Bob der tierische Helfer

Quelle: Amazon

„Bob der Streuner“; „Bob und wie er die Welt sieht“ und „Ein Geschenk von Bob“ von James Bowen

Es gibt Bücher, die liest man an und kommt nicht wieder davon los. So ging es mir mit den Geschichten von James Bowen. Ich weiß heute nicht mehr, warum ich mir sein erstes Buch gekauft habe. Sicher nicht, weil es in der Bestsellerliste des Spiegels auftauchte, wahrscheinlich war es der Kater mit dem Schal auf dem Umschlag, der mich Katzennärrin angesprochen hat.
Ich las in der Buchhandlung nur ein paar Zeilen und war schon gefesselt.
Die Leidensgeschichte des jungen Drogenabhängigen, der sich um einen verletzen Kater kümmert, der schließlich sein Leben verändern sollte, ist so anrührend ehrlich geschrieben, das mir oft die Tränen kamen. Diese besondere Geschichte gehört nicht umsonst zu den Bestsellern der letzten Jahre. Es ist vor allem die Schlichtheit mit der Bowen sie erzählt. Auch wenn er gewiss schriftstellerische Hilfe hatte, ist es dennoch seine Sichtweise, die zu Papier gebracht wurde.
Keine Frage, anrührende Geschichten mit Tieren gehen immer, aber in diesem Fall war das vom Autor nicht bezweckt und das macht es so besonders.
Es mag Leute geben, die das Verhalten des Katers für Humbug halten, für eine überzogene Darstellung, um der Dokumentation Würze zu verleihen. Ich glaube nicht, das dem so ist. Jeder der selbst mit Haustieren zusammenlebt, weiß wie unglaublich intelligent, sich diese verhalten. Tiere, speziell Katzen, haben einen siebten Sinn dafür, wenn es Herrchen oder Frauchen nicht gut geht, oder sie einfach nicht gut drauf sind. Sie legen dann mitunter ein Verhalten an den Tag, das sehr viel menschliches an sich hat.
Gestern habe ich innerhalb von drei Stunden die 184 Seiten von „Ein Geschenk von Bob“ gelesen. Allein das sagt schon alles. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und hätte beinahe meine Haltestelle verpasst. An einigen Stellen war ich so emotional kompromittiert, wie Spock ausdrücken würde, dass ich ein Taschentuch zücken musste.
Auch wenn die Geschichte nicht auf einem wahren Hintergrund beruhen würde, wäre mir das egal. Ich empfinde alle drei Bücher über Bob und seinen jungen Freund als ein wunderbares Geschenk, das mir einige sehr bewegende Stunden bescherte, die ich nicht missen möchte.

Und wenn selbst mein Vater, der eigentlich keine Leseratte ist, „Bob der Streuner“ komplett gelesen hat, muss das Buch etwas ganz Besonderes sein.

Übrigens: Die Bücher gibt es in jeder Buchhandlung sowie bei diversen Drogeriemarktketten, und sie sind auch für Menschen mit Katzenallergie geeignet. :)

Odyssee frei nach Homer

brotherWer einen Blick in unser DVD-Regal riskiert, dem wird wird früher oder später eine Häufung von Filmen ins Auge fallen, die entweder von oder mit George Clooney sind. Ich gebe offen zu, ich bin ein Fan seiner Arbeit, weil sie sich von denen anderer Hollywoodgrößen unterscheidet. Seine Filme sind kritisch, politisch, manchmal ein wenig skurril und regen stets zum Nachdenken an. Okay, mit einer Ausnahme: „Batman and Robin“. Clooney sagte einmal selbst, dass er sich für diesen Film schäme.

