Im Krater und am Kraterrand

Nördlingen aus dem Prospekt

Urlaub!

Nach den anstrengenden letzten Wochen, den ständigen Auf’s und Ab’s, dem Wechselbädern aus Freude und Enttäuschung wollen wir versuchen in den nächsten Tagen ein bisschen abzuschalten. Und weil wir nicht weit reisen wollten, machen wir Urlaub in Bayern und Baden Württemberg. Gut, dafür hätten wir genau genommen auch zu Hause bleiben können, aber sich woanders den Wind um die Nase wehen zu lassen, ist dann doch besser.

Als Reiseziel haben wir jene Touristenhochburgen ausgesucht, die bei den Japanern und Amis besonders beliebt sind und in denen ich noch nie war. Zeit, das endlich mal nachzuholen. Unser Hotel steht in einem Dorf in der Nähe von Nördlingen. Daneben ist ein Bauernhof, es gibt eine Koppel auf der Pferde, Esel und Ponys grasen und eine eingezäunte Wiese auf der sich fünf Alpakas tummeln. Die sehen echt aus wie Schafe mit langen Hälsen. Von hier aus wollen wir Tagestouren nach Dinkelsbühl, Rothenburg ob der Tauber und Nördlingen unternehmen.

Gestern machten wir auf der Herfahrt einen Zwischenstopp in Augsburg. Dort war ich zwar in diesem Jahr schon mal, hatte damals aber keine Zeit mir die Innenstadt anzusehen. Wir bummelten durch die Fußgängerzone, speisten sehr lecker und günstig in einem asiatischen Imbiss und ich probierte anschließend die Eissorten Macadamia und Kaktus. Eigentlich wollte ich ja noch die Sorte Ananas-Thai-Basilikum kosten, aber das wäre dann doch des Guten zu viel gewesen.

Heute nun stand Nördlingen auf dem Programm. Wir folgten dem historischen Rundweg durch die Altstadt, legten einen Teil des Weges auf der alten Stadtmauer zurück, die man übrigens komplett begehen kann. (Tipp für Mittelalter-Fans: alle drei Jahre findet in Nördlingen das Historische Stadtmauerfest statt, bei dem die Stadt für ein Wochenende ins Mittelalter »zurückversetzt« wird.) Mein Mann bestieg den »Daniel«. Nein, nicht das, was jetzt mancher vielleicht denkt. Der »Daniel« ist der Turm der Stadtkirche St. Georg. Ich bekam unterdessen ganz unverhofft eine einstündige Kirchenführung, weil sonst niemand da war. Später stieß noch mein Mann und ein älteres Pärchen hinzu. Die Dame aus der Kirchgemeinde erklärte uns die architektonischen Besonderheiten des Bauwerks, was ich sehr interessant fand. So ist die Kirche aus Suevit erbaut. Einem Gestein, das durch einen Meteoriteneinschlag in der Gegend vor 15 Millionen Jahren entstanden ist.

Um Meteoriten ging es auch nach dem Mittagessen. Da besuchten wir das Rieskrater-Museum, das Größte seiner Art in der Welt. Ich lernte, dass man Einschlagkrater kategorisieren kann und welche Gesteine bei einem Einschlag entstehen. Besonders spannend fand ich den Meteoriten-Simulator, dabei kann man interaktiv Asteroiden oder Kometen in unterschiedlicher Größe auf die Erde stürzen lassen und sich dann das Ergebnis ansehen. Spannend sind auch die Exponate; von Eisenmeteoriten über Fossilien, die bei Einschlägen entstanden, bis hin zum Mondgestein ist dort alles ausgestellt. Echt sehenswert. Die Sonderausstellung zum Mars beginnt leider erst morgen, dass habe ich zu spät gesehen, sonst wären wir erst am Samstag dorthin gefahren.

Spät am Tag bestiegen wir noch den Goldberg, der nur wenige Kilometer von unserem Hotel aus dem ehemaligen Kraterboden wächst. Die Kalksteinfelsen leuchteten in der Abendsonne, ein leichter Wind blies über uns hinweg und Insekten summten im blauen Himmel. Die Kulisse wirkte wie aus einem Karl-May-Film. Oben angekommen lag uns das Ries zu Füßen. Grüne Felder unterbrochen von den roten Dächern der Dörfer und der ferne Kraterrand, der als bewaldete Hügel den Horizont begrenzt. Außer uns war keine Menschenseele zu sehen, es gab keinen Lärm. Die Luft roch nach den Blüten der Luzerne, die überall blühte. Ich finde, es war der schönste Abschluss eines Urlaubstags, den man erleben kann.

