Wasserstoffspiele

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN-NEO »Im Reich des Wasserstoffs« von Rainer Schorm

Es fasziniert mich, wie sehr sich die Stile von Autoren unterscheiden. Deutlich wird das bei einer Serie wie PERRY RHODAN. Und ganz besonders, wenn das Exposé im Hintergrund eine über mehrere Folgen homogene Geschichte vorgibt. Während Michael H. Buchholz in Band 101 mehr die wissenschaftliche Seite beleuchtet, Kai Hirdt in Band 102 die humorvolle und Rüdiger Schäfer dem Leser in Band 103 die gefühlvolle Seite nahebringt, so ist Rainer Schorm der Mann fürs Technische …

Keiner der drei vorangegangenen Romane konnte mit so vielen technischen Details aufwarten. Aber auch kein Roman litt so sehr unter dieser Last wie »Im Reich des Wasserstoffs«. Ich fühlte mich ein wenig in die Erstauflage versetzt. Es war einhundert Prozent PERRY RHODAN, aber es war nicht das NEO, dass ich in den letzten Romanen liebgewonnen hatte. Vielleicht liegt es daran, dass mir große Raumschlachten nicht gefallen oder auch daran, dass ich lieber wissenschaftlich fundierte Science Fiction mag. Ich folgte der Handlung, aber ich wurde nicht warm damit. Der Handlungsstrang um Eric Leyden war von allen noch derjenige, bei dem ich mich am wohlsten fühlte. Die Geschichte um die Mutanten, die zusammen mit Tuire Sitareh eine Maahkwalze kapern, empfand ich als überzogen. Sie verlief am Anfang viel zu glatt, während es am Ende fast in die Katastrophe führte. Mir war das alles zu wenig durchdacht, da fehlte für meinen Geschmack das Bodenständige. Es erinnerte an die PERRY RHODAN Heftromane aus den Sechzigern, in denen allen möglich war, ohne auf die wissenschaftliche Basis zu achten.

Was mir positiv auffiel, war der Versuch die Geschichte aus der Sicht eines Maahk zu zeigen. Leider waren diese Szenen zu kurz, um den Leser so richtig zu packen. Da half auch die letzte Szene nicht, in dem der Gedankenspeicher des getöteten Maahk in den Bündler gezogen und nach Haus transferiert wird. Sie löste in mir zumindest etwas Bedauern aus, das jedoch von den vorangegangen, hektischen, sich überschlagenden Ereignissen begraben wurde.

Apropos Hektik. Im letzten Drittel des Buches hatte ich das Gefühl, dass der Autor sich sehr zusammenreißen musste, um die erforderliche Länge der Geschichte einzuhalten. Da ging es plötzlich Schlag auf Schlag, Schorm raste förmlich durch die Handlung, wobei viele Details verloren gingen. Da war wohl die Seitenzahl schon fast erreicht und noch jede Menge Exposé übrig. Ich kenne das von meiner FanEdition. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen. Es hätte sicher auch Band 104 gut getan, wenn man aus einem Roman zwei gemacht hätte.

Ich schiele mit etwas Sorge auf die nächsten Romane. Werden sie meine anfängliche Euphorie bremsen? Wir werden sehen.

Feedback zum Newsletter

Ich freu mich!

Nachdem ich heute Mittag mal kurz einen Blick auf die PERRY RHODAN Homepage geworfen habe, war der Tag plötzlich viel heller. Es gab Feedback zum 10. Newsletter der PRFZ, den ich Ende September redaktionell zusammengetragen und verfasst habe. Dass dies den Verantwortlichen im Verlag sogar einen Eintrag auf der Internetseite der Serie wert ist, damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Umso erfreuter bin ich darüber. Nein ehrlich, dass bedeutet mir eine Menge, da hat man echt das Gefühl wahrgenommen zu werden. Schön!

Das ist den Aufwand wert, den auch eine so kleine Publikation wie der Newsletter hat. Ich bin meist etwa zwei Wochen damit beschäftigt (natürlich nicht Vollzeit, aber drei bis vier Stunden am Tag kommen schon zusammen). Zum Beispiel mit dem Sammeln von Beiträgen; sehr froh bin ich, wenn ich auch Informationen von außen bekomme, z.B. von anderen Clubs oder von Mitgliedern der PRFZ. Ich möchte schließlich, dass die Leser des Newsletters aktuelle und Clubübergreifende Informationen erhalten. Dann denke ich mir Fragen für die Interviews aus, formuliere Artikel und schreibe dazwischen immer wieder viele E-Mails. Schließlich muss ich alles mit den Aktiven der PRFZ und manchmal auch mit dem Verlag koordinieren. Letzteres dann, wenn ich die Genehmigung brauche, um einen Artikel von der PR-Homepage oder dem PR-Redaktions-Blog für den Newsletter zu verwenden.

