Ein Waginger beim ESC-Vorentscheid

Es ist geschafft!

Vor ein paar Wochen erzählte ich hier, dass der Waginger Sänger Alex Diehl mit seinem Song »Nur ein Lied« am Eurovision Songcontest teilnehmen möchte. Mittels einer Petition konnten viele Unterschriften gesammelt werden und jetzt ist Alex Diehl beim ESC-Vorentscheid am 25. Februar einer von zehn Kandidaten, die um eine Teilnahme in Stockholm kämpfen. Aus meiner Sicht hat er gute Karten, um zu gewinnen und Deutschland beim ESC zu vertreten. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen.

Mehr Informationen zu dem Sänger und seinen Plänen gibt es auf der offiziellen Seite des ESC-Vorentscheid.

Inzwischen hat Alex Diehl sein Lied noch einmal zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester aufgenommen. Wobei ich seine erste Version, pur und nur mit Gitarrenbegleitung, immer noch favorisiere.

Bei Grabthars Hammer

Alan Rickman in Sinn und Sinnlichkeit
Alan Rickman in Sinn und Sinnlichkeit

Der Schauspieler Alan Rickman zählt zu den Darstellern, dessen Filme ich immer mit großem Vergnügen ansehe. Ob in Kostümfilmen wie »Sinn und Sinnlichkeit«, in Liebeskomödien wie »Tatsächlich Liebe« oder bei »Harry Potter« immer spielte Rickman seine Rollen mit außerordentlicher Präsenz. Besonders mochte ich seine Darstellung eines Schauspielers in der Science Fiction Parodie »Galaxy Quest«. Die Szene, in der er hinter einem Schminktisch sitzt, sich den Puderpinsel ins Gesicht drückt und leise vor sich hin murmelt, dass er doch einst bei der Royal Shakespeare Company gespielt hat und nun bei Supermarkteröffnungen auftreten muss, wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

In einem PERRY RHODAN-Film hätte er mit seinem markanten Äußeren gut und gern die Rolle des Atlan übernehmen können.

Heute ist Alan Rickman im Alter von nur 69 Jahren an Krebs gestorben. In meiner Vorstellung wird Atlan immer sein Gesicht haben.

In true 3D

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk machte ich meinem Mann. Der bekommt nämlich eine Actionfigur von sich selbst, quasi er als Jedi-Meister.

Auf die Idee kam ich vor dem Kinobesuch von Star Wars VII, als ich im Foyer des Mattäser in München beim Gang zur Toilette einen unscheinbaren Stand der Firma »print-your-mind« entdeckte. In einer Schauvitrine waren kleine und große Figuren ausgestellt. Sie zeigten Menschen in den verrücktesten Posen und alle waren schön bunt. Dahinter ragte eine zylinderförmige zirka 2,5 Meter hohe Kabine von ungefähr 2 Metern Durchmesser auf. Neben einem Pult mit Infomaterial wartete ein freundlicher junger Mann. Mir wurde sehr schnell klar, dass hier 3D-Scans gemacht werden konnten.

Auf meine Nachfrage, was denn der Spaß koste, legte mir der junge Mann eine Preisliste vor. Fünfzig Euro für den Scan und nochmal fünfzig für eine zwölf Zentimeter große Figur. Ich sah zu meinem Mann herüber und begann zu überlegen. Gerade heute trug er sein Jedi-Kostüm, wenn das nicht der passende Augenblick war. Kurzerhand holte ich ihn her und erklärte ihm, dass dies sein Weihnachtsgeschenk werden würde, auch wenn er die Figur erst im Januar bekäme. Mein Mann zeigte sich nicht desinteressiert und ließ sich von einem weiteren freundlichen Herrn in die Kabine bitten, während ich mit dem jungen Mann das Vertragliche regelte.

Bezahlen musste ich vor Ort erstmal nichts, was ich für seriös hielt. Die Rechnung für den Scan wurde erst fällig, als sicher war, dass aus den gescannten Daten ein Model berechnet werden konnte. Nach Überweisung der fünfzig Euro bekam ich eine E-Mail mit dem Link zum Shop, wo ich mir das Modell ansehen und die Figur in der gewünschten Größe bestellen konnte. Das habe ich gemacht und warte nun ganz sehnsüchtig darauf, meinem Mann als 3D-Figur in der Hand halten zu können. Darüber werde ich natürlich in meinem Blog berichten. Bis dahin gibts als Vorgeschmack ein Bild vom 3D-Modell. (Mit ausdrücklicher Erlaubnis der abgebildeten Person.)

