Positiv überrascht

Aufmerksamen Lesern meines Blogs und Freunden die mich kennen, wird aufgefallen sein, dass ich mich noch nicht zum neuen Star Trek Film geäußert habe. Das hatte einen guten Grund. Ich wollte erst dann ein Urteil fällen, wenn ich ihn zum zweiten Mal gesehen habe. Nach dem ersten Kinobesuch war ich mir nicht sicher, was ich von dem Film halten sollte. Daher habe ich ihn ihn mir gestern noch einmal in Ruhe angesehen und bin ziemlich angetan. Meine Befürchtungen haben sich allesamt nicht bestätigt.

Gut, der Plot steht auf wackeligen Beinen und ist ein wenig dünn, wird aber durch viele wunderbare Szenen gefüllt, die manchmal sogar als Herz gehen. Die Stärke der letzten drei Star Trek Filme liegt eindeutig in den Figuren. »Star Trek-Beyond« bildet da keine Ausnahme. Das Zusammenspiel der Crew und die Nebencharaktere sind glaubhaft und sympathisch. Mir gefällt der Charakter der Jaylah sehr gut, sie erinnert ein wenig an Ray aus »Star War-Das Erwachen der Macht«. Selbst der Bösewicht hat mich beim zweiten Anschauen überzeugt, obwohl seine Intentionen erst sehr spät herauskommen. Das könnte man als einen der wenigen Kritikpunkte des Films sehen.

Äußerst gut gefallen hat mir dieses Mal das Setting. Nicht nur an Bord der Enterprise oder auf dem Planeten. Es war vor allem die Raumstation »Yorktown« die mich mit offenem Mund hat staunen lassen. Eine solche Konstruktion habe ich noch nie zuvor gesehen, das ist eine ganz eigene Mischung von Motiven aus »Inception« und »Elysium«. Nur wird es auf einer Konstruktion wie dieser, wohl niemals ein Nachtleben geben, weil es nicht dunkel werden kann. Dennoch ist der Anblick etwas fürs Auge.

Bemerkenswert sind auch die vielen lustigen Momente. Die Komik ist nie übertrieben. Außer McCoys Sprüchen, da wäre weniger mehr gewesen. Sehr schön auch die Szenen, in denen auf den Tod von Botschafter Spock eingegangen wird und die alte Crew am Ende noch eine kleine Ehrung erfährt. Beim »for Anton« im Abspann bekam ich unweigerlich Gänsehaut. Man merkt dem Film an, dass die Macher sehr viel liebevoller an die Materie herangegangen sind als bei den Filmen zuvor.

Was ich nicht so mochte, waren die hektischen Actionszenen, die mir teilweise auch zu brutal sind. Auch die Szenen um den Bösewicht sind eine Spur zu düster. Aber wahrscheinlich braucht man das heutzutage, um einen Film verkaufen zu können.

Ich gebe zu, ich bin positiv überrascht. »Star Trek-Beyond« ist meiner Meinung nach der beste Teil der Trilogie. Auch wenn Kahn als glaubwürdiger Bösewicht nicht zu toppen sein wird. Ich werde ihn mir den Streifen sicher noch öfter anschauen.

Am Anfang war das Chaos

Quelle: Amazon

Im Rahmen der William Shatner Edition »Unendliche Weiten« sahen wir uns dieser Tage »Chaos on the Bridge« an.

Die Dokumentation berichtet vom Neustart der Star Trek Serie in den Achtzigern. Erzählt wird die Hintergrundgeschichte der ersten Staffeln von »Star Trek: Das nächste Jahrhundert«. Dazu kommen sowohl Autoren, Produzenten, als auch Schauspieler zu Wort. William Shatner höchstpersönlich wirft einen Blick hinter die Kulissen und befördert News zu Tage, die Star Trek Fans in Staunen versetzen werden. Selbst ich, die seit dem Start der Serie 1990 in Deutschland dabei ist, wusste nicht genau, was da im Hintergrund gelaufen ist.

