Luke Treadaway, James Bowen und natürlich Bob (Quelle: Kino.de)
Nun hat es doch noch geklappt. Ich habe gestern endlich den Film Bob der Streuner sehen können.
Eigentlich war mein Mann auf der Suche nach einem Kino, in dem der Film Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen läuft. Da entdeckte er, dass in einem Studiokino ganz in der Nähe der Film mit Bob läuft. Da sind wir gestern Abend gleich ins Auto gestiegen und hingefahren.
Es hat sich gelohnt. Der Film erzählt die Geschichte des Buches in klaren und manchmal drastischen Bildern. Natürlich musste man die Geschichte eines Junkies, der von einem roten Kater gerettet wird auf Spielfilmlänge zusammenstreichen. Was meiner Meinung nach sehr gut funktioniert hat. Im Buch erfährt der Leser mehr Details zu James Bowens Vergangenheit, die im Film nur in einigen Dialogen thematisiert wird. In ihr liegt der Schlüssel, warum der junge Mann auf die schiefe Bahn geraten ist. Aber es wäre sehr schwierig geworden, dies im Film überzeugend darzustellen. So konzentriert man sich auf die Beziehung des jungen Mannes zu seinem Kater und seinen Kampf mit dem Drogenentzug.
Wie schon beim Lesen standen mir auch beim Film nicht nur einmal Tränen in den Augen. Der rührende Erzählung fehlt es nicht an Tiefe aber auch nicht an Humor. Auch hält sie uns kritisch einen Spiegel vor Augen, der uns den einen oder anderen Straßenmusiker oder Zeitungsverkäufer (in München heißt diese Zeitung »BISS«) in neuem Licht sehen lässt.
Hauptdarsteller Luke Treadaway ist eine hervorragende Wahl für die Rolle des James und das Bob nur von »Bob himself« gespielt werden konnte, ist sowieso ganz klar. Besonders gefreut hat mich der Auftritt des echten James Bowen am Ende des Films, während der Signierstunde. Als er auf die Frage, wie ihm das Buch als Leser gefallen hat, antwortet: »So als wäre ich selbst dabei gewesen.« Das hat mir ein breites Lächeln auf mein tränennasses Gesicht gezaubert.
Bob der Streuner ist kein Familienfilm und das ist auch gut so. Es ist die Geschichte eines gescheiterten Menschen, der von der Gesellschaft schon fast aufgeben wurde und von einem Tier eine zweite Chance bekommen hat. Absolut sehenswert auch für Menschen, die das Buch nicht kennen.
Mit »Invasion der Zukunft« legt der Historiker Hans-Peter von Peschke ein ambitioniertes Sachbuch vor, das sich nicht nur mit der literarischen Seite der Science Fiction beschäftigt, sondern auch mit der Entwicklung, die sie durch Film, Fernsehen, Comics und Computerspiele erfahren hat. In zehn Kapiteln beleuchtet der Autor jede Ausprägung und jedes Thema, was irgendwann einmal in der Science Fiction angesprochen wurde. Das geht von Technologie, über utopische und dystopische Gesellschaften, Kriege, Invasionen, Roboter, Mutanten, Parallelwelten, Außerirdische bis hin zu Nazis im All. Großen SF-Phänomenen wie PERRY RHODAN oder STAR TREK widmet er ganze Kapitel. Seine Aufzählung an Büchern, Geschichten, Filmen und Serien ist umfassend und beeindruckend. Im Anhang sind alle erwähnten Werke nochmals Alphabetisch aufgelistet. An dieser Stelle hätte ich mir noch eine Indizierung gewünscht, so dass man gezielt nach dem Werk im Buch hätte suchen können.
In den einzelnen Kapiteln fasst Hans-Peter Peschke die Inhalte der Bücher, Filmen und Serien zusammen und verdeutlicht wie unterschiedlich Autoren und Filmemacher an das jeweilige Thema herangegangen sind. Das alles geschieht in großer Ausführlichkeit, und ist aufgrund von Überschneidungen zwischen den Kapiteln oftmals redundant. Da hätte man durchaus kürzend eingreifen und den Text straffen können.