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Sympathische Zoogeschichten

Es sehe wenig fern. Es gibt nur ein oder zwei Sendungen, die ich regelmäßig verfolge. Darunter ist »Elefant, Tiger und Co«. Es ist die einzige Dokusoap, die ich mir schon seit Jahren mit Begeisterung ansehe. Die Geschichten aus dem Leipziger Zoo waren und sind stets spannend und amüsant. Über die Jahre hinweg sind mir sowohl Tiere als auch Pfleger regelrecht ans Herz gewachsen. In jeder Folge teilt man Freud und Leid mit den Tierpflegern, erfährt interessante Neuigkeiten und erlebt spannende Abenteuer. Keine Zoosendung im deutschen Fernsehen ist authentischer und sympathischer als das Original aus Leipzig. Was sicher auch am Sprecher und der Auswahl der passenden Musik liegen mag.

Ich war selbst vor Jahren im Leipziger Zoo. Besonders faszinierte mich damals die Afrikasavanne. Die Zooleitung gibt sich unheimlich viel Mühe und investiert viel Geld in eine Artgerechte Tierhaltung. Das finde ich gut. Schon allein dies macht den Zoo außergewöhnlich. Das die wöchentliche MDR-Dokumentation sehr zur Popularität des Zoos beigetragen hat, ist offensichtlich. Aber ich findet diese Art von Werbung immer noch besser, als die Aktionen anderer Zoos (Siehe Dänemark, wo man vor Zuschauern eine Giraffe an die Löwen verfütterte).

So schalte ich jeden Freitag zehn vor acht den MDR ein und freue mich dann besonders, wenn es Geschichten von den Erdmännchen zu sehen gibt. Wenn ich mal wieder nach Leipzig komme, werde ich sicher auch den Zoo besuchen und mir dort die neue Tropenhalle »Gondwanaland« ansehen.

(Ver)Kaufrausch!

Was zur Zeit auf unserem Booklooker-Account los ist, spottet jeder Beschreibung. Jeden Tag trudeln ein oder zwei Bestellungen ein.

Seit etwa drei Jahren verkaufen wir unsere gebrauchten Bücher, DVD’s und CD’s bei dem Internet-Antiquariat. Das ganze Jahr über läuft es eher schleppend, alle Monate mal ein Buch oder eine DVD, aber nach Weihnachten und im Neuen Jahr kommen die Bestellungen beinahe täglich. Da heißt es, den Überblick behalten: Was geht an wen und wohin? Erfreulich viele überweisen das Geld zügig, so dass man die Transaktion schnell abschließen kann. Manch einer lässt sich aber auch Zeit und muss nach zwei Wochen mit einer Zahlungserinnerung wachgeküsst werden. Das eine Bestellung storniert wurde, ist bisher nur einmal passiert und damals war es ein Buchhändler, der das Buch für einen Kunden bestellt hatte.

Ich finde es grundsätzlich gut, gelesene Bücher und Filme, die uns nicht so gut gefallen haben, wiederzuverkaufen. Obwohl ich als Autor ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe. Schließlich kaufen die Bestellenden kein neues Buch, an dem der Autor etwas verdient. Dennoch fände ich es schade, Bücher und DVD’s dem Recycling zu opfern. Es gibt sicher viele Menschen in Deutschland, die sich neue Bücher und Filme nicht leisten können. So gesehen, tut man auch etwas Gutes.

Warum sich aber die Bestellungen nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel so häufen, ist mir ein Rätsel. Das war bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten. Sind es Leute, die das Gewünschte zu Weihnachten nicht bekommen haben, oder möchten sie ihre Geldgeschenke jetzt möglichst gewinnbringend umsetzen? Ich weiß es nicht! Aber angesichts des großen Kartons mit Büchern und DVD’s, der noch im Keller steht, kann es uns eigentlich nur recht sein.

Selbst ist der Reisende

Auf meinen Zugreisen über die Feiertage erlebte ich mal wieder, wie viel Potential in den Fahrplänen der Deutschen Bahn steckt. Vorausgesetzt man ist als Fahrgast enorm flexibel und hält sich nicht an die Ratschläge des Servicepersonals.

