„NATHAN“ schweigt

Das große Gehirn der PERRY RHODAN-Serie ist für immer verstummt. Rainer Castor – Autor und PERRY RHODAN-Experte – verstarb am 22. September 2015 völlig unerwartet im Alter von 54 Jahren. Die Lücke, die er hinterlässt, hat für Autoren und Fans die Dimension eines Abgrundes.

Ich habe ihn leider nie getroffen, dafür bin ich noch nicht lange genug dabei, aber ich weiß aus vielen Erzählungen und Interviews mit den PERRY RHODAN-Autoren, dass Rainer Castor zu den wenigen Menschen zählte, die jedes Detail über die Serie wussten. Seine Kommentare zu Technik und Völkern des Perryversums am Ende jedes Heftromans habe ich immer gern gelesen. Kaum einer war in der Lage, Technik, die nicht in der Realität existierte, so präzise zu beschreiben, dass man annehmen konnte, es gäbe sie tatsächlich.

Ich kann nur erahnen, wie groß der Schock in der PERRY RHODAN-Redaktion gewesen sein muss, als die Nachricht von seinem plötzlichen Tod eintraf. Wie geht es jetzt weiter? Gerade hatte er den PERRY RHODAN-Report und die Koordination der Risszeichnungen von Rüdiger Schäfer übernommen. Und an wen wenden sich jetzt die Autoren, wenn sie eine Frage zur Technik haben? Wird die PERRYPEDIA »das große Gehirn« – Rainer Castor – ersetzen können? Fragen die die Zukunft beantworten wird. Eines ist sicher: Sein Tod ist ein Verlust, der auch an uns Lesern nicht einfach so vorübergehen wird.

Es ist ein trauriges Phänomen, das viele PERRY RHODAN-Autoren vor ihrer Zeit gehen lässt. Voltz, Griese, Terrid, Feldhoff – Rainer Castor reiht sich ein in die Riege, der viel zu jung Verstorbenen. Es scheint, als ließe ES die Autoren für die Unsterblichkeit Perry Rhodans mit der eigenen Lebensenergie bezahlen.

Wenn Menschen so früh sterben, weckt das in uns unweigerlich Gedanken an die eigene Sterblichkeit. Haben wir getan, was wir tun wollten und vor allem haben wir nicht getan, was wir nicht tun sollten? Rainer Castor hat mit seinen mitunter mehrseitigen Dossiers vielen Autoren geholfen PERRY RHODAN dorthin zu bringen, wo noch nie eine Science Fiction Serie zuvor gewesen ist. Er hat viel getan für PERRY RHODAN – auch als Autor. Und ich glaube, dass er auch in Zukunft noch viel tun wollte, als Autor und als Experte. Leider ist ihm dies, nun nicht mehr vergönnt.

Mein Mitgefühl gilt in diesen Tagen vor allem seiner Familie, den Kollegen und Freunden, die ihn schätzten und kannten. Etwas, dass mir selbst leider nicht mehr erlaubt sein wird.

AD ASTRA Rainer Castor!

Mythos von der märchenhaften Zeit

Mein Verhältnis zum Mittelalter und mittelalterlichen Gemäuern ist ein Gespaltenes. Einerseits mag ich ja Gebäude mit morbidem Charme, die ruinös daherkommen, kann aber der Mittelalter-Begeisterung mancher Mitmenschen nichts abgewinnen. Dieser verklärte Blick auf die Vergangenheit bewirkt bei mir zuweilen befremdliches Staunen.

Als ich vorgestern die Burganlage in Burghausen betrat und die gepflegten Wege und den gekehrten Innenhof bestaunte, sagte ich zu meinem Mann: „Wenn die alten Ritter sehen würden, wie sauber und aufgeräumt es hier aussieht, käme denen das wahrscheinlich wie Hexerei vor.“ Im selben Moment drehte sich eine vor uns gehende Frau um, die ich erst da als Museumsangestellte erkannte und lachte. Vermutlich hatte ich ins Schwarze getroffen.

