung beschließt, Grenzkontrollen einzuführen und den Bahnverkehr zu Österreich auszusetzen, dann sind dies Maßnamen, die mich sehr aufrütteln. Nicht nur, weil ich als Pendler auf der Strecke Salzburg-München von dem eingeschränkten Zugverkehr direkt betroffen bin. Mich entsetzt nicht nur die mangelnde Solidarität der Europäischen Nachbarländer, sondern auch die der anderen deutschen Bundesländer. Jetzt die Grenzen zu schließen, mag ein Ruf nach Hilfe sein, wird aber das Grundproblem nicht lösen. Damit stauen sich die Flüchtlinge in Österreich oder in Ungarn. Mit dieser Situation ist weder den betroffenen Staaten, noch den Flüchtlingen geholfen. Wenn das deutsche Signal aber nicht bei den Europäern ankommt, werden die Konsequenzen unweigerlich das Ende des Vereinten Europas sein. Doch vielleicht ist das von einigen sogar gewollt. In Syrien stehen sich zwei Supermächte wie im Kalten Krieg gegenüber; die EU, als von beiden Staaten gefürchtete Wirtschaftsmacht, steckt mittendrin. Sie mit Flüchtlingen zu überschwemmen, könnte dieses Problem aus amerikanischer bzw. russischer Sicht aus der Welt schaffen.

Das Ausbluten Syriens ist ein Problem, dass die UN auf den Plan rufen müsste. Von politischen und humanitären Aufrufen an die USA oder Russland ganz zu schweigen. Mit Hohn lese ich, dass Russland weiterhin Waffen an das Assad-Regime liefern und sogar militärische Stützpunkte in Syrien errichten will. Während die Vereinigten Staaten unter vorgehaltener Hand die syrischen Rebellen unterstützen. Es ist ein Stellvertreterkrieg der in Syrien geführt wird, so wie einst in Afghanistan und wir wissen inzwischen wohin das geführt hat. Mit dem Eingreifen der USA in den Kuwait-Konflikt und dem Beginn des ersten Golfkrieges haben meines Erachtens die Amerikaner die Büchse der Pandora geöffnet und die ohnehin schon instabile Region völlig destabilisiert. Die USA hat sich bereiterklärt die lächerliche Anzahl von 10.000 syrischen Flüchtlingen aufzunehmen. So viele kamen am Wochenende allein am Münchner Hauptbahnhof an.

Fakt ist. Das Aussetzen des Schengener Abkommens kann der Beginn vom Ende Europas bedeuten. Alle bisherigen Krisen – inklusive der Griechenlandkrise – sind nichts, verglichen mit dem, was Europa noch bevorsteht, wenn niemand die weltweit grassierenden Konflikte befrieden kann. Dann steht uns womöglich doch irgendwann das bevor, was immer wieder in postapokalyptischen Romanen zu lesen ist. Es kann das Ende des Abendlandes bedeuten, wie wir es kennen. Und das ist jetzt nicht falsch zu verstehen. Ich kann die Menschen verstehen, die aus Syrien flüchten. Sie wollen wie wir nur in Frieden und ohne Angst leben und viele von ihnen sind nicht mal auf unsere finanzielle Hilfe angewiesen. Europa ist so groß, es gäbe genügend Platz, man muss nur dafür bereit sein, Flüchtlinge wie Menschen zu behandeln und nicht wie Tiere, dann würde sie auch bereitwillig in anderen europäischen Ländern leben wollen und nicht nur in Deutschland.

Wenn Deutschland und Europa sich jetzt nicht zusammenraufen und massiven, politischen und wirtschaftlichen Druck auf die Verursacher des Übels ausüben, könnte es über kurz oder lang an deren Auswirkungen zerbrechen. Und das ist kein Szenario, dass ich uns wünsche.

Neues Sitzmöbel

Sie ist da! Unsere neue Couch wurde gestern Mittag geliefert.

In einer Hauruck-Aktion hoben die beiden Mitarbeiter vom Möbelhaus das gute Stück gleich durchs Fenster ins Wohnzimmer. Vorher war dem Möbelpacker anhand unseres verwinkelten Flurs und des gut gefüllten DVD- und Bücherregals nämlich Angst und Bange geworden. Er fragte vorsichtig, ob ich nicht das Fenster freiräumen könnte. Also brachte ich erst meine Orchideen in Sicherheit und legte anschließend den fälligen Restbetrag für die Bezahlung bereit. Ich war kaum fertig, da stand die Couch fix und fertig aufgebaut im Wohnzimmer und der Möbelpacker drückte mir die Papiere zum Unterschreiben in die Hand. Keine zwei Minuten später war er auch schon wieder weg. Der ganze Vorgang hat nicht länger als zehn Minuten gedauert.

Hergestellt wurde die Couch in Taufkirchen in Bayern; ganz nach unserer gängigen Praxis, möglichst regionale Erzeugnisse oder zumindest Produkte „Made in Germany“ zu kaufen. Sie sieht nicht unbedingt spektakulär aus, aber man sitzt hervorragend. Kein Vergleich zum Vorgängermodell, bei dem ich dauernd die Federn im Hintern hatte.

Jetzt hoffen wir sehr, dass sie ganz lange hält.

