Bunter Blätterreigen in der Residenz

Ungewöhnlich warm präsentierte sich der Vormittag an diesem Herbsttag. Die Sonne stand tief am Himmel und ließ die Blätter der Bäume in einem hellen Goldton leuchten. Der Platz vor der Würzburger Residenz war mit parkenden Autos gefüllt, aber noch waren die Wellenmuster der Pflastersteine gut sichtbar. Im Hof der Residenz roch es nach frischem Trester und die Studenten eilten in ihre Institute. Im angrenzenden Park fegten Heerscharen von Gärtnern das Laub von den Wegen, während die Eichhörnchen jeden Ast der Nussbäume nach den beliebten Früchten absuchten. Es hatte etwas von Idylle und außer uns waren kaum Besucher im Park, um das Farbenspiel der Blätter zu bestaunen.

Auf dem Rückweg durch den Ringpark kamen wir an einer weiteren Kirche vorbei. Wir fragten uns unwillkürlich, wie viele Kirchen hat Würzburg eigentlich? Diese Kirche (St. Johannis) bestach durch ihre architektonische Besonderheit und gefiel uns am besten. Das 1957 aus Teilen einer Ruine wiederaufgebaute evangelische Gotteshaus, verbindet moderne Architektur mit alter Bauweise und schafft so etwas Neues mit historischem Charme.

Ab Mittag begann für mich die »Arbeit« in Form von interessanten Vorträgen zu Farbmetrik, Farbwahrnehmung und Farbmessung inklusive eines spannenden Rundgangs durch das Süddeutsche Kunststoffzentrum. Am diesjährigen Tagungsabend in Form einer Weinverkostung mit Brotzeit im Weinkeller der Residenz nahmen wir aus verschiedensten Gründen nicht Teil. Dafür speisten wir sehr gut im Restaurant unseres Hotels.

Hofgarten
Hofgarten
Würzburger Residenz
Würzburger Residenz
Spalier aus bunten Blättern
Spalier aus bunten Blättern
St. Johannis
St. Johannis

Kirchen, Wein und Welterbe

Würzburg besuchte ich zum ersten Mal 1993 während eines Betriebsausfluges. Damals besichtigen wir aber nicht die schöne Innenstadt, sondern waren beim Verlagshaus Würzburg zu Gast, bevor wir zu einer Weinprobe in ein Weingut nach Tauberbischofsheim fuhren. Später bin ich einige Male mit dem Zug durch die Gegend gekommen, hatte aber nie die Gelegenheit einen Fuß in die Stadt zu setzen.

Die diesjährige DfwG-Jahrestagung war ein willkommener Grund, das zu ändern. Entgegen aller Wettervorhersagen schien an diesem Oktoberdienstag die Sonne. Wir fuhren mit dem Bus in die Stadt und bekamen allein durch diese kleine Stadtrundfahrt viel zu sehen.
Vom Busbahnhof aus spazierten wir in die Innenstadt, die von jeder Menge Baustellen und parkenden Autos verstopft wurde. Und eines fiel mir sofort ins Auge. Es ist traurig zu sehen, wie sehr sich die deutschen Innenstädte ähneln. Die gleichen Ketten uniformieren die Straßenzüge, sodass man nicht auf Anhieb sagen kann, in welcher Stadt man gerade ist. Wie ich in Würzburg die Kaiserstrasse entlang ging, glaubte ich mich kurzzeitig in Düsseldorf.

Das erste Objekt, was mir in Würzburgs Innenstadt ins Auge fiel und mich dazu brachte, die Kamera zu zücken, war das »Falkenhaus«. Das gelbe mit Stuck überzogene Gebäude leuchtete in der Vormittagssonne und bildete einen auffallenden Kontrast zu der dahinterstehenden sienaroten Marienkapelle. Der blaue Herbsthimmel bildete das i-Tüpfelchen auf den golden leuchtenden Turmspitzen. Auf dem weiteren Weg durch die Gassen kamen wir an vielen schönen renovierten Gebäuden vorbei. Von der »Alten Mainbrücke« bewunderten wir die nahe Festung, die in der diesigen Oktoberluft wie weichgezeichnet über dem Main thronte. Unter uns passierte ein Frachtschiff die Schleuse.

