Der olympische »Unter«flieger

Quelle: Amazon.de

Kennt noch jemand »Eddie the Eagle«, jenen englischen Skispringer der 1988 bei der Olympiade in Calgary das Herz des Publikums und den Unmut der Mit-Athleten auf sich zog?

Seit ich denken kann, gehörte Skispringen bei mir zuhause zum Pflichtprogramm im TV. Jedes Winterwochenende verfolgte ich mit meinen Eltern, wie sich junge Männer todesmutig von der Schanze stürzten, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kannte die Namen der Springer und fieberte mit, wenn Klaus Ostwald und Jens Weißflog sich mit den Besten aus Europa und der Welt maßen. Und deshalb erinnere ich mich auch gut an den jungen Mann mit Brille, der sich nach seinem Sprung bei Olympia wie ein König freute, obwohl er Letzter geworden war. Wie viel Michael Edwards damals tatsächlich riskierte, wurde mir erst bewußt, als wir vorgestern den Film über ihn sahen.

20 Jahre lang schlummerte seine Geschichte in Form eines Drehbuchs bei SONY-Pictures. Leider hat es in dieser Zeit keiner geschafft, das Material zu verwerten. Schließlich nahm sich Produzent Matthew Vaughn des Stoffes an und machte daraus einen wunderbaren Film, der bei allerlei witzigen Einlagen, eigentlich eine sehr ernste Geschichte erzählt.

Ein lahmer Junge aus England hat einen Traum. Er möchte unbedingt bei den Olympischen Spielen dabei sein. Doch seine Körper ist nicht für Leistungssport geschaffen. Als er wieder richtig gehen kann, packt ihn der Ehrgeiz und er probiert alle möglichen Sportarten aus. Am Ende landet er beim Skifahren. Doch als es soweit ist, dass der nationale Kader für die Spiele in Calgary zusammengestellt wird, geht Eddie leer aus. »Du wirst niemals an den olympischen Spielen teilnehmen.« Dieser Satz deprimiert ihn nicht, sondern bestärkt ihn in seinem Ehrgeiz und er entdeckt Skispringen für sich. Weil es keine englischen Skispringer und deshalb auch keine Trainer gibt, fährt er auf eigenen Faust nach Deutschland und stürzt sich dort ohne Vorbereitung von einer Schanze. Er versucht sich das Skispringen selbst beizubringen, doch das entpuppt sich als unmöglich. Nach vielen Tiefschlägen trifft er auf Bronson Peary. Der Amerikaner und ehemaliges Skisprungtalent ist dem Alkohol verfallen und möchte Eddie so schnell wie möglich loswerden. Doch bald merkt er, dass dies nur passieren wird, wenn Eddies Wunsch erfüllt ist. Und so beginnt er ihn zu trainieren. Beiden gelingt das Unfassbare: Eddie schafft die Qualifikation für Calgary. Doch dort wird er mit noch weit größeren Herausforderungen konfrontiert: dem Publikum und der Presse …

Sehr emotional und sehr realistisch zeigt der Film den Leidensweg eines Sportlers, der die olympische Idee »Dabeisein ist alles« hochhält und dem von allen Seiten Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Sehr schön charakterisiert sind auch Eddies Eltern. Auf der einen Seite die Mutter, die alles tut, um den Traum ihres Sohnes zu erfüllen und auf der anderen Seite der Vater, dem es lieber wäre, wenn Eddie zu ihm ins Maurergeschäft einsteigen würde. Neben Taron Egerton (Kingsman) als Michael Edwards und Hugh Jackman als Bronson Peary sind in weiteren Rollen Iris Berben als Bardame bewundern, die Eddie sofort in ihr Herz schließt und Christoper Walken als Pearys Ex-Trainer und Skisprung-Experte.

Unter welchen spektakulären Umständen die Filmaufnahmen von den Sprüngen entstanden, erfährt man in den Extras. Hier wird auch erklärt, warum im Film die Skispringer im V-Stil springen, obwohl der erst Mitte der Neunzigerjahre eingeführt wurde. Die Sicherheitsbestimmungen und das Material verbieten inzwischen Sprünge in der alten Parallel-Technik.

Der Film Eddie the Eagle – Alles ist möglich ist wieder ein Beispiel dafür, dass das Leben selbst, die schönsten Geschichten schreibt. Ein großartiger Film, der nicht nur für Freunde des Skispringens geeignet ist, sondern für alle, die sich für die Lebensgeschichte eines mutigen Menschen interessieren.

