Entartete Zeit und andere chaotische Zustände

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 387 – »Zeitbruch« von Dietmar Schmidt & Oliver Müller

Endlich sind Perry Rhodan und seine Gefährten in der Gefahrenzone des Taschalonsystems angekommen, wo sie Atlans Sohn finden wollen. Mit einer Maxi-Disk begeben sich Thora und ihr Mann auf den Planeten Zhalur’Kamon. Sie werden begleitet von Atlan, Dao-Lin-H’ay und Gucky. Auf dem Planeten werden sie mit chaotischen Raum- und Zeitphänomenen konfrontiert und Gucky verschwindet plötzlich, weil er Weidenburn in Gefahr wägt. Von Eric Weidenburn erhoffen sich die Rhodans Informationen über ein spezielles Artefakt, das sie benötigen, um ihre Tochter Nathalie zu retten.
Doch Weidenburn hat ganz andere Sorgen. Nach einem Experiment mit einem Chrono-Resonator und einem der Artefakte, bei dem eine Kollegin Weidenburns verschwand, reagiert er allergisch auf die Artefakte. Er leidet unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Halluzinationen, sobald er sich dem Labor nähert. Doch sein Vorgesetzter, der arkonidische Wissenschaftler Varek da Sharib, übt Druck auf ihn aus, um Weidenburn zur Fortsetzung der Versuche zu zwingen. Dieser versucht wiederum durch Manipulationen, die Anlage zu sabotieren und wird beinahe ertappt. Es ist Gucky, der Eric mehrmals aus einer misslichen Lage hinaus teleportieren kann. Letztendlich gelingt es dem Thetiser die Anlage zu zerstören, doch der Preis dafür ist hoch. Es kommt zu einem Zeitbruch, der sich über den Planeten und das Taschalonsystem ins ganze Universum auszudehnen droht. Es entsteht eine Negasphäre!
Am Ende aber können Perry und seine Freunde Eric Weidenburn befreien. Durch ihn erfahren sie, dass die Artefakte in den falschen Händen, eine ungeheure Bedrohung für die Stabilität des Universums darstellen. Weshalb Varek da Sharib, die Artefakte als Waffen einsetzen will, um sich zum neuen Alleinherrscher von Arkon aufzuschwingen.

Oha! Jetzt sind wir also beim Negasphären-Zyklus angelangt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es den Exposéautoren gelingt, alte Begriffe mit neuem Inhalt zu füllen. Man darf gespannt sein.

Der vorliegende Roman ist spannend. Keine Frage. Aber … ein paar der Handlungstwists finde ich weniger gelungen. Ganz besonders am Ende, an dem weder die Protagonisten noch die Leser erfahren, wie sich Perry und Co aus der vertrackten Situation befreien konnten. Das war schwach. Wahrscheinlich ist den beiden Autoren der Platz ausgegangen. Das hätte vermieden werden können, wenn im Vorfeld einige Dinge weggelassen worden wären.

Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, was Perry und Co da eigentlich treiben. Sie wollten nur auf den Planeten, Weidenburn rausholen und wieder wegfliegen. Aber sie lassen sich dauernd von ihrer Mission ablenken. Bei den verschiedenen Raum- und Zeit-Phänomenen habe ich noch ein Auge zugedrückt, weil das irgendwie zur Handlung gehörte. Aber spätestens bei dem Raumschiffwrack und Perrys Suche nach Überlebenden, war der Spaß vorbei. Die Kapitel haben einerseits nichts mit der Handlung zu tun und sind zweitens völlig lebensfremd geschrieben. Man stelle sich vor, man käme auf dem Weg zu einem wichtigen Termin an einem kaputten Auto vorbei. Ein Teil des Autos ist schon von Pflanzen überwuchert, ein anderer Teil schaut neu aus. Würde man wirklich auf die Idee kommen, dass in dem Auto noch Menschen sitzen, die auf Hilfe warten? Und wenn ja, würde man die Verletzten dort ohne Not herauszerren und damit riskieren, dass sich ihre inneren Verletzungen verschlimmern? Vor allem dann, wenn man ohnehin keine Möglichkeit hat, sie angemessen medizinisch zu versorgen? Jeder Rettungssanitäter hätte bei der Geschichte die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Und weil Perry und Co ja so viel Zeit haben, um Weidenburn und den vermissten Gucky zu suchen, holt man auch noch die zweite Leiche aus dem Wrack, um sie neben dem verstorbenen Arkoniden zu bestatten. Hä! Das ist nicht euer Ernst?

Besser gefallen mir dagegen die Kapitel um Eric Weidenburn, die, so tippe ich mal, wegen der hin und wieder eingestreuten Chemie-Hinweise, vermutlich von Dietmar Schmidt stammen. Seine Schilderung von Weidenburns Leiden, seiner Zerrissenheit zwischen dem Wunsch zu forschen und der Notwendigkeit seine Forschungsergebnisse zu vernichten, sind sehr gut geschrieben. Der Thetiser entwickelt sich immer mehr zu einer tragischen Figur.

Die vielen witzigen Bemerkungen und Dialoge vor allem von Atlan und Gucky lockern die doch etwas komplizierten Erklärungen von Zeitparadoxa und seltsamen Raumphänomenen gut auf. Für das Fortschreiten der Staffelhandlung liefert die Geschichte aber zu wenig.

»Zeitbruch« ist ein spannend zu lesender Roman, der die Leser am Ende aber unbefriedigt zurück lässt.

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