An einem Dienstag nach den Weihnachtsfeiertagen mit dem Zug zu fahren, bedeutet in der Regel brechend volle Züge und möglicherweise auch Verspätungen. Das es auch anders geht, bewies mir die Deutsche Bahn am 29. Dezember 2015. Gut, die Züge waren tatsächlich voll, aber da wir zu zweit unterwegs waren, hatten wir mit Platzkarten vorgesorgt. Das unsere Plätze im Wagon nicht angezeigt wurden, war nicht schlimm, da der Fahrgast dort freiwillig Platz machte. Wahrscheinlich lag die Fahrkartenbuchung einfach zu lange zurück (Sparticket gekauft am 25. Oktober), sodass sie nicht gespeichert worden war.

Ich verbrachte die meiste Zeit mit Lesen auf dem iPad und legte es nur beim zweimaligen Umsteigen aus der Hand. Als mein Mann viereinhalb Stunden später zu mir sagte: »In zwanzig Minuten sind wir da.«, warf ich einen Blick aus dem Fenster und konnte nicht glauben, was ich sah. Wir waren kurz vorm Ziel, die Fahrt würde keine fünf Minuten mehr dauern. Der Zug war fünfzehn Minuten früher dran, als im Fahrplan stand. Was war denn da los? Die Raucher genossen den langen Zwischenhalt sichtlich, denn sie tummelten sich in Grüppchen vor den Eingängen, als wir aus dem Zug stiegen.
Fazit: So schnell sind wir noch in Thüringen gewesen und werden es angesichts der neuen Hochgeschwindigkeitstrasse über Erfurt auch nie wieder sein.

Die Rückfahrt verlief wie gewohnt. Statt des ICE sollte nur ein IC fahren und der hatte durch verzögerte Bereitstellung einundfünfzig Minuten Verspätung. Ich ließ am Serviceschalter zunächst die Zugbindung unseres Tickets aufheben. Die Dame riet mir auf den Zug zu warten und damit nach München durchzufahren. Ich fand, dass das keine gute Idee war, weil wir dann wahrscheinlich sechs Stunden bis nach Hause brauchen würden. So fuhren wir mit dem nächsten Regionalexpress schon mal vor. In Bamberg hatte uns der IC, der dann doch ein ICE war, wieder eingeholt (jetzt nur noch mit fünfunddreißig Minuten Verspätung). Wir stiegen bequem um und schafften am Nürnberger HBF noch den schnellen ICE über Ingolstadt, weil der freundlicherweise zwei Minuten wartete. So kamen wir gerade rechtzeitig am Münchner HBF an, um zehn Minuten später mit dem EC Richtung Klagenfurt nach Hause zu fahren. Trotz das wir vierzig Minuten später losgefahren sind, waren wir am Ende nur eine Viertelstunde später daheim. Wir holten uns natürlich noch das Geld für die nicht benutzten Platzkarten zurück, denn neun Euro sind nicht wenig.

Ich gebe zu, dass die Fahrt ohne das Smartphone meines Mannes anders verlaufen wäre. So waren wir durch die Liveauskunft der Bahn stets über die nächst schnellere Verbindung im Bilde. Wenn ich dem Ratschlag der Bahnmitarbeiterin gefolgt wäre, hätten wir niemals so schnell unser Ziel erreicht.

Raketen im Nebel

Es war ein lahmer Silvesterabend. Weil von vier Leuten zwei krank waren und ein Dritter keinen Alkohol trinkt, gab es zum Anstoßen alkoholfreien Sekt, der na ja … ich schweige jetzt lieber.

Dafür war das Käsefondue gelungen, auch meine gefüllten Eier wurden mit Begeisterung verspeist. Zumindest sind alle satt geworden. Anschließend blätterte ich in alten Briefen, der Rest der Familie amüsierte sich beim »Schuh des Manitu«. Ab Elf blickte ich alle fünf Minuten zur Uhr und zählte die Sekunden, wann es denn jetzt endlich Zwölf wurde.

Das wir es nach Mitternacht in der Dunkelheit nicht schafften, die Minibatterie zu zünden, weil die Zündschnur zu kurz war und keiner die Bedienungsanleitung gelesen hatte, war unser Fehler. Aber dass sich selbst das Wetter gegen uns verschwor, damit konnte keiner rechnen. Denn am Abend war Nebel aufgezogen, der um Mitternacht, begünstigt vom Rauch der Raketen und Böller so dicht wurde, dass man gar nichts mehr sah. Selbst das Feuerwerk in der Nähe war nur als glühende Pünktchen im trüben Grau zu erkennen. Dafür knallte es umso lauter. Schon nach wenigen Minuten im Freien konnte man wegen des Qualms der Raketen und Knaller kaum noch atmen.