Das Mittelalter war alles andere als so, wie es sich viele Menschen vorstellen und wie es in vielen Märchen und Fantasyromanen dargestellt wird. Es war schmutzig, brutal und Menschenfeindlich. Nur sehr wenige kamen in den Genuss von Reichtum und das meist nur über den Tod eines anderen. Entweder weil sie ihn töteten und ausraubten, oder weil er von irgendeiner Krankheit dahingerafft wurde. Das Leben eines Menschen zählte zu dieser Zeit mehr als nichts und das religiöse Diktat der Kirchen machte das Leben nicht leichter.

Ich möchte keine Minute in dieser Vergangenheit verbringen, in der es an jeder Ecke bestialisch stank und wo man meist bis zu den Knien im Unrat versank. Von der Kälte die zu dieser Zeit herrschte (kleine Eiszeit) ganz zu schweigen.

Brrr! Mögen andere sich auf Mittelaltermärkten tummeln und bei Ritterturnieren vergnügen. Ich mache einen großen Bogen drum. Die alten Gemäuer aber, die finde auch ich schön.

Rosen im Zwinger
Rosen im Zwinger
Dornröschen lässt grüßen
Dornröschen lässt grüßen

1051 Meter

… so viel misst ist die längste Burganlage der Welt. Die Rede ist von der Burg in Burghausen. Der Platz, hoch oben über der Salzach gelegen, wurde schon im 16. Jahrhundert v. C. besiedelt. Die erste Erwähnung einer Burg stammt allerdings erst aus dem Jahre 1025 n. C.
Was beim Betreten zunächst wie ein Bauernhof anmutet, wird, je weiter man vordringt, nach und nach zu einer richtigen Burg. Fünf Vorburgen muss man durchqueren, um in den eigentlichen Burghof zu gelangen. Überall entdeckt man lauschige Ecken, mittelalterlich anmutende Gebäude, an Bauerndörfer erinnernde Häuschen. Das alles ist verbunden mit einem gepflasterten Weg, dessen rundgewaschene Natursteine das Gehen etwas erschweren. Von einer Seite der Burganlage erstreckt sich der Blick über die Altstadt von Burghausen mit der dominierenden Kirche und der grünlich schimmernden Salzach. Auf der anderen Seite schaut man hinab auf einen kleinen See, in dem sich gestern noch einige hartgesottene Schwimmer tummelten.
Der gepflegte Weg im Burg-Zwinger bietet durch die Schießscharten immer wieder überraschende Ausblicke auf die Gegend, während sich dazwischen blühende Rosenhecken an die steinernen Burgmauern ducken. Alles sieht ein bisschen aus wie im Märchen. Da schlägt das Herz eines jeden Romantikers höher. Nicht für umsonst wurde die Burg schon oft genug zur Filmkulisse.
Faszinierend auch, die überall zu findenden Mamor- oder Granitkugeln, die bestimmt einmal bei einer Auseinandersetzung mit einem Katapult in den Burghof geschossen wurden, und die heute entweder als Wegbegrenzung oder aufgestapelt als Dekoration fungieren. Spannend.

Burghof einer Vorburg
Burghof einer Vorburg
Burghof der Hauptburg
Innenhof der Hauptburg
Blick auf die Altstadt mit der Salzach
Blick auf die Altstadt an der Salzach
Innenhof mit Kugeln
Innenhof mit Kugeln

Urlaub bei uns zuhause

Wenn man schon dort wohnt, wo andere Leute Urlaub machen, dann sollte man das auch nutzen. Was wir in den nächsten zwei Wochen auch ausgiebig vorhaben. Jetzt wo die Touristen weg sind und das Wetter noch gut ist, sind die Ausflugsorte in der Region am schönsten. Grund genug, sich das eine oder andere Ausflugsziel in der Nähe genauer anzusehen.

