Schicksalsfragen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 139 von Kai Hirdt

Auch wenn mir einiges an der Handlung des Romans missfällt, so versteht der Autor es doch, mich mit seinen lebhaften Beschreibungen zu unterhalten.

Besonders Rhodan ist überraschend emotional charakterisiert. Endlich darf der Sofortumschalter auch einmal laut werden und sich seinen Frust von der Seele reden. Es wird ihm aber auch übel mitgespielt. So entscheidet er sich gegen das Wohl von Millionen von Bhrento und für die Liduuri. Nicht jedoch ohne zuvor eine Rückversicherung abzuschließen. Doch die Rekalibrierung wirkt sich nicht sofort auf die Bhrento aus und die fühlen sich verständlicherweise, von den in Position gebrachten Beibooten bedroht. Rhodans Idee seine Mannschaft zum Schutz gegen auftretende Probleme bei der Rekalibrierung loszuschicken, geht nach hinten los und zählt ganz sicher nicht zu den intelligentesten Ideen des Protektors. Er verschlimmert die Lage dadurch noch und 26 Bhrento sterben. Aber auch seine Rückversicherung und Hoffnung für das Wiederbeleben der Bhrento-Kultur – die Kya von Zayabi-Dasi – fällt trotz Schutzmaßnahmen der Rekalibrierung zum Opfer. An dieser Stelle hätte sich Rhodan vielleicht lieber Rat bei Avandrina geholt, anstatt bei Leyden. Überhaupt hätte er die Liduuri zwingen müssen, sich stärker zu engagieren. Schließlich hat sie ihn in die missliche Lage gebracht eine Entscheidung über Leben und Tod zu treffen.

Nach der erfolgreichen Wiederherstellung des Hyperschwalls fliegen sie endlich Achantur an. Doch Avandrina will zunächst allein in das System hinter dem Hyperschwall reißen. Dass sie Leydens Team und den Kater mitnimmt, soll keiner erfahren. Das konnte ich an dieser Stelle kaum glauben. Es muss an Bord der LESLIE POUNDER da doch auffallen, wenn die vier Wissenschaftler fehlen.
Auf Achantur bietet die Liduuri Leyden und seinen Kollegen inklusive Hermes eine Zelldusche an, die die Gruppe nach einiger Diskussion annimmt. Avandrina begründet es damit, dass die Liduuri die Wissenschaftler noch brauchen werden. Das legt nahe, dass sie Kenntnis von der Zukunft haben muss.
Nebenbei bemerkt: um wie viel verlängert sich eigentlich das Leben des Katers? Der Alterungsprozess eines Menschen wird um 33 Jahre (ca. ein Drittel der Lebensspanne) angehalten. Katzen können in Ausnahmefällen circa 20 Jahre alt werden. Verlängert sich Hermes‘ Leben nun um sieben Jahre oder 33 wie bei den Menschen?

Zurück zu Rhodan. Avandrina bittet ihn nach Achantur zu kommen. Er verlangt, Begleiter mitzunehmen, was sie ihm widerwillig gestattet. Auf Achantur dann der Schock: der Planet ist so gut wie entvölkert. Nur etwa 1000 Liduuri haben den gestörten Hyperschwall überlebt. Darunter auch Avandrinas Vater, den Rhodan bereits in der Vergangenheit getroffen hat. Als der Protektor endlich die Hilfe für die Terraner einfordert, lehnt die Präsidentin der Liduuri ab, die niemand anderer als Avandrina selbst ist. Die 1000 Überlebenden sind zu wertvoll, um sie im Kampf für die Menschheit zu gefährden. Dafür bietet sie Rhodan an, zwölf Menschen seiner Wahl eine Zelldusche zu verabreichen. Die nächste unsägliche Entscheidung, die dem Protektor aufgedrängt wird. Da kann man wirklich Mitleid bekommen. Die Menschen helfen den Liduuri, vernichten dabei eine ganze Zivilisation und bekommen dafür nur ein einziges Wasserschiff und Avandrina selbst als Hilfe gegen die Sitarakh. Perry Rhodan behält sich vor, die Entscheidung über die Zellduschen erst nach der Befreiung des Solsystems zu treffen.

Die LESLIE POUNDER und das Wasserschiff treten den Rückflug zur Erde an. An der letzten Relaisstation nehmen sie Informationen der terranischen Flotte entgegen, die sie über die Lage im Sonnensystem informiert. An dieser Stelle dachte ich mir: Kein Wunder, dass die Invasioren Schlange stehen. Während sich die Arkoniden ruhig verhalten, posaunen die Terraner taktische Lageinformationen in die Galaxis hinaus. Hier hätte der Autor mehr ins Detail gehen müssen, als nur zu schreiben, dass eine »Nachricht hinterlegt« wurde. Überhaupt kommen solche technischen Details bei Kai Hirdt oftmals zu kurz. Vielleicht sollte er sich von Rainer Schorm beraten lassen, der es vorzüglich versteht, die zugrunde liegende Technik einigermaßen stimmig zu erklären.

Im Sonnensystem erlebt Imperator Crest mit seiner 20.000 Schiffen starken Flotte eine Überraschung. Die Sitarakh vernichten 2000 arkonidische Raumer ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. Selbst als der verrückte Imperator eine Arkonbombe auf der Erde abwerfen will, können die Besatzer das verhindern. Die arkonidische Flotte zieht sich zurück. Es ist erstaunlich, wie unbekümmert die Sitarakh handeln, wenn sie die Flotten der Terraner und Arkoniden weitestgehend in Ruhe lassen. Und auch wie überlegen sie gegenüber den Arkoniden sind. Während es den Menschen gelang die Schirme der Sitarakh mit Dragonflys zu knacken, beißen sich gut ausgerüstete Raumschiffe der Arkoniden die Zähne aus. Auch hier hätte ich mir detaillierte Erklärungen zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit gewünscht.

Crest fliegt, nur von den Terranern entdeckt, mit einer Leka-Disk auf die Oberfläche. Dort kämpft Josue Moncadas (Monk) mit seinem geistigen Untermieter Sid González um die Vorherrschaft über seinen Körper. In Moncadas erwacht, angesichts der apokalyptischen Zustände, das längst vergessengeglaubte christliche Empfinden und er will unbedingt die überlebende Menschheit mobilisieren, um mit ihm gegen »Satan« zu kämpfen. Trotz der Bibelzitate wird der Wandel der Figur meiner Meinung nach nicht ausreichend bebildert. So dass ich mich als Leser immer fragte: was hat ihn dazu bewogen? Außerdem glaube ich nicht, dass noch viele Terraner in der Lage wären, seinem Ruf zu folgen, da die meisten ohnehin schon gestorben sind. Auch das Sid seine Teleportations-Künste wiederentdeckt und Monk anhand von Erinnerungen an Sue wieder zur Vernunft bringt, ist ähnlich schwer zu fassen. Hier hätte deutlich mehr Figurenarbeit geleistet werden müssen. Ich bin mir auch noch nicht sicher, was die Autoren mit dem Sid/Monk-Charakter bezwecken. Wahrscheinlich brauchen sie nur wieder einen Teleporter.

Julian Tifflor, Sue Miraflore, Betty Touffry und Tuire Sitareh gehen mit einer Space-Jet auf die Suche nach Crest. Sie stöbern ihn im Lakeside Institut auf, wo er gerade die Fernbedienung der Bujun an sich bringt. Er kam in den Besitz des »Tabernakel von Solt«, mit dem man ja bekanntlich, die von den Liduuri auf der Erde deponierte Bujun zünden kann. Auch hier stellen sich mir Fragen. Woher wusste Crest, wo das Tabernakel aufbewahrt wird? Und warum ist er so haßerfüllt, dass er die Erde unbedingt vernichten will? Als Antagonist wirkt Crest sehr eindimensional, beinahe schon klischeehaft überzogen dargestellt.