Man hatte zwar immer mal wieder gehört, dass Gene Roddenberry versucht hat, seine Ideen mit Macht durchzusetzen. Aber wie und mit welchen Mitteln, davon hatte ich bisher nichts gehört. Besonders die Autoren litten in den ersten drei Jahren »Höllenqualen«. Da wurden Drehbücher von Roddenberrys Anwalt und von ihm selbst umgeschrieben und die Namen der Autoren aus dem Skript entfernt. So geschehen mit Autorin D. C. Fontana im Pilotfilm »Mission Farpoint«. Erst ein Gericht entschied, dass ihr Name gleichwertig neben dem von Roddenberry auftauchte. Manche Autoren waren nur eine Woche lang beschäftigt, bevor sie grundlos und ohne ihr Wissen buchstäblich vor die Tür gesetzt wurden. Als Gene Roddenberry erkrankte, gab es zunächst keinen der Entscheidungen traf. Kurz danach übernahm ein Freund von Roddenberry die Leitung und führte die Serie in seinem Sinne fort. Was sich für das Autorenteam höchst schwierig gestaltete, da es innerhalb der Enterprise-Crew keine Konflikte geben durfte. Und auch in der Föderation sollte es ohne Reibereien abgehen. Als Autor weiß man aber, dass jede Geschichte einen tragenden Konflikt braucht, um zu funktionieren. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie sehr sich die Autoren für eine spannende Geschichte ohne Konflikt abmühen mussten. Selbst als die Produktion des Drehbuchs bereits in der Vorbereitung war, kam Roddenberry und verwarf das Manuskript, um drei Tage später ein neues zu präsentieren. Die Anzahl der Autoren, die in der ersten Staffel verschlissen wurden, beläuft sich auf 30! Und das bei 26 Episoden.

Doch nicht nur die Autoren waren gefrustet, die Schauspieler traf es gleichermaßen. Fast alle waren davon überzeugt, dass die Serie das ersten Jahr nicht überleben würde. Patrick Stewart zum Beispiel. Das Studio wollte unbedingt ihn haben, Roddenberry aber lehnte ab, weil Stewart eine Glatze hatte. So erschien der Brite mit Perücke zum Vorsprechen. Roddenberry fand das albern und bat ihn die Perücke abzunehmen und siehe da, er war von Stewarts Performance dermaßen überzeugt, dass er euphorisch einwilligte. Denise Crosby fühlte sich hingegen permanent unterfordert. Sie war 15 Stunden lang am Set und in der Folge sah man nur ihre Beine in den Brückenszenen. Ein Grund, warum sie schließlich aus der Serie ausstieg. Auch Gates McFaddens Rausschmiss wird im Film hinreichend beleuchtet. Da der Produzent die Figur der Dr. Crusher nicht mochte, nahm man in der zweiten Staffel Diana Muldaur als Dr. Pulaski in die Serie auf. Was bei den Zuschauern gar nicht gut ankam und somit Gates McFadden in der dritten Staffel zurückkehren durfte.

Zusätzlich sorgten auch ein Autorenstreik und Patrick Stewarts Drohung hinzuschmeißen dafür, dass die Serie kurz vor dem Aus stand. Erst nach dem Tod von Gene Roddenberry und der Übernahme von Rick Berman stabilisierte sich die Produktion. Das strenge Gerüst von Roddenberrys Forderungen wurde aufgeweicht, damit spannende Geschichten mit Konflikten möglich wurden.

Ich kann jedem Star Trek Fan nur empfehlen, sich diese Dokumentation anzusehen. Nicht nur die Interviews sind sehenswert, vor allem die als Comic-Strip nachgestellten Szenen sind außergewöhnlich und unterstreichen die unglaubliche Vorgänge, die sich zwischen 1987 und 1992 abgespielt haben. Für TNG-Fans ein absolutes Muss.

Antonio im Kino

Es war eines der lustigsten Bücher die ich je gelesen habe. »Antonio im Wunderland« von Jan Weiler. Durch das Magazin »Mobil« der Deutschen Bahn bin ich damals darauf aufmerksam geworden, weil dort eine Leseprobe abgedruckt war. Noch am Endbahnhof bin ich in die nächste Buchhandlung und habe mir den Roman gekauft. Ich habe selten etwas witzigeres gelesen. Kann aber auch das Hörbuch empfehlen, weil Jan Weiler seinen Schwiegervater Antonio sensationell zum besten gibt.

