Obwohl ich als Kind Märchen sehr gern mochte, kann ich mit Fantasy so gar nichts anfangen. Ich mag weder die meist Mittelalterliche Kulisse, noch epische Erzählungen über Elben, Drachen und Könige. Auch mit Hexen, Magiern und Einhörnern tue ich mich schwer.
Ich gestehe, dass ich nie Tolkien gelesen habe und den „Herr der Ringe“ nur aus Filmausschnitten kenne. Das mag eine Bildungslücke sein, aber eine mit der ich bisher gut leben konnte.
Mich stört an Fantasy grundsätzlich das sinnlose Gemetzel. Da wird mit Schwertern aufeinander eingeschlagen statt mit Worten. Da werden Heerscharen von Rittern aufgeboten, die gegen Elben o.ä. kämpfen und es wird meist nur zwischen Gut und Böse unterschieden.
Umso verwunderlicher ist es, dass ich mir gestern „Snow White and the Huntsman“ angesehen habe. Irgendwie lief nichts anderes und ich war neugierig auf diese Version von Schneewittchen.
Letztendlich hat mich der Film enttäuscht und mich in meinem Gefühl bestätigt, dass ich keine Fantasy mag. Was da über den Bildschirm flimmerte, war eine verunglückte Mischung aus „Game of Thrones“, „Herr der Ringe“ und Schneewittchen. Es war weder lustig noch anspruchsvoll, gänzlich ohne Romantik dafür aber mit martialischen Schlachten und unzähligen Toten. Das ist definitiv nicht das, was ich mir unter einem Märchenfilm vorstelle, schon gar nicht am ersten Weihnachtsfeiertag. Wenn das Fantasy ist, werde ich wohl auch in Zukunft einen großen Bogen drumherum machen. Da ist mir ein klassischer SF-Streifen hundertmal lieber.
Kategorie: Rezension
Humoriges von Sick
Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich großer Fan von Bastian Sick bin. Neben seinen bekannten Büchern zum Tod des Genitivs durch den Dativ, gibt es seit einigen Jahren auch immer wieder Ausgaben der Happy-Aua-Bücher.
„Füllen Sie sich wie zu Hause“ von Bastian Sick ist ein Buchtipp der besonderen Art. Nicht nur das dieses Buch, wie seine Vorgänger auch, allerlei Unterhaltung bietet, nein dieses hier ist für mich deswegen etwas Besonderes, weil ich einen winzigen Teil dazu beitragen durfte.
Im bereits fünften Buch zur beliebten Happy-Aua-Reihe finden sich wieder haarsträubende Irrungen und Wirrungen rund um die Deutsche Sprache, die mitunter zu unkontrollierbaren Lachkrämpfen führen können. Die Beiträge wurden meist von aufmerksamen Lesern eingesandt und wie immer von Bastian Sick treffend kommentiert.
Auch ich beteilige mich schon seit Jahren rege beim Auffinden von sprachlichen Entgleisungen, fotografiere sie, sofern möglich, und sende sie ein. Dieses Mal hat es geklappt. Das Bild hatte ich 2008 gemacht und beinahe schon vergessen, als ich im Frühjahr eine hochoffizielle E-Mail bekam, in der ich gefragt wurde, ob ich nicht die Rechte an meinem Foto an den Autor und den Verlag gegen ein Honorar abtreten würde. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt.
Nun habe ich das Buch von meinem Mann geschenkt bekommen und es hat uns beide gefreut, dass wir im Urheberindex namentlich erwähnt werden.
Ich kann die Happy-Aua-Bücher von Bastian Sick nur jedem ans Herz legen, der ein Faible für die Deutsche Sprache hat und gern mal wieder herzlich lachen möchte. Zurzeit gibt es ja eh wenig zu lachen.
Alle Jahre wieder: Filme zum Fest
Es gibt eine Unmenge Filme, die sich mit Weihnachten beschäftigen oder zur Weihnachtszeit spielen. Viele davon sind kitschig und albern, viele lustig aber manche auch traurig. Meist handeln sie von der Suche nach Nähe oder dem Guten im Menschen.