Fazit: Mit »Schicksalswaage« legt Kai Hirdt erneut einen soliden Roman vor, der von der Lebhaftigkeit seiner Figuren lebt. Die Zyklushandlung strebt ihrem großen Finale zu und man kann sich in etwa ausmalen, wie alles enden wird. Zumal man weiß, dass die Serie mit der Staffel »Meteora« in die nächste Runden gehen wird.

NEO im nervigen Alltag

Das hatte ich mir anders vorgestellt. Nachdem ich mich auf Arbeit um gefühlt tausend Sachen gekümmert habe, warf ich kurz nach drei einen Blick auf den Bahnstatus im Internet und siehe da, mein EC fiel schon wieder aus. Das hieß zehn Minuten früher (15:10 Uhr) losgehen, wenn ich nicht erst um Sechs zu Hause sein wollte.

Ich nahm also den Meridian und kam bis hinter Trudering. Dann blieb der Zug wegen einer Weichenstörung mit Stromausfall liegen, nach einer halben Stunde setzte der Zug dann zurück und wechselte in Trudering auf das S-Bahn Gleis. Da stand ich noch mal zehn Minuten, bis der Zugführer durch die zwei Zugteile durchgelaufen war und es wieder weitergehen konnte. Das hieß vierzig Minuten später in Rosenheim. Die fadenscheinige Druchsage, dass man doch in den EC umsteigen könne, ignorierten die meisten, da keiner wusste, wann der fuhr und ob er den Meridian überholen würde. Keiner wartet bei dieser Kälte freiwillig längere Zeit auf dem Bahnsteig. Ich blieb also sitzen. Großer Fehler, denn der Meridian fuhr bis zur nächsten Station und blieb dann stehen. In den zwanzig Minuten, die der Zug dort wartete, huschte erst der EC und dann noch der Railjet vorbei.

Witzig fand ich hingegen das Zugpersonal, das sich allenthalben entschuldigte. Sie könnten ja nichts dazu, weil für die Strecke die Deutsche Bahn zuständig ist.

Gegen halb sieben kam ich endlich zu Hause an, hungrig und total genervt. Wird Zeit, dass ich diesen Unsinn endlich beende. Den Stress hält kein Mensch auf Dauer aus.

Zumindest konnte ich die Zeit im Zug sinnvoll nutzen und habe den NEO von Kai Hirdt zu Ende gelesen und auch noch rezensiert. Für solche Fälle habe ich immer mein Notizbuch dabei. Hoffentlich kann ich meine krakelige Schrift morgen auch noch entziffern.

Frustbewältigung und Fingerübung

Auf der Bahnfahrt am Donnerstagabend wollte ich eigentlich an meinem Geheimprojekt arbeiten. Aber ich habe seit ein paar Wochen so eine fixe Idee im Kopf, die mich nicht mehr losgelassen hat.

Ausgelöst durch den Dauerfrust beim Lesen meiner Lieblingsserie PERRY RHODAN NEO, musste ich irgendetwas dazu schreiben. Mir fiel ein, dass, wenn man schon so viele Menschen sterben lässt, man am Ende auch konsequent sein müsste. Deshalb schrieb ich ein fiktives Ende zur aktuellen Staffel und habe es ins PERRY RHODAN-Forum gestellt. Leider ist die Textformatierung dort nur rudimentär möglich. Somit präsentiere ich den Text auch noch mal an dieser Stelle.

Der Text diente auch als kleine Fingerübung. Da ich immer noch das große Problem habe, beim Schreiben zu viele Adjektive zu verwenden. Ziel der Übung war also mit so wenig Adjektiven und Adverbien auszukommen wie möglich. Das ist echt nicht einfach.