Toni Erdmann

Quelle: Kino.de

Weil nichts anderes im Fernsehen war, und wir einen Gutschein für das »Video on Demand« der Telekom hatten, beschlossen wir spontan uns einen Film auszuleihen. Unsere Wahl fiel auf Toni Erdmann. Jenen Film, der sowohl bei den Golden Globe als auch bei den Oscars auf der Nominiertenliste stand und jede Menge Filmpreise abgeräumt hat.

In dem, mit 155 Minuten, sehr langen Film geht es um eine schwierige Vater-Tochter Beziehung. Ines Conradi ist eine knallharte Karrierefrau, die versucht, sich als Unternehmensberaterin in einer Männerwelt durchzusetzen und dabei so hart geworden ist, dass sie kaum noch eine menschliche Regung zeigt. Winfried Conradi ist pensionierter Musiklehrer, ein Altachtundsechziger, mit einem speziellen Sinn für Scherze. Er ist geschieden, lebt mit seinem Hund allein und kümmert sich um seine pflegebedürftige Mutter. Nach dem Tod des Hundes sucht Winfried die Nähe seiner Tochter und reist ohne Ankündigung zu ihr. Sie arbeitet gerade in Bukarest an einem Outsourcing-Projekt ihres Arbeitgebers, bei dem Hunderte von Arbeitsplätzen einer Ölfirma auf dem Spiel stehen.
Natürlich ist Ines nicht begeistert, als plötzlich ihr Vater auftaucht und sich in ihr nichtvorhandenes Privatleben mischt. Vor allem wegen seiner seltsamen Scherze geraten sie aneinander. Als er nach wenigen Tagen abreist, glaubt sie sich in Sicherheit. Doch dann taucht Toni Erdmann auf, ein aufschneiderischer alter Krösus, der mit seiner unverblümten Art überall aneckt. Hinter dem Mann mit der schlecht sitzender Perücke und den falschen Zähnen steckt niemand anderer als ihr Vater Winfried. Er tritt noch bissiger und couragierter auf als zuvor und bringt seine Tochter mehr und mehr vor den Kollegen und Freunden in Verlegenheit. Dabei verfolgt er nur ein Ziel, in seiner Tochter die Menschlichkeit zu wecken …

Der Film lässt dem Zuschauer viel Zeit zum nachdenken. Die Szenen sind gedehnt und manchmal passiert minutenlang nichts. Andreas Eschbach würde sagen, der Film handelt so vor sich hin. Die Handlung bewegt sich nur langsam voran, und wirkt wegen ihrer Realitätsnähe manchmal wie eine Dokumentation. Es gibt wenig Aktion, und selbst die wirkt behäbig. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass etwas passiert. Doch das Eigentliche geschieht langsam und so unmerklich, dass man es erst begreift, wenn der Film vorbei ist. Wobei mich das plötzliche Ende dann doch etwas unbefriedigt zurücklässt.

Gut finde ich, dass der Film niemals eine Wertung abgibt, sondern dem Zuschauer nur zeigt, was passiert. Meist sind das banale Dinge des Lebens, die sonst keinem Filmemacher interessieren würden. Vieles ist sehr gut beobachtet. Einige Szenen sind zum Fremdschämen, vor allem die Auftritte des Vaters. Die Darstellung des Yuppie-Daseins der Oberschicht auf der einen und das Leben der rumänischen Bevölkerung auf der anderen Seite und finde ich sehr gelungen. Auch hier wird nicht gewertet, sondern nur gezeigt. Die Meinung muss sich der Zuschauer selbst bilden. Die Bedeutung der meisten Szenen erschließt sich erst im Nachhinein.

Es wurde meist mit Handkamera gefilmt, was den dokumentarischen Look unterstreicht. Ein Großteil des Films entstand in Rumänien und wirft einen Blick auf die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich, räumt aber gleichzeitig mit Klischees auf.

In den Rollen von Vater und Tochter brillieren Peter Simonischek und Sandra Hüller. Vor allem Letztere spielt die knallharte und unglückliche Karrierefrau exzellent. Gut fand ich auch, dass vor allem eher unbekannt Schauspieler für den Film ausgesucht wurden.

Die Geschichte des Filmes erinnert mich ein bisschen an Kirschblüten Hanami von Doris Dörrie. Auch da sucht ein Vater nach dem Tod seiner Frau die Nähe seiner Kinder. Die Handlung spielt vorwiegend in Japan.

Fazit: Toni Erdmann ist ein unaufgeregter Film, der länger im Gedächtnis bleibt, als man zunächst denkt. Man sollte ihn gesehen haben, obwohl ich ihn nicht in unser DVD-Regal stellen würde.