Der Autor und Historiker spart nicht an Kritik, wenn es um die zunehmende Vermischung fremder Genres mit der Science Fiction geht, auch die Military-SF und die rechtslastige Literatur der Szene, wird von ihm kritisch unter die Lupe genommen. Für die Zerrissenheit des Fandom findet er ebenfalls deutliche Worte.
Mir gefielen die Absätze im Buch am besten, in denen er eigenständige Gedanken und Thesen anbringt. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Vielleicht sogar in der Form, die der Autor bei seinem Vortrag beim Geburtstagsstammtisch in München präsentiert hat. Weniger spannend fand ich die endlosen Handlungszusammenfassungen von Büchern, Filmen oder Serien, von denen ich vieles schon kannte. Aus diesen Kapiteln nimmt man als eingefleischter SF-Fan wenig Neues mit. So gesehen richtet sich »Invasion der Zukunft« vor allem an Neulinge und Gelegenheitsleser von phantastischer Literatur. Kundige SF-Fans könnten schnell gelangweilt sein.
An den Stellen an denen er mit Zitaten arbeitet, scheinen diese meist aus der Erinnerung geschrieben, nur so erkläre ich mir die Ungenauigkeiten, die sich eingeschlichen haben. Bei einer Betrachtung über Roboter, zitiert er den Dialog zwischen C-3PO zu R2-D2, während sie in der Wüste von Tatooine auf der Suche nach Obi Wan Kenobi sind. So sagt C-3PO zu R2-D2: »Anakin Skywalker hatte dir einige Extras spendiert …« Leider ist dass nicht richtig, denn in Episode III wurde der Speicher des Protokolldroiden gelöscht. Er kann sich also gar nicht mehr an Anakin Skywalker erinnern.
Ich habe auch einige peinliche Fehler gefunden, die dem Lektorat unbedingt hätten auffallen müssen. So heißt der Begründer von STAR TREK Gene Roddenberry und nicht Roddenburry (Da es zwei Mal hintereinander falsch geschrieben wurde, kann es sich nicht um einen Tippfehler handeln.), und der Steuermann der Enterprise trägt den Namen Hikaru Sulu und nicht Solo. Das sind nur ein paar Beispiele, die mir negativ aufgestoßen sind.
Das man nicht alles, was irgendwann unter dem Label Science Fiction veröffentlicht wurde, auflisten kann, ist verständlich. Dennoch habe ich einige meiner persönlichen Favoriten in der Fülle der aufgezählten Werke vermisst. So wurde Arthur C. Clarks Meisterwerk »Die Stadt und die Sterne« genauso wenig erwähnt, wie die Spin-Trilogie von Robert Charles Wilson, die meines Erachtens eine der originellsten Ideen in der Science Fiction in den letzten Jahrzehnten darstellt. In der Sparte Film fehlte neben Carl Sagans »Contact« als Beispiel gelungener Hard-SF auch die Mutter aller modernen SF-Serien, nämlich »Forbidden Planet« (dt. »Alarm im Weltall«) von 1956, der einige grundlegende Rahmenbedingungen für zukünftige Produktionen festlegte. Auch ein Klassiker wie »Logans Run« (dt. »Flucht ins 23. Jahrhundert«) fehlte. Von den utopischen Autoren des Ostblocks wird nur Stanislaw Lem näher erwähnt und dann auch nur mit »Solaris« und nicht mit seinem bekanntesten Werk »Der futurologische Kongreß«, in dem es sich um die Beeinflussung der Gesellschaft durch Drogen und Medikamente dreht.
Dennoch hält das Sachbuch genügend Informationen bereit und kann durch historische Zusammenhänge überzeugen. Für jeden SF-Neuling, der einen fast vollständigen Überblick über die Science Fiction bekommen möchte, ist »Invasion der Zukunft« ein unbedingtes Muss. Nirgendwo sonst bekommt man eine so medienübergreifende Aufzählung, die sowohl Literatur & Comic, als auch Film, Fernsehen und Computerspiele abdeckt und unterhaltsam und pointiert geschrieben ist. Eingefleischte Science Fiction Experten finden dagegen nur wenig Neues. Für sie wäre das Buch wertvoller, wenn es ein Register hätte, anhand dem man Gesuchtes nachschlagen könnte.