Spoiler NEO Band 1xx

Perry Rhodan verließ die Schleuse der Space Jet mit banger Erwartung. Die Stille, die ihn empfing, war so laut, dass es ihm in den Ohren schmerzte. Heißer Wind wirbelte eine Staubwolke auf, die ihm die Sicht nahm. Die Luft brannte in der Nase. Der Geruch erinnerte ihn an die Kammer in der High-School, in der die Chemikalien für den Chemieunterricht aufbewahrt wurden. Er hustete, während er sich vorantastete. Steinchen knirschten unter seinen Stiefeln, als er sich von der Jet entfernte. Nach und nach senkte sich der Staub und gab den Blick auf die trostloseste Landschaft frei, die er je gesehen hatte.
Nein! Das konnte, das durfte einfach nicht sein.
Terrania! Das Fanal der Zukunft, der Ort an dem die Menschheit zusammenwachsen sollte, war nur noch ein Trümmerfeld … nein, es war nicht einmal mal mehr das. Es war nur noch eine Ebene aus Geröll und Schutt. Kein Stein war auf dem anderen geblieben. Mit welcher Gewalt musste der Sturm gewütet haben, dass er die Stadt bis auf die Grundmauern geschleift hatte?
Er blickte nach oben. Das Gelb des Himmels erinnerte ihn an eine Giftbrühe. Das Sonnenlicht brach sich nur schwer den Weg durch die tiefhängenden Wolkenschichten.
Die Sonne, indirekt hatte sie Milliarden Menschen den Tod gebracht. Eigentlich waren die Sitarakh daran schuld, weil sie das Sonnenchasma angezapft hatten, um Halatium zu schürfen.
Das hätte nie geschehen dürfen. Ich hätte bleiben und es verhindern müssen, doch stattdessen …
Rhodan ging noch ein paar Schritte und sank dann auf die Knie. Sie waren zu spät gekommen. Die Modifikatoren der Sitarakh hatten die Erde verwüstet. Zuvor war ein Teil der Bevölkerung einen grausamen Tod durch Schlafentzug gestorben. Der Rest wurden von den Stürmen und Flutwellen dahingerafft und selbst die Solare Flotte, hatte sich nicht retten konnten. In einem Akt der Verzweiflung hatte Julian Tifflor versucht, Überlebende von Terra zu retten. Doch die Sitarakh schossen die Raumschiffe der Terraner eines nach dem anderen ab, bis es auch hier keine Überlebenden mehr gab.
Als die LESLIE POUNDER ins Sonnensystem zurückkehrte, fand sie kein menschliches Leben mehr vor. Selbst den Mars hatten die Fremden in eine Staubkugel ohne Atmosphäre verwandelt.
Der Anblick der Erde hatte Perry Rhodan das Herz gebrochen. Er war in eine Space Jet gestiegen, um sich Masmer Tronhk auszuliefern, nur damit die Sitarakh das Flaggschiff der Solaren Flotte ziehen ließen. Doch die Bestie dachte gar nicht daran. Im Gegenteil, die LESLIE POUNDER mit Rhodans Familie an Bord wurden von den Schiffen der Sitarakh unter Beschuss genommen.
Gucky teleportierte auf die Erdoberfläche zu Tronkh, um die Bestie mittels seiner telekinetischen Fähigkeiten aufzuhalten. Doch er schaffte es nicht. Es war Conrad Deringhouse, dem es gelang, Masmer Tronkh ein für alle Mal zu erledigen. Dafür opferte er das Flaggschiff, in dem er das Wrack in die Atmosphäre steuerte und es auf die Bestie stürzen ließ. Masmer Tronkh wurden unter Millionen Tonnen Stahl begraben. Ein Grab dem er nie wieder entkommen würde. Die Menschen hatten alles geopfert, damit die Bestie keiner Lebensform in der Milchstraße mehr Schaden zufügen konnte.
Jetzt war nur noch er übrig – Perry Rhodan, der letzte Mensch auf Erden. Er hatte alles verloren: Freunde, Familie, sein Volk und seine Heimat.
Das Antlitz der Erde war für immer verändert. Niemals wieder würde man vom Blauen Planeten sprechen. Die Atmosphäre und die Oberfläche bargen keinerlei Leben mehr, die Ozeane waren verdampft. Das Paradies hatte sich in die Hölle verwandelt.
Und es war seine Schuld … alles war seine Schuld.
Perry Rhodan schluckte. Er spürte Feuchtigkeit auf seinen Wangen. Nun war er der Letzte seiner Art und es fühlte sich schlimmer an als der Tod.
Wie konnte er mit einer solchen Schuld leben? Und überhaupt, wo sollte er hin? An welchem Ort der Galaxis würden ihn die Bilder des zerstörten Terrania nicht einholen? Er ahnte, dass er nirgendwo Ruhe finden konnte.
Seine Hand glitt durch den Sand. Er nahm ein wenig davon auf und ließ ihn durch die Finger rieseln. Asche zu Asche, Staub zu Staub – eine Zivilisation vernichtet und das Universum nahm keine Notiz davon.
Wieso hatte er geglaubt, dass die Liduuri ihn unterstützen würden? Ein Volk, das durch ihre eigenen Fehler dahin gerafft wurde. Er hatte nur Zeit verloren bei der Rekalibrierung der Weißen Welten, aber nichts gewonnen. Avandrina hatte ihn die ganze Zeit belogen. Die Liduuri waren nicht in der Lage die Menschen zu retten, sie waren ja nicht mal in der Lage, sich selbst zu retten. Wie hatte er nur so blind sein können? Wieso hatte er das nicht von Anfang an erkannt? So wie Atlan, der jetzt in den Trümmern der LESLIE POUNDER ruhte, zusammen mit Theta, den Offizieren und allen Mutanten. In der Zeit hätten sie die Sitarakh bekämpfen und die Erde womöglich retten können.
Die Wenigsten hatten verstanden, warum er den Liduuri den Vorzug gab und nicht an sich selbst und sein Volk dachte. Nun war ihm seine Selbstlosigkeit zum Verhängnis geworden.
»Nein!«, brüllte er in die Hitze, doch sein Ruf verhallte ungehört.
Seine Nase tropfte. Er wischte mit der Hand übers Gesicht und betrachtete den Streifen aus Blut auf seinem Handrücken. Die Atmosphäre verätzte seine Schleimhäute.
Er lachte. Er hätte den Helm schließen sollen. Doch wozu eigentlich? Alles war sinnlos geworden. Erneut entrang sich ein Lachen seiner Kehle.
Wie lächerlich diese Situation doch war. Er kniete auf der Oberfläche des Planeten, den er zerstört hatte. Jetzt begriff er, warum Callibso vor Jahren verhindern wollte, dass er zum Mond flog und somit keinen Kontakt zu den Arkoniden aufnehmen konnte. Hätte der Puppenspieler es doch nur geschafft, ihn aufzuhalten. Dann wäre die Erde zwar kein friedlicher Ort, mit perfekten Menschen, aber wenigstens wären diese Menschen noch am Leben. All jene die ihm vertraut hatten.
Seine Finger tasteten zum Gürtel, fanden das Objekt seiner Begierde und holten es hervor. Einen Augenblick wog er es in der Hand, gestattete sich einen Gedanken an seine Familie, die ebenfalls den Tod gefunden hatte, an Thomas und Natalie und an Thora, die Frau, die er über alles liebte.
Lächelnd hob er den Arm. Alles würde gut werden, bald.
Der Wind schickte Staubteufel über die Wüste. Die Wirbel tanzten schwerelos zwischen den Steinen. Das sah hübsch aus. Er blinzelte. Selbst die Hölle schien Sinn für Schönheit zu haben.
Sinn!
Plötzlich ergab alles einen Sinn und Perry Rhodan drückte ab …

*

»Och, Menno!«
»Verloren, verloren!« ANDROS warf die Figur auf dem Spieltisch um.
»Das war unfair. Solch eine Invasion konnten die Menschen nicht überleben.« ES fuhr sich durch das lange blonde Haar. »Du bist ein rücksichtsloser Bastard.«
ANDROS lehnte ich selbstzufrieden zurück. »Wo steht geschrieben, dass wir nachsichtig sind.«
»Mistkerl!« Sie verschränkte die Hände vor der Brust.
»Ach komm, wir spielen dieses Spiel schon eine Ewigkeit. Mal gewinnst du, mal ich.«
ES stieß wütend den Atem aus. »Musste es ausgerechnet dieses Universum sein, in dem du die Menschen auslöscht?«
»Dieses Universum oder ein anderes, was spielt das für eine Rolle. Im Grunde unterscheiden sie sich nicht sehr voneinander. Außerdem können wir jederzeit ein neues Universum machen.« ANDROS vollzog eine Geste, die sein Interesse an einer körperlichen Vereinigung ausdrückte.
»Das machst du immer so. Erst lässt du mich verlieren, um dann mit mir ins Bett zu hüpfen.«
»Und du gehst jedes Mal darauf ein.«
Sie schürzte die Lippen und sah beleidigt zur Seite.
ANDROS lachte. »Und schon hab ich dich!«
ES fuhr herum.
»Den Blick kenn ich.« Er griff nach ihrer Hand. »Komm schon!«
»Na gut, lass uns ein neues Universum machen!« Sie verzog die Lippen zu einem Lächeln, ergriff seine Hand und setzte sich auf seinen Schoß. »Vielleicht gibt es dort wieder einen Perry Rhodan.«
Seufzend schüttelte ANDROS den Kopf. »Ich frage mich, was du an dem Kerl findest. Nur weil er der Star im Universum von Onkel Thez ist, musst du ihn auch haben.«
»Er ist besonders!«, verteidigte ES.
ANDROS küsste sie auf die Wange. »Wenn du mich fragst, ich finde den Maddrax Typen viel cooler.«
Sie umfasste sein Gesicht mit beiden Händen. »Ich will aber einen Perry Rhodan. Also streng dich gefälligst an.« Dann steckte sie ihm die Zunge in den Mund.

Mehr als nur Weiße Welten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 138 – »Die Weißen Welten« von Oliver Plaschka

Wie aus einem durchschnittlichen Drehbuch mittels eines guten Regisseurs ein großartiger Film werden kann, so macht auch Oliver Plaschka aus der suboptimalen Zyklushandlung einen perfekten Roman.

Er bindet den Leser emotional in die Handlung ein, wie es nur wenige NEO-Autoren können. Bei all dem Leid, was in den letzten Romanen beschrieben wurde, war es Oliver Plaschkas Schilderung von Leyles Schicksal, die mich zum ersten Mal in dieser Staffel tatsächlich zu Tränen gerührt hat. Ich litt mit der Ara, nicht weil, mich der Autor mit Bildern von toten oder leidenden Menschen und einer zerstörten Erde konfrontiert hat, sondern weil er mir einen Weg in die Gefühlswelt der Ara geebnet hat. Das berührte mich viel tiefer als alle Zerstörung aus der vergangenen Handlung.

