Mit alternden Punks auf Tour

Quelle: Wikipedia
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Was ist, wenn sich herausstellt das eine Zukunft existiert, das »No Future« nur eine leere Phrase ist und das einem die Wirklichkeit irgendwann einholt und man eine Entscheidung für sein Leben treffen muss? Wie geht jemand damit um, der sein Leben dem Punkrock verschrieben hat? Davon erzählt der Film »Hard Core Logo«. Eine kanadische Punkband trifft sich ein letztes Mal zu einer Benefiztour für ihren angeschossenen Mentor. Begleitet wird die Truppe von einem Kamerateam, das jede ihrer Späße, ihrer Streits und ihrer Intimitäten filmt.

Die Band hat sich vor Jahren getrennt aber Joe Dick, Billy Tallent, John Oxenberger und Pipe Pipefitter beschließen es noch einmal mit einander zu versuchen. Alle haben die Dreißig überschritten und jeder versucht seinem Leben einen Sinn zu geben. John klammert sich an Pillen und sein Schreibheft, Pipe an seine Freundin und den Alkohol. Der ehrgeizige Gitarrist Billy möchte ins professionelle Musikgeschäft einsteigen und hat ein vielversprechendes Angebot. Sein Freund Joe dagegen hat die Vision, dass sie zu viert auch die nächsten Jahre Musik machen werden, unabhängig vom Kommerz der Musikindustrie. Er war es auch, der die Mini-Tournee und die Benefizkonzerte initiiert hat. Offiziell weil er es seinem Mentor schuldig ist. Später stellt sich heraus, dass alles nur ein Schwindel war, um Billy in die Band zurückzuholen. Zwischen den beiden Männern besteht eine besondere Freundschaft, die schon fast als Liebe zu bezeichnen ist. Und an der zumindest einer von beiden am Ende zerbricht.

Das Roadmovie hat lustige, eklige und peinliche aber auch gefühlvolle Momente. Es ist die Suche von erwachsenen Männern nach ihrem Platz im Leben. Männer, die feststellen, dass sie keine 20-jährigen Punk-Kids mehr sind und dass es mit dem »No Future« nicht so funktioniert, wie sie immer gedacht haben. Die Bilder sind auch ohne Worte tiefsinnig und enthüllen die Wahrheiten über das Leben auf harte und direkte Weise bis zum überraschenden Ende.

Ich war anfangs etwas irritiert. Der Film ist wie eine Dokumentation gemacht. Es handelt sich aber um einen Spielfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Michael Turner beruht. Von ihm stammen auch die Texte zu den Songs, die vom Darsteller des Joe, Hugh Dillon, komponiert wurden. Der Soundtrack, besonders der Song »Who the hell do you think you are?« haut rein und zeigt das Punk längst nicht tot ist.

Der Film kam 1996 raus. Leider ist die DVD von 2005 nur noch gebraucht und zu unverschämten Preisen zu haben.

Das Geldmonster

Quelle: Amazon

»Die Börse ist wie ein Casino, in dem mit unserem Geld gespielt wird.«

So, oder so ähnlich, drückt sich der Antagonist des Films aus, den wir gestern Abend gesehen haben. »Money Monster« scheint irgendwie an mir vorbei gegangen zu sein, als er im Mai in den Kinos lief. Und das, wo ich eigentlich sonst keinen Film mit George Clooney verpasse.

Der Streifen handelt von einer Fernsehshow á la TV-Total, in der vom Moderator Lee Gates (George Clooney) Börsentipps gegeben werden. Eine Woche zuvor hatte der in die Jahre gekommene Gates, Aktien der Firma IBIS als sichere Anlage empfohlen. Wenige Tage darauf, brach der Kurs der Aktie durch einen angeblichen Computerfehler schlagartig ein und das Unternehmen verlor 800.000.000 Dollar an Wert. Ein verzweifelter Kleinanleger nimmt daraufhin Lee Gates und seine Crew während der Live-Sendung als Geißel und fordert eine Erklärung, wie es dazu kommen konnte. Doch der Chef von IBIS scheint wie vom Erdboden verschluckt und auch seine Angestellten tappen im Dunkeln. Eine Tatsache, die Gates Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts) misstrauisch macht. Während ein Sonderkommando der Polizei im Studio in Stellung geht, versucht sie die Sendung am Laufen zu halten und gleichzeitig herauszufinden, was genau bei IBIS passiert ist.