»Invasion der Zukunft« erschien im Theiss Verlag, umfasst 320 Seiten und ist im Buchhandel und bei allen Onlinehändlern erhältlich.
In The Big Short geht es um Geld, um sehr viel Geld genauer gesagt.
Der Film erzählt die Geschichte von vier Hedgefonds Managern, die mit der Immobilienkrise ein Vermögen verdienen, in dem sie eine Versicherung (Wetten) auf Immobilienfonds abschließen. Sollten die Fonds abstürzen, bekämen sie eine fantastische Rendite von vierhundert Prozent, dafür müssen sie aber extrem hohe monatliche Beiträge bezahlen. Ausgesponnen hat das alles Finanzgenie Michael Burry (brilliant gespielt von Christian Bale). Der verschrobene Fondsmanager mit Vorliebe für Punkrock hat sich die Zahlen hinter den Fonds angesehen, als einer der Einzigen in der Branche. Er weiß, dass die Immobilien in den Fonds völlig überbewertet sind und sagt den Zusammenbruch des Immobilienmarktes vorher. Also geht er zu den großen Banken, wie »Lehman Brothers« und macht ihnen den Vorschlag mit der Versicherung. Die lachen sich ins Fäustchen, in dem irrigen Glauben, dass der Immobilienmarkt ein sicheres Geschäft sei und gehen auf die Wette ein.
Bald springen weitere findige Fondsmanager auf den Zug auf. Nur die wenigsten versuchen herauszufinden, was hinter der Idee steckt. Doch diejenigen, die sich dafür interessieren, wissen bald, dass Burry recht hat. Als am Ende tatsächlich die Blase platzt, machen Burry und jene, die gegen die Immobilienfonds gewettet haben, den großen Reibach, während Millionen von Amerikanern ihr Zuhause verlieren und auf der Straße landen. Dazwischen erfährt man als Zuschauer viel über die Geschäfte mit dem großen Geld, über ignorante Behörden, geldgierige Makler, ahnungslose Kunden und die größten Casinos der Welt – die Börsen.
Neben Christian Bale spielen in dem hochkarätig besetzten Streifen Steve Carell, Ryan Gosling und Brad Pitt. Die sarkastische Geschichte bindet den Zuschauer in die Handlung ein, in dem sie komplizierte Fakten von leicht bekleideten Damen oder von Fernsehköchen erklären lässt. Augenzwinkernd zwar, aber so, dass man es tatsächlich versteht.
Das eigentlich Schlimme an der Handlung des Filmes ist aber, dass sie auf wahren Begebenheiten beruht und die meisten Figuren real oder an reale Personen angelegt sind. Die Geschichte basiert auf dem Buch The Big Short. Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte von Michael Lewis, das 2010 erschienen ist. Mir blieb beim Zuschauen nicht nur einmal der Mund offen. Das ist ein Wirtschaftskrimi, der, hätte ihn sich ein Autor ausgedacht, als unglaubwürdig gelten würde.
Ach ja, und wer denkt, dass nur die amerikanischen Banken ihre Finger im Spiel haben, der irrt. Eine der Banken, die im Film eine tragende Rolle spielt, ist die Deutsche Bank.
»Heute kennt man von allem den Preis und von nichts den Wert.« Mit diesem Zitat von Oscar Wilde beginnt ein Sachbuch, dass ich dieser Tage gelesen habe. »The Value of Nothing – Was kostet die Welt« wurde geschrieben von einem indischen Wirtschaftswissenschaftler und erklärt, warum es in unserer marktwirtschaftlichen Welt heute so ungerecht zugeht. Raj Patel spricht über Werte, wie sie definiert werden und warum sie so wichtig sind. Wieso ein Hamburger eigentlich 200$ kosten müsste und wieso lebenswichtigen Dingen wie Trinkwasser oder der Atmosphäre wenig bis gar kein Wert beigemessen wird. Er erklärt, wie es 2008 zur Bankenkrise kommen konnte und warum wir durch unser Konsumverhalten (Geiz ist geil) alle mitschuldig an der Misere sind, die uns der Raubtierkapitalismus eingebrockt hat. Er wirft dabei nicht nur einen Blick in die Vergangenheit oder die Gegenwart, sondern zeigt im zweiten Teil seines Buches Wege aus der Krise.
