Die Textzeile stammt aus einem Lied der Punkband Love A. Irgendwie muss das in mein Unterbewusstsein eingedrungen sein, denn vergangene Nacht träumte ich genau davon.
Eine Stadt – an den Häusern klebt brauner Schlamm. Er ist schon getrocknet, denn es staubt, wenn man die Straßen entlang geht. Tage zuvor muss eine Flutwelle die Häuser überrollt haben. Die Mauern sind zwar intakt geblieben, doch in den Straßen und auf den Dächern liegen riesige Wal-Kadaver. Auf einer Fabrikhalle gammelt ein Pottwal vor sich hin und auf den Dächern mehrerer Garagen liegen vier Wahlhaie, die Finnen in den Himmel gestreckt. Ich sehe keine Menschen, nur tote Wale. Irgendjemand hat begonnen die Kadaver einzusammeln. Auf einem großen Platz liegen sie nach Gattung nebeneinander gereiht, vielleicht fünfzig Tiere. Direkt vor mir liegen drei Orcas, weiter vorn entdecke ich Buckelwale. Ich gehe über den Platz und staune. Bei dem Gedanken, warum von den toten Walen kein Gestank ausgeht, wache ich auf.
Mhm! Seltsam, was man so träumt. Manchmal träume ich ganze Spielfilme. Letztens haben ich gegen Terroristen ermittelt. Interessanterweise kann ich mich nach dem Aufwachen noch ziemlich genau daran erinnern, oftmals ergibt es dann aber keinen Sinn mehr. Nur hin und wieder bleibt ein Gedanke oder ein Bild hängen, dass ich interessant finde und das mich über Jahre hinweg verfolgt. Vielleicht sollte ich mir diese Ideen notieren und irgendwann in Geschichten verarbeiten.
Am Samstag kauften wir im Gartenmarkt Pflanzen für die Terrasse, darunter war auch ein Töpfchen Basilikum. Weil es aber die Tage so kalt war, stellten wir es auf’s Fensterbrett in der Küche.
Gestern Nachmittag zeigte mir mein Mann einen winzigen Grashüpfer, den er auf dem Küchenboden gefangen hatte. Bald stellte sich heraus, dass es nicht der einzige war. Im Küchenfenster wimmelte es von kleinen Hüpfern, die von mir einer nach dem anderen vorsichtig ins Freie gebracht wurden. Sie kletterten freiwillig auf meine Hand und blieben dort auch sitzen, während ich sie auf die Terrasse trug.
Eigentlich können die nur aus der Erde des Basilikumstockes geschlüpft sein, denn wo sonst sollten plötzlich all die kleinen Hüpfer hergekommen sein. Für die kommende Nacht müssen sie sich auf der Terrasse ein warmes Plätzchen suchen, denn es soll wieder kalt werden. Da muss ich auch die andere Errungenschaft aus dem Gartenmarkt ins Wohnzimmer stellen – ein Waxblumenbäumchen. Ich bin sonst nicht so der Blumenfan, aber das hat mir so gut gefallen, dass ich es unbedingt haben musste.
Eine richtig toller Film lief gestern im Abendprogramm des ZDF. Die Geschichte um zwei Schwestern aus Erfurt, die 1986 Urlaub am Balaton machen, weckte meine Aufmerksamkeit durch seine guten Kritiken im Netz. Und tatsächlich, ich wurde nicht enttäuscht.
Normalerweise bin ich kritisch, wenn ich Filme sehe, die über das Leben in der ehemaligen DDR handeln. Viele sind zu Klischee beladen und bilden nicht das Leben ab, wie ich es kennengelernt habe. Daher gehe ich meist mit einer gewissen Skepsis an solche Produktionen heran. Doch das, was das Produktionsteam von Seven Dogs unter der Regie von Ben Verbong da inszeniert hat, kann sich sehen lassen. Da vereint sich Spannung, Psychologie und Authensität zu einem vielschichtigen Plot der niemals unglaubwürdig wird.
Zunächst war ich besorgt, wie viele Handlungsfäden die Macher denn noch in die neunzig Minuten packen wollten. Erst als ich am Ende mitbekam, dass es der erste Teil einer Trilogie ist, war ich beruhigt. Denn so viele Fässer, wie in der ersten Stunde aufgemacht wurden, kann man in neunzig Minuten nicht schließen.