Hier sind unsere Top 3, die wir uns liebend gern jedes Jahr wieder aufs Neue anschauen.
Tatsächlich Liebe – Britischer Episodenfilm mit einer Darstellerriege, die sich sehen lassen kann. Ein Film über große und kleine Sorgen zum großen Thema Liebe.
Hier ein nicht ganz so ernst gemeinter Trailer zum Film:
Liebe braucht keine Ferien – Cameron Diaz und Kate Winslet in einer romantischen Komödie aus Großbritannien. Zwei völlig unterschiedliche Frauen tauschen für zwei Wochen ihre Häuser, um den Beziehungsfrust zu vergessen und begegnen am jeweils anderen Ende der Welt einer neue Liebe. Der Film schafft es gefühlvoll zu sein, ohne kitschig zu wirken und man lernt zudem noch eine Menge über die Geschichte der Hollywoodstudios.
Zwei Weihnachtsmänner – Eine zweiteilige Komödie mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka frei nach dem Hollywoodstreifen „Ein Ticket für zwei“. Schreiend komisch!
https://www.youtube.com/watch?v=a_T_5rD0-nk
6 zum Preis von Einem
Seit einem Jahr stand die Blu-ray von „Cloud Atlas“ jetzt im Regal. Allein es war die Länge des Films von 172 Minuten, die uns bisher davon abgehalten hatte, den Film anzusehen. Gestern Abend haben wir uns dann endlich dazu durchringen können und was soll ich sagen: Ich bin grenzenlos begeistert.
Die Handlung hier zusammenzufassen, würde den Blogeintrag sprengen. Im Grunde genommen sind es sechs Filme in einem:
Handlung 1 spielt 1849 auf einem Segelschiff im Pazifik. In dem Historienfilm geht um Sklaverei und die Gier nach Geld.
Handlung 2 spielt 1936 in Schottland. Hier klingt Hass gegen Andersartige (schwuler Musiker und Jüdin) an und auch hier spielt Gier nach Erfolg und Geld eine Rolle.
Handlung 3 spielt 1973 in San Francisco. Diese Episode ist als Wirtschaftsthriller angelegt und zeigt die Machenschaften der Erdölindustrie, die bereit ist, für den Erhalt ihre Geschäfte über Leichen zu gehen.
Handlung 4 spielt 2012 in England und kommt als Komödie daher, in der der unsoziale und herzlose Umgang mit alten Menschen thematisiert wird. Auch hier ist die Gier nach Geld und Anerkennung vordergründig.
Handlung 5 spielt 2144 in Neu-Seoul (Südkorea) und ist ein echter SF-Film, der von genmanipulierten Menschen erzählt, die wie Sklaven ausgebeutet werden und keinerlei Rechte besitzen.
Handlung 6 spielt in einer postapokalyptischen Zukunft 106 Jahre nach dem Weltuntergang. Gezeigt wird der Überlebenskampf der letzten Menschen, ihre Hoffnungen und ihre Nächstenliebe.
Jeder Handlungsstrang könnte als eigenständiger Streifen durchgehen und man hätte sie auch linear nacheinander zeigen können, um die Aussage des Films zu transportieren. Doch gerade, weil man die Szenen mischt, von Handlungsebene zu Handlungsebene durch die Zeiten springt, bildet sich ein Mosaik, das einem mit offenem Mund staunen lässt. Die Umschnitte zwischen den einzelnen Handlungssträngen sind perfekt platziert. Und obwohl die Fülle an Informationen riesig und die Gegensätze der Szenen verwirrend sind, kann man der Handlung ohne weiteres folgen. Und durch viele faszinierende Ideen (wie die kindliche Sprache der Postapokalyptischen Zeitlinie) kommt in den 3 Stunden keine Minute Langeweile auf.
