Andor

Quelle: Wikipedia

2016 kam ein Star Wars Film in die Kinos, der die Fans spaltete. »Rogue One« war anders als die Filme zuvor. Es ging rauer zu, die Geschichte hatte kein Happy End und es unterschied sich von den märchenhaften Filmen, die Star Wars bisher gezeigt hatte. Es gibt Fans, die hassen »Rogue One« bis heute. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dieser Film der Erwachsenste unter den Star Wars-Filmen ist und viel besser, als er gemeinhin bewertet wird.

Nun gibt es eine Fortsetzung als Serie, wobei es keine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist. Es ist ein Prequel, das die Vorgeschichte des Hauptdarstellers aus »Rogue One« – Cassian Andor – erzählt. Die Serie ist vor zwei Wochen bei Disney+ angelaufen. Die vier bisher veröffentlichten Episoden haben mich vollends überzeugt. Das ist nicht nur gut gemacht, sondern erzählt eine spannende Geschichte, obwohl man das Schicksal von Cassian Andor kennt.

Die Serie beschäftigt sich mit brandaktuellen Fragen, wie: Wo hört Rebellion auf und fängt Terrorismus an? Inwieweit muss man seine Moral über Bord werfen, um eine totalitäres, menschenverachtendes System zu bekämpfen?  Ist Töten im Sinne einer Rebellion erlaubt? Genau diesen Fragen geht die Geschichte um Cassian Andor nach und das auf eine sehr glaubhafte und realistische Weise. Sie zeigt uns die andere Seite von Star Wars, die der Erniedrigten und Normalsterblichen, die unter dem Konflikt zwischen Imperium und Rebellenallianz stehen und sich für eine Seite entscheiden müssen, mit allen Konsequenzen. Das ist stark gemacht, ohne Lichtschwert schwingenden Helden und märchenhaften Kräften wie der Macht. Das ist fast schon Military SF.

Wenn ich mich im Netz umsehe, finde ich auf den einschlägigen Seiten, die sonst über jede neue Serie berichten, keinerlei Besprechungen. Man hat fast das Gefühl, als versuchten viele, die Serie zu ignorieren. Vielleicht weil sie nicht in die Schublade passt, in der Star Wars normalerweise liegt. Vielleicht weil sie uns mit den Fragen konfrontiert, die uns aktuell gestellt werden. Auf welcher Seite wollen wir stehen? Wie viele unserer moralischen Werte müssen wir aufgeben, um diese Werte zu verteidigen? Das ist eben nicht die seichte Kost, die man von Star Wars gewohnt ist.

Die Serie wird zwei Staffeln mit je zwölf Episoden haben. Für mich ist sie heute schon das Serienhighlight des Jahres.

Schnitzeljagd im Paradies

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 286 – »Kartell der Pilgerväter« von Ruben Wickenhäuser

Der als Paradies beworbene Planet Parimar entpuppt sich als übervölkerte Technowelt, auf der viele Pilger gestrandet sind. Die wenigen Biosphärenreservate dienen als Prüfungsort für die Pilger. Es geht um Zielstrebigkeit und dem Widerstehen von Versuchungen. Die wenigsten können sich den Freuden des Müßiggangs entziehen.
In dieses Szenario werden Perry Rhodan und seine Begleiter geworfen. Rhodan und Gayt-Coor werden von Doyntscho, Roi Danton und Torytrae getrennt. Nach einer Nacht im Paradies verlassen sie das Tal auf der Suche nach ihren Freunden und dürfen weiterziehen. Auf ihrer Suche in den überbevölkerten Städten werden sie in die Machenschaften eines Drogenkartells verwickelt. Sie kehren zurück in eines der Biosphärenreservate, in dem die Yaanztronischen Militärs gegen eine einheimische intelligente Spezies, die Batrachen, kämpfen. 

Rhodan und Gayt-Coor geraten zwischen die Fronten. Der Terraner im Körper eines Yaanztroners schwingt die Moralkeule und verhilft den bedrängten Ureinwohnern zu einer Verteidigungsstrategie, die den Krieg beenden könnte. Ganz nebenbei findet er auch die gesuchten Freunde wieder und enttarnt die Pilgerväter als Köpfe des Drogenkartells. Um Rhodan zum Schweigen zu bringen, bieten die Pilgerväter ihm und seinen Freunden das Siegel an, um zur nächsten Station weiterzureisen.

So langsam wird es ein wenig ermüdend. Noch eine Pilgerprüfung und wieder bekommt man erklärt, wie die yaanztronische Kultur tickt. Inzwischen habe ich das verstanden und die meisten anderen Leser und Leserinnen sicher auch.

