Chaos zwischen den Gleisen

– Murphys Gesetz: Wenn eine schlechte Sache glimpflich ausgeht, folgen mindestens zwei schwerwiegendere Sachen obendrein –

Man sollte die Deutsche Bahn nicht loben, wie ich es in meinem Blogeintrag vom 20. November tat.

Meine Rückfahrt aus Wolfenbüttel gestaltete sich etwas chaotisch. Wobei »etwas« schlicht untertrieben ist. Dass, was ich an diesem Abend erlebte, war das Abenteuer schlechthin.
Begonnen hat alles ganz harmlos um halb drei nachmittags, mit der Fahrt in der Regionalbahn aus Wolfenbüttel nach Braunschweig, die ich zusammen mit ein paar Seminarteilnehmern in lustiger Runde erlebte. In Braunschweig hatte mein Anschlusszug wenige Minuten Verspätung und war ziemlich voll. Deshalb stieg ich auch schon in Göttingen in den ICE nach München um und nicht erst in Fulda. Am Göttinger Bahnhof musste ich zwar eine Viertelstunde in frostiger Luft auf den verspäteten ICE warten. Doch danach ging die Fahrt flott voran, so dass ich mir noch nicht all zu viele Sorgen wegen meiner Umstiegszeit in München machte.

Kurz hinter Würzburg wurde der Zug plötzlich langsamer und blieb schließlich ganz stehen. Für fünf Minuten rührte sich nichts, dann kam die seltsamste Durchsage, die ich in meiner gesamten Bahnfahrer-Vergangenheit gehört habe:
»Wegen einer Fehlleitung im Stellwerk hat sich unser Zug verfahren und muss zurücksetzen, um wieder aufs richtige Gleis zu kommen. Die Weiterfahrt verzögert sich daher auf unbestimmte Zeit.«
Ungläubiges Gelächter im Großraumabteil. Handys wurden gezückt und Twitter und facebook-Einträge geschrieben. Auch ich notierte mir die Meldung. Das musste unbedingt in die DB-Rubrik meines Blogs. Sorgenvoll sah ich zur Uhr. Es war halb sechs, wir hatten bereits 15 Minuten Verspätung. Der Umstieg in München würde eng werden. Ich telefonierte gerade mit meinem Mann, als, siehe da, der Zug plötzlich anfuhr, doch nicht wie angekündigt zurück, sondern nach vorn. Hieß das, dass wir jetzt in der falschen Richtung unterwegs waren? Nach dem Queren mehrerer Weichen, bei denen der Zug heftig durchgeschüttelt wurde, waren wir wohl doch wieder auf dem richtigen Gleis, denn es erklang die erlösende Durchsage des Schaffners, dass das vom Stellwerk verursachte Gleisproblem beseitigt wäre. Verspätung jetzt 25 Minuten. Damit würde ich den Meridian um 19:44 Uhr in München nicht mehr bekommen. Egal, ich war froh, dass es nicht noch länger gedauert hatte. Vor Nürnberg wurden wir noch von einem vorausfahrenden Zug aufgehalten und kamen am HBF mit einer Verspätung von einer halben Stunde an.

Nur Minuten nach unserer Ankunft, erklang folgende Hiobsbotschaft des Zugbegleiters:
»Wegen einer Strecksperrung zwischen Ingolstadt und München verzögert sich die Weiterfahrt unseres Zuges auf unbestimmte Zeit. Grund hierfür polizeiliche Ermittlungen nach einem Personenschaden.«
Gemeinschaftliches Aufstöhnen. Ich bereitete meinen Mann am Telefon schon mal auf einen langen Abend vor. Irgendwann ging ich ins Bordbistro, in dem auf Grund des Ansturms die meisten Speisen bereits ausverkauft waren und ich noch das letzte Sandwich erwischte. Die Durchsagen im Zug wurden immer rätselhafter. Als Gründe für die Sperrung wurden plötzlich ein Fund oder Hund (so genau war das nicht zu verstehen) im Gleis genannt. Irgendwann wurde durchgesagt, dass unser Zug über Augsburg umgeleitet werden würde. Doch dann bewegte sich sehr lange nichts.
Vom Bahnsteig waren immer mal wieder Durchsagen zu den Folgezügen zu hören, die wegen Gleisbelegung nicht einfahren konnten. In dem Moment als der ICE auf dem Nachbargleis die Türen schloss und in Richtung Augsburg abfuhr, kam die erfreuliche Nachricht, dass die Streckensperrung jetzt aufgehoben wäre.
Ein Hoffnungsschimmer zog am Horizont auf. Sollte ich tatsächlich noch den eine Stunde späteren Meridian bekommen und um 22:30 zu Hause zu sein?