Der Thriller ist von der ersten Minute an spannend. Ich saß tatsächlich beinahe nägelkauend auf dem Sofa und verfolgte die Handlung mit klopfenden Herzen. Das was Regisseurin Jodie Foster da liefert, ist nicht nur perfekter Spannungsaufbau sondern auch intelligentes Kino. Dem Zuschauer wird erst nach und nach offenbart, welche Dimensionen und Auswirkungen der Vorfall hat. Interessant sind dabei die kleinen Einblendungen, wie die Welt auf die Geiselnahme in der Show reagiert. Menschen die sich überall vor Fernsehern versammeln und gebannt zusehen, was im Studio passiert. Aus dem Geiselnehmer (Jack O’Connell) schält sich nach und nach eine tragische Figur heraus und aus dem anfangs unsympathischen Lee Gates, wird ein Kämpfer für das Gute. Und selbst der Chef von IBIS (Dominic West) hat am Ende treffende Argumente für sein Handeln.

Wie das Ganze ausgeht, will ich an dieser Stelle nicht verraten. Das sollte sich jeder selbst ansehen, denn diesen Thriller muss man gesehen haben. Schön ist, dass trotz des ernsten Themas immer mal wieder komische Situationen passieren, die die atemlose Spannung durchbrechen. Sonst würde man sicher nicht bis zum Ende durchhalten. Genialer Film, mit herausragenden Darstellern über ein ernstes Thema aus der Welt der Finanzen, über die wir Normalsterblichen viel zu wenig wissen. Unbedingt anschauen!

Warten auf den König

Quelle: x-filme.de

Am Wochenende sahen wir uns »Ein Hologramm für den König« an. In dem Film setzt Tom Tykwer seine Zusammenarbeit mit Tom Hanks fort, die bei »Cloud Atlas« begonnen hatte.

Die Geschichte erzählt vom geschiedenen Manager, Alan Clay, der durch die Bankenkrise Geld und Job verlor und nun amerikanische Hochtechnologie an den saudischen König verkaufen muss. Doch so leicht wie er und seine Vorgesetzten sich das vorgestellt haben, ist es nicht. In Saudi Arabien wird Clay mit einer völlig widersprüchlichen Kultur konfrontiert, deren Unterschiede zwischen dekadentem Reichtum und bitterer Armut nicht größer sein können. Er und die Angestellten anderer Firmen aus Europa und den USA leiden nicht nur unter dem Klima und dem Alkoholmangel, sondern vor allem an den unmöglichen Zuständen und der Unnahbarkeit der Angestellten des Königs. Alan der seinen Biss verloren glaubte, findet ihn mitten in der Wüste wieder. Und nicht nur das, in den Begegnungen mit seinem Fahrer Yousef und der Ärztin Zahra offenbart sich ihm ein sehr persönlicher Eindruck von den Bewohnern des Wüstenstaates.

Es sind vor allem die Bilder, die es mir angetan haben. Der Film gewährt einen Einblick in die Welt des Reichtums und der Armut eines aufstrebenden Landes zwischen Tradition und Moderne. Er wirft kritische Fragen auf und beleuchtet die Zustände in einem Land, das die meisten von uns nur als Touristen kennen. Er hinterfragt aber genauso die Interessen des Westens. In Rückblenden auf Alan Clays Vergangenheit werden die Fehler des Kapitalismus genauso offenbart und hinterfragt, wie die ach so moralische Vollkommenheit der westlichen Welt, die an sich nicht existiert. Anhand des Themas mag man kaum glauben, dass die Geschichte voller Humor steckt und mit viel Freude von den Schauspielern Tom Hanks (Alan Clay), Alexander Black (Yousef) oder Sarita Choudhury (Zahra) dargeboten wird.

Wer mehr von der arabischen Kultur erfahren möchte und sich nicht vor einem kritischen Blick auf unsere westliche Welt scheut, dem sei der Film wärmstens empfohlen. Die tollen Aufnahmen von endloser Wüste und futuristischen Städten bekommt man gratis dazu geliefert.