Für jemanden wie mich, der sich mit Wirtschaft und Ökonomie noch nie intensiv auseinandergesetzt hat, ist das Sachbuch ein Augenöffner. Dabei ist es weder kompliziert noch trocken geschrieben, wie man es von einem solchen Buch erwarten würde. Der Autor stellt viele unterschiedliche Wirtschaftstheorien gegenüber, zeigt ihre Stärken und Schwächen auf, macht aber auch anhand von Beispielen deutlich, dass die größte Schwachstelle im System der Mensch selbst ist. Der »Homo oeconomicus« stellt eine Gefahr für die Welt dar, wie sie noch nie zuvor bestanden hat. Wenn man Konzernen und Regierungen die Beurteilungen von Werten und die Regulierung von Märkten überlässt, werden unweigerlich Entscheidungen getroffen, die zwar in sich logisch, aber nicht im Sinne des Menschen sind. Die Zerstörung von Umwelt und Lebensgrundlagen der letzten Jahrzehnte verdanken wir ausschließlich dem »freien Markt«, der Regulierungen genauso ablehnt wie Nachhaltigkeit. Die Finanzmärkte sind ein großes Casino, in dem ein paar selbsternannte Experten auf dem Rücken der Gesellschaft humanitäre Werte und viel Geld verzocken.
Alan Greenspan, ehem. Chef der Weltbank, gab 2008 selbst zu, dass sein Weltbild, nach dem er sich Jahrzehnte lang orientiert hat, ein Fehler war. Greenspan war Anhänger von Atlas wirf die Welt ab einem Buch von Ayn Rand, in dem sie erklärte, das Egoismus die beste aller Welten hervorbringt und jegliche Regulierung in einer Katstrophe enden wird. Raj Patel findet einen guten Vergleich für die Brisanz dieses Buches. »Es gibt zwei Bücher, die das Leben eines 14-Jährigen Bücherwurms (Alan Greenspan, Anm. der Blogautorin) verändern können: Der Herr der Ringe und Atlas wirf die Welt ab. Das eine Buch ist ein kindischer Tagtraum, der den Leser zu einem emotional und sozial verkümmerten Erwachsenen heranwachsen lässt, der einen erheblichen Teil seiner Tage damit verbringt, zu überlegen, wie man die Wirklichkeit einem Fantasy-Roman angleichen könnte. Das andere Buch handelt von Orks.« Mehr muss man nicht sagen, um zu erklären, auf welchen Pfeilern das derzeitige Gesellschaftssystem steht.
Durch die Lektüre dieses Buches habe ich einen aufschlussreichen Blick über die Geschichte und das Funktionieren von Wirtschaft, Ökonomie und Gesellschaft bekommen und wurde darin bestätigt, dass wir selbst etwas dagegen tun müssen, damit sich etwas ändert. Nur herumzusitzen, zu jammern und die Schuld bei anderen zu suchen, wird uns nicht helfen. Wir selbst haben es in der Hand und sei es nur durch unser Einkaufsverhalten oder durch ehrenamtliches Engagement. Der Autor formuliert es in seinem Schlusssatz wie folgt: »Wahrhaft glücklich werden wir nicht, indem wir unserem persönlichen Glück nachjagen, sondern indem wir uns gemeinsam für Freiheit und Demokratie engagieren.« Ein bisschen klingen in seinem Nachwort auch Gedanken zu Rebellion und Anarchie an, dass kann man fast schon als Punk bezeichnen.
»The Value of Nothing – Was kostet die Welt« erschien bei Riemann. Ich entdeckte es beim Stöbern im Jokers Katalog. Das Buch kam bereits 2010 heraus und ist heute aktueller denn je. Zusammen mit »Die Welt ohne uns« von Alan Weisman gehört es zu den Büchern, die man gelesen haben muss, um die Funktionalität unserer Gegenwart zu verstehen.
Ich hatte so meine Bedenken, als 2015 ein Buch herauskam, in dem es um Fanfiction geht. Unter dem Titel: »With Love Mary Sue – Das Phänomen Fanfiction« nehmen zwei Autorinnen das Thema Fanromane unter die Lupe. Konnte das gutgehen? Würden die schreibenden Fans auf eine angemessene Art und Weise gezeigt oder würde man uns Hobbyautoren wieder als verklärte Träumer abstempeln? Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte, deshalb ließ ich zunächst die Finger davon.