Grundsätzlich liebe ich ja Filme mit mehreren Handlungssträngen, aber der hier setzt noch einen drauf, da die Handlungen auch noch in verschiedenen Zeitepochen mit denselben Schauspielern spielen. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich mich „eingesehen“ hatte, dafür bekam ich eine äußerst komplexe Geschichte in grandiosen Bildern vorgesetzt. Die Darstellerriege aus Tom Hanks, Halle Barry, Hugh Grant, Susan Sarandon u. a. glänzte mit hervorragendem Schauspiel in all ihren verschiedenen Rollen. In einigen waren die Darsteller unter dem Make-up gar nicht zu erkennen, manchmal wechselte sogar das Geschlecht, was dann aber eher zu unfreiwilliger Komik führte.
Zur Hauptaussage des Films möchte ich sagen, dass es vor allem um Freiheit und Selbstbestimmung geht. Es klingt auch Reinkarnation mit herein, da die handelnden Personen über alle Zeitebenen irgendwie miteinander verknüpft sind. Doch Letzteres war für mich als Botschaft nicht so bedeutsam. Daher stört es mich auch nicht, dass manche der Verknüpfungen etwas konstruiert wirken. Positiv fand ich den Gedanken, dass, obwohl die Menschen in all den Epochen immer wieder dieselben Fehler machen, sie am Ende doch über ihren Schatten springen und sich moralisch weiterentwickeln. Etwas, das mir in vielen SF-Filmen der letzten Jahre gefehlt hat.
Meine Hochachtung vorm Autor des Originalromanes „Der Wolkenatlas“, David Mitchell. Einen so komplexen Roman zu Papier zu bringen ohne den Roten Faden in all den vielen Handlungsebenen zu verlieren, ist eine großartige Leistung. Ich habe mir gleich mal den Roman bestellt.
Auch den Filmschaffenden rund um Tom Tykwer und den Wachowski Geschwistern gelingt es überzeugend den Stoff umzusetzen. Der Film wurde in Deutschland produziert, wo unteranderem auch gedreht wurde und ein Teil der Spezialeffekte entstand. Auch wenn er mit Hollywoodstars besetzt wurde, zeigt er doch, das man in Deutschland sehr wohl in der Lage ist, Blockbuster zu produzieren.
SEX, Drogen und Alkohol …
Klaus N. Frick „Chaos en France. Peter Pank in Avignon“
SEX, Drogen und Alkohol … so oder so ähnlich lässt sich der Inhalt von Peter Panks Abenteuern in Avignon zusammenfassen. Aber das würde dem Werk nicht gerecht werden, denn der Roman ist so viel mehr …
Peter ist dem kalten Deutschland entflohen, hat sich in Avignon bei einem Freund einquartiert und sich in die hübsche Manu verliebt. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht plötzlich alles aus dem Ruder laufen würde. Zuviel Alkohol, zu viele Drogen, ein geklautes Auto und ein Unfall, setzen der romantischen Stimmung ein Ende. Fortan wird Peter von der Polizei gesucht, von seinen Freunden rumgeschubst und schließlich zum Drogendealer gemacht. Er, der sich eigentlich von niemanden etwas sagen lassen wollte, macht nun nur noch das, was andere von ihm verlangen. So kann das unmöglich weitergehen. Doch wie soll er da nur wieder rauskommen: Gestrandet, ohne Geld und ohne Manu, die sich als Mogelpackung entpuppte? Am Ende ist Peter um viele schöne und schlechte Erfahrungen reicher, doch seine Ziellosigkeit ist immer noch präsent.
Die Fortsetzungsgeschichte um Peter Pank ist gespickt mit großen Emotionen, allerlei tiefgründiger Gedanken und Botschaften die nachdenklich stimmen.
Nachdem ich den ersten Band über Peter Pank gelesen hatte, war ich wirklich neugierig darauf, wie es weiter geht, und das obwohl ich weder mit der Musik, noch mit der „No Future“-Einstellung der Punkszene, etwas anfangen konnte. Doch das Universum, in das mich der Autor lockte, entpuppte sich als aufregend und faszinierend zugleich.