Nördlingen
Der »Daniel« in Nördlingen
Rathaus in Nördlingen
St. Georg
Blick vom Goldberg
Auf dem Goldberg

Paris nachgereicht …

An dieser Stelle noch ein paar Eindrücke von unserer Parisreise.

Wie gesagt war es die ganze Zeit über sehr frostig, was aber nicht schlimm ist, wenn man sich viel bewegt. So sind wir jeden Tag bis zu zehn Kilometer gelaufen und haben uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zumindest von außen angesehen.

Angesichts der Touristenmassen vergeht einem schnell der Besuch von Eifelturm und Co. Wobei auf den Eifelturm zu steigen ohnehin sinnlos gewesen wäre, da man nichts außer Nebel gesehen hätte. Das haben wir auf’s nächste Mal verschoben. Dafür gefiel mir der Weg zur Freiheitsstatue, die sich auf einer sehr schmalen Insel mitten in der Seine befindet. Darüber geht eine Brücke und dort drunter gab es etwas, das ich so noch nie gesehen habe: ein Fitnessstudio im Freien für jedermann und kostenlos. Mit richtigen Geräten zum Workout, für alle Muskelgruppen und jede Altersklasse. Man sollte allerdings größer als 1,40 Meter sein. Und das stand einfach dort, nicht eingezäunt und in sichtlich gutem Zustand. Bei uns wäre so etwas wahrscheinlich innerhalb von Tagen irgendwelchen Randalierern zum Opfer gefallen.

Paris muss man sich, wie auch NYC, erlaufen. So gingen wir am ersten Tag vom Eifelturm bis zum Invalidendom; querten dann die Seine am Grand Palais; wanderten von da aus am Place de la Concorde vorbei durch die Tuillerien zum Louvre; bestaunten dort die Massen an Menschen, die bei klirrender Kälte draußen standen und auf den Eintritt warteten und gingen dann weiter zur Ile de France um Notre Dame zu bewundern. Dann gingen wir wieder über die Seine am Hotel de Ville vorbei zum futuristischen Centre Pompidou. Dieses Objekt wollte ich unbedingt sehen, faszinierte es mich doch schon damals in dem Bildband. Doch das wie eine Fabrik aussehende Gebäude ist heute nur noch ein schmutziges graubuntes Etwas, dass so gar nicht zwischen die Häuser des Viertels passt und nicht annähernd so futuristisch aussah, wie ich es erwartet hatte. Auch davor tummelten sich lange Menschenschlangen und Hunderte von Tauben, die sich frierend in einer Ecke zusammenkauerten.

Besser gefiel mir dann doch Les Halles, das riesige Einkaufszentrum mit dem wie ein Flügel aussehendem Dach. Der Park davor ist leider noch eine große Baustelle, wird aber sicher sehr schön werden, wenn er einmal fertig ist. Ebenso gut gefallen hat mir das Palais Royal, mit der Kunstinstallation von schwarz-weiß gestreifter Pfeiler und dem großen Garten. Einer der Springbrunnen lief trotz der Kälte und an den Hecken blühten die letzten Rosen. Ein etwas irritierender Anblick bei Minusgraden.

Und natürlich musste ich mir auch das berühmt berüchtigte Rotlichtviertel entlang der Metrostationen Place Clichy, Blanche und Pigalle ansehen. Gerade in der Dämmerung machen die Geschäfte mit ihren Leuchtreklamen so einiges her. Eines der Geschäfte hieß sogar »Galactica«.

Beeindruckt bin ich nach wie vor von der Metro, deren Schächte und Stationen sich wie ein Labyrinth unterhalb der Stadt erstrecken. Da kann man ziemlich schnell die Orientierung verlieren und schweres Gepäck sollte man auch nicht unbedingt mit sich rumschleppen. Am beeindrucktesten war die Pünktlichkeit, alle vier Minuten fährt ein Zug, da gibt es garantiert keine langen Wartezeiten. Und das Beste war, dass man vom 31. Dezember 17:00 Uhr bis zum 1. Januar 12:00 Uhr mittags für eine Fahrt mit der Metro nichts bezahlen musste.

Hier nun ein paar optische Eindrücke.

Im Palais Royal
Raffinerie oder Kunstmuseum
Ein Hauch von Frühling
Denkt ihr auch, was ich denke?
Auch Paris hat seine Wolkenkratzer
Galaktisch!

Da bin ich gewesen!