Da sind zum einen die beiden jungen Frauen, die zum ersten Mal aus der DDR ins Ausland reisen – im Gepäck ihre Vorurteile gegen Westdeutsche und die Warnungen der Eltern vor der omnipräsenten Stasi. Unten angekommen werden sie direkt mit den Verlockungen des Westens konfrontiert und werfen die Vorsicht schnell über Bord.
Auf dem Campingplatz auf dem die beiden zelten, wartet der westdeutsche Freund ihrer Mutter (gut gespielt von Anja Kling). Die Ältere der Schwestern ist seine Tochter, die er in 25 Jahren noch nie gesehen hat. Das brisante, weder Tochter noch der aktuelle Ehemann der Mutter, und Vater der anderen Schwester, wissen von dem Geheimnis.
Zu den jungen Leuten, die sich auf dem Campingplatz tummeln und zu denen die Schwestern schnell Kontakt finden, zählen auch Rudi, ein ruhiger und anständiger junger Mann, sowie ein verliebtes Pärchen. Alle drei haben ebenfalls etwas zu verbergen, was den Schwestern gefährlich werden könnte.
Und dann ist da noch der Chef eines 5 Sterne-Hotels, in den sich beide Schwestern verlieben und der die jungen Frauen aus dem Osten mit westlichem Lebensstil ködert. Außerdem ist er der Kopf einer Schleuserbande und steht unter Beobachtung durch die Stasi und der ungarischen Behörden.
Das alles spitzt sich schön langsam zu, und die Zuschauer wissen oftmals mehr, als die beiden Protagonistinnen. Dass macht die Geschichte unheimlich spannend. Dazu spielen die Darsteller sehr natürlich und unverbraucht, vor allem die beiden Schwestern (gespielt von Cornelia Gröschel und Sonja Gerhardt). Das macht Lust auf mehr …
Sicher werde ich auch am nächsten Sonntag wieder einschalten, wenn der zweite Teil läuft. Hoffentlich ist der genauso gut wie Teil eins.
Die dreiteilige Produktion erscheint am 5. Mai auch auf einer Doppel DVD. Bis dahin kann man sie auch in der Mediathek des ZDF ansehen.
Die Bundeswehr hat ein Hitzeproblem, las ich derzeit in den Nachrichten. Bei ihrem UN-Einsatz in Mali sei nur die Hälfte der Fahrzeuge einsatzbereit, die Hubschrauber dürfen bei mehr als 43° C nicht starten, weil sie nur bis zu dieser Temperatur zugelassen sind. Aber auch beim Nachschub klemmt es. Da werden die aus Deutschland anreisenden Kameraden vor ihrer Reise schnell noch zum Mercedeshändler um die Ecke geschickt, um ein paar Keilriemen für die »Wölfe« mitzubringen.
Da frage ich mich, was das für ein Licht auf ein Land wirft, wenn es kaum in der Lage ist, die Auslandseinsätze seiner Soldaten materialmäßig abzusichern. Es müsste den Politikern zu denken geben. Vielleicht sollten wir einfach nicht mehr bei jedem UN-Einsatz »hier« schreien, denn es sind zu viele geworden in letzter Zeit. Außerdem ist die Bundeswehr nie für Einsätze wie den in Mali vorgesehen. Die Ausrüstung wurde nach Normen gefertigt, die für unsere Breiten gedacht sind und nicht für die afrikanische Wüste.
Die Bundeswehr soll Deutschland verteidigen. Ich sage nicht, dass wir uns jetzt überall zurückziehen sollten. Im Zuge der Globalisierung verschoben sich nicht nur die Grenzen, sondern es entstanden viele neue Krisenherde, an denen wir Europäer nicht ganz unschuldig sind. Nun versucht man die Brandherde zu löschen, bevor uns ihre Ausläufer erreichen.
Dass dies nicht mit der derzeitigen Ausstattung geht, hätte man viel früher erkennen müssen, frühestens beim Einsatz in Somalia und Jugoslawien Anfang der Neunziger. Wenn die Politik die Aufgaben der Bundeswehr ständig erweitert, hätte sie dafür sorgen müssen, die Truppe dementsprechend auszustatten. Und vielleicht sollten man in dem Zuge auch mal die engen Vorschriften überdenken und nicht Bundeswehr-LKWs in Afghanistan stilllegen, nur weil der TÜV abgelaufen ist. Sicher geht es hier um die Sicherheit der Soldaten, aber ist es wirklich ein so großer Unterschied, ob ein Hubschrauber bei 43° oder 45° C startet?