Eine seiner besten Komödien sahen wir uns gestern Abend an. Die Geschichte von „O Brother, Where Art Thou?“ basiert auf Homers Odyssee. Frei interpretiert spielt sie im US-Bundesstaat Mississippi am Beginn der dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Drei ausgebrochene Sträflinge sind auf der Suche nach dem großen Schatz, dabei widerfährt ihnen das eine oder andere Abenteuer.
Die Coen-Brüder, unter dessen Regie dieser Film entstand, sind ein Garant für obskures Figurenkino. So auch hier. Die Charaktere sind aus dem Leben gegriffen: meist nicht besonders helle und weit weg von den Schönheitsidealen Hollywoods. Sie verlangen den Schauspielern einiges ab. Die Dialoge zwischen Everett (Clooney) und seinen Mitgefangenen sind köstlich. Er, der sich für gebildet hält, und stets um den Sitz seiner pomadisierten Haare besorgt ist, hat seine Not mit der einfachen und naiven Denkweise der anderen beiden. Das führt oft zu witzigen Situationen, bei denen man sich vor Lachen ausschütten möchte.
Das ganze wurde in eine Südstaaten-Kulisse eingebettet, die sich in einem eng begrenzten Farbraum bewegt. Gelbe, orange und braune Töne sind vorherrschend und übertragen auf diese Art die Hitze über der Landschaft und auch ein Gefühl für die damalige Zeit auf den Zuschauer. Unterlegt wurde das ganze mit einem sensationellen Soundtrack, der ausschließlich aus Songs der zwanziger und dreissiger Jahre besteht und das Südstaaten-Gefühl unterstreicht.

Das Ende der Odyssee überrascht genauso, wie die vielen kleinen Parallelen zu Homer Epos. Da gibt es Sirenen und Zyklopen, da wird Bezug genommen auf christlichen Fanatismus und den Ku-Klux-Klan, korrupte Politiker entlarvt und die moderne Welt vorhergesagt.
Der Film kam bereits im Jahr 2000 in die Kinos, ich habe ihn seit dem schon oft gesehen und bin immer wieder gefangen von der Geschichte, der Musik und den wunderbaren Bildern.

Ein zweiter Gucky

IMG_0070.JPGLetzten Freitag haben wir uns endlich auch „Guardians of the Galaxy“ angesehen. Im Kino haben wir den Film verpasst, aber die BluRay kam schon am 8. Januar in die Läden. Und nach den Vorschusslorbeeren, die der Film bekommen hat, wollte ich ihn unbedingt gleich ansehen… Es stimmt, sieht man von ein paar Kleinigkeiten ab, ist es einer der witzigsten Science Fiction Filme der letzten Jahre. Mir gefiel besonders der bunte Look: Die Welten, die Figuren, alles präsentierte sich auffallend farbig. Besonders die Weltraumszenen boten ein prächtiges Augenfutter.
Nun ja, die Geschichte war gewöhnlich, aber gut durchdacht.
Doch am meisten lebt der Film von seinen Figuren. Diese ungewöhnliche Truppe an Helden, die sich zwangsweise verbünden müssen, um das Artefakt zu finden und gegen den Feind zu verteidigen, ist das Ungewöhnlichste, was man im SF-Genre seit langem gesehen hat. Dabei hat es mir als Perry Rhodan Fan besonders der Charakter des Rocket angetan. Schon beim ersten Blick auf das Filmplakat kam mir der Gedanke: Das ist GUCKY, der Mausbiber.
Manche Dialoge waren schwach und überzogen, aber das tat der Unterhaltung keinen Abbruch. Wenn man sich klar macht, dass dies eine Comicverfilmung ist, kann man auch über die abstruse Szene (Rettung im All ohne Raumanzug) hinwegsehen.

Der Film bietet spannende Unterhaltung, tolle Effekte und eine diesmal grüne Zoe Saldana. Die Schauspielerin ist hauptsächlich durch ihre Rollen in Avatar (damals ganz in blau) und als Uhura in Star Trek XI & XII bekannt.

Mein Fazit: Schöner Film, ich habe mich jedenfalls keine Sekunde gelangweilt.

