Ein schmerzvoller Abschied

Quelle: Amazon
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Fan-Edition-, PERRY RHODAN-Arkon- und ganz aktuell MADDRAX-Autor Ben Calvin Hary wagt ein Experiment. Vor wenigen Wochen startete er im Kindle-Store eine Fortsetzungsgeschichte mit dem Titel »Ein Zimmer auf dem Mars«.

In Teil eins »Abschied von Terra« geht es um Conell Biggs der mit seiner Familie zum Mars fliehen will. Der Grund ist einfach. Die Erde liegt nach weltweiten Kriegen in Trümmern, die Umwelt ist nachhaltig zerstört und die chinesischen Besatzer halten die verbliebenen Menschen in Europa unterdrückt. Jeder der Geld hat, wandert auf den Mars aus, um sich in der dort gegründeten Kolonie ein neues Leben aufzubauen.

Die Flucht zum Raumhafen und ins rettenden Raumschiff bringt Biggs, dessen Frau Gill und ihren zweijährigen Sohn Marco an ihre Grenzen. Ben Calvin Hary erzählt das sehr atmosphärisch und unheimlich spannend. Man fiebert mit der Familie und fühlt sich in dem beschriebenen Todesstreifen rund um den Raumhafen ein wenig an die vergangene DDR erinnert. Die Schilderung des Regenwetters und der tristen in Trümmern und Matsch liegenden Umwelt ist so real beschrieben, dass ich mich tatsächlich in die Geschichte hineinversetzt fühlte. Die Hoffnungen und Nöte der Familie sind toll gezeichnet, die Figuren lebendig und ihr Schicksal aufwühlend.

Am Ende des ersten Teils hielt ich tatsächlich den Atem an und giere seit dem auf eine Fortsetzung, die hoffentlich nicht lange auf sich warten lässt. Toller Lesestoff!

»Abschied von Terra« ist für 0,99 EUR im Kindle-Store von Amazon erhältlich.

Wer mehr über den Autor wissen will, dem lege ich Bens Blog ans Herz. Dort postet er Neuigkeiten über seine aktuellen Projekte. Und wer ihn zusammen mit meinem Schreibcoach auf einem Panel über Autorenwege erleben will, dem empfehle ich folgendes Video.

Das Ende der Parade

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Seit »Sherlock« bin ich großer Anhänger von Benedict Cumberbatch. Das der Brite ein herausragender Schauspieler ist, beweist er unteranderem in der BBC Miniserie »Parade’s End«.

In der 2014 erschienenen Serie geht es um einen jungen Mann, der als letzter die Tugenden der englischen Gesellschaft hochzuhalten versucht, während die Moral im England vor und während des ersten Weltkriegs vor die Hunde geht. Bis zum Schluss setzt er sich dem gesellschaftlichen Wandel entgegen und nimmt in großer Selbstaufopferung alles in Kauf.

Christopher Tietjens heiratet eine Frau, von der er nicht weiß, ob das Kind, das sie austrägt von ihm ist. Sie dankt es ihm, in dem sie mit jedem fremdgeht, der ihr unter die Finger kommt. Er schenkt einem Freund so viel Geld, bis er selbst vor dem Ruin steht. Er zieht für sein Land in den Krieg und versucht sich für die Belange seiner Untergebenen einzusetzen, ohne Rücksicht auf seine eigenen. Er ist der perfekte Gentleman. Dabei werden von Freunden und Familie böse Gerüchte über ihn gestreut, weil keiner glaubt, dass jemand so tugendhaft ist. Selbst als er sich in die blutjunge Suffragette Valentine Wannop verliebt, bleibt er seinen Tugenden treu und nimmt sogar seine Ehefrau zurück, die kurzzeitig mit einem Liebhaber durchgebrannt war. Der eigentlich sehr empfindsame Christopher erträgt die Demütigungen durch seine Frau, die Anfeindungen durch Familie und Freunde und die Folgen des Kriegseinsatzes mit aufrechter Beharrlichkeit.