Der Autor gibt sich Mühe mit allerlei Reminiszenzen und Vergleichen zur terranischen Kultur das Leben auf Parimar zu beschreiben. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Zumindest bringt er zwei Botschaften an den Mann oder die Frau, nämlich, dass Krieg für welchen Zweck auch immer nie eine Lösung sein kann und das Drogenkonsum nicht nur dem eigenen Körper schadet, sondern vielen anderen auch.

Die Romanhandlung ist zwar extrem wendungsreich und teilweise echt spannend, aber durch die vielen Wiederholungen aus den vorangegangenen Romanen liest sich so manch anderes Kapitel dagegen zäh wie Leder. Das kann auch der opulente Weltenbau nicht wettmachen. So langsam ist man übersättigt, von all den Spezies, den Landschaften, den vor Leben überquellenden Städten, mit all ihren Einrichtungen, die den Pilgern die Kuschtas aus den Kristallen ziehen sollen.

Der Titel des Romans »Kartell der Pilgerväter« verrät schon im Voraus, wer hinter dem Drogenhandel steckt. Da kann der Autor noch so viel Mühe auf seine Nebenfiguren verwenden, es wird keinen überraschen, was Rhodan am Ende herausfindet. Zumal dem Terraner offensichtlich nicht daran gelegen ist, dass System zu zerschlagen, denn er lässt sich auf den Deal der Pilgerväter ein, um die nächste Etappe zu erreichen. Die eigentliche Arbeit überlässt er den Batrachen, die die halluzinogenen Pflanzen genetisch verändern, damit aus ihnen keine Drogen mehr hergestellt werden können. Da stellt man sich doch die Frage, warum die offensichtlich so intelligenten Batrachen nicht schon längst selbst darauf gekommen sind und erst ein Perry Rhodan daherkommen muss, um ihnen die Erleuchtung zu schenken.

Genau das ist es, was ich an manchen PERRY RHODAN-Romanen so hasse. Perry Rhodan der Held, der allem und jedem moralisch überlegen ist und der für jedes Problem eine Lösung zu haben scheint. Das ist so unglaubwürdig, da waren wir bei NEO schon mal weiter.

»Kartell der Pilgerväter« ist kein Roman, den man gelesen haben muss, um die Staffelhandlung zu verstehen. Dessen exotischer Weltenbau sich aber durchaus mit den Vorgängerromanen messen kann. Gayt-Coor wirkt auf diesem Cover auf mich irgendwie, als stamme er aus der Serie »Die Dinos«.

Kalter Einstand

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 285 – »Im Kältewald« von Marlene von Hagen

Auf der Pilgerreise zum Peregrosch erreichen Perry Rhodan und seine Freunde Roi Danton, Doynschto und Gayt-Coor die ersten Stationen. Mit ein bisschen Unterstützung der terranischen Freihändler werden sie als Pilger zugelassen und treten auf einem Eisplaneten zur ersten Prüfung an.
Auch die Yaanztronerin Saddrayasch möchte das Peregrosch erreichen, doch sie hat ein zerebrales Defizit und wird nicht als geeignet eingestuft. Als ein Pilger direkt vor ihren Augen stirbt, nimmt sie ihm den Pilgerbrief ab, der sie für die Pilgerreise qualifiziert. Auch sie muss ihre erste Prüfung im Kältewald auf Veltyr ablegen, doch sie gerät in Schwierigkeiten aus denen Perry Rhodan sie selbstlos retten kann.
Dadurch entdecken die Prüfer die Besonderheit von Rhodans Ceynach und beenden die Prüfung. Rhodan kann sie überzeugen, dass alle Mitglieder seiner Gruppe zur nächsten Prüfung auf Parimar zugelassen werden. Was er nicht weiß, die Pilgerreise dient ausschließlich der Suche nach besonders geeigneten Ceynachs. Wozu die Ceynachs gebraucht werden und was mit den Pilgern passiert, die nicht während der Prüfungen sterben oder aufgeben, bleibt unklar.
Am Ende kommt es zum Showdown zwischen Perry Rhodan und der Ceynachjägerin Torytrae, bei der sich die Jägerin plötzlich erinnert, dass auch sie eine Zeiträgerin ist wie Rhodan. Daraufhin schließen die beiden einen Waffenstillstand, um herauszufinden, was in Naupaum wirklich vor sich geht.