Auf der FedCon 2016 kaufte ich mir schließlich doch das Buch. Unteranderem deshalb, weil eine der Autorinnen vor Ort war und ich mit ihr einige Worte wechseln konnte. Sie erklärte mir, was sie mit dem Buch versuchen wollten; das sie für all die schreibenden Fans eine Lanze brechen wollten und zeigen, was Fanfiction bedeutet und warum es so beliebt ist. Zwischen den Feiertagen kam ich nun endlich dazu, dass Sachbuch zu lesen. Und tatsächlich, es ist eine sehr umfassende wissenschaftliche Abhandlung über Fanfiction im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen. Es kommen bekannte Autoren wie Andreas Eschbach, Tommy Krappweis oder Markus Heitz zu Wort aber auch PR-Chefredakteur Klaus N. Frick findet ein paar Worte, um Fanromane aus Sicht der PERRY RHODAN-Serie zu beleuchten.
Das alles ist gut und umfangreich recherchiert. Man bekommt einen Einblick von der Historie (auch Shakespeare hat Fanfiction geschrieben) über die Zeit der Fanzines, bis hin zu den heutigen Fanfiction-Foren im Internet. Wobei Letzteres ziemlich umfangreich am Beispiel der Seite Fanfiction.de abgehandelt wird. Stellenweise lesen sich die Fakten etwas trocken, da hätte ich mir mehr Lebendigkeit gewünscht. So wie Christian Humberg und Andrea Bottlinger das in ihrem Buch »Geek Pray Love« gemacht haben. Ich bin auch nicht immer einer Meinung mit den Autorinnen, was den persönlichen Umgang als schreibender Fan mit dem Objekt seiner Begierde, sprich der Serie, der Figur oder dem Schauspieler der Figur angeht. Auch der Kommentar, dass man sich irgendwann von der Fanfiction lösen und etwas eigenes schreiben sollte, mag für diejenigen gelten, die professionell schreiben wollen. Aber wie viele von den Fans wollen das schon. Für die meisten ist es ein erfüllendes Hobby, mehr nicht. Das empfand ich dann ein bisschen von oben herab. Aber im Großen und Ganzen ist das Buch sehr informativ und auch eingefleischte Fanfictionautoren wie ich, können daraus noch etwas lernen.
Besonders lesenswert fand ich den Gastbeitrag von Sol Deande, der Betreiberin des Star Wars Fanfiction Archivs sowie das Interview mit Betsy Rosenblatt vom Archive of Our Own über die rechtliche Situation von Fanfiction. Gerade das Rechtliche scheint auch in Deutschland nach wie vor eine Grauzone zu sein.
»With Love Mary Sue – Das Phänomen Fanfiction« stellte sich also nicht als ganz so schlimm heraus, wie von mir befürchtet und so kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der sich intensiver mit Fanfiction und ihren Auswüchsen beschäftigen möchte.
Eines jedoch habe ich vermisst, bei all den Foren, die im Buch genannt wurden, tauchte in keiner Zeile das STAR TREK Fanfiction Archiv TrekNationauf. In dem es inzwischen immerhin fast genauso viele deutsche STAR TREK Geschichten gibt, wie bei Fanfiction.de und wo sich viele Autoren tummeln, die mit Fanfiction begonnen haben und heute professionell schreiben.
Das Sachbuch von Bettina Petrik und Stefanie Zurek erschien 2015 im Verlag in Farbe und Bunt und ist überall im Buchhandel erhältlich.
Nun, man soll eben doch nicht den Tag vor dem Abend loben. Nachdem mir der erste Teil der neuen Winnetou-Trilogie ganz gut gefallen hatte, wollte ich auch den zweiten Teil »Winnetou – Das Geheimnis vom Silbersee« nicht verpassen. Hätte ich mir nur etwas anderes angesehen.
Der Film war unterirdisch. Nicht nur, dass von der ursprünglichen Romanhandlung sowie vom Inhalt der früheren Karl May Filme nichts übriggeblieben ist außer den Namen. Nein, die Handlung war noch nicht einmal spannend. Ich erwischte mich ständig dabei, etwas anderes zu tun, als in den Fernseher zu schauen.
