Zur rechten Zeit

Wenn ich mir die Entwicklung der Kraftstoffpreise an den Tankstellen so ansehe, bin ich meinem Mann umso dankbarer, dass er mich vor mehr als einem Jahr überredet hat, ein Elektroauto zu kaufen. Wir laden entweder an unserer eigenen Wallbox oder kostenlos an der Ladestation der Gemeinde. Billiger kann Autofahren momentan nicht sein.

Wir überlegen jetzt, bei der nächsten Eigentümerversammlung den Vorschlag einzureichen, eine Photovoltaikanlage und Solar-Panels auf den Dächern der vier Häuser installieren zu lassen. Ab 2025 müssen wir das ohnehin.

Konsequenzen von Arroganz und Naivität

Wenn ich dieser Tage Nachrichten lese, dann kommt mir alles wie ein böser Albtraum vor. Dabei hat sich das irgendwie schon lange angekündigt. Ich will nicht sagen, dass es so kommen musste, aber es deutete sich an.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist unsere Gesellschaft dekadent, naiv und narzisstisch geworden. Die Klasse der besserverdienenden Bildungsbürger schaut mit Arroganz auf die Welt, versucht jedem ihr moralisch sauberes Weltbild überzustülpen, glaubt, dass nur sie die Wahrheit kennt und dies die einzig richtige ist.

Ich glaube, dass zwanzig Prozent der Deutschen inklusive ihrer Regierungsvertreter in einer Parallelwelt leben und das diese zwanzig Prozent keinen Schimmer von der Realität haben.

Nun holt uns diese Realität ein. Unerwartet und unvorbereitet stürzt Europa in einen Krieg und jeder fragt sich, wie es dazu kommen konnte. Wir waren viele Jahre zu satt und zu verwöhnt und viel zu verblendet, dass wir vergessen haben, dass man sich Frieden und Demokratie jeden Tag aufs Neue erkämpfen muss. Vielleicht hätten wir mehr auf unsere Eltern und Großeltern hören und es nicht soweit kommen lassen sollen.

Und nein, bei einem Atomschlag helfen weder Wasser und Lebensmittelvorräte im Keller, noch eine gendergerechte Sprache. Hallo! Aufwachen! Es gibt noch mehr auf der Welt als Corona oder zu viel CO2. Die Konzentration auf nur eine Sache fällt uns nun auf die Füße.

Frühlingsgrüße

Die Stürme der letzten Tagen sind schadenfrei an uns vorübergegangen. Es hat ziemlich geweht, aber es war schon mal schlimmer. Bei uns im Süden war es nicht ganz so dramatisch.

Dafür scheint die Sonne nun häufiger und länger, was die Natur ausnutzt, um vom Winter- in den Frühlingsmodus zu wechseln. Auf der Wiese vorm Haus blühen sogar die ersten Krokusse. Im letzten Jahr musste ich darauf bis zum April warten. Dieses Mal haben wir die Zwiebeln nicht ganz so tief eingepflanzt. Die Iris haben auch schon ausgetrieben.

Die Berge sind noch weiß, wovon man sich bei einem Spaziergang überzeugen kann. Viel Schnee gab es in diesem Jahr nicht, was für den Wasserhaushalt der Berge nicht gut ist und fürs Grundwasser auch nicht.

Der See ist voller Vögel. Neben den Stockenten und Blesshühnern, die das ganze Jahr über da sind, habe ich ein paar freche Möwen auf der Durchreise erblickt. Was allerdings fehlt, sind die Meisen und Finken. Da habe ich zwei so schöne Vögelhäuser gebastelt und eine Kokosnuss ausgehöhlt und niemand kommt. Irgendwie scheinen die das gekaufte Futter nicht zu mögen, oder sie trauen sich nicht auf den Balkon. Dafür zwitschern die Spatzen wieder von den Dächern.

Auf der Straße vorm Haus wurde heute die Dauerbaustelle wieder aktiviert. Der Straße fehlt immer noch der Schlussasphalt. Heute haben sie wieder gebohrt und gesägt und gebaggert. Ich hatte die Geräusch schon verdrängt. Mal schauen wann sie fertig werden.

