Mehr als nur Weiße Welten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 138 – »Die Weißen Welten« von Oliver Plaschka

Wie aus einem durchschnittlichen Drehbuch mittels eines guten Regisseurs ein großartiger Film werden kann, so macht auch Oliver Plaschka aus der suboptimalen Zyklushandlung einen perfekten Roman.

Er bindet den Leser emotional in die Handlung ein, wie es nur wenige NEO-Autoren können. Bei all dem Leid, was in den letzten Romanen beschrieben wurde, war es Oliver Plaschkas Schilderung von Leyles Schicksal, die mich zum ersten Mal in dieser Staffel tatsächlich zu Tränen gerührt hat. Ich litt mit der Ara, nicht weil, mich der Autor mit Bildern von toten oder leidenden Menschen und einer zerstörten Erde konfrontiert hat, sondern weil er mir einen Weg in die Gefühlswelt der Ara geebnet hat. Das berührte mich viel tiefer als alle Zerstörung aus der vergangenen Handlung.

Ebenso plastisch erzählt er von Zayabi-Dasi und der Geschichte der Bhrento. Das hat fast schon epischen Charakter und trägt viel dazu bei, dass ich Rhodans Dilemma nachvollziehen kann. Und auch den Protektor selbst, charakterisiert er durch die vielen Gespräche weit besser und tiefer, als es andere NEO-Autoren schaffen. (Rüdiger Schäfer mal ausgenommen.)

Aber es sind vor allem die sprachliche Ausgefallenheiten, die den Roman für mich so besonders machen sowie die kleinen Nebenhandlungen, die nur allzu menschliches offenbaren. Man spürt das Herzblut, das der Autor in seine Sätze gesteckt hat beinahe an jeder Silbe. Da ist alles durchdacht, bis auf … Ja, bis auf jenen plumpen Logikfehler aus dem Exposé, der bereits in Band 137 zu Kopfschütteln meinerseits geführt hat. Auch in Band 138 heißt es: »… nach wie vor saugten sie (Sitarakh) in großen Mengen das aus dem Sonnenchasma austretende Halatium ab … Dass der ausbleibende Halatiumzustrom das fragile bioelektrische Gleichgewicht der Erdbewohner zerstört hatte und die Menschheit aufgrund des Cortico-Syndroms am Abgrund stand, war den Invasoren egal.« Wenn es so wäre, könnten die Menschen nur im Sonnensystem existieren, und es müsste ihnen schon bei früheren Raumflügen aufgefallen sein.
Das ist aber auch das einzige, dass ich bemängeln kann und dies ist nicht einmal dem Autor zuzuschreiben, sondern ausschließlich den Expokraten.

Fazit: »Die Weißen Welten« ist intelligente Science Fiction auf sehr hohem Niveau. Hier stehen endlich wieder Abenteuer und Anspruch im Vordergrund und keine sinnlose Zerstörung der puren Action wegen. Gemeinsam mit Band 133 »Raumzeit-Rochade« von Michael H. Buchholz gehört der Roman zu meinen Highlights der Staffel »Meister der Sonne«, für deren Handlung ich mich bisher nicht sonderlich erwärmen konnte. Zumindest versöhnt mich der Autor für vieles Negative aus den vergangenen Bänden. Und wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, dann wünschte ich mir mehr NEO-Romane aus der Feder von Oliver Plaschka.

Komplexes NEO-Debüt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 137 – »Schlacht um die Sonne« von Arno Endler

Arno Endler traf ich 2015 auf einem Schreibseminar in Wolfenbüttel. Sein eingereichter Romanauszug ist mir aufgrund seiner Lebhaftigkeit bis heute in Erinnerung geblieben. Daher freute ich mich, als ich seinen Namen in der Vorankündigung las und habe deshalb auch seinen Beitrag für PERRY RHODAN NEO relativ zeitnah gelesen.

Der Roman gliedert sich in nicht weniger als vier oder fünf Handlungsebenen, was die Zusammenfassung der Handlung extrem schwierig macht und ich an dieser Stelle darauf verzichten möchte. Eine Menge Informationen erwarten den Leser in der Haupthandlung. So wird endlich das Geheimnis um Tuire Sitarehs Namen und seinen Auftrag gelüftet. Er wird von den Sitarahk gefangen und zur Sonne gebracht, weil der zweite Arbiter mehr über Tuires Aura erfahren will. Beim Anblick des Sonnenspalts hat Tuire Sitareh einen Erinnerungsschub. Er – der Sternenschließer – wurde von ES geschickt. Im gleichen Atemzug erfährt man auch, was die Sitarakh von der Sonne wollen. Sie ernten das Halatium (hieß das nicht mal Halaton) bzw. den Taalstaub, der durch den Spalt dringt.
Wissenschaftler an Bord der TERRANIA finden heraus, dass der Mangel an Halatium für das Cortico-Syndrom verantwortlich ist, da beim Auftreffen des Halatium auf die Erdatmosphäre eine Strahlung entsteht, die für die Menschen lebensnotwendig ist, weil sie sich im Laufe der Evolution daran gewöhnt haben. Diese Strahlung fehlt nun, weil das Halatium von den Sitarakh »abgeerntet« wird. (Positiver Nebeneffekt, der Taalstaub verschwindet und die Sky-Eyes arbeiten wieder.)
Diese Idee scheint mir von den Exposéautoren nicht wirklich bis zum Ende durchdacht, bedeutet es doch nichts anderes, als dass die Menschheit niemals Raumfahrt außerhalb ihres Sonnensystems betreiben könnte, denn in anderen Sternensystemen gibt es kein Halatium. Eigentlich dürften sich die Menschen nicht mal außerhalb der Erdatmosphäre aufhalten. Es erklärt auch nicht, warum die Schutzschirme der Raumschiffe vor dem Syndrom helfen. Schutzschirme halten Strahlung und anderes ab, aber sie können nichts herbeizaubern, was fehlt.

Um die Sitarakh von der Sonne wegzulocken, tüfteln die Taktiker der Terranischen Flotte ein Angriffsmanöver aus, das natürlich an der Überlegenheit des Gegners scheitert und außer großen Verlusten an Mensch und Material nichts einbringt. Die Schlacht hilft aber Tuire Sitareh den Sitarakh zu entkommen und sich an Bord der TERRANIA zu retten. Die Schlacht ist spannend beschrieben und erinnert ein bisschen an die Raumschlachten aus den STAR WARS Filmen. Letztendlich ist es aber eine Verzweiflungstat, ein letztes Aufbäumen der Menschheit. Denn inzwischen stehen auf der Erde weitere Modifikatoren vor der Fertigstellung und die Erdbevölkerung ist durch die Naturkatastrophen und das Cortico-Syndrom mindestens schon zu einem Drittel ausgelöscht.