Ausdrucksvoll und mit Mut zur Hässlichkeit schauspielert sich Benedict Cumberbatch in die Herzen der Zuschauer. Man leidet mit ihm, möchte ihn aufrütteln sich gegen die Unbilden zu wehren und den Pfad der Tugend zu verlassen, auf dem er der einzige zu sein scheint. Aber auch die beiden weiblichen Hauptrollen, gespielt von einer überragenden Rebecca Hall als Tietjens Frau Sylvia und Adelaide Clemens als fleischgewordene Unschuld Valentine Wannop, stechen aus der Geschichte heraus.

Ich habe die sechs 45-minütigen Folgen geradezu verschlungen. Eine der besten BBC Serien die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Empfehlenswert!

Maus auf dem Mond – Ein Bilderbuch

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Ich freue mich wie ein kleines Kind über das Bilderbuch, das ich heute geschenkt bekommen habe. Tatsächlich ist es ein Kinderbuch und es geht um eine Maus, die zum Mond fliegt. Die schön gezeichneten Illustrationen sind einfach überwältigend.

Autor und Illustrator Torben Kuhlmann hat nach »Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus« mit »Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond« ein weiteres Kunstwerk geschaffen, an dem man sich nicht sattsehen kann. Die detailreichen großformatigen Zeichnungen sind so lebensecht, dass man glauben könnte, die kleine Maus käme jeden Augenblick aus dem Buch gesprungen. Originell ist das Cover im Vintage-Look, das mit den abgestoßenen Kanten aussieht, als habe es schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Auch die vielen Skizzen auf den Umschlaginnenseiten in weiß auf schwarz sind spannend.

Die Geschichte selbst beschränkt sich auf wenige Seiten und ist in verständlichen kurzen Sätzen gehalten. Sie ist sowohl zum Vorlesen als auch zum Lesen geeignet. Im Vordergrund stehen jedoch die Bilder. Eigentlich sind sie es, die die Geschichte erzählen. Die Abbildungen sind aussagekräftig, lassen aber dennoch Spielraum für Phantasie. Nebenbei können Kinder noch englische Begriffe lernen, die in den Zeichnungen auf kleinen Zetteln oder auf Zeitungsausschnitten zu sehen sind. Die Reise der Maus beginnt nämlich in New York City und zwar bereits 1955 fast 14 Jahre vor der ersten Mondlandung. Wer wissen will, wie die kleine Maus mitgeholfen hat, dass Menschen zum Mond flogen, der sollte sich das Buch kaufen.

Am Ende gibt Torben Kuhlmann noch einen kleinen Einblick in die Geschichte der Raumfahrt. Wobei er zwar Konstantin Ziolkowski und auch Robert Goddard erwähnt, aber den eigentlichen Vater der modernen Raumfahrt Hermann Oberth vergisst. Ein Zeichen dafür, wie wenig Wertschätzung der Deutsche aus Siebenbürgen in Deutschland erfahren hat, dass die Wenigsten sein bedeutendes Werk kennen.

Dennoch ist das Buch ein gelungener Bildband, von dessen Illustrationen sich nicht nur Kinder immer wieder gerne verzaubern lassen. Jetzt möchte ich auch noch »Lindbergh« lesen.

Von der Kolumne zum Buch

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Mir wurde die Erfüllung eines langgehegten Wunsches zuteil. Seit mehr als zwei Jahren falte ich jeden Mittwochnachmittag das Wochenblatt zusammen und sage zu meinem Mann: »Die Texte der Kolumne sollte man zu einem Buch zusammenfassen.« Nun endlich im Frühjahr diesen Jahres war es soweit. Dass ich erst jetzt dazu gekommen bin, es zu lesen, ist eigentlich eine Schande, aber die Arbeit am eigenen Buch hat mich viele Reserven gekostet.

Wovon ich spreche, ist die Kolumne »Verrückte Welt« vom Redaktionsleiter des Chiemgau Wochenblattes – Mike Schmitzer. Jede Woche erfreut er die Leser mit kleinen Anekdoten aus seinem Alltag. Meist vergnüglich, mal nachdenklich, aber immer authentisch berichtet er von Erlebnisse mit der Familie oder macht sich Gedanken zu »wichtigen« Fragen des Lebens. Bereits im vergangenen Jahr thematisierte ich eine seiner Kolumnen in einem meiner Blogeinträge.