Ich werde oft gefragt: Warum wir auch Informationen von der PR-Homepage im Newsletter haben, die sich ja jeder selbst dort holen kann? Es gibt Mitglieder die über keinen Internetzugang verfügen und den Newsletter per Post beziehen (gegen Aufpreis). Diese Mitglieder freuen sich über jede aktuelle Information von offizieller Seite.

Wenn alle Inhalte stehen, schicke ich diese an Ben Calvin Hary, der sie lektoriert und nach Fehlern durchforstet. Wenn das erledigt ist, gehts an Layout. Das ist der zeitraubendste Teil, weil ja alles stimmen muss. Die Texte müssen thematisch und gleichmäßig auf die Seiten verteilt werden, sodass keine Lücken entstehen. Manchmal ist ein Text zu lang, der muss dann gekürzt werden oder ein anderer ist zu kurz, da muss hinzugefügt werden. Aber inzwischen weiß ich schon ungefähr, wie lang die Texte sein müssen, damit sie in die vorbereiteten Rahmen der Rubrik passen. Die Bilder müssen in der richtigen Auflösung eingefügt und am Ende muss geprüft werden, ob im Satz alles richtig steht. Schließlich hagelte es schon Kritik von Lesern, weil die Spalten nicht Registerhaltig waren.

Wenn das Layout fertig ist, sind die Verantwortlichen bei der PRFZ gefragt; sie müssen die Ausgabe absegnen. Und wenn keiner mehr einen Fehler findet, wird das PDF erstellt und rausgeschickt. Letzteres mache aber nicht ich, sondern derjenige, der auch die Mitgliederverwaltung betreut, denn nur er hat Zugang zu den E-Mail-Adressen der Mitglieder. Wenn der Newsletter dann verschickt ist, kann ich mich erst einmal beruhigt zurücklehnen. Aber nicht lange, denn die Ideen für den nächsten Newsletter spuken schon längst wieder durch meinen Kopf.

Und hier noch das dazugehörige Bildmaterial zum Blogeintrag:

Aus Perry Rhodan-Heft Nr. 2825
Auszug aus den Clubnachrichten von Hermann Ritter (PR-Heft Nr. 2825)
perry-rhodan.net vom 15.10.2015
perry-rhodan.net vom 15.10.2015

Im Oxydkrieg

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN-NEO »Der Oxydkrieg« von Rüdiger Schäfer

Wenn es eine Steigerungsform für perfekt gäbe, hätte dieser Roman sie verdient. Wiederholt hat es ein NEO-Roman geschafft, dass ich ihn innerhalb weniger Stunden regelrecht verschlungen habe. Das mir der Schreibstil des Autors zusagt, brauche ich nicht zu wiederholen. Doch zusammen mit der intelligent ausgedachten Geschichte, wird daraus ein Glanzpunkt, der selbst die beiden Vorgängerromane überstrahlt. Dabei kann ich nicht mal sagen, was genau den Roman so besonders macht. Ist es die Geschichte über Eric Leyden auf dem Mars, bei der man fast so etwas wie Romantik heraushört oder die Abenteuer von Gucky und dem Haluter Fancan Teik auf der fremden Raumstation? Möglicherweise sind es auch die Erinnerungen des Maahk aus dem Qxydkrieg, die Perry Rhodan am eigenen Leib erfahren muss. Vielleicht liegt es aber auch an den vielen eingestreuten Informationshäppchen, die man als Leser mitbekommt, sei es nun über den Jupiter und seine geschichtliche Bedeutung bei Ägyptern und Babyloniern oder über die physikalischen Bedingungen auf dem Mars sowie den Wasserstoffwelten der Maahks. Hier gibt man sich richtig Mühe wissenschaftliche Details glaubwürdig in eine spannende Geschichte zu verweben. Einzig die Sache mit dem Sturm auf dem Mars ist nicht so richtig korrekt, aber das würde die ganze Dramaturgie der Geschichte über den Haufen werfen und wurde auch vom Autor von »Der Marsianer« ignoriert. Wer wissen will, wie es bei einem Sturm auf dem Mars wirklich wäre, kann es bei Astronews.com nachlesen.

Ich glaube was das Buch so besonders macht, ist die Mischung aus allem. Der sauber geschriebene und mit so viel Gefühl formulierte Roman entwickelt eine Homogenität, die ich bisher bei keinem Roman der NEO-Serie erlebt habe und macht es für mich zu einer wertvollen Lektüre, die ich ganz sicher noch ein zweites Mal lesen werde.