Gestern waren wir erst am Weitsee und danach im Biathlon-Zentrum in Ruhpolding. Es ist schon eine gewaltige Anlage, die dort anlässlich der Weltmeisterschaften vor ein paar Jahren errichtet wurde. Der VIP-Bereich der riesigen Tribüne dient im Sommer als Café, von wo man einen perfekten Blick auf den Schießstand und die auf Rollen trainierenden Athleten hat. Also ganz entspannt die Sonne genießen, während andere sich abrackern – auch nicht schlecht. Anschließend waren wir beim Griechen lecker Essen. Was will man mehr vom Urlaub.

Dazu gibts noch ein paar schöne Impressionen, zum neidisch werden.

Herbststimmung
Herbststimmung
Weitsee am Vormittag
Weitsee am Vormittag
Vor dem Skistadion
Vor dem Skistadion
Schießstand in Ruhpolding
Schießstand in Ruhpolding

Kurzweiliges Lesevergnügen zum Garching-Con 2015

Conbuch kleinAls mich Ekkehardt Brux mit einem Augenzwinkern am Anmeldestand des GarchingCon bat, doch etwas über das, von ihm zusammengestellte, Con-Buch zu schreiben, hatte ich noch nicht einmal eine Ahnung davon, was ein Con-Buch ist und wie so etwas aussieht. Ich fand es relativ schnell heraus als ich die Con-Tasche durchwühlte und auf ein eingeschweisstes Buch im A5-Format stieß. Die beiden Kugelraumer über der Münchner City waren ein eindeutiger Hinweis, dass dies das besagte Con-Buch sein musste. Ich war natürlich neugierig und hatte ein wenig Mühe es aus der Kunststoffverpackung zu schälen, aber als es endlich geschafft war, lag ein ansprechendes und vor allem vielversprechendes Fanzine vor mir.

Ekkehardt hat sich bei der Zusammenstellung der Artikel wirklich Mühe gegeben, es gab nicht einen Artikel, den ich nicht gelesen habe. Die bunte Mischung aus Geschichten und informativen Artikeln ist spannend und auf Grund ihrer Kürze gut lesbar. Ich habe mir extra mehr Zeit genommen, um auch jeden Beitrag genau zu studieren.
Die beiden Laudationen auf die Zellaktivator(preis)träger des diesjährigen Cons – einmal von Michael Thiesen über Sabine Kropp sowie von Hermann Ritter über Hermann Urbaneck – waren ein schöner Einstieg und eine echte Würdigung der beiden PR-Mitarbeiter, die es beide völlig verdient haben.
Schon beim Überfliegen des Anfangs der ersten Kurzgeschichte, dachte ich, die kann nur von Uwe Anton stammen und da lag ich auch prompt richtig. Bei der Geschichte von Uschi Zietsch über Ernst Ellerts Rückkehr nach Schwabing bekam ich glatt etwas Heimweh. Vielleicht lag es daran, dass ich selbst lange nicht die Leopoldstrasse entlanggeschlendert bin, schließlich wohne ich seit 2013 nicht mehr in Schwabing. Das weckte so einige Erinnerungen.
Ebenfalls besonders spannend war der Artikel von Ekkehardt über die Kinder der PR-Autoren. Es ist faszinierend zu sehen, dass schreiberisches Talent offenbar nicht immer weitervererbt wird.
Sehr nett zu lesen auch Michelle Sterns kleiner Einblick in ihre private Welt und ihre Arbeit für die Leserkontaktseite.
Für die Geschichte der Risszeichnungen wünschte ich mir ein Fortsetzung, so fasziniert war ich von den Informationen.
Roman Schleifers Artikel über den Austria Con 2016 und die Geschichte des Wiener PR-Stammtischs, kannte ich zwar bereits aus der SOL, habe ihn aber dennoch gern noch einmal gelesen.
Erwähnenswert sind auch die Fachartikel zur Raumfahrt oder der zu den Steinzeit-Astronauten sowie zu den Auswirkungen eines Erstkontaktes. Wissenschaftliche Beiträge wie diese runden ein Con-Buch ab und verleihen ihm die Beachtung die es verdient.
Aktuell zum NEO-„Neustart“ mit neuem Expokraten-Team hat es mich sehr gefreut einen Bericht von Rüdiger Schäfer vorzufinden. Gerade auch, weil ich seinen Schreibstil sehr mag und von den NEO-Bänden ab 101 bisher durchweg begeistert bin. Ich hoffe, dass den beiden Exposéautoren die Ideen nicht ausgehen mögen.
Die vielen Kurzgeschichten im Buch waren allesamt sehr gut ausgewählt und wurden stilsicher präsentiert.
Selbst wenn ich möchte, kann ich leider nicht auf alle Beiträge im Con-Buch eingehen, das würde schlichtweg den Rahmen dieses Artikels sprengen; zu umfangreich sind Anzahl und Thematiken, die von Dr. Who-Philatelie über Story-Fanzines bis hin zum PR-Sammelkartenspiel reicht. Letzteres wird für mich immer ein großes Geheimnis bleiben. Es war auf dem GarchingCon schön zu beobachten, wie die Spieler entrückt von allem Trubel in ihrer eigenen Welt versunken schienen.