Spätestens als links neben uns, der ICE nach München vor uns in Richtung Ingolstadt abfuhr, schwante mir Böses. Auf dem Gleis auf der anderen Seite des Bahnsteigs fuhr bereits der nächste ICE nach München ein. Mein Nachbar meinte noch, dass man den Zug ganz sicher nach uns würde fahren lassen. Mein, langjährig geschulter, Bahninstinkt sagte mir etwas anderes. Ich spöttelte, dass wir bestimmt hinter dem Zug abfahren würden und so wie ich die Bahn kenne, wahrscheinlich auch noch über Augsburg, was die Fahrt nochmals um 40 Minuten verlängern würde. Er konterte, dass die von der Bahn sicher nicht so gemein wären, weil die Strecke doch schließlich jetzt wieder frei ist.
Er hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als die Durchsage kam, dass wir die Fahrt jetzt fortsetzen würden, aber über Augsburg, statt über die Schnellstrecke nach Ingolstadt.
In diesem Moment sah ich meine Felle davonschwimmen. Wenn ich in diesem Zug blieb, würde ich nie und nimmer meinen Anschlusszug nach Salzburg bekommen und wahrscheinlich erst weit nach Mitternacht zu Hause sein. In panikartiger Eile warf ich iPad und Wasserflasche in die Handtasche, schnappte meine Jacke und zog meinen Koffer aus der Ablage. Zum Glück saß ich in der Nähe des Ausgangs. Das Piepsen zum Schließen der Türen tönte schon aus den Lautsprechern, als ich mit einem todesmutigen Satz aus dem, noch stehenden, Zug sprang. Hinter mir hörte ich das Schmatzen der sich verriegelnden Zugtür, rannte zum gegenüberliegenden Bahnsteig und kletterte atemlos in den dort wartenden ICE. Der nur wenige Sekunden später in Richtung Ingolstadt anfuhr. Ich war gerettet. Mit etwas Glück bekäme ich noch rechtzeitig den Meridian um 20:44 Uhr …

Das Glück war mir an diesem Tag nicht hold. Ich verpasste den Zug um genau acht Minuten. Energielos schleppte ich mich ins nächste Café am Münchner Hauptbahnhof. 21:44 Uhr konnte ich dann endlich weiterfahren und traf fix und fertig um zehn nach elf in Traunstein ein, wo dann auch noch die Zugtür streikte und sich nur halb vor mir öffnen wollte. Ich hatte wohl kein besonders gutes Karma an diesem Tag. Mir war schlecht, ich fror und war außerdem so übermüdet, dass ich am liebsten noch im Auto eingeschlafen wäre.

Statt geplanter sieben Stunden, war ich neun Stunden unterwegs gewesen. Mein neuer Rekord, zwei Stunden Bahnfahren gratis. Blöderweise war ich mit einem kostenlosen Gutschein-Ticket unterwegs, somit konnte ich nicht mal mein Geld zurückfordern.

Schreiben zum Quadrat

Der letzte Seminartag in Wolfenbüttel stand ganz im Zeichen der angekündigten Schreibaufgabe. Zunächst erklärte Kathrin Lange noch kurz aber intensiv das Plotten von Romanen. Danach wurden die Aufgaben gestellt. Zur Wahl standen: die Schilderung einer Kampfszene innerhalb eines düsteren Waldes oder eines engen Durchgangs mit unseren Protagonisten und dreier Begleiter oder ein Dialog mit drei Personen, in dem das Besondere unserer Welt dem Leser deutlich wird. Für die Szene hatten wir nur 30 Minuten Zeit. Mein Kopf war von einer zur anderen Minute komplett leer und mich verließ ein wenig die Zuversicht. Außerdem fühlte sich die neben mir tickende Uhr wie der finale Countdown einer Bombe an. Ich stand kurzzeitig vor einer Panikattacke und wechselte den Platz.
Die Kampfszene kam für meinen Roman nicht in Frage, also blieb nur der Dialog. Zwei Minuten saß ich ratlos vor meinem iPad, bis mir eine Idee kam …