Im Anschluss daran bummelten wir an Dom und Münster und weiteren Kirchen vorbei zur Residenz, deren Besuch wir für den nächsten Tag einplanten. Bevor wir am frühen Nachmittag mit dem Bus vom Bahnhof zurück ins Hotel und anschließend zum Tagungsort ging, schließlich war ich ja nicht nur zum Vergnügen hier …

Für alle Tagungsteilnehmer inkl. Partner fand das Abendessen im Hofbräukeller unterhalb der Festung statt. Auf der Fahrt mit Bus und Straßenbahn durch die abendliche City bekam man noch einmal einen ganz anderen Eindruck von Würzburg vermittelt. Weitläufige Gewerbegebiete, Hochhäuser mit Glasfassaden, Leuchtreklame und belebte Straßen verliehen der historischen Stadt etwas Großstädtisches.
Der Hofbräukeller mit großem Biergarten, in dem man aber wegen des einsetzenden Regens nicht sitzen konnte, entpuppte sich als klassisches Bierlokal, groß mit Bierbänken und einer Ausstellung Allerlei altertümlicher Brauutensilien. Von denen es mir eine altmodische Abfüllanlage besonders angetan hatte. Die sah nämlich aus, wie ein »Posbi« aus PERRY RHODAN.

In gemütlicher Runde ging der Abend zu Ende und einer der Tagungsteilnehmer (und ehemaliger Arbeitskollege) fuhr uns ins Hotel zurück.

Falkenhaus und Marienkapelle
Falkenhaus und Marienkapelle
Auf der alten Mainbrücke
Auf der alten Mainbrücke
Blick zur Festung
Blick zur Festung
Eine der vielen Kirchen
Eine der vielen Kirchen

„Zum Kirschbaum“

In dieser Woche hat es mich ins Fränkische Rottendorf verschlagen. Ich besuche mal wieder die Jahrestagung der DfwG, in der ich seit einigen Jahren Mitglied bin.

Weil uns die Hotels in Würzburg ein bisschen zu teuer waren, buchten wir ein Zimmer im Hotel »Zum Kirschbaum« in Rottendorf, das liegt eine halbe Stunde Fußweg vom Tagungszentrum entfernt und mit der Bahn ist man in zehn Minuten am Würzburger Hauptbahnhof.

Rottendorf kenne ich eigentlich nur vom Zug aus. Und dann auch nur mit negativen Erinnerungen verbunden. Hier entlang werden nämlich die ICE-Züge umgeleitet, wenn mal wieder die Strecke zwischen Bamberg und Nürnberg gesperrt ist und das ist stets mit mindestens einer bis zwei Stunden Verspätung verknüpft.

Gestern aber habe ich mir ein Bild von der Ortschaft machen können und bin positiv angetan. Ein hübsches Dorf am Rande Würzburgs mit vielen alten Sandsteinhäusern aber auch mit neu gepflasterten Straßen und moderner Architektur – ein gelungener Mix wie ich finde. Es gibt sogar ein altes Wasserschloss, das zur Bibliothek umgebaut wurde.

Auch das kleine Hotel überrascht: 57 Zimmer, nett eingerichtet, die Bäder neu renoviert, das Personal freundlich, das Frühstück ist, vom Kaffee mal abgesehen, in Ordung. Was will man mehr? Das Hotel hat sogar Konferenzräume und einen riesigen Parkplatz. Wobei die Bushaltestelle nur wenige Meter entfernt ist und auch der Bahnhof in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen ist.

Rathaus in der Seitenansicht
Rathaus in der Seitenansicht
Umgebautes Wasserschloss
Umgebautes Wasserschloss
Architekturmix am Wasserschloss
Architekturmix am Wasserschloss
Hotel zum Kirschbaum
Hotel zum Kirschbaum

Spätsommer auf der Alm

Den letzten Septembertag haben wir genutzt, um mal wieder zur Bründling Alm zu wandern. Die liegt unterhalb des Hochfelln auf 1100 Metern und ist sowohl zu Fuß, als auch mit der Bergbahn zu erreichen. Mindestens einmal im Jahr wandern wir hier hoch.

Etwa eineinhalb Stunden braucht man auf dem steilen Wanderweg durch den Wald, bis man die grasbewachsenen Hänge der Alm erreicht. Wer mag und noch genug Puste hat, kann von hier aus auf einem beschaulichen Weg an mehreren Almhütten vorbei den Gipfel des Hochfelln erklimmen. Aber dorthinauf benötigt man noch weitere zwei Stunden und schwindelfrei sollte man auch sein.

