Außerirdisch gute Satire

Quelle: Ullstein Buchverlag

»How to take over Earth« von Paul Hawkins

Das musst du lesen! – So das Urteil meines Mannes, dem das Buch beim einschlägigen Onlinehändler in die Hände gefallen bzw. empfohlen worden war.
Ich blieb erst einmal an einem Wort im Untertitel hängen und brauchte tatsächlich eine Weile bis ich verstand, was da geschrieben stand. »GELEAKTE« – das könnte Gel- oder Geleeakte oder alles mögliche bedeuten, heißt aber neudeutsch »geleakt« also aufgedeckt. Da soll einer drauf kommen. Nach dem ich diese Hürde genommen hatte, entpuppte sich das Buch aber als eine echte Offenbarung.

Worum geht’s? Nun ja … Zum einen ist es die Geheimakte eines Außerirdischen, der vom Mond aus die Erde beobachtet und dabei mit seinem Vorgesetzten per Q-Mail (quantenverschränkte Nachrichten) kommuniziert. Zum anderen ist es gleichzeitig die Geschichte des Imperiums von Splorta, das ständig und gern fremde Planeten erobert und versklavt. In letzter Zeit dafür aber vom »Zunehmend ironischen Zusammenschluss der Isolationisten« und vom »Intergalaktischen Gerichtshof für Alienrechte und Ansprüche« häufig einen auf die Finger bekommt.

Der Außerirdische Leutnant Zinfluu berichtet seinem Vorgesetzten Xarge von den Menschen und ihren eigenartigen Bräuchen und mit welcher Verrücktheit sie sich und ihren Planeten zerstören. Xarge ist ein typischer Splortaner (eigentlich kein bisschen anders als die Menschen). Er wittert das Potential der Erde und beschließt aus der Ferne umgehend ihre Eroberung. Während Zinfluu immer weiter über die skurrilen Eigenschaften der Erdbewohner berichtet, muss Xarge seine Pläne einer Invasion immer wieder unterbrechen und anpassen. Denn Zinfluu hat Gefallen an den Bewohnern der Erde und ihren Verrücktheiten gefunden und die Aufnahme der Erde in die NAAOTA beantragt und darüberhinaus noch den Intergalaktischen-Erbe-Fond um UNIVERSCO-Unterstützung zur Klimawiederherstellung angerufen. Was sich natürlich mehr oder weniger mit den Zielen von Xarge beißt. Doch Zinfluu findet immer wieder Worte, um die neue Situation seinem Vorgesetzten schmackhaft zu machen. Bis Donald Trump unwissentlich den Planeten an Xarge verkauft und dieser sich auf den Weg zur Erde macht …

Was witzig klingt, ist es auch, bis … Ja, bis man die Berichte Zinfluus genauer in Augenschein nimmt. Da wird nämlich die Idiotie der Menschheit bis zu ihrer Wurzel entblößt. Man begreift wir blöd wir eigentlich sind, dass wir das tun, was wir tun. Und das Lachen bleibt einem im Hals stecken. Autor Paul Hawkins hält uns einen Spiegel vor, der nicht deutlicher zeigen kann, wie unsere Welt tickt und in welch perfidem System wir eigentlich leben. Das ist auf seine witzige Art irgendwie auch unfassbar traurig.

»How to take over Earth« steckt voller versteckter Anspielungen und satirischen Anmerkungen über die Bewohner der Erde aus der Sicht eines Außerirdischen. Die geschwollene Sprache mit der Zinfluu und Xarge kommunizieren, ist manchmal etwas anstrengend, passt aber wunderbar zu den Charakteren. Abbildungen und witzig formulierte Formulare ergänzen die schriftlichen Kommunikationsaufzeichungen, die aussehen, als kämen sie frisch aus dem Kopierer. Leider sind nicht alle Grafiken ins Deutsche übersetzt, was ich persönlich schade finde.