Als ich eine halbe Stunde später meinen Text vorlas, war das eine sehr seltsame Erfahrung. Denn ich las und las und las und begriff erst, nachdem ich fertig war, wie viel ich in dieser halben Stunde geschrieben hatte. Normalerweise bin ich eher der Langsamschreiber und jetzt hatte ich mindestens drei Normseiten geschrieben. Nachdem die Seminarleiter außer der Häufung von Adverbien nur die Reihenfolge der Adressierung kritisierten, war ich selbst verblüfft, wie gut die Szene funktionierte. Vielen meiner Mitstreiter war es ähnlich ergangen, denn sie trugen richtig tolle Texte vor.

Während wir die Szenen besprachen und auch während der Abschiedsrunde brach draußen der Winter aus. Dichter Flockenwirbel tanzte vor den Fenstern, nur um Minuten später von Sonnenschein abgelöst zu werden. Ein Wetter wie im April – nur kälter.
Mit einem opulenten Mahl beim Vietnamesen und vielen spannenden Gesprächen endete ein tolles Seminarwachende mal wieder viel zu schnell.

Ich ziehe ein durchweg positives Fazit zum Seminar »In der Meisterklasse«. Besonders fiel mir in diesem Jahr das hohe Niveau aller Teilnehmer und deren eingereichter Texte auf. Bei fünf Neulingen und zehn Wiederholungstätern im Alter zwischen 25 und 50 Jahren war eine sehr kreative und gut funktionierende Gruppe zusammengekommen. Sicher auch ein Grund für die schonungslose Ehrlichkeit mit der die Texte kritisiert wurden.
Ich fühle mich durch das Seminar auf ein höheres Level gehoben. Während ich im letzten Jahr mehr über stilistische und sprachliche Fehler gelernt habe, ging es dieses Mal um die Hohe Schule des Geschichtenerzählens. Was wohl daran lag, dass fast jeder der Teilnehmer schon in irgendeiner Weise publiziert hatte und die sprachlich-stilistischen Fähigkeiten bei allen sehr ausgeprägt waren. Die Arbeit mit den Profitexten fand ich zwar interessant, waren für mich aber weniger relevant, als die mit den Texten der Seminarteilnehmer. Von denen ich wiederholt fasziniert war. Es ist unglaublich, wie viele Leute richtig toll schreiben können. Da störte es mich auch nicht, dass der Anteil der Fantasy-Texte in diesem Jahr höher war.

Meisterhaft waren auch wieder die Dozenten. Kathrin Lange, Klaus N. Frick und Olaf Kurzmutz sind ein unschlagbares Team, die ein ganzes Wochenende jedem Seminarteilnehmer mit Ratschlägen und Lesetipps sehr professionell zur Seite standen und das beinahe rund um die Uhr. Von mir ein ganz großes Dankeschön.

Das meine Rückreise im Chaos endete, ist ein Grund, warum der Blogeintrag erst heute erscheint.

Textgefrickel

Wolfenbüttel Tag 2:

Wichtigste Erkenntnis aus dem heutigen Seminarvormittag: Nicht versuchen Erzählperspektiven zu analysieren. Bringt nichts! Das verwirrt nur und man bremst sich selbst aus.

Viel früher als erwartet, war heute morgen mein Text dran. Über den auch noch fast eine Stunde geredet wurde. Wie immer gab es Kritik von allen Seiten und wie immer waren die Einwürfe berechtigt. Ich weiß jetzt, dass mein Versuch mit dem Ich-Präsens gescheitert ist. Was für mich die wertvollste Erkenntnis war. Außerdem muss ich noch an meinen Figuren arbeiten und 50 Prozent der Adverbien und Adjektive eleminieren. Wie zu erwarten, hat auch keiner der Teilnehmer mein Vorbild Robert Charles Wilson erkannt, womit ich ohnehin nicht gerechnet hatte.

