Musikalisches Monster

Quelle: Amazon

Ich gestehe, ich bin ein großer Fan von Animationsfilmen. Während meines Studiums habe ich mich selbst daran versucht und weiß wie aufwendig solche Produktionen sind. Deshalb kann ich es auch verschmerzen, wenn der eine oder andere Film mal nicht ganz so gelungen ist. Hin und wieder jedoch entdeckt man echte Perlen in der immer größer werdenden Flut von Animationsfilmen. »Ein Monster in Paris« ist so eine Perle. Gefunden habe ich sie schon vor einiger Zeit. Aber ich sehe mir den Streifen immer wieder gern an.

Die fiktive Geschichte spielt im Paris zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Seine hat Hochwasser und viele Teile der Stadt sind überflutet. Filmvorführer Emile hilft seinem Freund Raoul bei der Auslieferung von Blumenerde an einen Wissenschaftler. Ein einem Gewächshaus experimentieren die beiden in Abwesenheit des Professors mit allerlei Elixieren und erzeugen durch Zufall eine Kreatur. Die beiden fliehen, ohne zu bemerken, was sie geschaffen haben. Wenig später erschreckt ein Monster die Bürger von Paris und landet auch vor der Tür der wunderschönen Sängerin Lucille. Die Jugendfreundin Raouls findet heraus, dass das Monster eine Begabung für Musik hat. Sie nennt den Unbekannten Francoeur und nimmt ihn mit auf die Bühne. Doch die Identität des Monsters bleibt nicht lange verborgen, denn der Polizeichef hat Emile und Raoul verhaftet und verhört. Mit ihrer Hilfe will er das Ungeheuer unbedingt selbst zur Strecke bringen. Und wie es sich für einen Film in Paris gehört, kommt es am Ende zum Showdown auf dem Eifelturm.

Neben der wahrlich überraschenden Auflösung, wer oder was jetzt eigentlich das Monster ist, bietet der Film auch einiges an Gesellschaftskritik. Vor allem Bürgermeister und Polizeichef kommen nicht gut weg. Beleuchtet werden auch ein wenig die Zustände der damaligen Zeit, ohne das dabei das Flair der Epoche zerstört wird. Die Ansichten von Paris sind wunderschön illustriert. Die Figuren wirken ein wenig überzeichnet (dünne Arme und Beine) doch nur so konnten die Eigenschaften jedes Charakter individuell herausgearbeitet werden.

Eigentlich mag ich es nicht, wenn in Filmen gesungen wird, besonders bei Animationsfilmen finde ich das meistens albern. Aber bei »Ein Monster in Paris« sind die Gesangseinlagen so gut in die Handlung integriert, dass mir das sogar Spaß machte. Außerdem gehen die Songs echt ins Ohr und ich habe mir tatsächlich noch am selben Abend, nach dem ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, den Soundtrack bei iTunes gekauft. Die Songs werden von Vanessa Paradis und Sean Lennon gesungen. Ich wusste gar nicht, dass der Sohn von John Lennon und Yoko Ono eine so hohe Stimme hat. Wow!

Kindern unter sechs Jahren würde ich den Film aber nicht zeigen. Die Szenen mit dem Monster könnten zu gruselig sein. Für Erwachsene ist der Film nicht nur wegen der Musik und der spannenden Verfolgungsjagd durch Paris zu empfehlen, sondern auch historisch reizvoll.

Für alle die mal einen Blick hineinwerfen möchten, hier ist der Trailer.

https://www.youtube.com/watch?v=UqKl33MtfBw

Genese der Automaten

Quelle: Amazon

Einen ungewöhnlichen Film sah ich dieser Tage auf Blu-ray. Die bulgarisch-spanische Koproduktion »Automata« aus dem Jahr 2014 gehört zu einem der vielen dystopischen Filme, die in den vergangenen Jahren produziert wurden.