Düsterer Blick in die Zukunft

Quelle: Kino.de

Es war der Trailer zu Ghost in the Shell, der mich angefixt hatte und wegen dem wir ins Kino gingen. Optisch hatte mich die Vision der Zukunft überwältigt, und auch die Geschichte klang interessant und tiefgründig. Doch der Film entpuppte sich schnell als brutales und emotionsloses Actionkino. Sicher, es gab eine Vielzahl beeindruckender Effekte und guter Science Fiction, auch die Grundidee hinter der Geschichte, die sich erst im zweiten Teil des Filmes langsam heraus schält, ist nicht so platt, wie man anhand der Ballerei und des sinnlosen Gemetzels vermuten würde. Aber … und es ist ein großes aber … der Botschaft des Films mangelt es an Moral. Da ist ständig von Menschlichkeit die Rede, die verteidigt werden soll und doch handelt die Hauptfigur »Major« alles andere als das. Überhaupt, weder Protagonisten und Antagonisten handeln menschlich. Da wird erst geschossen und dann Fragen gestellt. Die einzig menschliche Szene kommt am Schluss als sich Mutter und Tochter gegenüberstehen. Doch danach macht Major weiter wie zuvor. Als wäre es ein legitimes Mittel, aus Rache oder Gerechtigkeit zu töten.

Der Film zeigt in durchaus beeindruckenden aber auch verstörenden Bildern eine Zukunft, in der ich nicht leben möchte. Einige Einstellungen waren richtig gruselig. Eine Welt in der Vernetzung und körperliche Optimierung erstrebenswert sind; eine Welt ohne Natur, die nur auf Technologie setzt; eine Welt die einerseits extrem fortschrittlich und andererseits zutiefst rückwärtsgewandt ist. Eine Welt in der der Mensch nichts mehr zählt. Im Grunde greift die Handlung die Tendenzen unserer Gegenwart auf und extrapoliert sie in die Zukunft  – ein wahrer Alptraum von Cyberpunk. Manche sprechen von einem Vorläufer zu Matrix.

Überzeugt hat mich dagegen Scarlett Johansson. So viel Emotionslosigkeit muss man erst einmal rüberbringen als Schauspielerin und das mit einer Natürlichkeit, die ihres gleichen sucht. Auch die Visualisierungen sind hervorragend gelungen. Allein die Aussage des Films gegenüber der literarischen Vorlage geht in den bisweilen unnötigen Gewaltorgien unter, leider.

Wer Action mag und auf Mord & Totschlag steht, wird Gefallen an dem Film finden. Wer ein wenig mehr erwartet und auf eine Botschaft zwischen den Zeilen hofft, wird bei Ghost in the Shell vergeblich warten.

Hinzu kam, dass wir noch ein weiteres Problem mit dem Film hatten: das leidige Thema 3D. Umweltfreundlich wie wir sind, nehmen wir unsere 3D-Brillen immer wieder her. Warum soll ich mir bei jedem Kinobesuch eine neue Brille kaufen? So brachten wir auch dieses Mal unsere Brillen ins Kino mit. Schon beim Aufsetzen hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Aber ich dachte mir noch nichts dabei, weil die Cyberumgebung ohnehin etwas verwirrend war. Je länger der Film dauerte, desto unangenehmer wurde der Effekt. Da war der Hintergrund vorn und die agierenden Personen hinten. Ich nahm irritiert die Brille ab und fragte meinen Mann, ob er das auch so sehen würde. Er war sich nicht sicher. Da diese Brillen mit Polarisation arbeiten, stellte ich einige Versuche an und siehe da, wenn ich mir die Brille verkehrtherum aufsetzte, verschwand der irritierende Effekt und das Bild war gewohnt dreidimensional. Auch mein Mann setzte seine Brille verkehrt herum auf und bestätigte meine Wahrnehmung. Nach dem Kino berichteten wir an der Kasse von unserer Erfahrung und die junge Dame erklärte uns, dass man das »System« getauscht hat und die alten Brillen nicht mehr wirken. Sie entschuldigte sich vielmals und reichte uns kommentarlos zwei neue Brillen. Das fand ich gut. Ich bekam auch wieder eine, die man an die Brille heften kann, für Brillenträger optimal. So sind wir für den nächsten 3D-Streifen gerüstet. Hoffentlich ist der besser.

Michl erklärt die Welt

Quelle: Amazon

Entdeckt habe ich das Buch im Bücherregal meiner Schwägerin, und da sie es bereits gelesen hatte, durfte ich es mir ausleihen. (Sowas geht halt nur mit echten Büchern und nicht mit E-Books.) Zurück zum Eigentlichen.