Prof. Oxley, Whistler, Haggard und Leyle verteilen die Neurostreamdimmer und dringen dabei auch in den Stardust Tower ein, wo sie auf den wutschäumenden Masmer Tronkh treffen, der immerzu Rhodans Namen ruft. Das die Bestie nicht ganz dicht im Kopf ist, haben wir ja in den vergangenen Romanen bereits erfahren. Ich finde es nicht hilfreich, das jedes Mal aufs Neue zu erwähnen. Schon allein, weil mir der Antrieb des Antagonisten zu platt ist und in dieser Hinsicht kein gutes Licht auf die Leistung des Exposéteams wirft. Nein, da habe ich Vielschichtigeres erwartet.

Die Crew der LESLIE POUNDER ist weiterhin auf der Suche nach Hyperkristallen, dieses Mal auf der Eiswelt Uac. Zumindest scheint Rhodan schlauer geworden zu sein und lässt Dr. Leyden und sein Team ebenfalls mit einer Spacejet nach den Kristallen suchen. Ob es jedoch so klug war, die Wissenschaftler allein ohne militärische Unterstützung loszuschicken, weiß ich nicht, aber der Hyperphysiker hält sich sowieso nicht an Befehle. Nach kleineren Konfrontationen mit der Fauna des Eisplaneten und einer die Psyche beeinflussenden Strahlung entdecken die Wissenschaftler die Hyperkristalle und Leyden findet auch sofort den Grund für ihr Versagen. Erdbeben auf dem tektonisch instabilen Planeten geben Energie an die Hyperkristalle ab, die dadurch übersättigt werden und von innen heraus verbrennen, was sich in einer Änderung der Kristallfarbe und dem Zerfall des Kristallgitters äußert. Da die Kristalle für die lebenserhaltende Wirkung der Liduuri verantwortlich sind und durch den Zerfall immer weniger Strahlung abgeben, werden die Liduuri inklusive Avandrina in kürzester Zeit altern und sterben. An dieser Stelle habe ich meinen naturwissenschaftlichen Verstand in den Urlaub geschickt. Den Begriff Farbtemperatur in Zusammenhang mit der Farbe von Kristallen zu verwenden, ist gelinde gesagt fragwürdig, auch wenn sie Strahlung abgeben.
Kurz vor Schluss macht Leyden eine weitere wichtige Entdeckung. Die Energie der Erdbeben und der zerstörten Hyperkristalle verursachen Störungen im Hyperraum, die sich in einer Art EMP-Impuls entladen. Leyden kann noch eine Warnung an alle Spacejets und die LESLIE POUNDER und das Wasserschiff abgeben, da bringt der Impuls alle Spacejets zum Absturz.
Rhodan, Atlan, Rainbow und Schablonkski sowie Theta und Thora sind ebenfalls mit einer Spacejet auf Uac unterwegs. Als sie von der beeinflussenden Strahlung getroffen werden, gehen sich alle fast an die Gurgel. Konflikte brechen auf, die aber nach Einschalten des Schutzschirms schnell wieder abflauen, bei den Arkoniden aber im Gedächtnis bleiben werden.

Die beschriebenen Figuren wirken lebendig, auch wenn Dr. Leyden nicht so genial rüberkommt, wie bei Kai Hirdt und bis auf ein paar falsche Perspektivwechsel ist auch der Plot solide geschrieben.

Gut fand ich die Streiflichter, kleine kurze Erzählungen über Menschen, ihren Alltag und wie sie über Rhodan denken. Die Kapitel spielen zu unterschiedlichen Zeiten sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Was beim Lesen etwas irritiert, wenn man die Kapitelüberschriften nicht genau liest. Die Streiflichter sind an einigen Stellen mit der Haupthandlung verknüpft. Das fand ich beim ersten Mal überraschend, beim zweiten oder dritten Mal aber bereits vorhersehbar. Das nahm dem Plot an einigen Stellen die Spannung, weil man ja schon wusste, was mit der Figur passiert. Hervorheben möchte ich die Figur der Stephanie Brixton, die Punkrockerin ist ein kleines Geschenk des Autors an den PR-Chefredakteur. Die Szenen mit ihr enthalten viele kleine Anspielungen für Insider der Karlsruher Punkszene. Sehr nett, das hat mir gut gefallen. Leider überleben die wenigsten Protagonisten der Streiflichter ihren Auftritt im Roman.

Es ist auffällig, dass die Haupthandlung durch die dazwischen gestreuten Streiflichter in viele kleine Kapitel gegliedert ist, die aus Sicht unterschiedlicher Figuren erzählt werden. Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Autor damit einen Gefallen erwiesen hat, denn die Geschichte wirkt dadurch zerrissen. Auch das Ich-Präteritum für Figuren wie Belle McGraw, Thora oder Rhodan gleichermaßen zu verwenden, hat mich verwirrt, weil man sie eigentlich nur von Atlan kennt. Außerdem wechselt die Ich-Perspektive anfangs von Kapitel zu Kapitel, während andere Abschnitte in normaler Figurenperspektive geschrieben sind. Das ist gewöhnungsbedürftig, weil man oftmals nicht weiß, aus wessen Sicht man die Handlung gerade erlebt. Manches ist auch in auktorialer Perspektive geschrieben, zum Beispiel die Zerstörung von NYC durch die Flutwelle und liest sich dadurch distanziert und wie die Beschreibung eines Katastrophenfilms.

Auch mit der nichtlinearen Erzählweise des Romans hat sich der Autor mehr Arbeit geschaffen, als nötig gewesen wäre. Eine Geschichte nichtlinear zu erzählen, kann funktionieren, ist aber eine große Herausforderung, die viel Erfahrung und Können voraussetzt. Dinge, die ich Arno Endler nicht absprechen will, aber durch die vielen Informationen war der Plot schon kompliziert genug. Zusammen mit den vielen Charakteren sorgt er für die von mir wahrgenommene Zerrissenheit.

Fazit: Arno Endlers NEO-Debüt hat mir trotz aller Ungereimtheiten gut gefallen. Der Autor hat versucht innovative Ideen einzubringen, die leider nicht zur Gänze aufgehen. Hätte er sich beispielsweise auf eine Erzählperspektive und auf weniger Figuren beschränkt, hätte das dem Roman sicher gut getan. Aber anhand der Komplexität der Handlung sei dies einem Neuling verziehen. Ich bewundere seinen Mut sich einem Exposé zu stellen, dass man wegen seiner Komplexität normalerweise einem Rainer Schorm oder einem der beiden Exposéautoren anvertrauen würde.