Am Ende muss ich doch noch einmal auf das Titelbild zu sprechen kommen. Ein bisschen hat die Künstlerin da ja gemogelt; während das Atom-Ei von Garching annähernd richtig platziert wurde, so sind es die Alpen definitiv nicht; außer sie wurden ohne meines Wissens kurzerhand an die Donau verlegt. :)

Mein Fazit zum Con-Buch des diesjährigen GarchingCons fällt überaus positiv aus. Ekkehardt Brux hat eine tolle Arbeit abgeliefert; eine die sich sehen lassen kann. Da ist sicherlich für jeden Fan etwas dabei. Für alle, die nicht nach Garching kommen konnten, die aber ein Exemplar des Con-Buchs erwerben möchten, können dies im Con-Shop auf den Seiten des „garching-con.net“ für 7,50 Euro zzgl. Versandkosten bestellen. Hier gibt es auch eine komplette Liste über den Inhalt.

Schreibherkunft

Ha! Da frage ich mich seit Jahren, von welchem Familienzweig ich meine schriftstellerische Ader geerbt habe, weil weder meine Eltern noch meine Großeltern irgendetwas in dieser Richtung getan hatte. Und dann telefonierte ich heute morgen mal wieder mit meiner Tante, die übrigens mit ihren über Achtzig ein echtes Original ist, dass man erlebt haben muss. Mit ihr sprach ich über meine literarischen Ergüsse und meinen Blog. Da erzählte sie mir, dass mein Onkel (der Bruder meiner Mutter) immer Artikel für die lokale Zeitung geschrieben hätte und sich mit dem verdienten Geld den einen oder anderen Wunsch (zum Beispiel einen Fotoapparat) erfüllen konnten. Da war ich baff! Das wusste ich nicht.

Jetzt weiß ich, woher meine Leidenschaft fürs Schreiben kommt, nämlich aus der mütterlichen Linie. Es fragt sich nur ob von meiner Großmutter oder meinem Großvater. Ich tippe auf Erstere, weil die Schwester meiner Großmutter eine sehr intelligente Frau war, die als Diakonieschwester in Brasilien gelebt hat und von der noch viele Briefe bei uns herumliegen. Vielleicht sollte ich die mal lesen.

Werkstätten der besonderen Art

Erst wollte ich ja nicht mit, als mich meine Eltern überredeten am Chorausflug teilzunehmen. Doch dann lockten Wildbraten mit Thüringer Klößen und eine Besichtigung. Wovon, das erfuhr ich erst sehr spät und war zunächst alles andere als begeistert. Doch dann war ich ehrlich überrascht.

