Mit Schweinkram ins neue Jahr

41q0DzQ0LqLAlan Bennett, „Schweinkram – Zwei unziemliche Geschichten“

Das geht ja gut los! Das Jahr hat gerade begonnen und schon überfalle ich meine Blog-Leser mit Sauereien. :)
Als ich das Buch auspackte, sagte mein Mann gleich: „Das ist das Richtige für dich.“
Dem kann ich nicht widersprechen, er kennt mich eben. :)

Jetzt aber mal ernsthaft. Die beiden Geschichten drehen sich tatsächlich um „das Eine“, ohne jedoch schlüpfrig zu sein oder gar pornographisch. Bennett gelingt es, erotische Spannung zu erzeugen, ohne das Offensichtliche zu beschreiben. Die Worte klingen gewählt und wie es sich für einen Engländer eben gehört, ganz Gentlemanlike. So hat der Aufdruck auf der Buchrückseite, „Prüde Briten? Von wegen!“, durchaus seine Berechtigung, auch wenn sich der Leser nicht all zuviel davon erhoffen sollte, denn ins Detail geht der Autor nicht.

Ich möchte nicht viel über den Inhalt erzählen, denn das könnte das Lesevergnügen schmälern. Mir war vorher nichts über den Roman bekannt und ich war nach anfänglicher Verwirrung – Worum geht es hier eigentlich? – sehr schnell Feuer und Flamme. Nur soviel: „Mrs. Donaldson erblüht“ handelt von einer Witwe, die auf sehr ungewöhnliche Weise ihren Lebensunterhalt aufbessert. Als sie auch noch ein Zimmer in ihrem Haus an ein junges Pärchen vermietet, hat das unvorhersehbare Konsequenzen.
„Mrs. Forbes wird behütet“ ist eine Fünfecksgeschichte (in Anlehnung an Dreiecksgeschichte) und überrascht den Leser mit allerlei verzwickten Wandlungen.

Alan Bennetts britischer Humor ist scharfzüngig und unterschwellig aber stets treffend. Manche seiner Formulierungen sind einfach köstlich. Doch eines hat mich an dem Buch verwirrt. Jemand wie ich, der sich gerade mit Erzählperspektiven und Zeitformwechseln auseinandersetzt, hat am Anfang so seine Probleme. Denn der Autor hält sich so gar nicht an die Gesetze, die einem als Nachwuchsautor eingetrichtert werden. Da stehen drei Dialoge in einem Absatz, die in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfinden und dazwischen wechselt die Erzählperspektive mindestens zweimal. Das ist echt verwirrend, verleiht dem Ganzen aber einen besonderen Reiz. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das sogar recht unterhaltsam. Aber wenn ich das als Anfänger genauso schriebe, würde ich vom Lektor wahrscheinlich einen mahnenden Verweis ernten. Da sieht man mal wieder, je etablierter man als Autor ist, desto mehr darf man sich herausnehmen.

Weil es aber amüsant und spannend geschrieben ist, bekommt das Buch dennoch von mir das Prädikat lesenswert. Außerdem ist der edle Leineneinband im Bücherregal durchaus hübsch anzusehen.

MdI – nostalgisch verklärt?

Seit gut zwei Jahren lese ich jetzt die Perry Rhodan Silberbände. Inzwischen bin ich bei Band 23 „Die Maahks“ und damit am Beginn des „Meister der Insel“ – Zyklus (kurz MdI). Ein Zyklus, der bei den meisten Fans als einer der Besten der ganzen Reihe angesehen wird. Bisher will ich dem noch nicht so recht zustimmen, aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden. Durch die Bände 21 und 22 („Die Straße nach Andromeda“ und „Die Schrecken der Hohlwelt“ musste ich mich regelrecht quälen. Ich glaube, ich habe noch nie so lange für einen Silberband gebraucht. „Die Maahks“ ist zwar etwas besser, aber ich habe dort einen ziemlich groben Fehler entdeckt. Da wird aus dem japanischen Seher-Mutant Wuriu Sengu kurzerhand ein Afro-Terraner gemacht. Ich habe erstmal gestutzt, weil ich mir nicht sicher war, dann aber in der Perrypedia nachgeschlagen und festgestellt, das mich meine Erinnerung doch nicht getrogen hatte. Sengu ist Japaner.
Das ist sicher eine Kleinigkeit, aber angesichts dessen, dass es genügend Perryfans gibt, die über den Zyklus der gerade laufenden Erstausgabe („Das Atopische Tribunal“) herziehen und schreien, dass früher ja alles besser gewesen sei, möchte ich da ganz eindeutig widersprechen. Die damaligen Geschichten sind viel abgefahrener, als das, was heute erzählt wird. Dafür würden Redaktion und Autoren heutzutage wahrscheinlich gelyncht. Und Widersprüchlichkeiten waren damals sicher häufiger an der Tagesordnung, als heute zu Zeiten der Perrypedia.