Uns genügte heute die Aussicht, die sich von der Bründling Alm bietet. Bei klarem Wetter kann man über den Chiemsee hinaus, fast bis München gucken. Heute war die Sicht etwas getrübt auch wenn zunächst die Sonne schien. Die Kühe liefen wie immer frei herum und das Bimmeln ihrer Glöckchen war eine beruhigende Hintergrundmusik. Wir kehrten in eine der Almhütten ein und ließen uns Spinatknödel und Kaiserschmarrn schmecken, bis zunehmende Wolken unser Vergnügen trübten. Denn immer wenn die Sonne weg war, wurde es unangenehm kühl. Es blies ein frischer Ostwind, der das Thermometer nicht über 10 Grad klettern ließ. So gesehen, war es heute eher Frühherbst als Spätsommer.

So machten wir uns am frühen Nachmittag auf den Weg zur Mittelstation der Bergbahn, mit der wir ins Tal fuhren. Kurz bevor die Bahn unten ankam, passierten wir einen großen Walnussbaum, dessen hellbraune Früchte zum greifen nah vor dem Kabinenfenster vorbeiglitten. »Oh, schau mal da sind Kastanien!«, rief eine Frau um die fünfzig. Mein Mann sagte halblaut: »Das sind doch keine Kastanien, das sind Walnüsse!« Aber sein Kommentar blieb ungehört. Kopfschüttelnd verließen wir die Bahn und gingen zum Auto zurück.

Blick auf die Bründling Alm
Blick auf die Bründling Alm
Einkehr beim Brüning Wirt
Einkehr beim Bründling Wirt
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Wenn man genau hinsieht, kann man links einen Teil des Chiemsees erkennen
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Bei dem Ausblick und dem Gebimmel der Kuhglocken schmeckt es noch mal so gut

 

Mythos von der märchenhaften Zeit

Mein Verhältnis zum Mittelalter und mittelalterlichen Gemäuern ist ein Gespaltenes. Einerseits mag ich ja Gebäude mit morbidem Charme, die ruinös daherkommen, kann aber der Mittelalter-Begeisterung mancher Mitmenschen nichts abgewinnen. Dieser verklärte Blick auf die Vergangenheit bewirkt bei mir zuweilen befremdliches Staunen.

Als ich vorgestern die Burganlage in Burghausen betrat und die gepflegten Wege und den gekehrten Innenhof bestaunte, sagte ich zu meinem Mann: „Wenn die alten Ritter sehen würden, wie sauber und aufgeräumt es hier aussieht, käme denen das wahrscheinlich wie Hexerei vor.“ Im selben Moment drehte sich eine vor uns gehende Frau um, die ich erst da als Museumsangestellte erkannte und lachte. Vermutlich hatte ich ins Schwarze getroffen.

Das Mittelalter war alles andere als so, wie es sich viele Menschen vorstellen und wie es in vielen Märchen und Fantasyromanen dargestellt wird. Es war schmutzig, brutal und Menschenfeindlich. Nur sehr wenige kamen in den Genuss von Reichtum und das meist nur über den Tod eines anderen. Entweder weil sie ihn töteten und ausraubten, oder weil er von irgendeiner Krankheit dahingerafft wurde. Das Leben eines Menschen zählte zu dieser Zeit mehr als nichts und das religiöse Diktat der Kirchen machte das Leben nicht leichter.

Ich möchte keine Minute in dieser Vergangenheit verbringen, in der es an jeder Ecke bestialisch stank und wo man meist bis zu den Knien im Unrat versank. Von der Kälte die zu dieser Zeit herrschte (kleine Eiszeit) ganz zu schweigen.

Brrr! Mögen andere sich auf Mittelaltermärkten tummeln und bei Ritterturnieren vergnügen. Ich mache einen großen Bogen drum. Die alten Gemäuer aber, die finde auch ich schön.