Und jetzt noch etwas in eigener Sache. Wenn nicht die nächsten Romane von Oliver Plaschka, Kai Hirdt und Rüdiger Schäfer stammen würden, allesamt Autoren, deren Erzählstil ich sehr mag, wäre ich mit Band 137 bei NEO ausgestiegen. Mein Mann hat das schon längst getan. Ich weiß, das Science Fiction schon immer ein Kind seiner Zeit ist, aber, wenn ich etwas über Massensterben, Krieg und Vernichtung lesen wollte, dann schlage ich die Zeitung auf oder schalte den Fernseher ein. In einer zukunftslosen Zeit wie unserer Gegenwart ist es wichtiger den je, positive Visionen zu zeigen. Und ich kann meine wenige Freizeit sinnvoller nutzen, als der Vernichtung der Welt zuzusehen, zum Beispiel mit dem Schreiben eigener Geschichten. Das werde ich nach Band 140 definitiv auch tun.

Mutanten und andere Zwistigkeiten

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 136 – »Tod eines Mutanten« von Rainer Schorm

Ich gebe offen zu, dass ich die Lektüre dieses NEO-Romans vor mir hergeschoben habe. Nach den schlimmen Ereignissen aus den letzten Romanen, dem martialischen Titel und mit dem Wissen, dass mir Rainer Schorms Schreibstil nicht sonderlich liegt, kostete es mich einige Überwindung den Roman zur Hand zu nehmen. Nun habe ich es getan und habe den Eindruck, dass auch die Autoren nicht unbedingt Gefallen an der aktuellen Zyklushandlung haben. Nicht anders sind die Worte, die Rainer Schorm seinen Protagonisten in den Mund legt, zu verstehen. Da steckt viel Kritik zwischen den Zeilen, berechtigt wie ich finde und das macht mir den Roman gleich wieder sympathisch.

In vier Handlungssträngen führt der Autor die Handlung auf der Erde und in M15 weiter. Zwei Handlungsstränge haben Julian Tifflor im Fokus. In einem geht es um Daten, die das Hippokratische Protokoll von Dr. Brömmers aufzeichnet. Durch die Augen des Erkrankten erfahren Tifflor und der Leser, was der Kybernetiker sieht und denkt. Die kurzen Einschübe sind mitunter etwas verworren formuliert und wirken nach dem dritten Mal wie Füllmaterial. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, versuche ich gar nicht erst zu verstehen, wie ein Mensch mittels eines Funksignals über mehrere Relaisstationen auf das Gehirn eines anderen zugreifen kann. Die Technik wird an dieser Stelle nicht hinreichend erklärt. Das klingt wie technisch gestützte Telepathie und könnte eigentlich jeden zum Telepathen machen.

Spannender ist dagegen der zweite Handlungsstrang um Julian Tifflor. Nicht nur das er dabei ist, als die TERRANIA die Botschaft von Mirona Thetin entdeckt, nein er stürzt sich auch wieder in einen Einsatz auf der Erde, um eines der Bauwerke der Sitarakh zu zerstören. Das wäre jetzt der wievielte Versuch? Dieses Mal gelingt das Manöver, auch wenn dabei wieder viele Zufälle aus dem Hut gezaubert werden. Rainer Schorm gibt sich zumindest Mühe alles einigermaßen zu erklären, wobei auch hier immer wieder Kritik des Autors durchklingt. So stutzt Tifflor die stellvertretende Administratorin Cheng Chen Lu zurecht, als die mit ihm und den Mutanten in den Einsatz auf die Erde gehen will. Er lehnt es ab, sie mitzunehmen, da sie nur ein Hindernis wäre und sie als einzige einsatzfähige Regierungsangehörige auf der TERRANIA am sichersten ist. Ja! Genauso sehe ich das auch.
Gut fand ich die Beschreibungen von NYC. Man merkt, dass sich der Autor auskennt. Schorm weiß, wovon er schreibt und hält sich nicht mit blumigen Beschreibungen von dahinvegetierenden Menschen auf. Wobei ich immer noch nicht ganz begreife, wieso manche Terraner noch einigermaßen klar im Kopf sind, während sich andere schon im Delirium befinden oder tot sind. Dazu wäre es schön, wenn in den nächsten Romanen nähere Angaben gemacht würden.

Die Bestie Masmer Tronkh will also wirklich nur Rache an Perry Rhodan nehmen und zerstört dafür die Heimatwelt des Terraners. Das Motiv finde ich wahrlich etwas dünn und hätte mir mehr erhofft. Noch schlimmer finde ich aber, dass die Sitarakh offenbar nur ein Hilfsvolk sind, das Tronkh für seine Zwecke benutzt und sie sich von ihm widerstandslos herumkommandieren lassen. Warum sie dann jedoch Interesse daran haben, herauszufinden wieso das Halaton bei den Menschen Mutationen hervorruft, vermag ich nicht zu verstehen. Denn das steht im krassen Gegensatz zu ihrer Hörigkeit der Bestie gegenüber. Dafür ist mir aber eines verständlicher geworden: warum die Sitarakh die Menschen weiterhin ihren Geschäften nachgehen lassen, ohne sie groß zu behindern – selbst die Terranische Flotte kann sich scheinbar ungehindert im System bewegen – die Menschen sind ihnen egal. Außer die Sache mit den Mutationen sind sie für die Sitarakh uninteressant.

Der Handlungsstrang mit Tuire und Ishy bringt ebenfalls einige Neuigkeiten über die Sitarakh, wobei auch hier die Logik wieder im Argen liegt. Die Sitarakh können also entstofflicht im Hyperraum existieren. Da stellt sich die Frage, warum tummeln sie sich überhaupt in dieser Realität? Warum verlassen sie den Hyperraum, wenn das ihr angeborener Lebensraum ist? Das ganze erinnert mich ein wenig an Spezies 8472 aus STAR TREK-VOYAGER, mit dem Unterschied, dass diese wenigstens einen Grund hatten, weshalb sie ihre angestammte Umgebung (den fluiden Raum) verlassen haben – weil sie gestört wurden.  Auch hätte Tuire wissen müssen, dass die Sitarakh die Para-Energie der Mutanten anmessen können. Warum hat man sie nicht gleich ins Terrania Medical Center gebracht, sondern erst in die Fabrik? Das hätte Olf Stagge das Leben gerettet. Der ganze Handlungsstrang macht auf mich einen sehr konstruierten Eindruck.