„Chaos en France“ ist eine grandiose Fortsetzung des ersten Bandes. Was beim ersten Roman noch wie eine Zusammenstellung einzelner Geschichten wirkt, ist hier zu einer kompakten, dicht geschriebenen und wirklich spannenden Erzählung verschmolzen. So das man das Buch am liebsten nicht wieder aus der Hand legen möchte.
Es ist der schonungslos ehrliche Stil, der einen packt und direkt in die Figur zieht. So erlebt man Peters Abenteuer mit den Freunden in Avignon am eigenen Leib. Man leidet mit und durch ihn. Dabei ist dem Autor nichts zu peinlich, um es in seiner bildhaften und schnörkellosen Sprache zu schildern. Das alles liest sich so federleicht, dass man am Ende traurig ist, dass es schon vorbei ist.
Auch dieses Mal habe ich wieder eine ganze Menge über Punk gelernt, nicht nur über die Musik, sondern auch viel über den Lebensstil und die Gedankenwelt. Ich habe eine gänzlich neue Perspektive erhalten und glaube fast, wenn mich heute ein Punk auf offener Straße anschnorren würde, könnte ich ihn wahrscheinlich nicht so leicht abwimmeln. Dem Autor gelingt damit das Unmögliche: Die Lebensanschauung einer ganzen Generation auf den Normalbürger zu transportieren und Verständnis für eine Kultur zu wecken, die weit abseits aller bürgerlicher Normen steht.
Manche Stellen im Buch sind sehr tiefgründig, andere wiederum sprühen vor Witz. Sätze wie „Ein Rest von Hirn schaltete sich ein“ zeugen fast schon von dichterischer Genialität.
Auch die Liebesszenen scheinen so natürlich und lebensnah, das einem beim Lesen Gänsehaut überfällt.
Ich gebe zu, manchmal ist die Ekelschwelle sehr niedrig. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber nur so wirkt die Geschichte auch wirklich authentisch. Wobei ich mir immer noch die Frage stelle: Bei wie vielen der Geschichten, der Autor auf eigene Erfahrungen zurückgreift?
Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich einmal mit Punk auseinandersetzen möchte. Wer sich darauf einlässt, bekommt spannende Unterhaltung „per excellence“ geboten.
Am Ende des Buches gibt es sogar Vorschläge für den passenden Soundtrack. Das nenne ich perfektes Lesevergnügen und wünschte mir mehr davon.
Die Söhne Norwegens
Zwischen all dem Schrott der tagtäglich im Fernsehen läuft und der dort auch brav recycelt wird, findet sich doch hin und wieder eine Perle. So lief am Freitag auf EinsFestival der Norwegische Film: Sons of Norway.
Ich hatte den Film bereits auf DVD gesehen und er hat mir sehr gut gefallen, obwohl es um ein Thema geht, dass mich noch vor einem halben Jahr kaum interessiert hätte – nämlich um Punk. Jaja, so verschieben sich die Perspektiven, aber das ist auch gut so.
Die Geschichte handelt von dem 14-jährigen Nicklas, der Ende der 70er den Punkrock für sich entdeckt. Nach dem Tod der Mutter muss er mit dem depressiven Vater allein klarkommen. Doch seine Rebellion gegen alles und jeden läuft ins Leere, da sein Hippievater noch schräger drauf ist, als er selbst. So wird seine Suche nach dem Sinn des Lebens zur Irrfahrt die schließlich im Krankenhaus endet.
Sehr feinfühlig wird hier der Weg eines Jungen zum Erwachsensein erzählt. Die Figur des Vaters mit all seinen verrückten Ideen, zum Beispiel der Urlaub in einem schwedischen Nudistencamp, ist bezeichnend für die Hippiebewegung der 70er, während der Sohn die aufkommende Punkgeneration verkörpert. Alles in allem ein wunderschöner Film übers Erwachsenwerden. Und das nicht nur wegen der Szenen im Nudistencamp. Ehrlich, ich habe in einem Spielfilm noch nie so viele nackte Menschen auf einem Haufen gesehen, das ist einfach klasse inszeniert.