Ebenso plastisch erzählt er von Zayabi-Dasi und der Geschichte der Bhrento. Das hat fast schon epischen Charakter und trägt viel dazu bei, dass ich Rhodans Dilemma nachvollziehen kann. Und auch den Protektor selbst, charakterisiert er durch die vielen Gespräche weit besser und tiefer, als es andere NEO-Autoren schaffen. (Rüdiger Schäfer mal ausgenommen.)

Aber es sind vor allem die sprachliche Ausgefallenheiten, die den Roman für mich so besonders machen sowie die kleinen Nebenhandlungen, die nur allzu menschliches offenbaren. Man spürt das Herzblut, das der Autor in seine Sätze gesteckt hat beinahe an jeder Silbe. Da ist alles durchdacht, bis auf … Ja, bis auf jenen plumpen Logikfehler aus dem Exposé, der bereits in Band 137 zu Kopfschütteln meinerseits geführt hat. Auch in Band 138 heißt es: »… nach wie vor saugten sie (Sitarakh) in großen Mengen das aus dem Sonnenchasma austretende Halatium ab … Dass der ausbleibende Halatiumzustrom das fragile bioelektrische Gleichgewicht der Erdbewohner zerstört hatte und die Menschheit aufgrund des Cortico-Syndroms am Abgrund stand, war den Invasoren egal.« Wenn es so wäre, könnten die Menschen nur im Sonnensystem existieren, und es müsste ihnen schon bei früheren Raumflügen aufgefallen sein.
Das ist aber auch das einzige, dass ich bemängeln kann und dies ist nicht einmal dem Autor zuzuschreiben, sondern ausschließlich den Expokraten.

Fazit: »Die Weißen Welten« ist intelligente Science Fiction auf sehr hohem Niveau. Hier stehen endlich wieder Abenteuer und Anspruch im Vordergrund und keine sinnlose Zerstörung der puren Action wegen. Gemeinsam mit Band 133 »Raumzeit-Rochade« von Michael H. Buchholz gehört der Roman zu meinen Highlights der Staffel »Meister der Sonne«, für deren Handlung ich mich bisher nicht sonderlich erwärmen konnte. Zumindest versöhnt mich der Autor für vieles Negative aus den vergangenen Bänden. Und wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, dann wünschte ich mir mehr NEO-Romane aus der Feder von Oliver Plaschka.

Komplexes NEO-Debüt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 137 – »Schlacht um die Sonne« von Arno Endler

Arno Endler traf ich 2015 auf einem Schreibseminar in Wolfenbüttel. Sein eingereichter Romanauszug ist mir aufgrund seiner Lebhaftigkeit bis heute in Erinnerung geblieben. Daher freute ich mich, als ich seinen Namen in der Vorankündigung las und habe deshalb auch seinen Beitrag für PERRY RHODAN NEO relativ zeitnah gelesen.

Der Roman gliedert sich in nicht weniger als vier oder fünf Handlungsebenen, was die Zusammenfassung der Handlung extrem schwierig macht und ich an dieser Stelle darauf verzichten möchte. Eine Menge Informationen erwarten den Leser in der Haupthandlung. So wird endlich das Geheimnis um Tuire Sitarehs Namen und seinen Auftrag gelüftet. Er wird von den Sitarahk gefangen und zur Sonne gebracht, weil der zweite Arbiter mehr über Tuires Aura erfahren will. Beim Anblick des Sonnenspalts hat Tuire Sitareh einen Erinnerungsschub. Er – der Sternenschließer – wurde von ES geschickt. Im gleichen Atemzug erfährt man auch, was die Sitarakh von der Sonne wollen. Sie ernten das Halatium (hieß das nicht mal Halaton) bzw. den Taalstaub, der durch den Spalt dringt.
Wissenschaftler an Bord der TERRANIA finden heraus, dass der Mangel an Halatium für das Cortico-Syndrom verantwortlich ist, da beim Auftreffen des Halatium auf die Erdatmosphäre eine Strahlung entsteht, die für die Menschen lebensnotwendig ist, weil sie sich im Laufe der Evolution daran gewöhnt haben. Diese Strahlung fehlt nun, weil das Halatium von den Sitarakh »abgeerntet« wird. (Positiver Nebeneffekt, der Taalstaub verschwindet und die Sky-Eyes arbeiten wieder.)
Diese Idee scheint mir von den Exposéautoren nicht wirklich bis zum Ende durchdacht, bedeutet es doch nichts anderes, als dass die Menschheit niemals Raumfahrt außerhalb ihres Sonnensystems betreiben könnte, denn in anderen Sternensystemen gibt es kein Halatium. Eigentlich dürften sich die Menschen nicht mal außerhalb der Erdatmosphäre aufhalten. Es erklärt auch nicht, warum die Schutzschirme der Raumschiffe vor dem Syndrom helfen. Schutzschirme halten Strahlung und anderes ab, aber sie können nichts herbeizaubern, was fehlt.

Um die Sitarakh von der Sonne wegzulocken, tüfteln die Taktiker der Terranischen Flotte ein Angriffsmanöver aus, das natürlich an der Überlegenheit des Gegners scheitert und außer großen Verlusten an Mensch und Material nichts einbringt. Die Schlacht hilft aber Tuire Sitareh den Sitarakh zu entkommen und sich an Bord der TERRANIA zu retten. Die Schlacht ist spannend beschrieben und erinnert ein bisschen an die Raumschlachten aus den STAR WARS Filmen. Letztendlich ist es aber eine Verzweiflungstat, ein letztes Aufbäumen der Menschheit. Denn inzwischen stehen auf der Erde weitere Modifikatoren vor der Fertigstellung und die Erdbevölkerung ist durch die Naturkatastrophen und das Cortico-Syndrom mindestens schon zu einem Drittel ausgelöscht.

Prof. Oxley, Whistler, Haggard und Leyle verteilen die Neurostreamdimmer und dringen dabei auch in den Stardust Tower ein, wo sie auf den wutschäumenden Masmer Tronkh treffen, der immerzu Rhodans Namen ruft. Das die Bestie nicht ganz dicht im Kopf ist, haben wir ja in den vergangenen Romanen bereits erfahren. Ich finde es nicht hilfreich, das jedes Mal aufs Neue zu erwähnen. Schon allein, weil mir der Antrieb des Antagonisten zu platt ist und in dieser Hinsicht kein gutes Licht auf die Leistung des Exposéteams wirft. Nein, da habe ich Vielschichtigeres erwartet.