Jetzt gibt es ein ganzes Buch mit den besten Kolumnentexten. Die einundsiebzig meist nur eineinhalb Seiten langen Texte über verlorene Socken, Erlebnisse mit den Puh-Bären (seinen pubertierenden Kindern) oder dem nicht kooperativen Kaffeeautomaten haben mir sehr viel Spaß bereitet. Auch wenn ich die eine oder andere Geschichte schon aus der Zeitung kannte. Das Lesen seiner Geschichten ist ein bisschen wie eine Sucht. Erst nimmt man sich vor nur ein paar Seiten zu lesen, einfach um es länger genießen zu können. Doch dann, denkt man: Ach komm, nur noch die eine … Ach, die nächste auch noch … und eigentlich könnte ich die nächste jetzt auch noch lesen. Und ohne das man es bemerkt, hat man das Buch schneller durch, als man wollte.

Mike Schmitzer verwendet beim Erzählen ausschließlich das Präsens. Etwas das von Autoren der Gegenwartsliteratur unverständlicherweise geschmäht und verachtet wird. Ich persönlich mag die Zeitform sehr gern, weil sie einen direkten Bezug zum Leser herstellt, man quasi in den Text hineingezogen wird. Vom Inhalt sind seine Geschichten vergleichbar mit Jan Weilers Pubertier-Geschichten. Vom Stil her erinnert der Autor mich in seiner schlichten aber pointiert präzisen Ausdrucksweise an PR-Chefredakteur Klaus N. Frick. Kein Wunder, machte doch Letzterer seine ersten journalistischen Schritte ebenfalls in einer Lokalredaktion.

Ich kann nur jedem die Kürzestgeschichten von Mike Schmitzer ans Herz legen. So viel Freude wie »Meine total verrückte Welt« hat mir in letzter Zeit kein Buch bereitet. Wer einfach mal abtauchen will, in die heiteren Abgründe des Alltags, der ist mit dem Buch gut aufgehoben. Und vielleicht überlegt es sich der Autor und bringt ein weiteres Buch (gern mit längeren Geschichten) oder gar einen Roman heraus. Eine potentielle Leserin hätte er schon.

Der Roman erschien im SüdOst Verlag und kann hier bzw. bei allen gängigen Onlinehändlern bestellt werden. Dort gibt’s auch eine Leseprobe zum download.

Tierisches Kinovergnügen

Quelle: Kino.de
Quelle: Kino.de

Dieser Tage kommen so viele schöne Filme im Kino, dass man sich kaum entscheiden kann, was man zuerst ansehen soll. Gestern waren wir in »Pets«, dem Animationsfilm über Haustiere in NYC. Von den Machern von »Ich einfach unverbesserlich« und den »Minions«, die übrigens in einem superwitzigen Vorfilm zum Zuge kommen. Dort stellen die gelben Winzlinge mit einem Rasenmäher den Vorgarten einer Rentner-WG auf den Kopf.

Mir gefiel bereits der Trailer von »Pets« so gut, dass ich den Film unbedingt ansehen musste. Hauptfigur des Films ist der Hund Max, dessen Frauchen eines Tages einen zweiten Hund – Duke – mit nach Hause bringt. Natürlich kommt es zwischen den beiden zu Stunk und die Hunde gehen beim Gassigehen mit dem Hundesitter verloren. Erst landen sie im Fahrzeug der Animal-Patrol und später in der Unterwelt bei den verstoßenen Haustieren, zu dem auch ein tätowiertes Schwein gehört. Der Anführer, ein kleines weißen Kaninchen, ist nicht nur ein bisschen gestört, sondern hat ziemlichen einen an der Hacke, als er den Tod der ganzen Menschheit fordert. Unter der Leitung von Gidget einer kleinen weißen Hundedame, die heimlich in Max verliebt ist, suchen währenddessen Max‘ Freunde nach ihm. Auf der Irrfahrt erleben sowohl Max und Duke, als auch seine Freunde jede Menge Abenteuer.