Ein Drache zum diktieren

apps_DragonIch habe ein neues Spielzeug für mein iPad entdeckt. Aber was heißt hier Spielzeug… Es ist eine App mit einer, für mich, sehr nützlichen Funktion. Ich bin nicht besonders schnell, wenn es darum geht Texte zu tippen. So dauert es bei mir immer viel zu lange um Blogeinträge oder E-Mails zu schreiben. Doch damit ist jetzt Schluss! Seit ein paar Tagen benutze ich Dragon Dictation (von Nuance). Diese wunderbare App erkennt meine Stimme und wandelt sie augenblicklich in Text um. Dabei ist sie so einfach und auf das Wesentliche reduziert, dass ich anfangs meine Zweifel hatte, ob das überhaupt funktionieren wird.
Schon vor ein paar Jahren nutzte ich auf dem PC eine Spracherkennungssoftware und zwar Dragon NaturallySpeaking (auch von Nuance). Die damals genauso perfekt funktionierte wie die heutige App, mir aber bei der Erkennung auf Dauer zu langsam war. Da ist die App, der Software von früher, weit voraus, denn sie erkennt die gesprochenen Sätze schnell und fehlerfrei.
Was sehr hilfreich beim Übertragen meiner handschriftlichen Aufzeichnungen zu meinen Romanen ist. Die schreibe ich nämlich vorwiegend mit Stift und Kladde und tippe sie anschließend ein. Da dauert es natürlich ewig, bis man ein paar Seiten geschrieben hat. Heute gelang es mir, innerhalb einer Stunde ganze fünf DinA4-Seiten zu diktieren. Und außer ein paar Eigennamen hat die Software alles fehlerfrei erkannt. Ich war total happy.

Um dann anschließend den Text weiterzuverwenden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann den Text kopieren, um ihn in eine andere Anwendung einzufügen oder per E-Mail, Twitter oder Facebook teilen.
Ganz nebenbei ist es eine wunderbare Übung zur Kommasetzung. Denn beim Diktieren, fällt einem sofort auf, wo ein Komma gesetzt werden muss. Für jemanden wie mich, mit notorischer Rechtschreibschwäche, ist dies das ideale Training.

Natürlich gibt es auch Verbesserungswürdiges. Zum Beispiel kann man während der laufenden Aufnahme nicht sehen, was die Software erkannt hat. Das geht erst, wenn die Aufnahme beendet ist. So diktiere ich meist nur wenige Sätze, um anschließend zu überprüfen, ob die Software alles richtig erkannt hat. Doch das ist meist der Fall. Außerdem muss man zwangsweise Online sein. Gut finde ich aber, dass man den Zugriff, den die App auf Kontakte und Standort haben will, unterbinden kann.

Also, ich kann diese App nur jedem weiterempfehlen, der, so wie ich, nicht so schnell tippen kann.
Und das allerbeste daran ist, diese App hat mich keinen Cent gekostet. Da frage ich mich eigentlich: Warum? Denn für so eine hilfreiche Anwendung wäre ich durchaus bereit zu zahlen. Leider gibt es diese App nur für iPad und iPhone (für Android übrigens auch), um etwas ähnliches an meinem Mac zu nutzen, müsste ich die Premium Software „Dragon Dictate für Mac“ kaufen, aber das wäre viel mehr, als das, was ich eigentlich benötige. Die im App-Store angebotenen Variante, läuft leider nicht auf dem aktuellen MacOS Betriebssystem. Schade!

Starker Samstagabend-Krimi

DavidRott_starkes teamEin starkes Team – Tödliche Verführung (Foto: ZDF)

Normalerweise sehe ich keine deutschen Krimiserien. Denn mich stört, dass es außer Liebesschnulzen und Krimis, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, nichts anderes zu geben scheint. Gestern machte ich aber eine Ausnahme und das hatte einen bestimmten Grund. Der Grund hieß David Rott.

Die Handlung hörte sich interessant an: Da wird eine Frau ermordet, die nebenher als Prostituierte tätig war, ohne das ihr Ehemann davon wusste. Das Ermittlerteam versucht Licht hinter die Angelegenheit zu bringen, doch ihnen gehen alsbald die Verdächtigen aus. Zum Schluss steht der Nachbar im Zentrum der Ermittlung und das kann der Ehemann nicht verkraften.