Otto-Mania

Früher haben wir bei Abendessen immer Radio gehört. Seit der Pandemie hat sich das geändert, weil uns die Nachrichtenschwemme zum Thema Corona irgendwann auf den Keks ging. Stattdessen hören wir abends jetzt die Alben diverser Comedians oder Kabarettisten.

Irgendwann landet man da zwangsläufig bei Otto Waalkes. Ja, das ist jetzt nicht mehr so taufrisch, aber die meisten Gags zünden immer noch. Man hat sie schon hundert mal gehört, kann aber immer noch darüber lachen. Daher habe ich alles gekauft, wo Otto draufsteht. Spannenderweise sind die meisten seiner CDs nur noch gebraucht erhältlich. Doch dazu später.

Es ist unglaublich, was Otto im Laufe seiner Karriere so alles verwurstet hat. Ich war überrascht, wie viel ich noch nicht kannte. »Der menschliche Körper« kennt eigentlich jeder und Sprüche wie »Alete kotzt das Kind« sind in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Aber kennt jemand »Dupschek«? Wer es nicht kennt, sollte unbedingt mal danach googeln. Ich verlinke das hier aus Gründen des Urheberrechts besser nicht. Legendär sind ebenfalls seine Variationen zum Kinderlied »Händel und Gretel«, die auf jeder CD in erweiterter Ausführung drauf sind. Was der Künstler mit seiner Stimme alles anstellen kann und welche Wortakrobatik dahinter steckt ist unglaublich. Das muss einem erst einmal einfallen. Das ist teils echt großartig.

Warum gibt es vieles davon nicht mehr auf CD, habe ich mich gefragt. Nach dem Anhören weiß ich es. Viele von Ottos Witzen sind nicht politisch korrekt. Wenn ein Künstler das heute so auf der Bühne vortragen würde, würde er von der »Gender-Generation« oder den »Lifestyle-Linken« gelyncht werden. Der mediale Shitstorm und die Anzeigen wegen Beleidigung wären Otto Waalkes sicher. Davon kann man ausgehen. Bei manchen Sachen hab ich auch schlucken müssen und mir gedacht … »Echt jetzt, hat er das jetzt wirklich gesagt?« Andererseits musste ich dann doch schmunzeln.

Es ist nunmal eine Form von Humor, die heute nicht mehr geht. Man kann sie mögen, muss es aber nicht. Andererseits zeigt sie mir, dass wir durch den Zwang möglichst niemanden auf die Füße zu treten, ziemlich humorlos geworden sind. Alles hat eben seinen Preis.

Die CDs haben jedenfalls ihren Platz in unserem CD Regal sicher. Wir werden sie bestimmt hin und wieder anhören.

1 Jahr E-Mobilität

Seit einem Jahr haben wir nun schon unser E-Auto. Die Zeit rennt, die Kilometer auch. Inzwischen sind wir damit 15000 Kilometer gefahren und das nicht nur Kurzstrecke. Wir waren damit sieben Mal in Thüringen und einmal in Ulm.

Wir sind sehr zufrieden und möchten nie wieder ein anderes Auto. Seit wir die eigene Wallbox haben, sind wir auch wegen des Ladens nicht mehr so gestresst, wenn die Ladesäule in der Gemeinde mal wieder belegt ist. (Wir laden hier dennoch ab und zu, weil es noch kostenlos ist.) Mein Mann hat ausgerechnet, dass wir im letzten Jahr ca. 800 Euro an Benzinkosten gespart haben. Wenn wir nach Thüringen fahren, kostet das Laden an den Schnellladesäulen hin- und zurück um die 50 Euro. Das geht, finde ich. Es war schon mal günstiger, bis die Stromanbieter die Preise erhöht haben.

Nun überlegen wir, was wir machen, wenn unser Leasingvertrag im nächsten Jahr ausläuft. Behalten wir das Auto oder nehmen wir das Nachfolgemodell? Schauen wir mal, was zu dem Zeitpunkt besser ist. Momentan sind die Preise für Gebrauchtwagen extrem hoch und die staatliche Prämie von 6000 Euro gibt es nur bis Ende 2022. Egal wie es ausgeht, das nächste Auto wird sicher wieder ein E-Auto.