Die Handlung spielt im Jahr 2044 auf einer radioaktiv verseuchten Erde. Die Bevölkerungszahl ist auf 21 Millionen geschrumpft und die meisten Menschen leben in großen Slums vor den wenigen Städten. Diese werden von hohen Mauern geschützt und von Scharfschützen bewacht. Doch selbst die Privilegierten, die im Innern der Stadt wohnen, leben auf einer Müllkippe. Sauerer Regen, kaum Sonnenlicht und Zerstörung zeichnen ein düsteres Bild der Zukunft. Zwischen den halb zerfallenen Hochhäusern sorgen überlebensgroße Hologramme für Zerstreuung. Stählerne Zeppeline erzeugen Regen und die gesamte Existenz der Menschheit ruht auf den Schultern von Robotern, ohne deren Hilfe sie schon längst untergegangen wäre.
In dieser Umgebung geht Jacq Vaucan als Versicherungsagent einer Roboterfirma seiner Arbeit nach. Er untersucht Vorfälle mit defekten Robotern oder bei denen es durch Roboter zu Schäden gekommen ist. Eines Tages stößt er auf einen Roboter, der sich selbst repariert und damit gegen eines der beiden Gesetze seiner Programmierung verstößt. Als er herauszufinden versucht, wer die Maschine manipuliert hat, gerät er in eine Kette erstaunliche Ereignisse, an dessen Ende er einsehen muss, dass die Menschheit vor dem Aussterben steht.

Vor ein paar Monaten sprach ich hier über das Buch »Die Stadt und die Sterne« von Arthur C. Clarke. Und auch wenn diese Geschichte eine Utopie ist, hat der Film viele Anleihen. Das beginnt mit der Mauer, welche die Stadt umgibt, um die Menschen vor der lebensfeindlichen Umwelt zu schützen. Über das engstirnige Denken ihrer Bewohner, die nur noch dahin vegetieren. Bis hin zu dem einen der besonders ist. In »Automata« ist es kein Mensch sondern eine Maschine, die sich weiterentwickelt und eine Evolution der Maschinen in Gang setzt. So gesehen verknüpft der Film Clarkes Vision mit denen von Isaac Asimov und versetzt die Geschichte in eine dystopische Zukunft.

Antonio Banderas hinterlässt in der Figur des Versicherungsagenten einen erstaunlich realistisch Eindruck. Er, den man vorwiegend als Schönling kennt, spielt den alternden und kaputten Menschen mit großer Überzeugungskraft. Ein Großteil des Films lebt von den Interaktionen zwischen Mensch und Maschinenwesen. In den Nebenrollen sind unteranderem Melanie Griffith und Robert Forster zu sehen.

Fazit: Auch wenn der Film Widersprüche aufweist und nicht alles bis ins Ende logisch durchdacht ist. So beweist er, dass man auch in Europa intelligentes Science Fiction Kino machen kann, dass nicht nur gut aussieht, sondern auch Botschaften vermittelt.

Kammerspiel in drei Akten

Quelle: Amazon

Wenn ich Filme schlecht finde, dann rezensiere ich sie meist auch nicht. Hin und wieder aber gibt es Filme, bei denen ich es dennoch tun muss. Oftmals weil einer meiner Lieblingsdarsteller mitspielt oder weil ich einfach etwas dazu sagen muss. »Steve Jobs« ist einer dieser Filme.

Als Applejünger (der erste Computer mit dem ich gearbeitet habe, war ein Mac) kaufte ich mir die 2012 erschienen Biografie von Steve Jobs. Das Werk lieferte einen tiefen Einblick in das Leben eines exzentrischen Menschen, der trotz seiner Fehler Großes geleistet hat. 2014 sah ich den Film »Jobs« mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle und fand ihn zwar nicht herausragend aber gelungen. Anfang des Monats erschien nun der zweite Film über den Applegründer und ich war gespannt, weil der Film für zwei Oscars nominiert wurde. Doch die Enttäuschung war groß.

Die Handlung des Filmes ist auf drei Ereignisse aus dem Leben Steve Jobs beschränkt: die Präsentationen des Macintosh, des NEXT und des iMacs. Es passiert nichts, dafür wird viel geredet. Spannung soll über Streitgespräche mit immer denselben Menschen erzeugt werden: Seiner Marketingchefin Joanna Hoffman, der Tochter Lisa, Mitbegründer Steve Wozniak, CEO John Scully und Softwareentwickler Andy Hertzfeld. Das funktioniert aber nur bedingt. Als Zuschauer wartet man ständig darauf, dass es vorwärts geht, doch die Handlung tritt auf der Stelle. Das ist aber nicht mal das Schlimmste. Schlimm finde ich, das Leute, die die Biografie nicht gelesen haben, nicht verstehen werden, worüber die Figuren reden. Der Film setzt Wissen über die Person Steve Jobs voraus.

Die Schauspieler allen voran Kate Winslet und Michael Fassbinder leisten großartiges und sind die Stützen des Films. Auch das Drehbuch mag aufgrund der treibenden Dialoge hervorragend sein und wäre als Theaterstück genial. Im Grunde ist es ein Kammerstück, aber dies in einen Film umzusetzen, ist extrem schwierig, denn die Erwartungshaltung des Zuschauers an einen Film ist eine andere.