Vielleicht ist es eine Art nostalgische Verklärung, die viele Altfans von den alten Zyklen schwärmen lässt? Ich weiß es nicht. Ich hoffe nur, dass die Inhalte der Silberbände, die noch vor mir liegen, interessanter und weniger zäh und ausgedehnt erzählt werden, als bei den drei vergangenen Bänden.

Ich persönlich fand bisher den „Plophos“ – Zyklus am besten und der erschien nicht einmal als Silberband-Ausgaben. Was ich sehr schade finde, da mich gerade die Innenpolitische Handlung sehr gefesselt hat.

Kein Fan von Fantasy

Obwohl ich als Kind Märchen sehr gern mochte, kann ich mit Fantasy so gar nichts anfangen. Ich mag weder die meist Mittelalterliche Kulisse, noch epische Erzählungen über Elben, Drachen und Könige. Auch mit Hexen, Magiern und Einhörnern tue ich mich schwer.
Ich gestehe, dass ich nie Tolkien gelesen habe und den „Herr der Ringe“ nur aus Filmausschnitten kenne. Das mag eine Bildungslücke sein, aber eine mit der ich bisher gut leben konnte.
Mich stört an Fantasy grundsätzlich das sinnlose Gemetzel. Da wird mit Schwertern aufeinander eingeschlagen statt mit Worten. Da werden Heerscharen von Rittern aufgeboten, die gegen Elben o.ä. kämpfen und es wird meist nur zwischen Gut und Böse unterschieden.
Umso verwunderlicher ist es, dass ich mir gestern „Snow White and the Huntsman“ angesehen habe. Irgendwie lief nichts anderes und ich war neugierig auf diese Version von Schneewittchen.
Letztendlich hat mich der Film enttäuscht und mich in meinem Gefühl bestätigt, dass ich keine Fantasy mag. Was da über den Bildschirm flimmerte, war eine verunglückte Mischung aus „Game of Thrones“, „Herr der Ringe“ und Schneewittchen. Es war weder lustig noch anspruchsvoll, gänzlich ohne Romantik dafür aber mit martialischen Schlachten und unzähligen Toten. Das ist definitiv nicht das, was ich mir unter einem Märchenfilm vorstelle, schon gar nicht am ersten Weihnachtsfeiertag. Wenn das Fantasy ist, werde ich wohl auch in Zukunft einen großen Bogen drumherum machen. Da ist mir ein klassischer SF-Streifen hundertmal lieber.

Humoriges von Sick

Sick_CoverIch hatte ja schon mal erwähnt, dass ich großer Fan von Bastian Sick bin. Neben seinen bekannten Büchern zum Tod des Genitivs durch den Dativ, gibt es seit einigen Jahren auch immer wieder Ausgaben der Happy-Aua-Bücher.

„Füllen Sie sich wie zu Hause“ von Bastian Sick ist ein Buchtipp der besonderen Art. Nicht nur das dieses Buch, wie seine Vorgänger auch, allerlei Unterhaltung bietet, nein dieses hier ist für mich deswegen etwas Besonderes, weil ich einen winzigen Teil dazu beitragen durfte.

Im bereits fünften Buch zur beliebten Happy-Aua-Reihe finden sich wieder haarsträubende Irrungen und Wirrungen rund um die Deutsche Sprache, die mitunter zu unkontrollierbaren Lachkrämpfen führen können. Die Beiträge wurden meist von aufmerksamen Lesern eingesandt und wie immer von Bastian Sick treffend kommentiert.