Die Geschichte wird durchaus spannend und einfach erzählt. Der Zuschauer kann mitverfolgen, wie die Kommissare die Puzzleteile nach und nach zusammenfügen, und wird bis zum Ende im Unklaren gelassen, wer denn nun der Mörder ist. Außerdem kommt der Film nicht steif daher, sondern bietet auch komische Momente. Besonders gut fand ich die kleinen Seitenhiebe auf die Datensammelwut der deutschen Behörden, die ihre eigenen Beamten überwachen. Das war alles in allem gute Fernsehunterhaltung – nichts besonderes, aber unterhaltsam.

Die Darstellerleistungen waren solide, wirkten nicht gekünstelt, aber auch nicht sonderlich brillant. Einzig David Rott in der Rolle des labilen unter Narkolepsie leidenden Ehemanns, ragt aus der Riege der Schauspieler heraus. Seine Figur bleibt bis zum Schluss undurchschaubar.
Wer schon Krimis mit David Rott gesehen hat, weiß, dass er meist den Täter spielt. Was für seine Fans den Genuss aber nicht schmälert, denn man wird stets mit unkonventionellem tiefgründigen Schauspiel belohnt. Und so ist es auch bei „Tödliche Verführung“, mit dem überraschenden Ende, dass er dieses Mal doch nicht der Mörder ist. :)

Mir scheint, dass der Mann es inzwischen soweit gebracht hat, dass er sich seine Rollen aussuchen kann. Er spielt stets die interessanten Charaktere. Das sind zwar meist keine Hauptrollen, aber das scheint ihm nicht wichtig zu sein. Dazu kann man eigentlich nur gratulieren.

Wer mehr über den Fernsehfilm wissen möchte, kann das auf Tittelbach.tv tun.

Der Kaiser und die Kaiserin

SisiIch habe es getan! Ich habe mir am Wochenende „Sisi“ angeguckt. Nein, nicht die „Sissi“-Filme mit Romy Schneider sondern die Neuauflage von 2009 mit Cristiana Capotondi und David Rott. Was sich schon anhand der Schreibweise des Titel erkennen lässt. Kaiserin Elisabeth schrieb sich selbst nämlich nur mit einem „s“ in der Mitte.

Die zweiteilige Koproduktion von ZDF, ORF und RAI ist eine prunkvoll inszenierte und bestens besetzte Neuverfilmung, die so gar nicht die Klischees der alten Sissi-Filme bedient. Und das ist auch gut so. Dieser Film ist eher als ernsthafte Auseinandersetzung mit der wahren Geschichte der Kaiserin Elisabeth gedacht. Auch wenn es hier und da noch kleine Unterschiede zur Realität gibt, so kommt diese Verfilmung der wahren Sissi dennoch näher, als die romantisch verklärten Heimatfilme der 50er.

Erzählt wird die Lebensgeschichte der Österreichischen Kaiserin von 1853 bis zu ihrer Krönung als Königin von Ungarn 1867. Dabei wurde viel Wert auf Authentizität gelegt, und das nicht nur bei Handlung und Charakterisierung, sondern auch bei Kostümen und Kulissen. Der so entstandene Film verschlang elf Millionen Euro, eine stattliche Summe, die aber nicht vergebens war. Es sind die opulente Ausstattung und der Dreh an Originalschauplätzen, die der Geschichte einen passenden Rahmen verleihen und ihn zu einem Augenschmaus machen. Natürlich gibt es romantische Szenen, die sich aber nie in den Vordergrund drängen und in keinster Weise kitschig wirken. Es geht in diesem Streifen vielmehr um Sisi’s Emanzipation als Frau, ihr Kampf gegen die allgegenwärtige Schwiegermutter (gespielt von Martina Gedeck) und ihre Einflussnahme auf die Regierungsgeschäfte ihres Mannes.