Marlene von Hagens erster NEO ist eine spannende Schnitzeljagd durch vielerlei unterschiedliche Umgebungen. Trotz der vielen Wendungen und des recht umfangreichen Personals gelingt es der Autorin mich bei der Stange zu halten und nicht zu verwirren. Sie schafft es sogar an einer Stelle ihr Lieblingsthema Einhörner in der Handlung zu platzieren.

Mit der Figur der Yaanztronerin Saddrayasch, die an einer Art Tourette-Syndrom leidet, erschafft sie eine glaubwürdige Heldin, die trotz all ihrer Schwächen viel Stärke zeigt und einen positiven Eindruck hinterlässt. Schön, dass sie am Ende zwar Rhodan und die anderen nicht begleitet, aber dennoch ein Happy End bekommt.

Überrascht hat mich an dem Roman, dass man als Leser schon so früh erfährt, was mit der Pilgerreise insgeheim bezweckt wird. Dass das Ganze eigentlich ein riesiger Schwindel ist, um passende Ceynachs zu finden. Ich frage mich, für was man die braucht, um so einen riesigen Aufwand zu rechtfertigen. Zumindest reduziert man auf diese Art ein wenig die Überbevölkerung.

Überhaupt scheint diese ganze Pilgermaschinerie ein riesen Geschäft zu sein. Ein bisschen erinnern mich die Bewohner Naupaums an die Ferengi aus Star Trek, die selbst ihre Großmutter verkaufen würden, wenn der Preis stimmt.

Was mir nicht so gut gefiel, war die Wendung um Torytrae. In einem Moment will sie Rhodan noch töten und im nächsten schließt sie mit ihm Frieden. Das kam mir ein bisschen zu plötzlich. Eine solche radikale Sinneswandlung ausgelöst durch eine einzelne Erinnerung war mir ein bisschen zu wenig.

»Im Kältewald« überzeugt mit einer stringenten Handlung, einem fantasievollen Weltenbau und gut ausgearbeiteten Charakteren. Sieht man von einigen unglaublichen Zufällen ab, ist Marlene von Hagen damit ein spannender Roman gelungen, der die Staffelhandlung in Naupaum wieder ein Stück vorantreibt.

Licht und Magie

Für alle die sich fürs Filmemachen und für Spezialeffekte interessieren, bei Disney+ läuft derzeit eine tolle Doku. »Industrial, Light and Magic« (ILM) so heißt die Firma, die bei vielen Hollywoodfilmen für die Effekte sorgte und sorgt und nicht nur das. Viele Technologien im Spezial Effekt-Bereich wurde von den Mitarbeitern bei ILM entwickelt, seien es Motion Control, Compositing oder Computeranimationen. Die meiste Technologie der Effekte, die wir in den heutigen Filmen bewundern können, stammen ursprünglich von ILM.

Die Dokumentation erzählt in sechs Teilen die Geschichte von ILM von der Gründung durch George Lukas für »Krieg der Sterne« bis hin zu den aktuellen Star Wars-Produktionen wie »The Mandalorian«. Es kommen die Menschen zu Wort, die diese magischen Welten geschaffen haben, die Regisseure, deren Filme durch die Effekte zu Blockbustern wurden und man bekommt mit viel Archivmaterial einen Eindruck von den auswendigen Entstehungsprozessen vieler bekannter Filme.

Duch mein Studium (Medientechnik) wusste ich schon einiges über Spezialeffekte, aber durch die Doku habe ich noch viel Neues dazugelernt. Am beeindruckendsten fand ich die »Virtual Production« mit dem Stage Craft, die bei »The Mandalorian« eingesetzt wurde. Das ist eine echte Revolution im Filmbusiness und hat fast schon den Charakter eines Holodecks.

Die sehr schöne Dokumentation »Light & Magic« ist leider nur bei Disney+ zu sehen. Bei YouTube gibt es einen Trailer.

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter

Quelle: Kinostarts

Ein Film über eine Figur aus einem anderen Film nennt man im allgemeinen »Spinoff«. Wenn der Spinoff gleichzeitig ein Prequel ist …

Halt. Spätestens jetzt sollte ich aufhören, mit englischen Begriffen um mich zu werfen, sonst kommen einige meine Leser vielleicht nicht mehr mit. Buzz Lightyear ist ein Charakter aus einem Animationsfilm, den die Pixar Animation Studios in den neunziger Jahren veröffentlicht hat. Darin ist Buzz ein Spielzeug, das einem Jungen gehört und das zusammen mit anderen Spielzeugen eine Menge Abenteuer erlebt. Warum und wie Andy zu Buzz Lightyear gekommen ist, wurde immer nur am Rande erwähnt. Buzz war eine Actionfigur aus einem Kinofilm.