Auch ich beteilige mich schon seit Jahren rege beim Auffinden von sprachlichen Entgleisungen, fotografiere sie, sofern möglich, und sende sie ein. Dieses Mal hat es geklappt. Das Bild hatte ich 2008 gemacht und beinahe schon vergessen, als ich im Frühjahr eine hochoffizielle E-Mail bekam, in der ich gefragt wurde, ob ich nicht die Rechte an meinem Foto an den Autor und den Verlag gegen ein Honorar abtreten würde. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt.

Nun habe ich das Buch von meinem Mann geschenkt bekommen und es hat uns beide gefreut, dass wir im Urheberindex namentlich erwähnt werden.

Ich kann die Happy-Aua-Bücher von Bastian Sick nur jedem ans Herz legen, der ein Faible für die Deutsche Sprache hat und gern mal wieder herzlich lachen möchte. Zurzeit gibt es ja eh wenig zu lachen.

DSC06483Sick_Index

 

Alle Jahre wieder: Filme zum Fest

Es gibt eine Unmenge Filme, die sich mit Weihnachten beschäftigen oder zur Weihnachtszeit spielen. Viele davon sind kitschig und albern, viele lustig aber manche auch traurig. Meist handeln sie von der Suche nach Nähe oder dem Guten im Menschen.

Hier sind unsere Top 3, die wir uns liebend gern jedes Jahr wieder aufs Neue anschauen.

Tatsächlich Liebe – Britischer Episodenfilm mit einer Darstellerriege, die sich sehen lassen kann. Ein Film über große und kleine Sorgen zum großen Thema Liebe.
Hier ein nicht ganz so ernst gemeinter Trailer zum Film:

Liebe braucht keine Ferien – Cameron Diaz und Kate Winslet in einer romantischen Komödie aus Großbritannien. Zwei völlig unterschiedliche Frauen tauschen für zwei Wochen ihre Häuser, um den Beziehungsfrust zu vergessen und begegnen am jeweils anderen Ende der Welt einer neue Liebe. Der Film schafft es gefühlvoll zu sein, ohne kitschig zu wirken und man lernt zudem noch eine Menge über die Geschichte der Hollywoodstudios.

Zwei Weihnachtsmänner – Eine zweiteilige Komödie mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka frei nach dem Hollywoodstreifen „Ein Ticket für zwei“. Schreiend komisch!

https://www.youtube.com/watch?v=a_T_5rD0-nk

6 zum Preis von Einem

CloudAtlas_Deutsch_Master.inddSeit einem Jahr stand die Blu-ray von „Cloud Atlas“ jetzt im Regal. Allein es war die Länge des Films von 172 Minuten, die uns bisher davon abgehalten hatte, den Film anzusehen. Gestern Abend haben wir uns dann endlich dazu durchringen können und was soll ich sagen: Ich bin grenzenlos begeistert.

Die Handlung hier zusammenzufassen, würde den Blogeintrag sprengen. Im Grunde genommen sind es sechs Filme in einem:
Handlung 1 spielt 1849 auf einem Segelschiff im Pazifik. In dem Historienfilm geht um Sklaverei und die Gier nach Geld.
Handlung 2 spielt 1936 in Schottland. Hier klingt Hass gegen Andersartige (schwuler Musiker und Jüdin) an und auch hier spielt Gier nach Erfolg und Geld eine Rolle.
Handlung 3 spielt 1973 in San Francisco. Diese Episode ist als Wirtschaftsthriller angelegt und zeigt die Machenschaften der Erdölindustrie, die bereit ist, für den Erhalt ihre Geschäfte über Leichen zu gehen.
Handlung 4 spielt 2012 in England und kommt als Komödie daher, in der der unsoziale und herzlose Umgang mit alten Menschen thematisiert wird. Auch hier ist die Gier nach Geld und Anerkennung vordergründig.
Handlung 5 spielt 2144 in Neu-Seoul (Südkorea) und ist ein echter SF-Film, der von genmanipulierten Menschen erzählt, die wie Sklaven ausgebeutet werden und keinerlei Rechte besitzen.
Handlung 6 spielt in einer postapokalyptischen Zukunft 106 Jahre nach dem Weltuntergang. Gezeigt wird der Überlebenskampf der letzten Menschen, ihre Hoffnungen und ihre Nächstenliebe.
Jeder Handlungsstrang könnte als eigenständiger Streifen durchgehen und man hätte sie auch linear nacheinander zeigen können, um die Aussage des Films zu transportieren. Doch gerade, weil man die Szenen mischt, von Handlungsebene zu Handlungsebene durch die Zeiten springt, bildet sich ein Mosaik, das einem mit offenem Mund staunen lässt. Die Umschnitte zwischen den einzelnen Handlungssträngen sind perfekt platziert. Und obwohl die Fülle an Informationen riesig und die Gegensätze der Szenen verwirrend sind, kann man der Handlung ohne weiteres folgen. Und durch viele faszinierende Ideen (wie die kindliche Sprache der Postapokalyptischen Zeitlinie) kommt in den 3 Stunden keine Minute Langeweile auf.