Getragen wird das alles von einer Riege hervorragender Darsteller. Allen voran von der Italienerin Cristiana Capotondi, die die Unbekümmertheit der jungen Kaiserin sehr gut zu transportieren weiss, obwohl sie bei den Dreharbeiten bereits 29 Jahre alt war. David Rott als Kaiser Franz ist in der schmucken Uniform nicht nur optisch eine Augenweide, sondern verleiht der Figur seinen ganz eigenen jugendlichen Charme. Das er dabei vorrangig auf den Wiener Akzent verzichtet (Obwohl er das sicher perfekt hinbekommen hätte, schließlich hat er seine Schauspielausbildung in Wien absolviert.), empfinde ich als ein Pluspunkt. Mit viel Tiefe spielt er die Zerrissenheit von Franz zwischen den Zwängen der Monarchie, seiner Liebe zu Elisabeth und seiner politischen Verantwortung. Erwähnenswert sind aber auch Fritz Karl als Graf Andrássy und Herbert Knaup als Sisis Vater Herzog Max.

Mein Fazit: Der vielschichtige Zweiteiler (197 Minuten) ist eine gelungene Mischung aus Historiendrama und romantischer Unterhaltung, man könnte ihn fast als politischen Film einstufen, aber dass wäre dann doch zuviel des Guten.

Kosmische Schundliteratur

muenchhausen_dunkelsternMünchhausen im Weltraum Band II – wie uns der Himmelsriese fraß … und wie ich einen Dunkelstern erhellte …

Am Wochenende machte ich eine Entdeckung. Aus dem Stapel alter abgenutzter Bücher, die noch aus einer vergangenen Erbschaft stammten, zog ich ein Buch, das mich verwunderte. Wir haben damals so viele Bücher von meiner Tante geerbt, dass ich mich beim besten Willen nicht an jedes erinnern kann. Ganz beiläufig nahm ich es am Samstag zur Hand, blätterte durch die vergilbten Seiten und blieb fasziniert und abgestoßen zugleich an dem Text hängen. Die Sprache war direkt und simpel und gerade deshalb so faszinierend. Und der Inhalt der Geschichte erinnerte mich ein bisschen an die Perry Rhodan Abenteuer aus den frühen Sechzigern, ohne aber dessen Qualität oder Ernsthaftigkeit zu erreichen.

Aber alles der Reihe nach. Erzählt wird die Geschichte eines modernen Baron Münchhausen, der mit einer fliegenden Untertasse im Sonnensystem auf der Flucht ist. Diese Untertasse hat er im vorangegangenen Band von einem Volk auf dem Marsmond Phobos „gestohlen“, zusätzlich mit der Mannschaft und zwei hübschen Damen, die ihm als Kommandanten nun zu Füßen liegen. Dieser Münchhausen stellt sich als Tausendsassa dar: Er kann alles, und es gibt keinen, der ihm das Wasser reichen kann. Sein riesiges Ego lässt ihn seine Mitmenschen, die er allesamt als unterlegen betrachtet, ziemlich grob behandeln. Ganz besonders Frauen begegnet er mit herablassender Überlegenheit und sieht sie eher als Eigentum, statt als gleichberechtigtes Lebewesen. Kein Wunder wenn sich eine der Damen rächt und die Steuerung sabotiert, so dass die Untertasse vom Kurs abkommt und zunächst in Sonnennähe einer lebendigen Dunkelwolke begegnet.
Auf ihrer Flucht verfehlen sie die Erde und müssen schließlich auf einer kalten Welt am Rande des Sonnensystems notlanden. (Warum der Planet im Roman stets als „Dunkelstern“ bezeichnet wird, hat sich mir leider nicht erschlossen.) Dort lebt ein Volk mit starren Moralvorstellungen. Sowohl Wetter als auch Licht sind künstlich geschaffen, doch nicht zum Wohl der Bewohner, eher zu ihrem Gegenteil. Keiner soll sich wohl fühlen, es gibt weder Schatten noch Wärme, keine Freude, keine Liebe und erst recht keine Lust. Alle männlichen Bewohner werden nach der Pubertät impotent, einfach weil ihnen die Übung fehlt.
Das stößt mit Münchhausens lockeren Moralvorstellungen natürlich in konträrer Weise zusammen. Auch wenn er sich zunächst nicht einmischen will (Man beachte, welch fortschrittliche Denkweise – verglichen mit PR) kommt es doch durch einen Handkuss zur unweigerlichen Reaktion einer weiblichen Bewohnerin. Der Baron ist nämlich ein von allen Frauen begehrter Mann, er sich ausnahmslos als toller Hengst darstellt. So kommt es, wie es kommen muss: Die Frauen des Planeten, von Münchhausen quasi „sexuell befreit“, brechen eine Revolution vom Zaun und machen den Baron zum neuen König. Doch das ist dem freiheitsliebenden Münchhausen dann doch zuviel. Er flieht mit seiner Mannschaft und lässt den Planeten in Anarchie zurück…