Die Geschichte ist liebenswert und spannend, mit vielen Wendungen und Slapstickeinlagen. Wie ein Trickfilm eben sein sollte. Mir standen mehrfach vor Lachen die Tränen in den Augen. Eine Menge witziger Idee wurde von den Machern verwirklicht. Neben lustigen Momenten gab es brenzlige und manchmal auch ziemliche gruselige Momente. Ich mit meiner Schlangenphobie bekam bei der Szene mit der Viper und den Wächterschlangen reichlich Gänsehaut. Was vor allem am 3D-Effekt lag. Wenn einem so ein Schlangenmaul überlebensgroß vor einem schwebt, kann man schon das Zittern kriegen. Witzig dagegen war die Wurstfabrik. Sie erinnerte ein bisschen an die Candywelt aus »Ralph Reicht’s« nur mit Würsten.

Es gibt einen einzigen Kritikpunkt, den ich anbringen muss. Der Film wurde augenscheinlich von Hundefans produziert, weil die Katzen darin ziemlich schlecht wegkommen. Sie werden als egoistisch, träge oder bösartig dargestellt. Da wurden meines Erachtens etwas zu viele Klischees bedient.

Fazit: Ich habe mich bei »Pets« 100 Minuten lang amüsiert und nicht einen Moment gelangweilt. Ein richtig schöner Film zum Abschalten und die Realität hinter sich lassen. Nicht nur für Kinder.

Mein Lieblingsfigur ist Leonard der Punk-Pudel. Leider hat er keine Sprechrolle. Schade!

Hier eine Zusammenfassung aller erschienen Trailer:

Geschichten aus Hollywoods goldener Ära

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Hail, Caesar!

Als der Film im Kino lief, schaffte ich es aus Zeitgründen nicht, ihn anzusehen. Da ich fast alle Filme der Coen Brüder im Regal habe und den Film sowieso kaufen wollte, war es auch nicht so schlimm. Vergangene Woche kam er auf DVD & Blu-ray raus und als großer Coen und Clooney Fan ließ ich es mir nicht nehmen, ihn noch am gleichen Abend anzusehen.
Den speziellen Humor von Ethan und Joel Coen muss man mögen. Und mit »Hail, Caesar« liefern die Brüder wieder eine lustige aber auch hintergündige Story ab. Es geht um ein Filmstudio im Hollywood der Fünfziger. Den Golden Zeiten also, in dem mit großem Aufwand Revuefilme, Western und Monumentalfilme produziert wurden. Als ein wichtiger Hauptdarsteller spurlos verschwindet, sorgt Problemlöser Eddie Mannix (Josh Brolin) dafür, den Vorfall aufzuklären und möglichst zu vertuschen.

Wer die Filme der Coen Brüder kennt, weiß, dass dort nicht alles so abläuft, wie es der Zuschauer erwartet und vor allem, dass die Charaktere alles andere als perfekt sind. Heutige Hollywoodstars reißen sich darum, in den mitunter skurrilen Filmen mitzuspielen, weil die Figuren vor allem eines haben – Bandbreite. So spielt Frauenschwarm George Clooney den dümmlichen Hauptdarsteller mit so viel Würde, wie nur er es vermag. Aber auch Stars wie Tilda Swinton in einer Doppelrolle, Scarlett Johansson als verwöhnte Schauspielerin oder Ralph Fiennes als exzentrischer Regisseur sowie viele andere, können die Macken ihrer Charaktere voll ausspielen. Da gerät die Handlung um den Entführungsfall beinahe schon in den Hintergrund. Die Auflösung am Ende überrascht wie immer bei einem Film der Coens. Die übertriebene Ernsthaftigkeit, mit der die Figuren agieren, verzerrt die Geschichte bis zur Satire. Übrigens, in kleinen Nebenrollen sind Robert Picardo (Holodoc der Voyager), Christopher Lambert und Dolph Lundgren zu sehen.