Kommen wir zur Handlung in M15. Das beste daran ist, dass alles aus Atlans Perspektive im bekannten Ich-Präteritum erzählt wird, inklusive der Auseinandersetzungen mit dem Extrasinn. Zumindest hier fühlt sich der Perryfan heimisch. Die Handlung ähnelte der von Band 134 wobei Rainer Schorm mit den Zwistigkeiten zwischen den Protagonisten ein wenig übertreibt. Das ist stellenweise wie eine Schlacht mit Worten und untergräbt zuweilen die Ernsthaftigkeit der Handlung.
Die Sache mit den Würmern und den Geoden in denen die Wurmbabys sitzen, hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. STAR TREK lässt grüßen. Da »rettet Horta ihre Kinder« im wahrsten Sinne des Wortes. Es fehlte nur noch das »Schmerz!«, welches Spock bei Kontakt mit der Kreatur ausgerufen hat.
Atlan gehen dagegen ganz andere Dinge durch den Kopf. Und auch hier wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Autor an den Exposéautoren offene Kritik übt. »Dass ich mit Rhodans Entscheidungen in zunehmenden Maße nicht mehr einverstanden war, erwähnte ich nicht … Aber die Flucht vor den Sitarakh war mir ein Dorn im Auge … Dass er nun, anstatt nach Arkon zu fliehen, Avandrinas Anliegen vorzog, nahm ich ihm unverändert persönlich übel.« Dem kann ihm nur zustimmen. Ich hielt es von Anfang an nicht richtig, dass sich Rhodan aus dem Staub gemacht hat. Wenn da mal nicht der Autor durch Atlan spricht.
Leyden und sein Team bekommen zwar Arbeit, stehen in diesem Roman aber eher im Hintergrund. Wobei ich in den vergangenen Romanen anscheinend nicht mitbekommen habe, dass die Spannungen zwischen Abha und Luan so zugenommen haben, dass sie jetzt schon nicht mehr miteinander reden.

Fazit: Keine Frage »Tod eines Mutanten« ist spannend geschrieben. Rainer Schorm vermag qualitativ zu überzeugen. Er bemühte sich mit eher zweitklassigen Ideen dem Roman Leben einzuhauchen. Nur fühlte ich mich an manchen Stellen von dem technischen Vokabular erschlagen, dass der Autor sehr gut beherrscht und einzusetzen weiß. Der Humor in den vielen Streitgesprächen, die sich durch alle Handlungsebenen ziehen, ist oft sehr zynisch. Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor damit seinen Unmut bekunden wollte, oder es ein hilfloser Versuch ist, dem todernsten Thema des Zyklus‘ eine heitere Seite abzugewinnen.

Das Beste am ganzen Roman ist jedoch das Cover von Dirk Schulz. Von der Dynamik her ist es absolut stark.

 

Perry, Perry und nochmals Perry

In den letzten zwölf Monaten habe ich mich eigentlich mit nichts anderem beschäftigt, als mit PERRY RHODAN. Es ist ja schön, ein erfüllendes Hobby zu haben, aber manchmal möchte man auch mal etwas anderes sehen und hören und vor allem lesen. Die PERRY RHODAN-Redaktion hat den Lesern in diesem Jahr eine immense Fülle an Publikationen geboten, die ich fast schon ein bisschen erdrückend finde. Ich weiß, ich weiß, das Geschäftsleben ist hart vor allem im Buch- und Zeitschriftenhandel. Man muss präsent sein und publizieren was geht, um die Marke zu erhalten. Doch die Auswahl für die Leser, die möglichst alles von ihrer Lieblingsserie aufsaugen möchten, war in diesem Jahr besonders groß.

Neben der seit 1961 laufenden Erstauflage (EA), die heuer mit Band 2875 in einen neuen Zyklus startete, gibt es noch PERRY RHODAN NEO, der »Reboot« aus dem Jahr 2011. Zu 55 Jahren EA kommen also 5 Jahre NEO; das bedeutet nicht nur jede Woche einen neuen Heftroman, sondern zusätzlich alle vierzehn Tage ein NEO-Taschenheft mit dem doppelten Umfang wie ein Heftroman. Und um Lesern den Einstieg in die Serie zu erleichtern, bringt der Verlag regelmäßig abgeschlossene Miniserien in 12 Heften heraus. Anfang des Jahres startete auf diesem Weg »ARKON«, die Serie habe ich im Blog besprochen. Gleich darauf schloss sich ohne Pause »JUPITER« an, die Serie, die in dieser Woche ein Ende finden wird. Und als wäre das nicht genug, gab es im Oktober und November noch eine sechsteilige E-Book Serie mit dem Namen »TRIVID«. Vergessen wir nicht die Silberbände, die mehrmals im Jahr erscheinen und in denen frühere Romane der EA zusammengefasst und überarbeitet abgedruckt sind.

Ich weiß ja nicht, wie die PR-Redaktion in Rastatt das hinbekommt. Wahrscheinlich verfügen die Mitarbeiter über Mutanten-Fähigkeiten oder Geräte zur Zeitmanipulation. Ich lese momentan parallel zu NEO auch »JUPITER«, »TRIVID« und den Silberband »Lemuria«, was mich komplett vereinnahmt. Ich würde ja gern auch einzelne Romane der EA lesen, wie zum Beispiel die von Robert Corvus, aber das bekomme ich zeitlich einfach nicht auf die Reihe. Ich schaffe es ja nicht mal die »JUPITER«-Romane zu rezensieren, dabei gefallen mir die Hefte richtig gut.

Ich hoffe, dass man in der Redaktion den Lesern über den Jahreswechsel eine kleine Pause schenkt, man selbst durchatmet und die nächste Miniserie erst später in 2017 startet. Dann könnte ich endlich mein Lesedefizit aufholen und auch mal wieder etwas anderes lesen als über Perry und seine Freunde. Die STAR TREK »Prometheus«-Reihe von Christian Humberg und Bernd Perplies zum Beispiel. Wenn es schon STAR TREK aus Deutschland gibt, dann sollte man das als Fan auch gelesen haben.