Puha! Gerade heimgekommen bei Eis und Schnee; eine Stunde später als geplant, wegen eingeschlagener Fensterscheiben im ICE. Man sollte bei vereisten Oberleitungen eben nicht mit Tempo 320 km/h fahren. Das musste so kommen!

Egal es war trotzdem ein wunderschöner Kurzurlaub, und ich habe mir nach bald dreißig Jahren endlich meinen Kindheitstraum erfüllt.  In den nächsten Tagen erzähle ich mehr davon.

Ich war nämlich hier:

Paris im Nebel

Wo bin ich? Tag 3

Die Antarktis Expedition geht weiter.

Mit einer weiteren Lage Kleidung am Leib, stiefelten wir heute Morgen los, um einen anderen Teil der Großstadt zu erkunden. Trotz Feiertag war richtig viel los an diesem späten Vormittag. Vielleicht lag es auch daran, das jeder die U-Bahn bis 12 Uhr kostenlos nutzen konnte. Das ist eine tolle Sache, daran sollten sich die Münchner Verkehrsbetriebe eine Scheibe abschneiden, ebenso was Takt und Pünktlichkeit der mitunter doch altersschwachen Züge angeht. Hier wartet man nie länger als vier Minuten auf den nächsten Zug. Und für 1,90 Euro kann man im gesamten Innenstadtbereich herumfahren. (Und der ist viel größer, als der in München.) Dafür ist das Umsteigen von U-Bahnlinie zu U-Bahnlinie etwas komplizierter und durch die vielen Treppen, Gänge und Tunnel auch anstrengender.

Bei minus vier Grad Celsius bummelten wir durch die engen Straßen, wobei bummeln das falsche Wort ist. Man musste schon zügig gehen, damit einem warm wurde. Ich fand viele schöne Ecken zum fotografieren. Leider ließ sich die Kamera und das ipad mit Handschuhen schlecht bedienen und so blieb die Kamera öfter in der Tasche, als mir lieb war. Nach sechs Kilometern und fast eineinhalb Stunden fuhren wir wieder ins Hotel zurück, um uns aufzuwärmen.

Am Nachmittag zogen wir noch einmal los, weil ich unbedingt noch die Freiheitsstatue sehen wollte. (Spätestens jetzt weiß wahrscheinlich jeder, wo ich bin.) Anschließend statteten wir noch dem berühmten »Rotlichtviertel« einen Besuch ab, wo sich zwischen drei U-Bahn Haltestellen tatsächlich ein Sexshop an den anderen reiht und die Touristen die Straßen verstopfen.

In einem kleinen Lokal direkt am Hotel aßen wir sehr gut zu Abend. Ein würdiger Abschluss eines schönen, wenn auf kalten Kurzurlaubs.

Ach ja, den Jahreswechsel verbrachten wir ganz für uns unter den beeindruckenden Monumenten am »Platz der Wiedervereinigung«. Um uns rauschte der Verkehr, von ferne hörte man kurzzeitig ein Feuerwerk und dann war er schon wieder rum der Silvesterabend.

Wo bin ich? Tag 2

Es ist schweinekalt.

Heute morgen stiefelten wir los, ausgerüstet wie zu einer Antarktis-Durchquerung. Dick vermummt, in mehrere Lagen Kleidung gehüllt, fror ich mir in der U-Bahn dennoch fast einen ab.

Draußen vor den Fenstern der Bahn, die hier übrigens auf Reifen fahren, Nebel. Eine trübe Suppe, in der man kaum hundert Meter weit sehen konnte, schon gar nicht nach oben. Zumindest ließ sich eines der unzähligen Sehenswürdigkeiten in voller Größe bewundern, auch wenn der Verkehrslärm drumrum, einen fast taub werden ließ.

Trotz der Kälte sind Unmengen an Touristen in der Stadt unterwegs. So auch auf ihrer höchsten natürlichen Erhebung. Wenn jetzt zu dieser Zeit und bei der Witterung so viel los ist, wie ist das dann erst im Sommer? Ich mag mir die Menschenmassen gar nicht ausmalen. Wir flüchteten schnell in die Seitengassen, da wurde man auch nicht von den Straßenhändlern verfolgt und konnte ein klein wenig von dem Flair erahnen, das diese Stadt ausmacht. So lange, bis uns die Kälte wieder in die U-Bahn zurück trieb.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Unterwegs im Multiversum

Ich verreise über den Jahreswechsel. Am letzten Silvesterabend hatte ich mir geschworen, das nächste Silvester nicht wieder auf der Couch zu verbringen, mit alkoholfreiem Sekt zum Anstoßen. Letzteres kann ich nicht verhindern, aber auf der Couch werde ich definitiv nicht sitzen.

