Einschränkender Sicherheitswahn

Unser Osterspaziergang führte uns heute Morgen über verbotene Pfade.

Der beliebteste Wanderweg der Stadt, der sich in einem Tal entlang eines kleinen Baches mitten durch die Stadt zieht, ist schon seit Jahren für Fußgänger gesperrt, eigentlich! Aber die Saalfelder halten sich nicht daran, verständlicherweise, denn der kleine Weg ist zu urig und bietet Natur pur. Der Bachlauf hat sich über Jahrhunderte in den Sandstein gegraben und plätschert in kleinen Kaskaden dahin, drumherum stehen alte Bäume und im Frühjahr sind die Hänge mit bunten Blumen und frischem Grün bedeckt. Ein Idyll, das die Stadt ihren Bewohnern schon seit Jahren vorenthält, des Geldes wegen. Eine der Brücken ist marode, die Hänge rutschen bei Regen leicht ab und müssten befestigt werden, aber der Stadt fehlt das Geld zur Sanierung und so wurden Weg und Brücke 2015 kurzerhand gesperrt.

Dafür wurde der eigentlich intakte Marktplatz neu gepflastert (mit Steinen aus Vietnam wohlgemerkt) und am Kreisverkehr in unserer Straße stellte man vor Wochen zusätzlich zu den schon stehenden Straßenlaternen »vier« neue auf, um die Fußgängerwege besser auszuleuchten. Natürlich mit konventionellen Lampen nicht mit LED-Technik. Dafür werden in den Seitenstraßen die Straßenlaternen abends ausgeschaltet, um Geld zu sparen. Das alles folgt einer Logik, die sich mir entzieht.

Zurück zum Bach und der maroden Brücke. Die soll jetzt tatsächlich erneuert werden für stolze 140.000 Euro. Die bestehende Brücke – es ist mehr ein Steg – ist ca. 4 Meter lang, was mich grübeln lässt, was diesen Steg so teuer macht. Wahrscheinlich wird das auch so ein Prestigebau wie die Brücke der Umgehungsstraße, die ein paar Meter Bachaufwärts das Tal kreuzt. Hier führt sogar eine Treppe nach oben, die endet leider an einer vergitterten Tür vor dem Fußweg. Die Tür ist Teil eines drei Meter hohen Schutzzauns, der die gesamte Brücke einschließt und dessen Sinn sich mir nicht erschließt. Die Brücke ist nicht sehr hoch, es ist keine Lärmschutzwand, warum also braucht man den überdimensionalen Zaun? (Möglicherweise wegen der ansässigen Fledermäuse.) Wenn man dort einen offenen Zugang schaffen würde, könnte man sich sogar den Brückenneubau ersparen. Aber das würde sicher gegen irgendwelche Sicherheitsbestimmungen verstoßen …

Wir leiden unter einem ständig zunehmenden Sicherheitswahn, der uns immer mehr kostet und immer mehr einschränkt, weil uns Anwälte und Versicherungen diktieren, was wir zu tun und zu lassen haben. Vielleicht sollten wir mal einen Schritt nach hinten machen und uns überlegen, was wirklich notwendig ist und was nicht. Und vielleicht sollten alle die, die meinen wegen jedem Kram gleich klagen zu müssen, mal aufhören so gierig zu sein und sich bewusst machen: es gibt keine einhundertprozentige Sicherheit. Das war früher schon so und wird auch in Zukunft so bleiben.

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