Aber auch die Besprechungen der Texte der anderen, waren wie eine Goldgrube. Ich versuchte alles zu erfassen und irgendwie festzuhalten. Mal sehen, wie viel ich nach dem Seminar an meinen Handschriftlichen Notizen noch nachvollziehen kann.

Das Mittagessen in lockerer Runde beim Italiener, brachte neue spannende Einblicke ins PR-Fandom von gestern und heute. Die Pizza war lecker, konnte von mir beim Blick zur Uhr aber leider nur noch runtergeschlungen werden. Die Pause kam mir heute ziemlich kurz vor, vielleicht weil sie einfach sehr kurzweilig war.

Um 15 Uhr gings weiter mit „Frickeln am Text“ in diesem Fall zu zwei SF-Texten von Asimov und Robert Charles Wilson sowie den restlichen Texten der Seminarteilnehmer, die wir, unterbrochen vom Abendessen, tatsächlich bis 21 Uhr durchhatten. Die anschließende Diskussionen zu Subgenren der Phantastik war ungemein erhellend. Überhaupt finde ich die Diskussionen in diesem Jahr noch einprägsamer als im vergangenem, weil sich die Teilnehmer auf einem hohen Niveau austauschten.

Mal sehen, ob ich in geselliger Runde wieder bis ein Uhr morgens durchhalte.

Auf dem Weg zur BA

Pünktlich um zwölf Uhr Mittags stehe ich am Bahnhof in Wolfenbüttel. Ein großes Lob an die DB, weil die Züge einigermaßen pünktlich waren. Allein der kleine Zwischensprint am Hallenser Bahnhof hätte nicht unbedingt sein müssen. Aber gut. Nun bin ich früher da, als gedacht und genehmige mir noch einen kleinen Imbiss im Einkaufszentrum am Bahnhof, bis ich mich durch die nette Innenstadt zum Gästehaus aufmache.

Zuvor telefoniere ich noch mit meinem Mann, der mir die Hiobsbotschaft des Bausachverständigen überbringt. Die Außenwand unserer Küche zeigt einen Feuchtigkeitsgehalt von 0,9 bei 0,2 Nominalwert. Das heißt nichts anderes, als dass auch bei uns im Haus das Fundament freigelegt und isoliert werden muss. Wahrscheinlich im Frühjahr oder Sommer.

Etwa eine Stunde zu früh erreiche ich das Gästehaus. Dort ist der vorhergehenden Kurs gerade am zusammenräumen, aber ein sehr netter junger Mann übergibt mir dennoch meine Zimmerschlüssel. Im Zimmer packe ich meine Sachen aus und lese noch schnell den PR-Heftroman 2815 von Verena Themsen zu Ende.

Nun ist es 15:30 Uhr. Um vier geht es los und ich will noch einen Kaffee trinken. Und dann harre ich zunächst einmal der Dinge, die da kommen.

Die Merchandisingflut

Er kommt! Bald schon ist er da! Und wir werden ihm nicht aus dem Weg gehen können … Moment? Das fällt uns doch bereits jetzt schon schwer.

Es handelt sich nicht um den Weihnachtsmann, daran haben wir uns ja schon gewöhnt. Nein! Ich spreche vom neuen Star Wars-Film. Disney und Lucasfilm sind beide mehr als erfahren, wenn es darum geht, Filme nicht nur medial zu vermarkten. Mit dem neuen Star Wars-Film scheinen sie sich nun aber in völlig neue Höhen zu katapultieren. Momentan ist es fast egal, wohin man sich wendet, überall wird man mit Star Wars-Werbung und -Produkten konfrontiert. Ob beim Discounter, in den FastFood-Ketten oder im Buch und Zeitschriftenhandel, auf Schritt und Tritt begegnet man Darth Vader und Co.

Selbst ich als Fan finde das ein wenig übertrieben. Man stelle sich allein mal die Ressourcen vor, die dafür verschwendet werden, denn nicht alle Merchandise-Produkte sind auch sinnvoll. Bei REWE gibt es jetzt bei jedem Einkauf ab 5 Euro Star Wars „Cosmic Shells“, kleine Chips die man in ein Plastik-Sammelalbum stecken kann. Papierbildchen oder Sammelaufkleber waren gestern, heute müssen es schon in Plastik verpackte „Cosmic Shells“ sein. Apropos Papier. Da habe ich doch letztens „Star Wars Knabber-Esspapier“ entdeckt.

Ich sollte mal eine Liste mit ungewöhnlichem Star Wars-Merchandise anlegen. Aufruf an alle: Wer seltsame Star Wars-Produkte findet, darf darüber in der Kommentarfunktion gern posten.

Im Grunde bin ich ja nur neidisch auf die Star Wars-Fans. Beim letzten Star Trek-Film gab es nämlich fast gar kein Merchandise, dass hatte seine Gründe die da J. J. Abrams hießen. Der wollte nämlich alles Merchandise, was nicht mit seinen Filmen zu tun hatte, verbieten. Paramount hat da nicht mitgemacht und so gab es zum Filmstart nicht mal neue Actionfiguren. Vielleicht ist im nächsten Jahr zum 50. Geburtstag von Star Trek alles anders.

Von Hobbyautoren und Egoschreiberlingen

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Leute, die ihr enormes Ego vor sich hertragen, solange hinter diesem Ego auch eine gewisse Genialität steckt. Dann ist es durchaus zu ertragen, wenn jemand großspurig auf sein Können hinweist. Wenn nun aber Leute, die offensichtlich wenig Ahnung haben, sich benehmen, als hätten sie die Weisheit mit der Muttermilch aufgenommen, geht mir das gehörig gegen den Strich. Wenn diese Personen sich auch nach gutem Zureden nicht einsichtig erweisen, kann ich richtig unangenehm werden. Ein bisschen Demut vor dem eigenen Tun hat noch niemandem geschadet. Im Gegenteil!

Ich bin als Hobbyautor nicht perfekt und ich werde es auch nie sein, aber ich möchte alles dafür tun, um der Perfektion ein klein wenig näher zu kommen. Dafür arbeite ich hart, nutze zum Lernen jede Gelegenheit, die sich mir bietet und nehme jede Hilfe an. Im Fall eines Hobbyautors kann die Hilfe aber nur von außen kommen. Wer nur still im heimischen Kämmerlein vor sich hin schreibt, wird nie besser werden. Das habe ich in den vergangenen Monaten schmerzhaft begriffen.

Als Autor ist man sehr oft auf beiden Augen blind und damit meine ich nicht die Tipp- oder Rechtschreibfehler, die einem durch die Lappen gehen, sondern eher die Zusammenhänge, den Handlungsverlauf und den Kern der Geschichte. Wie überzeuge ich den Leser von dem, was ich schreibe? Interpretiere ich die handelnden Figuren richtig? Baue ich überhaupt einen Spannungsbogen auf? Ein Autor hat alles im Kopf, doch es auch so aufzuschreiben, damit die Leser zu den gleichen Emotionen oder Erkenntnissen gelangen, ist die wahre Kunst am Schreiben. Eine Geschichte soll fesseln. Dabei geht es in erster Linie nicht um die Form, sondern um den Inhalt. Was nützt mir ein Manuskript, dass zwar frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern ist, bei dem aber die Geschichte nicht funktioniert oder so langweilig ist, dass ich es als Leser nach zwei Seiten wieder weglege? Mir ist eine Geschichte, die spannend geschrieben ist, tausendmal lieber, als ein fehlerfreier Text bei dem ich gähnen muss.

Bei Hobbyautoren gibt es eine klare Zweiteilung. Diejenigen, die bereit sind, an sich zu wachsen, die ihre Fehler akzeptieren, die auch mal heftigere Kritik wegstecken können und diejenigen, die gebauchpinselt werden wollen. Meist sind das jene, die großspurig davon reden, wie stolz sie auf ihr Werk sind, und jede Kritik an sich abprallen lassen oder verbal auf den Kritiker eintreten. Sehr oft sind das jene, die massiv viel schreiben, so dass ein Roman auf den anderen folgt. Woran sich ermessen lässt, wie wenig Aufwand sie in die Nachbearbeitung ihrer Texte stecken. In meinen Augen sind das Egoschreiberlinge. Sie schreiben nicht, um der Geschichten willen, sondern des Ruhmes wegen. Meinetwegen können diese Leute so viel schreiben, wie sie wollen, so lange sie niemanden dazu nötigen, es zu lesen und bei Kritik sofort in die Offensive gehen. Das finde ich unprofessionell.

Natürlich streichelt eine Veröffentlichung das eigene Ego und auch ich nehme mich da nicht aus. Doch man muss sehr vorsichtig sein, dass einem der Ruhm nicht zu Kopf steigt. Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben. Für mich ist wichtig zu mir selbst zurückzufinden, am Boden zu bleiben und weiter zu lernen, damit auf eine Veröffentlichung auch die Nächste (vielleicht bessere) folgt.

Kritisches Fernsehdrama über den Starfighter

Quelle: Amazon

Manchmal sind die privaten Fernsehsender echt für eine Überraschung gut. Da lief am vergangenen Donnerstag eine Filmproduktion auf RTL über den Starfighter, sowie eine Dokumention im Anschluss. Ich habe mir beides angesehen und muss gestehen, dass ich sehr positiv davon angetan bin. Der Film ist dramaturgisch spannend und durch die anschließende Doku bekommt man auch mit, wie viel reale Begebenheiten in die Produktion eingeflossen sind. Ich hatte bis jetzt keine Ahnung davon hatte, dass der Einsatz des Starfighters in der Bundeswehr bei 262 Abstürzen 116 Piloten das Leben gekostet hat. (Diverse Opfer am Boden nicht mitgerechnet.) Nicht für umsonst erhielt der Jäger den Beinamen »Witwenmacher«.

Absturzgründe gab es reichlich, die reichten von unausgereifter Technik, über falsche klimatische Bedingungen (der Starfighter entpuppte sich als Schönwetterflieger) bis hin zur mangelnden Ausbildung der Piloten. Allein mit den Mängel am Flugzeug selbst, könnte man ganze Aktenordner füllen: abbrechende Flügel, verklemmte Landeklappen, defekte Anzeigen, Strömungsabriss durch schlechte Aerodynamik, ein Schleudersitz, der den herausgeschleuderten Piloten erschlägt usw. Das alarmierendste aber ist, dass niemand etwas dagegen getan hat. Weder die Piloten, die damit fliegen mussten (eine Weigerung, wäre gleichbedeutend mit einer Meuterei und Kameradenverrat gewesen), noch die Angehörigen, die man von vorn bis hinten belog und ihnen erzählte, es hätte sich um Pilotenfehler gehandelt. Die Bevölkerung gewöhnte sich an die Abstürze, weil sie gehäuft auftraten und registrierte sie irgendwann nicht mehr. Außerdem wurden viele Details zu den Abstürzen unter den Teppich gekehrt und kamen erst spät an die Öffentlichkeit.

Stellt sich nun die Frage nach dem Warum? Anfang der sechziger Jahre mitten im Kalten Krieg wollte auch die kleine Bundesrepublik zeigen, dass sie mit den Großen mithalten kann. So kaufte die damalige Bundesregierung Adenauer 915 Starfighter zu je 6 Millionen DM. Man vergleiche, die Bundeswehr hat momentan 109 Eurofighter im Einsatz. Die Starfighter waren Jäger, sollten aber bei der Bundeswehr auch als Bomber und Aufklärer eingesetzt werden. Eine Aufgabe, für die sie nicht ausgerüstet waren. Durch die zusätzliche Technik, waren die Maschinen überladen und kaum zu steuern.  Die Maschinen verziehen keine Fehler und waren für das raue feuchte Klima in Deutschland nicht ausgelegt. Hersteller Lockheed stand kurz vor der Bestellung durch den damaligen Verteidigungsminister vor der Pleite. Und wer sich ein bisschen in Geschichte auskennt, wird wissen, wer Ende der fünfziger Jahre Verteidigungsminister war – Richtig, Franz Joseph Strauß – ein Schelm, wer böses dabei denkt!

Sehenswert ist »Starfighter« allemal, auch wenn der Film in der Mitte einen unschönen Bruch hat. Hier wechselt plötzlich die Perspektive zwischen den Hauptfiguren. Wahrscheinlich sollte es ein Zweiteiler werden, wurde aber gekürzt und zu einem Film zusammengeschnitten. Die meist unbekannten Schauspieler wirken frisch und überzeugend. Auch die Dokumentation mit Peter Klöppel ist spannend gemacht, ohne reißerisch zu sein.
Erwähnenswert ist, dass die Ausstrahlung bereits für das Frühjahr 2015 geplant war, durch den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen allerdings verschoben wurde.