Grundsätzlich liebe ich ja Filme mit mehreren Handlungssträngen, aber der hier setzt noch einen drauf, da die Handlungen auch noch in verschiedenen Zeitepochen mit denselben Schauspielern spielen. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich mich „eingesehen“ hatte, dafür bekam ich eine äußerst komplexe Geschichte in grandiosen Bildern vorgesetzt. Die Darstellerriege aus Tom Hanks, Halle Barry, Hugh Grant, Susan Sarandon u. a. glänzte mit hervorragendem Schauspiel in all ihren verschiedenen Rollen. In einigen waren die Darsteller unter dem Make-up gar nicht zu erkennen, manchmal wechselte sogar das Geschlecht, was dann aber eher zu unfreiwilliger Komik führte.

Zur Hauptaussage des Films möchte ich sagen, dass es vor allem um Freiheit und Selbstbestimmung geht. Es klingt auch Reinkarnation mit herein, da die handelnden Personen über alle Zeitebenen irgendwie miteinander verknüpft sind. Doch Letzteres war für mich als Botschaft nicht so bedeutsam. Daher stört es mich auch nicht, dass manche der Verknüpfungen etwas konstruiert wirken. Positiv fand ich den Gedanken, dass, obwohl die Menschen in all den Epochen immer wieder dieselben Fehler machen, sie am Ende doch über ihren Schatten springen und sich moralisch weiterentwickeln. Etwas, das mir in vielen SF-Filmen der letzten Jahre gefehlt hat.

Meine Hochachtung vorm Autor des Originalromanes „Der Wolkenatlas“, David Mitchell. Einen so komplexen Roman zu Papier zu bringen ohne den Roten Faden in all den vielen Handlungsebenen zu verlieren, ist eine großartige Leistung. Ich habe mir gleich mal den Roman bestellt.
Auch den Filmschaffenden rund um Tom Tykwer und den Wachowski Geschwistern gelingt es überzeugend den Stoff umzusetzen. Der Film wurde in Deutschland produziert, wo unteranderem auch gedreht wurde und ein Teil der Spezialeffekte entstand. Auch wenn er mit Hollywoodstars besetzt wurde, zeigt er doch, das man in Deutschland sehr wohl in der Lage ist, Blockbuster zu produzieren.

SEX, Drogen und Alkohol …

chaos-en-franceKlaus N. Frick „Chaos en France. Peter Pank in Avignon“

SEX, Drogen und Alkohol … so oder so ähnlich lässt sich der Inhalt von Peter Panks Abenteuern in Avignon zusammenfassen. Aber das würde dem Werk nicht gerecht werden, denn der Roman ist so viel mehr …

Peter ist dem kalten Deutschland entflohen, hat sich in Avignon bei einem Freund einquartiert und sich in die hübsche Manu verliebt. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht plötzlich alles aus dem Ruder laufen würde. Zuviel Alkohol, zu viele Drogen, ein geklautes Auto und ein Unfall, setzen der romantischen Stimmung ein Ende. Fortan wird Peter von der Polizei gesucht, von seinen Freunden rumgeschubst und schließlich zum Drogendealer gemacht. Er, der sich eigentlich von niemanden etwas sagen lassen wollte, macht nun nur noch das, was andere von ihm verlangen. So kann das unmöglich weitergehen. Doch wie soll er da nur wieder rauskommen: Gestrandet, ohne Geld und ohne Manu, die sich als Mogelpackung entpuppte? Am Ende ist Peter um viele schöne und schlechte Erfahrungen reicher, doch seine Ziellosigkeit ist immer noch präsent.
Die Fortsetzungsgeschichte um Peter Pank ist gespickt mit großen Emotionen, allerlei tiefgründiger Gedanken und Botschaften die nachdenklich stimmen.