Nun endlich, fast dreißig Jahre später, dürfen wir diesen Film selbst bestaunen. Auch der ist wieder ein Animationsfilm von Pixar. Und was für einer …

Der Space Ranger Buzz Lightyear muss ein Raumschiff mit über tausend Personen an Bord von einem Planeten retten, dabei begeht er einen schweren Fehler. Er schätzt eine Situation falsch ein und das Schiff und die Menschen stranden in einer fremden gefährlichen Welt. Während alle anderem sich mit dem Schicksal abfinden und ein neues Leben aufbauen, versucht er weiterhin alles Mögliche, um Schiff und Besatzung nach Hause zu bringen. Leider haben seine Versuche mit der Antriebstechnologie des Raumschiffs ihre Tücken. Bei jedem Test im All vergehen für ihn nur ein paar Stunden, für die Menschen auf dem Planeten aber Jahre. Und so dauert es fast einhundert Jahre auf dem Planeten bis er endlich erfolgreich ist. Doch da gehen Buzz‘ Probleme erst richtig los.

Wer die Vorschau gesehen hat, hat schon mitbekommen, das es im Film heiß hergeht. Viel Action und witzige Szenen machen den Streifen und seine Protagonisten sympathisch. Aber es gibt auch traurige Momente, wie bei Pixar üblich. Dieses Mal habe ich mich schon kurz nach Beginn erwischt, wie ich nach den Taschentüchern gegriffen habe.

Im Film sind viele Anspielungen auf andere Filme versteckt, unter anderem zu Star Wars. Inzwischen gehören Pixar und Star Wars beide zu Disney, es lag also nahe, eine Art Lichtschwert und lustige Roboter zu zeigen. Mit am besten hat mir die Roboterkatze gefallen, die sich hin und wieder wie R2D2 verhält. Das ist echt mal eine originelle Figur. Die Aussage des Films, dass Menschen Fehler machen, ist zwar ein bisschen klischeehaft, aber in der Umsetzung dann doch gelungen. Ein paar kleinere Ungereimtheiten bezüglich physikalischer Effekte lasse ich mal umkommentiert, weil es grundsätzlich ein Animationsfilm ist.

Wegen der vielen tollen Ideen, die in dem Film stecken, muss man ihn sich mehr als einmal ansehen. Bemerkenswert finde ich, dass das Raumschiff kugelförmig ist und über Landgestützten verfügt, wie bei PERRY RHODAN. Die Besatzung macht leider den gleichen Fehler wie Perry Rhodan, der auch immer erstmal landen muss, wenn er einen unbekannten Planeten erforschen will, meist mit dem gleichen Ergebnis wie bei »Lightyear«.

Der Film lief im Juni in den Kinos. Wir haben ihn bei Disney+ angesehen. Es gibt dazu auch eine informative Dokumentation.

Die neuen Star Wars-Serien

Quelle: Fernsehserien.de

Da blickt man ja kaum noch durch. So viele Star Wars-Serien hat Disney in den vergangenen Jahren veröffentlicht, neben den Filmen wohlgemerkt. Das ist fast schon so unübersichtlich wie bei Marvel. Dort blicke ich gar nicht mehr durch.

Jedenfalls schauen wir regelmäßig Star Wars, seit wir Disney+ haben. Mein Mann ist leidenschaftlicher Fan und kann die Originalfilme auswendig mitsprechen. Er hat in der Vergangenheit auch die Animationsserien »The Clone Wars«, »Rebels« und »The Bad Batch« gesehen sowie die meisten Romane gelesen, die bei Star Wars übrigens zum Kanon gehören. Daher freuten wir uns, dass wir nun auch Star Wars bei Disney+ anschauen können.

Die erste Folge von »The Mandalorian« wurde auf Pro7 ausgestrahlt. Die Folge hat mir gut gefallen, leider hatten wir die Serie damals dann erst einmal nicht sehen können. Die klassische Story im Western-Look ist zwar einfach aufgebaut, aber dennoch ansprechend. Die einfachen Geschichten funktionieren halt doch am besten. Ich finde den Look auch sehr gut getroffen und die vielen Ideen erweitern den Star Wars-Kosmos ohne ihn in Frage zu stellen. Das finde ich besser gemacht als bei Star Trek. Wo es nach dem Motto geht: Das machen wir so, weil es gut ausschaut, egal, ob es logisch ist oder nicht. »The Mandalorian« ist auch nach den ersten beiden Staffeln immer noch sehenswert. Wir freuen uns auf Staffel 3, die für Februar 2023 angekündigt ist.