Besonders nervig fand ich den Plot um den durchgeknallten Bösewicht, der in Ntscho-tschi seine verstorbene Geliebte »Carmen« erkannte. Das war albern und hat dem Film jegliche Ernsthaftigkeit genommen. Ein weiterer Tiefpunkt, war die Szene, in der Ntscho-tschi in die Schlangengrube fällt und von Old Shatterhand gerettet wird, bevor sie alle von den Schurken festgenommen wurden. Das war sowas von »plot driven«, dass einem die Luft wegblieb. Die auf witzig getrimmten Dialoge, die im ersten Teil noch recht sparsam eingesetzt wurden, taten ihr übriges dazu, um den Fernsehgenuss zu schmälern.
Während Wotan Wilke Möhring als Old Shatterhand, zuweilen steif und unnahbar blieb, spielte Winnetou-Darsteller Nik Xhelilaj den Indianer eine Spur zu einfältig.
Das einzig Versöhnliche waren in diesem Fall tatsächlich die schönen Landschaftsaufnahmen aus Kroatien. Aber dafür hätte ich mir aber auch eine Dokumentation ansehen können.
Vielleicht hätten die Produzenten die Trilogie lieber »Ntscho-tschi« genannt, denn um wen sonst geht es denn hauptsächlich in den Filmen?
Als Winnetou-Fan (zumindest als gewesener) wollte ich mir natürlich die Neuverfilmung von RTL nicht entgehen lassen. Nun, ich habe es nicht bereut.
»Winnetou – eine neue Welt« war anders, aber nicht unbedingt schlechter als die Filme aus den Sechzigern. Die Darsteller waren gut ausgewählt und auch die etwas düstere Optik überzeugte. (In dem ganzen Film hat nicht einmal die Sonne geschienen.) Gut fand ich, dass die RTL-Produktion von dem verklärten Charme der alten Filme abrückte und sich dafür mehr an den Originaltext von Karl May gehalten hat.
Man sieht den Filmen die Produktionskosten von 15 Mio. Euro an, denn sie würden durchaus auch als Kinofilme durchgehen. Und sie werden sicher ihr Publikum finden, auch wenn sich viele Fans nicht mit dem neuen Look anfreunden werden. Der wilde Westen war halt nicht so steril, wie es in den alten Filmen gezeigt wurde, dass kann man selbst bei Karl May nachlesen. Und auch die Indianer (vor allem Winnetou) war nicht von Anfang an die edle Rothaut, als die sie immer dargestellt wurde. Der neue Winnetou ist vor allem eines – sehr jung.
Es gab ein paar witzige Szenen und lustige Kommentare, die aber nicht so platziert wirkten wie im Original. Schön fand ich, dass der Film wieder in Kroatien gedreht und damit eine Verbindung zur Vergangenheit geschaffen wurde. Dafür sahen die Schauplätze im neuen Film deutlich schmutziger, dadurch aber auch realer aus.
Fazit: Es ist sicher kein Blockbuster, den man unbedingt gesehen haben muss, aber ich freue mich auf die anderen beiden Teile. Vor allem wenn sie, so wie gestern, wieder ohne Werbeunterbrechung ausgestrahlt werden. Ach ja, die anschließende Dokumentation fand ich auch nicht schlecht.
Seit 1997 hat mich kein SF-Film mehr so beeindruckt wie »Arrival«. Damals war es »Contact« von Carl Sagan, der noch heute zu meinen Lieblingsfilmen zählt. »Arrival« hat es erneut geschafft, mich mitzureißen, mich staunend und tief berührt im Kinosessel zurückzulassen.
Dabei sind die Parallelen zwischen beiden Filmen ziemlich auffällig. In beiden ist eine Wissenschaftlerin die Protagonistin der Handlung und beide Frauen haben eine scheinbar schwere Vergangenheit. Während in »Contact« Jodi Foster die Astrophysikerin Ellie Arroway spielt, haucht in »Arrival« Amy Adams der Linguistik-Professorin Louise Banks Leben ein.