Das dynamische Titelbild von Dirk Schultz unterstreicht die Leidenschaft hinter den Geschichten aus der aktuellen Staffel.

Auf dem Abstellgleis …

… fühle ich mich zur Zeit, wenn es darum geht, zur Arbeit zu kommen.

Als Pendler hat man es nicht leicht und wenn man derzeit auf der Strecke Salzburg-München unterwegs ist, trifft es einen doppelt und dreifach. Ich habe heute sage und schreibe sechs Stunden damit zu gebracht, zur Arbeit und zurück zu kommen. Wahnsinn, und das an einem normalen Wochentag. Urheber ist mal wieder – ja, richtig – die Deutsche Bahn. Die muss ja unbedingt zwischen Traunstein und Prien die Gleise tauschen, jetzt, wo der Verkehr auf der Strecke durch die Grenzkontrollen eh schon belastet ist. Züge der Deutschen Bahn fahren gar nicht mehr, oder nur noch gerüchteweise (im Fahrplan habe ich noch keinen verkehrenden Zug gefunden). Die Züge des Meridian fahren zumindest alle Stunde und seit dieser Woche sogar wieder direkt bis nach Salzburg. Bis letzte Woche war in Freilassing Schluss; Reisende nach Salzburg mussten in Bussen die Grenze überwinden. Irgendein cleverer Kopf kam nach drei Wochen endlich auf die Idee, dass man die Züge ja eigentlich durchfahren lassen könnte, solange wie sie leer, sprich ohne nichtregistrierte Flüchtlinge, wieder zurückfahren. Seit dieser Woche fahren sie auch von Salzburg wieder nach München, aber nur mit Ausweiskontrollen.

Der Zugverkehr ist also nicht nur extrem ausgedünnt, man muss an den Baustellen meist auch ziemlich lange warten, weil die Strecke nur eingleisig befahrbar ist. Dann muss der Nahverkehr auch noch den österreichischen Railjet vorlassen und so kommt schnell eine Viertelstunde Verspätung zusammen. Morgens geht es immer noch, weil ich schon vor 6 Uhr fahre, aber am Nachmittag ist die Hölle los. Die Bahnen sind hoffnungslos überfüllt, weil sowohl die ECs/ICs der Deutschen Bahn ausfallen, als auch die Verstärkerzüge, die sonst nur bis Traunstein fahren und so zumindest im Feierabendverkehr einen halbstündigen Takt gewährleisten. So fährt nur alle Stunde einer, wo sonst mindestens drei fahren. Man kann sich das Passagieraufkommen ungefähr vorstellen. Und wenn man dann noch dicht gedrängt, gefühlte Jahrhunderte vor einer Baustelle auf den Gegenverkehr warten muss, macht das echt keinen Spaß mehr.

Ich wusste schon, warum ich die letzten drei Wochen Urlaub genommen habe. Jetzt muss ich nur noch bis zum 22.10. durchhalten.

Zumindest habe ich heute einen ganzen PERRY RHODAN-NEO geschafft. Immerhin!

Buch oder Film?

Quelle: Kino.de

Es ist wie mit der Henne und dem Ei: Was war zuerst da? Übertragen auf »Der Marsianer« lautet es: Ist es besser, zuerst das Buch zu lesen und dann den Film anzuschauen oder umgekehrt? In meinem Fall spielte das zwar keine Rolle, denn ich habe das Buch bereits vor einem halben Jahr gelesen und vorgestern dann die Verfilmung gesehen. Doch für andere Zuschauer bzw. Leser steht diese Frage durchaus im Raum.

Sagen wir mal so, der Film hilft dabei, einige Schwächen des Romans auszubügeln, nämlich dann wenn es ums visualisieren geht. Viele der Szenen im Buch leiden unter mangelnder Beschreibung. PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick würde es schlicht als »Weißraum« bezeichnen.
So war mir nicht klar, dass das Wohnmodul ein separater Teil der Kuppel ist. Ich habe mir vorgestellt, das Mark Watney zwischen seinen Kartoffelpflanzen in der Kuppel lebt. Im Film sieht man aber deutlich, wie der Wohntrakt als zylinderförmiger Zusatz an der Wohnkuppel angedockt ist. Auch von der »Hermes« hatte ich eine völlig andere Vorstellung. Und gerade von dem Rover, der eine große Rolle spielt, konnte man sich im Buch nur ein unklares Bild machen.
Auch die Szene, in der die junge Frau die Satellitenbilder sichtet, fand in meinem Kopf in einem winzigen Raum mit vielen Monitoren statt und nicht im riesigen Saal eines Kontrollzentrums. So gesehen werden all die Dinge durch den Film lebendiger und fassbarer.
Einige Kritiker des Romans gaben an, dass die Szenen auf der Erde weniger gut erzählt werden als Mark Watneys Überlebenskampf auf dem Mars. Das habe ich stellenweise auch so empfunden. Im Film sind diese Szenen tatsächlich gelungener. Sie wirken durch einfache Gesten und den Ausdruck in den Gesichtern der Schauspieler viel tiefer.

