München am Tag danach

Freitagabend kurz nach 19:30 Uhr ereilt mich ein Anruf meiner Eltern. Aufgeregt fordern sie mich auf, den Fernseher einzuschalten. Es hätte eine Schießerei im Münchner OEZ gegeben. Ich kenne das OEZ sehr gut, habe ich doch selbst gern und oft dort eingekauft.

Ab diesem Zeitpunkt hängen ich und mein Mann bis zum späten Abend vor der Glotze, verfolgen die sich stark unterscheidende Berichterstattung der Öffentlich-rechtlichen und der Privaten. Während man bei der ARD sehr zurückhaltend berichtet und immer wieder dieselben Aufnahmen zeigt, ohne konkrete Informationen zu vermitteln, veröffentlicht man bei RTL auch Aufnahmen von Toten oder Rettungskräften im Einsatz, was mir erst da die Tragweite vermittelt. Der beste Beitrag des Abends kommt aber eindeutig von Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins (cooler Name), der mit erfrischender Professionalität die wenigen bestätigten Informationen verbreitet und vor allem beruhigend auf die Menschen einwirkt.
Eigentlich wären wir an diesem Abend in München beim Trekdinner gewesen. Meine Versuche die Freunde zu erreichen, schlagen fehl. Und ich muss an diejenigen denken, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Trekdinner kommen und nun wahrscheinlich gestrandet sind. Ich gehe mit klopfendem Herz zu Bett und brauche sehr lange, bis einschlafen kann.

Am Samstagmorgen treffen wir eine Entscheidung. Wir haben uns an diesem 23. Juli mit Freunden verabredet, um uns »STAR TREK-Beyond« im Kino anzusehen. In München! Direkt am Stachus! Ich telefoniere mit den Freunden, checke ob der MVV seinen Betrieb wieder aufgenommen hat und wir fahren los, wenn auch mit einem grummelnden Gefühl im Magen. An der Messestadt stellen wir das Auto ab und suchen die in der Nähe wohnenden Freunde auf. Dort treffen wir auf drei weitere Mitglieder vom Trekdinner, die am vergangenen Abend nicht nach Hause gekommen sind und dort Unterschlupf gefunden haben. (Großen Dank an Sandra und Florian!) Sie erzählen mir, wie sie den vergangenen Abend verbracht haben: im Lokal, vor dem Fernseher, auf dem sonst nur die Fußballspiele der portugiesischen Nationalelf flimmern. Diejenigen Fans, die mit dem Auto da waren, haben Leute nach Hause gebracht oder mitgenommen, so das jeder irgendwie untergekommen ist.

Später fahren wir in die Innenstadt und es herrscht der übliche Trubel am Stachus. Was mich überrascht, ist allein die Tatsache, dass man trotz der Geschehnisse am Tag zuvor nirgendwo einen Polizeibeamten, eine U-Bahnwache oder sonst einen Sicherheitsbeamten zu Gesicht bekommt. Aber vielleicht fühle ich mich gerade deswegen nicht beunruhigt, eben weil es so ist, wie an einem ganz normalen Samstagnachmittag in München. Man sollte sich eben von niemandem verrückt machen lassen und schon gar nicht von solchen Idioten, die am Abend zuvor über die sozialen Netzwerke Angst und Schrecken in der gesamten Innenstadt verbreitet haben.

Mein Mitgefühl gilt den Familien der Toten und den Verletzten. Meine Gedanken sind aber auch den Eltern des Täters, die wahrscheinlich nie verstehen werden, warum ihr Sohn diese Tat begangen hat.

Wie der Film war, werde ich später berichten. Eines steht fest: »STAR TREK-Beyond« wird für mich stets mit den Ereignissen in München verknüpft sein.

Filmische Hommage

Am 9. September, einen Tag nach dem 50. Geburtstag von Star Trek, ist es endlich soweit. Dann erscheint der Dokumentarfilm von Adam Nimoy »For the Love of Spock«. Ich schrieb bereits darüber. Ob und wann er auch in deutschen Kinos gezeigt wird, ist noch nicht sicher. Aber es wird ihn im iTunes Store zum streamen oder als Download geben. Bis dahin erfreue ich mich an dem aktuellen Trailer. Und weiß schon jetzt, dass ich wahrscheinlich ein Paket Taschentücher griffbereit halten sollte.

Ambitioniertes Fanprojekt

Heute möchte ich an dieser Stelle ein äußerst ambitioniertes Fanprojekt vorstellen.