Bildgewaltiger Doktor

Quelle: Kino.de

Ich bin nicht Comicaffin und habe auch mit den Marvel- und DC-Superhelden nicht so viel am Hut. Ehrlichgesagt habe ich kaum einen der Filme gesehen, die in den letzten Jahren im Kino liefen. An »Doctor Strange« reizte mich nicht nur die überwältigende Optik des Trailers, sondern vor allem der Hauptdarsteller. Benedict Cumberbatch ist eine Klasse für sich und genau aus diesem Grund macht er auch den Film zu etwas besonderem. Aber auch Tilda Swinton verleiht der Geschichte mit ihrem unnahbaren Charme Tiefe.

Die erste Viertelstunde brilliert Cumberbatch als gebrochener Egomane. Hier hat man als Zuschauer mehr das Gefühl einem Drama zu folgen als einer Comicverfilmung. Das wandelt sich, als er das Kloster in Nepal betritt. Ab hier verändert sich der Film hin zum Phantastischen.

Trotz der vielen Actionszenen verkommt der Streifen nicht zu einem der üblichen Hau-Drauf-Filme, sondern vermittelt mitunter tiefsinnige Botschaften. Wenn man die Logik außenvor lässt, ist die Geschichte um das Multiversum mit unendlich vielen Parallelwelten, durchaus interessant. Wobei mich das mit der dunklen Seite ziemlich sehr an Star Wars erinnerte. Gut finde ich die dezent eingestreuten witzigen Szenen, die die Handlung auflockern, damit sie nicht allzu erdrückend daherkommt.

Am beeindruckendsten sind jedoch die Effekte, die an eine gelungene Mischung aus »Matrix« und »Inception« erinnern. Vielleicht sollte man deshalb den Film auf der Kinoleinwand und in 3D sehen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Bilder auch am heimischen TV noch so bombastisch aussehen.

Eine Szene nach dem Abspann verrät, dass wir »Doctor Strange« nicht zu letzten Mal gesehen haben.

Eine Anmerkung muss ich noch loswerden. Die betrifft weniger den Film, als eher die Rolle von Benedict Cumberbatch. Leider wird er nach dem Erfolg von Sherlock auch in »Doctor Strange« in das gleiche stereotype Muster gepresst. Er scheint prädestiniert für die Rolle als egoistisches Arschloch, ob in »The Imitation Game« oder als Khan bei »Star Trek-Into Darkness«. Das finde ich ein bisschen Schade, denn der Schauspieler kann einiges mehr (siehe »Hawking« von 2004).

Ein Leben für den Punkrock

Quelle: Hirnkost
Quelle: Hirnkost

Wie schreibt man die Rezension zu einem Buch, bei dem man den Autor einigermaßen gut kennt?

Diese Frage stelle ich mir seit gut zwei Wochen. Solange habe ich nämlich »Für immer Punk« von Klaus N. Frick bereits durchgelesen. Und genauso lange liegt es jetzt schon auf meinem Schreibtisch. Ich gebe zu, dass es mir in diesem Fall schwerfällt objektiv darüber zu urteilen. Ich habe zwar keine Ahnung, wie ich unbeeinflusst darüber schreiben soll, aber ich versuche es trotzdem. Nach der netten Widmung, die der Autor mir dieser Tage noch im Buch hinterlassen hat, kriege ich’s wahrscheinlich am Ende doch nicht auf die Reihe, in dem Fall mag man mir verzeihen.

In 29 Kurzgeschichten erzählt Klaus N. Frick aus seinem Leben, mehr oder weniger jedenfalls. Wie er schon im Vorwort sagt, hat er den Wahrheitsgehalt der Geschichten verzerrt oder verändert, um sie für den Leser spannender und interessanter aufzubereiten. Das Besondere an den Erzählungen ist, dass sie in chronologischer Abfolge abgedruckt sind. Somit bekommt der Leser ein Gesamtbild über die Entwicklung eines Menschen, der sich nie in eine Ecke hat stellen lassen, oder gar in eine Schublade pressen. Konformität ist ihm genauso verhasst, wie Menschen ohne politische Meinung. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Manche Geschichten sind witzig, andere skurril und eklig, und bei manchen guckt man einfach nur staunend aus der Wäsche und reibt sich die Augen. Eines ist allen gemeinsam: sie sind spannend und einfach schön geschrieben. Am Ende ist man wieder um einiges schlauer.

Ich werde nicht auf jede Geschichte eingehen, sondern nur die herauspicken, die bei mir besonders hängengeblieben sind. Viele Geschichten habe ich mehrfach gelesen, einfach weil sie interessant oder ungewöhnlich waren.

Bei der Einstiegsgeschichte »Mein erster Kuss hieß Monika« hatte ich ein Déjà-vu. Vor Monaten besprach ich an dieser Stelle das Buch »Meine total verrückte Welt« von Mike Schmitzer, dem Redaktionsleiter des Chiemgau Wochenblatts. Er schrieb in einer seiner Geschichten ebenfalls über seinen ersten Kuss. Jetzt fielen mir die vielen Parallelen auf, die die zwei Geschichten miteinander verbinden. Beide handeln Mitte der Siebziger, es spielt ebenfalls eine Cousine eine Rolle und es geht um Flaschendrehen, nur dass Klaus von Mutter und Tante erwischt wird und das Ganze somit weniger glücklich endet. Irgendwie scheint Flaschendrehen in den Achtzigern aus der Mode gekommen zu sein, denn ich kann mich nicht erinnern, das mal gespielt zu haben.

In »An der Croisette« entführt uns der Autor nach Südfrankreich. Ich fühlte mich dabei an seinen Peter Pank-Roman »Chaos en France« erinnert. Das Lebensgefühl, die Stimmung und das eklige Ende, da passt alles zusammen. Das ist Punk!

Bei der nächsten Geschichte bin ich mir fast sicher, dass sie exakt so passiert ist. So etwas Groteskes kann sich niemand ausdenken. Sie trägt den Titel »Bei Bernhard zu Hause« und es geht um einen Menschen mit einer ganz besonderen Zwangsstörung. Als ich die Geschichte gelesen habe, war ich viel zu fasziniert, um mich zu ekeln. Das kam erst hinterher.

»Eine Reise ins Mutschelland« ist eine der längeren Erzählungen im Buch. Hier geht es um ein Konzert in einem Möbelhaus. Klaus ist der Fahrer, der das Equipment von Karlsruhe nach Ulm chauffieren muss und dabei so einigen merkwürdigen Leuten begegnet. Hier zeigt sich, dass der Autor über eine sehr gute Beobachtungsgabe verfügt und Menschen zu charakterisieren weiß.

Es folgen ein paar Geschichten aus den Neunziger Jahren. Diese haben in fast allen Fällen einen politischen Hintergrund. Was darauf schließen lässt, dass der Autor in dieser Zeit politisch sehr engagiert war. Das ist der Teil des Buches, an dem es ein wenig zäh wurde. Ich hätte mir dazwischen gern auch mal eine unpolitische Geschichte gewünscht.

Geradezu geflasht war ich von der Geschichte »Stuttgart bei Nacht«. Darin werden Klaus und seine Freunde verhaftet, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Das ist sehr spannend erzählt und hat mir mal wieder die Augen über unsere »Freunde und Helfer« bei der Polizei geöffnet.

Die letzten Kurzgeschichten stammen aus den 2000ern. Hier lässt sich sehr schön der Wandel vom aggressiven Punk zum … gemäßigteren und gereiften Menschen ablesen. Man spürt, wie ein bisschen der Biss verloren gegangen ist, jedoch ohne das sich das negativ auf die Geschichten auswirkt. Sie sind genauso interessant, nur hat sich der Grundton geändert. Es klingt manchmal fast schon nostalgisch & melancholisch.

Überraschenderweise gibt es nur eine einzige Geschichte mit sexuellem Inhalt. Darüber sag ich jetzt nichts. Dafür wird in den meisten viel Bier getrunken und ab & an auch eine geraucht, um auch dem Ausspruch »Sex, Drogen und Alkohol« Rechnung zu tragen, als Bedingung für ein Buch über Punk.

Jeder, der sich für ungewöhnliche Geschichten interessiert, der wissen will, was einen Punk umtreibt, und der ein bisschen in die Geschichte der deutschen Punkszene hineinschnuppern will, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. Es lohnt sich.

Erschienen ist »Für immer Punk« von Klaus N. Frick als Hardcover bei Hirnkost (ehemals Archiv der Jugendkulturen). Das Buch kann dort und in allen Buchhandlungen sowie beim Onlinehändler eures Vertrauens bestellt werden. Selbstverständlich ist die Kurzgeschichtensammlung auch als E-Book erhältlich.