Anfangs war ich mir nicht so ganz sicher, wie ich den Roman einschätzen sollte. Man darf ihn keinesfalls als ernstgemeinte Geschichte sehen, eher als Satire. Und aus diesem Blickwinkel offenbart der Text durchaus eine Fülle an Systemkritik: Sei es an den überzogenen Moralvorstellungen von Kirche und Staat, oder am Missbrauch von Macht durch Regierungen. So geniale Aussagen wie: „Kein Mensch redet davon die Moral abzuschaffen. Das wäre die größte Dummheit, die ich machen könnte. Ich stehe auf dem Standpunkt, die Moral hört dort auf Moral zu sein, wo sie unmoralisch wird.“ haben mich in Erstaunen versetzt. Ganz nebenbei wird Doppelmoral enttarnt und spitzzüngig Kritik am System geübt. Zwischendrin schimmert der Gedanke durch, das man Anarchie als etwas begrüßenswertes auffassen sollte.
Auf der anderen Seite aber steckt Münchhausens Denkweise in der damaligen Zeit fest. Der Roman richtet sich eindeutig an ein männliches Publikum. Die Geschichte liest sich an vielen Stellen so pubertär, dass es die Rahmenhandlung eines Pornos sein könnte. Manchmal scheint es, als tropfe die Frauenfeindlichkeit regelrecht von den Seiten. (Ehrlich, da ist PR noch harmlos dagegen.) Auch geht Münchhausens Handeln nicht mit der geübten Kritik konform. Denn das, was er predigt, scheint nicht für alle zu gelten.

Einerseits gesellschaftskritisch und andererseits menschenfeindlich, lässt mich der Roman am Ende etwas zwiegespalten zurück. Überrascht hat er mich dennoch. Für ein Buch das 1955 veröffentlich wurde, erscheint der Schreibstil und ein Teil der Aussagen im heutigen Licht erstaunlich modern. Es erinnert mich mit seinen aufmüpfigen Aussagen und in seiner offenen Sprache fast ein wenig an Punk.

Bei eBay wird eine Ausgabe dieses Buches als Sammlerstück für 59 Euro angeboten. Da habe ich wohl einen echten Schatz entdeckt.

Bemerkenswert ist aber das Vorwort des anonym erschienen Werkes. Wer möchte kann es hier nachlesen.

SF-Film mit Moral

endersgameJetzt sind wir endlich dazugekommen den Film „Ender’s Game – Das große Spiel“ anzuschauen. Zum Glück und in weiser Voraussicht habe ich mich zuvor nicht über den Inhalt des Films informiert. Das einzige, was ich darüber wusste, war, das es ein SF-Film ist, in dem Harrison Ford mitspielt.

Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt und das nicht nur, wegen der atemberaubenden Effekte. Nein, es ist vor allem die Geschichte, die mich fasziniert. Das ist intelligente Science Fiction mit einer tiefen moralischen Botschaft. Der Umgang der Menschheit mit den Folgen der ersten Alieninvasion (die vielleicht gar keine war) sowie die grenzenlose Paranoia den Fremden gegenüber ist so glaubhaft dargestellt und erinnert an den Umgang der Amerikaner mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Da werden Kinder für die Kriegsspiele der Erwachsenen missbraucht, da werden weder Fragen über Moral noch nach dem Warum gestellt. Das sich die Wahrheit dem Zuschauer, aus der Sicht des Protogonisten, erst nach und nach entblättert, ist ein genialer Schachzug und macht das verwerfliche Handeln der Erwachsenen umso abstoßender.
Eine gute Frage ist, warum werden ausgerechnet Kinder für die taktischen Aufgaben rekrutiert. Das offizielle Statement im Film dazu ist folgendes: Angeblich neigen Kinder eher zu unkonventionellen und überraschenden Methoden. Mein Verdacht ist aber ein anderer. Nur Kinder können so indoktriniert werden, dass sie jedem Befehl ohne nachzudenken Folge leisten. Wer sich noch keine eigenen Meinung gebildet hat, ist geneigter die Meinung anderer zu übernehmen. Jeder einigermaßen moralisch gebildete Erwachsene hätte das Vorhaben frühzeitig hinterfragt oder gar durchschaut.

Auch vom Look her kann der Film punkten. Er ist einerseits modern und futuristisch, bleibt dabei aber stets glaubhaft. So, dass man sich sehr gut vorstellen kann, dass die Zukunft tatsächlich so aussehen könnte. Die insektoiden Aliens sehen zwar fremdartig aber nicht abstoßend aus – außer ihre Gesten, die wirken vielleicht etwas zu humanoid. Am besten gefielen mir die Szenen in der Schwerelosigkeit, die absolut perfekt wirkten. Im „Making of“  auf der Bluray wird gezeigt, welcher Aufwand betrieben wurde, um die Szenen glaubhaft zu gestalten.
Die Filmsets fand ich auf jeden Fall besser gelungen, als die der (J.J. Abrams)-Star Trek Filme, wo der Maschinenraum auch nach dem Ort aussah, wo gedreht wurde, nämlich nach Brauerei.

Ich möchte mehr solcher SF-Filme wie „Ender’s Game“ sehen. Filme in denen die Handlung im Vordergrund steht, Filme die hinterfragen und nicht nur Effekthascherei betreiben. Das es geht, hat „Ender’s Game“ bewiesen. Und wenn ich mal ganz viel Zeit habe, lese ich auch mal die Romanvorlage dazu.

Mit Schweinkram ins neue Jahr

41q0DzQ0LqLAlan Bennett, „Schweinkram – Zwei unziemliche Geschichten“

Das geht ja gut los! Das Jahr hat gerade begonnen und schon überfalle ich meine Blog-Leser mit Sauereien. :)
Als ich das Buch auspackte, sagte mein Mann gleich: „Das ist das Richtige für dich.“
Dem kann ich nicht widersprechen, er kennt mich eben. :)

Jetzt aber mal ernsthaft. Die beiden Geschichten drehen sich tatsächlich um „das Eine“, ohne jedoch schlüpfrig zu sein oder gar pornographisch. Bennett gelingt es, erotische Spannung zu erzeugen, ohne das Offensichtliche zu beschreiben. Die Worte klingen gewählt und wie es sich für einen Engländer eben gehört, ganz Gentlemanlike. So hat der Aufdruck auf der Buchrückseite, „Prüde Briten? Von wegen!“, durchaus seine Berechtigung, auch wenn sich der Leser nicht all zuviel davon erhoffen sollte, denn ins Detail geht der Autor nicht.

Ich möchte nicht viel über den Inhalt erzählen, denn das könnte das Lesevergnügen schmälern. Mir war vorher nichts über den Roman bekannt und ich war nach anfänglicher Verwirrung – Worum geht es hier eigentlich? – sehr schnell Feuer und Flamme. Nur soviel: „Mrs. Donaldson erblüht“ handelt von einer Witwe, die auf sehr ungewöhnliche Weise ihren Lebensunterhalt aufbessert. Als sie auch noch ein Zimmer in ihrem Haus an ein junges Pärchen vermietet, hat das unvorhersehbare Konsequenzen.
„Mrs. Forbes wird behütet“ ist eine Fünfecksgeschichte (in Anlehnung an Dreiecksgeschichte) und überrascht den Leser mit allerlei verzwickten Wandlungen.