Fazit: Tolle Darsteller, aber einer der langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe.

Ein Buch wie eine Umarmung

Quelle: Unsichtbar Verlag

»Vom Aushalten ausfallender Umarmungen« von Dirk Bernemann

Mit der Lektüre des Buches begann ich bereits auf der Heimfahrt von der Buchmesse Leipzig. Das es so lange dauerte, bis ich es vollständig gelesen habe, lag daran, dass ich es mir nur Häppchenweise einverleibte. So wie eine Delikatesse.

Es gibt Bücher, die muss man genießen und darf sie nicht wie FastFood in sich hineinstopfen. »Vom Aushalten ausfallender Umarmungen« ist so ein Buch. Eine wunderbare Sammlung verketteter Kurzgeschichten über gescheiterte Menschen, denen man helfen möchte und in denen man sich wiederentdeckt. Die Protagonisten sind von ihrer Umwelt unverstandene Kreaturen, die sich oft selbst nicht verstehen. Jede Geschichte enthält eine Liste mit Dingen, die die Figur beschreiben und gleichzeitig ihre Wünsche offenbaren. Alle träumen davon auszubrechen, über sich hinauszuwachsen und scheitern – an den Umständen, ihren Mitmenschen oder an sich selbst.

Dirk Bernemann vermag es, Gesellschaftskritik in Worte zu fassen, die weh tun. Die Bilder, die er erschafft, sind eindringlich und aktuell. Man bekommt sie nicht mehr aus dem Kopf. Zwischen den Zeilen schimmert die Wahrheit unserer Existenz, gnadenlos und ungeschminkt. Im Gegensatz zu seinen früheren Werken lässt der Autor aber Raum für Hoffnung. Die Geschichten enden weniger tragisch, sind weniger drastisch, als man es von ihm gewohnt ist. Das überrascht und verunsichert zugleich, denn die Begegnungen zwischen den Figuren laufen oft nicht so, wie man es sich wünscht. Da bleibt man als Leser am Ende mit offenem Munde staunend zurück.

Sein Stil ist untypisch. Er scheint sich nicht um Stil-Regeln und Restriktionen der deutschen Sprache zu scheren. Allen voran seine unmöglich scheinenden Metaphern, die er dieses Mal aber nur sparsam verwendet. Das Ergebnis ist gelungen. Die Texte klingen ausgefeilt, da sitzt jeder Buchstabe in jedem Satz. Poetisch schön, wie ein 142-seitiges Gedicht. Auch wenn es mich nicht so sehr umgehauen hat wie das Vorgängerwerk ist es großartige Literatur.

Das Buch erschien 2016 im Unsichtbar Verlag und ist auf allen Online-Plattformen und im Buchhandel erhältlich.

Missachtetes Genie

Quelle: Amazon

Den Namen Alan Turing hörte ich erstmals während meines Studiums im Fach Theoretische Informatik, im Zusammenhang mit der Turing-Maschine. Das ist ein Modell, das die Arbeitsweise eines Computers auf mathematische Weise abbildet. Doch wer dieser Mann war und was er mit der Entschlüsselung der Enigma zu tun hat, erfuhr ich erst in dieser Woche, als ich den Film »The Imitation Game« sah.

1951 kommt es zu einem Einbruch in Turings Wohnung. Dem Detective kommt Turings Verhalten seltsam vor und er schnüffelt in dessen Vergangenheit herum, weil er glaubt, das Turing ein russischer Spion ist. Bei einem Verhör erzählt ihm Turing seine Geschichte.