»Durch die Wüste«

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 135 – »Fluch der Bestie« von Susan Schwartz

Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Band mit der Nummer 135 von Rüdiger Schäfer kommen würde, weil er in den vergangenen Staffeln immer die fünfer und nuller Romane geliefert hat. Anscheinend wurde das Muster in dieser Staffel durchbrochen. Der »Fluch der Bestie« kommt leider aus der Feder von Susan Schwartz. Ich sage leider, weil mich bereits ihr letzter NEO-Roman nicht so richtig vom Hocker reißen konnte. So werden auch hier meine Befürchtungen bestätigt. Dabei kann die Autorin zum Teil gar nichts dafür. Es ist im Grunde das Szenario um die Sitarakh, welches mich zunehmend stört. Und das Susan Schwartz nur die, von den Exposéautoren vorgegebene Staffelhandlung vorantreibt, deshalb kann man ihr keinen Vorwurf machen. Sie tut ihr Bestes und versucht den Leser in fremde – irdische – Welten zu entführen, kommt dabei aber nicht ohne Klischees aus. Der Weg von Julian Tifflors Gruppe durch die Rub al-Chali ist von den Fakten zwar interessant, für mich als Leser, der Science Fiction erwartet, aber irritierend. »Karl May trifft NEO« könnte man den Roman betiteln. Dabei riskieren die Mutanten und der Arzt ihr Leben, für nichts und wieder nichts. Dieses Hin und Her ist inzwischen ziemlich frustrierend. Die Invasoren sind übermächtig, ihre Ziele unklar und die Menschen sind ihnen absolut ausgeliefert. Dazu eine auf Rache sinnende Bestie. Worauf das hinausläuft, kann ich mir schon ausmalen. Da muss am Ende eine ziemlich große Deus ex machina Lösung her, um das wieder aufzulösen.

Der Handlungsstrang um Tuire und Ishy las sich dagegen wie ein Zombie-Film. Ich weiß nicht, wer sich da von »The Walking Death« inspirieren ließ, aber das ist eigentlich das Letzte, was ich in einem NEO-Roman lesen will. Für meinen Geschmack versuchen die Expokraten auch viel zu viel in NEO zu verwursteln. Neben ES und Anti-ES zaubern sie nun noch die Aphilie und Whistler aus dem Zylinder. Darunter ging’s wohl nicht?

Dieses Mal reicht das Rätselraten von Eric Leyden in der Handlung auf der LESLIE POUNDER (Bitte, gebt dem Schiff einen anderen Namen) nicht aus, um meinen Frust zu besänftigen. Guckys Einsatz wirkt bemüht und die Liduuri Avandrina erwacht gerade rechtzeitig, um ein paar Anhaltspunkte zu liefern, um dann wieder wegzudämmern. Es scheint, als haben sich die Expokraten in eine Sackgasse geschrieben, aus der sie nun nur noch mit Tricks wieder herauskommen. Ich habe wenig Hoffnung für die nächsten fünf Romane, dass sie das noch einigermaßen glaubhaft auflösen können.

Überhaupt, die Hoffnungslosigkeit und das permanente Sterben in den vergangenen Romanen, stört mich inzwischen massiv. Wenn das so weitergeht, überlege ich ernsthaft, ob ich aus der Serie aussteige. Wir werden täglich mit schlechten Nachrichten und Gewalt überschüttet. In Filmen und Serien folgt eine Dystopie der anderen. Dann will ich nicht auch noch in meiner Lieblingsserie lesen müssen, wie Millionen von einer Seuche dahingerafft werden oder in Sandstürmen und Tsunamis umkommen. (Wenn es ihnen um die Beseitigung der Menschheit ginge, hätten die Sitarakh auch sofort alles Platt machen können.) Wir brauchen positive Visionen, um gegen unsere hoffnungslose Realität anzukämpfen und keine weiteren Katastrophenszenarios, nur weil das gerade »IN« ist.

Der Reportagenhafte, treibende Stil der Autorin macht es nicht besser, dafür klingt es zu sehr nach früher EA. Es gibt sicher viele Fans, denen es gefällt, wenn die Handlung schnell vorangetrieben wird, mir fehlt dabei etwas. Ich vermisse den Bezug zu den Figuren, das Innehalten und Reflektieren über Empfindungen. Ich will nicht sagen, dass der Roman lieblos geschrieben ist, aber er packt mich einfach nicht. Die Sätze plätschern an mir vorbei und ich ertappte mich dabei, manche Passagen nur quergelesen zu haben.

Ich mach’s kurz. Ich bin zutiefst enttäuscht. Der Roman stellt einen neuen Tiefpunkt in der Serie dar, an dem Susan Schwartz nur bedingt Schuld ist. Das einzig Positive: ich weiß jetzt eine Menge über die Wüste und wie man ein Kamel (Dromedar) reitet.

NEO: zwischen Wildschweinen und Drachen

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 134 – »Das Cortico-Syndrom« von Madeleine Puljic und Kai Hirdt

Einen soliden Roman legen Kai Hirdt und Madeleine Puljic vor. Da ist alles drin, was man von einem NEO erwartet. Spannung, gut gezeichnete Figuren, ein paar wissenschaftliche Fakten, alles gewürzt mit einer Prise Humor ist »Das Cortico-Syndrom« leichtere Kost als sein Vorgänger. Die Handlung konzentriert sich einerseits auf die Erde, auf der das Team um Julian Tifflor versucht herauszufinden, warum die Menschen nicht schlafen können. Andererseits führt uns die Handlung auf die LESLIE POUNDER. Hier erleben wir Eric Leyden und seine Wissenschaftler beim Rätseln, was es mit den weißen Welten auf sich hat. Während Rhodan, Schablonski und Rainbow zusammen mit zwei Jungspunten auf Chay landen, um die Proben der Hyperkristalle zu bergen. Im dritten, sehr kurzen, Handlungsstrang können sich Tuire und Ishy gerade noch rechtzeitig aus ihrer prekären Lage im Orbit befreien. Die Aktion erinnerte ein bisschen an eine Mischung aus »Der Marsianer« und »Gravity« war aber gut gelöst. Nachdem die beiden mit dem Weltraumlift in Terrania gelandet waren, stellte ich mir die Frage, ob die Schlaflosigkeit auch an Bord der Orbitalstation herrscht.

Sie Handlung ist dicht, temporeich und homogen. Man merkt dem Roman nicht an, dass er von zwei Autoren geschrieben wurde. Wobei ich glaube, dass Kai den Leyden-Teil übernommen hat. Ein Satz wie: »… Sie fragte sich, ob das brillante Hirn des Hyperphysikers sich aufgehängt hatte und wie man ihn wohl im Zweifel rebooten konnte …« kann eigentlich nur von ihm kommen. Während ich die Handlung um Tifflor und Rainbow eher Madeleine Puljic zuordne. Wildschweine und Drachen, sind eben mal was Neues bei NEO, wobei ersteres sehr gut passt, hatte ich bei den Drachen so meine Schwierigkeiten. Wovon leben die auf einem brennenden Planeten, nur von Energie?