»Hail, Caesar« ist der dritte Teil der sogenannten numbskull (Schwachkopf) Trilogie zu der die beiden Filme: »Oh Brother where art thou« und »Burn After Reading« gehören. Und doch ist er kein Schenkelklopfer. Der Humor ist tiefgründig und spart nicht an Systemkritik, sowohl der von Hollywood, als auch politisch. Man sollte von einem solchen Film nicht erwarten, dass es reicht, das Gehirn auszuschalten und sich berieseln zu lassen. Dafür gibt es zu viele versteckte Details zwischen den Zeilen.

Fazit: 100 Minuten intelligenter Humor vom Feinsten und ein Hauptdarsteller (Josh Brolin) dessen Rolle als einzige mit einer gewisse Ernsthaftigkeit aufwarten kann. Großartig!

Armageddon der Eiszeit

Ich komme gerade aus dem Kino. Wir haben uns den fünften »Ice Age« Film angesehen. Der Untertitel »Kollisionskurs« erklärt ja schon, um was es geht. Der liebe Scrat hat beim verzweifelten Versuch seine Eichel zu knacken ein größeres kosmisches Chaos angerichtet und nun wird die Erde der Steinzeit von einem Asteroiden bedroht.

Das Setting, vor allem das im Weltraum, ist stellenweise atemberaubend, ohne tatsächlich real zu wirken. Es wird durch den 3D-Effekt unterstützt. Der Asteroid der sich in lila Staub auflöst oder die Leuchtspur die das UFO mit Scrat an Bord hinterlässt, gefiel mir dabei am besten. Aber auch auf der Erde werden alle Register der Animation gezogen. Wobei hier der Lebensraum in der Geode mein unumstrittener Favorit war.

Die bekannten Charaktere rund um Sid, Manni und Diego werden um Mannis zukünftigen Schwiegersohn Julian ergänzt. Was genügend Stoff für eine Familiengeschichte im Stil von »Meine Braut, mein Schwiegervater und ich« lässt.

Für Kinder sympathisch erzählt und für Erwachsene mit jeder Menge witziger Anspielungen gespickt, hat mich »Ice Age V« neunzig Minuten lang prima unterhalten.

Was meinen Kinobesuch aber dieses Mal besonders gemacht hat, war ein Werbfilmchen der Allianz. Erinnert sich noch jemand an die gesungene Werbung, in der ein junger Mann mit einem Käfer durch einen italienischen Ort fährt und in einen Tomatenlaster kracht. Es muss Anfang der Achtziger gewesen sein, als ich den Spot zum ersten Mal sah. Nun gibt es ihn in Neuauflage mit einer jungen Frau und einem Beetle, nur sind es jetzt Gurken und keine Tomaten. Beide Spots laufen parallel und das Lied ist dasselbe von damals. Die Werbung hat bei mir einige längst vergessene Erinnerungen geweckt. Übrigens, die Filmchen mit dem Kirschbaum und dem bösen Nachbarn sowie den mit der Bananenschale gibt es jetzt auch wieder.

Die Abenteuer eines Strafversetzten

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Inspiriert durch den Vortrag von Dr. Hubert Zitt in Bonn, holten wir die DVDs von »Raumpatrouille Orion« aus dem Schrank, um sie uns endlich anzusehen. Die dämmerten dort schon seit fast zehn Jahren ungesehen vor sich hin.

Ich kannte die Serie nur in Ausschnitten und vom Hörensagen, wusste, das dort Haushaltsgegenstände wie Bügeleisen und Eisportionierer als Requisiten verwendet wurden. Sie dann endlich mal in voller Länge zu sehen, war eine echte Offenbarung.

In den Geschichte standen in erster Linie nicht die Abenteuer der ORION im Vordergrund, sondern überraschenderweise ging es um die politischen Ränkespiele zwischen Raumflotte, GSD und Erdregierung. Thematisiert in beinahe jeder Folge wurde die Strafversetzung von Kommandant McLane und dessen ständiges Missachten von Befehlen, das am Ende jedoch stets gerechtfertigt war.

Der Ton der Serie sollte damals modern sein, kann heute aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ein Kind der Sechzigerjahre ist. Einerseits ist eine Frau Chefin der schnellen Eingreifverbände, andererseits werden Frotzeleien über Frauen gemacht, die schon ziemlich Klischeehaft sind. Zumindest werden die beiden Frauen an Bord gleichberechtigt behandelt, in dem sie unter demselben kollegialen Gespött leiden wie die Männer.