Ähnlich sieht es mit »The Book of Boba Fett« aus. Die ersten beiden Folgen fand ich etwas verwirrend, weil hier die Geschichte in zwei Zeitebenen erzählt wird und in der ersten Episode so gut wie nicht geredet wird. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Irgendwann schien den Autoren aber offensichtlich die Ideen auszugehen, denn in Folge trat der Mandalorianer aus »The Mandalorian« auf. In Episode 5 trägt er sogar die komplette Geschichte. Nicht, dass ich das schlecht gefunden hätte, im Gegenteil. Aber ein wenig irritierend ist es schon, wenn der namensgebende Held der Serie nicht auftritt. Man hatte jedenfalls den Eindruck, dass die Autoren irgendwie Lust hatten, lieber die Geschichten vom Mandalorianer weiterzuerzählen, als die von Boba Fett. Na gut, kann man machen. Mir hat es gefallen.

Die Miniserie »Obi Wan Kenobi« war von der Fangemeinde am meisten erwartet worden. Im Nachinein wurde viel an den sechs Folgen kritisiert. Man ließ kein ganzes Haar an der Geschichte. Dennoch fand ich es nicht schlecht gemacht. Das Ende kam vielleicht etwas überstürzt. Da hätte es mindestens noch einer Episode bedurft, um die Geschichte besser zu Ende erzählen zu können. Aber es war jetzt nicht so schlecht, wie viele Fans behaupten. Ja, die Antagonistin war nervig. Ihre Motive waren in meinen Augen nicht richtig gut ausgearbeitet. Sie kam als elende Zicke rüber und man begriff erst am Ende, warum dieser Charakter so geworden ist. Das hatte übrigens ganz schlimme Auswirkung auf die Darstellerin Moses Ingram. Die wurde von den Fans massiv rassistisch angegriffen. Offensichtlich gibt es immer noch Menschen, die einen Filmcharakter nicht vom Darsteller trennen können. Zumindest hat sich dieses Mal das Studio vor die Schauspielerin gestellt und die Beleidigungen verurteilt. Beim Darsteller von Ja Ja Binks war das noch anders gewesen. Er hatte Morddrohungen von Fans bekommen und stand kurz vorm Selbstmord, ohne dass sich das Studio nennenswert dazu geäußert hätte. Selbst den Wunsch des Darstellers, die Filmfigur in Episode III sterben zu lassen, hatte ihm George Lucas nicht gewährt.

Eines muss ich aber ergänzen. Wir haben »The Mandalorian« und »Obi Wan Kenobi« parallel gesehen. Das sollte man nicht machen. Die beiden Serien spielen in verschiedenen Zeitepochen (vor und nach der Original-Trilogie« und man kommt echt durcheinander. Ansonsten habe ich mit den Star Wars-Serien momentan mehr Spaß als mit Star Trek. Aber vielleicht lege ich bei Star Wars auch andere Maßstäbe an. Es ist im Grunde keine richtige Science Fiction, sondern eine Space Opera bzw. ein Märchen oder, im Fall von »The Mandalorian«, ein waschechter Western.

Zwei lesenswerte Comics

Bis vor ein paar Jahren waren Comics für mich ein Buch mit sieben Siegeln bzw. was für Kinder. Dann hat mich ein gewisser Herr Chefredakteur mit dem Comic-Virus infiziert. Jetzt muss ich ständig neue kaufen, weil ich die so toll finde.

Meine letzten beiden Anschaffungen gefallen mir besonders gut.

Quelle: Carlsen.de

Der 3. Band von »Unschlagbar« ist bereits vergangenen Jahr erschienen. Der Comic steckt wieder voller Überraschungen und schräger Ideen. Wie schon hier und hier gesagt, spielt der Autor Pascal Jousselin mit dem Medium Comic wie auf einem gut gestimmten Klavier. Das kann man eigentlich gar nicht beschreiben, das muss man selbst erfahren. Unschlagbar ist nicht einfach nur ein Superheld, er ist mehr.

In Band drei muss er sich wieder neuen Feinden und Herausforderungen ungewöhnlicher Art stellen. Dabei ist er nicht allein, sondern wird von dem Gendarmen Bruno unterstützt. Dabei geht es immer auch um gesellschaftliche Probleme und nicht immer nur um Gut und Böse. Auch die Bösen habe ihre Gründe. So muss Unschlagbar beispielsweise vermitteln, als die Bewohner der Stadt es auf die neue Postbotin und ihren ungewöhnlichen Anzug abgesehen haben. Derweil macht Gendarm Bruno Jagd auf einen Graffiti-Sprayer, den er mit Hilfe des Geistes seiner toten Frau zur Strecke springt. Außerdem fallen die beiden in ein Dimensionsloch und landen in unserer Wirklichkeit. Witzig sind auch die Abenteuer von Unschlagbars Praktikanten TUHDI, der sich in die smarte Chloé verliebt hat und für die er ihr buchstäblich den Mond vom Himmel holt, mit unabsehbaren Folgen.