… Das fragte ich mich, als ich gestern mit meiner Beute die Bahnhofsbuchhandlung verließ. Ganze drei Publikationen aus dem Pabel-Moewig Verlag hielt ich in Händen. Die PERRY RHODAN Erstauflage kaufte ich hauptsächlich wegen der Clubnachrichten. Da aber der Roman von Michelle Stern ist, werde ich ihn sicher auch irgendwann mal lesen. Den ersten Band der TERMINUS Miniserie musste ich haben, weil ich die Miniserien gern mag und weil Uwe Anton in seinem Werkstattbericht (SOL 86) davon erzählt, dass die Handlung in der Frühzeit der Serie spielt – zu Beginn des Cappin-Zyklus‘. Jenem Zyklus also mit dem ich Anfang der Neunziger in die Serie eingestiegen bin. Nur leider habe ich die letzten drei Bände von PR-JUPITER noch nicht durch. TERMINUS Band 1 wird also noch warten müssen. Inzwischen finde ich es fast spannender, die Miniserien am Stück zu lesen. Der NEO ist aber bald dran, schließlich will ich wissen, wie es weiter geht mit Perry und Tuire in Suurt und mit den Gurrads. Der liegt ganz oben auf meinen Lesestapel.
Weil das offensichtlich nicht genug PERRY RHODAN ist (schließlich muss ich 50 Jahre Seriengeschichte aufholen), lese ich zwischendrin noch den Silberband 28 »Lemuria« aus dem MdI-Zyklus – Kapitelweise beim Frühstück. Dabei amüsiere ich mich über die Logiklöcher und die manchmal haarsträubende Handlung. Wenn das heute so in der Erstauflage geschrieben würde, die Fans würden die Redaktion mit Protest-E-Mails bombardieren oder es gäbe einen Shitstorm im Forum bzw. in den Sozialen Medien. Damals hat das keinen gestört. Im Gegenteil, noch heute zählt der MdI-Zyklus unter den Fans zu den beliebtesten Zyklen. Ich denke, dass es die grundlegenden Ideen hinter der Geschichte sind, die heute noch faszinieren. Auch wenn man es inzwischen sicher auf andere Weise erzählen würde.
Ich werde wohl einen Kurs zum beschleunigten Lesen besuchen müssen, um das Pensum in Zukunft schneller zu bewältigen. Schließlich warten noch ganz andere Schätze im Bücherregal, wie Neil Gaimans »Der Ozean am Ende der Straße« oder zwei Romane von Gregory Benford sowie »Vortex« der dritte Teil der Spin-Trilogie von Robert Charles Wilson und und und …
PERRY RHODAN NEO Band 145 – »Hafen der Pilger« von Rüdiger Schäfer
Ich muss mich schon fast entschuldigen, weil ich die Rezension zu diesem NEO-Roman so spät veröffentliche. Seitdem ich nicht mehr pendle, hinke ich meinem Lesepensum etwas hinterher. Dann kamen noch die Ostertage dazwischen, an denen ich keine Zeit zum Lesen hatte und so kommt meine Besprechung zum aktuellen Roman meines Lieblings-NEO-Autoren erst heute.
Doch zurück zur Geschichte. Wie die meisten Romane in dieser Staffel fällt auch »Hafen der Pilger« etwas aus der Reihe.
Der Inhalt ist kurz zusammengefasst. Perry Rhodan gerät im Kugelsternhaufen Suurt in Gefangenschaft abtrünniger Gurrads. Auf ihrem Schiff trifft er auf Tuire Sitareh. Mit der Zeit können beide die Löwenmenschen von ihrer Harmlosigkeit überzeugen und durch Hilfe bei der Reparatur des Raumschiffes und ihrer Basis als Freunde gewinnen. Die Gurrads helfen ihnen sogar dabei fünf wichtige Prüfungen zu bestehen, um auf Pilgerreise nach Ambaphal gehen zu können.