Nachdem ich den ersten Band über Peter Pank gelesen hatte, war ich wirklich neugierig darauf, wie es weiter geht, und das obwohl ich weder mit der Musik, noch mit der „No Future“-Einstellung der Punkszene, etwas anfangen konnte. Doch das Universum, in das mich der Autor lockte, entpuppte sich als aufregend und faszinierend zugleich.

„Chaos en France“ ist eine grandiose Fortsetzung des ersten Bandes. Was beim ersten Roman noch wie eine Zusammenstellung einzelner Geschichten wirkt, ist hier zu einer kompakten, dicht geschriebenen und wirklich spannenden Erzählung verschmolzen. So das man das Buch am liebsten nicht wieder aus der Hand legen möchte.
Es ist der schonungslos ehrliche Stil, der einen packt und direkt in die Figur zieht. So erlebt man Peters Abenteuer mit den Freunden in Avignon am eigenen Leib. Man leidet mit und durch ihn. Dabei ist dem Autor nichts zu peinlich, um es in seiner bildhaften und schnörkellosen Sprache zu schildern. Das alles liest sich so federleicht, dass man am Ende traurig ist, dass es schon vorbei ist.
Auch dieses Mal habe ich wieder eine ganze Menge über Punk gelernt, nicht nur über die Musik, sondern auch viel über den Lebensstil und die Gedankenwelt. Ich habe eine gänzlich neue Perspektive erhalten und glaube fast, wenn mich heute ein Punk auf offener Straße anschnorren würde, könnte ich ihn wahrscheinlich nicht so leicht abwimmeln. Dem Autor gelingt damit das Unmögliche: Die Lebensanschauung einer ganzen Generation auf den Normalbürger zu transportieren und Verständnis für eine Kultur zu wecken, die weit abseits aller bürgerlicher Normen steht.
Manche Stellen im Buch sind sehr tiefgründig, andere wiederum sprühen vor Witz. Sätze wie „Ein Rest von Hirn schaltete sich ein“ zeugen fast schon von dichterischer Genialität.
Auch die Liebesszenen scheinen so natürlich und lebensnah, das einem beim Lesen Gänsehaut überfällt.
Ich gebe zu, manchmal ist die Ekelschwelle sehr niedrig. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber nur so wirkt die Geschichte auch wirklich authentisch. Wobei ich mir immer noch die Frage stelle: Bei wie vielen der Geschichten, der Autor auf eigene Erfahrungen zurückgreift?

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich einmal mit Punk auseinandersetzen möchte. Wer sich darauf einlässt, bekommt spannende Unterhaltung „per excellence“ geboten.
Am Ende des Buches gibt es sogar Vorschläge für den passenden Soundtrack. Das nenne ich perfektes Lesevergnügen und wünschte mir mehr davon.

Die Söhne Norwegens

Zwischen all dem Schrott der tagtäglich im Fernsehen läuft und der dort auch brav recycelt wird, findet sich doch hin und wieder eine Perle. So lief am Freitag auf EinsFestival der Norwegische Film: Sons of Norway.
Ich hatte den Film bereits auf DVD gesehen und er hat mir sehr gut gefallen, obwohl es um ein Thema geht, dass mich noch vor einem halben Jahr kaum interessiert hätte – nämlich um Punk. Jaja, so verschieben sich die Perspektiven, aber das ist auch gut so.

Die Geschichte handelt von dem 14-jährigen Nicklas, der Ende der 70er den Punkrock für sich entdeckt. Nach dem Tod der Mutter muss er mit dem depressiven Vater allein klarkommen. Doch seine Rebellion gegen alles und jeden läuft ins Leere, da sein Hippievater noch schräger drauf ist, als er selbst. So wird seine Suche nach dem Sinn des Lebens zur Irrfahrt die schließlich im Krankenhaus endet.