Auf der visuellen Ebene ist der Film eindeutig besser. Und das, wie gesagt, nicht nur wegen der grandiosen Aussichten auf dem Mars oder im All.

Schwächen hat der Film genau da, wo das Buch seine Stärken hat. Mark Watneys Versuche zu überleben, seine Basteleien, die technischen Probleme mit denen er kämpft, all die Widrigkeiten und vor allem seine Einsamkeit kommen im Film nicht so rüber wie im Buch. Dazu fehlen zu viele der guten und wichtigen Szenen. Klar, für den Film musste die Geschichte radikal gekürzt werden, doch damit gehen essentielle Aussagen verloren. So funktioniert die Wasserherstellung nämlich nicht so optimal, wie im Film gezeigt und Watney bekommt sehr bald ein Problem mit zu viel Wasserstoff. Später killt er aus Versehen die Pathfindersonde, weil er den Elektrobohrer dagegen lehnt und steht anschließend bis zum Erreichen der ARES 4 ohne Kommunikation zur NASA da. (Es gibt einen Kurzschluss, weil er zuvor die Verkleidung des Bohrers abnehmen musste, da dieser zu schnell überhitzte.) Ich fand dies einen wichtigen Aspekt, der im Film einfach wegfällt und somit einen Teil des Konfliktes aus der Handlung nimmt. Aus meiner Sicht wäre es auch notwendig gewesen, zu zeigen, dass die Fahrt über den Mars nicht so ungefährlich und unspektakulär ist, wie sie im Film aussieht. Im Roman kippt Watney mit dem Rover bei der Einfahrt in den Schiaparelli-Krater von einer Rampe, weil zwei Räder des Fahrzeugs im Treibsand versinken. Seine Angst und die Frustration so kurz vor dem Ende zu scheitern, hätte man unbedingt zeigen müssen. Im Film verlief die Reise viel zu glatt, während sie im Roman ein eigenes Abenteuer darstellt. So gehen viele Dinge verloren, die die Geschichte so brillant machen.

Was auch verloren geht, ist die Sprache. Watney nimmt kein Blatt vor den Mund. Das wird im Film zwar angedeutet, steht aber, wahrscheinlich aus Rücksicht vor dem amerikanischen Publikum, in keinem Vergleich zur Direktheit seiner Äußerungen im Roman, die ihn gerade deshalb so authentisch machen.

Ich will hier noch kurz auf ein paar Auffälligkeiten und technische Ungereimtheiten im Film eingehen. Natürlich ist der Deutsche wieder derjenige, der die Bombe baut. Witzig fand ich, dass er ein bisschen wie Alexander Gerst aussieht, für einen Deutschen aber eindeutig zu viele Kinder hat. :) In einer Szene wird einem Projekt ein Name aus »Herr der Ringe« gegeben, das faszinierende daran ist, dass einer der Schauspieler in der Szene bei »Herr der Ringe« mitgespielt hat. Netter Gag. Apropos Schauspieler: Matt Damon in der Rolle von Mark Watney ist optimal besetzt und zu jederzeit glaubwürdig.
Die Satellitenbilder vom Mars waren dagegen grottenschlecht. Wenn die NASA im Film zwölf Satelliten um den Mars kreisen lässt, dann sollten sie doch bitte eine bessere Auflösung haben. Da liefern ja die Fotos von Google Earth eine bessere Qualität. Außerdem ist die Missionsdauer zu kurz. In der Literatur geht man von drei Jahren aus, weil das Fenster für einen günstigen Rückflug relativ eng ist und man bis zu einem Jahr auf dem Mars bleiben müsste. Auch von den Szenen in der Schwerelosigkeit war ich etwas enttäuscht, die wirkten bei »Gravity« sehr viel natürlicher. Die Bewegungen der Astronauten auf dem Mars sahen dagegen extrem schwerfällig aus, schließlich wiegt man auf dem Mars nur ein Drittel wie auf der Erde, die Bewegungsmuster wären andere. Und davon, dass ein Sandsturm in der dünnen Atmosphäre des Roten Planeten niemals die Wucht entwickeln könnte, um die ARES umzuwerfen, will ich gar nicht reden.