Das Buch ist eine echte Satire, die einem aufgeklärten Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts das Gruseln lehrt. Am Ende wünscht man sich fast, das Zinfluus Bericht an die Menschheit echt wäre und nicht nur die Geschichte eines amerikanischen Autors, der in Berlin lebt.

»How to take over Earth« erschien im Februar 2018 im Ullstein Verlag und ist als Taschenbuch überall im Buchhandel und bei allen Onlinehändlern erhältlich.

Kurzes von Andy Weir

Weil ich momentan selbst keine Zeit habe, viel zu schreiben, möchte ich den Lesern meines Blocks eine Kurzgeschichte von Andy Weir ans Herz legen. Ich habe sie vor ein paar Tagen auf »Die Zukunft«, dem SF-Portal vom Heyne-Verlag, gelesen und finde sie außergewöhnlich.

Die Geschichte folgt nicht den üblichen Gesetzmäßigkeiten einer Kurzgeschichte. Eigentlich ist es nur ein Dialog. Aber der Text hat mich dennoch gepackt und am Ende war ich richtiggehend verblüfft.

Aber lest am besten selbst:

https://diezukunft.de/story/buch/das-ei

Ärger auf dem Mond

Quelle: Amazon

Für einen Autor ist es schwer einen Weltbestseller zu wiederholen. Andy Weir geht es da nicht anders. Mit Der Marsianer hat er die Messlatte so hoch gelegt, dass es eigentlich unmöglich ist, dessen Erfolg zu überbieten. Das er es dennoch versucht, und dass er sich dabei gar nicht so schlecht schlägt, ist ihm hoch anzurechnen.

Bereits beim Blick auf den Klappentext ahnte ich, dass Artemis kein zweiter Marsianer werden würde. Es fehlte der Geschichte das Ausweglose, die Einsamkeit eines Mark Watney und dessen ungebrochener Überlebenswille, die den Roman so spannend und so erfolgreich gemacht haben.

In Artemis steht die junge Jazz Bashara im Mittelpunkt, die seit ihrem sechsten Lebensjahr in der ersten Stadt auf dem Mond lebt. Sie schlägt sich in Artemis als Schmugglerin durch, unteranderem weil sie sich als Teenager den Weg in ein normales Leben verbaut hat. Wobei die junge Dame über so viel Grips und Geschick verfügt, um als Ingenieurin ihr Geld zu verdienen, was sie aber anscheinend nicht will. Als sie bei einem ihrer Aufträge in ein Verbrechen verwickelt wird und die Aufmerksamkeit eines Syndikats auf sich zieht, ist sie die einzige, die Artemis vor der Übernahme durch die brasilianische Mafia bewahren kann.

Andy Weir ist da gut, wo er schon beim Marsianer gepunktet hat, in der Darstellung komplexer technischer Vorgänge und der Beschreibung der Lebensumstände auf dem Mond. Artemis, die heimliche Protagonistin des Romans, ist mit ihren Eigenheiten gut beschrieben. Das ist Hard-SF bester Güte. Weniger gut finde ich dagegen die Charaktere. Wie schon in seinem Vorgängerroman bleiben sie eher blass, man bekommt kaum eine Vorstellung davon, wie sie aussehen. Selbst die Heldin Jazz Bashara, die Gesetze und Vorschriften auf ihre Weise interpretiert, kommt mir oft zu taff und eher wie Supergirl daher. Wegen ihres losen Mundwerks wirkt sie wie ein bockiger Teenager. So war ich wirklich überrascht, als ich gegen Ende des Romans las, dass sie bereits 26 sein soll. Auf mich machte sie eher den Eindruck einer 19-jährigen. Dass Jazz Probleme mit ihrem gläubigen Vater hat, weil sie eher das Gegenteil einer Muslimin ist, fand ich dann doch zu tief in die Klischeekiste gegriffen. Wer weiß, vielleicht stört mich diese Kombination auch nur wegen der gerade laufenden MeToo-Debatte und es hätte mir nichts ausgemacht, wenn ich den Roman bereits vor zwei Jahren gelesen hätte. Äußerst unbefriedigend finde ich auch die Art und Weise, wie sie am Ende ihren Kopf aus der Schlinge zieht, um einer Verbannung aus der Stadt zu entgegen. Es war im ganzen Roman nie die Rede davon, dass sie das Schmuggler-Monopol in Artemis inne hat.