1939. Der exzentrische Mathematiker Alan Turing bewirbt sich für ein geheimes Projekt der englischen Regierung. Zusammen mit anderen Experten auf dem Gebiet soll er den Code der deutschen Enigma entschlüsseln, um den Vorstoß der Deutschen im zweiten Weltkrieg zu stoppen. Doch Turing ist alles andere als ein Teamplayer. Mit seinem rüden Auftreten und seinen Einzelaktionen stößt er nicht nur bei den Kollegen an, sondern auch bei seinen Vorgesetzten. Keiner versteht, was in seinem Kopf vorgeht und was er mit seiner Arbeit bezweckt. Als man ihn feuern will, wendet er sich an den Premierminister und wird prompt zum Leiter des Forscherteams ernannt. Doch während er »erfolglos« vor sich hin tüftelt und seine Mitarbeiter auf konventionellen Weg zumindest Teile der Botschaften entschlüsseln können, sterben täglich hunderte von Soldaten und Zivilisten in einem mörderischen Krieg. Erst eine junge Frau (Joan Clarke), die er für sein Team rekrutieren konnte, bringt ihn auf neue Ideen. Sein Projekt eine Maschine, die jeden Code entschlüsseln kann, nimmt plötzlich Gestalt an, aber der Erfolg bleibt zunächst aus. Doch die strikten Moralvorstellungen dieser Zeit verbieten eine Zusammenarbeit zwischen Joan und ihm. Turing macht ihr kurzerhand einen Heiratsantrag, gesteht ihr aber später, das er homosexuell ist.
Kurz vor dem Durchbruch droht die Regierung damit, ihm das Projekt wegen Erfolglosigkeit zu entziehen. Und da hat Joan die rettende Idee. Mit dem, jeden Morgen von den deutschen gesendeten, Wetterbericht gelingt es ihnen, den Code der Enigma zu knacken. Der Erfolg ist jedoch zweischneidig, denn wenn jemand herausbekommen würde, dass die Engländer die Funksprüche der Deutschen abhören können, wäre all ihre Arbeit für umsonst. Unter dem Kommando des Mi6 berechnen Turing und sein Team fortan, auf welchen der Funksprüche die Alliierten statistisch gesehen reagieren dürfen, ohne dass der Gegner Verdacht schöpft. Turings Team bestimmt quasi über Leben und Tod.
Nach dem Ende des Krieges, müssen alle Unterlagen zum Projekt und die Maschine vernichtet werden. Auch die Wege der Teammitglieder trennen sich.

Während des Verhörs konfrontiert der Detective Turing mit der Aussage des Einbrechers. Der hat ein Geständnis darüber abgelegt, dass er mit Turing sexuelle Kontakte hatte. Turing wird wegen »grober Unzucht und sexueller Perversion« verurteilt. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, stimmt er zu, sich einer Hormonbehandlung mit schweren Nebenwirkungen zu unterziehen.  Joan Clarke besucht ihn und findet ihn als emotionales Wrack vor.
Wenig später nimmt sich Turing das Leben. Er stirbt mit 41 Jahren.

Die komplex aufgebaute Geschichte wird über mehrere Zeitebenen erzählt, die sich immer wieder einander abwechseln. Das Verhör mit dem Detektiv bildet die Rahmenhandlung. Man erfährt aber auch von Turings Jugend im Internat, bei dem er seinen besten Freund an Tuberkulose verlor. Nach ihm benennt Turing auch seine Maschine »Christopher«.
Der Film fesselt von der ersten Minute an. Neben der spannenden Geschichte ragt vor allem die Schauspielerische Leistung von Benedict Cumberbatch als Alan Turing heraus. Wie in seiner Rolle als »Sherlock« schafft er es, den eigensinnigen Mathematiker mit all seinen Macken glaubhaft darzustellen. Keira Knightley als Joan Clarke bildet dazu den passenden Widerpart und auch das restliche Schauspielensemble überzeugt.

Bemerkenswert war für mich die Beschreibung der damaligen Moralvorstellungen. Frauen durften nur in Frauenberufen arbeiten und mussten bei den Eltern leben, so lange sie nicht verheiratet waren. Auch die gnadenlose Verfolgung Homosexueller, die zu fragwürdigen Behandlungsmethoden gezwungen wurden, werfen einen dunklen Schatten auf die Zeitgeschichte. All das macht deutlich, dass die Genialität eines Individuums wie so oft engstirnigen Moralvorstellungen zum Opfer fällt, anstatt sie zum Wohle der Menschheit zu nutzen.

»The Imitation Game« ist ein sehenswerter Film, der die Verhältnisse während und nach dem zweiten Weltkrieg in England realistisch abzubilden versucht. Die spannende Geschichte hat nicht umsonst den Oscar für das beste Drehbuch gewonnen.

Teuflischer Gott

das-brandneue-testament_hochGott lebt in Belgien und er ist alles andere als nett. Eigentlich ist er ein gemeines Schwein, dass nicht nur seine Frau und Tochter tyrannisiert, sondern auch den Rest der Menschheit. Mit seinen Geboten erfindet er immer wieder neue Methoden, um die Menschen zu schikanieren, zu quälen oder sonst wie zu demütigen. Seine Tochter Éa, seit zehn Jahren im obersten Stockwerk eines Wohnblocks eingesperrt, hat schließlich die Nase voll. Von der Statue ihres Bruders Jesus ermuntert, flieht sie zu den Menschen. Doch zuvor legt sie Papas Computer lahm und die Todesdaten aller Menschen offen. Natürlich per SMS. So bekommt jeder auf der Welt mit, wann er sterben wird. Das verändert alles.