Nach nur vier Staffeln wurde die Serie Enterprise 2005 abgesetzt. Ein paar enthusiastische Star Trek Fans drehten schon vor Jahren eine Fortsetzung mittels Stop-Motion-Technik. In diesem Frühjahr erschien nun der zweite Teil der Produktion. In dem einstündigen Film gibt es zu den Stop-Motion-Szenen noch erstklassige Computeranimationen und auch für die Figuren konnten professionelle Sprecher gewonnen werden. Herausgekommen ist ein spannendes Science Fiction-Abenteuer, dass Fans der Serie in Begeisterung versetzen wird.

Mir hat Enterprise gut gefallen und ich war ziemlich enttäuscht und traurig, als die Serie damals ein so unrühmliches Ende nahm. Zu einem Zeitpunkt als sie endlich ihren Weg gefunden hatte. Aber zum Glück gibt es so kreative Fans, die die Geschichten um Captain Archer und seine Crew wieder aufleben lassen.

Aber seht am besten selbst.

Die Abenteuer eines Strafversetzten

Quelle: Amazon

Inspiriert durch den Vortrag von Dr. Hubert Zitt in Bonn, holten wir die DVDs von »Raumpatrouille Orion« aus dem Schrank, um sie uns endlich anzusehen. Die dämmerten dort schon seit fast zehn Jahren ungesehen vor sich hin.

Ich kannte die Serie nur in Ausschnitten und vom Hörensagen, wusste, das dort Haushaltsgegenstände wie Bügeleisen und Eisportionierer als Requisiten verwendet wurden. Sie dann endlich mal in voller Länge zu sehen, war eine echte Offenbarung.

In den Geschichte standen in erster Linie nicht die Abenteuer der ORION im Vordergrund, sondern überraschenderweise ging es um die politischen Ränkespiele zwischen Raumflotte, GSD und Erdregierung. Thematisiert in beinahe jeder Folge wurde die Strafversetzung von Kommandant McLane und dessen ständiges Missachten von Befehlen, das am Ende jedoch stets gerechtfertigt war.

Der Ton der Serie sollte damals modern sein, kann heute aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ein Kind der Sechzigerjahre ist. Einerseits ist eine Frau Chefin der schnellen Eingreifverbände, andererseits werden Frotzeleien über Frauen gemacht, die schon ziemlich Klischeehaft sind. Zumindest werden die beiden Frauen an Bord gleichberechtigt behandelt, in dem sie unter demselben kollegialen Gespött leiden wie die Männer.

Bis zum Ende logisch durchdacht, waren die sieben Folgen allesamt nicht. Wer die Handlung von Star Trek gewohnt ist, wo man stets versuchte, zumindest grundlegend der Realität zu huldigen, wird bei »Raumpatrouille Orion« oft genug den Kopf schütteln. Da wird mal schnell ein Planet zum Stern, eine Supernova fliegt durch die Gegend und droht auf der Erde einzuschlagen. Da wird intergalaktisch gesagt, wenn interstellar gemeint ist und welch Wunder, sind die meisten Planeten oder Planetoiden mit einer atembaren Atmosphäre ausgestattet, obwohl es dort eindeutig aussieht, wie auf dem atmosphärelosen Mond. Es gehört schon viel Überwindung und Fantasie dazu, dass heute noch ernst zu nehmen.

Interessanter fande ich etwas völlig anderes. Da ich mich zwangsläufig in letzter Zeit viel mit dem Erzählen und Ausarbeiten von Geschichten beschäftigt habe, fiel mir das sofort auf. Die Folgen sind ein Lehrbeispiel, wie man eine spannende Dramaturgie konstruiert. Wie Dialoge funktionieren müssen und wie man, bestimmte Dinge heranzieht, um den Zuschauer die Fakten zu vermitteln. Zumindest wie man das früher getan hat und heute in der Literatur auch noch macht. Mit aktuellen Serien und Filmen hat das nur noch wenig gemein. Die funktionieren zwar ähnlich, die dramaturgischen Mittel werden aber subtiler eingesetzt. Ein bisschen wirken manche Szenen wie aus dem Skript eines Theaterstücks.

Die Darsteller waren allesamt großartig. Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane und Wolfgang Völz als Leutnant Mario de Monti passten zu ihren Rollen. Die Frauen taten mir schon wegen der starren wenig individuellen Frisuren leid, zeigten aber dem Publikum der Sechziger, wie selbstbewusst eine Frau agieren kann. Hier gefiel mir Charlotte Kerr als General Lydia van Dyke am besten.