Übrigens ist in einer Gastrolle Johnny Rotten der Leadsänger der „Sex Pistols“ zu sehen.
Das war endlich mal wieder sehenswerte Unterhaltung im Fernsehen. Davon hätte ich gern mehr.
Für alle die es interessiert, hier ist der Trailer:
Sushi in Suhl
Anfang der Siebziger Jahre eröffnet der visionäre Koch Rolf Anschütz ein japanisches Restaurant in Suhl. In tiefster DDR-Provinz eine Herausforderung und wahre Mamutaufgabe, nicht nur bei der Beschaffung von Lebensmitteln und Japandeko, sondern auch bei den Auseinandersetzungen mit den Parteibonzen der HO (Handelsorganisation der DDR). Schließlich ist Japan nicht gerade ein sozialistischer Bruderstaat und die exotische Küche könnte ja Begehrlichkeiten in den Bürgern wecken, die vom Handel nicht gestillt werden können. Doch Anschütz beißt sich durch, setzt alles aufs Spiel und gewinnt: Zunächst nur die Anerkennung eines richtigen Japaners, später auch die der Parteifreunde.
Mit dem ausgeprägten Improvisationstalent eines Ostdeutschen schafft er das Unmögliche: Bis zur Wende bewirtet er fast zwei Millionen Gäste in seinem Restaurant, darunter viele Prominente.
Auf der Strecke aber bleibt die Familie: Frau, Sohn und Vater. Es ist ein hoher Preis den Anschütz für den Erfolg zahlen muss.
Ich war sehr gespannt auf den Film, schließlich hatte es im Vorfeld alle möglichen Kritiken dazu gegeben, positive wie auch negative. Als er am Mittwoch über den Bildschirm flimmerte, erwies er sich als Topunterhaltung.
Die hervorragende Komik mit politischen Unterton, stets ein wenig überzogen, hatte auch seine nachdenklichen Momente. Die Charaktere waren gut besetzt und Uwe Steimle in der Hauptrolle überzeugte, wenn auch sein sächsischer Dialekt nicht in die Region Suhl passte (Die reden da nämlich schon fränkisch.). So ist es dennoch die gelungene Verfilmung einer wahren Begebenheit und zeigt das Leben in der DDR, wie es war. Aus nichts etwas machen, konnten und können wir Ostdeutschen heute immer noch, zumindest die vor 1980 geborenen.
Jetzt weiß ich auch, wie wir Mitte der 80er bei einem Besuch in Suhl an Krabbenchips gekommen sind. Die gab es nämlich nur dort im ansässigen Fischladen.
Auch der Umgang mit den „Parteifreunden“ fand ich gelungen. Christian Tramitz in der Rolle des Ernst Kaltenhauser passte wie die Faust aufs Auge. Nur das er wahrscheinlich eher mit einem BMW als einem Mercedes in die DDR gereist ist. :)
Einzig die Ortsbilder und Außenaufnahmen sehen so gar nicht nach Suhl aus, das in den 80er Jahren eigentlich eine moderne Stadt mit 56 000 Einwohnern war.
Fazit: Der Film zeigt das Leben in der DDR gänzlich ohne den politischen Zeigefinger zu erheben. So wie „Go Trabi Go“ von 1991 will er einfach nur unterhalten und dies gelingt ihm auf fulminante Weise.
Perry Rhodan Stardust – Ein Fazit
Die Stardust-Woche ist rum und ich möchte an dieser Stelle mein Fazit kundtun:
Ich würde jetzt nicht so weit gehen, den Konsum von PR-Stardust Zeit- und Geldverschwendung zu nennen. Schließlich wurde ich zwischenzeitlich gut unterhalten und die Leistungen der einzelnen Autoren waren durchaus positiv. Vom einen oder anderen Autor würde ich in Zukunft gern mehr lesen. Auch die großartige Optik der Hefte hat mir gut gefallen und entschädigt mich etwas für die schwache Handlung.