Der Autor schickt Rhodan und Sitareh auf ein klassisches Planetenabenteuer. Fern von kosmologischen Verwicklungen müssen sich die beiden Freunde mit ziemlich weltlichen Dingen herumschlagen, sei es, sich vor tausenden Zuschauern nackt auszuziehen, eine Bürstenmassage über sich ergehen lassen, Verse auswendig lernen, einen Turm zu erklettern oder einen schleimigen Wurm zu verspeisen. Das bringt etwas Abwechslung ins Übermaß an kosmischen Entwicklungen in den vergangen Staffeln. Ich finde es schön, dass mal keine Schlachten geschlagen werden müssen und auch sonst nicht viel gekämpft wird. Der ruhige Handlungsfortschritt, der sich über einige Wochen hinzieht, entspannte mich regelrecht. Spannung bezieht Rüdiger Schäfer wie immer mehr aus dem Inneren der Figuren und ihrem Agieren mit der phantastischen Umwelt. Das gefiel mir außerordentlich gut und ich habe an einigen Stellen gedacht, dass ich das wahrscheinlich genauso geschrieben hätte. Diese Parallelität der Schreibstile freut mich immer. Ungewöhnlich, aber interessant, finde ich die Gurrads. In ihrem Verhalten ähneln sie den Klingonen bei STAR TREK.
»Hafen der Pilger« ist sicherlich kein schlechter Roman, dennoch bleiben nach wie vor Fragen. Warum unternimmt Perry Rhodan die Pilgerreise, obwohl sie nicht ungefährlich ist? Was erwartet er sich davon? ES hat ihn nach Sagittarius geschickt und nicht in den davor liegenden Kugelsternhaufen. Oder, doch …? Schließlich machen sich sowohl sein Wasserschiff, als auch die Verrytsphäre von Tuire Sitareh einfach so aus dem Staub. Das lässt ihm wenig Spielraum, so ganz ohne technische Hilfsmittel der Superintelligenz. Mir persönlich ist das zu »plot-driven«, um mich zu überzeugen. Irritiert hat mich auch Sitarehs plötzliche Fähigkeit sein Gegenüber mittels seiner Ausstrahlung zu beeinflussen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist das bisher nie so offensichtlich angesprochen worden. Auch wenn mir der ruhige und langsame Handlungsfortschritt des Romans gefallen hat, in Bezug auf die Staffelhandlung spüre ich nur wenig Fortschritt. Ich bin unsicher, wohin die Reise gehen und wie das enden soll. Ich möchte die vergangenen Bände von METEORA nicht schlecht reden. Aber diese Staffel plätschert so vor sich hin, dass ich mich frage, ob da nicht schon zu Beginn die Luft raus war. Wollen die Expokraten nach den schlimmen Ereignissen auf der Erde und der überstürzten Handlung sich und den Lesern eine Verschnaufpause gönnen? Angesichts der schweren Krankheit von Exposéautor Michael Buchholz hätte ich sogar Verständnis dafür.
Trotz alledem bin ich gespannt, wie die Handlung weitergeht, sowohl mit Rhodan und Sitarehs Pilgerreise, also auch auf der Erde.
Das starke Cover von Dirk Schulz erinnert mich an den Planeten Scarife bei Rouge One.
Mein Fazit: »Hafen der Pilger« ist nicht der überragendste NEO-Roman den ich von Rüdiger Schäfer gelesen habe, aber sicher der Ungewöhnlichste. Im Gedächtnis bleiben mir die plastischen Bilder der Pilgerstadt, die interessanten Charaktere und die über einen ungewöhnlich langen Zeitraum verlaufende Handlung.
Vorgestern startete eine weitere Growdfunding Kampagne mit Star Trek-Beteiligung. »The Circuit« ist ein Projekt an dem Fans, Prominente und professionelle Filmemacher zusammenarbeiten. Es sollen Zehn SF-Geschichten aus unterschiedlichen Subgenres erzählt werden, die alle in der Stadt Urbiessa spielen sollen.
Die Liste der Namen liest sich wie das WhoIsWho von Star Trek, aber auch Darsteller anderer wichtiger Serien sind vertreten. Chef des Ganzen ist Manu Intiraymi, jener Schauspieler der den Icheb bei Star Trek-Voyager mimte. Ihn lernte ich 2014 auf der nicht stattgefunden Trekgate als sehr netten Kerl kennen. Das Team sucht auch noch Fans, die sich daran beteiligen möchten – als Autor, Techniker oder Künstler.