In diesem Jahr wird die Serie, genauso wie Star Trek, fünfzig Jahre alt. Sollte sie tatsächlich neu verfilmt werden, wüsste ich schon einen Schauspieler für die Rolle des  McLane. Da wäre David Rott meine erste Wahl.

Mein Fazit: trotz der vielen Unstimmigkeiten muss man »Raumpatrouille Orion« gesehen haben. Schon allein wegen des grandiosen Looks. Und wenn man durch Hubert Zitts Vortrag weiß, wie die Spezialeffekte entstanden (ich sage nur Brausetabletten und Rosinen), hat man noch viel mehr Spaß daran.

Star Trek-Nachwuchs zu Besuch

Am Freitag waren wir wieder zum Trekdinner in München. Dieses Mal freute ich mich ganz besonders, denn es hatte sich unser, im Frankfurter Exil lebendes, Mitglied plus Nachwuchs angekündigt. Nicht nur ich war gespannt auf unser jüngstes Trekdinner-Mitglied (8 Monate), das von Mama gleich mal in ein passendes Shirt gesteckt wurde. Aufschrift: »Princess? I’d rather be a Starfleet Captain« Sehr originell wie ich finde. Und natürlich hatte die zukünftige Kommandantin alle Aufmerksamkeit und staunte über so viele unbekannte Gesichter. Dabei war sie den ganzen Abend sehr lieb und futterte Weißbrot und Babykekse.

Weil es im Restaurant Bar Portugal so heiß war, wurde vor allem die Salatkarte rauf und runter bestellt. Ich hatte Anfangs ein bisschen mit dem Parmaschinken im Salat »Italia« zu kämpfen. Obwohl er lecker war, nehme ich das nächste Mal dennoch wieder den Salat »Paris« mit Ziegenkäse.

Geredet wurde nicht nur über Kinder und Star Trek sondern über viele andere Dinge. Ich plauderte mit dem Autorennachwuchs und berichtete über meine Schreibcoach Erfahrungen. Später stieß auch ein Neuankömmling dazu, dem ich den textlichen Umfang der PERRY RHODAN Serie anhand der Harry Potter Bände (es wären 500 Bände) zu erklären versuchte.

Nachdem wir Mutter, Kind und Vater (der inzwischen auch dazu gestoßen war und zwischen all den Trekkies sichtlich verloren wirkte) verabschiedet hatten, brachen auch wir wieder nach Hause auf.

Es war ein schöner Abend in netter Gesellschaft, den wir unbedingt wiederholen müssen. Das nächste Mal vergessen wir auch nicht wieder, die Kamera mitzunehmen.

Im Juli steht die Premiere des neuen Star Trek-Films an, dann gehen wir alle zusammen im Kino. Ich freue mich schon.

Anton Yelchin ist tot

Eine Nachricht die mich gerade sehr schockiert.

Der Darsteller des Chekov aus den neuen Kinofilmen starb am 19.6.2016 bei einem tragischen Unfall in der Auffahrt seines Hauses in Kalifornien. Er wurde von seinem Auto erdrückt.

Yelchin stammte aus St. Petersburg und war der jüngste Schauspieler des neuen Star Trek Ensembles. Er wurde nur 27 Jahre alt.

Mein Beileid allen Verwandten und Freunden.

Die Zukunft von Star Trek

Dieser Tage erschien ein Artikel im »Hollywood Reporter«, der sich mit den Zukunft von STAR TREK beschäftigt und den Chancen, die sich dem Franchise derzeit bieten.

Unter der Überschrift »Bei der aktuellen Übersättigung von STAR WARS, wohin geht STAR TREK?« sticht ein Satz heraus: »In seinen besten Zeiten war ›STAR TREK‹ das, was literarische Science Fiction für sich beansprucht: Es beeinflusste die Art und Weise, mit der ihr Publikum mit der Welt interagierte.« Eine, wie ich finde, bemerkenswert treffende Beobachtung.

In diesem Jahr wird STAR TREK 50 Jahre alt. Obwohl in wenigen Wochen der Film »STAR TREK-Beyond« in den Kinos anlaufen wird und im Januar 2017 eine neue Serie starten soll, scheint sich das Franchise in einer Art Midlife-Krise zu befinden. Die Frage, die sich die Macher stellen sollten, ist die Frage nach der ureigenen Identität von STAR TREK. Womit war man so viele Jahrzehnte erfolgreich und welchen Markt möchte man bedienen?