Sehr feinfühlig wird hier der Weg eines Jungen zum Erwachsensein erzählt. Die Figur des Vaters mit all seinen verrückten Ideen, zum Beispiel der Urlaub in einem schwedischen Nudistencamp, ist bezeichnend für die Hippiebewegung der 70er, während der Sohn die aufkommende Punkgeneration verkörpert. Alles in allem ein wunderschöner Film übers Erwachsenwerden. Und das nicht nur wegen der Szenen im Nudistencamp. Ehrlich, ich habe in einem Spielfilm noch nie so viele nackte Menschen auf einem Haufen gesehen, das ist einfach klasse inszeniert.
Übrigens ist in einer Gastrolle Johnny Rotten der Leadsänger der „Sex Pistols“ zu sehen.
Das war endlich mal wieder sehenswerte Unterhaltung im Fernsehen. Davon hätte ich gern mehr.

Für alle die es interessiert, hier ist der Trailer:

Sushi in Suhl

81zmoEI22rL._SL1420_Anfang der Siebziger Jahre eröffnet der visionäre Koch Rolf Anschütz ein japanisches Restaurant in Suhl. In tiefster DDR-Provinz eine Herausforderung und wahre Mamutaufgabe, nicht nur bei der Beschaffung von Lebensmitteln und Japandeko, sondern auch bei den Auseinandersetzungen mit den Parteibonzen der HO (Handelsorganisation der DDR). Schließlich ist Japan nicht gerade ein sozialistischer Bruderstaat und die exotische Küche könnte ja Begehrlichkeiten in den Bürgern wecken, die vom Handel nicht gestillt werden können. Doch Anschütz beißt sich durch, setzt alles aufs Spiel und gewinnt: Zunächst nur die Anerkennung eines richtigen Japaners, später auch die der Parteifreunde.
Mit dem ausgeprägten Improvisationstalent eines Ostdeutschen schafft er das Unmögliche: Bis zur Wende bewirtet er fast zwei Millionen Gäste in seinem Restaurant, darunter viele Prominente.
Auf der Strecke aber bleibt die Familie: Frau, Sohn und Vater. Es ist ein hoher Preis den Anschütz für den Erfolg zahlen muss.

Ich war sehr gespannt auf den Film, schließlich hatte es im Vorfeld alle möglichen Kritiken dazu gegeben, positive wie auch negative. Als er am Mittwoch über den Bildschirm flimmerte, erwies er sich als Topunterhaltung.
Die hervorragende Komik mit politischen Unterton, stets ein wenig überzogen, hatte auch seine nachdenklichen Momente. Die Charaktere waren gut besetzt und Uwe Steimle in der Hauptrolle überzeugte, wenn auch sein sächsischer Dialekt nicht in die Region Suhl passte (Die reden da nämlich schon fränkisch.). So ist es dennoch die gelungene Verfilmung einer wahren Begebenheit und zeigt das Leben in der DDR, wie es war. Aus nichts etwas machen, konnten und können wir Ostdeutschen heute immer noch, zumindest die vor 1980 geborenen.
Jetzt weiß ich auch, wie wir Mitte der 80er bei einem Besuch in Suhl an Krabbenchips gekommen sind. Die gab es nämlich nur dort im ansässigen Fischladen.
Auch der Umgang mit den „Parteifreunden“ fand ich gelungen. Christian Tramitz in der Rolle des Ernst Kaltenhauser passte wie die Faust aufs Auge. Nur das er wahrscheinlich eher mit einem BMW als einem Mercedes in die DDR gereist ist. :)
Einzig die Ortsbilder und Außenaufnahmen sehen so gar nicht nach Suhl aus, das in den 80er Jahren eigentlich eine moderne Stadt mit 56 000 Einwohnern war.

Fazit: Der Film zeigt das Leben in der DDR gänzlich ohne den politischen Zeigefinger zu erheben. So wie „Go Trabi Go“ von 1991 will er einfach nur unterhalten und dies gelingt ihm auf fulminante Weise.