Sitzmöbel

 

Saalfelder Solidarität

Auch wenn die Medien immer wieder propagieren, wie fremdenfeindlich die Ostdeutschen sind. Gestern haben die Bewohner meiner Heimatstadt Saalfeld gezeigt, dass dieses Bild nicht stimmt.
Einer der Flüchtlingszüge aus Ungarn wurde direkt nach Saalfeld weitergeleitet. Hier wurden die Flüchtlinge von der Bevölkerung herzlich in Empfang genommen, bevor sie in Busse stiegen, um in eine Notunterkunft in der Nähe gebracht zu werden. Viele Saalfelder haben bereits im voraus Spenden zum Bahnhof gebracht, mit denen die Flüchtlinge versorgt wurden. Der amtierende Thüringer Regierungschef Bodo Ramelow begrüßte die Flüchtlinge persönlich. Die wenigen rechten Spinner, die mit ihren Parolen das Bild trüben wollten, wurden von der singenden Masse der hilfsbereiten Saalfelder einfach überstimmt.

Die Ostthüringer Zeitung berichtet ausführlich in einem Online-Artikel darüber.

Ich bin gerührt und stolz auf die Saalfelder.

Handwerker für Loch gesucht

Was ist so schwierig daran, ein Loch in eine Wand zu bohren? Ich kapiere es einfach nicht.

Seit ein paar Monaten sind wir auf der Suche nach einer Baufirma, die uns ein 100 mm Loch in die Außenwand unseres Badezimmers schneidet. Wir wollen dort einen Lüfter installieren. Den Lüfter haben wir schon, allein es fehlt das Loch. Inzwischen versuche ich es bei der fünften Firma. Aber entweder man wird dauernd vertröstet oder sie stellen sich tot. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn mal einer vorbeikäme und es sich wenigstens mal ansähe, aber nicht einmal das ist uns vergönnt.
Inzwischen bin ich mit meinem Latein am Ende, habe keine Ahnung, wen ich noch fragen könnte. Mein Mann erwägt tatsächlich schon, so einen Bohrgerät zu kaufen oder zu leihen und das Loch selbst in die Wand zu bohren, doch dabei habe ich kein gutes Gefühl. Schließlich sind innen Fliesen und außen Putz, wenn da was schiefgeht, müssen wir vielleicht das ganze Haus streichen. Also werde ich mir weiter die Finger wund telefonieren müssen. Außer …

… wir fahren zu einem der Handwerker hin, zerren ihn und sein Werkzeug ins Auto und schließen ihn so lange bei uns im Bad ein, bis er sich durch die Wand gebohrt hat …

Verzweifelte Situationen fordern verzweifelte Taten, aber zugegeben es wäre die perfekte Lösung und zumindest im Ansatz effektiv. Welche mögliche Konsequenzen das allerdings nach sich ziehen könnte, darüber muss ich noch nachdenken …

Mhm!

Klimawandel im Bild

Zwei Fotos die sehr schön zeigen, wie sich der Klimawandel in den Alpen vollzieht. Eines aus dem August 2010; das andere wurde von mir heute vormittag gemacht.

Die beiden Bilder dokumentieren, wie trocken es im vergangenen Sommer und in den Wintern zuvor gewesen ist. Sie zeigen den Mittersee zwischen Ruhpolding und Reit im Winkel. Der See ist einer von drei Seen die größtenteils von Schmelzwasser gespeist werden. Weil die Niederschläge in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger geworden sind, hat sich die Größe des See inzwischen mehr als halbiert. Als mein Mann Anfang der Neunziger Jahre zum erste Mal den See besuchte, ging das Wasser noch bis zum Waldrand. Im August 2010 maß der Pegel des Sees fünf Meter. Heute sind es gerade noch neunzig Zentimeter. In wenigen Jahren wird vom See nur noch eine sumpfige Wiese übrig bleiben.

Ich fand unsere Wanderung heute morgen mehr als nur deprimierend, weil ich die spiegelnde grüne Wasserfläche des See in so schöner Erinnerung hatte. Doch von der Schönheit ist nur ein flacher stinkender Tümpel geblieben. Ich war von dem Anblick so beunruhigt, dass ich trotz der 34° C Lufttemperatur eine Gänsehaut bekam.

August 2010
August 2010
August 2015
August 2015
Ursprüngliche Größe der Seen laut Karte
Ursprüngliche Größe der Seen, laut Karte
Mittersee_spiegelung
Solche Fotos gehören der Vergangenheit an

Ganz scharfe Sachen

Unsere Terrasse ähnelt zur Zeit einem Gemüsegarten. Dort wachsen neben Brombeeren, Tomaten, Kartoffeln und Bohnen auch diverse Paprikasorten.

Weil wir’s gern scharf mögen, kaufte ich im Frühjahr auch ein kleines Habanero-Pflänzchen, das inzwischen schön gewachsen ist und jede Menge roter Früchte trägt. Mitte der Woche haben wir die ersten Früchte geerntet. Mein Mann, ahnungslos ob der Gefährlichkeit einer Habanero, schnitt eine der Schoten auseinander und entnahm die Kerne. Anschließend war er den Rest des Abends damit beschäftigt, seine Hände zu waschen. Doch vergeblich, die Schärfe wollte nicht weichen.

Was für ein Teufelszeug ich da gekauft hätte, fragte er mich morgens im Bett, als an seinen Fingern die Schärfe immer noch zu spüren war. Ich zuckte mit den Schultern und meinte, dass ich eine schwarze Chilischote auf der Schärfenskala gesehen hatte. Nur die Thai-Chili-Pflanze, die es auch zu kaufen gab, hatte noch mehr.

Immerhin haben wir die Schoten getrocknet und heute Mittag in einem Chili con Carne verarbeitet. Es war gut scharf, aber nicht so scharf, dass man es nicht mehr hätte essen können, so wie das Chili, das wir vor ein paar Jahren aus den Schoten einer Freundin aus Texas gemacht hatten. Mir hat es geschmeckt; meinem Mann auch. Und wenn uns beiden zum Schluss die Tränen in den Augen standen, dann lag das wohl daran, dass das Essen einfach zu heiß (!) war.

Habanero