Die Staffelhandlung wurde auf jeden Fall vorangebracht. Man erfährt ein bisschen mehr über das Funktionieren der weißen Welten, wird im Falle der Ziele der Sitarakh aber immer noch im Dunkeln gelassen. Gut gefiel mir, dass ein paar irdische Theorien angebracht wurden. Bei dem Begriff »stimmloser palatarer Frikativ« stutzte ich, grinste dann breit und googelte. Das gibt’s tatsächlich, somit erhielt ich nebenbei noch eine Lehrstunde in Linguistik.

Das bei der Handlung auf der Erde immer wieder bekannte Orte eine Rolle spielen, die man auf dem ersten Blick nur schwer mit Science Fiction in Verbindung bringt – in diesem Fall Strasbourg – ist ebenfalls erfrischend. Auch wenn ich Julian Tifflor nicht verstehe, warum er die offensichtlich angeschlagene Politikerin weiterhin mit sich herumschleppt. Sie ist definitiv ein Klotz am Bein und hat in dem Fall die Mission und ihn selbst in Gefahr gebracht, ohne das sie für das Team nützlich wäre.

Der Roman ist nicht herausragend aber befriedigend. Schon allein wegen der Szenen mit dem Leyden-Team ist »Das Cortico-Syndrom« lesenswert! Für ihr NEO-Debüt hat Madeleine Puljic anständige Arbeit geleistet. Prima!

Temporale Winkelzüge

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 133 – »Raumzeit-Rochade« von Michael H. Buchholz

Genial! Anders kann ich den Roman des (Mit)Exposéautors nicht bezeichnen. Da war alles drin, was das Herz eines SF-Fans höher schlagen lässt: Zeitreisen, fremde Raumschiffe und Technologie, phantastische Welten, überlegene Entitäten und vielschichtige Protagonisten. Der Roman hat mir zwei Tage lang spannende Lesestunden beschert. Ich habe ihn extra über zwei Tage verteilt gelesen, damit ich länger etwas davon habe.

Ich gebe ja zu, dass ich nach dem letzten Band einige Befürchtungen hegte, was die Zukunft der Serie angeht. Da verlief vieles nicht so, wie ich mir das gewünscht oder vorgestellt hatte. Doch der Nachfolgeband hat mich komplett umgehauen. Wie aus einer anderen Welt ist die Handlung nicht nur spannend, sondern auch intelligent verstrickt. Mehrere Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen, da muss man erstmal den Überblick behalten. Überraschend das Auftreten eines Widersachers von ES (Anti-ES), aber auch die Vergangenheit von Tuire Sitareh birgt Bemerkenswertes. Dazu die Kapitel aus dem Wilden Westen, die sich wie eine Mischung aus »Billy the Kid« und »Die glorreichen Sieben« lesen. Hätte man mich vorher gefragt, ob eine Verbindung zweier so unterschiedlicher Genres funktioniert, hätte ich nur den Kopf geschüttelt. Aber Michael H. Buchholz hat nicht nur bewiesen, dass es funktioniert, sondern es auch brillant umgesetzt.

Auch wenn ich am Anfang meine liebe Not mit den verschiedenen Start- und Zielzeiten hatte, so bin ich dann doch gut mitgekommen, ohne mir einen Zeitstrang malen zu müssen. Es werden viele offenen Fragen aus den ersten beiden Staffel beantwortet. Vor allem lüftet der Autor das Geheimnis um die Szenen aus Band 116. Die Information zu den Zeitbrunnen, die als die »Alten Wege« bezeichnet werden, ließen mich hellhörig werden. Technologie, die aus einer Zeit vor den Liduuri stammt. Ich frage mich, ob das ein Hinweis auf die Cappins werden soll.

Was mich etwas erstaunte, ist die Tatsache, das Mirona Thetin den Menschen quasi die Informationen zur Entstehung des Sonnenchasmas einfach so überlassen hat. Da fragte ich mich zunächst nach ihren Motiven. Aber wahrscheinlich tut sie es nur, um ihre Heimat Liduur zu schützen, weniger wegen der Menschen. Man kann spekulieren, ob und wie diese Informationen in die Hände der Terraner gelangen werden. Und ob sie damit das Chasma schließen können. Keine Erklärung bekommen wir über die Hintergründe und die Verursacher des Sonnenchasmas, da spannen uns die Exposéautoren weiter auf die Folter.

Die Entstehung des Rico-Dublikats am Ende hat mir ein breites Lächeln aufs Gesicht gezaubert, weil die Idee doch sehr stark an STAR TREK-TOS (»Kirk : 2 = ?«) erinnerte. Nur das dieses Mal kein Transporter sondern ein Transmitter involviert war.

Obwohl Tuire diese Geschichte Ishy Matsu erzählt, finden sich im Roman viele Kapitel aus der Sicht anderer Protagonisten (Anathema di Cardelah/Mirona Thetin, Rico oder Billy Ray Dawson). Das hat mich anfangs verwirrt, weil Tuire ihre Geschichte gar nicht kennen kann. Aber das war der einzige Schwachpunkt in dem rundum gelungenen Roman.

Fazit: Ein furioser Roman mit Anspruch, der mich sehr gut unterhalten hat. Er beantwortet viele offene Fragen und gewährt gleichzeitig einen Blick in die Zukunft der NEO-Serie. Ich möchte nicht jede Woche einen solchen komplexen Roman lesen, aber ab und zu muss das einfach sein.
Ebenso gelungen ist das Titelbild von Dirk Schulz: Tuire und die Dinosaurier. Genial!

Noch eine kleine Beobachtung am Rand. Mindestens einer der Exposéautoren liest die »PM«. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mir manche wissenschaftliche Information irgendwie bekannt vorkommen, die in die Romane einfließen.  Das Bärtierchen (als Beschreibung für die Sitarahk genutzt) wurde zum Beispiel unlängst in einem PM-Artikel erwähnt.

Unmelodischer Untergang

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO 132 – »Melodie des Untergangs« von Susan Schwartz

Ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Roman halten soll. Einerseits ist er stellenweise spannend geschrieben, andererseits gibt es zu viele Dinge, die mich stören. Die ganze Geschichte wirkt auf mich wie Stückwerk, dass mehr schlecht als recht zusammengesetzt wurde.