Michael Mittermeier sah ich zum ersten Mal im Quatsch Comedy Club auf Pro 7. Das muss Mitte-Ende der Neunziger gewesen sein, als ich Studentin war und lange aufbleiben konnte. Denn der Quatsch Comedy Club kam sehr spät am Abend. Ich fand den bayrischen Stand-up-Comedian von der ersten Minute an klasse. Da passte nicht nur jede Pointe sondern auch die Mimik. Fast alle seine Programme habe ich im Fernsehen angeschaut und ich kann mich auch noch gut an sein Bühnenjubiläum erinnern, bei dem er Gratulationen von William Shatner alias Captain Kirk und Nichelle Nichols (Uhura) bekam. Ich glaube sogar zu wissen, dass die Show im ARRI-Studio in München aufgezeichnet wurde. Leider arbeitete ich damals nicht mehr dort, sonst hätte ich mir Michael Mittermeier sicher mal live angesehen.

Sein Buch finde ich aber glatt noch besser. Da kann man die Geschichten einfach länger auf sich wirken lassen. Im Showprogramm kommt ja meist gleich die nächste Pointe hinterher. Beim Lesen hat man einfach mehr Zeit den Witz sacken zu lassen und hat mehr von den lustigen Geschichten, die er mit großer Natürlichkeit erzählt. Er ist als Autor genauso wie als Comedian. Und das Buch ist ein Showprogramm in schriftlicher Form. Nicht alles ist superwitzig, zwischendrin gibt es nachdenkliche Passagen, in denen der Autor dem Leser einen Blick in die Person Michael Mittermeier gestattet. PERRY RHODAN-Autor Leo Lukas wird erwähnt und natürlich steht einiges über STAR TREK geschrieben.

Besonders gut gefielen mir die Kapitel über New York City. Ich habe dort auch mal ein halbes Jahr gelebt und kann das, was er erzählt, eins zu eins bestätigen. Ich hatte allerdings mehr mit Mäusen zu kämpfen als mit Monsterkakerlaken. Und ich stand damals auch vor dem »Limelight« in NYC und wunderte mich, warum Abends vor einer Kirche Menschenschlangen anstanden, bis man mir erklärte, dass das eine angesagte Disko sei.

Wer den Humor von Michael Mittermeier mag und mal wieder herzhaft lachen möchte (derzeit gibt es wenig zu Lachen), dem empfehle ich einen Blick in das zweite literarische Werk des Comedystars. Ich verspreche, dass niemand es bereuen wird.

SF-Klassiker wiederentdeckt

Quelle: Amazon

Cocoon!

Ich weiß nicht mehr, wie lange es her ist, seit ich den Film das letzte Mal gesehen habe, aber sicher schon eine ganze Weile. Und dennoch konnte ich mich an unglaublich viele Einzelheiten genau erinnern. Cocoon gehört zu den SF-Filmen, die ich als junger Mensch sehr mochte. Die langsame Erzählweise des Films ist nach wie vor großartig. Zunächst glaubt man nicht, einen SF-Streifen zu sehen, weil es überwiegend um die Sorgen alter Leute in einer Rentnersiedlung in Florida geht. Erst nach und nach häufen sich die Hinweise darauf, das irgendetwas Seltsames vor sich geht. Der Film schwenkt um, erst zu einem Abenteuerstreifen (Tauchgang zu einer versunkenen Stadt), um dann tatsächlich mit dem »Stripteese« einer Außerirdischen (sie zieht sich die Menschenhülle aus) den Zuschauer zu verblüffen. Dramaturgisch ist das perfekt gemacht.

Das die Aliens nicht böse sind, sondern auf einer Rettungsmission und sich am Ende sogar für die Alten einsetzen, obwohl durch sie zwei Aliens in den Kokons gestorben sind, finde ich nach wie vor spannend. Diese intelligente Art von Science Fiction Geschichten sieht man heute kaum noch. In den heutigen Werken geht es vorwiegend dystopisch zu, je dunkler und schmutziger, desto besser. Dabei würde so eine Geschichte wie in Cocoon auch heute noch funktionieren. Doch bitte kein Remake, das wäre dann doch zu viel des Guten.

Der Film erschien 1985 und die DVD, die ich mir kürzlich gebraucht gekauft habe, ist auch schon wieder aus dem Jahr 2003. Leider scheint es die deutsche Version nicht auf Blu-ray zu geben. Was echt eine Schande ist. So einen großartigen Klassiker sollte man in HD-Qualität sehen.