Die Crew der LESLIE POUNDER ist weiterhin auf der Suche nach Hyperkristallen, dieses Mal auf der Eiswelt Uac. Zumindest scheint Rhodan schlauer geworden zu sein und lässt Dr. Leyden und sein Team ebenfalls mit einer Spacejet nach den Kristallen suchen. Ob es jedoch so klug war, die Wissenschaftler allein ohne militärische Unterstützung loszuschicken, weiß ich nicht, aber der Hyperphysiker hält sich sowieso nicht an Befehle. Nach kleineren Konfrontationen mit der Fauna des Eisplaneten und einer die Psyche beeinflussenden Strahlung entdecken die Wissenschaftler die Hyperkristalle und Leyden findet auch sofort den Grund für ihr Versagen. Erdbeben auf dem tektonisch instabilen Planeten geben Energie an die Hyperkristalle ab, die dadurch übersättigt werden und von innen heraus verbrennen, was sich in einer Änderung der Kristallfarbe und dem Zerfall des Kristallgitters äußert. Da die Kristalle für die lebenserhaltende Wirkung der Liduuri verantwortlich sind und durch den Zerfall immer weniger Strahlung abgeben, werden die Liduuri inklusive Avandrina in kürzester Zeit altern und sterben. An dieser Stelle habe ich meinen naturwissenschaftlichen Verstand in den Urlaub geschickt. Den Begriff Farbtemperatur in Zusammenhang mit der Farbe von Kristallen zu verwenden, ist gelinde gesagt fragwürdig, auch wenn sie Strahlung abgeben.
Kurz vor Schluss macht Leyden eine weitere wichtige Entdeckung. Die Energie der Erdbeben und der zerstörten Hyperkristalle verursachen Störungen im Hyperraum, die sich in einer Art EMP-Impuls entladen. Leyden kann noch eine Warnung an alle Spacejets und die LESLIE POUNDER und das Wasserschiff abgeben, da bringt der Impuls alle Spacejets zum Absturz.
Rhodan, Atlan, Rainbow und Schablonkski sowie Theta und Thora sind ebenfalls mit einer Spacejet auf Uac unterwegs. Als sie von der beeinflussenden Strahlung getroffen werden, gehen sich alle fast an die Gurgel. Konflikte brechen auf, die aber nach Einschalten des Schutzschirms schnell wieder abflauen, bei den Arkoniden aber im Gedächtnis bleiben werden.

Die beschriebenen Figuren wirken lebendig, auch wenn Dr. Leyden nicht so genial rüberkommt, wie bei Kai Hirdt und bis auf ein paar falsche Perspektivwechsel ist auch der Plot solide geschrieben.

Gut fand ich die Streiflichter, kleine kurze Erzählungen über Menschen, ihren Alltag und wie sie über Rhodan denken. Die Kapitel spielen zu unterschiedlichen Zeiten sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Was beim Lesen etwas irritiert, wenn man die Kapitelüberschriften nicht genau liest. Die Streiflichter sind an einigen Stellen mit der Haupthandlung verknüpft. Das fand ich beim ersten Mal überraschend, beim zweiten oder dritten Mal aber bereits vorhersehbar. Das nahm dem Plot an einigen Stellen die Spannung, weil man ja schon wusste, was mit der Figur passiert. Hervorheben möchte ich die Figur der Stephanie Brixton, die Punkrockerin ist ein kleines Geschenk des Autors an den PR-Chefredakteur. Die Szenen mit ihr enthalten viele kleine Anspielungen für Insider der Karlsruher Punkszene. Sehr nett, das hat mir gut gefallen. Leider überleben die wenigsten Protagonisten der Streiflichter ihren Auftritt im Roman.

Es ist auffällig, dass die Haupthandlung durch die dazwischen gestreuten Streiflichter in viele kleine Kapitel gegliedert ist, die aus Sicht unterschiedlicher Figuren erzählt werden. Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Autor damit einen Gefallen erwiesen hat, denn die Geschichte wirkt dadurch zerrissen. Auch das Ich-Präteritum für Figuren wie Belle McGraw, Thora oder Rhodan gleichermaßen zu verwenden, hat mich verwirrt, weil man sie eigentlich nur von Atlan kennt. Außerdem wechselt die Ich-Perspektive anfangs von Kapitel zu Kapitel, während andere Abschnitte in normaler Figurenperspektive geschrieben sind. Das ist gewöhnungsbedürftig, weil man oftmals nicht weiß, aus wessen Sicht man die Handlung gerade erlebt. Manches ist auch in auktorialer Perspektive geschrieben, zum Beispiel die Zerstörung von NYC durch die Flutwelle und liest sich dadurch distanziert und wie die Beschreibung eines Katastrophenfilms.

Auch mit der nichtlinearen Erzählweise des Romans hat sich der Autor mehr Arbeit geschaffen, als nötig gewesen wäre. Eine Geschichte nichtlinear zu erzählen, kann funktionieren, ist aber eine große Herausforderung, die viel Erfahrung und Können voraussetzt. Dinge, die ich Arno Endler nicht absprechen will, aber durch die vielen Informationen war der Plot schon kompliziert genug. Zusammen mit den vielen Charakteren sorgt er für die von mir wahrgenommene Zerrissenheit.

Fazit: Arno Endlers NEO-Debüt hat mir trotz aller Ungereimtheiten gut gefallen. Der Autor hat versucht innovative Ideen einzubringen, die leider nicht zur Gänze aufgehen. Hätte er sich beispielsweise auf eine Erzählperspektive und auf weniger Figuren beschränkt, hätte das dem Roman sicher gut getan. Aber anhand der Komplexität der Handlung sei dies einem Neuling verziehen. Ich bewundere seinen Mut sich einem Exposé zu stellen, dass man wegen seiner Komplexität normalerweise einem Rainer Schorm oder einem der beiden Exposéautoren anvertrauen würde.

Und jetzt noch etwas in eigener Sache. Wenn nicht die nächsten Romane von Oliver Plaschka, Kai Hirdt und Rüdiger Schäfer stammen würden, allesamt Autoren, deren Erzählstil ich sehr mag, wäre ich mit Band 137 bei NEO ausgestiegen. Mein Mann hat das schon längst getan. Ich weiß, das Science Fiction schon immer ein Kind seiner Zeit ist, aber, wenn ich etwas über Massensterben, Krieg und Vernichtung lesen wollte, dann schlage ich die Zeitung auf oder schalte den Fernseher ein. In einer zukunftslosen Zeit wie unserer Gegenwart ist es wichtiger den je, positive Visionen zu zeigen. Und ich kann meine wenige Freizeit sinnvoller nutzen, als der Vernichtung der Welt zuzusehen, zum Beispiel mit dem Schreiben eigener Geschichten. Das werde ich nach Band 140 definitiv auch tun.

Mutanten und andere Zwistigkeiten

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 136 – »Tod eines Mutanten« von Rainer Schorm

Ich gebe offen zu, dass ich die Lektüre dieses NEO-Romans vor mir hergeschoben habe. Nach den schlimmen Ereignissen aus den letzten Romanen, dem martialischen Titel und mit dem Wissen, dass mir Rainer Schorms Schreibstil nicht sonderlich liegt, kostete es mich einige Überwindung den Roman zur Hand zu nehmen. Nun habe ich es getan und habe den Eindruck, dass auch die Autoren nicht unbedingt Gefallen an der aktuellen Zyklushandlung haben. Nicht anders sind die Worte, die Rainer Schorm seinen Protagonisten in den Mund legt, zu verstehen. Da steckt viel Kritik zwischen den Zeilen, berechtigt wie ich finde und das macht mir den Roman gleich wieder sympathisch.

In vier Handlungssträngen führt der Autor die Handlung auf der Erde und in M15 weiter. Zwei Handlungsstränge haben Julian Tifflor im Fokus. In einem geht es um Daten, die das Hippokratische Protokoll von Dr. Brömmers aufzeichnet. Durch die Augen des Erkrankten erfahren Tifflor und der Leser, was der Kybernetiker sieht und denkt. Die kurzen Einschübe sind mitunter etwas verworren formuliert und wirken nach dem dritten Mal wie Füllmaterial. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, versuche ich gar nicht erst zu verstehen, wie ein Mensch mittels eines Funksignals über mehrere Relaisstationen auf das Gehirn eines anderen zugreifen kann. Die Technik wird an dieser Stelle nicht hinreichend erklärt. Das klingt wie technisch gestützte Telepathie und könnte eigentlich jeden zum Telepathen machen.