Da ist zum einen der Prolog in Sankt Petersburg, bei dem die Klischees regelrecht von den Seiten tropfen. Das liest sich nicht nur sehr seltsam für einen NEO, sondern ich ärgerte mich über die stereotype Beschreibung des russischen Sohns und seines alten Mütterchens. Die Autorin versucht hier die russische Seele abzubilden, ohne sie verstanden zu haben. Vergleichbar, wie wenn man alle Deutschen Biertrinkend und in Lederhosen beschreiben würde. Das klingt bemüht, belehrend und alles andere als glaubwürdig.

Ich hoffe auch nicht, dass die Terranische Union ihre Mitglieder einfach machen lässt, ohne nachzuprüfen, ob sie die Gesetze der Union auch einhalten. Denn das hieße, dass die Union die Bürgerrechte nicht schützt. Das mag vielleicht für die jetzige EU gelten, aber nicht für eine Terranische Union unter Perry Rhodan. Reden wir auch nicht davon, dass ein russischer Präsident so skrupellos ist und atomare Sprengköpfe in geringer Höhe über einer Großstadt zu zünden. Zum Glück haben die Sitarahk Schirme an denen die Wirkung verpufft. Wahrscheinlich werden die Bomben vor der Explosion desintegriert. An dieser Stelle hätte ich mir eine präzisere Beschreibung des Vorgangs gewünscht. Denn wären die Bomben explodiert, hätte dort kein Stein mehr auf dem anderen gestanden.

Überhaupt, die Sitarakh sind jetzt also so eine Art Heuschrecken, die über das Sonnensystem herfallen und es ausbeuten. Das ist eine enttäuschend eindimensionale Beschreibung. Da frage ich mich, wieso sie dann die Menschen nicht sofort in einem einzigen Vernichtungsschlag beseitigt haben. Wenn es ihnen nur um Ressourcen geht, dann agieren sie viel zu zurückhaltend. Aber vielleicht gehören ja die Menschen für sie auch zu so einer Art Ressource. Das scheint sich zumindest abzuzeichnen. Der Auftritt der Bestie Masmer Tronkh war für mich am Ende etwas irritierend, macht aber neugierig.

Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Besatzungsszenario. Da ich zeitnah die NEO-Staffel »Kampfzone Erde« gelesen habe, stolpere ich allerorten über Parallelen. Die Reaktionen der Menschen mögen vielleicht besser beschrieben sein, als Frank Borsch das tat, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier darum geht, auf Teufel komm raus Spannung zu erzeugen und dem ehemaligen Exposéautor zu zeigen: Schau mal her, so macht man das! Ich kann mich täuschen und hoffentlich tue ich das auch, aber ein fauler Beigeschmack bleibt.

Die Stirn gerunzelt habe ich über die Vizeadministratorin, die einfach mal ihre Stellvertreterin dazu verdonnert, die Stellung zu halten, damit sie mit Julian Tifflor in den Untergrund gehen kann. Somit ist sie nicht besser als Administrator Ngata, der sein Heil in der Flucht auf die LESLIE POUNDER suchte und nun dem Protektor und der Crew auf der Nase herumtanzt. Ich verstehe auch Rhodan nicht so ganz, wie er angesichts der unbekannten Bedrohung, die die Sitarakh darstellen, der Erde einfach so den Rücken kehrt. Die Diskussion und Abstimmung darüber wurde ohne hinreichende Informationen über die Situation im SOL-System geführt. Ich an seiner Stelle hätte mich zunächst rückversichert, bevor ich in den Kugelsternhaufen M15 aufgebrochen wäre. So könnte es leicht passieren, dass von Terra und dem SOL-Sytem nicht mehr viel übrig ist, wenn er irgendwann mit einer Befreiungsflotte zurückkehrt.

Bei der Flucht von Tifflor und den Mutanten spielen wieder zu viele Zufälle mit und die Information, dass die Bevölkerung inklusive Cheng Chen Li an Schlafmangel leiden, wird so oft unterschwellig angebracht, dass es mich irgendwann nervte.
Das gleiche gilt für Tuire Sitareh und Ishy Matsus Flucht vom Mond. Auch hier sind zu viele glückliche Zufälle im Spiel. Und eigentlich weiß man ja, dass sich unser »Wunderkind« Sitareh irgendwie da wieder heraus mogelt. In solchen Fällen kann man nur über das Innenleben der Figuren Spannung erzeugen. Ishy und Tuire bieten hierfür genügend Potential, das von der Autorin leider nicht genutzt wurde.

Über die vielen logischen und vor allem die Physik verspottenden Fehler – Druckwelle im Weltraum (da gibt es höchstens Strahlungsdruck oder herumfliegende Trümmer) habe ich großzügig hinweggelesen.

Einigermaßen interessant finde ich die Handlung um die Liduuri und Achantur. Die Idee mit der Hyperraumblase ist reizvoll, auch wenn es mich ein wenig an das blaue System der Akonen erinnert. Das Avandrina di Cardelah am Ende noch ins Koma fällt und den Menschen nicht helfen kann, ist ein wenig »plotdriven«, wie man so schön sagt. Dafür werden wir Eric Leyden in Aktion sehen und das entschädigt mich für den unglücklichen Kunstgriff.

»Melodie des Untergangs« hat mich nicht überzeugt, weil hier nichts wirklich zusammenpasst. Als Leser sehe ich Teile eines Mosaiks, ohne ein Bild erahnen zu können. Die Handlung ist mir an vielen Stellen zu oberflächlich und teilweise auch zu auktorial. Ich erfahre nur wenig über das Gefühlsleben der Protagonisten. Man kann Susan Schwartz zugutehalten, dass die Vielzahl der Charaktere eine tiefergehende Schilderung unmöglich machte. Dennoch habe ich schon bessere Romane von ihr gelesen.

Abschluss mit losen Enden

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 99 – »Showdown für Terra« von Oliver Plaschka

Der Meister der Harmonie darf nicht nur den Zyklus zu Ende bringen, sondern auch mit Band 99 den letzten Roman nach einem Exposé von Frank Borsch schreiben. (Band 100 wird der Exposéautor selbst schreiben.) Dabei steht Oliver Plaschka vor der kniffligen Aufgabe alle losen Fäden zu einem Ende zu verknüpfen. Was angesichts der Fülle noch offener Handlungsstränge eine unlösbare Aufgabe ist. Er konzentriert sich daher auf die Handlung um Perry Rhodan und Reekha Chetzkel.