Auch wenn das Finale etwas zu überstürzt gerät, ist die Handlung von Artemis bis zur letzten Seite spannend. Es ist ein Thriller über eine Saboteurin, die Mafia und eine Stadt, in der Gesetze herrschen wie in den Pionierstädten des Wilden Westens. Andy Weir schuf mit Artemis nicht nur ein glaubhaftes gesellschaftliches Szenario auf dem Mond, sondern bringt mir auch die Erde des ausgehenden einundzwanzigsten Jahrhunderts näher. Gespickt mit vielen technischen Details, ist es für technikaffine Leser wie mich, ein wahres Vergnügen.

Artemis ist nicht Der Marsianer und will es vielleicht auch gar nicht sein. Es ist solide geschriebene Unterhaltung, die uns einen Blick in eine nicht zu ferne Zukunft schenkt und mir die vergangene Woche einige spannende Lesestunden beschert hat. Was will man mehr.

Spannende Military SF

Quelle: Amazon

Endlich habe ich PRISMA von Margaret Fortune gelesen. Den Vorgängerroman New Sol hatte ich an dieser Stelle schon besprochen. Die Handlung von PRISMA baut auf dem ersten Roman auf, unterscheidet sich aber signifikant vom Debutroman der Autorin. Sie nimmt eine Hauptfigur aus dem ersten Roman und erzählt deren Geschichte weiter:

… Fast ein Jahr ist seit der Explosion der Raumstation NEW SOL vergangen. Der Krieg gegen die Schatten ist allgegenwärtig. Die Ghule, unsichtbare geisterhafte Lebewesen, setzen sich in immer mehr Menschen fest und okkupieren deren Körper und Geist, ohne dass diese es bemerken. Dort ernährt sich der Parasit so lange, bis der »Besatzer« nach drei Jahren ausgebrannt ist und elendig stirbt. In der Zwischenzeit haben die »Besatzer« aber viele neue Ghule freigesetzt und setzen alles daran, sich über die Galaxis zu verbreiten. Trotz gravierender Sicherheitsmaßnahmen wird Planet um Planet infiziert und muss mit Energieschilden abgeriegelt werden.

Michael Sorenson ist immer noch verbittert, dass seine Freundin Lia sich für ihre Mission und nicht für ihn entschieden hat. In seiner Trauer und seiner Wut hat er sich als Wächter gemeldet. Nachdem die Schatten die Planeten des Sternenbunds überrennen und jeden Menschen besetzen, der nicht rechtzeitig fliehen kann, hilft Michael Überlebende von Raumstationen und Planeten zu evakuieren. Nach einer Rettungsaktion, in der er sein Leben riskiert, wird er von einer geheimen Forschungseinrichtung rekrutiert. Die Wissenschaftler entwickeln dort Waffen und Strategien, um die übermächtigen Schatten (in Form von Ghulen und Besatzern) zu bekämpfen. Die Forscher benötigen gut ausgebildete Soldaten, um die Neuentwicklungen zu testen. Die Einsätze sind gefährlich, bringen Michael aber auf andere Gedanken und verschaffen ihm neue Freunde. Wenn da nicht ein Saboteur wäre, der es auf die Forschungseinrichtung abgesehen hat und von dem nur er Kenntnis hat.