Doch Gott steigt seiner Tochter nach (in die Trommel einer Waschmaschine) und landet letztendlich selbst in der Realität der Menschen. Das, was eigentlich ein Paradies sein sollte, entpuppt sich als – unfreundlich und voller Gewalt. Genauso, wie er es konstruiert hat. Während er seine Tochter verfolgt, gerät er durch seinen fiesen Charakter immer wieder in Konflikte.

Tochter Éa sucht indes nach sechs Aposteln, um ein brandneues Testament zu schreiben und der sadistischen Herrschaft ihres Vaters ein Ende zu setzen – mit Erfolg.

Im Film »Das brandneue Testament« sind Gott und der Teufel in einer Person vereint. Ich frage mich gerade, was wohl ein gläubiger Mensch von dem Film halten mag. Wahrscheinlich würde er ihn als pure Blasphemie abtun. So respektlos wie mit dem Glauben umgegangen wird, mag er für hartgesottene Gläubige harter Tobak sein. Und doch steckt eine Menge Wahrheit in der Geschichte. Nicht nur über den Glauben selbst, sondern auch über das menschliche Zusammenleben. Egal, ob es um den Handy-Wahn oder die Vernichtung von Lebensmitteln geht. Die Kritik an der Gesellschaft ist bestens verpackt in surrealem Humor und einschlägigen Bildern, eindrucksvoll gespielt von bekannten Darstellern, wie Benoît Poelvoorde (»Nichts zu verzollen«) und Catherine Deneuve. Gleichfalls erwähnenswert ist die Darstellerin der Éa, die mit ihren zwölf Jahren eine beeindruckende Arbeit abliefert.

Der Film lief im vergangenen Herbst leider nur in wenigen ausgesuchten Kinos. In diesem Monat erschien die DVD und ich konnte mir den Film endlich ansehen. Entweder ich saß mit offenem Mund staunend davor oder lachte mich schlapp. Die belgisch-französisch-luxemburgische Komödie ist ein Beispiel dafür, dass skurrile Ideen und schwarzer Humor immer ihr Publikum finden. Bei mir hat es geklappt. Obwohl ich gern noch mehr von Jesus gesehen hätte, der von seinem Vater nur als »Weichei« bezeichnet wird. Leider ist er nur in zwei Szenen zu sehen.

Mit Frauenpower in die Vergangenheit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO – Band 117 – »Exodus der Liduuri« von Susan Schwartz

Wenn ich einen NEO-Roman von Susan Schwartz in der Hand halte, bin ich ja immer ein wenig skeptisch. Bisher haben mich ihre Beiträge zur Serie nicht überzeugen können. Deshalb blieb der Roman auch eine Weile liegen, bis mein Mann ihn mir vor der Nase weg las und ihn für sehr gut befand. Neugierig gemacht, stürzte ich mich ins Lesevergnügen. Und was soll ich sagen: Er hatte recht.

Die Zeitreisegeschichte um Perry Rhodan, Cel Rainbow, Tim Schablonski und Tani Hanafe war originell. Man erfuhr mehr über das Volk der Liduuri, ohne das die Autorin Infodump ablieferte, sondern die Informationen geschickt in die Handlung verwob. Welche schon fast als Familiensaga durchgehen könnte. Perry’s Suche auf Tiamur nach Dorain di Cardelah zog sich zwar etwas arg lang hin, war aber angesichts der Rahmenhandlung um die beiden di Cardelah Schwestern und den Exodus der Liduuri zu verschmerzen. Hin und wieder schüttelte ich angesichts der Mühelosigkeit, mit der sich Perry und seine Begleiter durch den Planeten bewegten, den Kopf. Das klang ziemlich unglaubwürdig. Doch als am Ende die Lösung präsentiert wurde, war ich echt baff. Da fügten sich plötzlich alle Puzzleteile zusammen. Das war großartig konzipiert.

