Handylos nach dem Jahreswechsel

Nach dreieinhalb Jahren hat der Akku meines Smartphones schlapp gemacht. Weil an dem guten Stück sonst nichts dran ist, und ich die Software immer noch updaten kann, dachte ich mir, ich behalte es noch eine Weile. Das ist sowieso ökologischer als alle drei Jahre ein Neues zu kaufen.

Also schaffte ich es am Dienstag zu unserem »Applesupport« in Traunstein, um den Akku tauschen zu lassen. Das ging leider nicht von jetzt auf gleich, weil der Mann mit seiner Firma gerade erst umgezogen war und noch ein ziemliches Chaos herrschte. Andererseits auch sonst ziemlich beschäftigt ist, weil er noch Computersysteme von Firmen betreut. Dann stellte sich beim Auseinandernehmen heraus, dass ein Kabel kaputt war. Deshalb ist mein Telefon immer mal wieder einfach ausgegangen. Das Kabel musste nachbestellt werden, außerdem gab es einen Feiertag in der Woche und letztendlich noch einen Computernotfall in der Reparaturwerkstatt, der die Arbeitskraft des einzelnen Herrn gebunden hat. Immerhin brachte er es mir am Freitagabend um halb acht persönlich daheim vorbei. Das nenne ich Service.

Jetzt habe ich für 59 Euro ein fast neues Smartphone, das mich hoffentlich noch eine Weile begleitet. Wobei ich es in der Woche überhaupt nicht vermisst habe. Der Mann aus der Werkstatt war total erstaunt, dass ich so entspannt war, weil ich das Telefon nicht gleich wieder bekommen habe. Ganz ehrlich, ich brauche das Ding eigentlich nur, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. (Ohne Smartphone und Bahn-App kann ich mir eine Reise mit der Deutschen Bahn eigentlich nicht mehr vorstellen.) Weil kaum jemand meine Nummer kennt, klingelt es auch nicht oft und ich bekomme nur mal eine SMS, wenn sich das Gerät mal wieder ins österreichische Netz eingelockt hat. Das passiert so nah an der Grenze hin und wieder. Telefonieren tue ich damit kaum und wenn dann nur kurz. Wenn ich von zu Hause aus telefonieren will, nutze ich sowieso das Festnetz, weil das ohnehin stabiler ist.

Bei uns in der bayrischen Provinz ist nämlich die Netzabdeckung unterirdisch. Im Gewerbegebiet wo ich arbeite, haben wir seit Jahren kein Netz. Die Vertreter stranden daher des Öfteren, weil sie den Weg nicht finden. Wenn ich aus dem Zug telefonieren will, dann geht das nur an bestimmten Stellen. Zwischen HBF München und Traunstein geht es nur außerhalb vom HBF, dann wieder nicht, dann erst wieder am Ostbahnhof. In Trudering ist es dann wieder vorbei bis Rosenheim. Kaum aus dem Rosenheimer Bahnhof raus ist es auch schon wieder vorbei mit Netz und es geht erst wieder kurz vor Traunstein. Warum das so ist, hat mir der Herr von der Reparaturwerkstatt erklärt. Der hat in den 90er Jahren bei Kathrein die Mobilfunknetze in Osteuropa und Asien mit aufgebaut. Diese Länder hatten im Gegensatz zu Deutschland kein ausgebautes Festnetz. Daher stecken sie noch heute all ihr Geld in den Ausbau der Mobilfunknetze. In Deutschland muss in beides investiert werden. Dazu kommt: die Anwohner sind oft nicht bereit Mobilfunkmasten in ihrer Nähe zu akzeptieren, weil die meisten eh einen Festnetzanschluss haben und glauben, dass sie das mobile Netz nicht brauchen. Wenn sie es bräuchten, wäre auch die Akzeptanz größer. So einfach ist das.

Jedenfalls hat es mir nichts ausgemacht, fast eine Woche ohne Handy zu sein. Das macht mich schon ein wenig stolz. Für meinen Kollegen (Alter 22) ist das überhaupt nicht vorstellbar.

2 thoughts on “Handylos nach dem Jahreswechsel

  1. Echt? Ich mache fast alles vom Handy. Chef braucht was? SMS. Zugriff auf Google Drive, weil ich den Laptops nicht überall hinschleppen will. Termine ausmachen, GPS, Bestellungen (beruflich und privat…) Ich hatte vor ein paar Wochen das Handy im Büro liegen lassen und als ich nach ca einer Stunde dazukam es zu holen hatte ich drei SMS und zwei Anrufe von der Chefin und sie war gerade dabei mich ausrufen zu lassen :0)

  2. Ja, das mit den Masten ist so ein Ding. Das ist wie mit den Windrädern im Pfälzerwald. Alle wollen weg vom Atomstrom und von fossilen Brennstoffen. Aber Windräder sollen trotzdem keine gebaut werden. Nur der Strom fällt halt nicht vom Himmel und einen Tod muss man sterben.

    Ich kann das nicht verstehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.