Mit dem finalen Durchbruch – der Entwicklung einer Massenvernichtungswaffe gegen die Schatten – schöpft nicht nur Michael Hoffnung, dass die Menschheit den Krieg gewinnen kann. Doch kurz vor dem großen Finale schlägt der Saboteur ein weiteres Mal zu …

PRISMA ist eindeutig ins Genre der Military-SF einzuordnen. Der Roman erinnert an einschlägige TV-Serien wie Space 2063 oder Battlestar Galactica. Die Gegner sind jedoch mehr als ungewöhnlich. Michael und seine Kameraden müssen im Kampf gegen die Ghule große Opfer bringen. Der Autorin gelingt es, das Szenario äußerst spannend zu beschreiben. Vielen Autoren hätte das als Plot genügt. Nicht so Margaret Fortune. Sie bringt mit dem Saboteur eine zweite Ebene in die Handlung ein, die sich als komplexer Thriller herausstellt und anders entwickelt, als man es erwartet. Damit hielt sie mich bis zum Schluss in Atem. Am Ende überraschte sie mich mit einer ungewöhnlichen Auflösung, die bereits die nächste Geschichte vorbereitet.

Wie schon bei New Sol ist auch bei PRISMA stilistisch noch Luft nach oben. Die Formulierung »ich lasse« in vier hintereinander folgenden Sätzen zu verwenden, finde ich etwas unglücklich. Die Handlung ist im Ich-Präsenz aus der Sicht von Michael erzählt, enthält aber auch einige Kapitel im Präteritum, aus der Sicht der obersten Lenker des Sternebundes. Hier hätte ich mir mehr Informationen zur politischen Struktur gewünscht. Die Autorin erklärt zwar das eine oder andere, aber nicht so ausführlich, wie man es in der Science-Fiction-Literatur gewohnt ist. Auch bei der Figurencharakterisierung ist noch nicht alles perfekt. Außer Michael werden viele Figuren nur angerissen, man hat so gut wie kein Bild von ihnen. Dass sie im Fortgang der Handlung nur mit dem Nachnamen angeredet werden, macht es umso schwerer sie auseinanderzuhalten. So hat auch die Übersetzerin hin und wieder die Geschlechter der Figuren verwechselt. Wobei ich irgendwann aufgegeben habe, dem nachzuspüren, weil es für die spannende Handlung ohnehin nicht relevant ist. Michaels Entwicklung ist dagegen sehr anschaulich dargestellt. Positiv fand ich auch die vielen starken weiblichen Charaktere. Was insbesondere für junge Frauen interessant sein könnte, die sonst mit Military SF nicht so viel am Hut haben.

Margarete Fortune ist es mit PRISMA gelungen, ein eigenständiges Universum zu bauen, das jedoch noch viele weiße Flecken hat. Aber die Autorin hat noch drei weitere Romane, um die Lücken zu schließen. Trotz der stilistischen Ungereimtheiten ist der Plot so spannend, dass man locker darüber hinweg sehen kann. Für Fans klassischer Science Fiction und besonders für Fans von Military SF ist PRISMA unbedingt zu empfehlen.

Ein Alien im Dschungel der Religionen

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Jeder kennt sie oder hat zumindest schon mal einen Ausschnitt gesehen – Filme »Made in India«.

Bollywood – so bezeichnet man die größte Filmindustrie der Welt. Hier werden mehr Filme produziert als irgendwo sonst. In Bollywoodfilmen geht es meist um Liebe und es wird gesungen und getanzt was das Zeug hält. Das ist in Europa nicht unbedingt Massentauglich, findet aber auch hierzulande seine Fans.

2014 produzierte Rajkumar Hirani den erfolgreichsten indischen Film aller Zeiten, in dem es – um was sonst – natürlich um Liebe geht. Aber PK – Andere Sterne andere Sitten ist auch so etwas wie ein Science-Fiction-Film, in dem ein Außerirdischer mit der religiösen Kultur der Menschen konfrontiert wird.