Bis zum Ende logisch durchdacht, waren die sieben Folgen allesamt nicht. Wer die Handlung von Star Trek gewohnt ist, wo man stets versuchte, zumindest grundlegend der Realität zu huldigen, wird bei »Raumpatrouille Orion« oft genug den Kopf schütteln. Da wird mal schnell ein Planet zum Stern, eine Supernova fliegt durch die Gegend und droht auf der Erde einzuschlagen. Da wird intergalaktisch gesagt, wenn interstellar gemeint ist und welch Wunder, sind die meisten Planeten oder Planetoiden mit einer atembaren Atmosphäre ausgestattet, obwohl es dort eindeutig aussieht, wie auf dem atmosphärelosen Mond. Es gehört schon viel Überwindung und Fantasie dazu, dass heute noch ernst zu nehmen.

Interessanter fande ich etwas völlig anderes. Da ich mich zwangsläufig in letzter Zeit viel mit dem Erzählen und Ausarbeiten von Geschichten beschäftigt habe, fiel mir das sofort auf. Die Folgen sind ein Lehrbeispiel, wie man eine spannende Dramaturgie konstruiert. Wie Dialoge funktionieren müssen und wie man, bestimmte Dinge heranzieht, um den Zuschauer die Fakten zu vermitteln. Zumindest wie man das früher getan hat und heute in der Literatur auch noch macht. Mit aktuellen Serien und Filmen hat das nur noch wenig gemein. Die funktionieren zwar ähnlich, die dramaturgischen Mittel werden aber subtiler eingesetzt. Ein bisschen wirken manche Szenen wie aus dem Skript eines Theaterstücks.

Die Darsteller waren allesamt großartig. Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane und Wolfgang Völz als Leutnant Mario de Monti passten zu ihren Rollen. Die Frauen taten mir schon wegen der starren wenig individuellen Frisuren leid, zeigten aber dem Publikum der Sechziger, wie selbstbewusst eine Frau agieren kann. Hier gefiel mir Charlotte Kerr als General Lydia van Dyke am besten.

In diesem Jahr wird die Serie, genauso wie Star Trek, fünfzig Jahre alt. Sollte sie tatsächlich neu verfilmt werden, wüsste ich schon einen Schauspieler für die Rolle des  McLane. Da wäre David Rott meine erste Wahl.

Mein Fazit: trotz der vielen Unstimmigkeiten muss man »Raumpatrouille Orion« gesehen haben. Schon allein wegen des grandiosen Looks. Und wenn man durch Hubert Zitts Vortrag weiß, wie die Spezialeffekte entstanden (ich sage nur Brausetabletten und Rosinen), hat man noch viel mehr Spaß daran.

Gedankenpalast

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PERRY RHODAN-ARKON Band 4 – »Palast der Gedanken« von Michael Marcus Thurner

Ich habe PERRY RHODAN-ARKON in den letzten Wochen arg vernachlässigt. Das hatte viele Gründe, der Hauptgrund war mein eigener Roman, der mir wenig Zeit gelassen hat. Und so stapelten sich die ARKON Romane auf meinem Schreibtisch, bis ich jetzt endlich dazukomme diesen Stapel abzuarbeiten. Ich hoffe Exposé-Autor Marc A. Herren wird mir verzeihen, dass ich mich seiner Miniserie erst so spät widme.

Band 4 stammt aus der Feder von Michael Marcus Thurner. Zugegeben, ich hatte so meine Bedenken. Ohne Frage, der Österreicher ist ein hervorragender Autor. Nur konnte ich persönlich mit seinen Romanen für die EA bisher wenig anfangen. Mir sind seine oftmals überdrehten Ideen zu abgehoben. Ich bin mir sicher, dass es sehr viele Leser gibt, die genau das lesen wollen. Das ist, wie gesagt, eine persönliche Empfindung und ich versuche mich weitgehend in meinem Urteil davon nicht beeinflussen zu lassen.