Lotteriespiel Deutsche Bahn

Ich war in den letzten vier Wochen mehrmals mit der Deutschen Bahn unterwegs. Trotz Corona fühle ich mich da relativ sicher. Die Züge sind meist halbleer, da mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Wenn sich dort so viele Leute anstecken würden, wären die Bahnmitarbeiter reihenweise krank oder in Quarantäne. Aber wenn man mit denen ins Gespräch kommt, stellt man fest, dass sie keine solchen Erfahrungen gemacht haben. 2020 gab es wohl auch eine Studie, die anhand der Krankenstatistik von Bahnmitarbeitern belegt hat, dass das Ansteckungsrisiko in Fernzügen eher niedrig ist. Beim Öffentlichen Nahverkehr mag das was anderes sein, da fahren auch mehr Leute mit.

Leider ist eine Fahrt mit der Deutschen Bahn durch Deutschland nach wie vor ein Lotteriespiel. Je nach Witterungslage mit mehr oder weniger guten Chancen pünktlich anzukommen. Als es Ende Januar geschneit hat, hatte ich schon ein schlechtes Gefühl, bevor ich überhaupt losgefahren bin. Bei Abfahrt 5:44 Uhr auf dem Bahnhof war die Regionalbahn auch einigermaßen pünktlich. Bis hinter Rosenheim blieb das auch so. Dann bremste der Zug plötzlich ab, fuhr langsamer und blieb dann ganz stehen. In meinem Postfach lagen da schon drei Mails, dass ich meinen Anschlusszug in München wohl nicht erreichen würde. Irgendwann ging’s wieder weiter. Fast im Minutentakt kamen die Mails, dass mein Zug mal erreichbar und mal nicht erreichbar war. Die Zahl der Meldungen erhöhte sich bis München auf 16. Letztendlich hatten wir sechs Minuten, was bei geplanten zwölf Minuten Umsteigezeit in München nur mit einem Sprint zu machen ist. Vor zwei Jahren hätte ich das in sechs Minuten vielleicht noch geschafft. Aber bei meinem derzeitigen Fitnesstand und mit FFP2-Maske hatte ich null Chancen. Der ICE fuhr gerade los, als ich zum Bahnsteig kam. Ich war übrigens nicht die Einzigste, die es nicht geschafft hatte. Das war es dann mit der Regionalbahn, mit der ich von Nürnberg nach Saalfeld fahren wollte.

Wenn der Wurm drin ist, dann richtig. Ich nahm also den nächsten Zug, der eine halbe Stunde später fuhr und bei dem ich in Nürnberg in den ICE nach Erfurt wechseln konnte, um von dort mit der Regionalbahn nach Saalfeld zu kommen. Der ICE hatte anfangs eine Türstörung fuhr dann aber los und ich kam einigermaßen pünktlich nach Nürnberg. Nur der ICE nach Erfurt hatte eine halbe Stunde Verspätung, wegen einer technischen Störung. Sprich, ich würde die Regionalbahn in Erfurt nicht mehr bekommen. Stattdessen wartete ich eine Dreiviertelstunde, um mit der Regionalbahn von Nürnberg zu fahren. Der Navigator-APP der DB sei Dank, dass man sich jederzeit die passenden Verbindung suchen kann. Der Regionalexpress blieb unterwegs an einer Baustelle stecken und somit verzögerte sich meine Ankunftszeit nochmal. Statt 10:51 Uhr wie geplant, kam ich 12:10 Uhr an und somit rechtzeitig 10 Minuten vor meinem geplanten Zahnarzttermin. Stress pur!

Die Rückfahrt war ähnlich turbulent. Verspätete Regionalbahn, verpasster ICE und verspäteter Folge-ICE. Zum Glück fahren die Regionalbahnen Richtung Salzburg nachmittags alle halbe Stunde. So war ich nur 45 Minuten später dran.