Ich habe mir das Machwerk angesehen und bin total begeistert. Im Grunde geht es um die Suche nach Gott, in die der Alien PK (Aamir Khan) verwickelt wird. Weil jemand sein Amulett stielt, mit dem er sein Raumschiff rufen kann, ist er auf der Erde gestrandet. Jeder, dem er begegnet und den er nach dem Amulett fragt, gibt ihm nur eine Antwort: »Dir kann nur Gott helfen.« Also macht sich PK auf die Suche nach Gott. Muss aber schnell feststellen, dass die Menschen an viele Götter glauben und das deren Stellvertreter sich nicht so göttlich verhalten, wie sie es sollten. In Jaggu (Anushka Sharma) einer jungen TV-Reporterin findet er eine Freundin, die ihn bei seiner Suche unterstützt. Als PK am Ende nach Hause zurückkehrt, hat er von den Menschen eines gelernt: zu lügen. Die Menschen jedoch haben durch ihn erfahren, dass Gott nicht immer der ist, den die Religionen dazu gemacht haben.

Die Darsteller Aamir Khan und Anushka Sharma spielen grandios. Die verzwickte Geschichte ist gespickt mit komischen Szenen und einem Augenzwinkernden Blick auf die indische Kultur. Als Europäer bekommt man einen guten Eindruck, wie diese Kultur funktioniert und das sie sich in vielerlei Hinsicht nicht von der europäischen unterscheidet. Die großen Gefühle kommen in dem Film auch nicht zu kurz. Denn um Jaggu und PK entspinnt sich eine wunderbare Liebesgeschichte, die nur für einen von beiden in einem Happy End mündet. Im Fokus des Streifens stehen jedoch die Weltreligionen. Produzent und Regisseur Rajkumar Hirani gelingt es, sie allesamt kritisch zu hinterfragen, ohne die Religionen zu verleumden oder die Existenz Gottes in Frage zu stellen.

PK – Andere Sterne andere Sitten ist ein großer Spaß mit vielen Wahrheiten und einem Blick auf das Indien des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Selbst die Gesangseinlagen und Tanzszenen halten sich während der 147 Minuten in Grenzen. Das der Film in Brügge beginnt und die belgische Stadt von ihrer schönsten Seite gezeigt wird, ist ein zusätzlicher Leckerbissen für die europäischen Filmfans.

Leider gibt der Trailer den Kern des Filmes nicht im Mindesten wieder. Schade!

Merlin in Rom

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Die letzte Legion – Ich weiß nicht wie lange der Film schon bei uns im Regal verstaubte, jedenfalls habe ich ihn erst am Sonntag ausgegraben. Er ist auf einer DVD, die irgendwann mal einer Fernsehzeitung beilag. Dabei ist der Film gar nicht so übel.

Es geht um den letzten Kaiser von Rom – der eigentlich noch ein kleiner Junge ist -, einem alten Mann und dem Führer einer Legion. Als die Goten Rom erobern und übernehmen, werden die Eltern des jungen Kaisers ermordet und das Kind nach Capri entführt. Ein paar Legionäre befreien den Jungen und auch einen alten Mann, der ihm als Lehrmeister diente. Alle zusammen fliehen nach Britannien, weil dort angeblich die letzte römische Legion das Kaiserreich verteidigt.

Es kommt natürlich anders als Protagonisten und Zuschauer denken. Die Legion hat sich längst aufgelöst und Britannien wird von einem bösen Herrscher tyrannisiert. Der hat es auf das Schwert des jungen Kaisers abgesehen. Und so kommt es zur finalen Schlacht zwischen Römern und Angeln. Am Ende stellt sich heraus, dass das Schwert Excalibur ist und der junge Kaiser der Vater von König Artus. Der alte Mann ist kein anderer als Merlin der Zauberer.

Mir gefiel der Film, obwohl er schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Die Handlung verbindet das Ende des römischen Reichs mit der Artussage und wird von vielen großartigen Schauspielern getragen. Ben Kingsley als Merlin, Colin Firth als Legionär und sogar Alexander Siddig hat einen Auftritt als böser Nebenspieler mit orientalischem Hintergrund, um nur einige zu nennen. Der junge Kaiser wurde grandios gespielt von Thomas Sangster, der bereits 2003 in den Film »Tatsächlich Liebe …« brilliert hatte.

Wie historisch die Fakten in dem Film sind, weiß ich natürlich nicht, aber die Idee ist gut und hält einen bis zum Schluss bei der Stange. Mich wundert nur, dass ich den Film bisher noch nie gesehen habe. Ich sollte wieder mal unser DVD-Regal durchforsten, vielleicht warten dort noch mehr Schätze darauf, gehoben zu werden.