Spannender ist dagegen der zweite Handlungsstrang um Julian Tifflor. Nicht nur das er dabei ist, als die TERRANIA die Botschaft von Mirona Thetin entdeckt, nein er stürzt sich auch wieder in einen Einsatz auf der Erde, um eines der Bauwerke der Sitarakh zu zerstören. Das wäre jetzt der wievielte Versuch? Dieses Mal gelingt das Manöver, auch wenn dabei wieder viele Zufälle aus dem Hut gezaubert werden. Rainer Schorm gibt sich zumindest Mühe alles einigermaßen zu erklären, wobei auch hier immer wieder Kritik des Autors durchklingt. So stutzt Tifflor die stellvertretende Administratorin Cheng Chen Lu zurecht, als die mit ihm und den Mutanten in den Einsatz auf die Erde gehen will. Er lehnt es ab, sie mitzunehmen, da sie nur ein Hindernis wäre und sie als einzige einsatzfähige Regierungsangehörige auf der TERRANIA am sichersten ist. Ja! Genauso sehe ich das auch.
Gut fand ich die Beschreibungen von NYC. Man merkt, dass sich der Autor auskennt. Schorm weiß, wovon er schreibt und hält sich nicht mit blumigen Beschreibungen von dahinvegetierenden Menschen auf. Wobei ich immer noch nicht ganz begreife, wieso manche Terraner noch einigermaßen klar im Kopf sind, während sich andere schon im Delirium befinden oder tot sind. Dazu wäre es schön, wenn in den nächsten Romanen nähere Angaben gemacht würden.

Die Bestie Masmer Tronkh will also wirklich nur Rache an Perry Rhodan nehmen und zerstört dafür die Heimatwelt des Terraners. Das Motiv finde ich wahrlich etwas dünn und hätte mir mehr erhofft. Noch schlimmer finde ich aber, dass die Sitarakh offenbar nur ein Hilfsvolk sind, das Tronkh für seine Zwecke benutzt und sie sich von ihm widerstandslos herumkommandieren lassen. Warum sie dann jedoch Interesse daran haben, herauszufinden wieso das Halaton bei den Menschen Mutationen hervorruft, vermag ich nicht zu verstehen. Denn das steht im krassen Gegensatz zu ihrer Hörigkeit der Bestie gegenüber. Dafür ist mir aber eines verständlicher geworden: warum die Sitarakh die Menschen weiterhin ihren Geschäften nachgehen lassen, ohne sie groß zu behindern – selbst die Terranische Flotte kann sich scheinbar ungehindert im System bewegen – die Menschen sind ihnen egal. Außer die Sache mit den Mutationen sind sie für die Sitarakh uninteressant.

Der Handlungsstrang mit Tuire und Ishy bringt ebenfalls einige Neuigkeiten über die Sitarakh, wobei auch hier die Logik wieder im Argen liegt. Die Sitarakh können also entstofflicht im Hyperraum existieren. Da stellt sich die Frage, warum tummeln sie sich überhaupt in dieser Realität? Warum verlassen sie den Hyperraum, wenn das ihr angeborener Lebensraum ist? Das ganze erinnert mich ein wenig an Spezies 8472 aus STAR TREK-VOYAGER, mit dem Unterschied, dass diese wenigstens einen Grund hatten, weshalb sie ihre angestammte Umgebung (den fluiden Raum) verlassen haben – weil sie gestört wurden.  Auch hätte Tuire wissen müssen, dass die Sitarakh die Para-Energie der Mutanten anmessen können. Warum hat man sie nicht gleich ins Terrania Medical Center gebracht, sondern erst in die Fabrik? Das hätte Olf Stagge das Leben gerettet. Der ganze Handlungsstrang macht auf mich einen sehr konstruierten Eindruck.

Kommen wir zur Handlung in M15. Das beste daran ist, dass alles aus Atlans Perspektive im bekannten Ich-Präteritum erzählt wird, inklusive der Auseinandersetzungen mit dem Extrasinn. Zumindest hier fühlt sich der Perryfan heimisch. Die Handlung ähnelte der von Band 134 wobei Rainer Schorm mit den Zwistigkeiten zwischen den Protagonisten ein wenig übertreibt. Das ist stellenweise wie eine Schlacht mit Worten und untergräbt zuweilen die Ernsthaftigkeit der Handlung.
Die Sache mit den Würmern und den Geoden in denen die Wurmbabys sitzen, hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. STAR TREK lässt grüßen. Da »rettet Horta ihre Kinder« im wahrsten Sinne des Wortes. Es fehlte nur noch das »Schmerz!«, welches Spock bei Kontakt mit der Kreatur ausgerufen hat.
Atlan gehen dagegen ganz andere Dinge durch den Kopf. Und auch hier wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Autor an den Exposéautoren offene Kritik übt. »Dass ich mit Rhodans Entscheidungen in zunehmenden Maße nicht mehr einverstanden war, erwähnte ich nicht … Aber die Flucht vor den Sitarakh war mir ein Dorn im Auge … Dass er nun, anstatt nach Arkon zu fliehen, Avandrinas Anliegen vorzog, nahm ich ihm unverändert persönlich übel.« Dem kann ihm nur zustimmen. Ich hielt es von Anfang an nicht richtig, dass sich Rhodan aus dem Staub gemacht hat. Wenn da mal nicht der Autor durch Atlan spricht.
Leyden und sein Team bekommen zwar Arbeit, stehen in diesem Roman aber eher im Hintergrund. Wobei ich in den vergangenen Romanen anscheinend nicht mitbekommen habe, dass die Spannungen zwischen Abha und Luan so zugenommen haben, dass sie jetzt schon nicht mehr miteinander reden.

Fazit: Keine Frage »Tod eines Mutanten« ist spannend geschrieben. Rainer Schorm vermag qualitativ zu überzeugen. Er bemühte sich mit eher zweitklassigen Ideen dem Roman Leben einzuhauchen. Nur fühlte ich mich an manchen Stellen von dem technischen Vokabular erschlagen, dass der Autor sehr gut beherrscht und einzusetzen weiß. Der Humor in den vielen Streitgesprächen, die sich durch alle Handlungsebenen ziehen, ist oft sehr zynisch. Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor damit seinen Unmut bekunden wollte, oder es ein hilfloser Versuch ist, dem todernsten Thema des Zyklus‘ eine heitere Seite abzugewinnen.

Das Beste am ganzen Roman ist jedoch das Cover von Dirk Schulz. Von der Dynamik her ist es absolut stark.

 

Perry, Perry und nochmals Perry

In den letzten zwölf Monaten habe ich mich eigentlich mit nichts anderem beschäftigt, als mit PERRY RHODAN. Es ist ja schön, ein erfüllendes Hobby zu haben, aber manchmal möchte man auch mal etwas anderes sehen und hören und vor allem lesen. Die PERRY RHODAN-Redaktion hat den Lesern in diesem Jahr eine immense Fülle an Publikationen geboten, die ich fast schon ein bisschen erdrückend finde. Ich weiß, ich weiß, das Geschäftsleben ist hart vor allem im Buch- und Zeitschriftenhandel. Man muss präsent sein und publizieren was geht, um die Marke zu erhalten. Doch die Auswahl für die Leser, die möglichst alles von ihrer Lieblingsserie aufsaugen möchten, war in diesem Jahr besonders groß.