Auf der Orbital-Station über Terra kommt es zum Finalen Kampf zwischen den Arkoniden und den Menschen, wobei nicht alle Arkoniden auf einer Seite kämpfen. So versuchen sowohl die Stationskommandantin als auch der Celista Jemmico den Reekha mit allen Mitteln aufzuhalten. Ihre plötzliche Treue den Terranern gegenüber kommt überraschend und wird wenig überzeugend erklärt, was sicher dem Zeitdruck geschuldet ist, unter dem der Autor stand. Auch Rhodan und die Mutanten tun alles um die Katastrophe zu verhindern, nicht ohne das der Expokrat dafür tief in die Trickkiste greifen muss. Es wird gekämpft, gemordet, getäuscht und manipuliert. Fürsorger Satrak schickt seine KI ins Rennen, weil er selbst indisponiert ist. Dabei wäre er eigentlich derjenige, der den Reekha hätte aufhalten müssen und können, denn er ist ja nicht tot und Chetzkels Machtübernahme war im Grunde nicht Rechtens. Aber so ein baumbewohnender Kolonialarkonide ist nun mal nicht die große Actionfigur, die man in spannende Abenteuer schickt. Das übernimmt Jemmico, der in den vergangenen Roman zwar an Format gewonnen hat, dessen plötzliche Wendung hin zu den Terranern aber nicht umfassend herausgearbeitet wird. Er opfert im Grunde seine Karriere für die Menschen, die er noch vor Wochen gefangengenommen und zum Mars deportiert hat.

Das Chetzkel sich von den Mutanten hereinlegen lässt, ist seinem durchgedrehten Verstand geschuldet. Er agiert am Ende wie im Rausch und ist blind für logische Schlussfolgerungen. Nur deswegen kann er besiegt werden. Da war wenig zu spüren von dem einst so erfolgreichen und logisch denkenden Feldherrn.

Interessant ist auch hier, dass es nicht Perry Rhodan selbst ist, der den Reekha zur Strecke bringt, sondern Jemmico. Ein weiterer Hinweis darauf, wie sich die Autoren bemühen, dass Rhodan eine weiße Weste behält. Für mich fühlt sich das nicht nach dem richtigen Ansatz an. Ich wünschte mir Rhodan ein wenig härter und kompromissloser.

Als eine Arkonbombe droht die Erde zu vernichten, taucht unerwartet Bully mit einer neuen Flotte auf und rettet die Erde quasi in letzter Minute. Das war der Punkt, wo ich den Kopf schütteln musste. Hier wurde großes Potential verschenkt. Ich hätte zu gern gewusst, wie Bully mit dem Haluter Fancan Teik auf Vulkan den Stützpunkt der Ersten in Besitz nimmt. Während in einigen Vorgängerromanen herumgetrödelt und sinnlose Handlungen generiert wurden, fehlt nun am Ende die Zeit, um das eigentlich wichtigste zu erzählen. Ein oder zwei Bände mehr, hätten der Handlung sicher gut getan und auch dem Autor geholfen seine Geschichte überzeugender zu erzählen. Da hätten manchmal nur ein paar Sätze mehr aungerecht, um einige offensichtliche Löcher zu stopfen.

Oliver Plaschka rettet das, was zu retten ist mit einem spannenden Plot, der zwar ein paar Unstimmigkeiten aufweist, aber den Leser zumindest bis zum letzten Wort fesselt und durch die sehr schöne Figurenzeichnung. Man fühlt als Leser mit den Figuren. Egal ob Chetzkel und Mia Weiß, Jemmico oder Rhodan sie agieren ihrem Charakter entsprechend und stellenweise sehr gefühlvoll. Rhodans finale Gedanken trieben mir auf der letzten Seite tatsächlich die Tränen in den Augen und das im positiven Sinne.

Es hätte mindestens noch zwei solcher Bände gebraucht, um die Handlung des Zyklus, beziehungsweise die Ära Borsch zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen. So wirkt »Showdown um Terra« hektisch und trotz des Meisters der Harmonie etwas unrund. Schade!

Aalglatter Bösewicht

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 97 – »Der Zorn des Reekha« von Michael H. Buchholz

Anders als seine Kollegen Michelle Stern oder Christian Montillon schreibt Michael H. Buchholz eine, sagen wir mal, bodenständige Science Fiction. Er verwendet SF-Elemente in einem realistisch anmutenden Setting. In diesem Fall wird das noch verstärkt durch den Handlungsort – die Ruhr-Arena Dortmund. Ein Ort, den man nicht zwangsläufig in einem SF-Roman erwarten würde. Ein Vorgehen, das aber bei PERRY RHODAN Tradition hat und besonders bei NEO häufig verwendet wird. Ich mag so etwas gern lesen, sofern die Logik eingehalten wird.

Der Plot wird vom Autor in mehreren überschaubaren Handlungsebenen zügig vorangetrieben. Das Tempo zum Schluß massiv angezogen. Es gibt genügend Plotpoints, so dass die Handlung nicht allzu geradlinig verläuft. Die Figuren sind interessant beschrieben. Mit Fancan Teik taucht erstmals ein Haluter in der NEO-Serie auf. Die Schlacht zwischen den Besatzungstruppen und den Free Earth Kämpfer in der Fußball-Arena ist zwar blutig und brutal, aber durchaus glaubhaft erzählt. Teik rettet den Fürsorger, kurz bevor der von Chetzkel ermordet werden kann. Dabei zeigt sich der Reekha wieder von seiner besonders bösen Seite. Mir kommt der Charakter in den letzten Romanen ein wenig zu eindimensional rüber. Da gab es in diese Zyklus schon Romane, in denen er mehr Profil hatte. Aus meiner Sicht würde ein bisschen mehr Hintergrund der Figur guttun, aber das ist so kurz vorm Finale beinahe schon zu spät.

Ein paar der Aktionen sind wieder einmal dem Zufall geschuldet und wieder sind es nicht allein die Menschen selbst, die sich befreien, sondern ein überirdisches Wesen in Form eines Haluters. Warum dieser so schnell Partei für die Menschen ergreift, ist mir an dieser Stelle nicht ganz klar geworden. Da hätte ich mir mehr Hintergrundfakten gewünscht.

Alles in allem ist »Der Zorn des Reekha« ein spannender und leicht zu lesender Roman. Mir persönlich ist er ist aber ein wenig zu glatt und ein wenig zu hektisch. Da geschieht vieles zu schnell, als es realistisch möglich ist. Außerdem fehlt das Alleinstellungsmerkmal, das besondere. Dies könnte eine außergewöhnliche Figur oder eine ausgefallene Technologie sein, vielleicht auch eine ungewöhnliche Erzählweise. Dennoch zolle ich den Autor großen Respekt, dass er bereits so kurz nach der Behandlung seiner Krebserkrankung einen so gut ausgearbeiteten Roman abliefert.