Transzendenz

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Nachdem Dr. Hubert Zitt auf der Star Trek-Vorlesung im Dezember auf den Film Transcencence hingewiesen hat, haben wir ihn angesehen. Wie schon in Ex Machina geht es um eine künstliche Intelligenz (KI). In diesem Fall wird sie jedoch durch das »hochladen« eines menschlichen Geistes perfektioniert.

KI-Experte Dr. Will Caster wird bei einem Attentat von technikfeindlichen Extremisten mit radioktivem Polonium vergiftet. In der Zeit, die ihm noch bis zum Tod bleibt, versuchen seine Frau Evelyn und sein Freund und Kollege Max Waters, den Gedächtnisinhalt und die Essenz von Will in einer künstlichen Intelligenz zu speichern. Das Experiment glückt, doch die Extremisten sind ihnen auf der Spur. Evelyn gelingt es in letzter Sekunde, Will ins WorldWideWeb zu laden. Von da an entwickelt sich Will zu einem übermächtigen Wesen, dass bald darauf nicht nur Evelyn seinen Willen diktiert. Währenddessen ziehen die Extremisten Max Water auf ihre Seite.
Zwei Jahre später hat die KI ihre Macht ausgebaut und ihre Intelligenz potenziert. Sie rekrutiert vor allem kranke und behinderte Menschen, um sie zu heilen und anschließend zu ihren »Angestellten« zu machen. Als die KI Nanosonden in der Erdatmosphäre aussetzt, um ihren Machtbereich auszudehnen, setzen die Extremisten zum finalen Schlag an.

Dieser Film macht deutlich, wie schmal der Grat ist, zwischen einem Menschen zu helfen und einem Menschen zu schaden. Und dabei spreche ich hier von beiden Seiten, den Extremisten und Will Caster als KI. Im Grunde will Caster Gutes tun und die Wünsche seiner Frau Evelyn erfüllen, Mensch und Umwelt heilen und die Menschheit auf eine neue Evolutionsstufe stellen. Das er dabei einen Schritt zu weit geht, wird auch seiner Frau schnell klar. Er implantiert den Menschen, denen er hilft, einen Netzwerkknoten, denn die Nanotechnologie funktioniert nur, wenn sie mit der KI verbunden ist. Die Auswirkungen sind so weitreichend, das Evelyn sich von ihm abwendet und mit den Extremisten kooperiert, nur um ihren Mann bzw. die KI zu stoppen. Erst zum Schluss erkennt sie, dass es wirklich Will ist und alles, was er tat, auf ihren Wünschen basierte und er dabei keinen einzigen Menschen getötet hat.

Die Extremisten wiederum versuchen die scheinbar menschenfeindliche KI aufzuhalten, wollen das Menschliche im Menschen bewahren und zwar um jeden Preis. Ihre einzige Option ist ein Virus, dass von Max Water entwickelt wird. Über die Konsequenz ihres Handelns scheinen sie sich nicht vollständig im Klaren zu sein. Denn, weil die KI mit jedem Computer auf der Welt verbunden ist, bedeutet das Ende der KI gleichzeitig das Ende des Computerzeitalters. Ein weltweiter plötzlicher Blackout sozusagen. Sie stürzen die Menschheit zurück ins 19. Jahrhundert, ohne Strom, ohne Wasser, ohne Gesundheitsversorgung und nur mit begrenzten Lebensmitteln. Die Umweltschäden, die dabei durch explodierende Kernkraftwerke, verunglückte Flugzeuge und Tanker entstehen, werden im Film nicht mal angesprochen. Es werden auch keine Zahlen genannt, wie viele Menschen durch ihre Tat ums Leben kommen. Es müssten aber Millionen sein.