Ich glaube, ich könnte mir den Film immer wieder ansehen und ich wäre immer wieder, von der Handlung gefesselt. Jetzt steht er im DVD-Regal, bis ich mal wieder Lust darauf habe, was bestimmt nicht wieder so lange dauert.

Eindrucksvolles Sklavendrama

Quelle: Amazon

Der Film »12 Years a Slave« stand einige Zeit in unserem Regal, bis wir uns das umfangreiche Werk endlich angesehen haben. Selbst nach zwei Tagen bin ich immer noch beeindruckt. In meinem Kopf eifern die schönen Landschaftsaufnahmen aus den amerikanischen Südstaaten mit den grausamen Bildern der Handlung um die Wette. Die Geschichte ist in jeder Hinsicht eindrucksvoll erzählt und um so berührender, weil man weiß, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt.

Der afroamerikanische Geigenspieler Solomon Northup lebt als freier Mann in Saratoga/New York, bis er von ein paar Gaunern nach Washington gelockt und entführt wird. Zusammen mit anderen Entführungsopfern bringt man ihn mit einem Schiff nach Louisiana und verkauft ihn auf dem Sklavenmarkt. Anfangs versucht er noch sich gegen das Schicksal aufzulehnen und mit Hilfe seiner Kenntnisse die Aufmerksamkeit seiner Herren zu erlangen, doch dass bringt ihm nur mehr Leid und Ärger ein. Er macht sich zunehmend unsichtbarer, ohne jedoch der unmenschlichen Behandlung durch seine Herren entgehen zu können. Nach zwölf Jahren hat er schon beinahe aufgegeben, als sich ihm endlich eine Chance bietet, der Sklaverei zu entkommen.

Die Darstellungen der Lebensumstände afroamerikanischen Sklaven im neunzehnten Jahrhundert sind sehr authentisch und es braucht schon eine Menge, um die Szenen auszuhalten. Ich war ein paar Mal kurz davor, mich abzuwenden, weil ich die Gewalt nicht ertragen konnte. Die vielen bekannten Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Neben Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor spielen Filmgrößen wie Brad Pitt, Benedict Cumberbatch und Michael Fassbender. Regisseur Steve McQueen inszeniert das Drama in ruhigen Bildern, die unter die Haut gehen und noch lange nachwirken.

Ich habe mich während und nach dem Film gefragt, wie es möglich sein konnte, dass Menschen andere Menschen schlimmer als Tiere behandeln konnten. Auch und vor allem weil sie sich als gläubig bezeichnet haben. Die haben nicht verstanden, was in der Bibel steht. Ich weiß nur nicht, ob wir Menschen von heute wirklich besser sind, oder ob wir die Methoden der Unterdrückung nur besser tarnen.

Zeitreise in die Siebziger

Quelle: Amazon

Die ersten Folgen der Fernsehserie »Life on Mars« sah ich noch im TV, bis der Sender die BBC-Serie ins Spätabendprogramm verbannte. Weil ich jedoch wissen wollte, wie die Serie endet, beschloss ich sie mir jetzt auf DVD anzusehen.

Gestern haben wir die letzte Folge der beiden Staffeln gesehen und mein Fazit fällt überaus positiv aus. Die Geschichte um einen Polizisten aus dem Jahre 2006, der nach einem Autounfall 1973 aufwacht, ist ungemein spannend. Ich mag ja Kriminalgeschichten nicht so sehr, aber die Mischung aus Drama und Krimiserie mit Science Fiction-Elementen hat mich überzeugt. Als Zuschauer weiß man zu keiner Zeit, was mit Sam Tyler passiert ist. Liegt er im Koma, oder ist er tatsächlich in die Vergangenheit gereist? Die Psychospielchen, die die Drehbuchautoren mit der Figur veranstalten, sind brillant inszeniert und überraschen in fast jeder Folge mit neuen Details.

Der Reiz der Serie geht, meiner Meinung nach, aber von dem Flair der Siebziger aus. Das rüde Verhalten der Polizeikollegen, oder die rücksichtslosen Methoden bei der Aufklärung sind für einen Menschen von heute ebenso erschreckend wie faszinierend. Wie in der damaligen Zeit mit Frauen umgegangen wurde, hat nicht nur einmal zu Kopfschütteln meinerseits geführt. Die Serie gewährt einen echten Einblick in die siebziger Jahre und unterhält dabei noch mit spannenden Kriminalfällen. Dabei wird ziemlich deutlich, wie sehr sich die Polizeiarbeit in den letzten Jahrzehnten geändert hat.