Die Comics sind clever gezeichnet und fordern den Intellekt heraus. Da muss man schon bei einfachen Geschichten wie dem »Unschlagbar brät Pfannkuchen« genau nachdenken, wie er das denn jetzt eigentlich genau macht. Sensationell! Ich freue mich schon auf das nächste Heft.

Wer mehr über Unschlagbar wissen will, besuche bitte die Internetseite von Carlsen.

Quelle: Egmont.de

Der Held des nächsten Comics ist kein Unbekannter: Idefix – der Hund von Obelix – kennt eigentlich jeder. Jetzt gibt es passend zur gleichnamigen Animations-Serie die Comics »Idefix und die Unbeugsamen«. Die Geschichten handeln von der Zeit bevor Idefix der treue Begleiter von Obelix wurde. Sie spielen in Lutetia (dem heutigen Paris) und mit von der Partie sind allerlei andere Tiere, vor allem die Hunde »Turbine« und »Dertutnix« sowie die Katze »Sardine« und der alte Täuberich »Astmatix« der bereits im gallischen Krieg gedient hat. Sie alle wehren sich gegen die römischen Besatzer und ihre tierischen Helfer, wie den Anführer der Hundelegion »Zerberus« oder »Monalisa« die durchtriebene Katze von General Labenius dem römischen Besatzer.

Die Geschichten machen viel Spaß und halten sich an Art und Weise der Asterix-Comics. Fans von Asterix müssen da einfach zuschlagen. Zumal die Bände klein und handlich sind und ideal für unterwegs sind. Inzwischen erschien bereits der zweite Band. Für Ende September ist bereits der dritte Band angekündigt.

Vom Marsianer zum Astronauten

Quelle: www.penguinrandomhouse.de

Nach dem ich fast nur noch dazukomme Publikationen zu lesen, in denen von einem gewissen Perry Rhodan die Rede ist, griff ich unlängst mal wieder in meinen Stapel zu lesender Bücher, um mal wieder etwas anderes zu konsumieren. »Der Astronaut« von Andy Weir stand jetzt knapp ein Jahr ungelesen im Regal. Wenn ich gewusst hätte, dass das Buch so spannend ist, hätte ich es schon früher hervorgeholt.

Wissenschaftler Ryland Grace wacht in einem Raumschiff auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Er stellt fest, dass seine beiden Mitastronauten tot sind und sein Raumschiff sich in einem fremden Sonnensystem befindet. Nach und nach kommen seine Erinnerungen zurück und er erkennt, warum er auf diese Mission geschickt wurde. Es geht darum, an dem fremden Ort das Überleben der Menschheit zu sichern. Eine Aufgabe die schier übermenschlich ist. Doch da bekommt Ryland Hilfe, die er nie erwartet hätte.

So, mehr wird nicht gespoilert, denn das würde jedem potenziellen Leser die Spannung verderben. Ich kann nur sagen, es lohnt sich. Ich hatte die 560 Seiten innerhalb von drei Tagen durch. Die Geschichte ist so spannend erzählt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Es ist ein echter Pageturner.

Nach »Der Marsianer« und »Artemis« ist »Der Astronaut« der dritte Roman von Andy Weir, den ich gelesen habe. »Der Marsianer« hat mich damals genauso begeistert wie »Der Astronaut« jetzt. »Artemis« fand ich nicht so gut, weil er anders war. Das Erfolgsgeheimnis des Autors ist es, technische Experimente und Basteleien sowie die Beschreibung physikalischer Abläufe so geschickt in die Handlung zu verknüpfen, dass es eine wahre Freude ist. Das hat schon beim Marsianer geklappt und jetzt auch wieder in diesem Roman. Der Wissenschaftler, der als Lehrer arbeitet, muss mit allerlei Tricks arbeiten, um zu überleben.

Ich gebe zu, das Menschen, die kein Verständnis und Interesse an technischen Vorgängen mitbringen, mit dem Roman ihre Schwierigkeiten haben werden. Denn daraus bezieht der Autor seine Spannung. Ein Problem nach dem anderen taucht auf und stellt den Protagonisten vor immer neue Herausforderungen. Wird es Ryland gelingen das Problem zu lösen? Oder nicht? Diese Frage steht hinter jedem Kapitel. Mit der lockeren Sprache, die mich schon beim Marsianer unterhalten hat, schafft der Autor es aber, dass keine Textpassage in irgendeiner form trocken wirkt, oder langweilig.