Wir besichtigten die Christopherus-Werkstätten der Diakonie in Altengesees. Ich hatte zunächst einmal gar keine Ahnung, dass man Behindertenwerkstätten überhaupt besichtigen kann. Und als uns die überaus motivierte junge Frau durch das Objekt geleitete, war nicht nur ich sprachlos. Die modernen Räumlichkeiten waren hell und freundlich, extrem sauber und bestens ausgestattet. Dort werden unteranderem für Stablio Stifte in Packungen sortiert, Schrauben und Dübel für Möbel verpackt und EURO-Paletten gefertigt. Hinzu kommen kreative Bereiche wie Bäckerei, Molkerei, Töpferwerkstatt, Weberei und eine Schreinerei. So finden hier knapp zweihundert behinderte Menschen aus der Umgebung eine sinnvolle und ganz auf ihre Fähigkeiten angepasste Tätigkeit.

Mich hat die Professionalität überrascht, mit der hier gearbeitet wird. Alles wirkt wie ein richtiges kleines Unternehmen und dass ist es auch. Jede Abteilung egal ob Molkerei, Töpferei oder Schreinerei wird von einem Fachmann, sprich Meister, geleitet, der zusätzlich noch eine pädagogische Qualifikation mitbringen muss. Das Wichtigste bei der Arbeit mit Behinderten ist jedoch die Hingabe für die Menschen, das betonte die junge Frau. „Das sei nicht nur ein Job zum Geldverdienen, sondern einer, den man nur aus vollstem Herzen und mit großer Überzeugung verrichten kann.“ Ich glaube ihr das auf’s Wort und gebe offen zu, dass es für mich nicht in Frage käme.

Deswegen gilt meine Bewunderung allen Menschen, die sich in sozialen Berufen engagieren.

Neue Abenteuer im NEOversum

Quelle: Perrypedia

Wow! Ich bin begeistert. Was heißt begeistert, ich bin geradezu euphorisch. Und das nach der Lektüre eines Perry Rhodan NEO Romans.

Als ich gestern Nachmittag in den Zug stieg und mein iPad vor mir in Stellung brachte, damit ich mir das E-Book des NEO Romans mit der Nummer 101 reinziehen konnte, dachte ich nicht daran, dass ich diese Geschichte noch am selben Abend fertig lesen würde. Nach drei Stunden Zugfahrt, die irgendwie substanzlos an mir vorüberzogen, weil mich die Geschichte tief eingesaugt hatte, waren nur noch ein paar Kapitel übrig. Ich las sie spätabends im Bett, auch wenn mir vor Müdigkeit beinahe die Augen zufielen, schließlich war ich seit fünf Uhr morgens auf den Beinen. Aber ich wollte unbedingt wissen, wie diese Geschichte weitergeht.

Zum Inhalt werde ich hier nichts sagen, das kann jeder in der Perrypedia nachlesen. Ich möchte hier nur meinen Eindruck schildern. Und der ist mehr als nur befriedigend. Das ist PR-NEO wie ich es mir vorgestellt, nein besser, wie ich es mir gewünscht habe. Michael H. Buchholz macht alles richtig. Die vielen wissenschaftlich fundierten Fakten zum Saturn, die agierenden Figuren allen voran Eric Leyden, den ich in den Silberbänden schon toll fand, ist ein Zusammenspiel all dessen, was Perry Rhodan ausmacht. Ich kann nur sagen: „Perfekt.“

Ich ahnte, dass der Wechsel der Exposéautoren Veränderungen mit sich bringen würde und hoffte, dass diese Veränderungen mich zufriedenstellen würden, doch ich hatte keine Ahnung, wie sehr sie bei mir einschlagen. Ich glaube, wenn die beiden Expokraten, dass weiterhin so gut hinbekommen, steht uns bei PR-NEO was ganz Großes bevor. Ohne die Arbeit von Frank Borsch schmählern zu wollen. Seine ersten vier Bände haben mich damals ähnlich begeistert und ich wünsche mir sehr, dass Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz das hohe Niveau, mit dem sie eingestiegen sind, auch in den nächsten Fortsetzungsromanen halten können.

Die lese ich dann aber wieder analog – auf Papier.

Risiken und andere Wirkungen

„Halten Sie Ihre Beschreibungen präzise schwammig!“ – so die Anweisung in einem Webinar über das Erstellen einer Risikoanalyse von Maschinen.