Am Ende stellt sich dem Zuschauer die Frage: Welches für die Menschheit die bessere Option darstellt? Relative Unsterblichkeit in einem vernetzten Kollektiv, oder der Tod und ein Dahinsiechen in Primitivität in einer verseuchten Umwelt? Eine Frage, die sich so leicht nicht beantworten lässt.

Johnny Depp als Will Castor bleibt den ganzen Film unnahbar und schürt damit beim Zuschauer die Abneigung gegen seinen Charakter, nur um am Ende sein wahres Gesicht zu zeigen. Das fand ich großartig. Rebecca Hall als Evelyn erinnerte mich die ganze Zeit an Scarlett Johansson. Sie spielt die Rolle der zweifelnden Ehefrau ebenfalls sehr überzeugend. Die Extremisten unteranderem Morgen Freeman bleiben dagegen etwas eindimensional.

Spannend und optisch hervorragend umgesetzt, ist der Film nicht nur Freunden intelligenter Science-Fiction-Filme zu empfehlen.

Im Zeichen des Pubertiers

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Nachdem wir zuletzt den Kinofilm gesehen haben, habe ich nun auch das neue Pubertier-Buch – »Und ewig schläft das Pubertier« – gelesen.

Der Film ist ähnlich gut gemacht wie die Serie, wobei mir Jan Joseph Liefers als Pubertiervater besser gefallen hat, als Pasquale Aleardi. Er schien nicht ganz so verplant. Dafür gefiel mir die Darstellerin der Carla in der Serie besser. Witzig war der Gastauftritt von Jan Weiler am Ende des Films, als Buchhändler.

Doch zurück zum Buch. Inzwischen ist es nicht nur ein Pubertier, das dem gestressten Vater auf der Nase herumtanzt. Auch der Sohn verwandelt sich in ein träges und schwer zu verstehendes Monster. Wobei Tochter Carla mit 18 so langsam aus der Pubertät herausgewachsen sein sollte. Gewohnt pointiert beschreibt Jan Weiler den täglichen Kampf mit den hauseigenen »Bestien«, berichtet über schräge Handlungen und sonderbare Eigenheiten seiner beiden Schützlinge im Pubertierlabor. Das ist auch interessant für nicht Pubertierbesitzer. Aber auch die Außenwelt in Form seines Schwagers und des Lehrkörpers wird einbezogen. Das bringt Abwechslung und verschaffte mir den einen oder anderen Lacher. Ich wünschte, der Autor hätte noch mehr solcher kleiner Begebenheiten angeführt. Wobei man als Leser nie weiß, ob ihm das, was er schreibt, wirklich so widerfahren ist.

Somit ist auch der dritte Teil der Pubertierbücher sehr unterhaltsam und zu keiner Zeit langweilig. Das einzige Manko ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. 14 Euro für ein kleinformatiges Hardcover mit 171 Seiten (9,99 Euro kostet das E-Book und 11,49 Euro die Audio CD). Dafür bekomme ich auch ein 500-seitiges Taschenbuch. Das Buch wird bei Amazon als Geschenkbuch geführt, aber für ein Geschenkbuch finde ich es eindeutig zu teuer. Ich persönlich brauche kein Hardcover, mir würde auch ein Taschenheft reichen und vielen anderen Lesern sicher auch. Das war unteranderem der Grund, mir das Buch gebraucht im Antiquariat zu kaufen.

In der Seele der Ostdeutschen

Quelle: Amazon

25 Jahre nach dem Mauerfall erschien 2014 eine Dokumentation über die Ostdeutschen. Warum ich das damals nicht mitbekommen habe, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich ist es in dem Wust an Filmen und Dokus die damals zum Mauerfall überall ausgestrahlt wurden, einfach untergegangen. In den vergangenen Wochen habe ich mir die DVD-Box von »Die Ostdeutschen – 25 Wege in ein neues Land« angesehen.