In Zeiten in denen STAR WARS und die Comic-Helden von Marvel und DC den visuellen Markt dominieren und die Wissenschafts-Science Fiction den Buchmarkt erobert, wo positioniere ich ein Franchise, das sich intellektuell stets von den anderen abzuheben versuchte. Das Visionen hervorbrachte, die Wirklichkeit wurden und eine Philosophie vermittelte, der heute noch Millionen Fans folgen.

Der Autor des Artikels, Graeme McMillan, bringt es auf den Punkt. »… die jüngsten STAR TREK-Filme erschienen mehr wie STAR WARS, und wer braucht das schon, wenn die reale Sache (sprich STAR WARS) wieder da und in aller Köpfe ist?«
STAR TREK sollte sich wieder auf das konzentrieren, was es groß gemacht hat, auf die Wurzeln aus denen es gewachsen ist. Mit intelligenten Geschichten in denen die Bösen eben nicht nur böse und die Guten nicht nur gut sind. Es sollte denkbare Alternativen aufzeigen, wie wir unser Miteinander gestalten können, ohne uns die Köpfe einzuschlagen. Und es sollte anregen Fragen zu stellen, nach uns und der Welt in der wir leben.

Den Unterschied zwischen STAR TREK und STAR WARS fasst der Artikel bestens mit den Worten zusammen: »Während STAR WARS eine Serie ist, die das Herz anspricht … ist STAR TREK dann am besten, wenn es das Gehirn anspricht, Fragen stellt und Ideen liefert, die den Status quo anfechten.«

Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.

Den ganzen Artikel gibt es hier.

Fedcon Nachlese

Wo alles begann: 1994 auf der Fedcon II

Den letzten Tag auf der Fedcon haben wir ausgelassen, weil wir wieder zurückfahren mussten. Somit habe ich dieses Mal nicht alle Schauspieler mitbekommen, wobei ich die meisten schon mehrfach gesehen hatte. Schön wäre es gewesen Manu Intiraymi wiederzusehen. Den Schauspieler lernten wir persönlich vor einigen Jahren auf der ausgefallenen Trekgate-Convention kennen. Er saß damals schon im Flieger, als die Veranstaltung gecancelt wurde. Somit ging es ihm genauso wie einigen Fans, die Flüge und Hotel nicht mehr umbuchen konnten. Die Fans machten damals aus der Not eine Tugend und veranstalteten eine kleine Privatcon, die mir unvergesslich bleiben wird, weil es mit Manu damals einen Star »zum Anfassen« gab.

Ohnehin lernt man im Laufe der Jahre die kleineren Veranstaltungen zu schätzen. Die Fedcon mag allein durch ihre schiere Größe zu beeindrucken und dem Aufgebot an Stargästen, aber ein persönlicher Event mit nur einem Gaststar hat eine ganz andere Tiefe. Deshalb schätze ich die »An Evening with …« von FKM-Events bei denen wir schon viele schöne Abende verbrachten.

Für 25 Jahre Fedcon und 50 Jahre STAR TREK war die Dichte an STAR TREK Schauspielern angemessen, aber an die Fedcon 20 mit Scott Bakula und Wil Wheaton in Düsseldorf reichte sie nicht heran. So bleiben einige positive Erinnerungen aber auch ein paar Schatten. Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass man in den vergangenen 25 Jahren einfach schon zu viel gesehen und erlebt hat.

Die Rückfahrt verlief übrigens trotz Hagels und Starkregen erstaunlich glatt, weil wir erst über die A61 und A5 bis nach Karlsruhe und dort auf die A8 gefahren sind. Sieben Stunden brauchten wir trotzdem bis nach Hause.

Hier noch ein paar Fotos. Wer mehr sehen will, Sandra hat auf ihrem Blog eine ganze Foto-Galerie online gestellt.

Mit Galauniform in der Jeffriesröhre
Mit Galauniform in der Jeffriesröhre
Vor dem Transformer-Kostüm.
Vor dem Transformer-Kostüm.

Auf Raumpatrouille in Bonn

Nachdem der vorangegangene Tag auf der Fedcon so enttäuschend verlaufenen war, konnte es eigentlich nur besser werden und das wurde es auch.