Wohin es geht, verrate ich noch nicht. Falls es im Hotel WLAN gibt, werde ich bei Gelegenheit Fotos und meine Erlebnisse posten, die sicher eindeutig sein werden.

Also nicht wundern, wenn es bis zum 2. Januar etwas stiller im Blog sein wird.

Der ewige Präsident

Fidel Castro – 47 Jahre lang reagierte er ein kleines Land, das allen Widrigkeiten der globalen Politik trotzte. Quasi vor den Türen der großen USA existierte ein kommunistischer Staat, der nicht totzukriegen war.

Als ich 1997 nach Kuba reiste, stand das Land gerade am Anfang des Tourismusbooms. Viele große und neue Hotels standen bereits an ausgesuchten Orten der Küste. Im Landesinnern aber, fern der Touristenzentren konnte man noch das ursprüngliche Kuba erleben – auch als Pauschaltourist. Eine Woche lang fuhr ich mit einer Freundin in einer kleinen Reisegruppe auf der Insel umher. Es war August, es war heiß und feucht und ich schwitze wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Was ich damals von Kuba sah, überraschte mich zuweilen. Vieles war primitiv und ein bisschen marode, was vor allem dem Mangel geschuldet war. Aber kein Kubaner war wirklich heruntergekommen oder arm. Es gab keine bettelnden Kinder oder Slums. Es gab Schulen und Krankenhäuser; Bauern, die ihr Getreide auf der Autobahn trockneten; Männer die mit Zahnputzbecher und Waschlappen ihre Oldtimer polierten; freilaufende Schweine und Hühner in den Dörfern; eine riesige Zementfabrik mitten in der Landschaft; Tabak- und Zuckerrohrfelder so weit das Auge reichte; alte Eisenbahnen, die in der feuchten Luft vor sich hin rosteten; LKWs mit Leuten drauf, die als Verkehrsmittel genutzt wurden und Kinder die für Kaugummi oder Buntstifte Früchte mit den Touristen tauschten. Der durch das Embargo herrschende Mangel war überall zu spüren, aber man arrangierte sich eben damit. Ich habe selten in einem Urlaub so gut gegessen wie in Kuba.

Die Menschen die ich traf, waren herzlich, teilten das Wenige, was sie hatten. Ich erinnere mich, dass ich spontan vom Busfahrer eine riesige Mango geschenkt bekam, die wir nur zu viert bezwingen konnten. Oder an das etwas baufällige Hotel im Sumpfgebiet in der Schweinebucht, in dem mitten beim opulenten Abendessen der Strom ausfiel, die Kellner in Windeseile Kerzen brachten und wir einfach im Dunkeln weiter gegessen haben. Oder die Marktfrauen in Havanna, die verwundert an meine weißen Waden fassten, weil sie nicht verstehen konnten, wie jemand so bleich sein konnte.

All diesen Menschen war eines gemeinsam. Sie verehrten ihren Präsidenten. Fidel Castro und Ernesto Guevara waren die Sinnbilder der Revolution. Überall hingen Bilder, Flaggen oder Graffiti. Die größte Sorge der Kubaner war, was mit ihnen passieren wird, wenn Fidel stirbt. Ihr sorgenvoller Blick richtete sich damals nach Russland und auf die Staaten des ehemaligen Ostblocks, die unter den Folgen des Zusammenbruchs des Sozialismus litten. Die Kubaner befürchteten, dass sie das Schicksal dieser Länder teilen werden, wenn ihr »el presidente« sie einst verließe. Gut zwanzig Jahre später ist es nun soweit. Fidel Castro starb im stolzen Alter von 90 Jahren. Wobei er sich schon seit einigen Jahren aus dem Regierungsgeschäft zurückgezogen hatte. Dennoch ist er immer die Galionsfigur geblieben und wird es auch für ewig bleiben. Ich weiß nicht wie viele Kubaner heute sorgenvoll in die Zukunft schauen. Aber wenn wir ehrlich sind, dann sind sie in dieser Zeit nicht die einzigen.

Urlaubserinnerungen an 2015

fb_madeiraEndlich habe ich es geschafft, unseren Madeira-Urlaub in einem Fotobuch zu verewigen. Das war schon sehr lange überfällig. Da so ein Fotobuch ziemlich zeitintensiv ist, und ich in den vergangenen Monaten rund um die Uhr mit Schreiben beschäftigt war, ist der 130-seitige Bildband erst jetzt fertig geworden.