Letztes Wochenende hatte ich mich eigentlich schon wieder auf Verspätungen eingestellt. Aber siehe da, zumindest am Freitag verlief meine Fahrt ohne Zwischenfälle und ich kam tatsächlich pünktlich an. Ich hab gleich einen Strich an den Kalender gemacht. Auf der Rückfahrt klappte es anfangs auch super. Doch dann blieb kurz hinter Nürnberg der ICE stehen. Vor uns war ein Zug auf Grund eines technischen Defekts liegengeblieben. Ich stellte mich schon auf eine längere Wartezeit ein. Es waren dann aber nur 23 Minuten. Meine Regionalbahn war dennoch schon weg. Da blieb dann wenigstens noch Zeit für einen Kaffee und einen Krapfen beim Rischart im HBF München. (Fragt aber nicht, was das inzwischen kostet. Mit ein bisschen Augenmaß kann man für das Geld eine dreiköpfige Familie einen Tag lang ernähren.) Am Ende kamen dann nochmal zehn Minuten drauf, weil die Regionalbahn in Prien warten musste, um den Railjet durchzulassen. Anzahl der Info-Mails der DB über die Verspätungen: 21.

Seufz! Ich kann mich an Zeiten erinnern, an dem zumindest 80 Prozent der Züge pünktlich waren. Inzwischen muss man echt froh sein, wenn man noch am gleichen Tag ankommt. Na ja, Zumindest die Mail-Benachrichtigungen funktionieren, wenn auch mit Spam-Charakter.

Mahlzeiten um den Jahreswechsel

Mir ist gerade aufgefallen, das ich all die schönen Fotos von unseren Kochexperimenten noch gar nicht präsentiert habe. Wir hatten um den Jahreswechsel fast drei Wochen Urlaub, da wurde wieder allerhand gekocht und gebacken.

Vor Weihnachten haben wir zwei Mal unsere speziellen Elisenlebkuchen gebacken. Zwei Mal, weil die wie immer so schnell weg waren, dass wir Nachbacken mussten. Dieses Mal hatten sie sogar eine zweifarbige Glasur und 3D-Dekoration. Das Jahr über gucke ich immer, was es neues bei den Backzutaten gibt und dann kaufe ich es, um es zu gegebener Zeit auszuprobieren.

Irgendwann vor Weihnachten hatte ich mal Lust auf Schwarzwälder-Kirsch-Torte. Weil wir die aber niemals komplett aufessen würden, habe ich dann Muffins gemacht, mit viel Kirschwasser, Sahne und Kirschen aus eigenem Anbau. Bei meinen Eltern gab es dieses Jahr wieder viele Sauerkirschen. Als ich die Fotos meinem Kollegen gezeigt habe, wollte er unbedingt auch einen. Da weiß ich ja, was ich zu meinem Geburtstag mache.

Mein Mann kam dann auf die Idee mal einen richtigen Schokoladenkuchen zu backen. Da steckt eine ganze Tafel drin und noch andere Sachen wie Mandeln und Nüsse, eben alles, was er so gefunden, was wir nicht für die Weihnachtsbäckerei gebraucht haben. Außerdem meinte er, dass die gefriergetrockneten Himbeeren weg müssen. Der Kuchen war echt nicht schlecht, aber mehr als ein Stück kann man davon nicht auf einmal essen.

Heiligabend hatten wir Lachs im Blätterteig, das machen wir eigentlich fast jedes Mal, wenn wir in Waging Weihnachten feiern. Inzwischen kriege ich es auch so hin, dass der Teig beim Backen nicht durchweicht. Am ersten Feiertag waren wir bei meinen Schwiegereltern. Dort gab es traditionell Siebenbürgischen-Sächsische Sauerkrautwickel mit relativ wenig Fleisch. Das war auch ganz gut so und geschmeckt haben sie so gut, dass ich mir das zwei Wochen Später nochmal gewünscht habe.

Dafür gab es bei meinen Eltern zu Neujahr Fleisch, Hirschbraten und selbstgemachte Thüringer Klöße. Die Reste vom Braten haben wir zwei Tage später mit Thüringer Klößen (aus gekaufter Kloßmasse), Rotkraut und Sauerkraut in Waging aufgegessen.