Den Anfang machte am Sonntag der grandiose Vortrag von Hubert Zitt zu Raumpatrouille ORION. Ich hatte lange nicht so viel Spaß und hoffe, dass Hubert bald mal wieder das Münchner Trekdinner besucht. Weiter ging es mit einer Bilderschau zu 25 Jahren Fedcon, moderiert von Mr. Fedcon (Dirk Bartholomä) persönlich. Es war schön in Erinnerungen zu schwelgen, wobei der Vortrag stellenweise etwas lieblos daherkam. Im Anschluss lauschten wir dem Darsteller des Malcolm Reed aus ST-ENTERPRISE, Dominic Keating, der wie immer unterhaltsame Geschichten zu erzählen wusste. Ich mag seinen englischen Akzent und die Geschichte, wie er beim Vorsprechen auf John Billingsley traf, gefiel mir besonders gut, weil er John ziemlich gut imitierte.

Sehenswert waren die vielen Modelle und Zeichnungen der Fans, die im Obergeschoss ausgestellt waren. Darunter auch Teile des TNG-Maschinenraums inklusive Jeffries-Röhre, die man betreten und in denen man Fotos schießen konnte. Zu Raumpatrouille ORION gab es ebenfalls eindrucksvolle Exponate zu bestaunen.

Nach dem Kaffee hörten wir uns einen Vortrag zum Weltraumaufzug an. Wobei ich mal wieder erstaunt war, dass es in Deutschland altgediente SF-Fans gibt, die nie PERRY RHODAN gelesen haben.

Da dieser 15. Mai für meinen Mann und mich ein besonderer Tag war (sechs Jahre zuvor haben wir geheiratet), gingen wir am frühen Abend in ein nahegelegenes Restaurant essen. Der Asiate überraschte mit frischem und schmackhaftem Menüs, sodass wir nach 18 Uhr zufrieden ins Conhotel zurückkehrten.

Dort hatte man mal wieder kurzfristig den Plan umgestellt und so bekamen wir von Karl Urban (Dr. McCoy im Adams-Universum) nur noch das Ende mit. Das ist einer meiner stärksten Kritikpunkte. Nirgendwo gab es einen Bildschirm, auf dem man sich über das aktuelle Programm informieren konnte. Ich vermisste die zur Fedcon im Düsseldorfer Maritim überall hängenden Touchscreen-Monitore, auf denen man jederzeit abrufen konnte, welches Panel wo stattfand. Inzwischen gibt es zwar eine App, die über aktuelle Programmänderungen informiert. Dumm nur, wer wie ich kein Smartphone hat und auf das aus dem Internet ausgedruckte Programm angewiesen war. Im Conheft gab es ebenfalls ein Programm, was jedoch hoffnungslos veraltet war. Warum sich die Veranstalter überhaupt die Mühe gemacht haben, es dort abzudrucken, ist mir schleierhaft.

Nun anscheinend haben wir bei Karl Urban nicht viel verpasst, denn der Schauspieler wirkte unmotiviert und kam am Ende trotz anhaltenden Applaus‘ nicht noch einmal auf die Bühne. Das wir zu spät waren, hatte aber auch eine gute Seite. So wurden wir nämlich trotz Tageskarten in den Saal gelassen und blieben dort bis zum Ende sitzen. Nach der sympathischen Terry Farrell, trat William Shatner auf. Der Mann ist für seine 85 Jahre erstaunlich agil und schlagfertig. Viele der Geschichten kannte ich bereits, aber Captain Kirk leibhaftig zu sehen, ist dann doch immer wieder etwas besonderes.

Besonders war auch der anschließende Kostümwettbewerb, bei dem ein Pärchen in Transformer-Kostümen eindeutig den Vogel abschoss. Aber auch die anderen Kostüme konnten sich sehen lassen. Überhaupt gab es wieder viele Fans in professionell gestalteten Outfits.