In beiden Filmen geht es um den ersten Kontakt mit Außerirdischen. Doch während in »Contact« die Aliens bis zum Ende diffus und nicht greifbar bleiben, bekommt man bei »Arrival« sie bereits ziemlich früh im Film zu Gesicht. Das ist an dieser Stelle spannend und fast schon gruselig inszeniert. Oktopoden gelten schon lange als mögliche Kandidaten für eine Entwicklung hin zu einer intelligenten Spezies. In »Arrival« sind es Septopoden, was mich schmunzelnd an den Siebenarmigen Tintenfisch aus »Findet Dorie« erinnerte.
Und wie in »Contact« geht es auch in »Arrival« zunächst um Kommunikation zwischen der Menschheit und den Außerirdischen. Während Ellie Arroway eine außerirdische Botschaft entschlüsseln muss, entwickelt Louise Banks eine direkte Kommunikation mit zwei Aliens, die sie Abbott und Costello nennt.
Erst ab dem zweiten Drittel unterscheiden sich die beiden Filme, während es in »Contact« um die Frage nach dem Glauben geht, dreht sich in »Arrival« alles darum, wie sich das Gehirn eines Menschen beim Erlernen einer neuen Sprache umgestaltet. Die Frage, die der Film aufwirft, ist die, ob sich ein kausal denkender Mensch in eine zeitlich nichtlinear denkende Lebensform hinein denken und mit ihr kommunizieren kann.
Die Geschichte wird realistisch und vor allem sehr menschlich erzählt, allen voran die Reaktionen der Menschen auf die Ankunft der Außerirdischen. Die Lebensgeschichte von Louise und ihrer Tochter ist mit den Geschehnissen um die Aliens verknüpft und bildet schließlich den Schlüssel des Plots. Dabei fand ich besonders die ruhigen Szenen sehr wirkungsvoll. Es gibt heutzutage kaum noch so »langsame« Filme. Heute werden Filme so schnell und hastig geschnitten, dass man als Zuschauer oftmals keine Möglichkeit mehr hat, die Bilder auf sich wirken zu lassen. Außerdem sind die Außerirdischen keine bösen Aliens, die die Erde erobern wollen. Eine Tatsache, dich ich als erfrischend empfinde.
»Arrival« ist großartiges Kino, das man als SF-Fan gesehen haben muss und steht Carl Sagans »Contact« in nichts nach. Denn auch hier diente eine Geschichte als Vorlage. »Story of Your Life« von 1998 stammt von Ted Chiang und steht seit meinem Kinobesuch auf meiner Leseliste, in der Hoffnung, dass sie mich nicht so enttäuschen wird, wie die Lektüre der Originalversion von »Contact«. Da ist nämlich der Film eindeutig besser als das Buch.
Eines muss ich noch loswerden. Um diesen Film im Kino zu sehen, musste ich durch die halbe Republik fahren, da er in den Kinos Südostbayerns nicht gespielt wurde. Und auch so, nur in größeren Städten zu sehen war. Schade eigentlich!
Es ist mutig eine Vorgeschichte zu einem vierzig Jahre alten Film zu produzieren und funktioniert vermutlich nur bei einem so populären Franchise wie STAR WARS. Da Mut bekanntlich belohnt werden sollte, sahen wir uns gestern »Rogue One a STAR WARS Story« an.
Der Film ist STAR WARS und auch wieder nicht. Der Look passt; man sieht bekannte Gesichter, vertraute Raumschiffformen und faszinierende Außerirdische, doch die Handlung ist düsterer, alles wirkt etwas schmuddelig. Humor wird, wenn überhaupt, sparsam eingesetzt. Das Hauptcredo des Streifens ist Gewalt, Kampf und Krieg. Dabei wird sehr schnell klar, dass keine der beiden Seiten gut oder schlecht ist. »Rogue One« ist ein Kriegsfilm, der nicht nur mit drastischen Kampf- und Tötungsszenarios aufwartet, sondern die Kritik am Krieg auch in komplexe Dialoge verpackt. Man muss schon genau zuhören, wenn die Allianz das Für und Wider eines Angriffs bespricht, aber auch dann, wenn Kämpfer eingestehen, dass sie für die Rebellion nicht nur ehrenhafte Dinge getan haben. Krieg ist ein schmutziges Geschäft und hinterlässt immer tragische Schicksale.