Das klingt ganz interessant, mal sehen ob die Finanzierung genauso gut läuft, wie bei der Dokumentation zu Deep Space Nine und ob am Ende auch tatsächlich das Projekt erfolgreich beendet werden kann.
Die Kampagne läuft noch bis zum 23. Mai auf Kickstarter. Es gibt wieder jede Menge tolle Sachen, wenn man spendet.
Würde ich eine Geschichte erzählen, die ein anderer bereits erzählt hat? Vermutlich nicht! Und schon gar nicht innerhalb eines Jahres. Selbst wenn es eine wahre Geschichte ist, die man aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten kann, entsteht bei Außenstehenden doch der Eindruck, als wolle man zeigen, dass man es besser kann als der andere.
Nun ja, die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sehen das wohl nicht so eng, denn sie haben genau das gemacht. Einen Film produziert, der die gleiche Geschichte erzählt, wie ein Film, der bei RTL bereits im vergangenen Jahr ausgestrahlt wurde. Es geht um die Gebrüder Dassler aus Herzogenaurach, besser bekannt durch Adidas und Puma. Nach anfänglicher Zusammenarbeit im eigenen Betrieb, zerstreiten sie sich, gründen jeder seine eigene Firma und spalten damit einen ganzen Ort.
Zugegeben, die Geschichte ist spannend und absolut verfilmungswürdig. Und RTL hat das auch überraschend gut hinbekommen. Die Darsteller waren lebendig und glaubwürdig, und der dramatische Konflikt der Brüder wurde mit einer gewissen Frische erzählt.
Das alles fehlt in der ARD-Version. Die Schauspieler sind nicht schlechter, aber sie wirken steif und passen für meinen Geschmack nicht so richtig in ihre Rollen. Außerdem wirkt vieles an dem Film pathetisch, fast schon muffig. Und nicht nur in den Figuren steckt diese gewisse Biederkeit auch die Bilder wirken so. Da ist keine Frische zu spüren. Ich glaube, man wollte wohl die Zeit der Weltwirtschaftskrise und der Naziherrschaft abbilden und hat den Film damit zu schwer und zu schwerfällig gemacht. Und auch die Masken, die die Darsteller stark gealtert zeigen, sehen nicht wirklich echt aus. Ich bin ja nicht unbedingt ein Fan der Privaten, aber dieses gewollt künstlerische, dass bei vielen Produktionen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu spüren ist, gefällt mir nicht. Das man einen Kulturauftrag hat und den auf Teufel komm raus erfüllen will, gereicht da vielen Produktionen zum Nachteil.
So richtig überzeugen konnte mich »Die Dasslers« also nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass ich die Geschichte bereits kannte und sie in ähnlicher Weise schon gesehen habe. Und noch eines gefiel mir bei RTL besser, nämlich die Dokumentation im Anschluss an den Fernsehfilm. Die war richtig gut.
Vielleicht besinnt man sich in Zukunft bei ARD und ZDF mal nicht darauf, etwas, das bei den Privaten erfolgreich war, zu kopieren, sondern sucht sich Geschichten heraus, die noch nicht erzählt wurden. Davon gibt es mehr als genug.
Als Kind habe ich gern mit meinen Matchbox-Autos gespielt. Ich hatte nur ein paar. Die hatte mir die Oma aus dem Westen mitgebracht oder die Westverwandtschaft bei Besuchen im Intershop gekauft. Deshalb wurden die Metallautos von mir gehegt und gepflegt und nach dem Spielen wieder zurück in ihre Kartons geschoben, wie in eine Garage. Das Schönste an den Autos war, dass sie bunt waren, rot, grün oder metallblau. Am liebsten hatte ich jedoch einen orangefarbenen Flitzer, woraus wahrscheinlich meine Vorliebe für orangefarbene Autos resultiert. – Ich hätte gern so einen orangefarbenen CrossPolo, wenn ich lieber und öfter Autofahren würde.