In Erinnerungssequenzen erfährt man nach und nach das ganze Ausmaß dessen, was ihm widerfahren ist. Die Menschheit steht vor einer tödlichen Bedrohung, die gleichzeitig der Schlüssel all ihrer Probleme ist. Alle Staaten der Welt müssen zusammenarbeiten, um die Auslöschung der Menschheit abzuwenden. Noch vor zwei Jahren hätte ich geglaubt, dass ein solches Szenario möglich ist. Inzwischen weiß ich, dass es eine Utopie bleiben wird. Selbst die größte Bedrohung der Welt wird die Menschen nicht dazu bringen zusammenzuarbeiten, im Gegenteil. Wir erleben es ja gerade wieder. Jeder weiß es besser und keiner gönnt dem anderen etwas. Niemand ist bereit über seinen eigenen Schatten zu springen. Bei Andy Weir ist das anders, insofern wird mir der Roman positiv in Erinnerung bleiben.

Die größte Überraschung war für mich aber … Nein, hier höre ich auf. Das müsst ihr schon selbst lesen.

»Der Astronaut« ist spannendes Kopfkino bis zum Schluss und ein absoluter Lesetipp für alle Fans von Hard-SF. Wer den Marsianer mochte, wird den Astronauten lieben. Ich bin gespannt, ob das Buch ebenfalls verfilmt werden wird.

Buch über Führungskräfte

Quelle: Amazon

Ich entdeckte das Buch bei einer Bekannten im Bücherregal. Sie war so nett und schenkte es mir. Danke Esther!

Simon Sinek ist Brite und ein halbes Jahr älter als ich. Er beschäftigt sich mit Unternehmensberatung und hat Jura und Anthropologie studiert. Er schreibt unteranderem für die »New York Times« und für die »Washington Post«. Und er hat einen sehr unterhaltsamen YouTube-Kanal, auf dem er regelmäßig über aktuelle Themen spricht oder Fragen von Zuschauern beantwortet.

Sein Sachbuch »Gute Chefs Essen zuletzt« hat mich echt mitgerissen. Das ist spannend wie ein Roman. Er zeigt darin auf, was seit den Siebzigerjahren in der Gesellschaft und Wirtschaft schiefläuft und seit wann Firmen Menschen nur noch als Humankapital betrachten und wie man das ändern kann. Er spricht über die Schwächen von Menschen genauso wie über ihre Stärken, dabei geht er auf die Anthropologische Entwicklung ein. Er beantwortet Fragen wie: Durch welche Hormone werden wir gesteuert und wie schlägt sich das in unserer Arbeit und unserem Zusammenleben wieder? Was zeichnet einen Führer aus und wie wird man zur Führungskraft? Wie funktionieren Teams am besten? Und was muss man tun, um von seinen Mitarbeitern Loyalität zu bekommen? Ich fand es sehr interessant zu erkennen, dass wir immer noch genauso ticken wie unsere Vorfahren. Dass wir nach den gleichen Mustern handeln wie vor 10.000 Jahren. Das Anreizsystem ist immer noch das gleiche und kann immer noch dazu führen, dass falsches Verhalten belohnt wird.

Das Schöne an den Ausführungen des Autors ist, dass sie nicht trocken sind, sondern er viel anhand von Beispielen erklärt. Wie z. B. von einem Kampfpiloten, der sich instinktiv über die Regeln hinwegsetzt und seine Kameraden rettet oder von einem Firmenchef, der erkannte, dass seine Angestellten effektiver arbeiten, wenn er sie wie Familienmitglieder behandelt. Er zeigt anhand der »Lehman Brothers«, wie eine Bank durch einen einzelnen Menschen heruntergewirtschaftet wurde und letztendlich ihren Kunden schadete. Und er zeigt am Beispiel des Handelsriesen »Costco«, wie langfristige Investitionen in das Wohl der Belegschaft zu langfristigen Gewinnen führen, unabhängig von der Marktlage.