Aber als großen Wurf kann man PR-Stardust leider wirklich nicht bezeichnen. Das mag daran liegen, dass die Rahmenhandlung für eine 12-teilige Reihe nicht dicht genug war und der Rote Faden nur bedingt zu erkennen war. Mit zu vielen logischen Löchern, zu vielen Raumschlachten mit zu vielen Toten und einer sich hoffnungslos ausbreitende Seuche, hinterließ die Serie bei mir einen negativen Beigeschmack.
Ich weiß, dass SF-Serien gern ein Spiegel unserer Zeit sein wollen. Doch wenn man schon in den täglichen Nachrichten mit Krieg und Virusepidemien konfrontiert wird, möchte man nicht auch noch in den wenigen ruhigen Stunden seiner Freizeit davon hören. So zeugt die Handlung der Stardust Miniserie von zu wenig fantastischen Elementen die eine positive Zukunft zeigen. Skrupellose gefährliche Gegner, die aus dem Nichts auftauchen, Superintelligenzen, die ihr eigenes Spiel spielen – Die Grundidee ist zu ausgelutscht, als das sie noch zu begeistern vermag.
Auch alle Versuche dem Unsterblichen – Perry Rhodan – einen moralischen Stempel aufzudrücken und ihn aus der Heldenrolle zu holen, müssen zwangsläufig scheitern. Sind wir doch ehrlich: Er ist nun mal der Held und wird es immer sein, sonst würde die Romanserie nicht seinen Namen tragen. Jeder Ansatz aus ihm einem Teamplayer zu machen, wird der Erwartungshaltung der Fans nicht gerecht werden. Das sieht man deutlich an PR-Neo, hier dominieren andere Figuren die Handlung und viele Alt-Fans, mich eingeschlossen, kommen damit nicht klar.
Da ich aber nicht nur Kritik üben möchte, weil es ja immer leicht ist, über die Fehler anderer herzuziehen, habe ich mir Gedanken gemacht, wie man die Geschichte anders hätte erzählen können:
Ein guter Startpunkt ist die zu Beginn angesprochene Abstimmung: Was wäre, wenn die Stardust-Menschheit sich für einen neuen Namen des Kugelsternhaufens ausgesprochen hätten, welche politischen Konsequenzen hätte das gehabt und wie hätte Polyport Präfekt Rhodan als Vertreter der Milchstraßenmenschheit darauf reagieren müssen?
Aus der Geschichte mit Eritrea Kushs Sohn hätte man ebenso mehr rausholen können: Wenn zum Beispiel der TALIN-Jäger Rhodan entführt hätte, um mit seiner Hilfe das Kosmische Rätsel zu lösen, wobei sie dann auf Whistlers Botschaft gestoßen wären. Auf der Suche nach dem Splitter von Vatrox-Vamu hätten man dann auch die Immateriellen Städte mit einbeziehen können. Dort hätte man meinetwegen auch mehr über die Geschichte der Pahl-Hegemonie erfahren und dabei immer die Admiralin und die Flotte an ihren Fersen, um den Polyport Präfekten zu befreien.
Man hätte das Ganze als eine Art Schnitzeljagd gestalten können an deren Ende Eritreas Sohn vielleicht tatsächlich das Rätsel TALINs gelöst und seinen Zellaktivator bekommen hätte und sich anschließend mit seiner Mutter versöhnen können.
Währenddessen Rhodan und Whistler der Superintelligenz in den Hintern getreten hätten, weil sie mal wieder als Werkzeuge missbraucht wurden.
Das wäre besser gewesen, als wieder mal einen übermächtigen, gesichtslosen Gegner aus dem Nichts hervorzuzaubern und sich mit Seuchen und Amöbenschiffen herumzuschlagen. Denn manchmal sind es doch die simplen Geschichten, die spannender sind. Ganz wie im richtigen Leben auch.