Mein Fazit lautet: Der Film greift die Schwächen von Andy Weirs Roman auf und bügelt sie aus, kann aber die Faszination seiner Literaturvorlage nicht eins zu eins transportieren. Um die Geschichte in ihrer Vollendung zu erleben, sollte man sowohl das Buch gelesen, als auch den Film gesehen haben. Erst beides zusammen ergibt ein homogenes Ganzes. Wobei ich vorschlagen würde, erst den Film anzusehen und dann das Buch zu lesen. Das macht den Kinobesuch noch etwas spannender.

Kirchen, Wein und Welterbe

Würzburg besuchte ich zum ersten Mal 1993 während eines Betriebsausfluges. Damals besichtigen wir aber nicht die schöne Innenstadt, sondern waren beim Verlagshaus Würzburg zu Gast, bevor wir zu einer Weinprobe in ein Weingut nach Tauberbischofsheim fuhren. Später bin ich einige Male mit dem Zug durch die Gegend gekommen, hatte aber nie die Gelegenheit einen Fuß in die Stadt zu setzen.

Die diesjährige DfwG-Jahrestagung war ein willkommener Grund, das zu ändern. Entgegen aller Wettervorhersagen schien an diesem Oktoberdienstag die Sonne. Wir fuhren mit dem Bus in die Stadt und bekamen allein durch diese kleine Stadtrundfahrt viel zu sehen.
Vom Busbahnhof aus spazierten wir in die Innenstadt, die von jeder Menge Baustellen und parkenden Autos verstopft wurde. Und eines fiel mir sofort ins Auge. Es ist traurig zu sehen, wie sehr sich die deutschen Innenstädte ähneln. Die gleichen Ketten uniformieren die Straßenzüge, sodass man nicht auf Anhieb sagen kann, in welcher Stadt man gerade ist. Wie ich in Würzburg die Kaiserstrasse entlang ging, glaubte ich mich kurzzeitig in Düsseldorf.

Das erste Objekt, was mir in Würzburgs Innenstadt ins Auge fiel und mich dazu brachte, die Kamera zu zücken, war das »Falkenhaus«. Das gelbe mit Stuck überzogene Gebäude leuchtete in der Vormittagssonne und bildete einen auffallenden Kontrast zu der dahinterstehenden sienaroten Marienkapelle. Der blaue Herbsthimmel bildete das i-Tüpfelchen auf den golden leuchtenden Turmspitzen. Auf dem weiteren Weg durch die Gassen kamen wir an vielen schönen renovierten Gebäuden vorbei. Von der »Alten Mainbrücke« bewunderten wir die nahe Festung, die in der diesigen Oktoberluft wie weichgezeichnet über dem Main thronte. Unter uns passierte ein Frachtschiff die Schleuse.

Im Anschluss daran bummelten wir an Dom und Münster und weiteren Kirchen vorbei zur Residenz, deren Besuch wir für den nächsten Tag einplanten. Bevor wir am frühen Nachmittag mit dem Bus vom Bahnhof zurück ins Hotel und anschließend zum Tagungsort ging, schließlich war ich ja nicht nur zum Vergnügen hier …

Für alle Tagungsteilnehmer inkl. Partner fand das Abendessen im Hofbräukeller unterhalb der Festung statt. Auf der Fahrt mit Bus und Straßenbahn durch die abendliche City bekam man noch einmal einen ganz anderen Eindruck von Würzburg vermittelt. Weitläufige Gewerbegebiete, Hochhäuser mit Glasfassaden, Leuchtreklame und belebte Straßen verliehen der historischen Stadt etwas Großstädtisches.
Der Hofbräukeller mit großem Biergarten, in dem man aber wegen des einsetzenden Regens nicht sitzen konnte, entpuppte sich als klassisches Bierlokal, groß mit Bierbänken und einer Ausstellung Allerlei altertümlicher Brauutensilien. Von denen es mir eine altmodische Abfüllanlage besonders angetan hatte. Die sah nämlich aus, wie ein »Posbi« aus PERRY RHODAN.

In gemütlicher Runde ging der Abend zu Ende und einer der Tagungsteilnehmer (und ehemaliger Arbeitskollege) fuhr uns ins Hotel zurück.

Falkenhaus und Marienkapelle
Falkenhaus und Marienkapelle
Auf der alten Mainbrücke
Auf der alten Mainbrücke
Blick zur Festung
Blick zur Festung
Eine der vielen Kirchen
Eine der vielen Kirchen

„NEOisiert“

Quelle: Perrypedia

Sie haben mich gekriegt! Sowohl die Expokraten um Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz, als auch Autor Kai Hirdt, der mir mit seinen witzigen Dialogen sehr oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Vielen Dank für die wunderbare Unterhaltung!