Heute auf der Autobahn sind wir an vielen Staus vorbeigekommen. Auf der Gegenseite wälzte sich eine wahre Blechlawine gen Norden. Was mir sofort auffiel war, dass die meisten Autos dunkel oder weiß waren. Man könnte die Farben der Autos fast als »Fifty Shades of Grey« bezeichnen. Hin und wieder war mal ein Rotes dazwischen, seltener ein Blaues und noch seltener ein Gelbes (von den ADAC-Fahrzeugen mal abgesehen). Grüne gab es fast gar nicht, dafür sah man vermehrt Kackbraune Karossen und alle Variationen von schwarz.
Warum spielt man als Kind so gern mit bunten Autos und kauft sich dann als Erwachsener einen »Leichenwagen«? Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, dass es schwarze Matchbox-Autos gab, außer eben als Leichenwagen oder Staatskarosse.
Ich wünschte die Autos auf unseren Straßen wären ein bisschen bunter und würden nicht so martialisch aussehen. Vielleicht würde dann auch nicht so aggressiv gefahren und man würde mehr auf den anderen achten, weil einem die Farbe des Autos so gut gefällt.
Unser Osterspaziergang führte uns heute Morgen über verbotene Pfade.
Der beliebteste Wanderweg der Stadt, der sich in einem Tal entlang eines kleinen Baches mitten durch die Stadt zieht, ist schon seit Jahren für Fußgänger gesperrt, eigentlich! Aber die Saalfelder halten sich nicht daran, verständlicherweise, denn der kleine Weg ist zu urig und bietet Natur pur. Der Bachlauf hat sich über Jahrhunderte in den Sandstein gegraben und plätschert in kleinen Kaskaden dahin, drumherum stehen alte Bäume und im Frühjahr sind die Hänge mit bunten Blumen und frischem Grün bedeckt. Ein Idyll, das die Stadt ihren Bewohnern schon seit Jahren vorenthält, des Geldes wegen. Eine der Brücken ist marode, die Hänge rutschen bei Regen leicht ab und müssten befestigt werden, aber der Stadt fehlt das Geld zur Sanierung und so wurden Weg und Brücke 2015 kurzerhand gesperrt.
Dafür wurde der eigentlich intakte Marktplatz neu gepflastert (mit Steinen aus Vietnam wohlgemerkt) und am Kreisverkehr in unserer Straße stellte man vor Wochen zusätzlich zu den schon stehenden Straßenlaternen »vier« neue auf, um die Fußgängerwege besser auszuleuchten. Natürlich mit konventionellen Lampen nicht mit LED-Technik. Dafür werden in den Seitenstraßen die Straßenlaternen abends ausgeschaltet, um Geld zu sparen. Das alles folgt einer Logik, die sich mir entzieht.
Zurück zum Bach und der maroden Brücke. Die soll jetzt tatsächlich erneuert werden für stolze 140.000 Euro. Die bestehende Brücke – es ist mehr ein Steg – ist ca. 4 Meter lang, was mich grübeln lässt, was diesen Steg so teuer macht. Wahrscheinlich wird das auch so ein Prestigebau wie die Brücke der Umgehungsstraße, die ein paar Meter Bachaufwärts das Tal kreuzt. Hier führt sogar eine Treppe nach oben, die endet leider an einer vergitterten Tür vor dem Fußweg. Die Tür ist Teil eines drei Meter hohen Schutzzauns, der die gesamte Brücke einschließt und dessen Sinn sich mir nicht erschließt. Die Brücke ist nicht sehr hoch, es ist keine Lärmschutzwand, warum also braucht man den überdimensionalen Zaun? (Möglicherweise wegen der ansässigen Fledermäuse.) Wenn man dort einen offenen Zugang schaffen würde, könnte man sich sogar den Brückenneubau ersparen. Aber das würde sicher gegen irgendwelche Sicherheitsbestimmungen verstoßen …
Wir leiden unter einem ständig zunehmenden Sicherheitswahn, der uns immer mehr kostet und immer mehr einschränkt, weil uns Anwälte und Versicherungen diktieren, was wir zu tun und zu lassen haben. Vielleicht sollten wir mal einen Schritt nach hinten machen und uns überlegen, was wirklich notwendig ist und was nicht. Und vielleicht sollten alle die, die meinen wegen jedem Kram gleich klagen zu müssen, mal aufhören so gierig zu sein und sich bewusst machen: es gibt keine einhundertprozentige Sicherheit. Das war früher schon so und wird auch in Zukunft so bleiben.