Thornton da Ariga ist das Oberhaupt eines unbedeutenden Khasurns im Arkonidischen Imperium. Er fühlt sich zu Höherem berufen und um seinen Titel gebracht, weil man seine Großmutter – Imperatrice des Kristallimperiums – einst tötete und ihm damit die Nachfolge verwehrte. Seit Jahrzehnten plant Thornton seine Rückkehr an die Spitze des Arkonidischen Imperiums. Dazu ist ihm jedes Mittel recht, auch das Züchten von Töchtern, die er als willige Werkzeuge einsetzt. Als die GOS’MIRTAN unter der Führung von Atlan ins Ariga-System eindringt, um Thornton im Namen von Imperator Bostich I. zur Räson zu bringen, sterben viele seiner Untergebenen in einer grausamen Schlacht. Aber selbst die augenscheinliche Überlegenheit Atlans hindert Thornton nicht daran, an seinem Plan zu zweifeln. Erst einer seiner Töchter gelingt es, den verrückten Vater aufzuhalten, bevor das Raumschiff das ganze System vernichtet.
Derweil hat der arkonidische Funker Locust da Adnan (Wie kommt man eigentlich auf solche geniale Namen?) Probleme ganz anderer Art. Er diente einst auf den Schiffen der LFT und kehrte später in die Heimat zurück. Nun tut er Dienst auf der GOS’MIRTAN, die einen neuen Kommandanten – Atlan – erhalten hat. Locust ist der einzige an Bord, der den Arkoniden gut genug kennt, um zu begreifen, dass dieser sich ziemlich seltsam verhält. Ein Wissen, das nicht nur sein Leben bedroht. Denn Atlan ist drauf und dran, das Ariga-System in Schutt und Asche zu legen.
Der größte Teil der Geschichte spielt sich jedoch in Atlans Kopf ab. Der Extrasinn des Unsterblichen hat sich durch den Impuls von ihm gelöst und die Führung übernommen. Atlans Bewusstsein ist auf die Rolle eines Beobachters beschränkt. Er wandelt in seinem Gedächtnis wie in den Mauern eines riesigen Palast. In jedem Raum findet er Dinge, die zu seinen Erinnerungen gehören. Er versucht die Kontrolle über seinen Körper zurückzuerlangen, was ihm auch kurzzeitig gelingt, aber weitreichende Konsequenzen nach sich zieht. Der Extrasinn zerstört den Palast und damit Atlans Erinnerungen, bis er nur noch als verwirrter Geist in einer windschiefen Holzhütte zurückbleibt.

Mit »Palast der Gedanken« hat mich der Autor komplett umgehauen. Das war grandios geschriebene Unterhaltung. Angefangen vom Aufbau über die drei Handlungsebenen bis zu den faszinierenden Details wie der sprechenden »Kaffeekanne« hat mich der Roman rundum überzeugt. Die Figurenentwicklung sowohl von Atlan, als auch von Thornton da Ariga war geschickt inszeniert. Thorntons Verrücktheit entblättert sich erst nach und nach. Seine Selbstüberschätzung ist so perfekt getarnt, dass man auch als Leser erst sehr spät darauf kommt, wie abwegig seine Pläne eigentlich sind. Und Atlans innerer Kampf gegen den Extrasinn in Gestalt einer schönen Frau ist mit viel Fantasie und Liebe zum Detail erzählt. Allein wegen der vielen mühevoll recherchierten Anspielungen auf Geschehnisse aus seinen über 23.000 Lebensjahren muss man dem Autor Tribut zollen. Die Geschichte passt nicht nur stimmig in die Rahmenhandlung der Serie, sondern liefert eine Erklärung für das sonderbare Verhalten der ARK SUMMIA Absolventen.

Fazit: Michael Marcus Thurner liefert mit Band 4, den bisher besten Roman der Miniserie ab. Und zeigt damit nicht nur, was für ein toller Autor er ist, sondern auch, dass das Konzept der Miniserie aufzugehen scheint. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.

Geboren zu schreiben

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 122 – »Geboren für Arkons Thron« von Kai Hirdt

Ungelogen, ich habe das Buch in knapp drei Stunden durchgelesen, so schnell wie noch nie einen NEO-Roman zuvor.