Ein NEO-Roman, dessen Geschichte sich nahtlos an den vorherigen Roman anschließt? Ich war baff. Das war die Erfüllung eines langgehegten Wunsches. Worum es genau in der Geschichte geht, kann jeder in der Perrypedia nachschlagen. Mein persönliches Empfinden war wie zuletzt sehr positiv. Der Autor verleiht der Figur des Eric Leyden noch mehr Tiefe, aber auch Belle und Abha sind treffend gezeichnet. Ich mag es, wenn Charaktere so lebendig wirken, dass man sie lebhaft vor sich sieht. Auch Leydens Konfrontation mit der ausgemusterten Hyperphysikerin, war grandios inszeniert. Es war wie ein Film vor Augen, als sie und Leyden aufeinander treffen.
Sehr schön fand ich die Trennung zwischen ziviler und militärischer Führung und den dazugehörigen Kompetenzstreitigkeiten. Wobei ich mich jedoch frage, warum man Leyden nicht gleich die volle Verfügungsgewalt über die Forschungen auf dem Mars gegeben hat. Die Flotte sollte doch nach seiner Rettung von Io, über seine Erkenntnissen vom Jupiter Bescheid wissen. Warum gewährt man ihm erst die Unterstützung, als er Flottenchef Reginald Bull hinzuzieht?

Das Geschehen im Taktissystem um Perry Rhodan und die CREST, bildetet einen guten Kontrast. Die Begegnung mit den misstrauischen Scortoohks, die anfänglichen Kommunikationsprobleme und die Entdeckung der Festung „TASCHVAAHL“ sowie dem Bündler, machen Lust auf weitere Abenteuer. Was die Autoren mit der Figur des Captain Rainbow vorhaben, ist mir noch nicht ganz schlüssig. Erinnern tut er mich an Redhorse aus dem MdI-Zyklus. Während der Charakter dort jedoch stets den Befehlen seiner Vorgesetzten gehorchte und eine reine Weste hat, agiert Rainbow manchmal etwas unüberlegt und bringt sich und seine Kameraden nicht nur in Gefahr, sondern riskiert auch eine Degradierung. Interessante Idee, mal sehen wo das hinführt.

Auf der einen Seite also der kühle Taktiker Rhodan und die Flotte und auf dem Mars der Hyperphysiker Eric Leyden mit seinen mitunter sehr unkonventionellen Ideen. Das sind nur zwei Handlungsstränge in einem Roman. Bei NEO hatten mich bisher die Vielzahl der Handlungsstränge gestört. Für diese notwendige Reduktion ebenfalls ein herzliches Dankeschön!

Am Ende doch noch ein paar kritischere Worte an den Autor. Seine Dialoge sind oft treffend und witzig, aber er sollte den Bogen nicht überspannen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Slapstick und eine Situation ins Lächerliche ziehen. Meines Erachtens war Kai Hirdt manchmal sehr nah dran, diese Grenze zu überschreiten. Ich mag gerade den ernsten Hintergrund bei PERRY RHODAN und möchte nicht, dass dieser zwischen den lustigen Szenen (die man selbstverständlich braucht) verloren geht.

Das Ende des Sozialismus aus der Sicht seiner letzten Generation

Das Land in dem ich geboren wurde, gibt es nicht mehr. Dieser Gedanke ist, näher betrachtet, schon ziemlich merkwürdig. Denn ich habe weder meine Heimat verlassen noch Familie oder Freunde. Und doch ist mein Geburtsland sang und klanglos von der Bildfläche verschwunden, inklusive seiner Gesellschaftsordnung. Noch erstaunlicher ist der Zeitrahmen in dem das alles geschehen ist. Denn in geschichtlichen Zeiträumen gesehen, kam der Untergang von heute auf morgen. Es blieb weder Zeit für Abschiedsschmerz, noch für weise Vorausplanung; keine Zeit für das Seelenheil der Menschen, die darin lebten und keinerlei vernünftige Vorschriften für Wirtschaft oder die Gesellschaft an sich.

Als friedliche Revolution von Millionen gefeiert, entpuppte es sich später eher als feindliche Übernahme. Darüber haben inzwischen viele Leute aus Ost und West geschrieben und jeder Bundesbürger sollte inzwischen darüber Bescheid wissen. Mir geht es heute um ein persönliches Statement.

