Mit alternden Punks auf Tour

Quelle: Wikipedia
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Was ist, wenn sich herausstellt das eine Zukunft existiert, das »No Future« nur eine leere Phrase ist und das einem die Wirklichkeit irgendwann einholt und man eine Entscheidung für sein Leben treffen muss? Wie geht jemand damit um, der sein Leben dem Punkrock verschrieben hat? Davon erzählt der Film »Hard Core Logo«. Eine kanadische Punkband trifft sich ein letztes Mal zu einer Benefiztour für ihren angeschossenen Mentor. Begleitet wird die Truppe von einem Kamerateam, das jede ihrer Späße, ihrer Streits und ihrer Intimitäten filmt.

Die Band hat sich vor Jahren getrennt aber Joe Dick, Billy Tallent, John Oxenberger und Pipe Pipefitter beschließen es noch einmal mit einander zu versuchen. Alle haben die Dreißig überschritten und jeder versucht seinem Leben einen Sinn zu geben. John klammert sich an Pillen und sein Schreibheft, Pipe an seine Freundin und den Alkohol. Der ehrgeizige Gitarrist Billy möchte ins professionelle Musikgeschäft einsteigen und hat ein vielversprechendes Angebot. Sein Freund Joe dagegen hat die Vision, dass sie zu viert auch die nächsten Jahre Musik machen werden, unabhängig vom Kommerz der Musikindustrie. Er war es auch, der die Mini-Tournee und die Benefizkonzerte initiiert hat. Offiziell weil er es seinem Mentor schuldig ist. Später stellt sich heraus, dass alles nur ein Schwindel war, um Billy in die Band zurückzuholen. Zwischen den beiden Männern besteht eine besondere Freundschaft, die schon fast als Liebe zu bezeichnen ist. Und an der zumindest einer von beiden am Ende zerbricht.

Das Roadmovie hat lustige, eklige und peinliche aber auch gefühlvolle Momente. Es ist die Suche von erwachsenen Männern nach ihrem Platz im Leben. Männer, die feststellen, dass sie keine 20-jährigen Punk-Kids mehr sind und dass es mit dem »No Future« nicht so funktioniert, wie sie immer gedacht haben. Die Bilder sind auch ohne Worte tiefsinnig und enthüllen die Wahrheiten über das Leben auf harte und direkte Weise bis zum überraschenden Ende.

Ich war anfangs etwas irritiert. Der Film ist wie eine Dokumentation gemacht. Es handelt sich aber um einen Spielfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Michael Turner beruht. Von ihm stammen auch die Texte zu den Songs, die vom Darsteller des Joe, Hugh Dillon, komponiert wurden. Der Soundtrack, besonders der Song »Who the hell do you think you are?« haut rein und zeigt das Punk längst nicht tot ist.

Der Film kam 1996 raus. Leider ist die DVD von 2005 nur noch gebraucht und zu unverschämten Preisen zu haben.

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