Und dann wollte ich schon immer mal Kässpätzle selber machen. Das Rezept bekam ich von einem Kollegen, der aus dem Kleinwalsertal stammt und dessen Mutter angeblich die besten Kässpätzle überhaupt macht. Unsere waren nicht schlecht, aber beim nächsten Mal nehmen wir würzigeren Käse, da werden die sicher noch besser.

Zwischendurch gab es noch ein schnelles Abendessen – in Nusskruste gebackener Fetakäse mit Oliven und Zwiebel, dazu Toast mit Ei. Das Rezept habe ich in einem Werbemagazin vom Rewe entdeckt. Das war so gut, dass gibt es sicher mal wieder. Ist aber eher etwas für den Sommer.

Vergangenes Wochenende haben wir dann mal wieder Buchweizen-Flammkuchen mit Roter Beete und Gorgonzola gemacht. Und weil wir noch Ruccola übrig hatten, habe ich vor dem Servieren noch den Ruccola draufgemacht. Das Gericht ist immer wieder gut, dieses Mal hat es aber besonders gut geschmeckt, weil der Teig nicht so dick geworden ist. Lag wohl daran, dass wir nur ein halbes Stück Hefe verwendet haben.

So, und jetzt hoffe ich, dass jeder, der das gelesen hat, Hunger hat.

Handylos nach dem Jahreswechsel

Nach dreieinhalb Jahren hat der Akku meines Smartphones schlapp gemacht. Weil an dem guten Stück sonst nichts dran ist, und ich die Software immer noch updaten kann, dachte ich mir, ich behalte es noch eine Weile. Das ist sowieso ökologischer als alle drei Jahre ein Neues zu kaufen.

Also schaffte ich es am Dienstag zu unserem »Applesupport« in Traunstein, um den Akku tauschen zu lassen. Das ging leider nicht von jetzt auf gleich, weil der Mann mit seiner Firma gerade erst umgezogen war und noch ein ziemliches Chaos herrschte. Andererseits auch sonst ziemlich beschäftigt ist, weil er noch Computersysteme von Firmen betreut. Dann stellte sich beim Auseinandernehmen heraus, dass ein Kabel kaputt war. Deshalb ist mein Telefon immer mal wieder einfach ausgegangen. Das Kabel musste nachbestellt werden, außerdem gab es einen Feiertag in der Woche und letztendlich noch einen Computernotfall in der Reparaturwerkstatt, der die Arbeitskraft des einzelnen Herrn gebunden hat. Immerhin brachte er es mir am Freitagabend um halb acht persönlich daheim vorbei. Das nenne ich Service.

Jetzt habe ich für 59 Euro ein fast neues Smartphone, das mich hoffentlich noch eine Weile begleitet. Wobei ich es in der Woche überhaupt nicht vermisst habe. Der Mann aus der Werkstatt war total erstaunt, dass ich so entspannt war, weil ich das Telefon nicht gleich wieder bekommen habe. Ganz ehrlich, ich brauche das Ding eigentlich nur, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. (Ohne Smartphone und Bahn-App kann ich mir eine Reise mit der Deutschen Bahn eigentlich nicht mehr vorstellen.) Weil kaum jemand meine Nummer kennt, klingelt es auch nicht oft und ich bekomme nur mal eine SMS, wenn sich das Gerät mal wieder ins österreichische Netz eingelockt hat. Das passiert so nah an der Grenze hin und wieder. Telefonieren tue ich damit kaum und wenn dann nur kurz. Wenn ich von zu Hause aus telefonieren will, nutze ich sowieso das Festnetz, weil das ohnehin stabiler ist.