Das Ende lässt mich dennoch etwas unbefriedigt zurück. Ohne hier Spoilern zu wollen, hatte ich mir etwas anderes für Sam Tyler gewünscht. Vielleicht ist auch die Erwartungshaltung während der 16 Folgen so gestiegen, dass man diese einfach nicht befriedigen kann. Egal, wie man die Serie beendet hätte. Sehenswert ist »Life on Mars« allemal. Aber bitte nur das englische Original und nicht das amerikanische Remake.

Noch etwas zu den DVDs. Für die Fernsehausstrahlung wurden die Folgen gekürzt, die DVD-Box enthält die ungekürzten Folgen. Die rausgeschnittenen Stellen haben keine deutsche Synchronisation, weshalb man hier das Original mit Untertiteln verwendet hat. Das fand ich sehr gut, weil manche der Szenen für das Verständnis wichtig sind.

Ich überlege mir gerade, ob ich mir auch die Nachfolgeserie »Ashes to Ashes« bestellen soll.

Ein Denkmal für Otze

Quelle: www.ventil-verlag.de

Es ist ein seltsames Gefühl. Ein bisschen so, als existiere eine zweite Vergangenheit hinter meiner, wie eine Parallelwelt, die unerreichbar zur eigenen verlief.

1980 gründeten drei Jugendliche, nur 70 Kilometer von mir entfernt, die Punkband Schleimkeim, die zur bekanntesten und beliebtesten Punkband der DDR werden sollte. Ich ging damals in die erste Klasse und hatte von Punk und anderen Subkulturen nie gehört und auch später zog das irgendwie an mir vorüber. Dabei ist die Geschichte jener Band und ihres Gründers spannender als jeder Krimi.

Dieter Ehrlich – von allen nur Otze genannt – war jemand, den man durchaus als echten Punk bezeichnen kann. Er lebte das, wofür Punk steht: nicht arbeiten gehen, dafür saufen, jede Menge Blödsinn anstellen und Musik machen. Auch vom Charakter her war er alles andere als ein Engel, eher das Gegenteil. Wie er selbst immer behauptet hat, stand er mit Satan im Bunde. Dennoch war er eine Persönlichkeit, die von Freunden und Feinden gleichermaßen bewundert und respektiert wurde. Den Erzählungen seiner Mitmenschen nach, war er ein begnadeter Musiker, der mit einem Minimum an Equipment ein maximales Ergebnis erzielte. Er verfasste geniale Texte, obwohl er kaum richtig schreiben konnte. Er nahm sich aber auch, was er wollte, manchmal mit Verschlagenheit und sehr oft mit Gewalt. Er war der Star unter den Punkrockern der DDR und hatte viele Fans. Dabei blieb er dem Motto des Punk treu, in dem er nie Gewinn daraus geschlagen hat. Ruhm war ihm nicht wichtig, für ihn zählte, dass seine Musik gehört wurde. Er liebe es, Geschichten über sich zu erzählen, die meist nur ein Körnchen Wahrheit enthielten. Keiner schien den Menschen Otze Ehrlich wirklich zu kennen, weil er jedem eine andere Geschichte auftischte. Er blieb bis zum Schluss undurchschaubar, verlor sich in Drogen und Gewalt und wurde zu einem der vielen Genies, die dem Wahnsinn erlegen sind.

In der Biografie »Satan, kannst du mir noch mal verzeihen« kommen Bandmitglieder, Freunde und Weggefährten zu Wort. Menschen, die ihn mal mehr und mal weniger gut kannten. Besonders faszinierend daran ist, dass jeder der Befragten ein eigenes Bild von Dieter Ehrlich zeichnet. Manches deckt sich, anderes wiederum klingt, als würden es sich um unterschiedliche Menschen handeln. Diese persönlichen Berichte, verknüpft mit Auszügen aus Interviews und Stasi-Dokumenten machen aus dieser Biografie viel mehr. Das Buch bildet einen Teil der DDR-Vergangenheit ab, den ich so nicht kannte, der aber ungemein spannend ist.

Ich habe in den Tagen, in denen ich das Buch gelesen habe, regelrecht jede Seite verschlungen, jede noch so winzige Information aufgesaugt, um die Lücke in meinem Wissen über die Subkulturen in der DDR zu schließen. Man bekommt nur sehr selten die Gelegenheit, die eigene Vergangenheit mit völlig anderen Augen zu sehen. Das ist ein sehr merkwürdiges, aber auch ein ergreifendes Gefühl. Wenn man den Namen seiner Heimatstadt liest und von Veranstaltungen hört, die dort stattgefunden haben, ohne das man etwas davon mitbekommen hat. Leider war ich noch zu jung, um das miterleben zu können oder um es zu begreifen. (Ich habe auch erst sehr viel später begriffen, welches geschichtliche Ausmaß der Mauerfall 1989 hatte. Mit Fünfzehn hat man andere Dinge im Kopf, als die Bedeutung eines Gesellschaftlichen Umsturzes.)