Dorie gefunden

Am Samstag haben wir unsere Kinogutscheine eingelöst und uns »Findet Dorie« angesehen. Schon der Vorfilm war der Hammer. Ich habe mir ungläubig die Augen gerieben, weil ich nicht glauben konnte, dass es animiert sein sollte. Erst an den Augen des Strandläufer Kückens habe ich es erkannt. Ansonsten, war ich begeistert von den Wellen, dem Schaum und den einzelnen Sandkörnern, das sah täuschend echt aus. Wenn ich bedenke, wie ich an der Universität mit meiner ersten Animation gekämpft habe und wie begrenzt damals in den Neunzigerjahren die Mittel waren, schien der Vorfilm aus einem anderen Universum zu stammen.

Doch zurück zu Dorie. Es war eine kluge Idee, sie zur Protagonistin zu machen. Denn verglichen mit Nemo und den anderen Fischen, zählte sie schon in »Findet Nemo« zu den interessanteren Charakteren. In »Findet Dorie« erfährt das noch eine Steigerung. Ein Fisch mit Gedächtnisschwund sorgt für jede Menge komischer Szenen. Doch das reicht natürlich nicht aus. Die Macher von Pixar haben wie immer eine spannende Geschichte drumherum gepackt und was besonders auffällt viele unglaublich gute Figuren dazu. Allen voran Septipus Hank (ein Oktopus mit nur sieben Fangarmen), der bisweilen sogar Dorie die Schau stiehlt. Ob bairisch sprechende Seelöwen oder ein kurzsichtiger Walhai, die Charaktere sind allesamt sympathisch. Und als Dorie schließlich am Ziel ist, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Ein vergnüglicher Film bei dem mich eigentlich nur die Sache mit Franziska van Almsick gestört hat. Der Name und die Stimme irritierten mich eher, weil das Meeresaquarium ja in Kalifornien steht. Wozu sollte da eine deutsche Schwimmerin die Ansagen machen? Im englischen Original spricht nämlich Sigourney Weaver und es gibt extra ein paar Anspielungen auf Alien. Ein Grund, den Film auch mal im Original anzusehen.

Nicht »abgefahren«

Quelle: Amazon
Quelle: Amazon

Als langjährige Zugreisende habe ich schon die haarsträubendsten Geschichte mit der Deutschen Bahn erlebt, deshalb machte mich der Untertitel des Buchs neugierig. Ich hatte es in einer Bahnhofsbuchhandlung entdeckt, als ich mal wieder eine längere Wartezeit am Bahnhof überbrücken musste. Ich blätterte darin herum, las zwei Seiten und dachte mir, dass es ein witziges Lesevergnügen würde.

Leider wurde ich eines Besseren belehrt. Statt witziger Geschichten über Bahnpersonal und -reisende bekam ich die rührselige Lebensgeschichte einer jungen Frau vorgesetzt. Das mag Menschen, insbesondere Frauen, die gern Cora-Romane lesen durchaus gefallen, den Lesern, die mit dem Buch angesprochen werden sollen aber eher nicht. Von dem was mir auf dem Buchdeckel versprochen worden war, bekam ich nur einen Bruchteil. Endlose zwei Kapitel schleppt ich mich durch die klischeebeladene Erzählung einer Lebens(Liebes)Geschichte, bevor im dritten Kapitel die erste halbwegs interessante Episode in der Bahn auftauchte. Kapitel vier, jenes was ich im Buchladen gelesen hatte, enthielt die beste Geschichte des ganzen Romans. (Ja, es ist eigentlich ein Roman, obwohl man das dem Klappentext nicht entnehmen kann.) Die weiteren Kapitel versumpfen immer wieder zwischen Beschreibungen familiärer Probleme und den Lehrbuchhaften Erklärungen zu den Vorgängen bei der Deutschen Bahn. Das ist ärgerlich und entzieht den wenigen gut erzählten Anekdoten die Grundlage.

Ich finde, die Autorin hätte sich im Vorfeld auf eines festlegen müssen; entweder auf einen autobiografischen Liebesroman oder eine Sammlung witziger Geschichten. Wobei ihr simpler Schreibstil Letzteren mehr entgegengekommen wäre. Für einen Roman, der eine Lebensgeschichte erzählt, ist die verwendete Sprache zu platt und nicht gut genug.

Schade! Die »abgefahrenen Erlebnisse einer Zugbegleiterin« hätten das Zeug zu einem richtig unterhaltsamen Buch gehabt. Leider geht der Gedanke zwischen Sentimentalitäten und Klischees verloren. Von mir gibt es deshalb keine Kaufempfehlung.