Jetzt gibt es das Buch als Film. Er läuft ab 18.8. in den deutschen Kinos an.

Hier schon mal der Trailer.

Einsatz an mehreren Fronten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 127 – »Jagd im Sternenmeer« von Rainer Schorm

Ich erspare mir an dieser Stelle den Inhalt des Romans wiederzugeben, weil die Handlungsebenen zu zahlreich und äußerst komplex sind.

Die Geschichte liest sich spannend, wenn auch aus einer gewissen Distanziertheit heraus, die ich schon häufiger in Rainer Schorms NEO-Romanen wahrgenommen habe. Die Figuren agieren wie gewohnt, aber es stellt sich bei mir nicht der emotionale Bezug zu ihnen ein. Stattdessen kämpfe ich stellenweise mit den allzu häufigen Passagen über technische oder wissenschaftliche Vorgänge, die der Autor ohne Zweifel beherrscht, mich aber stets fordern. Nicht, dass ich sie nicht verstünde, nur bremsen sie meinen Lesefluss.

Damit habe ich auch schon alles Negative zusammengefasst und kann nun auf die positiven Aspekte des Romans eingehen. Jeder Handlungsstrang hat seine Stärken, ob es Perry Rhodans verzweifelte Suche nach seiner Frau, Eric Leydens Kampf mit der terranischen Bürokratie oder Bullys Ermittlungen im Fall der Mehandorfrauen ist. Die Geschichten sind allesamt bodenständig und glaubhaft. Vieles hat einen allzu aktuellen Bezug, der mich manchmal frösteln lässt. Im Falle des Interimsadministrators beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass sich da etwas sehr Böses zusammenbraut. Aber auch bei der Suche nach Thora und Crest oder der Jagd nach den Plänen der Transformkanone müssen Perry Rhodan und seine Mitstreiter einen Fehlschlag nach dem anderen verbuchen. Wie in der Realität wenden sich die Dinge immer mehr zum Schlechten. Und gerade das macht es dem Leser leicht, sich hineinzufühlen, zu verstehen und zu folgen. Überaus positiv bewerte ich die Darstellung der Koreanischen Behörden. Zeigt es doch, dass auch die Einheit der Terranischen Union noch auf jungen und wackeligen Füßen steht. Ich bin höchst dankbar für so viel Glaubhaftigkeit.

Anmerken sollte ich noch, dass ich ein wenig vom Handlungsstrang mit Sue Miraflores und Thi Tuong Nhi enttäuscht war. Da scheint den Exprokraten die Luft ausgegangen zu sein oder sie wollten es als zusätzliches Konfliktpotential einbauen, was meiner Meinung nach, aber gehörig in die Hose ging. So wie sich der Konflikt aufgelöst hat, wirkte es zu konstruiert. Da hätte ich mir eine längere und vor allem eine ausgefeilter Handlung erwartet, als einen Besuch im Puff (der durch den Mooff im übrigens sehr amüsant war).

Ein bisschen zu pathetisch fand ich auch die Konferenz auf der CREST ziemlich zu Beginn des Romans, als es um die Maahks und ihre Erschaffer ging. Da sollte wohl Verständnis geschürt werden für Atlans Wut auf die Methans und Perry Rhodans friedvollere Neigung. Das gefiel mir nicht so gut, weil es auf mich ein wenig aufgesetzt wirkte.

Mein Fazit: »Jagd im Sternenmeer« ist trotz vieler Handlungsstränge ein sehr spannender Roman, der in mir böse Vorahnungen weckt. Meine Hoffnung auf eine positive NEO-Zukunft schwindet. Ich glaube, da stehen uns Lesern schwere Zeiten bevor.

Nicht sprachassimiliert

Siebzehn Jahre lebe ich jetzt schon in Bayern – mehr oder weniger. Wenn ich die drei Jahre in Oberfranken noch einrechne, in denen ich Praktikum und Lehre absolvierte, komme ich sogar auf zwanzig. (Einige werden widersprechen, dass Franken ja eigentlich nicht zu Bayern gehört. Nun, geografisch schon.)