25 Jahre nach der Wiedervereinigung komme ich nicht umhin, zurück zu blicken, auf meine ersten 16 Jahre im »Sozialistischen Vaterland DDR«. Ich möchte versuchen die Sicht, die ich und viele meiner Generation auf die Wende haben, in Worte zu fassen und verständlich machen, warum wir heute noch viele Dinge anders sehen, als unsere Freunde im Westen.

Ein Studienfreund sagte einmal zu mir: »Wir werden keine Wessis mehr.« Und da ist durchaus etwas dran. Doch warum eigentlich? Sind 16 Jahre sozialistische Prägung wirklich so einschneidend und wie viel Sozialismus haben wir als Kinder wirklich verinnerlichen können? Eines, was ich an mir und an anderen beobachtet habe ist, dass uns Ostdeutschen der Biss fehlt, um sich in einer Gesellschaftsordnung wie der jetzigen durchzusetzen. Wir haben einfach nicht den notwendigen Killerinstinkt oder das entsprechend große Ego, welches man braucht, um zu bekommen, was man will. Dafür haben wir eine Fähigkeit, die uns von den im Westen Aufgewachsenen unterscheidet: Wir können unglaublich gut improvisieren. Ich merke das häufig in meinem Job. Während die Kollegen noch rätseln, wie man das jetzt machen könnte, präsentiere ich bereits eine Lösung. Aber meistens wird die nur bedingt für würdig befunden, weil ich nicht das notwendige Selbstbewusstsein habe, meine Idee auch zu verteidigen.
Auch Zusammengehörigkeitsgefühl und Vertrauen war etwas, dass man in der DDR gelebt hat. Es wurde viel mehr miteinander gemacht. Doch das ist in den 25 Jahren verloren gegangen. War man früher einander gleich, so ist man es heute nicht mehr. Heute bestimmt gegenseitiges Misstrauen unser Handeln, auch unter den Menschen, die früher befreundet waren.

Sicher, es überwiegen die positiven Auswirkungen der Wiedervereinigung. Und dabei denke ich in erster Linie nicht nur an Rede- oder Reisefreiheit. Ich bin sehr dankbar, dass ich 1990 auf dem neu gegründeten Gymnasium mit etwas vertraut gemacht wurde, das sich Humanismus nennt; das Toleranz gegenüber anderen Meinungen und anders Denkenden ein wichtiges Gut ist. (Sofern sie damit niemandem Schaden zufügen.) Auch bin ich dankbar dafür, dass ich all die Bücher lesen durfte, die ich wollte; das ich »Star Trek« im Kino erleben konnte; das ich jede Woche die »Bravo« und »Perry Rhodan« kaufen konnte, ohne in der Schule deswegen Ärger zu bekommen. Ich bin dankbar für die Weltsicht, die man mir aufzeigte, denn ich glaube, dass ich heute ein völlig anderer Mensch wäre, hätte es die Wende nie gegeben.

Einen Einwand mag man mir aber noch zugestehen. Es war so viel möglich in jener Zeit zwischen dem 9.11.1989 und dem 3.10.1990 und es wurde so wenig davon umgesetzt. Die Chance etwas Neues zu schaffen, opferte man dem schnöden Mammon »Geld«. Und daran waren beide Seiten schuld. Die DDR-Bürger, die das Alte nicht mehr mochten und alles Neue aus dem Westen als das Nonplusultra begrüßten, nur um dann Jahre später festzustellen, dass auch dort nicht alles perfekt und gut war. Und die Westdeutschen, die in gutgemeinter Absicht glaubten, dass man die »armen« DDR-Bürger erretten müsse und ihnen zeigen, was man für die Krone der Schöpfung hielt. Es ging viel zu schnell und doch hätte es nicht langsamer gehen können, weil die Ungeduld in vier Jahrzehnten auf beiden Seiten zu groß geworden war, als dass man den Prozess hätte bremsen können. Heute nach 25 Jahren sind wir reifer, erfahrener und wissen inzwischen, wo wir Fehler gemacht haben.

»Das Dritte Reich wirkt bis in die Gegenwart nach, obwohl es nur zwölf Jahre gedauert hat. Die DDR, der immerhin 40 Jahre beschieden waren, ist heute so fern, als hätte es nie gegeben.« Diese Worte aus der Süddeutschen Zeitung vom 1.9.2004 legen eine fast schon erschreckende Wahrheit frei. Denn ich möchte meine Vergangenheit weder totgeschwiegen wissen, noch auf wenige Begriffe, wie Stasi, Mauer oder Trabbi reduziert sehen. Meine Kindheit war mindestens genauso bunt, wie die meiner Freunde im westlichen Teil Deutschlands. Und hin und wieder erlebe ich in Gesprächen, dass meine skurrilen Erlebnisse mit dem »Arbeiter-und-Bauern-Staat« nicht nur meine Gesprächspartner in Erstaunen und Verwunderung versetzen, sondern auch mir plötzlich einen ganz neuen Blick auf meine Vergangenheit eröffnen.