Bei uns in der bayrischen Provinz ist nämlich die Netzabdeckung unterirdisch. Im Gewerbegebiet wo ich arbeite, haben wir seit Jahren kein Netz. Die Vertreter stranden daher des Öfteren, weil sie den Weg nicht finden. Wenn ich aus dem Zug telefonieren will, dann geht das nur an bestimmten Stellen. Zwischen HBF München und Traunstein geht es nur außerhalb vom HBF, dann wieder nicht, dann erst wieder am Ostbahnhof. In Trudering ist es dann wieder vorbei bis Rosenheim. Kaum aus dem Rosenheimer Bahnhof raus ist es auch schon wieder vorbei mit Netz und es geht erst wieder kurz vor Traunstein. Warum das so ist, hat mir der Herr von der Reparaturwerkstatt erklärt. Der hat in den 90er Jahren bei Kathrein die Mobilfunknetze in Osteuropa und Asien mit aufgebaut. Diese Länder hatten im Gegensatz zu Deutschland kein ausgebautes Festnetz. Daher stecken sie noch heute all ihr Geld in den Ausbau der Mobilfunknetze. In Deutschland muss in beides investiert werden. Dazu kommt: die Anwohner sind oft nicht bereit Mobilfunkmasten in ihrer Nähe zu akzeptieren, weil die meisten eh einen Festnetzanschluss haben und glauben, dass sie das mobile Netz nicht brauchen. Wenn sie es bräuchten, wäre auch die Akzeptanz größer. So einfach ist das.

Jedenfalls hat es mir nichts ausgemacht, fast eine Woche ohne Handy zu sein. Das macht mich schon ein wenig stolz. Für meinen Kollegen (Alter 22) ist das überhaupt nicht vorstellbar.

Neues Jahr – gleiche Probleme

2021 ist rum und hat bei mir genau so wenig Eindruck hinterlassen wie 2020. Nein, halt! Eindruck hat es schon hinterlassen, nur Eindrücke nicht. Wieder ein verlorenes Jahr ohne Erinnerungen, das zu einer formlosen Masse aus tristen, ewig gleichen Tagen verläuft. Irgendwie ist man gleichermaßen erschrocken, wie erfreut, dass es vorbei ist.

2022. Alles wie gehabt, möchte man sagen. Eine neue Regierung, die da weitermacht, wo die alte aufgehört hat. Nur noch ein bisschen dramatischer und mit mehr Panik und Unvermögen. Man könnte sich darüber aufregen, aber es lohnt nicht. Ich resigniere vor so viel stümperhaften Vorgehens, bei so wenig ganzheitlicher Betrachtung und so viel zu Schaustellung überlegener Moralhaftigkeit.

Der Patient Deutschland ist krank und das nicht erst seit Corona. Jetzt erst merken wir, wie sehr Infrastruktur, Bildung und Gesundheitssystem kaputtgespart wurden. So sehr, dass 5000 Corona-Intensivpatienten auf 80 Millionen Einwohner die medizinische Versorgung an den Rand des Zusammenbruchs bringen. So schlecht, dass die Sterblichkeit auf deutschen Intensivstationen um ein Vielfaches höher ist als in Ländern, die weniger Intensivbetten haben. Wir haben die bessere Technologie, aber die haben wahrscheinlich die besseren Ärzte und mehr Personal. Plötzlich merkt man, dass die Personaldecke bei der wichtigen Infrastruktur so dünn ist, dass eine Erkältungswelle zu Stromausfällen und stockender Wasserversorgung führen kann. Man könnte glatt meinen, es droht uns der Untergang, wenn man den Politikern und Medien genau zuhört.

Und genau hier liegt das Problem. All die Vorhersagen, all die Hochrechnungen bilden ausschließlich den Worst Case ab, also den schlimmsten Fall. Es sind nur Zahlen, nicht mehr und nicht weniger. Hinzu kommt, das die Zahlen auf denen die Modelle basieren nicht mal zuverlässig sind. Es ist allesamt nur theoretisch, ein Könnte, nicht ein Muss. Die Praxis konnte bisher keines dieser Modelle tatsächlich abbilden. Theorie und Praxis sind zwei völlig verschiedene Dinge. Politiker werfen den Corona-Kritikern immer vor nicht-wissenschaftlich zu denken, doch sie selbst agieren meist auch nicht nach wissenschaftlichen Standards.