Rosen im Zwinger
Rosen im Zwinger
Dornröschen lässt grüßen
Dornröschen lässt grüßen

1051 Meter

… so viel misst ist die längste Burganlage der Welt. Die Rede ist von der Burg in Burghausen. Der Platz, hoch oben über der Salzach gelegen, wurde schon im 16. Jahrhundert v. C. besiedelt. Die erste Erwähnung einer Burg stammt allerdings erst aus dem Jahre 1025 n. C.
Was beim Betreten zunächst wie ein Bauernhof anmutet, wird, je weiter man vordringt, nach und nach zu einer richtigen Burg. Fünf Vorburgen muss man durchqueren, um in den eigentlichen Burghof zu gelangen. Überall entdeckt man lauschige Ecken, mittelalterlich anmutende Gebäude, an Bauerndörfer erinnernde Häuschen. Das alles ist verbunden mit einem gepflasterten Weg, dessen rundgewaschene Natursteine das Gehen etwas erschweren. Von einer Seite der Burganlage erstreckt sich der Blick über die Altstadt von Burghausen mit der dominierenden Kirche und der grünlich schimmernden Salzach. Auf der anderen Seite schaut man hinab auf einen kleinen See, in dem sich gestern noch einige hartgesottene Schwimmer tummelten.
Der gepflegte Weg im Burg-Zwinger bietet durch die Schießscharten immer wieder überraschende Ausblicke auf die Gegend, während sich dazwischen blühende Rosenhecken an die steinernen Burgmauern ducken. Alles sieht ein bisschen aus wie im Märchen. Da schlägt das Herz eines jeden Romantikers höher. Nicht für umsonst wurde die Burg schon oft genug zur Filmkulisse.
Faszinierend auch, die überall zu findenden Mamor- oder Granitkugeln, die bestimmt einmal bei einer Auseinandersetzung mit einem Katapult in den Burghof geschossen wurden, und die heute entweder als Wegbegrenzung oder aufgestapelt als Dekoration fungieren. Spannend.

Burghof einer Vorburg
Burghof einer Vorburg
Burghof der Hauptburg
Innenhof der Hauptburg
Blick auf die Altstadt mit der Salzach
Blick auf die Altstadt an der Salzach
Innenhof mit Kugeln
Innenhof mit Kugeln

Urlaub bei uns zuhause

Wenn man schon dort wohnt, wo andere Leute Urlaub machen, dann sollte man das auch nutzen. Was wir in den nächsten zwei Wochen auch ausgiebig vorhaben. Jetzt wo die Touristen weg sind und das Wetter noch gut ist, sind die Ausflugsorte in der Region am schönsten. Grund genug, sich das eine oder andere Ausflugsziel in der Nähe genauer anzusehen.

Gestern waren wir erst am Weitsee und danach im Biathlon-Zentrum in Ruhpolding. Es ist schon eine gewaltige Anlage, die dort anlässlich der Weltmeisterschaften vor ein paar Jahren errichtet wurde. Der VIP-Bereich der riesigen Tribüne dient im Sommer als Café, von wo man einen perfekten Blick auf den Schießstand und die auf Rollen trainierenden Athleten hat. Also ganz entspannt die Sonne genießen, während andere sich abrackern – auch nicht schlecht. Anschließend waren wir beim Griechen lecker Essen. Was will man mehr vom Urlaub.

Dazu gibts noch ein paar schöne Impressionen, zum neidisch werden.

Herbststimmung
Herbststimmung
Weitsee am Vormittag
Weitsee am Vormittag
Vor dem Skistadion
Vor dem Skistadion
Schießstand in Ruhpolding
Schießstand in Ruhpolding

Madeira aktiv

Heute gibt es einige Fotos von meinen Aktivitäten im Urlaub. Manche sehen gefährlicher aus, als sie waren.

Madeira ist keine Insel für Faulenzer. Egal wohin man geht, anstrengen muss man sich immer ein wenig. Dabei haben wir in unserem Urlaub nur ein paar Highlights Madeiras gestreift. Eine unserer Touren wurde vom Wind verweht und wir beschlossen aus Sicherheitsgründen umzukehren. Die Wanderung zum Bussardblick auf dem Pico de Arieero haben wir aber durchgezogen, obwohl es da richtig steil runter geht. Runter geht es auch am Gabo Girao. Um den neuen Skywalk (580 m über dem Meer) zu betreten, benötigt man etwas Mut. Dagegen ist die Levadawanderung nach Balcoes nur ein lockerer Spaziergang.

Mehr als nur windig
Mehr als nur windig
Es ist noch steiler als es aussieht
In 1800 m Höhe – Es ist noch steiler als es aussieht
Auf dem Skywalk am Gab Girao
Auf dem Skywalk am Gab Girao
Lavadaweg für Anfänger
Lavadaweg für Anfänger