So, das war erstmal genug aus dem Perry Rhodan Universum. Morgen geht es dann mal wieder um irdischere Dinge. :)
Stardust – Das Finale
Band 12 – TALIN erwacht – von Uwe Anton
Perry Rhodan trifft hier ein paar sehr fragwürdige Entscheidungen. Nun ja, dass lässt ihn zumindest menschlich erscheinen und wäre noch nachvollziehbarer gewesen, wenn seine Sorge um Eritrea auch in den vergangenen Romanen tiefer und eindeutiger thematisiert worden wäre. Aber außer Rüdiger Schäfer hat das keiner der Autoren so richtig hinbekommen, schade.
Der ARA-Mediziner löst endlich das Rätsel um das Virus und entwickelt ein Gegenmittel. Jetzt war dann die Pflanze aus der Vergangenheit doch noch hilfreich. Also wenn ich es nicht genau wüsste, würde ich sagen, der Autor wäre Biologe. Für die weit ausholenden abstrakten virologischen Erläuterungen benötigt man als Leser fast schon ein abgeschlossenes Biologiestudium. Nicht das mich das gelangweilt hätte, ich verbuche es als Wissensgewinn, bin mir aber nicht sicher, ob das jeder so sieht.
Endlich erfährt man auch, warum der Generex nicht auf Sepura 2 angeriffen wurde. Dass System war von Amöbenraumern abgeriegelt. Ein klitzekleiner Hinweis dazu in einem der letzten Romane wäre schön gewesen.
Und wieder werden in einer gigantischen Schlacht im Stardust-System viele Raumschiffe und Flottenmitglieder sinnlos geopfert. Das ist etwas, was mich bei den Stardustromanen am meisten gestört hat, diese zielstrebige Sinnlosigkeit, mit der sich die Beteiligten in die Schlacht werfen. Als hätten sich die Menschen in 3000 Jahren nicht signifikant weiterentwickelt.
Das Rätsel um Posimons Herkunft wird nun doch nicht aufgelöst, stattdessen macht sich die Positronik selbst auf die Suche. Wie es scheint, wusste der „Expokrat“ selbst nicht, was er damit machen soll.
Das Ende des Generex kommt überraschend schnell und ein wenig zu unspektakulär. Gut, sein riesiges Schiff zerfällt nachdem es nochmal richtig Schaden auf der Heimatwelt der Stardustterraner angerichtet hat. Aber irgendwie hatte ich da etwas mehr erwartet. Wenigstens wird Rhodan dabei seiner Heldenrolle gerecht.
TALIN – die Superintelligenz – gibt sich menschenfeindlich. Das ist keine große Überraschung. Wenn TALIN etwas an den Stardustterranern gelegen wäre, hätte er das Auftauchen des Generex von Anfang an verhindert. Und sind wir mal ehrlich, im Grunde genommen ist ES auch kein wirklicher Menschenfreund. Immer wieder nutzt er die Aktivatorträger und die Menschheit für seine Spielchen aus.
Eritrea Kush spielt im Abschlußband leider nur noch eine untergeordnete Rolle und die Abschiedsszene deutet es an, wir werden von der Admiralin wohl lange Zeit nichts mehr hören, wenn sie überhaupt mal wieder zum Einsatz kommen sollte. Ich versteh’s nicht – da baut man eine Figur auf und lässt sie sang und klanglos fallen.
Morgen gibt’s dann zum Abschluß der Stardust-Woche mein Fazit.
Stardust – Verwehende Ideen
Band 10 – Allianz der Verlorenen von Rüdiger Schäfer
Der Autor kann wunderschön erzählen, doch man merkt es ihm an, dass er mit dem Stoff des Exposés nicht glücklich ist. So konzentriert er sich mehr auf einen Nebencharakter, der ihm einen gewissen Freiraum bietet. Das ist für mich der stärkere Teil des Romans. Die Schlacht gegen die Amöbenschiffe und Rhodans sinnloser Vorstoß nach Tark wirken dagegen wie hilflose Versuche die unlogische Handlung voranzutreiben. Dabei liefert der Autor eine solide Arbeit ab. Allein es scheitert an der Haupthandlung. Der übermächtige Gegner lässt den Protagonisten inzwischen kaum noch Spielraum. Und der von Tondesi gesendete Überrangbefehl, erinnerte ein bisschen zu sehr an den „Schlaf“-Befehl von Data in der Star Trek Folge „Angriffsziel Erde“, der die Borg in die Regenerationsphase schickt.
Der Aktivatorträger und Sofortumschalter Rhodan wirkt bei seinem Einsatz viel zu zaghaft und von Moral geläutert und erinnert fast schon an den Rhodan der NEO-Serie. Wenn er schon zu Beginn seiner Laufbahn so rücksichtsvoll gewesen wäre, hätte es das Solare Imperium wahrscheinlich nie gegeben. Manchmal müssen eben zwangsweise Opfer gebracht werden, um eine Zivilisation zu retten. Zu früheren Zeiten hätte er wohl ohne zu Zögern eine Arkonbombe auf Tark gezündet.
Als großen Fehler sehe ich auch, dass sich die Stardust-Flotte so einfach aus dem Staub macht, während die Amöbenschiffe „schlafen“ gelegt wurden. Ein paar Sprengsätze hier und da und die Flotte des Generex wäre Geschichte gewesen oder zumindest beeinträchtigt.
Was ich mich ja die ganze Zeit über frage: Warum versuchen die nicht den Generex direkt auszuschalten, die müssten doch inzwischen mitbekommen haben, dass er sich auf Sepura 2 aufhält?
Band 11 – Verwehendes Leben – von Roman Schleifer
Band 11 trägt den pathetisch klingenden Titel „verwehendes Leben“ und irgendwie geht’s hier so negativ weiter wie zuvor. Eritrea Kush gezeichnet vom bevorstehenden Tod verhält sich plötzlich zickig hoch 3, feindet Rhodan an und will nicht mal mehr mit ihm reden. Die Stardust-Flotte ist den Amöbenschiffen des Generex völlig hilflos ausgeliefert. Anthur spielt den Rachegott und glaubt doch tatsächlich der Generex ließe ihn dafür am Leben. Was ich eigentlich überhaupt nicht nachvollziehen kann ist: Warum hasst Anthur Rhodan so sehr? Liegt das am Einfluss des Generex?
Einzig Perry Rhodan scheint etwas zu unternehmen, er ersinnt einen Plan, um die Amöbenschiffe abzuwehren. Dafür schickt er eine zusammengewürfelte Truppe aus einem Wissenschaftler, einem Straftäter und dem blutjungen Techniker aus Band 2 auf ein Himmelfahrtskommando. Der alternde Professor hat null Raumerfahrung dafür ein um so größeres Ego und fungiert als Ersatz für die weibliche Blueswissenschaftlerin aus Band 5. Angeblich kann sie nicht mitmachen, weil sie schwanger ist. Da hab ich nur noch gedacht: Häh?
Genau da liegt nämlichen das Problem der Autoren mit Frauenfiguren. Zum einen: Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit und kein Hinderungsgrund für einen solchen Einsatz, zumal Güramy noch nicht so lange schwanger sein kann (Eine Blues-Schwangerschaft dauert laut Perrypedia 3 Monate). Seit ihrem Einsatz sind jedoch höchstens 4 Wochen vergangen. Zum anderen geht es hier doch um die Existenz der Stardustmenschheit, wenn der Einsatz schief geht, sterben alle und da werden ganz sicher auch für schwangere Bluesfrauen keine Ausnahmen gemacht. Was hat sie also zu verlieren? Hatte der Autor etwa ein Problem damit, eine weibliche Figur agieren zu lassen? Stattdessen nimmt man den am ungeeignetsten Kandidaten mit. Mag ja sein, das der Professor sich mit der Theorie auskennt, aber was nützt das, wenn er dem Druck der Mission nicht standhält und beinahe durchdreht.
Der Showdown am Ende überrascht mit dem vorzeitigen Tod von Anthur und einem unbefriedigenden Cliffhanger um Rhodan und Eritrea.
Sorry, aber vielleicht wäre der Titel „verwehende Ideen“ irgendwie passender gewesen.
Morgen berichte ich dann über den letzten Band des Stardust Zwölfteilers.