Zwanzig Jahre, das ist fast die Hälfte meines Lebens, die ich in einem »fremden« Dialektraum gelebt habe. Meine eigene Aussprache hat sich dahingehend geändert, dass ich heute eher hochdeutsch rede. Außer wenn ich wieder in der alten Heimat bin. Was meinen Mann dann immer amüsiert, wenn das Thüringische plötzlich aus mir herausbricht. Eines habe ich in den Jahren in Bayern nicht gelernt und das ist Bairisch reden. A will ich es nicht und b kann ich es auch nicht. Das würde niemals authentisch klingen und deshalb lasse ich es auch lieber. Mein Mann, der zumindest zum Teil hier aufgewachsen ist, beherrscht sehr gut im Beisein von Bayern bairisch zu reden. Was mich immer total fasziniert, wie er dass auf Knopfdruck umschalten kann. Aber er ist sowieso von uns beiden das Sprachtalent. Weshalb er auch immer an der Schwimmbadkasse bezahlen muss. (Die haben einen Einheimischen-Tarif.)

Jedoch habe ich mir angewöhnt mit »Grüß Gott« und »Servus« zu grüßen. Was immer dann seltsam ist, wenn ich wieder in Thüringen bin und ich mich im letzten Moment zusammenreißen muss, um ein »Guten Tag« herauszuquetschen statt eines »Grüß Gott«. Und vielleicht rutscht mir hin und wieder ein »Na« statt eines »Nein« raus, aber mehr bairischen Dialekt wird man nicht von mir hören, wenn ich in ein Geschäft gehe oder im Restaurant eine Bestellung aufgebe.

Aufgefallen ist mir das erst wieder am Montag, als ich in die Verlegenheit kam, das weiße Sakko meines Mannes in der Reinigung abzugeben. Normalerweise wasche ich alles selbst, aber an ein Leinensakko traue ich mich nicht heran. Somit besuchte ich zum ersten Mal die hiesige Reinigung. Die Dame hörte sich alles an und schrieb dann den Auftragszettel. Bei der Adresse sah sie auf und fragte mich: »Bei wem sind Sie denn zu Gast?« Ich war einen Moment lang perplex, die Dame dachte, ich wäre ein Feriengast. Daraufhin antwortete ich ihr, dass ich hier wohne. Sie blickte mich erstaunt an und meinte: »Ach, tatsächlich! Da gebe ich ihnen gleich mal unseren Flyer mit, was wir sonst noch alles so machen.«

Keine zehn Minuten später im Fahrradladen, in dem ich vor zwei Jahren mein Fahrrad gekauft hatte. Die Bremsen waren hinüber und ich wollte sie getauscht haben. Ich erklärte das dem Herrn, worauf der zu mir sagte: »Tja junge Frau, da haben wir ein Problem?« Ich guckte etwas irritiert aus der Wäsche und fragte, worin das Problem bestünde. Er meinte, dass er momentan nur Eigenräder repariert, also Fahrräder die hier im Geschäft gekauft wurden. Auf meinen Einwand, dass ich das Rad bei ihm persönlich gekauft habe, reagierte er mit einem erstaunten: »Ach, tatsächlich!«.

Ich bin also nicht durch den bairischen Dialekt assimiliert worden, was ich weder gut noch schlecht finde. Ich denke, dass muss jeder selbst mit sich ausmachen. Die Hauptsache ist doch, das man authentisch bleibt. Auch hat es nichts damit zu tun, ob man sich nun zugehörig fühlt oder nicht. Warum sollte ich jemandem mittels Dialekt beweisen müssen, dass ich mich dort wohlfühle, wo ich wohne? Damit würde ich mir und den anderen nur etwas vormachen. Und letztendlich ist man da zu Hause, wo die Liebsten sind. Unabhängig davon, wo man geboren und aufgewachsen ist.