Perry Rhodan Stardust – Ein Fazit

Die Stardust-Woche ist rum und ich möchte an dieser Stelle mein Fazit kundtun:

Ich würde jetzt nicht so weit gehen, den Konsum von PR-Stardust Zeit- und Geldverschwendung zu nennen. Schließlich wurde ich zwischenzeitlich gut unterhalten und die Leistungen der einzelnen Autoren waren durchaus positiv. Vom einen oder anderen Autor würde ich in Zukunft gern mehr lesen. Auch die großartige Optik der Hefte hat mir gut gefallen und entschädigt mich etwas für die schwache Handlung.
Aber als großen Wurf kann man PR-Stardust leider wirklich nicht bezeichnen. Das mag daran liegen, dass die Rahmenhandlung für eine 12-teilige Reihe nicht dicht genug war und der Rote Faden nur bedingt zu erkennen war. Mit zu vielen logischen Löchern, zu vielen Raumschlachten mit zu vielen Toten und einer sich hoffnungslos ausbreitende Seuche, hinterließ die Serie bei mir einen negativen Beigeschmack.
Ich weiß, dass SF-Serien gern ein Spiegel unserer Zeit sein wollen. Doch wenn man schon in den täglichen Nachrichten mit Krieg und Virusepidemien konfrontiert wird, möchte man nicht auch noch in den wenigen ruhigen Stunden seiner Freizeit davon hören. So zeugt die Handlung der Stardust Miniserie von zu wenig fantastischen Elementen die eine positive Zukunft zeigen. Skrupellose gefährliche Gegner, die aus dem Nichts auftauchen, Superintelligenzen, die ihr eigenes Spiel spielen – Die Grundidee ist zu ausgelutscht, als das sie noch zu begeistern vermag.
Auch alle Versuche dem Unsterblichen – Perry Rhodan – einen moralischen Stempel aufzudrücken und ihn aus der Heldenrolle zu holen, müssen zwangsläufig scheitern. Sind wir doch ehrlich: Er ist nun mal der Held und wird es immer sein, sonst würde die Romanserie nicht seinen Namen tragen. Jeder Ansatz aus ihm einem Teamplayer zu machen, wird der Erwartungshaltung der Fans nicht gerecht werden. Das sieht man deutlich an PR-Neo, hier dominieren andere Figuren die Handlung und viele Alt-Fans, mich eingeschlossen, kommen damit nicht klar.

Da ich aber nicht nur Kritik üben möchte, weil es ja immer leicht ist, über die Fehler anderer herzuziehen, habe ich mir Gedanken gemacht, wie man die Geschichte anders hätte erzählen können:

Ein guter Startpunkt ist die zu Beginn angesprochene Abstimmung: Was wäre, wenn die Stardust-Menschheit sich für einen neuen Namen des Kugelsternhaufens ausgesprochen hätten, welche politischen Konsequenzen hätte das gehabt und wie hätte Polyport Präfekt Rhodan als Vertreter der Milchstraßenmenschheit darauf reagieren müssen?
Aus der Geschichte mit Eritrea Kushs Sohn hätte man ebenso mehr rausholen können: Wenn zum Beispiel der TALIN-Jäger Rhodan entführt hätte, um mit seiner Hilfe das Kosmische Rätsel zu lösen, wobei sie dann auf Whistlers Botschaft gestoßen wären. Auf der Suche nach dem Splitter von Vatrox-Vamu hätten man dann auch die Immateriellen Städte mit einbeziehen können. Dort hätte man meinetwegen auch mehr über die Geschichte der Pahl-Hegemonie erfahren und dabei immer die Admiralin und die Flotte an ihren Fersen, um den Polyport Präfekten zu befreien.
Man hätte das Ganze als eine Art Schnitzeljagd gestalten können an deren Ende Eritreas Sohn vielleicht tatsächlich das Rätsel TALINs gelöst und seinen Zellaktivator bekommen hätte und sich anschließend mit seiner Mutter versöhnen können.
Währenddessen Rhodan und Whistler der Superintelligenz in den Hintern getreten hätten, weil sie mal wieder als Werkzeuge missbraucht wurden.
Das wäre besser gewesen, als wieder mal einen übermächtigen, gesichtslosen Gegner aus dem Nichts hervorzuzaubern und sich mit Seuchen und Amöbenschiffen herumzuschlagen. Denn manchmal sind es doch die simplen Geschichten, die spannender sind. Ganz wie im richtigen Leben auch.

So, das war erstmal genug aus dem Perry Rhodan Universum. Morgen geht es dann mal wieder um irdischere Dinge. :)