Klimatisches Durcheinander

Also wenn ich heute so aus dem Fenster sehe, bin ich etwas besorgt. Draußen sieht es aus wie Spätsommer und nicht wie an einem 16. November. Gut ich habe die 19° C und den puren Sonnenschein genutzt, um meine Orchideen auf der Terrasse umzutopfen und die Fenster im Wohnzimmer zu putzen. Aber Bitteschön, dass ist doch nicht normal. Außerdem ist es mal wieder viel zu trocken, wie so oft in diesem Jahr. Kaum Regen, warme Temperaturen, wenn dass so weitergeht, verwandelt sich Deutschland noch in eine Steppe. Unser Problem wird dann sein, wohin flüchten wir dann? Nach Grönland?

Das der Klimawandel uns in den nächsten Jahrzehnten weitere Flüchtlingsströme bescheren wird, ist kein Märchen von Ökofuzzis mehr, sondern bald schon bittere Realität. Und wer weiß, vielleicht werden auch wir irgendwann zu Klimaflüchtlingen werden.

Ja, ich weiß! Ich sehe das mal wieder viel zu negativ. Aber angesichts des derzeitigen Wetters, muss man ja auf solche Gedanken kommen. Außerdem gebe ich offen zu, ein Fan der kalten Jahreszeit zu sein. Ich will endlich Winter mit viel Schnee und zweistelligen Minusgraden. Da fühle ich mich wohler, als heute nachmittag bei gefühlten 25 °C auf der Terrasse.

Klein, gelb und gefährlich lustig

Wenn man als Zuschauer bei einem Film achtzig Prozent dessen, was gesprochen wird, nicht versteht, dann ist das normalerweise ein Grund zum Abschalten. Das so etwas aber funktionieren kann, zeigen die kleinen gelben Kerlchen, die aussehen wie das Innere eines Überraschungseies. Die Rede ist von den Minions, deren erfolgreichen Film wir uns gestern Abend auf Blu-Ray angesehen haben.

Keine Frage, die Geschichte der Minions ist jetzt nicht sonderlich originell, aber die vielen kleinen Details, sind es wert gesehen zu werden. Es fängt eigentlich schon mit dem Vorspann an, in dem die Evolution der gelben Taucherbrillenträger gezeigt wird. Hier erklärt sich auch, warum sie sich stets Schurken als ihren Herren aussuchen und warum die dann meist keine große Überlebenschancen haben.

Weiter geht es im Stile eines Roadmovie mit den Minions Kevin, Stuart und Bob. Viel versteht man nicht von ihrer merkwürdigen Sprache, die wie ein Kauderwelsch aus Spanisch, Französisch und Englisch klingt, aber das ist auch nicht wichtig. Die Mimik und Gesten der Charaktere sind eindeutig und auch ohne Worte zu verstehen. Ihre Reise vom Südpol über New York und Orlando führt sie schließlich nach London, wo sie einer sehr agilen König Elisabeth die Krone klauen sollen. Bis Bob es schließlich gelingt, König Arthurs Schwert aus dem Fels zu ziehen und dafür die Krone verliehen bekommt. Scarlet Overkill die eigentliche Drahtzieherin der Aktion und von Kevin ausgesuchte neue Herrin der Minions findet das aber nicht so prickelnd und wirft nach Übernahme der Krone die drei gelben Freunde in den Folterkeller. Doch die Minions wären nicht die Minions, wenn es ihnen nicht gelänge, sich aus der ausweglosen Situation zu befreien und ihre »fast«Herrin tollpatschigerweise um die Ecke zu bringen, um am Ende doch noch den richtigen Herren (Gru aus »Ich einfach unverbesserlich«) zu finden.

Fazit: Die »Minions« ist ein liebevoll animierter Filmspaß, der einem geraden an traurigen Tagen wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Und am Ende glaubt man ihre eigensinnige Sprach sogar zu verstehen. Und bitte das kleine Filmchen nach dem Abspann nicht verpassen; die drei Minifilme auf der Blu-Ray ebenfalls nicht.