So gingen mit dem Punk in Thüringen auch die genialen Songs von Schleimkeim an mir vorbei. Doch für Musik ist es ja bekanntlich nie zu spät und so höre ich schon seit Wochen Songs wie »Prügelknabe«, »Kriege machen Menschen« und »Geldschein« und bin genauso fasziniert, wie die Jugendlichen von damals. Dank des Buches weiß ich nun auch, wie das so war, mit Otze und den anderen Mitgliedern von Schleimkeim. Da bekommen die Lieder noch mal eine ganz andere Bedeutung.

Das 175 Seiten starke Buch bietet neben Texten auch eine große Anzahl von Fotos, von denen ein Großteil aus den Archiven der BStU stammt. (Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen) Ich stelle mir gerade vor, ohne die Stasi wäre vieles undokumentiert geblieben, andererseits hätte es die damalige Punkszene leichter gehabt.

Ein Satz von Otze Ehrlich aus dem Buch geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf. »Um unser Leben brauchten wir in der DDR nicht zu fürchten!« Es zeigt, dass der Zusammenbruch der DDR und der plötzliche Wegfall des Feindbildes einem Punk wie Otze schwer zu schaffen gemacht hat, ebenso wie die Drogen, die nach der Wende Ostdeutschland überschwemmten. Sicher sind das die Gründe, an denen er zerbrochen ist.

Dieter Ehrlich starb 2005 mit 41 Jahren in einer forensischen Klink, in der er »aufbewahrt« wurde, nachdem er 1998 im Drogenrausch seinen Vater mit einer Axt erschlagen hatte. Mit der Musik hat er sich selbst unsterblich gemacht. Sie fasziniert – auch noch mehr als dreißig Jahre später, getreu seinem Wahlspruch: »Alles wird sterben, alles wird vergehen, nur Punk und SK (Schleimkeim) werden bestehen.«

Wer sich die Musik von Schleimkeim anhören möchte, findet bei YouTube jede Menge Aufnahmen.

Das Buch »Satan, kannst du mir noch mal verzeihen« herausgegeben von Anne Hahn und Frank Willmann erschien bereits 2008 im Ventil-Verlag und ist dort noch erhältlich. Pflichtliteratur für jeden der etwas über Punks im Osten wissen will.

Würstchen-Orgie

Quelle: Amazon

Einen durch und durch versauten Film haben wir uns am Wochenende angesehen.

»Sausage Party« stammt von niemand geringerem als Seth Rogen, der bereits mit »The Interview« gezeigt hat, wie man eine originelle Satire dreht und dabei hinter einem Vorhang von derben Zoten und Doppeldeutigkeiten viele Wahrheiten versteckt. Bei dem Animationsfilm »Sausage Party« ist das nicht anders. Da werden Worte in den Mund genommen, die man nicht mal ansatzweise seinen Kindern erlauben würde. Da wird mit sexuellen Anspielungen und religiösen Zwistigkeiten gespielt. Der Film ist ein einziger großer Klamauk des schlechten Geschmacks. Wem das nicht gefällt oder der kein Verständnis für Satire aufbringt, der wird ein Problem damit haben und sollte ihn sich lieber nicht angucken. Wer aber auf schlüpfrige Witze steht und der Sex von Lebensmitteln spannend findet, wird großartig unterhalten und bekommt nebenbei jede Menge Gesellschaftskritik präsentiert. Da geht es um Glauben, um Juden, Araber und Christen und vor allem um unser Konsumverhalten.

Manche Stellen sind derb und abschreckend, zum Beispiel dann, wenn Babymöhren zerkaut und Würstchen mit einem Messer aufgeschlitzt werden, gruselige Darstellungen von ermordeten Lebensmitteln inklusive. Drogenkonsum spielt ebenso eine Rolle wie Bisexualität und Alkoholismus. Und aus diesem Grund ist der Animations-Film auch erst am 16 Jahre zugelassen.