Handlung und Figuren sind überzeugend. Selbst die am Anfang so kühl agierende Jyn Erso bekommt von Szene zu Szene mehr Farbe und trägt am Ende die Handlung fast allein. All ihre Mitstreiter sind gebrochene Figuren, die sich wohltuend von den heldenhaften Schönlingen sonstiger Hollywoodproduktionen unterscheiden. Und der eingefleischte STAR WARS-Fan fragt sich, wie es sein kann, dass die altbekannten Darsteller aus Episode IV scheinbar keine Minute gealtert sind.
Das die Geschichte kein Happy End haben kann, weiß der STAR WARS Kenner. Unvorbereitete Zuschauer werden vielleicht schockiert sein, dass das einzige, was das Schlachtfeld verlässt, die Informationen über den Todesstern sind. Keiner der Protagonisten überlebt und auch ein Großteil der Antagonisten wird ein Opfer des machtgierigen Imperiums.
Der Film ist vor allem eines – bildgewaltiger als seine Vorgänger. Die verschiedenen Planeten und exotischen Schauplätze sind teils atemberaubend, egal ob am Boden oder aus dem Orbit. Den Showdown in einer Südsee-Idylle kann man fast schon als »Schlacht im Paradies« bezeichnen. Die Kampfhandlungen an Palmen gesäumten Sandstränden wirken so bizarr, dass man sich ungläubig die Augen reibt. Aber auch im All kracht es gewaltig. Der Kampf der Imperialen Flotte gegen die Schiffe der Rebellenallianz ist beeindruckend choreografiert. Die kollidierenden Sternenzerstörer sehen am Ende wie aus, als würden sie in Legosteine zerfallen. Vor allem wegen der allgegenwärtigen Gewalt ist der Film definitiv nichts für schwache Gemüter und schon gar nichts für Kinder unter 14 Jahren. Die Kampfszenen sind so lang und brutal, dass es manchmal schon fast zu viel des Guten ist, weil man regelrecht abstumpft. Kaum zu glauben, dass der Streifen von Disney produziert wurde.
»Rogue One« ist vor allem Eines: ein Film für die Fans; ein hundertprozentiges Prequel zu Episode IV. Es werden Zusammenhänge erläutert und zum Lauftext aus Episode IV hat man von nun an Bilder vor Augen:
»Es herrscht Bürgerkrieg. Die Rebellen, deren Raumschiffe von einem geheimen Stützpunkt aus angreifen, haben ihren ersten Sieg gegen das böse galaktische Imperium errungen.
Während der Schlacht ist es Spionen der Rebellen gelungen, Geheimpläne über die absolute Waffe des Imperiums in ihren Besitz zu bringen, den TODESSTERN, eine Raumstation, deren Feuerkraft ausreicht, um einen ganzen Planeten zu vernichten …«
Wer »Rogue One« gesehen hat wird Episode IV mit ganz neuen Augen sehen.
Vor ein paar Monaten besprach ich an dieser Stelle das Buch »Armstrong« von Torben Kuhlmann. Das Kinderbuch in dem es um die Reise einer Maus zum Mond ging, hat mir sehr gut gefallen. Wobei es mir vor allem die Aquarellzeichnungen angetan haben.
Genauso so schön und lebensecht gezeichnet ist auch der Vorgängerband »Lindbergh«. Die üppig bebilderte Geschichte erzählt von einer Maus, die sich auf die Suche nach ihren Freunden macht und dazu ein Flugzeug bastelt, mit dem sie den Atlantik überquert. Das dabei nicht alles glatt verläuft, versteht sich von selbst. Denn im Hamburg um die Jahrhundertwende haben Mäuse viele Feinde. Ob nun die Katzen, die die Schiffe der Auswanderer bewachen, oder die Eulen, die auf den Schornsteinen der Häuser auf die kleinen Nager lauern oder die Erfindung der Mausefalle, all das wird in wunderschönen Bildern lebendig. Manchmal wirken die Bilder so echt, das man hineingreifen möchte.
»Lindbergh« war Torben Kuhlmanns Abschlussarbeit und wurde zu Recht mit vielen Buchpreisen ausgezeichnet. Ein Bilderbuch an dem nicht nur Kinder ihre Freude haben.