25 Geschichten, das bedeutet 25 Schicksale in 25 Jahren. Menschen, die durch die Wende viel gewonnen aber auch viel verloren haben, die neuen Wege gesucht und gefunden haben. Manche sind mit dem Erreichten zufrieden, andere wiederum sind noch immer auf der Suche. Aber allen ist eines gemein, sie verbindet eine Vergangenheit in einem Land, das aufgehört hat, zu existieren. Und das heute so fern ist, als hätte es dieses Land nie gegeben. Sie trauern ihrer Heimat nach, nicht jedoch der DDR. Nein, es ist keine »Ostalgie« die in den Interviews mitschwingt. Es sind Erinnerungen an eine Vergangenheit, die so gut und so schlecht war, wie die jedes anderen Bundesbürgers und doch ist sie spürbar, die Verbindung zwischen den so unterschiedlichen Menschen. Sie sind sich dessen bewusst – heute mehr denn je – das sie anders ticken, als ihre Freunde und Bekannten aus dem Westen. Sie ahnen inzwischen, dass ihre Vergangenheit besonderes war und sie damit zwangsläufig zu einem Teil der deutschen Geschichte macht.

Ich wage zu behaupten, dass keiner, der nicht wirklich in der DDR gelebt hat, in irgendeiner Weise nachvollziehen kann, wie unser Leben gewesen ist. Diese Dokumentation öffnet erstmalig einen Blick in die Seele der Ostdeutschen, offenbart ihre Persönlichkeit und beantwortet ganz nebenbei die Frage, warum wir so sind, wie wir sind. Das hat mich schwer beeindruckt.

Jeden, den das Thema interessiert und der erahnen will, was es bedeutet, in der DDR geboren worden zu sein, dem empfehle ich diese Dokumentation. Die DVD-Box bestehend aus 3 DVDs ist bei den einschlägigen Onlinehändlern erhältlich.

War früher wirklich alles besser?

Quelle: Amazon

»Früher war alles schlechter« ist der Titel eines Buches von Guido Mingels, das ich vergangenes Jahr von meinem Mann geschenkt bekam. Auf 115 Seiten werden in anschaulichen Infografiken, Statistiken aus einhundert Jahren aufbereitet. Die Themenvielfalt deckt den ganzen Bereich des menschlichen Daseins ab. Von der Lebenserwartung über Terroranschläge und bis hin zu Bierkonsum und Weißen Weihnachten.

Zahlen lügen nicht, heißt es. Und wenn man sich die Grafiken so anschaut, so ist die Welt tatsächlich nicht so schlecht, wie wir glauben. Früher war tatsächlich vieles sehr viel schlechter. Nur unser Eindruck ist ein anderer, als noch vor zwanzig Jahren. Durch das Internet bekommen wir heute sofort mit, wenn in China mal »ein Sack Reis umfällt« oder in der Nachbarschaft einer die Zeche geprellt hat. Die Flut an Informationen ist es, die uns suggeriert, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht.

Natürlich ist auf der Welt vieles nicht so, wie es sein sollte, aber in manchen Dingen haben wir tatsächlich eine verzerrte Wahrnehmung. Zum Beispiel was die Zahl der Todesopfer von Terroranschlägen in Westeuropa angeht. Die war in den 70er und 80er Jahren doppelt bis dreimal so hoch wie seit dem Jahr 2000. IRA, Eta und RAF töteten manchmal bis zu 400 Menschen im Jahr (nur in Europa). In einer Zusatzinformationen zur Grafik erfährt der Leser, dass Terrorismus eine äußerst erfolglose Form der Konfliktlösung ist, und praktisch alle Terrorgruppen von 1968 bis 2006 scheiterten.

Das kleine Sachbuch zeigt das Leben in nüchternen Zahlen, ist hübsch aufbereitet und mit spannenden Informationen ausgestattet. Ich schlage hin und wieder mal nach, wenn ich irgendwo die Behauptung lese, dass dieses oder jenes früher besser war. Meistens entpuppt sich die Meldung dann als übertrieben. Und das beruhigt mich irgendwie ein bisschen.

Die gebundenen Ausgabe erschien im April 2017 in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist in jeder Buchhandlung oder bei allen Onlinehändlern erhältlich.