Das Buch erschien bereits 2014. Inzwischen ist es fast noch aktueller, weil ich durch die Erklärungen von Sinek begriffen habe, wie die Spaltung der Gesellschaft durch die Pandemie passieren konnte und warum Regierungen in aller Welt immer autokratischer werden. Vor allem zeigt er, warum gerade in der Generation Y die Wokeness so verbreitet ist. Die »abstrakte und abgelenkte Generation« (wie Simon Sinek sie nennt) versucht die Welt durch Worte zu ändern und nicht durch Taten, weil das einfacher ist und ihnen schneller Befriedigung schenkt.
Zitat: »Die Generation des »Sehen-und-haben-wollen« weiß, wo sie steht und wo sie hin will; was ihre Vertreter nicht verstehen, ist die Reise, die dazu notwendig ist, die zeitaufwändige Reise … Anstatt viel von sich selbst in wenige Aufgaben zu investieren, investieren sie wenig in viele verschiedene Aufgaben … Ohne genügend Zeit oder Energie aufzuwenden, hat eine Generation, die sich mit Abstraktion abgefunden hat, wirkliches Engagement mit symbolischen Gesten verwechselt.«

Ein großartiges Buch nicht nur für Führungskräfte, sondern auch für Menschen, die verstehen wollen, wo und wann wir als moderne Menschheit falsch abgebogen sind. Das Buch erschien im »Redline-Verlag« und ist im Buchhandel erhältlich.

Hinter dem Gartenzaun

Quelle: Amazon

Die Serie lief in den neunziger Jahren vor »Star Trek: The next Generation« auf Sat 1. Daher kannte ich sie, auch wenn ich damals wahrscheinlich nicht alle Folgen gesehen habe. Ich erinnerte mich gern an die skurrile Mischung aus Krimi-, Gerichts- und Familienserie. Erst später wurde mir bewusst, das sie von David E. Kelley, dem gleichen Serienmacher war, der »Ally McBeal« und »Bosten Legal« geschaffen hat.

Für diejenigen, die die Serien nicht kennen. »Picket Fences – Tatort Gartenzaun« spielt in der Kleinstadt Rome in Wisconsin. Porträtiert wird die Familie von Sheriff Brock (gespielt von Tom Skerrit) sowie einige weitere Bewohner der Stadt. Gezeigt wird, wie traditionelle konservative Werte auf die Offenheit der modernen Neunziger treffen. Anhand von Kriminalfällen, Prozessen und Auseinandersetzungen innerhalb der Familien bekommt man ein Bild von den Menschen in den ländlichen Regionen der Vereinigten Staaten mit all ihren Vorurteilen und Sorgen.

Lange gab es die Serie nicht auf DVD zu kaufen. Da waren wohl ein paar Dinge bezüglich der Musikrechte ungeklärt. Inzwischen ist die Serie längst auf DVD erschienen und stand eine Weile bei uns im Regal. Innerhalb eines guten Jahres habe wir sie uns komplett angesehen und sind immer noch positiv gestimmt.

Die komplexen Fragestellungen, die in der Serie behandelt werden, sind überraschend aktuell für eine fast 30 Jahre alte Serie und lassen einen mitunter nachdenklich zurück. Das ist noch intelligentes Fernsehen, das seine Zuschauer ernst nimmt und keine Angst hat, unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Von Mord, Totschlag, Vergewaltigung, über UFO-Glauben bis hin zur Leihmutterschaft und Transsexualität, immer werden alle Seiten der Medaille beleuchtet. Auf jedes Argument folgt ein Gegenargument und stellt die Blickwinkel aller Beteiligten dar. Derjenige, der meist darüber entscheiden muss, ist Richter Bone – glänzend gespielt von Ray Walston alias Gärtner Boothby aus TNG. In seiner Haut hätte ich bei einigen Fällen nicht stecken wollen.

David E. Kelley hat ein Händchen für ungewöhnliche Figuren und geschliffene Dialoge. Man merkt ihm das Jurastudium an, wenn sich Richter Bone mit Anwalt Douglas Wambaugh vor Gericht fetzt. Dass er auch einen Blick fürs menschliche hat, beweist er in dieser Serien durch die Beziehungen zwischen den Figuren, besonders die der Brocks, die damals schon als Patchwork-Familie angelegt war. Bis zur dritten Staffel hat er jede Folge selbst geschrieben.  In der Vierten musste er aus zeitlichen Gründen an andere Autoren abgeben und das merkt man leider. Die Folgen, in denen es vor Gericht ging, wurden weniger und es wurde mehr Augenmerk auf die Lebensgeschichten der Charakteren gelegt. Nichtsdestotrotz ist »Picket Fences« auch nach 30 Jahren ein sehenswertes Stück Fernsehen, das heute noch genauso aktuell ist, vor allem weil es nicht nur schwarz und weiß, sondern alle Nuancen von Grau zeigt und jedem Argument Gehör schenkt.