Nach den beiden fulminanten Romanen der Expokraten, gibt Kai Hirdt den Lesern Zeit die vielen Informationen sacken zu lassen. Es werden quasi alle Handlungsstränge zusammengesucht, aufbereitet und die Weichen für die nächsten Romane gestellt. Was jetzt vielleicht langweilig klingen mag, ist es nicht. Weil Kai Hirdt das Ganze mit viel Gespür für Spannung und Figurencharakterisierung löst. Das mag nicht jedem gefallen, aber er gibt damit nicht nur den Charakteren Zeit, dass erlebte zu verarbeiten, sondern auch dem NEO-Leser. Es werden Details geklärt und die Handlungen einiger Protagonisten näher beleuchtet, stellenweise in fast schon philosophischer Manier.

Perry Rhodan plagt das schlechte Gewissen und er wundert sich über das Verhalten seiner arkonidischen Familienmitglieder, allen voran seiner Frau Thora, die sich zusammen mit Crest heimlich absetzt, um Agaior Thoton zu jagen. Das sie nicht die einzigen sind, die sich an seine Fersen heften, sollte niemanden verwundern. Schließlich hat der Mann ein ganzes Sonnensystem auf dem Gewissen. Wie sehr der Untergang Arkons die Charaktere der Menschen an Bord der CREST und des Arkoniden Atlan veränderte, beschreibt der Autor mit großer Tiefe. Staunend liest man von Atlan, der nicht nur von Rache zerfressen sondern vor allem von Versagen getroffen, Pläne schmiedet, die sich gegen alles richten, wonach sein Freund Rhodan strebt. Das er trotz seines langen Aufenthalts unter den Menschen, daran denkt, sie zu hintergehen, zeugt davon, wie tief ihn der Untergang des Reiches getroffen hat. Man erfährt wie Sue Miraflores von Kummer über den Tod von Sid zerfressen, eine folgenschwere Entscheidung trifft. Man begegnet Ishy Matsu, die nicht weiß, wo sie hingehört und jedem misstraut, der ihr Freundschaft entgegen bringt und die sogar berechtigte Zweifel an der Integrität Perry Rhodans äußert. Selbst vor Wissenschaftlern machen die Auswirkungen nicht Halt. Oxley lässt sich von Atlan manipulieren, die Zeitbombe scharfzumachen. Während Roofpitter in der Gesellschaft von Leyden und seinem Team eigene Charakterstudien betreibt. Man liest aber auch welche Motive Anathema di Cardilah und ihr Sohn Agaior Thoton vorantreiben. Erstere ist tatsächlich die Mirona Thetin von NEO.

Trotz der vielen Information gelingt es dem Autor sie in aller Ruhe zu vermitteln, eingepackt in viel Emotionen und kritische Auseinandersetzungen über Moral. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Idee jedem Protagonisten ein eigenes Kapitel zu gönnen, ist an sich großartig. Scheiterte aber an zwei oder drei Stellen daran, dass man dieselbe Szene zwei mal lesen muss. Das hätte nicht unbedingt sein müssen, denn sowohl bei Ishy als auch bei Roofpitter bestand kein Zwang dazu. Dafür hätte man ihre nachfolgenden Handlungen ausbauen können. Das ist aber das einzige, dass ich kritisieren möchte …

… oder vielleicht doch noch eines: 150G zerstören ein Maakhschiff? Echt jetzt! Liebe Expokraten! Bitte macht euch nochmal Gedanken über die Funktionsweise der Transformkanone. Vielleicht wäre eine Mikrosingularität die bessere Lösung des Problems.

Fazit: Es ist das erste Mal, das so düstere Gedanken in einem NEO-Roman anklingen. Er bietet eine moralische Auseinandersetzung über Gut und Böse und zeichnet die Menschen so wie sie sind in allen Graunuancen mit all ihren Fehlern. Keiner ist wirklich gut und keiner wirklich böse. Das wirkte sehr realistisch. »Geboren für Arkons Thron« ist ein besonderer Roman von einem besonderen Autor, der wahrlich geboren wurde, um zu Schreiben. Dankeschön!