Praxisbuch für Laien und Profis

Quelle: www.mandl-schwarz.com

Mit der Affinity Designer App existiert auf dem Mac seit ein paar Jahren eine echte Alternative zu Adobe Illustrator und CorelDRAW. Jeder der schon mal mit Illustrator gearbeitet hat, findet sich relativ schnell zurecht. Dennoch gibt es hin und wieder Fragen zu bestimmten Techniken oder man stößt auf unbekannte Funktionen. Spätestens dann ist es von Vorteil, wenn man ein Buch hat, in dem man nachschlagen kann. Ich weiß, es gibt im Internet jede Menge Tipps und Tutorials, aber so ein gut konzipiertes Buch ist aus meiner Sicht unersetzlich. Da hat man oftmals schneller nachgeschlagen, als im Internet gesucht.

Mit dem »Praxisbuch zu Affinity Designer« stellt der  Mandl & Schwarz Verlag ein solides Werk vor. Ich hatte mehrere Monate Zeit, um die beschriebenen Möglichkeiten und Beschreibungen ausführlich zu testen und bin sehr angetan. Der Aufbau ist selbst für Laien logisch und in sich schlüssig. Es werden Grundlagen zur Arbeit mit Vektorgrafiken und Text erläutert. Anhand von Tipps und Beispielen bekommt man einen Einblick in die umfangreichen Möglichkeiten, die das Programm bietet. Außerdem warnt es vor Fehlern, die unbedarfte Einsteiger gerne machen.

In den ersten vier Kapiteln geht es hauptsächlich um die Einführung in das Programm und die Welt der Grafik. Das Wissen wird in den darauffolgenden Kapiteln vertieft, um im letzten Abschnitt an konkreten Beispielen zu zeigen, wie man professionell aussehende Logos, Cliparts, oder Infografiken erstellt. Bevor es am Ende in freien Illustrationen aus der Kombination von Pixel und Grafik gipfelt.

Durch viele Bilder, Grafiken und erklärende Zusatztexte am Rand sind die Beschreibungen der Funktionen und Anleitungen lesbar aufbereitet. Die Erklärungen sind ergebnisorientiert und durch den lockeren Schreibstil des Autors kann man ihnen leicht folgen.

Auch wenn mir durch meine grafische Ausbildung vieles bereits vertraut war, habe ich dennoch neues entdecken können. Besonders fasziniert war ich von den Gestaltungsoptionen des Pixel Persona. Quasi einem Bestandteil von Affinity Designer, mit dem man pixelorientiert malen und zeichnen kann. Die Fülle von Funktionen ist im ersten Moment etwas überwältigend, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Es war mir eine große Freude die Beispiele anhand eigener Grafiken und Bilder durchzuprobieren.

Mit dem »Praxisbuch zu Affinity Designer« bekommt man ein wertvolles Nachschlagewerk, das ich jedem Nutzer von Affinity Designer ans Herz lege. Vom gleichen Autor gibt es auch »Das Praxisbuch zu Affinity Photo«, dass ich mir ebenfalls zulegen möchte, nachdem ich diese Woche verzweifelt versucht habe, ein Foto mit dem Programm freizustellen.

»Das Praxisbuch zu Affinity Designer« von Günter Schüler hat 320 Seiten und kostet 29,95 EUR. Es kann auf der Verlagsseite oder im Buchhandel bestellt werden und ist ebenfalls als E-Book erhältlich. Eine Leseprobe gibt es hier.

Kostümfilm mit Herz

Quelle: Amazon
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Das Alan Rickman nicht nur ein begnadeter Schauspieler war, sondern auch ein sehr guter Regisseur bewies er mit dem Streifen »Die Gärtnerin von Versailles«

Ich entdeckte den Film rein zufällig bei Müller und habe ihn gestern Abend in ganzer Länge genossen. Die Handlung dreht sich um den Bau der Gärten von Versailles. Alan Rickman spielt höchstselbst den Sonnenkönig, Ludwig den XIV., der das Können seiner Baumeister und Architekten an die Grenzen treibt. Sein Landschaftsgärtner Le Notre sucht daher nach ungewohnten Wegen, weg von der klassischen Ordnung zum geordneten Chaos. Da er das selbst nicht beherrscht, engagiert er Sabine da Barra. Die Witwe hat sich nach dem tragischen Tod von Mann und Kind der Gärtnerei verschrieben und ihre Entwürfe versetzen den Meister in Erstaunen. Zwischen Sabine und Le Notre entspannt sich eine zarte Beziehung, die von der Frau des Meisters kritisch beäugt wird.