Aha, dachte ich mir, abgesehen von der brillanten Formulierung, ist dieser Rat gar nicht so dumm. Zum einen macht es die Beschreibungen beliebig austauschbar, sprich, einmal erstellt, können sie immer wieder verwendet werden, zum anderen hält man sich somit eventuelle Klagen vom Leib.

Spannend, auf was man alles aufpassen muss, wenn man einem Gerät oder einer Maschine eine CE-Kennzeichnung verpassen möchte. Die Risikoanalyse ist dabei nur ein benötigtes Kriterium, man muss außerdem sicherstellen, dass die Konstruktion des Gerätes oder der Maschine den gängigen Normen entspricht. Und wie das so ist, gibt es da hunderte verschiedener Normen zu allen möglichen Bereichen. Die Kunst ist, herauszufiltern welche Norm auf das Produkt zutrifft und wie sich die dafür auslegen lässt.

Kein Wunder, dass mir momentan etwas der Kopf raucht, da schreibe ich doch lieber zehn Science-Fiction-Romane, als mir „präzise schwammig“ Sicherheitsbestimmungen aus den Fingern zu saugen.

Es ist gelinde gesagt frustrierend! Ich habe definitiv den falschen Job.

Zwei mal überraschendes Finale

bellasTod_SonntagVor ein paar Tagen erzählte ich euphorisch von Georges Simenon. Meine Euphorie ist bis heute ungebrochen. Gestern beendete ich eine weitere Geschichte des genialen belgischen Schriftstellers.

Sowohl „Bellas Tod“ als auch „Sonntag“ handeln von Mord. Die eine von einem bereits Geschehenen und die andere von dessen Planung. Beide Geschichten sind in einem Taschenbuch zusammengefasst und alle zwei vereint die geschickte Erzählweise mit der Simenon den Leser ans Finale heranführt. In beiden Erzählungen steht ein Mann im Mittelpunkt der Handlung. In „Bellas Tod“ ist es ein Lehrer, in dessen Haus eine junge Frau ermordet wird und der mangels Alibi alsbald unter Tatverdacht steht. Sogar seine Frau beginnt, ihm zu misstrauen. Das geht soweit, dass er am Ende selbst an sich zweifelt und sein wahres Ich, dass er Jahrzehnte verborgen gehalten hat, plötzlich herausbricht.
„Sonntag“ erzählt dagegen das Leben eines Kochs, der vor ewigen Zeiten in eine Ehe eingewilligt hat, die ihn mehr und mehr zermürbt. Er versucht sich von den Fesseln seines tristen Daseins (in Form seiner Frau) zu befreien.
Während sich eine der Geschichten an der amerikanischen Ostküste abspielt, ist der Schauplatz von „Sonntag“ die Côte d’Azur. Der Autor beschreibt nicht nur die Szenerie so perfekt, dass man sich innerhalb eines Satzes sofort hineinversetzt fühlt. Nein, er weiß auch das Innenleben seiner Figur aufs Intimste zu beschreiben. Dabei wechselt er von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, ohne das dies verwirrend oder störend wirkt. Besonders bei der Erzählung über den geplanten Mord, hat man von Anfang an Mitleid mit dem armen Mann und fiebert dem Ereignis genauso aufgeregt entgegen, wie der Protagonist selbst.

Was Simenons Geschichten besonders macht, ist ihr überraschende Ende. Er führt den Leser lange auf einer falschen Fährte, um ihm zuletzt vor vollendete Tatsachen zu stellen. So war ich bei beiden Geschichten am Ende völlig verblüfft. Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet.
Der Autor ist ein Könner und ich kann inzwischen erahnen, warum er von vielen Autorenkollegen so geschätzt wird.

Noch ein Hinweis zu meiner Taschenbuchausgabe von 1987, die ist nämlich aus der DDR, vom Aufbau-Verlag. Witzig finde ich ja die Bemerkung: Ausgabe für die sozialistischen Länder mit Genehmigung des Diogenes Verlag AG, Zürich. Spannende Frage: Ob und wie sich wohl diese Ausgabe von der Original-Ausgabe unterscheidet?