Im Gegensatz zu früheren Fotobüchern stand ich vor einer besonderen Herausforderung, es war der erste Urlaub, den ich im Blog dokumentiert hatte. Dabei war entsprechend viel Text zusammengekommen, den ich ins Fotobuch integrieren wollte, was anfangs in elenden Textwüsten ausartete. Am Ende habe ich dann nicht nur einige schöne Fotos untergebracht, die wir gemacht haben, sondern auch den Text in lesbare Stücke zerlegt und in ein ansprechendes Layout gepackt.

Wer möchte, kann sich davon hier überzeugen. Und wer noch nie auf Madeira war, bekommt einen kleinen Ausblick auf die vielfältigen Landschaften, die diese Insel prägen.

Die Stadt und der Verkehr

Mein letzter Tag in Würzburg begann mit einem Vortragsmarathon, auf dem ich wieder neue Erkenntnisse gewinnen konnte, zum Beispiel über die Herstellung von Biopolymeren oder das Farbmanagment von transparenten Medien.

Mittags aßen wir noch einmal im Hotel »Zum Kirschbaum« in Rottendorf, dass ich durchaus empfehlen kann. Man sollte sich aber ein eigenes Kopfkissen mitbringen, auf deren »Dingern« konnte von »erholt« schlafen keine Rede sein.

Danach fuhren wir nach Würzburg und hingen eine Weile am Bahnhof ab, bis unser Zug fuhr. Ich kaufte mir den neuen PERRY RHODAN-NEO von Kai Hirdt und das neueste PERRY RHODAN-Heft von Robert Corvus, in dem Hermann Ritter in seinen Clubnachrichten lobende Worte für den PRFZ-Newsletter Nr. 9 fand, sowas freut mich natürlich sehr.

Mein Fazit zu Würzburg ist ein Gemischtes. Die Stadt ist echt sehenswert und vielleicht schaffe ich es ja auch irgendwann einmal mit einem Schiff über den Main zu schippern. Für Kulturfreunde mögen auch die Residenz und die Museen interessant sein. Die vielen Kirchen sind schon allein wegen ihrer schieren Anzahl beeindruckend und zum Shopping ist die »City« auch zu empfehlen. Hier habe ich endlich eine Thora-Perücke gefunden. Außerdem haben wir einen Laden mit »Männerspielzeug« entdeckt, sprich ein Modellbaufachgeschäft, das aber leider kein Modell der SOL führte, sondern nur eine Spacejet.

Dennoch sind uns auch ein paar negative Dinge aufgefallen. Ein ganz großes Problem sind die unzähligen Baustellen. Als Fußgänger hatte ich stets das Gefühl von einer Baugrube in die nächste zu tappen. Mitunter waren die Fußwege komplett verstellt, so das man als Fußgänger auf die Straße ausweichen musste, was angesichts des dichten Verkehrs nicht ungefährlich war. Verkehr ist ein weiteres Stichwort. Ich denke, dass Würzburg kurz vorm Verkehrskollaps steht. So viele fahrende und parkende Autos; überfüllte Parkhäuser, vor denen die Leute in ihren Autos darauf warteten, bis jemand wieder wegfuhr und ein Platz frei wurde. So etwas kannte ich nicht mal aus München, wo sich die Parkplatzsituation in den letzten Jahren merklich entspannt hat. Ein Grund für den Verkehrskollaps glaube ich erkannt zu haben – nämlich den nur rudimentär ausgebauten Nahverkehr. Rottendorf liegt etwa sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und es fährt gerade mal alle Stunde ein Bus, zumindest bis 19 Uhr. Die Bahn fährt auch nur alle Stunde. Das angrenzende Gewerbegebiet, wo die Tagung stattfand, ist nur mit dem Auto zu erreichen. Kein Wunder, dass hier jeder selbst fährt. Wenn man Abends aus Würzburg wieder heraus möchte, braucht man entweder ein Auto oder ein Taxi. Es fahren kaum Busse und das Tarifsystem ist noch komplizierter, als das des Münchner MVV. Ich habe etwas mehr als eine halbe Stunde gebraucht, um im Internet herauszufinden, welche Fahrkarte ich lösen muss, und das obwohl ich mich mit Nahverkehr und Tarifen im allgemeinen gut auskenne. Das ist definitiv noch ausbaufähig.

Dies trübte ein wenig den Eindruck, den ich von der Residenzstadt Würzburg gewann, dennoch werden die schönen Erinnerungen überwiegen. Mit zwei herbstlichen Eindrücken sage ich: »Auf Wiedersehen, Würzburg!«.

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