Gegen 22 Uhr verließen wir das Maritim nach einem schönen Conventiontag, der uns wieder versöhnte. Ob wir aber wiederkommen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Mein Fazit: Die Räumlichkeiten waren definitiv zu klein. Einige Besucher verließen wegen Sauerstoffmangel und Hitze fluchtartig die Räume, besonders schlimm war es im Raum Hayden, in dem die Rahmenvorträge (u.a. PERRY RHODAN) gehalten wurden. Über die Qualität des angebotenen Essen lässt sich streiten, wenigstens der Kaffee schmeckte. Organisatorisch habe ich schon bessere Fedcons erlebt. Zumindest eine Anzeige des Programms ist zwingend notwendig, wenn man schon dauernd den Ablauf ändert. Mir fehlte auch ein bisschen der Kontakt zu den Stars. Die ließen sich in Düsseldorf öfters in der Lobby blicken, was aber auch an den Schauspielern selbst liegen mochte. Eben weil in Bonn alles so eng ist, ist unwahrscheinlich, dass sie sich einer solchen Menge an Fans aussetzen wollen. Dafür gab es viel junges Publikum und viele Kinder zu sehen, so dass ich mir über den STAR TREK-Fan-Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Positiv bleibt mir das Hotelpersonal in Erinnerung. Besonders die Hausdamen, die die Toiletten rund um die Uhr in perfektem hygienischen Zustand hielten. Da herrschten in Düsseldorf ganz andere Zustände.

Generationenwechsel

Ich wusste schon, warum sich bei mir dieses Mal keine rechte Vorfreude auf die Fedcon einstellen wollte. Denn es war anzunehmen, dass es voll, eng und stickig werden würde. Aber dass es außerdem so langweilig ist, dass ich die Leseprobe eines PERRY RHODAN-Heftromanes lesen würde, während die STAR TREK-Stars drinnen auf der Bühne stehen, damit hatte ich nicht gerechnet.

Das hatte zum einen damit zu tun, dass wir Inhaber eines Tagestickets waren und damit nur in den Hauptsaal kamen, wenn alle Wochenendticketbesitzer einen Platz hatten. Da anscheinend mehr verkauft wurden, als es Plätze im Saal gab, zogen so einige Tagesgäste den Kürzeren. Das hat mich sehr gestört, fand ich es doch etwas unfähr. Zumal wir für zwei Tage fast genauso viel bezahlten wie fürs Wochenendticket. Den Auftritt von William Shatner hat Tele 5 live bei Facebook gestreamt, so dass einige draußen in der Lobby saßen und auf ihr Smartphone starrten.

Durch die Autogrammsession war der Saal den halben Tag belegt und die Nebenräume entsprechend voll. Meiner Meinung nach kann man einen so beliebten Star wie Connor Trinner nicht im kleinen Saal auftreten lassen. Das muss zwangsläufig voll werden. Zur gleichen Zeit fand auch der Weltrekordversuch statt – die meisten Fans in STAR TREK-Kostümen an einem Platz zu vereinen. Da einige hundert fehlten, weil sie a es nicht wussten (keine Durchsagen, nur ein Hinweis im Programmheft) und b sie im Panel des ENTERPRISE-Schauspielers saßen, kamen nur 700 statt der gewünschten 1400 zusammen.

Aus Liebe zu meinem Mann verbrachte ich danach fast eine Stunde in der Warteschlange zur Fotosession mit Terry Farrell, bis ich nicht mehr stehen konnte. Wenigstens war er selig, als er mir nach zwei Stunden stolz sein Foto präsentierte.

Es gab auch ein paar Lichtblicke. Unterhaltsam war wie immer das Panel von Dr. Hubert Zitt, der darüber sprach, wie »50 Jahre Star Trek« die Welt veränderten. Spannend fand ich auch die Lesung von Christian Humberg und Bernd Perplies aus der von iHenn geschriebenen STAR TREK-Romantrilogie »Prometheus«, die ab Juli erscheint. Die erste von deutschen Autoren geschriebene STAR TREK-Geschichte stieß auf so viel Interesse, dass auch hier der Raum aus allen Nähten platzte. Die Fans saßen sogar auf dem Boden. Den versöhnlichen Abschluss eines anstrengenden Conventiontages bildete das Panel von Terry Farrell, in das wir gnädigerweise eingelassen wurden.

Trotz der vertrauten Umgebung (ich bin viele Male zuvor auf der Fedcon in Bonn gewesen) mochte sich bei mir kein Con-Feeling einstellen. Woran das genau lag, vermag ich nicht zu definieren. Vielleicht auch daran, dass sehr viel jüngeres Publikum da war und man nur wenige Freunde aus alten Zeiten traf. Es hat ein Generationswechsel bei den STAR TREK-Fans auf der Fedcon stattgefunden und vielleicht ist das auch gut so. Denn so eine Massenveranstaltung bei der man stundenlang in schlecht belüfteten Räumen auf engstem Raum stehend oder auf dem Boden sitzend verbringt, ist mit zwanzig noch lustig, mit dreißig nervt es, aber mit zweiundvierzig ist man dafür definitiv zu alt.