Ein Datum zwei Geburtstage

Was für eine faszinierende Dualität, die mir zuvor noch nie bewußt geworden ist. Es gibt etwas, das Star Trek und Perry Rhodan miteinander verbindet. Nicht nur das beide Werke einem Genre entstammen, sondern es gibt eine sehr weltliche Verbindung: Das Datum ihres Erscheinens fällt nicht nur auf denselben Monat sondern auch auf denselben Tag im Jahr.

Am 8. September 1961 erschien der erste Heftroman der Perry Rhodan-Serie mit dem Titel: Unternehmen „Stardust“. Fünf Jahre später am 8. September 1966 wurde in den USA mit „Das Letzte seiner Art“ die erste Folge der klassischen Star Trek-Serie ausgestrahlt. Es ist schön zu wissen, dass es etwas gibt, das die beiden erfolgreichen Serien miteinander verbindet.

Im nächsten Jahr feiert Star Trek seinen fünfzigsten Geburtstag. Für Perry Rhodan wird es schon der fünfundfünfzigste sein. Und nicht nur für mich wird es ein besonderer 8. September werden. Ich hoffe nur, dass beide Serien ihren Geburtstag würdig begehen können.

Ich jedenfalls freue mich schon darauf.

„NATHAN“ schweigt

Das große Gehirn der PERRY RHODAN-Serie ist für immer verstummt. Rainer Castor – Autor und PERRY RHODAN-Experte – verstarb am 22. September 2015 völlig unerwartet im Alter von 54 Jahren. Die Lücke, die er hinterlässt, hat für Autoren und Fans die Dimension eines Abgrundes.

Ich habe ihn leider nie getroffen, dafür bin ich noch nicht lange genug dabei, aber ich weiß aus vielen Erzählungen und Interviews mit den PERRY RHODAN-Autoren, dass Rainer Castor zu den wenigen Menschen zählte, die jedes Detail über die Serie wussten. Seine Kommentare zu Technik und Völkern des Perryversums am Ende jedes Heftromans habe ich immer gern gelesen. Kaum einer war in der Lage, Technik, die nicht in der Realität existierte, so präzise zu beschreiben, dass man annehmen konnte, es gäbe sie tatsächlich.

Ich kann nur erahnen, wie groß der Schock in der PERRY RHODAN-Redaktion gewesen sein muss, als die Nachricht von seinem plötzlichen Tod eintraf. Wie geht es jetzt weiter? Gerade hatte er den PERRY RHODAN-Report und die Koordination der Risszeichnungen von Rüdiger Schäfer übernommen. Und an wen wenden sich jetzt die Autoren, wenn sie eine Frage zur Technik haben? Wird die PERRYPEDIA »das große Gehirn« – Rainer Castor – ersetzen können? Fragen die die Zukunft beantworten wird. Eines ist sicher: Sein Tod ist ein Verlust, der auch an uns Lesern nicht einfach so vorübergehen wird.

Es ist ein trauriges Phänomen, das viele PERRY RHODAN-Autoren vor ihrer Zeit gehen lässt. Voltz, Griese, Terrid, Feldhoff – Rainer Castor reiht sich ein in die Riege, der viel zu jung Verstorbenen. Es scheint, als ließe ES die Autoren für die Unsterblichkeit Perry Rhodans mit der eigenen Lebensenergie bezahlen.

Wenn Menschen so früh sterben, weckt das in uns unweigerlich Gedanken an die eigene Sterblichkeit. Haben wir getan, was wir tun wollten und vor allem haben wir nicht getan, was wir nicht tun sollten? Rainer Castor hat mit seinen mitunter mehrseitigen Dossiers vielen Autoren geholfen PERRY RHODAN dorthin zu bringen, wo noch nie eine Science Fiction Serie zuvor gewesen ist. Er hat viel getan für PERRY RHODAN – auch als Autor. Und ich glaube, dass er auch in Zukunft noch viel tun wollte, als Autor und als Experte. Leider ist ihm dies, nun nicht mehr vergönnt.

Mein Mitgefühl gilt in diesen Tagen vor allem seiner Familie, den Kollegen und Freunden, die ihn schätzten und kannten. Etwas, dass mir selbst leider nicht mehr erlaubt sein wird.

AD ASTRA Rainer Castor!