Bilder aus einer fiktiven Zukunft

Quelle: simonstalenhagen.se
Quelle: simonstalenhag.se

Vom schwedischen Künstler Simon Stalenhag hatte ich bisher noch nie gehört, dabei malt er genau die Art fotorealistische Bilder, die mich beeindrucken. In der Galerie auf seiner Internetseite kann man sich die Gemälde zum einen als Ganzes ansehen, aber auch in Auschnitten. Erst in den Details nimmt man wahr, dass es sich um ein Gemälde handelt und nicht um eine Fotografie.

Das Thema seiner Bilder ist höchst ungewöhnlich. Sie zeigt die Menschheit nach einer Alieninvasion. Die verrottenden Reste von Kampfrobotern, die wie Comicfiguren aussehen, oder abgestürzte Raumschiffe wirken wie Fremdkörper in den Landschaften. Ebenso wie die Menschen auf seinen Bildern, mit einer Art Virtual Reality Brillen ausgestattet, stehen sie wie Zombies in einer sehr realistisch aussehenden Kulisse. Die Ansichten sind mitunter befremdlich, ja bedrohlich. Wie der Junge der auf seinen Teddybären schießt. Im Hintergrund eine schlichte Neubausiedlung, wie es sie zu tausenden in Europa gibt.

Simon Stalenhagens Kunstwerke zeigen vertrautes und fremdes nebeneinander und setzten sich im Gedächtnis fest. Er wirft einen Blick in eine SF-Welt, die unserer Realität sehr nahe ist, aber dennoch verstört. Der ungehörte Detailreichtum seiner Bilder verstärkt diesen Eindruck.

Von der Kolumne zum Buch

Quelle: Amazon

Mir wurde die Erfüllung eines langgehegten Wunsches zuteil. Seit mehr als zwei Jahren falte ich jeden Mittwochnachmittag das Wochenblatt zusammen und sage zu meinem Mann: »Die Texte der Kolumne sollte man zu einem Buch zusammenfassen.« Nun endlich im Frühjahr diesen Jahres war es soweit. Dass ich erst jetzt dazu gekommen bin, es zu lesen, ist eigentlich eine Schande, aber die Arbeit am eigenen Buch hat mich viele Reserven gekostet.

Wovon ich spreche, ist die Kolumne »Verrückte Welt« vom Redaktionsleiter des Chiemgau Wochenblattes – Mike Schmitzer. Jede Woche erfreut er die Leser mit kleinen Anekdoten aus seinem Alltag. Meist vergnüglich, mal nachdenklich, aber immer authentisch berichtet er von Erlebnisse mit der Familie oder macht sich Gedanken zu »wichtigen« Fragen des Lebens. Bereits im vergangenen Jahr thematisierte ich eine seiner Kolumnen in einem meiner Blogeinträge.

Jetzt gibt es ein ganzes Buch mit den besten Kolumnentexten. Die einundsiebzig meist nur eineinhalb Seiten langen Texte über verlorene Socken, Erlebnisse mit den Puh-Bären (seinen pubertierenden Kindern) oder dem nicht kooperativen Kaffeeautomaten haben mir sehr viel Spaß bereitet. Auch wenn ich die eine oder andere Geschichte schon aus der Zeitung kannte. Das Lesen seiner Geschichten ist ein bisschen wie eine Sucht. Erst nimmt man sich vor nur ein paar Seiten zu lesen, einfach um es länger genießen zu können. Doch dann, denkt man: Ach komm, nur noch die eine … Ach, die nächste auch noch … und eigentlich könnte ich die nächste jetzt auch noch lesen. Und ohne das man es bemerkt, hat man das Buch schneller durch, als man wollte.

Mike Schmitzer verwendet beim Erzählen ausschließlich das Präsens. Etwas das von Autoren der Gegenwartsliteratur unverständlicherweise geschmäht und verachtet wird. Ich persönlich mag die Zeitform sehr gern, weil sie einen direkten Bezug zum Leser herstellt, man quasi in den Text hineingezogen wird. Vom Inhalt sind seine Geschichten vergleichbar mit Jan Weilers Pubertier-Geschichten. Vom Stil her erinnert der Autor mich in seiner schlichten aber pointiert präzisen Ausdrucksweise an PR-Chefredakteur Klaus N. Frick. Kein Wunder, machte doch Letzterer seine ersten journalistischen Schritte ebenfalls in einer Lokalredaktion.