Neben der seit 1961 laufenden Erstauflage (EA), die heuer mit Band 2875 in einen neuen Zyklus startete, gibt es noch PERRY RHODAN NEO, der »Reboot« aus dem Jahr 2011. Zu 55 Jahren EA kommen also 5 Jahre NEO; das bedeutet nicht nur jede Woche einen neuen Heftroman, sondern zusätzlich alle vierzehn Tage ein NEO-Taschenheft mit dem doppelten Umfang wie ein Heftroman. Und um Lesern den Einstieg in die Serie zu erleichtern, bringt der Verlag regelmäßig abgeschlossene Miniserien in 12 Heften heraus. Anfang des Jahres startete auf diesem Weg »ARKON«, die Serie habe ich im Blog besprochen. Gleich darauf schloss sich ohne Pause »JUPITER« an, die Serie, die in dieser Woche ein Ende finden wird. Und als wäre das nicht genug, gab es im Oktober und November noch eine sechsteilige E-Book Serie mit dem Namen »TRIVID«. Vergessen wir nicht die Silberbände, die mehrmals im Jahr erscheinen und in denen frühere Romane der EA zusammengefasst und überarbeitet abgedruckt sind.

Ich weiß ja nicht, wie die PR-Redaktion in Rastatt das hinbekommt. Wahrscheinlich verfügen die Mitarbeiter über Mutanten-Fähigkeiten oder Geräte zur Zeitmanipulation. Ich lese momentan parallel zu NEO auch »JUPITER«, »TRIVID« und den Silberband »Lemuria«, was mich komplett vereinnahmt. Ich würde ja gern auch einzelne Romane der EA lesen, wie zum Beispiel die von Robert Corvus, aber das bekomme ich zeitlich einfach nicht auf die Reihe. Ich schaffe es ja nicht mal die »JUPITER«-Romane zu rezensieren, dabei gefallen mir die Hefte richtig gut.

Ich hoffe, dass man in der Redaktion den Lesern über den Jahreswechsel eine kleine Pause schenkt, man selbst durchatmet und die nächste Miniserie erst später in 2017 startet. Dann könnte ich endlich mein Lesedefizit aufholen und auch mal wieder etwas anderes lesen als über Perry und seine Freunde. Die STAR TREK »Prometheus«-Reihe von Christian Humberg und Bernd Perplies zum Beispiel. Wenn es schon STAR TREK aus Deutschland gibt, dann sollte man das als Fan auch gelesen haben.

»Durch die Wüste«

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 135 – »Fluch der Bestie« von Susan Schwartz

Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Band mit der Nummer 135 von Rüdiger Schäfer kommen würde, weil er in den vergangenen Staffeln immer die fünfer und nuller Romane geliefert hat. Anscheinend wurde das Muster in dieser Staffel durchbrochen. Der »Fluch der Bestie« kommt leider aus der Feder von Susan Schwartz. Ich sage leider, weil mich bereits ihr letzter NEO-Roman nicht so richtig vom Hocker reißen konnte. So werden auch hier meine Befürchtungen bestätigt. Dabei kann die Autorin zum Teil gar nichts dafür. Es ist im Grunde das Szenario um die Sitarakh, welches mich zunehmend stört. Und das Susan Schwartz nur die, von den Exposéautoren vorgegebene Staffelhandlung vorantreibt, deshalb kann man ihr keinen Vorwurf machen. Sie tut ihr Bestes und versucht den Leser in fremde – irdische – Welten zu entführen, kommt dabei aber nicht ohne Klischees aus. Der Weg von Julian Tifflors Gruppe durch die Rub al-Chali ist von den Fakten zwar interessant, für mich als Leser, der Science Fiction erwartet, aber irritierend. »Karl May trifft NEO« könnte man den Roman betiteln. Dabei riskieren die Mutanten und der Arzt ihr Leben, für nichts und wieder nichts. Dieses Hin und Her ist inzwischen ziemlich frustrierend. Die Invasoren sind übermächtig, ihre Ziele unklar und die Menschen sind ihnen absolut ausgeliefert. Dazu eine auf Rache sinnende Bestie. Worauf das hinausläuft, kann ich mir schon ausmalen. Da muss am Ende eine ziemlich große Deus ex machina Lösung her, um das wieder aufzulösen.

Der Handlungsstrang um Tuire und Ishy las sich dagegen wie ein Zombie-Film. Ich weiß nicht, wer sich da von »The Walking Death« inspirieren ließ, aber das ist eigentlich das Letzte, was ich in einem NEO-Roman lesen will. Für meinen Geschmack versuchen die Expokraten auch viel zu viel in NEO zu verwursteln. Neben ES und Anti-ES zaubern sie nun noch die Aphilie und Whistler aus dem Zylinder. Darunter ging’s wohl nicht?

Dieses Mal reicht das Rätselraten von Eric Leyden in der Handlung auf der LESLIE POUNDER (Bitte, gebt dem Schiff einen anderen Namen) nicht aus, um meinen Frust zu besänftigen. Guckys Einsatz wirkt bemüht und die Liduuri Avandrina erwacht gerade rechtzeitig, um ein paar Anhaltspunkte zu liefern, um dann wieder wegzudämmern. Es scheint, als haben sich die Expokraten in eine Sackgasse geschrieben, aus der sie nun nur noch mit Tricks wieder herauskommen. Ich habe wenig Hoffnung für die nächsten fünf Romane, dass sie das noch einigermaßen glaubhaft auflösen können.

Überhaupt, die Hoffnungslosigkeit und das permanente Sterben in den vergangenen Romanen, stört mich inzwischen massiv. Wenn das so weitergeht, überlege ich ernsthaft, ob ich aus der Serie aussteige. Wir werden täglich mit schlechten Nachrichten und Gewalt überschüttet. In Filmen und Serien folgt eine Dystopie der anderen. Dann will ich nicht auch noch in meiner Lieblingsserie lesen müssen, wie Millionen von einer Seuche dahingerafft werden oder in Sandstürmen und Tsunamis umkommen. (Wenn es ihnen um die Beseitigung der Menschheit ginge, hätten die Sitarakh auch sofort alles Platt machen können.) Wir brauchen positive Visionen, um gegen unsere hoffnungslose Realität anzukämpfen und keine weiteren Katastrophenszenarios, nur weil das gerade »IN« ist.

Der Reportagenhafte, treibende Stil der Autorin macht es nicht besser, dafür klingt es zu sehr nach früher EA. Es gibt sicher viele Fans, denen es gefällt, wenn die Handlung schnell vorangetrieben wird, mir fehlt dabei etwas. Ich vermisse den Bezug zu den Figuren, das Innehalten und Reflektieren über Empfindungen. Ich will nicht sagen, dass der Roman lieblos geschrieben ist, aber er packt mich einfach nicht. Die Sätze plätschern an mir vorbei und ich ertappte mich dabei, manche Passagen nur quergelesen zu haben.

Ich mach’s kurz. Ich bin zutiefst enttäuscht. Der Roman stellt einen neuen Tiefpunkt in der Serie dar, an dem Susan Schwartz nur bedingt Schuld ist. Das einzig Positive: ich weiß jetzt eine Menge über die Wüste und wie man ein Kamel (Dromedar) reitet.