Ich habe viele Jahre wissenschaftlich als Ingenieur gearbeitet. Bei der Entwicklung neuer Technologien steht anfangs eine Theorie. Die Praxis jedoch schreibt letztendlich ihre eigenen Gesetze. Da passieren Dinge, die man nicht auf dem Schirm hatte, Einflüsse, die man nicht mal erahnen konnte. Das einzige was letztendlich funktioniert, ist das Sammeln von Daten im laufenden Betrieb. Um herauszufinden, was welchen Einfluss hat, ändert man aber immer nur eine Variable und nicht fünf gleichzeitig. Denn nur so findet man heraus, woran es liegt. Doch Datensammeln ist in Deutschland offensichtlich ein Problem, nicht nur wegen der Datenschutzgesetze, sondern wegen der mangelnden Digitalisierung.

Und nicht nur das. Ich habe gelernt, das Wichtigste bei der Lösung wissenschaftlicher Probleme ist der Meinung von Menschen zu vertrauen, die sich auskennen, Menschen die Erfahrung haben und zwar in der Praxis, nicht nur in der Theorie. Ein reiner Theoretiker wird nie eine Maschine bauen und die praktische Erfahrung von vielen Jahren eines Facharbeiters ist oftmals mehr wert, als ein Doktortitel.

Doch mir scheint, das sowohl Politiker als auch Wissenschaftler in der Pandemie nur eine Seite bevorzugen, dass sie nur auf die Theorie setzen und zwar auf die Theorien von einigen wenigen Experten. Ein ganzheitlicher Ansatz … Fehlanzeige. Die Erfahrung von Ärzten und Wissenschaftlern (vor allem von solchen, die das 50. Lebensjahr überschritten haben) wird nicht gehört. Man ist so sehr von sich und seinem Können überzeugt, dass das Wissen anderer nichts mehr gilt, das jahrzehntelange Forschung (Beispiel: Aerosole oder die Erkenntnisse aus der ersten SARS-Epidemie) plötzlich nichts mehr wert sind. Da gibt es Experten, für die gelten die Erfahrungen von alteingesessenen Epidemiologen einfach nicht, weil sie denken, sie sind schlauer als die. Stattdessen werden diejenigen niedergebrüllt, schlecht gemacht und abserviert, die auch nur ansatzweise Kritik an dieser Arbeitsweise üben.

Die Politik ist so weit weg vom realen Leben der Menschen, dass sie überhaupt nicht mehr registriert, welche Auswirkungen ihre Regelungen und Vorschriften haben. Und dann wundert man sich plötzlich, warum Teile der Bevölkerung aggressiv werden, und sich betrogen fühlen von so viel Arroganz.

Ganz ehrlich, ich finde das alles zum Kotzen. Und ich glaube auch nicht, dass sich das in Zukunft ändert. Corona wird irgendwann vorbei sein. Doch dann werden wir das gleiche bei Klimawandel und in der Außenpolitik erleben. Die von sich überzeugten Moralapostel werden einen Krieg vom Zaun brechen und das Land in den Untergang führen. Das wird für uns viel schlimmer und einschneidender sein, als es die Corona-Pandemie je war. Da wünscht man sich fast, es nicht mehr miterleben zu müssen.

Frohe Festtage 2021

Nun ist es schon wieder fast rum das Jahr 2021. Ein Jahr von dem man sich mehr versprochen hatte, als es letztendlich hielt. Es war dennoch nicht schlecht, brachte die eine oder andere Überraschung und hatte viele schöne Seiten. Man muss sie halt suchen.

Jetzt sitzen wir vor dem Weihnachtsbaum und hoffen im drohenden Lockdown, dass die Zeit bis zum Frühjahr möglichst schnell vorbeigeht, damit wir wieder so etwas wie ein normales Leben leben dürfen. Das heißt, sich in echt zu treffen und nicht nur digital, Kontakte zu neuen Menschen knüpfen und gemeinsam Erlebnisse zu sammeln und nicht, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und Meinungen zu unterdrücken, weil sie nicht der eigenen entsprechen. Das wünsche ich mir.

Ich habe in diesem Monat fleißig Weihnachtskarten gebastelt und verschickt. Insgesamt sind 24 Stück in Briefkästen in ganz Deutschland gelandet. Ich hoffe, die Empfänger haben sich gefreut. Von einigen habe ich bereits Post bekommen.

Mit einem Foto der schönsten Weihnachtskarten wünsche ich allen Besuchern meines Blogs ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und viel Gesundheit fürs neue Jahr.