Ich kann nur jedem die Kürzestgeschichten von Mike Schmitzer ans Herz legen. So viel Freude wie »Meine total verrückte Welt« hat mir in letzter Zeit kein Buch bereitet. Wer einfach mal abtauchen will, in die heiteren Abgründe des Alltags, der ist mit dem Buch gut aufgehoben. Und vielleicht überlegt es sich der Autor und bringt ein weiteres Buch (gern mit längeren Geschichten) oder gar einen Roman heraus. Eine potentielle Leserin hätte er schon.

Der Roman erschien im SüdOst Verlag und kann hier bzw. bei allen gängigen Onlinehändlern bestellt werden. Dort gibt’s auch eine Leseprobe zum download.

Verschlampte Wagenreihung

Das die Deutsche Bahn ein Defizit bei der Information ihrer Fahrgäste hat, muss ich niemandem erzählen, das hat jeder sicher schon mal erlebt. Dass aber Pendler über einen großen Informationsvorteil verfügen, durfte ich am vergangenen Donnerstag erfahren.

Morgens kam der IC wie häufig mit fünf Minuten Verspätung am Traunsteiner Bahnhof an. Ich frage mich ja immer, wo er die Zeit auf der Strecke von fünfundzwanzig Kilometern von Salzburg einsammelt. Es könnte dieses Mal mit der verkehrten Wagenreihung zusammenhängen, die der Zug hatte. Schon von weitem war die Ankündigung als weißes Spruchband in den Anzeigen sichtbar. Zeit genug für die Pendler ihre festen Wartepositionen ans andere Ende des Bahnsteigs zu verlegen. Denn merke: nichts ist schlimmer, als am Ostbahnhof nicht direkt am Treppenabgang aussteigen zu können. Die nächste S-Bahn wartet nicht.

Weil ich die Strecke oft genug fahre, weiß ich, dass der IC mit dem ich am Morgen nach München fahre, am Nachmittag aus Frankfurt zurückkommt und als EC weiter nach Graz fährt. Es handelt sich also um ein und denselben Zug mit dem ich an diesem Tag sowohl hin, als auch zurück fahre. Und wenn der Zug am Morgen verkehrt herum war, so ist er das auch am Nachmittag. Da die Bahn den Zug nicht irgendwo drehen wird.

Ich kam also am Donnerstag zum Hbf und siehe da kein Hinweis auf eine verkehrte Zugreihung. Mhm, dachte ich mir und wechselte ein paar Worte mit einer der Pendlerinnen. Inzwischen kennt man sich. Sie wunderte sich auch. Ich blieb erstmal an meiner bevorzugten Einstiegsstelle stehen, weil genau da eine Tür ist, wenn der Zug hält. (Vorausgesetzt, er hat die korrekte Wagenreihung.) Inzwischen hatte sich der Bahnsteig gut gefüllt, wie zur Ferienzeit üblich – vorwiegend Touristen mit tonnenweise Gepäck. Nach und nach trafen die Pendler ein und von jedem, wirklich von jedem vernahm man die Frage, warum die verkehrte Wagenreihung nicht angezeigt wurde.

»Der war doch heute morgen verkehrt herum!« oder »Komm lass uns nach vorn gehen, der kommt bestimmt andersherum!« waren die meisten der Kommentare.