Viele Fans werden jetzt sagen, dass ist ja alles überhaupt nicht logisch. Richtig, es ist deshalb nicht logisch, weil es sich um ein Prädestination-Paradoxon handelt. »Das Prädestination-Paradoxon ist eine temporale Kausalitätsschleife, bei der die bestehende Zeitlinie erst durch eine Manipulation derselben ihren jetzigen Zustand hat. Eine temporale Interferenz ist dazu vorbestimmt ein bestimmtes Ereignis in der Vergangenheit auszulösen.« (Quelle: Star Trek Wiki) Sprich, linear lebende Menschen können es nicht verstehen, weil es nicht der Logik ihres linear denkenden Verstandes entspricht. Kurz gesagt, Dorain hat die beiden Posbi manipuliert, weil er Rhodan getroffen hat. Und er hat ihnen die Anzüge hinterlassen, weil er wusste, dass sie zu viert sein werden. Schließlich saßen sie zu viert in seiner Wohnung. Dorain hat den Zeitsprung ermöglicht, nachdem er bereits passiert war. Und weil es eine Schleife ist, so hat sie auch keinen Beginn. Wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Ich finde es toll, wenn man so um die Ecken denken muss und am Ende doch keine Lösung findet, weil einem der eigene Verstand im Weg ist.

Der Roman bietet außerdem viel Spielraum für Spekulationen. Anathema ist also die »Mirona Thetin« bei NEO, während ich mal darauf spekuliere das Agaior Thoton ein Nachfahre von Ges di Verren ist, vielleicht sogar Anathemas Sohn. Aus den zurückgelassenen infizierten Liduuri, haben sich wahrscheinlich die Menschen entwickelt, was ihre Immunität gegen den Taal-Staub erklären würde. Die Exposé-Autoren haben noch genügend Fragen offen gelassen, um sie in den nächsten Staffel hoffentlich aufzugreifen und fortzuführen. Denn ich würde gern wissen, wie es den Liduuri nach dem Exodus ergangen ist und was aus den Personen wurde, die die Autorin so plastisch zum Leben erweckte.

Nach dem ich mich jetzt beim Schreiben dieses Artikel ständig mit der Autokorrektur wegen der Begriffe herumschlagen musste, muss ich an dieser Stelle doch ein wenig Kritik loswerden. Ich hatte mitunter enorme Schwierigkeiten, die vielen Namen und Begriffe auseinanderzuhalten und fragte mich mehr als einmal: Wer war das jetzt nochmal, und was bedeutete das jetzt wieder? Es kann sein, dass nur mir das so geht, weil ich mir prinzipiell Namen schlecht merken kann, aber wenn sie schon so gehäuft vorkommen müssen, sollten sie nicht so kompliziert sein. Das gilt jetzt nicht nur für diesen Roman, sondern auch für alle anderen. Hier fiel es mir nur extrem auf.

Mein Fazit für »Exodus der Liduuri«, fällt dennoch durchweg positiv aus. Er gehört definitiv zu den Höhepunkten der Posbi-Staffel. Ich denke, dass es Susan Schwartz‘ bisher bester Beitrag zum NEO-Neustart war. Nicht nur was die Originalität der Geschichte anging, sondern auch in ihrer Umsetzung. Das die »Familiensaga« vielen männlichen Lesern nicht gefallen wird, ist ohnehin klar. Geschmäcker sind verschieden und genau deshalb wird PERRY RHODAN NEO auch von vielen unterschiedlichen Autoren geschrieben, damit jeder von uns Lesern auf seine Kosten kommt.

Ein Dankeschön an die Autorin und die Expokraten für diesen exzellenten Roman. Das war ganz großes Kino.

Der Stoff aus dem der Kosmos ist

Quelle: Amazon
Quelle: Amazon

Der Physiker Brian Greene steht als Synonym für perfekt geschriebene populärwissenschaftliche Literatur. Sein Sachbuch »Das elegante Universum« habe ich mit großem Interesse gelesen. Zum Garching Con bekam ich von Rüdiger Schäfer den Tipp, ich solle mir doch die Verfilmung von Greenes zweitem Buch »Der Stoff aus dem der Kosmos ist« zulegen. Was ich tat und auch nicht bereute. Die Blu-ray enthält vier Folgen zu je 50 Minuten. In der Ersten geht es um »Zeit«, in der Zweiten um »Raum«. Folge 3 behandelt die »Quantenwelt« und Folge 4 beschäftigt sich mit der Theorie des »Multiversums«. Allen vier Filmen ist eines gemeinsam, in einer großartige Mischung aus Realfilm und Animation erklärt der Physiker höchstselbst komplexe physikalische Eigenschaften des Universums auf Basis aktueller Forschungsergebnisse. Und das so brillant, dass es selbst für Laien ohne Mühe zu verstehen ist. Ich kenne keine vergleichbare Produktion, die komplizierte Sachverhalte so spannend und verständlich erzählt.

Produziert wurde die Dokumentation in Kooperation mit ARTE und National Geographics, was eigentlich immer für Qualität bürgt. Vieles von dem Erklärten kannte ich zwar, hatte es aber noch nie so perfekt visuell umgesetzt gesehen. Interessant fand ich vor allem die vielen Kommentare der renommierten Wissenschaftler, deren Namen jedem Insider ein Begriff sind. Hier werden Pro und Contra zu provokativen Theorien diskutiert, ohne eine Meinung zu bevorzugen. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, ob er die Theorie annimmt. Spannend ist das allemal.

Fazit: Jedem naturwissenschaftlich interessierten Laien sei diese Dokumentation ans Herz gelegt. So umfassend und verständlich erklärt, bekommt man Astrophysik und Kosmologie selten präsentiert. Da macht lernen richtig Spaß, auch wenn man nicht mehr zur Schule geht.

Eine Geschichte zu den X-Akten

Ende der Neunzigerjahre gab es am Montagabend nichts wichtigeres als »Akte X« auf ProSieben. Meist versammelten wir uns im Wohnheimzimmer irgendeines Kommilitonen und verfolgen die Fälle von Mulder und Scully gemeinsam. Mystery war damals ganz groß in Mode und die X-Akten Kult.

Ich liebte diese Serie und nenne alle 9 Staffeln inklusive der zwei Kinofilme mein eigen. Deshalb freute ich mich auch, als ich erfuhr, dass es einen Neuauflage der Serie mit den alten Darstellern geben würde. Im Februar war es soweit und ProSieben strahlte die sechs neuen Folgen aus. Ich hatte ja meine Zweifel, ob das Experiment gelingen würde. Schließlich war inzwischen viel Zeit vergangen. Die Schauspieler waren sichtlich gealtert und man konnte nicht sicher sein, ob das Format heute noch funktionierte. Ich kann hier nur für mich sprechen und sagen, dass sich bei mir tatsächlich das bekannte Akte X-Feeling einstellte. Nicht alle Folgen waren herausragend, aber man erkannte die Serie wieder. Und wie immer war »Akte X« dann am besten, wenn es sich selbst nicht ernst nahm. Deshalb war meine Lieblingsfolge der 10. Staffel »Mulder und Scully gegen das Wer-Monster«. Als irritierend empfand ich allerdings die neue Synchronstimme von David Duchovny. Gerüchten zufolge soll ProSieben nicht bereit gewesen sein, auf das Angebot des bisherigen Sprechers Benjamin Völz einzugehen. Schade!

Die Staffel selbst endet mit einer ziemlich heftigen Folge und einem üblen Cliffhanger. Man wird sehen, was sich daraus entwickelt. Zumindest wurde schon mal die Nachfolge geklärt. Die Agenten Miller und Einstein, werden wohl den Staffelstab übernehmen, sollte die Reihe fortgesetzt werden. Obwohl mir die beiden Charaktere nicht wirklich sympathisch waren.

Anlässlich der Ausstrahlung der 10. Staffel habe ich die Kurzgeschichte hervorgeholt, die ich damals geschrieben habe. Es war mein einziger FanFiction-Beitrag zu »Akte X«. Ich habe sie ein wenig überarbeitet, die Rechtschreibung angepasst und in ein passendes Layout gesteckt, damit es auf den gängigen eBook-Readern gelesen werden kann. Ansonsten ist sie so, wie ich sie vor mehr als fünfzehn Jahren geschrieben habe.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen! Kritik und Kommentare zur Geschichte sind ausdrücklich erwünscht.

»Zukunft« eine »Akte X«-Kurzgeschichte

Peter Pank für Mädchen

Ganz-schön-abgerissen
Quelle: booklooker

Bei meiner Recherche für das Jugendbuch an dem ich arbeite, stieß ich auf einen Roman aus dem Jahr 1983 mit dem Titel »Ganz schön abgerissen«. Das Buch erschien in der Jugendbuch-Reihe Rotfuchs-rororo und wurde geschrieben von Margot Schroeder.

Die vierzehn Jahre alte Brigitte nennt sich Conny X, weil sie selbst nicht so genau weiß, wer sie eigentlich ist. Sie lebt mit ihrer alleinstehenden Mutter Christine zusammen, mit der sie aber kaum redet, weil die Schichtdienst im Krankenhaus schiebt und ihren Frust meist in Bier und Zigaretten ertränkt. So wird die Clique zum zweiten Zuhause für Conny X. Mit ihren Freunden hängt sie meist bei McDonalds oder auf der »Kaifu-Wiese« ab, die jedoch bald einem Kindergarten weichen soll. Aber auch zwischen den Freunden herrscht nicht eitel Sonnenschein, auch hier stößt Conny X an, weil sie anders ist, weil sie sich nicht festlegen will, ob sie jetzt ein Punk, ein Ted oder ein Rock-A-Billy ist. Ihre eigene Zerissenheit macht es ihr schwer, den richten Weg zu finden. Eines Tages trifft sie auf die »Alternative« Martina. Einerseits ist sie beeindruckt von dem Mädchen, das sich für die Friedensbewegung engagiert und Angst vor einem Atomkrieg hat, andererseits kommt sie mit Martinas Ansichten nicht klar, weil diese im Gegensatz zu ihr ein Lebensziel hat. Conny X weiß nicht, warum sie kämpfen soll, da junge Menschen wie sie doch eh keine Zukunft haben. Als sie den älteren Punk Tissy kennenlernt und sich in ihn verliebt, wird ihre Liebesbeziehung auf einen harte Probe gestellt. Denn Tissy will seine Intelligenz nutzen, um einen Beruf zu erlernen. Das geht Conny X total gegen den Strich und auch mit ihrer Mutter Christine kommt sie immer weniger klar, bis die ihr erzählt, dass sie in den 50ern mal ein »Exi« war. Erst als Conny X eines morgens um einen kleinen Baum kämpfen muss, begreift sie, dass das Leben durchaus einen Sinn haben kann.

Die Geschichte spielt in Hamburg. Die im Buch genannten Orte gibt es tatsächlich und durch die Beschreibung der Autorin werden diese Orte in ihrer Zeit lebendig. Ungefähr so muss es sich angefühlt haben, in einer westdeutschen Großstadt in den achtziger Jahren. Die Autorin erzählt ihre Geschichte vorwiegend über Dialoge. Knappe, kurze Sätze, in der Sprache der Jugend. Unverblümt und mit tiefer Ehrlichkeit. Das Schicksal der Protagonistin rührt am Herzen des Lesers, man fühlt ihre innere Zerrissenheit und die Wut, die sich in dem Mädchen immer wieder entlädt. Aber auch die anderen Figuren, besonders Christine und Tissy, sind gut getroffen und dienen als Bild einer der Hoffnung beraubten Generation. Es gab viele Szenen die mich emotional berührt haben und auch im Nachhinein noch berühren.

Auffallend ist der für die Achtziger Jahre typische Umgang mit Drogen aller Art. So würde der übermäßige Zigarettenkonsum einer Vierzehnjährigen in einem Buch von heute sicher nicht mehr so offen beschrieben werden. Aber gerade das macht die Geschichte wahrhaftiger und bildet die Umstände von damals ab. Ebenfalls thematisiert werden die Auseinandersetzungen zwischen Punks und Nazis, die Ausgrenzung türkischer Gastarbeiter und die spürbare Frauenfeindlichkeit.

Inzwischen habe ich das gerade mal 120 Seiten umfassende Buch mehrfach gelesen. Es liegt seit ein paar Wochen auf meinem Schreibtisch und ich blättere immer mal wieder darin herum. Vor allem weil der Roman einige sehr schöne Sätze enthält, die ich für so gelungen halte, dass ich sie hier zitieren möchte:

»In einer Pfütze klammert sich der Mond an eine leere Bierdose.« – »Die Wände sind Gesichter und die Gesichter sind Wände.« – »… und jetzt steht er da zwischen den Kerzenlichtern wie auf einer Straße. Der Stein in seiner Faust ist ein Papiertaschentuch.« – »Wenn Schweigen plötzlich bis in die Fingerspitzen vibriert … dann hat sie sich verliebt.«

Allein wegen dieser Bilder ist »Ganz schön abgerissen« ein herausragendes Werk, das einen besonderen Platz in meinem Bücherschrank bekommen wird. Es erinnerte mich vom Thema her an die Peter Pank-Romane von Klaus N. Frick, nur eben mit einer deutlich jüngeren und weiblichen Hauptfigur.

Am spannendsten finde ich aber folgende Tatsache: Hätte ich das Buch als Jugendliche Ende der achtziger Jahre gelesen, ich hätte mich in keiner Weise damit identifizieren können. Heute, dreißig Jahre später, kann ich es.

Der Roman ist leider nur noch im Antiquariat erhältlich. Bei Booklooker findet man ein paar sehr günstige Angebote.