Die Geschichte zeigt wie sich eine mutige Frau im Frankreich des 18. Jahrhunderts durchzusetzen vermochte. Brillant gespielt wird Sabine da Barra von Kate Winslet, die zusammen mit dem Belgier Matthias Schoenaerts – als Le Notre – ein außergewöhnliches Traumpaar bildet. Die opulenten Kostüme und die ungewöhnlichen Kameraeinstellungen machen aus dem Film ein echtes Meisterwerk. Die Handlung ist dicht geschrieben und ausnahmslos alle Darsteller gehen in ihren Rollen auf. Alan Rickman gelingt ein frischer und realistischer Blick in die Epoche des Sonnenkönigs. Wer den Film gesehen hat, wird beim nächsten Besuch von Versailles, die Gärten mit anderen Augen sehen.

Fazit: Mit »Die Gärtnerin von Versailles« verlebt man einen wunderbar romantischen Filmabend, der zu keinem Zeitpunkt kitschig wird. Das ist großes Kino von einem viel zu früh verstorbenen Alan Rickman.

Mit Antonio in NYC

Vor etlichen Jahren las ich in der »Bahn Mobil« die Leseprobe zum Roman »Antonio im Wunderland« von Jan Weiler. Seitdem bin ich großer Fan des Autors und habe eine Vielzahl seiner Werke gelesen. Dabei ist mir »Antonio im Wunderland« am tiefsten im Gedächtnis geblieben. Ich erinnere mich noch gut an die Passage, in der der Held Jan mit seinem Schwiegervater im Emigration Office am JFK festsitzt. Damals habe ich Tränen gelacht. Jan Weiler trifft die Atmosphäre und haucht seinen Protagonisten auf unverwechselbare Art Leben ein.
»Antonio im Wunderland« ist die Fortsetzung des Romans »Maria ihm schmeckt’s nicht«, in dem der Autor zum ersten Mal von seiner Frau und ihrem italienisch-stämmigen Vater berichtet. Der Roman wurde 2009 mit Christian Ulmen verfilmt. Mir hat der Film damals nicht so recht gefallen, weil die Handlung des Romans ziemlich stark verändert wurde und ich die besten Szenen aus dem Buch vermisste. Seit dem 18. August läuft nun die Verfilmung von »Antonio im Wunderland« in den Kinos. Unter dem reichlich blöden Titel »Antonio ihm schmeckt’s nicht« haben wir uns den Film gestern angesehen.

Auch hier wurde wieder die Handlung verändert und dabei vielleicht ein bisschen zu tief in die Klischeekiste gegriffen. Denn davon, dass der Schwiegervater mit in die Flitterwochen fährt, war im Roman nicht die Rede. Der Hintergrund der Reise war im Buch ein zutiefst ernster, ging es doch um den Verfall des Heimatdorfes von Antonio, der sich von seinem Freund dem Architekten Hilfe versprach. Auch das unmögliche Verhalten der schwangeren Sara, die Hormongesteuert nur noch an Geburtstvorbereitungskurse und die Einrichtung des Kinderzimmers inkl. Kinderwagen denkt, machte dem Zuschauer den Charakter zutiefst unsympathisch. Zwar haben die Macher dieses Mal die besten Szenen eins zu eins umgesetzt, was bei den Kinobesuchern großes Gelächter hervorbrachte. Aber die homophobe Anspielung über das unfreiwillige Hochzeitspärchen Jan und Antonio, war überzogen und irgendwann nur noch nervig. Ich habe mich zwar neunzig Minuten lang gut unterhalten, was aber wahrscheinlich daran lag, dass ich das Buch kannte und die Aufnahmen von NYC bei mir ein bisschen Heimweh verursachten.

Wer »Antonio im Wunderland« richtig genießen möchte, dem empfehle ich die Hörbuchfassung, gelesen vom Autor. Jan Weiler versteht es prima, dem kauzigen Schwiegervater auch akustisch zum Leben zu erwecken.

Fazit: Auch dieser Film vergibt die Chance einen tollen Roman richtig umzusetzen. Und vielleicht fällt auch deshalb nirgendwo, weder im Abspann noch auf dem Kinoplakat, der Name des Autors. Das fand ich schon sehr auffällig.