Da stand ich nun am Fenster im zweiten Stock, mit (theoretisch) fantastischer Aussicht über die Stadt und sah … nichts!

Ein wahrlich frustrierender Abend.

Nächstes Jahr möchte ich endlich mal wieder Silvester unter Leuten verbringen. So wie die legendäre Silvesterparty, die ich einmal bei einem Bekannten aus München gefeiert habe, wo es drei Uhr morgens noch Feuerzangenbowle gab und ich erst um sieben Uhr in der Früh im Bett war.

Am Ende eines Jahres

Und schon wieder ist ein Jahr rum. Ich finde es irgendwie beängstigend, wie schnell die Zeit vergeht. Vieles was ich tun wollte, ist liegengeblieben. Vieles hat nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe und zu vieles ist neu dazugekommen. Und dennoch …

Das Jahr 2015 hatte schöne und auch traurige Tage. Prominente Menschen sind gestorben, die mein Leben geprägt haben, wie Leonard Nimoy und Pierre Brice. Dafür haben zwei gute Freundinnen, für die ich mich sehr freue, Familienzuwachs bekommen.

Die Welt ist immer noch ein Ort voll scheußlicher Kriege und unvernünftiger Menschen. Ich frage mich, wann die Menschheit endlich begreifen wird, dass es so nicht weitergehen kann? Noch gibt es Hoffnung, weil für viele Solidarität nicht nur ein leeres Wort ist und ihr Bedürfnis helfen zu wollen, stärker ist als die Angst.

Persönlich bin ich mit meinem beruflichen Umfeld immer noch nicht zufrieden. Es füllt mich schon lange nicht mehr aus. Dafür habe ich mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die PRFZ einen Ausgleich gefunden, der mir sehr wichtig ist. In diesem Rahmen durfte ich im Jahr 2015 viele neue interessante Leute kennenlernen und viele Dinge tun, die neu für mich waren. Und hoffe, dass ich auch 2016 wieder daran teilhaben kann, um den Fans der größten Science Fiction Serie der Welt etwas zurückzugeben.

In Sachen Schreiben habe ich viel an mir gearbeitet, neue Dinge ausprobiert und altes über den Haufen geworfen, an Wettbewerben und Seminaren teilgenommen. Ich musste aber auch einsehen, dass der Weg vor mir sehr viel länger und steiniger ist, als gedacht. Und das Erfolg mehr als erarbeitet sein will.

Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs einen guten Start ins Jahr 2016, dass uns viele schöne Stunden in guter Gesundheit bescheren möge.

Wir lesen uns im neuen Jahr wieder!

Christina

»Nerdischer« Weihnachtsbaum

In diesem Jahr haben wir keine Nordmanntanne sondern eine »Nerd«manntanne! Unser Weihnachtsbaum ist heuer noch ausgefallener als in den vergangenen Jahren. Schuld daran ist die STAR TREK-Raumschiffsammlung. Mein Mann hat seine Lieblingsmodelle doppelt gekauft, um sie an den Baum zu hängen. Mittwochabend haben wir noch Planeten und Monde gebaut, damit die Raumschiffe auch ein Ziel haben …

Ich weiß, wir haben einen etwas ausgefallenen Geschmack. Das mag zwar nicht ganz normal sein, stört uns aber nicht. Wir stehen dazu. Vielleicht schaffe ich es mal ein Video hier einzubinden, damit man die coole Beleuchtung in Aktion sieht.

Das etwas andere Weihnachten

24. Dezember 1998.

Es ist 15:30 Uhr. Ich werfe einen Blick aus dem Bürofenster, die Strahlen der untergehenden Sonne glitzern in den Fenstern der Hochhäuser. In einigen gehen bereits die Lichter an. Ich schalte den Computer aus und wünsche den Kollegen in den Nachbarbüros frohe Weihnachten. Anschließend fahre ich mit dem Aufzug nach unten.

Es ist kalt geworden in der Stadt. Ein schneidender Wind fegt durch die Straßen, raubt einem den Atem, wenn man aus dem Schutz der Häuser auf die Avenue heraustritt. Die Schaufenster auf der vierunddreißigsten Straße sind bunt geschmückt. Überall blinken Lichterketten. Weihnachtsmänner gehen vor den großen Geschäften auf und ab, sammeln Spenden oder locken die Kunden für einen letzten Einkauf vor Weihnachten in die Läden. Am Empire State Building geht die Beleuchtung an. Eine Symphonie in Grün und Rot werfen die riesigen Scheinwerfer gegen die Fassade.