Die Satire handelt von Religion und Sex und endet in einer Orgie von Lebensmitteln, in der jeder mit jedem, egal welcher Glaubensgemeinschaft und welchem Geschlecht er angehört. Bemerkenswert tiefgründig erklärt der Film, dass niemand – weder die Religionen noch die Wissenschaft – im Besitz aller Wahrheiten sind. Und das niemand hat das Recht, anderen die eigenen Überzeugungen aufzuzwingen. Dabei ist es durchaus sinnvoll, an etwas zu glauben, um die Realität und das Leben erträglicher zu machen. Und man sollte nicht darauf hoffen, im Jenseits belohnt zu werden, sondern man sollte hier und jetzt mitnehmen, was einem das Leben bietet. Vielleicht nicht die schlechtesten Botschaften, die man in Zeiten wie der Unsrigen vermitteln kann.

Mein Fazit: »Sausage Party« ist ein spannend erzählter »Animationsfilm nicht für die ganze Familie« mit viel offensichtlicher Kritik an allen Religionen. Und wenn man das nächste Mal in ein Würstchen beißt, könnte man vielleicht ein schlechtes Gewissen bekommen.

Semidokumentarischer Spielfilm zur Mondlandung

Quelle: Amazon

Eigentlich wollte ich Fritz Langs »Frau im Mond« kaufen, aber der Film ist in Deutschland aus welchen Gründen auch immer schwer zu bekommen. Bei meiner Suche stieß ich auf den Film »Rakete zum Mond« von Robert A. Heinlein. Der kann nicht schlecht sein, dachte ich mir, denn der Film hat einen Oskar gewonnen. Und tatsächlich …

1950 gedreht, sollte der Film eine Mondlandung für die damalige Zeit möglichst realistisch abbilden. In der Tat sieht das zwar etwas unbeholfen aus, aber man gab sich unheimlich Mühe dem Zuschauer von damals zu erklären, was passiert, wenn Menschen mit einer Rakete starten und zum Mond fliegen. Aus heutiger Sicht hört sich vieles haarsträubend an: Eine einstufige Rakete mit Atomreaktor, die auf dem Mond landen und wieder starten kann. Dazu eine Besatzung, die aus nicht trainierten Technikern und einem in die Jahre gekommenen General besteht. Aber in die Produktion flossen für die Zeit viele bekannte wissenschaftliche Fakten und auch die Spezialeffekte wissen zu überzeugen.

Die Geschichte ist einfach gestrickt. Nach mehreren Fehlversuchen droht die amerikanische Regierung den Raketenforschern das Geld zu entziehen und das Projekt zu beenden. Da wendet sich ein General an die Privatindustrie. In einer propagandistischen Rede und mittels eines Trickfilms überredet er die Investoren ihr Geld dem Projekt zur Verfügung zu stellen. Weil die Regierung den Start der Rakete aus Sicherheitsgründen verbieten will, starten vier Männer übereilt mit der Rakete in Richtung Mond, in letzter Minute sozusagen. Start und Mondlandung glücken, nur die Antenne wird in Mitleidenschaft gezogen und muss auf dem Weg zum Mond bei einem Weltraumspaziergang repariert werden. Auf dem Mond stellt das Kontrollzentrum auf der Erde fest, dass der Treibstoff nicht reicht, um die vier Mondfahrer zurückzubringen. Deshalb werfen sie allen Ballast von Bord und können nach einigem hin und her doch starten und zurückkehren. Die Landung auf der Erde wird nicht mehr gezeigt. Da war wohl das damals irrsinnige Budget von 600.000 Dollar erschöpft.

»Rakete zum Mond« kann man fast schon als Propagandafilm für die Mondlandung bezeichnen. Er sollte vor allem zur Aufklärung dienen und den Rückhalt der Bevölkerung für das Raketenprojekt und eine Mondlandung sichern. So spricht man damals schon von einem Wettlauf und einer atomaren Bedrohung durch die Ostblockstaaten. Der Film basiert auf einer Geschichte von Robert A. Heinlein, dem Hard-SF Autor schlechthin. In seinem Roman haben die Nationalsozialisten bereits Atomwaffen auf dem Mond stationiert. Darauf wurde in dem Film Gott sei dank verzichtet. Geblieben ist die visionäre detailreiche Beschreibung der Technik.

Damit setzt der Film Maßstäbe für alle später erschienen Space Operas. Und ich bin mir fast sicher, dass sich auch Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting für die PERRY RHODAN-Serie an dem Film orientiert haben. Auf jeden Fall ein SF-Klassiker den man gesehen haben muss.

Warum allerdings oben auf dem Cover bei Amazon »Jules Verne« steht, weiß ich nicht. Auf meiner DVD steht dort »Robert A. Heinlein«, was in dem Fall auch korrekt ist.