NEO: zwischen Wildschweinen und Drachen

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 134 – »Das Cortico-Syndrom« von Madeleine Puljic und Kai Hirdt

Einen soliden Roman legen Kai Hirdt und Madeleine Puljic vor. Da ist alles drin, was man von einem NEO erwartet. Spannung, gut gezeichnete Figuren, ein paar wissenschaftliche Fakten, alles gewürzt mit einer Prise Humor ist »Das Cortico-Syndrom« leichtere Kost als sein Vorgänger. Die Handlung konzentriert sich einerseits auf die Erde, auf der das Team um Julian Tifflor versucht herauszufinden, warum die Menschen nicht schlafen können. Andererseits führt uns die Handlung auf die LESLIE POUNDER. Hier erleben wir Eric Leyden und seine Wissenschaftler beim Rätseln, was es mit den weißen Welten auf sich hat. Während Rhodan, Schablonski und Rainbow zusammen mit zwei Jungspunten auf Chay landen, um die Proben der Hyperkristalle zu bergen. Im dritten, sehr kurzen, Handlungsstrang können sich Tuire und Ishy gerade noch rechtzeitig aus ihrer prekären Lage im Orbit befreien. Die Aktion erinnerte ein bisschen an eine Mischung aus »Der Marsianer« und »Gravity« war aber gut gelöst. Nachdem die beiden mit dem Weltraumlift in Terrania gelandet waren, stellte ich mir die Frage, ob die Schlaflosigkeit auch an Bord der Orbitalstation herrscht.

Sie Handlung ist dicht, temporeich und homogen. Man merkt dem Roman nicht an, dass er von zwei Autoren geschrieben wurde. Wobei ich glaube, dass Kai den Leyden-Teil übernommen hat. Ein Satz wie: »… Sie fragte sich, ob das brillante Hirn des Hyperphysikers sich aufgehängt hatte und wie man ihn wohl im Zweifel rebooten konnte …« kann eigentlich nur von ihm kommen. Während ich die Handlung um Tifflor und Rainbow eher Madeleine Puljic zuordne. Wildschweine und Drachen, sind eben mal was Neues bei NEO, wobei ersteres sehr gut passt, hatte ich bei den Drachen so meine Schwierigkeiten. Wovon leben die auf einem brennenden Planeten, nur von Energie?

Die Staffelhandlung wurde auf jeden Fall vorangebracht. Man erfährt ein bisschen mehr über das Funktionieren der weißen Welten, wird im Falle der Ziele der Sitarakh aber immer noch im Dunkeln gelassen. Gut gefiel mir, dass ein paar irdische Theorien angebracht wurden. Bei dem Begriff »stimmloser palatarer Frikativ« stutzte ich, grinste dann breit und googelte. Das gibt’s tatsächlich, somit erhielt ich nebenbei noch eine Lehrstunde in Linguistik.

Das bei der Handlung auf der Erde immer wieder bekannte Orte eine Rolle spielen, die man auf dem ersten Blick nur schwer mit Science Fiction in Verbindung bringt – in diesem Fall Strasbourg – ist ebenfalls erfrischend. Auch wenn ich Julian Tifflor nicht verstehe, warum er die offensichtlich angeschlagene Politikerin weiterhin mit sich herumschleppt. Sie ist definitiv ein Klotz am Bein und hat in dem Fall die Mission und ihn selbst in Gefahr gebracht, ohne das sie für das Team nützlich wäre.

Der Roman ist nicht herausragend aber befriedigend. Schon allein wegen der Szenen mit dem Leyden-Team ist »Das Cortico-Syndrom« lesenswert! Für ihr NEO-Debüt hat Madeleine Puljic anständige Arbeit geleistet. Prima!

Temporale Winkelzüge

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 133 – »Raumzeit-Rochade« von Michael H. Buchholz

Genial! Anders kann ich den Roman des (Mit)Exposéautors nicht bezeichnen. Da war alles drin, was das Herz eines SF-Fans höher schlagen lässt: Zeitreisen, fremde Raumschiffe und Technologie, phantastische Welten, überlegene Entitäten und vielschichtige Protagonisten. Der Roman hat mir zwei Tage lang spannende Lesestunden beschert. Ich habe ihn extra über zwei Tage verteilt gelesen, damit ich länger etwas davon habe.

Ich gebe ja zu, dass ich nach dem letzten Band einige Befürchtungen hegte, was die Zukunft der Serie angeht. Da verlief vieles nicht so, wie ich mir das gewünscht oder vorgestellt hatte. Doch der Nachfolgeband hat mich komplett umgehauen. Wie aus einer anderen Welt ist die Handlung nicht nur spannend, sondern auch intelligent verstrickt. Mehrere Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen, da muss man erstmal den Überblick behalten. Überraschend das Auftreten eines Widersachers von ES (Anti-ES), aber auch die Vergangenheit von Tuire Sitareh birgt Bemerkenswertes. Dazu die Kapitel aus dem Wilden Westen, die sich wie eine Mischung aus »Billy the Kid« und »Die glorreichen Sieben« lesen. Hätte man mich vorher gefragt, ob eine Verbindung zweier so unterschiedlicher Genres funktioniert, hätte ich nur den Kopf geschüttelt. Aber Michael H. Buchholz hat nicht nur bewiesen, dass es funktioniert, sondern es auch brillant umgesetzt.

Auch wenn ich am Anfang meine liebe Not mit den verschiedenen Start- und Zielzeiten hatte, so bin ich dann doch gut mitgekommen, ohne mir einen Zeitstrang malen zu müssen. Es werden viele offenen Fragen aus den ersten beiden Staffel beantwortet. Vor allem lüftet der Autor das Geheimnis um die Szenen aus Band 116. Die Information zu den Zeitbrunnen, die als die »Alten Wege« bezeichnet werden, ließen mich hellhörig werden. Technologie, die aus einer Zeit vor den Liduuri stammt. Ich frage mich, ob das ein Hinweis auf die Cappins werden soll.

Was mich etwas erstaunte, ist die Tatsache, das Mirona Thetin den Menschen quasi die Informationen zur Entstehung des Sonnenchasmas einfach so überlassen hat. Da fragte ich mich zunächst nach ihren Motiven. Aber wahrscheinlich tut sie es nur, um ihre Heimat Liduur zu schützen, weniger wegen der Menschen. Man kann spekulieren, ob und wie diese Informationen in die Hände der Terraner gelangen werden. Und ob sie damit das Chasma schließen können. Keine Erklärung bekommen wir über die Hintergründe und die Verursacher des Sonnenchasmas, da spannen uns die Exposéautoren weiter auf die Folter.

Die Entstehung des Rico-Dublikats am Ende hat mir ein breites Lächeln aufs Gesicht gezaubert, weil die Idee doch sehr stark an STAR TREK-TOS (»Kirk : 2 = ?«) erinnerte. Nur das dieses Mal kein Transporter sondern ein Transmitter involviert war.

Obwohl Tuire diese Geschichte Ishy Matsu erzählt, finden sich im Roman viele Kapitel aus der Sicht anderer Protagonisten (Anathema di Cardelah/Mirona Thetin, Rico oder Billy Ray Dawson). Das hat mich anfangs verwirrt, weil Tuire ihre Geschichte gar nicht kennen kann. Aber das war der einzige Schwachpunkt in dem rundum gelungenen Roman.

Fazit: Ein furioser Roman mit Anspruch, der mich sehr gut unterhalten hat. Er beantwortet viele offene Fragen und gewährt gleichzeitig einen Blick in die Zukunft der NEO-Serie. Ich möchte nicht jede Woche einen solchen komplexen Roman lesen, aber ab und zu muss das einfach sein.
Ebenso gelungen ist das Titelbild von Dirk Schulz: Tuire und die Dinosaurier. Genial!

Noch eine kleine Beobachtung am Rand. Mindestens einer der Exposéautoren liest die »PM«. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mir manche wissenschaftliche Information irgendwie bekannt vorkommen, die in die Romane einfließen.  Das Bärtierchen (als Beschreibung für die Sitarahk genutzt) wurde zum Beispiel unlängst in einem PM-Artikel erwähnt.