Mit der Metro fahre ich nach Chelsea. Meine französischen Freunde haben mir eine Adresse genannt, an der ich Fleisch kaufen soll für das Weihnachtsessen. Ich lande in einer engen düsteren Einkaufspassage in der es viele kleine Lebensmittelgeschäfte gibt. Der Fleischerladen wirkt sauber und die angebotene Ware scheint frisch. Ich entscheide mich für ein großes Stück Rindfleisch, das ein kleines Vermögen kostet. Aber da sich alle an den Kosten beteiligen wollen, geht das in Ordnung. Mit meinem Einkauf schlendere ich die 8th Avenue hoch bis zur zweiundzwanzigsten Straße. Hier wohnt Helen. Sie ist Französin und ihre winzige Wohnung misst höchstens vierzehn Quadratmeter. Toilette und Bad teilt sie sich mit anderen Mietern auf der Etage. Ich lade meinen Einkauf bei ihr ab und gehe wieder.

Inzwischen ist es kurz vor Fünf. Weiter vorn in der Straße befindet sich die deutsche evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde von New York City, die ich durch Zufall bei meinem letzten Besuch bei Helen entdeckte. Ich bin kein sehr gläubiger Mensch, habe meine eigene Vorstellung von Gott und der Welt, aber es ist das erste Mal, dass ich am Heiligabend nicht zu Hause bin. Und in dieser riesigen Stadt fällt es schwer in weihnachtliche Stimmung zu kommen. Daher beschloss ich vor Tagen den Gottesdienst zu besuchen. Allein schon aus Neugier, wie er sich wohl von dem zu Hause unterscheiden würde. Nach einer Stunde weiß ich, warum Gott die Welt liebt und habe so viele Weihnachtslieder gesungen, wie nie zuvor in meinem Leben. Außerdem erfahre ich, dass das älteste Gemeindemitglied eine Frau Pfirsichbaum ist.

Nach dem Gottesdienst klingle ich wieder bei Helen. Inzwischen sind weitere Gäste angekommen: Helens französischer Freund, Michelle – die Taiwanesin – auf deren Party ich Helen kennengelernt habe, Robert – ein Engländer mit türkischen Wurzeln – sowie ein Bayer. Zusammen mit mir sind das sechs Leute in einer Wohnung, die etwa so breit wie ein Bett ist und zweieinhalb mal so lang. An der kurzen Seite vorm Fenster steht das Bett, an der anderen die Küchenzeile, dazwischen ein Bistrotisch, zwei Stühle, ein Hocker und kleines Regal. Wo Helen ihre Sachen aufbewahrt, ist mir schleierhaft. Als ich höre, wie viel Miete sie für das schäbige Zimmer bezahlt, muss ich schlucken. In Deutschland könnte man dafür in einer Wohnung mit einhundert Quadratmetern wohnen. Aber das ist NYC. Ich sitze zusammen mit dem anderen Deutschen auf dem Bett und schäle Kartoffeln. Auf dem Herd köchelt das Rindfleisch. Helen macht Crêpes Teig.

Der Abend ist lang und lustig. Wir tauschen kleine Geschenke aus. Warum ich von Helen Spielzeughandschellen bekomme, wird für immer ein Rätsel bleiben. Aber ich freue mich über das Etch A Sketch von Michelle. Das selbstgekochte Essen schmeckt, wir trinken Rotwein aus Pappbechern und essen Crêpes mit Vanilleeis. Wobei Letzteres bei unserer französischen Gastgeberin Kopfschütteln hervorruft, uns internationale Gäste aber weniger stört.

Gegen zwei Uhr morgens breche ich auf. Es ist seltsam ruhig auf den Straßen, beinahe unheimlich. So leer habe ich New York in den vergangenen Monaten noch nicht erlebt. Bars und Geschäfte sind geschlossen, die Metro fast menschenleer. Es ist, als habe die Stadt, die niemals schläft, kurz den Atem angehalten.

Mein Appartement liegt zwar draußen in Queens, dafür besitzt es zwei Räume und ein eigenes Badezimmer. Als ich in dieser Weihnachtsnacht zu Bett gehe, fühle ich mich zu Hause, obwohl mich tausende Kilometer von Deutschland trennen. Es sind doch letztendlich die Menschen, mit denen man sich umgibt, die auch in großer Ferne ein Stück Heimat schaffen.