Alan Bennetts britischer Humor ist scharfzüngig und unterschwellig aber stets treffend. Manche seiner Formulierungen sind einfach köstlich. Doch eines hat mich an dem Buch verwirrt. Jemand wie ich, der sich gerade mit Erzählperspektiven und Zeitformwechseln auseinandersetzt, hat am Anfang so seine Probleme. Denn der Autor hält sich so gar nicht an die Gesetze, die einem als Nachwuchsautor eingetrichtert werden. Da stehen drei Dialoge in einem Absatz, die in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfinden und dazwischen wechselt die Erzählperspektive mindestens zweimal. Das ist echt verwirrend, verleiht dem Ganzen aber einen besonderen Reiz. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das sogar recht unterhaltsam. Aber wenn ich das als Anfänger genauso schriebe, würde ich vom Lektor wahrscheinlich einen mahnenden Verweis ernten. Da sieht man mal wieder, je etablierter man als Autor ist, desto mehr darf man sich herausnehmen.

Weil es aber amüsant und spannend geschrieben ist, bekommt das Buch dennoch von mir das Prädikat lesenswert. Außerdem ist der edle Leineneinband im Bücherregal durchaus hübsch anzusehen.

MdI – nostalgisch verklärt?

Seit gut zwei Jahren lese ich jetzt die Perry Rhodan Silberbände. Inzwischen bin ich bei Band 23 „Die Maahks“ und damit am Beginn des „Meister der Insel“ – Zyklus (kurz MdI). Ein Zyklus, der bei den meisten Fans als einer der Besten der ganzen Reihe angesehen wird. Bisher will ich dem noch nicht so recht zustimmen, aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden. Durch die Bände 21 und 22 („Die Straße nach Andromeda“ und „Die Schrecken der Hohlwelt“ musste ich mich regelrecht quälen. Ich glaube, ich habe noch nie so lange für einen Silberband gebraucht. „Die Maahks“ ist zwar etwas besser, aber ich habe dort einen ziemlich groben Fehler entdeckt. Da wird aus dem japanischen Seher-Mutant Wuriu Sengu kurzerhand ein Afro-Terraner gemacht. Ich habe erstmal gestutzt, weil ich mir nicht sicher war, dann aber in der Perrypedia nachgeschlagen und festgestellt, das mich meine Erinnerung doch nicht getrogen hatte. Sengu ist Japaner.
Das ist sicher eine Kleinigkeit, aber angesichts dessen, dass es genügend Perryfans gibt, die über den Zyklus der gerade laufenden Erstausgabe („Das Atopische Tribunal“) herziehen und schreien, dass früher ja alles besser gewesen sei, möchte ich da ganz eindeutig widersprechen. Die damaligen Geschichten sind viel abgefahrener, als das, was heute erzählt wird. Dafür würden Redaktion und Autoren heutzutage wahrscheinlich gelyncht. Und Widersprüchlichkeiten waren damals sicher häufiger an der Tagesordnung, als heute zu Zeiten der Perrypedia.

Vielleicht ist es eine Art nostalgische Verklärung, die viele Altfans von den alten Zyklen schwärmen lässt? Ich weiß es nicht. Ich hoffe nur, dass die Inhalte der Silberbände, die noch vor mir liegen, interessanter und weniger zäh und ausgedehnt erzählt werden, als bei den drei vergangenen Bänden.

Ich persönlich fand bisher den „Plophos“ – Zyklus am besten und der erschien nicht einmal als Silberband-Ausgaben. Was ich sehr schade finde, da mich gerade die Innenpolitische Handlung sehr gefesselt hat.