Nachdem der Zug bereits fünf Minuten überfällig war, überlegte ich, ob ich nicht auch lieber zum anderen Ende des Bahnsteigs gehen sollte. Bei so vielen Leuten würde das sicher ein Kuddelmuddel, wenn der Zug tatsächlich falsch einfahren sollte. Ich entschied mich ersteinmal zum Gleis gegenüber zu gehen. Von dort kann man den herannahenden Zug besser sehen, weil die Einfahrt in einer Kurve liegt. Nach einer Weile entdeckte ich den Zug von weitem und er kam natürlich nicht mit dem Triebwagen zuerst, sondern mit der Lok voran. Ein eindeutiger Hinweis, dass die Wagenreihung umgedreht war. Ich bewegte mich zügig zum äußeren Bereich des Bahnsteigs, der schon außerhalb der Halle liegt und kam gerade dort an, als der Zug einfuhr. Die Fahrgäste der erste Klasse, die dort warteten, machten lange Gesichter und schulterten ihr Gepäck, um in Richtung Bahnhofshalle zurückzugehen. Laut schimpfend über die Unfähigkeit der Deutschen Bahn, den Zug in der korrekten Reihung anzuzeigen.

Ich verstand sie, denn am Morgen hatte es ja auch geklappt. Nur irgendwie schien die Information zwischendrin verlorengegangen zu sein. Das nächste Mal sollten sie vielleicht einen Pendler fragen.

Tierisches Kinovergnügen

Quelle: Kino.de
Quelle: Kino.de

Dieser Tage kommen so viele schöne Filme im Kino, dass man sich kaum entscheiden kann, was man zuerst ansehen soll. Gestern waren wir in »Pets«, dem Animationsfilm über Haustiere in NYC. Von den Machern von »Ich einfach unverbesserlich« und den »Minions«, die übrigens in einem superwitzigen Vorfilm zum Zuge kommen. Dort stellen die gelben Winzlinge mit einem Rasenmäher den Vorgarten einer Rentner-WG auf den Kopf.

Mir gefiel bereits der Trailer von »Pets« so gut, dass ich den Film unbedingt ansehen musste. Hauptfigur des Films ist der Hund Max, dessen Frauchen eines Tages einen zweiten Hund – Duke – mit nach Hause bringt. Natürlich kommt es zwischen den beiden zu Stunk und die Hunde gehen beim Gassigehen mit dem Hundesitter verloren. Erst landen sie im Fahrzeug der Animal-Patrol und später in der Unterwelt bei den verstoßenen Haustieren, zu dem auch ein tätowiertes Schwein gehört. Der Anführer, ein kleines weißen Kaninchen, ist nicht nur ein bisschen gestört, sondern hat ziemlichen einen an der Hacke, als er den Tod der ganzen Menschheit fordert. Unter der Leitung von Gidget einer kleinen weißen Hundedame, die heimlich in Max verliebt ist, suchen währenddessen Max‘ Freunde nach ihm. Auf der Irrfahrt erleben sowohl Max und Duke, als auch seine Freunde jede Menge Abenteuer.

Die Geschichte ist liebenswert und spannend, mit vielen Wendungen und Slapstickeinlagen. Wie ein Trickfilm eben sein sollte. Mir standen mehrfach vor Lachen die Tränen in den Augen. Eine Menge witziger Idee wurde von den Machern verwirklicht. Neben lustigen Momenten gab es brenzlige und manchmal auch ziemliche gruselige Momente. Ich mit meiner Schlangenphobie bekam bei der Szene mit der Viper und den Wächterschlangen reichlich Gänsehaut. Was vor allem am 3D-Effekt lag. Wenn einem so ein Schlangenmaul überlebensgroß vor einem schwebt, kann man schon das Zittern kriegen. Witzig dagegen war die Wurstfabrik. Sie erinnerte ein bisschen an die Candywelt aus »Ralph Reicht’s« nur mit Würsten.

Es gibt einen einzigen Kritikpunkt, den ich anbringen muss. Der Film wurde augenscheinlich von Hundefans produziert, weil die Katzen darin ziemlich schlecht wegkommen. Sie werden als egoistisch, träge oder bösartig dargestellt. Da wurden meines Erachtens etwas zu viele Klischees bedient.

Fazit: Ich habe mich bei »Pets« 100 Minuten lang amüsiert und nicht einen Moment gelangweilt. Ein richtig schöner Film zum Abschalten und die Realität hinter sich lassen. Nicht nur für Kinder.

Mein Lieblingsfigur ist Leonard der Punk-Pudel. Leider hat er keine Sprechrolle. Schade!

Hier eine Zusammenfassung aller erschienen Trailer: